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Hochschule der Künste Bern

Sound Arts / Musik und Medienkunst

Papiermühlestrasse 13d

3014 Bern

Let’s dance for diversity!


Frauen*Repräsentation in der Clubkultur in Bern 2018

Bachelorarbeit von Luz González, Frühlingssemester 2019, 6. Semester BA

Mentor: Peter Kraut

Bern, 28.02.2019

Luz González

Quartiergasse 17

3013 Bern

luz.gonzalez@immerda.ch


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

TEIL I : ZAHLEN 4

Bern und die Clubkultur 4

Methodik 4

1. Fragen 4

2. Clubs: Auswahl und Datenerfassung 4

3. Gender: Begrifflichkeit 7

4. Archivmaterial und fehlende Daten 7

5. Weitere Recherchen 8

Auswertung 9

1. Musikalische Veranstaltungen 9

2. Rössli 10

3. Dampfzentrale 12

4. Kapitel 12

5. Dachstock 13

6. Gaskessel 15

TEIL II: GESPRÄCHE 17

TEIL III: SCHLUSSWORT 22

Dank 24

Bibliographie 25

Publikationen 25

Filme 25

Online Quellen 25

Links 27

TEIL IV: ANHANG 29

Verzeichnis: weibliche, Trans, Inter und nicht-binäre DJs und Produzentinnen von Bern 29

Fragenbogen 32

Auswertung Frauen*Repräsentation in der Clubkultur von Bern in 2018 33

1. Alle analysierte Clubs - Musikalische Veranstaltungen 33

1. 1. Alle analysierte Clubs - Elektronische Musik 34


2. Dachstock 35

2. 1. Dachstock - Musikalische Veranstaltungen 35

2. 2. Dachstock - Elektronische Musik 36

3. Dampfzentrale 37
3. 1. Dampfzentrale - Konzerte und Club Anlässe 37

3. 2. Dampfzentrale - Konzerte 38

3. 3. Dampfzentrale - Club 39

4. Gaskessel 40
4. 1. Gaskessel - Musikalische Veranstaltungen 40

4. 2. Gaskessel - Elektronische Musik 41


5. Kapitel 42

6. Rössli 43

6. 1. Rössli - Alle Veranstaltungen 43

6. 2. Rössli - Elektronische Musik 44

2
Einleitung
In Bern ist der Einfluss des basisdemokratischen Kulturzentrums Reitschule unbestreitbar. Das
Zentrum ist von grosser politischer Bedeutsamkeit und ruft unter anderem öffentlich zum Kampf
gegen Sexismus auf.1 Zwischen ca. 2007 und 2011 hatte in Bern das unabhängige Kollektiv
Festmachers einen grossen Einfluss auf die Clubszene von Bern. Dieses Kollektiv organisierte il-
legale Partys trat ein für „mehr Freiraum“,2 wie auch für das grösstmöglich Auflösen von „Grenzen
zwischen VeranstalterInnen, MusikerInnen und Publikum“.3

Beispiele, in welchen auf die politischen Seite der Clubkultur aufmerksam gemacht wird, sind un-
zählig: „Möglichkeitsraum statt Plastikdisco“,4 „Warum Techno die grösste politische Bewegung
ist“,5 „Berliner Clubs stellen Obdachlosen Schlafquartiere zur Verfügung“,6 sind drei aktuelle Bei-
spiele davon.

Dazu kommt in den 70er Jahren in New York die Entstehung von Disco und in in den 80er Jahren
in Chicago die Entwicklung des House, und damit einhergehend ein Safe Space für die Schwarze
Schwule Community.7

Diese Faktoren bildeten in Bern gute Voraussetzung, um einen bewussten Umgang mit der Gen-
derfrage zu verhandeln und die Gleichstellung in der Clubkultur ausleben zu können.

In dieser Arbeit überprüfe ich die Frauen*Repräsentation8 in der Clubmusik von Bern im Jahr
2018. In einem zweiten Schritt konfrontiere ich die Booker von den analysierten Clubs —Dach-
stock, Dampfzentrale, Gaskessel, Kapitel und Rössli— mit den Resultate und führe Interviews mit
ihnen durch. Die Resultate aus den Gesprächen werden in einem ausführlichen Reflexionsteil ana-
lysiert. Im Anhang ist unter anderem ein Verzeichnis über Berner DJs zu finden, welche sich dem
weiblichen*, Trans, Inter, oder nicht-binären Geschlecht zuordnen.

1 http://reitschule.ch/reitschule/?manifest, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:38.

2Christian Zeier: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/berner-technopartys--am-rande-der-legalitaet/story/


26510042, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:42.

3 https://www.dachstock.ch/events/04-04-15-cest-berne/, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:28.

4 Bjørn Scheffner: „Möglichkeitsraum statt Plastikdisco“, https://www.dampfzentrale.ch/moeglichkeitsraum-statt-plas-


tikdisco/, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:52.

5Laura Aha: „Waum Techno die grösste politische Bewegung ist“ www.welt.de/kultur/article176759983/Anti-AfD-
Demo-Warum-wir-wieder-mehr-Techno-in-Deutschland-brauchen.html, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:54.

6Maximilian Fritz: „Berliner Clubs stellen Obdachlosen Schlafquartiere zur Verfügung“, https://groove.de/2018/12/06/
berliner-clubs-stellen-obdachlosen-schlafquartiere-zur-verfuegung/, letzter Zugriff 27.02.2019, 22:02.

7Luis-Manuel Garcia: „An alternative history of sexuality in club culture“, https://www.residentadvisor.net/features/


1927, letzter Zugriff 27.02.2019, 23:15.

8 Der „Genderstern“ nach „Frau“ und „Mann“ soll zum Ausdruck bringen, dass Gender hier als Solzialkonstrukt und
nicht als biologisches Merkmal verstanden wird.
3
TEIL I : ZAHLEN
Bern und die Clubkultur
Bern ist mit 142493 Einwohner*innen per Ende 20189 eine kleine Stadt. Es stellt sich die Frage, ob
hier über Clubkultur gesprochen werden kann. Der Begriff Clubmusik ist neu und vage. Der deut-
sche DJ, Labelinhaber, Journalist und Produzent Matthias Schaffhäuser schreibt: 


„Wenn heute von Clubkultur die Rede ist, geht es meistens nicht um Fußballvereine und auch nicht
um verschwiegene britische Herrentreffs, sondern um Musik. Genauer gesagt um Musikstätten, wo
Bands live spielen oder DJs Musik mixen, und die Vermischung der Stile und Klangquellen immer
neue Blüten treibt. Was früher in den 70er- und 80er-Jahren die Discothek war, transformierte spä-
testens in den 90ern zum „Club“. Beeinflusst von wegweisenden Pionieren der Clubkultur wie dem
Hamburger „Starclub“ und dem Londoner „Cavern“ wollte man sich abgrenzen von der kommerzi-
ellen „Disco“, von einer gewissen Beliebigkeit in der Auswahl der Örtlichkeit beim Ausgehen und
der Musikpräferenzen. „Club“ soll klarmachen, dass es sich nicht um eine „Ballermann- oder Bag-
gerdisco“ handelt, sondern um eine Einrichtung, in der es vorrangig um die Musik geht mit kulturel-
lem Background und Anspruch – egal, ob die Musik live gespielt oder von DJs aufgelegt wird“. 10

Bern hat, auch wenn nicht vergleichbar mit grösseren Städten, ein Nachtleben. Ein wichtiger Teil
des Berner Nachtlebens besteht aus Musik mit Anspruch und kulturellem Hintergrund und kann,
nach Matthias Schaffhäuser, als Clubkultur definiert werden. Diese Arbeit soll die Clubkultur 2018
in Bezug auf die Repräsentation von Frauen* und Männer* als Künstler*innen analysieren und ab-
bilden.

Methodik

1. Fragen

Ich erfasste ich folgende Daten für fünf bedeutende Clubs von Bern:

Datum, Veranstaltung, Anzahl Künstler*innen, Anzahl Frauen*, Anzahl Männer*.

In der Konzeptions- und Recherchenphase wurde ich mit vier Hauptfragen konfrontiert. Welche
Clubs analysiere ich? Wie kann ich eine homogene Analyse für heterogene Clubs erfassen? Wel-
che Begriffe benutze ich, wenn ich über Gender spreche und wie positioniere ich mich dadurch?
Wie gehe ich mit dem Mangel an Archivmaterial um? In den nächsten Abschnitten werde ich die-
se Fragen detailliert erläutern und auf die angewandte und daraus entstandene Methodik einge-
hen.

2. Clubs: Auswahl und Datenerfassung

Um eine Auswahl der Clubs zu treffen, habe ich Resident Advisor - das einflussreichste Online
Magazine zu elektronischer Musik in der westlichen Welt - konsultiert. Im Alexa Rank steht die
Webseite auf Platz 4,708.11 Auch in der lokalen Szene von Bern ist das Magazin ausschlagge-
bend. Das Magazin nennt unter „Top Bern Clubs“ folgende: Reitschule, Kapitel, Dachstock Reit-

9 https://www.bern.ch/themen/stadt-recht-und-politik/bern-in-zahlen/katost/01bev, letzter Zugriff 17.02.2018, 12:03.

10 Matthias Schaffhäuser: „Clubkultur in Köln“: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf41/sachstandsbe-


richt_popkultur3.pdf, letzter Zugriff 26.02.209, 17:48.

11 https://www.alexa.com/siteinfo/residentadvisor.net, letzter Zugriff 16.01.2018, 21:03.


4
schule, Club Bonsoir, Gaskessel Bern, Dampfzentrale, Via Felsenau Club, Rondel, Ey5 Club,
Rössli, Reconvilier, Wohnzimmer.12

Die Reitschule ist ein politisches Kulturzentrum, das aus verschiedenen Betrieben besteht. Unter
anderem sind das der Dachstock und das Rössli, die mit der noch niederschwelligeren Cafete, die
Clubs der Reitschule bilden.13 Da sowohl der Dachstock wie auch das Rössli separat erwähnt
werden, wird die Reitschule als solches nicht analysiert. Die Clubs Bonsoir, Via Felsenau und
Rondel wurden geschlossen. Von Ey5 Club und Reconvilier ist keine Aktivität mehr sichtbar.14

Aus diesen Gründen entschied ich mich für die fünf zurzeit aktiven Clubs aus der Auswahl des
Magazins: Dachstock, Dampfzentrale, Gaskessel, Kapitel und Rössli.15

Der einzige dieser fünf Veranstaltungsorte, der sich quasi ausschliesslich der elektronischen Mu-
sik widmet, ist das Kapitel. Die Veranstaltungen der analysierten Clubs sowie die Art mit der Viel-
falt der Anlässe umzugehen, sind sehr unterschiedlich. Während die Dampfzentrale im Pro-
gramm klar zwischen den Sparten „Tanz“, „Performance“, „Schauspiel“, „Konzert“ und „Club“
unterscheidet, vermitteln Gaskessel und Rössli die Art ihrer Veranstaltungen mittels einem Unter-
titel im Hauptprogramm: „Singer-Songwriter, Live“, „Inklusive Party für Menschen mit und ohne
Handicap“, „Dance, Reggaeton, RNB“, im Falle von Gaskessel;16 oder „Downtempo“, „Indie“,
„Open Mic“, etc. beim Rössli.17 Der Dachstock nennt in seinem Programm keine Untertitel oder
Genrebezeichnungen sondern Datum, Name der Veranstaltungsreihe falls vorhanden und Künst-
ler*innennamen.18

In dieser Arbeit soll es aber um Musikanlässe gehen. Es stellt sich deshalb die Frage, wie ich mit
den nicht-musikalischen Veranstaltungen umgehen sollen. Da, wie bereits erwähnt, die Clubs sehr
unterschiedlich sind, muss diese Frage bei jedem Veranstaltungsort separat thematisiert werden.

Im Kapitel wurde im Jahr 2018 eine möglicherweise nicht musikalische Veranstaltung durchge-
führt. Das wird am 5.5.2018: „Flohmi-Artists / sanfte Sommerklänge (TBA)“. Dazu gibt es keine
Angaben. Es ist daher unklar, ob es sich um einen musikalischen Anlass handelte. Es sind auch
keine Informationen zu den beteiligten Künstler*innen ermittelbar.19 Dadurch hat diese Veranstal-
tung keinen Einfluss auf die Ergebnisse und wird in dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt.

In der Dampfzentrale analysierte ich alle Veranstaltungen, die unter die Sparten „Konzert“ oder
„Club“ fielen. Beachtet werden auch die Veranstaltungen: „Listening Is Not The Same As Hearing“
in Zusammenarbeit mit COS (Studio Mondial, City Trance) & Dampfzentrale Bern. Veranstal-
tungsort: „Kunsthalle“ am 12.7.2018 und am 14.9.2018 „Tiefgang Rec. Eine Space Odyssee: the

12 https://www.residentadvisor.net/events/ch/bern, letzter Zugriff 20.11.2018 um 10:44.

13 http://www.reitschule.ch/reitschule/?gruppen, letzter Zugriff 21.02.2018 um 11:32.

14 Die Informationen über Ey5 Club sind mehrheitlich von 2011 und 2012: https://www.google.ch/search?
client=opera&q=Ey5+Club&sourceid=opera&ie=UTF-8&oe=UTF-8, letzter Zugriff 21.02.2019. Über Reconvilier finden
wir keine Informationen.

15 Für eine bessere Übersicht werden ab jetzt im Textkörper die ausgewählte Clubs mit Fettschrift geschrieben.

16 https://gaskessel.ch, letzter Zugriff 21.02.2018 , 12:00.

17 https://www.souslepont-roessli.ch, letzter Zugriff 21.02 201, 12:06.

18 https://www.dachstock.ch, letzter Zugriff 21.02.2018, 12:22.

19 Siehe Seite 7.
5
smallest rave in town“. Die Dampfzentrale im Schlachthaus Theater Bern“. Diese beide Veran-
staltungen sind von der Dampfzentrale organisiert, haben aber jeweils in der Kunsthalle und im
Schlachthaus Theater stattgefunden. Am 29.06.2018, 30.06.2018 und 01.07.2018 fand in der
Dampfzentrale die Veranstaltung „Variation & Kummerbuben. Projekt #14 —Itz mau Apokalypse“
statt. Variation ist eine Orchester und besteht als 90 Künstler*innen. Wenn ich alle Künstler*innen
drei Mal gezählt hätten, würde das Event 48.57% aller Künstler*innen der Sparten „Club“ und
„Konzert" abbilden.

2018 gab es in der Dampfzentrale 22 Clubanlässe und 42 Konzerte, insgesamt also 64 musikali-
sche Anlässe. Wenn 64 Veranstaltungen 100% der Musiksparte bilden, ergeben drei davon
4.69%. Dass diese 4.69% der Anlässe praktisch die Hälfte der Resultate beeinflusst, bedeutet
eine Verfremdung der Bilanz. Aus diesem Grund berücksichtige ich „Variation & Kummerbuben.
Projekt #14 —Itz mau Apokalypse“ nicht.

Dampfentrale 2018
Dampfentrale 2018 Club & Konzerte ohne
Club & Konzerte „Variation"

33.11%
39.29%

60.71%
66.89%

Prozent Frauen* Prozent Frauen*


Prozent Männer* Prozent Männer*

Der Gaskessel zeigt regelmässig Tanzperformances, Schauspiel, Kino und, etwas weniger re-
gelmässig, Podiumsdiskussionen und Integrationsanlässe. Aus diesem Grund wird im folgenden
immer spezifiziert, ob es sich um die Analyse von allen Veranstaltungen, von allen musikalischen
Veranstaltungen oder, noch spezifischer, von den Veranstaltungen mit Schwerpunkt elektronischer
Musik handelt.

Im Rössli gibt es 2018 eine nicht-musikalische Veranstaltung mit Angaben über die Künstler*in-
nen. Das war die Lesung „In Badehosen nach Stalingrad. Der Weg von Roger Köppel“ am
20.11.2018. Die Lesung wird im Folgenden nicht berücksichtigt.

Es gab andere nicht-musikalische Veranstaltungen im Rössli, diese haben aber, wegen den feh-
lende Angaben, keinen Einfluss auf die Resultate, siehe Beispiel von Kapitel aus Seite drei.

Im Dachstock gab es 2018 eine Lesung, das „Capital Slam Finale“ und einen Nachtflohmi. Ich
habe die Veranstaltungen mit Angaben (Lesung und Capital Slam Finale) nicht mitgezählt.

Mehr Infos über die Clubs, ihre Organisation und Geschichte können den jeweiligen Webseiten
oder Facebookseiten entnommen werden.20

20 Siehe Bibliographie.
6
3. Gender: Begrifflichkeit

Um die Gender-Verhältnisse in Clubs quantifizieren zu können, muss ein Definitionskriterium fest-


gemacht werden, das die Künstler*innen jeweils einem Gender zuordnet. Um das Gender der
Künstler*innnen zu bestimmen, bin ich von der Selbstdefinition der jeweiligen Person ausgegan-
gen. Im Grunde genommen habe ich versucht, die Menschen so zu lesen, wie sie gelesen werden
wollen. Dafür bin ich von den Namen der Künstler*innen und ihrer/seine Pressebilder ausgegan-
gen.Das Geschlecht wird jeweils mit Frau* oder Mann* angegeben. Transsexuelle Menschen wer-
den dem Geschlecht zugewiesen, welchem sie sich selbst zuweisen.

Bei meiner Recherche ist kein Mensch vorgekommen, der sich als nicht-binär versteht. Entspre-
chend werden auch nur die beiden Kategorien Frau* und Mann* verwendet. Da es im Folgenden
nur um die Geschlechterquote und nicht um biologische Merkmale oder sexuelle Identität gehen
soll, wird die Sammelbezeichnung FLINT* nicht verwendet.21

Da ich unter Frau* und Mann* jeweils Cis- und Transmenschen zähle, entfällt auch die Rede über
Cis-Frauen oder Cis-Männer.22 Eine Studie, die explizit die Repräsentationsverhältnisse von cis-,
trans-, hetero/homosexuellen und von intersexuellen Menschen untersuchen soll, würde den di-
rekten Kontakt mit den Kunstschaffenden und die Nachfrage nach der jeweiligen Geschlechts-
identität erfordern. Eine weitere Recherchearbeit in diesem Feld ist notwendig und sicherlich auch
spannend.

4. Archivmaterial und fehlende Daten

Folgende Suchmethoden wurden für diese Arbeit verwendet: Archive des Veranstaltungsorte, Re-
sident Advisor, Soundcloud, Bandcamp, Social Media, Online Suchmaschinen. Wenn ich durch
direkten Kontakt mit den Booker*innen oder Künstler*innen Insiderinformationen hatte, habe ich
diese erfasst. Wenn ich nach diesen Schritten keine Angaben gefunden habe, oder diese nicht
klar waren, habe ich ein Fragezeichen eingefügt und diese Lücke damit gekennzeichnet.

Im Laufe dieses Prozesses sind folgende Situationen aufgetreten:

• Die Bands können verschiedene Formationen haben, effektive Formationen werden nicht
immer angekündigt.

• Solokünstler*innen treten oft mit Band auf. Diese Band und ihre Mitglieder werden nicht im-
mer erwähnt in den Veranstalter- und somit auch in den Pressetexten.

• Spontane Wechsel im Programm können nur erfasst werden, wenn sie dokumentiert wurden.

• Das öffentliche Programm ist nicht immer komplett.

• Bei noch nicht etablierten Künstler*innen konnte ich die Informationen nicht immer finden.

Ich bin systematisch vorgegangen: die Booker*innen der Veranstaltungsorte haben die Erhebung
bekommen und konnten Korrekturen machen. Nach den Korrekturen vom Gaskessel, zum Bei-
spiel, haben sich die Werte vom durchschnittlichen Prozentsatz um 0.69% verschoben. Dies be-
stätigt, dass mit einer kleinen Ungenauigkeit gerechnet werden muss, damit die Resultate reali-

21 „FLINT* steht für Frauen*, Lesben, inter, non-binary und trans* Personen“, http://syntaxblog.at/2016/11/was-ist-das-
fuer-1-flint/, letzter Zugriff 21.02.2019, 17:45.

22„Die Vorsible ‚cis‘ wird benutzt, um auszudrücken, dass eine Person sich mit dem Geschlecht identifiziert, dem x bei
der Geburt aufgrund der Genitalien zugewiesen wurde. ‚Cis‘ ist somit das Gegenstück zu ‚Trans‘“ https://queer-lexi-
kon.net/wp/?s=cis, letzter Zugriff 21.02.2019, 17:38.
7
tätsnah bleiben. Ich gehe davon aus, dass die Übermittlung von falschen Informationen von Boo-
ker*innen/Band/Djs die Ausnahme bilden. Trotz diesem sehr kleinen unbekannten Faktor, können
wir davon ausgehen, dass die Resultate repräsentativ sind.

5. Weitere Recherchen

Die Plattform „female:pressure.net” fördert seit 1998 die Sichtbarkeit von „weiblichen, transgen-
der und non-binary DJs, Musikerinnen, Komponistinnen, Produzentinnen, bildende Künstlerinnen,
Journalistinnen, Forscherinnen und Vermittlerinnen aus dem Bereich der elektronischen Musik
und der digitalen Künste“.23

Von 2013 bis zur letzten Ausgabe im Jahr 2017 gab es die Studie „FACTS“:

„a biennial project undertaken by volunteer members of the female:pressure network […] the FACTS
survey was initiated to address and quantify the deficit in equal opportunity and visibility for female
artists in the electronic music scene. The result of the 2013 FACTS survey indicated that barely 10%
of artists listed in festival line-ups worldwide are female--and opened up an international discussion
about the state of women in electronic music“.24

Andere Studien über die Repräsentation von Frauen an Festivals wurden von den online Magazi-
nen Vice, The Huffington Post oder Pitchfork erstellt.25 In Österreich nahm Femdex26 eine Auswer-
tung zu der elektronischen Musik in der Wiener Szene zwischen 2014 bis 201627 vor. Mit Ironie
und auf einer informelle Art informiert diese Webseite über ‚Very male line-ups‘: https://verymale-
lineups.tumblr.com.28

In der Schweiz haben Seline Kunz von RFV Basel29 und die Hochschule Luzern eine Studie über
die Frauenrepräsentation in der Basler Popmusik30 und die „Ausbildungssituation der Frauen an
Jazzschulen und Musikhochschulen“ durchgeführt.31

23 http://www.femalepressure.net/pressetext.html, letzter Zugriff 21.02.2019, 20:17.

24The female:pressure Trouble Makers: „FACTS 2017“: https://femalepressure.files.wordpress.com/2017/09/facts2017-


survey_version1_1_by_femalepressure.pdf, letzter Zugriff 28.02.2019, 18:04.

25 Emilie Friedlander: „We crunched the numbers and electronic music festivals still have a gender equality problem“,
https://www.vice.com/en_us/article/qkazzq/2016-electronic-music-festivals-gender-breakdown, letzter Zugriff
21.02.2019, 21:50.

Alanna Vagianos, Alissa Scheller: „Music Festivals’ glaring woman problem“, http://data.huffingtonpost.com/music-fes-
tivals,letzter Zugriff 21.02.2019, 21:51.

Rob Mitchum, Diego Garcia-Olano: „Are musical festtival lineups gettint worse?“, https://pitchfork.com/features/festi-
val-report/10059-are-music-festival-lineups-getting-worse/, letzter Zugriff 21.02.2019, 21:51.

26 Data Base und online Plattform über und für Musikerinnen*.

27 http://femdex.net/index.php/statistics/, letzter Zugriff 21.02.2019, 21:56.

28 Letzter Zugriff 21.02.2019, 22:38.

29 RPV ist die Popförderung und Musiknetzwerk der Region Basel.

30 Bennu Hunziker: https://www.rfv.ch/magazin/news/2018/rfv-basel-praesentiert-erste-vorstudie-der-schweiz-zum-


frauenanteil-in-der-popmusik.html, letzter Zugriff 21.02.2019, 22:52.

31Marianne Doran: „Frauen in Jazz. Ausbildungssituation der Frauen an Jazzschulen und Musikhochschulen“: http://
www.jsl.ch/div/gender.htm, letzter Zugriff 21.02.2019, 23:02.
8
Auswertung

1. Musikalische Veranstaltungen

Insgesamt habe ich in den musikalischen Veranstaltungen von Dachstock, Dampfzentrale, Gas-
kessel, Kapitel und Rössli im Jahr 2018 2726 Mal einzeln Künstler*innen gezählt.32 351 davon
sind weiblich*, 13.02%, und 2344 männlich*, 86.98%. Die männliche* Repräsentation ist somit
6.68 Mal grösser als die weibliche*.

Musikalische
Veranstaltungen 2018

13.74%

Anzahl Frauen*
Anzahl Männer*

86.26%

Es wäre nun spannend, die Resultate mit anderen ähnlichen Studien zu vergleichen. Zum Beispiel
mittels einer Analyse auf europäischer Ebene oder mit Studien zu weiteren Städten in der
Schweiz. Allerdings basieren die Studien von female:pressure, Vice, The Huffington Post oder
Pitchfork, im Gegensatz zu dieser Arbeit, nicht auf den einzelnen Künstler*innen sondern auf den
Acts und sind somit nicht mit der vorliegenden Studie vergleichbar. Auch die Schweizer Studien
sind leider wegen unterschiedlicher inhaltlicher und methodischer Ausrichtung nicht mit meiner
Analyse vergleichbar.

Der höchste Prozentsatz bei der Frauen*Repräsentation ist 33.11% in der Dampfzentrale. Der
tiefste Wert zeigt das Rössli mit einer Frauen*Repräsentation von 8.52%. Der Unterschied zwi-
schen dem höchsten und dem niedrigsten Prozentsatz liegt bei 24.59%. Das Kapitel und der
Dachstock bewegen sich etwas unter dem Durchschnitt mit jeweils 11.23% und 11.68%
Frauen*Anteil.

Bei ganzen Zahlen liegt der grösste Wert der Frauen*Repräsentation mit 101 in der Dampfzentra-
le. Den niedrigsten finden wir im Rössli, wo im Verlauf vom Jahr 2018 39 Mal eine Frau* auftrat.
Wenn ich keinen Genderunterschied mache, habe ich in der Dampfzentrale in 2018 insgesamt
305 Künstler*Innen gezählt, im Rössli entgegen 458. Das heisst, im Rössli sind 153 Menschen
mehr aufgetreten und 62 weibliche* Künstlerinnen weniger.

Im Gespräch mit den Bookers der beiden Clubs, Till Hillbrecht und Urs Rihs, werden verschiedene
Gründe dafür erwähnt. Auch wenn für beide Betreiber Gender beim Booking ein Thema ist, ist die
finanzielle Lage von beiden Veranstaltungsorten sehr unterschiedlich. Die städtischen Subventio-
nen ermöglichen der Dampfzentrale eine längere Recherche und ein grösseres finanzielles Risiko

32 Es werden, wenn möglich, alle Künstler*innen gezählt, wir können deshalb Wiederholungen nicht ausschliessen. Es
wird nicht über Anzahl von Künstler*innen gesprochen, sondern von X-Mal einzel Künstler*innen gezählt.
9
einzunehmen. Gleichstellung ist in der Dampfzentrale ein wichtiges internes Thema. Das Haus
sieht seine Rolle diesbezüglich als Vorreiter, auch wenn im Leistungsvertrag mit dem Subventi-
onspartner Stadt Bern nichts spezifisches dazu zu entnehmen ist. Das Rössli entgegen ist laut
seiner Webseite „den ungestümen Wogen des Vorplatzes ausgesetzt“33 und den Betreiber*innen
fehlt es an Kapazität, mehr für die Frauen*Repräsentation machen zu können. Ein weiterer Grund
ist die Art und Weise wie das Booking funktioniert. Während die Dampfzentrale einer klaren kura-
torischen Linie folgt, scheint im Rössli alles viel niederschwelliger zu sein. Ein wichtiger Teil des
Programms basiert auf Anfragen, und diese sind männlich* dominiert. Wichtig ist für diesen Club,
dass die Künstler*innen den Geist des Lokals teilen: Leidenschaft, dass die Finanzen nicht im
Vordergrund stehen, das Musik-Genre, Spontanität und die Kunst Unmögliches möglich zu ma-
chen, stellen wichtige Merkmale.34

Nach Anzahl Menschen auf der Bühne im Jahr 2018 sind die Clubs in absteigender Reihenfolge
wie folgend geordnet: Dachstock, Gaskessel, Kapitel, Rössli, Dampfzentrale. Der grösste Un-
Musikalische Veranstaltungen
2018
700

600

500

Anzahl Frauen* 400


Anzahl Männer* 300

200

100

0
Dachstock

Dampfzentrale

Gaskessel

Kapitel

Rössli

terschied sind die 431 Künstler*innen mehr im Dachstock als in der Dampfzentrale.35 Nach An-
zahl nur weibliche* Künstlerinnen -auch in absteigender Reihenfolge- verändert sich die
Ordnung:,Dampfzentrale, Dachstock, Kapitel, Gaskessel, Rössli. Daher kann der Schluss ge-
zogen werden, dass die Frauen* im Rössli und Gaskessel unterrepräsentierter sind als in den
anderen Betriebe.

2. Rössli

Im Rössli sind im Jahr 2018 10.74 Mal mehr Männer* als Frauen* aufgetreten. Die Bar der Reit-
schule hat die niedrigste Frauen* Repräsentation von allen analysierten Clubs. In diesem Zusam-
menhang wäre es spannend, Angaben zum durchschnittlichen Alter des Publikums zu haben.

33 https://www.souslepont-roessli.ch, letzter Zugriff 22.02.2019, 00:44.

34 Zitat aus dem Interview mit Rihs für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 04.02.2018 aufgenommen.

35Bezüglich musikalische Veranstaltungen. Wenn wir alle Anlässe der Dampfzentrale betrachten würden hätten wir an-
dere Resultate.
10
Rössli 2018
Rössli 2018 70
8.52%

53

35

18

91.48% 0

Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Prozent Frauen*
Prozent Männer*
Anzahl Frauen*
Anzahl Männer*

Das Rössli macht keine Sommerpause, im August waren trotzdem am wenigsten Künstler*innen
tätig. In diesem Monat ist im Rössli keine Frau* aufgetreten, die Anzahl der Männer* liegt bei 12.
Der November entgegen hatte die höchste Zahl an Künstler*innen: 66. Die Anzahl an Frauen* war
aber im Juni, mit 9 Künstlerinnen, am höchsten. Im November wurden 4 Frauen* registriert, das
heisst, 6.06% der Künstler*innen. Ich interpretieren die Schwankungen bei den Zahlen, neben den
Jahreszeiten, als Nebeneffekt der Spontanität und Niederschwelligkeit des Clubs.

Wäre den Prozentansatz der Frauen* höher, wenn das Rössli ein Club für Elektronische Musik
wäre? Ich habe die Anlässe welche mit den Untertitel „Electronic“, „Live Electro“, „Disco“, „Bass
Music“, „Ambient“, „Dub“, „Dance“, „House Musik“, „Drum ’n Bass“, und das Format „Brain and
Device“36 untersucht und bin auf folgende Zahlen gestossen:

Rössli Elektronische Musik 2018

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozentsatz Prozentsatz


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Total 54 6 48 11.11% 86.89%

Die Frauen*Repräsentation ist in diesen Sparten 2.59% höher als bei allen anderen musikalischen
Veranstaltungen. Der Prozentsatz ist unstabiler, weil die Anzahl an Künstler*innen viel geringer ist.
Abschliessend kann gesagt werden, dass der Unterschied nicht von grösser Bedeutung ist.

36„Disco, House, Broken-Beats, Future-Funk, Soul, Jazz, thats the clubnight you wana be!“, in https://www.sousle-
pont-roessli.ch/events/brain-device/, letzter Zugriff 23.02.2019, 22:03.
11
3. Dampfzentrale

In der Dampfzentrale konnten 22 Clubanlässe und 42 Konzerte untersucht werden. Wie im Ab-
schnitt 3.2. erwähnt, war in drei dieser Konzerte ein 96-Köpfige Orchester beteiligt. Im Folgenden
werden die Resultate der Analyse präsentiert.

Wegen der drei Veranstaltungen der Orchester „Varia“ wäre im Falle der Dampfzentrale wäre es
interessant, diese Studie nicht nur zu Einzelpersonen, sondern auch zu den Acts durchzuführen.
So wäre der Unterschied zwischen der Anzahl an Künstler*innen am gleichen Event beim Erfassen
der Acts weniger relevant, könnte aber trotzdem der Aufzählung von einzelnen Künstler*innen ge-
recht werden. Dieses Vorgehen sprengt aber den Rahmen dieser Arbeit.

4. Kapitel

Die Besonderheiten des Clubs Kapitel liegen darin, dass er unter den analysierten Clubs der Ein-
zige ist, welcher sich quasi exklusiv der elektronischen Musik widmet und keine externe Finanzie-
rung bekommt —auch wenn die Subventionen im Rössli und Dachstock sich auf die Miete und
einen Teil den Nebenkosten begrenzen37—. Im Jahr 2018 wurden im Kapitel 181 Veranstaltungen
registriert. Die Anzahl an Künstler*innen beträgt 561 Menschen, davon 63 oder 11.23% weibli-
cher* Anteil. Der Vergleich mit anderen ähnlichen Clubs in der Schweiz, welche auf elektronische
Musik spezialisiert sind, wie zum Beispiel das Zukunft oder das Elysia —jeweils in Zürich und Ba-
sel— und in einem weiteren Schritt die schweizerischen Clubs, mit denen aus anderen westlichen
Länder zu vergleichen, gäbe sicherlich aufschlussreiche Ergebnisse.

Kapitel 2018

11.23%

Prozent Frauen*
Prozent Männer*

88.77%

Die Dampfzentrale ist abgesehen von Kapitel der einzige Club, in welchem die elektronische
Musik eine separate Sparte im Programm ist. Ich versuche deshalb, zwischen den beiden Clubs
Parallelen zu ziehen. Ich stehe damit vor einem beachtlichen Unterschied in der Zahl der Veran-
staltungen. Im Kapitel fanden 22.22 Mal so viele Anlässe wie im Club der Dampfzentrale statt.38
Im Gegensatz zum Kapitel, bildet in der Dampfzentrale der Club einen Teil des Programms und
nicht das gesamte Agenda. Während im Club der Dampfzentrale der Prozentsatz der weiblichen*
Repräsentation zwischen 0% im Mai und 100% im Juli springt, bleibt er im Kapitel zwischen

37 http://www.reitschule.ch/reitschule/u/files/LV2013-2015.pdf, letzter Zugriff 24.02.2019, 12:38.

38 Wie oben erwähnt 181 beim Kapitel und 22 beim Club in der Dampfzentrale.
12
5.35% im April und 33.33% im August stabil niedrig. Wenn wir die ganzen Zahlen berücksichtigen
kann beobachtet werden, dass 2018 im Club der Dampfzentrale insgesamt 18 Mal eine Frau*
aufgetreten ist, derweil im Kapitel die Bühne im gleichen Jahr 63 Mal einer Frau* zur Verfügung
stand. Dieses Verhältnis steht auch eng in Beziehung mit der unterschiedlichen der Veranstal-
tungs-Dichte und bestätigt, dass die Resultate bei einem Vergleich zwischen diesen zwei Veran-
sataltungorten nicht aussagekräftig sind.

5. Dachstock

Der Dachstock registriert den grössten Anteil an Künstler*innen auf der Bühne. 2018 wurde 736
Mal jemand auf der Bühne registriert, was 27.31% der analysierten Clublandschaft darstellt. Der
Dachstock zeigt 2018 bei der Frauen*Repräsentation einen Prozentsatz von 11.68%. Angaben
bezüglich Anzahl von Besucher*innen wären an dieser Stelle auch interessant.

Verantwortlich für das Booking im ist Dachstock Kathy Flück. Sie bleibt die einzige weibliche*
Hauptbookerin eines Berner Clubs.39 Vor Flück war im Dachstock Sabine Rette für das Booking
zuständig. Somit hat der Dachstock in der Bookingstelle als einziger Club in Bern eine lange

Dachstock 2018
11.68%

Prozent Frauen*
Prozent Männer*

88.32%

weibliche* Tradition.„Booken Männer* anders als Frauen*?“ War eine der im Interview gestellten
Fragen. Die Befragten waren nicht dieser Meinung. Zwischen den analysierten Clubs bewegt sich
der Dachstock 2018 bezüglich Frauen*Repräsentation auf der Bühne im Durchschnitt.

Am 10.06.2018 gab es im Dachstock „Klassik im Dachstock —Barock Edition, Soli für Open
Eyes“. Wie es in der Dampfzentrale bei „Varia“ der Fall war, waren an diesem Abend mehr Men-
schen als gewöhnlich auf der Bühne, konkret: 42 Menschen, 25 davon Frauen*. Um koherent zu
sein, habe ich beim Club Dachstock diese Veranstaltung nicht betrachtet, da in der Dampfzen-
trale die drei Veranstaltungen der Orchester „Varia“ auch nicht betrachtet wurden. Das verursacht
einen Unterschied von 2,59%. Mit „Klassik im Dachstock wäre den Prozentsatz weiblicher*
Künstlerinnen im Dachstock 14.27%.

39Bern als Stadt und nicht Kanton gemeint. Ob es im Kanton Bern ein anderer Club eine weibliche* oder nicht-binäre
Hauptbooker*in hat, wäre eine spannende Recherche.
13
Wenn wir im Bereich der elektronischen Musik die Partyreihen „C’est Berne“, „Darkside“, „Midi-
lux“, „Liquid Session“, „Scheibenkleister“, „Sirion Records & Dachstock“, „Save the Rave“,
„Sounds of Earth“, und die Abende, an welchen einerseits „DJ Krush, Bit-Tuner und Phrex“, und
anderseits „Egoless, Justice Rivah, Iyah Ranks, Phrex und Cutkachi“40 spielten, analysieren, sinkt
der Prozentansatz auf 5.80% bei der Frauen*Repräsentation.

Dachstock Elektronische Musik 2018

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*Innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Total 138 8 130 5.80% 94.20%

Im Rahmen der Partyreihe „Darkside“, welche die älteste im Programm ist, hat im Jahr 2018 keine
Frau gespielt. Dieses Format hat sich sieben Mal wiederholt und hat 36 Mal männlichen* DJs die
Bühne geboten. Es handelt sich um eine Drum’n’Bass Veranstaltung.Midilux fand 2018 sechs Mal
statt, wobei eine einzige Frau, Princess P., gebookt wurde. Die grösste Frauen*Anzahl hatten die
Formate „C’est Berne“ und „Sounds of Earth“ mit jeweils zwei weiblichen* DJs. Während „C’est
Berne“ 2018 vier Mal stattgefunden hat, war „Sounds of the Earth“ einmalig. Alle der elektroni-
sche Musik zugehörigen Partyreihen im Dachstock sind Fremdeveranstaltungen. Diese werden
von Menschen organisiert, welche den Club nahe stehen.

Wenn Flück das Booking für den Dachstock macht, gibt es ein paar Grundkriterien: Passt die
Veranstaltung zum Dachstock? Auch unter Berücksichtigung vom politischen Aspekt? Passt sie
zur Reitschule? Was läuft, muss nicht immer kommerziell sein, aber auf die Finanzen muss trotz-
dem geachtet werden.41

Über Gender beim Booking und in der Clubkultur erzählt sie unter anderem:

„Primär buchst du Künstler*innen, weil du sie gut findest. Und sekundär nimmst du sie vielleicht
noch als Frauen*, Männer*, Trans, etc. Als Musikerin wirst du durch das, dass die Genderfrage the-
matisiert wird, als Frau in den Fokus gerückt. Ich persönlich finde das sehr nervig, auch medial ge-
sehen. Du willst ja nicht primär wahrgenommen werden als Frau, sondern für das, was du machst,
für die Inhalte die du bringst. Und dann bist du noch eine Frau*, aber das ist sekundär. Da liegt der
Unterschied beim männlichen* Künstler. Es schreibt ja niemand „Die Männer*-Band“, oder „der
männliche Musiker“. Es wird manchmal aus der Sensation raus wahrgenommen [dass es sich um
eine Frau handelt] und das ist positiver Sexismus: „Es ist eine Frau, das müssen wir extra unterstrei-
chen“. Dann denke ich: „naja, man sieht’s ja (wenn sie als Frau gelesen werden will)“. Das finde ich
etwas schwieriges. Es geht ja primär um das was du machst“.42

40 Jeweils 06.04.201 und 01.12.2018.

41 Zitat aus dem Interview mit Flück für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 20.02.2018 aufgenommen.

42 ebda.
14
6. Gaskessel

Nach dem Dachstock ist der Gaskessel der Club mit der höchsten Anzahl an beteiligten Künst-
ler*innen. Insgesamt haben ich 673 Mal Künstler*innen auf der Bühne erfasst, davon 87 Frauen*
und 591 Männer*, was ein Prozentsatz von jeweils 12.03% und 87.97% entspricht. Da der Gas-
kessel ein sehr vielfaltiges Lokal ist, wo regelmässig Theater, Film und andere Kunstformen ge-
zeigt werden, habe ich eine zweite Datensammlung gemacht, welche nur musikalische Veranstal-
tungen beinhaltet.43 In dieser Fassung wurden 635 Mal Künstler*innen auf der Bühne registriert,
62 davon Frauen* und 573 davon Männer*. Das stellt einen Prozentsatz von jeweils 9.76% und
90.24% dar. Die Erfassung zu den musikalischen Veranstaltungen lässt sich besser mit den ande-
ren Clubs vergleichen, da diese Recherche von Frauen*Repräsentation in der Clubmusik handelt.
Eine weitere Studie über die Stellung der Frauen* in der Kunst und Kultur wäre allerdings genau
so dringend.

Gaskessel 2018 Gaskessel 2018


Alle Veranstaltungen Musik

12.03% 9.76%

87.97% 90.24%

Prozent Frauen* Prozent Frauen*


Prozent Männer* Prozent Männer*

Im Gespräch mit Raphael Casty, welcher im Gaskessel die Verantwortung für das Booking im
Live-Bereich trägt, erzählt er mir, dass er diese Stelle im Mai 2018 gestartet hat und dass die ers-
ten von ihm gebuchten Konzerte im Oktober 2018 stattfanden. Im November gab es den höchs-
ten Prozentsatz bei der Frauen*Repräsentation, mit 16,67%. Er bleibt fünf Mal kleiner als der
Männer*Anteil, der bei 83.33% liegt. Es ist nicht nachzuforschen, ob die Erhöhung des
Frauen*Prozentsatzes im November direkt mit der Anstellung von Casty in Verbindung gebracht
werden kann. Im Oktober war dieser bei 8.89% und im Dezember von 10.53%.

Einzigartig ist im Gaskessel, wie mir Casty erzählte, „dass der Club von Jugendlichen organisiert
ist, und der Vorstand mit Jungendlichen zusammengesetzt ist“.44 Das senkt, so Casty, die Hürde
sehr, für die Jugendlichen welche in diesem Club arbeiten oder eine Idee realisieren wollen.

Als Casty gefragt wird, warum weniger Frauen* als Männer* auf der Bühne hörbar sind, nennt er
an erster Stelle den Mangel an Vorbilder. Mit einer Frauen*Repräsentation in 2018 bei musikali-
scher Veranstaltungen von 9.76% scheint es eine Tatsache zu sein, dass diese Vorbilder im Gas-

43 Siehe Methodik: 2. Die Clubs. Auswahl und Erfassung der Daten, auf Seite 5.

44 Zitat aus dem Interview mit Casty für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 22.02.2018 aufgenommen.
15
kessel praktisch nicht zu finden sind. Gerade weil es sich um einen Jugendclub handelt, scheint
die Situation besonders beunruhigend.

Gaskessel 2018
Musik
90

Anzahl Frauen*
Anzahl Männer* 68

45

23

Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
September
Oktober
November
Dezember
Der Unterschied im Prozentsatz zwischen der Frauen*Repräsentation im Rössli und im Gaskes-
sel45 liegt bei 0.83%. Die beiden Clubs zeigen somit die niedrigste Frauen*Repräsentation von
den analysierten Veranstaltungsorten. Eine andere Gemeinsamkeit bei beiden Clubs ist ihr An-
spruch an Zugänglichkeit.46 Es stellt sich die Frage, ob Niederschwelligkeit paradoxerweise die
Frauen* benachteiligt. Dazu Rihs:

„Am einem Ort wie das Rössli sind Gagenmöglichkeiten und Genre sehr wichtig. Ich sage jetzt Mal:
es ist wie Vitamin B in der Szene, wie auch immer, und das wirkt sich glaube ich fast stärker aus, die
Ungleichheit. Fieserweise. Weil es weniger konzeptuell ist. Wenn du eine saubere konzeptuelle Idee
hättest, könntest du in der heutige Zeit, 2019 oder 2018, fast nicht Booking machen, welches so
männlich*dominiert ist, weil die Leute aus unserer Peergruppe denken würden, das ist nichts als re-
aktionär. Und das würde ich voll unterschreiben. […] Aber das ist das Rössli nicht, für mich ist es
eine Güterabwägung. Dafür ist es halt nicht durchkonzipiert und es passiert auch spontan etwas…
Was natürlich nicht ausschliesst, dass es auch mehr Frauen* sein könnten, grundsätzlich, aber das
passiert einfach nicht, oder weniger. […] Es hat sehr viel, was gespielt werden will, und was fragt,
und wo du dann nicht nein sagst, weil du findest, das ist eigentlich richtig, dass das im Rössli pas-
sieren kann, weil es in anderen Orten nicht passieren könnte, oder weil die Hürden viel grösser
sind“.47

Sind die genannten Hürden an „konzipierten Orten“ für alle viel grösser oder nur für Männer*? An
dieser Stelle schient es nötig ein Zitat von Discwoman, in dem der Begriff „Boys Club“ erklärt
wird, hinzufügen: „a homogenous, male-dominated group that seems impenetrable to women“.48
Ist das der Grund, warum weniger Frauen* von der Niederschwelligkeit profitieren? Scheint für

45 Bei der musikalischen Veranstaltungen in 2018.

46 In der Bei dem Gaskessel, die Niederschwelligkeit in der Möglichkeit liegt, als junger Mensch in der Gaskessel arbei-
ten zu können und nicht unbedingt daran, dass jugendlichen auf der Bühne stehen.

47 Zitat aus dem Interview mit Rihs für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 04.02.2018 aufgenommen.

48 https://twitter.com/DISCWOMANNYC/status/877686162684620800, letzter Zugriff 25.02.2019, 01:41.


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Frauen das Rössli undurchdringlich zu sein? Oder gibt es, wie Flück im Bezug auf das Thema
Gender und Clubkultur sagt, „keine einfache Antworten“ dazu.49 Offensichtlich ist spätestens nach
den Gesprächen mit den betreffenden Booker*innen, dass es niemandes Wunsch ist, ein „Boy’s
Club“ zu verwalten. Wir lassen Rihs nochmal sprechen, diesmal um die Frage zu beantworten, ob
es mehr männliche oder weibliche DJs gibt:

„Von [der Musik] zu leben, bedingt einigermaßen Freiheit und Selbstvertrauen. Wenn strukturell kei-
ne Gleichheit besteht —sprich bei den Männern* mehr Macht liegt— wird es sehr wahrscheinlich
auch mehr Männer haben, welche sich verwirklichen. Das wird höchstwahrscheinlich im DJ-Wesen
auch so sein. Als Frau* musst du deswegen mehr Aufwand betreiben, und zwar nicht in Promo oder
etwas konkretes—in einem Zeitgeist wo das [Frau* zu sein] fast hilft— sondern vorher, als Person
hinzukommen und sagen ‚Ich mache das‘. Es ist wahrscheinlich immer noch so, dass es mehr
Männer* gibt, die das können, weil sie mehr strukturelle Macht haben“.50

TEIL II: GESPRÄCHE


Wie im ersten Teil schon sichtbar, habe ich nach der Sammlung der Daten die Bookers mit den
Resultaten konfrontiert. Es wurde jeweils mit einer Person pro Veranstaltungsort ein Interview ge-
führt. Die Interviews wurden mündlich gemacht, aufgenommen, und je nach Club angepasst.51
Die Fragebogen bestehen, je nach Club, aus zwischen 28 und 32 Fragen. Diese wurden den In-
terviewpartner*innen im Voraus kommuniziert. Die Gespräche dauerten zwischen einer Halbe
Stunde und dreieinhalb Stunden.52 Für das Zitieren wurden die Aussagen auf Hochdeutsch ver-
schriftlicht und angepasst. Mit den Fragen zu meinen Forschungsresultaten hatte ich die Absicht,
dass sich die Booker Gedanken über die Thematik dieser Arbeit machen und sich diesbezüglich
positionieren. Anderseits wollte ich wissen, warum die Frauen*Repräsentation so niedrig ist, und
von ihren Erfahrungen diesbezüglich profitieren. Folgend ein kurzer Einblick und eine Reflexion in
und über die geführte Gespräche.

Meine Auswertung über die Frauen*Represäntation53 hat niemanden überrascht. Alle waren
jedoch der Meinung, dass es sich um einen niedrigen Prozentsatz handelt und haben das als ne-
gativ empfunden. Eine wichtige Bemerkung bezüglich der Konzerte formulierte Casty so: „Was
mir auffällt, ist, dass Bands im normalen Fall mit Männern* besetzt sind, auch wenn wir eine Frau*
buchen“.54

Das Thema Gender scheint in ihrem Beruf als Bookers bei allen präsent zu sein, auch wenn die
Befragten nicht immer die Frauen*Repräsentation fördern. Sie sind sich einig, dass es mehr
männliche* als weibliche* DJs gibt. Diesbezüglich sagt Hillbrecht: „Ich glaube, es gibt mehr
[männliche* DJs]. Es gibt aber auf jeden Fall nicht so viel mehr, als wir das Gefühl haben. Ich bin

49 Zitat aus dem Interview mit Flück für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 20.02.2018 aufgenommen.

50 Zitat aus dem Interview mit Rihs für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 04.02.2018 aufgenommen.

51 Siehe Anhang.

52 Die Zahlen wurden gerundet, anhand der Dauer vom Audiodatei.

53 Für einen besseren Überblick werden die abhandelne Themen mit Fettschrift markiert.

54 Zitat aus dem Interview mit Casty für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 22.02.2018 aufgenommen.
17
sicher, dass es sehr viel schwieriger ist, für nicht-männliche* DJs sichtbar zu sein oder sichtbar zu
werden. Das weiss ich“.55

Subventionen helfen der Dampfzentrale, eine aufwändigere Programm-Recherche zu unter-


nehmen, sowie ein gewisses finanzielles Risiko einzugehen. Dass Subventionen alleine nicht rei-
chen, offenbart sich im Gespräch mit Hillbrecht. Obwohl im Leistungsvertrag mit der Stadt spezi-
fisch nichts in Bezug auf Frauen*Repräsentation steht, gibt sich die Dampfzentrale selbst die
Rolle als Vorreiter zum Thema Gender. Ein anderes wichtiges Auswahlkriterium im Club der
Dampfzentrale ist laut Hillbrecht56 Acts eine Bühne zu bieten, für welche es nicht selbstverständ-
lich sei, in Bern eine andere zu finden.

Als die Bookers mit der Formulierung: „Für wen ist es einfacher, DJ oder Produzent*in zu werden,
für einen Mann*, oder für eine Frau*?“ über die Chancengleichheit befragt wurden, waren die
Meinungen unterschiedlicher. Wo Casty57 und Flück58 (in der Schweiz) Chancengleichheit sehen,59
interpretiert Rihs strukturelle Unterdrückung der Frau* und sieht somit das männliche* Geschlecht
bevorteilt. Auch laut Dahinden und Hillbrecht ist es generell einfacher für Männer DJ oder Produ-
zent zu werden. Beide spezifizieren aber, dass es in der lokale Szene -so Dahinden- oder ihrem
künstlerischen Umfeld -so Hillbrecht- die Hürde für Frauen* kleiner sei als auf dem Globalen
Markt. Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass Hillbrecht und Dahinden sich in der elektroni-
schen Musikszene bewegen, während Casty und Flück aus dem Bereich des Hip-Hop kommen,
und Rihs Zugang zur Musik stillübergreifender ist.

Casty erzählt später von seiner Werdegang: „Ich habe schon angefangen DJ zu sein während der
Schulzeit, […] und dann war es irgendwie auch so: dann haben mehr Jungs die Partys organisiert
und wir haben selbst aufgelegt, weil wir gefunden haben, das können wir. Frauen* haben aber
keine Partys organisiert“.60 Als er gefragt wird, warum weniger Frauen* auf der Bühne zu hören
sind, nennt er den Mangel an Beispielen als Hauptgrund. „Ich bin DJ geworden weil… Ich habe
zuerst Musik gemacht im Rap Bereich. Und dann bin ich auf ein Rap Konzert und habe das ‚huren
Geil‘ gefunden. Es sind halt einfach Typen und eine Sängerin auf der Bühne gestanden. Wenn du
nach Frauen suchst, die Rap machen, und damit erfolgreich auf der Bühne stehen gibt es halt
weniger Beispiele“.61

55 Zitat aus dem Interview mit Hillbrecht für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 02.02.2018 aufgenommen.

56 Ob es beim Konzerte auch den Fall ist, wäre auf jeden Fall spannend zu recherchieren.

57 „Es spricht jetzt nichts für einen Mann* oder für eine Frau*… kauf dir das Equipment und dann los. Wenn du bereit
bist, das Geld zu investieren für das Equipment kannst du mit dem starten.“

58 „Voraussetzungen und Grundlage und das man könnte ist bei allen gleich“.

59 Später erwähnt Flück die Rollenbilder aus Grund der unterschiedlichen Interessen bei Jugendlichen.

60 Zitat aus dem Interview mit Casty für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 22.02.2018 aufgenommen.

61 Laut Casty sind Beispiele ein wichtiger Bestandteil in der Förderung von jungen Menschen. In Clubkultur verfügen
weibliche* Jugendliche über weniger gleichgeschlechtige Vorbilder. Ergo werden sie weniger gefördert. Wie Casty bei
seinem eigenen Werdegang aufgeschlüsselt hat, beeinflussen Beispiele die Förderung, welche wichtig ist, um die Ent-
scheidung zu treffen DJ zu werden. Die Aussage „wir haben selbst aufgelegt, weil wir gefunden haben, das können
wir“, zeigt uns, dass, in seinem Fall, DJing Anerkennung und Selbstvertrauen bracht. Diese zwei Eigenschaften stellen
gute Voraussetzungen dar, um eine Party zu organisieren und den anderen sein Können zu zeigen. Die Erfahrung eines
erfolgreiches Erlebnis beim DJing in einer selbstorganisierte Party ergibt positive Verstärkung bei den Jugendliche und
somit weiterhin Förderung. Alle diese Prozesse haben in Castys Erzählung bei den weibliche* Jugendliche nicht stattge-
funden.
18
Theresa K. Vescio, Professorin in Psychologie mit Spezialisierung auf Sozialpsychologie erklärt bei
einem Symposium über Gender und Arbeit:

„In fact, in masculine domains, the patronizing behavior of powerful men created gender differences
in performance on a standardized math test where such differences did not otherwise exist. Where-
as low-power women are often praised in ways that make it difficult for powerful men to see the co-
existence of group-based inequities in the allocation of limited resources, some findings suggest
that women who threaten power in masculine domains may become the targets of aggression“.62

Über die unterschiedliche Herausforderungen für Männer und Frauen in diesem Beruf erzählt uns
Flück:

„Frauen werden zum Teil grober angefeindet, z.B. im Rap merke ich das. Da geht es auch viel um
dissen: man disst jemand anders. Da habe ich das Gefühl Frauen* werden Grundsätzlich grober in
der Mangel genommen. Und auch sexistischer. [Bei einen Mann sagt man*]‚ das ist doch ein Arsch-
loch und ein dummer Seich und der sollte doch die Schnauze halten der Gigel‘. Bei einer Frau*
kommt oft „lass dich doch wieder Mal richtig durchvögeln“. Das geht anders tief, das unterstellt dir,
dass du lustfrei bist zum Beispiel, oder dich überhaupt niemand will. Das sind Sticheleien die tiefer
gehen“.63

Während Castys Fall über den Unterschied zwischen Sozialisierung und erste Erfahrungen mit
Musik im Clubkontext sowie das dadurch entstehende Selbstvertrauen bei männlichen* und weib-
lichen* Jugendliche berichtet, illustriert Flücks Erzählung die Umgangsschwierigkeiten der
Frauen*, wenn sie sich, trotz ungleichwertigen Startmöglichkeiten, in einer männlichen Domäne
anordnen. Laut Duden steht Chancengleichheit für: „gleiche Ausbildungs- und Aufstiegsmöglich-
keiten für alle ohne Rücksicht auf Herkunft und soziale Verhältnisse“.64 Sowohl das Erlernen von
DJing wie auch die Aufstiegsmöglichkeiten in einer männlichen Domäne stellen sich als nicht ega-
litär dar, was zur Schlussfolgerung hat, dass im Clubkontext nicht von Chancengleichheit gespro-
chen werden kann.

Wie bereits eingeführt, war ‚Vorbilder‘ der Schlüsselbegriff bei der Frage, was die Gründe dafür
sind, dass so wenige Frauen* auf der Bühne zu hören sind. Weitere genannte Faktoren sind
strukturelle Unterdrückung der Frau* Rollenbilder, Mutterschaft, dass die Agenturen vor allem
männliche* Künstler hypen,65 dass in der lokalen Szene Männer überrepräsentiert sind, die unter-
schiedliche Vermarktung je nach Geschlecht, u.a.

Die Journalistin und Musikwissenschafterin Theresa Beyer erwähnt in ihrem Artikel; „Männerdo-
mäne elektronische Musik“66 als Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen* in der elektroni-
sche Musik: „das alte Klischee der männlichen Technik“, unterschiedliche Zugänge zur elektroni-
schen Musik welche Männern* ermöglichen, früher einzusteigen, dass die elektronische Musik
„körperlos“ oder „absolut“ sei —das heisst, dass der eigenen Körper mit seinen Funktionen nicht
mehr nötig ist um Musik zu generieren— und, dass die Netzwerke Männer*dominiert sind.

62 T. K. Vescio & J. Dahl: „Sugear-Coated discrimination: How subtle sexism undermines women“, President & Fellows
of Harvard College, Boston: 2013.

63 Zitat aus dem Interview mit Flück für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 20.02.2019 aufgenommen.

64 https://www.duden.de/suchen/dudenonline/chancengleichheit, letzter Zugriff 26.02.2019 um 01:18.

65 Flück widerspricht diese Aussage. Sie ist auch als Agentin tätig.

66Theresa Beyer: „Männerdomäne elektronische Musik“: https://www.dissonance.ch/upload/pdf/142_02_hb_tbc_-


ma__nnerdoma__ne.pdf, letzter Zugriff 26.2.2019, 10:35.
19
Dahinden weist Übereinstimmungen mit Beyer auf. Dass Männer* überrepräsentiert sind, sieht
Beyer als grundsätzliches Problem, da alle Geschlechter genau gleich viel Musik hören - so Da-
hinden. Eine Ursache für diese Tatsche sieht er in unserer Sozialisierung, welche uns sagt‚ dass
technische Angelegenheiten eher für Männer* sind. Eine weitere Erklärung bildet für den Befrag-
ten die Überzeugung, dass es Männern einfacher gemacht wird, auf einer Bühne zu stehen, wäh-
rend es für Frauen* einen grösseren Schritt bedeutet. Auch der Umstand, dass Bookers mehrheit-
lich männlich* sind, scheint ihm von Bedeutung zu sein, auch wenn er unsicher ist, ob das einen
direkten Einfluss auf die Problematik hat.67

In der Tat, ist der Dachstock der einzige Club in der Stadt Bern, in welchem eine weibliche* Boo-
kerin die Hauptverantwortung für die Programmation trägt. Rette, welche vor Flück an dieser Stel-
le arbeitete, ist aktuell selbständig in der Gastronomie tätig. Über männliche Netzwerke schreibt
Beyer:

„Genauso wenig wie sich männliche Netzwerke eindeutig kartografieren lassen, würde wohl kein
Kurator oder Booker zugeben, dass er Frauen absichtlich benachteiligt. Weil Ausschlussmechanis-
men oft nach ungeschriebenen Codes funktionieren, ist es umso schwerer, ihnen auf den Grund zu
gehen. Und doch lässt ein Blick auf die Strukturen von Les Digitales eine Vermutung zu: Das Festival
funktioniert nicht über ein klassisches Booking, sondern über einen Call, auf den in der Regel 90%
der Bewerbungen von männlichen Musikern eingehen. Dass der Call vor allem Männer anspricht,
könnte damit zu tun haben, dass er nur auf der Homepage lesdigitales.ch und auf Facebook publi-
ziert wird. Damit entsteht ein typisches «Filterbubble-Problem»: er erreicht nur jene Community, die
sowieso vom Festival weiss oder dort bereits aufgetreten ist“. 68

Das Beispiel von Les Digitales69 weist Ähnlichkeiten mit der Tatsache auf, dass die Niederschwel-
ligkeit im Rössli und möglicherweise auch im Gaskessel zu einer tieferen Frauen*Repräsentation
führt.70

Hillbrecht seinerseits thematisiert unter anderem die fehlende Sichbarkeit der Frauen*, Transsexu-
ellen, Inter und nicht-binären Menschen:

„Jemand der Programm macht, in einem Club, muss nicht einfach schauen was es hat und was
passt, was tönt gut, etc. und dann das machen, sondern auch Initiative ergreifen, damit Menschen
ein Gehör bekommen, welche da sind und aktiv sind und Musik machen und nicht einfach zu finden
sind auf den Plattformen. Es reicht nicht, wenn ich schauen gehe, wer in anderen Clubs gespielt hat
und dann denke ‚es tönt gut, bringt sicher auch ein paar Leute, ich mache das auch‘ -das Copy
Paste Prinzip-. Ich glaube das passiert viel und so können gewisse Menschen gar nicht erreicht
werden“.71

67 Zitat aus dem Interview mit Dahinden für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 23.01.2019 aufgenommen.

68Theresa Beyer: „Männerdomäne elektronische Musik“. https://www.dissonance.ch/upload/pdf/142_02_hb_tbc_-


ma__nnerdoma__ne.pdf, letzter Zugriff 26.2.2019 um 11:15.

69Les Digitales ist ein Festival für elektronische und experimentelle Musik welches jedes Jahr unter anderem im Berner
Botanischer Garten stattfindet. https://lesdigitales.ch, letzter Zugriff 26.2.2019, 11:20.

70 Siehe Auswertung: 6. Gaskessel, Seite 16.

71 Zitat aus dem Interview mit Hillbrecht für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 02.02.2018 aufgenommen.
20
Sowohl Beyer wie auch Hillbrecht deuten in ihren Aussagen auf den „Mätthaus-Effekt: wer mehr
hat, dem wird mehr gegeben72 “sowie auf die Notwendigkeit aktiv dagegen zu agieren und somit
diesen Prozess umzukehren. Über die Quote berichtet Dahinden und bestätigt, dass der Mätt-
haus-Effekt sich auch bei ihm manifestiert:

„In der Wirtschaft bin ich voll dafür, oder in der Politik bin ich relativ dafür, dass Quoten gemacht
werden, um die [Frauen* Repräsentation zu fördern] zu forcieren, da die Freiwilligkeit nicht funktio-
niert. Weil Frauen* oder nicht-Männer in der Karriere behindert werden, wenn sie Karriere machen
wollen. Entgegen in der Musik, wo es um die Musik geht, bin ich nicht wirklich dafür. Wenn ich
Booking mache, booke ich die Musik, welche mit gefällt, und es ist sehr viel mehr Musik von Män-
ner Produziert, oder auf dem Markt und durch das booke ich auch mehr Männer*“.73

Rihs entgegen plädiert für einewn bewussten Umgang mit der Quote-Idee:

„Ich bin nicht voll anti Quote. Ich finde es muss bewusst werden, was der Vor- und was der Nachteil
ist, ganz fest. Der Vorteil ist, dass es nicht barriert wird wenn kein Zwangsmittel gebraucht wird. […]
Aber es ist immer eine einfache Lösung. Du kannst das dann geshowt gegeben und dann ist es gut.
Ich finde dann ist es nicht gut. Das grösste Problem von der Quote ist es, dass sie der binären-Idee
dient. Einerseits weiblich* und nicht weiblich* wird verstärkt, es wird ja oder nein, schwarz oder
weiss. Und das willst du nicht, wenn du was ausstellst, oder wenn du etwas spielen lässt, du willst
nicht dass es schubladisiert wird, dass die Leute sagen „das ist jetzt Frauen*- oder Männer*Musik“,
oder fluide Personen, welche nicht so und so heissen wollen. Es hat mit dem nichts zu tun. Und dort
sehe ich das Problem der Quote am meisten. Auf der andere Seite muss es vielleicht an gewissen
Orten einfach sein, weil sonst nichts passiert“.74

Und Hillbrecht findet, dass vor allem bei subventionierten Institutionen die Genderfage im Rah-
men des Leistungsvertrages behandelt werden sollte:

„Ich glaube, es wäre nicht das wichtigste für einen normalen Club, für einen Club der privatwirt-
schaftlich Programm macht, für eine gewisse Musik steht, für eine gewisse Ausrichtung, wo ganz
andere Faktoren noch den Betrieb beeinflussen als zum Beispiel in der Dampfzentrale. In einer
Institution wie der Dampfzentrale, sprich wo öffentliche Gelder einfliessen, ist das was anderes.
Ich würde mich überhaupt nicht gegen eine Quote wehren. Ich habe das Gefühl vielleicht gäbe es
noch andere Strategien. Sobald eine Institution Geld bekommt von der Stadt, oder vom Kanton
oder von wem auch immer, gibt es einen Leistungsvertrag der regelt was die Institution für das Geld
machen muss, meistens ein kultureller Auftrag. Ich finde dort drin müsste etwas stehen in diese
Richtung“.75

Ich habe den Interviewten die Frage gestellt, ob es sexistisch ist, wenn Männer viel öfter auf
der Bühne stehen. Flück antwortete: „Oh, Gott, Luz! [Lachen] nein, man macht das ja nicht
extra!“. Bei Dahinden und Hillbrecht ist die Antwort entgegen ein klares „Ja“. Bei Rihs wurde die
Antwort komplexer: „Es ist ein Beleg der Gesellschaft, die sexistisch funktioniert.“ Casty bezieht
das auf dem Inhalt der Musik. „Wenn mehr Männer auf der Bühne stehen, können sie die Sicht

72 Mark Luter: „Wem wird gegeben? Matthäus-Effekte und geschlechtspezifische Ungleichheiten auf Arbeitsmarkt für
Filmschauspieler“, https://www.econstor.eu/handle/10419/66578, letzter Zugriff 26.02.2019, 23:13.

73 Zitat aus dem Interview mit Dahinden für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 23.01.2019 aufgenommen.

74 Zitat aus dem Interview mit Rihs für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 04.02.2019 aufgenommen.

75 Zitat aus dem Interview mit Hillbrecht für diese Studie. Wurde als Audiodatei am 02.02.2019 aufgenommen.
21
oder die Inputs aus ihrer Weltausschauung öffentlichen Raum vermitteln. Und teilweise sind die
Inhalte auch sexistisch“.76

Auf die Frage „Ist Clubkultur für dich ein Politikum“ haben Hillbrecht und Dahinten mit „abso-
lut“ geantwortet. Casty bejahte meine Aussage und erwähnte die Schwierigkeiten des Gaskes-
sels wegen Umsiedlungsgefahr. In diesem Fall ist der Gaskessel ein Traktandum in der politi-
schen Bau-Agenda, und kein expliziter Akteur. Im Winter 2018/2019 wurde der Gaskessel offiziell
Pelzfrei und setzt diesbezüglich ein politisches Statement. Flück antwortete, dass Clubkultur poli-
tisch sein kann aber nicht muss und Rihs Antwort war sehr unklar. Ob Reitschuler*innen wegen
der öffentlichen Wahrnehmung ihres eigenen Hauses einen vorsichtigeren Zugang zum Wort „poli-
tisch“, haben und dadurch eine grössere Sensiblilisierung entwickeln, wäre auch ein spannendes
Forschungsfeld.

TEIL III: SCHLUSSWORT


Im Rahmen dieser Arbeit wurden fünf wichtige Clubs der Berner Musikszene auf ihren Anteil an
Frauen*Repräsentation analysiert. Die Clubs sind: Dachstock, Dampfzentrale, Gaskessel, Kapi-
tel, Rössli. Folgende Daten wurden gesammelt: Datum, Veranstaltung, Anzahl Künstler*innen,
Anzahl Frauen*, Anzahl Männer*. Die Studie beruft sich auf das Jahr 2018.

Das Resultat dieser Recherche ist ein durchschnittlicher Frauen*Anteil von 13.74%, oder, in gan-
zen Zahlen ausgedrückt, eine Repräsentation von 376 Frauen* zu 2361 Männer*. Der Unterschied
zu anderen Studien in diesem Feld liegt daran, dass ich Menschen und nicht Acts in meiner Stu-
die berücksichtigt habe, was die Resultate unvergleichbar macht.

In einem zweiten Schritt habe ich die Bookers der fünf Clubs mit den Resultaten konfrontiert und
Interviews mit ihnen geführt. Die Interviews bestanden aus 28 bis 32 Fragen,77 und verhandelten
die Überthemen allgemeine Informationen, Gender im Club, Publikum, Clubkultur als Politikum
und Zukunft.

Die Gespräche zeigten, dass die Bookers über ein Bewusstsein bezüglich der Unterrepräsentation
der Frauen* in der Clubmusik verfügen. Es wurden zahlreiche Gründe genannt, warum das männ-
liche Geschlecht die Szene dominiert. Unter anderem sind dies: Rollenbilder, Mutterschaft, das
Hypen von vor allem männlichen* Künstlern durch die Agenturen,78 das alte Klischee der männli-
chen Technik, die männliche* Überrepräsentation in der lokale Szene, dass Niederschwelligkeit in
gewissen Fällen Männer*favorisierend wirken kann, die Unsichtbarkeit der Nicht-dominierenden
Gruppen, etc.

76 Laut Duden bedeutet „Sexistisch“: „auf Sexismus beruhend, davon bestimmt“ und „Sexismus“: „Vorstellung, nach
der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminie-
rung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Ge-
schlechts.“ Wieder nach Duden, definieren wir das Wort Politikum: „Vorgang, Ereignis, Gegenstand, o. Ä. von politischer
Bedeutung“, das Wort ‚politisch‘ leitet wiederum zum Wort ‚Politik‘ und Politik wird wie folgt definiert: „auf die Durch-
setzung bestimmter Ziele besonders im staatlichen Bereich und auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens gerichtetes
Handeln von Regierungen, Parlamenten, Parteien, Organisationen o. Ä.“

htttp.duden.de/suchen/dudenonline/sexistisch und htttp.duden.de/suchen/dudenonline/sexistisch, letzter Zugriff


27.2.2019 um 2:57.

77 Sie würden je nach Club angepasst. Siehe Anhang.

78 Flück widerspricht diese Aussage. Sie ist auch als Agentin tätig.
22
Eine ausgesprochene Quote zu etablieren hat niemand aktiv favorisiert. Die meisten Befragten
reflektierten, dass sich die Unterrepräsentation der Frauen* als sexistisch erweist und drei davon
haben die Clubkultur als ein Politikum bezeichnet. Alle antworteten, dass sie etwas dazu beitra-
gen könnten, dass mehr Frauen* im jeweilen Club auftreten. Die Verantwortung liege nicht nur bei
den Bookers, sondern auch bei den Agenturen, der lokalen Szene, und dem Publikum, so die
Meinung den Befragten. Andere Gründe, welche das Booking von Frauen* erschweren, bilden lo-
gistische Schwierigkeiten, fehlende Kapazität oder Begrenzung durch ästhetische Handschrift des
Clubs. Alle würden eine schweizerische Data-Base über Frauen* Trans, Inter und nicht-binäre
Menschen willkommen heissen. Es wurde jedoch appelliert, dass im Idealfall der Zugang zu den
Künstler*innen über die Musik und nicht über das Geschlecht stattfindet.

Die Gespräche hatten bei mir eine widerstreitende Wirkung. Durch Verständnis und einen grösse-
ren Einblick in die Thematik wurde meine Position verständnisvoller, gleichzeitig bildete sie sich
stärker aus. Auch wenn die Recherchen durch die unterschiedliche Methodologie nicht vergleich-
bar ist, kam ich zum ähnlichen Schluss wie das Magazin Huffingtonpost: „Ultimately, the problem
with getting more female-led acts onto festival stages is the same problem all industries face in
trying to make women more visible players: Sexism is systemic and often subtle. And more often
than not, you can’t solve a systemic issue from the top down”.79

Die Unterrepräsentation der Frauen* erscheint nicht als isolierte Schwierigkeit, sondern als Sym-
ptom einer viel grundlegenderen Problematik, die von Rihs ernannte „Strukturelle Unterdrückung
der Frau*“. Dagegen können die Bookers nur begrenzt agieren. Aufgeschlüsselt sehe ich bei die-
ser Tatsache zwei Hauptmerkmale. Einerseits ist die Verantwortung bezüglich Frauen*Repräsenta-
tion und Handlungsfähigkeit, welche die den Bookers80 tragen, begrenzt. Anderseits wird es um
so wichtiger, die Tiefe der Problematik aufzuzeigen, dass sie wahrgenommen und behandelt wird.

Auf diesem Grund teile ich die Meinung von Discwoman: „[E]xactly such initiatives (to promote
women in electronic music) are urgently important to transform institutionalised, structural, and
above all hidden discrimination“.81 Besonders in Clubs wo die Partizipation von Jugendlichen
gross ist, ist es wichtig, dass die Förderung von Frauen*, Trans, Inter und nicht-binäre Menschen
nicht auf sich warten lässt.

Dass Männer* die Clubmusik dominieren, ist sexistisch. Alle erwähnte Gründe,82 warum es bei-
spielsweise Männer* in der Clubkultur einfacher fällt auf einer Bühne zu stehen, beruhen auf der
im Duden genannte Definition des Begriffs:83 „Benachteiligung von Menschen, besonders der
Frauen, aufgrund ihres Geschlechts“.84 Zu akzeptieren, dass Männer* die Clubmusik dominieren,
heisst auch die Benachteiligung der Frauen*, Trans, Inter und nicht-binäre Menschen anzuneh-
men. Diese Zustimmung ist wiederum sexistisch und verstärkt die Unterrepräsentation der Frau-
en*, Trans, Inter und nicht-binären Menschen in der Clubkultur.

79 Alanna Vagianos und Alissa Scheller: „Music Festivals’ glaring woman problem“: http://data.huffingtonpost.com/mu-
sic-festivals,letzter Zugriff 21.2.2019, 21:51.

80 Es handelt sich in diesen konkreten Fall um Bookers, aber das kann abstrahieren werden auf andere Bereiche.

81 https://twitter.com/DISCWOMANNYC/status/877686162684620800, letzter Zugriff 25.02.2019, 01:41.

82 Siehe Seite 19 und 20.

83 Siehe Seite 18.

84 https://www.duden.de/suchen/dudenonline/sexistisch, letzter Zugriff 27.2.2019, 02:57.


23
Einerseits führen, etwa im Falle der Dampfzentrale, der Wille Verantwortung und Eigeninitiative
zu ergreifen zu einer höheren Frauen*Repräsentation, anderseits aber auch die höhere finanzielle
Sicherheit. An dieser Stellen wäre es spannend und hilfreich über nicht-finanzielle Mittel zu re-
cherchieren, welche den Clubs vereinfachen würden, die Repräsentation von Frauen* und Män-
ner* auszugleichen. Der höchste Prozentsatz bei der Frauen*Repräsentation, trotz bessere Aus-
gangsbedingungen, bei 33.11% bleibt, zeigt, wie weit wir von der Gleichstellung in der Clubszene
stehen.

Unter anderm der Frauenraum in Bern, HelvetiaRock in der Schweiz, und Female:Pressure, Key-
Change, Femdex, oder Discwoman85 auf internationale Ebene, geben jedoch Grund zur Zuver-
sicht. Diesen Sommer findet in Bern zum ersten Mal das Festival „Queens of HipHop“ statt, ein
feministisches Festival, mit weiblichem* Line Up, welches die Sichtbarkeit und Förderung der
Frauen* in der Clubkultur, speziell im Hiphop Bereich, als Ziel verfolgt. Auch in Bern haben sich
verschiedene weibliche* DJs unter dem Kollektiv Töchter* vereint, was eine wichtige Massnahme
im Bereich Sichtbarkeit und somit Vorbilder-Rolle darstellt. Die Resonanz des Töchter* Kollektivs
hat sich im Gespräch mit den Bookers bestätigt. Es handelt sich zudem um die Gruppierung von
diversen weiblichen* DJs welche bereits aufgelegt haben und erst durch die Verbindung auf grös-
sere lokale Resonanz gestossen sind. In Zürich verfolgt das Kollektiv „Les Belles de Nuit“ ähnliche
Bestrebungen. Statement ist ein drittes weibliches* Schweizer Kollektiv mit zwei Mitgliedern aus
Bern.86

Infolge der #MeToo Bewegung publizierte das Kollektiv „We have a voice“ ein „Code of conduct
to promote safe(r) Workplaces in the performing arts“.87 Das Ziel dieses Texts ist es zu kommuni-
zieren, dass die Clubs oder Künstler*innen, welche die „Code of conduct“ aufnehmen, sich klar
für awareness positionieren. Aus den Clubs [wieder] ein „Safe Space“ zu erschaffen ist eine ele-
mentare und wichtige Bedingung damit Frauen*, Trans, Inter und nicht-binäre Menschen die Hür-
de der Partizipation überwinden können. Der Text kann in der Webseite direkt heruntergeladen
werden.

Auch die Plattform Femdex veröffentlichte ein Manifest, welches auf Gleichberechtigung, keine
hierarchische Trennung zwischen den Beteiligten, Förderung der Diversität und „alternative use“
beruft.88 Diese Plattform bietet einerseits auch eine Data-Base zu weiblichen DJs und Produzen-
tinnen aus Wien und andereseits eine Data-Base zu internationalen Künstler*innen.

Ein ähnliches Projekt in der Schweiz zu starten, wäre sicherlich hilfreich und würde dem Zeitgeist
folgen. Idealerweise würde eine solche Idee aus der Vernetzung von in-der-[elektronische] Musik-
tätigen Frauen*, Trans, Inter und nicht-binäre Menschen entstehen und sich nicht nur auf eine
Data-Base begrenzen, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit, Anlässe und Zusammenarbeit betrei-
ben.

Dank
Herzlichen Dank an Diego, Kathy, Raphael, Till und Urs für die Zeit, Offenheit und Hilfsbereit-
schaft, sowie für Ihre Arbeit für die Berner Clubkultur.

85 Siehe Bibliographie.

86 La Bohème und Kia Man.

87 https://too-many.org/code-of-conduct/, letzter Zugriff 27.02.2019, 19:53.

88 http://femdex.net/index.php/utopia-3000/, letzter Zugriff 28.02.2019, 02:26.


24
Bibliographie

Publikationen

Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Edition Suhrkamp, Frankfurt
am Main: 1991. (19. Auflage, 2018)

Heesch, Florian und Loslegen, Katrin (Hg.): Musik und Gender. Ein Reader. Böhlau Verlag,
Wien, Köln, Weimar: 2012.

Kreutziger-Herr, Annette und Unseld, Melanie (Hg.): Lexikon. Musik und Gender. Bärenreiter
Metzler. Kassel: 2010

Kunz, Seline: RFV Basel Vorstudie Frauenanteil in Basler Bands, Gremper AG, Pratteln: 2018

Reynolds, Simon: Energy Flash, Faber & Faber, London: 1998 (3. Auflage, 2013)

Ringgenberg, Nora: With Machine there’s less drama. Warum bilden Frauen im Studiengang
Soud Arts / Musik und Medienkunst die Menderheit? Hochschule der Künste, Bern: 2018

Silo, Dan: Techno Rebels. The Renegades of Electronic Funk. Paperback, Detroit: 2010

Schulz, Grabriele; Ries, Carolin; Zimmermann, Olaf: Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick
über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge. Deutsche ASTOV-Druck, Berlin:
2016

Filme

Livingston, Jennie: Paris is burning, VVSS: 1990

Spring, Philip: Die Festmacher, Schweiz: 2010.

Sommer, Sally: Check you body at the door, VVSS: 2012

Online Quellen

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https://www.welt.de/kultur/pop/article176377586/Razzien-in-georgischer-Technoszene-Das-ist-
nicht-nur-Party-Das-ist-eine-soziale-Bewegung.html, letzter Zugriff 28.02.2019, 16:42

Aha, Laura: „Warum Techno die grösste politische Bewegung ist“, in welt.de, Mai 2018: https://
www.welt.de/kultur/article176759983/Anti-AfD-Demo-Warum-wir-wieder-mehr-Techno-in-
Deutschland-brauchen.html, letzter Zugriff 22.11.2018, 14:54

Beyer, Theresa: „Männerdomäne elektronische Musik. Eine Inventur“, in Dissonance, Juni


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25
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Mitchum, Rob und Garcia-Olano, Diego: „Are musical festtival lineups gettint worse?“, in Pitch-
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Petzi: „Petzi und Helvetiarock präsentieren die „Diversity-roadmap für Clubs und Festivals“ am
M4Music“, Pressemitteilung, März 2019: https://www.petzi.ch/media/News/84/MM_Diversity-
Roadmap_04.03.2019.pdf, letzter Zugriff 08.04.209 um 01:18

26
Plett, Cristina: „Club Kultur Diverstität. Kommentar“, in Groove, Oktober 2016: https://groove.-
de/2016/10/25/club-kultur-diversitaet-kommentar-cristina-plett/, letzter Zugriff 11.01.2019, 12:45

PRS Foundation: „Keychange Manifesto: Recommendations for a gender balanced music in-
dustry“, in keychange.eu, November 2018: http://bit.ly/KeychangeManifesto, letzter Zugriff
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Riegel, Julian: „The Women who run Swiss music: Julie Born, Managing Director Sony Music
Schweiz“, in Noisey, März 2017: https://noisey.vice.com/alps/article/vvjbe4/the-women-who-run-
swiss-music-julie-born-managing-director-sony-music-schweiz, letzter Zugriff 1.4.2019 um 01:35

Schaeffner, Björn: „Möglichkeitsraum statt Plastikdisco“, in A66RE6AT, September 2018:


https://www.dampfzentrale.ch/moeglichkeitsraum-statt-plastikdisco/, letzter Zugriff 27.02.2019,
21:52

Schaffhäuser, Matthias: „Clubkultur in Köln“, in Klubkomm, ohne Datum: https://www.stadt-


koeln.de/mediaasset/content/pdf41/sachstandsbericht_popkultur3.pdf, letzter Zugriff 26.02.209,
17:48

The female:pressure Trouble Makers: „FACTS 2017“, in female:pressure, August 2017: https://
femalepressure.files.wordpress.com/2017/09/facts2017-survey_version1_1_by_femalepres-
sure.pdf, letzter Zugriff 28.02.2019, 18:04

Tenchio, Laura: „The Women who run Swiss music: Nathalie Brunner, DJ und Nightlife-Aktivis-
tin“, in Noisey, März 2017: https://noisey.vice.com/alps/article/ez855e/the-women-who-run-
swiss-music-nathalie-brunner-dj-und-nightlife-aktivistin, letzter Zugriff 1.4.2019 um 01:33

Vagianos, Alanna und Scheller, Alissa: „Music Festivals’ glaring woman problem“, in The Huff-
ingpton Post, Mai 2016: http://data.huffingtonpost.com/music-festivals,letzter Zugriff 21.2.2019,
21:51

Verein Dampfzentrale Bern: „Jahresbericht Dampfzentrale“, in Dampfzentrale, April 2018:


https://www.dampfzentrale.ch/wp-content/uploads/2018/09/Jahresbericht_2017_20180607_FI-
NAL.pdf. letzter Zugriff 28.02.2019, 17:57

Zeier, Christian: „Berner Technopartys am Rande der Legalität“, in Berner Zeitung, Juni 2011:
https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/berner-technopartys--am-rande-der-legalitaet/story/
26510042, letzter Zugriff 27.02.2019, 21:42

Links

http://discwoman.com

http://femalepressure.net

http://femdex.net

https://helvetiarockt.ch

https://keychange.eu

https://too-many.org

https://verymalelineups.tumblr.com

https://wecandanceit.ch

______

27
https://dachstock.ch

https://dampfzentrale.ch

https://gaskessel.ch

http://kapitel.ch

https://souslepont-roessli.ch

28
TEIL IV: ANHANG
Verzeichnis: weibliche, Trans, Inter und nicht-binäre DJs und
Produzentinnen von Bern. In Entstehung.

29
30
31
Fragenbogen
Allgemein

• Warum bist du Booker?

• Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit?

• Was macht [Name des Clubs] aus?

• [Wie funktioniert der Gaskessel was das Booking angeht? Habt ihr viele fremde Veranstaltun-
gen?]

• Deine Top-3 Club-Acts?

• Ist das für dich ein unangenehmes Thema, Gender und Clubkultur? Warum?

• Fühlst du dich angegriffen? Warum?

Gender

• Überrascht dich die Auswertung?

• Ist Gender beim Booken für dich ein Thema?

• Gibt es mehr männliche DJs als nicht-männliche? Oder kennen wir sie nicht?

• Für wen ist es einfacher DJ oder Produzent*in zu werden, für einen Mann* oder für eine Frau*?

• Wo siehst du die Gründe, dass es so wenig Frauen* auf der Bühne zu hören gibt?

• Wie viel weibliche Booker arbeiten in der [Name des Clubs]?

• Booken Männer* anders als Frauen*?

• Wärst du heute da wo du jetzt bist, wärst du kein Mann*? / Was ist für dich anders als für deine
männliche* Kollegen?

• Wenn gerade in Jugendclubs fast nur Männer* auftreten ist das doch ein Problem. Hat einE
Booker nicht auch eine gewisse Verantwortung?

• Dass es so wenig Frauen* in der Club-Szene gibt, hängt auch damit zusammen, dass es so we-
nig Vorbilder gibt. Sieht du das auch so?

• Was hälst du von einer Quote?

• Ist es sexistisch, wenn Männer* viel öfter auf der Bühne stehen? [Wie lässt sich das mit dem
Reitschule-Manifesto vereinbaren?]

• Wäre das Prozentansatz der Frauen* höher, wenn [Name des Clubes] ein Club für Elektronische
Musik wäre? Warum?

Publikum

• Wie ist die Geschlechterverteilung im Publikum?

• Wie reagiert das Publikum auf das Geschlecht der Acts?

• Wirkt sich das auf die Einnahmen aus?

Finanziell

• Die Dampfzentrale hat einen deutliche höheren Prozentsatz an Nicht-Männern auf der Bühne.
Warum? Habt das mit den Subventionen zu tun?

• [Der Gaskessel wird auch von der Stadt subventioniert, stimmt das? Was sind die wichtigste
Gegenleistungen dafür?]

Clubkultur als Politikum

• Ist Clubkultur für dich ein Politikum?

• Wenn wir in der Clubkultur eine ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis hätten, hätte das einen
Einfluss aufs Publikum?

Zukunft

• Was hat sich in den letzten fünf Jahren bezüglich Geschlechterverhältnisse verändert?

• Könntest du etwas dazu beitragen, dass mehr Frauen in [Name des Clubs] auftreten?

• Wir haben jetzt vor allem über Frauen gesprochen. Was sind die Herausforderungen der Män-
ner?

• Wäre für dich eine schweizerische Data-Base über weibliche*, nicht-binäre, Trans und Inter DJs
und Live-Act hilfreich? Würdest du sie nutzen?

• Kennst du female:pressure (femalepressure.net). Benutzt du die Seite? Warum?

Willst du noch was sagen?

Danke!

32
Auswertung Frauen*Repräsentation in der Clubkultur von Bern
in 2018

1. Alle analysierte Clubs - Musikalische Veranstaltungen

Musikalische Veranstaltungen

Anzahl Künst- Anzahl Frau- Anzahl Män- Prozentsatz Prozentsatz


ler*innen en* ner* Frauen* Männer*

Dachstock 736 86 650 11.68% 88.32%

Dampfzentrale 305 101 204 33.11% 68.89%

Gaskessel 635 62 573 9.76% 90.24%

Kapitel 561 63 498 11.23% 88.77%

Rössli 458 39 419 8.52% 91.48%

2695 351 2344 13.02% 86.98%

Gaskessel: Ohne Kino, Theater, Tanzperformance und Veranstaltungen mit unklare Inhalt wie:
„Integration“, oder klare nicht Musikalische oder Tanzbare Inhalt welches sich unregelmässig im Pro-
gramm wiederholt: „Dinner“, „Podiumsdiskussion“, „Lesung“, „Workshop“, etc.

* Ohne Orcherster

Musikalische Veranstaltungen
Musikalische
Veranstaltungen 700
13.02%
525

350

175

86.98% 0
Dachstock

Dampfzentrale

Gaskessel

Kapitel

Rössli

Anzahl Frauen* Anzahl Frauen*


Anzahl Männer* Anzahl Männer*

33
1. 1. Alle analysierte Clubs - Elektronische Musik

Elektronische Musik

Anzahl Künst- Anzahl Frau- Anzahl Män- Prozentsatz Prozentsatz


ler*innen en* ner* Frauen* Männer*

Dachstock 138 8 130 5.80% 94.20%


Dampfzentrale 60 18 42 30.00% 70.00%
Gaskessel 159 21 138 13.21% 86.79%

Kapitel 561 63 498 12.23% 88.77%


Rössli 54 6 48 11.11% 86.89%

972 116 856 11.93% 88.07%

Elektronische Musik
11.93%

Prozentsatz Frauen*
Prozentsatz Männer*

88.07%

34
2. Dachstock

2. 1. Dachstock - Musikalische Veranstaltungen

Dachstock - Musikalische Veranstaltungen


Anzahl Anzahl Anzahl Prozent Prozent
Künstler*I Frauen* Männer* Frauen* Männer*
nnen
Januar 45 1 44 2.23% 97.78%
Februar 93 5 88 5.38% 94.62%
März 67 10 57 14.93% 85.07%
April 65 3 62 4.62% 95.38%
Mai 80 19 61 23.75% 76.25%
Juni 13 0 13 0.00% 100.00%
Juli - - - -
August - - - -
September 55 12 43 21.82% 78.18%
Oktober 77 16 61 20.78% 79.22%
November 136 10 126 7.35% 92.65%
Dezember 105 10 95 9.52% 90.48%
Total / Durchschnitt 736 86 650 11.68% 88.32%
OHNE KLASSIK

Dachstock
Musikalische Veranstaltungen
Dachstock
Musikalische 140
Veranstaltungen
11.68%
105

70

35

0
88.32%
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen* Anzahl Männer*


Prozent Männer* Anzahl Frauen*

35
2.2. Dachstock - Elektronische Musik

Dachstock - Elektronische Musik


Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent
ler*Innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*
Januar 11 0 11 0.00% 100.00%
Februar 9 0 9 0.00% 100.00%
März 12 1 11 8.33% 91.67%
April 12 0 12 0.00% 100.00%
Mai 17 2 15 11.76% 88.24%
Juni 9 0 9 0.00% 100.00%
Juli - - - -
August - - - -
September 14 1 13 7.14% 92.86%
Oktober 14 3 11 21.43% 78.57%
November 18 1 17 5.56% 94.44%
Dezember 22 0 22 0.00% 100.00%
Total 138 8 130 5.80% 94.20%

Dachstock
Elektronische Musik
Dachstock 30
Elektronische Musik
5.80%
22.5

15

7.5

0
94.20%
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen*
Prozent Männer* Anzahl Männer*
Anzahl Frauen*

36
3. Dampfzentrale

3.1. Dampfzentrale - Konzerte und Club Anlässe

Dampfzentrale - Konzerte und Club Anlässe

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar 3 1 2 33.33% 66.67%

Februar 20 11 9 55.00% 45.00%

März 32 6 26 18.75% 81.25%

April 14 1 13 7.14% 92.86%

Mai 20 6 14 30.00% 90.00%

Juni 7 + 192 93 106 - -%

Juli 2 + 96 46 52 - -%

August 16 6 10 37.50% 62.50%

September 96 37 59 38.54% 61.46%

Oktober 38 11 27 28.95% 71.05%

November 30 8 22 26.67% 73.33%

Dezember 27 7 20 25.93% 74.07%


Total 593 233 360 39.29% 60.71%
Total ohne Or- 305 101 204 33.11% 66.89%
chester

Dampfzentrale Konzerte und


Club Anlässe

Dampfzentrale Konzerte ohne „Variation“


und Club Anlässe

120
ohne "Variation"

90
33.11%

60

30
66.89%

0
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen* Anzahl Frauen*


Prozent Männer* Anzahl Männer*

37
3.2. Dampfzentrale - Konzerte

Dampfzentrale - Konzerte

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar - - - - -

Februar 14 6 8 42.86% 57.14%

März 25 4 21 16.00% 84.00%

April 10 0 10 0.00% 100.00%

Mai 16 6 10 37.50% 62.50%

Juni 199 93 106 - -

Juli 96 44 52 - -

August 16 6 10 37.50% 62.50%

September 93 37 56 39.78% 60.22%

Oktober 25 8 17 32.00% 68.00%

November 23 7 16 30.43% 69.57%

Dezember 16 4 12 25.00% 75.00%

Total 533 215 318 40.34% 59.66%

Total ohne Or- 245 83 162 33.88% 66.12%


chester

Dampfentrale.
Konzerte ohne "Variation"
Dampfentrale Konzerte
ohne "Variation" 120

33.88% 90

60

30
66.12%

0
Februar
März
April
Mai
August
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen*
Prozent Männer*
Anzahl Frauen*
Anzahl Männer*

38
3.3. Dampfzentrale - Club

Dampfzentrale - Club

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar 3 1 2 33.33% 66.67%

Februar 6 5 1 83.33% 16.67%

März 7 2 5 28.57% 71.43%

April 4 1 3 25.00% 75.00%

Mai 4 0 4 0.00% 100.00%

Juni - - - - -

Juli 2 2 0 100.00% 0.00%

August - - - - -

September 3 0 3 0.00% 100.00%

Oktober 13 3 10 23.08% 76.92%

November 7 1 6 14.29% 85.71%

Dezember 11 3 8 27.27% 72.73%


Total 60 18 42 30.00% 70.00%

Dampfzentrale Club

Dampfentrale Club 120

30.00% 90

60

30
70.00%

0
Januar
Februar
März
April
Mai
Juli
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen*
Prozent Männer*

Anzahl Frauen*
Anzahl Männer*

39
4. Gaskessel

4.1. Gaskessel - Musikalische Veranstaltungen


Gaskessel Musikalische Veranstaltungen

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar 33 0 33 8.33% 91.67%

Februar 41 4 37 9.75% 90.25%

März 81 9 72 11.11% 88.89%

April 91 12 Ca 13.19% 86.81%

Mai 82 4 78 4.88% 95.12%

Juni 56 5 51 8.93% 91.07%

Juli - - - - -

August - - - - -

September 44 4 40 9.09% 90.91%

Oktober 90 8 82 8.89% 91.11%

November 60 10 50 16.67% 83.33%

Dezember 57 6 51 10.53% 89.47%

Total 635 62 573 9.76% 90.24%

Ohne Kino, Theater, Tanzperformance und Veranstaltungen mit unklare Inhalt wie:
„Integration“, oder klare nicht Musikalische oder Tanzbare Inhalt welches sich unre-
gelmässig im Programm wiederholt: „Dinner“, „Podiumsdiskussion“, „Lesung“,
„Workshop“, etc.

Gaskessel
Musik Veranstaltungen
Gaskessel
90
Musik Veranstaltungen
9.76%
67.5

45

22.5

90.24% 0
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen*
Anzahl Frauen*
Prozent Männer*
Anzahl Männer*
40
4.2. Gaskessel - Elektronische Musik

Gaskessel - Elektronische Musik

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar 12 0 12 0.00% 100.00%

Februar 10 2 8 25.00% 75.00%

März 25 1 24 4.00% 96.00%

April 8 1 7 12.50% 87.50%

Mai 9 2 7 22.22% 77.78%

Juni 9 0 9 0.00% 100.00%

Juli - - - - -

August - - - - -

September 10 1 9 10.00% 100.00%

Oktober 27 6 21 22.22% 77.78%

November 25 5 20 20.00% 80.00%

Dezember 24 3 21 12.50% 87.50%

Total 159 21 138 13.21% 86.79%

Gaskessel
Gaskessel Elektronische Musik
Elektronische Musik
90
13.21%
78.75
67.5
56.25
45
33.75
22.5
11.25
86.79%
0
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
September
Oktober
November
Dezember

Prozent Frauen* Anzahl Frauen*


Prozent Männer* Anzahl Männer*

41
5. Kapitel

Kapitel

Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent


ler*innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*

Januar 40 4 36 10.00% 90.00%

Februar 43 5 38 11.63% 88.37%

März 66 6 60 9.09% 90.91%

April 56 3 53 5.35% 94.65%

Mai 50 3 47 6.00% 94.00%

Juni 47 7 40 14.89% 85.11%

Juli 21 2 19 9.52% 90.48%

August 18 6 12 33.33% 66.67%

September 41 5 36 12.20% 87.80%

Oktober 48 3 45 6.25% 93.75%

November 61 11 50 18.03% 81.97%

Dezember 70 8 62 11.43% 88.57%


Total 561 63 498 11.23% 88.77%

Kapitel
70
Kapitel
11.23%
52.5

35

17.5

0
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

88.77%

Prozent Frauen* Anzahl Frauen*


Prozent Männer* Anzahl Männer*

42
6. Rössli

6. 1. Rössli - Alle Veranstaltungen

Rössli
Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent
ler*Innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*
Januar 28 2 26 7.14% 92.86%
Februar 41 3 38 7.32% 92.68%
März 48 3 45 6.25% 93.75%
April 46 2 44 4.35% 95.65%
Mai 48 1 47 2.08% 97.92%
Juni 44 9 35 20.45% 79.55%
Juli 15 3 12 20.00% 80.00%
August 12 0 12 0.00% 100.00%
September 26 2 24 7.69% 92.31%
Oktober 50 8 42 16.00% 84.00%
November 66 4 62 6.06% 93.94%
Dezember 34 2 32 5.88% 94.12%
Total 458 39 419 8.52% 91.48%

Rössli
70
Rössli
8.52%
52.5

35

17.5

0
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

91.48%

Prozent Frauen* Anzahl Frauen*


Prozent Männer* Anzahl Männer*

43
6.2. Rössli - Elektronische Musik

Rössli - Elektronische Musik


Anzahl Künst- Anzahl Anzahl Prozent Prozent
ler*Innen Frauen* Männer* Frauen* Männer*
Januar ? ? ? ?% ?%
Februar 6 0 6 0.00% 100.00%
März 3 2 1 66.67% 33.33%
April 4 0 4 0.00% 100.00%
Mai 5 0 5 0.00% 100.00%
Juni 11 1 10 9.09% 90.90%
Juli 4 0 4 0.00% 100.00%
August 4 0 4 0.00% 100.00%
September 3 1 2 33.33% 66.67%
Oktober 8 2 6 25.00% 75.00%
November - - - - -
Dezember 6 0 6 0.00% 100.00%
Total 54 6 48 11.11% 86.89%

Rössli
Elektronische Musik
10
Rössli
Elektronische Musik
11.34% 7.5

2.5

0
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
Dezember

88.66%

Prozent Frauen*
Prozent Männer* Anzahl Frauen*
Anzahl Männer*

44