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T1 Mitschrift, Dienstag 06.11.

2018, 10-12 Uhr


4. Sitzung

Weiter zu französischer Soziologie (02)

Durkheim:
- arbeiten ist nicht nur produzieren, sondern auch miteinander leben
- Solidarismus in Wirtschaft soll bessere Organisation ermöglichen
- Regulierung im Zusammenleben angestrebt durch Kommunikation, gemeinsamen
Fortschritt
- Ungleihheiten in sozialer Ordnung sollen ausgeglichen werden
- Antwort für Durkheim auf diese Probleme / Aufgaben = Religion
-> religionssoziologischer Ansatz
- Sakralität der Gesellschaft = Sakralität der Akteure
- aus der Religion ist die Gesellschaft entsprungen
- Gesellschaft braucht Spiritualität als Glaube an die soziale Ordnung
- Religion stiftet Sinn und verbindet (durch Symbole)
- z.B. religiöse Feiertage als Erinnerung, dass wir ein Teil des Ganzen sind
- Religion als große Form (Gesellschaft) zusammengesetzt aus vielen kleinen Teilen
(Akteure)
- Positivismus =
- Determinismus = Dinge geschehen nicht zufällig in der Gesellschaft, es gibt immer
einen Grund für Ereignisse ; wir sind sozial bestimmt, auch wenn wir uns als Individuen
empfinden, Entscheidungen werden nur teilweise aus freiem Willen heraus gefällt: in
Wirklichkeit durch soziale Ereignisse (z.B. Familie) vorbestimmt
- Kultivierung: uns ist nicht mehr bewusst, wie tief uns Gesellschaft prägt
- wir denken durch die Gesellschaft und durch die Kategorien, die wir uns durch die
Gesellschaft im Laufe des Lebens angeeignet haben
- Durkheim setzt voraus, dass Gesellschaft eine Kraft ist, die sich von außen und von
innen beeinflusst ; symbolisches Bewusstsein: suggeriert uns, wir wären frei in
Entscheidungen, aber in Wirklichkeit nicht frei (Deteminismus) ; Wir werden also von
außen sowie von innen heraus bestimmt
- Idee von Kraft / Einfluss / Macht der Gesellschaft ist relativ abstrakt = Matrix-Idee
- Religion als Ursprung der Gesellschaft

Mauss:
- Religion ist nicht Matrix der Gesellschaft, Religion produziert nicht Gesellschaft
- sondern: Religion ist ein Produkt der Gesellschaft
- deshalb: kein Ursprungsfaktor der Gesellschaft
- Gesellschaf ist zuerst entstanden durch die Praxis (irgendeine technische Praxis, also
nicht nur Relgion: z.B. auf Waffenexport)
- durch Praxis entwickelt sich Glauben - Routine - Gewohnheiten
- Habitus entwickelt sich = kollektive Gewohnheit
- kollektive Gewohnheit wird von einzelnen Akteuren übernommen, entwickelt,
vermehrt,...
- Mauss bleibt deteministisch: Es sind keine Kräfte von Göttern, die die Gesellschaft
beeinflusst, sondern die Kräfte von kollektiven Gewohnheiten
- Bsp für einen Habitus: Opferritus
- Opferritus = Akteure einer Gesellschaft opfern etwas für einen Gott / eine Kraft ;
Opfergabe gibt Glauben, dass Gleichgewicht wieder hergestellt ist ; Opferriten finden
sich überall in der Gesellschaft wieder ; zyklisch
- Franz Boas "Der Potlash" Idee: Einmal im Jahr alle Gesellschaftsgüter verbrennen um
Hierarchisierung zu vermeiden
- wir leben auf Grundlage der Gabe, auch wenn wir in kapitalistischer Gesellschaft
leben (wir geben und nehmen)
- kollektive Handlungen durch Gaben ermöglichen Zirkulation und strukturelle Ordnung,
soziale Ordnung und somit Organisation der Gesellschaft
- z.B. Geburtstagsfeier: sage ich ab, habe ich Schuldgefühl ; sage ich zu, habe ich
Pflichtgefühl (Geschenk mitzubringen)
- Pflichtgefühl / Schuldgefühl kommt nicht nur aus einem selbst heraus, sondern wird
von der Umgebung mitbestimmt
- Geschenk ist nicht nur durch Geld bestimmt, sondern auch der Teil der eigenen
Person, den man darin verarbeitet ; kritischer Punkt für Beziehung für die Zukunft: wenn
man als Schenker später zum eigenen Geburtstag nicht den gleichen Wert
zurückbekommt, oder: wenn dem Beschenkten das Geschenk nicht gefällt
- Gesellschaft kann sich auch anders organisieren, Kapitalismus ist nicht nötig

Deutsche Vordenker der Soziologie - Völkersoziologie

- Völkersoziologie = neue Wissenschaft der Kultur


Lazarus & Steinthal

- Kultur nicht im Sinne auf entfernte Gesellschaften anderer Länder, nicht im Sinne von Bildung
- sondern: Kultur im SInne von Symbolen, Sprachen, Gewohnheiten : Holistischer Begriff
- Kultur und Gesellschaft ist nicht getrennt
- Objektiver und subjektiver Geist
- Gesellschaft = objektiver Geist, Individuum = subjektiver Geist
- besonders prägend und wichtig für uns = kulturelle Umgebung
- Gesellschaft lebt in Sinn und Ordnung
- Sinn bildet sich von selbst aus, produziert sich selber, entsteht aufgrund von Erfahrungen im Laufe des
Lebens von Völkern
- Kollektivität (arbeiten) als Grundlage der Gesellschaft
- Symbole in der kulturellen Gesellschaft wichtiger als materielle Sachen (z.B. immaterielles
Geburtstagsgeschenk kann mehr Wert sein als materielles Geburtstagsgeschenk
- Kulturelle Umgebung lässt soziale Ordnung als sinnliche Ordnung entstehen
- unterschiedliche Kulturen lassen uns auch unterschiedliche soziale Ordnungen schließen
- zieht auch Grenzen zwischen verschiedenen Gesellschaften: Unterscheidungen werden möglich
- Objektivierung ist wichtig: alles was man denkt, empfindet, fühlt wird in Gegenständen ausgedrückt ;
wir projezieren uns in Gegenstände hinein
- Objektivierung hier aber nicht im Sinne von Ausbeutung durch Kapitalismus (wie bei Marx)
- entgegengesetzt Subjektivierung von Gegenständen: Die Umgebung, in der man lebt, beeinflusst
einen ; man nimmt sich etwas von der Umgebung ; Einfluss durch die Umgebung lässt Ideen entwickeln
- Objektivierung und Subjektivierung verursachen Sozialisierung: Bildung einer Struktur durch ständiges
Objektivieren und Subjektivieren
- Genese = Untersuchung der Gründe, warum Ereignisse so stattgefunden haben und mit welchem
anderen Ereignissen sie verbunden waren (nicht nur bloße Chronologie, sondern eher die Verkettung
von Ereignissen wird beleuchtet)
- keine Trennung zwischen Experten und Laien: keine Trennung durch bloßes Wissen
- Soziologie des Alltags: Warum nimmt Alltag bestimmte Formen an
- Entweder Gesellschaft produziert Individuen oder Individuen produzieren Gesellschaft (Wundt)
- Organizismus: Menschen leben auf Grundlage von Bedürfnissen, die erfüllt werden müssen
(Thurnwald)
- infolge dieser Bedürfnisse wird Kultur produziert (z.B. durch Frustration oder aus Freude)