Sie sind auf Seite 1von 62

NEGATIVE

NO 91-80101-10
MCROFILMED 1991

COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARffiS/NEW YORK

as part of the
"Foundations of Western Civilization Preservation Project

Funded by the
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES

Reproductions may not be made without permission from


Columbia University Library
COPYRIGHT STATEMENT
The Copyright law of the United States - Title 17, United
States Code - concems the making of photocopies or other
reproductions of copyrighted material...

Columbia University Library reserves the right to reftise to


accept a copy order if in its judgement, fulfillment of the order
,

Hjij olve violation of the Copyright law.


AUTHOR:
THEL, ST

TITLE

TE DER TRA ^
-
*
?

TRASSBURG
DAr£ •
Master Negative #

-ll-Xcioi-io
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES
PRESERVATION DEPARTMENT

BIBLIOGRAPHIC MICRnpORM TARCFT

Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record

160

V.4 Barthel, Ernstj Elemente der transzendentalen Log-ik. Histor.


Einl. u. erstes Viertel. Strassburg- 1913 Du Mont Schauberg-,
:

99 S. 8° IfSoU vollst, im Buchh. ersch.


Straßburg, Phil. Diss. v. 1. März 1913, Ref. Störring-
[Geb. 17. Okt. 90 Schiltigheim; Wohnort: Schiltigheim; Staatsaogeh.: Elsaß-
Lothringen; Vorbildung: OR. Kaiserpalast Straßburg Reife 09; Studium:
Straßburg 3, Berlin i, Straßburg 3 S.] [U 13. 4537

K ,

Restrictions on Use:

TECHNICAL MICROFORM DATA


FILM SIZE: _3J?_^i22^_ REDUCTION RATIO: / (x
IMAGE PLACEMENT: lA CflX^ IB IIB
DATE FILMED: ^^2n:B± INITIALS
\JjJj^s^'^'
nLMEDBY: RESEARCH PUBLICATIONS. INC WOODBRIDGE. CT
D

Association for Information and Image Management


1 100 Wayne Avenue, Suite 1 1 00
Silver Spring, Maryland 20910

301/587-8202

Centimeter
7 8 10 11 12 13 14 15 mm
1 2 3

I ll
|iiii|iiii
|
.|.lMul..Ml|.MlMMl|
iiii|iiii
||
rV liiiilniili

2.8 2.5
Inches
1.0 3.2
2.2
3.6
171

80
4.0 2.0

1.1
1.8

1.25 1.4 1.6

MflNUFflCTURED TO flllM STRNDflRDS


BY APPLIED IMAGE, INC.

MBlUifflÜili MtrifiMfatBiaJMiJMgigj--^;^
n 'p.t)

ELEMENTE DER
TRMSZENDENTALEN LOGIK
HISTIIRISCHE EINLEITUNG UNI) EllSTES VIERTEL

INAüGURAL-DlSSEKTATION
ZIR

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE


EINER

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT


DER

KAISER-WILHELMS-UNIVERSITÄT STRASSBURO

VORGELEGT VON

ERNST BARTHEL

STRASSBURG
DRUCK VON M. DUMONT SCHAURERG
1913
A^on der Fakultät genehmigt am 1. Miirz 19i:>.

Die Arbeit stellt einen Teildruck dar. Der Plan der


Untersuchung ist folgender:
Historische Einleitung
|
gegenwärtiger
^j^ Dissertation
DEN FREUNDEN DER METAPHYSIK
|
I. Erkenntnislelire )
Teildnick .
„^„- , ,

eingereicht
II. Die Denkkategorien I GRWIDMKT.
III. Die Naturkategorien
lY. Methodenlehre

Das Ganze wird in den nächsten Jahren fertiggestellt und


soll dann in Buchform erscheinen.

On ne tombe dans Terreur que parce


que Ton ne faitpas l'usage qu'on devrait
faire de sa liberte. L'erreur ne consisle
que dans un consentement de la volonte,
qui a plus d'etendue que la perception
de rentendement.
Malebranche.
\

Inhaltsverzeichnis.

Historische Einleitung. Seite.

Vorbemerkung 1

1. Kam 1

2. Fichte und Schelling H


Wagner, Herbart 1"
8. Hegel. J. J.

V 4. Schopenhauer 28
'^^
Überleitung

I. Erkenntnislehre.
§ 1. Das endliche Bewußtsein als Prinzip der Polaritäl . . 83
i< 2. Das Funktionsgesetz 37
8. Das wahrhaft Seiende 4'3
§
§ 4. Die Tetranomie 4:9

§ 5. Die objektiven Funktionen des transzendentalen Be-


wußtseins '^^

§ 6. Die Dimensionen von Kaum und Zeit 59


§ 7. Qualität und Quantität ^5

§ 8. Das Realitätsproblem' . • 69

{ ^ § 9. Die prinzipielle Trennung der Erkenntnislehre .... 74

§ 10. Das absolute Bewußtsein und der Begriff des Wertes . 80


§ 11. Das Selbstbewußtsein H5

§ 12. Gemeinschaft und Geschichte 94


Historische Einleitung.

In weicher Weisse es möglich sein dürfte, auf Grund eines


auswählenden Überblicks über die abgeschlossene philosophische
Entwicklung von Kant bis Schopenhauer den Inhalt dieser

V Schrift als eine Art von Erfordernis, die Schrift selbst demnach
als existenzberechtigt zu erkennen, soll auf den folgenden Seiten
zu zeigen versucht werden. Obwohl die Fragestellungen, deren
Lösung uns wertvoll scheint, einer ungeschichtlichen ßeschäf-
tigimg mit den Gegenständen und Eätseln selbst entsprungen
sind, konnte es nicht ausbleil^en, daß sich mit den Problemen der
Vergangenheit, aus denen der Verfasser viel Aiiiegung, aber
allerdings keine volle Hilfe schöpfen komito. ni;niiiio-fnr'hp Be-
ziehungen herstellten. Diese bestehen vor allem bezüglich der
elementarsten, also wichtigsten Voraussetzungen der Systeme,
während das auf die Grundlao-en e-erichtete Thema dieser Arbeit

durch Einzelheiten als (hirch bloße Folgerungsgrößen weniger


k berührt wird. Von den im folgenden nicht besprochenen Denkei-n
des letzten Jahrhunderts bzw. der Gegenwart, mit deren ILiiij)!-

werken der Verfasser zeitweilig in lernender Zwiesprache ver-


bunden war, sind besonders zu nennen: Bolzano, Comte,
Dühring, v. Hartmann; Bergson, Husserl, Mach, Rickert. Aus
dem Zweck der Einleitung ergibt sich, daß ihr Verfahren in der
Hauptsache ein kritisches sein muß; möge man in ihr die Ver-
ehrung der großen Genien des Gedankens nicht übersehen.

1. K a n t.

Drei geschichtliche Vorbedingungen sind es, welche den


Standpunkt der neuen Lehre dieses Philosophen wesentlich be-
Vertrauen in die
Wendung: Wissenschaftlich können nur solche Urteile genannt
gründeten: das bis dahin luibezvveilVlt ^^ewesene
werden, die sich auf Gegenstände möglicher Erfahrung be-
logischen Überzeugungen der enii)irischen
Forschung; die auf
Me- > ziehen. Diesem Zwecke dienen die erkenntnistheoretischen De-
dieser Voraussetzung basierenden erkenntnistheoretischen
vluktionen, deren Resultat zeigt, daß die gegenständliche Welt
thoden besonders der englischen Denkci- : und die naturphiloso-
der Erfahrung im Denken selbst w^urzelt und deshalb durch
phischen Ansichten, welche (hirch den Namen Newton ange-
Mathematik und mathematische Physik z.T. apriorisch aus
die für selbst-
deutet werden können und hau])tsächlicli durch
ihm begriffen werden kann. Indem von den apriorischen, auf
verständlich geltenden Vorstellungen vom homogenen Rauni-
Gegenstände der Erfahrung sich beziehenden Urteilen gezeigt
körper, der homogenen Zeitlinie und der homogenen Kausalreihe
un- wird, daß sie sich auf Erfahrung beziehen müssen, weil die
Welt charakterisiert sind. Diese Prämissen stehen
der möglicfien Urteile
Welt nichts ist als die Gesamtheit solcher
der
ausgesprochen vor Kants einheitlichem System, und unter synthetischer Akte,
und das Denken nichts als der Inbegriff
Voraussetzung seines tiefen (feistes läßt sich die Ge-
weiteren
die sich nur durch gegenständliche Erfahrungen als verwirklicht^^
aus ihnen
staltung der Hauptprobleme der kritischen Philosophie
Mögliche Erfahrungen geben — so sagt man — setzen können, — diese Form einer Auffassung von Denken
entwickeln.
f i und Existenz als transzendentaler Identitäten eröffnet der Wissen-
Begriffen Realität (K.d.r.V. Akademieausgabe der
unsern
schaft die Hoffnung auf eine ers']ir)])fende gcHbmkliche Er-
Werk, iii iiiHjij ;S. 337); wenn ein Urteil mit seinem (legen-
Die Metaphysik forschung der erfahrbaren Welt, während sie andererseits fest-
stande übereinstimmt, so ist es wahr. hie-

setzt, daß überfliegerische Wünsche dem System der


menschlic lieii
haui)tete aber auch solche Urteile als wahr,
deren Gegenstände
Erkenntnisse fremd bleiben inii>s(M^. Wir selbst k<tnneii weder
in keiner Erfahrung gegeben werden können. Sind nun beidr
die Voraussetzung noch das Ergebnis dieser Argumentation al^
im Grunde geiu)mmen identisch, udur
Formen der .W;ibrheit''
dem Denken angemessen betracbieii. Die Voraussetzung nuiit-
o-ibt zwei Arten der ..Wahrlu'if, oder ist vielleicht die eine
es
weil wir es für n(>tio- halten, die BegrilTe ..IJicht i;^'"
und ..Wahr-
von ihnt-n lnutallig r Das erste kann nicht der Fall seiii. ^ia
von vornherein
man <lio iii(htmeta]>bvsiM}u'n rn-uilc wahi' nennt, geradi- so — zunächst genau zu analysieren (11 1). anstatt ;::

Prototvp aller Wahrheit


daß Tatsachenurteile den
sagt man — weil sie durch die Krfahning bestätigt wi^rdcn :
zu wL>>en.
Welcher Satz der ,.Krilik i\vv reinen X'ernunff
Gesichts- darstellen.
da^ zweite soll, wenigstens iinh!' gleichdetiniertem
\ i
h.ezöge sich wohl auf mögliche Erfahrung? Die Methode Kants
ajifh nicht stattiin*!.-!!. <la es nielil rallieli seiieiul, die
])iinkt.
muß ihren eigenen Urteilen in der Tat einen trans-
Begritr^>j.i-kii!ati<.iieii 'Irr Metaph\-ik mit «len so andorsartiiren
;:en(i(Miten Wahrheitsbegriif zugiundelegen. wenn sie sich
exakten Frfalii-iingserkeinitnissen gleichzustellen: es lileiht deni- Meta])h.vsik
nicht ausdrückludi widerlegen soll: eine falsche
natiirlieli
nacli iihrm'. die eine Aii vun heliaiiptelen Walii'iieit<Mi.
Dadurch abrr kann nur durch die wahre Metaphysik überwunden werden.
el)en
die metaplivsischeii. al> irrtinnlidi nachzuweisen.
Meta|»hysik der
reinen Veriumtr- Die Frage aber, ob die von Kant geforderte
ist eine llauptbestrebung der ..Ki'itik i\vv
Namen verdiente und nicht vielmehr als un-
Absicht, alle i'ationale Meta- l-jd'ahrung ihren
an^-e<!eutet : Kant hat zunach>l <lie
im
Doch auf welchen andern metaphvsischer Dvnamismus zu })eurteilen wäre, der schon
physik al> unni(iglich darzutun.
Sinnlii-hkeit und der organischen Erfahrung vor un-
dem Satz: UrteiK- Reich der
Vernunft^Lirrinden ruht dieser Zweck, ak- auf
ihrem Gea-enstand übereinstimmen' lösbareProbleme gestellt würde, wird man wohl bejahen müssen.
.-md wahr, .-otern sie mit
es nicht, die
unter Voraus>elzung dieser Das große Heich der Qualitäten der Xatur erlaubt
Kants Bemühen ist dabin ot-ricbtet.
zur Grund-
durch das ..nui- einseitio- betonte Analvse des Gegenstandsbegriffes
Ansicht zu l)eweisen, dali er noch \V(irtlein
umfassenden Wissenschaft zu machen: die Erfahrung
und zwar m der transzendentalen ]a"-e einer
verschärft werden könne,
1*
— 4 — r)

Wei't : tlie Wahrheit. In ihr sind alle Prinzi])ien, darunter auch


selljst viT]:ni-l. '!;>!'. inaii Wy^'V 'Ho .. Pliil()>()|>li ic 'ic,^ (Ü'lh'U-
die sogenannten Noi'inen: sie ist die Sonne di'^ ganzen l ni-
standes" hinaiisLivhe /.ii imiut Philosophie Aw Welt. Dir Natur
Knltiäehe
M'i'sums. nicht nur unseres unvollkommenen Willens. Sie ist
aht-r hi.'.<tfht aus T o t a 1 i l a t e ii (^^-). /• H- «Ii«'

durchaus keine Norm im Sinne des schulgemälien Sprach-


oder ein Gestirn: Zuständen (+—). /. B. Kin!)!iii(iuii,iien,
gebrauches, sondern der Lnbegril't' d e s A n s i c h s e i n s d e r
Gefühlen: Qualitäten (— +). /- 1^- 'la> IMlau/.liehe. i\i\<

n d e n B.
1) i 11 ge selb s t, worunter aber nienuils ,. Gegenstände an sieh",
riiissiire, das Grüne: und (i e i^- e u > t ;i ( ), /.

(Die sondern die Funktionsi)rinzipien meta})hysiseh harmonischer (be-


(.iiese Kngel. diese wäghare Ma>se, dieser Oriiani-nnis.
eing-ekhiiiuiierteii Zeichen setze vei'stauden werden. Aus ähnlichem Grunde stellt der Be-
iidtiiren Erläuterun.a-en bezü^^dieh dei-
griff einer ..praktischen Philosophie'' eine eontradictio in adjv^cto
linden sieli 1 ;:j I.)
dai', die nnui zu ersetzen hat durch den Ausdruck: ..reine
Während nuw die universelle IMiilosoph.ie zu ihrei' Be-
]Mnloso])hie des Handelns". Warum wollen wir alier so un-
griiiiduni: einer in e t ;i ]> h ;
\- - 1 sc li e n l^oii-ik hcdiirtte. hält
t kantisch philoso])hlei'en ? Die Probleme der Kausalität, der
Kant 1111 Geij-ensat/ (hi/u xineii Siandpunkt tVsl. indem <'r die

vertritt, wehdu' in i\vv Kv- Denknot wendii^keit. dw Mathematik, des Guten, dv^^ Schönen
Ti o r 11! a I V e Betraeht un<^-sweise
y
i

umi not wt-ndiiier rteile


i werden dadurch kaum ausbleiben. Erstens weil wir die Macht-
forsehunu de< (Gebietes allgenieini^ilti^^xM' l

losiL'-keit Methode hehaupten müssen bezüglich


der normativen
die ei,srentli('iu' Aufgabe der Phiin>()]»liie erblickt. Bei *\vv Hv-
der Fragen, die gestellt werden. Aus der punktuellen Be-
liandhinii' de> nnitheniat ischeii l'rleils trat ihm da.- auldalliue
hauptung .,es gibt Normen dt^i^ Wahren. Guten und Schönen"
Phan<»nien >yiithet i>cher l'i-teile ;i prioi"i (wie ei' e>; nennt) zu-
wird nntn niemals eine einzige N'atui-wahrheit, eine einzige Er-
erst entH'eti-eii. und indem er -eine an ihm erworhenc lu'handluiiü's-
kenntnis des (lUten. ein einziges ästhetisches Gesetz ableiten
art aueh auf ethl.sclu' und ästhetische \'erliäitni,--e iibertrug,
der können. Niemand vermag das. wird man erwidern. Gesetzt
wurde er zum Stiftei' einer snchlich ei,irenarti,<:-en J^chule
abei". die Metaphysik wäii dazu inistande (und wir wiesen
(iei:en\vai-t. Icli muli fiirchten. weiiiij- Ankl.inu- zu tindeii. wt'iiii

sonder Zweifel, dal» dies der Fall ist): würde man nicht die
ich L''ei'ade die>e Lehre Kant> hin>Hditlieh einer oh i io.-nph isehen
chronische \'oi liebe für dvw Begriff' des Allgemeingiltigen. dessen
Weiterentwicklunir als bekäni]d'ens\vert ei'aclite. Die normative
V]le'eineinL''iltii'keit "exv i-ser Beziehuni^cn ist eine |irakti>cli
Kechl ja noch nicht einmal ohne absolute Meta[)hysik fest-

doch eben weil IlerrM-liaft im


\ / o(.<l("lh werden kann, mit einer fruchtbaren und endgiltigen
letzthmi^e ErscheinuiiL:" : >ie ihi'e
Wissenschaft vertauschen? Zweitens hebt die normativ-
Gebiet de< Willens und der Zu>timmiiiii!- nusiibt, sollif imüi es
für die W;--eii>chii rälxiilud' zu
Methode den Zusammenhang der Philosophie mit den Problemen
vermeiden, ihre ]^e(h'Utung ft

dci- eigentlichen Wissenschaft ausdrücklich auf. Sie fordert


betonen, dadurch «lall man aj)i-inrivch(' N'oiniitrmziph'ii. al- eine
eine Philoso})hie, die etwas anderes ist als die Wissenschaft
kleine Scliai" irreduzihler Grf")hen i'irv beziehenden l\rkennt nis,
(etwa erster Teil oder ihre „Krone"), nnd kennt eine
lieL't'iiiiber der ebenso autonomen M aniiii: falt iiiktul der nicht- i liir

Da
Wissenschaft die etwas anderes ist als Philosophie.
nornuitiven (iegebenbeiteii !te\-orzuL:i. Das X'orinmden-ein
ab(U' das Svstem der Wissenschaft oder IMülosophie nur ein
noiaiiativer Gesetzlichkeiten ist zwar für das prakti.-che. d. h.
Svnon\ iiioii der Wahrheit zu sein hat, welche eine und unteilbar
auch mitteilend oder uniforniend tätiü'e intellektueih' Lel)en zu-
Ideibt, wird es dem Denken unmöglich sein zu begreifen, wie
reichende Instanz der BcLrründunii'en. Die reine IMiilosophi»' aber
fordert, (wie wir annehmen nui>senj, dall man vom Interesse, eine N.'aturerscheinung anders zur W^issenschaft gebracht werden

um könne als auf Grund philosophisch durchdachter


da- man iliiien deshalb entL'"efrenbrinu-t. ab>trabiere. sie wie
Methodi'u. oder wie man Eogik und Ethik zu treii)en vorgeben
alle andern Prinzi])ien objektiv uiul ohne Bevoi'zuguiii^' zur
^Metaphysik zu erbeben. Die Wi>>en.-chaft kennt nur einen
(.)

das meta])hvsische Wesen von Kaum und Zeit auf deduktivem


Kr.ime. ohne notwendig- aii.li «lir (Jc^Hrntlioit <1(M- nur vom ivimii Dimensionen abzuleiten,
Wege zu bestiinmen sowie auch die
Einzeljtroblenie «1er \Vi>M'ti>c!i:i als da^ über die ein-
Denken fe^^tst ellbaren
l't

t * ^ ohne jedocdi in den vorliegenden Abschnitten


aiicr nicht uncrsc-liopllR-lR' Fl-KI .-.'iner Täti^kiMl zu bc- Die Kantsche
reielie.
fachsten Anfiinge hinausgelangen zu wollen.
traehten. Kategorienlehre beurteilen wir als eine große Entdeckung, die
Die Krkt'nntnistlu'orit' Kants wii'd man in /.wcii'i'lci llnck-
wie das Denken in
dariir besteht, dab der IMiilosoph nachweist,
versteiiL-n können; >oiern >U" als 11 il t>iiiiltrl im Kampt vorzufinden meint,
SK-hl
der objektiven W(dt konstitutive Begriffe
-egen dif Meta|>livsik dienen soll, und xdcrii .mc t'iL;,vnai-ti,i:e
entstammen: die ^Erfahrungswelt ist

Die
<lie m Wahrheit ihm selbst
werden kdnncn.
Lehren vertritt, die an sieh ^escliaizt
vom Denken gebildet, so weit sie in das formale Denken eingehen
Aufl'as>üng von Kauju und /nt dml'tc dutvh Anknuplun- an
die
welche UnvoUkommen-
kann. Mdge e^ gestattet sein darzutun,
hi<tori<ch vorlieL'-enden Hfiiandlunücn dui-ch Li-ibniz utMi
Newton Vor allem
heitenwir jedoeli in Kants Auffassung gewahren.
^owie dii'Krkenntnistheorien von Locke undllunu' in Vi^rbinduni:- zum Ausdruck. daH die ..Denkkategorien der
kommt m ihr nicht
mit Kant> l)e.-onderer Absicht zu erschöpfen mmii. Die noelixhm
objektiven Weif, wie wir wohl bezeichnen kdnnen. in ihrer
sie
(irundfra^'-en der MalluMiiatik werden durch den iueaii.-ii>chen
V 4 schlechthinigen Objektivität begriffen werden
müssen: ein Zug
Standpunkt einer andern Autd'assung untei-worfen. ohne je-
Kategorien in die Welt
des Subjektivismus, der das Denken ilie
doeh -trciii:-ere An>priich<' o-(^i'ör«h'rt /u wei-drn: und wenn auch hier unver-
\"[iv
.diineinlegen- läHt. um sie zu „formen^, ist

das (h'bjiiKK' der Mathematik \olli*i a pruu'i


Kant h(4ont. (bd.l
kennbar. Das Wesentliche scheint uns gerade
dann zu bestehen.
zu>tandekomine, so hr.rt Ai'V Metaphvnk.-r <birau< nur die
Natur („Sinnlich-
nicht bloß
daß die objektive Welt als solche
t-mpiri-t!-<-he \'er>ieh,enin,i:-: liic ph\->ikali>chc Weh ah.u' ivi rww Grundhegriffen wie unsere
keit") sei, sondern in ihren formalen
Tr-achr X. die man nur (hireh ihre ander>ai-li.i:c Wirknn.ü im betrachtet werden muß.
Urteile selber als Denken angehbrig
dem
posteriori heurtiulen kann. Du-
Md)jektiven Bewubtsem. ak-n a
Ferner kbnnen wir an der scheckigen Zusammenstellung von
priori und a '.»(»teinoiM wird .lU ein (;eL!en>atz Negation usf. wenig
He^'-rilT-naai' a
Einheit und Kausalität, Dasein und
an sich lietrachtcl. in dem Smne (hd.i e> darüber hinau> kein Vermengung oh-
Freude hal)en : wir sehen darin besonders eine
An >ich liehen <oll. anstatt als ein OeL'-ensatz nur f li r un>. (11^^ u. b) und müssen
jektiver und grundsätzlicher Prinzipien
den. da>; reine Denken ük-o aufzuheben verma,^-. Cntei- die.-er Verschiedenheit des
V > Aristoteles heranziehen, wenn er (bei aller
die matheinat isciie Wuniiii ha rnionie und
den Grundbegriffen auch Aktivität
ft
A'oraiw-etzunü- niuli alter bei
(k'sichts])unktes)
wunderbar, sondern nnver>tandlich wcrik-n. DiV seltsame
,m-}it allem
F'assivität berücksichtigt. Und wie hat Kant seine
selben (Quelle entspringt aiicli die Lehre \om Ding an >ich. noch seltsameren Urteilstafel. über
(^•upi)e abgeleitet? Aus einer
\ün der nebensäehlicheti Sinnlichkeit und \om ei-kenntni- nachzuforschen er sich
deren Urs]»rung, Eecht und Sinn näher
Snl)jekt vi>mu-. de>>im un;jeuolitcr Keim trotz Denk-
rheoretisehen i

nieht verbunden fiiblte. Wir selbst halten die ohjektiven


des entschiedenen Strebt-ns zur Objekt ivitiit bei Kani nicht zu
eme einfacher zu verstehende Grui>pe der
kategorien für
Die neue 'riicoric \on Kaum und Zeit leistet im nach einer meta-
idjei-sehen ist.
Denkkategorien als die Urteile und leiten
du- Antinomien (h> newloniseheii diese aus jenen
System nur dieses, phvsisch-s'vstematischen Regel in gewissem Sinn
dal» -ie

Denken- nicht etwa <iuf!o>i. xuidciui al> iiotwendiijen Schein de-


ab. Jene'aber gewinnen wir mit Hilfe von Raum —
und Zeit.
\'er>tande,- bei>eite -chiebt. Spatere l)eid<er >chufen -i<-h
den Kantschen Aus-
Damit vermeiden wir einen Defekt, der in

daraus einem eingeseh!';inkten Siniic mit Hecht dvn Im- der „Formen
führungen stark auffällt: die Beziehungslosigkeit
(in i

]>erativ. das Funilament der gewöhnlichen LoLiik. a.uf welchem Denkkategorien der ohjektiven Welt.
.kr Anschauung- mit den
Kant steht, in einen Prozei» aufzul<i-en. Lnsei-i' Schrift versucht
n

- 8 — 1)

air^setzung könnte aher eine solclie (sich vergebens einpfehlen(U')


Kant sti'ilt l)tM<lr (it'L'ciit'iihnifii iifi)fiit"iiian(li'f. weil ^-r ^Jt• >»» <4'^'-

noch Katc- doctrina laiiorantiae heo-riindet sein, als (hircli einen von vorn-
KiiKii-ii hat : (ItMln/itTl ahfi' \\v<\('\ liauiii iHxh /<M"t

andcnu herein auf die blolie Xaturtechnik zugesehnitteneii Wissenschat'ts-


(Tonrii au- »'iiifiii it't/.tcii Priii/ii«. odrr ciiio aii> dfiii

Daktvhis hegriff!' Wii- selbst halten es nötig zn fragen: Ist das exakte,
suiKltTii «ifiilrl nur darauf hm. Dw>v ^Icthod»- di'>

ph ilo.-ophisch in brauchbare Znstände iiberfiihrbare „Wissen" ein \Vi>sen des


wäiT aiif!' naril unscrn An tm-dtTiinircMi nirlu ai>

wir Lilauhcii. dif Denkens, odei' nic-ht \ielinehr nur das Wissen einei' feineren
zu i)ezeic!inr!i : dtum du- Philosophie sclL w u

X'ri'stänihiis (hdiin- i'raxis. und bezüglich desDenkens ein entschitHlenesN iehtwissen r


In'uri ffr. Jii »k'i't'n iH\frellu.-rn! (ichrauih umi
ihren inneren Be/iehiinp'n aut- Wir werden vei'suchen das, was für Kant V o r a u s s e t z u n g
:/uh'l)t'ii iiii< natürlich ist. in
war. uns zum klar betrachteten Problem zu niacluMi. Ks sehr
weiseii und an ihrem Ort*' al- n o t \v f n d i i^- erkeniu-n. Kant ist

c h e hm. um au- wohl denkhai". daÜ (Ivv (legensatz von Wissen und Viclitwissen
nuninl (hiiicL'cn du- Ihun/MUrii al> t a t > ;i <• h i i

Lo^uik idcht durcli <len andei'n von (ilanben nnd Wissen seiner Verständ-
ihnen soirleich aut (trund einer ulxu-ln'fei'ten pi'akt i-clnui

erkeimtni-tlieoret i>ehe Waffen iie^-en <lie .Metaphv>!k zu H lichkeit hei'aubt zu werden braiiclie. Unsere Logik hofft in diesem

niu>sen wir dafl die Kate- Sinne einen Hationalisnnis zu vertreten, dem a.uch die .,])raktisehe
wcliii!i,.(|rii. Schließlich fe>t.-telleii.

uorieiilehre hfl ihrem Kntdecker ikmIi viel zu durfli,u i>t. um > X'ernunff nichts anhaben kann, weil <i>/ darin aufgehoben ist.

Kants Weltauffassung ist wie diejenige Newtons eine stri^iiL'' kau-


ihi'e eigeiitlicin-n Zwfeke zu ei-fidleii. ja hloll ci-keniien zu lassen.
Hink de< Kritikei> ihn uherseheii, sale: dal.) je(lcr aeschehende Vorgang ein l^mkt in der unend-
Ih^y logisch antuest renkte liefl

lichen und eigt'iischaftslosen Keilie notwendigen (ies( hebetis ist.


dah dem Sv.-tem von Denkkatei:(»rieii eine onlologi-ch ^-leich-
setzt er als selbstverständlich voraus. Die Beti'achtnng der Wtdt
l>erechtiL'te (ie-aintheit von Nat urkat(\irorien entsprechen miis<e:
als eines harmonischen Organismus mit ])rästabilierter (ie-
er bemerktt' nicht, daf! durch l'rteile und «»hicktive Kategorien
setzesvollkimimenheit. die schon bei Leibniz zu einiger Titd'e
(.-OWledle ideell) dle'l'afei de> Denken> no-'h nicht erxdiopft >el :

oelanut war. nicnt dui'chgedrungen, und über die I^-obleme


daß /.. B.. wie sch(Ui Hamann erwähnte, die Spi-a(he. dioes so ist

de< organischen Körpers enthält vor allcMn die ..Kritik dei'


wichtige PhanoHK'ii de> transzendentalen Hew nl.it>ein>. im S\stem
Krteilskraft" (Gedankengänge, die in ihrer wertvollen (iidindlich-
auch eine \\e>entlu-he Stelle hatte finden xilleii.

nahm Kant an. dafl das Hm und llet- zwischen keit doch nui- zeigen, dal.) auf der angenommenen naturphiloso-
T'nd endlich
Philo>ophie i i
])hischen (.rundlagc-. (welche auch der modcM'nen Naturforschung
r.'lauhcii und \Vi>sen. Freiheit un<l Kau>alit;it die

his in fernste Zeiten i)ef rie<l iLivii wcide. Auf (iriind der Nh wtnni eignet), eijie Lösung dieser Fragen n i c h t m ö glich ist.

LkUmu die Logik zu bewähren versucht 1. dah die kausale und


«dien Wiss(Mi-( haft-au f fas^uni! hat der IMulo.-opli da> ..\\ !--eir"

nehcii ihm no( h ein anderes Waiii'- teleologische ^L'thode nicht die einzig denkbaren sind, sondern
X) trefflich ciiiii-ecniit. <lal.l

heitsvermiiocii hcanspiaicht wci-den miifite. der ..(ilauhe". wenn (hrrch eine metaf)hysiselie Methode sieh ersetzen lassen, 2. dal» sie

Denken ganz auf >ich verzichten woltti-. Die Meta- beide j)ra.ktiscber Wesensart sind und also für die reine Wissen-
nicht da< alti'

Begri f fsw Kant (wie auch schaft zweifellos nieht in Betraeht kommen, liotft sie aueh für diese
pliv>ik er>trehte eine i.-sensclia ft : i-«t

belan^n-eichen Probleme nicht ohne Nutzen sein zu können.


die Weltanschauung unserer (iegenwai't) von dei- ahsoluten Hich-
Schließlich sei darauf hingewiesen, dah die Kantsche Wider-
tio-keit der ..i'ealw i.-senschaft licheir" Methoden .-o i'e.st iiherzei'ii't.

dah er da.raus die Kraft sidiopft. jene llolTnuiigcn als eitel zu "r- leguni>: des ontologischen Beweises zwar ^egeii die o])erflächlichen

Welt dvv Argumentationen, auf welebe sie sich bezieht, im liechte bleibt;
klären. Anderei->eits erkennt sein titdei- (iei>t iihtu' d(!'

sie jedoch zum h-rtum wird, sofern sie behauptet, es geh-


P^orsidiuiiL:' (nii Reich der Ideen, ul;er dem exakten Wi>sen den dal:)

t<einen Begi'iff, aus welchem die Existenz (bzw. das Sein) und
lidher zu liewerteiidui Olanhen an. Diircli welche andere '\^)r-

'I

/
— 10 IJ

K'jikiiul w ciu 1^^-*'! nnnlvti^cli licrvor- "Menscli" auch ohne langen ..Prozeß*' zu würdigen v(-rmag. der
zuo-ltM.-h mich >riiH' ci-viir 1 1 ^

<1h'> 1mm .Im Ki-wriftrii Pliiloso})hie immer ihre eigenste Kraft bewahrt haben und be-
<relK'. Vu<vvv LoL'ik verficht zu zoi.irfMi. .lal.l

..Werf t;it>;!i-li!icli «ItT K;ill i>t. wahren werden. Der zweite Abweo-. vor dem uns Kant beschützen
..Weil" ini-1

Kant uäi'c nun al»fr M'lir ^Miiseiti^' 1)*'- könnte, ist der Psycliologisnins. Darunter verstehen wir die
TiiMTc Siriliiii.i:- zn

wolltrii wir uns Ici (iicscr ivm >a(li nhfii Ki'itik. weK-lic Methode, auf Grund der erfalirungsmäßig festgestellten psychi-
leucht^'t. 1

zu uii> im Ititrivsso der schen Vorgänge alle oder die meisten philoso])hischen Fragen in
<*hne Vcrh tili untren vorovtraoxMi iialuMi.

Klarhrit witM-luildigt st-iii m('.^c. scIkmi zutric-Uii -vhcti Dcn.n solchem Sinne genetisch zu behandeln, (biß man glaubt, da-

niemand. -in wir vine >u nachiiallige durch für menschliche Denkans])rücbe ihre Lösung bewerk-
neben Sfli()])enliauor i>^i <1

Leliiv zu verdanken liätten al>^ stelli<ren zu können. In dieser Weise pflegen Erkenntnistheorie,
Beeinflussung und dauri-halte
der Lauf des eigenen I)t^nken> un> allmalihcli
idn-r Logik. Ethik und Ästhetik heutzutage nicht selten erörtert zu
Kant. Wenn
Oesielits])unkte der grollen Meister niil Kntschiedeidieit werden. Ohne hiei" auf eine Kritik dieser Ansich.t einzugehen,
die '?
so h!u-h doch die ungeniindcude Veivh i-uni:- welche in dvv Methodenlehre ihren Platz hat. sei auch von un-
fiinausgefiilirt hat.
Forselieiis ht'>tehen. und un>ere Krilik betont, (biß sich die Probleme bei KaiU von einem ganz andern
fiii- die L'-anze Art ihre-

ilirer einzelnen {''herzeügungen i.M nur deshall) scheinhar -treu- V 4


(iesichts]mnkt beherrscht zeigen. Zwar ist es nicht der meta-

>o gewesen sind von ihnen da- phvsische, sondern ein etwas engherzig über die Xormbegriffe
aus^'-td'alleii. weil wi]' i:-1ii<-k]i<-li

haheii. dann aher durch die niangelnde Aii>- riisonierendei- (iesichts])unkt : aber wir glauben, dal:) dieser nur
Beste irelei'n! zu

denkbarkeit und Folgewahrheit wesentlicher V..rau-,M-tzunL:rn in jenem seine Konse(pienz linden kann und betrachten ihn aL

einem Standpunkt gelangten, dessen \'er-ch ledciiheil von dem dessen Vorstufe. Jedenfalls hat er den groben Vorzua" vor den
zu
diri2-en wir um so deutlicher eni])t'indeii niulileii. Obgleich un- Svsh'inen (dner sogenannt ])ositivistischen Hichtung. daß

mehr iesetzgebei' dafür .-ein er von einem Sensualismus oder erweiterten Empirismus, der
sere.- Eraeiiten.- Kant nicht ein (

w wir denken sollen, bhubt er «loch das beste \ or- (las Oberllachluhste an (Uu- Welt ( Emptindungen oder >onst
kann, a - .-o

welche Ki'agen und av e P^vchische, d. ..Fid'ahrungs--Frlebnisse) zu ihrem .dnzig-


bild, von dem wir erfahren werden, übt r i i.

tieten Kern zu machen bestrebt sich sehr weit entfernt.


wir zu denken haben. Die matheiiiat ixh genaue Art -einer >icheren ist,

möge un- mehr und mehr voi' zwei Al)Wegen In dieser ('hei'windung (\e< englischen und s]v;itfranz()sischen
Prohh^nstellungen i
\
in iler l*hilo>o|th]e zurückhalten. Psycdiologismus besteht Ka.nts bed(nitendste Oe(bnikentat. von der

Der erstere zeia't sich in den Mhlaniienha ften Tiewegungen zu wünschen wäre, (biß sie in einer streng durchgeführten un-
einem Prozeh bewei>t-metai)hvsischen Betrachtuiiiisweise der allgemeinsten wie
der llegel.-chen Dialektik, welche die Wadirlu-it mit
des D-rtum.-. die Philo><)|.liie mit i\^^v (ie.-clncbt" der Philo.-oph le der FjnzelprohltMue ihre bleibende Festigung erführe.

\ertauschen mo(-hte. Da i>t alle.- im Flulh auch die CruiKl.^atzc-


i

und Ideen der absolut seienden Wahrbut. Hoffen wii" abei". <lafi
2. F i c h t e u n d S c h e 1 1 i n g.
es niemal.- an .-treiigeren Denkern fehlen wink die wie Kant voi-
«ier Philosophie eine \Va.--er>not. btu i\i^v ,-ie doch nur umkommen Den Primat (k-r reinen ])raktischen A'ernunft spricht

Bei aller Würdigung <ler Hegeischen -ciion Kant aus: es hängt dies zu sehr mit seiner vorher-
Kann, lieber al)wenden.
Philosophie, die uns sonst mbglich ist (vitdleicbt gerade was die ucgangenen Fesselung der theoretischen Vernunft zusammen, als
Kantkritik ani^vht). inii-.<en wir al.- unsere Pberzeugung aus- daß eine Kritik dieser seiner Lehre uns zu neuen Gesichts-
Probleiiu', die von der Erfahrung ih.reii punkten führen k(innte. Ln Lauf der Geschichte jt^loch hat die
.^prechen, daß be^tmnnte
die ..gemeine wohldefinierte Meinung Kants eine die Willkür verselb-
Aus<'ano- nehmen, und bestimmte Resultate, <!er

N y
-

— 12 — — 13 —
uflclicr a ci'.-chir'donc
Äußerung des niehtdenkenden Sti-ebens seihst. Die Tätigkeit,
-ir^iidi^^eiult' Mft;iinni'])li()>r crruli i'cii. 1mm

<lif Lt'liitii \t>in Ich. \(>in W i<l(rsi»rii'-h,


welche Schranken setzt, um sie zu üherwinden, wird unter (hMii
('ii!>liiii<lf. l»t'S(»]i(UT>
(Tesiehts])unkt denknotwendiger BewuLitseinsgrößen die höchste
\ruii Wilh'ii. vom Wrii /.. T. iiiillvri>!;i iidlu-li /ii>aimin'n w irkriid
Wertgesauitheit der }*hiloso])hie. Ein an sich richtiger Owhuike
jijcll uiiIrr-InT/h'ii. W'il' hiiilt'ii 111 tlics-T I'^';l,üT tolo-tMKK'll St;ill(l-
scheint es uns. wenn Fichte auf (irund dieser Voraussetzungen
piiükl t'iii: Sdfci'ii man t iiroiH-l i-( li fiii \'t'ft ah rt-ii lU'iiiit, <his
wirklich versucht, die Prinzi])ien Ivants. welche dieser l)h)ß aut-
kt'iiit'ii aiKlcri-ii Zwt-c-k hat. aL-^ <U'ii ah-oliihai »Ut Wahrht'il,
gezeigt hatte, systeuiatisth zu deduzieren. Doch ergibt >ich aii.-
Uli'! pi'aktixh v\\\ Vcrfahi'fti. wcIcIk^ auf amlcrc Zwt'ckc. etwa
und (h^n vorgeti'agenen Fräniissen auch die F^olgerung, (hiß iiiclit <lie
tla> [lan»!c;!i ndrr <hi- Lchtai. «hai t'inciit'ü Wilicn odm' Kiircht
/.wnlrllo^ Wahi'heit im rationalen Sinne {\c\> Wertvolle sei; selbst wenn e.-
iluirinuiL'- cUH-r (it'-amthrh K* rick>ic!il nimm!. iH'sti'lit

Xci'nniitt: au sich seiende Wahrheiten unabhängig von allem Hanchdii gäl;e.


die Fordcrmii:- des Primat»',- dci- l h c n r c 1 i > ( h f n

nach was Fichte verneint, so bildeten sie nur Schi-anken. vvelehe iil)er-
Mt-ar *!ic hiolic Kütx-ht'idiMii:- h ifiadx'i' kann niii- Mal,)ii-al)t'
5> wundeji wenh^i müßten: eine (Irundiiberzeugung der Hegel-
!)
der Walirhcil. al^» durch rhcnffi ixhc X'ciimnft lic.-chchcii. (

schen Philosophie ist hiermit schon deutlich angelegt. F'.s folgt


weicht- -ich iiic!il in (hai W'idci'-piaicl! xcrwickchi wird, durch
\ aus der denknotwendigen Definition des Wertes, daß solche
ilirc Aii->ai:c die Bcrcchl inaini: ihre- Aii»a,i^iai> zu /ci'st<iren.

mil Treue atfektisehen Lehren als (his (xegenteil dessen zu betraehten sind.
Denn Waiii'hcit i>! jene- h<ich-lc l*rin/ip. (hi> dci'
was eine kritisehe Wissensehaftslehre (oder transzendentale
vcrwaiail i-l und >u-h >clhcr lielil : nur (hidui-ch. daß c> -ich iiiehl

\Va> ah-o stets sich \vie<ler Logik) zu vertreten hat.


lial.i! und cwiij- \cniichtct. i-t «- walir.

Denken xoi-kommt. da> n- Doch nichtsdestoweniger enthält derselbe GtHfanke F'ichte?


!im-lii!v1. im a!,- W'ider.-pi'iich i>l l

Wahrheit tun eine bedeutende Erkenntnis; es ist die Lehre vom Soll. Das
wahie. liiiu ucii'jiiiiher kann die nicht.- al> e<
Selbstin'wußtseiii enthält die Möglichkeit des schlechthin un-
illlt [{litt - <' i 11 e r e i
U" c n c n Zwiesp.ält i<ikeit hekämideii.
bedinL^^ten Wertes, dessen Vervvirklicluini>- durch den absoluien
IJrchl und a'n-(»iuter W'eft -ehiu't de!- W'u lei-spiuich.-h» i^'kei t an
Imperativ gefordert wird Auch unsere Logik vertritt diese
iUs ihre anah tl.-ehe Be.-t inimunu. Daher i-t a 1) - <• 1 u t e Wi'i'l-
Lehre: sie be<i-ründet aber ferner, daB durch das transzendentale
jjhilusoph ie iiotwendiü- Hat lonali^inus. und iüe^i'i'. so hald er

/u -ich -ell'cr liekommen i-l. al-ohite W ert ithiio-ophi»-.


Soll der autonome Wa h r h e i t s b e g r i f f zu seinem ana-

welche
\ i lytischen Ausdruck gelangt. Daß Fichte die Eigenart <le> ur-
j-'
j i- ii 1 r \\ur<le de!' Heiiriin<ler einer l'hit w ickUmi:-.
sprüngliehen Denkaktes zuerst mit seiner ethisehen Wesen-
-icli -nlelien TJedanken in Wirklichkeit al>_L;fnei^ui erN\ ies. ohwohl
rund Aw bedeutung in begrifflichen Zusammenhang gebracht hat. ist sein
kt'iner ihrer N'erti'eter auf die ( ; fi-a^uv \\'<'rti)t'-t iminun,i>-

iide tu iiüei^anuen r'ichtt> wesentliehes und unleugl)ares Verdiejist. Hein hold Hatte
iijitlei.-t the<U'etl-cher \'eriiU ll l't,ü IUI i-t.

l)a> Ich >icli ak- das Bewußtsein dureh den trefflichen Satz charakterisiert: ,.lm
Werfheo-rifi' i-t ein ])raktiscli iierichtetei'. -et/.t

dieses aher. die


Bewußtsein wird die Vorstellung durch das Subjekt vom Su])jt^kt
Seiiraiike -eine- Han(hdn> da- Nicht ich entti-e<i-en :

und vom Objekt unterschieden und auf beide bezogen". ln<h'm


<jbjekti\e Welt (|ualitativen So.-ein,-. r-t \\t\-entlich (hidurch
Fichte die Analvse des ,.lch denke" nach ähnlicher Struktur
chai'aktei-isiei-t. V\\\ da.- HaiKh'ln i^vsei/.t zu .-ein: an >ich ist sie
vornahm und zugleich eine Wertbetonung der logischen Momente
niciit-. wodurch die nat urph il()>()j»li ischeii Proldeiue von \()rn-
(u'nfiihrte (das Ich setzt in sieb, sowohl sich selbst als seinen
jiereiu t^'eh'i.-t erscheinen. Das Ich i>t unendliche,- St rehen : <lieses
Ge<>-ensatz. das Xichtich). hat er ein wichtiges Verhältnis 'de>
aher ist Selh-tzweck. K- i>V iinertindlich. wohei' dtu" lMiilos()|)h
Geistes angcnleutet, welches (unabhängig von ihm) in dieser
(und die zahli-eieheii Anhan^iu- >einer Fe.-tsetzun^i: in allen

iieliauptunc; also nui' eine Schrift unter dem Namen „Funktionsgesetz-* ausführlich dar-
J^agernj diese sclu'ipt't : sie ist

i/

/
— 14 — 15

<:'estt4U ist. Rciniioiii -aIh-i Kann als .Ici' iinbrwiilitc Entdecker ständig erworhenen Gedanken unserer Schrift kongruieren. Fiir

der 1' e t r a n () m i e bet rachtt-t werden, welche später hei »). J. Kant und die neuere A^aturi'orschung ist die Vorstellungswelt
WaLJ^ner in <ler andern AntlassunL;- als Tetrade hei'vorlritt nnd eine Wirkung der Dinge an sich (ohwohl heini Pliilüso})hen bloli

(ohne historisch aniicrcLiI /ii >ein) von. (Um* ii'eiz'envvärtiii'en I^oa'ik was die Voraussetzung, nicht was die Leiire betrifft). Schelling
in funkt ionsgesetzlicher Aii>jirägnn*i- als die allgemeinste logische lehrt dagegen mit PJecht, daß die Annahme einer Identität von
Form di'^ Denkens und der Xalni' gelehrt wii'd. Suljjekt und Ohjekt ,,die erste Voraussetzung alles Wissens,
8 c h e 1 1 i 11 g, der theori'ti>ch hedeuteadste (jJeist des meta- ohne welche sich überall kein Wissen denken läßt'', bedeutet.
physischen Idealismus. vei"ti'itt fruchthai'e und zum Teil wahre Und an anderer Stelle: ,,Soll daraus, daß vermöge der Er-
Gesichtspunkte. Weniger ist dies (Um- I'^ill in seinei- rriiheren kenntnisart, welche aus unserer endlichen Natur folgt, keine
Periode, die ihn von Kirhte heeintiiil.lt zeigt; die Natur als das Erkenntnis des An sich möglich sey, geschlossen werden, daß
Ohjekt. das ich als das Suhjckt ze hc^rachten, hätte die Iiuck- ii he r h a u ji t keine Erkenntnis desselben möglich sey, so muß
ff^i
sicht auf Kant> .Vuffassung \t'i hindern können. wi'U-he geraih' die Endlichkeit unserer Natur zuvörderst als eine wahre
(wie uns scheint) da> Denken in seiiuM' ohjektiven Form hetonte. Iv e a 1 i t ä t fixiert wei'den, aus der es überall keinen Ausweg
Seine vornehmste Beilcutung liegt wohl in der Identitätsplnlo- ( gibt. d.h. die Vernunft selbst muß negiert werden". Schließlich:
sop)hie. welche manchen xharfen (fedaiiken vorträgt, der auch ..1 c h weif) n i c h t s. oder m ei n Wissen, insofern es wirklieh
heute noch heachtenswcrt sein durfte. Während Khm I'^ichte (Ins me i n es ist, ist kein wahres Wissen. Nicht i c h weiß, sondern
Nichtich noch als l*rodukt dv> Ich angesehen wii'd, \ert!'itt nur das All w e i ß in mir, weiin das Wissen, das ich das meinige
Schellmg den Standpunkt drr Sclhigkeit i\^'< Wissenden und de< nenne, ein wirkliches, ein wahres Wissen ist'*. Diese tiefen
(lewußten: er zeigt dadurch, dal.i ein S\>it*m wfdcr Idealismus Sätze enthalten die (M)erwindung einer biologischen xAuf-
noch Dogmatismu> zu sein hrauchc:; er macht das ,, Weder vSuhjekt fassungsweise in der Fliilosophie, welche auch in unserer Zeit
noch Ohjekt", die Idei-. wie Plato zum Zentrum cinei" u n -
noch ein bloßer Wunsch bleibt. Die gegenwärtige l^ogik dürfte,
gegenständlichen l^ct i-acht i:ng>\\eise der Welt in C'her- indem sie die Begriffe der biologischen 1-Crkenntnis metaphysisch
v.'indung des Kantschen KritizLsmus und Fichte>ciu'n Suh- analysiert, einen I^eitrag zur besseren Einsehätzung der ,,Denk-
jektivisnuis. Er stellt der Pliilosophu' (Ivii (nach seiner und auch notwendigkeiten" geben, die sich der von Schelling getadelte
unserer Anschauung) endlichen Suhjekte^ de!' ur>pi'iing- \ I Standpunkt aN letzte Normen erkoren hat. Wenn b e i d e n B e-
lichen Tathandlung (vgl. Wirke, herausg. v. K. F. A. S,helling g r i f f e 11 selb s t eine p]ntgegensetzung objektiver und sub-
1«ÜU, i. Akt. Vi S. 1"?3 — 4) eine solche (\(^> ahsoluten Seins jektiver Frinzipien stattfindet (vgl. die Tafel des Anhangs zu II),
(•ntgegeii. (..Xun müssen wir- ahcr ge.-tchcii, dal! IMiilosophie >o widers])richt diese nicht dem Identitätsstandpunkt, welcher das
üherall keinen Wert hat, fuhrt sie nicht wirklich zu dem, was iiiologische Subjekt als ein Zentrum objektiver Gegenständlich-
an sich, was ewig, was unveränderlich ist.'") Wie S])inoza, keiten aus den Voraussetzungen der Philosophie entfernt, sondern
Ficlite und iiherhaupt die meisten IMülosophen, ist auch er ^ie ist eine durch Betätigung unbiologischen Denkens (bei
in seinen Deduktionen nicht frei von einer Vei'ineni^-unji- des Schelling: Vernunft) erworbene Erkenntnis, die lediglich ein
eiKllicheii un<l i\('> unendlichen Prinzips. Wenn wir von dieser ah- analytisches Merkmal der Begriffe ausdrückt. Auch ist zu be-
sehcn. welche wir selh.-t durch genaue Hegi'itTshestimmungen zu achten, daß unsere Darstellung versucht, das natürliche (nicht
vermeiden suchen, Wi'il wir sie als tMU (irundühel i\v^ Denkens C traktische) Denken in den ihm selbst eigenen, wahren Gesichts-
1

heurteücn mii>sen. so cnthalti-n Sclndlings hierliei' gehörige Aiis- ])unkten zu erhalten, ohne es ausdrücklich bemerken zu lassen,
fiihrungcp, mehrere wesentliche P)est immiingen. die mit selh- an welchen Irrtumsklippen man noch nebenbei scheitern könnte.

^1
"

k;
— 17 —
verdient an ihrem Orte selbst nachgelesen zu werden (Werke,
Das l<l(!ititäts])ewul)tsein. welches keiiu' ( Miifiisiüiullichkeitcn,
Ausg. IHGO, I. Abt. VI. S. 148—50). Auch unser Philosoph ist
>()n(k'rn mir <lif l*nn/i))ifn des So.srin> im System mmiut Wnhi'-
der Ansicht, daß Kant vermöge seines unzulänglichen logischen
heit verwerten kann. ;-t dasjenige des allerersten, also auch des
Standi)unktes ..nur im bedingten, synthetischen Wissen Realität
allerletzten Denkens.
sieht, welches vielmehr nach der höheren Ansicht
wahrer
Was bei Selielliiiu- d e > e l z d e r ! d e ii l i l a 1 h-ilil
In der Ver-
Philosophie gerade ein Wissen ohne Kealität ist.
(A— A). be/eiclnict unsere Loirik ;il> (Grundsatz der Analvtik.
und reell [„synthetisch'']
nunft weiß ich unbalingt [„analytische^ |

bzw. a !i a \ > r \\ e I^rkenntnisweise: iidialtlich bestellt


Schließlich sei bei Schellmg noch die Bemerkung ge-
i ;• i

zugleich.
zwischen diesen Begrili'en kein L'nterMhied. .,Die W-ruuiit't i.-l

stattet,daß der Leser unsere logisch charakterisierenden Zeichen


das Selbsterkennen jemM- ewi^'^n Oleicldieit A= A. sonst nielit-''; I


+ ^nid oder die Begritl'e „Pol, positiv, negativ'* nicht durch
die Identität ist .,das einzige IMan/ip unbedingter P^i'kt-nnl in-".
naturphilosophische Eeminiszenzen entwerten mtige; wir haben
(NB. Flehte.- ailliliehe Aus.-agell gelltU-eli eilier h e l V V oge n e II

4 geglaubt, sie als bequeme Marken und Namen benutzen und ihnen
Gedankf^ureihe an.) Die- affinui(M-te Tdeniitfit lieißt bei Scliellmg
Zwecken entsprechen<le Btxleutiing beilegen zu
eine unsern
Go i t ; dieser ist die A l'fiiniation von sieb sell)st : ,, alles, was ist,
^ dürfen, ohne damit nui thematische, jdiysikalisehe oder historische
ist, insofern es i s t. in Gott. Alles Sevn, das nu ht das Sevn Gottes
Verbindungen (von vornherein) andeuten zu wollen.
ist, ist kein Seyn. sondern viebnelir Negatinn des Seyns''. Die
Wrseiiheit der Dinge als gegründet in der Ewigkeit Gottes sind die
Ideen. Wir selbst nennen (b^is oberste Prinzip deii a b s o 1 u t e n 3. Hegel, J.J.Wagner, Herbar t.

Wert oder das absolute Bewußtsein, und die Ideen bezeichnen


exkommunizierte Widerspruch sollte
Der hei Schelling
wir als Qualitäten, beides, um nicht zu falschen Assozia- Wenn man bei einem
bald einen mächtigen Fürsprecher finden.
tionen Anlaß zu geben. Dem Sinne nach müssen auch wir obige Fragen stellen muß.
Kämpfer, auch in der Philosophie, sich zwei
Ge<!anken als wesentlich vertreten. Wir würden dieselbe Lehre dauerhaft seine
nämlich: Wie stark sind seine Kräfte, wie
etwa ausdrücken: Das in sich selbst Bleibende, Nichtwider- Gehört er der
Waffen, wie hartnäckig seine Kriegskunst, und:
sprüchliche aller qualitativen Eigenart ist mit dem transzen- — so wird man nielit
gerechten Partei an oder ihren Feinden,
dentalen l^nnzip der Spaltungslosigkeit identisch; alles Sosein
i / mnhin können, bezüglich der ersten Frage m Hegel einen der
ist nichts als seine Wahrheit, welche sich "mit Notwendigkeit Vergangenheit anzu-
wohlversehensten Philosophen der
selber als absolut wertvoll setzt und nur in der Betonung ana-
erkennen. Doch ebenso zweifellos ist er ein ausgesprochener
lytischer Gesetze ergriffen wird; die l'iinzipien der dynamischen Feind
Gegner der rationalen Wahrheit und ein entschiedener
Existenz gehören dagegen als Wirklichkeiten dem negativen. Pole
ewiger Ideen im
ihres Rechtes; denn alles Betonen unzeitlich
an und sind insofern nichtseiend. ,,Das Selbsterkennen ilv^ Abso- ist dun,
Sinne Piatos, andererseits des deutschen Idealismus,
luten ist al- keiiK' Handlung zu denken'^: denn im Werden geht Und wenn er eine
nach seinem eigenen Worte, „Verrücktheit^.
das Identische aus sich heraus, was den Wider<]iruch oder das so ist sie genügend
Idee in Aristotelischer Auffassung annimmt,
Nichtsein bedeutet. Das absolute Bewußtsein ist nicht aktiv. härtesten Gegen-
gekennzeichnet durch die Angabe, sie trage „den
Auch diese Lehre stimmt mit der unsrigen überein, außer in den
und ewig ül)er windet*
satz in sich, . . den sie ewig erzeugt
I'iinkten. wo in ihrer Ausführung schon die Vermengung von Bd. 5 S. 242). Nur das
(Wissenschaft d. Werke 1834
Logik 2.
endlichem und unendlichem P)^wußtsein hervortritt. Die zweifel- Durch-
Wirkliche ist vernünftig: und über dem historisch sich
los treffende, nützliche Widerlegung dei Iv aufsehen Wert-
setzenden gibt es weder Eecht. nrch
Tugend, noeh Wahrheit.
schätzung des Gegensatzes analytischer und synthetischer Urteile

/
18 — 19 —
Auch das Denken ist nitlits als ein Prozeß, nämlich ein dialek- Vernunft (etwa als Hy])otliese) ausdenkbar bleibt, ist ein Spe-

tischer. iJiv IchJehre des Idealisten Fichte hat m liegeis Geist- zialfall der ersteren. Wäre nicht alles naturgesetzlich A'er-

philr.-ophie eine niork^viirdig reale Erfiilhing gefunden. r nünftige wirklich (doch unbeschadet eines vielleicht denknf>t-
Doch gerade hei dem Satz von der Verniinftigkeit des Wirk- wendigen natur])hiloso])hischen Jenseits), so wäre das Wirklu he
lieht'ii und der Wirklichkeit des Vernünl'tigt'ii kdniKn wu eine (d. h. h i e r: der gegebene Denk s t o f f ) auch nicht ver-

theoretisch hegriindete Sy"tn]^nt]iif mit der Ffogolsclioii Weltnnf- min ftlij-; denn ihm fehlte die organische Geschlossenheit.
hissung nicht leugnen. Lassen wir die liistonsche Auslegung, die das Wesen des an sich Vernünftigen ausmacht. Sofern
welche diese Üherzeuofiinü- hei ihm sell)>T und imniclh'ii xmihm' die Hegeische Grundüberzeugung diesen gewissermafk'n metho-
Seiiü'er ii(d'iiU(k'ii hat. hcix'ite, irideiii wir (hirauf hinweisen, (hdi dologisch zu im schreibenden Sinn hat. 1 i>t sie auch die unsere:
• lic Welt de> mikrologischen GescheluMi.- (vgl. S. '^7) einer Frei- aber n u i' insofern.
lieit t'oliit. deren (iang i m K i n /. t- 1 n (^ n. da er durch Suhjekte Wenn man Eatiunalisteii diejenigen nennt (und man sollte

inithedingt wird, auch der suhjekl ixen RiÜiiiiiiiL: und Milihilli-


i welche strenger Befolgung reinen, unv. iders])i'iich-
es tun), in

gung nach dem Maßstah einer nkvnsetzendeii Vernunft unter- lichen Denkens, wenngleich gerade darum nicht notwendig auf
auch die geschichtsphilosophische Methode i
liegt: iil)erge}ien wii-
der Voraussetzung der gewöhnlichen Logik, ein völliges System
Hegtds, in den speziellen Verlauf tles menschlichen Werdens I
der Wissenschaft erstreben, so ist Hegel ihr fernster Gegensatz:
eine ..Vernunft" hmeinzukonstruieren, welches Verfahren ir ist kein Rationalist, sondern der Lo^ist des Irrationalen.
Schopenhauer mit einigem Eeclit dem Spiel romantischer Xa- Seme ..Veriumfr* ist nicht die „ratio" der älteren Denker, auch
tureii vergleicht, aus einem Wolkengehilde sinnvolle Gestalten nicht die Vernunft im Kantschen. oder im Fichtescheii oder im
hernn-ziuleuten. Beschränken wir un< ganz auf den ma km lo- Schellinirschen Sinne, sondern die geistige (iröße v, welche da-
gischen, naturgesetzlichen Teil der Welt, in welchem die Ge- durch definiert wird, daß sie sich vom Denken aus in der W i r k-
sciuchte der Menschheit ein i m G a n z e n und iii ihren großen
1 i f h k (^ i t (h i v r im ]-)rägnanten Sinne des D i s s o z i a -

Zügen vernünftigem Glied dar=;telit. (welches einigerniaBrn oh- Nun aber diese Wirk-
tiven: vgl. I g 2) wiederfinden soll. ist
iektiv zu heurteil(Mi iin-ei' Bestrehen ist). Unter dieser Kin- widersprüchlich, irrational; also ist Vernunft das Ver-
ludikeit
schränkung müssen wir behaupten, daß der obige Hegeische Satz i\
mögen, sich im Denken oder im Handeln, im Fühlen und Wollen
nicht nur anerkennenswert erseheint, sondern die Vorbe- Hegels Philoso])hie will vor
dem Irrationalen anzupassen.
dingung aller reinen Wissenschaft darstellt; denn er ist gar man sich ausdrückt, ihr ge-
allem die Realität abbilden oder, wie
nichts anderes als das Schellingsche Identitätsprinzip. Die An-
recht werden, was sie in zweifellos tiefgründiger W^eise erreicht;
nahme von der transzendentalen Notwendig- außerdem selbst ein gewichtiges Moment der Wirklichkeit
sie will
keit alles Natur tat sächlichen, welche die Sentenz Aber indem sie die Realität nachformt in ihrem Wechsel,
sein.
nnter anderm ausspricht, enthält nichts Geringeres als dea und indem
( !)
kann sie nicht lehren, was an sich wahr ist, sie
Willen zur Wissenschaft ; wer behauptet, nicht die innere, meta- durchsetzt, macht sie mit dem bösen Feind des Wider-
sich selber
physische Notwendigkeit des Naturtatsächlichen zu seinem Fun- Auch die gegenwärtige Logik be-
spruchs gemeinsame Sache.
damentalprinzip zu machen und reproduzieren zu w^ollen, be- ihrer wesentlichen Grundlegung durch das
tont <^erade in
kennt sich eben dadurch zu einer Form der Nichtwissenschaft.
Funktionsgesetz die wirkliche Bedeutung des Widerspruches mit
Die zweite Annahme der vom Menschengeiste unabhängig ge-
Entschiedenheit; das transzendentale Bewußtsein ist ihr nicht
gebenen Gesetzesharmonie als der absoluten Vollständig- ein seiendes Ideal, sondern wirkliche Gespaltenheit, Dissoziation
k e t alles Vernünftigen, außerhalb deren nur subjektive Nicht- n n
Unterschied, in w^elchem die Unterschiedenen u n
i
t r e -
(..ein

2*
21
20
werdend. Wirklichkeit = Werden = Existenz — Nichtsein;
bar verbunden Aber wir gewinnen aus ihr mit Not-
sind*').
= im Drei-
Unwirklichkeit Sein. Wir haben keine Möglichkeit,
wendigkeit die Berechtigung des Gegensatzes, und unsere Me-
takt flüchtig zu werden, weil wir niemals korrelationslose Be-
thode darum nicht willkürlich dialektisch fortschreitend,
ist
griffe denken können. Was das „Werden" sein solle außer dem
sondern systematisch feststellend und metaphysisch analysierend. Wirklichen, ist uns völlig verschlossen, da „Werden" und „Wirk-
Indem der rationale Geist die Begriffe auf ihr innerstes Wesen lichkeit" identische Begriffe sind. Und wenn mit dem Begriff
hin anschaut, durchschaut er sie auch ; und so, glauben
„Sein" nicht gemeint ist „wertvoll sein", oder im Gegensatz
wir, hat er etwas Wesentliches gelernt. Nur dieses Lernen,
und im „Nichts"' der
dazu „existierend sein", d. h. werden,
nur die Aufklärung über da^, was Wissenschaft an sieh ist und
respektive konträre Begriif „existierend sein" oder „wertvoll
daher durch uns sein soll, und was sie an sich nicht ist, obwohl
sein", so können wir die Worte nur für Undefinierte, populäre
siean ihren existierenden Formen dafür gehalten wird, macht
Einbildungen halten, mit denen sich zwar eine Triplizität vor-
den Sinn einer transzendentalen Logik aus. Hegels Logik ist I
bereiten, aber im rationalen Denken nirgendwo etwas ausrichten
eine solche der (historischen und) noetischen Gegen s t ä n d -

läßt. Unsere Logik geht aus vom transzendentalen Wertgegen-


c und entwickelt diese nach ihrer wirklichen, dialek-
h ke i t ^
1 i
V satz; dieser gilt uns als Vorbedingung des Denkens selbst, weil
tischen Natur. In der Tat hat sie das wichtigste Moment der
ei- die Forderung analytischer Grundsätze, welche auch für
Schellingschen Identitätsbetrachtungen, die Überwindung der
Schelling wesentlich ist, impliziert. Diesen Gegensatz, der z. B.
Gegenstandsphilosophie, zugunsten eines dem gewöhnlichen,
in Begriffen a und non a auftreten kann, zu leugnen, hieße das
praktischen Denken sehr verwandten x\usgangspunktes preisge- aufgehobenem Denken
lationale Denken aufheben. Daß man bei
geben; wo H. gegen das „gemeine" Bewußtsein polemisiert, tut Die
noch vielerlei sagen kann, bezw^eifeln wir indessen nicht.
er es, von unserer Logik betrachtet, nur mit dessen eigenen,
Macht des Widerspruches drücken wir durch eine mathematisch
durch bessere Konsequenz verschärften Waffen.
einwandfreie Formel id a = id (non a) aus, welche ein rational
Das Widersprüchliche besitzt kein Sein (d. i. transzen-
formuliertes Grundgesetz zum Ausdruck bringt (I g 2), nicht
dentales Wertvollsein) diese Aussage muß sogar tautologisch
durch ein dem Eationalisten in innerster Seele wider-
;
aber
genannt werden. Die Wissenschaft, als das System des wahr-
wärtiges a = non a. Der Zusammenhang unserer Logik mit
haften Seins, interessiert sich daher nicht für ,, alles", sondern \ ) Hegelscher Philosophie ist, wie diese Darstellung gezeigt hat,
nur für alles, sofern es wahres Sein besitzt, und das Nicht-
Wir
hauptsächlich durch konträre Momente bedingt. wissen,
seiende, sofern wenigstens sein Nichtsein eine Wahrheit be-
daß eine strenge Wissenschaftseinheit (wie sie Hegel veriangt
deutet. Hegel macht auch in der Logik die Wahrheit zu einer
hat), sich unabhängig sowohl vom praktischen als vom
Hegel-
Funktion der Wirklichkeit, anstatt zu ihrem durch Wissenschaft
schen Denken schaffen läßt, welch letzteres nach unserer Ansicht
zu gewinnenden autonomen Werte. Es kann nicht fehlen, daß
Lehre gleich zu Anfang die Schwäche ihres Standpunktes
I nur eine Fortbildung, nicht eine Preisgabe des ersteren dar-
diese
stellt.
erkennen lassen muß. „Sein = Nichts" heißt es da in (unberech-
Wa g n e r ein einfacher, nicht ungenialer Denker
Job. Jak. ,

tigter) Anlehnung an eine spezielle Tatsache der Optik; in


von Wolffscher Gründlichkeit, der es verdiente, nicht übersehen
Wahrheit ist nur deren Durchdringung, das Werden, von Gehalt; Per-
zu werden, da er zu den selbständigsten philosophischen
alles andere ist Leerheit. Solchen Behauptungen gegenüber von
sönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts gehört, erscheint uns
erlaubt sich unsere Logik begründend darzutun: Absolutes und
Belang, weil er die Bedeutung der Vierzahl richtig erkannt
Sein (= absolutes Wertvollsein) ist in sich selber seiend; sein
geringes Ver-
stark betont hat, was in Wahrheit nicht ein so
Gegensatz ist aus seinem Begriff nicht es selbst, sondern sein „Tetrade" an
dienst ist, als es vielleicht scheint. Obwohl die
Gegenteil; es heißt Wirklichkeit und ist nicht seiend, sondern
;

99 23

Sehellings Triplizität sich anschlielieiul nicht selten willkürlich Wesen der Urteilsprädikation durch Beziehungen darstellte

und ihrem funktionsgesetzliehen Wesen a


angewandt wird in
( —a = h) dürfte er vielleicht, wenn auch nicht in deutlicher
(I g 2) noch nicht erfaßt ist, hat sie doch in bedeutender
Form, die tetranomische Struktur jeder Aussage ,.S ist P"
Intuition ein Verhältnis erahnt, von welchem sich bewähren
(II s:^
4) im Gegensatz zur bloß polaren Assoziation angedeutet
läßt, daß es in transzendentallogischer Wesensart, nämlich als
haben.
Werttetranomie, die Grundlage sowohl des Denkens als der Natui'
bildet. Auch Wagners Forderung, die Mathematik müsse nicht
4. Schopenhauer.
auf Philosophie angewandt, sondern in Philosophie verwandelt
werden, ist wohl ein wahrer Gedanke, der mit unserer Betonung Wenn nicht die Zufälligkeit des Wortes, sondern der Geist
der analytischen Methode in Verbindung gebracht werden des Gedankens das Wesen einer Lehre darstellt, so ist Schopen-
könnte, da aus dieser hervorgeht, daß die Mathematik erst dann hauer wohl der eigenartigste Neudenker, den wir zu behandeln
Wissenschaft sein wird, wenn ihre Zusammenhänge nicht nur haben. Wenn er mit Fichte den Begriff des Strebens zur
als tatsächlich, sondern ihrem Wesen nach ergründet sind, welche Grundlage seiner Philosophie macht, so tut er es in anderm
t
Aufgalje das bloß beweisende Eäsonnement natürlicli nicht er- V Sinne, da er eine „willensfreie Erkenntnis" als wertvoll betont
füllen kann. Doch möchten wir uns mit Wagners Ausführungs- wenn er mit Schelling die letztere Überzeugung gemeinsam zu
versuchen „mathematischer Philosophie'' um keinen Preis identi- haben scheint, so faßt er das Prinzip doch vielmehr in Goethe-
fiziert wessen, wiewohl die Gedanken des Werke? Anregung als scher Klarheit, als daß ihn eine „intellektuelle Anschauung" zu
achtenswert sind ; das dürfte besonders von der Behauptung eines einer verschwimmenden Begriffsromantik zöge: und wenn er

Zusammenhanges zwischen Geometrie und Sprach])hiloso])hie wie Fichte und Hegel überzeugter Irrationalist ist, so schafft

gelten. Jedenfalls war Wagner mehr Pytliagoreer, als dies im er aus dieser Erkenntnis nicht den Imperativ für das Denken,
19. Jahrhundert üblich ist, was von einem aufgeklärten Stand- sich dem Irrationalen anzupassen, um sodann ausrufen zu

punkt als ein Vorzug angesehen werden kann. können „Alles Wirkliche ist vernünftig", sondern er ist, sofern

In Her b a r t s lehrreichem System würdigen wir besonders er den Voluntarismus vertritt, notwendig auch Pessimist. Leider

seine Verteidigung des Primates der theoretischen Vernunft so- hat der Philosoph die meisten seiner Gedanken durchaus nicht
\ / und eine rationale
wie die Verkündung einer Philosophie des Seins. Den Aus- scharf herausgearbeitet und zu Ende geläutert,

führungen, welche eine Hauptaufgabe der Philoso])hie in einer Durchdenkung seines Systems wird daher zu dessen Kritik und
Analyse der Begriifsstruktur erblicken, stimmen wir insofern Überwindung. Aber wenn ein System widerlegt wird, so sind
bei, als dadurch nicht der von Hegel (zeitweilig) bekämpfte damit nicht auch seine Lehren widerlegt, sofern sie Wahres ent-

Zwiespalt zwischen Wissenschaft und Philosophie anerkannt halten. In diesem Sinne möge unsere Beurteilung aufgefaßt
werden soll, sondern vielmehr die Gewinnung geklärter Grund- werden: sie verteidigt den Kern, indem sie einzelnes als ver-

lagen der philosophisch bleibenden Wissenschaften erreicht wird bessernswert preisgibt.


in der notwendigen Form eines geschlossenen Begriffssystems. Von Kant geht Schopenhauer aus; und aus ihm entwickelt

Jedoch wird man dabei den Widerspruch als solchen in den er seine hauptsächlichsten Irrtümer. Zunächst ist dies der er-

Begriffen belassen müssen, nachdem seine Wesensart festgestellt kenntnistheoretische Subjektivismus. Wie tief und wahr es von
worden ist; denn was an sich dissoziiert ist, kann durch uns einem höheren Standpunkt auch sein mag, daß „nicht wir in
nicht seiend werden, dies besonders bei den Prinzipien der der Zeit, sondern die Zeit in uns" ist, oder daß das Leben durch
Kausalität, der Zeit, der Motivation u. a. Indem Herbart das den Begriff des Traumes eine gewisse Aufklärung erfahren
— 24 —
kann: von vornherein sich auf die Behauptung stützen, die Welt lieh die Voraussetzungen praktischen Denkens sind, (was man
ist „meine" Vorstellung, ist so übereilt wie die ganze „Erkenntnis- sicherlich annehmen muß), so gibt es entweder keine Philo-

theorie'"", die nach Locke, Hu nie, Berkeley, Kant u. a. durch An-


r sophie oder eine solche, die an Zeit, Raum und Kausalität nicht
wendung gewöhnlicher Denkmethoden auf das Prinzip der gebunden ist, sondern selbst diese drei Größen erkennend sich
„Außenwelt" glaubt eine Wahrheit erforschen zu kcinnen. Wir unterwirft. Es ist uns Menschen innerlichst widerstrebend, aber
sind vielmehr der Ansicht, daJ^ vor der vielleicht zu begin- dennoch leicht als wahr nachweisbar, daß vonUrsachen und,Folgen
nenden „Erkenntnistheorie" jedenfalls eine logische Unter- in einer absoluten Naturerkenntnis nicht die Rede sein kann,
suchung über die Prinzipien des Denkens, das wir dabei an- sondern daß alles Natürliche buchstäblich ursachlos geschieht,
wenden würden, nötig ist; die transzendentale Logik muB aber also nach analytischen, nicht bestimmtraumzeitlichen, sondern
nach analytischem Gesetze lehren, daß es widersprüchlich ist der überraumzeitlichen Gesetzen, und wir uns nur vermöge ge-
Welt ihre Existenz streitig machen zu wollen, und daß alle „Er- wisser Denkkategorien, die uns aber nicht die wissenschaftliche

kenntnistheorie" dieser „Probleme" eine Unwissenschaft bleiben Freiheit rauben, bewogen fühlen, die sich ereignenden Bei-
muß. Die spezialen Fragen der metaphysischen Analyse werden spiele der Naturgesetze als d y n a m i s c h notwendig zu be-
y 1
trachten. Die Kritik der Kausalität, welche unsere Logik (in
schon von selbst, voraussetzungslos, nuf die nötigen Einzelwahr-
heiten hinführen, deren Vorahnung im unnaiven Dogmatismus IT schon zum größten Teile) enthält, ist nicht wie die Hii-

der Erkenntnistheorien eine gar zweifelhafte Kolle spielt, ^fan mesche eine nur erkenntnistheoretische Angelegenheit, als

wirft Schopenhauer seinen physiologisch gewendeten Idealismus Melche sie für Kant mit Recht so bedenklich schien, daß er die
vor, da dieser das An sich der Welt (gewissermaßen) als eine schlechthinige Sicherheit der kausalen Betrachtung

Ursache (Willen) betrachtet, welcher die Welt selber als ein von neuem darzutun unternahm, sondern eine Wesensbestim-

bloßes Nervenphänomen erzeuge. Aber diese Ansicht ist weder mung von metaphysischer und methodologischer Tragweite,
besser noch schlechter als alle andern erkenntnistheoretischen Vv'elche für den Begriff einer absoluten Wissenschaft unerläßlich
Meinungen: sie ist eben unhaltbar, weil sie die nur praktische ist und die Berechtigung enthält, auch in den ,, Einzelwissen-

Spaltung zwischen Subjekt und Objekt wissenschaftlich vor- schaften" wertvoll zu sein. Wie Kant (und weitaus die meisten

aussetzt. In I § 8 dieser Logik versuchen wir zu zeigen, in > unserer Zeitgenossen) glaubt Schopenhauer an die prak-
V
welcher Weise eine Behandlung des Realitätsproblems uns allein tischen Voraussetzungen der Naturwissenschaft ; daraus ergibt
sinnvoll scheint. sich zwingend, daß er, wie Kant, einen Agnostizismus vertritt.

Ein unbedingtes Vertrauen in das ,, Kausalgesetz" gehört Bei den höchsten Fragen, wo ein konsequenteres Denken dazu
zu den weiteren Kennzeichen der Schojx^nhauerschen Philo- gedrängt hätte, die Grundlagen noch einmal zu untersuchen,
sophie. Wie Kant glaubt auch er den Geist eingeschlossen in lehrt Schoiienhauer: Darüber kann man nichts aussagen: das

ein Netz von Prinzipien, die uns die absolute Wahrheit ver- ist Gebiet einer unkritischen Metaphysik. Wenn aber die Meta-

hüllen; Zeit, Raum und Kausalität weben den täusclienden physik bisher in ziemlichem Maße unkritisch war (die Systeme
Schleier der Maja. Es enthält jedoch einen Widerspruch, des Besserwissens sind es wahrhaftig auch von jeher gewesen)
Formen, welche nicht die Prinzipien absoluter Erkenntnis sind, heißt das schon, daß sie niemals kritisch werden kann?
als absolute Prinzipien der Erkenntnis zu lehren. Denn die ^ ^^~ Die Abhandlung von 1813 über den Satz vom zureichenden
Absolutheit des Erkenntnisprinzips kann nur aus absoluten Er- Grunde enthält eine Unterscheidung von vier Arten der Gründe,
kenntnissen begriffen w^erden, welche es ermöglicht. Wenn ab- welche wir mit einigen (wesentlichen) Modifikationen unserm
solute Zeit, Raum und Kausalität nichtwahre Prinzipien, näm- dritten Begriffsquadranten (s. Tafel zu II) zuweisen konnt-en. Wir

f
;

21) 27

Lichtes, besitzt auch der Begriff der Menschheit. Es würde


erkennen nicht mit Schü})enliauer „Gründe**, wie sie auch heißen
eine Hypothese erfordern, wenn wir das Gesetz des historischen
mögen, als Wahrheitsprinzipien an; deshalb mußten wir, was
auch die Systematik zwingend forderte, die vier Wurzeln des Y Werdens, sei es individuell, generell oder gar universell, nicht als

Satzes vom zureichenden Grunde als psychologische B e g r ü n - ein unter ewägem Gesichtspunkt notwendiges, durch sich
dungs formen auffassen, welche von der Eigenart der Ob- selbst prädestiniertes begreifen wollten. Wir leben zwar im Reicli

jekte bestimmt sind, ohne aber selbst objektive Bedeutung zu einer Willkür; aber daß wir dies tun, ist ein logisches Moment
besitzen. Ihnen stellen wir eine Vierheit von gegenstandsetzen- der Xatur. Unser Willkürleben ist dadurch gekennzeichnet,
den Grundsätze n gegenüber. Unsere Begründungs formen daß wir die Vergangenheit als ein gesetztes Fatum, die Zukunft
des Werdens und des Handelns stimmen der Bedeutiuiü- nach mit aber als ein Reich freien Handelns betrachten.
Sub specie
Schopenhauers Auffassung überein ; bei den Frinzi])ien des aeternitatis ist aber gar nicht einzusehen, weshalb die Zukunft

Seins und des Erkennens mußten wir die Änderung vornehmen, nicht ebenso determiniert sein sollte wie die Vergangenheit ; daß
daß wir unter Seinsbegründung nicht mathematische Gründe icli die folgenden Sätze so schreiben werde, wie sie geschrieben

verstehen, sondern die s y 1 o g s t i s c h e Begründung einer


1 i
sein werden, ist genau so notwendig, wie bei den vergangenen
^ i
Aussage, und unter Begründung des Erkennens nicht den Sätzen, welche vor mir geschrieben stehen. Wer die makro-
„Grund** der „logischen" Einsicht in einen Beweisgang, sondern logische Prädestination (welche nicht Kausalnotwendigkeit

die Begründung einer Aussage durch ein damit verbundenes ist !) leugnete, befände sich in einer ähnlichen Einbildung wie

Zeichen. Schopenhauers ,, Seinsgründe" (z. B. ein Dreieck jenuind, der durch irdische Kunst einen Stern oder die Erde
ist gleichseitig, denn es ist gleichwinklig, und umgekehrt) selbst glaubt „von der Stelle rücken" zu können. Wir sind nun
können wir nicht als besondere Begründungsart gelten lassen der Ansicht, daß diese n a t u r ph i 1 o s o p h i s c h e Gesetzlich-
auch sie geben, in Rücksicht des transzendentalen Denkens (nicht keit mit dem Problem der Willensfreiheit nur im Verhältnis des
seiner Materie) betrachtet, nur ein Zeichen zur Verdeutlichung G e g e 11 Satzes steht, und wir haben sie daher in dem vor-

einer Aussage, welches sich syllogistisch ausführen läßt. liegenden Teil der Logik bloß angedeutet, noch nicht der Er-

Schopenhauers Lehre von der Willensfreiheit knüpft kenntnis unterworfen. Die Möglichkeit der Willensfreiheit ist

ebenfalls an die Kantsche Auffassungsweise an. In der ein m g i k r o 1 o i s c h e s Prinzip, welches im makrologischen
\
Erscheinung ist der Wille streng determiniert; an sich „Lauf der Welt" schon vorgeselien ist, weil es gerade die ana-

ist er absolut frei. Die Freiheit des Willens tritt bei lytische Eigenart des Strebens ausmacht, über welches das be-
Schopenhauer als eine Ausnahme (bei der Erlösung) auch, stimmte qualitative Gesetz des Soseins verhängt ist. Die Willens-
in die Erscheinung. Die Unfreiheit des Willens ist das freiheit widerspricht nicht der Notwendigkeit, sondern
Wirkliche; die Freiheit aber das Wesentliche. Dem unhaltbaren sie ist die Substanz, von w^elcher (vermutlich) durch die Natur-

Zwiespalt der beiden Seiten des „An sich" und der „Erschei- philosophie bestimmte Totalgesetze ausgesagt werden können, so

nung" gegenüber müssen wir einen neuen Standpunkt vertreten, wie das Licht die Vorbedingung davon ist, daß man von
welcher den Vorteil hat, nicht von dem Aberglauben der allge- ihm z. B. sagen kann, ein Prisma müsse bei ihm zu Farben An-
meinen Kausalnotwendigkeit diktiert zu sein (I g 11). Die Natur laß geben. Die makrologische Prädestination des Menschen
lebt nach analytischen, adynamischen, organischen Gesetzen, deren ohne Voraussetzung der möglichen Willensfreiheit ist ein ebenso

Zusammenhang als realnotwendig nicht, wohl aber (vom gedankenloses Phantasma wie die Lichtgesetze ohne die logische

metaphysischen Erkennen) als denknotwendig eingesehen Voraussetzung jenes besonderen Begriffes „Lieht". Oder: Ge-
werden kann. Ein qualitatives Sosein, wie z. B. der Begriff des rade dadurch, daß der Lauf der Tage stattfindet, vollendet sich

/
— 28 - 29

das Jahr, welches sie selbst mit ihrer ganzen Eigenart von seiner Ansicht ergeben, nämlich die Fragen des logischen Ver-
einem höheren Standpunkt zeigt, aber doch etwas ganz anderes hältnisses von Willen und Erkenntnis, sowie unbewußtem und
ist. Wie unverständig wäre es zu sagen, die Tage sollten doch Y bewußtem Willen, in einem gänzlich unsicheren Licht als

ihren Eigensinn aufgeben, da ja auf alle Fälle das prädesti- Probleme Aveiterbestehen, so daß wir deren rationale Durch-
niert« Jahr erfolge Indem wir das Problem der Willensfreiheit
I denkung als dringendes Erfordernis betrachteten. Beide können
gegen makrologische Erwägungen abgrenzen, wird uns eine deut- nur durch den Begriff der transzendentalen Ur-teilung oder des
liche Fixierung der Begriffe, (welche der Logik allein zusteht), transzendentalen Wertes gelöst werden. Nach dem Funktions-
möglich. gesetz (I § 2) bildet das Prinzip des Negativen, Unbewußten
Wir konstatieren analytisch 1. daß das Bewußtsein das das Wesen der Welt und enthält in sich außer sich selbst auch
Prinzip der Keizsubstitution oder der Wah 1 f r e i h e i t dar- sein Gegenteil, das BeAvußte. Wenn jedoch der Prozeß der Dis-
stellt; 2. daß das S e 1 b s t b e wußtse i n die Mög 1 i c h k e i t soziation sich zur Konsequenz erhebt, so geht sie in ihrem idealen
der Willensfreiheit bedeutet, die ergriffen oder zurück- Gegensatz auf und wird dessen bloßes Mittel, d. h. die Wirk-

gestoßen werden kann nach dem Prinzip der Wahlfreiheit: und lichkeit, deren Sinn nicht sie selbst, sondern ihr Jenseits be-
\ i
3. daß die Willensfreiheit insofern gesetzt wird, als im Denken deutet. Das Selbstbewußtsein nun ist der Begriff, dem die

und Handeln analytische Prinzipien der reinen A'ernunft (im Möglichkeit innewohnt, die Synthesis der beiden Gegensätze im
vertieft rationalen Sinn) erfaßt werden, was die Ethik näher negativen Begriff zu vollziehen und diesen als nichtseiendes
auszuführen hat. Wichtig ist, daß man die reale Möglichkeit Mittel zu benutzen. In der Freiheit, welche den Grenzwert des
der Willensfreiheit, welche jeder Mensch besitzt, nicht mit der Bewußtseins bildet, indem sie den absoluten Zweck des positiven
Willensfreiheit selbst verwechsle. Wenn man die Ansicht ab- Prinzips als ihre Absicht setzt, ist der Wille zu seinem Gegen-
gelegt hat, daß alles in der Welt über einen Leisten geschlagen teil geworden, da er als bloßes Mittel sein Wesen preisgegeben
werden könne, welcher durch eine nirgends auf lind bare, hat. Wo die Erkenntnis „sich vom Willen werden beide
löst",

homogene Kausalreihe dargestellt wäre, so


individualitätlose, P ]• i n z i p i e n im Selbstbewußtsein identisch unter der
wird man im Problem der Willensfreiheit keine unlösbaren Wesensform der Erkenntnis ; der Wille, welcher gewußte Größen
Schwierigkeiten mehr entdecken. Während Schopenhauer auf als Zeichen zu benutzen fähig ist, wird, sofern er sich schließlich
\ )
Kantschem Standpunkt die kausale Bedingtheit der Handlungen in Wahrheit erfaßt, zur Erkenntnis. Diese Erkenntnis ist das

betont und die „Freiheit" in eine nicht mehr verständli-'he Bewußtsein vom transzendentalen Wert und Unwert. Von der

Kegion verlegt, stehen wir hier überall auf dem Boden der selbstbewußten Identität des Willens und der Erkenntnis be-
festgegründeten Erde. Die Forderung frei zu sein, da uns richtet Srhopenhauer nichts: und doch ist diese eines der

durch die Vernunft die Möglichkeit dazu gegeben ist, ist das wichtigsten Grundverhältnisse: von hier aus begreifen wir, daß
Eealste; die natur- (d. i. geschichts-) philosophische Prädesti- (wie schon Fichte lehrte) das Ethische mit dem Logischen in
nation bleibt eine erhabene Vollkommenheit der Erkenntnis, von engster Beziehung steht. Wenn Schopenhauer nachdrücklich
welcher wir aber in Ansehung unserer Pflicht erst in zweiter von der ethischen Nebensächlichkeit des dem Willen unter-

Linie etwas zu wissen brauchen. worfenen, bewußt oder unbewußt auf Nützlichkeit ausgehenden
Daß wir vom Voluntarismus Schopenhauers einiges gelernt ' Intellektes oder Scharfsinnes spricht, so muß man ihm darin

haben, ohne jedoch nach des Meisters Vorbild den ,, Willen" fraglos beistimmen: aber die Emanzipation des Wertes, welche
überall hineinzulegen und herauszulesen, wird der Ausdruck er als tieferer Begründer der Wertphilosophie lehrt, kann nur
unserer Darlegungen hie und da bemerken lassen. Indessen läßt funktionsgesetzlich begriffen werden, d. h. nicht ohne den
Schopenhauer die beiden großen Probleme, welche sich aus Willen!, sondern mit dem zum Werkzeug tiranszendentaler Erkennt-
30 31

Das praktische Bewußtsein vertreten diejenigen, welche


nis gewordenen Willen. Während Schopenhauer und viele andere
ihre angeborenen Meinungen unerforscht gelassen haben und
Denker von dem Schema ausgehen: Wille Erkenntnis
gut wahl- nun wissen, daß die Standpunkte und Hauptresultate der auf
böse unwahr
praktischen Voraussetzungen gebildeten Wissenschaft ihrer Zeit
müssen wir vielmehr die transzendentale Wertspaltung alle

übrigen durchkreuzen lassen: Gut Böse


zweifellos wahr sind. Man frage einen un versonnenen, ge-
Wille Wille bildeten Menschen nach seinen „wissenschaftlichen" Über-
Erkenntnis Erkenntnis.
Das Gute ist hierbei, wie auch Schopenhauer lehrt, der Er-
zeugungen, und man wird finden, daß er die Grundsätze der
kenntnis, das Böse dem praktischen Forschung, etwa das Kausalprinzip, einen Hang
Willen oder Widerspruch wesens-
verwandt; doch hindert das nicht, daß sich die Gegensätze zur zum Materialismus oder Dynamismus, die Lehren vom absoluten

Tetranomie durchdringen. Raum und der absoluten Zeit, die überaus große Verehrung

Endlich müssen wir betonen, des Wortes „Entwicklung" und eine ausgesprochene Hypothesen-
(hiß es nicht von ..der ner-
sönlichenVeranlagung" abhängig gemacht werden kann, (^b freundlichkeit a priori in sich trägt. Die praktische Forschung
man den Widerspruch (d. h. den Willen) gut oder böse nennen hat die ersten Überzeugungen des für den Kampf ums Dasein
soll. Im Gegenteil halten wir Schopenhauers Pessimismus, so eingestellten' Menschen niemals preisgegeben, und deshalb leuchtet
mangelhaft er auch gefaßt ist, nicht für eine Willkür, sondern sie dem Menschen des Willens (statt der Erkenntnis) von vorn-

beurteilen ihn als die entstellte Form herein ein. Diese Art des Bewußtseins neigt in der Philosophie
einer notwendif>en Wahi-
heit, nämlich des Wer t d e i s m u s, welchen wir in diesen
sogleich zum gewöhnlichen Räsonnement, etwa zu einer spitzen

Untersuchungen als den Inbegriff logischen Philosoj)hierens zu Analyse des Gegenstandbegriffes, Dinge nicht u. ä. Es will die

vertreten haben, ob wir nun „mögen"' oder nicht. Wir sind


schauen, wie sie und darüber nachdenken, sondern es
s i n d,

sogar der begründeten Ansicht, daß ohne die Annahme möchte sie behandeln, umformen, seinen Scharfsinn und die
eines
durch den Willen verderbten Klugheit, welche es im Leben anzuwenden hat, in neuerdachten
Verstandes, der uns ])ersönlich
und generell angeboren ist und notwendig macht, daß wir das Formen daran betätigen. Ein weit zurückliegendes Beispiel
Gute und Wahre Gegenteil lernen solchen Verhaltens ist die Erkenntnistheorie des nach andern
als ein müssen, eine
konsequente Theorie der Wissenschaft auf keine Weise gedacht Gesichtspunkten so anerkennenswerten Descartes. Dieser Philo-
I
werden kann. — *
soph bezweifelt alles, nur nicht die Berechtigung seines Zweifels,
und gelangt durch Anwendung des Grundsatzes der Iden-

Zum Abschluß dieser Einleitung dürfte es nützlicli sein,


tität (II § 6) zu der leider so folgenschweren Trennung von

noch ein Wort zu sagen über den allgemeinen Stand jninkt, von ,.Sinnlichkeit" und „Verstand", ohne zu ahnen, daß er damit
welchem wir den mit uns Denkenden auszugehen bitten. Man rein praktisch verfährt und einen gewissen Grundsatz des

pflegt die Auifassungstendenz gegebener Verhältnisse als eine


Widerspruches, der jenem andern konträr gegenübersteht,

Art des „Bewußtseins" zu bezeichnen. Indem wir uns diesem völlig übersieht. (Oeuvres, publ. par Adam et Tannery 1904.
Sprachgebrauch anschließen, setzen wir fest, daß es vier Arten VII S. 30 ff.) Dieses praktische Bewußtsein setzt unsere
der geistigen Stellungnahme gibt, nämlich Darstellung nicht voraus.

I. Das wissenschaftliche Bewußtsein (+ +). Was das dialektische Bewußtsein betrifft, welches in Hegel

II. Das praktische Bewußt^sein (+ — ).


seinen klassischen Vertreter besitzt, so ist es eine Durcharbeitung

III. Das naive Bewußtsein ( — +).


und generelle Vervollkommnung des praktischen Bewußtseins
IV. Das dialektische Bewußtsein (
in sich selbst ; während dieses sich gewöhnlich nur bruchstück-
).

(Bezüglich der Ordnung und der Zeichen v/eise ausübt, erfaßt die dialektische Ansicht sein innerstes
vgl. man die Ausführungen von 1 § 4.)
32 —
Wesen und erhebt es zum Prinzip. Das ist das größte Lob,
welches man ihr aussprechen kann, aber auch der größte Tadel;
denn dadurch wird sie als der konträre Gegensatz (II ^ 5) des

Avissenschaftlichen Bewußtseins definiert. Daß der Leser mit


dem letzteren an die Logik herantrete, kann diese nicht ver-
langen, da es ihr obliegt, den Begriff der Wissenschaft erst als
ihr Resultat zu entwickeln.
Das naive Bewußtsein ist es also, welches unsere Dar- I. ErkenntnislehrG.
stellung möchte voraussetzen dürfen. Dieses unterscheidet sich
vom praktischen dadurch, daß es die unmittelbare Wahrheit in
den Gegebenheiten der Welt mit Vertrauen erfaßt und sich § 1. Das endliche B e w u ß t s e i n a 1 s Prinzip der
durch sein und instinkthaftes „Wissen" nicht in
historisches Polarität.
der reinen Auffassung der Dinge stören läßt. Denn wenn wir
h In der objektiven Welt unterscheidet der gelehrte wie der
theoretisch sein wollen, so haben wir uns nicht zu ängstigen,
ungelehrte Mensch mit hinlänglicher Deutlichkeit zwei Arten
daß irgend ein „genius malignus'' uns hintergehen werde, es sei Ich nun,
von Gegenständen, nämlich bewußte und unbewußte.
denn, daß unsere praktische Natur diese Rolle übernehme. bewußten
der ich diese Unterscheidung mache, gehöre y^^ den
Gegen den Vortragenden mag man immerhin mißtrauisch sein, wenn wir festsetzen,
Gegenständen, was nicht zu bezweifeln ist,
ob er sein eigenes Prinzip auch innehalte: aber nicht gegen
daß Gegenstand genannt werden soll, was nur an bestimmtem
Wahrheiten, welche wahr sind, weil sie sich als solche offen-
gedacht
Ort und zu bestimmter Zeit als Einheit existierend
baren.Das naive Bewußtsein, welches man auch das poe-
werden kann. Die Trennung bewußter Gegenstände von unbe-
tische nennen könnte, weil es nur noch in Dichtkunst und Funktion eines bewußten Gegen-
v/ußten ist also selbst wieder
Mythologie eine anerkannte Freistatt findet, ist das natürliche
st^mdes. nennen
Diesen letzteren wir Ich (nicht im Fichteschen
und unentstellte Bewußtsein. Indem man dieses, welches nur
Sinne) und beziehen auf ihn eine andere Gruppe von Erfah-
rhapsodisch und zufällig seine Erkenntnisse betätigt, ohne sie
\ rungen, die subjektiven oder zuständlichen. Es ist unmöglich,
aber zu durchdenken, zu seiner immanenten, systema-
vernichtet vorstellen, sofern wir unter Vor-
daß wir das Ich als
tischen und grundsätzlichen Durchbildung läutert, gelangt man
stellung etwas der Wahrnehmung Ähnliches verstehen; wohl aber
zum wissenschaftlichen Bewußtsein. Das wissen-
zu denken im Sinne der
ist es möglich, das Ich als vernichtet
schaftliche verhält sichzum naiven wie das dialektische zum
Ausscheidung einer logischen Prämisse. In diesem Falle, der
praktischen Bewußtsein. Mögen wir zu seiner wirklichen Er-
nun sinnvoll gedacht sein mag oder nicht, werden zugleich mit
fassung einiges beitragen können.
dem Ich seine sämtlichen Funktionen vernichtet: und da die
Scheidung bewußter und unbewußter Gegenstände die funda-

mentalste \rU ohne welche die Welt nicht besteht, weil ja weder
ein Ich noch ein Du noch ein Bewußtloses geflacht werden
kann,

ergibt sich der Satz: „Die )Velt ist Funktion eines Ich oder end-
lichen Bewußtseins." Ob dieses Ich hier ist oder dort, gestern

oder heute, bleibt vollkommen gleichgiltig. Daher ist die Welt


— 34 — — 35 —
nicht Funktion meines individuellen Bewußtseins, welches die gehört, eine Funktion des endlichen und nicht des absoluten Be-
Nebenbestininiung trägt, daß es zu dieser Zeit und an wußtseins zu sein, daß alles Erkennende eo ipso eine beliebige
diesen Orten lebt. Das hieße mehr behaupten, als bewiesen Einzelheit ist, w'elche nicht nur ihre Beliebigkeit im Du, sondern
ist. Das Ich ist nicht mit diesem bewußten Gegenstand iden- auch ihre Einzelheit in der Materie umfaßt. Die Art des
tisch, sondern mit irgend einem bewußten Gegenstand; Idealismus, die durch Gleichsetzung von transzendentalem ich.

jeder bewußte Gegenstand ist ein Ich, und unter mehreren Ich und absolutem Bewußtsein gekennzeichnet ist, kann niemals
gibt es keinen i)rinzipiellen Unterschied. Jedes Ich kann sich zur Ableitung der Welt gelangen, weil sie das polare Prinzip
als Ich in einem Du vorstellen; dadurch wird seine Ichheit nicht des endlichen Bewußtseins, welches die Welt als seine Funktion
berührt; denn sie bleibt, was sie war: der bev\^ußte Gegenstand, 711 begreifen vermag nur auf Grund diesci- Polarität. voi\ v(»rn-

dessen Funktion die Welt ist. Trotzdem also dem Ich ein be- herein nicht anerkennt. Die kritische Ansicht setzt die Welt
stimmter Ort und eine bestimmte Zeit wesentlich eignen, ist die nicht als Funktion des soseienden Individuums, noch ai)er eines

.VLh>wahl, welcher bestiiuuiU Uii umi uchiu' bestimmte Zeit Xichtorganismus. Sie l)ehauptet vielmehr, die Welt sei Funk-
ihm zukommen \
sollen, eine ganz zufällige. Das I< li ist ni( lit ein lion irgend eines bewußten Gegenstandes; nun ist jeiler soseiende
..dieses Hiti i\\u\ Jetzt^', sond»! n ein ,, b e 1 i e b i g e s Hier I < bewußte Gegenstand, etwa dieses Pferd, jener Blinde, auch ein
Uiid fjt'lzr". i)iili dt'in ^u isL, liarl indessen iiic-hl zu dvni luuiern „irgendwelcher bewußter Gegenstand-. Folglich leben alle Be-
Iri'tütn fii]irt'ti. (]-a< Feh >0! "i I) er li ;i ii |> t kein Hier und wußt seiiiswesen nicht in verschiedenen, sondern in der gleichen
Jetzt. l)ff ht'wulite Gegenstand ist nicht ;i()M»liites, sondern Welt, welche ihre transzendentale Funktion ist. Also sind die
fiidiiche< BL'WLiLitsem. Das Bt.'\vul.)t>t'in, du^st'ii Fiitiklioii die Weltgesetze unabhängig von ,,dieseic meinem Bewußtsein^', zu-
Setzung eines Gegensatzes i>t. erfordert notwendig sich >elbst in gleich aber Funktionen des akzidentell unbestimmten Bewußt-
diesem Gegen.-ntzc \vicH,ler. Also ist das Ich. von deni hier ge- seins und dennoch Gesetze für alle irgendwie soseienden Be-
redet wird, keine Allheit, sondern eine Einzelheit, welciie an- Avußtsi'insindividuen. Gesetze des absoluten Bewußtseins
dere >oleh(- Einzelheiten unter der Vorstellung- (U-s Du als sieh brauchten, falls der Ausdruck überhaupt sinnvoll wäre, für end-
selbst wesensgleich erkennen kann. Das Ich ist zwar nicht liche Bewußtseine keine Giltigkeit hal)en. da die P:ndlichkeit
dieser bewußte Gegenstand im (iegensatz zu jenem ; aber ^ ertlichen mit der Absohitheit etwas wesentlich Anderes be-
es ist dureh;iii> bewußter Gegenstand, das heißt etwas, I > deuten uKichte. Nur wenn Merkmal des Ichs, die or-
das tiefste
welchem das Hi*^r- und .Jetztsein wesentlich bleibt, wenn auch in ganische Endlichkeit, Vorbedingung und Prinzip der Deduktion
seiner deiktischeii Beziehung auf einen einzigen dieser Gegen- ^\ird. kann gesagt werden, daß die Resultate der Deduktion, die
stände vollkommene Unbestimmtheit herrscht. Das Ich ist ein Widtiresetze. für alle denkbaren Individuen Gültigkeit haben
bewußtes oro-anisches Individuum ohne Bestimmun»:- (\i^> So- müssen, da sie eben dann eine Funktion ihrer selbst als endlicher
seins; beide Forderungen dürfen nicht von einander getrennt Wesen sind, wenngleich nicht eine Funktion ihrer zufälligen
1
uerden. Wer im Ich ein soseiendes Individuum, z. R. mich Eigenschaften, ihres sobestimmten Hier und ihres sobestimmten
selbst, versteht, gelangt zum physiologischen Idealismus, wideher Jetzt.
stets auch Realismus zu sein hat, der die fundamentale Welt- Ob der Begriff des absoluten Bewußtseins angenommen
spaltung zu übersehen vorgibt. Wer aber im Ich nicht ein AVer. 'eil müsse, möge später behandelt werden. Unter endlichem
organisch individuelles, sondern ein allumfassendes Prinzi}) auf- Welt
Bewußtsein verstehen wir das Prinzip, welches sich einer
stellt, das nicht seines GleicluMi außer sich ßndet. iibersielit tat-
von Gegenständen gegenüberstellen kann. Die Welt ist seine

sächlich die analvtische Wahrheit, daß es zum Wesen der Welt Funktion. Das menschliche Bewußtsein stellt einen Grenzwert
3*
i

— :;i> —
üit'.-t'> i'IkIIhIu'ii Bcw !il.)i>tiii- il;ti\ wt'Klic!' I)t'wiil,)tt' (ircilien nicht nur die Welt Funktitjn des endliehen Bewulitseins, sondern sie
mir /.ii ha')»'!!. sondtTii auch /ii (h-iikcti \ t'i'>tattft. An«^ (h'cscr e r k e n n t sieh auch als solche. Dies für unser Teil volll)rin-
\'()!lk()iimH'iiheit dt's t'jiinichcii Kcwul.it-rins cr^^i})! >ich dif M<"»i:- i>;k'ni\, kfinneii wir festsetzen: Da nicht nur (his BewuHte (An-
lichkt'it t'iiu-i' \V i s s (' 11 > ( h a I' 1 von der Weit, so wie (la> uii- schauliche), sondej-n auch das Unbewuhte (Gedachte) Funktion
voll(-ii(l(^Tt' endücht' Ht'Wiil.ltsrin die M(")i;! ich keil dci' l*] r la li
-
des endlichen Bewußtseins ist. ist dieses endliche Bewußtsein
r ii II jj- t'incr Weh setzt. Das endliche l^cw ul.it sein >t('ia-crl >ich nicht ein in sich i'uhendes, sondern ein polares Prinzi]». P]s

/.um (ii'cnzwcrt des Seil >li)c\viil.it-ein> : dalici' kann ucsaul stellt die Pole, die es in sich seihst umfaßt, getrennt vor sich
werden: Alle Bew ul.Jtsein>i^r(")l.)en innsseii nicht nur i^'ehaht. son- hin als die Welt. Polares Bewußtsein kann nicht ein ahsolutes.
dei'ii aucli L;e(hicht werden k("»nnen. Di'im damit da> l^ew ul.il>ein
sond(M-n nur ein endliches Bewußtsein bedeuten, das in seinem
>ich .d.- Sen)sthe\vuhtsein dai'.-tclle. muli es nicht.- ))rei>L;"ehen.
Beaiu ff eine Zweilieit erkennen lassen muß. Dieser Besiriff ist

sondern nur -ich seihst ei'i^i'ei ten in ailein. was es hesitzt. Nennen der Aon uns aufgestellte des ,,beliehigen Hier- und Jetzt- Bewußt-
wii" das Denken von Hewul.ltseinsi^-eii'eltenlieiten IMi ilosoplne. .-o
seins". Das ..Hier und Jetzt'' drückt im Bewußtsein den hc-
ertolot. (hdi Pliilosophie dei* (Trenzwci't d^^r Welt i>i. Die Welt, wutitloseii Pol aus, indem es das Gel'esseltsein au ein materielles
>y <
odei- was e rieht wii-d, ij^elit ahn in IMi ilosophie restlo.- auf. Zentium bedeutet, während die Bestimmung des .,Belie))igen"
Bestände die Welt nur aus i;- e g e n s t ä n d 1 i c h e i' und zu- den bewußten Pol im Bewußtsein benennt, welche in der Mög-
s t ä n d i i c li e i' K r t' a ii r ii n l:' . so mül.lte von unxM'm lichkeit eiiu's Wechsels innerhalb der „Hier- und Jetzt"-Be-
Deid^i'H ;i"esa_iz't werden. <lali e> sich nur auf nidtzl iche iMd'ahrun^' din<nini'-eii besteht, die als Ortsverändernng bei den bewußtten
beziehen könne: (k)ch hleil^e die Traii-e liiei* unent.sehieden. Oryani-men a.ni augenfälligsten in Erscheinung tritt. Wir he-
Jedenfalls ist dieses ü-ewiti, dali iihei- die Welt |»hilos<)])hieren tonten ^^i'iivn zwei Seiten, daß man dem Bewußtsein nicht nur
niclit- anderes Itech-utet als die Welt setzen in dei' ihr stdhst ein- einen einzigen 1^)1, sei es den ., materiellen" oder den ..s])i ri-

geborenen Oesetzlichkeit. Ks bedeutet nicht, etwas in dei' Well tuellen" zuweisen dürfe, sondern, falls man die Welt jds Funk-
anders macluMi als es ist. etwa durch Hypothesen. Denn (\i\<
tion des BewutUsems zu hegreifen die Hotl'nung hahen wolle, das
Selhstlx'wnhtsein zer>t(")i't nicht die Wei'ke <\v> RewuPitseins. son- Prinzip dw Polarität, welches die Welt heherrscht, als das
dern t^s lieht sie zu <ich aiil. wie sie sin<l. als zu ilirei' immanenten Prinzip <\v> Bewußtseins definieren müsse, und in KonstMiuenz
Bedeutung. Die Ph los<t)»h le dali ein selbsthewulites
i >
-teilt dai".
dessen (la< transzendentale Ich zu bestimmen habe als ,,])eliehiges

endliches Be^vnhtsein die Welt >o i^csrlialfen hiitte. wie >ie ist ; tndliches l^ew ußtsein". Doch ist nicht das Bewußtsein die Vor-
>ie zeigt, dal.i sie seihst Weltscln'ipfung wiire. wenn die Welt nicht ])edinüung der Welt oder der Polarität, noch die Polarität, etwa
aucli ohne diese Schöpfung al> vorwegexi^tiei'eiide hestän.de. und als phvsiologisclier (Gegensatz, das Apriori des Bewußtseins: son-
daJ.i. falls ein Schdpfungsakt angen<unnien werden niülite. dei" dern beide Begriffe, Bewußtsein und Polarität, bedeuten schlecht-
ScliTtpfer als endliches Selh>tbewiil,!tsein gedacht werilen könnte. hin <lasselbe und kiönnen nicht unabhängig von einander ge-
Im nächstfolgenden dürfen wir daher die KMicksicht darauf, dal.)
dacht werden; Ich und Welt sind nicht zeitlich oder genetisch
es denkende Organismen gibt, fallen lassen, und brauchen wii'
abhänaii>- von einander, sondern transzendental identisch.
Idoh übel' das endliche Bewulitsein iiberhaupt zu reden, da das
St Ib-tbewulitsein (\v< Philoso])h ierenden keine neiieri Schwieriü-
g 2. D a s F u n k t i o n s g e s e t z.
k(-iten enthalten kann, weil es zu dem. was das BewuBtsiün in

objektiver P'orm ihm liid'ei'n mau'. niimlich zur Welt. IcHlia-lich Es scheint nun geboten, ül)er das Wesen des polaren Gegen-
sein ..Ich denke" verlauten lälU. Im Sellistbewnßtsein ist nicht satzes, welcher die Welt beherrscht, etwas Näheres zu erkunden.
f;,s — 39 -
Wir sahen. daJ^ das Ich sowohl hcwiiBte. als unhowußte (Ü'lhii- transzendentale Identität oder das Ideal ent.sprecliender Pol-

stimde sich ciUirfirensctzt. Aus dit^^ci' XotwciidiL'"keit uclit lici'- begriffe ist der positive Pol ; die Identität von a ist gleieh der

vor, daJi die beiden Pole als iinuleicliartii,^' lietraehtet wcfdcii Identität von non a unter dem Prinzip Wir werden die
des a.

müssen, da der eint', das Du. vom Ich unabhängig ist, wjihi-cnd transzendentale Identität zweier Pole [ida(nona)] ihre Sub-
der andere, die u.nbeseelte (legenständlichkeit. es zui' X'oraus- stanz (im Sinne eines wahrhaft Seienden) und die Pole
sttzun^^ hat. Fassen wir die beiden Pole als Getrennte auf. uin selbst deren F u n k t i o n e n nennen. Die Wesensbestimmung,
sie derart zu vereinigen, daß die Vereinigung für sich beständig daß nur der positive Pol eine Substanz ist, kann auch naeh einer
ist. olmc ilir Geirenteil zur Voi'aussctzung zu haben, so iinden andern Seite dargestellt werden. W^enn der negative Pol nicht
wir, daß die Yereiniirnnti- i^esehieht unter dem Bei:ritV eine^ Substanz ist, kann dies nur so zu verstehen sein, daß er, den
einzigen von ihnen, nändich (\('< bewußten (Gegenstandes, wäh.reiid wir als Pol einer Nichtsubstanz oder polaren Dissoziation
(ier andere Pol, der unbewußt(^ (TegenstaiKJ, welcher den ei'slcn
< (Oesi^altenheit) begreifen, seiner Bedeutung nach dennoch nicht
sciion aus sich selbst erforderte, durch die Vereiniizung gleich- als ein Pol, das heißt ein in sich geschlossenes Prinzip oder eine

kam vernichtet wird, da das Resultat dem einen Faktor identisch Substanz, verstanden werden dürfe; denn als Substanz wiire er
b]eii»t. Man wird a.lso sagen: Die Vereinigung zweier PoU' zu
> Ideal. Da er dies aber nicht ist, bleibt nur übrig, daß er selbst

einem in sieh beständigen (lanzen geschieht stets unter <lem wieder Xichtsubstanz oder Dissoziation ist: welches besagt, daß
Begriff' des einen von ihnen, welchei' nicht belielüg auswählbar, der „negative Pol an sich/' überhaupt bloß em Begriff des

sondern in der ])olaren Trennung selbst von xondierein bestimmt Denkens bleibt, dessen Inhalt jene Polarität ist, als deren
Ist: wii- bezeichnen ihn als positiven Pol. ohne abei- dadui'ch auf negativen I^ol wir ihn denken. Positive Pole ?ind Substanzen :

(andersartige) Frscheinnngen der Natur anspielen zu wollen. neoative Pole sind selbst wieder ihre übergeordnete Dissoziation.
Xennen wir die Vereinigung zweier l\)le ihre Idealisierung, >.Ian muß also <agen, daß -'ine Dissoziation sich von ihrem
indem wir uns Vorstudien, daß alles polare (ictrenntsein danach negativen Pol in nichts unterscheidet außer in der auf das

strebt, zur ungesehiedenen Eiidieit sich zu steigern, einei- VAw- Wesen keinen Einfluß habenden Ordnung des Denkens; daß sie

Xicht-
heit.

je<Jen
welche somit das
der l)ei(len

Ideal zweier Pole ist (k'r positive


Pole
Ideal
«larstellt.
oder die Eigenkonse([uenz eines
so

Pol.
wird der Satz giltig:
Dies wird nur dadurch
Das { >
demnach selbst negativer

substanzen haben aber die Bestimmung, daß


auch ihre Substanz enthalten
Pol oder Xichtsubstanz

;
sie

keine Xichtsubstanz kann gesetzt


ist.

außer sich selbst

möglich, daß das Ideal des positiven Poles er selbst, das Ideal werden, welche uicht die Substanz in sich enthalten müsse:
des negativen Poles aber übei-hai]|)t nichts ist. Anders ans- alles Xichtvollkommene ist nur möglich dadurch, daß
gedrückt: Das Ideal negativer Pole ist ihr (ic^j.'-enteil : das neilk, Dissoziation besteht, das heißt dadurch, daß sie da< Voll-

negative Pole entbehren eines logischen Ideales schlechthin. Sie kommene als einen Funktionsteil enthält, und zwar als den-

>ind in sich selbst keine ruhenden HegrifTe. können also anch jenigen, der dem Unvollkommenen, dessen Begriffsteil er ist,

nicht zur Ruhe gelangen: oder wenn «bis letztere zur Forderung sich als positiver Pol entgegensetzt. Es gibt keine Entfremdung
erhoben wird, so müssen negative BegritTe zu Xicht> weiden. von der Substanz, welche im Begriff' ihres Entfremdetseins nicht
So bedeutet die Idealisierung Verniehtnng des negativen Poh^^. die Substanz selbst als Möglichkeit ihres Ergriffen\verdens ent-
Zwei Polbegritfe sind also transzendental identisch, weil dei- eine hält. Ein Ergreifen der Substanz ist nur dem Selbstbewußt-
fiii' die transzendentale Betrachtungsweise sich selbst aufzehrt. sein möglich, weil es die negativeFunktion nicht nur hat oder
Dieses Ornndge'^etz des Bewußtseins läßt sicli allgemein durch ausübt im Gegensatz gegen die ])0sitive, sondern auch erkennt
die Formel ausdrücken: id a = id (nona), in Worten: Di^ nach der W^eise. wie es soeben geschehen. Es ließe sich daher
— 40 — 41

zeiireu. <lali das FuiiktioiisL'cst't/. iiiclil iiiii- »Um- L();iik, soiidtM'ii


denkend erfa.ßt wird, setzt (\i\^ Selbstbewußtsein oder der Ceist
Wohl transzendentale Ungleichartigkeiten fest, welche sich un-
auch der Ethik als (Trundlage zu dienen habe. iintt'i--
V abhänsiiL: von aller Erfahruno- in der Welt einander enterogen-
scheidcii niul.! man zwischen den beiden polaren I^rkenntnisscii.

die aus dem (iesetz sieh ergebini. Erstens: Die Substanz setzen. Das transzeiulentale Ich nimmt in seinem denkenden

oder das Ideal einer Dissoziation ist ihr j)ositiver Fol: der Be- (irenzwcil, dem Selbstbewußtsein, eine Unterscheidung iiiiU'r-

i:rit!' des ne^i^ativen Pols ist nicht Beuritl* einer Suljstanz. sondern halb seiner selbst voi-, welclie es lehrt, daß es selbst nicht

einer Xichtsubstanz. Zweitens: Der H e u r i t f einer Substanz, sondern Dissoziation ist. Für die Pole dieser

Di>soziation ist <leni Bef^'rift' des negativen Fols identiscli ; de^' '['lennuni^ wendet es je eine p-anz besondere Auffa^sungsweise

[lositive Fol ist dem Kegriff der Dissoziation wesensfremd. an. die wir im Voi'hergehenden mit den Worten Jdeal und Be-

Wenden wir dies auf unser bislieriges Beispiel an. so haben griff bezeichnet haben.*) Die Polarität dieser Auffassungs-
wir auszusagen: Die S> n bsta nz (\{'< endlichen HewuRtseins ist >
weisen ist nämlicli das. was man Selbstbewußtsein nennt. Für
nicht sein unbewuliter, sondern .-ein bewul.itei' Fol: der uii- das gewöhnlielu» Bewußtsein gibt es diese IVennung nicht: e<

];e\vul.ite Fol ist selbst wieder Dissoziation. Dies hat den Sinn, > lebt den m^gativen Pol und ist nicht heniiiht, in ihm den sub-
dah im Prinzip des a1)soluten Bewulitseins nicht die \(U- stantiellen Pol von sich seilest zu soiulern. Da es also nur Bi'-

wendigkeit eines absolut Unbewuhten mitgegel)en sei, dali hin- grifJ'e iia.t und kiMiie Ideale als Suhstanzen dieser Begriffe,

gegen das Prinzip des absolut Unbewußten nicht gcM^lacht werden hält es die Begriffe seihst. \\m\ besonders den Betriff des frans-

könne, es sei denn als negative Funktion einer Dissoziation, zendentalen ich. fiii' die Substanzen. Solches ist ihm aber nui-

welche aus diesem Prinzip aar nicht entfernt werden kann. Da> gedankenloserweise möglich, da das Denken ^ehrt und lehren

absolute Bewußtsein ist also seiend als sein eigenes Ideal ohik- mult, dal;» der Weltgrund ein polares Prinzip ist. Oder andei's

etwas außer ihm: das ahsolut Unhewußte ])edarf aher des ausgedriiekt. wir nennen ..denken'' (im transzendentalen Sinne)

absoluten Bewußtseins, um nur zu einem Begriff' zu werden. eine A'erhaltunasweise endliche^ Bewnbtseine, welche nicht nur

Andererseits ist der B e a- r i f f deii endlichen Bewußtseins dem Bcüriffe hat. etwa ..rechts" un.d ..links", sondern diese Beuriffe

BegTiff' seiner Endlichkeit identiscli: denn wohl liegt in der als aus dei- Beschaffenheit des Weltgrundes erfolgend e r k e n n t.

Denken also vorhanden auf (4ru]ul der Anerkenntnis,


Raumzeitlichkeit schon selbst die Dissoziation, welche das Be- i i ist nu.i'

wußtsein als positiven Pol enthält, nicht aber kann das absolute daß der Weltgrund nicht ])Ositiver Pol oder al)solutes Bewußtsein,

Bewußtsein dazu gelangen, eine Welt aus sich herauszusjunnen. sondei'ii negativer Pol oder Dissoziation ist ; diese Anerkenntnis

da es dem Begriff des Entfremdetseins oder der Polarität selbei' ist sov.(»hl der Anfang als das höchste Kesultat aller Wissen-

ganz fremd ist. schaft : sie ist der in sich verschränkte Punkt außerhalb der Welt.
Das transzendentale Ich ist nicht Substanz, sondern F'ü]- diese transzendentale Unterscheidung hat die Ahnung der

Dissoziation. Dieser Satz enthält eine dem Selbstbewußtsein VölkcM- ein l)esonderesWort geschaffen, dessen Anwendung im
allein erwerbbare eigentümliche Eestsetzung. deren prinzi})ielle praktischen Alltag seinen tieferen Sinn nicht auslöschen kann:
Bedeutung so weit gellt, daß sie eigentlicli alle Wissenschaft
erst ermöglicht. Durch solche Aussage wird nämlich in den *i Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, kommt im Lauf der
Weiter und selbst ein Unterschied iz-etragen. der allen Unter- ganzen Arbeit der Ausdruck „Begriff-' in vier verschiedenen Bedeutungen
vor. 1. Als das Habende, Begreifende der Dissoziation. 2. Als Abstrak-
schieden n dem Bew ußtsein erlebhar sind, ihre
der Welt, die
i

tionsbegriff [S. Fl § 21. 3. Am häufigsten als Inbegriff, apriorisches Sosein,


i j Wesensnatur erteilt. Dadurch nun, daß der polare Unterschied Als Synonymon von „Prinzip''. Dem Sinne nach ist eine Ver-
Idee. 4.
nicht bloß konstatiert, sondern gemäß dem Eunktionsgesetz wechslung niemals möglich.
42 4.1

(itien Untt'fscliitMl. der ludit zwiscluMi Hci^ri ffcii ijiiicrliallt iltji-


§ 3. D a s w a h r h a f t S e i e n d e.
Welt avset/.l wird, soiuierii ciiic im Wcltt^rund an^ivlet^tf Diffe-
renz bezeichnen soll, (Mnen (iei^ensatz. der nicht aus der Welt ah- Für jede Absicht sind die Gegenstände ihrer Betätigun^i:

geleitet \\e]-deii kann, weil er seihst so sicher ist wie die Welt, da nnbezweifelt seiend. Wir fragen uns hier, was für denjenigen
diese nichts anderes ist als er seihst: diesen rntei'sch ie<l wollen als seiend zu geltend habe, der als W^issenschafttreibender seine

daher auch wir einen W e r t u n t e r seh i e d nennen. l^'i"


Urteile fällen will, der zur Welt Stellung nimmt nicht als diese

weicht prinzipiell von alU'n rnterschieden der (ie^^ciislände und seine Person mit irgendwelchen Absichten, auch nicht als irgend
Zustände ab, zwischen denen nur ein ahgeleitetei- Wei't iintei'schied ein Bewußtsein, sondern als irgend ein denkendes Bewußtsein,

bestehen kann, weil sie als Heiiriffi^ in dvr Welt keine Wert pole oder, im (Tegensatz zu den vielen Formen des unvollendeten
sein können, sondern beide Pole als Dissoziation entha.lten endlichen Bewußtseins: als das denkende Bewußtsein. Wenn
inüssen wie das transzendentale Ich >elhst. Ti'anszendentale dieses im Ich die Polarität setzt, erkennt es zugleich den trans-

Wertunterschicnle köjinen nui- als vom Denken i^csetzte L't'dacht zendentalen Wertunterschied. Da nun alle übrigen l'nterschiede
werden. Sie können nicht einem oder uiehreren (ü'i>enstiinden A nicht dem Denken, .sondern dem nichtdenkendeii Bewußtsein an-
oder Zuständen als Ei<2:enschaft oder Merkmal anhaften: sonst gehören, muß unter dem Gesichtspunkt der Erkenntnis die Frage
wären sie nicht dem Selbstbi wuiitsein anticlniriii'. weil alh Hc des Unterschiedes von Sein und Nichtsein mit derjenigen (\i'V

.-tmnntheiten von Be^^j-iffen i n der Welt einem hlollen Bewubt- Wertbestimmung zusammenfallen: in anderen Worten: das reine
sein müssen offenbart w(Tden kchmen. lnwief(M'n der Ref^i-iff Denken kennt nar kein anderes Dileiuma r.ls das {\q< Wertes:
def, Wertes dennoch in der Welt anwendi)ar ist, soll kiinftiii" noch also ist die Frage nach dem w a h r h a f t Seienden mit der trans-
m Ausführlichkeit gezei_L'"t werden. Hwv kommt in [^<'ti'aclit, zendentalen Wertfrai2'e identisch. Dasienige und nur dasieniizc
daß der transzendentale Wertunterschied der Welt zuiirunde lie^t ist seiend für das absolute Denken, was unbedingt wertvoll ist.

(ierart, dab der nei^^ative Pol als Be^-riff sich einem positiven l^>l Da nun ein unbedingtei' Wert keiner andeien Wesenheit zu-

als dem Ideal oder dem Wertprinzi]» gegenüberstehend erkennt. kommen kann als dem Prinzi]) d^^ Wertes selbst, ist erwiesen,

Der negative Pol kann nicht das Wei'tprinzi}) sein, weil er vom daß der positive l^ol der transzendentalen Dissoziation das allein

Selbstbewubtsein als der unbewußte erkannt wii'd, dessen Idi-al k I wahrhaft Seiende bedeutet. Doch auch dieses Eesultat gilt e-

nicht in ihm selbst, sondern in seinem (legenteil liegt. Iv< nicht nur zu haben, sondern zu verstehen. \Venn (bis Denken di;-

liandelt sich biei'bei um die amilytische Bt^ziehung, dal^ das Entgegensetzung eines positi^en und eines negativen Poles, also

Denken bewußten Pol i\v> 1-iewußtseins denjenigen nennt, der den Zwies])alt von Ideal und Begriff, als das Prinzi]) der Welt

!>e'\n Ideal odei- seine Wertfunktion enthält. Wenn wir unter ab- irkennt und zugleich die beiden Aussai'en des Funktionsaesetzes
solutem Wert etwas verstehen, das in sich so vollkoriimen ist. daß macht, ist es zu folgender Einsicht verbunden: In der Bestim-

es keine Steigernngsgra(h' zuläßt, also nicht auf eine unen<lliche mun«: de^ wahrhaft Seienden lassen sich dem Anscheine nach
Eeihe verweist. <onder]i der Zielpunkt aller unendlichen Reihen zwei antinomisch entgegengesetzte Gesichtspunkte vertreten. Der
ist. so ist unltMigbar die })ositive Funktion Wertpol. Kine andere eine nimmt den ersten Teil des Funktionsgesetzes für sich in An-
Begriffsbestimmung des Wertes wäre viehnehr die Definition spruch und betont den positiven Pol als wahrhaft seiend, da er
eines Xichtwertes. Wir l^dteten also ab: Das transzendentale
"
das Ideal sowohl seiner selbst als des negativen Poles bedeute.

Ich i<t da- 1^-inzip einer Dissoziation, dei'en Substanz das Vom Standpunkt der Wertbeurteilung sei somit ik^r negative Pol

T*rinzi]) <\v> transzendentalen Wert.es ist. Die Welt ist der Be- die bloße Unvollkommenheit des positiven, dieser also die Sub-
griff, dessen positive Funktion der durch das Denken gesetzte stanz, von welcher jener nur die Funktion sei. Der andere Ge-
Wert be<leutet. sichtspunkt leitet sich aus dem zweiten Teil des Funktions-

\
44
— 45 ~
die wir bisher .AVelt" nannten, kann also auch als Inb'cgriff
oesetze> aii: er wiid xcn i'rh'ii liiinli (iic Kchaiiitl mm. »lal.i (k'i"
des Auffindbaren oder dei' Objekte einer Handlung bezeichnet
iieo-ative Pd »Icr f^rüTif f <ler i''tiii>'<'ii Dissoziation sei und iiifola-i'-
werden. Der Vertreter der zweiten These der Antinomie aab
dessen in dim ^li'V {»(»itivc l^ol als di-nknot w fiiditif Al)h;in^'i^u"kt'it
also die Aussage: Für die bloBe Voraussetzung möglicher Hand-
iiiiistt* vortiferuniU-n ucrden kdtnncn. Der positive Pol köniu' nic-
lungen überhaa])t besitzt nur das Unvergängliche Sein. Wa-
'•nals den iieii'ativen enthalten, wohl al)er niiis>e in dieseni der
nn W^echsel der S})altungen immer wieder sicli selbst erzeugt.
positiNi' stets initiitMlaeht werden: der positive Pol sei also
ist das seiende Objekt der Handlung, welche keine ändert-
ledjt^iich eine Zu^-alje zinn net^-ativen. dei hei alledem die iiher-
Voraussetzung macht als sich selbst. Das Unvergängliche nun
ragende Hauptsache hleihe, die sich in der Dissoziation nicht ver-
i.-t tatsächlich der negative Pol. Daß dieser unter der Vorau>-
nichte, sondei n imniei- wieder sell)st enthalte: ihre Zähi«:-keit
setzung i\e^ Wechsels endlose Beständigkeit besitzt, ist eigentlich
beweise ihr Sein. Dei' letztt' Satz Ljiht i\vn Schliiss'd zui- Anl'-
eine analytische Bestimmung: denn wenn er keine unendliche
l'KimL'' der Antinomie, indem er zeii^t. dal.l dei" zwcitt^ Stand- ^

A^eriüni'unffskraft besäße, würde der Wechsel selbst einnuil auf-


iu'nkt niclit eine MhyliidikiMt vorau>st'tzun:^>losen Denken> dar-
lu'iren, was der Voraussetzung widersprechen würde. Daß bei
da> Seiende im wi>>enscha liehen
-lellt. Kr l)e>tinimt niiht ft
A der Prämisse einer Veränderung seien d genannt werden
Sinne de-^ erkeniuMiden oder wertenden S.'lh>the\\ ni.ltseins. sundern
müsse, was alle A^eränderung überdauert oder vielmehr al.-
im Sinne einer bestimmten Ah>icht. « ie da lautet: Wenn icli

Prinzip der Veränderung diese stetig begleitet, weist daher


etwas als seiend a.nerkennen soll, so muh e> die l'^u'derunL:' er-
lediglich auf das allgemeine Gesetz: Für jede Voraussetzung
fii'leii. im Wechsel -chletdithin hi'harrlit-h /.u sein, so dal-l ieli es
ist da< Prinzip ihrer selbst seiend; Absichten bezweifeln wohl
jederzeit auffinden kann. Das Seiende wäre demnach das im
die Mittel ihrer Ausführung, nienutls aber sich selbst. Daß also
Zei'fall rn\i'ruänuliche. Ks unterliegt keinem Zweifel, dal.i die
demjenigen, der die Auffind})arkeit zum Kriterium des Seienden
i^e>timmung de< im \Vech>el rnvergiinglichen eine wichtige
macht, die Dissoziation oder der negative Pol als seiend er-
Aiifü-al)e (\t^> Denken.- bedeutet. Dennoch ist es klar, dali diese
scheinen muß, ist analytisch notwendig. Nicht ist es dem
Auf^Liahf von iler Festsetzung (\r> wa h i' !i a f t Seienden prin-
Selbst])ewußtsein aber möglich, solche Voraussetzungen, und
zipiell \t'rschieden ist. Denn sie gibt nicht einen transzenden- /

seien es auch die allgemeinsten, als dem Denken notwendig zu


talen Wert an. >ondern >ie setzt an Stelle der X'oraussetzungs- i"
behau])ten. Daher ist die erste These der Antinomie die allein
losigkeit de- (nMlanken- die Kmbihhing de- nichtdenkeiuUMi P)"-
richtige, weil nur sie aus dem reinen Denken kommt, weil nur
N\ii]:)tseins. eine Absicht, die iiocli >o gering sein mag. um trotz-
sie den ab«^oluten Wert als Kriterium benutzt. Wahrhaft seiend
dem gerade den Sinn zu haben: rnter dei' bestimmten Pe<t-
ist nicht der Betriff, sondern die Substanz oder das Ideal des
-etzung. dali ich das wahrhafte Sein, n ich t anzugeben bestrebt
Begriffes. Gegenteilige Aussagen mögen gemacht werden: sie
bin. setze ich für diesi' oder jene Ab.>i<-ht einen solcluMi Begriff
ents])ringen aber nicht dem reinen Denken, sondern Voraus-
als seienden fest. Nun ist die A'or.-teUung der jederzeitigen
setzungen, deren Wert oder Unwert sogar auf ihrem eigenen Ge-
Auffindbarkeit sicherlich die Äul.ierung der allgemeinsten Ab-
biete Avieder vom reinen Denken entschieden werden muß. Auf
sicht, die ein Wesen sich zu bilden vei'imig : es ist *\i'V Begriff des
dem Gebiet der Feststellung des wahrhaft Seienden sind sie
..Handelns überhaupt". Wa< \"üv irgend ein endliches BewuÜt-
stets zweckwidrig, da es in ihrem Begriff liegt, die zu diesem
-ein. also fiir die allt»enieinste der von ihm zu machen<h'n Voran,--
Geschäft notwendig erforderte Voraussetzungslosigkeit zu zer-
-elzuniien. Sein haben soll, muß fiir iri^cnd ein endliches BewuÜt-
störeji. Wennzwar der negative Pol unvergänglich ist, so ist
st in auffindbar sein. Was aber auffin(ll)ar ist. i<t m<ioliclie<
der ])ositive keineswegs vergänglich; er erscheint nur im Wechsel
Objekt des Handelns. Die P'unktion des transzendentalen Ich.
— 46 — 4;

iiU von stMiit'iii (it'Lit'Mtril al)h<'ini:ii:. wvil er seihst waiuleilos ist,


dei- Entscheidungen des Denkens und des auf Handlung ab-
das Net/ative abeT das Prinzip des Wandels bedeutet. So
zielenden Wollens. Ob Ruhe oder
Bewegung als das
die die

konnte i^'t^leiirt werden, (bis Bewiilitsein sei ein blol.les Kpipbä- V wahrhaft Seiende zu gelten habe, dürfte nicht mehr zweifelhaft
sein, wenn man bedenkt, daß alle Bewegung nur in
jionien. eine l)Iolie AJ)häni:iirk('its<ir()l.ie des Willens oder der Relation
zu einem Ruhenden betrachtet werden kann; dal3 also eine
?vlaterie. Diese Aussaiic wäi'e rieht i^" unter def X'oraussetzunij^,
die Welt, das Auffindbare, die Handlung seien absolut seiend;
,,Bewegung an siclr' etwa.s Unmögliches sei; daß die Bewegung
in sich dcji Widerspruch des negativen und
dann l<(innte d[is für< Denken wahrhaft Seiende aJlerdini^^s nur positiven Poles
als Xebenfunktion erkannt werden. Die X'oraiissetzunü- ist al)er
trägt, indem ihr Begriff sowohl sich selbst als ihr Gegenteil,

unhaltbar, da dif \\'A\ nieht anders dem Prinzip der das Ruhende, enthält; daß die Bewegung zwar ein von dem
als aus
i\vr Ruhe durchaus unterschiedener Begriff sei, dessen Substanz
l)issoziation verstanden werden kann, der^-n positiver P(d i?"erade

ihren (TeL>-ensatz ausniaeht. An der We 1 t ist seiend die absolute


jtdocli nirgends entdeckt werden kann, es sei denn in seinem

Bezieh u n i;-. weil sie da> Prinzip {h^v W^lt ist. Das Denken Gegenteil, der Ruhe; daß eine schnelle Bewegung den Betritt*
der Bewegung idealer repräsentiere als eine langsame und trotz-
stellt abi-r die transzendentale Fra^'e. was in Wahrheit'
>ein o-enannt werden dürfe. Da es die Weit als Heziehuno- er- / dem man bekennen müsse, daß eine ideal oder unendlich schnelle
Iv'ennen inuli, ist ihm von vondterein dit Bestimmuni:- möoiieh,
Bewegung nichts anderes sein k(inne als Nichtbewegung, weil es
die nach dem im Begriff einer wirklichen Bewegung oder Bewegung schlecht-
^bii! Fra;^-e St'i(Mi(L'n in der Wirklichkeit oder
Welt und jene nach dem wahr-haft Seienden nicht nur prinzipiell liegt, immer noch eine schnellere Bewegung zuzulassen.
liiii

"verschieden, sondern m ihrem Resultate sich tMit"-et>-en-


Ein Begrirt", der in sich selbst den Gegensatz trägt und sein
])()lar

;.iesetzt sind. Da> l'rinzip oder der HeuritT Welt


ideal im Gegenteil besitzt, ist aber in Beziehung auf seine
dei" ist Ljerade
nicht das wahrhaft Substanz nichtseiend. Die Ruhe ist also wahrhaft seiend, die
Seiende, sondern diese Bezeichnuni:- kommt
ihrem Ideal oder ihrer Snb>tanz zu, welche nacli dem Funktions- Bewegung aber wahrhaft nichtseiend oder wirklich, weil Prinzip
gesetz als ihr (Tca-enteU beo-ritfen werden mul.1 Da- Wesen der
dei- Wirklichkeit. Denn die Ruhe trägd: keinen Gegensatz in sich
Welt oder des Existierenden und ist das ideal ihrer selbst und der Bewegung. Sie ist
ist nicht ein ruhender Pol. dessen
Ideal er sel})st ist. sondern im (iet^enteil der Begritf der a})S()luten
die wahrhaft seiende Substanz der hier behandelten Dissoziation.
\
Dissoziation, die auf keint^ ihr immanente Substanz zurück- \ f i)aß als in der Welt seiend, oder als wirklich, hingegen die
fieführt werden kann. Beziehung oder Strel)en
Bewegung zu gelten habe, ist bloß die Kehrseite der soeben aus-
i:
ist da<
Wesen der Welt; das wahrhaft Seiende einer ges})rochenen Wahrheit. Alles W' irkliche ist in seinem Wesen
Bcziehuii"- ist aber
il niemals sie selbst, sondern ihr positiver Pol, der das Ziel bddet, Yerändeiung und Bewegung, oder Widerspruch. Denn die Wirk-
dessen wahres Sein seine Xepition erst zu einem wahren Strehen lichkeit ist gar nicht anders zu definieren als durch ihren
macht. Das Wesen der ]»olaren Gegensatz gegen das wahrhafte Sein oder ihr Ideal.
F.xistenz ist absolute Beziehung; das
wahrhaft Seiende ist aber nicht leere Beziehung, sondern die
Dem Denken steht es nun keineswegs frei, auf das Wirkliche
Siihstanz der Beziehung, welche das Ideal ihrer beiden I'ole be- den i^egrift' (\i\< wahrhaft Seienden anzuwenden; ein endlicher
1^

(ieist, der die Wirklichkeit erst sich gegenüber sieht, aber noch
<leutet. Die Frage nach dem für die Frkenntnis wahrhaft
nicht funktionsgesetzlich erkennt, ist nicht zum Denken gelangt.
Seieiulen uini diejenige nach dem Vwv das IFandeln Seiende oder
'
AVirkliche und Wichtige sind i)ie Behauptungen; Es gibt kein Sein außer der Wirklichkeit;
oft verwechselt worden obideich
sie notwTKÜt;- Kutfieffeiiijcsct/.tcs zum l{c,-ultat linln-ii
die Wirklichkeit ist das wahrhaft Seiende; das W^erden ist
iiiüsscii.

Audi iiuifrliallj drl' \Vi-!t Micdcrhdit sich


i^rinzip der Welt und dah e r auch oberstes Prinzip des
liiiulii;- iliis i)i!fiiiina
- 4S — 49 —
Denkens; nichts ist, alles wird, und ähnliehe Heraklitisnien heit des in sich gefestigten Seins. Will üian das Jenseits der
lassen bloß erkennen, daß man noch nicht zum absoluten Denken Welt als das absolute Ideal und wandeliose Sein des reinen
und absoluten Werten gelangt sei. Die Betonung des Negativen Denkens mit dem Namen Gott bezeichnen, so ist sicher, 'laß

ist niemals ein Werk der Erkenntnis, sondern der


Meinung. Das Gott nur unter dem Begriffe absoluter Passivität könne gedaihi
Denken leugnet die Wichtigkeit des negativen Poles durchaus werden. Er ist nicht der Schöpfer der W^elt, sondern das [dral
nicht: sondern nur es ist imstande den negativen Pol in den der Welt: nicht Negation, sondern Position. Das wahrhaft
Gründen seiner Bedeutung zu erkennen. Aber während es ihn Seiende, welches die P>kenntnis findet, ist voraussetzungslos zu
erkennt, ist es nicht selbst von ihm beherrscht, sondern ver- denken nls der ])ositive Pol der Beziehung, der als solcher nicht
fährt autonom, indem es ihn der transzendentalen Erkenntnis selbst wieder Beziehung ist.

unterwirft. Diese kann aber nur aussagen, daß Bezieliungen


ihre Substanz nicht in sich selber tragen können, sondern in
ihrem Gegensatz, welcher deren Widersi)ruch nicht in sich trägt. 4. Die Tetranomie.
§
Aus demselben Grunde ist nur die Einheit seiend im (Tegensatz
zur Vielheit: denn keine Vielheit kann absolute oder unendliche Das transzendentale Bewußtsein wird vom Denken erfaßt
Vielheit sein, außer in ihrem Gegensatz, (\vr Einheit: und alle als die Zweiheit; doch nicht als beliebige Zweiheit, wie wir sie

Vielheit ist nur unter Zugrundelegung einer Einheit möglich, materiellen Dingen beilegen mögen, sondern als die polare
zu welcher sie die Beziehung darstellt. Einheit aber ist an sich Zweiheit. In dieser Bestimmung liegt aber die Anerkenntnis

schon ihr Ideal und bedarf keiner Vielheit, um gedacht werden des Funktionsgesetzes, daß die Substanz eines Prinzips sein

zu können. Ebenso verhält es sich mit dem Begriffspaar aktiv Gegenteil sein kcüine und daß das polare Ganze mit einem seiner
und passiv, dessen erstes Prinzip wieder die Dissoziation beider Teile identisch zu setzen sei. Das transzendentale Bewußtsein
bedeutet, während das letztere substantiell ist. Dies ist besonders wird nicht nur als Zweiheit gedacht, sondern auch sein Gedacht-
von denjenigen übersehen worden, welche Gott höchste Aktivität, werden wird in die polare Zweiheit zerlegt, was sich ausdrückt

höchste Kraft und Allmacht glaubten beilegen zu müssen und durch die beiden Hälften des Gesetzes und dadurch begründet
dabei weder bedachten, daß es keine „höchste Aktivität'- ge))en ist, daß das Bewußtsein seinen bewußten Pol nicht nur gemäß
h
kann noch daß es der Vollkommenheit Gottes gar wenig ent- dem Verfahren der Substantiierung als das Ideal der Welt er-
spricht, wenn man ihn auch mit der Macht über das Unideale, kennt, sondern auch gemäß dem Verfahren der Begriffsspaltung
\eoative. Böse ausstattete. Solche Vollkommenheit des Habens als eine Tatsachengruppe in der Welt. Und: Der negative Pol
istvielmehr eine entschiedene Unvollkonunenheit des Seins, die ist nicht nur das überragende Prinzip der Welt, sondern auch
man in Gott nicht hineinlegen wollte, die aber auch mit aller der substanzlose Teil der Welt. Oder schließlich : Da^ Selbst-

Mühe nicht aus ihm zu entfernen ist, ohne den ganzen Begriff bewußtsein erkennt die Welt als seine Identität, ohno .Inrh zu

zu revidieren. Mit Recht kann nämlich gesagt w^erden: Der vergessen, daß nur der negative Begriff seines Wertes
es selbst

positive Pol i s t alles, sowohl sich selbst als das Ideal seines und andererseits zugleich ein Teil dieser Negation ist. Das
Gegenteils; er hat aber nichts, weil alles Haben eine ent- Denken setzt die Welt als Funktion des transzendentalen Be-
fremdete Zweiheit voraussetzt. Der negative Pol hingegen hat wußtseins, trotzdem und weil dieses gar keine Substanz ist,

alles, sowohl sich selbst als den Begriff seines Gegenteils; aber trotzdem und weil es die wesentliche Bestimmung an sich hat,

er ist nichts. Die Frage nach dem wahrhaften Sein fragt einer beliebigen Raumzeitlichkeit anzugehören, also Teil der

nicht nach dem Reichtum des Habens, sondern nach der Wahr- Welt zu sein. Das Denken erkennt die transzendentale Identität
— 50 — — 51 —
seiner selbst mit seinen Inhalten; dies kann nur geschehen, unmittelbar aus der Wertdifferenz des Weltgrundes als dessen

nachdem es die beiden Begriffe klar von einander gesondert hat. eigene Vollendung herleitet. Für die vierfache Art der Wertung,
Diese Sonderung aber verlangt den Schluß: Da der Weltgrund
V welche die zu sich selbst gekommene transzendentale Wertung
Zweiheit ist und Einheit also nicht in ihm angetroffen werden bedeutet, haben wir nur die Namen festzusetzen. Die erste

darf; da zum Prinzip der Welt wesentlich die Bestimmung ge- Funktion nannten wir schon das Ideal oder die Substanz;
hört, daß es von einem Selbstbewußtsein müsse gedacht werden aucli die vierte kennen wir bereits als die Funktion des n e g a-

können: da ferner dieses Denken eine Einheitlichkeit wäre und ti ven Begriffes. Die zweite nun kommt als Spaltungsteil

nicht Zweiheit: so folgt, daß es dabei nicht stehen bleiben chirf der Negation vor und macht auf den Unbehutsamen den Ein-
und nicht bloß eine Zweiheit zu setzen hat, sondern auch das druck eines unteilbaren Elementes, w'ährend sie doch wie die
Setzen dieser Zweiheit polar verdoppeln muß. Die Yierheit, Negation, die ihr übergeordnet ist, wieder bloß die Dissoziation
welche so entsteht, gehört dem Weltgrund an, sofern dieser die bedeutet; diese Funktion, die etwas Besseres vortäuscht als sie

Eigenschaft hat, zugleich die Welt selbst zu sein, oder sofern er ist, bezeichnet man wissenschaftlich wertend als S c h e i n. Um-
sein eigenes Erzeugnis ist. Es wird daher unsern Begriffen gekehrt ist die dritte Funktion der Substanz verwandt, trotz-
^
wohl angemessen sein, wenn w^ir aussagen, das Ideal oder die dem sie das Negative als sich übergeordnet erblickt; ein Wert-
Substanz der Welt sei die absolute Einheit, der Weltgrund be- volles, das in die Sphäre des Gegenteils herabsteigt, ohne jedoch
deute die Urzweiheit, und das Grundgesetz der Welt selbst sei dabei im Wesen verwandelt zu werden, nennen wir in anerken-

die Yierheit. Die Zwei ist als einmal gegebene Zahl noch nicht nender Wertung eine Erscheinung. Bei der kaum zu über-
ganz sich selbst; erst die doppelte Zw'ei bedeutet ihre erfüllte schätzenden Bedeutung, welche die Tetranomie für die absolute
Natur. Das Funktionsgesetz hat schon deutlich die tetrano- Wissenschaft besitzt, ist es geboten, auch in ihrer äußeren Be-
mische Vollendung der Zweiheit erkennen lassen, indem es zu handlung sich auf eine bestimmte Regelmäßigkeit zu einigen, da
unterscheiden lehrte zwischen positivem Begriff an sich, nega- hier wie in der Arithmetik Zeichen und Ordnung mit einem
tivem Begriff innerhalb der Dissoziation, positivem Begriff selbständigen Sinn begabt werden können. So sei die Urtetra-
innerhalb der Dissoziation und Dissoziation selber. Das Gesetz \
nomie als Schema aller übrigen derart aufgestellt, wie sie den
ließ uns erkennen, daß und auf welche Weise diese vier Glieder Verfasser am nutzbarsten dünkt.
i
untereinander identisch sind ; um dieses tun zu können, mußte es I. Ideal ( + + ): Die Substanz oder das Sein der Tetranomie
die Glieder in ihrem begrifflichen Unterschiede erst einmal ge- an sich. Das seiende Sein.
sondert haben. Die Tetranomie (Viergesetzlichkeit)
größen, welche der Erkenntnis in der Welt als Objekte sich dar-
aller Denk- II. Schein (+ — ): Die Negation mit der Vortäuschung eines
wahren Seins. Das seiende Nichtsein.
bieten können, gibt das erste Mittel, die Mannigfaltigkeit der
i III. Erscheinung ( — +) : Die Substanz mit der Nebenbestim-
\oni Denken zu bewältigenden Begriffe ihrer individuellen Be- mung der Negation. Das nichtseiende Sein.
deutung gemäß sowohl von einander abzugrenzen als auch in Gegensatz
IV. Negativer Begriff ( ): Der dissoziative
richtige Beziehung zu einander zu setzen, und dies nach der Regel
zum Ideal. Das nichtseiende Nichtsein.
des Weltbaues selbst, so daß durch tetranomische Einordnung ist auch die Ordnung:
Empfehlenswert
den Ansprüchen strenger Wissenschaft Avesentlich gedient zu ^'
Ideal (+ +) Negativer Begriff ( )
werden vermag. Das Wesen der Tetranomie selbst kann nicht
anders als durch Begriffe der wissenschaftlichen Wertung Erscheinung ( — +) Schein (+ — ).

ausgedrückt werden, da es das Weltgesetz angibt, welches sich Obw^ohl die Bemerkung naturphilosophischer Art ist, bleibe

4*
; -

— 52 — — 53 —
scheiden kann man durcli jedes willkürliche Benennungs-
nicht unerwähnt, daß unsere Hand ein leicht benutzl)ares, genau
urteil; daß aber in der Unterscheidung als Band zur Einheit ein
charakterisierendes Schema der Tetranomie darstellt. Und zwar
Gesetz hervortrete, das der Definition eine transzendentale Würde
entspricht die Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger der
verleiht, kann nur von Begriffsunterscheidungen gesagt werden,
(+ +)-, diejenige zwischen Mittel- und Ringfinger der
die dem Wesen der Dinge metaphysisch angemessen sind. Die
( ) -Funktion. Der Zwischenraum zwischen kleinem
Urzelle des sowohl vollständigen als scharfen Durchdenkens von
Finger und Ringfinger stellt die (—+)-, derjenige zwischen
Problemen kann aber nur die Tetranomie sein, weil sie die
Zeige- und Mittelfinger die (-f — )- Funktion dar.
aus dem Weltgrund
stets

als dessen Vollendung hervorgegangene


Liebe und Haß durchziehen die Tetranomie: sonst könnte sie
erste Notwendigkeit der Erkenntnis darstellt. In der Erzeu-
nicht wissenschaftlich wertvoll sein. Sie stellt die Begriffe als in
gung der Tetranomie gewahrt das Denken seine eigenste Betä-
sich eigenartige Einheiten nebeneinander. Über die Vollkommen-
tigung; aber zugleich wird ihm darin offenkundig, daß diese
heit des Ideales braucht nichts weiter hervorgehoben zu werden
Denktätigkeit dem Widerspruch des Weltgrundes entsprossen
neben ihm ist es die dritte Funktion, die als nicht dissoziierte
ist. Das gleichzeitige Trennen und Ineinssetzen von Begriffen,
vom Denken geschätzt wird; denn daß sie sich in die Hülle der A die stete Notwendigkeit, das Gemeinte mit einem Gegensatz zu
Negation begibt, kann an ihrem wertvollen Wesen nichts ändern.
paaren und so erst zum Denken zu erheben, schaffen in der
Der negative Begriff ist das Gegenteil der Substanz und also
Tetranomie ein System von Konstanten, in deren Grunde noch
keiner Hochachtung würdig; aber er ist zum wenigsten ehrlich.
der Vulkan zittert, der sie als feste Inseln ins Licht der Sprache
Diese Eigenschaft geht der Funktion des Scheines außerdem
erhoben hat. Die Tetranomie ist Gesetz der W'elt als der Iden-
ab; der Schein ist nicht nur nichts, sondern er gibt dazu
tität des transzendentalen Ich. Sofern aber im Bereich des
noch vor, etwas zu sein. Daher verdient die zweite Funktion
Denkens und der Natur geschlossene Begriffe vorgefunden
die ganz besondere Abneigung des Denkers; und es ist ja nichts
werden, die das Bewußtsein benutzt, ohne sie direkt zu erzeugen,
Neues, daß der Haß gegen den Schein ebenso sehr zur Vor-
muß die Welt auch solche Momente enthalten, die von der Unruhe
bedingung eines Wissenschafttreibenden gehöre wie die Liebe
des Gegensatzes befreit sind. Diese werden in indirekter Weise vom
zur W'ahrheit. Die angegebenen Funktionszeichen werden zur
Denken geschaffen und müssen irgendwie von der Tetranomie
kurzen Verständigung von Nutzen sein können. Daß dem
\ abhängig sein. Im Ich soll also außer der durch es selbst er-
Denken eine Vierheit anhafte, muß es in jedem Augenblick ge-
rungenen Viergesetzlichkeit auch die nicht durch Meditation
wahren, sofern es nicht von sich abschweift. Schon der ein-
erworbene Erfahrung einbegriffen sein, nicht als die Tetranomie
fache Zwiespalt von Sein und Nichtsein kann nicht gedacht
in ihrer ursprünglichen Gestalt, aber als deren endgiltige Sta-
werden, ohne daß sich die Frage aufwerfen mü,sse, welches
bilisieruns-. Ist die Tetranomie an sich ihrem Wesen nach ein
Nichtsein denn gemeint sei, ein seiendes Nichtsein oder etwa ein
Svstem von Wertungskonstanten oder notwendigen
nichtseiendes Nichtsein; und dieser Zweifel nmß sich im Be-
Ruhepunkten der kritischen Erkenntnis, so wäre die Krönung
griffe des Seins notwendig wiederholen. Alle Probleme, die
ihrer Systematik eine Ordnung von A p p e r z e p t i o n s
das Denken beschäftigen können, führen auf eine solche Vierheit
konstanten, Denken nicht selbst erwirbt, sondern
die das
als ihre erste Klärung; in dieser erhalten sie ihren primitivsten
in der Welt des Denkens und der Natur vorfindet als die ihm
wissenschaftlichen Sinn, indem sie erkannt werden nach ihrem
von vornherein gemäß sein müssenden Begriffe, welche für die
individuellen Charakter, und so zugleich streng unter-
Anwendung gewissermaßen schon bereit liegen. Diese werden
schieden und denkend auf einander bezogen werden durch die
wir später unter der Bezeichnung Kategorien des näheren be-
Stellung innerhalb der Tetranomie. Begriffe unter-
/
54 — 00 —
handeln. Hier mußte angedeutet werden, daß nicht nur als Ge- bestimmten Stellen des Raumes, in fester zeitlicher Beziehung
setz der Begriffsbildung, sondern auch als Grundlage der und als erfahren durch ein oder mehrere Individuen in der

Zwölfzahl der Kat^goriengruppen die Tetranomie von funda- Welt. Diese Individuen nennen sich „Ich'" oder „Etwas
mentaler Bedeutung ist. Auf dem Gebiete des schaffenden Ge- Wissende" and sind dadurch notwendig bestimmt als der

dankens ist sie allbeherrschend; auf dem Gebiete apriorisch fest- negative Begriff oder die Spaltungsidentität des transzendentalen

gelegter Apperzeptionskonstanten Vorbedingung für deren Er- Prinzips. Zeit und Raum sind in der Tetranomie der Welt-

kenntnis. inhaltlichkeiten dasselbe, was in der Gruppe der trans-


zendentalen Wertung Schein und Erscheinung genannt wurde.
§ 5. Die objektiven Funktionen des transzen- Die absolute, nichtweltliche Position (+ +) ist, wie schon ab-
dentalen Bewußtseins. geleitet, der absolute Wert. Die Welt, sofern sie vom reinen

Das reine Denken mußte bestimmt werden als transzen- Denken als Funktion des transzendentalen Ich nicht gewertet,
dentale W e r t u n g. Doch erschöpft diese Angabe nur da^i gezählt, geordnet, sondern gewußt wird, ist also durch folgende
positive Wesen des Begriffs, nicht aber alle Funktionen, in Prinzipien erschöpfend gekennzeichnet:

denen das reine Denken zur Betätigung gelangt. Schon zwei I. Absoluter Wert, als die Transzendenz oder das absolute
andere Charakteristiken des Denkens konnten im Vorhergehen- Sein der Welt. (+ +).
den aufgefallen sein, da wir in Erkenntnis des polaren Gegen- TL Zeitliche Bestimmtheit, als der Schein der Welt. (H ).

satzes sowohl fortwährend im Zähle n begriffen waren als auch III. Räumliche Bestimmtheit, als die Erscheinung der

vns angelegen sein lassen mußten, die Teile in ihrer eigen- Welt. (-+).
artigen Bei- und Unter Ordnung zu begreifen. Da das IV. Ich-Beziehung, als negativer Begriff oder Inbegriff selbst

Denken selbst in diesem Augenblick von uns gedacht wird, der s"anzen Welt, von dem Raum und Zeit nur die ge-

können war nicht im Zweifel sein, daß es unter vier tetranomisch trennten Seiten darstellen. ( ).

gegebenen Funktionen sich darstellen muß. Das reine Denken Die Welt ist der Inbegriff aller ichraumzeitlichen Bestimmt-

ist in der Tat bestimmt als ein Werten, Abzählen, Ordnen und heit, oder der Inbegriff' der von einem beliebigen endlichen
Wissen zugleich. Was die letzt-e Funktion angeht^ so bedeutet Bewußtsein erkennbaren Beziehungen zu sich selbst. Dieses Be-
sie das Bewußtsein einer Inhaltlichkeit, ohne welches ein Denken
\ wußtsein, in Verbindung mit welchem die Welt in allen ihren

nicht möglich ist, da auch Werten, Zählen und Ordnen nicht Begriffen stehen muß, nannten wir das transzendentale Bewußt-
stattfinden könnten. Haben wir diese inhaltliche Bestimmtheit sein. Gemäß der polaren S])altung, deren Prinzip es ist, erkennt

beim Verstehen des Bisherigen wie das Zählen und Ordnen es sich selbst unter den Funktionen von Raum und Zeit. Beide

bloß benutzt, ohne sie zu beachten, so kommt es jetzt darauf an, sind aber vom Ich nicht unabhängig denkbar, sondern erfordern
stets als ihre übergeordnete Negation auch ist kein Ich
die Funktionen des transzendentalen Ich zu wissen in dem, was es :

sie sind. Da das Wissen ( ) negativer Begriff ist, so ist denkbar, welches nicht in sich selbst Raum und Zeit als

es dadurch gekennzeichnet, daß die positive Funktion seiner Spaltungsfunktionen finden müßte, da alles Findenwollen die

Tetranomie außerhalb seiner selbst liegt ; in ihm spalten sich Spaltung voraussetzt, ohne welche das Ich nicht der Begriff der
zwei polare Seiten als selbständige von einander ab. Das Ich Welt wäre. Aber auch Raum und Zeit sind nicht unabhängig
als Prinzip der Welt ist nun in seiner inhaltlichen Wissens- von einander denkbar; so wie die eine Funktion gesetzt ist,

funktion nicht anders zu determinieren, als daß es alles Er- kann auch die andere nicht fehlen. Kein Raum ist denkbar,

fahrbare in der Welt zu erkennen nötigt an einer oder mehreren ohne daß ihm als Negation die Zeit zugeordnet wäre, und keine
56 57 —
Zeit kann prinzipiell bestehen, es sei denn durch das Bezogensein V riffe. Seine Erlebnisse beziehen sich auf keine andere Welt als
auf ihre Position, den Eauni (vgl. auch II i^ 11). Da^; Ich auf die des Menschen; aber er hat von dieser W'elt und von sich
selbst ist seinem Begriffe nach der Negation, also der Zeit selbst eine weit geringere Klarheit. Das transzendentale Bewußt-
gleichzusetzen; daraus folgt, daß ein Entstehen und Verüclu'n sein als das sich selbst erkennenkönnende Urprinzip der Welt darf
der Individuen ihnen wesentlich ist, während iiire Kauin- daher mit einem naturkundlich primitiven Bewußtsein nicht
erfüllung durch den Körper dem zeitlichen Werden bloß cds verwechselt w^erden. Vielmehr besteht es in seiner ganzen Klar-
dessen Gegenfunktion mitgegeben ist. Das transzendentale heit nur im Selbstbewußtsein, während niedrigere Stufen des
Ich als der Inbegriff von Ich, Eauiu und Zeit muß in jeglichem Bewußtseins bis herauf zum noch nicht denkenden Menschen
Bewußtsein als dessen immanentes Wesen e-edacht werden, so- lediglich als eine Trübung, wenn auch nicht als eine Entstellung
wohl bei Menschen als hei Tieren. Daß nun die Dreiheit des des Weltprinzips angesehen werden müssen. Raum und Zeit

sobestimmten Ich nicht ihr eigenes Ideal ist, sondern als unterscheiden sich von den beiden andern Funktionen dadurch,
tetranomische Position den al)8oluten Wert verlangt, kann nur daß sie sowohl den positiven als den negativen Pol des Be-
\om denkenden Bewußtsein erkannt werden erst in diesem
X v/ußtseins zu ihrer tetranomischen Bestimmung verlangen. Wir
kommt also das transzendentale Bewußtsein
:

zu sich s€4])st,
X sahen, daß das transzendentale Ich, welches durch das wissende
indem es seinen Zwiespalt nicht nur ordnet, zählt und weiß, oder urteilende Bewußtvsein identisch dargestellt wird, den un-
sondern auch wertet. Das transzendentale Ich muß. indem es bewußten Pol der Ursi)altung bedeutet, während der bewußte
die von der Negation heeinflußten Funktionen des Erkennens Pol als die transzendente Wertfunktion bestinmit war. Die
ausübt, die Möglichkeit haben, zur Position des wertenden Überlegung, wie nun der bewußte Pol des transzendentalen
Denkens zu gelangen; das heißt aber, das tatsächlich nicht- !l Bewußtseins von diesem selbst inhaltlieh zu unterscheiden ist,

wertende transszendentale Bewußtsein ist die Un Vollkommenheit ii


gebietet die Lösung, daß der bewußte Pol des Bewußtseins durch
oder bloße Möglichkeit des Selbstbewußtseins, und das letztere die Wahrnehmung bezeichnet wird, während alle aktiven Ele-
ist das transzendentale Ich oder das Weltprinzip selbst, sofern mente des Bev/ußtseinslebens nicht den transzendenten Wert,
es sich ergreift und versteht. Der Mensch unterscheidet sich sondern den immanenten Begriff des Ich dem Wissen repräsen-
aber hinsichtlich des transzendentalen Bewußtseins dadurch tieren. Das Wiesen des Ich ist die Beziehung oder das aktive
( >
von den Tieren, daß in ihm, dem Sprechenden, Jene theoretische Verhalten, das im Denken seinen Begriff erfaßt; das seiende
Möglichkeit des Werfens auch zu einer von ihm e r f ii 11ha r e n Resultat des Ich lebt jedoch in der Anschauung. Daher ist e>
Möglichkeit wird, dadurch, daß er wissenschaftliche Einsicht der Erkenntnis förderlich, wenn wir den bewußten Pol des Be-
zu erwerben fähig ist. Für den gegenwärtigen Al)schnitt ist wußtseins oder den absoluten Wert zugleich auch analytisch als
zu erinnern, daß das transzendentale Bewußtsein als das primi- absolute Anschauung bezeichnen. In polarer Er-
tive Weltprinzip nicht etwa bei niedrigen Bewußtseinsindividuen gänzung zu ihr steht das Prinzip des Unbewu ß t e n, welches

in seiner größeren Keinheit vermutet werden dürfe; denii wenn- das Wesen der Welt ausmacht und in jeglichem aktiven Ver-
gleich der Seeigel weit w^eniger mannigfaltige Erfahrungen in halten endlicher Bewußtseinswesen zum Ausdruck gelangt. E^
der Welt macht als der Mensch, so ist er doch im erkenntnis- v.'ird in seiner klaren Gestalt erfaßt unter dem Begriff des

theoretischen Sinne kein hesser verständliches Wesen als dieser. ^ Denkens, welches in der Welt sich selbst erkennt, indem es den
Beide Organismen sind Zentren des transzendentalen Bewußt- unbewußten Gegenstand, das Ding oder das Gedachte, als deren
seins; der Seeigel besitzt jedoch dieses Bewußtsein viel mehr als eigentliches Prinzip betrachtet. Das materielle Ding oder der
leere, von uns erkannte Möglichkeit, als daß er es wirklich er- tote Gegenstand ist der unbewußte Inhalt eines ebenso un-
58 59 —
bewußten, d. i. anschauungslusen Deiikaktes, der von seinem ob- Ziehung kennen zur dritten und vierten, nämlich in einer Be-
jektiven Inhalt nur dadurch sich unterscheidet, daß er in sich ziehung der Wertverwandtschaft bzw. der polaren Antagonie,
außer sich selbst, dem Ding, noch An- ein Bewußtsein, die V blieb noch übrig, ihr Verhältnis zur Schein funktion fest-

,schauung der Eigenschaften des Dinges, entdeckt. Was nun zusetzen ; dieses kann nur gedacht werden als Möglichkeit des
Raum und Zeit betrifft, so sind sie weder reine Anschauungen gegensätzlichen Zusammenbestehens. Das gleiche Verhältnis waltet
noch reine Gedaehtheiten, sondern beide Polprinzi])ien durch- zwischen der dritten und vierten Funktion, wodurch dieser Er-
dringen sich in ihnen derart, daß beim R a u m als der Er- wägung für jetzt Genüge getan sei.

.Scheinungsfunktion die Anschauung wesengebend ist,

während diese bei der Zeit nur hervortritt, um deren eigent-


.^ ü. Die Dimensionen von Raum und Zeit.
liches Wesen, das G e d a c h t s e i n, zu verbergen. Das Ding im
Raum nennen wir in seiner allgemeinsten Form Materie: •1
Eine dem Denken gemäße Erklärung des Aufbaues dieser
sie will, daß man von den Anschauungsbestimmungen des beiden polaren Spaltungsteile des transzendentalen Bewußtseins
Raumes absehe und bloß ein Gedachtes bewahre. Das Bewußt- muB von der aufgewiesenen Sechszahl der Weltprinzipien aus
-4
sein in der Zeit ist die individuelle Erlebnis reihe; in ihr vorgenommen werden. Sie kann die Tatsache, daß wir geneigt
wird das Denken der Zeit durch die Anschauung ihrer Erfüllt- sind, die Zeit unter dem Bilde einer geraden Linie und den
heit unmerklich gemacht. Anschaulich. Bewußtes ist also so- Raum durch das dreiachsige Koordinatens3^stem darzustellen,
wohl im Raum als in der Zeit auffindbar ; doch stets ist es jenem niclit als Ausgangspunkt gebrauchen, sondern sie wird diese
das begrifflich Angemessene, stellt aber bezüglich der Zeit nur Gegebenheiten mit zu den Zielen ihrer erkennenden Betrachtung
deren Überwindung durch den Gegensatz dar. Das aktive Prinzip zu zählen haben. Das transzendentale Ich ist die abvsolute Be-
hingegen tritt in der Zeit adäquat auf, während die Erfüllung ziehung ( ) : indem sich diese nach dem Gesetz der
deii Raumes durch eine wirkende Materie lediglich als die Para- Tetranomie das Sein oder dem Sein inVerbindung unterordnet,
lysierung von dessen Anschaulichkeit durch das Denken begriffen entstehen ^it und Raum als Prinzipien, die in sich selbst

werden kann. Man darf also nicht Raum und Zeit mit er- sowohl die Negation der Beziehung als die Position eines ge-
fülltem Raum und erfüllter Zeit verwechseln : die l)eiden trennten Ansichseins besitzen müssen. Beim Räume, dessen
letzteren Prinzipien der Materie und der ( i eigentliches Wesen in der positiven Anschauung besteht, wird
Erlebnisreihe sind
vielmehr als die Stellvertretungen des Denkens und der An- die negative Denkfunktion sich in einer beiläufigeren Art kund-
schauung in Raum bzw. Zeit zu definieren. Daß dies ein meta- geben müssen als bei der Zeit, deren eigentümlicher Charakter
physisches Erfordernis ist, daß also Raum und Zeit auch als eben in Jener Denkbeziehung zum Ausdruck gelangt. Beim
erfüllte müssen erfahren werden können, und daß die Er- Räume nun unterscheidet das Bewußtsein vor allem andern diese
scheinungsfunktion gerade mit dem negativen Begriff, die zwei Bestimmungen: daß er ein Rechts und Links als anschau-
J^cheinfunktion aber mit dem Wert in Verbindung stehen müsse, lich voneinander geschiedene Vorbedingungen der Flächenwahr-
folgt aus der Zweiheit des kontradiktorischen Gegensatzes, der nehmuns: besitzt, und daß dieses Rechts und Links als seine

>päter noch auseinandegesetzt werden soll (II jj 5). Hier sei Trennung die zweite Dimension erfordert, in welcher selbst die

Beziehung, die in der Symmetrie auseinandergetreten ist, als un-


darauf hingewiesen, daß die Gesetze der Tetranomie eine Lücke
erleiden würden, w^enn nicht jede ihrer
^ 4.
geschiedene Dissoziation sich bewegt. Den getrennten Seiten
Funktionen zu jeder der
drei andern in einem genau zu charakterisierenden Verhältnis Rechts und Links der ersten oder Horizontaldimension ent-
stände. Nachdem wir aber die Seinsfunktion schon in Be- spricht als Prinzip der Trennung, ohne welches sie nicht symme-
\H

— 60 — — 61 —
trisch fireschieclen sein könnten, die zweite oder Tiefen- das Reale im Raum sich zum Denken verhält wie der erkennt-
dimension. Das Wesen des Eaiiines ist die gelöste Polarität oder n i s t h e o r e t i s c h leere Raum zu ihr selbst, nämlich als

Symmetrie den Reehts und Links, welches die zweite Dimension Quotient des dynamischen und des mechanischen Prinzips. Die
als seine Negation erfordert. Bei der Zeit unterscheiden wir Materie nändich ist mechanisches Prinzip, das heißt Prinzip
ähnlich zwischen dem Getrenntsein des Vorher und Nachher der wirkungslosen Dislokation, im Gegensatz zu nicht räumlich,
nnd deren Negation, der fließenden Zeit, die nichts anderes ist sondern ü1)erhaupt gedachten Kräften, z. B. dem Magnetismus.
als das Prinzip der Unterscheidung der getrennten Richtungen. Sie ist aT)er dynamischas Prinzip im Gegensatz zum leeren Raum
Aber bei der Zeit ist die zweite Dimension nicht die bloße Ne- als dem selbstgenügsamen Inbegriff mechanischer, also wirkungs-
oration der l)eiden Seiten, sondern sie ist die Zeit sell)st. loser oder bloß vorgestellter Bewegungen, von dem eine sich be-

Während beim Räume das Wesen seiner Anschaulichkeit in der wegende Materie nicht anders als durch den ihr insofern bei-
flächenhaften Unterschiedenheit des Rechts und Links ])rin- gelegten dynamischen oder wirkungsfähigen Charakter unter-
zipiell er^^chöpft ist und die Dissoziation in ihm seine leere Be- schieilen werden kann. Bezeichnet d das reine Denken oder Be-
ziehung darstellt, etwa durch die Aufmerksamkeit, finden wir ziehen, m die Materie und r den leeren Raum, so besteht also die
Beziehungvspol als den kontinuie-rlich.
K. A m
bei der Zeit gerade ihren
Gleichung , eine Form, die für das gegensätzliche Bei-
sich bewegenden absoluten Zeitpunkt, während die getrennten m
einandersein von tetranomischen Funktionen allgemein anwend-
Dissoziationspole schon des anschaulichen Momentes teilhaftig
Als nächstes
bar sein nmß. Darin ist das Mittelglied m vom Oberglied d
sind, das sie über ihre eigene Abstraktheit erhebt.
nur durch seine räumliche Natur unterschieden; es selbst ist
Resultat erhielten wir also die Bestimmung, (hiß der Raum
niclit der Raum: doch ist es in seinem Unterschied vom Denken
durch die Symmetrie mit der Nebenfunktion einer bezo-
durch den Raum gekennzeichnet. Dieses Verhältnis läßt sich
genen Tiefe gekennzeichnet sei, während die Zeit als absoluter
geometrisch durch die Teilung einer Strecke d darstellen, wo-
Zeitpunkt mit der sie scheinbar zur Anschauung erheben-
durch die Differenz zwischen m und d erschöpfend charakteri-
den Nebenfunktion der zwei verschiedenen Richtui^en gedacht
siert wird. Es ist also d =m+ r, welche Gleichung zugleich
werden muß. Die iVngabe wäre erschöpfend, wenn nicht sowohl
den Satz erläutert: omnis determinatio (m) negatio est (d — r).
Raum als Zeit auch als erfüllte müßten erfahren werden können.
> Da nun das Unten im Raum offenbar durch die Rich-
Diese Notwendigkeit hat zur Folge, daß das getrennte Pol])aar
tung der Schwerkraft als der materialen Seite ange- r
nicht einmal, sondern zweimal auftreten muß, da (hirch das
hörig bestimmt ist, das Oben aber nach der Seite des
Erfüllungsprinzip der Gegensatz zur Leerheit geschaffen wird.
leeren Raumes liegt, ergibt sicii nach Maßgabe des
Beim Räume tritt die Doppelheit des getrennten Paares dadurch "^
o- o l d e n e n Schnittes die Art der Getrenntheit
hervor, daß wir durch dessen materielle Erfüllung genötigt ^
beider Seiten so, daß dem Unten der größere Abschnitt
sind, außer dem Rechts und Links auch ein Oben und Unten an-
zuzuschreiben Auch bei der Zeit wird deren Erfüllung An-
ist.
zunehmen. Das letztere Paar stimmt mit dem ersteren überein
laß zur Vermehrung der Dimensionen. Wir unterscheiden
in seiner unpolaren, anschaulichen Getrenntheit: es unter-
nämlich die Begriffe des Vorher und Nachher als sym-
scheidet sich aber von ihm in seinem nichtsymmetrischen ('hn-
metrische von denen der erfüllten Vergangenheit und der
rakter. Die Art der Getrenntheit wird durch die Überlegung be-
leeren Zukunft, welche ebenso wie beim Raum dem
Gesetz
stimmt, daß die Materie das räumliche Prinzip an einem Ding
des goldenen Schnittes unterworfen sind; die Vergangenheit
als
bezeichnet. Das Ding oder die zweckbehaftete Realität ist der
Inbegriff ihrer Geschehnisse wird als länger dauernde ge-
vollständige Träger der Wirklichkeit, während die Materie als
schätzt als die noch unbeschriebene Zukunft, und zwar nach
— 62 - — 63 —
demselben ästhetischen Maß, welches der Vorstellung des Oben die Symmetrie des Subjekts selber. Der Unterschied in den
und Unten zugrunde liegt. Die Begriffe des theoretischen Vor- Dimensionen von Raum und Zeit ist also aus ihrer tetrano-
her und Nachher sind dagegen so wenig von einander unter-
y V mischen Stellung, welche der Zeit die Dissoziation, dem Räume
schieden als das Kechts und Links. aber die Anschauung als wesengebendes Merkmal zuschreibt,
Raum und Zeit bestehen also nun aus dem Dissoziations])ol, abgeleitet unter Berücksichtigung der Möglichkeit eines Er-
dem der positive als ein System von ungleichmäßigen Qua- fülltseins der beiden Prinzipien durch die Materie bzw. das Er-
dranten beigegeben ist. Da aber beim Räume die Negation un- lebnis. Wichtig ist, daß sich Dissoziationspol und Quadranten-
wesentlich bleibt, wird auch die Tiefendimension noch durch pol übereinstimmend für beide Begriffe aufweisen ließen:

ein paar getrennte Richtungsbegriffe gedacht, nämlich durch während aber im Raum die Anschauung über das Beziehen auch
ein Vorn und Hinten. Im Gegensatz dazu bleibt bei der Zeit die beim negativen Pole die Vormacht gewinnt, fällt in der Zeit das
1

Spaltung der Gegenwart in Anfang und Ende als ungeschieden Anschauliche im allgemeinen inneren Bezogensein ihrer Momente
bestehen, und auch das geschiedene Quadrantensystem wird zu ebenso auffällig fort. Für die Erkenntnis des Wesens der Zeit
einer Zweiheit reduziert, indem das Vorher mit der Vergangen- ist es fördernd, daß man sich auch bei ihr des rationalen Vor-
y. A handenseins eines Quadrantenkreuzes bewußt werde, in welchem
heit, das Nachher mit der Zukunft Auf diese
ineinsgesetzt wird.
Weise ensteht aus beiden Flügeln eine Linie, deren jeder Punkt die Vertikalachse das Vorher und Nachher scheidet, während die
durch das Denken dissoziiert ist, weil ihm nach Maßgabe der Horizontalachse die erfüllte Vergangenheit von der unerfüllten

Symmetrie und des goldenen Schnittes zwei sich widersprechende r


Zukunft trennt. Die Bewes^uns" durch die Zeit ist in Wahrheit
Bestimmtheiten zugeordnet sind. Die drei inöglichen Gegen- keine einfache, sondern eine zusammengesetzte. Sie fließt in

sätze werden unter dem Bild der Linie, die der geometrische Ort der Richtung der Zukunft, zugleich aber in der Richtung des

des negativen Poles ist, vereinigt. Beim Räume hingegen wird 1 Nachher; daß uns beides als identisch vorkommt, bedeutet eine
die Homogeneität dadurch erreicht, daß auch das Oljen und erschwerende Komplikation der Verhältnisse. Wir werden
Unten sowie das Vorn und Hinten als symmetrischer, also an- älter heißt, wir bewegen uns in der Zeit zugleich nach rechts und

schaulichster Gegensatz erfaßt werden. Das Verhältnis des gol- nach oben; wir haben teil an der homogenen Zeitkomponente
und an einer
denen Schnittes ist hingegen sonst bedeutsam
Enthaltensein des Denkens in der Anschauung.
als ein adäquates
So entsteht das
I \i Dies ist
sie senkrecht kreuzenden individuellen Zeitlichkeit.
der Widerspruch, daß wir auf einer Linie zu wandeln
ü
räumliche Koordinatensystem der Mathematik aus der dem scheinen und dennoch stets der Gegenwart teilhaftig sind als des

Raum gemäßen t^berwindung des negativen Poles, während die Wesens dieser Linie; indem aber die Gegenwart nichts sein soll

Gerade der Zeit durch die Nichtunterscheidung je zweier l)enach- als der Übergangspunkt einer Vergangenheit zu einer Zukunft^
tarter Quadranten oder positiver Getrenntheiten als dissoziierte muß sowohl diese als jene selbst wieder denselben Widerspruch

Länge erfordert wird. Das ebene Quadrantenkreuz drückt das in anderer Form enthalten: es ist die Identität der reinen

Wesen des Raumes schon vollkommen adäquat aus, so wie die Zeit und der erlebten Zeit, deren Gegensatz wir nicht

punktuelle Gegenwart den Charakter der Zeit. Dort wird der gewahren, indem wir ihn als die der Zeit gemäße
negative Pol, hier der positive nicht umschrieben, sondern unbe- Dissoziation denken. Soll aber die Bewegung der Zeit

achtet gelassen. Jeder Punkt der Zeit ist Anfang und Ende zu- nicht widersprüchlich gedacht, sondern als Widerspruch
gleich ; er ist in seinem Wesen Gegenwart. Hingegen enthält die erkannt werden, so wird dabei die räumliche Klarheit helfen,
durch das Doppelauge anschaulich gemachte Tiefendimension indem sie lehrt, die absolute Gegenwart als den Schnittpunkt
in der Auflösung durch die Begriffe vorn und hinten nichts, als eines ebenen Koordinatensystems zu begreifen, der sich zugleich
()4 — 65

nach und nach oben bewegt, welches seine Linie bedeutet.


reclits i^
1^
Qualität und Quantität.
Bei dieser Bewegung, die auf eine r u h e n d e S ]> u r des Achsen-
Der -< Das Individuum e.i'füllt die Zeit wie die Materie den Raum;
kreuzes bezogen wird, führt er aber dieses selbst stets mit.
dem Koordinatensystem, an welchem ihn die Er- am Individuum ist es genauer gesprochen die Empfindung,
l'nnkt vermag
entrinnen. Die Zeitbewegung kann welche der Zeit einen Inhalt verleiht. Unter Qualität wird ini
kenntnis mißt, nicht zu
und folgenden das sinnlich Empfundene verstanden sein, während
also nicht ohne diese Dissoziation zwischen der Sache selbst

Sie besteht im wider- der Begriff der rechnerischen Quantität mit dem der Materie iden-
ihrer Gedächtnisspur begründet werden.
ihr Wesen. Es bleibt tifiziert wird. Hierzu besteht folgender Anlaß: Die der Tetra- I
sprüchlichen Gedachtsein; dieses aber ist

dali die unerfüllte Zeit ebenso wie die nomie des Denkens angehörende Funktion der Ordnung (>j 5)
noch darauf hinzuweisen,
ist vom Rechnen mit Koeffizienten oder empirischen Maßzahlen
Materie und das absolute Denken ein Prinzip der Wirklichkeit
Dem nach demselben Prinzip unterschieden wie der Raum von der
ist, welches aus der Welt nicht eliminiert werden kann.

Raum keineswegs zur Wirklichkeit ge- Materie. In den Begriff der geordneten Reihe muß noch die
«'eorenüber wird der leere

rechnet, sondern wie die Erfüllung der Zeit und das absoluta absolute Bezieliung des Wissens treten, um dieselbe zur Quantität
> zu machen, zu deren Wesen es gehört, daß sie vermehrt und ver-
Sein als etw^as sicherlich Irreales angesehen. Daß in Wirklich-

keit keine Zeit verstreicht, wenn die individuelle Zeit nicht mehr mindert werden könne. Quantität nennen wir daher die durch

Materie nicht die absolute Beziehung des Wissens ( ) erfüllte Ordnung


vorhanden ist, ist elx-nso undenkbar, wie (hiß die

ich sie nicht gewahrte, oder wie chiß die absolute


(
— -h), welche rechnungsmäßig benutzt werden kann zur adä-
existierte, wenn
teleologische Bestimmtheit eines organischen <piaten Darstellung der Materie, die ja selbst das den Raum
Beziehunsr oder
gedacht werden
(— -h) erfüllende Prinzip der Dissoziation ( ) darstellt.
Willens aus der Welt des Werdens entfernt
Andererseits der leere Raum zweifellos ein Seiendes r)ie Qualität verhält sich zum absoluten Wert und zur Zeit wie
könne. ist
die Quantität zur absoluten Beziehung und zum Räume. Sie ist
für das Bewußtsein, ebenso wie die zeitliche Erfahrung etwa einer
das die abgezählte Zeit erfüllende Prinzip des absoluten Bewußt-
Farbe oder eine absolut reiche Anschauung; doch sind diese
Man seins. Materie und Empfindung, Quantität und Qualität be-
drei Prinzipien niemals als wirkliche zu bezeichnen. er-
zeichnen im engeren Sinne dieselben Begriffe: im letzteren Paar
kennt also, daß unter den zur Sechszahl erweiterten Funktionen
des transszendentalen Ich drei Prinzijnen des Seins und drei
l findet lediglich die auf das Selbstbewußtsein bezügliche und auf

Zu den ersteren ge- die drei Prinzipien der Wirklichkeit und des Seins anwendbare
Prinzipien der Wirklichkeit sich befinden.
hört der Raum, zu den letzteren die Zeit. Bezüglich der Dimen- Benennung der durch das erste Paar angegebenen Inhaltlich-
h h e keiten statt. In dem uns geläufigen Begriffe der Empfindung
sionen fügen wir hinzu, daß ihre n a t u r p h i 1 o s o ]) i s c

Diese würde auf die birgt sich, wie auch in dem der Quantität, eine weitverbreitete
Behandlung hier nicht beabsichtigt war.
bisher metaphysisch Vermengung der Prinzipien. Wenn die Empfindung das ün-
wichtige Tatsache führen, daß die
Dimensionen betreffs ihres mathematischen bezogene im Bezogenen, das Seiende in der Wirklichkeit sein soll,
charakterisierten
so ist offenbar nicht zu den Empfindungen zu rechnen, was an
Charakters eine strenge Tetranomie bilden, und zwar:
sich irgend eine Beziehung des Willens oder der x\ufmerksamkeit
Hyperbol. Horizontaldim. f + +) Ellipt. Horizontaldim. ( )

darstellt. Grundsätzlich muß daher unterschieden werden zwischen


Vertikaldimensioi- , ;, Tiefendimension (-f )
sogenannten Druck-, Tast-, Organ-, Schmerz-„Empfindungen''
Indessen gehört die nähere Ausführung dieser Erkenntnis
und den in sich nicht dissoziierten reinen Qualitäten des „ich
sn einen andern Ort.
höre'\ „ich sehe", „ich rieche", usw., einem Blau, einem Tone c
66 — 67 —
und einem Süß, weich ietztere Gegebenheiten des Bewußtseins mit nicht dem bewußten, sondern dem unbewußten Pol des orga-

den ersteren durchaus nicht vermengt werden dürfen. Daß die nischen Subjekts angehören. seienden Wir werden nun die

Druckerfahrimg einen qualitativ in sich geschlossenen Cha- y < Prinzipien Wert, Qualität bzw. reine Zahl und Raum als quäl i-

rakter habe wie die Erfahrung der grünen Farbe im Gegensatz t a t V e zusammenfassen, während die wirklichen Begriffe
i

zur roten, oder meines Hörens im ganzen im Gegensatz zu Ich, Quantität bzw. Maßzahl und Zeit durch die Benennung

meinem Sehen im e-anzen, läßt sich nicht vertreten. Sondern C| u a 11 1 i t a t i v charakterisiert werden, wobei wesentlich ist,

die Erfahrungen des Druckes sowie verwandter Begriffe sind in daß die reine Zahl qualitativ, die Maßzahl aber ([uantitativ ge-

sich selbst widersprüchliche, dynamisch charakterisierte, quanti- faßt Avird. Der Begriff der Quantität bedeutet den i)issoziations-

tativer Veränderungen fähige und in ilirem Wesen dem Prinzip pol als Erfüllung der Erscheinungsfunktioii und wirf! durc li die

der Dissoziation angehörige Tatsachengruppen, während etwa der l'ätigkeiten des Messens und Rechnens inhaltlich bestinni!!

Begriff einer Farbe oder eines musikalischen Tones von diesen Diese sind wesentlich abzugrenzen gegen das Prinzip der reinen
V
Gegebenheiten dadurch prinzipiell unterschieden ist, daß er eine Zahl. d. h. dem konträren Erfüllungsprinzip des positiven Poles

besondere Konstante von Apperzeptionen des Bewußtseins be- in der Scheinfunktion, und des Abzählens, welches diese letztere
Empfindung ausmacht, un-
V Y selbst darstellt. Die der Rechnung zugewiesenen Gebiete sind die
zeichnet, welche das Qualitative der
abhängig davon, ob innerhalb seiner selbst quantitative Abstu- Begriffe der Zeit- oder Zahlenreihe, der materiellen Bewegung

fungen vorgenommen werden mögen oder nicht. Die Farbe Rot und der dynamischen Grundlage der Wirklichkeit. Denn indem
ist von der Farbe Grün nicht nach derselben Kegel unterschieden das Denken oder das dynainisch-teleologische Prinzip zum Rech-
wie ein Druck a von einem Druck b, sondern durch eine der nen wird, muß es außer sich selbst auch das Prinzip der ab-
quantitativen Ableitung sich unzugänglich zeigende Bestimmt- strakten Zeit und das der Raumerfüllung beherrschen können,
heit des bewußtseinsimmanenten Soseins; ein Moment des bei weil es durch seine zahlenmäßige Festigung nichts an sich selbst,

sich bleibenden Bewußtseins liegt jeder qualitativen Erfahrung also auch nicht die ihm identische Funktion der reinen Zeit ver-
unverkennbar zugrunde. Mag es auch helle und dunkle, dichte lieren kann, durch die arithmetische Determination außerdem
und zarte Rotabstufungen geben, so sind diese doch die Apper- aber auf die Materie anwendbar wird, welche nichts ist als das
\

zeptionskonstante nicht berührende Unterscheidungsmerkmale. Rechnen selbst ohne den Index des Selbstbewußtseins. Außer-
( / halb dieser drei Gebiete aber ist das Rechnen nicht anwendbar,
Ein helles Rot unterscheidet sich von einem dunkeln quantitativ
oder o^raduell; Rot aber unterscheidet sich von Grün auf eine sondern allein der Weg qualitativer Gesetzesforschung zu be-

davon schlechthin verschiedene Weise, nämlich qualitativ be- schreiten. Da die reine Zahl den absoluten Wert in der Zeit

wußtseinseigenartlich. Ebenso verhält sich das Sehen zum bedeutet, ist sie anwendbar auf das Gebiet der Sinnes(|ualitäten,

Hören nicht wie eine Menge zur andern, sondern das Begriffs- den adynamisch-geometrischen Raum und den absoluten Wert.
I
paar besteht aus zwei qualitativen Aprioritäten. Wir treffen Doch der Begriff der „Anwendung" verliert bei der qualitativen

eine klare Unterscheidung, indem wir festsetzen, daß Jede qua- Seite seinen Sinn, weil die reine Zahl als passives Prinzip nicht

litative Erfahrung ein eigentümliches, apriorisch vorhandenes zum Werkzeug aktiver Verhaltungen gemacht werden kann.
Moment des Verstehens einer Erfahrungstatsache enthält, Man sagt daher richtiger: Absoluter Wert, reine Zahl bzw.
während quantitative Beziehungen, etwa Druck, Hunger, Sinnesqualität und geometrisches Raumgebilde sind Qualitäten.

Schmerz solche Bewußtseinskonstanten innerhalb ihres Pro- Das Rechnen als Prinzip einer Wirklichkeit kann angewandt
zesses nicht besitzen, sondern nur quantitativ vermehrt und ver- werden; die Qualität als Prinzip eines Seins kann nicht im Ge-

mindert werden können, weil sie in ihrem zwiespältigen Wesen schehen eine Rolle spielen, sondern verbleibt überall in sich

5*
-

— 68 — — 69 —
selbst. Eine ((ualitative Gesetzesforschung ist nicht eine x\n-
Menge von einer größeren Menge, sondern wie ein
bloß wie eine
wendimg der Qualitäten, sondern die Aufwe i s u n g der in
Individuum von einem andern; ebenso sind Kreis und Ellipse
diesen selbst liegenden Seinsangaben. Diese Aufweisung wird > qualitative Gebilde, nicht weniger als die Farben. Die messende
dadurch zu wissenschaftlicher Gesetzesbildung, daß der Begriff
oder quantitative empirische Forschungsart wird also durcb
der reinen Zahl und des geometrischen Raumes in den ^littel-
eine (lualitative Wissenschaft ergänzt, welcher das ganze Gebiet
punkt der Qualitäten forschung gestellt wird. Der absolute Wert
der mathematischen Bewußtseinsgrößen mit ausdrücklicher Be-
ist an sich das Transzendente, welches nur durch seine Geyen-
rücksichtigung der Empfindungen zugewiesen ist. Sie ist nicht
wart in der Form der Zeit der Analyse erreichbar wird. Schon die %

durch die Anwendu n g eines sich selbst fremden Prinzips


i

Pythagoreer wiesen darauf hin, daß auch die Sinnesempfin-


auf die ihm gemäßen Gebiete gekennzeichnet, sondern durch eine
dungen einer zahlenmäßigen Gesetzlichkeit unterliegen, und
Ausforschung der stets bei sich selbst bleibenden Mannig-
waren bestrebt, aus der Sinnlichkeit die Zahl als ihr eigentliches
faltigkeit der Qualitäten nach dem Sinn, der ihnen für ein end-
Wesen herauszustellen. Für das Forschen ist die Vorstellung,
liches Bewußtsein harmonisch innewohnen muß. Während die
daß die Zahl in der Qualität verborgen gewiß eine l)rauch-
bare.
liege,

Erkenntnistheoretisch begründen läßt sich aber das Gesetz


V sogenannte
eine
Anwendung der Mathematik auf die Natur stets nur
Anwendung des Rechnens bleibt, gilt es in der qualita-
von der Eationalität der Sinneswahrnehmung nur dadurch, daß
tiven Wissenschaft, die reine Zahl nicht etwa anzuwenden, son-
die reine Zahl selbst als Qualität erkannt wird. Nicht ein ..Ra-
dern in ihrer Identität mit dem die Zeit erfüllenden absoluten
tionales'' findet sich durch geheimnisvolle Weltordnung im
Prinzip, dessen Denkform sie ist, sowie mit dem geometrischen
„Irrationalen" gebannt; sondern es muß eingesehen werden, daß
Raum durchweg darzutun. In andern Worten: Wir müssen die
solche gebräuchlichen Unterscheidungen einer metaphysischen
Mathematik, das ist die Wissenschaft vom reinen Raum und von
Kritik nicht standhalten. Denn die Zahl wie die Sinnlichkeit
der reinen Zahl, nicht nur in uns€^rn Figuren und Nummern
mögen nun rational oder irrational genannt werden: wesentlich
belassen, sondern nachweisen, daß ihre qualitative Mannigfaltig-
ist dies, daß sie beide zur qualitativen Seite der Weltprinzipien
keit wie in der Erscheinung, so auch im positiven Begriff, dem
gehören; das Absolute erfüllt durch die Sinnesqualitäten die Be-
absoluten Bewußtsein, das uns in den Empfindungsqualitäten
ziehung, die wir Zeit nennen, es wird zur reinen Zahl, wenn das
Zugang] icli wird, vorhanden ist. Von der Mathematik als dem
Denken erkennt, daß die Qualitäten ihm als dem transzenden-
allgemeinen Organon der Naturphilosophie haben wir an dieser
talen Bewußtsein angehören, und es findet sich als adynamischer
Stelle nicht zu handeln. Es mußte nur betont werden, daß
Raum in seiner Erscheinungsfunktion wieder. Die Zahl steckt
durch die A^ermengung quantitativer und qualitativer Prinzipien,
nicht in den Qualitäten, sondern die Qualität befindet sich auch
die nicht zuletzt durch die nach äußeren Merkmalen geschehende
dort,wo sie nicht gesucht wird, weil man da.« betreffende Prinzip
Abschließung des Zahlenmäßigen gegen die seienden Gesetze der
mit dem praktischen Abzählen, Rechnen und Messen von Koeffi-
Erfahrung begünstigt wird, ein Unrecht geschieht, welches in
zienten verwechselt: in der reinen Zahl. Diese ist nicht in den
mehr als einer Hinsicht von unerwünschten Folgen begleitet
Qualitäten enthalten, sondern sie ist Qualität in ihrem
sein nuiß.
eigensten Wesen. Man darf bei der reinen Mathematik nicht
übersehen, daß sie, so seltsam es vielleicht scheint, sich vorzüglich
mit Qualitäten beschäftigt, was vor allem von Geometrie und § 8. Das Realitätsproblem.
Zahlentheorie, aber auch von der algebraischen Funktionen
Dies ist auch der Fall gewesen in der so bedeutsamen Frage
lehre cnlt. Die Zahl 5 unterscheidet sich von der Zahl 6 nicht
nach der „Realität" odÄ „Idealität" der „Welt". Wenn es das
— 70 — — 71 —
kennzeiclinet, schiefe Fragestellungen der seiendes Erscheinungsf aktum" diese beiden Antworten sind nur
Denken nicht weniger :

Philosophie nicht beantworten zu können, als gute Frage- Beispiele von falschen Argumentationen, wie sie in noch mancher
stellungen selbst aufzuwerfen und dann ohne Hemmnis zu be- andern Form aufgetreten sind. Gefährlich sind weiter die

antworten: so muß man, wie uns dünkt, die meisten Er- Lehren, auch das Seiende sei irgendwie wirklich, oder auch das

örterungen über die „Existejiz^" der „Auliienwelf' nicht wollen Wirkliche sei seiend. Gänzlich verwirrt w^erden wir schließlich,

verstehen können, weil sie von Problemstc^llungen ausgehen, deien . Avenn jemand behauptet, die Welt sei eine „Erscheinung", weil

Lösungen undenkbar sind, weil ihr Inhalt unf ragbar ist: denn sie durch Nervenreize bedingt sei „und" weil die Zeit und der
er setzt voraus, daß man über zwei sich widersprechende Raum bloße Beziehungen darstellten, denen kein Sein zukomme;
Prinzipien die gleiche Antwort geben kiinne. Der kritischen oder wenn jemand die „Idealität" der Welt ausmachen würde,

Untersuchung der allgemeinsten Frage dessen, was man Ei*- ohne anzugeben, ob mit diesem Wort deren selbstbewußtes Be-
kenntnistheorie nennt, muß eine logische Sel])stbestimmung des zogensein, d. i. deren Wirklichkeit, oder das Gegenteil, ihre im

Geistes notwendig vorausgegangen sein, deren Resultat das Bew^ußtsein selbst seiende Unbezogenheit, bezeichnet werden
Funktionsgesetz ist, das heißt die Wesensunterscheidung eines solle. Für die kritisch scheidende Lösung besteht nun darüber
positiven und negativen Poles im negativen selbst, sowie die Er- kein Zweifel: Nicht alles in der Welt gehört zur Welt: die Welt

kenntnis des negativen Poles als des Prozesses, dessen Ideal als Dissoziationsprinzip enthält sowohl sich selbst als ihr Jenseits

außer ihm liefift. Auf diese Weise werden Sein und Wirk- als ihre Funktion. Das Wirkliche allein ist wirklich : daher ist

lichkeit als polare Prinzipien einander gegenübergestellt, so daß z. B. die Empfindung nicht wirklich, sondern seiend. Die Farbe

die absolute Wirklichkeit durchaus niclitseiend, (bis absolute Sein rot kann niemals wirklich sein ; diese Festsetzung bedeutet nichts

aber durchaus nichtwirklich ist. Nun sahen wir. wie dann eine Unerhörtes, sondern konstatiert lediglich die Tatsache, daß der

Durchkreuzung der Prinzii)ien zur Tetranomie erfolgen muß, apperzeptive Eindruck „rot" dem bewußten Pole des Bewußtseins

durch deren Gesetz wieder eine Erfüllung- der formalen angehört. Dieser Stein ist etw^as Wirkliches, gehört als Welt

Prinzipien durch andersseitige Inhalte gefordert wird. So ent- zur Welt; aber seine bloß wahrgenommenen, nicht durch Be-

stand die Sechszahl der ursprünglichsten erkenntnistheoretischen ziehung gesetzten Merkmale, etwa seine Farbe, gehören als

Grundprinzipien, deren jedes einzelne einer Eigenart teilhaftig Jenseits der Welt zur Welt, gehören also ihrem Wesen nach nicht
ist,
( f
die durch nichts anderes ausgedrückt zu werden vermag. Eigent- zur Welt. Es ist sehr von Be<leutung, daß man sich klar mache,

lich besteht also die Realitätsfrage aus sechs getrennt zu be- wde vieles, das wir erfahren, gar nicht zur Wirklichkeit gehört.

handelnden Teilen. Durch deren Zusammenfassung zu einer Alles Anschauliche ist schlechthin nur als bewußter Pol im
qualitativen und quantitativen Seite wird indes wieder ein Bewußtsein; und nur das Gedachte und Bezogene ist die Welt

wesentlicher Dualismus geschaffen, der einen gesclilossenen Aus- oder das Existierende. Die Welt ist nicht Sehen, Hören, Riechen,

gang der Untersuchung ermöglicht. Das Qualitative ist wesent- sondern Beziehung; die Empfindungen gehören gerade nicht zur

lich seiend, aber nicht wirklich : das Quantitative ist wesentlich Welt; aber sie sind. Was hingegen das Existierende betrifft,

wirklich, aber nicht seiend. Nehmen wir als Vertreter der so ist es dem Selbstbewußtsein oder dem transzendentalen Be-

Qualität die Empfindung, als Vertreter der Quantität die Materie wußtsein identisch; es ist die in sich selbst zerspaltene Be-

und das Ding, so stehen wir vor oft behandelten Fragen. ,,Die ^ wegung des Denkens, die als Funktion des beliebigen endlichen

Empfindung ist etwas bloß Subjektives; also ist die ganze Welt Bewußtseins jedem einzelnen Bewußtsein als die Welt, in der es

ein unwirkliches Nervenphänomen"; ,,die Materie und das Ding lebt, er fahrbar wird. Wenn wir die Welt als Funktion des trans-

sind etwas bloß Gedachtes; also ist die ganze Welt ein nicht- zendentalen Bewußtseins kennzeichnen, so heißt dies gerade, daß
72 73

sie nicht die Funktion des absoluten Bewußtseins ist. Das eines jeden Druckbewußtseins. Die ersten, welche eine Seite
transzendentale Bewußtsein ist vielmehr sein negativer Pol. Die der erkenntnistheoretischen Grundfrage richtig beantw^orteten,
-(
Empfindungen aber sind Bewußtseinsweisen, die also dem sind die Eleaten, welche der Bewegung das Sein absprachen. Die
positiven Pol des transzendentalen Bewußtseins, oder dem end- Wirklichkeit der Bewes-unff wird W'ohl noch niemand ernstlich be-

lichen Bewußtsein, sofern es anschaut, eigentümlich sind. Der zweifelt liaben; es ist daher das Verdienst jener Denker, zum
Satz „Die Welt ist Bewußtseinsphänomen'' ist daher in seiner erstenmal das Sein von der Wirklichkeit getrennt zu haben, wenn
bloßen Aussage gar nicht verständlich. A^ielmehr lautet er in auch ihre Aussagen im einzelnen mangelhaft sein mögen. Den
genauer Formulierung: „Die Welt als Inbegriff der Existenz ist Gegensatz von Sein und Wirklichkeit kann man nicht leugnen, da

Funktion des transzendentalen Ich oder des Unbewußten ; da er uns im Gegensatz von in sich vollendeter Empfindungsqualität

dieses aber den bewußten Pol in sich tragen muß, finden sich und widersprüchlich-greifbarer Materie unmittelbar gegeben ist.
als erfahrbare Gegebenheiten auch solche Momente vor, die dem Deshalb ist es von vornherein ein aussichtsloses Unternehmen
seienden Wesen des Bewußtseins angehciren; insofern gehören sie i'ewesen. wenn man versuchte, in der Form von Gottesbew^eisen

aber nicht zur Welt, das heißt zum Inbegriff allgemeingiltiger ^ die Existenz des absolut Seienden darzutun. Das absolut
Bezogenheiten, sondern zur Nichtweit. Alle Bewußtseine leben Seiende, welches num Gott nennen kann, weil es der Inbegriff

in derselben Welt; jedes Bewußtsein hat aber die Möglichkeit des transzendentalen Wertes oder reinen Bewußtseins ist,

einer besonderen Nichtweit. Diese ist in ihrem Wesen An- existiert gewißlich nicht; denn w^enn es existierte, so wäre es

schau unir, während die Welt die Identität des Denkens bedeutet'*. insofern nichtseiend. Die Nichtexistenz ist also nicht ein Mangel,

Die Festsetzung, daß alle Wirklichkeit Denken sei, ist also nicht sondern der wesentlichste Vorzug, ohne welchen die Gottheit
eine Seite der widersprüchlichen Behauptung, die Welt sei überhaupt nichts wäre. Gott existiert so wenig, wie das Blau des
irreal, sondern betont gerade die Realität der Welt. Und die reinen Himmels; aber eben darum ist er das absolute Bewußtsein,

Anschauung, bedeutet nicht, das und nicht unbewußte Beziehung. Gott ist gewißlich keine
Aussage, das absolute Sein ist

Wahrgenommene sei eigentlich die rechte Wirklichkeit, sondern Person; denn sonst müßte er an einem auffindbaren Orte sein,
sie betont gerade dessen wertvolle Irrealität. Nun sind das und beschränkt durch das Unbewußte wie ein endliches Bewußt-
Anschauung (+ +) Der bewußte Organisnms nicht das Prinzip des Be-
absolute Denken ( ) und die absolute ( i sein. ist

außer durch Materie und Empfindung durch die formalen wußten, sondern des Unbewußten, welches das Seiende als seine
Prinzipien Raum ( h) und Zeit (H ) vertreten; was für Funktion findet. Daher ist es kein Mangel Gottes, keinen Körper
diese gilt, wurde schon besprochen. Wir sahen, daß keines von zu haben, sondern ein Vorzug. Gott ist nicht allmächtig; denn

beiden nur dem einen Pole zuzurechnen wäre, und daß beide, Avenn er es wäre, müßte er auch über seinen Gegensatz mächtig
trotzdem sie sicherlich in Parallele gestellt werden müssen, doch sein und wäre also der negative Begriff, als w^elcher er nicht

nicht als gleichartige, sondern als polare Begriffe einander ver- definiert ist. auch nur mächtig, so müßte er etwas
Wäre er

wandt sind, so daß der leere Raum in seiner anschaulichen beherrsche n können so müßte er etwas t u n können so
; ;

Symmetrie als seiend oder nichtwirklich beurteilt werden soll, müßte er etwas haben können. Zu alledem müßte er nach
während die Zeit der Seite der Realität zugehört. Die Zeit ist Art des negativen Begriffes von sich selbst abgefallen sein. Gott

definiert als psychisches Momentan- oder Beziehungsbewußtsein; ist wahrhaft seiend als reine, körperlose und zeitlose Anschauung;
was die Zeit sei, erfährt man, indem man versucht, sich das er ist weder aktiv noch denkend noch selbstbewußt aber all dieses ;

unmittelbare Jetzt klarzumachen. Sie ist die Dissoziation in Nichthaben ist ein Vorzug. Das absolute Bewußtsein ist, so
ihrer speziell psychischen Erfahrung und besonders das Wesen sicher als die Welt existiert. Die Frage des Realitäts-
11

74 — iö

Problems ist zugleich entscheidend für die Bestimmung des jedes theoretische Denken notwendigerweise beherrscht; von
Ideales, dessen Prozeß die Welt ist. Diese an sich selbst ( -) welchen Gegenständen auch geredet werden mag: stets wird das
ist absolute teleologische Beziehung oder Denken, wobei der
y y;
Denken nur dann sich selbst verstehen, wenn es von der Behaup-
Widerspruch, der sich in diesem Begrift' befindet, nicht philo- tung einer grundlegenden Dichotomie als seiner tiefsten Absicht
sophisch aufgelöst, sondern nur konstatiert oder in widersprüch- die Kraft schöpft, sich einem Gegenteil zu widersetzen. Man
licher Philosophie abgebildet werden kann. Inwiefern das braucht die überragende Bedeutung des festgelegten Urgegen-
Realitätsproblem auch eine geschichtsphilosophische Bedeutung sötzes für irgend ein Bewußtseinsverhalten nur eines Blickes zu
erlangt, soll einer der nächsten Abschnitte zeigen. In diesem würdigen, um einzusehen, daß auch der Inhalt eines Systems
jedoch sei vor allem der prinzipielle Gegensatz von Sein und von Urteilen über philosophische Gegenstände vor allen Dingen
Wirklichkeit der Beachtung empfohlen, ein Gegensatz, den wir in durch die prinzipielle Trennung beeinflußt ist, welche dem
seinen mannigfachen Beziehungen für einen sehr wichtigen lialten Svstem als dualer Ausdruck von dessen letzter Absicht auch die
müssen. erste Grundlage verschafft. Desgleichen ist unschwer zu ver-
>- stehen, daß jede einmal festgelegte Urteilung alle übrigen Gegen-

§9. Die prinzipielle Trennung der sätze ihrer eigenen Meinung gemäß auf ihre beiden Pole verteilt,

Erkenn tn s i 1 e h r e.
ohne auf die spezifische Eigenart der neuen Gegensätze, welche
diese möglicherweise ja auch zu einer Urteilung geeignet er-

Die Stellungnahme bewußter Organismen zu irgendwelchen scheinen lassen könnte, die mindeste Rücksicht zu nehmen. So
an sie herantretenden besonderen Erfahrungen ist wesentlich kann ein Arzt, der von der Urteilung in gesunde und kranke
bedingt durch den Inhalt eines polaren Begriffspaares, das von Menschen sich beherrschen lassen muß, insofern keiner einzigen
dem betreffenden Subjekte als das für seine Zwecke wurzel- andern Teilung einen wesentlichen Einfluß auf sein Denken ge-
hafteste beurteilt wird, weil dieses Begriffspaar die Eigenart des statten ; er wird z. B. nicht unterscheiden zwischen musikalischen
Zweckes durch seine Vorausgesetztheit allein begründet. So und unmusikalischen Menschen, sondern die Glieder der letzteren
beruht das Aufsuchen der Lust und fliehen der Unlust darauf, Dichotomie bloß als nebensächlichen Index seiner Urteilung bei-
daß dieses Begriffspaar in den l)etreff'enden Fällen als das zugeben vermögen ; er bleibt dabei, daß er als Arzt nur entweder
Wesentliche aufgefaßt wird, während andere Entgegensetzungen, gesunde oder kranke Menschen kennt. Jede dieser beiden
etwa des Gebotenen und Verbotenen, jenem gegenüber belanglos Gruppen mag nach einem andern Prinzip in musische und un-
bleiben. (Daß es sich bei unserer Feststellung nicht um die Be- musische zerfallen: das ist ihm unwesentlich. Die Urteilung
hauptung eines psychisch sich kundgebenden Rationalismus im des wollenden Zweckes zerlegt die in Frage kommende Welt
affektiven Verhalten der Organismen handelt, sondern um die ein für allemal in zwei Teile, die allen fremden Teilungen eine
Analyse der psychologischen Tatsache in Bezug auf das ihr meta- wirkliche Kraft nicht mehr zuschreiben kann. Jeder Zweck ist
physisch zugrundeliegende Schema, ergibt sich aus dem Zu- gegen die ihn kreuzenden möglichen andern Zwecke gänzlich un-
sammenhang.) Oder es ist für den aussagenden Menschen in duldsam oder unempfindlich.
der Regel die Dichotomie von richtigund unrichtig die gründ- So wichtig nun die Urteilung des Zweckes in jedem Tun be-
während etwa der Gegensatz von schön und häßlich zwar
lichste, urteilt werden muß, so schädlich wird es auch sein, wenn über
demgegenüber immer noch der Anerkennung nicht verlustig jene Urteilung eine Klarheit nicht gewonnen ist. Dieser Fall
geht, jeodch mit einer nebensächlichen Bedeutung sich zu be- tritt zwar praktisch selten ein; der Arzt z. B. wird niemals in Ge-
scheiden hat. Eine wurzelhafte Zweiteilung ist es auch, die fahr kommen, seine Urteilung zu verkennen oder mit andern
.

— ii —
76
Werte. Die Urteilung der Wissenschaft erkennt von allen
Zwecken aus Irrtum zu verwechseln. Wohl aber besteht diese
innerhalb der Welt bestehenden Gegensätzen keinen als wesent-
Gefahr für den Philosophen in hohem Maße. Dieser hat sich V _ y lich an, sondern unterwirft sie alle der Wahrheitsfrage von W^ert
wegen der durchgreifenden Folgen, die das Begriffspaar des
oder Unwert unter transzendentalem Gesichtspunkt. In andern
Zweckes für alle Aussagen im einzelnen nach sich zieht, nicht so
Worten: Die Urteilung der Wissenschaft ist die des bewußten
.>ehr dem Ganzen nicht ver-
vor Einzelirrtümern zu hüten, die

Poles vom unbew^ußten : des + vom
derblich werden können, als in Bezug auf die Erwägung des
Nun ist nichts leichter, als daß man diese prinzipielle Tren-
Zweckes seines Tuns die äußerste Behutsamkeit in Anwendung
nung entweder mit andern ganz und gar verwechsle oder
zu bringen. Ein Mangel der Zweckbestimmung verhält sich zu
wenigstens im einzelnen durch den Einfluß fremder Gesten-
einem Einzelirrtum wie die tödliche Verletzung des Herzens zur
satz])aare entstelle. Deshalb ist es nötig, daß wir sowohl fest-
leichteren Verletzung eines Körpergliedes. In der Philosophie
setzen, unter welchen Begriffen sich die Urteilung der Wissen-
nun ist ein Irrtum möglich sowohl })ezüglich der Feststel-
schaft darstellen läßt, und mit welchen die Gefahr einer irrtüm-
lung ihres Zweckes als auch bezüglich dessen unvermischter
Wir haben
lichen Vermeneune- besonders naheliegend erscheint.
F es t h a 1 1 u n g. Von der prinzipiellen Trennung, die das A iresehen,daß bewußter und unbewußter Pol der Welt sich durch
Denken für die Erforschung der Wahrheit bestimmt, ist näinlich
die Bestimmung unterscheiden, daß nur der letztere Prinzip der
zu verlangen, daß sie nicht mit fremdartigen Dichotomien ver-
realen Existenz genannt werden könne, während der erstere dem
mengt werde. Wir machen die Festsetzung, daß die Erforschung
wahrhaften Sein angehört. Wir fanden auch, daß der negative
der Wahrheit einem Zweck entspringe, der durch keinen andern
Begriff', da er keinerlei Sein darstellt, als bloße Beziehung
Zweck zur Nebensächlichkeit gemacht werden kann; gäbe es
zwischen seienden Größen aufgefaßt werden müsse; und wissen
einen höheren Zweck, so würden wir den Zielpunkt des niedrigen
vom Anfano- her. daß die Ichraumzeitlichkeit als das wesentliche
nicht mehr mit der Bezeichnung Wahrheit belegen; die soeben
Merkmal ebendieses Begriffes aufzustellen ist. Der Gegensatz
gemachte Anirabe enthält also nur eine Kominaldefinition von
des Negativen und Positiven wird daher in philosophischen Dar-
raiserer Seite. demnach auf
Die Wahrheitsforschung beruht
leg-un^en dem besonderen Gegenstand entsprechend häufig auf
einem Zweck, dessen grundlegende Bedeutung von keinem andern
folgende Begriffspaare sich reduzieren lassen: Erstens auf den
Begriffspaar ersatzweise vertieft werden könnte. Xennen wir > Willen gee-enüber dem Nichtwillen oder der vorstellenden
alle Zwecke, bei denen das letztere möglich ist, relative besitzen wir eine
Zwecke, so ist für die Bezeichnung der Absicht der Wahrheits-
A n s c h a u u n g. Denn in dieser Trennung
Angabe, die im Gebiet des Psychologischen die volle Bedeutung
forschung der Terminus des absoluten Zweckes anzuwenden.
der Urteilung hat, weil das Unbew^ußte als psychische Tatsache
Der absolute Zweck der Wissenschaft ist nun durch kein anderes
nicht anders als durch unsern Willen erfahrbar, sein Gegensatz in
Begriffspaar ausdrückbar als durch dasjenige, von welchem
t der Erfahrung aber stets nur durch die Anschaulichkeit psy-
allein gesagt werden kann, daß es die fraglos unbezweifelbare
chischer Inhalte gegeben wird. In der Tat ist in sehr vielen
und grundlegende Würdigkeit für die ganze Welt besitzt, weil
Problemen des Denkens die Entgegensetzung von Willen, sow4e
es selbst den Inbegriff der Welt darstellt: die aus dem Selbst-
alles auf ihn Bezughabende, und Vorstellung die
allein licht-
bewußtsein deduzierte Urteilung des Wertes. Daher ist zu er-
o-ebende, während andere sie durchkreuzende Gegensätze nur Irr-
kennen: die Wahrheitsforschung geht von dem absoluten Wert-
tümer vorzubereiten vermögen. Derselbe Gegensatz wird darge-
gegensatz der beiden Weltpole als ihrem zwecksetzenden Funda-
stellt durch das Begriffspaar biologisch und (wesentlich)
mentalprinzip aus. Wahrheitsforschung ])edeutet demnach nichts
interesselos, wobei unter Prinzipien biologischer Wesens-
anderes als die Feststellung und Nach Weisung absoluter
;

I i

\i

- 78 — — 79 —
art alle solchen zu verstehen sind, die entweder bestimmt oder be- Sozialen ausgehen, eine für die Wahrheitsforschung in letzter
liebig eine raumzeitliche Determination voraussetzen. So kann es Hinsicht sinnlose Frage. Denn sow^ohl das biologisch Einzelne
z. Handlung geben, die nicht biologiscli zu nennen wäre;
B. keine als das biologisch Allgemeine gehören der praktischen Seite des
denn Handlungen sind notwendig die Äußerungen eines einzelnen Denkens an; eine richtige Fragestellung hätte sich vielmehr auf
Organismus oder des sozialen Willens. Drittens sei ausdrücklich die Begriffspaare Wille — Vorstellung, abstrakt — anschaulich,
der Gegensatz erwähnt, der durch die Definition der Wissenschaft beziehungsvoll — unmittelbar, biologisch — wissen- interesselos,
als Wahrheitsforschung als selbstverständlich sich ergibt: das I
schaftlich — praktisch, wahrheitserkennend — instinkthaft zu
Begriffspaar praktisch und wissenschaftlich. Alle beziehen, wobei in der Kegel das Tatsächliche sowohl w^ie das
Verfahrungsweisen, die einen andern Zweck erstreben als den iVllgemeine eine den Willen, das heißt eine mögliche Handlung,
absoluten, nennen wir praktisch, mögen sie nun unter diesem betreffende Bedeutung erlangen; w^obei auch das konkrete Hier-
Namen auch sonst einhergehen oder nicht. Die Wissenschaft und -Jetztsein durchaus der praktischen und nicht der an-
hat vor allen Dingen den Wertgegensatz dadurch zu betonen, daß
^
schaulich-interesselosen Seite zufällt; wobei auch das Soziale
sie das Xichtwissenschaftliche gemäß der transzendentalen nicht interesselos, sondern biologisch genannt werden muß; wobei
Dissoziation als solches erkennend bestimmt. Wenn überall diese h^ auch das Individuell-Subjektive nicht etwa als ein Anschaulich-
drei BegrifiFspaare zur
Auffassung des Zweckes von Bewußtseins- Unmittelbares, sondern als ein Willensbezügliehes erkannt zu
verhaltungen ausdrücklich gebraucht werden, so wird ein Irrtum Vi^erden verdient. Die wissenschaftlich sich nennenden Zwecke
über den absoluten Zweck weniger leicht sich ereignen als bisher. sind heute meistens so beschaffen, daß über ihnen noch eine letzte
Die Täuschung beruht darauf, daß wir geneigt sind den trans- Urteilung als höhere angenommen w-erden kann ; in andern
zendentalen Wert mit den Begriffen, die durch irgendwelche rela- Worten, daß der Wahrheitsbegriff, der erstrebt wird, noch nicht
tive Zwecke wertvoll gemacht werden, zu verwechseln wir ; der wahre, sondern ein biologischer ist. Der letzte Zweck des
glauben oft den absoluten Wert zu gewahren, wo es sich nur um })raktischen Verfahrens ist nicht identisch mit dem letzten Zweck
einen innerhalb der Welt des Lebens wertvollen Begriff handelt überhaupt, da er stets die Existenz der Welt zu seiner Voraus-
wqr setzen gar leicht die Zwecke der Existenz an Stelle des vor- setzung zählt. Am schädlichsten wird eine falsche Zweckbe-
aussetzungslosen Zweckes der Wissenschaft. Ein falsches Be- stimmung der Wissenschaft, w^enn sie nicht nur im Denken,
griffspaar, das man zur wissenschaftlichen Urteilung besonders ) sondern im Worte selbst geschieht, wenn z. B. ein „erkenntnis-
gern zu benützen pflegt, ist das des Subjektiven und Objektiven theoretisches Subjekt" aufgestellt wird, oder wenn gesagt wird,
sow^ohl in naturkundlicher, als erkenntnistheoretischer, als
mora- das Anschauliche sei eine Vielheit in Eaum und Zeit, während
lischer Anwendung. Die so große biologische Wichtigkeit des das Begrifflich-Abstrakte diese Vielheit überwinde. Man be-
Gegensatzes des Bestimmtraumzeitlichen ( h) und des Beliebig- hauptet dabei, der positive Pol des Erkennens sei mit den Eigen-
raumzeitlichen (+ — ) hat es mit sich gebracht, daß darüber die schaften des negativen ausgestattet und beseitigt diese nun
praktisch ganz unbrauchbare, wissenschaftlich aber gründlichste durch den negativen Pol selbst ! Auf Grund ähnlicher Verworren-
Entgegensetzung des Überraumzeitlichen (+ +) gegen das Eaum- heiten ist absolute Wissenschaft, w4e man wohl sehen mag,
zeitliche (
) fast gänzlich übersehen wurde. Daher betreffen schlechthin unmöglich. Eine ganz analoge Täuschung be-
die philosophischen Kontroversen, welche von dem bekannten herrscht die Ethik, sofern sie das Soziale in irgendwelcher be-
X- 4y
Gegensatz des Tatsächlichen und Allgemeinen, Konkreten und sonderen Form mit dem Selbstlosen oder absolut Wertvollen iden-
Abstrakten, Anschaulichen und Begrifflichen, Verständigen tifiziert; sowohl individuelle als soziale Geistesrichtung sind,
und
Gefühlvollen, Vernünftigen und Sinnlichen, Individuellen als aufs Handeln angelegt, durchaus praktisch. Der- transzen-
und
— 80 — 81

dentale Unterschied des + und - kann überhaupt nicht inner-


später in einer Art und Weise auszuüben, welche die vom Schüler
halb des Gebietes des Handelns festgestellt werden, weil das
zu erwerbenden Kenntnisse verlangt; diese wieder setzt voraus,
Handeln selbst den Wirklichkeitspül dieses Gegensatzes ausmacht, V- daß man überhaupt soziale Funktionen ausüben wolle; diese
den es gemäß dem Funktionsgesetz als durchkreuzten des ( — +) wieder, daß man die Absicht und die Hoffnung habe, in der
und (H ) allerdings wieder enthält. Doch dieser letztere
Existenz zu verharren. Wir ersehen daraus das Gesetz, um
Zweck ist nicht Urteilung der Wissenschaft, da seine Setzung ohne Schwierigkeit. Jeder einzelne
w^elches es sich handelt,
nicht dem unbedingten Wert entspricht. Ein anderes ist das Zweck ruht auf einer Reihe von allgemeineren Zwecken, die
Wertvolle, einanderes das dem instinktiven Denken sich zu- um so wertvoller werden, je allgemeiner sie sind. Der
biologisch
nächst Empfehlende. Daß es zum Wesen der Wisstmschaft ge- allgemeinste Zweck, auf dem alle Zwecke des Handelns sich
höre, sich anf der Basis des im Weltgrund selbst angelegten ab-
erheben, ist die Voraussetzung der persönlichen oder ander-
soluten Zweckes zu errichten, und daß dieser absolute Zweck nur persönlichen Existenz. Es fragt sich nun, ob dieser letzte Zweck
(hirch die Entgegensetzung der Erkenntnis gegen alle j)rak-
absolut wertvoll oder auch nur komparativ wertvoll genannt
tischen Begriffsgegensätze zu erfassen ist, möge sich der Leser
werden könne. Die prinzipielle Entscheidung über diese Frage
in diesem Abschnitte haben mitteilen lassen. K ist nicht anders durchzuführen als durch Erwägung der logischen
Möglichkeit. Das bisher Gesagte läßt sich auch in der Weise

§ 10. Das absolute B e w^ u ß t s e n und der Be- i ausdrücken, daß jede Zwecksetzung den biologischen Urzweck
griff des Werte s. der Existenz in der Form der den Willen ausdrückenden Be-
t

hauptung voraussetzt: Ich habe den Zweck, einen Zweck zu


Alles Biologische ist dadurch gekennzeichnet, daß ihm als
offenbart deutlich seine dynamische
haben. Dieser Satz
Wesen die Zweiheit zugrundeliegt, die vom Bewußtsein als Zweck
Natur, da er die gründlichste überhaupt in Worten mögliche
erfaßt wird. Insofern die Erfüllung irgend eines Zweckes zur Vor-
Lebensbehauptung zum Ausdruck bringt; diese kann nur noch
aussetzung gemacht wird, nennt man den Gegenstand des Zweck-
durch eine affektive Bewegung der Glieder verstärkt werden,
strebens w^ertvoll. Doch auch die Reihe der Voraussetzungen unter-
welche wieder im tätlichen Angriff eines Gegners ihre sinn-
liegt einer beurteilenden Schätzung. Wenn nämlich die Allgemein-
gemäße Folgerung findet. Der biologische Urzweck ist aber mit
i: )
heit einer Voraussetzung zunimmt, nennen wir biologisch ur- er eine un-
dem absoluten Zweck deshalb nicht identisch, weil
teilend das Setzen dieser Voraussetzung wertvoller im Vergleich zu
endliche Reihe in sich schließt von der Gestalt: Ich habe den
solchen Zweckbestimmungen, die nur ein spezielleres Ziel des
Zweck, den Zweck zu haben, einen Zweck zu haben; oder Ich
Handelns ins Aus^e fassen. So ist nicht nur der alloemeine Be- Es liegt also im Wesen der
will, weil ich will, weil ich will.
griff der Wertschätzung auf das Ziel vorauszusetzender Absichten absolut Abschließendes
biologischen Wurzelbehauptung, nichts
anwendbar, *>;ondern aus der mehr oder weniger wurzelhaften Be- bedeuten zu können. Das aber vom
und Vernünftisres ist
deutung dieses Zieles selbst wird ein Maßstab abgeleitet zur Bewer- man könnte
absoluten Wert sicherlich zu verlangen, und höchstens
tung von Zielsetzungen. In der Reihe der Handln ngs-
daran zw^eifeln, ob es überhaupt einen solchen gebe. Der Zweifel
Ordnung, daß Jeder besondere sich auf Grund
w^erte besteht die
ward behoben durch die Einsicht von der Möglichkeit der Aus-
des ihm nächstvorhergehenden allgemeineren Zweckes erhebt.
Zum Beispiel setzt die Absicht, sich zur Schule zu bevregen, die
X sae-e: Ich habe den Zweck, keinen Zweck zu haben. Diese zeigt

die Tatsache, daß der Wille, indem er nichts anderes tut, als
andere voraus, daß man die Absicht habe, Schüler zu sein : diese
sich selbst zur alleinigen Konsequenz zu erheben, seinen Gegen-
wieder erbebt sich auf der Absicht, seine sozialen Funktionen Daß der sobestiniiaic Zweck
satz als absolut wertvollen erkennt.
;;

— 82 — 83

den gesuchten kann nicht mehr fraglich sein, da weder


darstellt, gegeben werden kann, der mehr ist, als das Streben nach einem
ein allgemeinererZweck möglich, noch in diesem selbst eine un- Streben. Der absolute Wert enthält das Ziel des Strebens, das

endliche Eeihe eingeschlossen ist. Der absolute Zweck im Suchen selbst keine Stätte hat. Daß das absolute Bewußtsein

(+ gegen ) —
steht, wie wir sehen, zum biologischen Urzweck nicht existiert, sondern seiend ist, sagt uns seine Definition,

(— gegen +) in konträrem Gegensatz; er verhält sich zu ihm, ebenso wie die des Unbewußtseins uns berichtet, daß dieses
wie die Erkenntnis zum Willen, wie der positive Pol zur existiert, aber nicht seiend ist. Man könnte nun die Frage auf-
I)issoziation ; er ist nur dem Namen nach noch ein ,, Zweck**. werfen, ob denn die Annahme solcher Prinzipien keine Über-
Nun erhebt sich die Wahrheitsforschung auf dem absoluten schreitung der dem Denken vorgeschriebenen Gesetze einschließt. I

I
Zweck; ihre erste Vorsicht hat also darin zu bestehen, sich gegen Offenbar ist dies nicht der Fall, sondern wir können im Gegenteil
den Wurzelzweck der Existenz in geziemenden Gegensatz nur denken, weil uns die Möglichkeit solcher wertenden Setzung
zu bringen. Ihr Zweck besteht nicht in einem Streben, sondern gegeben ist. Noch niemand hat bezweifelt, daß das Urteil
in einem Sein: nicht im tätigen Wirken, sondern in der mit- möglich sei: „Ich habe geschlafen". Dieses aber behaupt-et

teilenden Lehre; nicht im Interessanten, sondern in der nichts anderes, als eben einen solchen isolierten Pol, nämlich
>-
Wahrheit. Der absolute Wert ist, wie sein Gegensatz, im Welt- den negativen oder unbewußten. Seinen tiefen Schlaf hat kein
grund angelegt; dieser Gegensatz aber behauptet den negativen Mensch im Bewußtsein erfahren, ebensowenig Avie seinen Willen

Pol als Wurzel seiner Zwecke; er heißt Existenz oder ünbewußt- diese Prinzipien sind stets nur „das Dahinterliegende". W^as

sein. Auf ihm erheben sich, als auf ihrem eigentlichen Wesen, im Bewußtsein gegeben ist, sind Inhalte; Schlaf und Wille
alle relativen Werte innerhalb des vorausgesetzten Lebens. Der können aber, sofern sie sich selbst sind, nicht inhaltlich sein

absolute Wert nennt sich zwar auch einen Zweck ; er entspricht wie etwa die Farbe blau. Dennoch aber bedenken wir uns keines-

auch einer Zw^eiheit, nämlich wie das Leben der transzendentalen wegs, über solche Prinzipien zu urteilen; ja, wir bezeichnen sie

Ur-t^ilung. x\ber er behauptet nicht diese Zweiheit fort und mit vollem Eecht als existierende Eealitäten und wissen, daß,
fort, sondern setzt sich zu ihr in Gegensatz, indem er nicht das Vv^enn sogar nichts von dem, was wir erfahren können, Prinzip
Xegative der Funktionen, sondern das Positive der Substanz zu der Wirklichkeit ist, die Annahme einer schlechthin wirklichen

seiner Absicht macht. Er identifiziert sich nicht mit der > Welt dennoch das selbstverständlichste und nicht ohne die Auf-
Dissoziation, sondern er benutzt sie, um ihren positiven liebung des Denkens selbst zu bezweifelnde Urteil genannt
Pol als seinen Zweck zu bestimmen ; von der Urteiluilg ergreift werden müsse. Was aber dem negativen Pole recht ist, ist dem
er den Pol, den das Leben zurückstößt, so wie dieses denjenigen positiven billig. Zwar fehlt diesem die mächtige Fürsprache des
erstrebt, dessen Wesen es ist, nicht ergriffen werden zu können. Instinktes, der, trotzdem er sich nicht „wahr"nimmt, am liebsten

Aus der Doppelheit des spaltenden und substantiierenden Ver- nichts anderes anerkennen möchte als sich selbst, nämlich die
fahrens (g 2) ergibt sich ja, daß aus derselben Zweiheit, die Existenz, als ein Synonymon des Seins, statt als dessen Gegensatz

einem Zweck zugrunde liegt, sowohl dieser Zweck als sein Gegen- aber die logische Frage ist bei aller Verschiedenheit der natür-

teil ableitbar sind: aus der transzendentalen Dissoziation also lichen Disposition zu dem zu fällenden Urteile eine genau ent-
sowohl Existenz als Wahrheit. sprechende. Wenn alle Einzelformen des Unbewußten das Urteil
Den absoluten Wert oder den positiven Pol der Urteilung J.< eines Inbegriffs der absoluten Existenz, gegenüber den bloß
hatten wir zu erkennen als das absolute Bewußtsein. W^ir wissen, seienden Phänomenen, voraussetzen, ohne welchen apriorisch fest-

daß nicht durch Bewegungen der unbewußten Triebe, sondern gelegten Inbegriff es gar nicht möglich wäre, die Einzelformen
nur durch die Tiefe des anschauenden Bewußtseins ein Wert dessen, was wir gar nicht „erleben", als vorhanden zu apper-
6*
— -
— 85 —
84
Funktionsgesetz wieder nichts anderes bedeutet als den negativen
zipieren, so setzt auch die Wa li r n e h in u n g mittels der Sinne
Pol der beiden Komponenten: das „Leben". Das Wesen des
den Inbegriff einer schlechthin seienden qualitativ unendlich
^ absoluten Bewußtseins, welches mit dem der Existenz ja ver-
reichen Wahrheit voraus, die in der ichra umzeitlichen Erfahrung
wechselt zu werden pflegt, liegt jedoch in der Nichtexistenz, die
als Gesamtheit der anschaulichen Bewußtseinsinhalte dem
in bezug auf ehemals existiert habende Organismen Tod genannt I
Willenssuhjekt die Möglichkeit von Reizhandlungen darbietet.
wird. Auch dieser schließt die Unmöglichkeit ein, Sinnesreize
Denn unmöglich ist es, auch nur die einfachste Qualität aus dem
zu empfangen und zu beantworten. Doch wäre der Schluß, daß
Prinzip der Existenz zu begreifen, so wie es undenkbar ist, daß
darum der Tod (+ +) ein dem Schlaf ähnlicher unbewußter
die Begritfe der quantitativen Existenz sich aus Bewußtseins-
Zustand genannt werden müsse, sowohl übereilt als ungereimt.
inhalten 1)egränden lassen. Wie aber dem vorauszusetzenden
Der Schlaf ist physiologisch wirkender Wille ohne Erkenntnis;
Prinzi}) des unbewußt-inhaltlosen Willens (— ) die Spezi-
der Tod aber anschauliche Erkenntnis ohne ichraumzeitliche
fikation in die Begriffe Kraft, Materie, Schmerz, Instinkt u. a. i
Willensmöglichkeit. Die tetranomisch ergänzenden psycho-
nicht durch ihn selbst, sondern durch die Vorstellungen ( + )
logischen Prinzipien sind Traum (— +) und Wachzustand des
gegeben wird, die wir als Kategorien der Natur auf ihn beziehen,
handelnden Willens (H ). Fassen wir also zusammen: Das
so kann die ichraumzeitliche Bestimmtheit — ) der wahr- (

absolute oder unendliche Bewußtsein ist der bejahte Zweckpol


genommenen Qualitäten auch nicht dem seienden Prinzip ( + ) Seine Annahme logisch ebenso
des absoluten Wertes. ist
entspringen, sondern nur seinem Gegensatz, dem Willen. Es
zwingend wie diejenige einer Existenz. Mit den gewöhnlichen,
findet also, kurz gesagt, eine Durchkreuzung des Wertgegensatzes
normgebenden Werten des Wahren, Guten und Schönen hängt
statt, die dem formlosen quantitativen Prinzip eine qualitativ
der absolute Wert nur insofern zusammen, als die ersteren in der
eigenartliche Bestimmtheit und der qualitativen Allheit eine biologischen Wurzel wert
Meinung des Aussagenden nicht vom
raumzeitliche Nutzbarkeit für den Willen beigibt. Diese Durch- was
sich beeinflußt zeigen. Der absolute Wert zeigt nicht an,
kreuzung schließt aber nicht aus, dai3 die Sinneswahrnehmung,
in irgend einem Sinne nützlich, oder geboten, oder instinkt-
trotzdem sie raumzeitlich bedeutsam wird, doch nicht raum-
gemäß ist, sondern was wir als wertvoll zu bezeichnen haben,
zeitlichen Wesens ist, und daß die verschiedenen Formen des
im Leben
wenn wir zu den einzelnen Wei^tschätzungen, die wir
Existentialprinzips ihren eigenen Willenscharakter nicht ver- i ) bei vollem Bewußtsein in bezug auf gegebene Erfahrungen voll-
lieren, wenn sie auch als besondere Bestimmtheiten von
denjenigen Oberbegriff suchen, der jenen Einzelwert-
ziehen,
einem urteilenden Bewußtsein unterschieden werden können. Die Antwort
schätzungen vor dem Denken das Wesen verleiht.
Das absolute Bewußtsein ist daher mit dem Inbegriff der in
lautete: Absolut wervoll ist nichts als das qualitativ reiche Be-
Raum und Zeit erfahrbaren Bewußtseinsinhalte identisch, doch der Maßstab für
wußtsein. Die Tiefe des seienden Erlebens ist
unter der Beachtung, daß in ihm der ichraumzeitliche Faktor
die Wertschätzung der einzelnen Lebensinhalte.
seines Gegenteils in Wegfall gelangt. Sofern das Wollen ein
Etwaswollen ist, bedeutet in demselben schon die Reizung durch
etwas Seiendes ein wesentliches Moment; das absolut Existierende
§11. Das Selbstbewußtsein.
ist das Leben in Abstrakto, ohne Bewußtseinserlebnisse dennoch
Das transzendentale Ich haben wir erkannt als beliebig-
lebendig. Das Wesen der Existenz wird daher durch den Schlaf
raumzeitliches Bewußtsein; das heißt, es ist der unbewußte Pol,
( adäquat ausgedrückt, wenngleich diese Erkenntnis dem
aber zugleich die bloße Beziehung oder Dissoziation des endlichen
)

Instinkt fremdartig erscheinen nmß, der „Leben^' und „Erleben'* Diesen Begriff fanden wir in dem des Selbst-
Bewußtseins.
stets zu einer Dissoziation zu verbinden strebt, die aber nach dem
86
— S7 -;

bewiißtseins adäquat ausgebildet, so daU wir ihn damit identi-


bundenen Zeichens, die Unlust das entsprechende Wider-

durften, indem wir das tierische Bewußtsein als eine streben. Die Bewußtseinszeichen können nun als Wahrnehmung
fizieren

nicht vollkommen erfüllte Darstellung des bewußtheitlichen sich darbieten und so vom bloßen Lust- und Unlustwissen, das

Was das Selbstbewnißtsein in Wirklichkeit wir den einfachsten Tierkörpern zuzuschreiben haben, sich zum
Willens betrachteten.
Wissen von W^eltinh alten erhöhen lassen, welch letztere durch
erkennt, stellt sich beim animalischen Bewußtsein nur in der
ihre Mödichkeit definiert sind, für lust- oder unlustvolle
metaphysischen Möglichkeit des Erkanntwerdens dar. Die Welt
Bewußtsein^wesen ist eine sich selbst identische Größe, weil Tendenzen ein Zeichen sein zu können. Wir legen den Tieren,
aller

jeder Unterschied in der subjektiven Organisation lediglich eine wie auch den andern Gegenstandsbegrifi'en eine Existenz bei,

Vermehrung oder Verminderung der Klarheit und Vollständig- trotzdem diese selbst ihre Existenz nicht zu denken vermögen,

keit in der Auffassuns" der Weltinhalte, nicht aber die Ver- sondern sie nur ausüben, indem sie mehr oder weniger oder gar

änderung der das Wesen der Wirklichkeit ausmachenden Wurzel- l nicht Anteil haben an der Auffassung von Zeichen einer mögli-

größe bedeutet, die Wille genannt wird und durch die Prinzipien chen Lust oder Unlust; wir bemessen den Grad der Leidens- und

Ich. Baum und Zeit wesentlich gekennzeichnet ist. Diese Wurzel- Lustfähigkeit eines Organismus nach der Klarheit und dem
Reichtum seiner Wahrnehmungskraft, die wir Bewußtsein
große, die von der Reihe der übrigen Organismen nur gehabt
nennen. Wir denken uns also das tierische Bewußtsein als eine
wird, geht beim Selbstbewußtsein in die Gewalt des Denkens
ein, indem sie sich selbst ergreift. der vielen Zwischenstufen zwischen dem bewußtlosen Streben

Vorstehende Verhältnisse sollen nun näher erörtert werden. und Widerstreben und einem Bewußtsein mit absolut klarer
manchen Or- Wahrnehmungsfähigkeit. Diese wäre dadurch gekennzeichnet,
Daß das Prinzip der Existenz oder der Wille in
ganismen vorhanden ist, ohne daß diese ihn als existierend er- daß keine klarere möglich wäre. Da nun die Auffa^ssung der

kennen, kann nur die Bedeutung haben, daß der instinktive Weltinhalte als Zeichen für Lust und Unlust niemals auf einen

Wille überhau])t nicht an sich, sondern nur von einem selbst- absolut endgiltigen Stand erhoben werden kann, weil die quanti-
tativen Prinzipien der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und
bewußten We«en als einheitliche Macht erkannt wird. Der in-
der Abstraktion (II § 1) das Maß für die Wahrnehmungs-
stinktive Wille existiert als seine Wesenheit nicht anders, als

indem er von einem Selbstbewußtsein aus den Polen seiner fähigkeit im Sinne einer Beziehung auf mögliche Willensziele
i aboeben, müßte ienes bewußteste Bewußtsein eine Auffassung
Zweiheit zur synthetischen Dissoziation zusammengefaßt wird.
Diese Pole, durch welche der Instinkt seine Existenz zwar nicht der Weltinhalte gestatten ohne jede Beziehung auf mögliche Lust
oder Unlust. Das heißt, die Weltinhalte würden durch dieses
erkennt, aber eine zweiheitliche Lebensfunktion ausübt, welche,
Bewußtsein nicht in Beziehung zum Streben und Widerstreben
wenn sie erkannt wird, unter der Einheit (
— ) des Willens sich
an und für sich seiende Größen betrachtet
dem Denken darbietet, bezeichnet man als Streben und Wider- oesetzt. sondern als

streben oder L u s t und Unlust. Jedes Bewußtsein ist durch werden. Daß der Begriff der rein wissenschaftlichen Auffassung
der Weltinhalte diese Forderung tatsächlich verwirklicht,
sehen
das Vorhandensein dieser Zweiheit als Bewußtsein bestimmt;
wir soaleich; wir vermuten daher, daß das bewußteste Bewußt-^
und zwar ist es nötig, daß dieser primitive Gegensatz nicht als
seinmit dem Selbstbewußtsein identisch sein könnte. Doch
bloßes Streben und Widerstreben für einen Betrachter zum Aus-
kommen wir erst später des näheren darauf zurück.
druck gelange, sondern sich mit irgendwelchen Bewußtseins- Jl -^
inhalten verbunden zeige, welche allein das Streben zur Lust, Der Gegensatz von Lust und Unlust kann nicht metaphy-
sisch ursprüncrlich gedacht werden, weil er von der bloßen Pola-
das Widerstreben zur Unlust stempeln. Die Lust ist ein Streben,
rität nicht zur Tetranomie fortschreitet; dieser Fortschritt ist
verbunden mit der Auffassung eines mit dem Streben ver-
:

88 — 89

aber, wie wir wisseji, unvermeidlich bei einer Setzung des trans- Wert ist das Wesen des Selbstbewußtseins festgestellt worden

zendentalen Gegensatzes selbst, der seinen positiven Pol vom diese Möglichkeit kann man aber nicht umhin als die reale
negativen nnr dadurch zu unterscheiden vermag, daß er den ^ Möglichkeit d er F r e i h e i t zu bezeichnen, in dem Sinne
letzteren selbst wieder als die Dissoziation betrachtet. In an- eines prinzipiellen Enthobenseins über den Gegensatz von ])er-

dern Worten: die Teilung von Lust und Unlust ist nicht die ür- sönlicher oder anderpersönlicher Lust und Unlust. Das Selbst-

teilung, welche die Einsicht in den Wertgegensatz des Welt- bewußtsein unterscheidet sich von dem gewöhnlichen durch die
grunde«; voraussetzt. Da sie aber nichtsdestoweniger die das Be- Kraft, den transzendentalen Wertgegensatz durch das Denken

wußtsein durchgehends begleitende Spaltung bedeutet, kann man zu erfassen und also vor die Möglichkeit einer den empirischen
sie nur als die dem negativen Pol untergeordnete Polarität des Eücksichten entwandten Entscheidung gestellt zu sein, die sich

( h) und (H ) auffassen, als welche sie zwar die Möglichkeit in der Doppelheit des Wurxelzweckes und des absoluten Zweckes
zuläßt, als Einheit ( gedacht werden zu können, dennoch kundgibt. Diese Möglichkeit der Freiheit des Willens ist von
) '\
aber sich niemals selbst zu denken vermag, da sie nicht die der „Freiheit" des Handelns, welche vielmehr vom meta-
]dentität des Denkens ausmacht. Nun nannten wir Selbstbe- physischen Standpunkte aus unmöglich ist, streng zu unter-

wußtsein die Art des Bewußtseins, welche sich selber denkt.


> scheiden. Das gewcihnliche Bewußtsein beurteilt alle Welt-

Als Bewußtsein muß sie die Polarität Lust gegen Unlust wenig- inhalte als Zeichen für sein Instinktbegehren; auch es selbst ist

stens im (xrenzwert enthalten ; als Denken muß sie aber diese sich nur ein solcher Inhalt: nämlich der lust- oder schmerz-

Polarität unter dem negativen Pol vereinigt auffassen können, ein]) findende Gegenstand, der also das Zeichen ist, zum Mittel

wodurch die Entgegensetzung gegen den positiven Pol gedacht dienen zu können, (oder: der als Mittel betrachtet wird), um den
wird, der in Verbindung mit dem negativen entweder den Wurzel- Schmerz zu fliehen und die Lust aufzusuchen. Auch der selbst-

zweck des Lebens oder den absoluten Zweck der Zwecklosigkeit bewußte Organismus wird, sofern er den Wurzelzweck ergreift,
aufzustellen erlaubt. Das Selbstbewußtsein unterscheidet sich unter dieser Beschreibung mitzudenken sein. Doch ihm kommt
vom gewöhnlichen Bewußtsein dadurch, daß es die Zweiheit, unbeschadet dessen noch die Fähigkeit zu, sich selbst und sein
welche dieses ausübt, in die Einheit des negativen Poles zii- Tun und Lassen als existierend zu denken : und auch alle Gegen-

sammendenkt und mehr um den Gegensatz von Lust


so nicht stände in der Welt, darunter die bewußten, als existierend zu
( h) und Unlust (H ) bemüht ist, sondern beide Begriffe
ti » denken; von seinem Ursprung und von seinem Ende eine deut-
vereinigt unter der Betonung einer Gegensätzlichkeit ( ) im dem Tiere fehlt. Der Umstand,
liche Vorstellung zu besitzen, die

Gegensatz gegen ihr seiendes Ideal (+ +). Auf diesem Stand- daß er solches alles zu denken vermag, ist ein Beweis für die

punkt der Erkenntnis erweisen sich nun zwei konträre Verhal- Möglichkeit seiner transzendentalen Freiheit.
tungsweisen des Selbstbewustseins als möglich ; entweder betont Der Gedanke dieser Freiheit nun ist, wie wir nochmals be-

es den Zweck, einen Zweck zu haben, oder es ergreift den abso- tonen, dem Gebiet des Geschehens, der Existenz, der Handlung,

luten Wert. Dieses Dilemma ist nicht mehr von der analytisch des Tuns und Lassens an existierenden Gegenständen gänzlich

in den Begriffen liegenden Eigenschaft des Bewußtseins be- fern zu halten, weil alleEntscheidung zwischen einem (H — ) oder

herrscht, die Lust zu suchen und die Unlust zu fliehen. Sondern (— -h) innerhalb der Voraussetzung des negativen Poles der

es ist gegen den Zwiespalt des Mögens gänzlich indifferent, da Welt vor sich zu gehen hat, also, weil sie sich auf Vorstellungen
vi
dieser sich erhebt unter der Voraussetzung der schon als abge- in der Welt bezieht, keinen transzendentalen Sinn hat, der nur
geben betrachteten Entscheidung für den negativen Pol. In der im Geo-ensatz von Welt ( ) und Wert (+ +) auftreten kann.

Möglichkeit der Wahl zwischen Wurzelzweck und absolutem Während aller Zwiespalt i n der Welt den Organismus vor die
— 1)0 — 1)1

Frage stellt, entweder LiL^t oder Unlust zu ergreifen, erhebt sich Möglichkeit in gleicher Weise statthaben würde. Die Anwen-
das Selbstbewußtsein zu der andern: ob es das biologische Lust- dung dieses Kriteriums entscheidet nun zweifelfrei, daß die
imd Unlust-Haben bejahen oder verneinen wolle; ob es wollen ^ Wirklichkeit der Freiheit in dem Urteil des absoluten Wertes

will, weil es will, weil es will . ., oder ob es das Nichtwollen will. zu suchen ist, während das Urteil des Wurzelzweckes dasjenige
in diesem Dilemma allein ist die Möglichkeit der Willensfreiheit der Unfreiheit genannt werden muß. Denn die Zusammen-
ausgedrückt. Man wird nun zu erforschen haben, ob diese Mög- fassung der biologischen Lust-Unlustpolarität zur Einheit des

lichkeit sich von der Wirklichkeit der Willensfreiheit unter- negativen Poles, welche wir als das Wesen des Selbstbewußtseins

scheiden lasse, oder ob die Willensfreiheit in einer leeren Mög- erkannten, gewinnt nur dann ihren Sinn, Avenn der Wert (+ +)
lichkeit aufgehe, der nichts W^irkliches entspricht; ob sie bei der nicht erkannt wird, um ewig abgestoßen, sondern um ergriffen zu

Behauptung ihres bloßen Begriffes in den Büchern der Meta- werden. Dasjenige Verhalten des Selbstbewußtseins, welches den
physik belassen w^erden dürfe, oder ob der Möglichkeit auch ein positiven Pol als seinen Zweckpol festsetzt, macht die im Selbst-

auf die Welt bezüglicher Gehalt innewohne. Die Entscheidung bewußtsein gegebene Möglichkeit der Willensfreiheit zu einer in
ist ohne Fehl zu treffen, w^enn man beachtet, daß die einmal be- W^irklichkeit Bedeutung habenden. Das gegensätzliche Ver-
wiesene Möglichkeit eines Begriffes sowohl bei dessen Wirklich- halten jedoch, welches den negativen Pol erfaßt, um ihn selbst

keit als bei dessen Nichtwirklichkeit besteht, und gleichzeitig er- als der sich behauptende Wille in der bekannten unendlichen
wägt, daß die Möglichkeit der Willensfreiheit durch die zwei- Eeihe zu betonen, macht das Selbstbewußtsein zur Überflüssig-
fache gegensätzliche Fragestellung der beiden Zwecke ausge- keit, da die Betonung des Lebens durch das Ich will, will, will

drückt ist. Da nur diese Zweiteilung in Betracht kommt, so muß gar nicht nötig ist, um das Leben selbst auszuüben, wie ja das

die Wirklichkeit der Willensfreiheit mit der Bejahung der geAvöhnliche Bewußtsein beweist. Die Behauptung des Wurzel-
einen und Verneinung der andern Seite verbunden sein, w^ährend zweckes oder die wirkliche Unfreiheit besteht als Nichtfreiheit

die gegensätzliche Entscheidung zwar nicht dem Selbstbewußt- ebenso gut, ohne daß ihre Existenz durch ein Selbstbewußtsein
sein widerstrebt, also nicht die Möglichkeit der Willensfreiheit hauptet wird. Die wirkliche Freiheit aber des Willens be-

zerstört, sondern nur deren W^irklichkeit sich entgegensetzt, ohne steht in der Vereinigung des Wurzelzweckes, welche nicht an-

das weitere Bestehen der realen Möglichkeit anzutasten. Das lo- ders als durch die Bejahung des absoluten Zweckes noch einmal
gische Kriterium, den Inhalt des wirklichen Freiheitsurteils im
a ausgedrückt werden kann.
Gegensatz zum Urteil der wirklichen Nichtfreiheit zu bestimmen, Es ist nun nötig, daß wir den Zusammenhang der Ur-
kann nur darin bestehen, daß der Freiheitsentscheid deqenige -teilung mit der dem Leben immanenten Teilung näher kennen

sein muß, welcher der Möglichkeit der Freiheit, also dem Selbst- lernen. Wir unterschieden bei den Erörterungen über Wahr-
l)ewußtsein, einen Sinn verleiht, während die gegenteilige Aus- nehmung die metaphysische Möglichkeit (+ +) der Tiere, das-

sage die gegebene Möglichkeit unbenutzt lassen und, falls sie als selbe Weltbild zu haben wie das Selbstbewußtsein von der meta-

Freiheitsurteil behauptet wird, zur Sinnlosigkeit machen würde. physischen Wirklichkeit ( ) dieses Weltbildes im Selbst-

So bestehe, um dies zu erläutern, durch bestimmte Verhältnisse bewußtsein. Dann fanden wir, daß diese metaphysische Wirk-

für einen Menschen die reale Möglichkeit, sich moralisch zu lichkeit des Weltganzen im Menschen vom realen Standpunkt
eine bloße Möglichkeit genannt werden müsse, von der nicht ge-
bessern; dann werden wir die Wirklichkeit der Besserung daraus
V ^ daß man sie auch ausübe. Sie enthält also, (darin er-
erkennen, daß nur sie der Möglichkeit ihren Sinn und Wert ver- sagt ist,

leiht, während die Nichtbesserung des Menschen einer Möglich- kennt man wieder das Funktionsgesetz), die Pole der wirklichen
keit zur Besserung gar nicht bedürfte, sondern auch ohne diese I'reiheit (— + ) imd der wirklichen Unfreiheit ( + — ) als Wahl-
92
— 93

begriffe, die dem Menschen allein eigentiimlich sind, ob-


des Körpers und des Geistes das Bestehen einer über jenen Gegen-
gleich die zwischen ihnen zu treffende Wahl offenbar von der
satz hinausgehenden Möglichkeit der einzig wahren Freiheits-
tierischen zwischen Lust ( h) und Unlust (H ) nicht unter- > entscheidung oft noch übersehen wurde.
schieden wcrdeii kann. In andern Worten heißt dies, daß der
W^ir haben zuletzt auch die Frage zu beantworten, ob das
Zweifel zwischen zwei Entscheidungen, der vermöge jener eigen-
Selbstbewußtsein zugleich das bewußteste, die Weltinhalte in ab-
tümlichen Prinzipien von (jedächtnis, Aufmerksamkeit und Al)-
soluter Klarheit wahrnehmende Bewußtsein genannt werden
straktion die wesentliche Bestimmung eines jeflen Bewußtseins
müsse. Dies ist deshalb der Fall, weil die reale Fähigkeit einer
ausmacht, beim Selbstbewußtsein sich noch auf ein ihm allein
Entscheidung jenseits von Lust und Unlust auch eine unbiolo-
gegebenes, besonderes Begriffspaar beziehen kann. Soll
gische Auffassung derjenigen Begriffe möglich macht, die nur als
aus der Möglichkeit der Willensfreiheit ihre wirkliche Ergrei-
Zeichen gegeben sind für Lust und Unlust. Die Abstraktion des
fung hervorgehen, so muß also die ganz gewT)hnliche Entschei-
Selbstbewußtseins erlaubt von ihrem Zeichensein abzusehen,
dung eines Bewußtseins zwischen dem Entwexler — Oder eines
es,

womit natürlich nicht gesagt ist, daß dadurch abstrakte Begriffe


Dilemmas als Hilfsmittel zu dieser Verwirklichung benutzt
aus ihnen gemacht werden: im Gegenteil abstrahiert man von
werden, und es ist daher auch metaphysisch geboten, das Problem
nichts anderem als von der ihnen beigegebenen biologischen Be-
der willentlichen Beeinflussung unserer Akte oder das Problejn
deutsamkeit oder Abstraktion. Damit ist erwiesen, daß dem
der „Handlungsfreiheit" als sekundäres nicht zu übergehen.
Selbstbewußtsein die Weltinhalte in absoluter Klarheit zu-
Doch vers])aren wir einzelnes hierüber auf eine folgende Stelle.
gänglich sind. In absoluter Vollständigkeit aber sind
W^ichtig ist hier, daß man einsehe, wie die transzendentale Frei-
diese der menschlichen Erfahrung erreichbar, weil das Selbst-
heit weder theoretisch noch praktisch der biologischen Xicht-
bewußtsein den Inbegriff der metaphysischen Wirklichkeit oder
freiheit existierender Organismen widersprechen oder wider-
realen Möglichkeit der Welterkenntnis darstellt. Nun besteht
streben könne: sondern im Gegenteil muß die W^illensfreiheit,
der Zwiespalt von realer Wirklichkeit und realer Unwirklichkeit
wenn sie eine Wirklichkeit^bedeutung erlangen soll, diese Wirk-
von Erfahrungen in der Weise, daß von der Unwirklichkeit zur
lichkeit festsetzen unter Zuhilfenahme der Neigung und Abnei-
Wirklichkeit vermittelst der Anstrengung geistiger Fähigkeiten,
gung der strebenden Kräfte, die in diesem Falle sich allerdings
nicht auf Gegenstände möglicher Lust oder Unlust beziehen, a besonders der Aufmerksamkeit, ein für jedes Selbstbewußtsein
durchschreitbarer Weg führt. Dieser aber wäre bei fehlenden
sondern vor die Ur-teilung des Lebens gestellt werden, was ihren
Sinneswerkzeugen niemals vorhanden: denn der Mangel eines
strebenden Charakter insofern verändert, als daraus notwendiger-
Sinnes kann auch durch die Aufmerksamkeit nicht ersetzt
weise ein Erstreben des absoluten Bewußtseins wird. Jede Ent-
werden. Also kann in dieser Hinsicht zwischen realer Möglich-
scheidung zur Unfreiheit kann lediglich bedeuten, daß die Kräfte
keit und Wirklichkeit der vollständigen Welterfahrung ein Unter-
des Denkens noch nicht zu dem Grenzwert ihrer Konsequenz ge-
schied nicht bestehen. Sondern man muß annehmen, daß durch
langt sind: also auf einem Irrtum. Denn die klare Erkenntnis
den unbeschädigten menschlichen Organismus die gesamten in
der Urteilung und die wahre Bewertung ihrer Pole sind, wie wir
der Wirklichkeit denkbaren Sinneserfahrungen dem Selbst-
sahen, logisch von einander untrennbar. Besonders enthüllt
bewußtsein vermittelt w^erden. Sollten wir hierbei auch die Tat-
sich durch die gegebenen Darlegungen als unbrauchbar die mehr-
sache beachten müssen, daß ein blinder Mensch doch nicht zu
mals schon aufgetretene Ansicht, daß die Verwirklichung der
sehen vermag, also von gewissen Erfahrungen ausgeschlossen
Willensfreiheit in einer Umkehrung des Verhältnisses von Lust
ist, trotzdem er selbstbew^ußt denkt, so könnte dies nur geschehen,
und Unlust erlangt werde, wobei dann über sinnloser Peinigung
um an diesen Hinweis die Bemerkung zu knüpfen, daß der
94 95

Werten der Gemeinschaft sich orientierende Geschichtskunde


Mensch als fehlerfreier Organismus nicht mit Verstand der
( ) Die erstere umfaßt die Gesamtheit der zu einer be-
Vermutung unterworfen werden könne, in irgend einer sehr .

-r stimmten Zeit lebenden Glieder einer durch die gleiche Ver-


dunkeln Hinsicht ein „Blintler'' zu sein. Das Normale wird
gangenheit vereinten Körperschaft; die letztere überblickt den
man nicht nach Analogie des Anormalen durch Hypothesen aus-

zudeuten versuchen, sondern im Gegenteil heachten, daß das Lauf des Werdens unter dem Gesichtspunkt der sozialen Be-

letztere als das von der Harmonie Abweicliende jedesmal ein deutsamkeit der einzelnen Ereignisse. Jedoch werden wir im

welches auf den Kopf zu stellen nicht folgenden nur die Begriffe der reinen Gemeinschaft und der
Problem in sich schließt,
förderlich sein dürfte.
allgemeinen Menschheitsgeschichte zugrundelegen.
Jedes Ich faßt sich im Gegensatz zu allen Du-Organismen
als zentrales Individuum auf, während es in Anerkenntnis
§ 12. Gemeinschaft und Geschichte. der Gleichartigkeit seiner selbst mit den übrigen sich einen

Das beliebigraumzeitliche Bewußtsein ist unter anderm da- sozialen Charakter zuschreibt. Die Begriffe des Indi-

durch wesentlich charakterisiert, daß es andere, ihm selbst viduellen und Sozialen sind nicht an und für sich, sondern l)loß

gleichartige Bewußtseinswesen als Du-Organismen sich entgegen- in korrelativer Beziehung verständlich. Es ergibt sich daraus,

stellt. Diese Bestimmung hat, rein an sich betrachtet, den Um- daß jede Betonung des Individuellen den Gegensatz des Sozialen
stand zur Bes^leitune", daß sämtliche Bewußtseinswesen in der- voraussetzt, ebenso wie alles Gemeinschaftsbezügliche das Vor-

selben Welt sich zu ])efinden anerkennen, welche Wahrheit, wie handensein egoistischer Kräfte nicht leugnet, sondern nur ab-
weist. Dieses Verhältnis der biologischen Polarität ist allen
alle Erkenntnisse, durch das transzendentale Ich in seiner tetra-
nomisch vollendeten Gestalt, dem Selbstbewußtsein, durch reines Bewußtseinswesen gemeinsam, so gut wie die Erfahrung von

Denken gewonnen wird. Xun besteht außerdem die Möglich- Lust und Unlust. Selbst das einzeln lebende Tier kann von
keit, daß dieses die Vielheit der existierenden Wesen unter der sozialen Instinkten prinzipiell nicht ausgenommen werden; auf
Raumes der andern Seite ist es jedoch unstatthaft, die offenbaren Ge-
betonten Auffassung der Zeit und des nicht als be-
stimmte Individuen, sondern als beliebigraumzeitliche Orga- meinschaftsverbände tierischer Organismen mit der selbst-

bewußten Sozietät anders gleich nis weise in Verbindung zu


nismen betrachtet. Dadurch wird aus der metaphysischen Wirk- » bringen. Wir
als

sahen, daß das Selbstbewußtsein sich durch die


lichkeit der Entgegenstellung eines Du, welche bloß reale
gemacht, Möglichkeit der Entscheidung zur transzendentalen Freiheit
Möglichkeit des Lebens ist, eine reale Wirklichkeit
kennzeichnen läßt. Daraus folgt bezüglich des Begriffes der
während die reale Unwirklichkeit des beliebigraumzeitlichen Ver-
hältnisses von Orffanismen sich im Tierreich vorfindet. Be- Gemeinschaft, daß der Mensch das Dilemma zwischen Egoit^t
(H und Sozialität ( h) als die Einheit des Willens zur
trachten wir dieses Verhältnis unter dem Gesichtspunkt der )

Ge- Gemeinschaft überhaupt ( zu erkennen vermag und diesem


Gleichzeitigkeit, so entsteht der Begriff der gegenwärtigen )

meinschaft (++): betonen wir aber die Identität der allgemeinen Prinzip dasjenige der Übergemeinschaft (+ +) ent-
gegenstellen könne. Das letztere gehört zu unserem Thema
räumlichen Erlebnissphäre, so gewinnen wir den Begriff des
Werdens in der Zeit oder der Geschichte ( ) . Beide ebensowenig wie der Begriff des absoluten Wertes zu den drei

Begriffe haben einen in sich selbst gegründeten Wirklichkeits- immanenten Weltfunktionen; wir behandeln ihn daher nicht,
gehalt nur bei selbstbewußten Wesen. Die beiden einfachen Be- müssen aber darauf hinweisen, daß er mit der Sozialität nicht
kommen \ erwechselt werden dürfe, ebensowenig aber mit einer Form der
griffe jedoch in unserm Denken meistens nur gekreuzt
vor als historische Gemeinschaft ( h) und als die an den Egoität eine nähere Verwandtschaft haben könne, daß er also
(

— 90 — — 97 —
teilung insofern hinter dem Idealfall zurücksteht, als es dem
im Falle vorauszusetzender Raunizeitlichkeit von keiner Gemein-
Die menschliche Gemein- Instorischen Fortschritt nicht nachgekommen ist, während dieses
schaft erlangt zu werden vermag.
;schaft ist als real vorhandene allein durch den Wurzclzweck, die der Absicht der historischen Konstruktion eine um so bessere

Erfüllung verspricht, je weniger es von transzendental ge-


Betonung ihrer selbst, charakterisiert ; die Möglichkeit der Frei-
richteten Individuen eine plötzliche innere Störung erfährt.
heit läßt die Gesamtheit einer jeweils gegebeneu Zeitgenossen-
schaft lange Epochen hindurch unbenutzt. Daher ist ein Noch ist es nötig, den Begrift' des Werkzeugs in seinem

Möglichkeit der werdenden Sinn für die Gemeinschaft hervorzuheben. Sofern nämlich der
Reich der Übergemeinschaft erst als

Geschichte in Betracht zu ziehen. Das wesentliche Kennzeichen Zweck des Handelns zum radikalen wird, ist das Denken in die
GemeiiLrichaft besteht in dem Vorhandensein eines für Las^e sresetzt, nicht nur sinnliche und gegenständliche Wahr-
der
mehrere Subjekte giltigen Epizentrums, das weder Indi- nehmungen als Zeichen für den Instinkt zu benutzen, sondern die

sondern den Inbegriff beider Materie sowie die organischen Wesen, d. h. den erfüllten Raum
\iduuni noch Gesellschaft allein,

Gegensätze als den betonten Wurzelzweck des Bewußtseins dar- selbst zu meistern und in bewußter Absicht als bloßes Hilfs-
uiittel für den Lebenswillen zu benutzen, beziehungsweise
um-
stellt. Das Vorhandensein eines solchen Epizentrums ist die

Vorbedingung für die nicht mehr instinkthafte Arbeits- zuwstalten.

teilung, gemäß welcher jedes Individuum sich die Aufgabe Die allgemeine Geschichte bildet zum Begriff der Gemein-
schaft die polare Ergänzung. Auch das Tier erfüllt die Zeit;
zuschreibt, eine soziale Tätigkeit zu vollbringen, deren Sinn für
Zusammenfügung der aber wie es als Individuum weder Entstehung noch Tod er-
das Individuum erst durch die epizentrale
Teile zu einem zweckvollen Ganzen gewonnen wird. Das Gegen- kennt, sondern beiden gegenüber nur affektiver Verhaltungen
fähio- ist, so weiß es auch nichts vom Anfang und vom
Ende
stück der Arbeitsteilung, bei welcher die einzelne Leistung schon
seines Geschlechtes. Das Selbstbewußtsein aber lebt nicht nur
durch den Hinblick auf die vom Ganzen zu erwartende Voll-
in der Zeit, sondern es weiß sich auch als in ihr entstehend und
kommenheit geformt wird, ist die historische Synthesis, welche
vcrgeliend. Daher aber kann ihm daß wie alles
offenbar sein,
aus selbständigen Einzelschöpfungen und -Handlungen eine Ent-
Zeitliche so auch die Gemeinschaft der Menschen nicht zu end-
wicklung zu konstruieren unternimmt, bei der allerdings die
losem Bestehen existiert. Denn wie alles Zählbare ebendeshalb
Mängel nicht ausbleiben können ; die epizentrale Verarbeitung, ^ zwar be-
welche hier a posteriori geschieht, um dem individuellen Moment eine bestimmte endliche Zahl ausmacht, deren Grenze
v/eit gesteckt werden, aber ])rinzipiell nicht in der Be-
das soziale hinzuzufügen, wird mindestens in den Fällen will- liebig
kann, so
kürlich bleiben, wo es sich um urs])rüngliche Leistungen in hau].tung „unendlich'^ großer Zahlen geleugnet werden
besitzt alles Zeitliche sowohl Anfang als Ende; die Zeit selbst
Wissenschaft, Kunst und Religion handelt, die ihrem Wesen nach
nicht epizentral geformt werden können, da sie vom absoluten y-^—) ist eine Funktion des sich mit ihrer Bestimmung be-
iiTtümlich,
Wert geleitet werden, der dem Wurzelzweck widerspricht. Die bnftet denkenden Selbstbewußtseins, und es ist daher
wcjin man sie als reale in der auf immanente Verhältnisse ab-
gekreuzten Prinzipien der vom geschichtlich Gewordenen be-

einflußten Arbeitsteilungen, etwa auf deutschen Universitäten, zielenden Anschauung über die Existenz der Gemeinschaft hinaus
zu verlängern trachtet. Der Mensch erkennt sich in der Zeit;
sowie der Geschichte von bestimmten Interessegemeinschaften,
das heißt, er beurteilt seine Gemeinschaft als
im Werden be-
etwa der me<lizinischen Forschung, lassen ihre Eigenart aus den J^
griffen und dieses Werden ( ) ist identisch dem Begriff
beiden Seitenstücken vorhersagen: das erstere wird für die ;

Existenz oder des Nichtseins. Bezüglich der


der tibsoluten
Praxis einen Mangel, das zweite für die geschichtliche Behand-
ergänzenden Frage, ol) geschichtliche
lung einen Vorteil abgeben, da jenes an Nützlichkeit der Arbeits- das Realitätsi)roblem
— 98 — 99 —
Phänomene der qualitativen oder der quantitativen Seite des lute Freiheit zu erfassen. Diese aber besteht, wie wir sahen, in der
Denkens angehören, hat man sich in wesentlicher Hinsicht Übergemeinschaft der seienden Nichtexistenz. Deshalb ist die
zweifellos für das letztere zu entscheiden. Die historischen Erlangung dieser Vollkommenheit das Ziel der Geschichte, was
Größen bleiben nur inv^ofern Glieder des wechselnden Lebens, auch aus der Erwägung hervorgeht, daß jedes Werden nur in
als sie in ihrer biologischen Bedeutung unter den Gesichts- seinem Gegensatz ein Ideal zu gewinnen vermag. Letzteres aber
punkten einer Gemeinschaft behandelt werden : die Geschichte als ist durch das Ende einer Zeitreihe bezeichnet, also für den
Ganzes ist nicht eine Funktion des Seins, sondern des Werdens Menschen nicht ein bloß metaphysisch möglicher, sondern real
oder der Existenz. Der Geschichtsschreibung pflegen wir nur möglicher Begriff; die Aufmerksamkeit ist es, die von der realen
insofern einen rein historischen Charakter zuzusprechen, als Unwirklichkeit zur Wirklichkeit leitet. Das Lernen nun wird sich
sie hinter der Analyse der Zwecke und Tatsächlichkeiten als ab- zunächst darum bemühen, vermittelst der Werkzeuge und der
strakter Glieder einer Keihe des Werdens das anschauliche Mo- Arbeitsteilung der Gemeinschaft die Erscheinungen der Natur
ment zurücktreten läßt. Dieses kann allerdings auf die ge- als Kräfte dem Wurzelzweck zu unterwerfen. Sodann aber oder
schichtlichen Vorgänge und Gestalten in mannigfaltiger Weise daneben wird es im Individuum dem absoluten Wert sich zu-
übertragen werden, indem die Eingliederung der Zweckgestalten wenden und ilm besonders als Wissenschaft der Freiheit und der
in den gleichförmigen Lauf des Werdens mißachtet wird; da- Natur zu erringen sich bestreben. Wenngleich die gegenwärtige
durch wird aber der werdenden Existenz ein bildförmiges Sein Zeit die erstere Periode des Lernens keineswegs vollendet hat,
untergeschoben, das allein die künstlerischen Triebe des Menschen ja deren Ziele, das vielleicht innerhalb der Geschichte niemals
angeht, nicht aber die epizentrale Zusammenfassung des Werden- als erreichtes zugegeben werden wird, kaum nahe sein dürfte, so
den, die ausschließlich den Namen Geschichte verdient. Der Pro- ist doch jetzt wie jederzeit eine Besinnung über den Weg, auf
zeß der Geschichte ist wie das Werden des einzelnen Menschen dem wir vorwärts schreiten, nicht vom Überfluß. Wir versuchen
eine durch tätigen Gebrauch der Aufmerksamkeit gesteigerte daher im folgenden, das System der Hilfsmittel, durch welches
Reihe; jedes folgende Moment unterscheidet sich von dem vor- Wissenschaft gelehrt und gelernt wird, metaphysisch zu analy-
hergehenden zwar keineswegs durch einen edleren Geist, wohl sieren. '

aber durch die Gewinnung neuer Kenntnisse. Jede Entfernung


von dem vollkommenen, aber unwiederbringlichen Anfang be- a "i

deutet zugleich eine Annäherung an das ebenso vollkommene


Ende. Wir bezeichnen diesen Prozeß, durch den die Tetranomie
in der Geschichte sich entfaltet, während im Tierreich die bloße
Polarität des Vorher und Nachher die zeitlichen Beziehungen
erschöpft, als ein Lernen der Individuen von einander und
die L e h r e als das Hilfsmittel
zu dessen Realisierung. Das In-
dividuum nämlich, das die Möglichkeit besitzt, den positiven Pol
zu ergreifen, gewinnt in der Geschichte die Bedeutung
der ver-
tikalen Achse der Zeit, die das Fatum der zusammengefallenen
Dimensionen auflöst. Durch Lehren und Lernen, Frage und
Antwort nimmt die Geschichte ihren Fortschritt, der sich aus-
drücken läßt als eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit die abso-
Lebenslauf.

Geboren bin ich als Sohn des Landesbaii|)tkas8enl)iieiih;»lter5

am Oktober 18D0 zu Schiltioheini i. E.


Philipp Barthel IT.
Volksschule
Nachdem ich von 1897—1900 die evangelische

daselbst besucht hatte, trat ich in die Oberrealschule


beim Kaiser-

palast in Straßburg ein, avo ich im Sommer 1909 das Abitu-


l)is Ostern 1911 stu-
Von Herbst 1909
rientenexamen bestand.
dierte ich an der Kaiser-Wilhelms-Universität S t r a ß 1) u r g ,

Sommer 1911 an der Friedrich-Wilhelms-T^niversitiit


im
1911 zur (Jegenwart wieder in
Berlin, von Herbst bis

Straßburg. Meine Studien wi(hnete ich vorwiegend der P h i l o-

s o ]) h i e und Psychologie, wobei folgende Herren meine aka-

demischen Lehrer gewesen sind: Die Professoren Dr. Baeumkei-,


B. Erdmann, Münsterberg. Eiehl, Simmel, Stürring.
Stumi)f, 'lÄÄ-KÄ,-?«^«.es
Ftord-
Th. Ziegler: die Privat(U)zenten Dr. Baensch, Frhr. v. d.
ten. M. Wundt. Daneben befaßte ich mich mit (\vv deutschen 1-' 0653686 *
geringerem :Mal:)e mit
und englischen Sprache und Literatur, in
Fächern horte,
Physik. Die Dozenten, welche ich in diesen
M
sind: die Professoren Dr. Brandl, Braun, Henning, Koepi)el,
die Lektoren
E. Schmidt, F. Schultz: Privatdozent Dr. Ranke:
Meinen Lehrern bin ich allen zu
Delmer und Woodall M. A.

Danke verbunden. Besonders danke ich herzlich Herrn Prof.


t'ördernck- Liter-
Dr. Baeumker (nunmehr in München) für das
esse an dieser Arbeit und Anregungen, die meine Studien im
die

Lauf der Zeit durch ihn erfahren haben; sowie Herrn Prof.
Dr. Störring für das Entgegenkommen, mit welchem er meine

Promotion leitete.

\
<-:>

,N^
f

-d^Ä^»..
'

,*'
'I'S*--»- _,
•*
-

t i
i
^dUn..***"^''

rrr^."i;
*Y' 'U*
|j^8k>*,
~^

^*^'' ,^1
t'-'**"
'3iy^-S"
'
'
"'
,».•*«-
;u.^ * .1
-;^-- -1fcr-«^-'"^*-™
E". ^^-^
..#.• • '. *
,-,,,Mfr» ,,.•

KJ-,^^*i«»-S*
^V' ä».#*f-
j

11^ 4. 'W*-^
*^
,,i..*4-«^ 'I|f<|,,;<^».
Ar*r*'*t^**

,^,^^-W**^JV

5 ' •«>*"

'W. ' .. «-'

'^m^
--•'•*#

'
"
ivir

!.««-»•

« l^«-,«». -**:».• .*,.,


^M^<ih^u^