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Michael Preiner

Liebevolle Worte
Wie Sie die häufigsten Fehler in einer
Partnerschaft dank
positiver Kommunikation vermeiden
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© 2008 Michael Preiner


© Fotos/PIXELIO – www.pixelio.de
Die Verlagsrechte liegen bei Michael Preiner
Balance-Team – Michael Preiner
1, place St. Pierre le Jeune, 67000 Strasbourg, Frankreich
Internet: http://balance-team.de
Kontakt: e-book@balance-team.de

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich


geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages un-
zulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Verviel-
fältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Ein-
speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
3

Dieses Buch ist meiner Frau Michaela gewidmet, die mir zu


allen Zeiten gezeigt hat, dass Sie mich liebt und immer für mich
da ist. Sie hat mich gelehrt, dass es die bedingungslose Liebe
gibt und hat mich immer unterstützt und ermutigt. Ohne ihre
Anregungen und ihr Vorbild wäre ich wahrscheinlich nicht fähig
gewesen, dieses Buch zu schreiben.

Außerdem danke ich meinen drei Kindern, Christopher,


Alexandra und Stefan, die mich gelehrt haben, dass Liebe und
Aufmerksamkeit mit nichts auf der Welt zu vergleichen ist und
durch nichts ersetzt werden kann. Ich bin für jede Minute
dankbar, die ich mit ihnen erleben durfte und noch darf.

Ohne meine Eltern und meine Geschwister wäre ich nicht der
Mensch, der ich bin. Sie haben mir die Achtung vor dem
Anderen beigebracht und sie waren stets Vorbild. Sie
vermittelten mir, dass über alles geredet werden kann, auch
wenn es nicht immer leicht fällt und dass die Familie immer für
mich da ist.
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort....................................................................................5
Einführung...............................................................................7
Positive Kommunikation..........................................................9
Wenn die Fetzen fliegen (Wie Sie weniger streiten oder Streit
ganz vermeiden)....................................................................19
Immer verlässt Du Dich auf mich (Tipps für Überforderte).....37
Du könntest auch mal mehr Dankbarkeit zeigen (Wie Sie
Wertschätzung zeigen können).............................................48
Ich glaube, wir leben in der Zwischenzeit in anderen Welten
(So entkommen Sie den Routinefallen).................................60
Reiche ich Dir nicht ? (Wenn ein Seitensprung die
Partnerschaft gefährdet)........................................................70
Das geht über unsere Kräfte (Vom Umgang mit großen
emotionalen Herausforderungen)..........................................86
Anhang..................................................................................97
Beziehungskiller..........................................................................97
Beziehungsturbos.......................................................................97
Beziehungen scheitern an negativer Kommunikation.................98
Positives Vokabular.....................................................................99
Turbowörter...............................................................................100
Tippsammlung:..........................................................................101
Maßnahmenplan.......................................................................105
VITA.....................................................................................106
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VORWORT

Jeder Mensch auf dieser Welt möchte geliebt werden.


Jeder sehnt sich nach einer glücklichen Partnerschaft.
Allerdings gibt es offenbar tatsächlich nur wenige, die
wirklich gemeinsam glücklich sind. Viele Menschen
versuchen deshalb fast alles, um ihre Partnerschaft zu
erhalten. Was die wenigsten aber wissen: die meisten
Probleme gehen auf Kommunikationsschwierigkeiten
zurück.

Häufig stellen sich die Partner dann Fragen wie diese:


„Was soll ich nur antworten, wenn?“ „Wie soll ich nur
darauf reagieren?“ „Warum erwische immer ich die oder
den Falschen?“ „Was soll ich denn ändern, um die
Beziehung zu retten?“ „Warum soll ich immer nach­
geben?“ „Warum versteht meine Partnerin oder mein
Partner mich einfach nicht?“

Diese und noch viele andere Fragen höre ich immer


wieder in meinen Coachings und Gesprächen, sogar im
Zug oder beim Einkauf. Die Not ist offensichtlich sehr
groß, aber auch der Wunsch, etwas positiv zu verändern.

Jede Zeitschrift und Zeitung, die etwas auf sich hält, hat
ihre Kummerseite, bei der sich der Großteil der Fragen
um Partnerschaftsprobleme dreht. Wenn ich die Literatur
und Hilfeseiten lese, dann fällt mir häufig eines auf: einer
schreibt vom anderen ab und die Ratschläge sind oft eine
6

Katastrophe. Der Großteil der Ratgeber gibt in Wahrheit


keine Tipps, sondern zieht sich auf Allgemeinplätze
zurück, die eben nicht aufzeigen, wie mit kleinen
Schritten eine erfüllte und glückliche Partnerschaft
gestaltet werden kann.

Einen gegenteiligen Ansatz verfolgt mein E-book. Hier


gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die Ihnen sofort um­
setzbares Praxiswissen liefern. Wenn Sie sich an die
Anleitungen in diesem Buch halten, dann werden Sie nie
mehr das Gefühl haben, dass Sie für Ihre Beziehung
mehr tun hätten sollen.

Nach einer grundsätzlichen Einführung in das Thema


„positive Kommunikation“ zeige ich Ihnen, anhand von
Beispielen aus meiner Praxis, Lösungen für alltägliche
Beziehungsklippen auf. Zusätzlich erhalten Sie Schritt-
für-Schritt-Anleitungen, die Sie in die Lage versetzen, bei
konkreten Herausforderungen in der Partnerschaft sofort
richtig zu reagieren. Außerdem werde ich Ihnen zeigen,
wie Sie Tag für Tag Fortschritte machen.

Mit positiven Grüßen

Ihr Michael Preiner


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EINFÜHRUNG
EINFÜHRUNG

Das Thema „positive Kommunikation“ beschäftigt mich


seit mehr als 15 Jahren. Die theoretische Basis stammt
aus mehreren Bereichen. Besonderen Einfluss auf mein
Verständnis der „positiven Kommunikation“ hatte die
humanistische Philosophie der Renaissance, die Psy­
chologie, im Speziellen das Konzept des Unbewussten
von Sigmund Freud, aber auch moderne,
psycholinguistische Tendenzen. Zudem wird diese Idee
von der Transformationsgrammatik in der Linguistik und
der modernen Sozial- und Neuropsychologie wesentlich
beeinflusst.

Sie sehen also, mein Zugang fußt auf einem breiten


Spektrum an theoretischem Hintergrund, der für Sie
interessant ist, wenn Sie sich wissenschaftlich mit dem
Thema „positive Kommunikation“ auseinander setzen
wollen. Zusätzlich zu all diesen theoretischen Aspekten
kommt einfach eine riesige Portion Lebenserfahrung und
eine glückliche und lehrreiche Kindheit in einer
Großfamilie zum Tragen. (7 Geschwister brachten mir
schnell ziemlich viel über Kommunikation bei)

Jetzt haben Sie zumindest eine Idee, aus welchen


Bereichen sich meine Beiträge zum Thema „positive
Kommunikation“ speisen. Aber genug der Theorie und
keine Sorge - anders als beim Großteil der Bücher im
Bereich Lebensberatung, liefert mein E-book 100% sofort
8

umsetzbares Praxiswissen.

Vorneweg noch ein Hinweis, den Sie unbedingt


beherzigen sollten. Wenn ich dazu rate, Beispiele und
Tipps schriftlich auszuführen, so nehmen Sie auch
tatsächlich ein Tagebuch oder einen Block zur Hand und
führen Sie die Übungen sofort durch. Die Hilfe und der
Nutzen, den Sie daraus ziehen, sind wesentlich stärker,
als wenn Sie versuchen, die Übungen nur im Kopf
durchzuführen.

Und jetzt geht es an das Eingemachte.


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POSITIVE KOMMUNIKATION

„Positive Kommunikation“ lässt sich folgendermaßen


definieren:

„Positive Kommunikation“ legt ihren Schwerpunkt sowohl


auf die verbale als auch auf die nonverbale
Kommunikation. Sie hat das Ziel, bei der Gesprächs-
partnerin oder dem Gesprächspartner ein positives
Gefühl zu hinterlassen. „Positive Kommunikation“ wirkt
vor allem auf der Beziehungsebene und beruht auf dem
Prinzip der Gleichwertigkeit und Wertschätzung.

Die Aufmerksamkeit liegt hauptsächlich auf der Wortwahl,


die nur ein Ziel hat, nämlich die eigenen Bedürfnisse in
akzeptabler Weise in der Partnerschaft auszudrücken.

Ich verfolge den Leitgedanken, dass man alles sagen


kann, es kommt nur auf die richtige Art und Weise und
den richtigen Zeitpunkt an.

„Positive Kommunikation“ erfordert eine kritische Über-


prüfung des eigenen Wortschatzes und der „Selbst-
gespräche“. In meinen Beziehungscoachings fällt mir
immer wieder auf, dass der Großteil der Ratsuchenden
ziemlich fürchterliche, innere Dialoge führt.

Viele denken oder sprechen sich folgende Sätze vor: „Ich


weiß nicht, wie ich es sagen soll.“ „Es ist zu schön, um
wahr zu sein.“ „Habe ich diese Partnerschaft überhaupt
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verdient?“ „Ich kann es sowieso nie Recht machen.“ „Der


oder die nutzt mich ja bloß aus.“ Oder zu guter Letzt: „Ich
tauge zu nichts, nicht einmal meine Partnerschaft
bekomme ich geregelt.“

Wie soll eine Partnerschaft unter der Voraussetzung


solch innerer Dialoge gelingen? Wer so über sich und die
Partnerschaft denkt, die oder der muss sich nicht
wundern, wenn er oder sie eine nicht ganz einfache
Partnerschaft erlebt. Natürlich weiß ich auch, dass solche
Dialoge meist auf die Kindheit zurückgehen und häufig
nur das wiedergeben, was wir als Kind oder Teenager
immer wieder von Lehrern, Eltern und sonstigen
Menschen, die es gut mit uns gemeint haben, hörten. Um
sich Ihres eigenen, inneren Dialoges in Zusammenhang
mit Ihrer Partnerschaft bewusst zu werden, hier die erste
Übung für Sie:

Übung
Am besten, Sie nehmen sich einen Block, oder
noch besser, ein Tagebuch, in das Sie alle
Übungen und Anregungen, die Sie aus diesem
Buch ziehen, notieren. Schreiben Sie auf die erste
Seite: „Mein Glückstagebuch für die Partner­
schaft“, das Datum von heute und schon kann
es losgehen.
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Übung

Partnerschaftsinventur meines inneren Dialoges

Schreiben Sie als Überschrift:


„Was ich über meine Partnerschaft denke.“

Dann geht es los. Schalten Sie, wenn Sie


möchten, Ihre Lieblingsmusik ein und notieren Sie
in den nächsten 10 Minuten alles, aber wirklich
alles, was Ihnen zum Thema Partnerschaft in den
Kopf kommt (positive und negative Eindrücke).
Schreiben Sie es wirklich nieder, auch wenn Sie
denken: „so ein Quatsch“ oder „Na, das kann ich
ja nicht aufschreiben“.
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Schreiben Sie alles auf. Sie haben ja Glück,


außer Ihnen erfährt ja niemand, was Sie
geschrieben haben, es gehört nur Ihnen und ist Ihr
Geheimnis. Beginnen Sie jetzt sofort. Führen Sie
die Übung tatsächlich durch, es ist Ihre Chance,
zu einer glücklichen und erfüllten Partnerschaft zu
gelangen. Es ist gut für Sie, glauben Sie mir. Es
kostet nichts, nur 10 Minuten Zeit und Ehrlichkeit
zu sich selbst.

Wenn Sie fertig sind, überprüfen Sie, wie viele


positive Aussagen und wie viele negative Sie
notiert haben. Markieren Sie jede positive Aussage
mit einem „+“ Zeichen und jede negative Aussage
mit einem „-“ Zeichen.

Wenn ich diese Übung im Coaching oder in


Seminaren durchführe, dann stellen die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer meist fest, dass
es sowohl positive als auch negative Aussagen
gibt. Ich gehe davon aus, dass dies bei Ihnen
genauso ist.

Sollten Sie nur positive Statements haben, dann


blättern Sie einfach weiter zu den Kapiteln, die Sie
interessieren.

Sollten Sie nur negative Aussagen gesammelt


haben, dann arbeiten Sie dieses Buch konsequent
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durch und freuen Sie sich auf die positiven


Veränderungen, die Sie feststellen werden.

Sollten Sie sowohl positive, als auch negative


Aussagen aufgeschrieben haben, dann geht es
folgendermaßen weiter. Ziehen Sie einen Strich
längs über das nächste Blatt und machen oben
links ein „+“ Zeichen und oben rechts ein „-“
Zeichen. Nun schreiben Sie in die linke Spalte die
positiven Aussagen und in die rechte Spalte die
negativen.

In welcher Spalte haben Sie mehr Aussagen?


Welche Sätze sprechen oder denken Sie häufiger?
Welche Auswirkungen haben diese Aussagen auf
Ihre Partnerschaft?
Wie reagiert Ihre Partnerin oder Ihr Partner auf die
positiven Aussagen?

Sie werden sehr schnell feststellen, dass sowohl in der


Spalte „+“ als auch in der Spalte „-“ Aussagen stehen, die
sie häufiger benutzen. Das ist ganz normal, das machen
ungefähr 90% aller Menschen.

Was bedeutet dieses Ergebnis nun für Sie? Sie haben


sowohl negative als auch positive Assoziationen zum
Thema Partnerschaft und diese Assoziationen beein­
flussen Ihre Denkweise über Partnerschaft und führen
dazu, dass es Ihnen nicht immer gelingt, optimal auf die
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alltäglichen Herausforderungen einer Partnerschaft zu


reagieren. Auf den nächsten Seiten werden wir uns
einzelnen Partnerschaftsklippen widmen und ich werde
Ihnen zeigen, wie Sie positiv damit umgehen können.
Sie werden sehr schnell merken, dass es häufig nur
eine Kleinigkeit in der Formulierung oder in der Aktion ist,
die den Unterschied macht, aber genau diese Kleinigkeit
hat häufig eine große Wirkung.

Folgende Herausforderungen werden wir uns im Detail


ansehen:

 Wenn die Fetzen fliegen (Wie Sie weniger streiten


oder Streit ganz vermeiden können)

 Immer verlässt Du Dich auf mich! (Tipps für


Überforderte)

 Ich glaube, wir leben in der Zwischenzeit in


anderen Welten (Wie sich Partner wieder
annähern und den Routinefallen entkommen
können)

 Reiche ich Dir nicht? (Wenn ein Seitensprung die


Partnerschaft gefährdet)

 Das geht über unsere Kräfte (Vom Umgang mit


großen emotionalen Herausforderungen)

Sie sehen: das Thema Partnerschaft ist ein Spannendes,


mit vielen Facetten. Zur Beruhigung möchte ich Ihnen
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hier zu Beginn noch eine wichtige Botschaft übermitteln:

„Sie sind nicht alleine mit Ihren Problemen und Ge-


fühlen“.

Es gibt sehr viele Menschen, die sich eine andere Art von
Partnerschaft wünschen, oder sich etwas anderes unter
einer gelungenen Partnerschaft vorgestellt haben. Die
Scheidungsraten beweisen dies und trotzdem verlieben
sich Menschen täglich neu und sind gewillt, eine
langfristige Partnerschaft oder Ehe einzugehen.

Dies alleine zeigt, dass es offensichtlich ein


Grundbedürfnis des Menschen ist, sich mit anderen zu
verbinden, und viele alles versuchen, um zu einer
schönen Partnerschaft zu gelangen.

Die zweite Botschaft, die ich in meinem Leben gelernt


habe und an Sie weitergebe, ist folgende:

„Die Zukunft gleicht nicht der Vergangenheit.“

Das bedeutet: jeder Tag ist neu und Sie können sich
ändern und Ihr Leben kann sich ändern. Nur weil etwas
in der Vergangenheit nicht geklappt hat, heißt es nicht,
dass dies auf immer und ewig so sein muss. Viele
Menschen ziehen Rückschlüsse aus ihrer Vergangenheit
und leiten daraus ihre Zukunft ab. Zum Beispiel: „Bei mir
geht sowieso jede Partnerschaft schief.“ Wenn Sie
jedoch täglich an Ihrer positiven Kommunikation feilen,
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werden Sie sehr schnell merken, wie sich Ihre


Beziehungen und Ihre Partnerschaft verändern. Das
Hervorragende an dieser Methode ist, dass Ihr Partner
oder Ihre Partnerin weder aktiv mitmachen müssen, noch
müssen Sie mit ihr oder ihm darüber vorher sprechen.
Nach meiner Erfahrung ist es genau dieser Aspekt, der
vielen hilft, den ersten Schritt zu wagen.

Also, gehen wir jede einzelne Herausforderung an und


erarbeiten wir gemeinsam Lösungen, die hundert­
prozentig funktionieren.

Bevor wir uns die einzelnen Themen im Detail ansehen,


gebe ich hier schon einmal einen kurzen Einblick, wie Sie
dafür sorgen, dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner sehr
häufig merkt, dass Sie ihn oder sie noch lieben. Denn
eines fällt mir häufig auf; je länger eine Partnerschaft
dauert, desto nachlässiger werden viele Menschen im
Bezug auf Liebesbeweise oder -erklärungen.

Übung
Nehmen Sie doch gleich nochmal Ihr Tagebuch
zur Hand und schreiben Sie 10 Gründe auf,
warum Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner
zusammen sind. Danach notieren Sie, warum Sie
sich verliebt haben und was das Liebenswerte an
Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner ist.
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Tipp

Machen Sie sich eine Liste, wie Sie Ihre Liebe


zeigen können.

Hier einige Ideen von mir:

• Sagen Sie einfach so ohne bestimmten Anlass: „Ich


liebe Dich“.

• Bringen Sie mal wieder Blumen mit.

• Kochen Sie ihr oder sein Lieblingsessen.

• Schenken Sie eine CD.

• Gehen Sie mal wieder schön Essen.

• Arrangieren Sie ein Candle-light-Dinner zu Hause.

• Bringen Sie das Frühstück ans Bett.

• Lassen Sie eine Badewanne ein, wenn Sie merken,


dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner einmal etwas
Entspannung braucht.

• Massieren Sie einfach mal den Nacken, wenn Sie das


Gefühl haben, der oder die Andere ist verspannt.

• Legen Sie die Lieblingsmusik ihrer Partnerin oder


ihres Partners auf. Einfach so.

• Schicken Sie eine SMS, eine Grußkarte oder ein E-


mail mit „ich liebe Dich“.
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• Erstellen Sie ein Fotoalbum mit den schönsten


Bildern Ihrer Partnerschaft.

Ich denke, das ist schon ein kleiner Ideenpool. Finden


Sie zusätzlich noch 3 bis 4 Möglichkeiten Ihre Liebe und
Zuneigung zu zeigen.

Tipp
Erinnern Sie sich an die schönsten Momente Ihrer
Partnerschaft.

Übung
Schreiben Sie die schönsten Momente Ihrer
Partnerschaft auf eine Extraseite. Lesen Sie diese
Seite einmal täglich und Sie werden merken, wie
sich Ihre Partnerschaft und Ihre Sichtweise auf
diese Partnerschaft positiv verändert.
19

WENN DIE FETZEN FLIEGEN (Wie Sie weniger streiten oder


Streit ganz vermeiden)

Streit und Zank sind die gängigsten Beziehungskiller,


auch wenn die Meinung vorherrscht, einer Beziehung
ohne Streit fehle die Würze. Ich benutze das Wort ‚Streit‘
zum Beispiel nie. Für mich gibt es Meinungs­
verschiedenheiten oder unterschiedliche Auffassungen,
über die ich mit meiner Frau auch spreche. Aber ge­
stritten haben wir noch nie. Welches Gefühl löst denn der
Begriff Streit bei Ihnen aus? Glauben Sie wirklich, dass
ein Streit der Beziehung erst die richtige Würze gibt? Ich
jedenfalls nicht und ich kenne auch, ehrlich gesagt,
niemanden, der mir bis dato bestätigt hat, dass er oder
sie mit vollster Inbrunst streitet und das auch noch klasse
findet. Also: Streit und Zank sind jene Kategorie an
Beziehungsstress, auf die der Großteil der Menschen,
ganz ohne das Gefühl etwas zu verpassen, verzichten
kann.

Übung
Schreiben Sie in Ihr Tagebuch einmal Ihre letzte
Meinungsverschiedenheit mit Ihrer Partnerin oder
Ihrem Partner und lassen Sie die Dialoge, die in
dieser Situation aufkamen, Revue passieren. Wer
hat mit dem Streit begonnen? Wie hat er sich
entwickelt? Wie haben Sie sich danach gefühlt?
Welche Auswirkungen hatte der Streit auf Ihre
Beziehung?
20

Machen wir doch am besten ein Beispiel. Herr Xaver sitzt


mit seiner Frau Grete auf der Couch und, wie das so ist
in einer normalen Familie, läuft der Fernseher und Herr
Xaver ist der Meinung, alle Programme im
Schnelldurchlauf ansehen zu müssen. Also zappt er von
einem Kanal zum nächsten. Seine Frau sagt bei Kanal
25:

„Halt einmal schnell an, das schaut ja interessant aus.“

Herr Xaver hält kurz inne und antwortet dann:

„Kannst gleich weiter gucken, ich schau schnell noch


mal, was in den anderen Programmen läuft.“

„Gib mir die Fernbedienung, ich will das jetzt aber


sehen“,

antwortet schon leicht gereizt seine Frau. Es geht noch


etwas hin und her, bis Herr Xaver die Fernbedienung mit
den Worten auf den Tisch wirft:

„Immer musst Du Recht behalten und ich muss nach


Deiner Pfeife tanzen, dann schau doch Deine blöde
Sendung“

und verlässt völlig genervt das Zimmer. Frau Grete lässt


dies aber nicht auf sich sitzen und läuft hinterher:

„Was heißt hier ich, da hast Du die blöde Fernbedienung,


mir ist es doch völlig egal, was wir gucken. Dass Du
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immer gleich eingeschnappt sein musst! Und außerdem,


wenn Du mich liebtest, dann würdest Du mich diese
Sendung ohne wenn und aber ansehen lassen!“

„Ich bin gar nicht eingeschnappt, aber was glaubst Du


denn, wer ich bin. Ich lass mir doch von Dir nicht immer
auf dem Kopf rumtanzen“,

schreit Herr Xaver schließlich seine verdutzte Frau an.

Und schon herrscht für die nächsten 3 Tage Funkstille.


Erinnern Sie sich an solch eine Art von Dialog? Vielleicht
kennen Sie jemanden persönlich, der auch schon ab und
zu so reagiert hat. Die Frage ist jetzt, wie hätte Mann
bzw. Frau denn anders reagieren können bzw. was ist
denn so falsch daran, hier seinen Frust loszuwerden?
Nun, drei Tage Funkstille und ein Gefühl des Nicht-
verstandenwerdens bleibt zurück. Das ist das schlechte
Ergebnis, aus dem ersichtlich wird, dass Frust loswerden
auf Kosten seines Gegenübers kein guter Ratschlag ist.
Allerdings ist dies nicht als Aufforderung zum
Hinunterschlucken oder klein beigeben gedacht. Wenn
Sie anderer Meinung als Ihr Partner oder Ihre Partnerin
sind, dann sagen Sie dies auch. Nachdem Sie dieses
Buch gelesen haben, werden Sie auch sehr genau
wissen, wie Sie dies auf liebevolle und wertschätzende
Art vermitteln können. Gehen wir also zurück und
schauen uns an, wie Herr Xaver anders reagieren hätte
können. Ausgangssituation:
22

„Halt einmal schnell an, das schaut ja interessant aus.“


(Frau Grete)

Diese Aussage an sich ist noch nicht weiter tragisch.


Frau Grete äußert ein Bedürfnis.

„Kannst gleich weiter gucken, ich schau nur schnell noch,


was in den anderen Programmen läuft.“(Antwort von
Herrn Xaver).

An sich auch noch nichts zum Streiten, oder? Und doch


entsteht ein handfester Streit daraus. Ich erkläre Ihnen
auch gleich warum. Frau Grete fühlt sich zu Recht
schlecht behandelt, denn sie hat ihren Wunsch artikuliert.
Ihr Mann ignoriert diesen zwar höflich, aber er ignoriert
ihn ja trotzdem. Er zappt fröhlich weiter. Was hätte ich an
seiner Stelle gemacht? Hier meine Herangehensweise
an diese Herausforderung: Ich hätte zuerst einmal eine
Frage gestellt, die da lautet:

„Schatz, willst Du das unbedingt sehen?“

In diesem Fall hätte Grete dann entweder mit „ja“ oder


„nein“ antworten können. Wäre die Antwort ja gewesen,
dann hätte es wieder nur zwei Fragen gegeben, die ich
mir gestellt hätte: ist es für mich akzeptabel, dieses
Programm zu sehen oder wäre es mir wichtig gewesen,
einmal alles durch zu zappen? Gehen wir einmal davon
aus, ich hätte unbedingt durchzappen wollen. In diesem
Fall hätte ich – wie es Herr Xaver auch hatte – ein
23

anderes Bedürfnis als meine Frau verspürt. Somit


standen sich zwei unterschiedliche Wünsche gegenüber.
Danach kommt die nächste Frage, die ich mir leise
gestellt hätte: Ist es mir so extrem wichtig, ob ich jetzt
durchzappen kann oder nicht?

Wie wir gesehen haben, hat ja im Originaldialog


zwischen Xaver und Grete zum Schluss keiner etwas er­
reicht. Wenn ich schon das Gefühl habe, dass ich
durchzappen muss, dann wäre es ratsam, wenn ich dies
meiner Frau auf eine akzeptable Weise erkläre. Mein
Vorschlag:

„Schatz, ich verstehe, dass Dich das interessiert, aber es


wäre für mich sehr hilfreich, wenn ich mich überzeugen
könnte, dass in den anderen Kanälen nichts läuft, was
uns beide noch mehr interessieren könnte. Macht es Dir
etwas aus, wenn ich schnell noch die anderen
Programme durchzappe? Dann können wir entscheiden,
was wir gemeinsam ansehen.“

Ich gebe meiner Frau damit zumindest die Chance, zu


antworten und signalisiere ihr, dass ich ihr Bedürfnis sehr
wohl erkannt habe, dass es aber ja sein könnte, dass es
eine Sendung gäbe, die uns noch mehr Spaß machen
würde. Ich signalisiere ihr damit auch, dass ich das
Gefühl habe, etwas zu verpassen, wenn ich nicht zuerst
alle Programme kurz anklicke. Wenn meine Frau
allerdings darauf besteht, das Programm laufen zu
24

lassen, dann kann ich mich ja auch entscheiden, etwas


anderes zu machen, oder eben mit meiner Frau ge-
meinsam das Programm anzusehen. Denn eine gute
Partnerschaft lebt nicht davon, dass Sie immer Recht
behalten, sondern, dass Sie auch mal nachgeben
können, obwohl es Ihnen im Moment nicht in den Kram
passt. Das nenne ich Nachsicht.

Ich weiß, dass Nachsicht nicht besonders hoch im


Selbstverwirklichungs- und Durchsetzungskurs steht.
Überall wird uns eingeredet, wir müssten unsere
Bedürfnisse immer durchsetzen und wenn der andere
uns liebe, dann mache es ihm oder ihr auch nichts aus.
Wie es auch Grete ausgesprochen hat.

Der oder die Andere könnte aber, um unser Beispiel zu


nehmen, auch andersherum argumentieren:

„Wenn Du mich liebtest, dann würde es Dir nichts ausma­


chen, dass wir jetzt durchzappen“, hätte mit dem selben
Recht wie Grete auch Xaver antworten können.

Merken Sie etwas? Das Recht auf einen erzwungenen


Liebesbeweis, welches der eine für sich in Anspruch
nimmt, kann mit derselben Berechtigung auch die
Partnerin oder der Partner in Anspruch nehmen. Diese
Argumentation verschärft meist die Situation noch und
die Partnerin oder der Partner findet sich noch mehr
unter Druck gesetzt oder psychisch misshandelt.
25

Tipp
Die Aussage: „Wenn Du mich liebst…“ ist eine
Killerphrase, die zu nichts, außer zu noch mehr
Streit und dem Vorwurf des Egoismus führt.

Heißt das dann, dass Sie immer klein beigeben müssen?


Nein, mit Sicherheit nicht.

Aber das eine oder andere Mal Nachsicht üben und


nachgeben, tut Ihrer Partnerschaft mit Sicherheit gut.
Denn auch Ihr Gegenüber wird viel eher dazu bereit sein,
wenn dies in Ihrer Partnerschaft gegenseitig so praktiziert
wird.

Allerdings sollten Sie eines wissen: wenn die Meinungen


ständig zu weit auseinander gehen, dann ist die Partner-
schaft auf Dauer wahrscheinlich nicht tragfähig.

Dann jammern Sie nicht über die schlechte Beziehung,


sondern beenden Sie diese. Dies aber bitte auf
anständige Weise und ohne Vorwürfe. Ab und zu muss
man feststellen, dass die Grundlage für eine dauerhafte
Beziehung nicht reicht. Dies ist natürlich schwer und es
verursacht Schmerzen. Zum Umgang mit Liebeskummer
gibt es demnächst ein eigenes E-book mit dem Titel:
„Love hurts“ von mir.

Kommen wir aber zurück zu unserem Dialog. Wie Sie


gesehen haben, bietet die „positive Kommunikation“ auch
immer die Chance, dass man nicht einer Meinung sein
26

muss, ohne dass sich der andere gleich nicht verstanden


oder gar unterdrückt vorkommt.

Sie wollen noch ein Beispiel? Gerne doch. Sebastian ist


25 Jahre alt und arbeitslos, seine Freundin Yvonne ist 23
Jahre und hat einen Job als Verkäuferin bei einem
großen Textilkonzern. Sie muss häufig bis 20 Uhr arbeiten
und wenn sie nach Hause kommt, dann muss sie meist
noch kochen und waschen und sich um den Haushalt
kümmern, da Sebastian es nicht geschafft hat, ihr etwas
abzunehmen. Versuchen Sie sich in die Lage und die
Gefühle von Yvonne hinein zuversetzen und lassen Sie
sich von meinen Anleitungen zu einer „positiven
Kommunikation“ überraschen.

Die Frage ist natürlich jetzt, wie erklärt sie ihrem Mann,
dass sie dies nicht ganz so nett findet. Der übliche Dialog
verläuft folgendermaßen. Yvonne lässt ihrem Frust freien
Lauf:

„Du hättest schon mal was zu essen kochen können und


eine Wäsche zu waschen, ist ja auch nicht zu viel
verlangt! Was machst Du eigentlich den ganzen, lieben
langen Tag?“

Verständlich, werden Sie einwenden, sie ist ja zu Recht


sauer und das muss dann halt mal gesagt werden. Ja,
Sie haben Recht, Yvonne muss mit Sebastian tatsächlich
darüber reden. Glauben Sie aber wirklich, dass mit solch
27

einer Ansage morgen dieser Zustand anders wird? Ich


glaube, dass entweder ein Wortgefecht folgt oder
Sebastian sich schmollend zurück ziehen wird. Beides
nicht im Sinne von Yvonne und nicht beziehungsfördernd.
Wie kommuniziere ich in solch einer Situation aber
positiv? Yvonne hätte das Gespräch so beginnen
können:

„Schatz, ich muss mit Dir mal reden, hast Du einen


Moment Zeit?“

So checkt Yvonne schon mal ab, ob Sebastian ge-


sprächswillig ist oder nicht.

Tipp
Führen Sie ein Gespräch nur dann, wenn der
Partner oder die Partnerin dazu bereit ist.

Zurück zu unserem Beispiel. Yvonne hat, wie gerade


vorgeschlagen, gefragt, ob Sebastian Zeit für ein
Gespräch hat. Sebastian antwortet darauf hin:

„Ja, was liegt denn an?“

Jetzt könnte sie ihr Anliegen wie folgt positiv formulieren:

„Ich bin ziemlich frustriert heute, denn ich habe mir so


gewünscht, dass es etwas zu essen gibt, wenn ich nach
Hause komme und es hätte mich riesig gefreut, wenn die
Wäsche auch gewaschen wäre.“
28

Bis dorthin liefert Yvonne noch keinen Grund zum Streit.


Sebastian hat die Chance zu erklären, warum er nicht
gekocht und gewaschen hat. Vielleicht hat er ja gute
Gründe. Oder eben auch nicht. Und jetzt zeige ich,
welche unglaubliche Kommunikation im Dschungel
zwischen Mann und Frau auch vorkommen kann:

Hier die Antwort von Sebastian:

„Kochen ist Frauenarbeit und Waschen auch. Was


glaubst Du eigentlich, wofür ich da bin? Ich bin ja nicht
Dein Kindermädchen.“

Eine Reaktion, die sicherlich unter 1000 Fällen nur


einmal vorkommt, aber ich habe Ihnen ja gesagt, ich
scheue mich nicht, auch in Extremsituationen Tipps zu
geben.

Der Streitlevel wird nach solch einer Ansage natürlich


erheblich steigen. Ich persönlich würde mich in solch
einer Situation ohnehin fragen, ob ich mit solch einem
Partner überhaupt noch gemeinsam weiterleben könnte.
Wenn Sie aber, genau wie in unserem Fall Yvonne auch,
entscheiden, dass jeder Mensch verdient hat, etwas
dazuzulernen und sich weiterhin in dieser Beziehung
behaupten wollen, dann wäre folgende Reaktion möglich.
Yvonne:

„Aha“.
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Nun sollte Yvonne kein Wort mehr sagen. Sie sind nun
sicherlich gespannt, wie Sebastian reagiert. Yvonne steht
also ruhig da und lächelt ihren Freund an. Es ist mit
keiner sehr kooperativen Antwort oder Reaktion zu
rechnen, denn, so wie Sebastian sich bis jetzt verhalten
hat, wird keine lösungsorientierte Formulierung kommen.
Yvonne kann in dieser Situation nur ganz entspannt und
heldenhaft Folgendes sagen, um nicht einen Streit zu
provozieren:

„Ich liebe Dich und deshalb glaube ich felsenfest daran,


dass wir für diese Sache eine Lösung finden. Ich bin
heute ziemlich müde und auch kaputt ich will schon gar
keinen Streit beginnen. Deshalb sollten wir uns vielleicht
bis morgen überlegen, wie wir das mit dem Kochen und
Waschen auf die Reihe bekommen.“

Ich weiß, für solch eine Reaktion würde Yvonne den


Friedensnobelpreis gewinnen und ich weiß auch, welch
ein emotionaler Kraftaufwand diese Reaktion bedeutet.
Gerade wenn wir ziemlich viel zu tun haben und wir nicht
ganz gut gelaunt sind, dann noch so zu reagieren,
klingt übermenschlich.

Aber sind wir ehrlich, was wäre die Alternative? Wut,


schreien, toben oder gar Geschirr durch die Wohnung
oder das Haus feuern? Vielleicht geht es Yvonne nach
solch einer Attacke für einige Augenblicke besser, aber
gelöst ist das Problem noch lange nicht. Sebastians
30

Laune würde nicht besser werden und heute ist mit ihm
offensichtlich nicht zu reden. Also ist es doch sehr
intelligent und klug von Yvonne, das Gespräch auf
morgen zu verschieben.

Tipp
Wenn Sie merken, dass Ihr Wutpegel gerade hoch
steigt, dann atmen Sie 3 mal tief durch und zählen
bis 30. Versuchen Sie, während dieser Atem- und
Zählübung sich ausschließlich aufs Atmen und
Zählen zu konzentrieren.

Sie werden merken, dass die Wut eine andere Qualität


bekommt und Sie wieder Frau oder Herr Ihrer Sinne sind
und so argumentieren können, wie ich es im Beispiel auf­
gezeigt habe.

Achten Sie allerdings darauf, dass Ihre Partnerin oder Ihr


Partner nicht merkt, dass Sie jetzt mal einen kurzen
Moment tief durchatmen müssen, denn Sie wollen ja
gerade, dass sie oder er Ihre Wut oder Ihren Ärger nicht
bemerkt.

Tipp
Stellen Sie sich vor einen Spiegel und atmen Sie
tief ein und beobachten Sie nur, wie dies aussieht.
Verändern Sie dann die Atmung solange, bis Sie,
ohne dass es sichtbar wird, tief einatmen können.

Durch die aufgezeigten Möglichkeiten der „positiven


31

Kommunikation“ hat Yvonne in dem Beispiel drei Dinge


signalisiert:

1. Sie liebt Sebastian und will nicht streiten


2. Sie akzeptiert die Aufteilung der Arbeit dennoch
nicht.
3. Sie wird zu einem anderen Zeitpunkt mit
Sebastian über diese Herausforderung
sprechen.

Ab und zu ist es geschickter, keine Lösung zu suchen,


wenn die Emotionen hoch gehen. Sie haben in so einem
Fall die Möglichkeit, in Ruhe über das noch zu haltende
Gespräch nachzudenken. Vor allem, wie Sie Ihr Anliegen
positiv formulieren werden. Der Vorteil an der vertagten
Aussprache ist auch, dass Sie die Argumente und
Reaktionen ja bereits kennen und das Gespräch
dementsprechend vorbereiten können.

Sollte es - wider Erwarten - doch einmal zum Streit kom­


men, schlage ich Folgendes vor:

 Versuchen Sie, den Streit so kurz wie möglich zu


halten

 Gehen Sie nach dem Streit kurz in ein anderes


Zimmer, um sich zu beruhigen

 Entschuldigen Sie sich für Ihr Verhalten und die


Verletzungen, die in einem Streit immer vor­
32

kommen, aber erst dann, wenn Sie wirklich in der


Lage dazu sind

 Zeigen Sie Ihre Liebe

 Verzeihen Sie dem Anderen

 Lachen Sie miteinander

 Zeigen Sie eine „Ach-komm-schon-Geste“

Tipp
Sich nach einer Auseinandersetzung wieder liebe-
voll in die Augen sehen zu können, zeigt ganz
besonders Ihre noch vorhandene, emotionale
Verbundenheit.

Alle, die so eine Situation schon erlebt haben, kennen


dieses besondere Glücksgefühl. Streicheln Sie über die
Wange Ihrer Partnerin oder Ihres Partners, nehmen Sie
sich in den Arm oder hauchen Sie ein Küsschen in
Richtung Ihres Gegenübers. Setzen Sie diese Gesten
aber nur dann ein, wenn bei Ihnen kein Gefühl mehr von
Wut oder Bitterkeit besteht, sondern Sie offen und ehrlich
wieder Frieden schließen möchten. Wieder aufeinander
zugehen können, stärkt Ihre Partnerschaft.

Für Situationen, in denen eine Meinungsverschiedenheit


droht, oder wenn ich gar nicht merke, dass ich auf den
Nerven meiner Frau spazieren gehe, habe ich mit ihr
eine ganz einfache Sache vereinbart.
33

Wir haben ein Codewort und das heißt „Erde an


Astronaut“. Wenn einer von uns beiden „Erde an
Astronaut“ sagt, weiß der Andere genau, „jetzt ist es
genug“ und wir treten gedanklich einen Schritt zurück.
Nach kurzem Überlegen, was jetzt eigentlich los war,
müssen wir dann meist lachen und schon ist die Situation
wieder entspannt.

Unser gewähltes Codewort bringt zum Ausdruck, dass


wir in diesem Moment nicht „in der gleichen Sphäre
schweben“ und vermittelt ein bestimmtes Bild; dass sich
nämlich einer von uns mit voller Astronautenmontur im All
abplagt, während der andere das Treiben verwundert von
der Erde aus betrachtet. Schmunzeln und Lachen durch-
bricht sofort das zuvor Gesagte oder Getane. Auf diese
Weise besteht die Möglichkeit, einen Shiftwechsel durch-
zuführen, und das Gespräch in einer anderen Art und
Weise fortzuführen.
Tipp
Vereinbaren Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem
Partner doch auch ein Codewort und Sie werden
merken, die Situationen, in denen Sie streiten,
werden einfach weniger.
34

Was gibt es Schöneres, als das Gefühl des liebevollen


„Ach, komm schon...!“

Übung
Jetzt ist es Zeit, sich der Übung von Seite 19 noch
einmal zu widmen. Sie haben eine Ihrer letzten
Meinungsverschiedenheiten beschrieben und die
Dialoge Revue passieren lassen.

Notieren Sie jetzt mit dem Wissen, dass Sie sich


bis jetzt erarbeitet haben, wie Sie anders
reagieren hätten können. Stellen Sie sich nun vor,
dass die Meinungsverschiedenheit positiv gelöst
worden ist und wie gut es Ihnen nun geht und um
wie viel zufriedener Sie mit Ihrer Partnerschaft
jetzt sind.
35

Zusammenfassung

 Überlegen Sie bei einer Meinungsverschiedenheit,


ob es sich lohnt zu streiten, oder ob Sie in der
Lage sind, Nachsicht zu üben.

 Beginnen Sie ein Gespräch nur dann, wenn Ihre


Partnerin oder Ihr Partner auch bereit dazu ist.

 Wenn Ihre Emotionen sehr hoch sind, atmen Sie 3


Mal tief durch und zählen bis 30, bevor Sie
antworten, oder das Gespräch beginnen. Tun Sie
dies möglichst unauffällig, gehen Sie aufs WC, in
einen anderen Raum oder drehen Sie sich
unauffällig zur Seite.

 Vertagen Sie ein Gespräch auf einen anderen


Zeitpunkt, wenn Sie das Gefühl haben, dass es
kein guter Zeitpunkt für ein Gespräch ist.

 Wenn Sie über eine Aussage irritiert sind, oder


diese nicht akzeptieren wollen, fragen Sie noch
einmal, was Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner
darin wirklich wichtig ist.

 Machen Sie keine Vorschläge, die Sie nicht halten


können.

 Versuchen Sie unbedingt, Vorwürfe in Streit-


situationen zu vermeiden, auch wenn es Ihnen
schwer fällt .
36

 Schließen Sie nach einem Streit wieder Frieden


und wenn es verziehen ist, dann ist es verziehen
und es gibt kein Nachtragen.

Machen Sie es nicht wie Gerhard Polt, der bekannte


Kabarettist, der hierzu eine wunderbare Aussage in
einem seiner Sketche schrieb: „Das die Frau Huber so
nachtragend ist, das vergess ich ihr nie!“
37

IMMER VERLÄSST DU DICH AUF MICH (Tipps für


Überforderte)

Es gibt Momente, da fühlt man sich einfach überfordert


oder die Partnerschaft hat den Touch der Einseitigkeit.
Viele Menschen formulieren das so: „Der Andere verlässt
sich immer darauf, dass ich eine Lösung finde.“ „Sie/er
glaubt immer, dass mir etwas einfallen wird“. „Sie/er ist der
Meinung, ich würde schon für Unterhaltung sorgen.“ Wenn
Sie dieses Gefühl der einseitigen Überforderung haben,
dann hilft es nichts, sie müssen mit Ihrer Partnerin oder
Ihrem Partner darüber reden.

Folgender Gesprächseinstieg ist dann für mich eine


Lösung:

„Ich liebe Dich und deswegen habe ich auch den Mut, Dir
etwas zu sagen. In letzter Zeit fühle ich mich etwas
überfordert und habe das Gefühl, dass alle Ver­
antwortung auf meinen Schultern lastet. Dies ist ziemlich
anstrengend für mich und ich würde mich riesig freuen,
wenn wir gemeinsam eine Lösung dafür fänden“.

Es ist keine Schande, wenn Sie Ihrer Partnerin oder


Ihrem Partner auch Ihre menschliche Seite zeigen und
nicht immer die starke Frau oder den starken Mann
spielen, der oder die alles im Griff hat. Und Sie werden
verblüfft sein: wenn Sie frühzeitig Ihre Bedürfnisse be­
schreiben, dann ist die Partnerin oder der Partner auch
sicherlich bereit, einen Teil der Last zu tragen und geht
38

nicht davon aus, dass Sie schon alles schaukeln werden.

Viele Menschen neigen dazu, alles solange in sich hinein


zu fressen, bis sie es im wahrsten Sinne des Wortes
dann wieder auskotzen müssen. Allerdings kommt dieses
„Auskotzen“ dann so überfallsartig, dass die Partnerin
oder der Partner so geplättet ist, dass sie oder er gar
nicht weiß, was sie oder er jetzt eigentlich tun soll. Sie/er
ist dann ob des emotionalen Ausbruchs völlig verstört
und antwortet gar nicht, oder just das Falsche.

Also: geben Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner eine


Chance und sagen Sie, wenn Sie etwas belastet oder
anstrengt. Sprechen Sie aber bitte in Ich-Botschaften
von sich und Ihren Empfindungen und nicht in Du-
Botschaften nach dem Motto: „Du machst mich verrückt!“
Denn was soll Ihr Gegenüber denn darauf antworten?

Ich gehe einmal davon aus, dass Sie niemand verrückt


machen will und dass dies auch kein Konzept für eine
Partnerschaft ist. Es gibt natürlich Menschen, die ihre
Unzulänglichkeit an Anderen auslassen wollen. Bei aller
Selbstkritik und allem Hinterfragen der eigenen Rolle in
Konflikten und Streitigkeiten, sollten Sie immer
überprüfen, ob wirklich auch immer Sie mit den
Vorwürfen gemeint sind. Denn manchmal passiert es
auch, dass einfach jemand seine persönlichen Defizite
auf Ihre Kosten kompensiert. Dann empfehle ich in den
meisten Fällen eine Trennung, denn: verlassen Sie sich
39

in so einem Fall nicht darauf, dass sich am Verhalten


Ihrer Partnerin oder Ihres Partners etwas ändert. Dies ist
nur dann der Fall, wenn sich die Person auch wirklich
ihren Defiziten stellt und beginnt, bewusst an einer
Veränderung zu arbeiten. Wenn Sie in solch einer
Situation stecken, dann fragen Sie sich: Wie oft wurde
eine Veränderung schon versprochen und habe ich die
Kraft und Liebe, um diese Situation weiter auszuhalten?
Wenn nicht, dann sollten Sie sich trotz allen Schmerzes
für eine Trennung entscheiden. Allerdings sind solche
Beziehungen eher die Ausnahme. Um auf die „positive
Kommunikation“ zurückzukommen, lässt sich in solchen
Situationen nur anmerken, dass Sie Ihre Bedürfnisse auf
positive Art ausdrücken sollten. Geben Sie Ihrer Partnerin
oder Ihrem Partner die Chance, Ihnen zu beweisen, dass
sie oder er Sie liebt.

Was genau sind jetzt aber diese Ich-Botschaften bzw.


was sind keine? Ich-Botschaften haben nur ein Ziel und
das lautet: reden Sie nur über Ihre Gefühle und
Empfindungen und machen Sie nicht den Partner oder
die Partnerin für Ihre Gefühle verantwortlich.

Ich-Botschaft-Beispiel
„Ich habe das Gefühl, dass die ganze Arbeit an mir
hängen bleibt“
40

Du-Botschaft
„Du trägst nie den Müll hinunter“

Ich erlebe es immer wieder, dass manche meinen, weil


ein Satz mit ich beginnt, wäre er schon eine Ich-
Botschaft, obwohl das Gegenteil der Fall ist:

Beispiel:
„Ich fühle mich in unserer Partnerschaft im Moment
ziemlich überfordert, weil Du Dich immer auf mich
verlässt und davon ausgehst, dass ich schon eine
Lösung wüsste.“

Diese Aussage ist eine Ich-Du-Botschaft, denn Sie


beschreibt nicht nur die Gefühle und Wünsche, die Sie
haben, sondern macht eindeutig einen Vorwurf und führt
entweder zur Rechtfertigung oder zum Trotz. Beides
sicherlich nicht die Reaktion, die Sie sich wünschen.
Außerdem unterstellen Sie hier Ihrer Partnerin oder
Ihrem Partner, Sie nicht mehr zu lieben und geben ihr
oder ihm die ganze Schuld.

Auch wenn einige Psychologen wie Thomas Gordon der


Meinung sind, der angeführte Satz sei eine Ich-Botschaft,
da diese ja Ihre Gefühle beschreiben würde, ist und
bleibt dies eine Kombinationsbotschaft, die den
Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin in die
Defensive drängt und somit die Reaktion „Angriff oder
Flucht“ auslöst. Diese Art von Ich-Du-Botschaft ist für
41

mich ein Beziehungskiller, da er auch noch äußerst


perfide eingesetzt wird. Wenn Sie so eine Botschaft
verwenden und Ihre Partnerin oder Ihr Partner darauf
hinweist, dass dies ja ein Vorwurf ist, dann können Sie
sich immer darauf hinaus reden, dass Sie ja nur Ihre
Gefühle ausgedrückt haben und Ihr Gegenüber das
akzeptieren muss. Dies ist derselbe Effekt wie auf Seite
24 beschrieben. Versuchen Sie also, diese Ich-Du-
Botschaften zu vermeiden.

Achtung: Nicht jeder Satz der mit Ich anfängt, ist eine
Ich-Botschaft.

„Ich fühle mich im Moment ziemlich beansprucht, da ich


das Gefühl habe, die ganze Verantwortung liegt bei mir.
Ich würde mich freuen, wenn wir die Aufgaben anders
verteilen könnten.“

In diesem Fall haben wir es wieder mit einer reinen Ich-


Botschaft zu tun. Sie sprechen nur von sich und Ihren
Gefühlen und Erwartungen, zeigen aber auch, dass Ihrer
Meinung nach etwas geändert werden sollte.
42

Wie formulieren Sie jetzt elegant eine Ich-Botschaft,


wenn Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin etwas
vereinbart haben und er oder sie hat sich nicht daran
gehalten? Gehen wir davon aus, dass es vereinbart war,
dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner den Müll hinunter
tragen sollte, dies aber nicht getan hat. Ein positiver
Gesprächseinstieg für so einen Fall ist:

„Ich bin im Moment sehr verwirrt, da ich gedacht habe,


wir hätten eine Regelung wegen des Mülls gefunden. Ich
würde mich freuen, wenn wir uns darüber nochmal
unterhalten könnten.“

Natürlich müssen Sie ansprechen, dass Sie dachten, es


wäre vereinbart gewesen. Hier macht vor allem der Ton
die Musik. Sagen Sie es ganz neutral und ohne
vorwurfsvollen Ton.

Wenn Sie sich den Satz genau ansehen, hat Ihre


Partnerin oder Ihr Partner noch die Chance, Ihnen
mitzuteilen, dass er oder sie eben das Gefühl hatte, den
Müll nicht hinunter tragen zu müssen. Die Wortwahl „ich
bin verwirrt“, hat zwei Effekte:

1. Sie geben sich und der Partnerin oder dem


Partner nicht das Gefühl, dass Sie sich schlecht
fühlen oder übel gelaunt wären.

2. Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann die Verwirrung


beenden und sich entweder entschuldigen oder
43

zumindest sagen, er oder sie habe es vergessen


und kann es gleich nachholen.

Dann ist das Ziel erreicht, er oder sie hat den Müll runter
gebracht und es ist auch zu keinem Streit oder Disput
gekommen. Hier sehen Sie also, dass es Worte gibt, die
ich als streithemmend bezeichne. Die Wortwahl hat eine
wesentliche Auswirkung auf Sie und Ihre Partnerin oder
Ihren Partner. Natürlich können Sie jetzt sagen: „Aber
wenn ich böse bin, dann bin ich böse und nicht verwirrt!“
Ich frage mich in solchen Situationen häufig, ob ich mein
Ziel erreichen will, oder ob ich Recht behalten will. In den
allermeisten Fällen ist mir in solchen Situationen mein
Ziel wichtiger als alles andere. Ich gehe davon aus, dass
dies auch bei Ihnen so ist.

Oft werde ich gefragt, ob denn eine so bewusste


Kommunikation nicht manipulierend sei und ob eine
Partnerschaft, die dieser Kommunikation bedarf, über-
haupt ehrlich gemeint und gelebt wird. Viele empfinden
diese Art von Kommunikation als unehrlich oder auf-
gesetzt und gehen davon aus, dass gerade die
Partnerschaft eine ehrliche und offene Kommunikation
verträgt. Sie haben Recht: eine gute und glückliche
Partnerschaft verträgt auch solche Situationen und es ist
für mich immer interessant gewesen, dass gerade sehr
gut funktionierende Partnerschaften die „positive
Kommunikation“ nutzen. Es kommt bei solchen Paaren
44

ganz selten das Gefühl auf, dass dies eine aufgesetzte


Sache sei.

Ich bin der Meinung, dass sich Kampf und Krampf in der
Partnerschaft nicht lohnen und auch nicht auszahlen.
Wenn Sie berücksichtigen, dass jede Beziehung eine Art
emotionales Konto hat und Sie mit jeder „negativen
Kommunikation“ ein Soll verursachen und mit jeder
„positiven Kommunikation“ ein Haben, dann versteht es
sich von selbst, dass Sie Ihr Konto lieber im Haben
sehen möchten, als im Soll. Es ist nachgewiesen, dass
Sie 5 mal soviel an positiver Kommunikation einzahlen
müssen, um Ihr emotionales Partnerschaftskonto auf
„Null“ zu halten als an „negativer Kommunikation“. Im
Klartext: wenn Sie etwas gesagt haben, dass Ihre
Partnerin oder Ihren Partner verletzt hat, müssen Sie
fünf positive Eindrücke folgen lassen, um die psychische
Verletzung wieder auszugleichen. Schon aus dieser
Erkenntnis heraus gibt es für mich keine Alternative zur
„positiven Kommunikation“ und Sie werden auch merken:
je häufiger Sie positiv kommunizieren, umso vertrauter
wird Ihnen die „positive Kommunikation“ und umso
leichter fällt diese Ihnen auch. Ich gehe davon aus, dass
Sie das beste für Ihre Beziehung wollen und dass Ihnen
ein positives Partnerschaftskonto wichtig ist.
45

Achtung: Für jede negative Emotion müssen Sie in


der Partnerschaft fünf positive Gefühle und
Erinnerungen auslösen.

Wie ich schon einmal betonte, gibt es für mich einige


Worte, die ich nicht verwende. Streit ist eines davon, ich
habe es durch „Meinungsverschiedenheit“ ersetzt. Ein
anderer Begriff ist Stress. Ich kenne keinen Stress, ich
kenne nur Situationen, in denen ich „sehr beansprucht
bin“ aber meistens ersetze ich das Wort Stress durch
folgende Formulierung: „ich bin heute wieder sehr
begehrt.“ Wenn ich dieses Beispiel im Seminar vortrage,
dann denken viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer im
ersten Moment, dass ich einen Scherz machen würde
und dass dieser Ausdruck ja nicht ernst gemeint sei. Oh
doch, es ist richtig ernst gemeint. Mit der Nutzung der
etwas außergewöhnlichen Formulierungen und dem
veränderten Wortschatz, geht es mir emotional meist
besser und ich bin fähig, besser und rationaler
entscheiden zu können und zusätzlich agiere ich selten
aus einer „negativen“ Emotion heraus. Warum ich Ihnen
das hier mitteile? Wenn Sie sich die Worte ansehen, die
in den positiven Formulierungen dieses Kapitels
verwendet wurden, so werden Sie feststellen, dass diese
von den meisten Menschen nicht gewählt worden wären.
Aber gerade diese Kombination aus Ich-Botschaft und
positivem Vokabular ist der große Unterschied zu
herkömmlichen Methoden der Gesprächsführung.
46

Es ist nicht leicht, sich einen anderen Wortschatz


anzugewöhnen und demotivierende Umschreibungen
aus dem Sprachgebrauch zu verbannen, aber es ist
machbar. Man kann dies mit dem Erlernen von fremden
Vokabeln vergleichen. Je öfter man diese durchliest und
ausspricht, je öfter man sich diese einprägt, umso
sicherer und natürlicher wird auch die Nutzung. Genauso
funktioniert der Gebrauch von neuen, motivierenden
Worten.

Tipp
Nehmen Sie die Liste von Seite 99 und ergänzen
Sie diese um eigene Worte. Drucken Sie sich
diese Liste aus und lesen Sie sich diese Worte so
oft wie möglich durch. Zum Beispiel auf dem Weg
zur Arbeit oder in einer Pause, nach dem Auf-
wachen oder vor dem Schlafen gehen.

Übung
Schreiben Sie in Ihr Tagebuch, was Sie aus einer
konkreten Überforderungssituation gelernt haben.
Überlegen Sie sich drei Formulierungen, die Ihnen
helfen, Ihre Bedürfnisse als Ich-Botschaften und
zusätzlich positiv zu kommunizieren.

Zusammenfassung

 Wenn Sie das Gefühl haben, überfordert zu sein,


kommunizieren Sie dies auch.
47

 Sprechen Sie rasch über Ihre Gefühle und warten


Sie nicht, bis sich bei Ihnen Wut oder Groll
angestaut haben.
 Kommunizieren Sie in echten Ich-Botschaften.
 Überlegen Sie sich vor einem Gespräch mit dem
Partner oder der Partnerin, wie dies ablaufen
könnte und wie Sie positiv kommunizieren werden.
 Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner getroffene
Vereinbarungen nicht einhält, machen Sie ihn oder
sie in Ich-Botschaften darauf aufmerksam.
 Erarbeiten Sie sich ein positives Vokabular.
 Kombinieren Sie die Ich-Botschaft mit positivem
Vokabular.
 Beachten Sie das emotionale Partnerschaftskonto.
48

DU KÖNNTEST AUCH MAL MEHR DANKBARKEIT DANKBARKEIT


ZEIGEN (Wie Sie Wertschätzung zeigen können)

Bei diesem Thema beginnen wir gleich mit einer sehr


persönlichen Erfahrung.

Ich habe als Hintergrund auf meinem Handy ein Foto


meiner Frau, von unserem ersten Besuch in Strasbourg.
Immer, wenn ich mein Handy benutze, sehe ich meine
Frau, wie Sie mich anlacht. Was will ich mehr. Ich freue
mich jedes Mal, wenn ich telefoniere und bin dankbar
dafür, dass ich mit dieser Frau mein Leben teilen darf.
Dankbarkeit ist eine Eigenschaft, die Sie sich in der
Partnerschaft unbedingt angewöhnen sollten, denn
Dankbarkeit führt zu Respekt und Wertschätzung.
Dankbarkeit kann man nur empfinden, wenn einem die
Partnerin oder der Partner wertvoll und wichtig ist.

Tipp
Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Dankbarkeit
ausgedrückt?

Es gibt 1000 Anlässe, seine Liebe und Wertschätzung für


den Anderen kund zu tun und auszudrücken. Überlegen
Sie nicht lange, und sprechen Sie Ihre Liebe und
Dankbarkeit bei allernächster Gelegenheit aus. Denken
Sie nur, wie es Ihnen geht, wenn Ihre Partnerin oder Ihr
Partner sagt „ich liebe Dich und bin dankbar, dass Du bei
mir bist“.
49

Häufig höre ich bei diesem Tipp vor allem von Männern:

„Meine Partnerin würde ganz schön dumm gucken und


mich fragen, was ich ausgefressen habe.“

Dies ist für mich ein Zeichen, dass diese Männer of­
fensichtlich viel zu selten einfach so ihre Liebe bekundet
haben. Für diese Männer habe ich folgenden Tipp:

„Schatz, ich habe das Gefühl, dass ich es Dir bis jetzt viel
zu selten gesagt habe. Ich muss es heute einfach
loswerden: ich liebe Dich und bin froh, Dich an meiner
Seite zu haben.“

Was glauben Sie meine Herren, wie Ihre Partnerin da


guckt. Seien Sie nicht überrascht, dass für einige Se­
kunden ein Staunen in dem Gesicht Ihrer Partnerin zu
sehen ist. Am besten ist, Sie schieben dann einen lie­
bevollen Kuss hinterher und Sie werden eine Frau
erleben, die strahlt und fröhlicher dreinschaut als zuvor.
Und ein Tipp für die Damen, die vielleicht bis dato eher
ungläubig auf solch eine Situation reagiert haben. Es ist
überhaupt nicht schwer mit:

„Ich liebe Dich auch und bin froh, dass Du mir das gesagt
hast“ zu antworten.

Dann wird der Mann dies auch öfter mal sagen. Denn
wer will schön hören, dass er wohl was ausgefressen
habe, weil er auf einmal so nett ist. Aus verbaler
50

Hilflosigkeit oder Ungläubigkeit denken viele zuerst


einmal in diese Richtung. Genießen Sie die neue
Liebesbekundung einfach und freuen Sie sich über diese
schöne Geste Ihres Mannes.

Wenn diese liebevollen Worte öfter ausgetauscht


werden, kommen auch Ihre ursprünglichen, liebevollen
Gefühle wieder zurück und das Gefühl von Misstrauen
wird sich gar nicht erst wieder einstellen.
Selbstverständlich, meine Damen, gilt das eben
Beschriebene auch für Sie. Sollten Sie schon vor langer
Zeit „ich liebe Dich“ gesagt haben, dann wird es wieder
Zeit dazu.

Machen Sie folgende Übung:

Übung:
Schreiben Sie in Ihr Tagebuch für die nächste
Woche drei verschiedene Liebesüberraschungen.

1.

2.

3.

Machen Sie es jetzt. Sie werden sehen, es macht Spaß


und es gibt nichts Schöneres, als es sofort zu tun.
Außerdem erleben Sie dann das wunderbare Gefühl,
heute etwas für Ihre Partnerschaft getan zu haben.
Überraschen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner mit
51

Ihren Liebesbekundungen. Tun Sie es immer und immer


wieder, auch wenn Sie das Gefühl haben, Ihre
Bemühungen werden nicht richtig gewürdigt. Manchen
Menschen fällt es sehr schwer, mit Komplimenten und
Liebesbezeugungen richtig umzugehen. Aber steter
Tropfen höhlt den Stein. Ihr Partner oder Ihre Partnerin
lernt irgendwann, positiv damit umzugehen und findet es
dann auch richtig angenehm und schön. Hartnäckigkeit
zahlt sich hier richtig aus, denn Ihre Beziehung wird
dadurch viel zärtlicher und erfüllender. Und Ihr
Partnerschaftskonto wird dauerhaft im Haben sein.

Und hier kommt auch gleich noch ein Beispiel, bei dem
sich Dankbarkeit bewährt hat.

Die 30jährige Marion will ihrem Mann, dem 35jährigen


Wolfgang, mitteilen, dass sie sich wünsche, dass er mehr
Zeit mit der Familie verbringen solle. Abends arbeitet er
oft sehr lange und an den Wochenenden ist er meist am
Fußballplatz oder treibt mit seinen Freunden zum
Ausgleich Sport. Sie fällt eines Abends ziemlich
unvermittelt mit der Tür ins Haus:

„Schatz, Du ich bin mit den Kindern die ganze Woche


allein, Du kommst immer spät von der Arbeit. Es ist doch
nicht zu viel erwartet, dass Du zumindest am Wo­
chenende Zeit für uns hast.“

Wolfgang, der sich oft überarbeitet fühlt, antwortet auf die


52

seiner Meinung nach ungerechtfertigte Forderung:

„Was glaubst Du eigentlich, was ich hier mache? Glaubst


Du, mir macht es Spaß, jeden Tag bis spät in der Nacht
zu arbeiten. Ich reiße mir die Beine aus, dass Du mit den
Kindern ein schönes Leben hast und jetzt muss ich mir
das auch noch vorwerfen lassen. Andere Frauen wären
froh, wenn Sie so einen Trottel wie mich zum Mann
hätten.“

Beides keine sehr beziehungsfördernden Ansagen. Wie


hätten aber sowohl einerseits Marion als auch anderer-
seits Wolfgang positiv kommunizieren können?

Fangen wir diesmal bei Wolfgang an. Ohne seine


bisherigen Freiheiten völlig aufzugeben, hätte er
antworten können:

„Du Liebling, für mich wäre es auch schöner, wenn ich


mehr Zeit mit Dir und den Kindern verbringen könnte. Ich
muss leider am Abend oft länger arbeiten und an den
Wochenenden würde ich gerne eine gewisse Zeit mit
meinen Freunden verbringen. Ich mache Dir folgenden
Vorschlag; ich reserviere ein fixes Wochenende pro
Monat für die Familie. Ist das OK für Dich?“

Klingt schon viel konstruktiver und zeugt zusätzlich von


Liebe und Wertschätzung. Außerdem hat Wolfgang
Marion ein erstes Angebot unterbreitet, das ihr aber auch
Gelegenheit bietet, darauf einzugehen oder Gegen-
53

vorschläge zu machen. Nun aber zurück zu Marions


Ausgangsposition.

Sie hätte das Gespräch mit dem Wunsch nach mehr


gemeinsamer Zeit besser so beginnen können:

„Du Schatz, ich weiß, Du arbeitest die ganze Woche sehr


viel und bemühst Dich, es mir und den Kindern so schön
wie möglich zu machen. Ich würde mich freuen, wenn wir
an den Wochenenden mehr Zeit miteinander verbringen
könnten, denn ich und die Kinder freuen uns immer, wenn
wir gemeinsam was unternehmen. Glaubst Du, wir finden
hier eine Möglichkeit?“

Im Gegensatz zur ersten Variante hat Marion hier


wesentlich positiver und wertschätzender kommuniziert.
Dennoch könnte Wolfgang genervt reagieren, wie zum
Beispiel:

„Ich will halt auch mit meinen Freunden noch was


unternehmen, für die habe ich sowieso unter der Woche
nie Zeit. Also, ich kann Dir da nichts versprechen, Du
musst mich schon auch ein bisschen verstehen.“

Nicht gerade konstruktiv, aber zumindest ehrlich. Häufig


reagieren Partnerinnen und Partner in einer ähnlichen
Gesprächssituation mit Rückzug. Wie könnte Marion
aber dennoch positiv weiter kommunizieren, um doch
noch näher an ihr Ziel zu gelangen? Mein Vorschlag:
54

„Wolfgang, ist ja klar, dass Du auch Deine Freunde noch


sehen willst, und ich weiß ja, wie wenig Zeit Du hast. Es
muss ja auch nicht jedes Wochenende sein. Vielleicht
gibt es ja eine Lösung, bei der Du sowohl Zeit für Deine
Freunde hast als auch für uns etwas mehr Zeit einplanen
kannst. Lass uns mal gemeinsam überlegen, wie wir das
hin bekommen.“

Diese Reaktion zeigt viel Verständnis und auch, dass es


nur um etwas mehr Zeit geht. Sie ist also lösungs-
orientiert und es besteht kein Grund für Wolfgang, sich
angegriffen oder gar missverstanden zu fühlen. Also wird
es viel eher zu einer Lösung kommen, als wenn sich
Marion zurückzieht und sich denkt: „er will halt einfach
nicht.“

Mir fällt auf, dass vor allem Frauen sich in solchen


Situationen gerne zurückziehen und es dann zu einem
schwelenden Konflikt kommt. Es gibt allerdings auch
noch eine andere Situation, die häufig bei Paaren auftritt,
bei welchen ein Partner öfter zuhause ist als der andere.
Nehmen wir an, die Frau meistert den Haushalt und sorgt
für die Familie, ist für die Kinder verantwortlich und hört
nie ein Wort des Lobes. Nein, der Mann findet noch die
falschen Worte, um seinen Unmut über irgendetwas kund
zu tun. Beispiel:

Wolfgang:
„Jetzt arbeite ich den ganzen Tag und Du musst Dich nur
55

um den Haushalt kümmern und trotzdem ist es nicht auf­


geräumt, wenn ich nach Hause komme.“

Ziemlich starker Tobak, denken Sie? Ich kann Sie


beruhigen, solche oder so ähnliche Aussagen kommen
offen oder versteckt häufiger vor, als Sie glauben. Sie
wollen ein Beispiel für eine versteckte Aussage? Hier
kommt es. Wolfgang sagt süffisant:

„Ich stelle mir eine Frage: ob ich es jemals erleben


werde, dass ich nach Hause komme und die Wohnung
ist so aufgeräumt, wie ich es mir immer vorgestellt
habe?“

Eine versteckte Anklage wie diese, wird immer zynisch


empfunden, weil sie auch so gemeint ist. Aber Zynismus
hat in einer Partnerschaft überhaupt nichts verloren.

Die Antwort von Marion ist damit schon ziemlich klar,


denn Sie reagiert, wie fast jeder Mensch reagieren
würde:

„Du bist so gemein – glaubst Du, ich schlafe den ganzen


Tag? Ich mache hier alles alleine und Du kommst nach
Hause und nörgelst herum.“

Ich denke, der Großteil von uns versteht diese


menschliche Reaktion. Nur, sie bringt einfach nichts.
Denn Marion fühlt sich schlecht und Wolfgang ist auch
nicht gerade hypermotiviert. Die nächste Falle wartet
56

schon. Sollte Wolfgang nämlich wider Erwarten einlenken


und sagen:

„Ich glaube, ich habe Dir einfach zu viel zugemutet“

dann kann es ihm passieren, dass Marion noch wütender


wird.

„Willst Du damit sagen, dass ich nichts aushalte?“ ,

kommt prompt retour. Und schon ist Wolfgang völlig


ratlos, denkt er doch, er habe etwas sehr Liebes und
Nettes gesagt. Jetzt aber wieder Schritt für Schritt. Rollen
wir das Feld von hinten auf. Wie hätte Wolfgang seine
späte Einsicht vermitteln können?

„Marion, so, wie Du mir das alles erklärst, denke ich, ich
habe Deine Leistung unterschätzt und möchte mich bei
Dir bedanken, dass Du dies bis jetzt so gut gemeistert
hast. Ich hätte dies, glaube ich, nicht gemanagt
bekommen. Ich liebe Dich und wir sollten uns überlegen,
wie wir die Belastung für Dich verringern können.“

Merken Sie den Unterschied? Glauben Sie, Marion


kommt sich immer noch unterbewertet und ausgenutzt
vor? Ich denke, sie ist ob der Einsicht vielleicht verblüfft
und traut dem Frieden noch nicht ganz, was nach einer
Reihe von Vorerlebnissen auch nicht verwunderlich ist.
Trotzdem ist der Teufelskreis durchbrochen und Marion
glaubt wieder an die Liebe und dass es schon richtig war,
57

diesen Mann geheiratet zu haben. Außerdem hat sie


erlebt, dass es etwas gebracht hat, einmal etwas zu
sagen. Der Tipp von Bernhard Ludwig, dem
österreichischen Kabarettpsychologen, lautet in solchen
Situationen immer: „Reden Sie darüber.“

Dass Wolfgang überhaupt in der Lage war, nach seiner


Frage nach mehr Ordnung, seiner Frau ein
Unterstützungsangebot zu machen, kommt aus drei
Erkenntnissen, die er aus ihrer Antwort erhalten hat.

1. „Oje, ich habe mein Bedürfnis nach mehr Ordnung


völlig falsch ausgesprochen und meine Frau unter
Druck gesetzt“.

2. „Ich will meine Frau nicht überfordern, hätte aber


gerne eine aufgeräumte Wohnung.“

3. „Ich entschuldige mich für meinen falschen Ton,


zeige ihr meine Wertschätzung und versuche, eine
Lösung in Gang zu setzen.“

Nun, gehen wir zurück und fragen uns einfach, wie hätte
Marion auf den versteckten oder offenen Vorwurf
reagieren können?

„Wolfgang, ich verstehe, dass Du es gerne schön hast


wenn Du nach Hause kommst. Ich habe nur das Gefühl,
dass ich für den ganzen Haushalt alleine verantwortlich
bin und neben der Kindererziehung bleibt mir nicht immer
58

die Zeit, alles optimal zu machen. Ich würde mich sehr


freuen, wenn ich etwas Entlastung hätte und
verschiedene Aufgaben anders verteilt werden könnten.“

Immerhin steigt hier die Chance, dass Wolfgang von


seinem hohen, emotionalen Pegel herunter kommt und
nicht weiter diskutieren will und auch einsieht, dass er
etwas zur Lösung beitragen kann und muss.

Fazit: Auch hier gilt, dass beide Partner mit positiver


Kommunikation eher zum Ziel kommen, als wenn sie
sich mit gegenseitigen Vorwürfen das Leben schwer
machen.

Übung:
Schreiben Sie in Ihr Tagebuch, wie Sie in Zukunft
auf Vorwürfe anderes reagieren. Wie Sie das
Bedürfnis Ihrer Partnerin oder Ihres Partners
berücksichtigen. Notieren Sie 5 verschiedene „Ich-
Botschaften“ und stellen Sie sich drei
verschiedene Situationen vor, in denen Sie diese
anwenden.

Zusammenfassung

 Zeigen Sie Ihre Dankbarkeit so oft Sie können.

 Bedanken Sie sich nicht nur für Besonderes,


sondern gerade auch für Alltägliches wie Kinder
erziehen, kochen, putzen oder aufräumen.
59

 Zeigen oder kommunizieren Sie Ihre Dankbarkeit


auch außerhalb Ihrer 4 Wände „Danke Schatz,
dass Du mich abholst“ oder „Danke, dass Du die
schwere Kiste trägst“ dürfen auch die Ohren von
Fremden, Freunden oder Nachbarn hören.
60

ICH GLAUBE, WIR LEBEN IN DER ZWISCHENZEIT


ZWISCHENZEIT IN
ANDEREN WELTEN (So entkommen Sie den Routinefallen)

Es gibt in vielen Partnerschaften einen Zeitpunkt, an dem


sich etwas Langeweile breit macht. Die Gespräche
werden immer weniger und die gemeinsamen Aktivitäten
reduzieren sich merklich. Man hat sich nicht mehr soviel
zu erzählen und die nonverbale Kommunikation lässt
auch zu wünschen übrig.

Machen wir ein Beispiel: Sie kommt nach Hause und ihr
Partner ist schon zu Hause. Sie kommt durch die Tür und
er fragt: „Wie war Dein Tag?“ Sie rollt mit den Augen
und sagt: „Danke, dass Du fragst, eigentlich wie
immer.“ (Das Augenrollen passt nicht wirklich zu der
Aussage) „Was ist denn los, Du bist schon wieder so
genervt!“ antwortet er daraufhin. Kein netter Einstieg in
den gemeinsamen Abend. Wie wir an diesem Beispiel
sehen, waren beide nicht auf Streit aus. Allerdings kann
ein nonverbales Signal die Stimmung ziemlich verhageln.
Diese Inkongruenz oder Nichtübereinstimmung zwischen
Verhalten und Aussage führt immer zu Irritationen. Mit
dem Wort „eigentlich“ deutet die Frau an, dass etwas
nicht so war wie immer, sie aber nicht darüber sprechen
will, oder im Moment kann. Sie sehen an diesem
Beispiel, wie wir oft unbewusst unsere „wahre“ Stimmung
mitteilen und wenn unser Gegenüber sensibel genug ist,
dann fallen solche Ungereimtheiten einfach auf. Häufig
äußert sich dies auch nur in einem vagen Gefühl nach
61

dem Motto: „irgendwas an ihr (oder ihm) ist komisch. Ich


weiß nicht genau was, aber irgendetwas stimmt nicht.“

Tipp
Achten Sie auf Ihre Körpersprache und lassen Sie
Ihre Probleme nicht an Ihrer Partnerin oder Ihrem
Partner aus.

Für Situationen, wie die oben beschriebene, habe ich ein


eigenes Ritual entwickelt, um die negative Stimmung aus
dem privat Erlebten oder dem Beruf nicht mit in die
Partnerschaft hinein zutragen. Ich erinnere mich, bevor
ich nach Hause komme, ganz bewusst an das Gefühl, als
ich mich in meine Frau verliebte. Ich erinnere mich daran,
was ich gefühlt habe, als wir uns beide unsere Liebe
gestanden haben. Als die Schmetterlinge im Bauch zu
fühlen waren. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine
Probleme oder Sorgen. Es war nur wunderschön und ich
hatte das Gefühl, dass nichts und niemand uns je
auseinander bringen könnten. Und es ist bis heute so.
Ich glaube nach wie vor an die Macht der Liebe und bin
felsenfest davon überzeugt, mit dieser Frau alt zu werden
und den Rest meines Lebens zu verbringen. Dieses
Ritual hilft aber nicht nur, sich von negativen Stimmungen
zu befreien und dem Gegenüber liebevoll zu nähern.

Auch wenn es Ihnen einmal wieder scheint, dass Ihre


Beziehung etwas mehr Schwung vertragen könnte, dann
erinnern Sie sich doch an die ersten Tage und Wochen.
62

Überlegen Sie sich, was Sie alles getan haben, um Ihre


Liebe zu zeigen. Wie haben Sie sich auf jede
gemeinsame Minute gefreut und was haben Sie alles
zusammen in dieser Zeit erlebt!

Tipp
Wenn Sie Ihre Partnerschaft in Schwung halten
wollen, dann hilft folgende Methode immer: Ich
bezeichne diese Methode als die „Erinnerst-Du
Dich-noch-Methode“.

Diese Methode ist sehr einfach durchzuführen, denn Sie


müssen nur über das reden, was sie im Laufe Ihrer
Partnerschaft an Positivem erlebt haben. Am besten, Sie
beginnen gleich damit.

Übung
Nehmen Sie Ihr Tagebuch und schreiben Sie sich
10 gemeinsame Aktivitäten oder Erlebnisse auf,
die Ihnen beiden richtig Spaß gemacht haben.
Führen Sie eine „Erinnerst-Du-Dich-noch-Stunde“
pro Monat ein. Erzählen Sie sich von den positiven
Erlebnissen und beschreiben Sie auch die
Gefühle, die Sie dabei hatten. Auch was Sie sich
in dem einen oder anderen Moment gedacht
haben. Gerade die Beschreibungen Ihrer
damaligen Gedanken helfen Ihrer Partnerin oder
Ihrem Partner auch, Sie noch besser zu verstehen
und gehen über das gemeinsam Erlebte noch weit
63

hinaus. Sie werden merken, dies ist ein wahrer


Beziehungsturbo.

Häufig kommt es vor, dass Partner unterschiedliche


Interessen haben und nur sehr wenig gemeinsam
unternehmen. Wenn es bei unterschiedlichen Interessen
keine ausgeprägte Kommunikationskultur in der
Partnerschaft gibt, besteht häufig die Gefahr, dass man
sich auseinander lebt. Man hat das Gefühl, in zwei
verschiedenen Welten zu leben und keine gemeinsame
Schnittmenge mehr zu haben. Um diesem Phänomen
vorzubeugen, lautet der gängigste Ratschlag: „Halten Sie
Ihre Liebe frisch.“ Das ist ein völlig korrekter Vor­
schlag, nur in den meisten Fällen ist das Kind schon in
den Brunnen gefallen, wenn man merkt, dass man sich
auseinander gelebt hat. Hier rate ich als ersten Schritt
den zuvor beschriebenen Beziehungsturbo, die
„Erinnerst-Du-Dich noch-Stunde“ einzuführen. Dann
aber wartet schon die nächste Herausforderung auf Sie.

Jetzt geht es nämlich speziell um vermehrte Achtsamkeit


und Aufmerksamkeit, die man seiner Partnerin oder
seinem Partner zeigen und entgegenbringen soll.
Nehmen Sie wieder vermehrt und bewusst Anteil an den
Interessen, Aktivitäten und Hobbys Ihrer Partnerin oder
Ihres Partners. Fragen Sie doch wieder einmal, wie die
Arbeit war, oder was es Neues gibt.
64

Tipp
Hören Sie Ihrer Partnerin und Ihrem Partner eine
Stunde in der Woche einfach nur zu. Was sie oder
ihn bewegt, über was sie oder er gerade
nachdenkt, was so in ihm oder ihr vorgeht.

Mit dieser Methode behalten Sie den Kontakt unter-


einander und wissen immer, was so los ist.

Vorsicht: Machen Sie aus dieser Stunde aber kein


Polizeiverhör oder seien Sie nicht böse, wenn die
Partnerin oder der Partner mal nichts zu erzählen hat.

Hier eine Möglichkeit, wie Sie das Gespräch, in dem Sie


vorschlagen möchten, sich mehr Zeit füreinander zu
nehmen, beginnen können:

„Liebling, in letzter Zeit habe ich so wenig Zeit für Dich


gehabt. Ich habe mir etwas überlegt: ich würde mir gerne
wöchentlich eine Stunde Zeit nehmen, um einfach von
mir ein bisschen zu erzählen und zu hören, was bei Dir
gerade so abgeht. Was hältst Du denn davon?“

Jetzt kann Ihre Liebste oder Ihr Liebster selbst


entscheiden, ob dies für sie oder ihn auch wichtig ist.
Sollten Sie eine halbwegs intakte Beziehung führen,
dürfte sich Ihre Partnerin oder Ihr Partner über dieses
Angebot sicherlich freuen.
65

Tipp
Frühstücken Sie zum Beispiel am Sonntag
ausführlich gemeinsam und nützen Sie diese Zeit
für ein Gespräch.

Falls Sie Kinder haben, dann gilt dies selbstverständlich


auch für die ganze Familie. Versuchen Sie, mit Ihrer
gesamten Familie täglich zumindest das Frühstück oder
das Abendessen gemeinsam einzunehmen. Und bitte,
halten Sie nicht an der Tradition Ihrer Urgroßeltern fest:
„Beim Essen wird nicht gesprochen!“ Nützen Sie gerade
diese gemeinsame Zeit, um miteinander zu reden und
die Erlebnisse der Woche oder des Tages anzuhören.
Ich denke, zumindest eine gemeinsame Mahlzeit in der
Woche ist für jede Familie machbar. Kinder erzählen im
Prinzip von Haus aus gerne über ihre Erlebnisse in der
Schule oder im Kindergarten, da haben Sie dann schon
einiges zum Zuhören und Besprechen. Ein richtiger
Partner- und Beziehungskiller in diesem Zusammenhang
ist der Fernseher. Also: zumindest während des Essens
soll der Fernseher ausgeschaltet bleiben, denn durch
nichts lassen sich Menschen von Gesprächen so schnell
ablenken, wie von diesem Medium.

Sie sehen also, vieles liegt in Ihrer Hand, um die


Beziehung frisch zu halten. Am wichtigsten ist, dass Sie
Interesse und Wertschätzung für Ihre Partnerin oder
Ihren Partner zeigen.
66

Oft sind es die kleinen Unaufmerksamkeiten, die zu


einem distanzierteren Verhältnis der Partner führen.
Reagieren Sie mit Zuwendung, wenn Ihre Partnerin oder
Ihr Partner Sie anspricht. Schauen Sie sie oder ihn an
und nicken Sie mit dem Kopf, wenn Sie z.B. während
einer Beschäftigung signalisieren möchten, dass Sie
zuhören. Sagen Sie, indem Sie Ihr Gegenüber ansehen,
kurz: „Ja, bitte“ und wenn Sie gerade keine Zeit haben,
dann ignorieren Sie den Partner oder die Partnerin nicht,
sondern blicken kurz auf und sagen:

„Schatz, kannst Du noch 5 Minuten warten, dann bin ich


hier fertig und ich habe Zeit für Dich.“

Und wenn Sie dann fertig sind, werden Sie bitte aktiv,
denn der Großteil der Menschen meldet sich eben nicht
erneut. Und denken Sie sich nicht: er oder sie wird sich
schon wieder melden, wenn es etwas Wichtiges zu
besprechen gibt.

Die richtigen Worte könnten so lauten.

„Schatz, Du wolltest mir was erzählen, jetzt höre ich Dir


gerne zu.“

Diese Aktion zeigt zweierlei:

1. Sie haben Interesse am Leben Ihrer Partnerin oder


Ihres Partners.

2. Sie zeigen Ihre Wertschätzung und Ihre Auf­


67

merksamkeit, in dem Sie nochmal das Gespräch


suchen.

Übung
Jetzt ist es wieder Zeit, das Tagebuch in die Hand zu
nehmen.

Notieren Sie sich jetzt vier Aktivitäten, die Ihnen


helfen, Ihre Beziehung frisch zu halten. Vielleicht
hilft Ihnen ja die Liste von Seite 17.

Tipp
Um aus dem eingefahrenen Trott wieder heraus-
zukommen und wieder gemeinsam etwas zu
erleben, gibt es verblüffende Aktivitäten mit großer
Wirkung.

1. Kaufen Sie in der nächsten größeren Stadt


– oder auch in jener, in der Sie leben – für
sich und Ihren Partner ein Tagesticket für
die öffentlichen Verkehrsmittel. Packen Sie
eine Brotzeit ein und los geht´s. Fahren Sie,
nach Lust und Laune, mit verschiedensten
Linien bis zur Endstation oder steigen Sie
aus, wo Sie wollen. Erkunden Sie un-
bekannte Stadtviertel zu Fuß oder machen
Sie von einer Endstation einen Fußmarsch
bis zu einer anderen Verkehrslinie. Denken
Sie daran, einen Linienfahrplan einzu-
68

stecken. Und sollten Sie sich auf Ihrer


Expedition in unbekannte Stadtviertel ver-
laufen, so tragen Sie es mit Humor, die
nächste Haltestelle kommt bestimmt.
Gemeinsames Lachen entspannt ungemein
in solchen Situationen.

2. Erkunden Sie gemeinsam mit Ihrer


Partnerin oder Ihrem Partner Ihre
Kindheitsorte. Ein Gang durch den Park,
den man als Kind oft besuchte, oder der
alte Schulweg durch die Straßen bis zur
Grundschule, lässt viele Erinnerungen
hochkommen und bietet vielen, neuen
Gesprächsstoff.

Oft glauben Menschen, dass nur das Außergewöhnliche


Eindruck hinterlässt. Meine Erfahrungen lehren mich
allerdings etwas anderes: es muss nicht der Ferrari sein
oder der sündhafte teure Aufenthalt im Nobelhotel. Viele
freuen sich über Kleinigkeiten und etwas Zeit füreinander
und – Ausflüge in die unbekannte Nachbarschaft oder zu
Kindheitsorten, sind etwas Außergewöhnliches!

Zusammenfassung:
69

 Wenn Sie merken, dass Sie mit Ihrer Partnerin


oder Ihrem Partner immer weniger gemeinsam
haben, dann verstärken Sie die Liebes-
bekundungen und die Aufmerksamkeit.

 Nehmen Sie sich Zeit, um zuzuhören, was Ihre


Liebste oder Ihr Liebster gerade so macht und
erlebt.

 Versuchen Sie, gemeinsam zu essen und nützen


Sie diese Zeit für Gespräche.

 Schalten Sie beim Essen den Fernseher ab.

 Beginnen Sie wieder gemeinsam etwas zu unter-


nehmen.
70

REICHE ICH DIR NICHT ? (Wenn ein Seitensprung die


Partnerschaft gefährdet)

Nicht oft, aber ab und zu geht es in meinen Coachings


um das Thema Untreue, Fremdgehen, oder wie immer
Sie dies bezeichnen wollen.

Ohne eine Tiefenanalyse des Themas betreiben zu


wollen, da ich Ihnen ja Praxistipps und Schritt-für-Schritt
Anleitungen angeboten habe und keine psychologische
Abhandlung schreiben wollte, muss ich das Thema hier
vorweg dennoch ein bisschen differenziert betrachten.

Es gibt generell zwei Arten von Seitensprung:

1. Den One-Night-Stand

2. Die dauerhafte Zweitbeziehung

Der One-Night-Stand, also der einmalige Seitensprung,


muss für die Partnerschaft nicht gleich das Ende
bedeuten, auch wenn dieses Vorgehen erhebliche
Schmerzen bei der Partnerin oder dem Partner auslöst.
Allerdings gibt es offensichtlich Momente der sexuellen
Anziehung, die das Hirn ausschalten und schon ist es
passiert. Wie gehen Sie jetzt mit einem One-Night-Stand
um? Wenn Sie der One-Night-Stand-Beteiligte sind, dann
stellen Sie sich bitte folgende Fragen:

1. Was war so attraktiv an der oder dem Anderen?

2. Welche meiner Bedürfnisse wurden dadurch be­


71

friedigt?

3. Stellt dieser One-Night-Stand meine feste


Partnerschaft in Frage?

Sollte der One-Night-Stand die feste Partnerschaft in


Frage stellen, gilt: reden Sie darüber, aber bitte erst nach
reiflicher Überlegung. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie
müssten jetzt und sofort darüber sprechen, dann
beherzigen Sie den alten Rat und schlafen noch einmal
eine Nacht darüber. Wenn Sie dann immer noch das
Bedürfnis haben zu reden, dann tun Sie es. Wie genau
Sie dies tun können und wie Sie in dieser Situation
positiv kommunizieren können, erläutere ich etwas
später.

Wenn die Partnerschaft nicht in Gefahr ist, dann werde


ich häufig gefragt, ob darüber überhaupt geredet werden
sollte. Meine Meinung dazu ist relativ klar. Sie können
darüber reden, müssen aber nicht unbedingt. Worüber
Sie allerdings unbedingt reden müssen, sind die Punkte
eins und zwei. Also, was empfinden Sie bei einem
Partner oder einer Partnerin als sehr anziehend oder
welche Bedürfnisse möchten Sie gerne auch in Ihrer
Partnerschaft stärker und häufiger erfüllt sehen. Denn
eines ist schon klar, wenn Sie nicht gerade volltrunken
waren oder unter Drogeneinfluss standen, dann sollten
Sie über diese Erkenntnisse mit Ihrer Partnerin oder
Ihrem Partner sprechen, denn nur so kann sich Ihre
72

Beziehung verändern. Hier ist aber nicht gemeint, dass


Sie unbedingt beichten müssen.

Wie gehen Sie nun so ein Gespräch an? Vielleicht ist


diese Formulierungsidee hilfreich:

„Du, ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht, da ich das


Gefühl hatte, dass ich nicht mehr 100%ig zufrieden mit
meinem Leben bin. Ich habe eines festgestellt: ich liebe
Dich und freue mich, mit Dir zu leben und wünsche mir
einfach, dass wir wieder mehr Zeit miteinander
verbringen.“

Setzen Sie am Ende anstelle „dass wir wieder mehr Zeit


miteinander verbringen“ Ihren Wunsch ein, aber bitte
Wünsche, die der Partner oder die Partnerin auch
erfüllen kann. Denn Sie können nicht erwarten, dass Ihr
Mann plötzlich singt wie Mick Jagger oder Ihre Frau auf
einmal das Gesicht von Angelina Jolie hat.

Wenn Ihnen der Seitensprung jedoch so auf der Seele


brennt, dass er sie unentwegt beschäftigt, dann sprechen
Sie zuerst mit Ihrem besten Freund oder Ihrer besten
Freundin. Sollten Sie das nicht wollen oder können,
dann gehen Sie in die nächste Kirche oder an einen
Platz, der Sie schon immer inspiriert hat und vertrauen
Sie Ihr Geständnis Gott, Jesus, der Jungfrau Maria oder
wem auch immer an. Denn häufig geht es nur darum,
einmal darüber geredet zu haben, um sich auch der
73

Punkte eins und zwei besser bewusst zu werden. Wenn


das mit der Kirche oder Ihrem Lieblingsplatz kein
Konzept für Sie ist, dann bleibt Ihnen natürlich noch die
Möglichkeit, mich über Skype oder E-mail zu kontaktieren
und wir können über diese Situation dann sprechen.

Wenn Sie allerdings mit Ihrem Partner oder Ihrer


Partnerin kommunizieren müssen, weil es für Sie eine
Frage der Ehre oder Ehrlichkeit ist, dann rechnen Sie
bitte mit dem Unverständnis Ihres Partners oder Ihrer
Partnerin, denn nach meinen Erfahrungen ist eine solche
Missachtung des Vertrauens für die meisten ziemlich
hart. Da gibt es keine Garantie und auch keinen Trick,
oder kein rhetorisches Mittel, sich aus der Verantwortung
zu stehlen. Wenn es Ihnen aufrichtig leid tut, dann gibt es
nur eines: eine Entschuldigung und die Hoffnung auf
Verzeihung. Trotzdem: gerade in so einer Situation sollten
Sie das Gespräch positiv führen. Nicht wie in einem Fall,
den ich jetzt etwas verdichtet darstelle:

„Du, ich muss Dir Folgendes sagen, ich habe Dich


betrogen und weißt Du auch warum? Der Sex mit Dir ist
zu wenig prickelnd und außerdem ziehst Du Dich für
mich nicht mehr sexy an. Weil ich Dich aber liebe, muss
ich es Dir sagen und wenn Du bereit bist, Dich ein wenig
zu verändern, dann verspreche ich Dir auch, es wird nie
mehr passieren.“

Eine Möglichkeit, bei der wahrscheinlich jeder und jede


74

das Ende der Beziehung zu 100% voraus ahnen kann,


auch ohne große, psychologische Ausbildung. Der Streit
ist programmiert und wenn er oder sie die Kurve nicht
bekommt, dann ist wirklich alles vorbei. Ein positiver
Einstieg in das Gespräch ist sicherlich eine bessere
Alternative und diese besteht in diesem Zusammenhang
natürlich aus Ich-Botschaften und nicht aus latenten oder
direkten Vorwürfen.

„Liebling, ich muss mit Dir heute etwas besprechen, was


mir äußerst schwer fällt, weil es für mich einfach nicht
nachvollziehbar ist, dass ich dies wirklich getan habe. Ich
bin leider mit einer Anderen (oder einem Anderem) im
Bett gewesen. Das war ein One-Night-Stand und ich
weiß, dass Du bestimmt sehr verletzt bist. Allerdings
wäre es für mich fürchterlich gewesen, mit Dir nicht
darüber zu reden, denn ich liebe Dich und möchte mich
bei Dir auch für diese Verletzung entschuldigen. Ich bitte
Dich um Entschuldigung, es tut mir echt leid.“

Natürlich ist dies keine Garantie, dass es danach wieder


mit neuem Mut und Elan weitergeht. Sie können sich auf
eine längere Phase des Gesprächsbedarfes und des
mangelnden Vertrauens einstellen. Sie können nicht
erwarten, dass nach solch einem Gespräch einfach zur
Tagesordnung übergegangen wird.

Allerdings muss ich meinen männlichen Lesern trotzdem


noch etwas mitteilen. Aktuellen Untersuchungen zufolge
75

spricht eine Frau, die einen One-Night-Stand hatte, in 80


Prozent aller Fälle nicht darüber. Viele verstehen gar
nicht, „warum Männer so ein Tam-Tam um solch eine
Angelegenheit machen“, wie es eine Teilnehmerin in
einem Seminar einmal formulierte. „Ich weiß ja, was ich
an meinem Mann habe und es war nur ein einmaliger
Ausrutscher, zum Glück bin ich auch gleich wieder ‚zu
mir gekommen‘“, umschrieb sie das Geschehene.

Beachten Sie den Begriff „Ausrutscher“. Der klingt ja


gleich ganz anders als Betrug oder Seitensprung und
zeigt auch die Dimension auf, die diese Frau – wie viele
andere auch - für den Seitensprung empfunden hat. Sie
hat es als einen Zufall angesehen und betonte in dem
Seminar, dass sie in Zukunft besser aufpassen würde um
nicht mehr „auszurutschen“.

Eine kleine, aber für mich wichtige Anmerkung habe ich


noch: in einer ansonsten intakten Beziehung wird der
One-Night-Stand sicherlich nicht gleich die Beziehung
gefährden, denn wenn sich die Partner wirklich lieben
und sonst auch alles halbwegs im grünen Bereich ist,
dann ist es logisch, dass Frau oder Mann verzeiht. Denn
da halte ich es mit der biblischen Weisheit: „Wer ohne
Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Denn jede gute
bis exzellente Beziehung ist geprägt von Verständnis und
dem Willen, Fehler zu verzeihen. Auf der anderen Seite
ist eine gute Beziehung allerdings auch geprägt von
76

Wertschätzung, Achtung und dem festen Willen, den


Partner oder die Partnerin nicht zu verletzen. Nur - jeder
von uns ist ein Mensch und macht Fehler und die einen
Fehler sind eben schlimmer und die anderen sind
weniger schlimm. Nachdem die Partnerschaft kein Staat
ist, in dem Recht und Gerechtigkeit als Hauptprinzip herr­
schen soll, kann die aufrichtige Reue der Neubeginn
einer wunderschönen Beziehung sein. Garantie gibt es
aber keine und ein Freifahrtschein für einen Seitensprung
ist diese Einstellung auch nicht.

Sollten Sie allerdings der oder die Hintergangene sein


und zufällig drauf kommen, dass Ihr Partner oder Ihre
Partnerin einen „Ausrutscher“ begangen hat, dann ist
guter Rat meist teuer. Viele fragen sich: „Kann und soll
ich es ansprechen und wenn ja, wie spreche ich es an,
ohne dass gleich alles vorbei ist.“

Bevor Sie das Gespräch suchen, stellen Sie sich


folgende Fragen:

 „Muss ich unbedingt darüber reden?“

 „Was bedeutet dieser einmalige Ausrutscher für


unsere Beziehung aus meiner Sicht?“

 „Wie kann ich damit fertig werden, wenn ich nicht


darüber spreche, ohne dass die Beziehung
negativ beeinflusst wird?“
77

 „Was kann ich tun, dass die positiven und schönen


Momente unserer Partnerschaft wieder stärker
gezeigt und erlebt werden?“

Wenn Sie diese Fragen für sich beantwortet haben, dann


ist auch ein positives Gespräch sehr wahrscheinlich.
Sollten Sie mit der Situation nicht leben können und die
Partnerschaft beenden müssen, dann sprechen Sie dies
auch an:

„Ich muss mit Dir reden, da ich weiß, dass Du einen One-
Night-Stand hattest und ich mit dieser Situation nicht
umgehen kann und so stark verletzt bin, dass ich unsere
Partnerschaft einfach nicht aufrecht erhalten kann. Ich
will Dir nur sagen, dass ich für mich entschieden habe,
diese Partnerschaft zu beenden.“

Sollten Sie daran glauben, dass die Partnerschaft noch


eine Zukunft hat und Sie das Gefühl haben, über diese
sprechen zu müssen dann gibt es zwei Varianten:

Variante 1: Sie sprechen den One-Night-Stand an

„Schatz, ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass ich die
schönen und liebevollen Momente nicht in dem Maß
gezeigt habe, wie es für unsere Partnerschaft wichtig
gewesen wäre. Ich weiß auch, dass Du einen One-Night-
Stand hattest. Das hat mich sehr verletzt und ich mache
mir ernsthafte Sorgen um unsere Beziehung. Ich will
allerdings weiter mit Dir zusammenleben und deshalb ist
78

dieses Gespräch für mich sehr wichtig. Ich wünsche mir,


dass wir heute mal darüber sprechen, wie wir uns unsere
Liebe wieder häufiger zeigen und spüren lassen.“

Diese Gesprächseröffnung verspricht zumindest mit


hoher Wahrscheinlichkeit ein konstruktives, lösungs-
orientiertes Gespräch. Auch wenn es schwer fällt, auf
diese Art zu kommunizieren: es ist die einzige
Möglichkeit, nicht noch stärkere Verletzungen hervor-
zurufen. Wenn Sie an Ihrer Kommunikation in der
Partnerschaft nichts ändern, dann wird sich auch die
Qualität der Partnerschaft nicht ändern. Mein Tipp in
allen Fällen, aber hier ganz speziell: kommunizieren Sie
positiv und das nicht einmal, sondern mehrmals und
immer wieder. Nur so haben Sie die Chance, eine neue
Kommunikationskultur in Ihrer Partnerschaft zu
etablieren.

Variante 2: Sie sprechen den One-Night-Stand nicht an,


möchten aber eine Veränderung in der Partnerschaft, um
selbst wieder Vertrauen finden zu können und sich
besser zu fühlen. Dann wäre folgende Aussage hilfreich:

„Du, ich habe das Gefühl, dass ich in letzter Zeit nicht
mehr so stark auf unsere Partnerschaft geachtet habe
und das macht mich traurig. Denn ich liebe Dich und will
mit Dir eine schöne Zukunft erleben. Ich würde mich
freuen, wenn wir wieder öfter miteinander kuscheln
würden und uns dabei wie früher über unsere Träume
79

und Wünsche unterhalten könnten.“

Wenn auch Ihre Partnerin oder Ihr Partner sich in der


Partnerschaft grundsätzlich wohl fühlt, so bietet diese
Formulierung die Chance, alles wieder ins Lot zu
bringen.

Nun zur zweiten Variante des Seitensprungs, die


dauerhafte, versteckte Zweitbeziehung. Dies ist natürlich
ein etwas delikateres Thema. Wenn ich ehrlich bin, kann
ich – wie sehr viele Menschen - mit einem One-Night-
Stand ja noch halbwegs vernünftig umgehen. Allerdings,
bei einer dauerhaften Zweitbeziehung wird es für mich
schon schwerer, das Verhalten des Anderen zu
verzeihen. Aber auch da gibt es immer wieder Fälle, in
denen nach der ersten Enttäuschung die Ehe oder
Partnerschaft doch weiter gegangen ist. Im Prinzip
unterscheiden sich die Kommunikationsmuster nicht. Nur
können Sie davon ausgehen, dass es etwas länger
dauern wird, bis die Partnerin oder der Partner damit
auch umgehen kann. Umso wichtiger ist es, sich bewusst
zu machen, was eigentlich der Grund für die
Zweitbeziehung war.

Denn eines zeigen die Forschungsergebnisse deutlich:


es sind in den seltensten Fällen sexuelle Gründe.

Vielmehr liefert die Zweitbeziehung:


80

 Anerkennung

 Wertschätzung

 einander Zuhören

 eine erneute Faszination

Das Thema dauerhafte Zweitbeziehung wird ja meist


akut, wenn der Partner oder die Partnerin dahinter
kommt. Dies macht die Situation etwas schwieriger, weil
sich der Partner oder die Partnerin natürlich zu Recht
hintergangen fühlt.

Allerdings bleibt den Beteiligten in dieser Situation nichts


anderes übrig, als sich zu fragen: „will ich überhaupt mit
meiner Partnerin oder meinem Partner noch weiter in
einer Beziehung leben?“ Falls Ihre Antwort „ja“ ist, dann
sollten Sie dies auch kommunizieren.

„Ich weiß, dass dies ein Fehler war und ich will mit Dir
weiter mein Leben verbringen“,

sind vielleicht dann die richtigen Worte, wenn Sie


derjenige oder diejenige sind, die die Zweitbeziehung hat
oder hatte.

Die Gespräche werden etwas länger dauern und Sie


werden sich mit einigen Vorwürfen anfreunden müssen.
Denn eine dauerhafte Zweitbeziehung ist so ziemlich das
Schlimmste, was in einer Partnerschaft passieren kann.
81

Also: in dieser Phase gelten alle bisherigen Tipps und


noch alle, die kommen. Und glauben Sie nicht, dass
Angriff die beste Verteidigung wäre. Also verkneifen Sie
sich Vorwürfe, Angriffe und sonstige Schuldver-
schiebungsstrategien. Denn diese Strategie des Nebel-
bombenwerfens ist hier nicht angebracht. Geben Sie sich
und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin die Chance, sich
nicht zusätzlich zu verletzen und psychisch zu
misshandeln. Denn eines kann ich Ihnen versprechen:
die Wenigsten gehen unbeschadet aus einer nicht
aufgearbeiteten Trennung oder Beziehungskrise hervor.

Denken Sie immer daran: eine Zweitbeziehung ist ein


Attentat auf das Selbstbewusstsein Ihres Partners oder
Ihrer Partnerin. Denn jeder und jede stellt sich die Frage:
„Reiche/Genüge ich ihr oder ihm nicht mehr?“ oder „Bin
ich ihr oder ihm nicht mehr gut genug?“ und in dieser
Aussage schwingt eine gehörige Portion Verletzung und
vor allem das Gefühl der „Minderwertigkeit“ mit.

Denken Sie immer daran: jede Art von Erniedrigung,


Verletzung oder Demütigung führt automatisch zu einem
psychischen Defizit und einem schlechten Gefühl. Gehen
Sie einfach von sich aus, wie Sie sich fühlen, wenn Sie
dauerhaft missachtet oder verletzt werden.

Tipp
Nehmen Sie sich ausgiebig Zeit für die Analyse
der Partnerschaft. Am besten, Sie fahren dazu an
82

einen neutralen Ort. Denken Sie daran, „Ich-


Botschaften“ zu nutzen und behalten Sie Vorwürfe
oder Ähnliches für sich.

Da Sie allerdings nicht nur mit Ihrem „Hauptpartner“ oder


Ihrer „Hauptpartnerin“ sprechen müssen, sondern die
oder der Beteiligte in der Zweitbeziehung auch ein Recht
auf ein klärendes Gespräch hat, ist Hilfe von außen in
solchen Fällen ein guter Rat. Es geht nicht nur um Sie,
sondern um die Gefühle und die Psyche von zwei
weiteren Menschen. Sollten Sie auf externen Rat Wert
legen, so scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren.
Ich unterstütze Sie und Ihre Partner bzw. Partnerinnen in
dieser Situation gerne.

Nun aber zurück zur positiven Kommunikation in solchen


Fällen. Sie sollten auch das Gespräch mit der oder dem
Zweitpartner positiv führen, auch oder gerade wenn Sie
diese Beziehung abbrechen müssen.

„Ich muss mit Dir etwas Wichtiges besprechen. Die Zeit


mit Dir war sehr schön und von Liebe geprägt. Allerdings
musste ich eine Entscheidung treffen, die mir nicht leicht
gefallen ist. Da ich meine Frau oder meinen Mann immer
noch sehr liebe und die Zukunft mit ihr (bzw. ihm)
verbringen will, muss ich mich von Dir verabschieden. Ich
möchte mich bei Dir für die Liebe und Zuneigung
bedanken und ich weiß sehr wohl, dass ich jetzt sehr
große Schmerzen bei Dir verursache. Ich kann Dich nur
83

um Entschuldigung bzw. Verzeihung bitten.“

Natürlich ist damit nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen,


aber Sie haben sich zumindest bemüht, das Gespräch
anständig über die Bühne zu bringen. Sie werden
vielleicht auch noch erklären müssen, woher der
„Sinneswandel“ kommt. Dies können Sie so probieren:

„Da ich mit meinem Mann bzw. meiner Frau in den


letzten Tage sehr viel gesprochen habe und wir uns klar
geworden sind, was uns von einander entfernt hat,
haben wir uns entschieden, uns nochmal eine Chance zu
geben und werden mehr auf uns und unsere Beziehung
achten.“

Die Verletzungen, die Sie verursacht haben, werden zu


Vorwürfen und Anschuldigungen führen. Die Gespräche
werden Ihnen nicht immer gefallen, vielleicht fließen
sogar Tränen oder es kommt zu Wutausbrüchen. In
dieser Situation wissen Sie allerdings genau, wo Ihr
Beitrag zu solch einem Verhalten liegt. Sie müssen dann
die Verantwortung für Ihr Verhalten übernehmen und
nicht noch zusätzlich Benzin ins Feuer schütten.
Reagieren Sie in solch einer Situation sehr, sehr
verständnisvoll und versetzen Sie sich in die Lage Ihrer
Gesprächspartnerin oder Ihres Gesprächspartners. Wie
würde es Ihnen gehen, wenn Sie mit solch einer Situation
konfrontiert wären?
84

Tipp
Bevor Sie in solch ein Gespräch gehen, versetzen
Sie sich in die Lage der oder des Anderen und
spielen Sie das ganze Gespräch einmal durch.
Stellen Sie sich vor, wie Sie angemessen und
mitfühlend reagieren. Spielen Sie diese Szenen
mindestens 6-mal von verschiedenen Pers-
pektiven aus durch.

Wenn Sie das Gefühl haben, dabei überfordert zu sein,


dann rufen Sie mich an und wir vereinbaren einen Termin
für ein Coaching. Nach nur 2 Stunden werden Sie
merken, dass es für Sie viel einfacher ist, sich dieser
Situation zu stellen.

Zusammenfassung:

 Klären Sie bei einem Seitensprung, ob die


Beziehung dadurch gefährdet ist. Beim One-Night-
Stand überlegen Sie sich dann, ob Sie darüber
unbedingt reden müssen. Lassen Sie sich mit
dieser Entscheidung Zeit.

 Wenn Sie über einen Ausrutscher sprechen


möchten oder müssen, dann nur mit dem wirklich
empfundenem Willen zum Verzeihen oder zur
Reue.

 Geben Sie Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner Zeit,


um verzeihen zu können.
85

 Wenn Sie eine Zweitbeziehung hatten und Sie


diese zu Gunsten Ihrer ersten Beziehung auflösen
möchten, beachten Sie, dass die Beteiligten aus
beiden Beziehungen faire und positiv geführte
Gespräche benötigen und ein Recht darauf haben.

 Erwarten Sie nicht, dass Ihre Partnerin oder Ihr


Partner Verständnis für Sie hat.

 Zeigen Sie ernst gemeinte Reue.

 Stellen Sie sich auf eine längere Zeit des


Misstrauens ein.

 Führen Sie die Partnerschaft nur weiter fort, wenn


Sie sich absolut sicher sind, dass Sie diese
Verletzung verzeihen können.
86

DAS GEHT ÜBER UNSERE KRÄFTE (Vom Umgang mit


großen emotionalen Herausforderungen)

Viele von uns haben schon erlebt, dass die Familie einen
Schicksalsschlag hinnehmen musste. Die Partnerin oder
der Partner erkrankten plötzlich schwer, eine finanzielle
Transaktion ist vielleicht schief gegangen oder die
finanzielle Situation ist aus verschiedenen anderen
Gründen momentan schwierig. Manche haben die Erfah­
rung von Arbeitslosigkeit hinnehmen müssen und die
damit finanziellen Einschränkungen führen häufig zu
mittleren bis groben Partnerschaftsproblemen.

Jede dieser oder anderer Schicksalsschläge ist bitter und


es kostet natürlich viel Kraft, in solch einer Situation die
Partnerschaft positiv aufrecht zu erhalten. Viele Familien
und Beziehungen brechen in solchen Situationen
auseinander, denn der Stresslevel ist für die meisten
Menschen einfach zu hoch. Wie sieht nun die Lösung in
solch einer Situation aus? Welche Vorschläge habe ich,
um solch eine Situation zu überstehen? Und wie kann
positive Kommunikation hier einen Beitrag leisten, diese
besonderen Herausforderungen zu meistern?

Situationen wie diese sind entweder geprägt von einem


Rückzug der Partner oder es werden nur noch
Problemdialoge geführt, die meistens nicht wirklich weiter
helfen, sondern das Dilemma nur noch verstärken.
87

Ich schlage Ihnen deshalb Folgendes vor.

1. Setzen Sie sich zusammen und sprechen Sie über


Ihre Gefühle und Empfindungen

2. Überlegen Sie sich Lösungen für diese Heraus-


forderung

3. Vergessen Sie nie, warum Sie sich verliebt haben


und was bisher schön an der gemeinsamen Zeit war.

Tipp
Reden Sie über Ihre Gefühle und Empfindungen.
Diese Gespräche sollten frei sein von Vorwürfen
und Anklagen.

Machen wir wieder ein Beispiel:


Wie fühlen Sie sich, wenn jemand zu Ihnen als Arbeits­
lose oder Arbeitsloser sagt:

„Wenn Du bei Deinem Job geblieben wärst, hätten wir


jetzt die Probleme nicht.“

Welche Reaktion löst dies in Ihnen aus? Genau - der


Großteil der Menschen fühlt sich in seinem
Selbstbewusstsein angegriffen und nach dem Motto
„Angriff ist die beste Verteidigung“, kommt oft sofort die
Retourkutsche:

„Schlau reden kann ich auch. Damals hast Du nichts ge­


sagt und jetzt kommst Du mir so.“
88

Und schon geht der Streit los und ein Wort gibt das
andere.

Rasch wird bei so einem Dialog auch die Beziehung in


Frage gestellt und man meint oft, dass von Liebe ja wohl
nicht mehr die Rede sein könne. Kommt Ihnen solch eine
Situation vertraut vor? Es muss ja nicht gleich das Thema
Arbeitslosigkeit sein, aber wir haben doch alle schon
Entscheidungen getroffen, die sich im Nachhinein als
falsch herausgestellt haben. Wenn Sie solch eine Es-
kalation im Gespräch vermeiden wollen, dann gibt es
verschiedene Lösungen. Betrachten wir jetzt einen
Gesprächsverlauf, der anders ausgehen muss, weil Sie
positiv formulieren. Beginnen Sie solch ein Gespräch
doch auf verständnisvolle Weise.

„Du Schatz, momentan bin ich ziemlich strapaziert mit


unserer Situation. Ich fühle mich einfach überfordert und
habe Angst, dass wir finanziell nicht über die Runden
kommen.“

Bemerken Sie den Unterschied zur ersten Aussage? Der


Vorteil bei dieser Formulierung ist, dass Sie Ihre Gefühle
der Überforderung und Angst artikuliert haben. Ihre
Partnerin oder Ihr Partner hat jetzt die Chance zu
reagieren und muss sich nicht angegriffen vorkommen.
89

Bleiben wir gleich bei dem Beispiel und versetzen wir uns
in die Lage, auf einen direkten, verbalen Angriff reagieren
zu müssen.

„Also, wenn Du damals Deinen Job nicht hin-


geschmissen hättest, dann wären die Probleme jetzt
nicht so groß.“

Hier schlage ich folgende positiv formulierte Reaktion


vor:
„Liebling, ich verstehe, dass Du böse auf mich bist. Ich
weiß heute auch, dass es vielleicht klüger gewesen
wäre, den Job zu behalten und ich bin auch nicht
glücklich, mit unserer momentanen finanziellen Situation.
Ich liebe Dich und wir werden sicher eine Lösung finden.
Ich hab mir Folgendes überlegt... Was meinst Du denn
dazu?“

Die Eskalationskurve ist bei dieser Antwort schon einmal


unterbrochen und Sie haben die Chance, ein kon­
struktives Gespräch über Lösungen zu beginnen und
müssen nicht nur über die momentane Situation streiten.

Manchmal gibt es aber auch Situationen, in welchen


noch keine Ideen oder Lösungen angedacht oder
vorhanden sind. In diesen Fällen bieten Sie folgenden
Vorschlag an: Gestalten Sie die Einleitung, wie schon
zuvor gezeigt, mit dem Verständnis für das Gefühl der
Partnerin oder Partners und der Beschreibung, dass es
90

Ihnen mit der Situation auch nicht gut geht. Danach


formulieren Sie:

„Ich liebe Dich und wir werden sicher eine Lösung finden.
Im Moment habe ich noch keine Idee, wie wir die
Situation entschärfen können. Vielleicht sollten wir uns
im Laufe der Woche eine Stunde Zeit nehmen und uns
überlegen, welche Möglichkeiten wir haben, die Situation
positiv zu verändern.“

In diesem Fall haben Sie kommuniziert, dass Sie noch


keine Lösung haben, aber gewillt sind, daran zu arbeiten.
Sollten Sie hier zu zweit nicht weiterkommen, so ist es
oftmals hilfreich, einen guten Freund oder eine gute
Freundin zu Rate zu ziehen, eine Selbsthilfegruppe oder
eine sonstige, kompetente Organisation aufzusuchen, die
Ihnen weiterhelfen kann.

Erkennen Sie im Gespräch die Bedürfnisse Ihres


Gegenübers an und vermitteln Sie ihm das Gefühl, ver­
standen zu haben. Hier gilt auch der Tipp mit dem 3 Mal
durchatmen und bis 30 zählen von Seite 30.

Sprechen Sie über Lösungen


Ich weiß, einfacher gesagt als getan, aber ich habe noch
einen praxiserprobten Tipp:

Tipp
• Stellen Sie die Situation so dar wie sie ist, nicht
91

besser aber auch nicht schlechter. Seien Sie


ehrlich. (Ist-Zu-stand)

• Beschreiben Sie, wie Sie die Situation gerne


hätten. (Soll-Zustand)

• Erstellen Sie einen Maßnahmenplan, der Sie


zu Ihrem Soll-Zustand führt.

Übung
Natürlich gibt es Situationen, in denen will uns
einfach nichts einfallen und schon gar keine
Lösung für eine Herausforderung. Sollten Sie
gerade in solch einer Situation stecken, dann neh­
men Sie Ihr Tagebuch zur Hand und schreiben fol­
gende Fragen auf:

 Was kann ich aus dieser Situation lernen?

 Was ist das Positive daran?

 Welche Lehren ziehe ich aus der Situation?

 Wie verhindere ich, jemals wieder in solch


eine Situation zu kommen?

 Was sind jetzt die nächsten Schritte?

 Was will ich wirklich?

 Warum will ich dies unbedingt?

Schreiben Sie nun alle Antworten auf, die Ihnen


92

einfallen. Sie werden sehr schnell merken, dass


sich aufgrund der Fragen schon eine positivere
Denkweise einstellt.

Suchen Sie auch in dieser Situation den Dialog mit Ihrem


Partner oder Ihrer Partnerin. Gehen Sie die Fragen
gemeinsam durch und stellen Sie sich der gemeinsamen
Herausforderung.

Tipp
Vergessen Sie nie, warum Sie sich verliebt haben
und was bisher schön an der gemeinsamen Zeit
war. Gerade in Krisensituationen sind diese
Gedanken wichtig und hilfreich!

Es gab auch in meinem Leben immer wieder Situationen,


da sind mir die Worte ausgegangen. Ich konnte meine
Gefühle nicht artikulieren oder die Herausforderung war
so groß, dass ich mir sicher war, die richtigen Worte nicht
zu finden. Für diese Momente gibt es eine ganze Reihe
von nonverbalen Liebesbeweisen. Ich denke, ein Beispiel
sagt mehr als tausend Worte.

Unsere Tochter wollte unbedingt eine Ausbildung in einer


Kunstschule in Graz absolvieren. Sie nahm an der
Aufnahmeprüfung teil und war sich sicher, diese
geschafft zu haben und genommen zu werden. Als der
Brief von der Schule mit der Absage kam, war sie
natürlich sehr, sehr traurig und es mischte sich dann
93

auch noch Wut dazu, als sie mitbekam, dass es auf die
Aufnahmeprüfung gar nicht so sehr angekommen war,
sondern dass es wichtiger gewesen wäre, die „richtigen“
Leute zu kennen. Was sollte ich als Vater in so einem
Moment Tröstliches sagen? Ich wusste nicht, was ich
sagen sollte und lernte eine sehr wichtige Lektion. Ich
nahm sie einfach ganz fest in den Arm und wir weinten
zusammen vor Enttäuschung und Wut. Dies war in dem
Moment genau das Richtige und hat mehr gebracht, als
alle Gespräche über die Welt und ihre Ungerechtigkeit.

Wenn Ihnen die Worte fehlen, ersetzen Sie diese einfach


durch Gesten. Nehmen Sie Ihre Partnerin oder Ihren
Partner in den Arm und sagen Sie gar nichts, sondern
liebkosen oder streicheln sie sich und lassen Sie Ihren
Partner oder Ihre Partnerin spüren, dass Sie genauso
fühlen wir sie oder er. Es ist keine Schande zu zeigen,
dass einem einmal nichts einfällt, sondern ein Zeichen
von Größe und Menschlichkeit.

Zusammenfassung

 Vermeiden Sie in emotional sehr belastenden


Situationen Vorwürfe.

 Erinnern Sie sich bewusst, warum Sie sich verliebt


haben und denken Sie an gemeinsame schöne
Zeiten.

 Stellen Sie den Ist-Zustand fest, auch wenn es


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schmerzhaft ist und erarbeiten Sie gemeinsam


einen Soll-Zustand.

 Es ist ab und zu besser Gefühle zu zeigen und


einfach zu schweigen, weil einem die Worte
fehlen.

 Suchen Sie in Krisensituationen verstärkt Körper-


kontakt.
95

Wenn Sie all diese Tipps und Tricks beherzigen, dann


steht einer glücklichen und erfolgreichen Beziehung
nichts im Weg. Ich bin davon überzeugt, dass Sie mit den
hier vorgestellten Ideen und Konzepten sehr positive
Erlebnisse haben werden, allerdings braucht gut Ding
auch Weile. Also gehen Sie entspannt und mit einer
gehörigen Portion Humor an Ihre Partnerschaft und
vergessen Sie das gemeinsame Lachen nicht. Ein „Ja“ ist
viel schöner als ein „Nein“. Deshalb suchen Sie
unaufhörlich nach Gründen „Ja“ zu sagen und Sie
werden spüren, um wie viel positiver und erfüllter Ihre
Partnerschaft ist. Vielleicht merken Sie zusätzlich, dass
gerade die „positive Kommunikation“ bei Kindern und
Kolleginnen und Kollegen Wunder bewirkt.

Das Schöne an der „positiven Kommunikation“ ist


gerade, dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner nicht
mitmachen muss. Er oder sie muss nicht einmal wissen,
dass Sie die Methode der „positiven Kommunikation“
anwenden. Wenn Sie sich und Ihre Kommunikation
verändern, hat dies automatisch Auswirkungen auf Ihre
Mitmenschen. Deshalb lade ich Sie jetzt auch noch zu
einem 7-Tage-Abenteuer ein:

Übung
Kombinieren Sie in den nächsten 7 Tagen Ich-
Botschaften und positives Vokabular. Vermeiden
Sie alle demotivierenden oder negativen Worte
96

und sollten Sie doch noch ab und zu negativ


kommunizieren, dann fangen Sie einfach erneut
mit den 7 Tagen an. Führen Sie das Abenteuer
solange durch, bis Ihnen die 7 Tage mit positiver
Kommunikation gelungen sind.

Nach diesen 7 Tagen werden Sie merken, dass Sie die


positiven Ich-Botschaften schon sehr gut beherrschen.
Ihre Kommunikation hat sich dadurch schon sehr stark
verändert.

Im Anhang fasse ich nochmal alle Tipps und Tricks zu-


sammen, außerdem gibt es noch zusätzliche
Informationen zum Thema.
97

ANHANG

Beziehungskiller Beziehungsturbos
Missachtung Aufmerksamkeit
Die Bedürfnisse der Partnerin Sich in die Partnerin oder den
oder des Partners werden Partner hinein versetzen. Kleine
ignoriert oder auch große Liebes-
bekundungen. Zuhören, wenn die
Partnerin oder der Partner etwas
erzählen will. Gesten der Beacht-
ung schenken.

Geringschätzung Wertschätzung
Die Leistung des Partners oder Dem Partner oder der Partnerin
der Partnerin schlecht machen. zeigen, dass man schätzt. was er
„Was leistest Du schon, Du bist oder sie leistet. „Ich finde es
ja den ganzen Tag zu Hause.“ klasse, dass Du ...“ Sie finden
oder „Womit Du Dich sicherlich etwas, was Sie an Ihrer
beschäftigst, das interessiert Partnerin oder Ihrem Partner
sonst ja niemand anderen“ richtig klasse finden.

Kritik/Vorwürfe Ich-Botschaften
„Immer machst Du was Du willst, „Ich fühle mich öfter benachteiligt
ich interessiere Dich ja nicht im und habe das Gefühl, dass ich
Geringsten.“ meine Interessen nicht genügend
klar machen kann.
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Machtausübung Partnerschaft
Motto: „Ich kann hier machen „Ich freue mich, dass wir
was ich will“ oder „ohne mich zusammen sind“ „Ich bin froh,
wärst Du schon längst Dich an meiner Seite zu haben“
verhungert.“

Beziehungen scheitern an negativer Kommunikation


Wer ständig nur herum kritisiert, die Leistung des anderen
nicht beachtet oder gar nieder macht, oder keine
Wertschätzung zeigt, erntet Minuspunkte.

Pluspunkte gibt es für positive Kommunikation wie


lächeln, sich einfühlen, den Partner bewundern oder
seine Liebe zeigen.

Ist das Verhältnis von Plus- zu Minuspunkten ständig


kleiner als 5:1, ist das Ende der Beziehung wahr-
scheinlich. Eine Untersuchung hat herausgefunden, dass
auf einen Minuspunkt fünf Pluspunkte folgen müssen, um
wieder einen Ausgleich in einer partnerschaftlichen Be-
ziehung herzustellen.
99

Positives Vokabular
Ich bin felsenfest davon überzeugt und es ist nach-
gewiesen, dass die Wortwahl erhebliche Auswirkungen
auf unser Empfinden und somit auf unser Verhalten hat.

Hemmende Worte positive Worte

deprimiert nicht ganz auf dem Damm


enttäuscht nicht gerade motiviert
frustriert herausgefordert
gestresst sehr begehrt
Ich hasse es ich bevorzuge etwas anderes
schrecklich das entspricht nicht meiner Vor­
stellung
verletzt verstimmt
wütend leicht erregt; leidenschaftlich
zu Tode gelangweilt das Leben ist ein ruhiger Fluss /
ich habe im Moment viel Zeit für
mich
ängstlich ich bin sehr gespannt, was da auf
mich zukommt
zurückgewiesen ich habe mich missverständlich
ausgedrückt
verunsichert ich habe da meine kleinen
Zweifel
empört beunruhigt
verletzt leicht verwirrt
100

Turbowörter

positives Wort Turbowort

hübsch hinreißend

attraktiv überwältigend

verliebt verrückt nach Dir

glücklich super drauf

schön umwerfend

nett erstklassig

Finden Sie noch 4 bis 5 Wörter, die schon positiv sind


und ersetzen Sie diese durch Turbowörter. Diese Übung
ist der Bestandteil meiner Seminare und Coachings, der
am meisten für Furore sorgt und einen sehr großen
Einfluss auf die Kommunikation hat.
101

Tippsammlung:

1. Machen Sie sich eine Liste, wie Sie Ihre Liebe


zeigen können. (Seite 17)

2. Erinnern Sie sich an die schönsten Momente Ihrer


Partnerschaft. (Seite 18)

3. Die Aussage: „Wenn Du mich liebst…“ ist eine


Killerphrase, die zu nichts, außer zu noch mehr
Streit und dem Vorwurf des Egoismus führt. (Seite
25)

4. Führen Sie ein Gespräch nur dann, wenn der


Partner oder die Partnerin dazu bereit ist. (Seite 27)

5. Wenn Sie merken, dass Ihr Wutpegel gerade hoch


steigt, dann atmen Sie 3 mal tief durch und zählen
bis 30. Versuchen Sie, während dieser Atem- und
Zählübung sich ausschließlich aufs Atmen und
Zählen zu konzentrieren. (Seite 30)

6. Stellen Sie sich vor einen Spiegel und atmen Sie


tief ein und beobachten Sie nur, wie dies aussieht.
Verändern Sie dann die Atmung solange, bis Sie,
ohne dass es sichtbar wird, tief einatmen können.
(Seite 30)

7. Sich nach einer Auseinandersetzung wieder


liebevoll in die Augen sehen zu können, zeigt ganz
besonders Ihre noch vorhandene, emotionale
102

Verbundenheit. Alle, die so eine Situation schon


erlebt haben, kennen dieses besondere
Glücksgefühl. Streicheln Sie über die Wange Ihrer
Partnerin oder Ihres Partners, nehmen Sie sich in
den Arm oder hauchen Sie ein Küsschen in
Richtung Ihres Gegenübers. Setzen Sie diese
Gesten aber nur dann ein, wenn bei Ihnen kein
Gefühl mehr von Wut oder Bitterkeit besteht,
sondern Sie offen und ehrlich wieder Frieden
schließen möchten. (Seite 32)

8. Vereinbaren Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem


Partner doch auch so ein Codewort und Sie werden
merken, die Situationen, in denen Sie streiten,
werden einfach weniger. (Seite 33)

9. Nehmen Sie die Liste von Seite 99 und ergänzen


Sie diese um eigene Worte. Drucken Sie sich diese
Liste aus und lesen Sie sich diese Worte so oft wie
möglich durch. Zum Beispiel auf dem Weg zur
Arbeit oder in einer Pause, nach dem Auf-wachen
oder vor dem Schlafen gehen. (Seite 46)

10. Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Dankbarkeit


ausgedrückt? (Seite 48)

11. Achten Sie auf Ihre Körpersprache und lassen Sie


Ihre Probleme nicht an Ihrer Partnerin oder Ihrem
Partner aus. (Seite 61)
103

12. Wenn Sie Ihre Partnerschaft in Schwung halten


wollen, dann hilft folgende Methode immer: Ich
bezeichne diese Methode als die „Erinnerst-Du
Dich-noch-Methode“. Diese Methode ist sehr
einfach durchzuführen, denn Sie müssen nur über
das reden, was sie im Laufe Ihrer Partnerschaft an
Positivem erlebt haben. Am besten, Sie beginnen
gleich damit. (Seite 62)

13. Hören Sie Ihrer Partnerin und Ihrem Partner eine


Stunde in der Woche einfach nur zu. Was sie oder
ihn bewegt, über was sie oder er gerade
nachdenkt, was so in ihm oder ihr vorgeht. (Seite
64)

14. Frühstücken Sie am zum Beispiel Sonntag


ausführlich gemeinsam und nützen Sie diese Zeit
für ein Gespräch. (Seite 65)

15. Um aus dem eingefahrenen Trott wieder heraus-


zukommen und wieder gemeinsam etwas zu
erleben, gibt es verblüffende Aktivitäten mit großer
Wirkung. (Seite 67)

16. Nehmen Sie sich ausgiebig Zeit für die Analyse der
Partnerschaft. Am besten Sie fahren dazu an einen
neutralen Ort. Denken Sie daran, „Ich-Botschaften“
zu nutzen und behalten Sie Vorwürfe oder
Ähnliches für sich. (Seite 81)
104

17. Bevor Sie in solch ein Gespräch gehen, versetzen


Sie sich in die Lage der oder des Anderen und
spielen Sie das ganze Gespräch einmal durch.
Stellen Sie sich vor, wie Sie angemessen und
mitfühlend reagieren. Spielen Sie diese Szenen
mindestens 6-mal von verschiedenen Pers-pektiven
aus durch. (Seite 84)

18. Reden Sie über Ihre Gefühle und Empfindungen.


(Seite 87)

19. Stellen Sie die Situation so dar wie sie ist. Stellen
Sie die Situation so dar wie Sie sie gerne hätten.
Machen Sie sich einen Maßnahmenplan (Seite 90)

20. Vergessen Sie nie, warum Sie sich verliebt haben


und was bisher schön an der gemeinsamen Zeit
war. Gerade in Krisensituationen sind diese
Gedanken wichtig und hilfreich! (Seite 92)
105

Maßnahmenplan
Nehmen Sie Ihr Tagebuch und notieren Sie, worauf Sie in
Zukunft mehr achten werden.

Schreiben Sie drei Sachen auf, die Sie sofort machen


können, um die Beziehung positiv zu beeinflussen.

1.

2.

3.

Ich bin felsenfest davon überzeugt: wenn Sie nicht sofort


etwas tun, dann machen Sie es nie mehr. Die
Tippsammlung bietet Ihnen genug Anregungen, was Sie
noch heute machen können oder zumindest, was Sie
heute beginnen können. Es liegt an Ihnen, ob Sie eine
Partnerschaft erhalten, die Sie sich wünschen, oder ob
Sie weiterhin mit Ihrem Frust und Ärgern leben müssen.
Überlegen Sie nur, um wie viel schöner und
befriedigender Ihr Leben mit einer glücklichen und
zufriedenen Partnerschaft aussehen könnte.
106

VITA
Michael Preiner
wurde 1964 in Bayreuth
geboren und wuchs dort
mit seinen 7 Ge-
schwistern auf. Schon
während seiner
Schulzeit beschäftigte er
sich mit Philosophie, Pädagogik und Psychologie und
maturierte in den beiden letztgenannten Fächern.
Danach studierte er an der Universität Bamberg und
hatte erste Kontakte in die USA. Dort begann er seine
psychotherapeutische Aus-bildung mit den
Schwerpunkten, Familientherapie und Paartherapie. Er
war in der Drogen- und Jugend-beratung, wechselte
dann in die Wirtschaft und war dort schwerpunktmäßig im
Vertrieb und Marketing tätig und absolvierte zusätzlich zu
seiner Trainerausbildung eine Coachingausbildung.
Michael Preiner ist seit mehr als 15 Jahren als Trainer
und Coach tätig und zusätzlich als CRM-Berater in
Deutschland und Österreich aktiv. Er lebt jetzt in
Strasbourg und widmet sich verstärkt seiner Idee der
„positiven Kommunikation“ und seiner Autoren-tätigkeit.