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Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt von Henry Billingsleys englischer Übersetzung der Elemente (1570)

Die Griechen werden meist als die Begründer der Wissenschaft von der Natur angesehen. Als
der erste bedeutende Philosoph dieser Zeit, der sich mit Mathematik beschäftigte, gilt Thales von
Milet (624–546 v. Chr.). Er brachte Wissen über die Geometrie aus Ägypten mit nach
Griechenland, wie zum Beispiel die Aussage, dass der Durchmesser den Kreis halbiert. Andere
Aussagen zur Geometrie wurden von Thales selbst aufgestellt. Der heute nach Thales benannte
Satz besagt, dass Peripheriewinkel im Halbkreis rechte Winkel sind. Insbesondere war Thales
der erste, bei dem der Begriff des Winkels auftrat.[7]
Die erste bekannte Definition des Kreises geht auf den griechischen
Philosophen Platon (428/427–348/347 v. Chr.) zurück, die er in
seinem Dialog Parmenides formulierte:
„Rund ist doch wohl das, dessen äußerste Teile überall vom Mittelpunkt aus gleich weit entfernt
sind.“
– PLATON: PARMENIDES[8]
Zirka 300 Jahre vor Christus lebte der griechische Mathematiker Euklid von Alexandria. Über ihn
selbst ist wenig bekannt, aber sein Werk im Bereich der Geometrie war beachtlich. Sein Name ist
heute noch in Zusammenhängen wie euklidischer Raum, euklidische Geometrie oder euklidische
Metrik in Gebrauch. Sein wichtigstes Werk waren Die Elemente, eine dreizehnbändige
Abhandlung, in der er die Arithmetik und Geometrie seiner Zeit zusammenfasste und
systematisierte. Er folgerte die mathematischen Aussagen aus Postulaten und begründete damit
die euklidische Geometrie. Der dritte Band der Elemente beschäftigte sich mit der Lehre über den
Kreis.[9]
Von Archimedes, der vermutlich zwischen 287 v. Chr. und 212 v. Chr. auf Sizilien lebte, ist eine
ausführliche Abhandlung mit dem Titel Kreismessung überliefert.[10] Er bewies in dieser Arbeit,
dass der Flächeninhalt eines Kreises gleich dem Flächeninhalt eines rechtwinkligen Dreiecks mit
dem Kreisradius als der einen und dem Kreisumfang als der anderen Kathete ist. Der
Flächeninhalt des Kreises lässt sich also als ½ · Radius · Umfang angeben. Mit dieser Erkenntnis
führte er das Problem der Quadratur des Kreises auf die Frage der Konstruierbarkeit des
Umfangs aus dem vorgegebenen Radius zurück.
In seiner Abhandlung Kreismessung konnte Archimedes ebenfalls zeigen, dass der Umfang
eines Kreises größer als 310/71 und kleiner als 31/7 des Durchmessers ist. Für praktische Zwecke
wird diese Näherung 22/7 (~ 3,143) heute noch verwendet.
Aus diesen beiden Aussagen folgert man, dass sich der Flächeninhalt eines Kreises zum
Quadrat seines Durchmessers nahezu wie 11/14 verhält. Euklid war bereits bekannt, dass sich der
Flächeninhalt eines Kreises proportional zum Quadrat seines Durchmessers verhält.
[11]
 Archimedes gibt hier eine gute Näherung der Proportionalitätskonstante an.
In einer weiteren Arbeit Über Spiralen[10] beschreibt Archimedes die Konstruktion der später nach
ihm benannten archimedischen Spirale. Mit dieser Konstruktion war es Archimedes möglich, den
Umfang eines Kreises auf einer Geraden abzutragen. Auf diese Weise konnte nun der
Flächeninhalt eines Kreises exakt bestimmt werden. Jedoch kann diese Spirale nicht mit Zirkel
und Lineal konstruiert werden.[12]
Apollonios von Perge lebte zirka 200 Jahre vor Christus. In seiner
Kegelschnittlehre Konika fasste er unter anderem die Ellipse und den Kreis als Schnitte eines
geraden Kreiskegels auf – genauso wie es heute noch in der algebraischen Geometrie definiert
wird. Seine Erkenntnisse gehen auf seine Vorgänger Euklid und Aristaios (um 330 v. Chr.)
zurück, deren verfasste Abhandlungen über Kegelschnitte jedoch nicht mehr überliefert sind.[13]
Nach Apollonios ist weiterhin das apollonische Problem benannt, zu drei gegebenen Kreisen mit
den euklidischen Werkzeugen Lineal und Zirkel die Kreise zu konstruieren, die die gegebenen
berühren. Jedoch im Vergleich zu Euklids Elementen, die auch im Mittelalter die Grundlage der
Geometrie bildeten, fanden die Werke von Apollonios zunächst nur im islamischen Bereich
Beachtung. In Westeuropa erlangten seine Bücher erst im 17. Jahrhundert größere Bedeutung,
als Johannes Kepler die Ellipse als die wahre Bahn eines Planeten um die Sonne erkannte.[14]