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AP2 Mitschrift, Montag 29.04.

2019, 14-16 Uhr


4. Sitzung

Gestaltgesetze:
1. Prägnanz / Gute Gestalt
2. Gesetz der Ähnlichkeit
3. Gestaltgerechte Linienfortsetzung
4. Prinzip der Nähe: Dinge, die sich näher beieinander befinden, erscheinen eher als zusammengehörig:
z.B. viele Punkte nebeneinander: nehmen wir als linienartig wahr
5. Gesetz des gemeinsamen Schicksals: wir versuchen uns vorzustellen, wie sich das Bild mit der Zeit
fortsetzen wird
6. Gesetz der Bedeutung / Vertrautheit: Dinge bilden Gruppen, wenn sie vertraut sind und zusammen
etwas bedeuten (so erkennen wir in schwarz-weiß-geflecktem Bild nach einer Betrachtungsweile
konkrete Motive)

- Gliederung der Reizvorlage in Figur + Grund:


- Figur ist dinghafter, als Kern der Szenerie, wird vor dem Hintergrund stehend gesehen ; Hintergrund
wird ungeformt/amorph wahrgenommen, erstreckt sich hinter Figur
- Wahrnehmung von Figuren begünstigt, wenn kleine Fläche, geschlossene Konturen, Parallelität,
Symmetrie, Dinge im unteren Gesichtsfeld
- man kann eine Sache nur als Figur ODER als Hintergrund wahrnehmen, beides gleichzeitig geht nicht
(z.B. Kippbilder, wie Gesichter oder Vase): Grund ist bisher noch nicht ganz klar

zu Gute Gestalt:
- schwierig zu sagen, was die Kriterien sind, dass wir eine Gestalt als gut / prägnant wahrnehmen

Kritik Gestalttheorie:
- funktioniert nur gut bei passenden Beispielen
- keine klare Definition der guten Gestalt
- macht keine Aussagen über Verarbeitungsprozesse, sondern nur Beschreibung, was Personen sehen

minimun principle anhand Structural Information Theory:


- Wahrnehmungseindruck wird durch mathematische Endkodierung der Formen gebildet:
kürzester/einfachster Code bildet die Prägnante Gestalt ab
- z.B. Quadrat hat einfachen Endcode: 4 gleichlange Seiten mit 4 rechten Winkeln: ist teilüberlappend
andere Gestalt davorgesetzt, glauben wir trotzdem, dass es ein Quadrat ist als zu glauben, dass es anders
(komplizierter) hinter der neuen, verdeckten Form weiterverläuft

Objekterkennung

Stufenmodell visueller Verarbeitung (David Marr)


- visuelle Verarbeitung (algorithmisch) auf 4 Stufen mit unterschiedlichen Repräsentationen der
Ausgangsinformation
- Informationen kommen rein (Input) werden transformiert und gehen so dann zur nächsten Stufe
- 0. Retinale Repräsentation: 2-dimensionale Wahrnehmung von Bildelementen (Pixel) im Auge:
Helligkeit/Farbe des Lichtpunktes sowie Ort kodiert
- 1. Primal Sketch (erster Entwurf): bildbasiert, Verarbeitung von Linien, Kanten, Endigungen:
zusammengehörige Regionen der Dinge werden definiert (durch Gestaltprinzipien): noch keine 3-
dimensionale Interpretation
- 2. 2,5-D-sketch: 2D- sowie 3D-Informationen (deshalb 2,5D :D): Oberflächenbasiert: Informationen aus
Schatten, Texttur, Verdeckungen, Stereopsis (Informationen von beiden Augen): Stufe zum vollständigen
3D-Modell
- 3. 3-D-Modell: objektbasiert, repräsentiert 3-dimensionale Informationen über das Objekt +
Erwartungen über verdeckte Oberflächen/Volumenteile (z.B. wir haben Ahnung, dass die Tasse im
hinteren Bereich gewölbt weitergeht, obwohl wir es nicht sehen), ab hier nicht mehr
beobachterzentriert: räumliche Relationen des Objekts definiert, Marrs Idee: Repräsentation aus
volumetrischen 3-dimensionalen Einheiten (z.B. alles zusammengesetzt aus Zylindern)
- 4. kategorien-basierte-Stufe = als ultimatives Ziel des Wahrnehmungsprozesses: Voraussetzung für
Kategorisierung: Vorwissen

Ganzheitliche Zuordnung durch Schablonenvergleich


- Dinge werden in Kategorien wahrgenommen: wahrgenommene Objekte werden mit abgespeicherten
Schablonen (Prototyp) im Gedächtnis verglichen
- Problem: jedes erkennbare Objekt braucht in jeder möglichen Ansicht braucht eigene Schablone

alternative Vorstellung: Merkmalsbasierte Zuordnung


- Objekte werden in unterschiedliche Einzelmerkmale zerlegt: z.B. Tasse besteht aus Zylinder +
kreisbogenförmige Struktur (Henkel)
- viel weniger Schablonen notwendig (36 Elementarkörper = Geone)

Zusammenfassung:

6 wichtigste Gestaltgesetze
Figur / Grund
Kritik Gestalttheorie
minimun principle / Structural Information Theory
David Marr: Stufenmodell visueller Wahrnehmung
Ganzheitliche vs Merkmalsbasierte Zuordnung