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3.

Schraubenverbindungen
Nach ihrem Verwendungszweck unterscheidet man heute die Schrauben in:
- Befestigungsschraube die benutzt ist Bauteile zu verbinden (z.b Deckelbefestigung)
- Bewegungsschraube für Bewegungs- und Kraftübertragung (z.b. Wagenwinde)
- Meßschraube um den Meßweg zu übersetzen (z.b. Mikrometer)
- Stellschraube um den Abstand einzustellen (z.b. Abstandshalter)
- Verschlußschraube um Hohlräume abzudichten

3.1 Definition der Schraube; Bestimmungsgrößen


Das Kennzeichen einer Schraubbewegung hingegen ist die Überlagerung von Translations-
und Drehbewegung. Eine Schraubenlinie entsteht, wenn sich ein Punkt mit konstanter
Geschwindigkeit auf der Geraden H bewegt und gleichzeitig mit konstanter
Winkelgeschwindigkeit um die z-Achse dreht. Die Schraubenlinie ist demnach eine räumliche
Kurve, die auf einer Zylindermantelfläche liegt. Der Betrag P der axialen Verschiebung bei
einer vollen Umdrehung heißt Ganghöhe oder auch Steigung.
Die Abwicklung der Schraubenlinie (Abbildung 1) in eine Tangentialebene an den Zylinder
ergibt eine geneigte Gerade mit dem Steigungswinkel φ. Aus dem abgewickelten
Steigungsdreieck kann leicht die Beziehung abgelesen werden:
P
tan ϕ =
2rπ
Die kraftübertragenden Flächen entstehen nun dadurch, daß längs der Schraubenlinie mit
verschiedenen Profilen Rillen erzeugt werden. Sie bilden beim Innenteil, der eigentlichen
Schraube, das Außengewinde und beim Außenteil, der Mutter das Innengewinde. Alle Punkte
des gewählten Profils beschreiben Schraubenlinie, die jedoch nur dann gleich sind, wenn sie
auf demselben Zylindermantel liegen. Da für alle Schraubenlinien die Steigung P gleich groß
sein muß, ergeben sich für Schraubenlinien auf verschiedenen Zylindermänteln verschiedene
Steigungswinkel.
P
tan ϕ 1 =
πd (Außendurchmesser)
P
tan ϕ 2 = (Flankendurchmesser d2)
π d2
P
tan ϕ 3 = (Kerndurchmesser d3)
π d3
Für die Berechnungen wird der mittlere Steigungswinkel, bezogen auf den
Flankendurchmesser, zugrundegelegt:
P
ϕ = ϕ 2 = arctan
π d2

1
Abbildung 1

3.2 Gewindearten
Die Wahl des Gewindeprofils richtet sich nach dem Verwendungszweck. So eignen sich
Spitzgewinde wegen der größeren Reibung für Befestigungsschrauben, hingegen Trapez- und
Sägegewinde als Bewegungsschrauben eingesetzt werden.
Die bezeihnungen der Metrischen ISO-Spitzgewinde und Trapezgewinde sind im Abbildung
2 und Abbildung 3 dargestellt.

2
Abbildung 2

3
Abbildung 3

3.3 Genormte Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben


Schrauben. Die wichtigsten Ausführungsformen von Sechskantschrauben sind in Abbildung
4 mit Angaben der Normen und der Benennungen dargestellt. Allgemein gibt es verschiedene
Typen von Schrauben:

Kopfschrauben sind die am häufigsten eingesetzten Schrauben. Sie werden mit metrischem
Gewinde für Durchsteck- oder Einschraubverbindungen verwendet. Für hohe dynamische
Belastungen werden häufig Schrauben mit dünnem Schaft (Dehn- oder
Dünnschaftsschrauben) eingesetzt. Die wichtigsten Hauptmaße für Sechskantschrauben mit
Schaft können Abbildung 5 entnommen werden.
Blechschrauben werden zum Verbinden von Blechen und dünnwandigen Profilen
verwendet. Sie werden im allgemeinen einsatzgehärtet und weisen keine nennenswerte
Dehnung auf. Bei dynamischen Belastungen besteht die Gefahr, daß sich die Schrauben lösen.
Deshalb sollten sie nicht für beanspruchte Verbindungen verwendet werden.
Gewindeschneidende Schrauben werden hauptsächlich in Kunststoff, gewindefurchende in
Leichtmetall geschraubt, wenn aus kostengründen auf das Gewindeschneiden verzichtet wird.
Stiftschrauben werden vorwiegend für Gehäuseverschraubungen verwendet, da insbesondere
bei weichen Werkstoffen wie GG oder Al die Gefahr besteht, daß durch häufiges Anziehen
und Lösen der Verbindung das Gewinde beschädigt wird.

4
Abbildung 4

5
Abbildung 5

Ein Beispiel von Bezeichnung von Schrauben ist in Abbildung 6.

Abbildung 6

Muttern. Die Formen der Muttern richten sich in erster Linie nach den
Bedienungsmöglichkeiten. Die Abmaße für Sechskantmutter mit Regelgewinde Typ 1 sind
angegeben in Abbildung 7.

6
Abbildung 7

3.4 Werkstoffe und Festigkeitswerte


Für Schrauben und Muttern, die aus unlegiertem oder niedriglegiertem Stahl hergestellt sind
und keinen speziellen Anforderungen unterliegen, sind in DIN ENISO 898 besondere
Kurzbezeichnungen für verschiedene Festigkeitsklassen vorgesehen (Tabelle 1).
Tabelle 1

7
3.5 Berechnen von Schraubenverbindungen
Komplexe Mehrschraubenverbindungen können in vielen Fällen wie
Einschraubenverbindungen berechnet werden. Voraussetzung dafür ist, daß die
Schraubenachsen parallel zueinander und senkrecht zur Trennfläche liegen. Außerdem wird
elastisches Verhalten der Bauteile vorausgesetzt. Weiter ist noch darauf hinzuweisen, daß hier
nur zentrisch vorgespannte und zentrisch belastete Verbindungen betrachtet werden.

3.5.1 Verspannungsschaubild

Schraubenverbindungen sind vorgespannte Verbindungen, bei denen durch das Anziehen der
Schraube oder Mutter die Schraube gedehnt und die zu befestigenden Teile (Platten)
zusammengedrückt werden. Die jeweiligen Verformungen sind von den Abmessungen
(Querschnitt und Länge) und von den Werkstoffen (Elastizitätsmodul) abhängig. Sie sind
nach dem Hookeschen Gesetz im elastischen Bereich proportional zur auftretenden
Längskraft. Das Verhältnis von Längenänderung f und Kraft F ist die „elastische
Nachgiebigkeit und entspricht dem Kehrwert der Federrate R bei technischen Federn:

f ℓ 1
δ = = =
F EA R

Für eine vorgespannte Schraubenverbindung mit der Vorspannkraft FV gilt daher:


FV
Federrate der Schraube: Rs =
fS
FV
Federrate der Platten: RP =
fP
In Abbildung 8 sind die Schrauben durch eine Zugfeder und die verspannten Teile durch eine
Druckfeder dargestellt. Nach der Montage stellt sich ein Kräftegleichgewicht derart ein, daß
die Schraubenvorspannkraft FSV gleich der Vorspannkraft der verspannten Teile FPV ist. Die
Darstellung der Federkennlinien von Schrauben und Platten im verspannten Zustand nennt
man Verspannungsschaubild.

Betriebszustand. Greift an der Mutterauflage eine zusätzliche äußere Betriebskraft FA in


Richtung der Schraubenachse an, so wird die Schraube dadurch noch weiter um fA verlängert.
Gleichzeitig wird die Zusammendrückung der verspannten Teile um den gleichen Betrag
verringert. Die Schraube erfährt dadurch eine zusätzliche Belastung um FSA während die
verspannten Teile um FPA entlastet werden.
Betriebskraft: FA=FSA+FPA
max. Schraubenkraft FS = FV + FSA
Klemmkraft: FK = FV – FPA = FS – FA
Es ergibt sich: FA=(RS+RP)fA

1
Schraubenzusatzkraft: FSA = FA
1 + RP / RS
1
Plattenzusatzkraft: FPA = FA
1 + RS / RP

8
Abbildung 8

Ermittlung der Federraten. Die Federkonstanten von Schrauben können leicht und mit
hinreichender Genauigkeit für elastische Verformungen nach dem Hookeschen Gesetz
berechnet werden. Danach ist die Längenänderung f proportional zur Kraft F und der
Ausgangslänge l und umgekehrt proportional zum Elastizitätsmodul E:

Fl
f =
EA

Eine Dehnschraube mit abgesetzten Querschnitten (Abbildung 9) entspricht einer


Reihenschaltung von Federelementen, deren Gesamtverlängerung fS bei einer Belastung mit
der Kraft FS gleich der Summe der Einzelverlängerungen der Abschnitte ist:

f S = f Ko + f1 + ... + f 5 + f GM

9
Abbildung 9

daraus folgt analog zur Reihenschaltung von technischen Federn:


1
δS = = δ Ko + δ 1 + ... + δ 5 + δ GM
RS
Versuche zeigten, daß auch außerhalb der Klemmlänge lK befindliche Bereiche wie Kopf lKo
(δKo) und Gewindeeinschraubbereich lGM (δGM) die Gesamtnachgiebigkeit δS der Schraube
beeinflußen. δGM setzt sich dabei aus der Nachgiebigkeit des eingeschraubten Gewindeteils δG
und der Nachgiebigkeit des Mutters bzw. Einschraubgewindebereichs δM zusammen.
Mit δGM = δG + δM kann die Nachgiebigkeit der Schraube folgendermaßen berechnet werden:

1  ℓ K 0 ℓ1 ℓ ℓ  ℓM
δS=  + +  + 5 + G  +
ES  AN A1 Ad 3 Ad 3  EM AN

Nach VDI 2230 werden folgende Erfahrungswerte angesetzt:


ℓKo=0.5d für Sechskantschrauben
ℓKo=0.4d für Innensechskantschrauben
ℓG=0.5d
ℓM=0.4d und EM=ES für Durchsteckverbindungen
ℓM=0.33d und EM=EP für Einschraubverbindungen
AN=d π/4 (Nennquerschnitt) und Ad3 = d32 · π/4 (Kernquerschnitt)
2

ES: E-Modul der Schraube und EP: E-Modul der verspannten Teile

3.5.2 Gewindekräfte und –momente

Die Kraftverhältnisse in einer Schraubenverbindung können am einfachsten dargestellt


werden, indem die auf alle Gewindegänge verteilte Flächenkraft auf ein Mutterelement
konzentriert wird.
Dieses Mutterelement bewegt sich beim Anziehen und Lösen entlang dem Bolzengewinde,
das in abgewickelter Form eine schiefe Ebene – oder einen Keil – darstellt.

Anziehen einer Schraubenverbindung. Nach Abbildung 10 wird das Element durch die
Schraubenlängskraft FS belastet und von der Umfangskraft FU beim Anziehen keilaufwärts
verschoben. Die dadurch entstehende Normalkraft FN bewirkt nach COULOMB eine Reibkraft
FR, die entgegen der Bewegungsrichtung wirkt und den Reibwinkel γ einschließt. Da jedoch
alle genormten Gewindeprofile geneigte Gewindeflanken aufweisen, erscheint im Kräfteplan
'
nur die Komponente FN , die abhängig vom Flankenwinkel ist:
FN' = FN cos( α / 2 )

10
Für die Reibkraft gilt dann:
FR = FN µ G = FN' µ G'
Damit FR aus dem Kräfteplan, der parallel zur Schraubenachse liegt, berechnet werden kann,
wird ein scheinbarer Reibwert µ G eingeführt, der berechnet werden kann zu:
'

µG
µ G' = = tan(γ ' )
cos(α / 2)
Aus dem Kräfteplan nach Abbildung 10 und Abbildung 11 ergibt sich:
FN' = FUN + FSN = FU sin ϕ + FS cos ϕ
FU ist die Umfangskraft die am Flankendurchmesser d2 angreift (die auf das Gewindemoment
d
sich ergibt, M G = FU 2 ), FS ist die Schraubenlängskraft.
2
Die Reibkraft ist dann:
FR = FN' µ G' = ( FU sin ϕ + FS cos ϕ ) µ G'
Nach der Gleichgewincht der Kräfte auf die Achse x (Abbildung 11) ergibt sich:
FUT = FST + FR
oder:
FU cos ϕ = FS sin ϕ + ( FU sin ϕ + FS cos ϕ ) µ G'

Aus diese Gleichung ist die Umfangskraft:


sin ϕ + cos ϕ ⋅ µ G' sin ϕ + cos ϕ ⋅ tan(γ ' ) tan ϕ + tan(γ ' )
FU = FS = FS = FS = FS tan(ϕ + γ ' )
cos ϕ − sin ϕ ⋅ µ G' cos ϕ − sin ϕ ⋅ tan(γ ' ) 1 − tan ϕ ⋅ tan(γ ' )

Wenn die Umfangskraft am Flankendurchmesser d2 angreift (siehe Definition


Steigungswinkel) und die Schraubenlängskraft FS gleich die Vorspannkraft FV ist, so wird das
Gewindemoment:
d d
M G = FU 2 = FV 2 tan(ϕ + γ ' )
2 2

Abbildung 10

11
x
FUT

FR φ
FST FU
φ
FUN

φ FS FSN

Abbildung 11

Montage einer Schraubenverbindung. Um eine Schraube auf die Schraubenvorspannkraft


FSV anzuziehen, ist zusätzlich zum Gewindemoment MG ein Kopfreibmoment MKR erforderlich,
um die Reibung zwischen Kopf- bzw. Mutterauflage zu überwinden. Unter der Annahme, daß
zwischen Kopf- und Auflage ein Reibbeiwert von μK vorhanden ist und die dadurch
entstehende Reibkraft im mittleren Reibdurchmesser DKm angreift (Abbildung 12), gilt für das
Kopfreibmoment:
D
M KR = FV µ K Km
2
Das bei der Montage aufzubringende Schraubenanzugsmoment ist dann:
d D 
M A = M G + M KR = FV  2 tan(ϕ + γ ' ) + µ K Km 
 2 2 

Abbildung 12

Die Reibbeiwerte im Gewinde μG bzw. µ G und in der Kopfauflage μK weisen große


'

Streuungen auf, da sie von vielen Faktoren abhängig sind, wie z.B. den Werkstoffpaarungen,
der Oberflächenbeschaffenheit (Rauhtiefe, blank oder beschichtet) und der Art der
Schmierung. Versuche ergaben etwa folgende Streubereiche für die μG und μK:

12
Abbildung 13

Um die Betriebssicherheit von Schraubenverbindungen zu gewährleisten, müssen bei der


Montage die erforderlichen Vorspannkräfte möglichst exakt aufgebracht werden, weil eine zu
geringe Vorspannkraft die geforderte Funktion (z.B. Dichtheit) nicht erfüllt und eine zu hohe
Montagevorspannkraft zu einer Überbeanspruchung der Schrauben führt.
Bei allen Montageverfahren ergeben sich infolge der Gewindereibung und der Ungenauigkeit
der Anzugsmethode eine Streuung der Montage-Vorspannkraft FM. Diese
Montageunsicherheit wird bei der Dimensionierung durch einen aus Versuchen ermittelten
Anziehfaktor αA berücksichtigt (aus Tabellen):
F
α A = V max
FV min
Lösen einer Schraubenverbindung. Beim Lösen ändert die Reibkraft FR gegenüber dem
Anziehen ihre Richtung. Das Gewindelösemoment, ohne Berücksichtigung des
Kopfreibmoments MKR ist:
d d
M GL = FU 2 = FV 2 tan(ϕ − γ ' )
2 2
Für den Fall ϕ>γ ist eine Umfangskraft entgegen der Bewegungsrichtung „Lösen“

erforderlich, damit das System im Gleichgewicht bleibt. Wird ϕ<γ’, ist eine Umfangskraft in
Bewegungsrichtung notwendig, um die Schraubenverbindung zu lösen. Man spricht dann von
einem selbsthemmenden Gewinde, weil zum Lösen ein Moment in Löserichtung oder
entgegen der Anziehrichtung aufgebracht werden muß (MGL wird negativ). Daraus ist
ersichtlich, daß Befestigungsschrauben immer selbsthemmend sein müssen, weil mit nicht
selbsthemmenden Schrauben ein Verspannen nicht möglich ist.
Das erforderliche Schraubenlösemoment ergibt sich unter Berücksichtigung des
Kopfreibmoments zu:
d D 
M L = FV  2 tan(ϕ − γ ' ) − µ K Km 
 2 2 
Bei der Berechnung der Anzieh- und Lösemomente ist für FV immer die maximale
Montagevorspannkraft FMmax einzusetzen.

3.5.3 Spannungen in Schraubenverbindungen; Bemessungsgrundlagen

Schrauben sind bei Zug und infolge des Gewindemoments außerdem bei Torsion beansprucht.
Zur Berechnung von Schraubenverbindungen werden im allgemeinen vereinfachende
Berechnungsmodelle und Erfahrungswerte zugrunde gelegt.

Mutterhöhe oder Einschraubtiefe.


Unter der Annahme, daß alle Gewindegänge z gleichmäßig tragen, kann die erforderliche
Mutterhöhe oder Einschraubtiefe m aus der zulässigen Flächenpressung berechnet werden.

13
Mit der tragenden Gewindetiefe H1 und dem Flankendurchmesser d2 wird die gesamte
tragende Fläche gleich z π d2 H1.
Die Flächenpressung ist:
FS
p= < pzul
zπ d 2 H 1
Die Mutterhöhe ist:
FS P
m = zP ≥
π d 2 H1 pzul
Dafür das bei Beanspruchung nicht die Gewindegänge versagen, müssen
Mindestschraubtiefen aus der Tabellen genommen werden.

Montagebeanspruchung.
Beim Anziehen auf die Vorspannkraft FV wird die Schraube auf Zug und infolge des
Gewindemoments MG zusätzlich auf Torsion beansprucht. Da die Reibung im Gewinde ein
Zurückdrehen der Schraube verhindert, wirkt die Torsionsbeanspruchung auch nach dem
Anziehen. Die gleichzeitig wirkende Zug- und Torsionsbeanspruchung wird nach der
Gestaltänderungsenergie Hypothese als Vergleichsspannung dargestellt:
σV =σ red , M = σ 2
z,M + 3τ t2 ≤ ν R p 0, 2
Die Zug- und Torsionsspannungen werden berechnet zu:
F α F
σ z , M = V , Max = A V
AS AS
M G max 16α A FV d 2 tan(ϕ + γ ' ) 8α A FV d 2 tan(ϕ + γ ' )
τt = = =
Wt 2π d33 π d33
AS ist bei normalen Schaftschrauben nach DIN 13 der Spannungsquerschnitt
AS=π/4((d2+d3)/2)2 und bei Dünnschaft- oder Taillenschrauben der Schaftquerschnitt
(AS=AT=π dT2/4). W=d33 π/16 ist das Torsionswiderstandsmoment des Kernquerschnittes, bei
Dünnschaftschrauben wird mit dem Tailliendurchmesser gerechnet (d3=dT). Mit ν=0,9, das
entspricht einer 90%igen Ausnutzung der genormten Mindest-Streckgrenze, kann aus den
obenstehenden Gleichungen die zulässige Vorspannkraft berechnet werden. Für Schrauben
mit Regelgewinde können aus Tabellen die zulässigen Vorspankräfte und Anziehmomente
entnommen werden.

Statische Beanspruchung
Eine axiale Betriebskraft FA erhöht die Zugspannung in der Schraube. Im Betriebszustand ist
die Torsionsbeanspruchung jedoch geringer als im Montagezustand. Die Torsionsspannung τ t
wird daher bei der Ermittlung der Vergleichsspannung nicht in voller Höhe berücksichtigt.
Wenn die Streckgrenze im Betriebszustand nicht überschritten werden darf, gilt nach VDI
2230:
σ red , B = σ z2 + 3(0.5τ t ) 2 ≤ ν R p 0, 2
Die Zugspannung in diesem Fall ist:
FS max FV max + FSA
σ Z= =
AS AS
AS ist bei normalen Schaftschrauben nach DIN 13 der Spannungsquerschnitt
AS=π/4((d2+d3)/2)2 und bei Dünnschaft- oder Taillenschrauben der Schaftquerschnitt
(AS=AT=π dT2/4).

14
Schwingbeanspruchung
Bei einer schwingenden Betriebskraft FA darf der Spannungsausschlag σΑ, der sich aus der
Schwingkraftamplitude FSA,a ergibt, die zulässige Ausschlagspannung σΑ (aus der Tabellen)
nicht überschreiten:
F F − FS , min
σ A = SA, a = S , max
AS 2 AS

Querbelastete Schraubenverbindungen SR = 1,2 … 2,0


Vorgespannte Durchsteckschrauben
werden auch zur Übertragung von
Querkräften durch Reibschluß benutzt
(Abbildung 14). Dabei werden durch die
Vorspannkräfte FV in den
Berührungsflächen der zu verbindenden
Teile Reibkräfte erzeugt, die größer sein
müssen als die wirkende Querkraft FQ.
Die Mindestklemmkraft ist:
S F
FK , min = FV ≥ R Q
µ T ni
Mit:
n=Anzahl der Schrauben
i=Anzahl der Berührungsflächenpaare und
SR=Sicherheit gegen Durchrutschen
Die Reibbeiwerte sind stark vom
Oberflächenzustand abhängig. Als
Richtwerte für den Maschinenbau können Abbildung 14
angegeben werden:
μT = 0,1 … 0,15 (für glatte, nicht fettfreie
Trennfügen)

Flächenpressung zwischen Kopf- und Mutterauflage.


Die aus der maximalen Schraubenkraft FS,max errechnete Flächenpressung sollte deshalb die
Grenzflächenpressung pG des verspannten Werkstoffs nicht überschreiten:
F
p = S , max ≤ pG
AP
Die Auflagefläche berechnet sich nach:
π
AP = ( d w2 − d h2 )
4

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