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Argumente gegen das Digitale in der Schule

! 25 Mar 2020 - 11:06 | " Version 75 | # BeatDoebeli

In Diskussionen, Artikeln
und Leserbriefen werden oft
ähnliche Argumente gegen
das Digitale in der Schule
genannt. Es ist wichtig, diese
Argumente zu kennen und
sich mit ihnen
auseinanderzusetzen.
Gewisse sind unsinnig oder
leicht zu widerlegen, andere
gilt es durchaus zu bedenken
und sind nicht von der Hand
zu weisen.

Aus diesem Grund ist hier


eine Sammlung von derzeit
etwas mehr als 70
Argumenten gegen das
Digitale in der Schule
entstanden ( Mehr zur
Entstehungsgeschichte...).

Die Argumente sind in fünf


Gruppen eingeteilt, geordnet nach absteigender Ablehnung:

A Es schadet!
B Es lohnt sich nicht.
C Es geht nicht.
D Aber nicht so.
E Diverse

Alle Argumente werden nach dem gleichen Schema beschrieben:

Prototypische Formulierung
Beispiele aus Büchern, Zeitungen und Zeitschriften
Gegenargumente
Diskussion

Bei dieser Website handelt es sich um ein Wiki, bei der alle mitschreiben können. Somit stammen nicht alle
Texte vom Betreiber der Website.
Ergänzungen und Kommentare sind willkommen. Entweder direkt im Wiki oder per Mail an beat@doebe.li

Aktuelles
04.12.2019: PISA-Bericht 2018: Computereinsatz in der Schule führt zu schlechteren Schulleistungen
09.01.2019: Gastkommentar von Mario Andreotti in der Aargauer Zeitung
11.03.2018: Manfred Spitzer - Shortcuts
Studie 'The Pen Is Mightier Than the Keyboard'
Studie Brain Drain
Schleicher-Zitat »Wir müssen es als Realität betrachten, dass Technologie in unseren Schulen mehr
schadet als nützt.«

Buchhinweis: Mehr als 0 und 1 - Schule in einer digitalisierten Welt


Das Kapitel "Wie kommt das Digitale in die Schule?" des Buches Mehr als 0 und 1 - Schule in einer
digitalisierten Welt beschäftigt sich detaillierter mit diesen Argumenten und insbesondere der Frage, wie mit
ihnen umgegangen werden kann.

A: Es schadet

A.1 "Es geht etwas verloren"-Argumente

Zeit-Argument: Durch die Beschäftigung mit ICT fehlt Kindern Zeit für sinnvollere Tätigkeiten.
"Zu Hause schon genug vor Bildschirmen"-Argument Die Kinder sitzen zu Hause eh so viel vor dem
Computer, dann nicht auch noch in der Schule/Kindergarten!
Wald-Argument: Die Kinder sollen doch in den Wald, statt vor den Computer.
Kindheits-Argument: Die Kinder sollen doch noch Kinder sein dürfen. Computer kommen später früh
genug.
Primärerfahrungs-Argument: Die Kinder brauchen reale Erfahrungen, virtuelle würden sie überfordern.
Handschrift-Argument: Die Kinder sollen erst/weiterhin lernen, von Hand zu schreiben.
Einsamkeits-Argument: ICT führt zur Vereinsamung von Schülerinnen und Schülern.
Omnimetrie-Argument: ICT in der Schule führt dazu, dass nur noch das Messbare zählt und der Rest
untergeht.
Kreativitäts-Argument: ICT in der Schule zertört die immer wichtiger werdende Kreativität von
Schülerinnen und Schülern.
Empathie-Argument: Kinder sollen durch empathische Lehrerinnen und Lehrer aufs Leben vorbereitet
werden und nicht durch kalte, emotionslose Technologie.
Silicon-Valley-CEO-Argument: Silicon-Valley-CEOs schicken ihre Kinder oft in Waldorfschulen. Diese IT-
Experten wissen eben, dass digitale Medien Kindern schaden.

A.2 "Es ist zu früh"-Argumente

Zuerst Lesen, Schreiben, Rechnen-Argument: Die Kinder sollen zuerst lesen, schreiben und Rechnen
lernen, bevor sie sich mit Computern beschäftigen.
Kindheits-Argument: Die Kinder sollen doch noch Kinder sein dürfen. Computer kommen später früh
genug.
"Schutzraum Schule"-Argument: Computer und Internet machen den geschützten Raum Schule kaputt.
"Fehlende Reife"-Argument: Die Kinder sind entwicklungspsychologisch noch nicht reif für den Umgang
mit digitalen Medien.

A.3 "Falsche Anreize"-Argumente

Konsumismus-Argument: Schülerinnen und Schülern wird ein falscher Konsumismus vorgelebt.


"Marken-Hype"-Argument: Das Projekt fördert den Hype um eine bestimmte Marke.
Dopamin-Argument: ICT führt leicht zu Erfolgserlebnissen, das vermindert die Anstrengungsbereitschaft.

A.4 "Macht dumm"-Argumente

"Wir Lernen Immer"-Argument: Wir Lernen immer, auch die Beschäftigung mit digitalen Medien hinterlässt
somit Spuren in unserem Gehirn.
Oberflächlichkeits-Argument: Digitale Medien führen zu mehr Oberflächlichkeit, d.h. es wird weniger
gelernt.
Delegationsargument: Wenn wir Computer Dinge erledigen lassen, können wir es bald selbst nicht mehr.
Passivitätsargument: Computer fördern Passivität.
"Ablenkung statt Lernen"-Argument: SuS werden die digitalen Medien nicht zum Lernen, sondern zur
Ablenkung vom Unterricht einsetzen.
Pisa-Daten-Argument Die PISA-Studien zeigen, dass die Leistungen der Schülerinnen und Schüler
sinken, je mehr Computer genutzt werden.
Sprachkompetenz-Argument: Digitale Medien gefährden die Sprachkompetenz

A.5 Gesundheits-Argumente

Augen-Argument: ICT-Nutzung macht die Augen kaputt.


Bewegungs-Argument: Die Kinder sollen sich bewegen, statt vor dem Computer zu sitzen.
Strahlenbelastungs-Argument: Die Strahlenbelastung dieser Geräte macht die Kinder krank.
Depressions-Argument: Social Networks machen Kinder und Jugendliche depressiv.
Aufmerksamkeitsstörungs-Argument: Multitasking fördert ADHS.
Haltungsschaden-Argument: ICT-Nutzung fördert Haltungsschäden.
Sucht-Argument: ICT macht süchtig.

A.6 Jugendschutz-Argumente

Jugendschutz-Argument: Wenn die Schülerinnen und Schüler persönliche Computer haben, werden sie
Pornographie und Gewaltdarstellungen konsumieren.
Gewalt-Argument Wenn Schülerinnen und Schüler persönliche Computer haben, werden sie mehr
Gewalt sehen/konsumieren und dadurch gewalttätig werden.
Pornografie-Argument: Wenn Schülerinnen und Schüler persönliche Computer haben, werden sie
pornographisches Material sehen wollen / ungewollt sehen.
Kinderpornografie-Argument: Wenn Schülerinnen und Schüler persönliche Computer haben, sind
sie Pädophilen ausgesetzt.

A.7 Umwelt-Argumente

Energie-Argument: Wir sollten Energie sparen, nicht noch weitere Verbraucher anschaffen.
"Ausbeutung Erde"-Argument: Computer benötigen rare Rohstoffe, deren Abbau die Natur zerstört.
"Ausbeutung Mensch"-Argument: Zur Herstellung von Computern werden Menschen/Kinder ausgebeutet.
Elektroschrott-Argument: Es werden riesige Mengen Elektroschrott anfallen, welche die Natur belasten.

A.8 Fremde Interessen

Markt-Argument: ICT ist ein grosser Markt und die Unternehmen versuchen nur, diesen Markt
auszunutzen und Schülerinnen und Schüler als Konsumierende zu gewinnen.
Datenschutz-Argument: Durch ICT werden die Daten unserer Schülerinnen und Schüler für Unternehmen
und Geheimdienste greifbar.

A.9 Entmündigung

Entmündigte-Lehrpersonen-Argument Computer in der Schule entmündigen Lehrerinnen und Lehrer, weil


der Computer und nicht mehr die Lehrperson didaktische Entscheidungen trifft.
Entmündigte-Lernende-Argument Computer in der Schule entmündigen Schülerinnen und Schüler, weil
der Computer und nicht mehr die Lernenden entscheiden, was sie wie lernen wollen.

B. Es lohnt sich nicht

B.1 "Bisher ging es auch ohne"-Argumente


Und wenn's weg ist-Argument: Die Kinder werden von den Geräten abhängig und sind ohne sie hilflos.
"Aus mir wurde auch etwas"-Argument: Aus mir wurde auch etwas, obwohl ich ohne Computer
aufgewachsen bin.

B.2 "Didaktischer Mehrwert"-Argumente

Lernen bleibt Lernen: Lernen hat sich in den letzten 200 Jahren nicht geändert.
Fehlende-Studien-Argument: Es gibt bisher keine Studien, die zeigen, dass 1:1-computing zu besseren
Schulleistungen führen.
Erst-Mehrwert-Aufzeigen-Argument: Ich will erst den didaktischen Mehrwert (für meine Stufe / für mein
Fach) sehen, bevor ich ICT in der Schule akzeptiere.
"Gute Lehrer brauchen das nicht"-Argument Ein guter Lehrer braucht keine digitalen Medien um
Schülerinnen und Schüler zu begeistern.
"Ablenkung statt Lernen"-Argument: SuS werden die digitalen Medien nicht zum Lernen, sondern zur
Ablenkung vom Unterricht einsetzen.

B.3 Finanzielle Argumente

Kosten-Argument: Das ist schlicht zu teuer (unspezifisch)


Schulkosten-Argument: Das kann sich die Schule nicht leisten. Sie muss bereits jetzt sparen.
Klassengrösse-Argument: Das Geld sollte lieber zur Verkleinerung der Klassen eingesetzt werden
als zur Ausrüstung mit ICT.
Besser investieren-Argument: Das Geld sollte für Wichtigeres eingesetzt werden als für ICT.
Schul-Chancengerechtigkeits-Argument: Selbst wenn einige Klassen finanziert werden könnten,
solange das nicht für alle Klassen möglich ist, gefährdet das die Chancengerechtigkeit.
Elternkosten-Argument: Das können sich nicht alle Eltern leisten und gefährdet deshalb die
Chancengerechtigkeit.
Abschreibungs-Argument
Support-Argument: Wer stellt die Funktionsfähigkeit der Geräte sicher?

B.4 Schüler-Argumente

digital natives-Argument: Die Schülerinnen und Schüler können eh mit Computer umgehen, das muss
man in der Schule nicht mehr machen.
"Ablenkung statt Lernen"-Argument: SuS werden die digitalen Medien nicht zum Lernen, sondern zur
Ablenkung vom Unterricht einsetzen.

B.5 Zeitaufwand-Argumente

Einführungs-Aufwand-Agument: Der Aufwand zur Einführung digitaler Medien lohnt sich nicht.

C. Es geht nicht
C. Es geht nicht

C.1 Lehrpersonen-Argumente

Will-Argument: Lehrpersonen wollen gar keine Computer im Unterricht einsetzen.


Skill-Argument: Lehrpersonen wissen gar nicht, wie man Computer sinnvoll im Unterricht einsetzt.
Tool-Argument: Wenn eine 1:1-Ausstattung da wäre, würden sie Lehrpersonen schon nutzen.
"Die Lehrperson ist am wichtigsten"-Argument Am wichtigsten ist die Lehrperson und nicht Computer in
der Schule.
"Gute Lehrer brauchen das nicht"-Argument Ein guter Lehrer braucht keine digitalen Medien um
Schülerinnen und Schüler zu begeistern.
Produktezyklus-Argument: Die sich ständig ändernde ICT ist eine zusätzliche Belastung für
Lehrpersonen.

C.2 Schulsystem-Argumente

"Wir haben sonst schon so viel"-Argument Die Schule - insbesondere die Lehrpersonen - haben sonst
schon so viel am Hut.
Lektionen-Argument: Solange wir 45-Minuten-Lektionen haben, können wir 1:1 nicht sinnvoll umsetzen.
Lehrplan-Argument: Solange wir den Lehrplan nicht verändern, bringt 1:1 nichts.
Prüfungs-Argument: Wir müssen die Schülerinnen und Schüler prüfen können. Und das geht ja nicht mit
Computer- und Internetzugang.
Lernsoftware-Argument: Es gibt gar nicht genügend gute Lernsoftware die den Einsatz von persönlichen
Computern rechtfertigen.

C.3 Eltern-Argumente

"Überforderte Eltern"-Argument: Eltern haben keine Ahnung, wie sie mit der Nutzung von digitalen
Medien ihrer Kinder umgehen sollen. Darum möchten sie gar nicht damit konfrontiert werden.
Elternkosten-Argument: Das können sich nicht alle Eltern leisten und gefährdet deshalb die
Chancengerechtigkeit.

D.1 Technische Argumente

"Falsche Technologie"-Argument Es wird auf die falsche Technologie/Gerätetyp/Marke gesetzt.


Netzwerk-Argument Das schulische Netzwerk ist nicht für 1:1-Ausstattungen gerüstet.
Investitionsschutz-Argument Damit würden wir ja die eben erst beschaffte ICT-Infrastruktur nicht mehr
nutzen (können).
"Akku leer"-Argument: Wenn dann der Akku einzelner Geräte leer ist, ist der Unterricht mit den Geräten
nicht mehr möglich.
Stromausfall-Argument: Wenn der Strom ausfällt, sind all die Computer nicht mehr brauchbar.
Support-Argument: Wer stellt die Funktionsfähigkeit der Geräte sicher?
E. Diverse

E.1 Ad hominem Argumente

Profilierungs-Argument: Dieses Projekt wird nur initiiert, weil sich der Projektleiter / Schulleiter /
Verantwortliche damit profilieren kann.
Bereicherungs-Argument: Dieses Projekt wird nur initiiert, weil sich der Projektleiter / Schulleiter /
Verantwortliche davon persönliche finanzielle/materielle Vorteile verspricht.
Wirtschaftliche-Interessen-Argument: Diese Projekte werden initiiert, weil IT-Firmen sich davon Umsatz
und Gewinn versprechen.
"Fehlendes-Lernverständnis-Argument": Die Initiant/innen haben keine Ahnung vom Lernen.

E.2 Sonstige Argumente

Unwissenschaftlichkeits-Argument: Das geplante Projekt ist unwissenschaftlich.


"Lernen ist nicht digital"-Argument

Quellen für weitere Argumente


Seriös geordnet:
Manfred Spitzer (2005): Vorsicht Bildschirm Biblionetz:b02182
Alliance for Childhood (2000): Fool's Gold : A Critical Look at Computers
in Childhood Biblionetz:b00922
http://otec.uoregon.edu/arguments_against.htm
Polemisch:
20 Minuten: iPad statt Schulheft: Tablets für Schüler
20 minuten: "Angrybirds gehört nicht in den Kindergarten" 174 Kommentare
20 minuten: "iPads im Kindergarten sind sinnvoll": Über 100 Kommentare
Mamablog: Jedem sein iPhone Über 100 Kommentare
Manfred Spitzer (2012): Digitale Demenz (Biblionetz:b04942)
Interview mit Manfred Spitzer im Tages Anzeiger vom 23.07.2012 inkl. 65
Leserkommentaren
Zwischendurch:
Ralf Lankau: Unter dem Joch der Digitalisten (Biblionetz:t17735)
Chris Rowan: Verbietet euren Kindern Smartphones! (Biblionetz:t17914)
Manfred Spitzer (2016): Risiken und Nebenwirkungen digitaler
Informationstechnik (Biblionetz:t19214)
Matthias Burchardt (2016) Beantwortung der Fragen zum Thema
Digitalisierung der Enquetekommission "Kein Kind zurücklassen"
(Biblionetz:t19213)
aufwach(s)en mit digitalen Medien
Standardsituationen der Technologiekritik

Kathrin Passig (2009) Merkur, Nr. 727

1. Biblionetz:a01018 Wozu soll das gut sein?


2. Biblionetz:a01019 Wer braucht denn sowas?
3. Biblionetz:a01020 Nur zweifelhafte oder privilegierte Minderheiten wollen das!
4. Biblionetz:a01021 Das ist nur eine Modeerscheinung, die wieder verschwinden
wird
5. Biblionetz:a01022 Das wird nichts verändern
6. Biblionetz:a01023 Das ist nicht gut genug
7. Biblionetz:a01024 Schwächere als ich können damit nicht umgehen!
8. Biblionetz:a01025 Es zeugt von mangelndem Anstand
9. Biblionetz:a01026 Es führt zu verminderter Schreib-, Lese- und damit
Denkfähigkeit

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