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ScienceCenter FrankfurtRheinMain

Spiegel im Science Center


Spiegel im Unterricht der Grundschulen

Mathematik
Informatik
Naturwissenschaften
Technik

26. Juli 2012


Schutzgebühr für die Druckfassung: 4 €

Autoren: Barbara Schuchardt, unterstützt von Ulrich Bosler,


Astrid Jaschek, Michael Duyster und Elsbeth Kratz

EXPERIMINTA ScienceCenter FrankfurtRheinMain


Hamburger Allee 22-24, 60486 Frankfurt am Main
Tel. 069 713 79 69-0 www.experiminta.de info@experiminta.de
Inhalt
VORWORT ......................................................................................................................................................................... 3

SPIEGELBUCH, Erdgeschoss, linke Seite ............................................................................................................... 4

SPIEGELZEICHNER, Erdgeschoss, linke Seite ..................................................................................................... 5

SCHWEBESPIEGEL, Erdgeschoss, linke Seite ..................................................................................................... 6

SPIEGELSYMMETRIE, Erdgeschoss, linke Seite ................................................................................................. 7

DREIER-DREHSPIEGEL, Erdgeschoss, linke Seite ............................................................................................ 8

RIESENKALEIDOSKOP, Erdgeschoss, linke Seite .............................................................................................. 9

ZERRSPIEGEL, Erdgeschoss, rechte Seite ........................................................................................................... 10

RIESENLÖFFEL, Erdgeschoss, rechte Seite .........................................................................................................11

STREIFENSPIEGEL, Erdgeschoss, rechte Seite ................................................................................................. 12

PARALLELSPIEGEL - BLICK INS UNENDLICHE, Treppenaufgang im Eingangsbereich ............. 13

SACHINFORMATIONEN .......................................................................................................................................... 14

HINWEISE ZUM ERKUNDEN VON STATIONEN IN EXPERIMINTA .................................................. 17

HINWEISE ZUR UNTERRICHTSGESTALTUNG ............................................................................................ 18

Einstiegsmöglichkeiten ................................................................................................................................................. 19

Die experimentelle Arbeit ............................................................................................................................................ 20

Spiegel im Kunstunterricht .......................................................................................................................................... 20

Spiegel im Mathematikunterricht ............................................................................................................................. 21

BAUANLEITUNGEN FÜR DEN UNTERRICHT .............................................................................................. 23

LITERATURHINWEISE ............................................................................................................................................. 26

2 ScienceCenter FrankfurtRheinMain
VORWORT

Das MitMach-Museum EXPERIMINTA verfügt über eine reichhaltige Sammlung von Experimentier-
stationen zum Thema Spiegel. Die Faszination, die Spiegel (nicht nur) auf Grundschulkinder aus-
üben, kann zum Anlass genommen werden, sich sowohl im Science Center als auch im Unterricht
mit dieser Thematik zu befassen.
Trotz der Komplexität des Themas lassen sich viele Aspekte des Spiegelphänomens bereits in der
Grundschule theoretisch wie auch praktisch aufarbeiten.

Die Spiegelstationen in der EXPERIMINTA konzentrieren sich auf zwei Räume:

• Erdgeschoss, rechte Seite

• Erdgeschoss, linke Seite

Diese Aufteilung erleichtert die Arbeit mit dem Thema, da die Kinder nicht zu sehr von den ande-
ren Experimentierstationen abgelenkt sind.

Um Lehrkräften der Grundschule Hilfen zur Verfügung zu stellen, sind im Folgenden Materialien
zum Thema Spiegel zusammengestellt:

1. Vorstellen der Experimentierstationen, die sich mit Spiegeln befassen. Zu jeder der Stationen
gibt es einen Hinweis auf den Aufstellungsort, Bilder und eventuell erklärende Skizzen sowie
eine kurze Beschreibung und Erläuterungen zum wissenschaftlichen Hintergrund.

2. Knappe Sachinformationen zum kulturhistorischen und entwicklungspsychologischen Hin-


tergrund von Spiegeln. Dabei werden auch Hinweise zur Entstehung des Spiegelbildes gege-
ben.

3. Hinweise zum Erkunden von Spiegelstationen in der EXPERIMINTA.

4. Für die Weiterarbeit werden Anregungen zum Beobachten des Phänomens im Alltag und in
der Schule sowie zum Experimentieren im Unterricht und – wenn möglich – zum Nachbauen
eines Experimentes angeboten. Auch wird auf einige unterrichtliche Gestaltungsmöglichkeiten
in der Grundschule hingewiesen, aber insgesamt keine direkte Unterrichtseinheit vorgelegt.
5. Angegeben sind zudem einige beispielhafte Literaturangaben und Adressen im Internet.
Dabei ist zu erwähnen, dass die Literatur zu Spiegeln sehr umfangreich ist.

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SPIEGELBUCH
Erdgeschoss, linke Seite

Beschreibung
Zwei Spiegel sind wie Buchdeckel miteinander
verbunden. Sie können gedreht (aufgeklappt)
werden. Stellt man eine Spielfigur, geometrische
Plättchen oder eine Bildvorlage dazwischen (es
kann auch die eigene Nase sein), spiegeln sie
sich im rechten und im linken Spiegel.
Auch die Spiegelbilder werden wieder und wie-
der kranzförmig abgebildet. Je enger die Spiegel
zusammenstehen, desto mehr Bilder entstehen.
Die Wiederholungen sind abwechselnd „spiegel-
verkehrt“ oder „normal“. Besonders schöne Muster entstehen bei bestimmten Öffnungswinkeln des
Spiegelbuchs.
Durch Experimentieren kann herausgefunden werden,
bei welchen Öffnungswinkeln besonders reizvolle Muster
entstehen.

Eine weitere Möglichkeit das Spiegelbuch zu nutzen ist, die


Vorlagen aus den daneben stehenden Kästen nachzubauen.
Dabei müssen erst die passenden Figuren ausgewählt und
danach die entsprechenden Winkel eingestellt werden.

Zur Erklärung

Bei einem einfachen Spiegel hat jedes Objekt ge-


nau ein Spiegelbild. Beim Spiegelbuch spiegeln
sich aber die „Seiten“ zudem noch gegenseitig,
das Gesamtbild entsteht durch die mehrfache
Reflexion an beiden Spiegeln. Dadurch entste-
hen sowohl Achsen- als auch Drehsymmetrien.
Bei einem Öffnungswinkel von z.B. 45 Grad sieht
man in kranzförmiger Anordnung neben dem
Original 7 Bilder, von denen 4 „spiegelverkehrt“
sind.

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SPIEGELZEICHNER
Erdgeschoss, linke Seite

Beschreibung
Vor einem leicht schräg stehenden Spiegel ist ein
Holzgestell angebracht, in das man hinein grei-
fen kann. In das Gestell legt man ein Blatt Papier
und zwar so, dass man es im Spiegel sieht.
Man kann versuchen, seinen Namen zu schrei-
ben, wobei man nur in den Spiegel schauen darf.

Man kann auch eine Vorlage (wie Stern oder


Herz) benutzen und versuchen, die Konturen
der vorgegebenen Formen nachzumalen. Auch
dabei sollte man nur in den Spiegel schauen!
Bei diesen Versuchen stellt man fest, dass man
sich sehr stark konzentrieren muss und dass das
Zeichnen relativ lange dauert, bis ein zufrieden stellendes Ergebnis zustande kommt.

Zur Erklärung

Der Spiegel vertauscht vorne und hinten. So fallen insbesondere die Bewegungen auf den Spiegel
zu und von ihm weg schwer. Möchte man also eine Linie zeichnen, die auf dem gespiegelten Blatt
von oben nach unten verläuft, muss man eine entgegen gesetzte Handbewegung machen, das
heißt der Stift muss von unten nach oben gezogen werden.
Die wahre Schwierigkeit liegt also in der Koordination von Auge und Hand und die verläuft beim
Spiegelzeichner nicht wie gewohnt, da man Sehen und Handeln über einen Spiegel abstimmen
muss.

Dies lässt sich aber üben: Jemand, der häufig vor dem Spiegel tätig ist (z.B. beim Haare schneiden)
wird mit dieser Aufgabe besser fertig, als jemand, der dies nur ganz selten tut.

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SCHWEBESPIEGEL
Erdgeschoss, linke Seite

Beschreibung
An der gegenüberliegenden Wand (neben dem Fenster) ist ein
hoher schmaler Spiegel angebracht. Im rechten Winkel dazu -
an der freistehenden Wand - ein weiterer großer Spiegel.

Man stellt sich so an die Schmalseite der Wand, dass nur die
rechte Hälfte des Körpers im gegenüberliegenden Spiegel
zu sehen ist. Bei geschickter Aufstellung sieht man den kom-
pletten Körper. Hebt man z.B. das rechte Bein, so sieht man im
Spiegel, dass sich auch das andere Bein hebt. Man sieht sich
sozusagen schweben.

Zur Erklärung
Diese vermeintlich komplette Figur ist aus zwei unterschied-
lichen Spiegelungen derselben unverdeckten Körperhälfte
zusammengesetzt. Im gegenüberliegenden Spiegel sieht man
die rechte Körperhälfte. Diese wird nun auch noch nach links
gespiegelt - auf den Spiegel an der Wand.
Man sieht also die rechte Hälfte zweimal – einmal nach rechts
und einmal nach links gespiegelt. Der komplette Körper, den man meint zu sehen, besteht in Wirk-
lichkeit nur aus der rechten Körperhälfte.

Dieses kann man einfach prüfen, indem man z.B. ein Taschentuch auf den rechten Schuh legt.

Förderung
Diese Station wurde durch die Fa. Glasbau Hahn in Frankfurt a.M. gefördert.

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SPIEGELSYMMETRIE
Erdgeschoss, linke Seite

Beschreibung
Ein Holzkasten ist auf allen vier Seiten mit
Spiegeln versehen. Im Kasten liegen halbierte
Buchstaben aus Holz.

Die Buchstabenhälften werden am Spiegel an-


gelegt. Ausprobiert werden soll dabei, welche
Buchstabenhälften im Spiegel einen ganzen
Buchstaben ergeben.

Zur Erklärung
An dieser Station lässt sich die Achsensymmetrie exemplarisch demonstrieren.

In der EXPERIMINTA sind Buchstaben mit der horizontalen Achse (B, C, D, E, H, I, K, O und X) zu ent-
decken.

Eifriges Ausprobieren bringt Erkenntnisse!

Natürlich können auch Zahlen und andere Gegenstände auf ihre symmetrische Beschaffenheit hin
überprüft werden.

In den Hinweisen zur Unterrichtsgestaltung wird auch auf die „vertikale“ Achse (bei A, H, I, M, T, O,
U, V, W, X, Y) eingegangen.

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DREIER-DREHSPIEGEL
Erdgeschoss, rechte Seite

Beschreibung
Die Rotationsspiegel sind mit Holzrahmen versehen an der Wand angebracht, können sich in beide
Richtungen drehen und erzeugen verschiedene optische Effekte.

Der mittlere Drehspiegel (mit roter Umrandung) ist ein ebener


Spiegel. Man sieht sich also ganz normal.

Der rechte Drehspiegel (mit gelber Umrandung), in den man


hineingreifen kann, besteht
aus miteinander verkanteten
Spiegelflächen. In ihm sieht
man sich beim Drehen kons-
tant auf dem Kopf stehend.

Im linken Drehspiegel (mit


blauer Umrandung), in den
man ebenfalls hineingreifen
kann, sind Spiegelflächen
miteinander verbaut. Beim Drehen dieses Spiegels dreht sich
das Spiegelbild rechts oder links herum. Dabei kann einem leicht
schwindelig werden.

Zur Erklärung
Bei dem linken Rotationsspiegel handelt es sich um einen Winkelspiegel und beim rechten um
einen sog. Tripelspiegel. In diesen sind Spiegel unterschiedlich zu einander verbaut und erzeugen
untereinander Spiegelbilder, die sich erneut spiegeln.

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RIESENKALEIDOSKOP
Erdgeschoss, linke Seite

Beschreibung
Ein sehr großer Dreieckskasten ist ausgekleidet
mit Spiegeln. Stellt man sich in das Innere dieses
Riesenkaleidoskops, so sieht man sich von allen
Seiten in vielfacher Abbildung.

Zur Erklärung

Im Inneren des Dreieckskastens befinden sich


drei Spiegelwände. In jedem Spiegel entsteht
ein Spiegelbild wie man es von einem Wand-
spiegel gewohnt ist. Durch die Ausrichtung der
Spiegel in einem 60-Grad-Winkel zueinander
entstehen Spiegelbilder aus verschiedenen
Perspektiven. Diese wiederholen sich durch Spiegelung in den andern Spiegeln immer wieder. So
sieht man sich unendlich oft gespiegelt, mal von vorne, mal von hinten, mal von schräg vorn, mal
von schräg hinten und hat durch die nicht endenden Spiegelungen den Eindruck, man stehe in
einem unendlich gegliederten dreieckigen Raum.

Und nicht nur sich selbst sieht man, sondern auch die Spiegelkanten des Dreieckskastens - unend-
lich oft.

Förderung
Diese Station wurde vom Physikalischen Verein in Frankfurt a.M. zur Verfügung gestellt.

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ZERRSPIEGEL
Erdgeschoss, rechte Seite

Beschreibung
Zwei große Zerrspiegel stehen an einer Wand
nebeneinander.

In dem rechten Spiegel (Bild rechts) sieht man


sich völlig verzerrt. An einigen Stellen wirken
die Körperteile wie gestaucht, während sie in
anderen Bereichen stark in die Länge gezogen
werden.
In dem linken Spiegel (Bild unten) sieht man sich
verlängert und verschlankt. Hier kann man fast
bis zu einem Faden abmagern.

Solche Zerrspiegel waren


früher eine beliebte Jahrmarktsattraktion und werden auch heute noch vom
Publikum mit viel Spaß und Gelächter ausprobiert.

Zur Erklärung

Der rechte Zerrspiegel besteht aus einer Spiegeloberfläche, die von oben
nach unten in fortlaufenden Wellen geformt ist. An Stellen, an denen sich der
Spiegel nach außen wölbt („Wölbspiegel“), erscheint das Bild in der Senkrech-
ten gestaucht.
Ist der Spiegel hingegen nach innen gebogen („Hohlspiegel“), erscheint das
Spiegelbild gestreckt.

Aus der Mischung dieser beiden Bereiche entstehen die verzerrten Spiegel-
bilder. Da die Spiegeloberfläche nur in eine Richtung gekrümmt wird, wird
auch das Spiegelbild nur in eine Richtung verzerrt.

Analog verhält es sich beim linken Zerrspiegel, bei dem die Spiegeloberfläche
von links nach rechts in fortlaufenden Wellen geformt ist.

Förderung

Diese Station wurde durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main gefördert.

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RIESENLÖFFEL
Erdgeschoss, rechte Seite

Beschreibung
Ein Riesenlöffel ist frei aufgestellt und von beiden Seiten zu sehen.

Ist man von der Löffelkuhle etwas weiter entfernt, sieht man sich verkleinert und auf dem Kopf ste-
hend. Befindet man sich ganz dicht, sozusagen in der Löffelkuhle, sieht man sich wieder aufrecht.
Auf der Rückseite sieht man sein aufrechtes Spiegelbild, allerdings etwa verzerrt.

Zur Erklärung
Der Riesenlöffel hat eine Kuhle (Hohlspiegel) und eine Wöl-
bung (Wölbspiegel).

Ein Hohlspiegel hat wie eine Sammellinse einen Brennpunkt;


den Abstand des Brennpunkts vom Spiegel bezeichnet man als
Brennweite.

Befindet sich der Gegen-


stand innerhalb der Brenn-
weite des Hohlspiegels,
entsteht ein aufrechtes,
vergrößertes Bild.
Ist der Gegenstand außer-
halb der Brennweite, dann
entsteht ein verkleinertes,
auf dem Kopf stehendes
Bild (linkes Bild).
Auf der Löffelrückseite
sieht man sich aufrecht, aber verkleinert (rechtes Bild).

Im alltäglichen Umfeld sieht man Wölbspiegel, die ein vergrö-


ßertes Sichtfeld erzeugen. Diese werden z.B. im Straßenverkehr
benutzt, um an unübersichtlichen Einmündungen die Ver-
kehrssicherheit zu erhöhen.

Förderung
Diese Station wurde durch die Fa. WMF Württembergische Metallwarenfabrik AG, Geislingen/Steige
gefördert.

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STREIFENSPIEGEL
Erdgeschoss, rechte Seite

Beschreibung
Mehrere Spiegelelemente sind horizontal und in
gleichem Abstand in einem Holzrahmen ange-
ordnet. Der Abstand zwischen den einzelnen
Spiegelstreifen entspricht exakt der Höhe der
Spiegelstreifen.
Man stellt sich zu zweit auf je eine Seite des
Spiegels und achtet darauf, dass sich die Gesich-
ter in gleicher Höhe befinden und dass man im
gleichen Abstand vor und hinter dem Spiegel
steht.

Zur Erklärung

Der Betrachter sieht sich partiell in den Spie-


gelstreifen; die Zwischenräume werden durch
das Bild der gegenüber stehenden Person
ausgefüllt. Beide Bilder vereinigen sich zu einem
neuen Mischbild.

Förderung

Diese Station wurde durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main gefördert.

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PARALLELSPIEGEL
BLICK INS UNENDLICHE
Treppenaufgang im Eingangsbereich

Beschreibung
Im Treppenaufgang von EXPERIMINTA befinden
sich rechts und links jeweils eine große Spiegel-
fläche (parallel angeordnet). Tritt eine Person
zwischen diese beiden Spiegel wird ihr Spiegel-
bild unendlich oft gespiegelt.
Zur Verdeutlichung sollte man die Treppe her-
auf- und hinuntergehen.

Zur Erklärung

Zunächst entsteht das Spiegelbild der Person,


dann folgt das Bild des Spiegelbildes, dann das
Bild des Bildes des Spiegelbildes. Das geht im-
mer so weiter, sodass man nicht sehen kann, wie viele Bilder überhaupt entstehen. Der Raum wirkt
dadurch unendlich tief und die Zahl der gespiegelten Personen ist kaum abzählbar.
Dass die Spiegelbilder immer kleiner werden hängt mit dem Abstand zusammen: Die Bilder er-
scheinen immer weiter hinter den Spiegeln. Dinge, die weit entfernt sind, erscheinen klein.

Hinzu kommt, dass bei einer Reflexion das Licht die obere Schicht des Spiegels zweimal durchlau-
fen muss. Dies führt zu einem Verlust an Lichtstärke, so dass die Personen immer dunkler werden.

Förderung
Diese Station wurde durch die Fa. Glasbau Hahn in Frankfurt am Main gefördert.

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SACHINFORMATIONEN

Spiegel gehören zu den Gegenständen, mit denen wir täglich umgehen. So alltäglich sie uns er-
scheinen, stecken sie jedoch voller Merkwürdigkeiten und Überraschungen.
Zum einen steht der Spiegel für den unveränderten Anblick der Dinge – ist in erster Linie ein Inst-
rument der Selbsterkenntnis, das als einziges dem Menschen direkt sein eigenes Bild zeigt (ohne
Spiegel kann der Mensch sich nur von vorne etwa ab Brust bis zu den Füßen sehen).
Zum anderen ist er aber auch ein Instrument der „Transformation“: Bei bestimmten gebogenen
Spiegeloberflächen wird die Realität nicht nachgebildet, sondern in Stücke zerlegt und auf andere
Weise zusammengesetzt, so dass trügerische und fantastische Visionen entstehen. Schon einfache
Spiegelungen, z.B. in einem Fenster oder auf einem Auto können verwirrende Perspektiven erge-
ben, die über die alltäglichen Erfahrungen hinausgehen.
Auch die Symbolik für Spiegel ist nicht eindeutig. Der Spiegel verkörpert einerseits Eitelkeit und
Wollust, andererseits Selbsterkenntnis, Klugheit und Gelehrsamkeit. Kunst und Literatur haben
über die Jahrhunderte diesem Phänomen in unterschiedlichster Weise Ausdruck verliehen.

Herstellung von Spiegeln


Seit Anbeginn hat es die Menschen gereizt, ihr eigenes Gesicht zu betrachten. Deshalb war Wasser
war wohl die erste Spiegelfläche für den Menschen.
Spiegel aus poliertem Silber, Kupfer und Bronze waren bei Ägyptern, Griechen, Etruskern und Rö-
mern gebräuchlich. Etwa seit dem 14. Jahrhundert sind auf Glaskugeln basierende Spiegel be-
kannt. Im 19. Jahrhundert fertigte man Spiegel durch Abscheidung von Silber auf Glas, während
man heute im Allgemeinen Aluminium und Glas zur Spiegelherstellung benutzt.

Entwicklungspsychologische Anmerkungen

Jacques Lacan (französischer Psychoanalytiker) bezeichnet in seiner Theorie die Entwicklungsphase


des Kindes um den 6. bis 18. Lebensmonat als „Spiegelstadium“.
„In dieser Phase entdecken die Kinder ihr eigenes Bild im Spiegel. Mit diesem Blick auf das Ich als
Ganzes konstituiert sich nach Lacan die psychische Funktion des Ichs. Durch das im Spiegel erblick-
te Selbstbild entwickelt das Kind erst ein Bewusstsein von sich selbst“ 1.
Allerdings ist die Theorie des Lacan’schen Spiegelstadiums als „Bildner der Ich-Funktion“ in der psy-
choanalytischen Theorie nicht unumstritten.

Auf die Bedeutung von Spiegeln für die Entwicklung von Kindern setzt auch die Reggio-Pädagogik –
ein in Italien entwickeltes pädagogisches Konzept, das auch auf die internationale Elementarpäda-
gogik Einfluss gewonnen hat 2.
In den von der Reggio-Pädagogik getragenen Einrichtungen finden sich an den verschiedensten
Stellen Spiegel in unterschiedlichen Formationen und Konstellationen, wie z.B. Spiegelzelte, Zerr-
spiegel und Spiegelprismen. Sie geben Anlass zum Ausprobieren, Staunen und Fragen und können
dem Kind helfen, auch in der Interaktion mit anderen, sich ein Bild von sich selbst zu machen.

1
aus http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelstadium
2
siehe www.kindergartenpaedagogik.de/1595.html

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Zur Reflexion des Lichts
Fällt Licht auf die Oberfläche eines Gegenstandes, so strahlt dieser das Licht mehr oder weniger
stark zurück. Die Eigenschaft eines Spiegels ist, das Licht so gut wie möglich zu reflektieren.

Wenn man mit einer Taschenlampe senkrecht auf einen Spiegel leuchtet, kommt das reflektierte
Licht senkrecht zurück. Was geschieht aber, wenn man schräg auf den Spiegel leuchtet?

Diese Reflexionen können an einer Styropor-Platte ver-


deutlicht werden. In die Platte steckt man z.B. einen
Schaschlik-Stab für den einfallenden Lichtstrahl und
überlegt sich, wo und wie der Strahl reflektiert wird
(mit Einstecken eines 2. Stabs).
Nach oft recht erfolglosem Ausprobieren zeigt sich die
Notwendigkeit eines sog. Lots, das mit einem 3. Stab
(eventuell farblich gekennzeichnet) rechtwinkling zum
Spiegel gesteckt werden muss. Damit kann man dann
den 2. Stab im gleichen Winkel zum Lot wie den des
1. Stabes stecken. Schließlich muss man noch darauf
achten, dass alle 3 Stäbe in einer Ebene liegen.

Zum Ort des Spiegelbildes


Das Spiegelbild befindet sich im gleichen Abstand „hinter“ dem Spiegel wie der Gegenstand davor.
Dies lässt sich leicht in einem kleinen Versuch beweisen.

Vor eine dünnere Glas- oder Plexiglasscheibe stellt man ein bren-
nendes Teelicht. Hinter der Scheibe steht ebenfalls ein Teelicht, aber
nicht brennend.

Im 1. linken Bild sieht man die Anordnung von oben, wobei das hintere
Teelicht verschoben ist.

Im 2. linken Bild sieht man die Anordnung von vorne. Vorne sieht man
das brennende Teelicht, im Spiegel das Spiegelbild und daneben das
hintere, nicht brennende Teelicht.
Nun verschiebt man das hintere nicht brennende Teelicht bis es an
die Stelle des Spiegelbildes kommt.

Im 3. linken Bild sieht man die Anordnung von vorne. Das hintere, nicht
brennende Teelicht „brennt“ nun im Spiegelbild. Die Verbindungs-
linie zwischen Teelicht und Bild steht rechtwinklig zur Glasscheibe
und der Abstand zwischen brennendem Teelicht und Glasscheibe
sowie der Abstand zwischen Glasscheibe und Bild sind gleich.

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Sehr schön lässt sich der Effekt der Spiegelung von Gegenständen auch nachts beobachten, wenn
man in einem beleuchteten Zimmer gegen das Fenster schaut, das wie ein Spiegel wirkt. Das eige-
ne Spiegelbild wird deutlich wahrnehmbar draußen, also vor dem Fenster, gesehen.

Ein Gegenstand, der einen bestimmten Abstand zum spiegeln-


den Fenster hat, zeigt diesen auch „hinter dem“ spiegelnden
Fenster (siehe linkes Bild).

Zur Vertauschung im Spiegelbild


Vertauscht ein Spiegel die Seiten rechts und links?

Im Alltag sagt man oft, dass ein (ebener) Spiegel die Seiten rechts und links vertausche. Wenn eine
Person vor dem Spiegel steht und z.B. den linken Arm hebt, ist man der Meinung, dass im Spiegel
der rechte Arm gehoben werde, dass der Spiegel also die Seiten vertausche.

Dies lässt sich durch das gedankliche Hingehen zum Spiegelbild, einer Drehung um 180º vor dem
Spiegel und die Argumentation aus dem (eigenen) Spiegelbild heraus erklären.

Dass ein Spiegel die Seiten nicht vertauscht, wird sofort deutlich, wenn man in den Rückspiegeln
des eigenen Autos den Fahrer des dahinter fahrenden Autos betrachtet. Dessen Sitzplatz ist nicht
vertauscht.

Vertauscht ein Spiegel die Seiten vorne und hinten?

Man probiere am großen Spiegel Folgendes aus: Man stelle sich vor den Spiegel hinter eine Person
und zwar so, dass diese zwischen Betrachter und dem Spiegel stehe. Man sieht diese Person von
hinten, im Spiegel aber von vorne.

Dies lässt sich leicht erklären: Der Spiegel „sieht“ nur die vordere Seite, die abgewandte Seite ist von
ihm aus nicht sichtbar. D.h. es gibt eine Vertauschung der Seiten vorne und hinten.

Die beiden Effekte werden in der EXPERIMINTA beim großen Spiegel deutlich: Vor diesem hängen
ein großes R und L. Ihre Farben in Richtung Betrachter sind blau, in Richtung Spiegel rot.

Auch diese Buchstaben verdeutlichen, betrachtet man sie im Spiegel, dass rechts und links nicht
vertauscht sind, aber vorne und hinten.

16 ScienceCenter FrankfurtRheinMain
HINWEISE ZUM ERKUNDEN VON
STATIONEN IN EXPERIMINTA

Nutzt man einen außerschulischen Lernort im Rahmen einer Unterrichtsreihe, stellt sich die Frage
nach dessen Einbettung in das Gesamtvorhaben.

Für die Spiegelthematik empfiehlt sich der Besuch des MitMach-Museums eher zu Beginn. Die
Kinder werden hier mit einer Vielfalt von Spiegelphänomenen konfrontiert, die sie in Erstaunen
versetzen und die Neugier erwecken.

Allein oder in Kleingruppen beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Stationen – sie
probieren aus, überlegen, stellen Fragen, finden evtl. auch schon Erklärungen. Etwas selbst er-
forschen, enträtseln oder lösen zu können, ist ein eindrückliches Erlebnis für jeden und kann die
Motivation für eine Weiterarbeit in der Schule Grund legen.

Für eine spielerische Einführung in das Thema Spiegel eignet sich insbesondere der große Spiegel
(ein Teil des Schwebespiegels, der auf der linken Seite im Erdgeschoss zu finden ist). Vieles, was sich
nur z.T. in der Schule oder zumeist auch nicht zu Hause ausprobieren lässt, kann hier leicht getan
werden. Anregungen können sein:
• Sehe ich mich im Spiegel so wie ich bin?
• Ich zwinkere mit dem linken Auge, hebe meinen rechten Arm, das linke
Bein etc. Was macht mein Spiegelbild?
• Was bedeuten in diesem Zusammenhang das R und das L, die vor dem
Spiegel hängen?
• Welche Farben haben das R und das L vorne und im Spiegelbild? Kannst du
das erklären?
• Betrachte deinen Freund/deine Freundin ganz genau und ebenso genau im
Spiegel, fällt dir etwas auf?
• Gehe nahe an den Spiegel heran und gehe ein Stück zurück – was verän-
dert sich?
• Lege dich mit den Beinen nach vorne vor den Spiegel, was zeigt dir der
Spiegel jetzt?
• Was beobachte ich, wenn ich einen großen Würfel vor den Spiegel lege?

Ein gemeinsames Klassenfoto vor dem Spiegel sorgt weiterhin für Spaß!
Und nun lassen sich am Schwebespiegel weitere lustige Möglichkeiten erproben.

Für die weitere Erkundung beschäftigen sich die Kinder anschließend am besten zu zweit oder in
kleinen Gruppen mit den weiteren Spiegelstationen und wählen ihre Lieblingsstation aus, die sie
genauer erforschen.

Aufgabenstellungen können z.B. sein:


• Notiere den Namen deiner Lieblings-Experimentierstation
• Beschreibe bzw. zeichne sie
• Was kann man tun und was beobachtest du?
• Notiere deine Beobachtungen. Hilfen findest du auf den Drehdisplays.

ScienceCenter FrankfurtRheinMain 17
HINWEISE ZUR
UNTERRICHTSGESTALTUNG
Mit dem aufgeführten Material soll – wie bereits erwähnt – keine ausgearbeitete Unterrichtseinheit
vorgelegt werden. Einige Hinweise jedoch, die sich in der schulischen Praxis als motivierend und
hilfreich erwiesen haben, können Anregungen für die Unterrichtsgestaltung geben.

Der Fachbezug ist primär der Sachunterricht, aber auch Deutsch, Mathematik und der Kunstunter-
richt lassen sich sehr gut mit einbeziehen.

Wichtig ist eine Grundausstattung mit Materialien, die relativ leicht zu besorgen sind.
• Eine Sammlung von unterschiedlichsten Spiegeln, die die Kinder von zu Hause mitbringen
können.
• Eine dünnere Glas- oder Plexiglasscheibe
• Spiegelkacheln, evtl. Spiegelfolie, die es z.B. in der Abmessung 50 mal 150cm gibt. Beides ist im
Baumarkt erhältlich.
• Um die Spiegelkacheln aufstellen zu können, empfiehlt es sich, im Baumarkt oder von einem
Schreiner Holzklötzchen sägen zu lassen, in die mittig eine Kerbe gesägt wird. Je zwei Klötz-
chen halten eine Spiegelkachel.
• Getönte Kunststoffscheibe als halbdurchlässigen Spiegel: Unter dem Namen Zauber- oder
Miraspiegel kann man diesen Spiegel auch käuflich erwerben.
• Kleber, Gewebeband oder Paketkleber
• Verschiedenen Kleinmaterialien, wie Spielfiguren, Kerzen, Teelichter, Würfel etc. für die Spiege-
lungen.
• Weitere Materialien sind aufgeführt bei den Bauanleitungen, die im Zusammenhang mit eini-
gen Spiegelexponaten vorgeschlagen werden.

Einstiegsmöglichkeiten

• Zu Beginn der Arbeit bietet es sich an, Erfahrungen und Beobachtungen, die die Kinder in der
EXPERIMINTA mit Spiegeln sammeln konnten, zu thematisieren. Die Notizen über die Lieblings-
Experimentierstationen werden vorgestellt, diskutiert, vielleicht noch überarbeitet und in der
Klasse ausgehängt.
• Offene Fragen werden gesammelt.

• Des Weiteren können Spiegel und Spiegelungen in der Schule bzw. im Wohnumfeld gesucht
und eventuell notiert werden. Ein kurzer Unterrichtsgang bringt für die Kinder, deren Blick
bereits geschärft ist, erstaunliche Erkenntnisse, wo überall in der Umgebung Spiegelungen zu
finden sind.
• In diesem Zusammenhang kann auch darauf eingegangen werden, wie Menschen sich gespie-
gelt haben, als es noch keine Spiegel gab.

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Die experimentelle Arbeit
Hier geht es zunächst um die Arbeit mit Spiegelkacheln. Die Erfahrungen in der EXPERIMINTA kön-
nen hier zum Teil aufgegriffen und durch die Versuchsanordnungen vertieft werden.

• Arbeit mit einer Spiegelkachel: Bereits am großen Spiegel in der EXPERIMINTA erworbene Er-
kenntnisse können hier nochmals überprüft und vertieft werden, wie die Rechts -Links-Proble-
matik, die Erfahrungen mit dem großen Würfel vor dem Spiegel.

• Arbeit mit zwei parallel gestellten Spiegelkacheln: Zwischen die Spiegel legt man kleine Gegen-
stände, spannend ist auch eine brennende Kerze. Hier wird eine unendliche Reihe von Bildern
erzeugt, da fortlaufend Spiegelbilder von Spiegelbildern entstehen (siehe die Station Parallel-
spiegel im Treppenhaus).
• Arbeit mit zwei verbundenen Spiegelkacheln: Die Kacheln werden mit Klebeband aneinander ge-
klebt. Es entsteht ein Winkelspiegel. Je nach Winkeleinstellung entsteht eine bestimmte Anzahl
von Spiegelbildern, die ringförmig angeordnet sind (siehe Experimentierstation Spiegelbuch).

• Arbeit mit drei Spiegelkacheln: Den Winkelspiegel kann man auf eine weitere Spiegelkachel
stellen. Die Spiegelungen werden hier noch vielfältiger (siehe Experimentierstationen Dreier-
Drehspiegel).
Die sehr einprägsamen Versuche mit einer Glasscheibe und Teelichtern und das Experiment mit der
Styroporplatte und den Stäben sowie deren Bedeutung für das Verständnis von Spiegeln können
unter den Punkten „Zum Ort des Spiegelbildes“ und „Reflexion des Lichts“ nachgelesen werden.

Nach den Erkenntnissen im MitMach-Museum können die Kinder mit dem vorgegebenen Material
wahrscheinlich sogar die Versuche selbst aufbauen und die Bezüge zu den einzelnen Experimen-
tierstationen herstellen.
Auch weitere Spiegelkonstellationen werden die Kinder mit Freude erfinden!

Im Anschluss lassen sich ein oder auch mehrere Spiegelexponate nachbauen. Für einige Experi-
mentierstationen liegen relativ einfache Bauanleitungen vor, die unter „Bauanleitungen für den
Unterricht“ im letzten Kapitel beschrieben sind.

Spiegel im Kunstunterricht

Hier sollen einige Möglichkeiten angedeutet werden, wie die Erfahrungen mit Spiegeln und Spie-
gelungen orientiert an den Beobachtungen in der EXPERIMINTA im Kunstunterricht umgesetzt
werden können. Es werden aber nur die Themen angegeben, nicht die künstlerischen Gestaltungs-
möglichkeiten.
• „Ich im Spiegel“: Die Kinder malen sich ganz oder nur den Kopf mit der Aufgabenstellung, sich
möglichst genau zu porträtieren. Dabei benutzen sie kleine Spiegel, um ihr Aussehen genau zu
erkunden.
Selbstbildnisse von Künstlern können in diesem Zusammenhang besprochen werden.

ScienceCenter FrankfurtRheinMain 19
• „Spiegelungen im Wasser“: Eine Reihe von Kindern hat wahrscheinlich noch nicht bewusst Spie-
gelungen im Wasser wahrgenommen. Dieses Phänomen kann man jedoch mit einem Spiegel
verdeutlichen. Man legt z.B. einen Spiegel auf den Boden und stellt sich daneben; man sieht
dann die Beine unten am Spiegel und den Kopf entfernter.
Bei der Aufgabe, Spiegelungen im Wasser zu malen, befindet sich das spiegelnde Wasser un-
terhalb der Gegenstände. Menschen, Tiere, Bäume und Häuser u.a. werden demzufolge umge-
kehrt gemalt.

• Schwebespiegel: Spiegelsymmetrische Figuren lassen sich u.a. auch mit Hilfe der „Kleckstech-
nik“ herstellen. Man faltet ein Blatt (Zeichen-)Papier in der Mitte und bringt auf einer Seite mit
Wasserfarben Kleckse oder kleine Zeichnungen auf das Papier und klappt die leere auf die be-
malte Seite. Es entstehen fantastische Figuren, die zu den unterschiedlichsten Interpretationen
einladen.
• Zerrspiegel: Die lustigen Verformungen in beiden Zerrspiegeln können Anlass für ebenso lustige
und fantasievolle Schülerbilder ergeben.

• Streifenspiegel: Zwei gleich große Bilder von Köpfen werden in gleich breite Streifen geschnit-
ten. Die Streifen werden Stück für Stück je ein Streifen von dem einen Kopf und dann ein
Streifen von dem anderen Kopf auf ein Papier geklebt. Dadurch vermischen sich analog des
Streifenspiegels die beiden Köpfe. Besonders spannend ist es, wenn die Köpfe der Kinder sich
vermischen. Man fotografiert dafür die Köpfe der Kinder (frontal) und kopiert sie.

Spiegel im Mathematikunterricht

Wege zur Symmetrie


Zum Begriff Symmetrie – einer fundamentalen Idee des Geometrieunterrichts - verfügen bereits
Schulanfänger über vielfältige Vorerfahrungen aus ihrer Umwelt, die im Verlaufe der Grundschul-
zeit ausgebaut und in der Sekundarstufe unter dem Thema Kongruenzabbildungen behandelt
werden können.
Fächerübergreifend werden bereits in der Kita, in der Grundschule im Sachunterricht, in Deutsch,
Kunst und Sport Erfahrungen zur Symmetrie gesammelt: Untersuchungen zu Blüten- und Baum-
blättern, Spiegelwörtern, Klecksbilder, Hampelmann-Hüpfen gehören zu den vielfältigen Erfahrun-
gen mit Symmetrien.
Für den Unterricht in Geometrie bieten einige Experimentierstationen grundlegende Erfahrungen
an, die im Unterricht ergänzt werden können.

Achsensymmetrie / Spiegelungen
Achsensymmetrische Figuren können durch Falten und Schneiden überprüft oder hergestellt werden.

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Spiegelbuchstaben
Die Buchstaben unserer Experimentierstation Spiegelsymmetrie sind bereits halbiert, sie werden im
Spiegel wieder „ganz gemacht“, wie dies bei der Beschreibung der Station erklärt wurde.

Im Unterricht kann jeder Buchstabe des Alphabets mit einem Spiegel auf Achsensymmetrie hin
untersucht werden. Dabei ist nicht nur die bevorzugte „vertikale Achse“ (bei A, H, I, M, T, O, U, V, W,
X, Y) zu entdecken, sondern auch die „horizontale Achse“ (bei B, C, D, E, H, I, O, X). Die Buchstaben H,
I, O und X haben zwei Spiegelachsen.
Weitere Untersuchungsmöglichkeiten auf Achsensymmetrie bieten bei ebenen Figuren Bilder wie
Verkehrszeichen, Spielkarten und Markenzeichen.

Ein einfacher Spiegel kann auch eingesetzt werden zur Überprüfung von spiegelsymmetrischen
Figuren, die Spiegelachse kann dabei auch außerhalb der Ursprungsfigur liegen.

Das Zeichnen von Spiegelbildern ist allerdings schwer, da durch den Spiegel nur ein virtuelles
Bild entsteht. Eine Überprüfung auf Symmetrie oder das Zeichnen von Spiegelbildern gelingt
besser mit dem Mira-Spiegel, auch Zauberspiegel genannt. Es handelt sich dabei um eine getönte
Kunststoffscheibe, die in zwei Klötzchen als Halterung gesteckt wird. Der halbdurchlässige Spiegel
ermöglicht, die 2. Hälfte hinter dem Spiegel zu zeichnen.

Spiegelungen an zwei Spiegelachsen

Zunächst eine Vorbemerkung: Zwei Geraden sind ent-


weder parallel zueinander oder sie schneiden sich in
einem Punkt. Wenn an beiden Geraden nacheinander
gespiegelt wird, entstehen entweder die Kongruenz-
abbildungen „Verschiebungen“ oder „Drehungen“.
Im Unterricht kann die Frage motivieren, wie man mit
Spiegeln reich werden kann. Wenn man zwischen zwei
parallel stehende Spiegel eine Münze legt, wird sie
unendlich oft gespiegelt, leider ist der entstehende
Reichtum nur virtuell.
Anlass, sich auch im Geometrieunterricht mit Doppel-
oder Mehrfachspiegelungen zu beschäftigen, bietet
in der EXPERIMINTA vor allem der Parallelspiegel im
Treppenaufgang im Eingangsbereich.
Auch das Spiegelbuch regt dazu an, Mehrfachspiege-
lungen zu untersuchen3 , wie das rechte Bild zeigt.

3
Viele Experimente bietet dazu das Heft „Spiegeln mit dem Spiegelbuch“ von Müller/Wittmann

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Spiegelungen am Geobrett
Auch das Geobrett, das sich in der EXPERIMINTA gegenüber der Cafeteria im 1. Stock befindet,
kann zur Verdeutlichung der Spiegelung an 2 und mehr Spiegelachsen genutzt werden.

Es handelt sich um eine quadratische Platte, in der auf der Oberseite 441 Stifte in jeweils gleichem
Abstand eingesetzt sind, die ein quadratisches Gitter ergeben.

Mit Gummibändern unterschiedlicher Länge können auf dem Brett beliebige Bilder, aber auch
geometrische Grundformen (wie Dreiecke und Vierecke) gespannt und auf ihre Eigenschaften hin
untersucht werden.

Die Vorteile im handelnden Umgang mit dem Geobrett liegen vor allem darin, dass neben dem
Experimentieren und Ausprobieren die vollzogene Handlung wieder leicht rückgängig gemacht
werden kann. Empfehlenswert ist, die Handlungsergebnisse als Skizzen oder auf Gitter- oder Punk-
tepapier festzuhalten.
Hier zwei Beispiele zur Spiegelung an einer Achse.

Dabei wird zunächst eine Figur mit einem Gummiband gespannt. Danach wird diese Figur an der
vertikalen Achse gespiegelt.

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BAUANLEITUNGEN
FÜR DEN UNTERRICHT
Die hier beschriebenen Bauanleitungen orientieren sich an den Experimentierstationen der
EXPERIMINTA.

Spiegelbuch

Zur Herstellung des Spiegelbuchs werden 2 Spiegelkacheln


und Gewebeklebeband gebraucht.
Mit dem Klebeband, das als Scharnier dient, verbindet man
die beiden Kacheln und fertig ist das Spiegelbuch.

Spiegelzeichner

Man kann Spiegelzeichner käuflich erwerben4. Ein Spiegel-


zeichner lässt auch relativ einfach selbst herstellen.

Dazu benötigt man einen Spiegel und einen größeren Kar-


ton, der in Längsrichtung ein DIN-A4-Blatt aufnehmen kann.
Die vordere Querseite des Kartons wird entfernt. An die ge-
genüberliegende Querseite lehnt man einen Spiegel an.
Dieser muss etwas schräg gestellt sein. Um diese Schräg-
stellung zu erreichen, klebt man eine dünne Holzleiste auf
den Boden des Kartons. Eine „Brücke“ aus Pappe wird auf
beiden Seitenteilen befestigt.
Nun beginnt der schwierige Prozess des Spiegelzeichnens!

Spiegelsymmetrie
Ein flacherer Karton wird auf allen Seiten mit Spiegelfolie
(Alufolie) beklebt.Buchstaben können aus fester Pappe aus-
geschnitten und eventuell bemalt werden.

Die Buchstaben werden halbiert und schon kann das „Repa-


rieren“ beginnen. Auch können die Kinder Figuren entwer-
fen und sie auf ihre Symmetrie hin untersuchen.

4
http://test.wissenswertes.biz/spiegelzeichner.html

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Riesenkaleidoskop
Ein kleines Kaleidoskop zu basteln, ist für jüngere Kinder recht
schwierig. Eine etwas einfachere Bastelversion basiert auf der Nut-
zung von Toblerone-Schachteln. Die für das Kaleidoskop wichtige
Dreiecksform ist mit dieser Packung bereits vorgegeben5.
Man benötigt:
• eine leere Toblerone-Schachtel und eine Hauhaltspapierrolle
• Spiegelfolie (zur Not geht auch dicke, glatt gestrichene Alufolie)
• Klarsichtfolie
• Brotpapier (Pergament-Papier)
• einen Streifen dünnen Karton
• Glasperlen oder Glassteinchen
• Material zum Verzieren, z.B. Schnur oder Wolle, Buntpapier
• Klebeband, Schere, Kleber

1. Man schneidet die Hülle der Toblerone-Schachtel auf, entfernt


Deckel und Boden und klebt die Spiegelfolie straff auf den
Karton. Anschließend faltet man ihn wieder zur Toblerone-
Schachtel zusammen und klebt die Seite mit Klebestreifen zu.
2. Man steckt die Toblerone-Schachtel in eine Haushaltspapier-
rolle (oder Toilettenpapierrolle) und passt die Länge an. Dann
spannt man über die eine Öffnung Klarsichtfolie und befestigt
sie mit Klebestreifen.
3. Jetzt verlängert man die Rolle ein wenig, indem man einen
sehr schmalen Streifen aus Karton anklebt. Dann gibt man
vorsichtig farbige Perlen hinein.

4. Darüber wird Brotpapier gespannt und festgeklebt. Die andere


Öffnung wird mit einem Stück Karton zugeklebt, jedoch vor-
her noch ein Guckloch hinein geschnitten.

Zum Schluss verziert man das Kaleidoskop nach Lust und Laune!

5
Nach www.wagraini.at/fileadmin/user_upload/bilder_wagraini/spiel_spass/Kaleidoskop_Bastelanleitung.pdf

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Zerrspiegel
Man klebt Spiegelfolie (notfalls auch Alufolie), die es z.B. in den Abmes-
sungen 50 x 150 cm gibt, auf beide Seiten einer etwa ca. 10 bis 15 cm x
30 bis 40 cm rechteckigen, leichten Pappe. Die Pappe muss sich zusam-
men mit der Spiegelfolie biegen lassen.
Dann kann man Gesichtskarten, z.B. mit dem eigenen Gesicht (am bes-
ten kopiertes Foto) oder mit ausgeschnittenen Gesichtern anfertigen.
Wichtig ist, dass die Gesichter frontal abgebildet sind. Den Spiegel stellt
man mittig auf eine der Gesichtskarten und dreht ihn langsam. Dabei
verzerrt sich das Gesicht immer mehr. Man sollte auch immer wieder
beide Seiten des Spiegels betrachten.

Parallelspiegel –
Blick ins Unendliche

Der Effekt „Blick ins Unendliche“ lässt sich sehr einfach bei mehrteiligen
Spiegelschränken, wie man sie häufiger in Badezimmern vorfindet, oder
auch bei sich gegenüberliegenden Spiegeln beobachten.

Man kann ihn aber auch einfach herstellen.


Man braucht einen Pappkarton oder größeren Schuhkarton,
2 Spiegelkacheln, Klebeband, kleine Gegenstände wie Tierchen,
Püppchen etc.

In dem Karton (ohne Deckel) werden auf 2 gegenüberliegenden Sei-


ten die Spiegelkacheln mit Klebeband befestigt und möglichst parallel
ausgerichtet.
Zwischen die beiden Spiegel stellt man die kleinen Gegenstände. Mit ei-
nem flachen Blick über einen der Spiegel erhält man den Raumeindruck
einer wunderbaren Vermehrung der Gegenstände.
Der Effekt wird noch interessanter, wenn man ein Loch in der Mitte einer
Spiegelkachel und auch des Kartons anbringt. Bei der Spiegelkachel
kann man hierzu vorsichtig die rückwärtige Beschichtung in der ge-
wünschten Lochgröße abkratzen.

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LITERATURHINWEISE

Wie erwähnt, ist die Literatur zu Spiegeln sehr umfangreich. Hier nur einige Hinweise:

• www.supra.grundschuldidaktik.uni-bamberg.de/lernfeld-natur-und-technik/spiegel.html
mit vielen weiterführenden Quellen

• Bildungsserver: www.bildungsserver.de

• Hessischer Bildungsserver: www.bildung.hessen.de

• de.wikipedia.org/wiki/Spiegelstadium

• www.kindergartenpaedagogik.de/1595.html

• Baltrusaitis, Jurgis: Der Spiegel – Entdeckungen, Täuschungen, Phantasien, Anabas Verlag


Günter Kämpf KG, 1996,

• Blumör, R. Wiesner, H.: Vorstellungen und Lernexperimente bei Primarstufenschülern zum


Spiegelbild I. In: Sachunterricht und Mathematik in der Primarstufe 20, 1992, (S. 26)

• Blumör, R. Wiesner, H.: Vorstellungen und Lernexperimente bei Primarstufenschülern zum


Spiegelbild II. In: Sachunterricht und Mathematik 20, 1992, (S. 50-54)

• Müller, Wittmann: Spiegeln mit dem Spiegelbuch, Stuttgart 1999

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