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РОЗДІЛ VIІ. Дискурсознавстово. Текстологія. Літературознавство.

3, 2017

УДК 821.112.2-98
Yulia Leshchuk,
Halina Novak
«Chöre nach der Mitternacht» von Nelly Sachs: poetische Rezeption von Holocaust
Der Artikel handelt von Nelly Sachs‘ Erfahrung von Holocaust, die im Zyklus «Chöre nach Mitternacht» poetisch
aktualisiert wird. Der Zyklus ist einer der vier Zyklen in der Gedichtsammlung «In den Wohnungen des Todes», die
das Frühwerk der deutschen Dichterin jüdischer Herkunft präsentiert. Nelly Sachs bezieht sich auf biblische Klagepsalmen, die
als Vorbild für die Lyrik der «Chöre nach der Mitternacht» gelten. Die Metaphorik dieserGedichte lässt sich im Rückgriff auf
die Bibel und die chassidischen Elemente entschlüsseln. Darüber hinaus wird nach Symbolen und Archetypen geforscht, die in
der Verbalisation der zentralen Motive der «Chöre nach Mitternacht» zugrunde liegen. Die Schlüsselwörter»Stein», «Staub»,
«Krug»bilden Mittelpunktin der poetischen Rezeption von Holocaust.»Die Stimme der ermordeten Juden» wird im
poetischen Sprechen von Nelly Sachs durch absolute Metaphern und Sprachskepsis ausgedrückt, die Lyrikerin
«versteckt sich» hinter ihren Gedichten, für sie gilt das Verschweigen als Schutz gegen Wehrlosigkeit.
Schlüssel wörter: absolute Metapher, Allusion, Chiffre, Chor, Ironie, Klagepsalm, Symbol.

Problemstellung und Forschungsstand. Der Artikel befasst sich mit dem Frühwerk der deutschen
Dichterin jüdischer Herkunft Nelly Sachs, die in ihren Gedichten eigene Holocaust-Erfahrung poetisch
thematisiert. Jacques Schuster hat hervorgehoben, es gebe im deutschsprachigen Raum überhaupt nur zwei
Schriftsteller, «die es vermochten, das jüdische Schicksal in Worte zu fassen: Paul Celan und Nelly Sachs» [12].
Ilse Blumenthal-Weiss wendet sich an Nelly Sachs mit Worten: «es hat jeder, jeder von unseren Toten durch
Ihre Dichtung und in Ihrer Dichtung nun seine Ruhestätte und Segnung gefunden» [8]. Darüber hinaus ist
das Werk von Nelly Sachs vom großen Interesse nicht nur aus der Perspektive dessen Motive, sondern auch
der dichterischen Bildsprache, die Nelly Sachs’ Rezeption von Auschwitz zum Ausdruck bringt.
Im Rahmen des Artikels wird der Zyklus «Chöre nach Mitternacht» analysiert. Die Literaturwissenschaft
enthält eine Menge an Studien zu Nelly Sachs (Peter Hamm, Florian Strob, Gerald Eckert, Paul Kerstin u.a),
die sich mit Metaphorik, Trauer- und Martyrium-Motiven, poetischen Verarbeitung von Holokaust,
religiösen Einflüssen in ihrer Lyrik auseinandersetzen.
Zielsetzung und Hauptaufgaben. Es wird im Artikel poetische Rezeption von der Shoah im Werk
Nelly Sachs’ analysiert. Ihr Gedicht ist eine Synthese des Gesagten und Unsagbaren,es spricht aus, was
unausprechlich ist. Die Poesie von Nelly Sachs bietet Anregungen zu zahlreichenInterpretationen. Im
Rahmen des Artikels wird poetische Schreibweise am Beispiel vom Zyklus «Chöre nach der Mitternacht»
erforscht.
Darlegung des Erforschten. In ihrem Brief an Walter A. Berendsohn vom 25.6.1959 schreibt Nelly
Sachs: «Du wirst... meine wiederholt ausgesprochen Bitte verstanden haben, dass ich hinter meinem Werk
verschwinden will, dass ich anonym bleiben will... [Ich] will, dass man mich gänzlich ausschaltet – nur eine
Stimme, ein Seufzer für die, die lauschen wollen» [7, S. 7]. Die Dichterin ist der Meinung, sie komponiere
keine Gedichte, sie werde von ihnen überwältigt; sie sei eher Empfängerin als Absenderin. Der Schmerz
nach Holocaust ist unaussprechlich geworden und die Wunden werden mit Schweigen getragen. Ihre
Erfahrungen in den Hitler-Jahren nennt sie «Leben unter Bedrohung». Nelly Sachs ist um ein Haar dem
Abtransport in ein Arbeitslager entkommen und nach Schweden geflohen. In Schweden erlitt sie einen
Nervenzusammenbruch, der als Folge häufige Aufenthalte in einer Nervenklinik hatte. Zu dieser Zeit sind
ihre stärksten Gedichte entstanden. 1947 werden die bis 19451946 entstandenen Zyklen unter dem Titel
«In den Wohnungen des Todes» zusammengefasst. Nelly Sachs widmet diese Texte ihren toten Brüdern und
Schwestern, die Zeitungen sprechen von «der Stimme Israels», «der Stimme von Millionen Ermordeten».
Man hört in den Gedichten «den Ruf der Propheten, den Klang der Harfe Davids, das Weinen an der
Klagemauer» [8]. Nelly Sachs empfindet selbst in ihren Gedichten einen Auftrag, «diese letzten Seufzer»
aufzuzeichnen.
1966 erhiehlt Nelly Sachs zusammen mit Samuel Joseph Agnon Literaturnobelpreis. Die Gedichte «In
den Wohnungen des Todes» sind Bilder von Schmerz und Tod als «eine einzige Todesklage für ihr
gequältes Volk» [11].
Die «Wohnungen des Todes» sind der Bereich, in dem die vertrauten Werte pervertiert sind. Diese
«Wohnungen» sind «sinnreich erdacht»: sind haben keinen Türausgang, wenn einmal eingetreten kann man

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sie nicht mehr verlassen, denn man wird zur Beute des Todes, der als Gastgeber metaphorisch dargestellt
wird: «Die Eingangsschwelle legend / wie ein Messer zwischen Leben und Tod» [5, S. 8]. Die «Wohnungen»
sind nur durch Schornsteine zu verlassen: der Ausgang durch die Schornsteine wird im Gedicht als «[der]
Weg für Flüchtlinge aus Rauch» dargestellt.
In den «Wohnungen...» klingen Chöre. Motive der «Chöre nach Mitternacht» mit deren poetischen
Ausdrucksformen werden im Rahmen des Artikels analysiert.
Der «falsche Tod» ist der unnatürliche, mechanisierte Tod in den Gaskammern, der dem Menschen
Recht und Würde auf den eigenen Tod nimmt.
Mit sämtlichen Zyklen der «Wohnungen des Todes» lässt das Zyklus «Chöre nach Mitternacht» die
Stimme der ermordeten Juden «klagend, anklagend und verklärend» (nach Worten von W. A. Berendsohn)
klingen [2]. Das Wort «Chor» bedeutet aus dem Griechischen «Tanzplatz», «tanzende Schar»; mithilfe dieser
musikalischen Form werden in den Kirchen Gottesdienste musikalisch gestaltet. Das Wort «Mitternacht» in
dem Titel «Chöre nach der Mitternacht» symbolisiertallgegenwärtige Dunkelheit, die auf der Welt nach der
Shoah herrscht. In dieser Schwärze und Stille der Nacht sind Chorgesänge zu hören, die unter folgenden
Namen in der poetischen Welt Nelly Sachs‘ auftreten: «Chor der verlassenen Dinge», «Chor der Geretteten»,
«Chor der Wandernden», «Chor der Waisen», «Chor der Toten», «Chor der Schatten», «Chor der Steine»,
«Chor der Sterne», «Chor der unsichtbaren Dinge», «Chor der Wolken», «Chor der Bäume», «Chor der
Tröster» und «Chor der Ungeborenen».
Im «Chor der verlassenen Dinge» handelt es sich um die einzelnen, ungleichartigen Gegenstände, die
wie Fragmente oder Puzzle-Einzelteile der nicht mehr existierenden Ganzheit in der poetischen Welt des
Gedichtes auftauchen. Es scheint, als ob eine bestimmte Ganzheit zugrunde gegangen wäre. Der Krug, ein
Spiegel und ein Schuh implizieren die Idee der Verlassenheit. Die Krüge «wie Herzen» verweisen auf den
Psalm 56, ein güldenes Kleinod Davids, als ihn die Philister in Gat ergriffen hatten: «Zähle die Tage meiner
Flucht,/sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. Dann werden meine Feinde
zurückweichen,/wenn ich dich anrufe. Das weiß ich, dass du mein Gott bist»[3]. Ein Mensch in großer Not
wendet sich in diesem Gebet an den Gott, er will wissen, dass Gott da ist. Die letzte Zeile im Gedicht und
dessen Titel «Krug im Schutt» zeigt einen Hinweis darauf, dass das Gebet nicht gehört wird: «und stille
steht wie Zeit in einer Uhr». Die Zeit, die steht, symbolisiert das Ende des Lebens.
Der «Schuh» ist eines der vorherrschenden Motive der Sammlung «In den Wohnungen des Todes». In
dem Gedicht «Chöre der verlassenen Dinge» soll «ein Schuh» nicht an seine mystische Bedeutung in den
chassidischen Schriften erinnern, sondern realistisch an die Berge verlassener Schuhe in den Konzentrationslagern.
Die Opfer mussten ihre Schuhe vor der Ermorderung in KZ ablegen und zusammenbündeln [1].
Im «Chor der Geretteten» sprechen die «Geretteten» im gemeinsamen Gesang die Toten an, mit deren
Schicksal sie sich durchaus verbunden fühlen: «Aber zusammen hält uns nur noch der Abschied / Der
Abschied im Staub/hält uns mit euch zusammen» [5, S. 671]. Das Leben der Überlebten ist von Angst und
Todeserwartung geprägt: «Immer noch an uns essen Würmer der Angst», «immer noch hängen die
Schlingen für unsere Hälse gedreht» [5, S. 670]. Dabei nennen sich die Überlebten «gerettet». Das Wort
«gerettet» funktioniert im poetischen Raum als eine Allusion auf Gebetstexte aus dem Neuen Testament
«Herr, rete uns», in denen es heißt: «Rette uns, Jehova, unser Gott, und sammle uns aus den Nationen, daß
wir deinen heiligen Namen preisen, daß wir uns rühmen deines Lobes!» [3]. Das Wort «Gerettet» signalisiert
einerseits über den vom Gott erfüllten Wunsch, den die Betenden an Ihn gerichtet haben, andererseits verspürt man
in dem Gedicht bittere Ironie. Wie hat der Herr Gott die nach der Shoah Überlebten gerettet? Ist Sein Wille
dadurch geschehen, dass die am Leben Gebliebenen trotz gelungener Rettung mit «survivor syndrom», im
Deutschen sogar als «Seelenmord» [10] zu rechnen haben? Andreas Kraft stellt noch nachdrücklicher in
seiner Dissertation über Nelly Sachs diese Not dar, «das Überleben zu überleben» [10]. Verstärkt wird diese
Ironie durch Metaphern «unser tropfendes Blut», «unser schlecht versiegelter Schmerz». Die Erwartung des
Todes und dessen Ankunft lässt sich in den Versen ablesen: «wir zerfallen zu Staub», «vor euren Augen
zerfallen [wir] in Staub» [5, S. 671]. Die Chiffre «Staub» wird im Gedicht «Chor der Geretteten» mehrmals
wiederholt und verweist auf Bibeltexte, wo es um Geburt und Tod des jüdischen Volkes geht: »Staub bist
du, und zum Staub wirst du zurückkehren» [3]. Der Mensch zerfällt zu Staub, aber im Staube beginnt seine
Wiedergeburt. Staubverwandlung ist das zentrale mystische Erlebnis in der lyrischen Welt von Nelly Sachs [4].
In der Bibel steht geschrieben, das jüdische Volk sei «Staub»: «Und ich will deine Nachkommen machen
wie den Staub der Erde, so dass, wenn jemand den Staub der Erde zählen kann, auch deine Nachkommen
gezählt werden» [3]. David Goldstein setzt sich mit der Bedeutung der Chiffre «Staub» auseinander und

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beschließt, dass je mehr das jüdische Volk getreten würde, desto mehr würde es sich erheben und sich zur
Geltung bringen – genau wie der Staub der Erde [9, S. 65].
Im «Chor der Wandernden» nimmt Nelly Sachs das Wort «wandernd» (Partizip I) zum Ausgangspunkt. Das
Gedicht handelt von der Geschichte des jüdischen Volkes, und zwar von derVerheißung der Juden, in der
Welt zerstreut und heimlos aufzuweilen: «o wir Wandernde vor den Türen der Erde» [6, S. 52]. Dabei sind
sie einsam: «Ein Meer von Einsamkeit steht mit uns still» [6, S. 52]. Im Gedicht geht es um eine Grenze
oder ein Hindernis, das «Wandernde» nicht überwinden können – sie stoßen auf Verachtung. Das Motiv der
Feindschaft wird durch Metapher «der geschlossenen Tür» poetisch verbalisiert: «An jeder Wegkreuzung
erwartet uns eine Tür [...] / wo wir anklopfen», «O wir Wandernde vor den Türen der Welt». Die Gedichte
aus dem Zyklus «Chöre nach Mitternacht» wirken wie «Vermächtnis»: «Unser Tod wird wie eine Schwelle
liegen / vor euren verschlossenen Türen» [6, S. 53].
Im «Chor der Waisen» greifen zwei Motive ineinander: Liebe zu den Eltern und deren Tod. Nelly
Sachs stellt metaphorisch den Tod der Eltern dar: «herabgehauen hat man unseren Ast / und ins Feuer
geworfen». Der Täter tritt als «Holzhauer» auf. Die Waisen klagen aber nicht ihm, sondern der Welt als
Universum der Trauer: «wir Waisen / wir klagen der Welt», «O Welt / wir klagen dich an!» [6, S. 53].
Durch stilistische Mittel der Wiederholung (Anaphore) wird Motiv des Klagens im poetischen Kontext
intensiver realisiert. Die Opfer «in eines Holzhauers Hand» entkommen nicht ihrem Tod und werden wie
«Brennholz» und «Dürrholz» verbrannt. Die Toten sind Engel geworden. Die Figur des Engels, die «durch
die schwarzen Falten der Nacht» die Erde ansieht, trägt durchaus symbolischen Charakter. Das Wort
«Engel» bedeutet etymologisch «Bote». In hebräischer Tradition sind Engel Gottes Gefolge und Geschöpfe
des Feuers. Die toten Eltern haben sich in Engelgestalt verkörpert: «Schauen uns ihre Gesichter an,/sprechen
ihre Münder» [6, S. 54].
Besonders eindrucksvoll ist das poetische Gleichnis der Elternfiguren mit dem Stein: «Steine haben
Gesichter, Vater- und Muttergesichter/Sie verwelken nicht wie Blumen, sie beißen nicht wie Tiere-/Und sie
brennen nicht wie Dürrholz, wenn man sie in den Ofen wirft» [6, S. 54]. Steine können Ewigkeit im Gedicht
verkörpern, sie lassen uns vermuten, dass die Waisen der toten Vorfahren ewig gedenken. Es ist
erwähnungswert, dass der Vater von Nelly Sachs eine große Steinversammlung besaß mit Kristallen,
Halbedelsteinen, Muscheln, Korallen, Versteinerungen und Abdrücken. Diese Kindheitserinnerungen an den
Vater liefern poetische Motive nicht nur an die «Chöre...», sondern auch an das spätere Werk von Nelly
Sachs. Rhetorische Frage in der letzten Strophe verstärktdie Aussage des Klagens: «Welt warum hast du uns
die weichen Mütter genommen/und die Väter, die sagen: Mein Kind du gleichst mir!». Es ist zu erwähnen,
dass der Tod der Nelly Sachs’ Mutter zu einer neuen Krise im Leben der Dichterin führte, die sie erst nach
langer Zeit überwand. Stein-Metaphorik thematisiert nicht nur das Motiv der Trauer um die Eltern. Steine
stehen auch untrennbar mit dem jüdischen Volk in Verbindung und dessen Martyrium:
Wir Steine
Wenn einer uns hebt
Hebt er Urzeiten empor –
Wenn einer uns hebt
Hebt er den Garten Eden empor –
Wenn einer uns hebt
Hebt er Adam und Evas Erkenntnis empor
Und der Schlange staubessende Verführung
Wenn einer uns hebt
Hebt er Billionen Erinnerungenin seiner Hand (...)
Denn Gedenksteine sind wir
Alles Sterben umfassend (...) [6, S. 58].
Die personifizierten (lebenden) Steine im Gedicht verweisen auf Jakobs Erfahrung, die David
Goldstein beschreibt: «Die eine [Erklärung] lautet, daß Jakob zwölf Steine nahm, die seine künftigen Söhne
und auch die Stämme Israels versinnbildlichen, um zu sehen, ob sie sich zu einem einzigen Volk vereinen
würden. Der einzelne Stein, der am Morgen dalag, bestätigte seine Hoffnung» [9, S. 6465].
Steine haben mystische Symbolik im Judaismus, der Stein wird mit dem Menschen, mit dessen Seele
assoziiert, indem der Gott ein Felsen und der Stein ein abgetrenntes Felsenstein sei. Der Begriff Gott ist auf
«Fels» bezogen: «Nur er ist mein Fels und mein Heil, meine hohe Burg» [3].

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Steine sind in der Bibel und in den jüdischen Legenden Zeichen der göttlichen Gnade. Es sei an Jakobs
Stein erinnert, auf dem er ruhte, als ihm von der Himmelsleiter träumte (1. Moses 28, 1119): «Ihr
Jakobshäupter,/Die Wurzeln der Träume halten wir versteckt für euch, / Lassen die luftigen Engelsleitern/Wie
Ranken eines Windenbeetes sprießen» [6, S. 58], und an die Gesetzestafeln, die «steinern [waren] und
geschrieben mit dem Finger Gottes» (2. Moses 31, 18). In den jüdischen Legenden werden den Frommen
Edelsteine als Beweis der göttlichen Gnade gegeben. Der Stein im Gedicht enthält die göttliche Botschaft,
dass Flucht zum Wesen der jüdischen Existenz gehört, aber dass trotz Verfolgung und Exil die Identität
Israels erhalten bleibt [1].
Schlussfolgerung und Forschungsperspektive. Es lässt sich zusammenfassen, dass das Werk Nelly
Sachs’tiefgreifende Lesespuren auf Bibeltexte, chassidische Schriften und Geschichtswerke des jüdischen
Volkes verweist, aus denen die Dichterin Motive bezieht. Die Chiffren «Staub», «Stein», «Krug» bilden den
mystisch-semantischen Kern des Frühwerkes von Nelly Sachs, dessen Interpretationsversuch am Beispiel
des Zyklus «Chöre nach der Mitternacht» im Rahmen des Artikels unternommen worden war. Die wichtigsten
Merkmale der dichterischen Sprache sind absolute Metaphorik, Allusionen, Ironie und Sprachskepsis, die in
den Texten in Form vom mangelnden Syntax auftritt. Als Forschungsperspektive ist die semantisch-
stilistische Analyse der Gedichttexte anderer Dichter der Shoah-Lyrik im komparativen Aspekt festzusetzen.
Literatur
1. Bahr Ehrhard. Nelly Sachs. Autorenbücher / Ehrhard Bahr. – München : Verlag C. H. Beck und edition
text+kritik, 1980. – 225 S.
2. Berendsohn Walter A. Nelly Sachs: Einführung in das Werk der Dichterin jüdischen Schicksals / A. Berendsohn
Walter. – Darmstadt : Agora, 1974. – 184 S.
3. Bible Study [Electronic resource]. – Mode of access : http://www.biblestudytools.com/elb/psalm/106-47.html.
4. Bolliger Bruno. Nelly Sachs und die Verwandlung des Staubes / Bruno Bolliger. – Frankfurt a.M. : Suhrkamp,
1966. – S.143–155.
5. Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Neugestaltet von Benno von Wiese. – Düsseldorf :
August Bagel Verlag, 1956. – 757 S.
6. Fahrt ins Staublose. Die Gedichte der Nelly Sachs. – Frankfurt a.M. : Suhrkamp, 1961. – 386 S.
7. Fioretos Aris. Flucht und Verwandlung. Nelly Sachs, Schriftstellerin / Aris Fioretos. – Berlin : Suhrkamp,
2010. – 317 S.
8. Fritsch-Vivié Gabriele. Nelly Sachs. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten / Gabriele Fritsch-Vivié. –
Hamburg : Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1993. – 156 S.
9. Goldstein David. Das Judentum und seine Legenden / David Goldstein. – Klagenfurt : Neuer Kaiser Verlag,
1990. – 144 S.
10. Hrdličková Jana. Wir sind so wund: Nelly Sachs' lakonisches Sprechen über die Folgen der Shoah [Electronic
resource]. – Mode of access : http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2014/docId/33990
11. Kilcher Andreas. Die gekrümmteBahn des Leidens [Electronic resource]. – Mode of access : http://www.
tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Die-gekruemmte-Bahn-des-Leidens-/story/28707606.
12. Schuster Jacques. Stimme der Verlorenen [Electronic resource]. – Mode of access : https://www.welt.de/
welt_print/kultur/literatur/article6957011/Stimme-der-Verlorenen.html.
Leshchuk Yulia, Novak Halina. «Choirs after the Midnight» by Nelly Sachs: Poetic Reception of the
Holocaust. The article is about Nelly Sachs' experience of the Holocaust, which is poetically explicated in the cycle
«Choirs after Midnight». The cycle is one of the four cycles in the poem collection «In the Homes of Death» that
presents the early work of the German poetess of Jewish origin. Nelly Sachs refers to biblical plaintive psalms, which
are regarded as models for the lyrics of «choirs after midnight». The metaphors of these poems can be deciphered by
recourse to the Bible and the Chassidic elements. The symbols and archetypes have been researched, which take part in
verbalisation of the central motives of the «choirs after midnight». The key words «stone», «dust», «pitcher» form the
center point in the poetic reception of the Holocaust. «The Voice of the Murdered Jews» is expressed in the poetic
speech of Nelly Sachs due to the absolute metaphors and poetic language skepticism; the writer «is hiding» behind her
poems, the silence (concealment) is considered as a protection against defenselessness.
Key words: absolute metaphor, allusion, cipher, chorus, irony, lamentation (plaintive psalm), symbol.
Лещук Юлія, Новак Галина. «Хори після півночі» Неллі Закс: поетична рецепція Голокосту. Осо-
бистий досвід Голокосту та особливості його актуалізації в поетичному просторі аналізуються в рамках статті.
Матеріал дослідження  цикл поетичних творів Неллі Закс «Хори після півночі», що належать до ліричної
збірки «В оселях смерті». Вірші Неллі Закс, німецької поетеси єврейського походження, містять у собі запози-
чені мовні елементи та мотиви з Біблії, текстів хасидизму, що дають змогу «розшифрувати» імпліковані

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смисли. Так, структура віршів циклу «Хори після півночі» нагадує біблійні псалми. У статті досліджено
символи та архетипи, що беруть участь у вербалізації лейтмотивів циклу. Для віршів характерні численні
алюзії, іронія, ущільнена віршова композиція, повтори, відсутність рими. Ключові слова-образи «камінь»,
«пил/пісок», «глечик» утворюють семантичне ядро поетичного осмислення Голокосту. «Голос убитих євреїв»
виражається за допомогою абсолютних метафор, а також у формі мовного скепсису. Поетеса «ховається» за
власними творами, для неї замовчування є захистом від беззахисності.
Ключові слова:абсолютна метафора, алюзія, шифр, хор, іронія, псалом, символ.
Лещук Юлия, Новак Галина. «Хоры после полуночи» Нелли Закс: поэтическая рецепция Холокоста.
Личный опыт Холокоста и особенности его актуализации в поэтическом пространстве анализируются в рамках
статьи. Материалом исследования является цикл поэтических произведений Нелли Закс «Хоры после
полуночи», включенных в лирический сборник «В домах смерти». В стихах Нелли Закс, немецкой поэтесы
еврейского происхождения, видим заимствованные языковые элементы и мотивы из Библии, текстов
хасидизма, позволяющие «расшифровать» имплицитные смыслы. Структура стихотворений цикла «Хоры после
полуночи» напоминает библейские псалмы. В статье исследуются символы и архетипы, участвующие в верба-
лизации лейтмотивов цикла. Для стихов характерны многочисленные аллюзии, ирония, уплотненная стихотво-
рная композиция, повторы, отсутствие рифмы. Ключевые слова-образы «камень», «пыль/песок», «кувшин»
образуют семантическое ядро поэтического осмысления Холокоста. «Голос убитых евреев» выражается с помощью
абсолютных метафор, а также в форме языкового скепсиса. Поэтеса «прячется» за собственными произве-
дениями, для нее замалчивание является защитой от беззащитности.
Ключевые слова: абсолютная метафора, аллюзия, шифр, хор, ирония, псалом, символ.

The article acted to the editorial board


in 30.03.2017

УДК 811.111-26
Ганна Матковська

Композиційно-мовленнєва форма «опис-пейзаж».
Лінгвостилістичний аспект
У науковій статті розкрито питання визначення й аналізу головних функціональних і стилістичних особли-
востей пейзажу в модерних романах Вірджинії Вулф. У творчій спадщині письменниці лишається багато
нерозв’язаних проблем стосовно лінгвостилістичних особливостей її ідіостилю, оскільки більшість наукових розвідок
зосереджено переважно на літературознавчих аспектах творів. У сучасній мовознавчій парадигмі пейзаж зазви-
чай характеризують як композиційно-мовленнєву форму або частину тексту, що передає цілісне зображення
відкритого фрагмента природного або міського простору. За предметом опису розрізняємо такі три типи
пейзажу, як природний, урбаністичний і сільський. Вони поділяються на підтипи, як-от: природний пейзаж
уключає такі аспекти, як опис земної поверхні, водойм, неба та небесних тіл у стані спокою або динаміці; урба-
ністичний пейзаж охоплює описи всіх складових елементів міста (вулиць і площ, окремих будівель, транспорту
й парків та інших міських зелених насаджень).
У дослідженні висвітлено магістральні теоретичні підходи до трактування пейзажу як невід’ємної скла-
дової частини цілісного тексту, що виконує різноманітні функції, серед яких – опис просторово-часових
координат, у котрих відбуваються події твору, створення обрисів головних сюжетних ліній, засіб фіксації
композиційної точки зору. З урахуванням функціональної специфіки пейзажу ми дослідили стилістичні засоби
на фонетичному, лексико-семантичному й синтаксичному рівнях, використані в текстах Вулф. На рівні фонетики
автор зверталася переважно до прийомів алітерації та ономатопеї (звуконаслідування), серед лексико-се-
мантичних засобів найчастіше трапляються поширені метафори й образні порівняння, а на синтаксичному
рівні – використання безсполучникового зв’язку в реченнях (асиндетону), різні типи повторів і паралелізм.
Ключові слова: композиція, композиційно-мовленнєва форма, опис, пейзаж, модернізм.

Постановка наукової проблеми та її значення. Художні твори доби модернізму завжди


приваблювали літературознавців і лінгвістів неординарністю структурного оформлення, складною

© Матковська Г., 2017

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