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Chronologie des Schiffbaus

Vorbemerkung
Die Zeittafel berücksichtigt die Veröffentlichung von Hans Szymanski aus dem
Jahrbuch Technikgeschichte des VDI aus dem Jahr 1937, Band 26, sowie dem
Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und Technik von Ludwig
Darmstaedters, Springer Verlag, Berlin 1908.Ausgewertet wurden die Zeitschriften
Hansa, Schiff und Hafen (S+H), Werft, Reederei und Hafen (WRH) sowie diverse
weitere Periodika und Jahrbücher. Ein Schlagwortregister mit der jeweiligen
Jahreszahl ermöglicht gezielt Informationen zu finden.

13. Jahrhundert
Um 1200
Der Name KOGGE, als Bezeichnung für große Frachtsegelschiffe, tritt zunächst im
friesisch- niederländischen Gebiet, dann auch in Westeuropa auf. Der im 13. und 14.
Jahrhundert vorherrschende Schiffstyp war ein klinkergebautes, einmastiges, mit
einem Rahsegel ausgerüstetes reines Segelfahrzeug. Es besaß ein geschlossenes
Deck. Die Ladefähigkeit war etwa 40 bis 50 Lasten1. Unter einer Last im
Zusammenhang mit mittelalterlichen Schiffen versteht man ein Gewichtgröße von
18,66  18,96 kN2

1242
Das Siegel von Elbing aus dem Jahr 1242 zeigt erstmalig ein HECKRUDER an einer
Kogge. Das Heckruder wird allgemein als der Nachweis eines reinen
Segelfahrzeuges definiert3.

Das Siegel von 1242 der Hansestadt Elbing zeigt erstmalig ein Heckruder

1
Heinsius, P.: Das Schiff der hansischen Frühzeit, 1. Aufl., Böhlau Verlag, Köln 1986
2
Wolf, T.: Tragfähikeiten, Ladungen und Maße im Schiffsverkehr der Hanse, Böhlau Verlag, Köln
1986
3
Ewe, H.: Schiffe auf Siegeln, Delius Klasing, Berlin, 1972.
1
14. Jahrhundert

1380
- Die 1962 bei Baggerarbeiten in Bremen gefundene Kogge wird auf das Jahr 1380
datiert4. Die Restaurierung durch das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven
leitet eine intensive Forschung des hansischen Schiffbaus ein und führt zu mehreren
Nachbauten.

Bremer Kogge von 1380

Linienriss der Bremer Kogge von 1380, gezeichnet von Jörg Redlin, technische

4
Kiedel, K.-P.; Schnall U.: Die Hansekogge von 1380, Förderverein Deutsches Schiffahrtsmuseum ,
Bremerhaven 1989
2
Universität Berlin
1390
In Skanör/ Falsterbo wird ein Koggenwrack von 1390 gefunden und in den Jahren
1996/2003 ein Nachbau dieses Fundes als TVEKAMP AV ELBOGEN in Fahrt gebracht.
Das Schiff hat mit 28 Länge und einer Breite von 8 m große Ähnlichkeit mit der
Bremer Kogge.

Die schwedische Kogge Tvekamp av Elbogen von 1390

3
15. Jahrhundert
Um 1400
- Die Koggen der Hanse werden bedingt durch das hohe Ladungsangebot immer
größer und erreichen etwa 100 Lasten. Diese größeren Fahrzeuge werden als HOLKS
oder HULK bezeichnet. Die Schiffsform unterscheidet sich von den klassischen
hansischen Koggen und lehnt sich an die in Westeuropa üblich gewordenen
rundspantigen Schiffsformen an

Formentwicklung von der Kogge zum Holk (Hulk)5

Die HOLKEN haben schon vereinzelt einen zusätzlichen Mast, entweder als Fock-
oder als Besanmast, der aber wohl nur zur Verbesserung der Steuereigenschaften
dient. Die Entwicklung zeigt sich auf den Siegeln verschiedener Hansestädte6.

5
Ellmers, D.: The Cog as Cargo Carrier, in Cogs, Garavels and Galleons, Conway Maritime Pres,
Brasey’s, London 1994
6
Ewe, H.: Schiffe auf Siegeln, VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1972
4
So kann man sich eine Holk vorstellen. Das Schiff hat einen Besanmast und führt
unter dem Klüverbaum eine sog. BLINDE als zusätzliches Segel. Der Holzstich von
Olaus Magnus aus der Carta Marina von 1539 zeigt im Übrigen den sog. SEEWURF,
d. h. das im Fall der Gefahr für das Schiff und seine Besatzung es erlaubt ist, zu
versuchen das Schiff dadurch zu retten, dass die Ladung geleichtert, also über Bord
gegeben wird7.

1435
- Philipp White führt auf Schiffen Ankerketten anstatt der Ankertaue ein. Von der
Verwendung von Ankerketten berichtet bereits Caesar De bello gallico.

1450
- Ein ähnlicher Schiffstyp wie die Holk waren die KARACKEN, die sich im Bereich des
Mittelmeeres entwickelten. Diese Schiffe besaßen bereits drei Masten. Wobei das
große Rahsegel am Hauptmast den wesentlichen Anteil für den Vortrieb lieferte. Das
Rahsegel am Fockmast und das Lateinersegel am Besanmast ermöglichten eine
Austarierung beim Segeln am Wind, sowie ein sicheres Manövrieren.

Karacke. Gemälde von Hans Holbein gemalt 1533

1462
- Ein schiffbautechnisch bedeutsames Ereignis war, als 1462 der kraweel beplankte
Dreimaster PIERRE DE ROCHELLE Danzig als Nothafern anlief8. Da die Reparatur sehr

7
Ewe,H.: Schöne Schiffe auf alten Karten, Delius & Klasing,Bielefeld 1978
8
Lienau, O.: Geschichte und Aussehen des großen Kraweels Der Peter von Danzig, Schiffbau 43. Jg.,
H.21 , Berlin 1942 auch ald buch 1943 bei Paul Rosenberg, Danzig verlegt.l
5
kostspielig war, abandonnierte man das Schiff, sodass der Danziger Senat das Schiff
übernahm und mit großem Aufwand wieder seetüchtig machte, sodass es als PETER
VON DANZIG als Kaperschiff unter der Führung von Paul Beneke eine große
Berühmtheit erlangte. Mit einer Länge von 52,20 über Alles und einer Breite auf
Spanten von 12,20 und einem Tiefgang von 5, 33 m besaß das Schiff eine
Verdrängung von 1607 t in Süßwasser. Von so einem großen Schiff, in der damals
von der beim Koggenbau verwendeten Klinkerbauweise abweichenden
KRAWEELBAUWEISE, gingen nachhaltige Impulse aus, sodass schon bald alle
größeren Schiffe der Hanse in dieser Bauweise gebaut wurden. Die Besegelung
war wie bei den Karacken mit einem Großen Hauptsegel (auch Schönfahrsegel
genannt) an einer Rah, einer FOCK ebenfalls an einer Rah und ein Lateinersegel an
einer RUTE.

Paul Beneke kapert vor der Themsemündung am 27. April 1473 mit dem PETER VON
DANZIG die Florentinische Galeyde ST. THOMAS

6
Peter von Danzig nach einer Kolorierung von Fritz Pfuhle

1460/80
- Große viermastige Segler mit Rahsegeln an zwei Masten, an den hinteren zwei
Masten lateinische Segel entstehen zwischen 1460 und 1480.. Diese Segler finden
bis 1630/40 Verwendung; erst im 19. Jahrhundert werden wieder Viermaster
eingeführt.

1466
- Es wird erstmals bei kleinen Fahrzeugen ein neues Vorsegel erwähnt; damals
besaß das hamburgische Tonnenschiff eine STAGFOCK sowie als Hauptsegel ein
SPRIETSEGEL.

7
1495/96
- Erstes Trockendock wird in Portsmouth gebaut

Trockendock in Portsmouth

8
1500/20
Aus den kleinen Toppsegeln entwickeln sich breitere und tiefere Vor- und
Großmarssegel, die später als die eigentlichen Arbeitssegel eines Rahschiffes zu
bezeichnen sind. Über den MARSSEGELN stehen (seit 1514) auf einigen Schiffen
kleine BRAMSEGEL, die nach 1600 an kurzen STÄNGEN (s. 1570) gesetzt werden.
REFFBÄNDSEL (zuerst im 12. Jahrhundert vorhanden), bestimmt für die Verkleinerung
der Segelfläche bei stärkerem Winde, werden nach 1500 aufgegeben, dafür finden
an den Untersegeln BONNETTES Verwendung (unten angereihte Segeltuchstreifen,
sie vergrößern die Segelfläche bei leichterem Winde), die zuerst 1418 urkundlich im
hansischen Gebiet erwähnt werden.

Kieler Hansekogge mit zwei Bonnettes

1545
König Heinrich VIII kauft die Karacke JESUS VON LÜBECK9

1552
Von Emden aus fängt man nach holländischem Vorbild die HERINGSFISCHEREi mit
zum Fischfang umgebauten Frachtsegeln an.

9
Reinhardt, K.: Rekonstruktion der Karacke JESUS VON LÜBECK, Institut für Meereskunde, Neue Folge,
Heft 16, E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1941
9
Karacke JESUS VON LÜBECK

1563
Bau des Viermasters ADLER VON LÜBECK10. Er hatte eine Länge von 64 m über alles.

Karacke JESUS VON LÜBECK. Modell im Eigentum Stiftung Hansische Städte

1550
LEESEGEL, bei achterlichem Winde neben Fock und Großsegel gesetzt, treten zuerst
um 1550 auf (an den Vor- und Großmarssegeln erst nach 1650). Im französischen
Sprachraum werden Leesegel auch als Bonnettes bezeichnet. Um diese Zeit findet
der BOJER, ein friesischer anderthalb mastiger Kleinschiffstyp in der Nord- und
Ostseefahrt neben den Dreimastern zahlreiche Verwendung. Ein Emder Bojer vom
Jahre 1578 hatte bei 50 Lasten Ladefähigkeit eine Länge von 20 m. Diese Schiffe
fuhren mit 5 bis 6 Mann Besatzung. Dreimaster von etwa 100 Lasten erforderten 14
und mehr Mann Besatzung.

10
Reinhardt, K.: Modellkonstruktion des Adler von Lübeck, Zeitschrift des Vereins für Lübeckische
Geschichte und Altertumskunde, Bd. XXIX, Heft 2, Verlag H. G. Rathgens, Lübeck 1938
10
Teeclipper CUTTY SARK, gebaut 1869 fuhr extrem große Leesegel

1567
Der ADLER VON LÜBECK wird in Dienst gestellt

Modell des ADLER VON LÜBECK, Flaggschiff der Hanse

1586
- der flämische Mathematiker und Ingenieur Simon Stevin (1548/49-1620)
veröffentlicht eine schiffstheoretische Arbeit De Beghiuelen des Waterwichs mit der
Endeckung des HYDROSTATISCHEN PARADOXONS.

Segelwagen von Simon Stevin für den Prinz Moritz von Oranien um 1600.

1570
Zum Herablassen eingerichtete BEWEGLICHE STENGEN, soll zuerst der Enkhuizer
11
Schiffer Kryn Woutersz an Stelle der festgelaschten Marsstengen verwendet haben.

Stenge mit Stengewindreepsblock11

1595
Einführung der FLEUTEN (Fock- und Großmast mit Rahsegeln, Besanmast ein
Lateinersegel), viel länger und schmaler als die älteren Rahsegler gebaut, ohne
Aufbauten, gute, rasch segelnde Schiffe, erfordern nur eine kleine Besatzung. Als
Führer dieser Neuerung wird Pieter J. Lioorne in Horn (Holland) genannt. In
Deutschland wird das erste Fleutschiff 1618 in Lübeck, das letzte um 1780 gebaut.
Als Beispiel sei die Fleute DERFLINGER EX W OLKENSÄULE erwähnt, 1681 in Danzig
erbaut: Länge ca. 31.10 m, Breite 6,5 m12.

Fleute DERFLINGER ex WOLKENSÄULE von 1681

11
Ulffers, F.: Hasndbuch der Seemannschaft, Ernst Mittler & Sohn, Berlin 1872
12
Petsch, K.: Seefahrt für Brandenburg-Preußen 1650-1815, Biblio Verlag, Osnabrück 191986
12
1600
Einführung des KREUZMARSSEGELS (Rahsegel über dem Lateinersegel am hinteren
Mast, der dann statt Besan Kreuzmast heißt13), das kleine Dreimaster erst nach
1670, oft erst Anfang des 18. Jahrhunderts erhalten. Um die Manövrierfähigkeit der
dreimastigen Schiffe zu verbessern, wird ein weiteres Vorsegel angeordnet. Jedoch
wählt man merkwürdigerweise kein Stagsegel (s. 1466), sondern ein kleines
Rahsegel, das an einem kleinen, auf dem Ende des Bugspriets befestigten Mast
(zuerst 1598 abgebildet) gefahren und OBERBLINDE oder SPRIETMARSSEGEL genannt
wird.

1606/20
Zwei neue SCHRATSEGEL (Längsschiffssegel) treten auf, zunächst auf holländischen
Kleinseglern: GIEKSEGEL um 1606 und GAFFELSEGEL um 1620.

1624
W. Beale schlägt zum Schutz von hölzernen Schiffsböden gegen den Bohrmuschel
(Teredo navalis) Schießpulver, Zement und einen Auszug aus Kupferarsenerzen vor,
die er zusammen verkocht.

1619
Es werden weitere Segel zuerst VOR- UND GROSSROYALS erwähnt; diese oberen,
vierten Rahsegel werden aber erst nach 1780 allgemein gebräuchlich.

1629
ARCHITECTURA NAVALIS. Das ist: Von dem Schiff-Gebäw auff dem Meer und
Seekusten zu gebrauchen . . ." veröffentlicht in Ulm von JOSEPH Furtenbach, war
das erste Buch in deutscher Sprache über Schiffbau.

1650
STAGSEGEL (dreieckige Schratsegel) finden auf dreimastigen Schiffen nach 1650
Eingang, nicht erst im 18. Jahrhundert. Das Inventar der brandenburgischen Fregatte
DOROTHEA, erbaut 1678/79 in Kolberg von dem kurfürstlichen Schiffbaumeister Gillis
Peckelhering (Länge über Steven 32,8 m) verzeichnet z. B. drei Stagsegel.

1655
REFFBÄNDSEL wieder eingeführt, zunächst an den Vor- und Großmarssegeln (je ein
Reffband, seit 1670/80 je zwei), die Untersegel erhalten an Stelle der BONNETTES (s.
1500) erst am Ende des Jahrhunderts je ein Reffband. Am Anfang des 17.
Jahrhunderts werden die inzwischen vergrößerten Marssegel mit drei, am Ausgang
des 17. Jahrhunderts mit vier Reffbändern versehen.

1676
Die Anfänge des EISENSCHIFFBAUS liegen weit zurück. Schon 1644 empfiehlt der
französische Gelehrte Marin Mersenne (1588-1648), Schiffe aus Eisen zu bauen.
1676 bemüht sich der Friedrich Wilhelm I, der Große Kurfürst vergeblich, ein Modell

13
Der hintere Mast mit Rahen wird deshalb Kreuzmast genannt, weil die Brassen zum Schiften der
Rahen nach Vorne geführt werden und sich so mit denen des Großmastes kreuzen.
13
der in Holland „unlängst erfundenen blechernen Nachen" zu erlangen. Vorläufer der
eisernen Schiffe waren weiterhin aus Kupfer- oder Eisenblechen hergestellte
Pontons; erstere gab es mindestens seit 1672 (in Frankreich), letztere seit dem 18.
Jahrhundert.

1690
In Emden werden die ersten reinen Fischereifahrzeuge, sog. HERINGS - BUISEN,
gebaut. Es handelt sich um sehrvöllige, dreimastige Schiffe. Zum Einholen und
Aussetzen des Netzes konnten die vorderen Masten gelegt werden.

Dreimastige Herings- Buise um 169014

14
Stern, F.: Deutsche Fischereifahrzeuge I. Die Entwicklung des deutschen Heringsloggers, Schiffbau,
1942, S. 349.

14
1700
- Einführung des KLÜVERS auf großen dreimastigen Seglern. Das Stagsegel, welches
auf kleinen anderthalbmastigen Seglern oft bereits vor 1650 vorhanden ist, verdrängt
überwiegend noch vor 1720 den BUGSPRIETMAST mit der OBERBLINDE, die sich jedoch
vereinzelt bis 1750 hält.
- Emerson schlägt eine Mischung aus gekochtem Leinöl, Glaspulver und Sand zum
Schutz der Außenhaut vor Bohrmuscheln vor.

1708
- Radsteuerung zuerst erwähnt, auf einem dänischen Kriegsschiff, verdrängt
allmählich auch auf Handelsschiffen die ältere Steuervorrichtung, den KOLDERSTOCK.
Der Kolderstock ist seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bei Schiffen mit hohen
Heckaufbauten gebräuchlich, Glattdecker werden dagegen stets mit der Ruderpinne
und mit daran befestigten Taljen gesteuert. Immerhin gibt es noch bis in den vierziger
Jahren des 19. Jahrhunderts viele Segler unter 300 to, die an Stelle eines
Ruderrades eine Ruderpinne besaßen.

Kolderstock zum Bedienen der Ruderpinne vom Aufbaudeck aus(d).

1735
- Jonathan Hull, ein Uhrmacher aus Gloucestershire erhält ein Patent auf einen
Heckraddampfer mit einer Newcomen- Dampfmaschine zum Schleppen von
größeren Segelfahrzeugen. Es ist zweifelhaft, ob die Idee verwirklicht worden ist,
zumal die Antriebsmaschine eine zu .kleine Leistung hatte, um eine ausreichende
Schleppleistung zu erzeugen.

15
Historische Darstellung des Hull’schen Schleppers (links), Patentzeichnung (rechts).

1745
- Entwicklung des Gaffelbesans auf dreimastigen Schiffen aus dem LATEINERSEGEL
mit RUTE (zuletzt bis 1798 verwendet). Zunächst wird das Segel nur noch hinter dem
Besan an die Rute befestigt. Im nächsten Schritt wird die Rute verkürzt und mit einer
Klau als GAFFEL am Mast befestigt. Schon bald danach sah man an der Unterseite
einen Besanbaum mit Schoten vor15.

1746
- Pierre Bouguer veröffentlicht sein Werk Traité du Navire in dem das Metazentrum
erstmalig formuliert worden ist.

1752
- Als erstes deutsches Schiff segelt der KÖNIG VON PREUßEN (Länge 45,70 m) nach
China; das Schiff gehörte der „Octroierten Kgl. Preußischen Asiatischen Compagnie"
in Emden16.

Handelsfregatte KÖNIG VON PREUßEN

15
Eine ausführliche Beschreibung der Entwicklung der Takelung der Schiff stammt von Marquardt, K.
H.: Bemastung und Taklung von Schiffen des 18. Jahrhunderts, Delius Klasing Verlag, Bielefeld 1986
16
Petsch, K.: Seefahrt für Brandenburg-Preußen 1650-1815, Biblio Verlag, Osnabrück 1986
16
- Lange vorher waren aber in dieser Fahrt die Schiffe anderer Ostindischer
Kompanien tätig: England 1600, Holland und Dänemark 1602, Frankreich 1664 und
Schweden 1731. Die Ostindienfahrer waren bis in das Jahrhundert hinein die
schönsten und größten Handelsschiffe. Der KÖNIG VON PREUßEN hatte eine
Besatzung von 132 Mann und war mit 30 Kanonen bewaffnet.
- Duhamel du Monceau veröffentlicht sein Werk Élémens de L Architecture Navale
ou Traitè Pratique de Construction des Vaisseaux (Zweite Auflage 1758), welches
1791 als Übersetzung von Christian Gottlieb Daniel Müller in Berlin erscheint.

1760
- Am hinteren Mast der dreimastigen Schiffe wird zwischen 1760 und 1780 (allg. erst
nach 1800) über dem Kreuzmarssegel ein KREUZBRAMSEGEL angeordnet (zuerst
bereits 1625 erwähnt, vor 1760 aber selten gefahren).
- Eine Gruppe (Committee) von Versicherungsagenten (Underwriters) und Maklern
(Brokers) bilden das LLOYD’S REGISTER in London.

1764/66
Ältestes noch existierendes Original eines Registers von Lloyd’s.

Neben dem alten und neuen Schiffsnamen findet man die Namen des Kapitäns,
sowie die Namen der Häfen zwischen denen das Schiff eingesetzt ist. Es folgen die
Vermessung in ton sowie spezielle Informationen wie Sd für single Deck oder SdB
füe single deck with tiers of beams (Balkenlagen auf denen nach Bedarf ein weiteres
Deck montiert werden kann). Weiterhin die Bauwerft und das Baujahr, der Name des
Eigentümers, und die Klasse A, E, I und U des Schiffsrumpfes und G (good) M
(middling) und B (bad) für die Ausrüstung. Nach jährlicher Besichtigung wird die
klasse erneuert und in den letzten Spalten eingetragen.

1765
DIE VICTORY, das Schiff mit der Admiral Nelson die Schlacht von Trafalgar gewann,

17
wird in den königlichen Dockyards von Chatham von Stapel gelassen. Das Schiff
liegt heute als Museumsschiff in den königlichen Dockyards von Portsmouth

1766
William Blakey lässt sich den ersten Wasserrohr Dampfkessel patentieren.

1774
- Der englische KAPITÄN SHANCK ersetzt die in Holland üblichen Seitenschwerter als
erster durch ein Mittelschwert, welches in einer BÜNN mittig angeordnet ist. Er baut
einen solchen Kutter für den Herzog von Northumberland, welcher damit großes
Aufsehen erregt. Die Idee wird 1809 durch einen gewissen Kapitän der britischen
Marine SHULDHAM durch eine Schwenkeinrichtung verbessert, die seit 1829 breite
Verbreitung in Amerika hin zu großen Yachten findet1718.

1776
- Das von David Bushnell entworfene Tauchboot TURTLE greift im Hafen, allerdings
erfolglos die britische Fregatte EAGLE an.

David Bushnells Tauchboot TURTLE

1780
- KUPFERBESCHLAG (erste Versuche 1707 und 1761) als Schutz des
Unterwasserschiffes gegen die Bohrmuschel findet an Stelle der hölzernen
Verdoppelung (Wurmhaut genannt) in der englischen Marine allgemein Eingang.
Dagegen wird der Kupferbeschlag auf deutschen Schiffen erst nach 1815 verwendet,
weil diese vorher selten nach Übersee segelten. Etwa gleichzeitig wird der
ZINKBESCHLAG in Frankreich 1782 eingeführt.

1783
- Marquis Claude de Jouffroy befährt mit seinem Dampfboot PYROSCAPHE die
Seine.

17
Charnock, J.: A Historie of Marine Architecture, London, 1802.
18
Kemp, D.: A Manual of Yacht and Boat Sailing, Horace Cox, London 1884.
18
Skizze des von Marquis Claude de Jouffroys entworfenen Dampfbootes
PYROSCAPHE. Die PYROSCAPHE war 45,2 m lang und 4,50 m Breit und besaß ein
Deplacement von 163 t. Die untere Zeichnung zeigt den Mechanismus um die
horizontale Bewegung der Pleuelstange des Dampfzylinders eine Drehbewegung der
Schaufellräder umzuwandeln.

- Henry Cort (1740 – 1800) erhielt 1783 und 1784 die Patente auf das
PUDDELVERFAHREN. Sie entschied endgültig den Kampf zwischen den
Eisenerzeugenden Staaten zu Gunsten Englands. Durch das kriminelle Verhalten
des Oberzahlmeisters der königlichen britischen Marine Adam Jellicoe erwuchs ihm
aus den Patenten aber kein wirtschaftlicher Erfolg19.

1785
-John Fitch (1743-1798)20 konstruiert eine kleine Dampfmaschine und ein Modell
eines Dampfbootes mit seitlichen Schaufelrädern.1787 baut er ein 14m langes
Dampfboot mit seitlichen Paddeln. Die Paddelantriebe bewähren sich nicht und so
baut Fitch 1790 mit der Dampfmaschine ein neues Boot mit Heckschaufelrädern.
Mittlerweile waren John Stevens (1749-1838) und James Rumsey (1743-1792) die
gleichen Patente auf Grund des 1791 in Kraft getretenen Patentrechtes erteilt
worden. Darauf hin baute Fitch 1796 ein weiteres Schraubendampfboot mit Namen
PERSEVERANCE, welches aber vor der Fertigstellung durch einen Sturm vernichtet
wurde. Ramsey baute 1787 ein Dampfboot mit Strahlantrieb vor, welches aber nicht
besonders erfolgreich war21.

19
Zitat aus Johannsen, O.: Geschichte des Eisens, Verlag Stahleisen, Düsseldorf 1925
20
Hylander, C., J.: Amerikanische Erfinder, Brückenverlag , Wien 1948
21
Flexner, J., T.: Steamboats Come True, The Viking Press, New York 1944
19
Mit Paddeln betriebenes Dampfschiff von John Fitch 1787

Mit einem Schaufelrad am Heck angetriebenes Dampfboot von John Fitch 1790

Ramsey’s Potomac Boot mit Strahlantrieb

20
Mit einer Schraube ausgerüstetes Dampfboot PERSEVERANCE von John Fitch 1796,
vor Inbetriebnahme vernichtet.

1786
- William Symington (1763-1831) aus Falkirk, Schittland erhält ein Patent auf eine
Schiffsdampfmaschine und führt 1788 die ersten Probefahrten durch.

William Symingtons Dampfboot

1787
- Das erste EISERNE BINNENSCHIFF (Länge rd. 21,25 m) baut John Wilkinson in
Willey (Shropshire) für den Severn,

1789
- Weitere eiserne Fahrzeuge entstehen in England 1789 und kurz nach 1800.

1790
- Henry Greathead entwirft das erste KÜSTENRETTUNGSBOOT und läuft unter dem
Namen ORIGINAL von Stapel.

1791
- Ein drittes Vorsegel (Außenklüver) erhalten nach 1790 einige Rahsegler, deutsche
Schiffe wohl erst nach 1800.
21
- Deutsche Übersetzung des bedeutenden Werkes zum Schiffbau von Henri Louis
Duhamel du Monceau, die Anfangsgründe der Schiffbaukunst oder praktischer
Abhandlung über den Schiffbau durch Christian Gottlieb Daniel Müller

1791 oder 1795


- Sir Samuel Bentham versieht den hölzernen Kutter TRIAL als erstes europäisches
Fahrzeug mit einer wohldurchdachten Schott-Einteilung. Wasserdichte Schotte
besaßen jedoch nach einem Bericht Marco Polos bereits im Jahre 1272 große
chinesische Dschunken.

Sir Samuel Bentham (1757- 1831)

1794/1798
Johann Hinrich Röding publiziert sein Allgemeines Wörterbuch der Marine

22
19. Jahrhundert

1801
- Erstes hölzernes Viermast-Vollschiff von Thibault in Bordeaux erbaut: L'INVENTION,
rd. 41 m lang.
- Der erste hölzerne Schleppdampfer CHARLOTTE DUNDAS wird in den Grangemouth
Dockyards mit einer Dampfmaschine von William Symington gebaut und bleibt bis
1861 in Fahrt.

Schleppdampfer CHARLOTTE DUNDAS

1802

John Stevens Idee eines Propellerantriebes für sein Dampfboot von 1802

Maurice Des Blancs Dampfboot mit umlaufendem SCHAUFELKETTENANTRIEB 1802


auf dem Doubs22

22
Der Doubs ist ein schweizerisch / französischer Nebenfluss der Rhone und bildet heute einen Teil
23
1803
- Das erste deutsche Küstenrettungsboot wird bei Henry Greathead in South Shields
für Swinemünde bestellt und im Juni 1804 abgeliefert (Länge 9,15 m). In England
wurde das erste Rettungsboot 1789 an der Tyne - Mündung stationiert.
1806
- Errichtung der ersten englischen SCHIFFBAUSCHULE für die Offiziere der britischen
Marine in Portsmouth unter der Leitung von Dr. Inman, die 1832 aber wieder
aufgelöst wurde.

1807
- Am Beginn der erfolgreichen Dampfschifffahrt stehen: Robert Fultons (1765-1815)
erste Fahrt auf dem Hudson mit dem Raddampfer CLAREMONT23 (auch: CLERMONT,
45,70 m lang, rd. 20 PS Maschinenleistung) am 17. August 1807,
- sowie die erste Seereise eines Dampfschiffes, PHÖNIX (Länge rd. 31,5 m), erbaut
von Robert L. Stevens (1778-1856), dampfte im Sommer 1808 von New York nach
Philadelphia.
- Die europäische Dampfschifffahrt beginnt mit dem Clyde-Raddampfboot COMET,
erbaut für Henry Bell (1767-1830) in Glasgow von John. Wood: 12,25 m lang und 4
PS Maschinenleistung.

Henry Bells COMET im Hintergrund Dumbarton Castle am Clyde in Schottland

des Rhone- Rhein Kanals


23
Sucliffe, A., C.: Robert Fulton and the Clermont, The Century Co., New York 1909.
24
Robert Fultons CLERMONT

1808
- Eiserne Ankerketten besaß zuerst der englische Westindienfahrer PENELOPE,
ausgerüstet von Samuel Brown; abgesehen von den Fahrzeugen der keltischen
Veneter in der Bretagne. Aber erst seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts
werden Ankerketten fast allgemein benutzt.

1814
- Archibald Mac Lachlan in Dumbarton baut den Raddampfer MARJORY (MARGERY),
der als erster zwischen London und Margate eingesetzt wird.
- Robert Fulton baut das erste gepanzerte Dampfschiff Demologos, mit einem innen
liegenden Schaufelrad.

1816
- Die ersten hölzernen Dampfer werden in Deutschland auf Stapel gelegt DIE W ESER,
(24,60 m lang und 14 PS Maschinenleistung), erbaut von Johann Lange in
Vegesack geht 1817 in Fahrt.

Hölzerner Raddampfer DIE W ESER

- Auf dem Rhein erscheint der erste Raddampfer DEFIANCE und


- auf der Elbe die LADY OF THE LAKE24 (21,4 m lang, 24 NHP), gebaut von John Gray
in Kingardin/Schottland 1814.
- an der Weser und PRINZESSIN CHARLOTTE (39,60 m lang und 30 NHP), erbaut von
den Engländern John Humphreys25 und John Rubie bei Pichelsdorf an der Havel,

24
Grobecker, K.,Buschmann, v. H.: Raddampfer auf der Niederelbe,Convent Verlag, Hamburg 2002.
25
Wachs, R.: Die Dampfer der ersten Dampfschiffahrtsgesellschaft auf Elbe und Weser, Delius,
Klasing & Co.,
25
in Fahrt. Beide Schiffe erhalten Wattsche Dampfmaschinen.

Raddampfer PRINZESSIN CHARLOTTE auf der Havel

- auf der Themse wird die von Marc Isambard Brunel in Rotherhithe gebaute
Raddampfer REGENT mit einer Dampfmaschine gebaut von Henry Maudslay.
- Im gleichen Jahre beginnt die regelmäßige überseeische Fahrgastschifffahrt mit der
Gründung der BLACK BALL-LINIE in New York, die mit vier Vollschiffen, JAMES
MONROE, PACIFIC, AMITY, COURIERDEN, wöchentlichen Verkehr zwischen New York
und Liverpool aufnimmt (z. B. AMITY 382 t, 32,3 m lang). Die Segler (Paketschiffe
genannt) legen bei günstigen Winden den Weg über den Atlantik ostwärts
durchschnittlich in 20 bis 25, westwärts in 30 bis 35 Tagen zurück.

26
Die Segler der Black Ball Line führten auf dem Fockbramsegel einen schwarzen Ball

1819
- Als erstes Übersee-Dampfschiff gilt vielfach das amerikanische Schiff SAVANNAH
(350 t, 36,56 m lang und 30 PS Maschinenleistung). In Wirklichkeit ist es ein
Segelschiff mit Hilfsmaschine26. Für die Reise von Savannah nach Liverpool benötigt
das Schiff 29 Tage und 11 Stunden (22. Mai bis 20. Juni 1819), hiervon wurden unter
Dampf lediglich 80 Stunden zurückgelegt.
- Die Dampfer CONDE DE PATMELLA und RISING STAR sollen 1820 von England
angeblich nach Südamerika gedampft sein.
- Der erste Raddampfer, mit getrennten, von zwei Dampfmaschinen angetriebenen
Schaufelrädern, TALBOT wird in zwischen Holyhead und Dublin eingesetzt.

Raddampfer SAVANNAH

Antriebsdampfmaschine der SAVANNAH. Die Schaufelräder konnten


zusammengeklappt werden

1820
26
Ridgely-Nevitt, C.: American Steamships on the Atlantic,, University of Delaware Press, 1981
27
- SKYSEGEL werden am Fock- und Großmast gesetzt (vereinzelt schon seit Ende des
18. Jahrhunderts). In den zwanziger Jahren haben einige holländische und englische
Segler bereits doppelte Marssegel, jedoch geht ihre allgemeine Einführung auf
amerikanische Vorbilder zurück (Kapitän R. B. Forbes, 1841 und Kapitän Fr. Howe,
1853).
- Auf deutschen und englischen Rahschiffen werden UNTER- und OBERMARSSEGEL
erst in den sechziger Jahren an Stelle der großen ungeteilten Marssegel verwendet.

1821
- Das erste eiserne Dampfschiff AARON MANBY (32 m lang mit 30 NHP
Maschinenleistung), erbauen Charles Napier & Manby auf den Horsley Iron
Works; das Schiff wird in London zusammengesetzt, überquerte 1822 den Kanal, wo
es den Fracht- und Passagierdienst auf der Seine aufnahm.

Erster eiserner Raddampfer AARON MANBY für über 30 Jahre auf der Seine von Paris
nach Le Havre.
- Für den Fährverkehr zwischen Dover und Calais wird der Raddampfer ROB ROY
eingesetzt.

1823
- Eiserne Masten werden erstmals eingebaut, auch sonst vereinzelt schon vor 1850;
diese hatte bereits im Jahre 1809 Richard Trevithik in Vorschlag gebracht.
- In den Niederlanden wird das erste Dampfschiff, die NEDERLANDER, in Dienst
gestellt.

1824
- Der erste hölzerne Seedampfer in Preußen wird am 1. Mai in Dienst gestellt: Der
Kgl. preußische Postdampfer PREUßISCHER ADLER, erbaut in Karlskrona 1822/23,
(Länge 26,92 m mit 55 PS Maschinenleistung), unternimmt Fahrten zwischen
Stralsund und Ystad (Schweden).
- In Quebec zimmerte Charles Wood die erste hölzerne VIERMAST-BARK: COLUMBUS,
(Länge 91,70 m, Tragfähigkeit 3690 t). Eine Viermast-Bark ist wie ein VOLLSCHIFF
getakelt, mit dem Unterschied, dass der vierte hintere Mast keine Rahsegel, nur ein
Gaffelsegel besitzt.
- Der Engländer Sir Humphrey Davy (1778-1829) veröffentlicht eine Arbeit in der er
28
den KATHODISCHEN SCHUTZ von Kupfer im Seewasser beschreibt. Der von Davy
vorgeschlagene Weg besteht darin mit Zink- oder Eisenplatten ein GALVANISCHES
ELEMENT zu bilden und so das in der Spannungsreihe höher stehende Kupfer zu
schützen. Das Verfahren wird bis auf den heutigen Tag im Schiffbau verwendet27.

1826
- William Morgan und August Creuze, zwei ehemalige Studenten der
Schiffbauschule in Portsmouth geben das erste Periodikum über Schiffbau, die
PAPERS OF NAVAL ARCHITECTURE heraus, welche in vier Bänden bis 1832 erscheinen.

1827
- Als erster Übersee-Dampfer ist der 1825 in Dover bei John Duke gebaute
holländische Raddampfer CURÇAO28 zu bezeichnen (438 GRT und 100 NPS). Es hat
1827 bis 1829 drei Reisen zwischen Holland und Westindien ausgeführt.

1828
Die internationale Schiffsklassifikations-Gesellschaft BUREAU VERITAS wird in
Antwerpen gegründet, die 1832 nach Paris übersiedelt. Unter ihrer Aufsicht werden
zahlreiche deutsche Schiffe gebaut.

1829
Josef Ressel führt mit dem Versuchsschiff CIVETTA eine Probefahrt zur Vorführung
der Funktionsfähigkeit seines Schraubenantriebes durch, die allerdings durch einen
Schaden an der Dampfmaschine vorzeitig abgebrochen werden musste.

Rekonstruktionszeichnung der CIVETTA29

- Im gleichen Jahr meldet ein gewisser Charles Cummerow der die Erfindung,
mitgeteilt von einem Fremden, der im Ausland wohnt, anmeldet. Es handelt sich

27
Rausch, W.: Kathodischer Schutz gegen Seewasserkorrosion, S+H, 1954, S. 134.
28
Spratt, P., H.: Transatlantic Paddel Steamers, Brown, Son & Ferguson, Glasgow 1951
29
Wess, A.: Josef Ressel, ein Pionier für die Einführung der Schiffsschraube, Blätter für
Technikgeschichte,19. Heft, Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien, Springer Verlag
Wien 1957
29
dabei offensichtlich um die Ressel’sche Schraube.

1830
- Erster von der Gutehoffnungshütte gebautes Dampfschiff STADT MAINZ geht auf
dem Rhein in Fahrt.

1831
- Errichtung der ersten deutschen ANKERKETTENFABRIK, Eduard Seydell in Grabow;
1836 folgt die von J. H. Kuhlmeyer in Stettin.

1833
- In Boston wird das erste aus Granit gebaute Trockendock der USA mit dem Bau
des Linienschiffes CONSTITUTION in Betrieb genommen. Die CONSTITUTION wird bis auf
den heutigen Tag als Museumschiff erhalten.

US Amerikanische Fregatte CONSTITUTION

1834
- LLOYD'S REGISTER in London wird zur Schiffsklassifikations-Gesellschaft
umgestaltet; jedoch reicht die Vorgeschichte dieser für die Schifffahrt höchst
bedeutsamen Institution bis 1688 zurück.
- William Laird in Birkenhead baut das erste eiserne Dampfschiff GARRY OWENS, 38
m lang und 90 PS Maschinenleistung mit den angeblich von Charles W. Williams
eingeführten eisernen WASSERDICHTEN QUERSCHOTTEN. Ihre Einführung ist ein
wichtiger Fortschritt im Eisenschiffbau.
30
- Fr. Wencke legt in Bremerhaven das erste deutsche TROCKENDOCK an. Der erste
eiserne Dampfer in Deutschland wird in Berlin Moabit von dem Engländer Gilbert
gebaut. Der Dampfer war 33,25 m lang und die Maschinenleistung betrug 58 PS.
- Am 1. November wird in Stettin die erste deutsche Schiffbauschule mit fünf
Schülern eröffnet; ihre ersten Lehrer sind die Schiffbaumeister Gustav David
Klawitter (1834/37) und C. A. Elbertzhagen (1841/56).
- Moritz Hermann Jacobi baut den ERSTEN ELEKTROMOTOR und baut ihn 1938 in ein
Boot ein welches mit 14 Personen auf der Newa bei St. Petersburg erfolgreich
erprobt wird30.

Erster elektrischer Motor von Moritz Hermann Jacobi

1835
- EISERNE SCHIFFE mit LÄNGSSPANTEN und mit einem MITTELLÄNGSSCHOTt baut als
erster John Scott Russel (1808-1882).
- Mitte der dreißiger Jahre findet auf englischen Schiffen in der Takelung bereits
DRAHTTAUWERK Verwendung, in größerem Umfange aber erst nach 1850.

30
Müller, H.: Vor 150 Jahren „vollbrachte“ der erste Elektromotor rinr wirkliche Leistung, Hansa, 1988,
S. 186
31
Der Raddampfer ROBERT L. STEVENS auf dem Hudson besaß für jedes Schaufelrad
eine getrennte Dampfmaschine, was die zwei getrennten Schornsteine belegen.
- William Fairbairn (1789-1874) konstruiert den eisernen Raddampfer MINERVA für
den Zürichsee der über 150 Jahre im Einsatz war.

Eiserner Raddampfer Minerva auf dem Zürichsee

1838
- Erstmalig führen mehrere hölzerne Raddampfer ihre Fahrten über den Nordatlantik
ausschließlich unter Dampf aus. Dieses sind die englischen Schiffe
SIRIUS, gebaut von Robert Menzies, Leith1837 (703 GRT31, 320 NPS32,
Geschwindigkeit max. 9 kn, Durchschnittsgeschwindigkeit 6,7 kn)33),
- GREAT W ESTERN, gebaut von Patterson & Mercers, Bristol 1837 (1320 GRT und
450 NPS, 750 IPS, Durchschnittsgeschwindigkeit 8,8 kn)34 und
- ROYAL W ILLIAM, gebaut von William und Thomas Wilson, Liverpool 1837 (617
GRT und 270 NHP, 400 IHP35, Geschwindigkeit max. 11kn)
- sowie der kanadische Raddampfer ROYAL WILLIAM gebaut von Black & Campbell,
Quebec 1831 (1370 GRT und 200 NHP 300 IHP Geschwindigkeit 8 kn.).
- Das ist der Beginn der regelmäßig betriebenen überseeischen Fahrgast -
Dampfschifffahrt. Neben den Dampfern haben sich jedoch die transatlantischen
Fahrgastsegler noch lange behauptet; die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt
A.-G. z. B. verkaufen erst 1866 ihre letzten Paketsegelschiffe.
- Ebenfalls 1838 entsteht der erste größere eiserne Segler, das Vollschiff IRON SIDES
(270 GRT), erbaut von Jackson & Jordan in Liverpool; eiserne Segler sind noch
zwanzig Jahre später eine Seltenheit.
- Gleichzeitig liefert die Werft Gleichmann & Busse in Hamburg den ersten eisernen
31
GRT Gross Register Tons, was den ehemaligen BRT Brutto Register Tons entspricht.
32
NHP Nominal Horse Power oder NPS sind sog. Nominelle Pferdestärken nach einer vereinfachten
Berechnung ohne klare physikalische Grundlage.
33
1 kn= 1,852 km/h. Dampfer BORUSSIA (1856) 12 kn, ELBE (1881) 15,9 kn, CITY OF PARIS (1889) 19,2
kn, KAISER W ILHELM DER GROßE (1897) 23,2 kn, MAURETANIA (1907) 25,1 kn, BREMEN (1929) 27,5 kn,
NORMANDIE (1935) 30,0 kn..
34
Bacon, F. Matschoß, C.: Aus der Geschichte des englischen Schiffbaues, Technikgeschichte, Bd.
26, VDI- Verlag, Berlin 1937
35
IHP Indicate Hors Power oder IPS sind sog. Indizierte Pferdestärken, die aus der direkten Messung
des Drucks und der Kolbengeschwindigkeit ermittelt werden.
32
in Deutschland gebauten Seedampfer W ILLEM I, für holländische Rechnung.
- Von der Gutehoffnungshütte gebauter erster eiserner Rheindampfer GRAF VON
PARIS geht in Fahrt.

Transatlantischer Raddampfer SIRIUS 1837

Kanadischer Raddampfer ROYAL W ILLIAM von 1831

33
GREAT W ESTERN 1837 in schwerem Sturm

1839
- Der erste erfolgreiche Schraubendampfer ARCHIMEDES führt im Oktober seine
Probefahrt aus; erbaut 1838/39 in London aus Holz, 240 GRT mit 80 NHP
Maschinenleistung bei 140 Upm.
- Francis-P. Smith erhält ein Patent auf eine Schiffsschraube.
- Die Schraube als Antriebsmittel zu verwenden versuchten vorher u. a. John
Stevens (1802/06), Josef Ressel (1829), John Ericsson (1837) 36.
- Das erste eiserne Seeschiff, die ROBERT F. STOCKTON, welches den Atlantik
überquert, wird nach einem Entwurf von John Ericsson bei John Laird in
Birkenhead in England gebaut. Das Schiff ist als Schoner getakelt und besitzt zwei
Schrauben.

Die ROBERT F. STOCKTON war der erste eiserne Schraubendampfer der den Atlantik
überquerte

36
Gutsche, F.: Die Entwicklung der Schiffsschraube, Technikgeschichte, Bd. 26, VDI - Verlag, Berlin
1937
34
Die GREAT BRITAIN 1839/43

- Der Seeschiffsbau aus Eisen beginnt mit der GREAT BRITAIN37, entworfen von
Isambard K. Brunel38, erbaut von William Patterson in Bristol 1839/43: 3500 t und
1000 PS, Geschwindigkeit 12 Seemeilen. Dieses erste transatlantische Schrauben-
Dampfschiff (erste Amerikareise Juli 1845) hatte u. a. Schlingerkiele zur Reduzierung
der Rollschwingungen und ein Balanceruder. Der vorerwähnte ARCHIMEDES ist die
Veranlassung, dass die GREAT BRITAIN an Stelle der geplanten Seitenräder eine
Schraube erhält.
- William Grove erfindet die Erzeugung von elektrischem Strom durch
BRENNSTOFFZELLEN.
1841
Ferdinand Schichau baut den ersten Dampfbagger. Da Schichau zu diesem
Zeitpunkt keine eigene Werft besaß, wurde der Rumpf, im Unterauftrag von der von
ihm später aufgekauften Werft von Michael Mitzlaff, in Holz gebaut39.

Modell des ersten deutschen Dampfbaggers gebaut von Ferdinand Schichau in

37
Corlett, E. The Iron Ship, Conway Maritime Press, London 1990
38
Rolt, L. T. C.: Isambard Kingdom Brunel, Longman, London 1957
39
Einzelheiten zum Bau der Bagger zur Sicherstellung der Zufahrt nach Königsberg und Elbing findet
man in Grunau, A: Ignatz Grunau, George Grunau 1795-1890,Preußenverlag, Elbing 1937
35
Elbing 1841

1842
- John Grantham publiziert das erste Buch über die Verwendung von EISEN IM
SCHIFFBAU. Neben ersten Dimensionierungshinweisen werden auch zeitgenössische
Kommentare zum Eisenschiffbau zitiert. Da die eisernen Schiffe keinen
Bewuchsschutz durch Kupfer besaßen und Antifoulingbeschichtungen entweder
nicht vorhanden oder nur gering wirksam waren, versuchte man sich mit einem von
Deck aus zu bedienenden Kratzgerät den Bewuchs bei schwimmendem Schiff zu
entledigen40.

Von Deck aus zu bedienender Kratzer zur Entfernung von Bewuchs bei
schwimmendem Schiff nach Grantham

1844
Konstruktion eines VERSTELLPROPELLERS, der aber nicht gebaut worden ist41.

40
Grantham, J.: Iron as a Material for Ship-Building, London, 1842. Reprint Elibron Classics, 2005.
41
Hansa, 1975, S. 1587.
36
Erste Konstruktion eines Verstellpropellers
1845
Das erste eiserne Seegehende Segelschiff Deutschlands entsteht auf der Werft der
Gutehoffnungshütte in Ruhrort: Brigg HOFFNUNG (Länge 30,5 m, Tragfähigkeit 170
Lasten), entworfen von Alexander Seydell.
- Der Augenarzt Dr. Ernst Alban baut den ersten Raddampfer in Mecklenburg42.
- Die britische Admiralität veranstaltet ein Tauziehen zwischen dem Raddampfer
ALECTO und den Schraubendampfer RATTLER, welches letzterer überlegen gewinnt.

Tauziehen zwischen dem Raddampfer ALECTO und den Schraubendampfer RATTLER

1848
Gründung der HAMBURG-AMERIKANISCHE PAKETFAHRT ACTIENGESELLSCHAFT (HAPAG).
Sie lässt vier hölzerne Segler in Hamburg bauen. Auf der Werft von Johann Hinrich
von Somm das Vollschiff DEUTSCHLAND (239 CL43) und die Bark RHEIN (180 CL) UND
auf der Werft von Cornelius Peter. Johns. die Bark NORD - AMERIKA (572GRT), die
Bark ELBE. Die DEUTSCHLAND konnte 20 Kajütpassagiere und 200
Zwischendeckpassagiere befördern. Die Reisedauer über den Atlantik dauerte
zwischen vier und sechs Wochen.

42
Rehberg, M.: Zur Geschichte der Dampfschiffahrt auf märkischen und angrenzenden Gewässern,
Schiffbau, 1941, S. 212, 371, Schiffbau 1942, S.86, 421.
43
CL = Commerzlasten zu 3000kg
37
Das Vollschiff DEUTSCHLAND war der erste Segler der HAPAG 1848
1849
- Erster deutscher atlantischer eiserner Schraubendampfer HELENA SLOMAN44, gebaut
von T. & W. Pim in Hull, England (800 GRT, 180 NPS), für Rob. M. Sloman in
Hamburg; 1850 in Dienst gestellt und auf der dritten Amerikareise auf den
Neufundlandbänken untergegangen.

Schraubendampfer HELENA SLOMAN

1850
- Als Erfinder der KOMPOSITBAUWEISE wird John Jordan (nach anderen Watson in
Dublin, 1839) genannt, der 1850 in Liverpool einen Schoner und 1851 das Vollschiff
TUBAL CAIN (787 t) in dieser Bauart gebaut hat.
- Die ersten Bauvorschriften für diese Schiffe werden vom BUREAU VERITAS 1865 und
LLOYD'S REGISTER 1867 herausgegeben. Aufgegeben wird die Kompositbauweise für
große Segelschiffe 1875, für Seegehende Dampfer und Kriegsschiffe Ende des 19.
Jahrhunderts. Die berühmte CUTTY SARK, gebaut 1869 von Scott & Liton am Clyde
und heute als Museumsschiff in Greenwich aufgelegt, ist in Kompositbauweise
44
Kludas, A.: Geschichte der Deutschen Passagierschiffahrt, Bd. I, Weltbild Verlag, Augsburg, 1994
38
gebaut.
- Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Schweffel & Howaldt, aus der später
die Howadtswerke entstanden sind, baut nach den Plänen des bayrischen
Unteroffiziers Wilhelm Bauer den BRANDTAUCHER(Länge 8,07 m, Breite 2,0 m,
Seitenhöhe 3,76 m, Verdrängung getaucht ca. 30 t), welches das ERST
FUNKTIONSFÄHIGE U- BOOT in Deutschland gewesen ist. Um Material zu sparen,
weichen Schweffel & Howaldt von den von Bauer vorgegebenen Abmessungen der
Aussteifung ab, sodass das Boot bei der ersten Erprobung 1851 dem Wasserdruck
nicht standhält und auf den Grund der Kieler Förde, wobei Bauer selbst und mit
seinem Helfer gerettet werden konnte, .versinkt. Das Boot konnte später gehoben
werden und ist bis heute im Militärischhistorischen Museum in Dresden zu
besichtigen4546.

Aus der Bauvorschrift von Lloyd’s Register 1868

- Der britische Raddampfer GOLIATH verlegt durch den Ärmelkanal das erste
SEEKABEL zur Verbindung von London und Paris, welches aber noch vor der
Inbetriebnahme zerstört wurde. Erst 1851 gelang die erste funktionsfähige
SEEKABELVERBINDUNG zwischen Dover und Calais47.

1851
- Der amerikanische Schoner AMERICA gewinnt die ROYAL YACHT SQUADRON TROPHY,
der als AMERIKA-POKAL in die Geschichte des Yachtsports eingegangen ist.

45
Bethge, H.-G.: Der Brandtaucher, Ein Tauchboot-von der Idee zur Wirklichkeit, Delius, Klasing,
Bielefeld, 1968
46
Herold, K.: Der Kieler Brandtaucher, Bernard & Graefe, Bonn, 1993.
47
Hilbert, H.: Kabelschiffe, Hansa 1962, s. 769.
39
Schoner AMERICA
1852
- Wiederaufnahme des Eisen-Seeschiffbaues in Deutschland. In Rostock baut
Wilhelm ZELTZ & ALBRECHT TISCHBEIN die Bark DER ORIENTALE (Länge 39,62 m,
Tragfähigkeit 500 t). Es entsteht auf seiner Werft der erste eisernen Schrauben-
Seedampfer, ERBGROSSHERZOG FRIEDRICH FRANZ48 (Tragfähigkeit 200 t, Länge 40,5
m mit 70 IPS Maschinenleistung)
- Ferdinand Schichau in Elbing baut im Jahre 1855 den Dampfer BORUSSIA, (13o t,
Länge 39,5 m und 90 IPS Maschinenleistung).
- Joh. Wilh. Klawitter in Danzig erbaut das erste deutsche Schwimmdock 1852/54
(Baustoff Holz, Länge 76,20 m, Breite 19,90 m, Höhe 7,46 m).
- Charles Mark Palmer am Tyne baut den ersten Kohlendampfer (Collier) JOHN
BOWES (437 GRT, 45 m lang, 7,8 m breit, Geschwindigkeit 9kn), der als erster
Schraubendampfer Einrichtungen für die Unterbringung des W ASSERBALLASTES
erhält, woraus sich die neuere Bauart des DOPPELBODENS entwickelt. Das Schiff
konnte 650 t Kohle Laden und verkürzte die Rundreise vom Tyne nach London und
zurück auf die Hälfte der alten Segelcolliers.

48
Stahl, J.: Neptunwerft, Schriftenreihe des Schiffahrtsmuseums der Hansestadt Rostock, Bd. 1,
Rostock 195
40
Kohlendampfer (Collier) JOHN BOWES

- Das erste umfassende Abhandlung über Propeller erscheint in London von John
Bourne49. Der Autor beschreibt die verschiedenen frühen Ideen für
Schraubenpropeller u. a. auch von Jacob Leupold 1734.Das Buch gilt als das
wichtigste zeitgenössische Werk zur Anfangszeit des Propellerantriebes von
Schiffen.

1853
- Nach dem Muster der amerikanischen Klipperschiffe bauen mehrere deutsche
Werften seit Anfang der fünfziger Jahre schärfer geformte, schnell segelnde,
hölzerne Vollschiffe und Barken, so u. a.
Ernst Dreyer in Altona und Neuhof (1853, IMPERIEUSE, Länge rd. 45 m),
Jürgen Bruhn bei Apenrade (1856/57,CIMBER, Länge 76,20 m),
Joh. C. Godeffroy in Hamburg (1855, LA ROCHELLE, Länge 51,5 m.)

1854
- Das bedeutendste Eisenschiff des 19. Jahrhunderts ist der Dampfer GREAT
EASTERN50 entworfen von Isambard K. Brunel und auf der Werft von John Scott
Russel51 in Millwall bei London gebaut; Baubeginn 1. Mai 1854, Probefahrt
September 1859, erste Atlantikfahrt 17. Juni 1860 (18 914 GRT, Länge über alles
210,85 m, 8297 PSi Maschinenleistung, Geschwindigkeit 11 bis 14 kn).

49
Bourne, J.: A Treatise of the Screw Propeller, Longman, brown, Green, and Longmans, London
1852
50
Emmerson, G., S.: The Greatest Iron Ship S.S. Grat Eastern, David & Charles, London
51
Emmerson, G., S.: John Scott Russel, a Great Victorian Engineer and Naval Architect, John
Murray, London 1977
41
Von links nach rechts. John Scott Russel ein Mitarbeiter von Brunel H. Wakefield,
Isambard Kingdom Brunel und Thomas Treadwell beobachten am 3. Nov. 1857
den Versuch die GREAT EASTERN vom Stapel zu lassen.

Der Stapellauf war von Scott Russel als Unterauftrag an Thomas Treadwell
vergeben worden. Erst nach vielen Mühen gelang der seitliche Ablauf in die Themse.
An Größe übertraf dieses Schiff erst der White Star-Dampfer CELTIC, erbaut 1901,(20
900 GRT und 13 000 IPS Maschinenleistung, Geschwindigkeit 17 kn). Als wichtigste
bauliche Einzelheiten des GREAT EASTERN sind zu nennen: LÄNGSSPANTEN und zwei
bis zum Oberdeck heraufgeführte Längsschotte, der zellenartig gebaute
DOPPELBODEN, seitlich bis zur Wasserlinie reichend und das ebenfalls nach dem
zellenartig erbaute Deck. Das Schiff war seiner Zeit weit voraus und erfüllte nicht die
Erwartungen, die man in es gesetzt hat52. Unter anderem wurde sie als KABELLEGER
zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika eingesetzt.
- Das britische Board of Trade schreibt im MERCHANT SHIPPING ACT VON 1854
WASSERDICHTE QUERSCHOTTE zur Erhöhung der Sicherheit für Schiffe über 100 ts
vor5354.

52
Dugan, J.: The Great Iron Ship, Hamish Hamilton, London 1953
53
Martell, B.: On Divisional Watertight Bulkheads as applied to Steamer and Sailing Vessels, Trans. of
Inst. of Nav. Arch., Vol. XXXIII, London, 1892.
54
Welch, J. J.: The watertight Subdivision of Ships, Trans. of Inst. of Nav. Arch., Vol. LVII, London,
1915.

42
Die Great Eastern besaß 6 Masten mit Segeln, Schaufelräder und einen Propeller

1855
- LLOYD'S REGISTER veröffentlicht die ersten Bauvorschriften für eiserne Schiffe 1855.
BUREAU VERITAS folgt 1858 und der Germanische Lloyd (gegründet 1867) im Jahre
- Die Gas-Kompanie Hamburg lässt den ersten eisernen Kohlendampfer
Deutschlands LUNA die in Newcastle on Tyne bauen; sie wird damit die erste
hamburgische Kohlendampfer-Reederei.
- Graf Joseph-Louise Lambot (1814-1887) zeigt auf der Weltausstellung in Paris
das erste Fahrzeug (ein Boot) aus Eisenbeton55.

Joseph-Louise Lambots Boot aus Eisenbeton

1856
Erster deutscher (eiserne) Schraubendampfer BORUSSIA, erbaut für die Hamburg-
Amerika-Linie von Caird & Co. in Greenock, (2026 GRT und 1400 IPS
Maschinenleistung, Geschwindigkeit 12kn). tritt eine Reise nach New York an

55
Danker-Carstensen, P.: Betonschiffbau in Deutschland, Deutsches Schiffahrtsarchiv 32, Oceanum
Verlag DSM, 2010.
43
1857
- Als neuer Schiffsbauwerkstoff wird der PUDDELSTAHL zuerst in England
angewendet. In den sechziger Jahren dann auch der BESSEMERSTAHL.
- Die erste wissenschaftliche Schiffbauer-Vereinigung: Institution of
Engineers and Shipbuilders of Scotland (Glasgow) wird gegründet.
- Der NORDDEUTSCHE LLOYD (NDL) wird in Bremen gegründet.
- Lloyds Register führt Bruchversuche angenieteten Plattenproben durch. Die
BRUCHLAST DER GENIETETEN VERBINDUNG im Vergleich zur Bruchlast des
Grundwerkstoffes liegt je nach Art der Nietverbindung zwischen 50% und 60%, wenn
man von einzelnen Ausreißern absieht56.

Bruchversuche von Lloyd’s Register an genieteten Blechen

1858
- Die HAPAG lässt auf der Reiherstiegwerft in Hamburg das eiserne Vollschiff
DEUTSCHLAND (II) (804 GRT, Länge 51,2 m, Breite10,0 m), als letztes Segelschiff der
Reederei, bauen.
- der NDL bringt die vier Dampfer BREMEN und NEW YORK, gebaut bei Caird & Co,
Greenock und HUDSON und W ESER, gebaut bei Palmer & Co. Newcastle, in Fahrt57.

56
Martin, J., Ritchie J. H.: Lloyd’s Experiments upon Iron Plates and Modes of Riveting Applicable to
the Construction of Iron Ships, Trans. Inst. of. Nav. Arch. Vol. 1, London 1860
57
Haaack, R., Busley, C.: Die Technische Entwicklung des Norddeutschen Lloyds und der HAPAG,
Klassiker der Technik, VDI Verlag, Düsseldorf 1986
44
Dampfer BREMEN des NDL gebaut bei Caird & Co.185858

1858
Die französische Marine baut das erste gepanzerte Kriegsschiff die GLOIRE und leitet
damit die Entwicklung von GEPANZERTEN KRIEGSSCHIFFEN ein. Die damit verbundene
Entwicklung von Panzerplatten für Kriegschiffe führt zu einer viele Jahrzehnte
andauernden intensiven Beschäftigung mit der Metallographie des Eisens, deren
Nutzen weit über die eigentliche Panzerplattenentwicklung hinausgeht5960.

1860
- Zum Schutz des Schiffsbodens gegen Rost und Anwuchs stellt John Rahtjen,
Bremerhaven, eine brauchbare Schiffsboden-Lackfarbe her. Vorher verwendete man
bei eisernen Schiffen hauptsächlich Ölfarben (z. B. Bleimennige), zuweilen auch
Kohlenteer.
- Die INSTITUTION OF NAVAL ARCHITECTS (INA) wird in London gegründet. Schon in
dem ersten Band der Transactions der INA werden wichtige Fragen des Schiffbaus
besprochen.
- so schlägt John White eine neuartige Diagonalbauweise der Außenhaut hölzerner
Schiffe vor.
- William Fairbairn gibt als erster eine Formel zur ausreichenden Bemessung der
Längsfestigkeit von Schiffen an.
- John Scott Russell entwickelt seine W AVE - LINE THEORY, die von der Vorstellung
ausgeht, dass die Wellenform die von einem fahrenden Schiff ausgeht sich in einer
affinen Weise in der Gestaltung der Schiffslinien widerspiegeln muss, damit ein Schiff
einen minimalen Widerstand erfährt. Obwohl solche Vorstellungen, wegen der
Vernachlässigung des Reibungswiderstandes, nicht mehr vertreten werden können,
führen die Überlegungen von Scott-Russell zu einer Entwicklung von sehr schnellen
Schiffen aller Art.
- In England wird das erste eiserne, gepanzerte Kriegsschiff der W ARRIOR gebaut.

1862
Die erste Seeschlacht zwischen den gepanzerten Kriegsschiffen dem MONITOR und
der VIRGINIA ex MERRIMAC findet im amerikanischen Bürgerkrieg statt. Der MONITOR
ist ein extrem flach gebautes Fahrzeug, welches außer einem Turm keinerlei
Aufbauten besitzt. Die VIRGINIA ist mit schweren Eisenschienen gepanzert. Die
Erfolge des MONITORS führten im Folgenden zu einem neuen Kriegsschiffstyp mit
dem gleichen Namen61.

58
Thiel, R.: Die Geschichte des Norddeutschen Lloyd 1857- 1970, Verlag H. M Hauschild., Bremen
2001
59
Castner, J.: Über die Entwicklung der Panzerfabrikation, Schiffbau, III. Jg., S. 569, 232
60
Castner, J.: Das Panzerwesen auf der Düsseldorfer Ausstellung 1902, , Schiffbau, IV. Jg., S. 100
61
Grabe: Ueber die Bedeutung des Ersten Kampfes von Panzerschiffen für die künftig gebotene
Bauart von Kriegsschiffen, Vossische Buchhandlung, Berlin 1862.
45
Monitor und Merrimack im Gefecht

1863
- Das erste Seegehende Zweischraubenschiff FAR EAST wurde in London erbaut
(1258 t und 150 IPS). Dieser für die Chinafahrt bestimmte eiserne Dampfer, getakelt
als Vollschiff, zeigte erstmalig eiserne Untermasten und Marsstengen in einer Länge.
- GLEICHE MASTEN führte als erster Segler das englische Vollschiff PATRIARCH, erbaut
1869, aber erst nach 1890 wurde diese Bauart auf den großen stählernen
Rahseglern häufiger verwendet.
- Der Aechäologe Conrad Engelhardt gräbt ALTGERMANISCHES RUDERBOOTE bei dem
Dorf Nydam am Alsensund aus,

1865
- Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wird in Bremen
gegründet. Sie bestimmt fortan die technische Entwicklung des
Küstenrettungswesens.

1866
- Geteilte Bramsegel (Unter- und Oberbramsegel hat man zuerst in England benutzt,
die jedoch erst nach 1880, selten auf hölzernen Schiffen, häufiger gefahren werden. -
- Die GREAT EASTERN erhält ein Dampfantrieb für das Ruder. Die Dampf
Rudermaschine führt die HAPAG erst 1873 für die POMMERANIA, der NDL für die
HANSA 1878 ein.

1867
- Der Germanische Lloyd wird in Hamburg gegründet, der 1868 nach Rostock
übersiedelt und von 1872 seinen Sitz bis 1945 in Berlin hatte. Nach dem Zweiten
Weltkrieg wurde der Germanische Lloyd von Prof. Schnadel aus kleinsten Anfängen
praktisch neu in Hamburg gegründet, von wo dieser, nunmehr im Privatbesitz
befindlich, weltweit tätig ist.
- Babcock und Wilcox erhält ein Patent auf einen Dampfkessel.

46
1868
- Das erste eiserne Schwimmdock in Deutschland liefert die Firma A. Borsig in Tegel
für die Norddeutsche Kriegsmarine nach Starkenhorst bei Swinemünde (Länge 65,83
m, Breite 24,38 m); es nahm gelegentlich auch Handelsschiffe auf.

1869
- Der Suezkanal wird eröffnet und verkürzt den Seeweg nach Australien, sodass ein
Verkehr mit Dampfern sinnvoll wird.
- Die Engländer Rowan & Horton lassen sich den sog. Wasserrohrkessel
patentieren. Dieser Kesseltyp, der in vielen Varianten viele Jahrzehnte später gebaut
worden ist, löst den bisher üblichen Rauchrohrkessel auch Scotch-Boiler genannt
ab626364.

Klassischer Scotch- Boiler und Wasserrohrkessel Patent Rowan & Horton

1870
Kenterunfall des britischen Segelmonitors HMS CAPTAIN am 7. Sept. 1870 in der
Biscaya. Der Unfall führte zu der grundsätzlichen Einführung der Untersuchung der
Stabiltät von Schiffen bei großen Neigungen. Der Konstrukteur Cowper Phipps
Coles (1819-1870), der im Übrigen bei dem Unfall ertrank, hatte gegen den
speziellen Rat des Chefkonstrukteurs der britischen Marine Edward James Reed
dem Schiff einen sehr kleinen Freibord gegeben, sodass bei Neigungen schon nach
wenigen Graden Seite Deck zu Wasser kam und das Vermögen des Schiffes sich
wieder aufzurichten nicht ausreichte und eine Kenterung zwangsläufig wurde 65.

62
Ziese, R. A.: Zur Wasserrohrkesselfrage, Schiffbau, II. Jg., S. 698, 765.
63
Züblin, C.: Niclausse- Kessel, Schiffbau, II. Jg., S. 892, 941, III. Jg., S 1, 41,125, 173, 161, IV. Jg.,
807, 853, 900, 935l
64
Züblin, C.: Der Schulz- Wasserrohrkessel, Schiffbau, IV. Jg., S.5, 61.113,149,194,750.
65
Hawkey, A.: H.M.S. Captain, G. Bell and Son, London 1963
47
Der Segelmonitor CAPTAIN. Gut ist der sehr kleine Freibord zu erkennen, der zu einer
Hebelarmkurve von extrem geringem Umfang führt66.
- Der französische Schiffbauer Jaques Augustin Normand veröffentlicht seine
Formules approximtives de Construction Navals zur Berechnung des Kurvenblattes,
die viele Jahrzehnte sehr Hilfreich beim Entwurf von Schiffen sind67. M. H. Bauer hat
dann später die Normandschen Formeln durch eigenen Ableitungen verbessert68.
- In Kiel wird der DEUTSCHE FISCHEREIVEREIN gegründet, aus dem 1894 der DEUTSCHE
SEEFISCHEREI- VEREIN entsteht.

1871
Der erste deutsche EISBRECHDAMPFER, entworfen von Carl F. Steinhaus, wird auf der
Reiherstieg-Werft in Hamburg als EISBRECHER I gebaut: (Länge 40,5 m und 592 IHP).

1872
Edward J. Reed, der nach dem Kenterunfall des Segelmonitors CAPTAIN sein Amt
als Chefkonstrukteur der britischen Marine verloren hatte, gibt eine MAGAZIN NAVAL
SCIENCE, welches bis 1875 in vier Bänden erschien ist, heraus.

1874
- Der FARADAY (4917GRT), das Vorbild der späterhin erbauten KABELLEGEDAMPFER,
entsteht nach Plänen von Wilhelm Siemens auf einer englischen Werft.
- In Deutschland läuft der erste Kabellegedampfer 1902 vom Stapel: STEPHAN, erbaut
vom Stettiner Vulcan, (4630 GRT und 240o IHP Maschinenleistung)69.
- Der amerikanische Marineoffizier Barlsen macht den Vorschlag BRÄNDE AN BORD
von Schiffen durch KOHLENSÄURE70 (H2CO3) zu bekämpfen. Der Hamburger
Schiffbaumeister C. H. Krauß, technischer Direktor des Germanischen Lloyd von
1883 bis 1889, empfahl 1894 ebenfalls KOHLENSÄURE bei Bränden durch
Rohrleitungen an den Brandherd zu leiten. Die eigentliche Einführung an Bord von

66
Hawkey, A.: H.M.S. Captain, G. Bell and Sons, London,1963.
67
Normand, J. A.: Formules approximatives de Construction Navale, Artur Bertrand, Paris 1870 und
Approximate Formula for the Calculation of Trim, Trans. Inst. of Nav. Arch., Vol XXIII, London 1882.
68
Bauer, M. H.: Annährungsformeln im Schiffbau, Schiffbau. IV. Jg., S. 375, 435, 482,552.
69
Hilbert, H.: Kabelschiffe, Hansa 1962, s. 769.
70
Die Das Kohlendioxyd CO2 entsteht bei Entzug des Wassers (Anhydrid) der chemisch instabilen
Kohlensäure. Man spricht heute bei der Kohlensäurebrandbekämpfung oft von Kohlendioxyd.
48
Schiffen erfolgte durch den Chemiker Hugo Gronwald, Berlin. Das CO2
Löschsystem wurde zwischen den Kriegen allgemein eingeführt und wird bis auf den
heutigen Tag an Bord von Schiffen verwendet71.
- Der bereits 1864 gebaute Dampfer PROPONTIS erhält die erste DREIFACH
EXPANSIONS- DAMPFMASCHINE, gebaut bei John Elder &Co von Alexander Carnegie
Kirk.

1875
- Mit der Einführung des SIEMENS-MARTIN-STAHLS im Schiffbau, etwa seit 1875,
beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Schiffbaues. Der Übergang vom
Eisen zum Stahl vollzieht sich rasch, so dass bereits im Jahre 1888 dieser Baustoff
(mild steel) bei über 90 % aller unter der Aufsicht von Lloyd's Register erbauten
Seeschiffe angewendet wird.
- Das erste eiserne Viermast-Vollschiff COUNTY OF PEEBLES wird in England gebaut:
(1614 GRT, Segelfläche 35 000 Quadratfuß). Diese Schiffsart wurde ausschließlich
auf englischen Werften gebaut. Das erste deutsche eiserne Viermast-Vollschiff ist
der PETER RICKMERS, gebaut bei Russell & Co. in Glasgow 1889, (2926 GRT, 4500
tdw). Die Reedereieigene werft in Bremerhaven baute zu dieser Zeit noch
ausschließlich hölzerne Segler, daher bestellte man in Schottland, wo der
Eisenschiffbau bereits sehr erfolgreich stattfand.

Viermastvollschiff PETER RICKMERS

1876
- Samuel Plimsoll erreicht, dass durch einen Mechant Shipping Act erstmalig
MINDESTFREIBORDE behördlich vorgeschrieben werden.
- In Kanada wird der ERSTE EISBRECHER NORTHERN LIGHT (393t) in Fahrt gebracht.

1877
- Die erste eiserne Viermast-Bark TWEEDSDALE wird in England erbaut: (1403 GRT).
- Es entsteht auf der schwedischen Lindholmen Motala Werft in Norrköping für
Ludwig Nobel ein kleiner nicht Hochseefähiger TANKDAMPFER ZOROASTER (Länge 56
m) für das Kaspische Meer72. Zum Schutz gegen auslaufendes Öl werden
Wassergefüllte Doppelschotte zwischen den Laderäumen und dem Kessel- und

71
Krebs, J.: Kohlensäure als Feuerlöschmittel auf Seeschiffen, Werft, Reederei und Hafen,1922, S.
656
72
Brennecke, J.: Tanker, Koehler Verlagsgesellschaft, Herford 1975
49
Maschinenraum vorgesehen.
- Der Franzose Charles Tellier (1828-1913) konstruiert das erste mit einer LADUNGS-
KÜHLANLAGE, bestehend aus drei Methyl- Äther- Kältemaschinen73, versehene Schiff
FRIGORIFIQUE (1200 tdw). Dieser Dampfer bringt 1877 nach einer Reise von 110
Tagen eine Ladung Fleisch in gutem Zustande von Argentinien nach Europa. Aber
erst mit der Fahrt des englischen Dampfers STRATHLEVEN (2257 t), der 1880 Fleisch
von Australien nach London verfrachtete, begann der neuzeitige Übersee-
Gefrierfleischhandel.
- F. Schichau, Elbing liefert die ersten auf einer deutschen Werft gebauten (11)
Torpedoboote für die Kaiserliche Russische Marine.

Torpedoboot, gebaut von F. Schichau für die Kaiserliche. Russische Marine

1878
- Carl Ziese baut die ersten COMPOUND-DAMPFMASCHINEN in die beiden Avisos
HABICHT und MOEWE der Kaiserlichen Marine ein.

1880
BUREAU VERITAS gibt ersten BAUVORSCHRIFTEN FÜR STÄHLERNE SCHIFFE heraus, 1888
LLOYDS REGISTER, 1890 GERMANISCHER LLOYD.

- Der britische Kapitän R. B. Forbes konstruiert einen BOOTSDAVIT welches es


ermöglicht ein Boot seitlich so auszuschwenken, das es nicht mehr durch Schiften in
Schiffslängsrichtung zwischen den Davits ausgeschwenkt werden muss.

1881
- Das erste atlantische Zweischraubenschiff NOTTING HILL (ca. 4000 GRT,
Geschwindigkeit 12 kn) geht von London aus in Fahrt.
- Der Norddeutsche Lloyd stellt seinen ersten Schnelldampfer ELBE, erbaut von
John Elder & Co. in Glasgow, (4509 GRT und 6151 IHP, Geschwindigkeit 16 kn) in
Dienst.
- In England wird der Fischdampfern ZODIAC eingesetzt.
- Ein P. M. JUSTICE aus London veröffentlicht einen Linienriss mit extrem
eingezogener Konstruktionswasserlinie, welcher als ein Vorläufer der SWATH
Fahrzeugidee, (SMALL WATERLINE AREA TWIN HULL) anzusehen ist. Der Erfinder ist
offensichtlich durch die Konstruktion der Dampfyacht LIVADIA des russischen Zaren

73
Hochhaus, K.-H.: Deutsche Kühlschiffahrt (1902-1995), Verlag H. M. Hausschild, Bremen 1996.
50
beeinflusst.

Schiffslinien mit eingezogener Konstruktionswasserlinie

-Alexander Carnegie Kirk baut auf der Werft von Robert Napier in den Dampfer
Aberdeen eine DREIFACH- EXPANSIONSDAMPFMASCHINE ein. Hierüber wurden
allerdings erst 1883 Einzelheiten bekannt.
- Unabhängig von dieser Entwicklung in Schottland baut Carl Ziese bei F. Schichau
die Erste DREIFACH- EXPANSIONSMASCHINE auf dem Kontinent. Eine solche Maschine
wurde 1883 in den Dampfer Nierenstein eingebaut74. Es kam zu einem
Prioritätenstreit zwischen F. Schichau und dem Reichsmarineamt, die für sich
reklamierte die erste Dreifachexpansionsmaschine gebaut zu haben und zwar
eingebaut auf dem Torpedoboot SCHARF. Dabei handelte es sich um eine
Compoundmaschine mit aufgesetztem Hochdruckzylinder auf dem
Mitteldruckzylinder als Zweikurbel Maschine75.

1883
Der Schwede, französischer Abstammung Carl Gustaf Patrik de Laval stellt
Versuche an, Druckluft zwischen Schiffsaußenhaut und umgebendem Wasser zum
Zwecke der Widerstandsminimierung zu pressen.

1885
- Das REICHSPOSTDAMPFER-SUBVENTIONS-GESETZ vom 6. April führt eine
entscheidende Wendung zugunsten des deutschen Schiffbaues herbei; die
Bevorzugung der englischen Werften tritt seitdem mehr und mehr zurück. Die ersten
Subventions-Dampfer für den NORDDEUTSCHEN LLOYD erhält der STETTINER VULCAN in
Auftrag.
- Blohm & Voss baut als erste deutsche Werft eine eiserne Viermast-Bark POLYMNIA,
(2129 GRT). Dieser Schiffstyp bildete den eigentlichen Abschluss der langen
Segelschiff-Entwicklung. In den achtziger Jahren werden die bereits von Scott
Russel 1855 verwendeten Halbschotte (RAHMENSPANTEN) allgemein eingeführt.
- Am 7. Februar beginnt der erste deutsche Fischdampf SAGITTA (148 GRT und 260
IHP), erbaut 1884/85 von F. W. Wencke in Bremerhaven für Friedrich Busse in
Gestemünde seine erste Fangreise.

74
N. N.: Die Erste auf dem Kontinent erbaute Dreifach- Expansions- Maschine, Schiffbau, VIII. Jg., s.
391.
75
Uthemann, F.: Die erste auf dem Kontinent erbaute Dreifachexpansionsmaschine, Schiffbau, VIII.
Jg., s. 647.

51
Fischdampfer SAGITTA

- Die FREIBORD-VORSCHRIFTEN des BOARD OF TRADE werden eingeführt. Armstrong,


Mitchell & Co.,Newcastle, liefern den ersten Übersee -Tankdampfer GLÜCKAUF
(2318 GRT) für Wilhelm Riedemann in Geestemünde, dem auch das erste deutsche
Tanksegelschiff, dass Komposit-Vollschiff ANDROMEDA. gehört (umgebaut 1885).

1887
Zu Schutz des technischen Vorsprungs der Industrie wird am 23 August vom
britischen Parlament ein Gesetz erlassen nach dem ausländische Waren eine
Herkunftsbezeichnung zu tragen haben. Das war die Geburtsstunde von MADE IN
GERMANY.

1888
- Alfred Zeise lässt sich den Propeller mit hyperbelartiger Veränderung der
Blattsteigung patentieren.

52
Patentierter Zeisepropeller
Schnittbild des Zeisepropellers. Das Prinzip der veränderlichen Steigung des
Propellers berücksichtigt das vektorielle Produkt der Anströmgeschwindigkeit und der
Umgangsgeschwindigkeit des Propellers, die tatsächliche Anströmrichtung, nach der
die Steigung entworfen sein sollte, um hohe Wirkungsgrade zu erzielen76.

1889
- Die ersten großen Doppelschraubendampfer der INMAN LINIE CITY OF PARIS und CITY
OF NEW YORK(10 670 GRT, 18 500 IHP, Geschwindigkeit 19,2 kn) werden auf den
Nordatlantik eingesetzt.
- Das erste deutsche Zweischraubendampfer AUGUSTE VICTORIA, erbaut vom
STETTINER VULCAN, (8479 GRT, Maschinenleistung 12 500 IHP, Geschwindigkeit 18
bis 20 kn), gleichzeitig der erste auf einer deutschen Werft entstandene
Schnelldampfer, setzt die Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG) in Fahrt.

1890
- Das letzte hölzerne Vollschiff in Deutschland ETHA RICKMERS (1841 GRT), erbaut
auf der Werft Rickmers in Geestemünde, läuft vom Stapel.
- Die beiden hölzernen Rahseglertypen, die BRIGG THERESE (328 GRT) in BRAKE an
der Weser und die Bark ALBATROS (336 GRT) wurden zuletzt 1879 bzw.1887 gebaut.
- Ein neuer Schiffstyp die stählerne FÜNFMAST-BARK, entsteht. Zuerst 1890 LA
FRANCE (3784 GRT), dann die MARIA RICKMERS, erbaut 1891 bei Russell & Co. in
Glasgow, (3813 GRT, Segelfläche 57 000 Quadratfuß), Die mit einer Hilfsmaschine
(720 IHP) versehene MARIA RICKMERS ist auf der ersten Heimreise von Saigon 1892
verschollen.

76
. Da der scheinbare Wind sich als Vektorprodukt aus Schiffsgeschwindigkeit und wahrem Wind
ergibt, ergibt sich bei einem Rahsegler das gleiche Bild, denn der wahre Wind ist wegen der
Grenzschicht in Höhe der unteren Rahen niedriger, als in Höhe der oberen Rahen. Daher müssen die
unteren Rahen stärker angebrasst werden, als die oberen.

53
1891
- Die Schiffswerft und Maschinenfabrik AG, vormals Janssen & Schmilinsky in
Hamburg baut den kleinen Dampfer HERRMANN VON W ISSMANN für den Nyassasee in
Afrika der in Teilen, die nicht mehr als 150 kg wiegen über Land dorthin transportiert
und dort montiert77.

Kleiner Verkehrsdampfer HERRMANN VON W ISSMANN für den Nyassasee in Afrika

- In der Fachpresse wird die Frage der Verwendung von PETROLEUM (Heizöl) für
Dampfschiffe eine sinnvoller Ersatz für die Kohle ist diskutiert7879.
- Der RADANTRIEB FÜR BINNENSCHIFFE ist nach wie vor Gegenstand ausführlicher
Diskussion insbesondere bei Schleppdampfern für geringe Tauchtiefen80. Die Skizze
Fig. 1 und Fig. 2 zeigt, dass man durch entsprechende Ausgestaltung des
Radkastens bei Seitenrädern deutliche Verbesserungen erzielen kann. Die Fig. 3
und Fig. 4. zeigt, dass das Heckschaufelrad ohne Heckbalken gegenüber dem mit
Heckbalken deutlich weniger Spritzerwiderstand zeigt.

77
N. N.: Der Dampfer „Herrmann von Wissmann“, Hansa,1891,S. 177.
78
N.N.: Petroleum als Heizmittel für Oceandampfer, Hansa,1891,S. 12, 44, 314.
79
N.N.: Der Petroleum-Motor „Vulcan“ und seine Verwendbarkeit auf Segelschiffen, Hansa,1891,S.
174
80
Mueller, O. H.: Üeber Schaufelräder für Schleppdampfer und insbesondere für Heckraddampfer,
Hansa,1891,S. 78
54
Verbesserungen an Schleppern (Remorqueur) mit Seiten- bzw. Heckschaufelrädern

- Der Graf de Lambert erhält ein Patent für ein Fahrzeug mit
UNTERWASSERTRAGFLÄCHEN. Dieses Fahrzeug soll eine erstaunliche Geschwindigkeit
auf der Seine besessen haben.
- Die GREAT EASTERN wird verschrottet81.
- der Einbau eines KÜNSTLICHEN ZUGES in vorhandene SCHIFFSKESSEL mit natürlichem
Zug stellt sich nicht als besonderer Vorteil heraus. Einen solchen erzielt man nur mit
Kesseln, die im Hinblick auf einen künstlichen Zug leichter und Raum sparender
konstruiert worden sind82.
- Durch Einführung höherer Propellerdrehzahlen, erhöhter Dampfdrücke und des
künstlichen Zuges der Kessel, der Mehrfachexpansion und der Verfügbarkeit von
Stahlguss ermöglicht in den vergangenen 15. Jahren die Antriebsleistung der Schiffe
deutlich zu erhöhen83.

1892
- Der erste TURMDECKER TURRET wird von Wm Doxford & Sons in Sunderland nach
Plänen des Chefkonstrukteurs Arthur Havern gebaut: (1970 GRT). Dieser viel
gebaute Frachtdampfertyp wurde vereinzelt auch in Deutschland gebaut; z. B. lieferte
1907 die Germaniawerft in Kiel den Erzdampfer NORDSEE für L. Possehl & Co. in
Lübeck (4439 GRT, 1850 IHP).

81
Mueller, O.: Der „Great Eastern“, Hansa,1891,S. 258, 274
82
Schlick, O.: Die Ursache der Misserfolge bei Anwendung des künstlichen Zuges, “, Hansa,1891, S.
42, 60, 263
83
N. N.: Die Fortschritte im Schiffsmaschinenbauwesen während der letzten fünfzehn Jahre, Hansa,
1891, S. 210, 226, 242.
55
Turretshiff CONSUL CARL FISSER einlaufend bei Elbe1, Gemälde von Wolf Strobel

Typischer TURRET - MASSENGUTDAMPFER gebaut bei William Doxford & Sons

- Das von Colin Archer entworfene und gebaute Polarforschungsschiff FRAM (800 t
Deplacement, 39,0 m lang und 11 m breit), mit dem Fridjof Nansen die Arktis und
Roald Amundsen in die Antarktis erforschte wird in Dienst gestellt. Das Schiff liegt
heute als Museumsschiff in Bygdøy, Oslo.
- Durch die Versuche von Osborne Reynolds (1842-1912) über Schmierung von
Maschinenteilen 1886 angeregt, führt Anthony Georg Maldon Michell (1870-1959)
in Melbourne 1892 Versuche, mit keilförmigen Lagerungen zur Erzeugung
HYDRODYNAMISCHER SCHMIERFILME, durch.1905 wird in England Michell ein Patent
erteilt84.

1893
- Die SOCIETY OF NAVAL ARCHITECTS AND MARINE ENGINEERS (SNAME) wird in New
York gegründet.
- Als erste deutsche Werft baute der Stettiner Vulcan denTankdampfer:
DEUTSCHLAND (3710 GRT und 1600 IHP).
- Nach dem der US amerikanische Massengutdampfer CHARLES W. WETMORE vom

84
Commentz, C.: Einring-Drucklager, Werft und Reederei, 1921, H.2, S.33.
56
Typ W HALEBACKER in England aufgetaucht ist85, baut die Werft William Doxford &
Sons in Lizenz einen solchen.

CHARLES W. WETMORE vom Typ W HALEBACKER

1894
- Probefahrten des ersten Turbinenschiffes TURBINIA8687, ausgerüstet von Charles A.
Parsons. Das rd. 30 m lange und 2,75 m breite Schiff erreicht mit 2300 IHP und drei
Schraubenwellen eine Geschwindigkeit von 32,75 kn. Erst 1901 werden Turbinen auf
dem Clyde-Fahrgastschiff KING EDWARD, (562 GRT und 3500IHP Geschwindigkeit 19
kn), verwendet.

Versuchsschiff TURBINIA

- Vom Deutschen Fischereiverein zweigt sich der Deutsche Seefischerei- Verein


ab, der in den folgenden Jahren insbesondere die Motorisierung und

85
N.N.: Der Whalback- Dampfer „Charles Wetmore“, Hansa,1891,S. 295.
86
Radunz, K.: 100 Jahre Dampfschiffahrt 1807-1907, C. J. E. Volckmann Nachfolger, Rostock 1907
87
Parsons, C.A.: The Steam Turbine and ist Application to the Propulsion of vessel, Trans. Inst. of
Nav. Arch., Vol. XLV, London, 1903.
57
Standardisierung der Fischereifahrzeuge betreibt88.
1895
- HOCHSPANTEN finden neben den um 1890 eingeführten Wulstwinkelspanten mehr
und mehr Anwendung; sie verdrängen die älteren Rahmenspanten und Raumbalken.
- Der Chemiker Hans Goldschmidt (1861-1923) erhält ein Patent auf das THERMIT
SCHWEIßVERFAHREN, welches im Schiffbau dann in großem Umfang bei Reparaturen
von Gussstahlteilen angewendet wird 89.
- Der Kaiser Wilhelm Kanal. heute Kiel-Kanal, wird eröffnet.

1896
- ERSTE VORSCHRIFTEN über „WASSERDICHTE SCHOTTE FÜR POST- UND
PASSAGIERDAMPFER in AUßEREUROPÄISCHER FAHRT werden von der See-
Berufsgenossenschaft veröffentlicht.
- SCHLINGERKIELE (bereits beim GREAT BRITAIN vorhanden und 1872 und von William
Froude wieder in Vorschlag gebracht) hat man auf deutschen Handelsschiffen erst
auf Veranlassung von Max Walther, technischer Leiter des NDL, bei dem Fahrgast-
und Frachtdampfer BARBAROSSA, gebaut 1896 von Blohm & Voss,
(10 915 GRT und 7000 IHP, Geschwindigkeit 14 kn), angeordnet.
- Die Dampfer der BARBAROSSA-Klasse, sowie der Schnelldampfer KAISER W ILHELM
DER GROßE, erbaut vom Stettiner Vulcan 1897 (14 349 GRT, 27 000 IHP,
Geschwindigkeit 22,3 kn), sind die ersten in Deutschland erbauten, über 10 000 GRT
großen Schiffe. Letzteres Schiff leitet einen neuen Abschnitt im deutschen
Schnelldampferbau ein.
- F. Schichau baut vier Torpedoboote für die Kaiserliche Chinesische Marine, die
eine Geschwindigkeit von 35,2 kn erreichen. Die Boote werden auf eigenem Kiel von
Elbing nach China ohne weitere Begleitung überführt.

Torpedoboot, gebaut von F. Schichau für die Kaiserliche Chinesische Marine

1897
Parsons demonstriert auf der FLOTTENPARADE VON SPITHEAD die überlegene
Geschwindigkeit seiner TURBINIA, was die britische Marine veranlasste zwei
Torpedoboote VIPER und COBRA bauen zu lassen bzw. anzukaufen.
- Carl Busley veröffentlicht eine umfangreiche Arbeit über die gesundheitlichen
Einrichtungen auf Schiffen90.
88
Dittmer, R., Bühl, H. V.: Seefischereifahrzeuge und Boote, Hahn’sche Buchhandlung, 1904
89
Schultz: Die Aluminothermie im Schiffbau, Schiffbau, V. Jg., S. 149
90
Busley, C.: Die gesundheitlichen Einrichtungen der modernen Dampfschiffe, VDI Zeitschrift, Bd.
58
- Bau des SCHNELLDAMPFERS KAISER FRIEDRICH auf der Werft von F. Schichau in
Danzig für den Norddeutschen Lloyd. Das Schiff, an das sich große Erwartungen
knüpften, wurde zum Trauma der Werft, denn es gelang der Werft nicht die
vertragliche Geschwindigkeit von 21 kn zu erfüllen, was zu einem mehr als 10
jährigem Streit zwischen Werft und Reederei führte.
- Es erscheint der erste Band der ABHANDLUNGEN DES DEUTSCHEN SEEFISCHEREI-
VEREINS mit den aus einem Preisausschreiben hervorgegangenen preisgekrönten
Entwürfen für einen HERINGSLOGGER, entworfen von Walter Laas, einem
Segelfahrzeug mit Hilfsmotor für die Hochseefischerei von Carl Stockhusen und
einem Hochseefischereikutter für die Ostsee von Carl Engel91.

Der Schnelldampfer KAISER FRIEDRICH in den Spanten bei F. Schichau in Danzig92

Friedrich Middendorf veröffentlicht die neuen Vorschriften der SeeBG, über


wasserdichte Schotten93.
- Rudolf Diesel stellt vor der XXXVIII. Hauptversammlung des VDI seinen Motor der
allgemeinen Öffentlichkeit vor94.
- Carl Arldt berichtet über die Einführung der Elektrizität an Bord von Schiffen95.

1898
- Die Firma Wilson & Stirling erhält ein Patent für eine FLOSSENSTABILISIERUNG zur
Reduzierung von Rollschwingungen von Schiffen, welches aber keine weitere

XXXXI, S. 1, 34, 67, 100, 125.


91
Abhandlungen des Deutschen Seefischerei- Vereins,Bd. 1, Verlag von Otto Salle, Berlin, 1897
92
VDI Zeitschrift, Bd. XXXXI, Tafel 1.
93
Middendorf, F. L.: Vorschriften der Seeberufsgenossenschaft über Schotte für Post- und
Passagierschiffe, VDI Zeitschrift, Bd. XXXXI, S.609. 643.
94
Diesel, R.: Diesels rationeller Wärmemotor, VDI Zeitschrift, Bd. XXXXI, S. 785,817 mit einem
Koreferat von Moritz Schröter, der als Professor Nachfolger von Diesels Lehrer Linde an der TH
München wirkte. S. 845
95
Arldt, C.: Die Elektrizität an Bord von Handelsschiffen, VDI Zeitschrift, Bd. XXXXI, S. 1252,1279.
59
Beachtung erfährt.1936 erhält Sir William Wallace, Chairman der schottischen
Firma Brown Bros. & Co. ein auf den gleichen Ideen stufendes Patent, welches
ähnlich der Erfindung des Japaners Motora aus dem Jahr 1925 ist. Sir Williams
Wallace Anspruch bezieht sich allerdings auf den elektro-hydraulischen
Mechanismus die Flossen zu steuern. Den eigentlichen Durchbruch der Idee der
Flossenstabilisierung erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg durch massive
Unterstützung der britischen Marine, den die Einführung war begleitet durch eine
größere Zahl von schweren Schäden an den installierten Anlagen.

DENNY- BROWN FLOSSENSTABILISATIONSANLAGE aus dem Jahr 195496

- W. G. Armstrong, Withworth & Co. Ltd. In Newcastle baut nach den Plänen des
russischen Admirals Stepan Makarow den drei Schrauben Eisbrecher ERMARCK,
auch JERMAK oder EPMAK (5 218 t) für russische Rechnung, der 66 Jahre erfolgreich
im Einsatz gewesen ist.

Eisbrecher ERMARCK der Kaiserlich Russischen Marine

-Eine Idee zum Brechen von Eis, stammt von dem Schiffbaumeister E. J.
Weedermann aus Flensburg. Weedermann entwickelte einen EISSCHUH, der vor
einem Schiff angeordnet das Eis brechen sollte, sodass auch normale Schiffe durchs
Eis fahren können. Von dem Eisschuh sind mehrere im Gebrauch gewesen97.
96
Wallace, W.: Experience in the Stabilisation of Ships, Trans. The Institution of Engineers and
Shipbuilders of Scotland, 1955.Zitiert von Forster, E.: Schwingflossen gegen Rollschwingungen, S+H,
1955, S. 96
97
Görz, M., Buchheister, M.: Das eisbrechwesen im Deutschen Reich, Verlag von Asher & co., Berlin
1900.
60
Weedermannscher Eisschuh

Die Firma Burmeister & Wain, Kopenhagen schließt mit Rudolf Diesel einen
Lizenzvertrag. Die Firma baut 1912 die Kreuzkopfmaschinen für die SELANDIA und
ihre Schwesterschiffe.
- Enrico Forlanini führt die ersten Experimente mit TRAGFLÜGELBOOTEN auf dem
Lago Maggiore durch.

1899
- Die Schiffbautechnische Gesellschaft wird in Berlin gegründet.

61