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Rolf Morrien

Reich durch Aktien


Wie Sie Aktien
immer billig kaufen und
teuer verkaufen

Rolf Morrien

Reich durch Aktien


Wie Sie Aktien
immer billig kaufen und
teuer verkaufen
Reich durch Aktien

Liebe Leser,

die Investoren-Legende Warren Buffett dürfte den meisten von


Ihnen ein Begriff sein. Viele von Ihnen wissen sicher auch, dass
Buffett Anhänger der sogenannten Value-Strategie ist und dass ihn
diese Strategie zum Multimilliardär und zu einem der reichsten
Menschen der Welt machte. Die allerwenigsten von Ihnen wissen
aber wahrscheinlich, dass die Value-Strategie im Wesentlichen auf
Benjamin Graham, den einstigen Lehrer von Buffett, zurückzu-
führen ist.

Die Lehren von Graham sind in den vergangenen Jahrzehnten


weitgehend im Verborgenen geblieben. Zwar schrieb Graham in
den 1930er- und 1940er-Jahren zwei sehr umfangreiche Bücher, in
denen er einen Großteil seiner Lehren weitergab, doch diese Bü-
cher wurden nur von sehr wenigen Privatanlegern gelesen. Zudem
sind einige der Lehren von Graham kaum einem Anleger bekannt.

Ich habe für Sie die in Vergessenheit geratenen Börsengewinn-


formeln Grahams zusammengetragen und zudem die wichtigsten
Inhalte der beiden Graham-Bücher, die zusammen mehr als 1.000
Seiten umfassen, in dem Ihnen jetzt vorliegenden Dossier zusam-
mengefasst. Buffett wurde mit diesen Lehren zum Multimilliardär
und ich möchte Sie mit diesen Lehren, die ich auch in meinem
Börsendienst „Power-Depot“ anwende, in den kommenden Jahren
reich machen.

Ihr Rolf Morrien

1
Inhalt

Vorwort 1

Teil 1: Benjamin Graham in Portrait 3

Teil 2: Das lange Zeit im Verborgenen


gebliebene Erfolgsrezept des
Benjamin Graham 7

Teil 3: Die 9 Kriterien zu perfekten


Aktien-Auswahl 13

Teil 4: Wie Sie Ihr Depot zusammenstellen 19

Teil: 5 Wie Sie die passenden Wertpapiere


auswählen und welche Kennzahlen
ich beachte 25

Teil 6: Meine 5 Lieblings-Zitate von


Benjamin Graham 37

Teil 7: Grundlagen der Value-Strategie 39

Teil 8: Warren Buffett: Der Großmeister


aller Investoren im Kurzportrait 43

Teil 9: Meine 5 Lieblings-Zitate


von Warren Buffett 45

Impressum 46

2
Reich durch Aktien

Teil 1:
Eine Kurzbiografie von Benjamin Graham
Benjamin Graham – der als „Vater“ des Value-Investing gilt –
wurde im Jahr 1894 in London als Benjamin Grossbaum geboren.
Als er ein Jahr alt war, wanderte seine Familie in die USA aus.
Dort wollte sein Vater eine Niederlassung des Großbaumschen
Porzellanhandels aufbauen. Die ersten Jahre lebte Benjamin mit
seinen zwei älteren Brüdern im New Yorker Wohlstand.

Im Jahr 1903 änderte sich jedoch alles, denn der Vater starb. Da-
durch begann der wirtschaftliche Abstieg der Familie. Benjamins
Mutter verfügte über wenig Geschäftssinn. Daher scheiterte ihr
Versuch, eine Pension aufzubauen. Im Jahr 1907 verlor sie wäh-
rend einer Finanzkrise schließlich nahezu ihr gesamtes Vermögen
durch kreditfinanzierte Spekulationen mit Aktien.

Wahrscheinlich hat diese einschneidende Erfahrung dazu beigetra-


gen, dass Graham später stets den Kapitalerhalt in den Vorder-
grund stellte. Anders als sein berühmtester Schüler Warren Buffett
interessierte sich Graham als Jugendlicher zunächst nicht für ge-
schäftliche Angelegenheiten, sondern entschied sich für eine klas-
sische Ausbildung. Graham war ein in vielerlei Hinsicht begabter
Schüler und ein absoluter Bücherwurm.

Seine berechtigten Hoffnungen, ein Stipendium für das renommier-


te Columbia College zu bekommen, zerschlugen sich zunächst auf-
grund einer Verwechslung innerhalb der Universitätsverwaltung.
Als dies im darauffolgenden Jahr korrigiert wurde, meinte der da-
mals 17-Jährige, ein Jahr verloren zu haben, und nahm sich vor,
das Studium in nur drei statt vier Jahren zu absolvieren.
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Reich durch Aktien

Letztlich schaffte Graham den Abschluss als Zweitbester nach


lediglich zweieinhalb Jahren. Dies ist umso bemerkenswerter, als
er während dieser Zeit gleichzeitig in einem Vollzeitjob arbeitete.
Graham erhielt anschließend Angebote der Philosophischen,
Mathematischen und Anglizistischen Institute, um dort eine aka-
demische Karriere zu beginnen.

Graham und seine Anfänge an der Wall Street

Der Dekan des Colleges empfahl dem 20-Jährigen jedoch eine


Karriere an der Wall Street. 1914 trat Graham schließlich eine
Stelle bei der Brokerfirma Newburger, Henderson & Loeb an,
obwohl er zuvor nie einen wirtschaftswissenschaftlichen Kurs
besucht hatte.

Zunächst war Graham Laufbursche, machte dann aber schnell


Karriere in der Rentenabteilung der Firma. Er erkannte, dass
er zwar kein guter Anleihenverkäufer war, wohl aber ein guter
„Statistiker“.

Zur damaligen Zeit wurden Wertpapieranalysten noch so ge-


nannt. Da es zu dieser Zeit jedoch noch keine Analyseabteilung
bei Newbuger, Henderson & Loeb gab, wurde Graham kurzer-
hand zu einer Ein-Mann-Abteilung gemacht. Im Jahr 1915 gelang
im der erste große Coup beim Value-Investing. Graham hatte fest-
gestellt, dass die sich in Auflösung befindliche Guggenheim Explo-
ration Company deutlich geringer bewertet wurde, als die einzeln
gehandelten Unternehmensteile.

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Reich durch Aktien

Dadurch war es möglich, einen sogenannten Arbitrageprofit zu er-


zielen. Dieser Erfolg bestätigte Graham, weitere unterbewertete
Aktien zu kaufen. Seine Firma nahm Graham daraufhin im Jahr
1920 – Graham war zu dieser Zeit gerade einmal 26 Jahre alt –
zum Partner. Sein damaliges Einkommen wird heute auf rund eine
halbe Mio. US-Dollar geschätzt.

Die Graham Newman Corporation

Im Jahr 1923 gründet Graham schließlich eine eigene Vermögens-


verwaltung. 1926 erfolgt dann ein Neustart gemeinsam mit Jerome
Newman. Zwei Jahre später folgte Graham einem Ruf der
Columbia Universität. Zu seinen Schülern zählten zahlreiche
spätere Börsenlegenden wie Warren Buffett, Walter Schloss oder
Irving Kahn. Der mit Abstand berühmteste Schüler von Graham
war jedoch Warren Buffett, der als erfolgreichster Investor aller
Zeiten gilt und derzeit der viertreichste Mensch der Welt ist. Mehr
über Buffett und seine Anlagestrategie erfahren Sie später in die-
sem Dossier.

Graham, der neben seiner Lehrtätigkeit auch noch in der Vermö-


gensverwaltung tätig war, erhielt im Jahr 1929 einen empfindli-
chen Dämpfer. Der große Crash in jenem Jahr hatte zur Folge,
dass von 2,5 Mio. US-Dollar, die Graham vor dem Crash verwal-
tete, im Jahr 1932 nur noch 375.000 US-Dollar übrig geblieben
waren. Daraufhin arbeitete Graham in den folgenden fünf Jahren
ohne Gage, um das Vermögen seiner Kunden wieder aufzubauen.
Parallel dazu verfasste Graham zusammen mit David Dodd sein
Werk „Wertpapieranalyse“, das 1934 erstmals erschien und heute
zu den Klassikern der Finanzliteratur zählt.

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Reich durch Aktien

Im Jahr 1949 erschien das zweite Meisterwerk von Graham, das


den Titel „Der intelligente Investor“ (englischer Originaltitel:
„The Intelligent Investor“) trägt und heute für Value-Investoren
weltweit als eine Art Bibel gilt. Zudem veranlasste dieses Buch
Buffett dazu, bei Graham zu studieren. Buffett sagte einmal, dass
dieses Buch das beste sei, das je über das Investieren geschrieben
wurde.

Graham hatte in Buffett seinen Meisterschüler gefunden. Denn


Buffett war der einzige Student, der jemals in einem Graham-Kurs
die Note A+ (die Bestnote) erhielt. Im Jahr 1954 wurde Buffett
schließlich auch Mitarbeiter in Grahams Vermögensverwaltung
Graham Newman. Im Jahr 1956 setze sich Graham zur Ruhe. Er
hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie wieder Geld verloren und seinen
Anlegern eine Rendite von 17% pro Jahr beschert.

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Reich durch Aktien

Teil 2:
Das lange Zeit im Verborgenen gebliebene
Erfolgsrezept des Benjamin Graham
Kommen wir jetzt zum Erfolgsrezept des Benjamin Graham, das
lange im Verborgenen geblieben war oder zumindest für Jahrzehn-
te nur einer kleinen Gruppe von Anlegern bekannt war. Zu diesen
Anlegern zählt beispielsweise Warren Buffett, der mit dem Erfolgs-
rezept von Graham zum Multimilliardär und zum erfolgreichsten
Investor aller Zeiten wurde. Den Kern von Grahams Erfolgsrezept
bilden die folgenden Leitsätze.

Die Leitsätze des Benjamin Graham

Nach Grahams Überzeugung ist es die Aufgabe eines Investors,


den wahren, objektiven Wert eines Wertpapiers zu ermitteln und
wesentlich weniger dafür zu bezahlen. Aus dieser einfachen Fest-
stellung lassen sich mehrere Grundregeln ableiten:

• Investieren Sie nur in Aktien eines Unternehmens, wenn aus-


reichend Informationen zu einer realistischen Beurteilung des
inneren Wertes zur Verfügung stehen.
• Investieren Sie nur, wenn eine Sicherheitsmarge gegeben ist.
• Investieren Sie nur, wenn Sie so lange warten können, bis der
Markt den inneren Wert erkennt.

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Reich durch Aktien

Denken Sie stets an Mr. Market

Graham unterscheidet zwischen Anlegern und Spekulanten. Spe-


kulanten versuchen, kurzfristige Bewegungen vorherzusagen und
dementsprechend zu kaufen bzw. zu verkaufen. Graham war der
Überzeugung, dass Value-Anleger wie er den Spekulanten haus-
hoch überlegen seien. In der berühmten „Parabel“ in „The Intelli-
gent Investor“ macht Graham uns mit Mr. Market bekannt. Mr.
Market ist unser Geschäftspartner. Er sagt uns jeden Tag, welchen
Preis er für unsere Unternehmensanteile zu zahlen bereit ist und
welchen Preis er für seine Anteile fordert.

Leider ist Mr. Market jedoch manisch-depressiv veranlagt. An


manchen Tagen ist er in Hochstimmung und bereit, unsere Anteile
weit über ihrem tatsächlichen Wert zu kaufen. An anderen Tagen
bildet er sich sein, unser Unternehmen stünde vor dem Ruin, und
er legt eine Notierung weit unter seinem wirklichen Wert fest.
Haben diese Kursschwankungen nun irgendeinen Einfluss auf den
inneren Wert des betreffenden Unternehmens? Nein!

Graham sieht in Mr. Market einen Freund, denn durch diese irra-
tionalen Kursschwankungen haben wir regelmäßig Gelegenheit,
Aktien unter ihrem inneren Wert zu kaufen und darüber zu ver-
kaufen. Und wenn wir dabei eine ausreichend große Sicherheits-
marge zwischen Kurs und Wert einhalten, können wir es uns leis-
ten, darauf zu warten, bis die Börse (bzw. Mr. Market) den wirkli-
chen Wert erkennt und uns einen entsprechenden Kurs bietet.

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Reich durch Aktien

Der faire Wert

Der innere oder faire Wert eines Unternehmens ist laut Graham
der Wert, den die Wirtschaftseinheit für einen privaten Eigentümer
rational darstellt. Darunter fallen alle Vermögensgegenstände der
Firma, aber auch alle künftigen Gewinne und Dividendenzahlun-
gen müssen berücksichtigt werden. Ein Unternehmen ist mindes-
tens so viel wert wie der Betrag, der bei einer Liquidierung des Be-
triebes (also bei einem Verkauf aller Vermögensgegenstände) er-
zielt werden könnte.

Für dauerhaft bestehende Unternehmen leiten Value-Investoren


wie Munger und Buffett die faire Bewertung von der Ertragskraft
ab, also von den Gewinnen, die das Unternehmen dauerhaft er-
wirtschaften kann. Bereits Graham befürwortete dieses Konzept,
erzielte seine größten Erfolge jedoch mit seiner frühesten Invest-
mentstrategie, die sich ausschließlich an der Bilanz orientiert.

Investmentansätze nach Graham

Im Laufe der Jahre entwickelte Graham drei verschiedene Invest-


mentansätze. Der erste ist ausschließlich am bilanzierten Vermö-
gen eines Unternehmens orientiert, ein zweiter an quantitativen
Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und Gewinnwachs-
tum. Der dritte Ansatz fordert von Ihnen als Aktionär unterneh-
merisches Denken und eine Prognose über die Zukunft des infrage
kommenden Unternehmens, denn die wirtschaftliche Leistungs-
kraft ist ein sehr entscheidender Faktor für die Bewertung. Warren
Buffett hat diesen Ansatz von seinem Lehrer Benjamin Graham
übernommen und perfektioniert, was ihn zum erfolgreichsten In-
vestor aller Zeiten machte.

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Reich durch Aktien

I. Der konservative Ansatz oder die Net-Net-Regel

Graham bevorzugte bei der Analyse von Unternehmen die Bilanz


als erste und wichtigste Informationsquelle. Mithilfe der Vermö-
gensaufstellung – einem Investmentansatz, den Graham in den
1930er Jahren entwickelt hat – lassen sich die sogenannten Net-
Nets finden.

Dies sind Unternehmen, bei denen der Wert des Umlaufvermögens


(dazu zählen die Barmittel, das Inventar und die Forderungen ge-
genüber Kunden) abzüglich aller Verbindlichkeiten (kurz- und
langfristig) größer ist als der Börsenwert (also der Wert aller Ak-
tien). Nach dem Crash von 1929 traf dies auf eine große Anzahl
von Unternehmen zu. Heute lassen sich solche Werte nur sehr
selten finden (nur nach Crash-Phasen, die dadurch phantastische
Gewinn-Möglichkeiten für Aktionäre bieten). Zu berücksichtigen
ist außerdem, dass diese Strategie neben dem bereits genannten
Kriterium finanzielle Stabilität, gute Geschäftsaussichten und ein
gutes Management erfordert.

II. Eine Strategie für defensive Investoren

Die zweite von Graham entwickelte Strategie ist für alle Anleger
gedacht, die ihr Geld besonders risikoarm und mit wenig Auf-
wand investieren wollen. Die Regeln sind einfach. Jedes infrage
kommende Unternehmen sollte folgenden Kriterien entsprechen:

• Es sollte sich um ein großes bedeutendes Unternehmen


handeln
• Finanzielle Stärke sollte gegeben sein

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Reich durch Aktien

• Dividenden sollten stetig ausgeschüttet werden


• Es sollte ein stabiles Gewinnwachstum geben
• Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sollte moderat sein
• Der Marktwert des Unternehmens sollte den Buchwert (also
den bilanziellen Wert) nicht signifikant übersteigen

Mit dieser Strategie lassen sich laut Graham zwar keine Traum-
Renditen erzielen, dafür können Sie Ihr Geld mit dieser Strategie
risikoarm und mit geringem zeitlichen Aufwand anlegen und da-
bei Renditen von rund 8% pro Jahr erwarten. Dies ist der Wert,
den Aktien langfristig (inklusive Dividenden) bringen.

Ich habe diese Strategie von Graham ein wenig weiterentwickelt


und meinerseits neun Kriterien aufgestellt, die Sie aus meiner Sicht
berücksichtigen sollten, wenn Sie Ihr Geld langfristig, risikoarm
und mit wenig zeitlichem Aufwand anlegen wollen.

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Reich durch Aktien

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Reich durch Aktien

Teil 3:
9 Kriterien für Ihre Aktien-Auswahl
1) Das Unternehmen muss eine Preissetzungsmacht besitzen
und in der Lage sein, steigende Kosten schnell auf die Kunden
abwälzen zu können

Ein möglicher Indikator für eine große Preissetzungsmacht ist ein


bekannter Markenname. Ein bekannter Markenname bietet gleich
mehrere Vorteile. Zum einen erleichtert das die weltweite Expan-
sion, zum anderen sind Kunden/ Konsumenten bereit, für „Mar-
kenartikel“ mehr Geld zu bezahlen. Unternehmen mit einer star-
ken Marke besitzen also eine starke Preissetzungsmacht.

2) Vorteilhaft ist eine globale Präsenz

Auch eine Weltwirtschaftskrise trifft nicht jedes Land, nicht jeden


Markt, mit gleicher Wucht. Es gibt immer Länder und Regionen,
die besonders im Feuer stehen und gleichzeitig andere Länder, die
sich relativ wacker halten. In der Krise 2008/2009 haben zum
Beispiel viele Länder in Asien den Wachstumskurs halten können.
Unternehmen, die in diesen Märkten vertreten waren, konnten so
die Verluste in westlichen Märkten abfangen.

3) Nur ein relativ kleiner Teil des Mittelzuflusses (Cashflow) muss


wieder in das Unternehmen investiert werden

Ich bevorzuge Aktien von Unternehmen, die in einer Konjunktur-


krise schnell den Gürtel enger schnallen können. Als Faustformel
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Reich durch Aktien

gilt: Wenn durchschnittlich nicht mehr als 40% des Cashflows in-
vestiert werden, reicht der Puffer für Dividendenausschüttungen
und Rücklagen. Wichtig ist daher, dass die notwendigen Investi-
tionen gesteuert werden können. Muss ein Unternehmen auch in
der Krise permanent viel investieren, kann es passieren, dass das
operative Geschäft dafür nicht genug Geld abwirft und die Inves-
titionen mit Hilfe von Krediten finanziert werden müssen, oder
eine technologische Weiterentwicklung verpasst wird und der
Maschinenpark veraltet.

4) Entscheidend ist auch eine niedrige Verschuldung


(= hohe Eigenkapital-Quote)

Eine solide Eigenkapital-Quote von mindestens 30% sorgt dafür,


dass die Unternehmen in Krisen-Zeiten ein finanzielles Polster be-
sitzen. Bei Unternehmen mit Eigenkapital-Quoten von unter 20
oder sogar unter 10% stellt sich dagegen die Frage, wie die nächs-
te Konjunkturkrise überstanden werden soll und wer im Unter-
nehmen die Macht hat.

5) Zu den Favoriten gehören Unternehmen, die Güter des


täglichen Bedarfs herstellen

Sämtliche Auswertungen zeigen, dass Unternehmen, die Güter des


täglichen Bedarfs herstellen (von der Flasche Wasser über Toilet-
tenpapier bis hin zur Zahnpasta), in der Krise die besten Überle-
bens-Chancen besitzen. Diese Güter müssen immer gekauft wer-
den und damit verdienen die Produzenten immer Geld. Zyklische
Aktien von Unternehmen, die stark von der Konjunkturentwick-
lung abhängen, eignen sich dagegen nicht als langfristige Depot-

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Reich durch Aktien

Positionen. Sie sollten zyklische Aktien als kurz- und mittelfristige


Anlage-Chancen betrachten.

6) Top-Unternehmen zahlen hohe und stetige Dividenden

Die Dividende gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen bei


einem Börsen-Investment. Je nach Untersuchungszeitraum sind
Dividenden für 40 bis 60% der Gesamt-Performance der Aktien-
anlage verantwortlich. Mit Aktien, die regelmäßig hohe Dividen-
den ausschütten, haben Sie schon die halbe Ernte im Sack. Wich-
tig ist dabei eine stetige Dividendenpolitik. Zahlt ein Unterneh-
men regelmäßig attraktive Dividenden, ist das ein Hinweis darauf,
dass das Geschäftsmodell in guten und schlechten Konjunkturzei-
ten funktioniert. Unternehmen können kurzfristig die Aktionäre
täuschen und Dividenden aus der Substanz zahlen, aber auf Dauer
ist das nicht möglich.

7) Das Unternehmen muss mehrere Krisen-Phasen erfolgreich


überstanden haben

Wie krisenfest ein Geschäftsmodell ist, zeigt sich letztendlich nur


in der Praxis. Jede Konjunkturkrise löst eine Pleitewelle aus. Wenn
ein Unternehmen mehrere Krisen erfolgreich gemeistert hat und
anschließend sogar wieder gewachsen ist, bürgt das für eine ge-
wisse Qualität.

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Reich durch Aktien

8) In der Krise sind einfach zu verstehende Geschäftsmodelle


erfolgreicher

Nahezu alle schwierigen Börsenphasen haben gezeigt, dass Unter-


nehmen mit einem einfachen Geschäftsmodell Schwankungen er-
folgreich überstehen und von den Investoren auch besser kontrol-
liert werden können. Die Kontroll-Möglichkeit ist wichtig, da jede
Aktien-Position regelmäßig überprüft werden muss. Beim Kauf
der Anti-Krisen-Aktien sollten Sie langfristig denken und investie-
ren. Das bedeutet aber nicht, dass es eine Nibelungen-Treue zu
diesen Werten gibt. Ändern sich die Rahmenbedingungen, muss
jede Depot-Position kritisch hinterfragt werden.

9) Zu guter Letzt: Die Aktionäre müssen mit der Aktie Geld ver-
dient haben und weiterhin verdienen

Die bisher genannten Kriterien sind wichtig, aber ein abschließen-


der Punkt darf natürlich nicht fehlen: Mit diesen Aktien wollen
Sie langfristig Geld verdienen. Als Kriterium habe ich ausgewählt:
Die 10-Jahres-Performance muss positiv sein. Aktien, die trotz
Crash-Phasen wie zuletzt zwischen 2007 und 2009 den Besitzern
einen Gewinn gebracht haben, sind die echten Gewinner und
werden auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit hohe Ge-
winne abwerfen.

Wichtig: Es wird nicht nur die Kursentwicklung berücksichtigt.


Auch die Dividenden fließen mit in die Rechnung ein. Wie bereits
beschrieben, machen Dividenden im historischen Rückblick rund
50% der Gesamtperformance aus. Daher dürfen Sie nicht nur die
Kursentwicklung beobachten.

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Reich durch Aktien

III. Grahams Ansatz für professionelle Investoren

Kommen wir jetzt noch zur dritten Strategie von Graham: Diese
Strategie verlangt Ihnen als Anleger die meiste Arbeit ab. Als Lohn
dürfen Sie bei dieser Strategie jedoch stark überdurchschnittliche
Renditen erwarten. Die Grundregeln entsprechen im Wesentlichen
denen der defensiven Methode, können allerdings flexibel gehand-
habt werden.

Das heißt, dass Schwächen in einzelnen Punkten durch Stärken


bei anderen Kriterien ausgeglichen werden können. Die Größe in-
frage kommenden Unternehmens spielt dabei keine Rolle. Sie als
Anleger müssen sich eine Meinung über den inneren bzw. wahren
Wert des Unternehmens bilden. Liegt der innere Wert signifikant
unter dem Börsenwert, ist dies ein Kaufsignal. Verkaufen sollten
Sie dann, wenn entweder die Unternehmensqualität sich ver-
schlechtert hat oder der Kurs der Aktie deutlich über dem fairen
Wert liegt.

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Reich durch Aktien

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Reich durch Aktien

Teil 4:
Wie Sie Ihr Depot zusammenstellen
Da Sie in „Morriens Power-Depot“ nur selten Hinweise zur
Depot-Struktur finden, möchten ich Ihnen an dieser Stelle einige
Erfahrungen aus meiner Berufspraxis mitteilen. Dieser kurze Ein-
schub ist für Sie als Leser des Power-Depots wichtig, weil Sie
Chancen-Investmentbeträge für sich individuell kalkulieren kön-
nen, ohne allzu große Risiken des Verlustes einzugehen. Da sich
auch fast alle Optionsscheine und Hebel-Zertifikate auf Aktien
oder Aktien-Indizes beziehen, werden Ihnen die folgenden Seiten
wichtige Entscheidungshinweise für Ihren langfristigen Börsener-
folg geben.

Behalten Sie Ihr Gesamt-Depot im Auge

Bei der Analyse von Wertpapier-Depots fällt immer wieder auf,


dass langfristig die Anleger, die bei jeder einzelnen Kaufentschei-
dung ihr Gesamt-Depot im Blick haben, besser abschneiden als
Anleger, die sich einzelne Wertpapiere herauspicken und hoffen,
dass in der Summe ein Gewinn herauskommt.

Oft sind viele Unternehmen einer einzelnen Branche sehr günstig.


So hat die Automobil-Branche seit vielen Jahren ein relativ niedri-
ges Durchschnitts-KGV. (Auf die wichtige Bewertungskennzahl
„KGV“ komme ich später in diesem Buch ausführlich zurück.)

Es ist daher wahrscheinlich, dass der „Rosinenpicker“ mehrere


Auto-Werte in seinem Depot hat. Durch diese einseitige Gewich-

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Reich durch Aktien

tung wird das Depot anfälliger für Störungen. Wenn die Automobil-
Branche schwankt, wird auch das ganze Depot wackeln.

Streuen Sie Ihre Anlagen gezielt

Wenn Sie dagegen beim Wertpapier-Kauf Ihr Gesamt-Depot im


Blick haben, werden Sie diesen Fehler vermeiden und Ihr Vermö-
gen auf verschiedene Sektoren verteilen. Schneidet dann eine
Branche schlecht ab, wird das durch andere Wertpapiere ausgegli-
chen.

Das gleiche Grundprinzip herrscht auch bei der Ländergewich-


tung. Einige Anleger schwören auf deutsche Aktien, weil sie jeden
Geschäftsbericht bis ins kleinste Detail prüfen können und so die
vermeintlich besten Unternehmen finden.

Aber was hilft das, wenn der deutsche Markt insgesamt sehr
schlecht abschneidet? So konnten Sie in Deutschland und West-
europa in den 3 Jahren vom Frühjahr 2000 bis zum Frühjahr
2003 nur schwer Geld mit Standard-Aktien verdienen. In Ost-
europa und in einigen asiatischen Ländern stiegen die Indizes
dagegen rasant an.

Das Verhältnis: Chance und Risiko

Die renditestärksten Märkte und Anlage-Formen sind aber auch


oft mit den höchsten Risiken verbunden. Die Königsfrage bei der
Geldanlage lautet daher: Wie können Sie das Verhältnis von Risi-
ko und Chance optimieren?

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Reich durch Aktien

In der Fachliteratur finden Sie ganz unterschiedliche Ansätze. Die


meisten sind zu kompliziert, um sie ohne großen Aufwand umzu-
setzen. Es gibt aber einen ganz einfachen Wunsch, der uns Anleger
verbindet: Das Vermögen soll auf jeden Fall erhalten, und wenn
möglich, eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet wer-
den.

Rendite und Sicherheit müssen kein Widerspruch sein

Wenn Sie diese beiden Faktoren berücksichtigen, kommen Sie als


sicherheitsorientierter Anleger wahrscheinlich auf eine ähnliche
Ausgangsbasis wie hier vorgestellt: Mit 70% des Vermögens wird
das eingesetzte Kapital abgesichert. Das ist das starke Fundament.
Mit den restlichen 30% (Aufteilung wie auf Seite 17 beschrieben:
20% Aktien und Aktienfonds, 10% Trading-Positionen) können
Sie den Rendite-Hebel einsetzen.

Ausgangspunkt dieser 70:30-Verteilung ist die Erfahrung, dass Sie


mit relativ sicheren Anlagen mittel- und langfristig Renditen von
5 bis 7% erreichen können. Beispiele für solche Anlageformen
sind dividendenstarke Aktien, Genussscheine und Index-Zertifikate.

So sichert die 70:30-Strategie Ihr Vermögen

Nehmen wir an, Sie besitzen 100.000 €. Wenn Sie jetzt 70.000 €
über 6 Jahre mit einer jährlichen Rendite von durchschnittlich 6%
anlegen, haben Sie nach dieser Periode ein Kapital von knapp
100.000 €. Damit sichern Sie Ihr Vermögen ab und können
gleichzeitig die restlichen 30.000 € in hochrentable Anlagen wie

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Reich durch Aktien

Optionsscheine, Hebel-Zertifikate, Wandelanleihen und aussichts-


reiche Nebenwerte und Aktien investieren. In diesen Bereich fallen
auch die Empfehlungen der Eil-Mitteilungen.

In der nachfolgenden Tabelle finden Sie eine Aufstellung darüber,


wie viel Kapital (in %) Sie bei unterschiedlichen Anlagezeiträu-
men und Rendite-Erwartungen in hochrentable Anlage-Formen
frei investieren können.

So viel Kapital bleibt Ihnen für Chancen-Investitionen,


wenn Sie 70% sicher investieren

Erwartete Rendite für sichere Investitionen


5 Jahre 4 Jahre 3 Jahre 2 Jahre 1 Jahr
3,50% 15,80% 12,86% 9,81% 6,65% 3,38%
4,00% 17,81% 14,52% 11,10% 7,54% 3,85%
4,50% 19,75% 16,14% 12,37% 8,43% 4,31%
5,00% 21,65% 17,73% 13,62% 9,30% 4,76%
5,50% 23,49% 19,28% 14,84% 10,15% 5,21%
6,00% 25,27% 20,79% 16,04% 11,00% 5,66%
6,50% 27,01% 22,27% 17,22% 11,83% 6,10%
7,00% 28,70% 23,71% 18,37% 12,66% 6,54%
7,50% 30,34% 25,12% 19,50% 13,47% 6,98%
8,00% 31,94% 26,50% 20,62% 14,27% 7,41%
8,50% 33,50% 27,84% 21,71% 15,05% 7,83%
9,00% 35,01% 29,16% 22,78% 15,83% 8,26%
9,50% 36,48% 30,44% 23,83% 16,60% 8,68%
10,00% 37,91% 31,70% 24,87% 17,36% 9,09%

In der Rendite-Zeile und in der Zeitzeile sehen Sie, bei welcher


Rendite-Laufzeit-Kombination Sie welchen Teil Ihres Kapitals in
hochrentable Anlageformen investieren können, ohne insgesamt

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Reich durch Aktien

am Ende der Periode Verluste zu erleiden. Wenn Sie bei den siche-
ren Anlagen eine Durchschnitts-Rendite von 7% erwarten, kön-
nen Sie aus 5-Jahres-Sicht 28,70% frei investieren. Wenn Sie von
9% Rendite ausgehen, sind es schon 35,01%.

Sie sehen, wie wichtig es ist, für den Anteil des Anlagebetrags, der
zu Ihrem Depot passt, Chancen-Investments zu tätigen, um die
Geamtrendite Ihres Vermögens zu steigern. Finanzwirtschaftliche
Basis ist die Theorie von Harry Markowitz, der dafür 1990 den
Nobelpreis erhalten hat.

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Reich durch Aktien

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Reich durch Aktien

Teil 5:
Wie Sie die passenden Wertpapiere auswählen
und welche Kennzahlen ich beachte
Selten ist Ihr Erfolg als Anleger ein Kind des Zufalls. Er hat viel-
mehr ganz wesentlich zu tun mit ...

• ... Ihrer richtigen Analyse und Beurteilung von wirtschaft-


lichen Sachverhalten,
• ... der optimalen Auswahl und Mischung der zur Verfügung
stehenden Anlageinstrumente und
• ... der angemessenen Einschätzung dessen, was man unter der
„Psychologie der Märkte“ versteht.

Doch aus diesen 3 Voraussetzungen allein werden Sie einen dauer-


haften Erfolg als Anleger noch nicht gewinnen. Es ist nämlich eine
Seite, bestimmte Tatsachen und Zusammenhänge mit Blick auf
den von Ihnen erwarteten positiven Kursverlauf einer Aktie, eines
Index-Zertifikats oder eines Optionsscheins richtig zu deuten. Ei-
ne ganz andere ist es, sich unter den gegebenen Umständen auch
situationsgerecht zu verhalten. Daher kommt eine 4. Vorausset-
zung noch hinzu, die leider viele Anleger immer wieder übersehen
und die in bestimmten Situationen sogar die entscheidende ist:

• die gute Kenntnis und kritische Analyse des eigenen Anlage-


verhaltens.

Aber ohne die richtige Analyse und die Kenntnis, wie ein Wert-
papier reagiert, nützen Ihnen die anderen Voraussetzungen auch
nichts, um Erfolg an der Börse zu haben.

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Reich durch Aktien

Aktien-Kennzahlen

Wenn Sie einen der erfolgreichsten Aktienanleger der Welt fragen,


was einen guten von einem schlechten Aktienanleger unterschei-
det, so wird er Ihnen antworten: „Lesen“. Warren Buffett, zweit-
reichster Mann der Welt, meint es auch so wie er es sagt: „Setzen
Sie mich für Wochen und Monate ruhig auf eine einsame Insel,
und ich kann die besten Aktienentscheidungen treffen auch ohne
Zeitung, Börsenmagazine und Börsen-TV. Geben Sie mir aber
bitte die Geschäftsberichte und Bilanzen der Unternehmen mit.“

Jetzt brauchen Sie kein Warren Buffett zu sein, der als Unterneh-
mensanalyst (so bezeichnet er sich selbst) einer der besten ist. Sei-
ne Profession ist es, Tag für Tag, Stunde um Stunde, Geschäftsbe-
richte und Bilanzen zu lesen. Als Aktienanleger schaffen Sie es
aber auch mit weniger Zeitaufwand, sich die Unternehmen genau-
er anzuschauen, die es wert sind, als Qualitätsaktien in Ihrem
Depot langfristig für Wachstum zu sorgen.

Gute Kurse brauchen erfolgreiche Unternehmen

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Werden die wesentlichen


Kennzahlen wie solide Gewinne, gesunde Buchwerte und andere
Unternehmenskennzahlen außer Acht gelassen, werden enorme
Beträge von Aktionärsgeldern regelrecht verbrannt. Einbrüche
selbst im DAX von über 60% machen deutlich: Kurse kommen
immer wieder auf den realen Wert der einzelnen Unternehmen zu-
rück.

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Reich durch Aktien

Mit den folgenden 6 Kennzahlen filtere ich für Sie die


chancenreichsten Aktien aus dem Markt:

1) Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
2) Price-Earning to Growth-Ratio (PEG)
3) Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
4) Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
5) Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)
6) Dividenden-Rendite

Auch wenn Ihnen „Morriens Power-Depot“ die Suche und Analy-


se nach den aussichtsreichsten Qualitätsaktien abnimmt, sollten
Sie die wichtigsten Kennzahlen und ihre Bedeutung kennen. Mit
diesen Kennzahlen erhalten Sie ein einfaches Instrument, Ihre
Aktienauswahl und die in den Eil-Mitteilungen empfohlenen
Aktien anhand der wesentlichen Unternehmenskennzahlen selbst
zu untermauern.

1) Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die gängigste Bewertungs-


kennzahl für Aktien. Im angelsächsischen Raum wird es auch Pri-
ce-Earning-Ratio (PER) genannt. Das KGV zeigt Ihnen an, mit
welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der
Börse bewertet wird.

Die Berechnung:

Aktienkurs
KGV =
Gewinn pro Aktie

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Reich durch Aktien

Ein niedriges KGV muss nicht zwingend ein Kaufargument sein.


Unterschiedliche Gründe können dafür verantwortlich sein, dass
die Aktie günstig bewertet ist, aber trotzdem nur wenig Kurs-
Potenzial bietet:

a) Das Unternehmen hat eine geringe Umsatz- und


Gewinndynamik
b) Das Unternehmen verfügt über geringe Ressourcen (z. B. eine
Minengesellschaft mit fast erschöpften Erzvorkommen)
c) Laufende Klagen belasten die zukünftigen Gewinnaussichten
(zum Beispiel in der Tabakindustrie)
d) Mischkonzerne werden fast immer mit einem Abschlag
gehandelt (eine Ausnahme ist die Beteiligungsgesellschaft
Berkshire Hathaway von Warren Buffett)
e) Unternehmen aus Branchen mit geringen Wachstumsaussichten
werden niedrig bewertet (in der Automobilindustrie gibt es
zum Beispiel zahlreiche Unternehmen mit einem einstelligen
Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Falls Sie also eine Aktie mit einem niedrigen KGV entdecken, soll-
ten Sie in einem ersten Schritt überprüfen, wie hoch die direkten
Mitbewerber bewertet werden. Anschließend stellt sich die Frage,
welche Wachstums- und Gewinnaussichten die Branche und das
ausgesuchte Unternehmen haben. Abschließend sollten Sie sich
über mögliche Klage-Risiken informieren.

Fallen alle Punkte positiv aus, ist das niedrige KGV ein wichtiges
(aber nicht einzig entscheidendes) Kaufargument.

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Reich durch Aktien

Auswahl des Bezugsjahres

Ein möglicher Schwachpunkt ist die schwierige Auswahl des Be-


zugsjahres. Wie oben angegeben, brauchen Sie für die Berechnung
des KGV den Gewinn je Aktie. Für das laufende Geschäftsjahr lie-
gen die ersten Zahlen bereits vor. Dafür ist das Datenmaterial fast
schon wieder veraltet, da an der Börse zukünftige Gewinne höher
bewertet werden.

Der Gewinn je Aktie für das Folgejahr ist für die Kursentwicklung
an der Börse wichtiger, kann aktuell allerdings nur eine grobe
Schätzung sein. Ein zur Zeit scheinbar niedriges KGV kann relati-
viert werden, wenn das Unternehmen im weiteren Jahresverlauf
die Gewinnschätzung verfehlt. Sie sollten daher jede KGV-Schät-
zung kritisch hinterfragen. Es stellt sich immer die Frage, wie
plausibel die Gewinnschätzung ist und wann sie zuletzt überarbei-
tet wurde.

Trotz dieser möglichen Schwächen ist das KGV ein wichtiges


Hilfsinstrument, um günstige und überbewertete Aktien unter-
scheiden zu können.

2) Price-Earning to Growth-Ratio (PEG)

Das traditionelle KGV lässt sich durch eine Erweiterung noch


weiter verfeinern. Die Kennzahl Price-Earning to Growth-Ratio
(PEG) setzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Relation zum
erwarteten Gewinnwachstum.

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Reich durch Aktien

Als Faustformel gilt: Das PEG ist günstig, wenn das KGV maxi-
mal so hoch ist wie das erwartete Gewinnwachstum.

Wächst der Gewinn je Aktie zum Beispiel um 10%, sollte das


KGV auch nicht über 10 liegen. Kann das Unternehmen den
Gewinn dagegen um 30% steigern, wäre auch ein optisch teures
KGV von 30 vertretbar.

Die Berechnung:

Kurs-Gewinn-Verhältnis
PEG =
Gewinnwachstum

Sind KGV und Gewinnwachstum identisch, liegt das PEG bei 1.


Günstig gilt eine Aktie, wenn der Wert bei 1 oder tiefer liegt (Ge-
winnwachstum ist größer als KGV).

Der Berechnungszeitraum

Eine mögliche Schwachstelle ist wiederum der Berechnungszeit-


raum. Zuletzt im Börsenboom 2006/2007 wurden mehrjährige
Wachstumsperioden betrachtet. So gingen damals die Wachstums-
aussichten für das laufende und zwei weitere Jahre in die PEG-Be-
rechnung mit ein. Es hat sich aber gezeigt, dass es angesichts der
unberechenbaren Konjunkturentwicklung fast unmöglich ist, zu-
verlässige Schätzungen für die nächsten 2 oder 3 Jahre abzugeben.
In „Morriens Power-Depot“ setze ich daher fast nur das KGV des
laufenden mit dem Gewinnwachstum des aktuellen Geschäftsjah-
res in Bezug. Mehrjahresergebnisse wären noch aussagekräftiger,

30
Reich durch Aktien

in schwankenden Konjunkturphasen sind die dafür notwendigen


Gewinnaussagen aber zu unsicher.

Das PEG ist eine sinnvolle Ergänzung zum traditionellen KGV


und zeigt an, dass eine Aktie mit einem KGV von 30 nicht zu teu-
er sein muss, wenn das Gewinnwachstum stimmt. Umgekehrt
kann ein KGV von 10 teuer sein, wenn das Gewinnwachstum nur
bei 2 oder 3% liegt.

3) Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Mit dem KGV und PEG habe ich Ihnen Kennzahlen vorgestellt,
die vom Gewinn des Unternehmens abhängen. Das Kurs-Umsatz-
Verhältnis (KUV) können Sie unabhängig vom Gewinn ermitteln.
Das ist speziell bei jungen Wachstumsunternehmen wichtig, die
noch keine Gewinne erwirtschaften. Das KUV können Sie auf
2 Arten berechnen:

Marktkapitalisierung Aktien-Kurs
KUV = oder
Umsatz Umsatz je Aktie

Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KUV, desto preiswerter ist eine


Aktie.

Hier 3 Beispiele für die Einsatzmöglichkeiten des KUV.

a) 2 junge Unternehmen entwickeln neue Suchsysteme für das In-


ternet. Sie stehen in direktem Wettbewerb und bearbeiten den
gleichen Markt. Da die Unternehmen noch rote Zahlen schrei-

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Reich durch Aktien

ben, fällt das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Vergleichskriterium


aus. Besitzt jetzt ein Unternehmen ein KUV von 4 und das
andere eins von 6, ist das erste günstiger bewertet.
b) Die Chip-Industrie ist sehr schwankungsstark. In einem Jahr
verdient ein Chiphersteller einen Milliarden-Betrag, im nächs-
ten Jahr fallen Verluste an. Damit das Unternehmen auch im
Verlustjahr mit Konkurrenten verglichen werden kann, ist das
KUV ein Hilfsmittel.
c) Sie möchten eine Chemie-Aktie kaufen, doch die 2 interessan-
testen Unternehmen haben ein identisches KGV. In diesem Fall
bieten sich weitere Vergleichskriterien an. Besitzt das eine Un-
ternehmen ein KUV von 0,8 und das andere eins von 1,2, ist
das erstere preisgünstiger. Faustformel: Bei etablierten Unter-
nehmen, die sich nicht mehr in der Wachstumsphase befinden,
gilt ein KUV von unter 1 als günstig.

4) Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt Ihnen an, wie das


Eigenkapital eines Unternehmens an der Börse bewertet wird
(Buchwert und Eigenkapital sind in etwa deckungsgleich).

Die Berechnung:

Marktkapitalisierung Aktien-Kurs
KBV = oder
Buchwert Buchwert je Aktie

Besonders interessant sind Unternehmen, die ein KBV von unter


1 aufweisen. Bei diesen Unternehmen ist der Substanzwert höher
als der Börsenwert.
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Reich durch Aktien

Es muss sich aber nicht zwangsläufig um ein Schnäppchen han-


deln. Schreibt ein Unternehmen zum Beispiel Verluste und ver-
nichtet Eigenkapital, ist ein Abschlag gerechtfertigt. Erzielt das
Unternehmen dagegen Gewinne und hat auch ansonsten positive
Aussichten, deutet ein KBV von unter 1 auf eine deutliche Unter-
bewertung hin.

Die Finanzinvestoren schauen, wenn sie neue Übernahmekandida-


ten suchen, oft auf diese Kennzahl. Ein Beispiel ist der Chemie-
Wert Celanese, der durch sein niedriges KBV von 0,6 aufgefallen
ist. Das Ergebnis: eine Übernahme durch einen amerikanischen
Finanzinvestor. Die Celanese-Aktie hatte ich mit Hinweis auf das
niedrige KBV zum Kauf empfohlen.

5) Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Die Kennzahl Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hat sich internatio-


nal als Kriterium für die Bewertung einer Aktie durchgesetzt. Da-
bei ist das KGV in Fachkreisen nicht unumstritten. Der Grund:
Der Jahresüberschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann
von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert wer-
den.

Legale Bilanzierungstricks können vom Management genutzt wer-


den, um den Jahresüberschuss zu beeinflussen. Speziell die Rück-
stellungen und Abschreibungen werden sehr gern zur „Feinjustie-
rung“ genutzt, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Das
KGV ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

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Reich durch Aktien

Ein objektiveres Bild von der Finanzkraft eines Unternehmens bie-


tet der Cashflow. Das ist der Nettozugang an liquiden (flüssigen)
Mitteln während einer festgelegten Periode; also zum Beispiel in
einem Geschäftsjahr.

Sie können den Cashflow berechnen, indem Sie zu dem um außer-


ordentliche Faktoren bereinigten Jahresüberschuss die Abschrei-
bungen auf das Anlagevermögen sowie Veränderungen der lang-
fristigen Rückstellungen addieren.

Das KCV wird wie folgt berechnet:

Aktienkurs
KCV =
Cashflow pro Aktie

Wie beim KGV gilt: Je niedriger das KCV, desto günstiger ist die
Aktie bewertet (wobei stets mehrere Kennzahlen miteinander ver-
glichen werden sollten). Besonders hellhörig sollten Sie werden,
wenn KGV und KCV weit auseinander liegen oder sich in einer
Periode unterschiedlich entwickelt haben.

6) Dividenden-Rendite

Speziell im Frühjahr gewinnt die Dividenden-Rendite an Bedeu-


tung. Der Grund: In den Monaten April und Mai finden die
meisten Hauptversammlungen statt. Einen Tag nach der Haupt-
versammlung wird dann in der Regel die festgelegte Dividende an
die Aktionäre ausgeschüttet.

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Reich durch Aktien

Die Dividende wird von vielen Anlegern unterschätzt. Langfristige


Studien haben gezeigt, dass Sie mit Aktien Durchschnittsrenditen
von 8 bis 10% erreichen können. Kursgewinne sind aber nur ein
Bestandteil. Fast die Hälfte des Zuwachses hängt von den Divi-
denden ab. Zahlt ein Unternehmen regelmäßig Dividenden in Hö-
he von 4 bis 5% aus, haben Sie rund 50% des Potenzials schon
erreicht.

Die Dividenden-Rendite wird wie folgt berechnet:

Dividende je Aktie
Dividenden-Rendite (in %) = × 100
Aktienkurs

Bei der Berechnung dieser Kennzahl gibt es ein methodisches Pro-


blem, das nicht befriedigend gelöst werden kann: Berücksichtigt
man die zuletzt gezahlte Dividende oder die erwartete Dividende?

Die erste Methode hat den Vorteil, dass die Zahlen dann gesichert
sind. Der Nachteil liegt auf der Hand: Aus der alten Dividende
lässt sich nicht unbedingt auf die zukünftige schließen. Wählt man
die erwartete Dividenden-Ausschüttung, muss man immer mit der
Ungewissheit leben, ob die Ausschüttungshöhe tatsächlich erreicht
wird.

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Reich durch Aktien

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Reich durch Aktien

Teil 6:
Meine 5 Lieblings-Zitate von Benjamin Graham
1. „Ich glaube, dass es für eine Minderheit
von Investoren möglich ist, bessere Er-
gebnisse zu erzielen als der Durchschnitt
– unter zwei Voraussetzungen: Erstens
müssen sie ihre Auswahlkriterien auf den
wahren Wert der Papiere konzentrieren,
statt auf den aktuellen Marktpreis. Zwei-
tens müssen sie grundlegend andere
Strategien anwenden als die meisten Käu-
fer von Wertpapieren, sich also möglichst
von der Masse fernhalten.“

2. „Menschen, die ihre Emotionen nicht


kontrollieren können, sind von
Gewinnen an der Börse ausgeschlossen.“

3. „Sie haben nicht Recht oder Unrecht,


weil die Menge Ihnen nicht zustimmt. Sie
haben Recht, weil Ihre Daten und Ihre
Schlussfolgerungen richtig sind.“

4. „Geduld ist die oberste Tugend des


Investors.“

5. „Wenn man billig einkauft, muss man


Geduld mitbringen und abwarten, bis der
Markt einem zustimmt.“

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Reich durch Aktien

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Reich durch Aktien

Teil 7:
Grundlagen der Value-Strategie
I. Was die Value-Strategie und Value-Investoren ausmacht

Value-Investoren verlassen sich nur auf die Fundamentalanalyse


der finanziellen Daten eines Unternehmens und laufen nicht den
kurzfristigen Modetrends der Börse hinterher. Value-Investoren
versuchen, Aktien zu finden, deren Kurse unter dem fairen Wert
der Aktie liegen. Wenn nach Ansicht von Value-Investoren Aktien-
kurse unter dem fairen Wert der Aktie liegen, ist damit Folgendes
gemeint: Der aktuelle Kurs liegt unter dem Wert der künftigen
Cashflows eines Unternehmens.

Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass die erwarteten künftigen


Cash-Zuflüsse des Unternehmens einen höheren Aktienkurs recht-
fertigen. Die Unterscheidung zwischen dem Kurs und dem Wert
einer Aktie ist ein entscheidendes Abgrenzungsmerkmal gegenüber
so gut wie allen anderen Anlagestrategien an der Börse. Denn die
Anhänger der anderen Anlagestrategien gehen davon aus, dass der
Kurs einer Aktie identisch mit dem Wert der entsprechenden Aktie
ist.

Warren Buffett sagt dazu: „Price is what you pay. Value is what
you get“. Das bedeutet: Der Preis ist, was du bezahlst und der
Wert ist, was du bekommst.“ Der aktuelle Aktienkurs kann also
über oder unter dem fairen Wert liegen. Value-Investoren kaufen
eine Aktie dann, wenn der aktuelle Kurs deutlich unter dem
berechneten Wert liegt. So (scheinbar) einfach ist die erfolgreiche
Value-Strategie.

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Reich durch Aktien

II. Ein kurzer Vergleich zwischen Wachstum und Value

Bereits in den späten 50er-Jahren praktizierte der Analyst Philip


A. Fisher eine abgewandelte Form des Value-Investings. Er setzte
auf Unternehmen, deren Gewinnzuwachs versprach, den inneren
(also eigentlichen und vom Kurs unabhängigen) Wert einer Aktie
schnell zu erhöhen. Man spricht bei dieser Strategie von Wachs-
tums-Investoren.

Die Anlage-Strategien der Value- und der Wachstums-Investoren


überschneiden sich in wichtigen Punkten. Beide Strategien beru-
hen auf der Annahme, dass der Kurs einer Aktie nicht zwangsläu-
fig den Wert einer Aktie widerspiegelt. Es gibt allerdings auch
einen großen Unterschied:

Die Value-Investoren betrachten die veröffentlichten (Bilanz-)


Werte und vergleichen diese mit dem aktuellen Kurs. Wachstums-
Investoren betrachten die erwarteten Werte, die sich aus dem
Wachstum ergeben, und vergleichen diese mit dem Kurs.

III. Grundlegende Prinzipien der Value-Strategie

Der deutsche Fondsmanager Frank Fischer, der den „Frankfurter


Aktienfonds für Stiftungen“ managt, gilt als einer der erfolgreichs-
ten Value-Investoren in Deutschland. Er hat 4 Grundsätze erstellt,
die ein Value-Anleger seiner (und meiner) Einschätzung nach be-
achten sollte:

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Reich durch Aktien

1. Die „Sicherheitsmarge“

Eine hohe Sicherheitsmarge sollte beim Kauf einer Aktie das A


und O sein. Der Einstandspreis sollte deutlich unter dem berech-
neten inneren Wert der Aktie liegen. Das ist immer dann beson-
ders gewinnbringend, wenn nervöse Aktionäre in Panik verkaufen
und dadurch für „Ausverkaufspreise“ sorgen. Sogenannte „Crash-
Phasen“ sind also traumhafte Aktien-Kauf-Zeiten für Value-Inves-
toren.

2. Von Schwankungen profitieren

Märkte sind stets anfällig für Kurs-Schwankungen. Die so oft


beschriebenen „effizienten Märkte“ existieren nur phasenweise.
Als Value-Investor sollten Sie bestrebt sein, Preisschwankungen zu
Ihren Gunsten zu nutzen. Wenn andere Anleger gierig werden,
sollten Sie verkaufen und wenn andere Anleger Angst haben und
sich in Panik von ihren Aktien trennen, sollten Sie bei unterbewer-
teten Aktien auf der Käuferseite stehen.

3. Das „Unternehmens-Eigentümer-Konzept“

Denken Sie als Investor langfristig – wie ein guter Unternehmer.


Sie sollten zu einem guten Preis in ein gutes Management und
gute Produkte investieren.

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Reich durch Aktien

4. Das „Burggraben-Prinzip“

Das richtige Unternehmen für Ihr Investment sollte über einen


Burggraben verfügen. Gemeint ist damit eine Marktposition, die
dauerhafte Wettbewerbsvorteile garantiert. Je tiefer und je ausge-
prägter dieser Burggraben ist, umso dauerhaft ertragreicher ist die
Marktstellung des Unternehmens.

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Reich durch Aktien

Teil 8:
Warren Buffett: Der Großmeister aller Investoren
im Kurzportrait
Warren Buffett, der berühmteste und erfolgreichste Graham-
Schüler, wurde am 30. August 1930 als zweites Kind des Brokers
und späteren Kongressabgeordneten Howard Buffett und dessen
Frau Leila in Omaha geboren. Sein erstes Geld verdiente Buffett
im Sommer 1936, indem er Coca-Cola-Sixpacks für 25 Cent
kaufte und die Einzelflaschen für jeweils 5 Cent wieder verkaufte
(= 30 Cent Verkaufserlös und 5 Cent Gewinn je Sixpack). Diese
Gewinnmarge von 20% (25 Cent Kapitaleinsatz, 5 Cent Gewinn)
prägte das weitere Geschäftsleben von Buffett.

Später verdiente er Geld als Zeitungsbote, mit der Vermietung von


Flipperautomaten und dem Verkauf gebrauchter Golfbälle. Seine
ersten Erfahrungen mit Geldanlagen und dem Aktienhandel
machte er im Unternehmen seines Vaters. Dort erwarb er im Alter
von elf Jahren seine ersten 3 Aktien.

Schließlich studierte er Wirtschaft und traf im Rahmen seines


Studiums auf Benjamin Graham, der als einer der Väter des Value-
Investing gilt. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete Buffett
eine Zeit lang als Wertpapieranalyst bei Graham-Newman, einem
Brokerunternehmen, das sein ehemaliger Professor Benjamin
Graham mitbegründet hatte.

Im Jahr 1956 gründete Buffett sein erstes eigenes Unternehmen,


die Kommanditgesellschaft Buffett Partnership. Er zahlte symbo-
lisch 100 US-Dollar ein und sammelte zusätzlich 105.000 US-Dol-

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Reich durch Aktien

lar bei Verwandten ein. In der Folge erzielte Buffett Jahr für Jahr
beachtliche Renditen von über 20% pro Jahr und mehrte so das
in sein Unternehmen eingezahlte Kapital.

Im Jahr 1969 löste Buffett die Buffett Partnership auf und bot
seinen Investoren an, ihr Geld in Anteile von Berkshire Hathaway
zum damaligen Kurs von etwa 43 US-Dollar je Anteil zu tauschen.
Im Jahr 2014 notierte die A-Aktie von Berkshire zum 1. Mal ober-
halb von 200.000 US-Dollar!

Anleger, die Buffett im Jahr 1969 1.000 US-Dollar zur Verfügung


stellten, kamen im Jahr 2014 auf ein Vermögen von gut 4,6 Mio.
US-Dollar. Und weil Buffett in den vergangenen Jahrzehnten so
überaus erfolgreich war, pilgern Jahr für Jahr zehntausende von
Anlegern zur Hauptversammlung seiner Beteiligungs-Holding
Berkshire Hathaway. Auch für mich ist das seit über 10 Jahren ein
„Pflichttermin“.

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Reich durch Aktien

Teil 9:
Meine 5 Lieblings-Zitate von Warren Buffett
1. Es ist viel besser, ein hervorragendes
Unternehmen zu einem guten Preis zu
kaufen als ein gutes Unternehmen zu
einem hervorragenden Preis.

2. Konzentrieren Sie Ihre Investments.


Wenn Sie einen Harem mit vierzig Frauen
haben, lernen Sie keine richtig kennen.

3. Wer sich nach den Tipps von Brokern


richtet, kann auch seinen Friseur fragen,
ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt.

4. Man sollte nur in Firmen investieren, die


auch ein absoluter Vollidiot leiten kann,
denn eines Tages wird genau das passie-
ren!

5. Die Frage, wie man reich wird, ist leicht


zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber
bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür.

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