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Gerhard von Malberg


6. Hochmeister des Deutschen Ritterordens (* vor 1200; + verm. 29.11.1247)
Amtszeit von 1240 bis 1244

sowie die Beschreibung der Herrschaft Malberg in seiner Zeit

von
Manfred Dziallas MdD
Deutschritter im Deutschen Ritterorden
Elchingen
tenderlok62@arcor.de

Wenn wir uns heute Schloß Malberg betrachten, so kommt die Frage auf, wo ist der Ursprung
dieser Anlage und des Dorfes und wer waren deren erste Bewohner.

Der Ursprung ist relativ gesichert:


Der Ortsname entlehnt sich dem althochdeutschen mahal = Versammlungsort, Mahlstätte, wo
Gericht gehalten wurde. Die altgermanische Gerichtsstätte lag auf einem Hügel, dem aus der
Lex Salica bekannten mallobergus.

Anmerkung des Autors: Gerichtsstätte bedeutete damals Hinrichtungsstätte. Dort stand also
der Galgen. Es gibt bei Malberg die Gemarkung „opp dem Gericht“ (am Gericht7am Galgen)
Erwähnung 1498….bis uff den berg, da dat gericht steht.

Das heutige Schloß wurde im 18. Jahrhundert, in großen Teilen, auf dem Gelände der
ehemaligen Burg der Herrschaft Ober-Malberg erbaut. Nur wenige Reste der mittelalterlichen
Burg sind auch noch heute, meist nur im Kern erhalten.

Berühmte Ritter entstammen den Geschlechtern von Malberg. Hervorzuheben aus deren
Reihen sind die mehrfach genannten Ritter Kuno; der bekannteste ist Kuno der Große,
Raubritter Rudolf und nicht zuletzt Gerhard.

Gerhard von Malberg entstammt vermutlich einem Dienstmannengeschlecht der Herren von
Malberg, erzstiftisch-trierische Lehensträger von Malberg.
Seine Herkunft als Sohn Theoderichs von Are und dessen Frau Agnes von Malberg hat sich
als falsch erwiesen. Er war wohl eher Dienstmann von Agnes Vater Rudolf.

Über Gerhards Kinder- und Jugendzeit ist nichts überliefert. Er wird wohl als Page, wie es
sich damals geziemte, als Page bei einer befreundeten Herrschaft der näheren Umgebung eine
Ausbildung zum „Kämpen“ vollzogen haben und später, nach dem Ritterschlag, im niederen
Adelstand eines Ritters gelebt haben.

Während des gesamten Mittelalters gehörte die Herrschaft Malberg meist zur Grafschaft
Luxemburg (später Herzogtum). Dies führte regelmäßig zum Streit mit dem Erzstift Trier
(später Kurfürstentum).
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In Gerhards jungen Jahren befand sich die Herrschaft in folgendem Zustand – dazu muß ich
etwas weiter ausholen, um alle Zusammenhänge verständlicher zu machen…..

Bereits 1204 verfügte der römisch-deutsche König und spätere Kaiser des Heiligen
Römischen Reiches Friedrich II, aus dem Geschlecht der Hohenstaufen, den Abriss der
beiden Burgen zu Malberg.
Friedrich war damals 8 Jahre alt und wurde, nach dem frühen Tod seiner Eltern, von seinem
Vormund Papst Innozenz III beraten.
Ob dieses wirklich vollzogen wurde, ist nicht überliefert. 1224 stehen beide Burgen (wieder?)
Da stellt sich die Frage was der Grund war, dass die höchste Instanz im Reich sich dieses
Falles annahm?!
Freilich darf man nicht mit heutigen Maßstäben die Realitäten im Mittelalter messen. Die
Prioritäten lagen auf ganz anderen Gebieten und es scheint, dass die, zum ältesten Adel im
Rheinland gehörenden, Herren von Malberg ein gewichtiges Wort „mitredeten“ und so die
Aufmerksamkeit des Hochadels genossen.

Es darf aber mit großer Gewissheit behauptet werden, dass sich die Burgen zu Malberg nicht,
wie heute oft behauptet, beide auf dem Gelände des Schlosses befinden.
Die Herren von Malberg gehörten verschiedenen Geschlechtern an.
Im Falle einer Verortung auf dem Schloßgelände hätte ein Geschlecht die Oberburg (heute:
neues und altes Schloß, Kavaliersflügel und Gebäudestumpf des inneren Tores/Bergfried;
ohne runder Garten) und das andere die Unterburg (heute: äußeres Tor, Brauhaus und eiserner
Garten) bewohnt.
Diese Konstellation nennt man Ganerbenburg. Die Annahme eines solchen Konstrukts ist
aufgrund der Ausrichtung der Anlage nicht vertretbar.
Zwar sind Ganerbenburgen nicht nur an vielen Orten Deutschlands, sondern auch anderweitig
(Frankreich, England) vorhanden – berühmtestes Beispiel ist die Burg Eltz. Jedoch betraf dass
meist arme Adelsfamilien, die sich keine eigene Burg leisten konnten und so auf dem
vorhandenen Terrain ihre ererbten Rechte in mehreren Häuser und Herrschaften teilten.
Jedoch ist davon im Falle Malbergs nicht auszugehen.

Unsere Vorfahren des 19. Jahrhunderts wussten noch, dass sich die Herrschaft vor Ort in
Ober-Malberg und Nieder-Malberg gliederte.

Ober-Malberg liegt auf dem Gelände des heutigen Schlosses. Die ehemalige Burg ist als
Abschnittsburg ausgeführt worden.
Das bedeutet, dass sie auf Grund ihrer Lage, auf dem schroff abfallenden Gelände, nur zum
äußeren Tor hin(welches wir an gleicher Stelle, wie das heutige verorten) besonders befestigt
und geschützt werden musste. Der Burgberg stellt einen natürlichen Schutzschild gegen
mögliche Angreifer dar.
Von den ehemaligen Gebäuden und Anlagen der Burg sind nur mehr der Stumpf des inneren
Tores mit Schießscharten zur Oberburg, sowie die „alte Burg“ im Kern und die Stützwände
mit Pfeilern des Burgberings erhalten.

Die Chronik von 1898 berichtet über Nieder-Malberg, dass dieses nur mehr zum Teil als
Ruine erhalten ist. Sie bildet die Erdgeschoße von zwei aneinanderliegenden
Arbeiterwohnungen.
Die betreffenden Mauerreste befinden sich gegenüber der Wirtschaft Loos (heute Landhaus
Waldeifel) im Bereich der ehemaligen Schmiede (Deges/Ommer) und dem Anwesen
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Christmann oder mehr zum ehemaligen Pfarrhaus bzw. zum Wohnhaus der Familie Loos aus
den 1970er Jahren hin.
Sie sind am äußeren, turmartigen Aufbau sofort erkennbar.
Im Inneren sind bemerkenswert die Wendeltreppe, die riesige Küche mit außergewöhnlich
großem Rauchfang, mittelalterliche Feuerungseinrichtungen, das schöne, mit dem

Doppeladler der Beyer von Boppard geschmückte, Takeneisen (Takenplatte) und die an
Wänden und Decke der Wohnstube befindliche Eichenholzvertäfelung.
Von den Gebäuden ist im Jahr 2020 nichts mehr vorhanden.
Durch die Lage Nieder-Malbergs kurz vor der Mündung des Neidenbachs in die Kyll darf
davon ausgegangen werden, dass die Burganlage als Wasserburg ausgeführt und befestigt
war. Siehe dazu auch die Burgen Rittersdorf, Oberkail, Seinsfeld und Lissingen in der
näheren Umgebung.

Gerhard war verheiratet; der Name der Frau ist jedoch nicht überliefert. Zwei Söhne –
Theoderich und Otto – gingen aus der Ehe hervor.

Entweder nach dem Tod der Frau, oder mit deren Zustimmung trat er in den Deutschen Orden
ein, wo er nachweislich erstmals 1239. 1240 fungiert er als Marschall und Stallmeister seines
Vorgängers Konrad von Thüringen, der noch im gleichen Jahre starb.
Im selben Jahr wird Gerhard zum Hochmeister des Deutschen Ritterordens gewählt.
Der Hauptsitz des Ordens war zu jener Zeit in Akkon im heiligen Land.

Im Auftrag des, 1239 durch Papst Gregor IX in den Kirchenbann versetzten Kaiser Friedrich
II von Hohenstaufen – genannt: stupor mundi - Das Staunen der Welt, ein Enkel Kaiser
Friedrich I Barbarossa, bemühte sich Gerhard, wie schon seine Vorgänger im Orden um
Friedensvermittlung mit der Kurie.
Seine Investitur 1243 mit dem Ring durch Papst Innozenz IV (Pontifikat 1243-1254) bezeugt
sein gutes Verhältnis zu beiden Gewalten.

Als Hochmeister erwirkte Gerhard von Malberg das päpstliche Privileg die Ordensregel
abzuändern und ermöglichte so dem Deutschen Ritterorden endlich eine eigenständige Regel
zu schaffen, was seit dem IV Laterankonzil 1215 nicht möglich gewesen war.
Darauf basieren alle Änderungen der Ordensregeln bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wenig später wird Gerhard zur Abdankung gezwungen.


Im Jahr 1244 urkundete bereits sein Nachfolger Heinrich von Hohenlohe (1244 bis 1249).
Der Gründe waren wohl die Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens um die Politik
zwischen Kaiser auf der einen Seite, der die Sicherung der Eroberungen des Ordens in
Preußen und Livland forciert sehen wollte und auf der anderen das Interesse des Papstes um
mehr Engagement des Ordens im heiligen Land, die bis zur Doppelwahl 1249 im
Hochmeister amt, die den Ritterorden spalteten.

Gerhard nahm die Abdankung nicht hin, sondern trat weiterhin als Hochmeister, mit neu
geschnittenem Hochmeistersiegel auf.
Dabei ging er erhebliche Verbindlichkeiten ein. Papst Innozenz IV vermittelte. Er erteilte
Gerhard und seiner großen Gefolgschaft die Erlaubnis zu den Templern überzutreten.
Der Deutsche Ritterorden sollte Gerhards gesamte Schulden übernehmen.
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Gerhard jedoch wollte im Deutschen Orden bleiben und erhielt die Balleien Flandern,
Francien, sowie andereGüter – vermutlich im Bereich seiner Herkunftslande – zur
Verwaltung.

Als es wenig später Probleme gab, erteilte der Papst 1245 die Erlaubnis zur endgültigen
Absetzung Gerhards.

Die Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens fußten offensichtlich um die politische


Ausrichtung.
Im eskalierenden Streit der Gegenparteien Kaisertum einerseits und Papsttum andererseits,
stand der Deutsche Ritterorden zwischen beiden Fronten und da eine Vermittlung nicht mehr
möglich schien, sah man sich zur Entscheidung für eine Seite gezwungen.
Malberg hatte sich offensichtlich auf die klerikale Seite geschlagen und sich dabei „zu weit
aus dem Fenster gelehnt“.

Der Kaiser lebte abermals im Kirchenbann.


Die Erlaubnis zum Übertritt zu den Templern samt der, im Orden nicht unerheblichen
Anhängerschaft Gerhards und sein Gegenpart im Nachfolger Heinrich von Hohenlohe, der
seit 1237 im Reichs-Regentschaftsrat Friedrichs II saß, spricht dafür, dass Malberg sich zu
sehr der antistaufischen Liga angeschlossen hat, weshalb er von hohen, führenden
Ordensträgern unter dem Vorwand schlechter Amtsführung abgesetzt wurde.

Bereits Hermann von Salza (Amtszeit 1209 bis 1239) und Konrad von Thüringen (Amtszeit
1239 bis 1240), die direkten Vorgänger im Amt des Hochmeisters haben bereits diese
Auseinandersetzungen zu spüren bekommen, aber die Stärke Hermanns und die Gnade beider
früher Tod ließ sie die Spaltung des Ordens nicht mehr intensiv erleben.
Erschwerend kam der Zusammenbruch der Ordensritter in Livland durch die verlorene
Schlacht gegen Alexander Newski auf dem Peipussee 1242 und der folgende Aufstand in
Preußen hinzu.

Der 29 November vermutlich 1247 ist als Gerhards Todestag überliefert, da ab 1248 die
Auseinandersetzungen zwischen dem Orden und seinen beiden Söhnen nachweisbar ist.

Die Mitte des 13. Jahrhunderts war für den Orden eine ungewöhnlich problematische Zeit.
Diese Auseinandersetzungen haben die Ordensquellen nach Möglichkeit vertuscht.
Das traf auch Gerhard von Malberg, der totgeschwiegen wurde und in keiner Liste der
Hochmeister auftaucht.
Nur das Necrologium von Alden Biesen, welches Malbergs Herkunftsregion berücksichtigt,
nennt ihn.
Auf Grund dessen wurde er erst 1802 als Hochmeister identifiziert. So erfolgte im Mittelalter
die Auslöschung seiner Person auf den Ordenslisten.
Die „Gestaltung“ des schlechten Leumunds, in dem man ihm nachsagte, dass er vom
Templerorden gekommen wäre, auf Betreiben des Papstes, um die Streitigkeiten zwischen
Templern und Deutschen Ritterorden beizulegen, diesem beigetreten und zum Hochmeister
gewählt, hatte ab dem 19. Jahrhundert vollen Erfolg.
Er habe jedoch lieber, wie es seinem rheinischen Charakter entspreche, Feste gefeiert, als zu
kämpfen und das Leben eines Troubadurs geführt, was er auch in der Folge nach seinem
Ausscheiden aus dem Orden praktiziert habe.
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So ist der Rufmord nicht erst in unserer Zeit ein Mittel der Wahl zur Verunglimpfung
ungeliebter Personen, sondern war wohl schon ein beliebter Schachzug des Mittelalters.

Quellenhinweise:

RheinischeTouristenblätter 1. Jahrgang 1898, Nr. 7 S. 3-5 von Friedrich Kreutz


siehe auch: www.schmino.de/malberg-kyllburg-1898

Heimatkalender Bitburg-Prüm 1963 Seiten 90 – 97 von Amtsbürgermeister a.d. Karl Föst


siehe auch: www.schmino.de/die-herrschaft-malberg-in-ihren-lehens-und-landesrechtlichen-
beziehungen-zu-kurtrier-und-luxemburg

www.rheinische-geschichte/vr.de/persoenlichkeiten/gerhard-von-malberg/DE-
2068/bda/57c6c7f56c9b80.13916521#toc-7