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INHALT

EINLEITUNG.................................................................................................3
KAPITEL I
Gegenstand der deutschen Sprachgeschichte ..................................................8
KAPITEL II
Lexikalische Entlehnungen als ein wichtiger Bestandteil des deutschen
Wortschatzes. Besonderheiten der Entwicklung der lexikalischen Entlehnungen in
verschiedenen Zeiten
2.1. Der germanische Wortschatz.....................................................................13
2.2. Der althochdeutsche Wortschat.................................................................14
2.3. Der mittelhochdeutsche Wortschatz..........................................................17
2.4. Der frühneuhochdeutsche Wortschatz.......................................................20
2.5. Der neuhochdeutsche Wortschatz..............................................................22
KAPITEL III
Lexikalische Entlehnungen in der deutschen Sprache
3.1. Art und Form der lexikalischen Entlehnungen...........................................25
3.2. Lexikalische Entlehnungen in der Literatur................................................29
SCHLUSSFOLGERUNGEN.............................................................................32
LITERATURVERZEICHNIS............................................................................34

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EINLEITUNG
Unter dem Terminus Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur
sowohl den Entlehnungsvorgang, das heißt die Übernahme fremde Sprachgutes,
als
auch das Resultat dieses Prozesses – das entlehnte Lexeme und feste
Wortkomplexe Objekte der Analyse. Zur Betrachtung verschiedener
Integrationsprozesse und funktionalkommunikativer Leistungen des entlehnten
Sprachgutes sind einige Grundbegriffe zu präzisieren. Das sind vor allem Arten
und Formen lexikalischen Entlehnung.
Nach der Art der Entlehnung sind zu unterscheiden:
1. Sach- und Wortentlehnung; 2. Wortentlehnung.
Im ersten Fall, das heißt bei der Sach- und Wortentlehnung, werden fremde
Formative übernommen, deren Sachverhalte in der betreffenden Sprache neue
oder unbekannt sind. Das Ergebnis einer solchen Entlehnung sind zum Beispiel: im
Deutschen genetisch lateinische Wörter, die von den germanischen Stämmen
bei ihrer ersten Berührung mit den Römern übernommen werden: Mauer(mürus),
Ziegel(tegula), Kalk(calx), Pforte(parta), Fenster(fenestra), Keller (cellarium).
Oder Sach- und Wortentlehnungen aus der amerikanischen Variante der
englischen Sprache nach 1945: Motel-Hotel an großen Autostraßen, das besonders
für die Unterbringung von motorisierten Reisenden bestimmt ist, Camping – das
Leben der Freien, im Zelt oder Wohnwagen während der Ferien oder am
Wochenende.
Bei Wortentlehnungen werden fremde Formative übernommen, deren
Sachverhalte in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter ausgedrückt
sind. Es handelt sich hier also primär um die Übernahme von Dubletten:
Pläsier(aus dem Franz., 16 Jh.) für “Vergnügen, Spaß”; Charme, Scharm(aus
dem Franz., 19 Jh.) für “Anmut”, “Liebzeit”, “Zauber”; Apartment(aus dem
Engl. und Amerik. nach 1945) für “Kleinwohnung”; Schwimmingpool (aus dem
Engl. und Amerik. nach 1945) für “luxieriös ausgestattetes Schwimmbad”.

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Mit der vorliegenden Arbeit soll beschrieben werden, welche Rolle die
Entlehnungen im Deutsch spielt. Wir werden nicht nur Entlehnungen forschen,
sondern auch die Geschichte der Entlehnungen in der schönen Literatur und
Politik. Die Hauptaufmerksamkeit konzentriert sich direkt auf die lexikalischen
Entlehnungen und die Geschichte ihrer Entwicklung. Das ist das
Forschungsobjekt unserer Semesterarbeit. Der Forschungsgegenstand sind die
Besonderheiten der Entwicklung der Entlehnungen.
Die Aktualität des erforschenden Problems hängt davon zusammen, dieses
Problem aktiv zu erforschen. Dieses Thema ist auch für uns zweifellos von großer
Bedeutung.
In dieser Arbeit beschäftigen wir uns mit allen Kategorien der Entlehnungen
und mit der Geschichte der Entwicklung von ihnen. Wir werden dabei einige
wichtige Bücher etwas näher betrachten und vergleichen, um besser das Thema
unserer Arbeit zu erforschen. So können wir das Ziel unserer Forschung
formulieren.
Die Hauptaufgaben, die wir hier zu lösen haben, sind folgende:
- die Ermittlung der Anfänge solcher Erscheinung als lexikalische
Entlehnungen;
- die Beschreibung der Besonderheiten der Entwicklung der
Entlehnungen in verschiedenen Zeiten;
- die Erforschung der verschiedenartigen Einflüsse auf den
Entwicklungsprozess der Entlehnungen;
- Analyse der Entlehnungen auf verschiedenen Entwicklungsetappen;
- Erklärung und Bestimmung der Rolle der Entlehnungen im heutigen
Deutsch;
- Erlernen und Analyse der wissenschaftlichen Literatur zur Arbeit.
Insofern unsere Arbeit den Beschreibungscharakter trägt, ist dafür die
deskriptive Methode grundlegend. Außerdem benuzten wir in unserer Forschung
die Methode des Erlernens der wissenschaftlichen und allgemeinphilosophischen
Methoden: Analyse, Synthese und Vergleich.

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Als Stoff zur Forschung dienen Lehrwerken, Fachpublikationen und
Lehrbücher. Da wir in unserer Arbeit den Wandel der Entlehnungen in
verschiedenen Epochen zeigen wollen, waren für unsere Forschung die Materialien
und die Quelle, die sehr alt und die, die erst vor einigen Jahren erschienen, sehr
wichtig. Das bedeutet, dass wir in unserer Arbeit Erfahrungen der alten und neuen
Wissenschaftler analysieren.
Das Buch „Das Fremdwort im Deutschen“ von Eisenberg Peter möchte
einerseits wichtige Ergebnisse der Fremdwortforschung zum Deutschen
zusammenfassen und entwickeln, indem Phonologie, Orthographie, Flexion und
Wortbildung einschl. der Lehnwortbildung für die Gräkolatinismen, Gallizismen
und Anglizismen auf dem Hintergrund der Wortgrammatik des Kernwortschatzes
dargestellt werden. Auf diese Weise wird es möglich, semantische und vor allem
strukturelle Fremdheitsmerkmale zu identifizieren, so dass auch Einzelheiten von
Integrationsprozessen in Richtung Kernwortschatz zugänglich werden. Innerhalb
dieser Systematik kommt es darauf an, die Charakteristika der einzelnen
Großklassen von Fremdwörtern herauszustellen.
Die systematische Beschreibung macht den zweiten Hauptteil des Buches
aus. Im ersten Hauptteil werden ebenso ausführlich die Hauptthemen des
öffentlichen Fremdwortdiskurses und seine historischen Grundlagen abgehandelt.
Dazu gehört einmal die Geschichte der Entlehnungen aus den wichtigsten
Gebersprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Lateinisch und Griechisch. Dazu
gehört weiter die Rolle des Deutschen als Nehmersprache. Spracheinstellungen,
Purismus, Verdeutschungs- und Eindeutschungsbemühungen mit ihren
Materialisierungen in Wörterbüchern kommen zur Sprache. Ein besonderes
Anliegen besteht in der Vermittlung beider Hauptteile: Ständiger Begleiter der
Darstellung bleibt die Frage, was in der Grammatik von Fremdwörtern aus ihrer
Geschichte und Funktionalität aufgehoben ist [9, S.5]. 

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Dieses Buch „Sprache, Politik, Zugehörigkeit“ vereint zwei der
einflußreichsten Theoretikerinnen des letzten Jahrzehnts. Im Streitgespräch
erkunden Gayatri Chakravorty Spivak - gebürtige Inderin und führende Vertreterin
der postcolonial studies - und die Philosophin und Feministin Judith Butler
gemeinsam Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Staates in Zeiten der
Globalisierung. In dem Maß, in dem der Staat im Inneren pluraler wurde, wurden
auch seine äußeren Grenzen zunehmend durchlässig. Die Begriffe "Staat" und
"Nation" erscheinen nicht länger als von Natur aus deckungsgleich. In einer Welt
kultureller, wirtschaftlicher, kriegerischer und klimatischer Verwerfungen, Krisen
und Katastrophen, in einer Welt, die durch Migration, wechselnde Zugehörigkeiten
und sich wandelnde Bindungen geprägt ist, werden Staaten immer mehr zu
Provisorien und ihre Bewohner zunehmend "staatenloser". Das leidenschaftliche
und engagierte Gespräch spannt einen Bogen vom Palästina-Problem zum Denken
des Staates in der Aufklärung und der zeitgenössischen Philosophie; von einer
kritischen Diskussion der Thesen Hannah Arendts und Giorgio Agambens zu der
scheinbaren Detailfrage, ob die amerikanische Nationalhymne - wie schon einmal -
auch mit spanischem Text gesungen werden sollte [16, S.4].
Die vorliegende Semesterarbeit hat sowohl theoretische als auch praktische
Bedeutung. Die theoretische Bedeutung der Forschung besteht darin, dass wir
versucht haben die Besonderheiten der Entwicklung der Entlehnungen in der
schönen Literatur und die Haupttendenzen ihren Existenz indem politischem Leben
Deutschlands zu systematisieren und zu analysieren. Die praktische Bedeutung
besteht darin, dass der Lehrer und die Studenten der philologischen Fakultät diesen
Stoff benutzen können. Er kann die Kenntnisse der Studenten in der deutschen
Lexikologie und in der Geschichte und Literatur der deutschen Sprache vertiefen
und erweitern. Die Materialien können im Fremdsprachenunterricht beim Erlernen
einzelner Themen, wie “Lexikalische Entlehnungen im Deutschen ”, “Sprache und
Politik ”, “Literatur und Politik ” usw, in der außerschulischen Arbeit und im
Zirkel ausgenutzt werden.

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Entsprechend den Aufgaben haben wir folgende Struktur der Semesterarbeit
gewählt: Einleitung, 3 Kapitel, Schlussfolgerungen und Literaturverzeichnis.
In der Einleitung sind Aktualität des Themas, Ziele und Aufgaben der
Arbeit bestimmt, Methoden der Forschung genannt, praktische und theoretische
Bedeutung der Arbeit beleuchtet.
Im 1. Kapitel wird Gegenstand der deutschen Sprachgeschichte
dargestellt. Die Hauptaufmerksamkeit konzentriert sich auf die
Entwicklungstendenzen der deutschen Sprachgeschichte.
Im 2. Kapitel handelt es sich um die Geschichte der lexikalischen
Entlehnungen. Es wird die Geschichte dargestellt. Die Hauptaufmerksamkeit
konzentriert sich auf die lexikalischen Entlehnungen und Fremdwörter.
Das 3. Kapitel zeigt uns die Entwicklung der lexikalischen Entlehnungen
heutzutage. Es wird die Analyse der lexikalischen Entlehnungen in der deutschen
Sprache und Literatur dargestellt.
In Schlussbemerkungen sind die Schlussfolgerungen unserer
Semesterarbeit angeführt, die wir auf Grund unserer Forschungen gezogen haben.
Das Literaturverzeichnis enthält die Liste der Literatur, die wir im Laufe
der Forschung studiert und analysiert haben.

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KAPITEL I
GEGENSTAND DER DEUTSCHEN SPRACHGESCHICHTE
Deutsch ist eine der verbreitetsten sprachen der Gegenwart mit einem
reichen Wortbestand und ausgearbeitete grammatischen System.
Wie jede Sprache ist auch Deutsch im Wandel begriffen, es unterliegt der
ständigen Veränderung. Die sprache ist ein soziales Phänomen, das wichtigste
Veständigungsmittel in der Gesselschaft. Deshalb ist die Entwicklung der Sprache
vor allem sozial bestimmt.
Die Sprache ist ein dynamisches System; sie ändert, entwickelt und
vervollkommnet sich. Nur ihre soziale Funktion, ein Kommunikationsmittel für die
menschliche Gemeinschaft zu sein, bleibt konstant. Viele Ursachen bewirken den
Sprachwandel, sowohl extra- als auch intralinguitische. Zu den ersten gehören die
Völkerwanderungen, Kontakte zwischen einzelnen Völkern, woraus sich
gegenseitige Beeinflussung von Sprachen, z.B. in form der Entlehnungen (vor
allem im Wortschatz) ergibt.
Was die intraliguistischen Faktoren des Sprachwandels betrifft, so lassen
sich hier nach V.Skalicka folgende Gesetzmäßigkeiten feststellen:
1) Stabilität und Kontinuität der Struktur einer Sprache. Das bedeutet,
dass sich die Veränderungen in der Sprache nicht sprunghaft und nicht allzurasch
vollziehen, denn sonst könnte die Sprache ihre Wesenszüge als
Verständigungsmittel schnell einbüßen.
2) Die Systemhaftigkeit des Sprachwandels. Sie besteht darin, dass beim
Verlust bestimmte Ausdrucksmittel einer Eigenschaft der Sprache diese durch
andere Mittel ersetzt werden können. Die Veränderung eines Elements der Sprache

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bewirkt auch die (teilweise) Veränderung der anderen Elemente, die mit dem
ersten im Zusammenhang stehen. Im Althochdeutschen zum Beispiel wurden die
meisten grmmatischen Kategorien vorwiegend durch morphologische
formbildende Mittel und nicht auf syntaktische Weise ausgedrückt. Deshalb war
die Wortfolge im Ahd. relativ frei. In der modernen deutschen Sprache sind die
morphologischen Formaten recht oft unifiziert und der syntaktische Werteines
wortes wird durch seine Stellung im Satz bestimmt. Hier gleichen sich die
morphlogischen und syntaktischen Sprachmittel gegenseitig aus.
3) Der Fortschritt in der Entwicklung der Sprache. Er besteht darin, dass
sich jede Sprache in ihrer Entwicklung vervollkommnet, sich den steigenden
Bedürfnissen der Gesselschaft anpasst.
Als eine inhärente Gesetzmäßigkeit der Sprachentwicklung ist die Tendenz
zur Vereinfachung des Sprachsystems einerseits und das Streben nach
Vervollkommnung der sprachlichen Ausdrucksmittel andrerseits zu vermerken.
Die Motive der Sprachökonomie sind hier von entscheidender Bedeutung.
Das sind die wichtigsten Gesetze, die den Verlauf der Sprachentwicklung
bestimmen. Sie betreffen alle Bereche des Sprachsystems: den Phonembestand,
den Wortschatz sowie den grammatischen Bau einer Sprache. Deshalb ist die
Erforschung einer Sprache in der Diachronie von unverkennbarer Bedeutung.
Unentbehrlich ist die historische Betrachtung der deutschen Sprache für einen
Germanistik-Studenten, denn nach kann eine moderne Sprache nicht allseitig
erfassen, ohne ihr System in historischer Perspektive gelernt zu haben, vor allem
ihren Ursprung und ihre Entwicklung, sowie die geschichtlichen Beziehungen
dieser Sprache zu anderen, in erster Linie benachbarten, Sprachen [9, S.10-12].
Das Deutsche gehört zur Familie der indoeuropäischen Sprachen. Es ist
daher verwandt u. a. mit dem Indischen, dem Iranischen, dem Griechischen, den
slawischen und baltischen Sprachen, dem Lateinischen einschließlich der von
diesem abgeleiteten romanischen Sprachen (u. a. Rumänisch, Italienisch,
Französisch, Spanisch, Portugiesisch) sowie mit dem Keltischen; innerhalb der

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indoeuropäischen Sprachfamilie gehört das Deutsche zusammen mit dem
Englischen, dem Friesischen, dem Niederländischen, den skandinavischen
Sprachen (außer Finnisch) und dem heute ausgestorbenen Gotischen zum Zweig
der germanischen Sprachen. Diese unterscheiden sich von den anderen
indoeuropäischen Sprachen durch eine Veränderung der Verschlusslaute, die wohl
im ersten vorchristlichen Jahrtausend stattgefunden hat: die so genannte erste oder
germanische Lautverschiebung (vgl. z. B. lat. pater, ital. padre vs. engl. father, dt.
Vater; grch. karpos ›Frucht, Ernte‹, lat. carpere ›ernten, pflücken‹ vs. engl.
harvest ›Ernte‹, dt. Herbst ›Erntezeit‹).
Das Hochdeutsche im Unterschied zu den übrigen germanischen Sprachen
und Dialekten (auch zum Niederdeutschen) bildete sich durch die so genannte
zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung heraus, die gegen Ende der
Völkerwanderungszeit, wahrscheinlich zwischen dem fünften und dem achten
nachchristlichen Jahrhundert stattfand und noch einmal das Konsonantensystem
veränderte (vgl. z. B. engl. to vs. hochdt. zu; engl. apple vs. hochdt. Apfel;
niederdt. dat vs. hochdt. das, niederdt. maken vs. hochdt. machen).
Das Hochdeutsche, das durch die zweite Lautverschiebung entsteht, darf
man sich indessen keineswegs als einheitliche Sprache vorstellen. Es ist vielmehr
die in sich durchaus inhomogene Gesamtheit einer Reihe von Dialekten, die im
Übrigen auch nicht Resultat der Aufspaltung einer ursprünglichen Einheit sind,
sondern von Anfang an eigenständige, wenngleich eng verwandte Sprachen
germanischer Stämme waren, die als solche vom Lautwandel betroffen wurden.
Die zweite Lautverschiebung änderte nicht nur nichts an der prinzipiellen
Verschiedenheit der Mundarten, im Gegenteil, sie verfestigte sie. Geographisch
gesehen breitete sie sich, ausgehend von den am weitesten südlich angesiedelten
westgermanischen Stämmen, den Alemannen, Baiern und Langobarden, nach
Norden hin aus, wobei ihre Auswirkungen jedoch immer geringer wurden.
Dadurch kommt die bis heute im Wesentlichen erhalten gebliebene
Gliederung der deutschen Dialektlandschaft zu Stande: Nur in den am weitesten
südlich gesprochenen, den oberdeutschen Mundarten wurde die zweite

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Lautverschiebung vollständig durchgeführt; zum Mitteldeutschen hin wurde sie
schrittweise immer unvollständiger übernommen, sodass in den einzelnen
Gebieten
unterschiedliche Konsonantensysteme anzutreffen sind. Während man im
Alemannischen Apfel und das sagt, heißt es im Kurpfälzischen Appel und das, im
Rheinland hingegen Appel und dat.
Die Frage, wie es zur Ausbreitung der zweiten Lautverschiebung von Süden
nach Norden bei gleichzeitiger Abschwächung kam, ist nicht mit Sicherheit zu
beantworten. Mutmaßen könnte man, dass zwei Faktoren eine Rolle gespielt
haben: Zum einen existierte prinzipiell ein kulturelles Übergewicht des Südens
über den Norden, das sich aus der jahrhundertelangen römischen Kolonialisierung
und Besiedelung herleitet. Durch sie standen die südlichen Stämme unter dem
Einfluss des Mittelmeerraums und konnten für die nördlicheren kulturelle
Vermittler- und Vorbildfunktion übernehmen. Dass sie ihnen auch sprachlich als
Vorbilder, als besser Sprechende galten, ist im Mittelalter immer wieder bezeugt.
Demgegenüber ist jedoch nicht nur die große räumliche Distanz zu
berücksichtigen, durch welche die Ausbreitung des Lautwandels abgeschwächt
worden sein dürfte, sondern auch die kulturelle Bedeutung, die den mittleren
Stämmen, vor allem den Franken, in den Jahrhunderten der zweiten
Lautverschiebung zukommt und die einer Vorbildfunktion südlicher Dialekte
entgegengewirkt haben dürfte. Die Franken hatten es aufgrund ihrer politischen
Vormachtstellung nicht nötig, sich durch gezielte Nachahmung anderer Mundarten
sprachlich aufzuwerten.
Die Periodisierung der Geschichte einer Sprache ist nichts objektiv
Vorgegebenes; vielmehr muss jeder Sprachhistoriker entscheiden und darüber
Aufschluss geben (zumindest sich selbst), nach welchen Kriterien er die zeitliche
Abfolge unterteilt. Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten: Einerseits können
sprachinterne Aspekte wie Laut- und Formenwandel, Wortschatz- und
Syntaxentwicklung herangezogen werden, andererseits ist es möglich, sich an

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sprachexterne Aspekte zu halten und die Relevanz kulturhistorischer Fakten,
Phänomene und Prozesse für die Sprachgeschichte zu betonen.
Zu nennen wären beispielsweise: die Kulturpolitik Karls des Großen und die
Rolle der Klöster als Zentren der schriftlichen Überlieferung, die Entstehung des
Rittertums, die deutsche Ostkolonisation, der Aufstieg der Städte, die Erfindung
des Papiers und des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, die Reformation und der
Dreißigjährige Krieg, die Weimarer Klassik und die Reichsgründung von 1871,
schließlich das Ende des 2. Weltkrieges.
An Eckdaten mangelt es nicht, und die Gliederungsmöglichkeiten sind
entsprechend vielfältig, zumal in der Regel sprachinterne und sprachexterne
Kriterien kombiniert werden. Gleichwohl haben einige Periodisierungsvorschläge
in der Forschung eine breitere Anhängerschaft gefunden als andere.
So galt beispielsweise lange Zeit der Ansatz Jacob Grimms als Konsens, der
drei Epochen der deutschen Sprachgeschichte – Althochdeutsch (600 bis 1100),
Mittelhochdeutsch (1100 bis 1450) und Neuhochdeutsch (seit 1450) – postulierte
(so 1854 im Vorwort zum Deutschen Wörterbuch). Für die Frühzeit orientierte sich
Grimm hauptsächlich an lauthistorischen Phänomenen. Als Beginn des
Althochdeutschen nahm er die zweite Lautverschiebung an; den Übergang zum
Mittelhochdeutschen markierte für ihn unter anderem die Abschwächung der
Nebentonsilben (während beispielsweise der althochdeutsche Nominativ Plural
von gast ›Gast‹ gesti, der Genitiv Plural gestio lautete, wurde im
Mittelhochdeutschen aus beiden Flexionsendungen ein unbetontes -e: geste.) Den
Übergang zum Neuhochdeutschen sieht Grimm dagegen in der Erfindung des
Buchdrucks.
Heute hat sich, abgesehen von einigen gewichtigen Ausnahmen, die eigene
Periodisierungen vertreten, ein modifiziertes, auf den Literaturhistoriker Wilhelm
Scherer zurückgehendes Gliederungsschema durchgesetzt. Es unterscheidet vier
Epochen: Althochdeutsch (ca. 750 bis ca. 1050), Mittelhochdeutsch (ca. 1050 bis
ca. 1350), Frühneuhochdeutsch (ca. 1350 bis ca. 1650) und Neuhochdeutsch (seit
ca. 1650). Einige Autoren, z. B. Hans Eggers, schlagen zudem den Ansatz

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einer eigenständigen Epoche nach 1950 vor [5, S.17-18].

KAPITEL II
LEXIKALISCHE ENTLEHNUNGEN ALS EIN WICHTIGER
BESTANDTEIL DES DEUTSCHEN WORTSCHATZES.
BESONDERHEITEN DER ENTWICKLUNG DER LEXIKALISCHEN
ENTLEHNUNGEN IN VERSCHIEDENEN ZEITEN
2.1. Der germanische Wortschatz
Der Grundstock des germanischen Wortschatzes entspricht dem der meisten
indoeuropäischen Sprachen. Das sind die Pronomen ( lat. tu, dt. – du, ukr. mu),
Zahlwörter (lat. unus – oinos, dt. eins, ukr. oдин; griech. deka, dt. zehn – zehan,
ukr. десять), Verwanschaftsnamen (lat. mater, dt. Mutter, ukr. мати),
Benennungen von Körperteilen (lat. cor-, dt. Herz, ukr. серце) Benennungen von
Tieren (lat. porcus, dt. Ferkel, ukr. порося), Benennungen von
Naturerscheinungen (lat. sol, dt. Sonne, ukr. сонце), Bennenungen der einfachsten
Arbeitsprozesse (z.B. melken, säen, mahlen, hauen, flechten) u.a.
Die weitere Bereichung des germanischen Wortbestandes, im Vergleich mit
dem ide. Stand ist durch die Entwicklung der Produktion, der materiellen Kultur
und der gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt. Die wichtige Neuprägungen
gelten für:
- die Jad, die Viehzucht und den Ackerbau: Bär, braten, Brot, Fleisch,
Hengst, kalb, Leder, Rabe, Rind, Ross, Schaf, sieden, Speck, Weiden u.a.;
- das Wohnwesen: Bank, Bett, Halle, Haus, Hof, Wand u.a.;

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- die Schiffahrt und den Fischfang: Nord, Ost, West, Süd, Mast, Netz,
hissen, schwimmen, Hafen, Kahn, Schiff, See, Segel, Steuer, Sturm u.a.;
- die Kriegsführung: Bogen, Frieden, Helm, Krieg, ringen, Schild,
Spieß, Schwert, Waffe, zwingen u.a. Viele von ihnen haben sich in den
germanischen Personennamen erhalten: Gunter: (Gundahari: ’Kampf’+’Heer’),
Hildebrand, Hadubrand (beide: ‚Kampf’+’Schwert’), Ludwig (‚kampfberühmt’),
Kriemhild (‚Helm’+’Kampf’), Hedwig, Hildegund (beide: ‚Kampf’+’Kampf’).
Es sind zahlreiche germanische Entlehnungen aus dem Keltischen und aus
Lateinischen festgestellt worden. Unter den dem germanischen und keltischen
Wortbestand gemeinsamen Wörtern können folgende angeführt werden: amt, Eid,
frei, Geisel, Rune. Keltischen Ursprungs sind die Ortsnamen Linz, Mainz, Wien,
Worms, die Flußnamen Donau, Main, Rhein.
Die Zahl der Entlehnungen aus dem Lateinischen ist viel größer. Sie beträgt
etwa 400 Wörter und bezieht sich auf Landwirtschaft (Flegel – lat. flagellum,
Kirsche – lat. ceresia, Esel – lat. asellus, Pflanze – lat. planta, Wein – lat. vinum),
Bauwesen (Straße – lat. strata, Wall – lat. vallum, Kammer – lat. camera), Handel
und Handwerk (Pfund – lat. pondo, Kiste - lat. cista), soziales Leben (Kaiser - lat.
Caeser), Militärwesen (Pfeil – lat. pilum, Kampf - lat. campus).
Der Verkehr mit nichtgermanischen Sprachen führte also zu der Übernahme
fremder Lexik ins Germanische. Andererseits sind Spuren der germanischen
Ausstrahlung auf andere Sprachen sichtbar. Vor allem sei hier der Einfluss des
Germanischen auf die romanischen Sprachen erwähnt. Die tiefsten Spuren haben
die Baiern, die Alemannen, die Westfranken, die Burgunder und die Westboten auf
dem französischen Boden hinterlassen, die Ostboten und die Langobarden in
Italien, die Franken in Italien und Spanien. Als Beispiel dienen vor allem die
Ortsnamen so stammen Andalusien, Burgund, Lombardei von den Volksnamen der
Wandalen, der Burgunder und der Langobarden. Auch einige Personennamen in
den romanischen Ländern sind germanischen Ursprung: ital. Garibaldi – Garibald
(Ger+kühn), Gualtiero – Walthari (Herrscher+Herr), Rinaldo – Reinwald (got.

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ragin ‚Rat’+Herrscher), span. Fernando – westgot. Fripunanp (Friede+Ruhm),
Rogrigo – westgot. Hropriks – Roderich (Ruhm+Herrscher).
Germanische Lehnwörter findet man auch im Finnischen (kuningas ‚König’,
kulta ‚Glold’, rengas ‚Ring’, juko ‚Joch’) im Lettischen (gatva ‚Gasse’), im
Slawischen: меч (got. meki), полк (vgl. ahd. folc), броня (got. brunjo).

2.2. Der althochdeutsche Wortschatz


Der Grundstock des deutschen Wortschatzes, d.h. die Wörter des
alltäglichen Verkehrs, wurde aus der gemeingermanischen Zeit vererbt. In der
althochdeutsche Zeitsonne bleibt die Lexik weiter im Wandel begriffen. Es gehen
viele veralteten Wörter unter, um durch neue ersetzt zu werden, z.b. itis ‚Weib’,
billi ‚Schwert’, fro ‚Herr’, gudea, hiltia ‚Kampf’, breton ‚niederschlagen’ u.a.
Viele Wörter verschwanden, weil die entsprechenden Begriffe aus dem Lauf
geraten waren, z.B. die Bezeichnungen, die mit dem heidnischen Glauben
verbunden waren: bigalan ‚besingen’, ewarto ‚Priester’, bluostar ‚Opfer’, galdar
‚Zauberspruch’ u.a. Andererseits wird die deutsche Sprache dieser Zeit vor allem
durch viele Neubildungen aus dem Bereich des Ackerbaus, der Viehzucht, des
Haushalts und des Geistesleben beträchtlich bereichert. Ein charakteristischer Zug
des Althochdeutschen ist das Erscheinen einer großen Anzahl der abstrakten Lexik.
Viele Termini für ethische und philosophische Begriffe sind dem Lateinischen
entnommen nach dessen Mustern neu geprägt: gi-wizzani (lat. con-scientia)
‚Gewissen’, gi-fatero (lat. com-pater) ‚Gevater’ usw. Große Verdienste auf diesem
Gebiet haben der St. Gallener Mönch Notker Labeo und der Übersetzer des ‚Isidor’
erworben. Die Herausbildung der deutschen Nationalität, die Entstehung des
Merowinger- und später Karolingerreiches, die klerikale Bildung fanden ihren
unmittelbaren Ausdruck auch im wachsenden Wortgut der deutschen Sprache
Als die wichtigsten Wege der Bereicherung der ahd. Lexik treten
Wortbildung und Entlehnung auf. Der bereits vorhandene Wortschatz wird ebenso
durch Bedeutungswandel erweitert.
Die 1. und 2. Schichten der lateinischen Entlehnungen

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In den ahd Sprachdenkmälern spiegelt sich das ständige Wachstum des
Wortschatzes im Zusammenhang mit der Entwicklung der feudalen Kultur, des
Staats- und Rechtwesens, mit der Übertragung zahlreicher lateinischer
(theologischer und philosophischer) Schriften in die deutsche Sprache wider
(otrashatb). Im ahd. Wortschatz finden wir Schichten verschiedenen Alters, in
denen sich die wichtigsten Etappen der Geschichte seiner Träger widerspiegeln.
Aus den 1.Jh-n u.Z., als die germanischen Stämme in unmittelbaren Verkehr mit
den Römern traten, stammt die 1.Schicht der lateinischen Entlehnungen
(vorliterarische Zeit). Die neue Lexik bezieht sich auf die Gebiete der
Landwirtschaft und des Handelsverkehrs. Es sind Benennungen der neuen
Ackerbaubaugeräte: lat. Secula –ahd. Sihhila (Sichela –ceph), flagellum - flegil
(Flegel – molotbba, zep.). Aus dem Bereich von Wein-, Garten-, und Gemüsebau:
lat. vinum - ahd. win (Wein), acetum/atsetum/ezzig (Essig) lat. prunum- ahd.
pfruma (Pflaume) plantare - pflanzon (Pflanzen).
Aus dem Bereich von Steinbau und Wohnungseinrichtungen: lat. murus -
ahd. mura (Mauer) ; tegula - ziagal (Ziegel); catinus - kezzil (Kessel).
Aus dem Bereich des Handelsverkehrs, des Heereswesens: caupo – koufen
(kaufen), pondo – pfund (Pfund), moneta – munizza (Münze), pilum-pfil (Pfeil),
vallum-wal (Wall).
Die weitere Entwicklung und Bereicherung des deutschen Wortschatzes
vollzieht sich im engen Zusammenhang mit der Entwicklung des deutschen
Schrifttums. Unmittelbare Entlehnung von Wörtern findet auch in dieser Epoche
statt die (8-9 Jh.), doch ist der Charakter der Lehnwörter grundsätzlich anders: die
neue 2.Schicht der lateinischen Entlehnungen kommt durch Vermittlung der
Kirche und Klosterschulen in die deutsche Sprache.
a) Wörter aus dem Bereich des Kirchenlebens:
b) Wörter aus dem Bereich des Schulwesens:
Unsere Kenntnisse über den althochdeutschen Wortschatz sind natürlich
gering, weil die existierenden Sprachdenkmäler einen nur sehr bedingten Einblick
in den Wortschatz ermöglichen. Die Herkunft des Wortes “deutsch” nach Leon

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Weisgerber und Theodor Frings - “theodisc” (Westfranken im VII Jh.). Das Ahd
“thiot” - “diot” (Volk) - “volksmößige Sprache” gegenüber dem Latein (“Romana
lingua”). Die Sprache der Franken - “die diutisca zunga”. Die Träger der Sprache -
“diutisciu liute”. Das Land - “diutisciu lant”. Das Wort „deutsch“. Der aus dem
Ostfränkischen Reich hervorgegangene deutsche Staat wurde im 9.Jh.vorwiegend
Teutonia „das Teutonische Reich“ genannt. In vielen lateinischen Quellen finden
sich in derselben Bedeutung auch die Bezeichnungen Germania, Germani,
germanicus. Das Wort deutsch tritt zuerst 786 in lateinischer Form theodiskus als
Bezeichnung der Sprache auf. Belegt ist um 800 auch der Ausdruck Teudisca
lingua. Es heißt zuerst „volksmäßig“, „volksmäßige Sprache“ vom gotischen
piuda, ahd diot „Volk“ und beueichnet eine beliebige germanische Sprache
gegenüber dem Latein. Im Frankenreich bekommt es dann die iegentliche
Bedeutung „deutsch“, wobei die zwei heimischen Sprachen des Reiches als
Teudisca und Romana lingua einander gegenübergestellt werden. Es wird
also zum Synonym von teutonicus „Teutonisch“. Um 1000 trifft man schon im
deutschen Text die Bezeichnung diu diutisca zunga und um 1100 auch die
Bezeichnungen diutiskiu liute und diutiskiu lant, woraus im 15.-16. Jh. Die
Zusammensetzung Teutschland, Deutschland entsteht [6, S.22].

2.3. Der mittelhochdeutsche Wortschatz


Der Wortschatz einer Sprache wird erweitert nicht nur durch die Bildung
neuer Wörter auf der Basis des vorhandenen Sprachmaterials (mit Hilfe der
Wortbildungsverfahren der Komposition und der affixalen Derivation),
sondern auch durch Übernahme (Entlehnung) von Wörtern aus anderen
Sprachen.
Die auf Sprachkontakt beruhende Entlehnung erfolgt bei bestimmten
gesellschaftlichen Entwicklungen, wenn die aufnehmende Sprache über keine
Bezeichnungen für neue Sachen oder Sachverhalte verfügt.
A) Arten der Entlehnung

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Im Allgemeinen wird zwischen lexikalischer Entlehnung und
semantischer Entlehnung unterschieden. Lexikalische Entlehnung liegt vor,
wenn ein fremdes Wort mit seiner Bedeutung entlehnt wird. Je nach der
Integration des fremden Wortes in die aufnehmende Sprache wird zwischen
Fremdwort und Lehnwort unterschieden. Fremdwort liegt vor, wenn das
übernommene Wort nach Lautung, Schreibung und Flexion seinen fremden
Charakter beibehält, vgl. dt. Team, Courage, Ghetto, Komposita (Pl.) etc.
Lehnwort liegt vor, wenn das ursprüngliche Fremdwort sich seiner
neuen Umgebung nach Lautung, Schreibung und Flexion weitgehend oder
vollständig angepasst hat, so dass es als heimisch angesehen wird, vgl lat. vinum
-ahd. mhd. wîn - dt. Wein lat. scribere - ahd. scrîban, mhd. scrîben -dt. schreiben.
Semantische Entlehnung oder Lehnprägung liegt vor, wenn ein aus der
Fremdsprache übernommener Inhalt mit den Mitteln der eigenen Sprache
nachgebildet wird. Die Fremdsprache ist nur der inhaltliche Impulsgeber. Der
Begriff der Lehnprägung wird dann weiter differenziert in Lehnbedeutung und
Lehnbildung: Lehnbedeutung liegt vor, wenn nur die Bedeutung eines fremden
Wortes in einschon bestehendes eigensprachliches Wort integriert wird, vgl.
‘heizen’; ‘schießen’; ‘schleudern’.
Lehnbildung umfasst zunächst allgemein die Neubildung von Wörtern
nach fremdem Vorbild. Dabei kann es sich um eine Lehnformung oder um
eine Lehnschöpfung handeln. Bei der Lehnformung wird mit der
Wortbedeutung auch die Bildungsweise des fremden Wortes übernommen.
Dabei kann unterschieden werden zwischen
a) einer Lehnübersetzung (das ist eine mechanische Glied-für-Glied-
Übersetzung), vgl. at. ab-stinent-ia-ahd. fir-hab-ida ‘Enthaltsamkeit’
/въздържание/ lat. dies solis - ahd. sunûn tag, mhd. sun(nen)tac > dt. Sonntag
lat. vallis lacrimarum - mhd. jâmertal
b) und einer Lehnübertragung (das ist keine Glied-für-Glied-
Übersetzung, sondern eine angenäherte Übersetzung des fremdsprachigen
Wortes), vgl. lat. patria - dt. Vaterland engl. air port - dt. Flughafen.

18
Bei der Lehnschöpfung bleibt die eigene Sprache formal unabhängig;
sie adaptiert nur den Wortinhalt des fremdsprachlichen Ausdrucks, vgl. frz. milieu
(mi- lat. medius ‘mitten’ und lieu - lat. locus ‘Ort, Stelle’) übersetzt im 19. Jh.
durch dt. Umwelt /dt. FW Milieu ‘soziale Umgebung’; biol. ‘Lebensraum’/ engl.
blue-jeans > dt. Niethosen
B) Entlehnungen aus dem Französischen
Im 12./13. Jh. adaptiert die weltliche deutsche Führungsschicht die
französische Ritter- und Hofkultur. Die Wege der Rezeption führten zum einen
von Lothringen an den Mittel- und Oberrhein, zum anderen von der Picardie
über Flandern und Brabant (heute in Belgien) zum Niederrhein. Deswegen gibt
es nicht nur unmittelbare Entlehnungen aus dem Französischen, sondern auch
mittelbare, die über das Mittelniederdeutsche Eingang ins Mittelhochdeutsche
gefunden haben, vgl. z. B. dt. Tölpel - mhd. dorpære, dörper - mndd. dorpere LP
zu afrz. vilain ‘Bauer’ dt. Ritter - mhd. rîtære, rit(t)er - mndd. riddere LP zu afrz.
chevalier ‘Reiter’ mhd. hövesch, hüvesch, hübesch ‘höfgemäß, fein’ - mndd.
hovesch LP zu afrz. Courtois.
Die Entlehnungen aus dem Französischen weisen fast durchweg in die
ritterliche Welt. Das mhd. religiöse Wortgut ist fast frei von fremden, auch
französischen Einflüssen. In der Regel handelt es sich bei den Entlehnungen
aus dem Französischen um Substantive, seltener um Verben und Adjektive. Aus
der Fülle der substantivischen Entlehnungen seien hier nur einige hervorgehoben,
vgl. afrz. aventure (vlat. adventura ‘Ereignis, Geschehnis’) - mhd. âventiur(e)
‘Begebenheit, gewagtes Unternehmen’.
Bemerkenswert ist bei den frz. Entlehnungen, dass sie zum Teil
germanischenUrsprungs sind, die einst durch Franken oder Normannen ins
Französischgekommen waren, vgl. z. B.: mhd. rîm ‘Verszeile; Verspaar’ - afrz.
rime - germ. rîma- m/n ‘Zahl, Reihenfolge’ - idg. ərei- ‘Zahl’, vgl. gr.
arithmós ‘Zahl’, ahd. rîm‘Zahl, Berechnung’, ae. rîm ‘Zahl; Zählung;
Rechnung’.
C) Entlehnungen aus dem Lateinischen

19
Wortgut aus dem Lateinischen ist während des ganzen Mittelalters entlehnt
worden. Inder mhd. Zeit wurden Wörter entlehnt wie z. B. lat. sceptrum - mhd.
zepter lat. ordo - mhd. orden ‘Regel; Orden; Stand’.
D) Entlehnungen aus anderen Sprachen
Neben den Einwirkungen von Frankreich her auf das Deutsche des 11./14.
Jhs treten die anderer Sprachen erheblich zurück. In einem gewissen Umfang
zeigen sich Entlehnungen aus dem Nahen Osten, die meist durch romanische
Vermittlung Eingang ins Mhd. gefunden haben und solche aus slavischen
Sprachen, die im Zuge der sog. deutschen Ostkolonisation eindrangen.
Im 12./14. Jh. hat sich das deutsche Sprachgebiet nach Osten erweitert.
Die Linie Elbe-Saale bildete 843 die Ostgrenze des Fränkischen Reichs.
Bereits im 10. Jh. wurden Gebiete östlich der alten Grenze besiedelt. Im 12. Jh.
werden die Gebiete zwischen der Elbe und der Oder und an der Ostsee kolonisiert.
Im 12. und 13. Jh. werden auch die Randgebiete Böhmens und Mährens von
Deutschen besiedelt. So entsteht deutsches Neuland, das politische und
wirtschaftliche Gewicht verlagert sich in den Osten und der sprachliche
Verkehr erreicht eine neue Qualität.

2.4. Der frühneuhochdeutsche Wortschatz


Für die geselschaftliche Situation in der frnhd. Periode (Mitte des 14. –
Mitte des 17. Jhs) ist u. a. eine fortschreitende Arbeitsteilung und Spezialisierung
charakteristisch, was zur Ausbildung von Fachsprachen (der Kaufleute, der
Seeleute, der Bergleute, der Buchdrucker etc.) geführt hat. Auf die Ausbildung
von Fachsprachen hatten in dieser Zeit einige Fremdsprachen besonderen
Einfluss. Im Folgenden werden vor allem die lexikalischen Einwirkungen
fremder Sprachen berücksichtigt.
A) Entlehnungen aus dem Lateinischen
Da das Lateinische weiterhin die Sprache der römischen Kirche blieb
wurden erneut lat. Ausdrücke übernommen, die der Sprache der Kirche

20
zuzuordnen sind, wie etwa: Prozession, Requiem, Hostie ‘geweihte Oblate in der
kath. Messe’ u. a.
Der Einfluss des Lateinischen verstärkte sich (neben dem des
Griechischen) in der Zeit der humanistischen Bildungsbewegung des 15., 16. Jhs,
die die antike Bildung als unübertreffliches Vorbild verherrlichte. Die Orientierung
an die klassischen Sprachen beeinflusste nachhaltig den Wortschatz des Deutschen
in vielen Bereichen, vgl. z. B. Bildungswesen: Abitur, Akademie, Assistent,
Auditorium (vgl. Hörsaal), Aula, Bibliothek, Deputat ‘Stundenpensum’, Dozent,
Examen (vgl. Prüfung), Fakultät, Klasse, Lektion, Proffesor, Rektor,
Stipendium ‘Steuer, Abgabe; Unterstützung’, Student, Universität, Zensur etc.
Musik: Terz, Quarte, Quinte, Note, Oktave, Pause, Takt, Harmonie,
Dissonanz, Fuge, komponieren etc. Mathematik: Arithmetik, Addition, Algebra,
Diagonale, Differenz, Null, Sektor, addieren, dividieren, multiplizieren,
subtrahieren etc. Chemie: extrahieren, Mineral, Reduktion, Talk, Zink etc.
Medizin: Anatomie, Arterie, Epidemie, Katarrh, Kur, Nerv, Organ, Patient,
Rezept etc. Philosophie/Psychologie: Affekt, Argument, Dialektik, Spekulation,
definieren, demonstrieren, meditieren etc. Sprachwissenschaft: Akzent,
Diphthong, Grammatik, Konjugation, Konsonant, Orthographie, Punkt, Vokal
etc. Staatsleben: Demokratie, Audienz, Majestät, Monarch, Residenz, Opposition,
opponieren etc. Buchdruck: Initiale, Kolumne, Manuskript, Alinea ‘mit Absatz
beginnende Druckzeile’ etc. Recht: Amnestie, Arrest, Hypothek, Immunität,
Kaution, Paragraph, Prozess, Testament, annullieren, appellieren, denunzieren,
protestieren etc.
Das Lateinische übte tiefgreifende Wirkung auf den Wortschatz des
Rechts aus, nachdem durch die Reichskammergerichtsordnung (1495) das
Römische Recht an die Stelle der alten deutschen Volksrechte getreten war. Es ist
bemerkenswert, dass in Augsburg 1571 das erste dt. Fremdwörterbuch
erschien: „Teutscher Dictionarius“, verfasst von dem Neuöttinger Schulmeister
Simon Roth, in welchen etwa 2000 Fremdwörter meist lateinischer Herkunft
aufgeführt werden.

21
B) Entlehnungen aus dem Französischen
Obwohl der frz. Einfluss auf den dt. Wortschatz in dieser Zeitperiode im
Vergleich zu der Blütezeit des Rittertums erheblich zurücktritt, hat er doch nie
völlig zu wirken aufgehört. Um diese Zeit wurden Wörter (viele davon
gehören dem Bereich der oldatensprache) entlehnt wie z. B. Trupp(e) - frz.
troupe - gallo-rom. troppus ‘Herde’ Garde - frz. garde ‘Leibwache’ ( germ. ward-,
vgl. dt. Warte) Offizier - frz. officier - lat. officiarius ‘Inhaber eines Amtes’.
Die Entlehnungen zeugen gelegentlich von mündlicher Übernahme, vgl. dt.
Degen < frz. daque ‘Stichwaffe, Dolch’ dt. Lärm - frnhd. lerman, larman
‘Geschrei, Lärm’ - frz. alarme (reg. alerme) - à l’arme wörtl. ‘zu den Waffen’.
Semantische Entlehnungen kommen auch vor, vgl. z. B. dt. Unstern ‘böses
Geschick’ für frz. Désastre.
Durch Vermittlung des Ndl. haben viele romanische Wörter
(hauptsächlich des Fachbereichs Seemannssprache) Eingang (in den ndd.
Wortschatz und später) in die deutsche Sprache gefunden, vgl. liefern - ndl.
lieveren - frz. livrer ‘übersenden’ entern - ndl. enteren - span. entrar - lat. intrāre
‘eintreten, hineingehen’.
C) Entlehnungen aus dem Italienischen und Spanischen
Viel bedeutsamer als die Einwirkung des Französischen ist im 14.-16.
Jh. die des Italienischen und wenn auch vielfach unmittelbar des Spanischen.
Schuld daran sind vor allem die Handelsbeziehungen Oberdeutschlands mit
Norditalien und die politischen Beziehungen der Habsburger zu Spanien seit Karl
V. (1515/56). Der Weg italienischen und spanischen Wortguts war auch durch
nach Deutschland kommmende Söldner bereitet. Entlehnt wurden Wörter die
hauptsächlich der obd. Kaufmannsprache gehörten, vgl. etwa netto Adv. - ital.
(peso) netto ‘reines (Gewicht)’ Gant ‘Versteigerung’ - ital. incanto Bank
‘Geldinstitut’ - ital. banco m., banca f. ‘Tisch (des Geldwechslers)’ /dt. Banknote.
D) Entlehnungen aus anderen Sprachen
Seit dem 14. Jh. werden Entlehnungen aus den an den deutschen
Sprachgebiet im Osten angrenzenden Sprachen häufiger. Die Sprache der Prager

22
Kanzlei hat östliches Wortgut vermittelt wie etwa petschat - tschech. pečet ‘Siegel’
Ferner sind die Hussistenkriege (1419-36) Träger östl. Einflusses gewesen, vgl.
Haubitze - tschech. houfnice ‘Schleuder’. Auch die Türkenkriege haben östl.
Wortgut mit sich gebracht, vgl. Horde - poln. horda - türk. ordu ‘Heerlager;
Heer’ - tatar. urdu ‘Lager’.

2.5. Der neuhochdeutsche Wortschatz


Neuhochdeutsch umfasst die Periode der politischen Konsolidierung des
Landes, der Entstehung der weiteren Entwicklung der kapitalistischen
Produktionsweise in Deutschland, die Periode der zwei Weltkriege und der
Bildung des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden.
Der Wortschatz der deutschen Sprache des 18. Jhs. Wird stark die
Aufklärung als eine form der bürgerlichen Ideologie beeinflusst. Die
humanistischen Tendenzen der Aufklärung spiegeln sich in den Entlehnungen und
Neubildungen wie Toleranz, Aufklärung, Bildung, Kultur, kritisch, vernüftig, auch
in den Termini der Wissenschaft wie Aufmerksamkeit, Bedeutung, Begriff wider.
Die Sturm- und Drangperiode bringt die Betonung der Leidenschaft: Begeisterung,
dämonisch, Schwung. Hier ist der Einfluss der Französischen Revolution von 1789
bis 1794 zu spüren. Derselbe macht sich auch in zahlreichen französischen
Entlehnungen bemerkbar: Republik, Revolution, liberal, Terrorist. Auch andere
Ausdrücke des öffentlichen Lebens und der Politik entstehen unter dem
französischen und englischen Einfluss: Redner, Tagung, Parlament, abstimmen,
einstimmig.
Anfang des 19. Jh. Entwickelt sich die linguistische Terminologie, die das
Aufblühen der Analysemethodologie widerspiegelt: Umlaut (Klopstock), Ablaut
(Schottel und Kramer), althochdeutsch, mittelhochdeutsch, Lautgesetz,
Lautverschiebung, Brechung (J. Grimm) u.a.
Auch andere Bereiche der deutschen Lexik werden mit der ökonomischen
Entwicklung des Landes erweitert: Automat, Bahnsteig, Fabrik, Flugzeug, Garage,
Industrie. Dabei muss betont werden, dass es früher dafür viele ausländische

23
(vorwiegend französische) Ausdrücke gab, die später durch deutscheersetzt
wurden: fr. Billet – dt. Fahrschein; fr. Couvert – dt. Briefumschlag.
Nach 1933 begann in Deutschland die faschistische Sprachlenkung und
Verfalschung. Die faschistische Propaganda zeichnete ich durch zügellose
Demagogie aus: Volk ohne Raum, Drang nach Osten, Großdeutschland.
Im sprachlichen gebrauch der Deutschen Demokratischen Republik spegeln
sich die demokratischen Wandlungen der Nachkriegsjahre wider. Das gilt vor
allem für die Produktionsweise (Parteiaktiv, Planerfüllung, Neubauer), die Politik
(Nationalrat, Volkskammer), das Bildungswesen und die Erziehung
(Elternausschluss, Jugendobjekt, Meister von Morgen) u.a. diese neue Begriffe in
politischen und sozialökonomischen Leben der DDR sind meistens unter dem
Einfluss der sozialistischen Veränderungen in der Sowjetunion entstanden.
In Westdeutschland wird die Lexik der Politik sowie der
Gesellschaftswissenschaften von ganz anderem ideologischen Standpunkt aus
interpretiert. Auffallend ist in der westdeutschen politischen Rede der
revanchistische Wortschatz: Landsmannschaft, der Vertriebene, Zone u.a.
Bemerkswert für das gegenwärtige Deutsch der BRD ist auch der immer
stärkere einfluss des amerikanischen Wortgutes, der in allen Bereichen der Sprache
zu spüren ist. Die meisten entlehnten Amerikanismendienen der Reklame der
amerikanischen Lebensweise: happy, song, show, clever, super, jeans u.a. die
angloamerikanische ‚Sprachinvasion’ in Westdeutschland ruft die Beunruhigung
und den immer stärkeren widerstand in den gebildeten Kreisen der westdeutschen
Gesellschaft hervor [11, S.14-18].

24
KAPITEL III
ENTLEHNUNGEN IN DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE

3.1. Art und Form der lexikalischen Entlehnungen


Entlehnungen sind, ganz allgemein erklärt, Wörter, die „ausgeliehen“
wurden, die also ursprünglich kein Bestandteil der Sprache waren, in der sie sich
zum gegenwärtigen Zeitpunkt befinden. Somit sind sie sachlich dem Fachgebiet
der Lexikologie zuzuordnen, das sich mit dem Aufbau des Wortschatzes
beschäftigt. In diesem Rahmen umfaßt der Bereich der Entlehnungen natürlich
auch mehrere Fachbegriffe, die vorneweg unterschieden werden sollten; dazu
zählen die Termini Entlehnung, Lehnwort sowie Fremdwort.
Unter dem Begriff Entlehnungen versteht man Wörter und Wendungen, die
aus einer anderen Sprache in die eigene übernommen werden. Zustande kommt
diese Entwicklung durch den mehr oder weniger intensiven Kontakt zweier (oder
mehrerer) Sprachen und der damit verbundenen Kulturen. Zumeist beeinflussen
sich beide Sprachen gegenseitig, wobei jedoch die Annahme allgemein dorthin
geht, daß die prestigehöhere Sprache auf die prestigeniedrigere größere
Einwirkungen hat. Diese Annahme wird im großen und ganzen wohl auch
zutreffen, als vorherrschender Faktor für die Richtung, in die entlehnt wird, dürfte
jedoch die Ursache der Entlehnungen gelten.

25
Die Entlehnung bezeichnet die Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks
aus einer fremden Sprache in die Muttersprache. Die Entlehnung beruht auf
Sprachkontakt, die Ursachen dafür können politischen, kulturellen,
wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Ursprungs sein. In der Vergangenheit
stand die Entlehnung mit der Sache - vor allem zur Zeit der römischen Besatzung –
im Vordergrund. Hier wurde lateinischem Wortgut ganzer Sachbereiche in die
deutsche Sprache übernommen. Zur Zeit der Christianisierung gelangte besonders
lateinischem und griechischem Wortgut in den deutschen Wortschatz des
Klosterwesens, also zu den Bildungsträgern dieser Zeit. In literarischen Werken
fand sich Wortgut für das es kein deutscher Äquivalent gab, durch
Lehnübersetzungen und Bedeutungsentlehnungen mussten diese Lücken
geschlossen werden. Seit der Renaissance gelten Griechisch und Latein als
Sprachen der Wissenschaft, sie bilden bis heute den Kern der Bildung von
Fachwörtern, denn heutige Fachwörter sind zumeist nicht in ihrer Ganzheit
entlehnt, sondern mit Wortbildungsmorphemen und griechische/lateinische
Basismorphemen auf dem Weg der Lehnbildung entstanden.
Die Entlehnung bezeichnet nicht nur die Übernahme fremden Wortguts,
sondern auch die Übernahme von Elementen, Merkmalen und Regeln aus anderen
Sprachen. Dabei werden verschiedene Transferenztypen unterschieden. Die
morphematische (Transferenz von gebundenen Morphemen), die phonologische
(Transferenz eines Phonems oder Phons), die prosodische (Transferenz von
Nachdruck oder Intonation), die syntaktische (Transferenz einer syntaktischen
Regel), die graphematische (Transferenz von Graphemen), die lexikalische bzw.
äußere Entlehnung und die semantische bzw. innere Entlehnung.
Die Entlehnung ist möglich zwischen zwei Sprachen oder innerhalb einer
Sprache. Besondere Formen der Entlehnungen sind Doppelentlehnungen,
Rückentlehnungen, die direkte Entlehnung und die indirekte Entlehnung.
Entlehntes Wortgut kann in einer von der Ausgangssprache zu
unterscheidenden lexikalisch-semantischen Variante auftreten. Zumeist wird gleich
zu Beginn der Entlehnung die Lautung abgewandelt und dem deutschen

26
Sprachsystem angepasst. Diese Lautsubstitution kann sich auf zwei Wegen
vollziehen, zum einen wird ein fremdes Phonem durch ein ähnlich klingendes
deutsches Phonem ersetzt, zum anderen wird dem Schriftbild entsprechend ersetzt
[6, S.34].

Unter dem Terminus Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur


sowohl den Entlehnungsvorgang, das heißt die Übernahme fremde Sprachgutes,
als
auch das Resultat dieses Prozesses – das entlehnte Lexeme und feste
Wortkomplexe Objekte der Analyse. Zur Betrachtung verschiedener
Integrationsprozesse und funktionalkommunikativer Leistungen des entlehnten
Sprachgutes sind einige Grundbegriffe zu präzisieren. Das sind vor allem Arten
und Formen lexikalischen Entlehnung.
Nach der Art der Entlehnung sind zu unterscheiden:
1. Sach- und Wortentlehnung; 2. Wortentlehnung.
Im ersten Fall, das heißt bei der Sach- und Wortentlehnung, werden fremde
Formative übernommen, deren Sachverhalte in der betreffenden Sprache neue
oder unbekannt sind. Das Ergebnis einer solchen Entlehnung sind zum Beispiel: im
Deutschen genetisch lateinische Wörter, die von den germanischen Stämmen
bei ihrer ersten Berührung mit den Römern übernommen werden: Mauer(mürus),

27
Ziegel(tegula), Kalk(calx), Pforte(parta), Fenster(fenestra), Keller (cellarium)
u.v.a.m.
Oder Sach- und Wortentlehnungen aus der amerikanischen Variante der
englischen Sprache nach 1945: Motel-Hotel an großen Autostraßen, das
besonders für die Unterbringung von motorisierten Reisenden bestimmt ist,
Camping – das Leben der Freien, im Zelt oder Wohnwagen während der Ferien
oder am Wochenende.
Bei Wortentlehnungen werden fremde Formative übernommen, deren
Sachverhalte in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter ausgedrückt
sind. Es handelt sich hier also primär um die Übernahme von Dubletten:
Pläsier(aus dem Franz., 16 Jh.) für “Vergnügen, Spaß”; Charme, Scharm(aus
dem Franz., 19 Jh.) für “Anmut”, “Liebzeit”, “Zauber”; Apartment(aus dem
Engl. und Amerik. nach 1945) für “Kleinwohnung”; Schwimmingpool (aus dem
Engl. und Amerik. nach 1945) für “luxieriös ausgestattetes Schwimmbad” [18,
S.40-41].
Nach der Entlehnungsform sind zu unterscheiden:
1. Fremdwortübernahme. Bei dieser Entlehnung werden fremde formative
in die entlehnende Sprache übernommen. Das Ergebnis sind Fremdwörter von
Typ: Datsche – Landhaus, Bungalow – einstökkiges Sommerhaus, Designer –
Formgestalter für Gebrauchsgüter. Der parallele Terminus dafür ist formale
Entlehnung.
2. Lehnprägung. Dieser Entlehnungsvorgang besteht in der Nachbildung des
fremden Inhalts mit Mitteln der einigen Sprache. Bei genauer Analyse kann
man hier einige Unterarten unterscheiden, von denen vor allem zu nennen sind:
Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Teilentlehnung. Als Lehnübersetzung
bezeichnet man die Glied-für-Glied-Übersetzung. Solche Lehnbildungen aus dem
Russischen sind in der deutschen Gegenwartsprache häufig: Wandzeitung
aus stengazeta. Es betrifft vor allem Wortgut aus dem politischen Wortschatz.
Lehnübertragung ist die freiere Bildung nach fremdem Vorbild. Hier wird nicht
Glied für Glied übersetzt, sondern mit einheimischem lexikalischem Material wird

28
das fremde Wort nachgebildet, zum Beispiel: patria-Vaterland, отличник-
Bestarbeiter.
Lehnbedeutung. Diese Form der Übernahme liegt vor, wenn einem
einheimischen Wort nach dem Vorbild einer fremden Sprache zusätzliche Sememe
zugeordnet werden. Die Voraussetzung für diese Übernahme ist die Äquivalenz
von Sememen des deutschen und des fremden Wortes. So hat zum Beispiel: das
Wort Akademiker im Deutschen (DDR) neben der herkömmlichen Bedeutung
”Person mit (abgeschlossener) Hochschulbildung” eine aus dem Russischen
entlehnte Neubedeutung “Akademiemitglied eines sozialistischen Landes
außerhalb der DDR”. Eine Lehnbedeutung aus dem Russischen ist
“Arbeitskollektiv” in der semantischen Struktur des Wortes Brigade; - Mitglied
einer sozialistischen Kinderorganisation in der semantischen Struktur von Pioner.
In all diesen Fällen ist auch das vorherige Semen erhalten geblieben, die
Lehnbedeutungen sind als neue Sememe aufgenommen worden. Dass sie dabei die
Beschränkungen (Pioner, Brigade) 10 in den Hintergrund gedrängt haben, erklärt
sich aus der Bedeutsamkeit der Denotate in unserer Gesellschaft.
Lehnbedeutungen können aber auch eine Umbildung von Sememen zur
Folge haben. Sememe übernehmen zusätzliche Seme, oft konnotativen Charakters.
So übernahm vorchristliches Wortgut unter dem Einfluss des Christentums
Bedeutungselemente der lateinischen Äquivalente. Von diesen Formen der
Übernahme sind die Bezeichnungsexotismen zu unterschieden. Sie werden zur
Benennung fremder Gegebenheiten, Einrichtungen genutzt: Kopeke, Dollar, Cent,
Prawda, Kreml, Wallstreet, Pravo [10, S.56].

3.2. Lexikalische Entlehnungen in der Literatur


Die umfassende theoretische Grundlegung einer neuen
sprachwissenschaftlichen Methodik, die der synchronisch-strukturellen Analyse
der Sprache als eines Zeichensystems einer Sprachgemeinschaft, gab in den Jahren
1906 bis 1911 der Genfer Linguist Ferdinand de Saussure in seinen Vorlesungen,
die im Jahre 1916 gedruckt wurden und die moderne Sprachwissenschaft, die

29
eigentliche “Linguistik”, begründeten. Während nun bereits in den zwanziger und
dreißiger Jahren de Saussures Lehren in den meisten anderen Ländern stark
gewirkt und die Erforschung der lebenden Sprachen sehr fruchtbar gefördert
haben, haben viele deutsche Germanisten von ihnen lange Zeit kaum Kenntnis
genommen. Die 1931 erschienene l. Auflage der deutschen Übersetzung de
Saussures war erst im Jahre 1966 vergriffen. In dem letzten umfassenden
Sammelwerk der traditionellen Germanistik, Deutsche Philologie im Aufriß, hat
Leo Weisgerber eine Sprachwissenschaftliche Methodenlehre geschrieben, in der
de Saussure nur einmal in einer Nebenbeibemerkung erwähnt ist.
Auf dem Gebiet der Lexikologie, mit der wir es ja beim Fremdwortproblem
zu tun haben, gab es in Deutschland vor dem letzten Krieg zwar bedeutende
Ansätze zu einer synchronisch-strukturellen Betrachtungsweise: Jost Triers
“Wortfeldtheorie”, Walter Porzigs “wesenhafte Bedeutungsbeziehungen”, Franz
Dornseiffs Eintreten für die Onomasiologie, Walter Mitzkas onomasiologische
Wortgeographie, Leo Weisgerbers “Begriffslehre” und Werner Betz' “innere
Lehnbeziehungen”. Diese Arbeiten haben sich aber meist erst nach dem Krieg
fruchtbar ausgewirkt. Im Mittelpunkt der deutschen Wortforschung standen in den
30er Jahren weithin nach wie vor die Geschichte der einzelnen Wörter und ihre
Etymologie.
Für diese beiden diachronisch-isolierenden Methoden der Lexikologie war
in den dreißiger Jahren Alfred Götze der anerkannte und hochverdiente
Fachgelehrte. Wenn nun Götze als Worthistoriker und Etymologe sich aufgerufen
fühlte, in der Zeitschrift des Sprachvereins zu der angeblich wieder aktuell
gewordenen Frage des Fremdwortschatzes Stellung zu nehmen, so konnte er dies
nur mit der ihm vertrauten diachronischen Fragestellung: Wo kommt das Wort
her? Da man aber beim Fremdwortproblem in der Sprachwissenschaft und
Sprachpflege nach Geltungsmerkmalen einer bestimmten Gruppe von Wörtern
innerhalb eines gegenwärtigen Sprachzustandes fragt, ist hier eine synchronische
Sprachbetrachtung gefordert mit der Frage: Wie verhalten sich die Wörter
fremdsprachiger Herkunft im Systemzusammenhang des Wortschatzes zu den

30
sinnbenachbarten Wörtern aus heimischem Sprachmaterial? Götze hat also - wie
viele andere - diese synchronische Frage mit rein diachronischen Peststellungen
beantwortet. Die diachronische Tatsache, daß gewisse umgangssprachliche Wörter
aus dem Jiddischen stammen, hat er unbewusst und unausgesprochen in die
synchronische Feststellung verwandelt, daß sie jüdische Wörter seien, woraus er
die rassistisch-sprachpflegerische Folgerung ableitete, daß sie aus der deutschen
Sprache entfernt werden müssten. Er hat die Geltung der Wörter nach ihrer
Vergangenheit beurteilt.
Dieses diachronische Prinzip der Wortwertung zeigt sich bei Götze auch
ganz allgemein in seiner Wörterbucharbeit. Wörter fremdsprachlicher Herkunft
oder im Deutschen aus fremdsprachlichen Bestandteilen gebildete Wörter hat er
nur sehr sparsam aufgenommen. Das von ihm herausgegebene Trübnersche
Deutsche Wörterbuch, mit dem er Jacob Grimms Plan eines mehrbändigen
Wörterbuchs als “Haus- und Handbuch aller Deutschen” verwirklichen wollte, hat
ein besonders “deutsches” Wörterbuch werden sollen, nicht nur hinsichtlich seiner
Quellenwahl. Aber es ist nur ein halbdeutsches Wörterbuch geworden, weil es
viele schon seit Generationen im alltäglichen Sprachverkehr geläufige Wörter
ausläßt, obwohl sie teilweise schon im 17. oder 16. Jahrhundert ins Deutsche
entlehnt worden sind. Das Trübnersche Wörterbuch ist zwar ein
Auswahlwörterbuch; es wählte die “sprachgeschichtlich anziehenden und
kulturgeschichtlich bedeutsamen Wortgeschichten” aus. Daß aber darin behandelte
Wörter wie Gadem, Ganerbe, Gauch, Gebresten, Gelichter, Ger, Gerechtsame,
Geschmeide, Gespans, Gevatter, Greif, greinen, Gundelrebe in einem
auswählenden “Hausbuch” sprach- und kulturgeschichtlich anziehender und
bedeutsamer sein sollen als die nicht behandelten Wörter Garantie, Garde,
Garnitur, Gendarm, Generation, Globus, Glosse, Grammatik, gratulieren, grotesk,
Gymnasium usw., hängt mit der musealen, wirklichkeitsfernen und
sprachpuristischen Haltung zusammen, die sich auch sonst in der deutschen
Lexikographie seit Grimms Deutschem Wörterbuch mehr oder weniger ausgewirkt
hat. Viele der gängigsten und für die neuere deutsche Geschichte bedeutsamsten

31
Wörter des kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Sprachlebens im 19. und
20. Jahrhundert muss man in einem “Fremdwörterbuch” nachsuchen [16, S. 89-
92].

SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Beziehungen der Wörter zu ihrem pragmatischen und sozialen Kontext
sind der entscheidende Gesichtspunkt, unter dem die Rolle der Lehnwörter in der
Sprache und im Sprachgebrauch betrachtet werden muss und unter dem auch heute
noch - jenseits puristischer Sprachideologie - eine 'Fremdwortkritik' möglich und
notwendig ist. Es kommt sehr darauf an, ob Fachwörter und gelehrte Wörter in
einem Kontext verwendet werden, der ihre Bedeutung auf den sprachüblichen Sinn
hin bestimmt, und ob sie gegenüber Gesprächspartnern oder einem Publikum
verwendet werden, die aufgrund ihrer sprachsoziologischen Voraussetzungen diese
Bedeutungsbestimmung nachvollziehen können. Wo das nicht der Fall ist, wo mit
Undefinierten Wörtern aus gruppengebundenen Wortschatzbereichen eitler,
leichtsinniger oder böswilliger Missbrauch getrieben wird, wo sich ein Sprecher
solcher Wörter nur bedient, um Anderen mit Wortklängen zu imponieren, sie zu
täuschen oder zu verführen, da haben Sprachkritik und Spracherziehung ihre
wichtige Aufgabe. Eine sprachpragmatisch und soziologisch differenziertere
Stillehre haben wir im Zeitalter der Massenkommunikation weitaus nötiger als den

32
sinnlosen kulturpessimistischen Kampf gegen den Fach- und Bildungswortschatz
an sich.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Problem der Entlehnung
vielseitig ist.
Nach all dem Gesagten kann man feststellen, dass in der heutigen Welt
man kaum ohne Sprachkenntnisse auskommen kann. Das ist von dem
Informationsaustausch besonders wichtig. Deutsch ist keine Weltsprache, aber
es bleibt vor allem als Handelssprache in Europa wichtig. Die deutsche Sprache in
der Wissenschaft, im Geschäftsleben oder auf Reisen sehr wichtig ist. Ich weiß
auch, dass sie in vielen Ländern gesprochen wird.
Im Laufe der Arbeit habe ich folgende Aufgaben gelöst:
- die wissenschaftliche Literatur zum Thema der Untersuchung analysiert;
- Arten und Formen der lexikalischer Entlehnungen betracht;
- soziale und linguistische Ursachen der Entlehnung bestimmt;
- den Prozess der Entlehnung ausgesondert;
- die Einwirkung der puristischen Tätigkeit auf den Wortbestand des
Deutschen gezeigt.
Ich kann betonen, dass der Prozess der Entlehnung bis der heutzutage
existiert, das heißt das Problem der Entlehnung bleibt aktuell. In erster Linie ist
dadurch zu erklären, dass ein Land von anderen isoliert nicht existieren kann. Jedes
Volk braucht die Erfahrung von anderen zu übernehmen, um sich weiter zu
entwickeln. Darum ist es notwendig, Kontakte miteinander in verschiedenen
Bereichen (Technik, Landwirtschaft, Politik und natürlich Kultur) anzuknüpfen
und zu pflegen.
Im überwiegenden Maß sind die Entlehnungen aus Englischem verbreitet.
Das geht auf die Tatsache zurück, dass heutzutage die englische Sprache
eine internationale Sprache ist und folglich der stärkste Einfluss auf andere
Sprache hat.
Also, aus theoretischen und praktischen Belegen kann man behaupten, dass
das Ziel meiner Forschung erreicht ist.

33
LITERATURVERZEICHNIS
1. Артемовська С.П., Білоус О.М. Практична граматика німецької
мови. Навчальний посібник для студентів та учнів. – 2-ге видання,
виправлене і доповнене,- Вінниця: Нова книга, 2004 р. – 400 с.
2. Вопросы теории языка в современной зарубежной лингвистике. – М.,
1961; Будагов Р.А. Язык – реальность – язык. – М., 1983 (und andere Arbeiten).
3. Зиндер Л.Р., Строева Т.В. Современный немецкий язык.
Теоретический курс (разд. «Словообразование. Лексикология»). – 3-е изд.,
перераб. – М., 1957.
4. Лингвистика на исходе XX века: Итоги и перспективы: Тезисы
международн. конф. – М., 1995; Язык и наука конца XX. – М., 1995.
5. Степанова М.Д., Чернышева И.И. Лексикология современного
немецкого языка. – М., 1962.
6. Admoni W.G. Der deutsche Sprachbau. 4. Aufl. – Moskwa, 1986.
7. Anz T. Marcel Reich-Ranicki. – München, 2004.
8. Eichler W., Buntig K.-A. Deutsche Grammatik. Form, Leistung und

34
Gebrauch der Gegenwartssprache. – Frankfurt /M., 1978.
9. Eisenberg P. Das Fremdwort im Deutschen. – Berlin, 2007.
10. Eisenberg P. Syllabische Struktur und Wortakzent: Prinzipien der
Prosodik deutscher Wörter/ Zeitschrift für Sprachwissenschaft № 10: 37– 64.1991.
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