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Bildkontrolle mit Hilfe des Histogramms

Mit Hilfe des Kamera-Histogramms lässt sich direkt nach der Aufnahme prüfen ob die
Belichtung richtig war oder ob Korrekturen vorgenommen werden müssen.

Die meisten Digitalen SLR-Kameras und bereits viele digitale Kompaktkameras erlauben die
Kontrolle des aufgenommenen Bildes mit Hilfe eines Histogramms.

Das Histogramm zeigt besser als das Vorschaubild, das je nach Umgebungslicht sehr
unterschiedlich angezeigt wird, ob die Belichtung korrekt war.

Histogrammanzeige an einer Canon EOS Kamera


Was zeigt das Histogramm ?
y-Achse

Das Histogramm zeigt die Verteilung


der Pixel eines Bildes auf die
verschiedenen Tonwerte in Form
Anzahl der Pixel

eines „Gebirges“

Tonwert 0 = schwarz
Tonwert 255 = weiss

x-Achse

0 (schwarz) 255 (weiss)

Anzeige des Histogramms in Photoshop


Verteilung der Tonwertstufen
Ein durchschnittlicher Bildsensor kann etwa sechs Blendenstufen zwischen Weiß und Schwarz erfassen

Tonwertverteilung einer RAW-Datei:

64 128 256 512 1.024. 2048 Stufen

Sehr gut zu erkennen ist hierbei, daß die meisten Bildinformationen in den beiden rechten Blendenstufen
gepeichert werden (etwa 75% der gesamten Bildinformation) . In den dunklen Bereichen werden lediglich 25%
Der Bildinformationen gepeichert.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Kamera so viele Bildinformationen wie möglich in den rechten,
also den hellsten Bildbereichen speichern kann.
Grundsätzliche Regeln zur Beurteilung des Histogramms:

Wird das „Gebirge“ auf einer Seite abgeschnitten (Clipping), bedeutet dies, daß entweder im
hellen oder im dunklen Bereich des Bildes keine Tonwerte mehr zu finden sind.

Gebirge ist links abgeschnitten: Dunkle Flächen sind schwarz und ohne
Zeichnung, Bild ist unterbelichtet

Gebirge ist rechts abgeschnitten: Helle Flächen sind weiss, Bild ist überbelichtet

Gebirge reicht auf beiden Seiten


bis auf die x-Achse herab: Ausgewogen belichtet, sowohl die dunklen als
auch die hellen Flächen weisen noch
Zeichnung auf.
Das Bild ist korrekt belichtet.

Das Histogramm-„Gebirge“ reicht rechts


und links bis auf die x-Aches herab.
Das Bild ist überbelichtet

Das Histogramm-“Gebirge“
ist rechts abgeschnitten.
Die hellen Bildbereiche sind
weiss und weisen keine
Zeichnung mehr auf.
Das Bild ist unterbelichtet

Das Histogramm-“Gebirge“
ist links abgeschnitten.
Die dunklen Bildbereiche
sind schwarz und weisen
keine Zeichnung mehr auf.
Digitale Bilder generell unterbelichten ?
Ein Problem bei der digitalen Fotografie ist das „Ausfressen“ heller Lichter, d.h. wo ein Film in
sehr hellen Bereichen durchaus noch Strukturen zeigt, neigt ein Digitalbild dazu hier nur noch
weiße Flächen zu zeigen.

Man begegnet diesem Problem oft dadurch, dass man die Bilder generell unterbelichtet und
später am Computer versucht die dunklen Bildbereiche über eine Tonwertkorrektur wieder
aufzuhellen. Das kann jedoch zur Folge haben, dass man die Anzahl der verfügbaren
Tonwertstufen unnötigerweise reduziert.

Ein Bild ist in der Regel dann ideal belichtet, wenn das Histogramm sowohl im rechten als auch im
linken Abschnitt direkt an der Begrunzungslinie bis auf die x-Achse herabreicht.

Ausnahme: Bei sehr hellen Bildmotiven, Bsp. Schnee oder Nebel wir das Histogramm-“Gebirge“
nur auf der rechten Seite stehen, da dunkle Töne fehlen.
Bei sehr dunklen Motiven wird das Histogramm-“Gebirge“ dagegen auf der linken Seite
überwiegen, da hier die hellen Bildanteile fehlen.
Aber auch in diesen Fällen sollte das Gebirge auf keiner Seite abgeschnitten sein !
Welche Belichtung ist jetzt die Richtige ?

Das obere Motiv wurde mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufgenommen.


Das linke Bild wurde etwas unterbelichtet, das Histogramm zeigt mehr Details in den Schattenbereichen.
Das mittlere Bild scheint korrekt belichtet zu sein, das Histogramm zeigt die meisten Details in den mittleren
Bereichen.
Das rechte Bild erscheint überbelichtet, mit mehr Details in den hellen Bereichen.
Allerdings ist bei keinem der Bilder das Histogramm wirklich abgeschnitten !
Alle Bilder lassen sich in Photoshop oder Lightroom nachträglich optimieren.
Das dunkle Bild wurde aufgehellt, das helle Bild wurde etwas abgedunkelt. Auf den ersten Blick sehen alle Bilder jetzt korrekt belichtet aus.

Erst in der Detailansicht wird erkennbar, dass das Bild mit dem hellsten Histogramm (rechts) die wenigsten
Artefakte und das geringste Bildrauschen zeigt.

Das zeigt deutlich, daß das Histogramm immer so weit wie möglich im rechten Bereich platziert sein
sollte, ohne jedoch wichtige Details abzuschneiden.
Wie erzielt man nun die best mögliche Belichtung ?

Eine einfache Vorgehensweise ist die folgende:

Man stellt die Kamera am besten auf Blendenvorwahl (Modus A oder AV), wählt die Blende vor, mit der
man die gewünschte Tiefenschärfe erhält und läßt die Kamera die Belichtungszeit automatisch ermitteln.
Danach betrachtet man das Bildergebnis auf dem Kameradisplay.

Ziel ist es ein Histogramm mit den meisten Details im rechten (hellen) Anzeigebereich zu erhalten.
Falls nötig nimmt man ein zweites Bild unter Verwendung der Belichtungskorrektur auf ( + oder - ) um ein
besseres Histogramm zu erzielen.
Dies wiederholt man so lange, bis das Histogramm so weit wie möglich im rechten Bereich liegt, ohne
jedoch Details in den Lichtern abzuschneiden.

Ganz wichtig dabei:


Lassen Sie sich nie von der Anzeige des Bildes auf dem Kameradisplay beeinflussen !
Auch wenn das Bild auf dem Display manchmal zu hell erscheint, verlassen Sie sich ausschließlich
auf die Anzeige des Histogramms !

Bei der Bildbearbeitung läßt sich ein korrekt belichtetes Bild immer noch etwas abdunkeln ohne
dadurch wichtige Details zu verlieren.

Ein zu dunkles Bild aufzuhellen birgt immer die Gefahr, daß sich dadurch das Bildrauschen erhöht
und die Bildqualität darunter leidet.
Was tun wenn der Bildsensor den Kontrastumfang des Bildes nicht mehr
aufzeichnen kann?

Wie zu Beginn angesprochen kann eine moderne Digitalkamera einen Kontrastumfang von etwa sechs
Blendenstufen aufzeichnen. Was tut man aber wenn das Bild einen höheren Kontrastumfang aufweist ?
In der Landschaftsfotografie steht man oft vor diesem Problem, entweder wird der Himmel zu hell oder die
Landschaft zu dunkel aufgenommen.

Diesem Problem begegnet man, indem man den Kontrastumfang abmildert, entweder indem man die
Schattenbereiche mit einem Blitz oder Reflektor aufhellt, oder die zu hellen Bereiche mit einem Filter abdunkelt.

Mehr zu diesem Thema werde ich in einem der nächsten Tutorials behandeln.

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Hans-Peter Möhlig