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Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik

Pontstraße 49

52062 Aachen

Institutsleiter: Prof. Dr.-Ing. U. Reisgen

Fachprüfung

Schweißtechnische Fertigungsverfahren I

Fügetechnik für Konstrukteure

Fügetechnik I – Grundlagen

Sommersemester 2012

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Aufgabe 1: Laserstrahlschweißen [40 Punkte]

1.1 Nennen Sie die verschiedenen Lasertypen die fürs Schweißen eingesetzt werden und
geben Sie die zugehörigen Wellenlängen an. Falls ein Lasertyp mehr als eine
Wellenlänge besitzt geben Sie jeweils eine Ober- und ein Untergrenze an.

1.2 Nennen Sie die wesentlichen Unterschiede zwischen der Strahlführung und Formung
bei einem CO2-Laser und einem Festkörperläser. Und nennen Sie pro Gattung einen
Vorteil.

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1.3 Beim Laserstrahlschweißen unterscheidet man in Abhängigkeit von der
Leistungsdichte 2 Arten der Prozessführung. Bennen Sie diese und fertigen Sie für
jeden Prozess eine Skizze mit Beschriftung an.

1.4 Sie sollen zwei Bleche aus Stahl mit einer Blechdicke von 2 mm mit einem Laserstrahl
einseitig mit einem Vollanschluss verschweißen. Aufgrund Ihrer Hallensituation können
Sie die Schweißstelle nur durch Stellwände aus Plexiglas von dem Rest der Halle
abtrennen. Was für einen Laser wählen Sie aus? Begründen Sie Ihre Antwort.

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1.5 Der Laser den Sie verwenden möchten hat eine max. Strahlleistung von 1 kW. Wie
groß darf Ihr Fokusdurchmesser maximal sein, damit Sie die oben genannte Aufgabe
erfüllen können?

1.6 Der Rohstrahl ihres Lasers hat einen Durchmesser von 40 mm, die K-Zahl beträgt 0,4.
Um die Optik vor Spritzern zu schützen, möchten Sie einen Fokussierspiegel mit einer
Brennweite von 400 mm einsetzten. Können Sie damit die oben genannte Aufgabe
erfüllen? Begründen Sie Ihre Antwort durch entsprechende Rechnung.

1.7 Welche Möglichkeiten haben Sie die Aufgabe dennoch mit dem gegebenen Laser zu
erfüllen?

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1.8 Während eines Schweißprozesseses können sich Spalte von 0 - 0,8 mm ergeben.
Aufgrund der Dimensionen des Bauteils möchten Sie mit möglichst wenig Verzug und
sehr hoher Schweißgeschwindigkeit arbeiten. Welche Verfahrenskombination können
Sie einsetzen um diese Aufgabe zu lösen? Nennen Sie vier Vorteile dieser
Verfahrenskombination.

1.9 Skizzieren Sie den in Aufgabe 1.8 ausgewählten Prozess und bezeichnen Sie die
einzelnen Komponenten.

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Aufgabe 2: Kleben [40 Punkte]

2.1 Die Klebtechnik weist im Vergleich mit anderen Fügeverfahren signifikante Vor- und
Nachteile auf. Nennen Sie vier dieser Vor- und vier dieser Nachteile!

Vorteile Nachteile

2.2 Nennen Sie die drei Basisfunktionen von Klebverbindungen! Nennen Sie außerdem
zwei Zusatzfunktionen von Klebstoffen!

Basisfunktionen

Zusatzfunktionen

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2.3 Nennen Sie die 4 wesentlichen Wirkmechanismen, die für die Ausbildung der
Kohäsionskräfte verantwortlich sind!

2 3

4
1

Abb.: Molekülstruktur in der Klebschicht (schematisch)

Wirkmechanismus
1

2.4 Erläutern Sie, warum für die Ausbildung der spezifischen Adhäsionskräfte eine gute
Benetzung der Fügeteiloberflächen von besonderer Bedeutung ist!

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2.5 Nennen Sie zwei charakteristische Brucharten bei Klebverbindungen und skizzieren
Sie diese entsprechend! Welche Bruchart ist i.A. anzustreben und warum?

2.6 Die folgende Abbildung zeigt den typischen Aufbau einer metallischen Oberfläche, die
verklebt werden soll. Welche Schichten müssen vor einem Klebprozess entfernt
werden? Erläutern Sie warum!

Verunreinigungen
Staub, Schmutz, Öl, etc.
Adsorptionsschicht
Aufnahme artfremder Moleküle,
z.B. Wasser, Gase - i.d.R. reversibel

Reaktionsschicht
chemische Veränderung
der Grenzschicht
Grenzschicht
aus verändertem Grundgefüge
Kaltverformung, Härten, etc.

Grundgefüge

Abbildung: Oberflächenaufbau eines metallischen Fügeteils

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2.7 Nennen Sie 2 Gründe, warum beim Verkleben von Kunststoffen besonderes
Augenmerk auf die Vorbereitung der Fügeteiloberflächen zu richten ist und erläutern
Sie diese näher.

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2.8 Benennen Sie jeweils die günstigere Konstruktion und begründen Sie Ihre Antwort.

a)

b)

c)

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Aufgabe 3: Unterpulverschweißen [40 Punkte]

3.1 Beschreiben Sie stichwortartig sechs wesentliche Verfahrensmerkmale des


Unterpulverschweißens!

3.2 Für welche beiden Werkstoffgruppen eignet sich das UP-Verfahren gut, für welchen
Werkstoff ist es weniger geeignet? Nennen Sie dabei auch den Blechdickenbereich!

3.3 Nennen Sie drei Vorteile und zwei Nachteile des Unterpulverschweißverfahrens im
Vergleich zu anderen Schweißprozessen!

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3.4 Schweißpulver werden u.a. nach ihrer Herstellungsart unterschieden. Welche
Herstellungsarten kennen Sie?

3.5 Drahtelektroden für das UP-Schweißen niedriglegierter Stähle werden mit dem
Buchstaben S gekennzeichnet. Ein Beispiel lautet: S3. Wofür steht die Zahl 3?

3.6 Beim Unterpulverschweißen kann ein Abbrand oder Zubrand von


Legierungselementen auftreten. Im Falle des Abbrandes enthält das reine Schweißgut
nach der Erstarrung einen geringeren Anteil eines Legierungselementes als der
Schweißdraht. Was ist mit den verlorengegangenen Anteilen passiert?

3.7 Ein Hilfsmittel zur Bestimmung der chemischen Zusammensetzung des reinen
Schweißgutes stellen Schweißpulverdiagramme dar. Nachstehend ist ein Si-Diagramm
für das Schweißpulver LW280 (DIN EN 760 SF CS 1 76 AC H10) abgebildet.

Bestimmen Sie den Zu-/Abbrand von Silizium bei Verwendung dieses Schweißpulvers
mit den folgenden Schweißparametern!

U = 29 V
I = 600 A
Si-Gehalt Draht: 0,1 %

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3.8 Das Schweißpulverdiagramm gilt für reines Schweißgut. Welche Information wird
benötigt, um die Zusammensetzung realer Schweißgüter zu berechnen und wie kann
sie gewonnen werden?

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3.9 Wieso ist die chemische Zusammensetzung des Schweißgutes überhaupt interessant?

3.10 Für eine Erdgaspipeline werden in einem Rohrwerk längsnahtgeschweißte Rohre mit
einer Wandstärke von 30 mm mit Hilfe des UP-Verfahrens hergestellt. Die Rohrlänge
beträgt 12 m. Es kommt hierbei ein UP-Mehrdrahtprozess mit fünf Drahtelektroden
(4 mm Durchmesser, Dichte 7,85 g/cm³) zum Einsatz. Die Brenner werden mit jeweils
1000 A bei einer Spannung von 30 V betrieben. Die Drahtvorschubgeschwindigkeit vD
beträgt 2,5 m/min. Die Schweißgeschwindigkeit vS beträgt 120 cm/min.

Berechnen Sie die Streckenenergie (in kJ/cm) und die Abschmelzleistung (in kg/h)!

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3.11 Welche Art der Nahtvorbereitung eignet sich für die Schweißaufgabe, wenn das Rohr
sowohl von der Außenseite als auch von der Innenseite geschweißt werden kann?

3.12 Welcher Durchsatz kann auf der Fertigungslinie erzielt werden, wenn die
Positionierung des Schweißkopfes und der Werkstückwechsel jeweils 3 min dauern?

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Aufgabe 4: Grundlagen der Berechnung und Gestaltung [40 Punkte]

Sie bekommen die Aufgabe ein Maschinenbett für eine große Drehmaschine (5*1,5*1 m³) als
Schweißkonstruktion zu entwerfen.
Ihr Bauteil enthält beidseitige Kehlnähte, die zunächst wie geschweißt, also ohne
Nachbearbeitung zum Einsatz kommen sollen. Es wirken sowohl Kräfte in Nahtrichtung, als
auch Kräfte senkrecht zur Nahtebene, zusätzlich wird ein Moment eingeleitet, welches eine
Biegebeanspruchung hervorruft. Bei der Nachrechnung stellt sich nun heraus, dass die zu
erwartenden Kräfte nicht übertragen werden können.

4.1 Was für Möglichkeiten haben Sie, um die Konstruktion bei sonst unveränderten
Randbedingungen im rechnerischen Nachweis tragfähig zu machen? (Statische und
schwingende Beanspruchung getrennt betrachten)

+ Maßnahme ist geeignet - Maßnahme ist nicht geeignet


Maßnahme Geeignet, um bei Geeignet, um bei
statischer schwingender
Beanspruchung die Beanspruchung die
rechnerische rechnerische
Beanspruchbarkeit zu Beanspruchbarkeit zu
erhöhen erhöhen
Verschleifen der
Nahtübergänge

Aufbringung einer
Nahtüberhöhung

Erhöhen des a-Maßes

Erhöhen der Blechdicken

Abhämmern

Verwenden von Blechen


höherer Festigkeit

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Verwenden von Anfangs-
und Endkraterfüll-
programmen
Geprüften Schweißer
einsetzen

Steppnähte statt
durchgehender Naht

Mehrlagenschweißen

Hohlkehlartige
Nahtausbildung

Nahtgüte B statt C fordern

Durchschweißen des
Steges

Verwendung von
Schweißzusätzen höherer
Festigkeit
Verwendung von
Schweißzusätzen höherer
Zähigkeit
Schweißreihenfolge
optimieren

Schweißen mit tiefem


Einbrand

Einsatz von Blechen


gleicher Streckgrenze,
aber größerem
Streckgrenzenverhältnis
Spannungsarmglühen

Härten

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4.2 Ihr Maschinenbett soll möglichst verzugsarm bei möglichst niedrigem
Eigenspannungsniveau geschweißt werden. Benennen Sie Maßnahmen, die eine
möglichst verzugsarme Schweißung ermöglichen!

4.3 Welches Eigenspannungsniveau ist im Bereich der Nähte maximal zu erwarten


(qualitativ)? Begründen Sie ihre Antwort!

4.4 Sind evtl. zu hohe Eigenspannungen durch Spannungsarmglühen unter Beibehaltung


der Verzugsarmut zu reduzieren? Begründen Sie ihre Antwort durch qualitatives
Beschreiben der Vorgänge beim Spannungsarmglühen!

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4.5 Im Bereich einer Parallelführung sind über die gesamten 5 m Länge Genauigkeiten
von ±0,01mm hinsichtlich Parallelität und Planebenheit gefordert. Wie können diese
realisiert werden?

4.6 Ihr geschweißter Maschinenbettrohling soll aus Kapazitätsgründen extern bei einem
Zulieferer hergestellt werden, die Zuschnittteile werden ihm beigestellt. Welche
Unterlagen benötigt dieser mindestens, damit sein Produkt vollständig mit den
Ergebnissen ihrer hauseigenen Fertigung übereinstimmt? Welche wesentlichen
Information enthalten die jeweiligen Dokumente?

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