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2006 12:25 Uhr Seite 5

Vorwort

Am 1. August 2006 tritt die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung


mit den vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Änderun-
gen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in allen deutsch-
sprachigen Teilen Europas in Kraft. Der Rat für deutsche Rechtschreibung,
der von der Kultusministerkonferenz in Abstimmung mit den staatlichen
Stellen in der Schweiz und in Österreich im Dezember 2004 eingesetzt
wurde, hat innerhalb eines Jahres in schwierigen und arbeitsintensiven
Beratungen auf der Basis des Regelwerks 2004 Änderungsvorschläge in
den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Interpunktion,
Worttrennung und Groß- und Kleinschreibung erarbeitet, um evidente
Unebenheiten in der bestehenden Reform zu glätten und wieder zu einer
einheitlichen und verbindlichen Rechtschreibung im deutschsprachigen
Raum zu kommen. Die vom Rat erarbeiteten Vorschläge orientieren sich
am Sprach- und Schreibgebrauch und bilden eine wichtige Voraussetzung
dafür, die Lesenden und Schreibenden mit der Rechtschreibreform zu
versöhnen.

So bieten zum Beispiel die Änderungen bei der Getrennt- und Zusam-
menschreibung wieder mehr semantische Differenzierungsmöglichkeiten
und erhöhen damit auch die Ausdrucksvielfalt. Die Möglichkeit, jetzt
wieder mehr Kommata setzen zu können, kommt dem Leser entgegen,
weil Satzzeichen den Sprachfluss und den Sinnzusammenhang besser
strukturieren.

Sprache ist ein hohes Gut. Sie ist die wichtigste Kommunikation des Men-
schen, um Kultur zu schaffen und zu leben. Sprache und Rechtschreibung
haben eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung und kulturelle Leitfunktion.
Das in den Schulen vermittelte Wissen muss über die Schule hinaus Be-
stand haben. Insofern darf es keine unterschiedlich verbindliche Schreib-
weise geben. Daher ist es eine primäre Aufgabe des Rats, dem renommier-
te Sprachwissenschaftler, Didaktiker und Praktiker aus dem gesamten
deutschsprachigen Raum angehören, die Einheitlichkeit der Rechtschrei-
bung zu bewahren und das orthographische Regelwerk weiterzuentwickeln.
Dies ist eine langfristige und behutsame Aufgabe. Gerade im Interesse
der Schulen ist es notwendig, dass mit dem jetzt vorliegenden Regelwerk
ein Status bei der Rechtschreibung erreicht wird, der Sicherheit und
Verlässlichkeit bietet.

Ich beglückwünsche die WAHRIG-Redaktion, die eine konstruktive,


wichtige und engagierte Rolle bei der Neufassung des Regelwerks im Rat
für deutsche Rechtschreibung gespielt hat, sehr herzlich zur Neuausgabe
von »WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung«. Neben Lernenden und
Lehrenden bietet dieses Werk allen, die mit Sprache und Schrift zu tun
haben, eine verlässliche Orientierungshilfe.

Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair


Staatsminister a. D.
Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung
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Hinweise zur Benutzung

Zielsetzung WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung ist ein Standard-Nachschlagewerk


des Buches für alle, die Deutsch sprechen, lesen und schreiben und dabei Auskunft oder
Rat suchen. Die übersichtliche Anordnung von Stichwörtern, Anwendungs-
beispielen und Informationskästen – jedes Stichwort erscheint mit eigenem
Eintrag – sowie das zweifarbige Layout ermöglichen ein schnelles Auffinden
des Gesuchten.

Stand Am 1.8.2006 tritt in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in allen
der Recht- deutschsprachigen Teilen Europas die Neuregelung der deutschen Rechtschrei-
schreibung bung in Kraft, die vom Rat für deutsche Rechtschreibung auf der Grundlage
des amtlichen Regelwerks 2004 erarbeitet wurde. Nach dem Beschluss der
Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik
Deutschland vom 2.3.2006 soll eine einjährige Übergangsfrist gelten, bevor
die neue Rechtschreibung an Schulen notenrelevant wird.
Änderungen gegenüber der Regelung von 2004 betreffen folgende Bereiche:
Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung,
Worttrennung und Zeichensetzung.

WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung, das bewährte Standardwerk zur


deutschen Orthographie, erscheint auch in der Neuauflage 2006 grundlegend
aktualisiert und erweitert: Das Werk führt alle seit dem 1.8.2006 verbind-
lichen Schreibungen vollständig auf und ist damit auf dem aktuellen Stand.
Der Wortlaut der Neuregelung findet sich in dem Kapitel Deutsche
Rechtschreibung – Amtliche Regelung 2006. Um dem Benutzer eine leichtere
Orientierung zu bieten, sind ferner die wichtigsten Orthographieregeln in dem
Kapitel Die neuen Regeln auf einen Blick übersichtlich zusammengefasst.

Im Wörterverzeichnis sind die durch die Neuregelung gegenüber dem Stand vor
1996 geänderten Schreibungen farbig markiert, so dass die Neuschreibungen
deutlich erkennbar sind.

Auswahl des WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung bietet den Wortschatz der heuti-
Wortguts gen deutschen Standard- und Umgangssprache einschließlich der Fremdwörter
aller Lebens- und Wissensgebiete, soweit sie dem Leser außerhalb spezieller
Fachliteratur begegnen, dazu eine Auswahl veralteter oder im Veralten begrif-
fener Wörter, die in der bis heute gelesenen klassischen Literatur vorkommen.

Das Stichwortinventar basiert auf dem WAHRIG Textkorpusdigital – einer mehr


als 800 Millionen Wortbelege umfassenden digitalen Dokumentation auf der
Grundlage verschiedener überregionaler Zeitungen und Zeitschriften. Mit
diesem Korpus wurde das Stichwortinventar des Werkes abgeglichen, um feh-
lende Wörter aufzuspüren und nicht mehr gängige zu reduzieren und so den
heute gebräuchlichen deutschen Wortschatz in seinen wichtigen Aspekten
repräsentativ und aktuell abzubilden.

Den Wortschatz einer lebenden Sprache lückenlos zu sammeln, ist weder ein
erreichbares noch ein sinnvolles Ziel. Wörter von nur lokaler Verbreitung und
täglich neu aufkommende Wörter stehen dem im Wege, vor allem aber auch
die Produktivität, mit der gerade die deutsche Sprache neue Zusammenset-

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Hinweise zur Benutzung i

zungen bildet. Deshalb sind Komposita zwar in reicher Zahl aufgenommen,


doch ist Vollständigkeit nicht angestrebt worden; neben Verkehrsminister
bietet Verkehrsministerium keine neuen rechtschreiblichen Probleme, es
kann daher entfallen. Ergänzt wurde die Neuausgabe um zahlreiche neue
Stichwörter, so z. B. Biodiesel, Podcast, Sudoku oder Telenovela, darunter auch
viele rechtschreibschwierige Eigennamen.

Österreich, Die Besonderheiten der deutschen Schriftsprache Österreichs und der Schweiz
Schweiz wurden umfassend berücksichtigt.

Weibliche Weibliche Formen sind in der Regel nicht aufgeführt, wenn sie durch
Formen einfaches Anhängen der Silbe -in gebildet werden können (Schauspieler /
Schauspielerin).
Dagegen sind sie immer aufgeführt, wenn bei ihrer Bildung die männliche
Form verändert wird, z.B. Zauberer / Zauberin (nicht: Zaubererin),
Landsmann / Landsmännin.

Namen Geographische Namen sind ebenso aufgenommen wie eine Reihe von Vor-
namen sowie Namen bekannter Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und
Wissenschaft – dies besonders dann, wenn sie rechtschreibliche Schwierig-
keiten aufwerfen können.

Sofern biblische Namen aufgeführt sind, wurde neben der konventionellen


Schreibweise die Schreibung nach den „Loccumer Richtlinien“ angeführt.

Abkürzungen Allgemein verbreitete Abkürzungen sind als Stichwort aufgenommen, z. B.


als Stichwort h. c. Abk. für honoris causa. Das ausgeschriebene Wort erscheint an seiner
eigenen Stelle im Alphabet und wird erklärt – außer wenn die Auflösung kei-
ner weiteren Erklärung bedarf, z. B. BfA Abk. für Bundesversicherungsanstalt
für Angestellte.

Alphabetische Die Umlaute ä, ö, ü erscheinen in der alphabetischen Ordnung wie die einfa-
Ordnung chen Vokale a, o, u; ae und oe werden jedoch als zwei Buchstaben behandelt.
Es erscheint also Pädagoge zwischen Packung und Paddel; dagegen steht der
Eintrag Goethe zwischen Godel und Gof.

Veränderungen Wird durch die Neuregelung der Rechtschreibung eine vor 1996 übliche
bei der Schreibung durch eine neue ersetzt, so wird der Benutzer durch die blaue
Schreibung Schrift auf die neue Form aufmerksam gemacht, z. B. Gässchen (Schreibung
vor 1996: Gäßchen); Rad fahren (Schreibung vor 1996: radfahren).

Alte, ab 2006 nicht mehr gültige Schreibweisen sind immer dann verzeichnet,
wenn sich durch die Neuschreibung die Stellung des Wortes im Alphabet
ändert, z. B.: Gemse (alt für: Gämse). Die Worterklärung findet sich in diesen
Fällen bei der neuen Schreibung (Gämse).

Zahlreiche mit dem Regelwerk 2006 veränderte Schreibungen, besonders im


Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Groß- und Klein-
schreibung, sind ferner in den blau unterlegten Informationskästen erläutert.

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i Hinweise zur Benutzung

Mehrere Fremdwörter: Gibt es für ein Fremdwort mehrere zulässige Schreibungen,


zulässige so gelten diese generell als gleichberechtigt. Stehen die Varianten an alphabe-
Schreibungen tisch gleicher Stelle, so wird die integrierte Variante – also die Variante, die
in ihrer Schreibung an das Deutsche angeglichen ist – in der Regel an erster
Stelle aufgeführt, und es wird mit auch auf die andere Variante hingewiesen,
z. B. Geografie auch: Geographie.
Stehen die Varianten an alphabetisch unterschiedlicher Stelle, z. B. Disko auch:
Disco, so findet sich der Haupteintrag mit der Worterklärung meist unter der
integrierten Variante. Bei der anderen Variante wird mit = auf den Haupt-
eintrag verwiesen: Disco = Disko.
Getrennt- und Zusammenschreibung: Bei der Getrennt- und Zusammen-
schreibung ist die Zahl der zulässigen Varianten gestiegen. Gelten für konkrete
und übertragene Bedeutungen eines Wortes unterschiedliche Schreibungen,
z. B. kaltstellen (Politiker) vs. kalt stellen / kaltstellen (Getränke), so erhält
jede Bedeutungsebene einen eigenen Eintrag in der Lemmastrecke.
Beispiel:

kalt|stel|len tr. 1; jmdn. k. ugs.:


ihn der Wirksamkeit, des (politi-
schen) Einflusses berauben
kalt stel|len auch: kalt|stel|len
tr.1; Getränke kalt stellen oder:
kaltstellen

Blau markierte Zu zahlreichen Stichwörtern sind prägnante, farbig unterlegte Informations-


Informations- kästen in das Wörterverzeichnis eingefügt. Dort werden die wichtigsten
kästen: Änderungen und Neuschreibungen anhand des amtlichen Regelwerks zur
Erläuterungen deutschen Rechtschreibung mit Hilfe typischer Anwendungsbeispiele erläutert
der neuen und begründet, es werden Varianten genannt sowie orthographische und
Regeln grammatische Zweifelsfälle besprochen. Dabei werden auch die entsprechen-
den Paragraphen des amtlichen Regelwerks angegeben.

kahl fressen / kahlfressen:


Bezeichnet das Adjektiv kahl
eine Eigenschaft, die das Ergeb-
nis dessen ist, was das Verb
ausdrückt, so kann man sowohl
getrennt als auch zusammen-
schreiben: Heuschrecken können
ganze Landstriche kahl fressen /
kahlfressen. § 34 (2.1) Ebenso:
kahl scheren / kahlscheren,
kahl schlagen / kahlschlagen.
Getrennt schreibt man hingegen
kahl bleiben . § 34 (2.3)

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Hinweise zur Benutzung i

Infokästen zu Sind bei einem Wort mehrere Schreibvarianten möglich, werden darüber
empfohlenen hinaus in mit einem Ausrufezeichen versehenen Tipp-Infokasten zu paradig-
Schreibungen matischen Fällen Schreibempfehlungen gegeben. Diese verhelfen zum einen
dazu, verschiedene Bedeutungsebenen eines Wortes gegeneinander abzugren-
zen, zum anderen weisen sie auf die Schreibung hin, die im Schreibgebrauch
die weiter verbreitete Variante ist.

Pho|to|satz m. 2 nur Sg. = Fotosatz


Pho|to|sphä|re f. 11 = Fotosphäre

Pho|to|syn|the|se f. 11 = Fotosyn-
these
! Obwohl sich für den aus dem
Griechischen stammenden
Wortbestandteil fot/phot in den
meisten Fällen die eingedeutsch-
te Variante durchgesetzt hat
(fotografieren), wird in wissen-
schaftlichen Zusammenhängen
meist die stärker an die fremd-
sprachliche Herkunft angelehnte
ph-Schreibung bevorzugt: Photo-
synthese

pho|to|tak|tisch = fototaktisch
Pho|to|ta|xis f. Gen. - Pl. -xen
= Fototaxis

Suchhilfen Zu besonders rechtschreibschwierigen Wörtern sind zur raschen Orientierung


des Benutzers blau unterlegte, mit einem weißen Pfeil markierte Suchhilfe-
kästen in das Wörterverzeichnis integriert. Diese Kästen findet man an der
alphabetischen Stelle, an der der Benutzer vermutlich fälschlich das betreffen-
de Wort suchen würde, so z. B. akquirieren unter aqu … Die Suchhilfe ver-
weist mit Erläuterung und Begründung auf die richtige Schreibung und die
entsprechende Stelle im Alphabet, an der der Stichworteintrag erscheint.

Äqui|no· k|ti|um n. Gen. -s Pl. -ti|en


Tagundnachtgleiche
➔ akquirieren Der gesprochene
Anlaut [akw-] ließe eine Schrei-
bung des ursprünglich lateini-
schen Wortes mit aqu- erwarten,
analog z. B. zu Aquarell. Statt-
dessen ist der Buchstabenfolge
qu noch ein k vorangestellt
(akqu-). Ebenso: Akquisiteur,
Akquisition und akquisitorisch.

Aqui|ta|ni|en südwestfrz. histor.


Landschaft

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i Hinweise zur Benutzung

Betonung Der betonte Vokal eines Wortes ist, wenn er lang gesprochen wird, durch
einen untergesetzten Strich markiert: Blase; wenn er kurz ist, durch einen
Punkt: Mi.tleid.

Die Angabe der Betonung erfolgt beim Stichwort; folgt jedoch eine Ausspra-
cheangabe in phonetischer Schrift, ist die Betonung bei dieser angegeben.
In Informationskästen werden Betonungen einheitlich durch einen unter-
gesetzten Strich angezeigt, die Länge der entsprechenden Silbe wird nicht
berücksichtigt.

Aussprache Wo Zweifel über die richtige Aussprache bestehen können, ist diese in eckigen
Klammern hinter dem Stichwort angegeben, und zwar in den Zeichen des
internationalen phonetischen Alphabetes.

Worttrennung Die Worttrennung wird jeweils durch einen senkrechten Strich markiert:
am Zeilenende Man|tel, Chi|li|as|mus. Neue Trennmöglichkeiten sind mit einem blauen
senkrechten Strich hervorgehoben: gus|tie|ren, Zu|cker.

Die englischen und französischen Wörter sind nach deutschen Regeln getrennt,
z. B. Bo|dy|buil|ding, Figh|ting, Fremdwörter aus dem Griechischen und
Lateinischen in der Regel zwischen den sinntragenden Bestandteilen der
Herkunftssprache oder nach Sprechsilben, z. B. Chir|urg auch: Chi|rurg.
Bei mehreren gültigen Trennalternativen werden alle Möglichkeiten aufge-
zeigt, die zulässig und begründbar sind.

Nach den Regeln zulässige, aber sinnentstellende Trennungen (Anal|phabet,


Urin|stinkt, Sprecher|ziehung, Frust|ration) wurden nach Möglichkeit vermieden.
Dass dabei ein Interpretationsspielraum besteht, welche Trennungen als sinn-
entstellend empfunden werden, ist unvermeidbar. Hier muss die Entscheidung
letztlich dem Schreibenden überlassen bleiben, der durch seinen Text einen
Bedeutungszusammenhang herstellt. Ferner ist häufig unklar, ob es sich bei
einem Kompositum um zwei erkennbare Einzelbestandteile handelt oder nicht
und ob daher ein verbindender Einzelvokal in der Mitte des Wortes abge-
trennt werden darf: Bio|müll (nicht: Bi|omüll), aber: Bi|o|se, Ru|i|ne.

Vor allem bei Fremdwörtern lateinischer oder griechischer Herkunft, bei denen
Wortbestandteile häufig nicht mehr erkannt werden und die Fuge der sinn-
tragenden Bestandteile nicht mit der Trennfuge nach Sprechsilben überein-
stimmt (Thermo|stat oder Thermos|tat), ist eine Entscheidung schwierig.
In der Regel wurden z. B. lexikalisierte Formen, die auch als deutsche Wörter
vorkommen, an der Schnittstelle zum Zweitbestandteil eines Kompositums als
untrennbar charakterisiert: Atmo|sphäre (nicht: Atmos|phäre), Manu|skript
(nicht: Manus|kript), Geo|graf, (nicht: Ge|ograf); Mikro|skop, aber:
Stetho|skop oder Stethos|kop.

Bei Reihen von Zusammensetzungen und Ableitungen, die von den gleichen
neuen fakultativen Trennungsmöglichkeiten betroffen sind, z. B. bei insti …
usw., werden sogenannte Buchstabenfolgen eingesetzt, in denen die jeweils
gültigen Trennvarianten der folgenden Wortreihe angegeben werden.

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Hinweise zur Benutzung i

Alle Stichwörter, für die mehrere Trennvarianten gelten, sind mit einer
blauen Raute ♦ gekennzeichnet:

♦ Die Buchstabenfolge in|sti…


kann in Fremdwörtern auch
ins|ti… getrennt werden.

♦ In|stil|la|ti|on [lat.] f. 10, Med.:


Einträufelung
♦ in|stil|lie|ren tr. 3, Med.:
einträufeln

Herkunft Die Herkunft ist nur für Fremd- und Kunstwörter angegeben, und zwar
durch Angabe der Ursprungssprache in eckigen Klammern hinter dem
Stichwort bzw. hinter der Ausspracheangabe: [arab.]. Gelegentlich wird auch
die Vermittlungssprache genannt, durch die ein Wort ins Deutsche gelangt
ist: [arab.-frz.].

Grammatische Alle Substantive sind nach der Genusangabe (m., f., n.) mit einer Ziffer verse-
Angaben hen, die auf das betreffende Deklinationsschema verweist. Ist ein Wort nicht
im Schema unterzubringen, so sind der Genitiv Singular und der Nominativ
Plural angegeben, z. B. Album n. Gen. -s Pl. -ben (Genitiv: des Albums, Plu-
ral: Alben) oder Infotainment n. Gen. -s nur Sg. (nur im Singular vorkom-
mend).
Bei Verben stehen die Angabe tr. = transitiv, intr. = intransitiv, refl. = reflexiv
sowie eine Ziffer, die auf das betreffende Konjugationsschema verweist.
Deklinations- und Konjugationstabellen finden sich farbig schraffiert im
Anhang ab Seite 1189.
Bei Präpositionen ist neben der Bezeichnung Präp. der Kasus angegeben, mit
dem sie verbunden werden.

Erklärungen Die Bedeutung eines Wortes wird erläutert, wenn sie nicht ohne weiteres als
zur Wort- bekannt vorausgesetzt werden kann. Hat ein Wort neben einer allgemein
bedeutung bekannten Bedeutung noch eine Sonderbedeutung, so ist häufig nur diese
angegeben. Dies kann auch durch eine Redewendung geschehen, die den
übertragenen Gebrauch oder eine sonstige Sonderbedeutung erkennen lässt.
Beispiel: verbreiten tr. 2; sich über etwas v.: sich ausführlich zu etwas
äußern. Löffel m. 5; auch Jägerspr.: Ohr (von Hase und Kaninchen).
Lanze f. 11; eine L. für jmdn. brechen: für jmdn. eintreten, für ihn sprechen.
Lehre f. 11; auch: Messwerkzeug.

Anwendungs- Der Gebrauch eines Wortes wird häufig durch Anwendungsbeispiele und ste-
beispiele hende Redewendungen veranschaulicht, z. B. Hand f. 2; die öffentliche Hand:
Behörde, Verwaltung; rechter, linker Hand: rechts, links; Ausgabe letzter
Hand: letzte Ausgabe eines Schriftwerkes, die vom Verfasser selbst durchge-
sehen worden ist; die Sache war von langer Hand vorbereitet: seit langem.
In Anwendungsbeispielen wird das Stichwort, sofern keine Missverständnisse
beim Leser auftreten können, abgekürzt: lesen tr. 79; l. üben.

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i Hinweise zur Benutzung

Markenzeichen Das Zeichen ® gibt an, dass eine Bezeichnung urheber- oder wettbewerbs-
rechtlich geschützt ist. Aus seinem Fehlen kann jedoch nicht geschlossen wer-
den, dass der betreffende Name nicht geschützt sei.

Aufbau eines hän|gen|blei|ben auch: hän|gen blei|ben intr. 17, ugs., übertr. 1. nicht in die
Artikels 1 2 3 4

nächsthöhere Klasse versetzt werden 2. sich im Gedächtnis einprägen


4

1. Stichwort (halbfett);
2. Darstellung der orthographischen Variante; die blaue Schrift zeigt an, dass
sich die Schreibung gegenüber der Schreibung von vor 1996 geändert hat;
3. Angaben zur Grammatik, Stilebene, Bedeutungsebene: intr. = intransitiv,
d.h., das Verb kann auch ohne Akkusativobjekt gebraucht werden; Nummer
des Konjugationsschemas (17), das im Anhang ab Seite 1200 nachgeschla-
gen werden kann; ugs. = umgangssprachlich; übertr. = übertragen gebraucht;
4. das Stichwort hat zwei Bedeutungen, die durch die halbfetten Ziffern 1, 2
angezeigt werden.

Open Source [oUp´n sOÜs, engl.] Gen. - - nur Sg. EDV: kostenlose Software
1 2 3 4 5

mit frei zugänglichem Quellkode


5

1. Stichwort (halbfett);
2. Aussprache mit phonetischen Zeichen, Betonungsangabe durch Unterstrich
(lang, betont);
3. Angabe der Ursprungssprache: (engl. = englisch);
4. Angaben zur Grammatik, zum Fachgebiet: Genus (f= femininum);
Deklination (Gen. - - nur Sg.), d.h., die Endung der beiden
Stichwortbestandteile bleibt im Genitiv unverändert, der Ausdruck wird nur
im Singular gebraucht; Fachgebiet (EDV = elektronische Datenverarbeitung);
5. Bedeutung des Stichworts.

Rand m. 4; außer Rand und Band sein ugs.: ausgelassen, ohne Ordnung sein;
1 2 3 4 5

mit etwas zu Rande oder: zurande kommen


6

1. Stichwort (halbfett);
2. Angaben zur Grammatik: Genus (m = maskulinum); Nummer des Deklina-
tionsschemas, das im Anhang ab Seite 1191 nachgeschlagen werden kann;
3. Anwendungsbeispiel;
4. Angabe des Gültigkeitsbereichs oder der Sprachschicht;
ugs. = umgangssprachlich;

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Hinweise zur Benutzung i

5. Bedeutung des Anwendungsbeispiels;


6. Anwendungsbeispiel mit Darstellung einer orthographischen Variante; die
blaue Schrift zeigt an, dass sich die Schreibung gegenüber der Schreibung
von vor 1996 geändert hat.

Rahmenteile Neben einem allgemeinverständlichen Überblick über die neuen Rechtschreib-


regeln enthält WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung eine integrierte
Kurzgrammatik, die besonders für den Schulgebrauch konzipiert ist und die
wichtigsten grammatischen Fachbegriffe und Regularitäten auf einen Blick
präsentiert.
Eine Gegenüberstellung der wichtigsten Altschreibungen 2004 und Neuschrei-
bungen 2006 mit paradigmatischen Fällen bietet Lehrern und Schülern, die
nach den Regeln von 1996 und 2004 gelernt und unterrichtet haben, über-
sichtliche Hilfestellungen.
Abgerundet wird das Werk durch einen hilfreichen Serviceteil mit Muster-
texten für Geschäftsbriefe, Lebenslauf und Bewerbung.

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Abkürzungen geh. gehoben Österr. Österreich


und Zeichen Gen. Genitiv Part. II Partizip II
Geol. Geologie Philos. Philosophie
Abk. Abkürzung Ggs. Gegensatz Pl. Plural
Adv. Adverb Gramm. Grammatik poet. poetisch
afrik. afrikanisch hebr. hebräisch portug. portugiesisch
ahd. althochdeutsch hl. heilig Präp. Präposition
Akk. Akkusativ idg. indogermanisch Pron. Pronomen
alem. alemannisch i. e. S. im engeren Sinn prot. protestantisch
allg. allgemein intr. intransitiv Psych. Psychologie
amerik. amerikanisch ital. italienisch Rechtsw. Rechtswesen
Anat. Anatomie i. w. S. im weiteren Sinn refl. reflexiv
aram. aramäisch jap. japanisch relig. religiös
Archit. Architektur Jh. Jahrhundert Relig. Religion
argent. argentinisch jmd. jemand rotw. rotwelsch
Astrol. Astrologie jmdm. jemandem s. siehe
Astron. Astronomie jmdn. jemanden scherzh. scherzhaft
AT Altes Testament jmds. jemandes schweiz. schweizerisch
austr. australisch kath. katholisch Seew. Seewesen
Bankw. Bankwesen kfm. kaufmännisch Sg. Singular
Bauw. Bauwesen Kfz Kraftfahr- skand. skandinavisch
bair. bairisch zeug(technik) Soziol. Soziologie
bes. besonders Konj. Konjunktion Spr. Sprache
Bez. Bezeichnung landsch. landschaftlich Sprachw. Sprachwissenschaft
Bgb. Bergbau Landw. Landwirtschaft Stud. Studentensprache
Biol. Biologie lat. lateinisch Tech. Technik
Bot. Botanik Lit. Literatur Theol. Theologie
BR Dtld. Bundesrepublik luth. lutherisch tr. transitiv
Deutschland m. Maskulinum tschech. tschechisch
Buchw. Buchwesen MA Mittelalter u. und
bzw. beziehungsweise mal. malaiisch u. a. und andere(s)
Chem. Chemie Math. Mathematik u. Ä. und Ähnliche(s)
chin. chinesisch Med. Medizin übertr. im übertragenen
Dat. Dativ Meteor. Meteorologie Sinn
DDR Deutsche Demo- mhd. mittelhochdeutsch u. dgl. und dergleichen
kratische Republik Mil. Militär ugs. umgangssprachlich
dt. deutsch Mio. Million ung. ungarisch
Dtld. Deutschland mlat. mittellateinisch urspr. ursprünglich
ehem. ehemals, Mus. Musik usw. und so weiter
ehemalig(e) Myth. Mythologie v. Chr. vor Christus
eigtl. eigentlich n. Neutrum vgl. vergleiche
Elektr. Elektrotechnik nat.-soz. nationalsozia- VR Volksrepublik
erg. ergänze listisch Wirtsch. Wirtschaft
europ. europäisch n. Chr. nach Christus Wiss. Wissenschaft
ev., evang. evangelisch nddt. niederdeutsch Zool. Zoologie
f. Femininum ndrl. niederländisch Zus. Zusammensetzung
Flugw. Flugwesen neulat. neulateinisch * nicht korrekt
Forstw. Forstwesen Nom. Nominativ
Fot. Fotografie norw. norwegisch
Frkr. Frankreich NT Neues Testament Weitere Abkürzungen befin-
frz. französisch o. Ä. oder Ähnliche(s) den sich im Wörterverzeich-
geb. geboren österr. österreichisch nis als Stichwörter.

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Aussprachezeichen i

Tabelle der Aussprachezeichen (internationales phonetisches Alphabet)


Vokale Konsonanten

[Ü] der Doppelpunkt bezeichnet die [b] Ball; stimmhafter Verschlusslaut


Länge eines Vokals; Vokale ohne [ç] ich; stimmloser Reibelaut
Doppelpunkt sind kurz bis halblang [x] Bach; stimmloser Reibelaut
zu sprechen [d] Dach
[a] Mann stimmhafter Verschlusslaut
[aÜ] Nase [D] engl. mother, span. Almaden
[a)] frz. chambre, Jean; nasales a stimmhafter Reibelaut
[a)Ü] Branche; nasales langes a [T] engl. Commonwealth,
[ø] engl. lunch span. Cervantes
kurzer, dunkler a-Laut stimmloser Reibelaut
[e] lebendig; geschlossen, kurz [f] Feld, viel; stimmloser Reibelaut
[eÜ] Leben; geschlossen, lang [g] Garten
[E] Rettich, Hände; offen, kurz stimmhafter Verschlusslaut
[EÜ] Käse; offen, lang [h] heute; Hauchlaut
[œ] engl. catch [j] ja, frz. fille
heller, offener ä-Laut, meist kurz stimmhafter Reibelaut
[E)] timbrieren; nasales e [k] Kind
[ẼÜ] Bassin; nasales langes e, offen stimmloser Verschlusslaut
[´] Gabe; schwach, kurz [l] leben, alle; Liquida
[i] Rivale; geschlossen, kurz [m] Mann; Nasal
[iÜ] Liebe; geschlossen, lang [n] Nase; Nasal
[I] Fisch; offen, kurz [N] Fang; Nasal
[o] Krokodil; geschlossen, kurz [p] Pilz
[oÜ] Mohr, Moor; geschlossen, lang stimmloser Verschlusslaut
[O] Ross; offen, kurz [r] Riese; Liquida
[OÜ] engl. all; offen, lang [z] Rose
[O)] Montblanc; nasales offenes o stimmhafter Reibelaut
[O)Ü] Bronze; nasales langes o, offen [s] Stoß
[P] Phönizier; kurz, geschlossen stimmloser Reibelaut
[PÜ] König; geschlossen, lang [Z] Genie
[{] Förster; offen, kurz stimmhafter Reibelaut
[{Ü] frz. œuvre, engl. girl; offen, lang [S] schön; stimmloser Reibelaut
ù
[{] frz. un; nasales ö [t] Tag
ù
[{Ü] Verdun; nasales langes ö stimmloser Verschlusslaut
[u] Kuriosität; geschlossen, kurz [v] Welt, Villa
[uÜ] Spur; geschlossen, lang stimmhafter Reibelaut
[y] parfümieren, Mücke [w] engl. Wales; konsonantisches u
geschlossen oder offen, kurz
[yÜ] Güte; geschlossen, lang
[aI] Hain, Eis Buchstaben, die zwei Laute wiedergeben,
ai- oder ei-Diphthong werden in der Lautschrift durch zwei Zeichen
[OI] Häuser, heute, ahoi dargestellt, z. B.
äu- oder eu-Diphthong
[aU] Haus; au-Diphthong [ts] z (wie in Weizen)
[EI] engl. rain, Shakespeare [ks] x (wie in Text)
Diphthong für engl. ai, a
[oU] engl. nose, Floating
Diphthong für engl. o, oa u. a.

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Griechisches, kyrillisches und hebräisches Alphabet


griechische Schrift: 1 altgrie- kyrillische Schrift: der lateini- hebräische Schrift:
chische Majuskeln bzw. neu- schen Schrift angenäherte 1 Buchstabenform
griechische Großbuchstaben; »bürgerliche Schrift« in der (Quadratschrift unpunktiert);
2 byzantinische Minuskeln modernen russischen Form: 2 Buchstabenname;
bzw. neugriechische Klein- 1, 2 Druckschrift, 3, 4 Kursive; 3 Lautwert für das biblische
buchstaben; 3 Buchstaben- 5 wissenschaftliche Trans- Hebräisch; 4 wissenschaft-
name; 4 altgriechischer, literation; 6 Lautwert im liche Transliteration
5 neugriechischer Lautwert Russischen

1 2 3 4 5 1 2 3 4 5 6 1 2 3 4

Römische Ziffern und Zahlen


Es gibt sieben verschiedene Zeichen: I = 1, V = 5, X = 10, L = 50, C = 100, D = 500, M = 1000
Die Zahlen werden von links nach rechts gelesen und addiert; steht jedoch eine kleinere Zahl vor
einer größeren, so muss sie abgezogen werden:
II = 2, III = 3, IV = 4, VI = 6, VII = 7, VIII = 8, IX = 9, XI = 11, XIX = 19, XX = 20,
XXX = 30, XL = 40, LX = 60, XC = 90, XCIX = 99, CI = 101, CCCXLIX = 349,
MCMXCVIII = 1998, MMV = 2005

18
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Korrekturzeichen i

Korrekturzeichen nach DIN 16511


Hauptregeln Die Eintragungen sind so deutlich vorzunehmen, dass kein Irrtum entste-
hen kann.
Jedes eingezeichnete Korrekturzeichen ist am Papierrand zu wiederholen.
Die erforderliche Änderung ist rechts neben das wiederholte Korrekturzei-
chen zu schreiben, sofern das Zeichen nicht (wie z. B. , ) für sich
selbst spricht. Das Einzeichnen von Korrekturen innerhalb des Textes ohne
den dazugehörigen Randvermerk ist unbedingt zu vermeiden. Das an den
Rand Geschriebene muss in seiner Reihenfolge mit den innerhalb der Zeile
angebrachten Korrekturzeichen übereinstimmen und in möglichst gleichem
Abstand neben den betreffenden Zeilen untereinanderstehen.
Bei mehreren Korrekturen innerhalb einer Zeile sind unterschiedliche Kor-
rekturzeichen anzuwenden. Ergeben sich in einem Absatz umfangreichere
Korrekturen, wird das Neuschreiben des Absatzes empfohlen.
Erklärende Vermerke zu einer Korrektur sind durch Doppelklammern zu
kennzeichnen.
Es wird empfohlen, die Korrekturen farbig anzuzeichnen.

Anwendung 1. Falsche Buchstaben oder Wörter werden durchgestrichen und am


Papierrand durch die richtigen ersetzt; versehentlich umgedrehte Buchsta-
ben werdEn iu gleicher Weise angezeichnet.
Komnen in eener Zaile mehrere sulcher Feller vor, so erhalten sie ihrer
Reihenfolge mit unterschiedliche Zeichen.

2. Überflüssige Buchstaben oder Wörter werdenn durchgestrichen durch-


gestrichen und am Papierrand durch (Abkürzung für deleatur = »es werde
getilgt«) angezeichnet.

3. Fehlende Buchstaben werden angezeichnet, indem der vorangeende oder


der folgende uchstabe durchgestrichen und am Rand zusammen mit dem
fehlenden Buchstaben wiederholt wird. Es kann auch das ganze Wort der
die Silbe durchgesrichen und am Rand berichtigt werden.

4. Fehlende oder überflüssige Satzzeichen werden wie fehlende oder über-


flüssige Buchstaben angezeichnet.
Beispiele: Satzzeichen beispielsweise Komma oder Punkt
»Die Ehre ist das äußere Gewissen«, heißt es bei Schopenhauer
»und das Gewissen, die innere Ehre.«

5. Beschädigte Buchstaben werden durchgestrichen und am Rand einmal


unterstrichen.
Fälschlich aus anderer Schrift gesetzte Buchstaben werden am Rand
zweimal unterstrichen.
Verschmutzte Buchstaben und zu stark erscheinende Stellen werden um-
ringelt. Dieses Zeichen wird am Rand wiederholt.
Neu zu setzende Zeilen. Zeilen mit porösen oder beschädigten Stellen erhal-
ten einen waagerechten Strich. Ist eine solche Stelle nicht mehr lesbar, wird
sie durchgestrichen und deutlich an den Rand geschrieben.

19
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i Korrekturzeichen

6. Wird nach Streichung eines Bindestriches oder Buchstabens die Getrennt-


oder Zusammenschreibung der verbleibenden Teile zweifelhaft, so ist wie folgt
zu verfahren:
Beispiele: Der Schnee war blendend-weiß, la courronne

7. Ligaturen (zusammengegossene Buchstaben) werden verlangt, indem man


die fälschlich einzeln gesetzten Buchstaben durchstreicht und am Rand mit
einem darunter befindlichen Bogen wiederholt.
Fälschlich gesetzte Ligaturen werden durchgestrichen, am Rand wiederholt
und durch einen Strich getrennt.
Beispiel: Auflage

8. Verstellte Buchstaben werdne durchgestrichen und am Rand richtig an-


gebegen.
Verstellte Wörter werden das durch Umstellungszeichen berichtigt. Die
Wörter werden bei größeren Umstellungen beziffert.
Verstellte Zahlen sind immer ganz durchzustreichen und in der richtigen
Ziffernfolge an den Rand zu schreiben.
Beispiel: 1694

9. Fehlende Wörter sind in der Lücke durch Winkelzeichen kenntlich zu


machen und am anzugeben.
Bei größeren Auslassungen wird auf die Manuskriptseite verwiesen. Die Stelle
ist auf dem Manuskript zu markieren.
Beispiel: Die Erfindung Gutenbergs ist Entwicklung

10. Falsche Trennungen werden am Zeilenschluss und am folgenden Zeil-


enanfang angezeichnet.

11. Fehlender Wortzwischenraum wird durch , zu enger Zwischenraum


durch , zu weiter Zwischenraum durch angezeichnet.
Beispiel: Soweit du gehst, die Füße laufen mit.
Ein Doppelbogen gibt an, dass der Zwischenraum ganz weg fallen soll.

12. Andere Schrift wird verlangt, indem man die betreffende Stelle unter-
streicht und die gewünschte Schrift am Rand vermerkt.

13. Die Sperrung oder Aufhebung einer Sperrung wird – wie beim Verlangen
einer a n d e r e n Schrift – durch Unterstreichen angezeichnet.

14. Nicht Linie haltende Stellen werden durch parallele Striche angezeichnet.

15. Unerwünscht mitdruckende Stellen (z. B. Spieße) werden unterstrichen


und am Rand mit Doppelkreuz angezeichnet.

16. Ein Absatz wird durch das Zeichen im Text und am Rand verlangt.
Beispiel: Die ältesten Drucke sind so gleichmäßig schön ausgeführt, dass sie die
schönste Handschrift übertreffen. Die älteste Druckerpresse scheint von
der, die uns Jost Amman im Jahre 1568 im Bilde vorführt, nicht
wesentlich verschieden gewesen zu sein.

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Korrekturzeichen i

17. Das Anhängen eines Absatzes wird durch eine verbindende Schleife
verlangt.
Beispiel: Diese Presse bestand aus zwei Säulen, die durch ein Gesims verbunden
waren.
In halber Mannshöhe war auf einem verschiebbaren Karren die
Druckform befestigt.

18. Zu tilgender oder zu verringernder Einzug erhält das Zeichen


Beispiel: Das Auge an die Beurteilung guter Verhältnisse zu gewöhnen, erfordert
jahrelange Übung.

19. Fehlender oder zu erweiternder Einzug erhält das Zeichen


Beispiel: Der Einzug bleibt im ganzen Buch gleich groß, auch wenn einzelne
Absätze oder Anmerkungen in kleinerem Schriftgrad gesetzt sind.

20. Verstellte (versteckte) Zeilen werden mit waagerechten Randstrichen


versehen und in der richtigen Reihenfolge nummeriert.
Beispiel: Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
lief er schnell, es nah zu sehn,
war so jung und morgenschön,
Röslein auf der Heiden,
sah’s mit vielen Freuden. (Goethe)

21. Fehlender Durchschuss wird durch einen zwischen die Zeilen gezoge-
nen Strich mit nach außen offenem Bogen angezeichnet.
Zu großer Durchschuss wird durch einen zwischen die Zeilen gezogenen
Strich mit einem nach innen offenen Bogen angezeichnet.

22. Erklärende Vermerke zu einer Korrektur sind durch Doppelklammer zu


kennzeichnen.
Beispiel: Die Vorstufen der Buchstabenschriften waren die Bilderschriften. Al-
phabet als der Stammmutter aller abendländischen Schriften schufen
die Griechen.

23. Für unleserliche oder zweifelhafte Manuskriptstellen, die noch nicht


blockiert sind, zeichnet man eine Blockade an ( ), um auf die noch not-
wendige Korrektur oder Ergänzung aufmerksam zu machen.
Beispiel: Hyladen sind Insekten mit unbeweglichem Prothorax (s. S. …).

24. Irrtümlich Angezeichnetes wird unterpunktiert. Die Korrektur am


Rand ist durchzustreichen.

21
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 17.05.2006 16:57 Uhr Seite 22

Geschäftsbrief nach DIN 5008:2005


Beispiel 1

2,7
bzw. Feld für Briefkopf 1
4,5
cm

2,41 cm Feld für Postanschrift des Absenders 2 mind. 10,97 cm


*

Sendungsart
Empfängerbezeichnung
Postfach od. Straße u. Hausnummer Anschriftenfeld 3
Postleitzahl u. Bestimmungsort
*

Ihr Zeichen Unser Zeichen Telefon Datum 4


Ihre Nachricht vom unsere Nachricht vom
*
7,49 cm 12,57 cm 17,65 cm
*

Betreff 5
*

Anrede, 6
*

Text 7
*

Grußformel 8
*

Firmenbezeichnung
Unterschrift/Stempel 9
*

Name, Position des Unterzeichners


*

Anlagenvermerke 10
*

Verteilervermerke

Feld für Geschäftsangaben u. gesellschaftsrechtliche Angaben 11

22
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 13.05.2006 15:41 Uhr Seite 23

Geschäftsbrief i

Die Standardisierung des Geschäftsbriefs nach ggf. Telefonnummer sind dann an anderer
DIN 5008:2005 weist bestimmten Informa- Stelle vermerkt (siehe Beispiel 2).
tionen einen festen Platz auf dem Briefblatt
(DIN-A4-Format) zu und dient so der zügigen 5Die Betreffzeile macht in Stichworten
Informationsentnahme. genaue Angaben zu Inhalt und Absicht des
Schreibens. Die Zeile kann fett gedruckt
1Für die Gestaltung des Briefkopfes gibt es werden. Das Wort „Betreff“ wird nicht mehr
außer dem zugewiesenen Raum (Höhe von geschrieben. Hinter der Betreffzeile steht
2,7 oder 4,5 cm) keine Vorgaben. Der Brief- kein Schlusspunkt.
kopf enthält z. B. Firmennamen oder -logo.
Ab der zweiten Seite wird unterhalb dieses 6 Die Anrede wird mit zwei Zeilen Abstand

Feldes mit einer Zeile Abstand eine Seiten- unter die Betreffzeile gesetzt. Wenn der
zahl gesetzt, hinter der nach einer Leerzeile Empfänger nicht namentlich bekannt ist,
der Text weiterläuft. kann die Formel „Sehr geehrte Damen und
Herren“ verwendet werden. Hinter die
2 Bei Verwendung von Kuverts mit Sicht- Anrede setzt man ein Komma und schreibt
fenster wird der klein zu druckende Absender mit einer Zeile Abstand klein weiter.
so angeordnet, dass er im Fenster über der
Anschrift erscheint. 7Der mit einfachem Zeilenabstand zu schrei-
bende Text sollte möglichst übersichtlich
3 Das neunzeilige Anschriftenfeld besteht aus gegliedert und verständlich formuliert sein.
der Zusatz- und Vermerkzone (Zeilen 1–3) Absätze sind durch eine Leerzeile zu mar-
und der Anschriftenzone (Zeilen 4–9). kieren, für Hervorhebungen empfehlen sich
In der Zusatz- und Vermerkzone stehen ggf. Fettdruck, Einrückungen, Symbole o. Ä.
Angaben zur Sendungsart (z. B. „Einschreiben“, Die Schriftgröße sollte mindestens 10 Punkt
„Expresszustellung“). Die Zusatz- und Ver- betragen.
merkzone wird so beschriftet, dass keine
Leerzeile zwischen ihr und der Anschriften- 8 Als Grußformel verwendet man z. B. „Mit
zone entsteht. freundlichen Grüßen“ oder „Mit freundlichem
Auch die Anschriftenzone enthält keine Gruß“, als sehr förmlicher Gruß kommt auch
Leerzeile. „Hochachtungsvoll“ in Frage. Die Grußformel
Ortsnamen werden in normaler Schrift ge- wird vom Text durch eine Leerzeile getrennt.
schrieben und nicht unterstrichen. Ausnahme:
In Auslandsanschriften werden Orts- und 9Für Unterschrift und Stempel bleiben je
Ländernamen in Großbuchstaben geschrieben. nach Bedarf drei oder mehr Zeilen frei.
Ausländische Zielorte gibt man möglichst in
der Sprache des Bestimmungslandes an (z. B. 10 Die beigefügten Anlagen werden in der

PRAHA statt PRAG). Bestimmungsländer Regel nach einer Leerzeile unter dem Namen
werden in deutscher Sprache geschrieben des Unterzeichners genannt. Das Wort
(z. B. NIEDERLANDE). „Anlagen“ kann fett gedruckt werden.
4Die Bezugszeichenzeile enthält wichtige 11Im Feld für Geschäftsangaben werden z. B.
Kommunikationsdaten wie Telefon- und Geschäftsführer, Handelsregistereintragung,
Faxnummern und ggf. den Namen des Sach- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer o. Ä.
bearbeiters. Das Datum wird z. B. in folgen- angegeben.
der Weise angegeben: 2006-09-04 oder
04-09-2006 oder, falls kein Missverständnis
zu befürchten ist, auch 04-09-06. Ebenfalls
möglich sind folgende Schreibweisen:
04.09.2006, 04.09.06, 4. September 2006.
Die Bezugszeichenzeile wird in Schreiben von
Privatpersonen oft weggelassen, Datum und

23
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 17.05.2006 17:04 Uhr Seite 24

i Geschäftsbrief

Beispiel 2

*
*
*
*
Peter Müller 05.09.2006
Kirchstraße 9
49999 Windberg
Tel. 02999 212223
*
*
*
*
*
*
Möbel Rathmann
Herrn Achim Klein
Rherener Straße 15
49999 Windberg
*
*
*
*
*
Reklamation Glastisch, Modell-Nr. 3322, Auftrags-Nr. 6304
*
*
Sehr geehrter Herr Klein,
*
gestern wurde mir wie vereinbart ein Glastisch (Modellnr. 3322) geliefert.
*
Bei genauerer Kontrolle habe ich heute Verarbeitungsfehler am verchromten Stahlrohr
des Tisches bemerkt. An einigen Stellen weist die Verchromung Blasen auf, sie ist
zudem schwärzlich verfärbt.
*
Leider konnte ich den Mangel nicht sofort nach Lieferung feststellen, weil sich die
schadhaften Stellen an der Innenseite eines Tischbeins befinden.
*
Ich bitte um möglichst rasche Neulieferung eines einwandfreien Tisches. Der beschä-
digte Tisch steht Ihnen zur Verfügung.
*
Setzen Sie sich bitte zur Vereinbarung eines Liefertermins mit mir in Verbindung.
*
Vielen Dank im Voraus
und freundliche Grüße

Peter Müller

24
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 13.05.2006 15:41 Uhr Seite 25

E-Mails i

Ein Geschäftsbrief nach DIN 5008:2005 kann Genauigkeit: Benutzen Sie kurze, treffende
auch nach dem links dargestellten einfacheren Wörter. Vermeiden Sie umständliche For-
Muster aufgebaut werden. Diese Form wird mulierungen (nicht: „Um Mitteilung der
z. B. häufig in Briefen von Privatpersonen an Begründung Ihrer Ablehnung wird gebeten“,
Firmen oder an Behörden verwendet. sondern „Bitte teilen Sie mir die Gründe für
Ihre Ablehnung mit“).
Für die Angaben im Anschriftenfeld, für
Betreffzeile, Anrede, Text, Grußformel, Anregung: Schreiben Sie kurz und klar, aber
Unterschrift sowie Anlagenhinweis gelten auch persönlich, höflich und abwechslungsreich.
die Erläuterungen zu Beispiel 1. Freundliche Worte und höfliches Bitten und
Bedanken wirken im Brief genauso positiv wie
Falls der Empfänger namentlich bekannt ist, im Gespräch oder beim Telefonieren.
ist die persönliche Anrede (z. B. „Sehr geehrte
Frau Muster“) der neutralen Anrede (z. B.
„Sehr geehrte Damen und Herren“) vorzuzie- E-Mails nach DIN 5008:2005
hen. Besteht eine gute persönliche Beziehung
zur angeredeten Person, kann als Anrede Die E-Mail-Adresse des Empfängers wird
z. B. auch „Liebe Frau Muster“ gewählt in das vom Programm vorgegebene entspre-
werden. chende Textfeld eingegeben. Das Feld für
den Betreff sollte unbedingt ausgefüllt wer-
Als Grußformel wird häufig „Mit freundlichen den, denn der Betreff in Form einer stichwort-
Grüßen“ oder „Mit freundlichem Gruß“ ver- artigen Inhaltsangabe hat für die Bearbeitung
wendet. Der Gruß „Hochachtungsvoll“ ist und Verwaltung von E-Mails eine zentrale
förmlicher und betont respektvoll, die Formel Funktion.
„Mit herzlichen Grüßen“ verweist auf ein Die Angabe der E-Mail-Adresse des Absen-
gutes persönliches Verhältnis von Absender ders und die Datumsangabe erfolgt in den
und Adressaten. üblichen Programmen automatisch.

Der Brieftext bringt sachlich, knapp und klar In der ersten Zeile des Feldes für den Haupt-
das Anliegen des Briefes vor. Dabei sind fol- text steht die Anrede, die vom folgenden
gende Gesichtspunkte wichtig: Text durch eine Leerzeile getrennt wird.
Für die optische und inhaltliche Gestaltung
Optik: Der Leser sollte beim ersten Überflie- des Haupttextes bis zur Grußformel gelten
gen die inhaltlichen Schwerpunkte durch gut die oben genannten Hinweise zum nichtelek-
lesbare Schrift, Absätze und ggf. Hervorhe- tronischen Brief (in der E-Mail werden aller-
bungen erfassen können. Die Schriftgröße dings weder Blocksatz noch Worttrennungen
darf nicht zu klein gewählt werden (mindes- verwendet).
tens 10 Punkt). In der Zeile unter der Grußformel wird die
Unterschrift eingegeben.
Gliederung: Jeder neue Gedanke sollte in Nach einer weiteren Leerzeile können genau-
einem neuen Absatz stehen. Passende Über- ere Kommunikationsangaben zum Absender
leitungen zu neuen Absätzen schaffen den folgen, z. B.
Zusammenhang. Schreiben Sie Einfaches
vor Kompliziertem, Bekanntes vor Unbe-
kanntem. Schreiber Büroeinrichtungen GmbH
Marco Hansen
Einfachheit: Verwenden Sie bekannte und Alleestraße 10
geläufige Wörter, Fremdwörter und Fach- 41777 Dreisen
begriffe nur dort, wo wirklich nötig.
Lange Sätze ermüden! Tel.: 02162 1212-12
Faustregel: Nicht mehr als zwanzig Wörter Fax: 02162 1212-21
pro Satz! E-Mail: marco.hansen@bureau-schreiber.de

25
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Schriftliche Bewerbung

Daniela Muster 21.09.2006


Schillerstraße 9
41777 Dreisen
Tel. 02999 212223

Rhein-West-Verlag
Personalabteilung
Frau Susanne Rath
Heinestraße 100
49999 Windberg

Ihre Anzeige in der Rheinischen Zeitung vom 20.09.06


Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Verlagskauffrau

Sehr geehrte Frau Rath,


Ihr Ausbildungsangebot in der Rheinischen Zeitung hat mich aufgrund der interessan-
ten Stellenbeschreibung sehr angesprochen. Ich bewerbe mich deshalb um einen Ausbil-
dungsplatz als Verlagskauffrau in Ihrem Haus.
Über den von Ihnen angebotenen Ausbildungsberuf habe ich mich im Berufsinforma-
tionszentrum und in Broschüren der Agentur für Arbeit informiert und dabei festgestellt,
dass das Berufsbild meinen Interessen und Fähigkeiten gut entspricht.
Für die von Ihnen beschriebenen Anforderungen bringe ich die entsprechenden Voraus-
setzungen mit: In der Schule interessieren mich besonders die Fächer Deutsch und Betriebs-
wirtschaft. Im Umgang mit typischer Bürosoftware habe ich bereits Erfahrung.
Bei der Steinheimer Zeitung konnte ich im Herbst vergangenen Jahres ein dreiwöchiges
Praktikum absolvieren. Ich habe dort auch in den letzten beiden Jahren in den Ferien als
Aushilfe in der Anzeigen- und Vertriebsabteilung gearbeitet.
Gerne würde ich mich Ihnen in einem persönlichen Gespräch vorstellen und dabei auch
noch mehr über die Ausbildung in Ihrem Verlag erfahren. Über eine Einladung würde
ich mich deshalb sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen

Daniela Muster
Anlagen
Lebenslauf mit Lichtbild
Kopie des letzten Schulzeugnisses
Zeugnis über Praktikum

26
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Schriftliche Bewerbung i

Die schriftliche Bewerbung erfolgt in der In der Regel schließt das Bewerbungsschreiben
Regel in Form einer Bewerbungsmappe, die mit dem Hinweis auf ein gewünschtes Vorstel-
folgende Unterlagen in der genannten Reihen- lungsgespräch.
folge enthält:

1. das Bewerbungsschreiben, Checkliste für das Bewerbungsschreiben


2. den Lebenslauf (tabellarisch, mit Foto),
3. Zeugnisse (Kopien von berufsqualifizie- • Ermitteln Sie in der Stellenanzeige expli-
renden Zeugnissen aus Schule, Ausbildung zite und implizite Anforderungen.
und Studium, Arbeitszeugnisse), • Sorgen Sie für vollständige, einwandfreie
4. gegebenenfalls sonstige Leistungsnachweise Unterlagen (gutes, weißes DIN-A4-
(Kopien von Zertifikaten über Schulungen, Papier, keine Knicke etc.).
Kurse …). • Fassen Sie sich kurz. Schreiben Sie mög-
lichst nicht mehr als eine Seite.
Die Unterlagen werden in einem unbenutzten • Vermeiden Sie bloße Wiederholungen der
Klemmhefter mit neutraler Farbe vorgelegt. im Lebenslauf enthaltenen Informationen.
• Geben Sie genau an, worauf Sie sich be-
Manche Stellenanzeigen eröffnen auch die werben (ggf. Schlüsselnummern in Anzei-
Möglichkeit einer Online-Bewerbung. Diese gen berücksichtigen).
sollte in möglichst knapper und prägnanter • Stellen Sie sich positiv dar, ohne zu über-
Form Bewerbungsschreiben und tabellarischen treiben.
Lebenslauf enthalten (je nach Beruf können • Machen Sie das Bewerbungsschreiben zu
weitere Anlagen wie z. B. Arbeitsproben sinn- Ihrem Werbebrief: Verdeutlichen Sie Ihre
voll sein). besonderen Fähigkeiten.
• Versuchen Sie, das Interesse des Arbeit-
gebers durch zusätzliche, freiwillige Quali-
Das Bewerbungsschreiben fikationen (z. B. Weiterbildungen) zu
wecken.
Die formale Gestaltung des Bewerbungs- • Orientieren Sie sich an der Branche: Die
schreibens richtet sich grundsätzlich nach Personalabteilung einer Bank erwartet in
den Vorgaben für Geschäftsbriefe (siehe der Regel einen anderen Bewerbungsstil
Abschnitt „Geschäftsbrief“). als eine Werbeagentur.
• Kontrollieren Sie mehrmals die Sprach-
Der Haupttext nennt zunächst den Anlass richtigkeit oder lassen Sie von einem
der Bewerbung. Danach steht der eigentliche Experten gegenlesen.
Bewerbungssatz.

In Verbindung mit Angaben zur derzeitigen


Tätigkeit (und evtl. zu angestrebten Abschlüs-
sen) folgt eine stichhaltige Begründung für das
Interesse an der angebotenen Stelle und für die
individuelle Eignung für diesen Arbeitsplatz.
Diese Begründung sollte genau auf die in der
Anzeige enthaltenen Anforderungen bezogen
sein.

Bei schon längerer Berufspraxis werden die


wichtigsten einschlägigen beruflichen Qualifi-
kationen und Erfahrungen in den Mittelpunkt
gerückt.

27
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 13.05.2006 15:41 Uhr Seite 28

Lebenslauf

Lebenslauf

Persönliche Daten Foto

Name Daniela Muster

Anschrift Schillerstraße 9
41777 Dreisen

geboren am 20.09.1986 in Köln

Schullaufbahn

1993 –1997 Grundschule Dreisen


1997 – 2003 Städt. Gymnasium Dreisen
2003 – 2006 Wirtschaftsgymnasium Windberg
angestrebter Abschluss: Abitur (AHR)

Berufserfahrung/Praktika

seit 2003 Ferientätigkeit bei der


Steinheimer Zeitung
2004 Kfm. Praktikum bei der
Steinheimer Zeitung

Sonstige Kenntnisse

Sprachen Schulkenntnisse in Englisch und Spanisch

Computer Windows, Standard-Office-Software

Persönliche Interessen Basketball, Computer, Lesen

Dreisen, den 21.09.2006

Daniela Muster

28
022-032 WDR_DIN_Brief_06.qxd 13.05.2006 15:41 Uhr Seite 29

Lebenslauf i

Der Lebenslauf wird in der Regel in tabella- EDV-Kenntnisse, Praktika, Teilnahme an


rischer Form erwartet (handschriftlich nur, Wettbewerben …
falls dies ausdrücklich verlangt ist).
Die Informationen werden möglichst über- Persönliche Interessen: Die Angaben sollten
sichtlich gegliedert. Sie in einer gewünschten Weise charakterisie-
Inhaltlich sollte der Lebenslauf keine Lücken ren (z. B. Rückschlüsse auf Teamfähigkeit,
aufweisen und auf die Anforderungen der an- Organisationsfähigkeit, Konzentrationsfähig-
gestrebten Stelle abgestimmt sein. keit nahe legen) und/oder im Zusammenhang
Angaben über zusätzliche Qualifikationen mit der angebotenen Tätigkeit stehen.
und Tätigkeiten können das besondere Inter-
esse des Arbeitgebers wecken. In Deutschland wird der Lebenslauf meist in
chronologischer Abfolge dargestellt. Das ist
Persönliche Daten: Hierzu gehören neben vor allem für Berufseinsteiger sinnvoll, weil
den im Beispiel genannten Daten ggf. auch bei diesem Aufbau die wesentlichen Informa-
Angaben über den Familienstand oder z. B. tionen über den schulischen Werdegang
über geleisteten Wehr- oder Ersatzdienst. gleich am Anfang stehen.
Bei nicht volljährigen Bewerbern ist auch die Bei Bewerbern/ Bewerberinnen mit längerer
Nennung von Namen und Berufen der Eltern Berufspraxis können die Daten auch nach dem
üblich. Prinzip „Das Wichtigste zuerst“ in umgekehr-
ter Chronologie angeordnet werden. Dieses
Foto: Auf das Lichtbild wird viel Wert gelegt. Verfahren ist insbesondere in angelsächsischen
Verwenden Sie ein professionelles Porträtfoto Ländern üblich. Bei diesem Aufbau folgen auf
(Abbildung bis zu den Schultern). Beschriften die Angabe der persönlichen Daten zunächst
Sie es auf der Rückseite mit Namen und An- Informationen zur Berufspraxis, dann Anga-
schrift und kleben Sie es leicht an. ben zur Berufsausbildung/zum Studium und
Das Foto kann auch (in etwas größerem erst anschließend Daten zur Schulausbildung.
Format) mittig auf ein separates Blatt geklebt Am Ende stehen auch hier Informationen zur
werden. Weiterbildung, zu sonstigen Qualifikationen,
zu persönlichen Interessen sowie Datum und
Schulausbildung: Diese sollte bei Berufsein- Unterschrift.
steigern differenziert dargestellt werden, bei
schon längerer Berufstätigkeit genügt eine
zusammenfassende Zeitangabe mit Nennung
des letzten Abschlusses.

Berufsausbildung: Nennung von Ausbildungs-


beruf, Unternehmen und Abschluss mit Zeit-
angaben.

Studium: Hochschule mit Ort, Abschluss,


Fach/Fächer, Schwerpunkte …

Berufspraxis: Berufsbezeichnungen, ausgeübte


Tätigkeiten, Positionen

Weiterbildung: Führen Sie all das an, was für


die Berufspraxis nützlich war und für die aus-
geschriebene Stelle von Bedeutung ist.

Sonstige Qualifikationen: Sprachkenntnisse


mit Angabe der Sprachen und der Bewertung
der Kenntnisse, längere Auslandsaufenthalte,

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Europäischer Lebenslauf

Lebenslauf

Angaben zur Person

Name Muster, Marco


Adresse Schillerstraße 9, 41777 Dreisen, Deutschland
Telefon +49 2129 900919
Fax +49 2129 900991
E-Mail marmust@hsx.de
Staatsangehörigkeit deutsch
Geburtsdatum 10.06.1979

Berufserfahrung

• Datum 01.06.2003 bis heute


• Name und Adresse des Verlag Westdeutsche Allgemeine GmbH
Arbeitgebers Kaiserplatz 85 –87, 50999 Köln, Deutschland
• Tätigkeitsbereich oder Branche Verlag für Zeitungen und Zeitschriften
• Beruf oder Funktion Verlagskaufmann, Assistent im Anzeigenverkauf
• Wichtigste Tätigkeiten und Verkauf und selbstständige Bearbeitung von
Zuständigkeiten in- und ausländischen Großkundenanzeigen

• Datum 01.08.2000 – 31.04.2003


• Name und Adresse des Rhein West Verlag GmbH
Arbeitgebers Heinestraße 100, 49999 Windberg, Deutschland
• Tätigkeitsbereich oder Branche Verlag für Zeitungen und Bücher
• Beruf oder Funktion Verlagskaufmann
• Wichtigste Tätigkeiten und Anzeigenverkauf, Bearbeitung von Beilagen
Zuständigkeiten

Schul- und Berufsbildung

• Datum 01.08.1998 – 31.07.2000


• Art und Name der Bildungs- Ludwig-Erhard-Berufskolleg Windberg
und Ausbildungseinrichtung und Rhein West Verlag GmbH
• Hauptfächer/berufliche Fähigkeiten Ausbildung: Wirtschaftswissenschaft,
Verlagsbetriebslehre
• Bezeichnung der erworbenen Verlagskaufmann (Industrie- und
Qualifikation Handelskammer Düsseldorf)
• Datum 01.08.1995 – 30.06.1998
• Art und Name der Bildungs- Wirtschaftsgymnasium Windberg
einrichtung
• Hauptfächer Wirtschaftswissenschaft, Englisch,
Wirtschaftsinformatik
• Bezeichnung der erworbenen Abitur (Allgemeine Hochschulreife)
Qualifikation

30
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Europäischer Lebenslauf i

Persönliche Fähigkeiten und


Kompetenzen

• Muttersprache Deutsch

• Sonstige Sprachen Englisch


Lesen gut
Schreiben gut
Sprechen sehr gut

Französisch
Lesen gut
Schreiben gut
Sprechen Grundkenntnisse

Spanisch
Lesen gut
Schreiben gut
Sprechen Grundkenntnisse

• Soziale Fähigkeiten und Freundlicher Umgang mit Menschen, z. B. bei


Kompetenzen der Betreuung von Jugendgruppen beim Deut-
schen Roten Kreuz;
Geschick in der Gesprächs- und Verhandlungs-
führung, z. B. auch bei der Durchführung von
Streitschlichterseminaren für Schüler
• Organisatorische Fähigkeiten Initiative und organisatorische Umsicht, bewie-
und Kompetenzen sen u.a. in der Organisation und Leitung von
Ferienfreizeiten des Deutschen Roten Kreuzes
• Technische Fähigkeiten und PC-Kenntnisse, erworben u. a. in Schulungen:
Kompetenzen Windows, Office-Software, Grafik- und Bild-
bearbeitungssoftware; Kenntnisse im Layout
und Umbruch von Printprodukten
• Künstlerische Fähigkeiten und Interesse an Musik, Mitglied des Orchesters der
Kompetenzen Städtischen Musikschule (Klarinette, Saxofon)
• Sonstige Fähigkeiten und Zusatzqualifikation Medienwirtschaft (IHK
Kompetenzen Düsseldorf): Kommunikation, Präsentation, Bild-
bearbeitung, Projektmanagement, Database-
Marketing; Zusatzqualifikation Englisch in
Medienberufen: Business-Englisch

Führerschein: EU: B

Anlagen
Abschlusszeugnis des Berufskollegs
Zeugnis der Industrie- und Handelskammer
2 Arbeitszeugnisse

Gerhartshausen, 26.10.2006 Marco Muster


31
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i Europäischer Lebenslauf

Der europäische Lebenslauf wurde von der Berufserfahrung: Datum (Angabe des Zeit-
Europäischen Kommission entwickelt, um eine raums), Name und Adresse des Arbeitgebers,
bessere Vergleichbarkeit von Bewerbungen aus Tätigkeitsbereich oder Branche, Beruf oder
verschiedenen Herkunftsländern innerhalb der Funktion, wichtigste Tätigkeiten und Zustän-
EU zu gewährleisten. digkeiten)

Bei Inlandsbewerbungen wird nach wie vor häu- Schul- und Berufsbildung: Angabe des Zeit-
fig eine Orientierung an den nationalen Stan- raums, Name und Art der Bildungs- oder
dards (siehe vorhergehende Seiten) erwartet. Ausbildungseinrichtung, Hauptfächer/beruf-
Insbesondere für Bewerbungen bei internatio- liche Fähigkeiten, Bezeichnung der erwor-
nal tätigen Arbeitgebern im In- oder Ausland benen Qualifikation, evtl. Eingliederung in
kann jedoch eine Orientierung an der EU- nationales Niveau (falls gewünscht)
Norm empfehlenswert sein. Informieren Sie
sich jeweils über die Erwartungen des Arbeit- Persönliche Kompetenzen mit den Bereichen:
gebers! Muttersprache, andere Sprachen (Kenntnisse
im Lesen, Schreiben, Sprechen mit dreistufiger
Der europäische Lebenslauf unterscheidet sich Bewertung: sehr gut, gut, Grundkenntnisse),
vom herkömmlichen Lebenslauf durch die soziale, organisatorische, technische, künstle-
folgenden Merkmale: rische und sonstige Kompetenzen (Beschreibung
• Die Darstellung folgt dem Prinzip der um- der Art und des Erwerbs) sowie Angaben zum
gekehrten Chronologie (Aktuelles zuerst). Führerschein
• Kompetenzen (auch außerhalb des Berufs
erworbene) werden stärker berücksichtigt. Zusätzliche Angaben können sich z. B. auf
• Ein Foto ist nicht mehr verbindlich. Kontaktpersonen oder Referenzen beziehen.

Die im Beispiel angeführten Aspekte sollten Anlagen werden zum Schluss aufgelistet.
in der angegebenen Reihenfolge berücksichtigt
werden. Auch dieser Lebenslauf ist natürlich Der Lebenslauf wird unterschrieben und mit
genau auf die Erfordernisse der angestrebten Datum versehen.
Stelle abzustimmen.
Weiterhin ist es sinnvoll, sich über Bewer-
bungsstandards des Landes, in dem man sich Checkliste zum EU-Lebenslauf
bewirbt, zu informieren. Bei fremdsprachigen
Bewerbungen sollte der Text auf jeden Fall • Stimmen Sie die Angaben genau auf die
von einer sprachkundigen Person Korrektur konkreten Anforderungen der angestrebten
gelesen werden. Stelle ab.
Der europäische Lebenslauf kann je nach • Machen Sie zugleich knappe und genaue
Erwartung des Arbeitgebers Bestandteil Angaben zu Ihren persönlichen
einer Bewerbungsmappe oder einer Online- Kompetenzen.
Bewerbung sein. • Achten Sie auf die richtige Reihenfolge
und die Vollständigkeit der Angaben zu
Im Einzelnen sieht der EU-Lebenslauf den geforderten Aspekten.
Angaben zu folgenden Positionen vor: • Erkundigen Sie sich nach den jeweiligen
nationalen Standards für Bewerbungen
Angaben zur Person in der Reihenfolge: (z. B.: Porträtfoto üblich oder nicht?).
Name und Vorname, Adresse, Telefon, Fax,
E-Mail, Staatsangehörigkeit, Geburtsdatum

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Zur Geschichte der Rechtschreibung


von Lutz Götze

Am 18. Dezember 1902 beschloss der Deut- einheitlichung der deutschen Rechtschrei-
sche Bundesrat, »die Bundesregierungen zu bung war gelungen, ihre Vereinfachung und
ersuchen, die einheitliche Rechtschreibung Systematisierung stand allerdings noch aus
nach Maßgabe der beiliegenden ›Regeln für und führte in den folgenden Jahrzehnten
die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterver- immer wieder zu einer Vielzahl von Reform-
zeichnis‹ in den Schulunterricht und den amt- vorschlägen.
lichen Gebrauch einzuführen«. Das Regelwerk,
auf das der Deutsche Bundesrat Bezug nahm,
war in der sog. II. Orthographischen Konfe- Die Anfänge
renz (Berlin, 1901) erarbeitet worden. Die Geschichte der deutschen Rechtschreibung
beginnt dort, wo gelehrte Mönche versuchten,
Konrad Duden schrieb in der 1902 erschie- lateinische Texte der Bibel ins Deutsche zu
nenen 7. Auflage seines ›Orthographischen übersetzen. Ihnen standen für die Überset-
Wörterbuchs der deutschen Sprache‹: zungsarbeit nur die Buchstaben des lateinischen
Alphabets zur Verfügung. Die Zahl der von
»Dieser endlich errungene Erfolg der lange dort übernommenen Schriftzeichen war kleiner
Jahre hindurch sich hinziehenden Verhand- als die Zahl der mit Schriftzeichen zu markie-
lungen von Regierung zu Regierung und der renden Laute des Deutschen. Die Mönche
mehrfach wiederholten Beratungen in größeren sahen sich daher gezwungen, beispielsweise
und kleineren Konferenzen erscheint so be- für die Bezeichnung der Vokallänge im Deut-
deutsam und erfreulich, daß daneben die der schen entsprechende Kennzeichnungen zu
jetzt allgemein gültigen Rechtschreibung in der erfinden.
Tat noch anhaftenden Mängel nicht so schwer
ins Gewicht fallen. Wer das vorliegende Er- Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen
gebnis der gemeinsamen Arbeit von Regierun- Lettern durch Johannes Gutenberg und seine
gen und Fachmännern mit Billigkeit beurteilen Herstellung der 42-zeiligen Bibel (1452–55)
will, der muß sich vergegenwärtigen, welche hatten eine nachhaltige Vermehrung gedruckter
Aufgabe zu lösen war. Das zunächst und vor Texte zur Folge. Die beweglichen Lettern
allen Dingen zu erstrebende Ziel war die Ein- bereiteten die Neuzeit vor. Da aber die Texte
heit der Rechtschreibung. Dieses Ziel konnte von Ort zu Ort unterschiedlich geschrieben
man bei besonnenem Vorgehen zu erreichen wurden, erscholl seit Beginn des 16. Jahrhun-
hoffen. Hätte man damit eine gründliche derts der Ruf nach Vereinheitlichung der
Reform der Rechtschreibung verbinden wollen, Orthographie. Handel und Gewerbe, die sich
so hätte man alsbald den Boden unter den schnell ausbreiteten, brauchten Verträge, auf
Füßen verloren und wäre einem in der Luft die Verlass war; Könige, Fürsten und Herzöge
schwebenden Trugbilde nachgejagt.« wollten, dass ihre Erlasse überall im deutschen
Sprachraum verstanden wurden. Auch die
Die erreichte Einheitlichkeit der Rechtschrei- riesige Zahl der Reformationsdrucke Luthers
bung im gesamten deutschen Sprachraum und seiner Nachfolger verlangte eine Verein-
bedeutete für Konrad Duden zwar einen er- heitlichung der Schrift. Insbesondere die
heblichen Fortschritt, zugleich aber betonte Grammatiker Hieronymus Freyer mit seiner
er auch, »daß nach der Meinung derer, die ›Anweisung zur Teutschen Orthographie‹ (1722),
am Zustandekommen der neuen, einheitlichen Johann Christoph Gottsched mit der ›Grund-
Rechtschreibung mitgearbeitet haben, jetzt legung einer deutschen Sprachkunst‹ (1748, 1762)
keineswegs für alle Zeiten ein Stillstand ein- und Johann Christoph Adelungs ›Vollständige
treten soll. Nur ein Zwischenziel ist erreicht Anweisung zur Deutschen Orthographie‹ (1788)
… Es fehlt auch nicht an Wegweisern, die waren wegweisend für die weitere Entwick-
auf ein ferneres Ziel hindeuten … .« Die Ver- lung. Gottsched wie Adelung fußten auf

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i Geschichte der Rechtschreibung

dem obersächsischen Deutsch – dem »Luther- Denn die Not war groß, vor allem in den
deutsch« aus der Meißner Gegend –, von dem Schulen. Nahezu jede Druckerei und jeder
Gottsched sagte, »daß das mittelländische, Verlag verwendeten ihre eigene Rechtschrei-
oder obersächsische Deutsch, die beste hoch- bung in den Schulbüchern; wechselte ein
deutsche Mundart sey.« Vater den Wohnort, so sahen sich die Kinder
häufig mit den größten Schwierigkeiten beim
Die Grammatiker stellten vor allem phoneti- Schreiben konfrontiert. Einzelne Städte und
sche und inhaltliche Überlegungen an: Homo- Länder schufen eigene Lösungen, so Hannover
nyme Wörter (Lärche – Lerche, Weise – Waise) 1854, Leipzig 1857, Stuttgart 1861 und
sollten in der Schrift auseinandergehalten Berlin 1871.
werden, die Umlautschreibung des a sollte
inhaltliche Verwandtschaften zum Wortstamm Nach Beendigung des Deutsch-Französischen
verdeutlichen: älter (elter), fällen (vellen). Krieges unternahm der preußische Minister
Ansonsten – nämlich bei etymologischen Ver- Falk den Versuch, eine Vereinheitlichung der
dunklungen – blieb man beim e: edel (zu Adel), deutschen Orthographie zu erreichen. Mit
Eltern (zu alt), fertig (zu fahren) und behende Zustimmung der im deutschen Bundesrat ver-
(zu Hand). Seit Gottsched ist zudem die Groß- tretenen Regierungen beauftragte er von Rau-
schreibung der Substantive Norm. mer mit der Ausarbeitung einer Vorlage für
eine orthographische Konferenz. Den Teil-
Im 19. Jahrhundert fügte Jacob Grimm Schrei- nehmern an dieser ersten Orthographischen
bungen hinzu, die dem historischen Prinzip, Konferenz, die 1876 in Berlin stattfand, lagen
also der Etymologie, verpflichtet waren. Grimm zwei Schriften von Raumers vor, zum einen
forderte die unbedingte Anerkennung histori- ›Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche
scher Lautgesetze und somit die Abschaffung Orthographie‹, zum andern eine Erläuterung
des Dehnungs-h, wo es sprachgeschichtlich des Regelvorschlags. Im Verlauf der Konferenz
nicht zu begründen war: so sollten Mohn [mhd. wurde mit knapper Mehrheit ein Antrag an-
mâhen] und Gemahl [mhd. gemahel] neben genommen, der im Bereich der Bezeichnung
Lon [mhd. lôn] stehen. Er wetterte: »Wenn der Länge von Vokalen einen weitergehenden
man nahm, lahm, zahm schreibt, warum nicht Eingriff in den damaligen Schreibgebrauch
auch kahm? oder umgekehrt: wir schreiben vorsah (Abschaffung der Dehnungszeichen).
grün und schön, warum nicht auch kün?« Auch
die radikale Kleinschreibung der Substantive Eine einheitliche Regelung wurde jedoch zu
stand auf seinem Programm. diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht; an ihre
Stelle traten die sogenannten Schulorthogra-
Nachfolger wie Wilhelm Wackernagel ver- phien, u. a. die ›Preußische Schulorthographie‹,
langten das im 16./17. Jahrhundert für stimm- die im Jahre 1880 erschien. Der Bearbeiter
loses s entwickelte ß an jenen Stellen, wo dem dieser Schulorthographie, Wilhelm Wilmanns,
Laut ein germanisches t entspricht: Waßer veranlasste Duden, noch im selben Jahr das
[nddt. water], Schweiß [mnddt. swét]. ›Vollständige Orthographische Wörterbuch der
deutschen Sprache‹ herauszugeben. Duden ver-
Vehemente Kritiker forderten hingegen bis stand sich als Ausleger der Schulorthographie.
zum Ende des 19. Jahrhunderts eine laut- Das Wörterverzeichnis der Schulorthographie
gerechte Schreibung unter Missachtung aller umfasste nur etwa 3000 Wörter. In Dudens
historischen Gesetze und Regeln. Ihnen Wörterbuch hingegen waren etwa 30 000 Wör-
schwebte als Idealfall vor, dass einem jeden ter nach den ›Amtlichen Regeln für die deutsche
Laut nur ein Buchstabe entspreche, also Rechtschreibung …‹ aufgelistet. Dies bedeutete
eine 1 : 1-Relation von Phonem (Laut) und eine große Erleichterung, weil den Benutzern
Graphem (Buchstabe). Eine vermittelnde die Anwendung der Regeln auf Wörter, die
Position nahm hierzu Rudolf von Raumer nicht in der Schulorthographie enthalten waren,
ein, der den Vorschlag machte, lautgetreue fortan erspart blieb. Amtlichen Charakter und
und historisch begründete Schreibweisen zu damit Verbindlichkeit hatte Dudens Wörter-
vereinigen. buch jedoch nicht.

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Geschichte der Rechtschreibung i

Ein entschiedener Gegner der »neuen« preußi- lichen Grundlagen unserer Rechtschreibung‹ (1902)
schen Schulorthographie war Otto von Bis- eine Vereinfachung bei der Groß- und Klein-
marck, der bei gesteigerter Ordnungsstrafe schreibung der Substantive; 1908 folgte ihm
den Mitgliedern seiner Verwaltung verbot, Konrad Duden, indem er die Tilgung der
die neue Rechtschreibung anzuwenden. Die Dehnungszeichen vorschlug, also Zal, Mel,
Schweiz legte 1892 Dudens Wörterbuch als Bole, Al und Bot, weiterhin vereinheitlichte
Norm für die Schreibung in den deutschspra- Schreibungen von Fremdwörtern wie Scharitee,
chigen Kantonen fest. Die deutschen Länder Schossee, Büro, Frisör, Kor, Krist und Kronik
Baden, Mecklenburg, Sachsen und Württem- verlangte und, wahrhaft radikal, die Beseitigung
berg schlossen sich ihrerseits dem bayrisch- der großen Anfangsbuchstaben (Majuskeln)
preußischen Vorbild an. postulierte, die er »für Lehrer und Schüler« ein
wahres Kreuz nannte.

Die II. Orthographische Konferenz in 1912 publizierte der Breslauer Lehrer O. Kosog
Berlin 1901 eine Streitschrift ›Unsere Rechtschreibung und
Die II. Orthographische Konferenz in Berlin die Notwendigkeit ihrer Gründlichen Reform‹, in
sollte ein Meilenstein auf dem Wege zu einer der er ein von J. Lammertz verfasstes Diktat
Vereinheitlichung der deutschen Rechtschrei- ›Aus dem Testamente einer Mutter‹ wiedergab,
bung werden. Doch – wie so häufig in der das die Schwierigkeiten, Zweifelsfälle und
deutschen Geschichte – wurden die nach nur Absurditäten der Groß- und Kleinschreibung
zwei Tagen am 14. September 1901 beschlos- nach der geltenden Regelung zeigte. Ein Bei-
senen ›Regeln für die deutsche Rechtschreibung spielsatz: Befolgt das Vorstehende, so braucht euch
nebst Wörterverzeichnis‹ diesem Anspruch nicht nicht angst zu sein, ohne Angst könnt ihr dann zu
gerecht: Eine »Kleine Lösung« war das Ergeb- guter Letzt auf das beste standhalten, auf das Beste
nis. Allen grundsätzlichen Fragen – Klein- hoffen und dem Schicksal Trotz bieten. Kosog
schreibung der Substantive, lautgetreue Schrei- merkte an, »der einzige Oberlehrer endlich, der
bung, Fremdwortschreibung, Worttrennung sich der Prüfung unterzog, lieferte eine Arbeit
usw. – wich man aus; stattdessen einigte man mit 18 Fehlern.«
sich lediglich darauf, in allen deutschen Wörtern
das th durch t (thun – tun, Thor – Tor) zu erset-
zen. Weiterhin wurde festgelegt, das c in geläu- Die Gegenwart
figen Fremdwörtern entsprechend der jeweiligen Die ›Amtlichen Regeln für die deutsche Recht-
Aussprache als k oder z (Akkusativ, Porzellan) schreibung nebst Wörterverzeichnis‹ wurden bis
zu schreiben; in Wörtern mit »undeutlicher in die 40er Jahre immer wieder neu aufgelegt.
Lautbezeichnung« sollte jedoch das c beibehal- Parallel dazu erschienen weitere Auflagen
ten werden: Café, Chef, Chocolade, Coiffeur usw. der seit 1915 nach Konrad Duden benannten
und auf seinem orthographischen Wörterbuch
Die Annahme der Konferenzergebnisse von von 1880 fußenden Rechtschreibung. Als
1901 durch Österreich und die Schweiz bedeu- Folge der deutschen Teilung gab es bis 1990
tete, dass erstmals eine einheitliche Regelung je eine Duden-Redaktion in Leipzig und in
der Schreibnorm im deutschen Sprachraum Mannheim.
erreicht worden war.
Der Arbeitskreis für Sprachpflege veröffent-
lichte im Jahre 1954 die ›Stuttgarter Empfeh-
Die Jahre nach 1901 lungen‹, ein radikales Programm für eine
Da 1901 nur ein »Zwischenziel« (Konrad Reform der deutschen Rechtschreibung. Im
Duden) erreicht worden war, gab es in der Vorgriff auf diese Reform erschien damals im
Folgezeit eine Vielzahl von Reformvorschlägen Bertelsmann-Verlag ein Rechtschreibwörter-
und Reformprogrammen. Den Anfang machte buch, das der Sprachwissenschaftler Lutz
Oskar Brenner, Vertreter Bayerns auf der Mackensen in Kooperation mit der Gesell-
II. Orthographischen Konferenz. Er forderte schaft für deutsche Sprache erarbeitet hatte.
in seiner Schrift ›Die lautlichen und geschicht- Mit diesem Buch stand dem Duden-Verlag

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i Geschichte der Rechtschreibung

plötzlich ein namhafter Konkurrent gegenüber. Selbständige Satzglieder oder Gliedteile


In dieser Situation beschloss die Kultusminis- schreibt man dagegen getrennt. In Zwei-
terkonferenz im Jahre 1955 auf Drängen der felsfällen ist die Getrenntschreibung vor-
Duden-Redaktion: »Die in der Rechtschreib- zuziehen.
reform von 1901 und den späteren Verfügun- …
gen festgelegten Schreibweisen und Regeln
für die Rechtschreibung sind auch heute noch Der weitgreifende Vorschlag des Arbeitskrei-
verbindlich für die deutsche Rechtschreibung. ses, zu einer gemäßigten Kleinschreibung zu
Bis zu einer etwaigen Neuregelung sind diese kommen, wurde von den Kultusministern nicht
Regeln die Grundlage für den Unterricht in akzeptiert.
allen Schulen. In Zweifelsfällen sind die im
›Duden‹ gebrauchten Schreibweisen und Regeln
verbindlich.« Damit war der ›Duden‹ quasi- Eine neue Rechtschreibregelung
amtlich geworden. Mitte der 70er Jahre nahmen in der Bundes-
republik Deutschland, in der Deutschen
Es gab damals zahlreiche Zweifelsfälle. Ein Demokratischen Republik, in der Republik
Beispiel: Trennte ein Schüler in einem Diktat Österreich und in der Schweiz Arbeitsgruppen
Inte-resse und Helikop-ter, so gab ihm die amt- mit dem Ziel einer Reform der deutschen
liche Regelung Recht. Im Duden wurde dies Rechtschreibung ihre Arbeit auf. Vom Jahre
aber als falsch bezeichnet (Inter-esse, He-li-ko- 1980 an schlossen sich Mitglieder der vier
pter). So gingen auch die Reformbemühungen Arbeitsgruppen im Internationalen Arbeits-
weiter. Die Stuttgarter Empfehlungen von kreis für Orthographie zusammen und erör-
1955 und vor allem die Wiesbadener Empfeh- terten in mehreren internationalen Tagungen
lungen von 1959 waren wichtige Dokumente Vorschläge zu einer Reform der deutschen
reformerischen Bemühens, wenn sie auch, Rechtschreibung. Nur ein einheitlicher Vor-
wie die vorausgegangenen Vorschläge, zum schlag konnte erfolgreich sein.
Scheitern verurteilt waren. So heißt es in den
Empfehlungen des Arbeitskreises für Recht- Der Neuregelungsvorschlag umfasste die
schreibregelung vom 15.10.1958: Bereiche
A. Laut-Buchstaben-Zuordnungen
1. Zur Groß- oder Kleinschreibung (einschließlich Fremdwortschreibung),
Die jetzige Großschreibung der ›Haupt- B. Getrennt- und Zusammenschreibung,
wörter‹ (vgl. Duden, 14. Auflage, S. 32 ff.) C. Schreibung mit Bindestrich,
soll durch die gemäßigte Kleinschreibung D. Groß- und Kleinschreibung,
ersetzt werden. Danach werden künftig E. Zeichensetzung sowie
nur noch großgeschrieben: die Satzanfänge, F. Worttrennung am Zeilenende.
die Eigennamen, einschließlich der Namen
Gottes, die Anredefürwörter und gewisse Seit 1986 fanden parallel zu den Tagungen
fachsprachliche Abkürzungen (z. B. H2O). des Internationalen Arbeitskreises für Ortho-
… graphie in Wien Gespräche statt, an denen
Wissenschaftler und Politiker der genannten
2. Das Komma Staaten beteiligt waren. In der Abschlusser-
Das Komma soll weitgehend auf die Fälle klärung der 1. Wiener Gespräche von 1986
beschränkt werden, in denen das rhythmi- hieß es: »Grundsätzliches Einvernehmen
sche Empfinden des Schreibenden mit der wurde darüber erzielt, die auf der Orthogra-
grammatischen Gliederung des Satzes über- phischen Konferenz von 1901 in Berlin
einstimmt. erreichte einheitliche Regelung der deutschen
… Rechtschreibung den heutigen Erfordernissen
anzupassen. Insbesondere geht es darum, die
6. Zur Zusammen- und Getrenntschreibung in vielen Teilbereichen der Rechtschreibung
Künftig sollen nur noch echte Zusammen- im Laufe der Zeit kompliziert gewordenen
setzungen zusammengeschrieben werden. Regeln zu vereinfachen.«

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Geschichte der Rechtschreibung i

Während die Arbeitsgruppen in der DDR, Modifikationen angenommen wurde. Ein


in Österreich und in der Schweiz politisch Jahr später rückte die Kultusministerkonferenz
legitimiert waren, erhielt die Kommission von dem in Wien erreichten Konsens ab und
für Rechtschreibfragen mit Sitz am Institut strich etwa 30 Neuschreibungen aus dem
für Deutsche Sprache in Mannheim erst im Reformpaket, vor allem integrierte Fremdwort-
Jahre 1987 den Auftrag der Kultusminister- schreibungen.
konferenz und des zuständigen Bundesminis-
ters des Inneren, Reformvorschläge zu allen Zum ersten Mal in der Geschichte der deut-
Teilgebieten der Rechtschreibung mit Aus- schen Rechtschreibung lag nun ein für alle
nahme der Groß- und Kleinschreibung – des Teilbereiche ausgearbeitetes und aufeinander
fehlerträchtigsten Bereichs – auszuarbeiten. abgestimmtes Regelwerk vor. Die bisherigen
Die offizielle Begründung für diese Ausspa- Grundregeln blieben unangetastet, doch wur-
rung war, dass es keine überzeugende Defini- den die Regeln einfacher und übersichtlicher
tion dessen gebe, was ein Substantiv sei und und – nicht zuletzt durch den weitgehenden
damit großgeschrieben werde, insbesondere Verzicht auf Ausnahmen – verständlicher.
aber, dass die Abgrenzung von Gattungsna-
men (nomina appellativa) und Eigennamen Insgesamt wurden nicht alle Reformziele
(nomina propria) nicht schlüssig sei. erreicht. Neben Vereinfachungen und Ver-
besserungen (z. B. der Abschaffung der Aus-
Die Übergabe einer ersten Fassung des Auf- nahmeregel zur Nichttrennung von st »Trenne
tragswerks führte in den Jahren 1988 und nie st, denn es tut ihm weh!«) blieben Kom-
1989 zu einer heftigen öffentlichen Diskus- promisse. Anhaltende Proteste, so von Seiten
sion, vor allem deshalb, weil vorgeschlagen der Deutschen Akademie für Sprache und
wurde, Keiser statt Kaiser zu schreiben (was Dichtung, des Schriftstellerverbands, aber auch
sprachgeschichtlich korrekt ist) sowie Bot statt von Politikern und etlichen Bürgergruppierun-
Boot und Al statt Aal (was bereits Duden 1908 gen, prägten die Debatte um die Rechtschreib-
empfohlen hatte). reform seit Mitte der 90er Jahre.

Unter dem Eindruck dieser lautstarken und


z. T. sehr polemischen Auseinandersetzung Die Zwischenstaatliche Kommission für
überarbeitete der Internationale Arbeitskreis für deutsche Rechtschreibung
Orthographie seine Reformvorschläge und Am 1. Juli 1996 hatten die verantwortlichen
legte 1992 in Buchform eine neue Fassung vor: Gremien der Bundesrepublik Deutschland,
›Deutsche Rechtschreibung. Vorschläge zu ihrer Österreichs und der Schweiz in Wien eine
Neuregelung‹. Die am häufigsten kritisierten ›Gemeinsame Erklärung zur Neuregelung der deut-
Neuregelungen (Keiser, Mos usw.) waren ge- schen Rechtschreibung‹ unterzeichnet. Sie trat am
tilgt, die Großschreibung der Substantive 1. August 1998 in Kraft, eine Übergangs- und
wurde zumindest indirekt empfohlen, die Erprobungszeit bis zum 31. Juli 2005 war vor-
Konjunktion daß sollte, weil ein kurzer Vokal gesehen. In dieser Zeit sollten in den Schulen
vorliegt, nun mit Doppel-s dass geschrieben und im öffentlichen Dienst die alten Schreib-
werden. weisen nicht als Fehler gewertet werden.

Zu diesem Neuregelungsvorschlag wurde am Eine »Zwischenstaatliche Kommission für


4. Mai 1993 eine Anhörung in Bonn durchge- deutsche Rechtschreibung«, in die sechs Wis-
führt. Über 40 Verbände und Institutionen senschaftler aus Deutschland sowie jeweils drei
waren aufgefordert worden, eine schriftliche aus Österreich und der Schweiz berufen wur-
Stellungnahme einzureichen. Die Ergebnisse den, hatte die Einführung der Neuregelung
dieses Hearings führten zu einer erneuten sowie die öffentliche Diskussion zu begleiten
Überarbeitung der Vorschläge, die dann im und sich daraus ergebende Änderungen vorzu-
Rahmen der 3. Wiener Gespräche zur Neu- schlagen. Mit dieser Entscheidung der Kul-
regelung der deutschen Rechtschreibung tusministerkonferenz wurde ihr Beschluss vom
(22. bis 24. November 1994) mit kleineren 18./19. November 1955 definitiv aufgehoben,

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i Geschichte der Rechtschreibung

demzufolge in Zweifelsfällen die jeweils neues- Parallel dazu entwickelte der Rat für deutsche
te Ausgabe des Duden-Wörterbuches maßge- Rechtschreibung auf der Basis des Regelwerks
bend sein sollte – die Entscheidung über 2004 Vorschläge in den noch »strittigen
Fragen der deutschen Orthographie wurde Teilbereichen«
von einem Privatverlag in die Regelungskom-
petenz der staatlichen Entscheidungsträger 1. Getrennt- und Zusammenschreibung
zurückgeholt. 2. Zeichensetzung
3. Worttrennung am Zeilenende
Doch die Diskussion um Pro und Contra
der Reform wurde immer wieder aufs Neue sowie in der Groß- und Kleinschreibung.
entfacht – ungeachtet der im Zweijahres-
rhythmus abgegebenen Berichte der Kommis- Vorrangiges Ziel der Neuregelung war es,
sion und der in ihnen enthaltenen Vorschläge. Bedeutungsaspekten ein stärkeres Gewicht
zu verleihen und damit dem Schreibgebrauch
stärker Rechnung zu tragen als das primär
Der Rat für deutsche Rechtschreibung auf formale Kriterien ausgerichtete Regelwerk
So entschloss sich die Ständige Konferenz der 2004. Dies hat im Bereich der Getrennt- und
Kultusminister in Abstimmung mit den staat- Zusammenschreibung zu mehr Zusammen-
lichen Stellen in Österreich und der Schweiz, schreibungen geführt (z.B. obligatorische
einen auf 37 – inzwischen 39 – Mitglieder ver- Zusammenschreibung bei »idiomatisierter
größerten »Rat für deutsche Rechtschreibung« Bedeutung« in Zusammensetzungen aus
anstelle der zwölfköpfigen Kommission einzu- Adjektiv und Verb, wie bei schwerfallen), bei
setzen. Dieser nahm im Dezember 2004 unter der Groß- und Kleinschreibung zu leicht ver-
dem Vorsitz des ehemaligen bayerischen Kultus- mehrter Großschreibung bei übertragener
ministers Hans Zehetmair seine Arbeit auf. Bedeutung (Schwarzes Brett neben schwarzes
Ziel war es, möglichst alle relevanten gesell- Brett). In der Zeichensetzung sollen wieder
schaftlichen Gruppen, darunter Schriftsteller, mehr Kommata verpflichtend sein, um Sätze
Wissenschaftler, Verlage, Journalisten und und damit Inhaltseinheiten besser zu gliedern.
Lehrer, an den Entscheidungsprozessen zu
beteiligen. Das vom Rat neu erarbeitete Regelwerk wurde
im März 2006 den politischen Entscheidungs-
Am 3. Juni 2005 bestätigte die Kultusminister- trägern in Deutschland übergeben: Es wurde
konferenz das Reformwerk von 1996 in der am 2.3. von der Kultusministerkonferenz ge-
Fassung von 2004 und setzte drei »unstrittige billigt, am 30.3. von den Ministerpräsidenten
Teilbereiche« zum 1.8.2005 alleinverbindlich der Länder. Auch Österreich und die Schweiz
in Kraft: haben signalisiert, dass sie sich der Neuregelung
anschließen und sie am 1.8.2006 in Kraft set-
1. Laut-Buchstaben-Zuordnungen einschließ- zen wollen. In Deutschland soll eine einjährige
lich der Fremdwortschreibung (Stängel, dass, Übergangszeit gelten, bevor die Neuregelung
Schifffahrt, Fotografie u. a.) zum 1.8.2007 notenrelevant werden soll.
2. Schreibung mit Bindestrich (8-seitig, der
40-Jährige u. a.) Langfristig ist es die Aufgabe des Rats für
3. Groß- und Kleinschreibung (auf dem Tro- deutsche Rechtschreibung, die Schreibentwick-
ckenen sitzen, in Bezug auf, Rad fahren, im lung zu beobachten und im Turnus von 5 Jah-
Großen und Ganzen u. a.) ren den Kultusministern Bericht über geplante
Änderungen zu erstatten. Er ist damit verant-
Verstöße gegen die Regeln in diesen Bereichen wortlich für die Erarbeitung und wissenschaft-
wurden ab dem 1.8.2005 in den meisten deut- liche Begründung von Vorschlägen zur An-
schen Bundesländern in der Schule als Fehler passung des Regelwerks an den allgemeinen
gewertet. In den übrigen »strittigen Bereichen« Wandel der Sprache. Der »Rat« ist ferner die
sollten daneben bis auf Weiteres auch die alten maßgebliche Instanz für die Klärung von
Schreibweisen toleriert werden. Zweifelsfällen der deutschen Rechtschreibung.

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Geschichte der Rechtschreibung i

Literatur

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Augst, Gerhard, u.a. (Hrsg.): Zur Neuregelung Dieter / Scharnhorst, Jürgen (Hrsg.):
der deutschen Orthographie. Begründung und Studien zur Geschichte der deutschen
Kritik. Tübingen 1997 (= Reihe Germanis- Orthographie. Hildesheim/ Zürich/New
tische Linguistik. Band 179). York 1992 (= Reihe Germanistische
Brenner, Oskar: Die lautlichen und geschicht- Linguistik. Band 108-109), S. 277 - 338.
lichen Grundlagen unserer Rechtschreibung. Internationaler Arbeitskreis für Orthographie
Halle 1902. (Hrsg.): Deutsche Rechtschreibung. Vorschläge
Duden, Konrad: Vollständiges Orthographisches zu ihrer Neuregelung. Tübingen 1992.
Wörterbuch der deutschen Sprache. Nach den Kosog, O.: Unsere Rechtschreibung und die
neuen preußischen und bayrischen Regeln. Notwendigkeit ihrer Gründlichen Reform.
Leipzig 1880 (= Sammlung Duden. Breslau 1912.
Band 1. Mannheim o. J.). Mentrup, Wolfgang: Wo liegt eigentlich der
Duden, Konrad: Orthographisches Wörterbuch Fehler? Zur Rechtschreibung und zu ihren
der deutschen Sprache. Nach den für Deutsch- Hintergründen. Stuttgart/Düsseldorf/Berlin/
land, Österreich und die Schweiz gültigen Leipzig 1993.
amtlichen Regeln. Siebente Auflage. Nerius, Dieter (Hrsg.): Deutsche Orthographie.
Leipzig/Wien 1902. 3., neu bearbeitete Auflage. Mannheim 2000.
Duden, Konrad: Ausblick in die weitere Nerius, Dieter / Scharnhorst, Jürgen (Hrsg.):
Entwicklung unserer Rechtschreibung. Theoretische Probleme der deutschen
Leipzig/Wien 1908. Orthographie. Berlin 1980 (= Reihe Sprache
Duden-Rechtschreibung: Duden, und Gesellschaft. Band 16).
Rechtschreibung der deutschen Sprache und Raumer, Rudolf von: Regeln und Wörterver-
der Fremdwörter. Neunte, neubearbeitete zeichnis für die deutsche Orthographie. In:
und vermehrte Auflage. Leipzig/Wien Verhandlungen der zur Herstellung größe-
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Rechtschreibung der deutschen Sprache den 4. bis 15. Januar 1876. Veröffentlicht
und der Fremdwörter. Bearbeitet von der im Auftrage des Königl. Preußischen
Duden-Schriftleitung des Bibliographischen Unterrichtsministers. Halle 1876, S. 946.
Instituts. Hrsg. von Horst Klien. 13. Wiesbadener Empfehlungen: Empfehlungen
Auflage. Wiesbaden 1947. des Arbeitskreises für Rechtschreibregelung
Freyer, Hieronymus: Anweisung zur Teutschen (= Duden-Beiträge. Band 2). Mannheim
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Gottsched, Johann Christoph: Vollständigere Zabel, Hermann: Aspekte der Fremdwort-
und Neuerläuterte Deutsche Sprachkunst/ Nach orthographie. In: Glinz, Hans / Schaeder,
den Mustern der besten Schriftsteller des vorigen Burkhard / Zabel, Hermann (Hrsg.):
und itzigen Jahrhunderts abgefasset, und bey Sprache – Schrift – Rechtschreibung.
dieser fünften Auflage merklich verbessert. Studien zu einer Reform der deutschen
Leipzig 1762 (= Documenta Linguistica Orthographie. Düsseldorf 1987, S. 101–128.
Reihe V. Hildesheim/New York. 1. Auflage
1748).
Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Band I,
2. Ausgabe. Göttingen 1822 (1. Ausgabe
1819).

39
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Deutsche Rechtschreibung

AMTLICHE REGELUNG

Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung in der Fassung von


2006 ist die Grundlage für die ab 1.8.2006 im gesamten deutschsprachigen
Raum verbindliche Orthographie. Das amtliche Regelwerk ist verbindlich für
diejenigen Institutionen, für die der Staat Regelungskompetenz besitzt, also
für Schule und Verwaltung. Es dient aber auch allen anderen Schreibenden
als Orientierungsnorm, die einer einheitlichen, amtlichen Orthographie
folgen möchten.

Das Regelwerk gliedert sich in sechs Bereiche:

A Laut-Buchstaben-Zuordnungen 42
B Getrennt- und Zusammenschreibung 53
C Schreibung mit Bindestrich 59
D Groß- und Kleinschreibung 63
E Zeichensetzung 74
F Worttrennung am Zeilenende 92

Im vorliegenden Text ist – im Wortlaut unverändert – der Regelteil


der amtlichen Regelung abgedruckt. Das Wörterverzeichnis ist in das
Stichwortinventar von »WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung«
eingegangen.

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§ Amtliche Regelung

A Laut-Buchstaben-Zuordnungen (3) Der folgenden Darstellung liegt die


deutsche Standardsprache zugrunde.
Besonderheiten sind bei Fremdwörtern und
0 Vorbemerkungen Eigennamen zu beachten.

(1) Die Schreibung des Deutschen beruht auf (3.1) Fremdwörter unterliegen oft fremd-
einer Buchstabenschrift. Jeder Buchstabe exis- sprachigen Schreibgewohnheiten (zum
tiert als Kleinbuchstabe und als Großbuchstabe Beispiel Chaiselongue, Sympathie, Lady).
(Ausnahme ß): Ihre Schreibung kann jedoch – und Ähnliches
gilt für die Aussprache – je nach Häufigkeit
abcdefghijklmnopqrstuvwxyz und Art der Verwendung integriert, das heißt
äöü ß dem Deutschen angeglichen werden (zum
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTU Beispiel Scharnier aus französisch charnière,
VWXYZ ÄÖÜ Streik aus englisch strike). Manche Fremd-
wörter werden sowohl in einer integrierten
Die Umlautbuchstaben ä, ö, ü werden im als auch in einer fremdsprachigen Schreibung
Folgenden mit den Buchstaben a, o, u zusam- verwendet (zum Beispiel Fotograf/Photograph).
men eingeordnet; ß nach ss. Zum Ersatz von Nicht integriert sind üblicherweise
ß durch ss oder SS siehe § 25 E2 und E3. a) zitierte fremdsprachige Wörter und
In Fremdwörtern und fremdsprachigen Wortgruppen (zum Beispiel: Die Engländer
Eigennamen kommen außerdem Buchstaben nennen dies „one way mind“);
mit zusätzlichen Zeichen sowie Ligaturen vor b) Wörter in international gebräuchlicher oder
(zum Beispiel ç, é, â, œ). festgelegter – vor allem fachsprachlicher –
Schreibung (zum Beispiel City; medizinisch
(2) Für die Schreibung des Deutschen gilt: Phlegmone).
Für die nicht oder nur teilweise integrierten
(2.1) Buchstaben und Sprachlaute sind ein- Fremdwörter lassen sich wegen der Vielgestal-
ander zugeordnet. Die folgende Darstellung tigkeit fremdsprachiger Schreibgewohnheiten
bezieht sich auf die Standardaussprache, die keine handhabbaren Regeln aufstellen. In
allerdings regionale Varianten aufweist. Zweifelsfällen siehe das Wörterverzeichnis.

(2.2) Die Schreibung der Wortstämme, (3.2) Für Eigennamen (Vornamen,


Präfixe, Suffixe und Endungen bleibt bei der Familiennamen, geografische Eigennamen
Flexion der Wörter, in Zusammensetzungen und dergleichen) gelten im Allgemeinen amt-
und Ableitungen weitgehend konstant (zum liche Schreibungen. Diese entsprechen nicht
Beispiel Kind, die Kinder, des Kindes, Kindbett, immer den folgenden Regeln.
Kinderbuch, Kindesalter, kindisch, kindlich; Eigennamen aus Sprachen mit nicht latei-
Differenz, Differenzial, differenzieren; aber säen, nischem Alphabet können unterschiedliche
Saat; nähen, Nadel). Dies macht es in vielen Schreibungen haben, die auf die Verwendung
Fällen möglich, die Schreibung eines Wortes verschiedener Umschriftsysteme zurückgehen
aus verwandten Wörtern zu erschließen. (zum Beispiel Schanghai, Shanghai).
Dabei ist zu beachten, dass Wortstämme
sich verändern können, so vor allem durch (4) Beim Aufbau der folgenden Darstellung
Umlaut (zum Beispiel Hand – Hände, Not – sind zunächst Vokale (siehe Abschnitt 1) und
nötig, Kunst – Künstler, rauben – Räuber), durch Konsonanten (siehe Abschnitt 2) zu unter-
Ablaut (zum Beispiel schwimmen – er schwamm scheiden.
– geschwommen) oder durch e/i-Wechsel Unterschieden sind des Weiteren in beiden
(zum Beispiel geben – du gibst – er gibt). Gruppen grundlegende Zuordnungen (siehe
In manchen Fällen werden durch verschie- Abschnitt 1.1 und 2.1), besondere Zuord-
dene Laut-Buchstaben-Zuordnungen gleich nungen (siehe Abschnitte 1.2 bis 1.7 und
lautende Wörter unterschieden (zum Beispiel 2.2 bis 2.7) sowie spezielle Zuordnungen in
malen aber mahlen, leeren aber lehren). Fremdwörtern (siehe Abschnitt 1.8 und 2.8).

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Laut-Buchstaben-Zuordnungen §

Laute werden im Folgenden durch die phone- Wörtern:) Liebe, Dieb


tische Umschrift wiedergegeben (zum Beispiel i (in Fremdwörtern:)
das lange a durch [aÜ]). Sind die Buchstaben Diva, Iris, Krise, Ventil
gemeint, so ist dies durch kursiven Druck ge- [oÜ] o oben, Ofen, vor, Chor
kennzeichnet (zum Beispiel der Buchstabe h [PÜ] ö öde, Öfen, schön
oder H). [uÜ] u Ufer, Bluse, Muse,
Natur
[yÜ] ü üben, Übel, fügen,
1 Vokale Menü, Molekül

1.1 Grundlegende Laut-Buchstaben- (3) Diphthonge


Zuordnungen
Laute Buch- Beispiele
§1 staben
Als grundlegend im Sinne dieser
orthografischen Regelung gelten die folgenden [aI] ei eigen, Eile, beiseite,
Laut-Buchstaben-Zuordnungen. Kaleidoskop
[aU] au auf, Auge, Haus,
Audienz
Besondere Zuordnungen werden in den sich [OY] eu euch, Eule, Zeuge,
anschließenden Abschnitten behandelt. Euphorie

(1) Kurze einfache Vokale


1.2 Besondere Kennzeichnung der
Laute Buch- Beispiele kurzen Vokale
staben
Folgen auf einen betonten Vokal innerhalb
[a] a ab, Alter, warm, Bilanz des Wortstammes – bei Fremdwörtern betrifft
[E], [e] e enorm, Endung, dies auch den betonten Wortausgang – zwei
helfen, fett, penetrant, verschiedene Konsonanten, so ist der Vokal
Prozent in der Regel kurz; folgt kein Konsonant, so
[´] e Atem, Ballade, gering, ist der Vokal in der Regel lang; folgt nur ein
nobel Konsonant, so ist der Vokal kurz oder lang.
[I], [i] i immer, Iltis, List, Deshalb beschränkt sich die besondere grafi-
indiskret, Pilot sche Kennzeichnung des kurzen Vokals auf
[O], [o] o ob, Ort, folgen, Konzern, den Fall, dass nur ein einzelner Konsonant
Logis, Obelisk, Organ folgt.
[{], [P] ö öfter, Öffnung, wölben,
Ökonomie §2
[U], [u] u unten, Ulme, bunt, Folgt im Wortstamm auf einen betonten
Museum kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so
[Y], [y] ü Küste, wünschen, Püree kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch
Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.
(2) Lange einfache Vokale

Laute Buch- Beispiele Das betrifft Wörter wie:


staben Ebbe; Paddel; schlaff, Affe; Egge; generell,
Kontrolle; schlimm, immer; denn, wann,
[aÜ] a artig, Abend, Basis gönnen; Galopp, üppig; starr, knurren; Hass,
[eÜ] e edel, Efeu, Weg, Planet dass (Konjunktion), bisschen, wessen, Prämisse;
[EÜ] ä äsen, Ära, Sekretär statt (aber Stadt), Hütte, Manschette
[iÜ] ie (in einheimischen

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§ Amtliche Regelung

§3 (4) eine Reihe von Fremdwörtern, zum


Für k und z gilt eine besondere Beispiel:
Regelung: Ananas, April, City, Hotel, Kamera, Kapitel,
(1) Statt kk schreibt man ck. Limit, Mini, Relief, Roboter
(2) Statt zz schreibt man tz.
(5) Wörter mit den nicht mehr produktiven
Suffixen -d, -st und -t, zum Beispiel:
Das betrifft Wörter wie: Brand (trotz brennen), Spindel (trotz spinnen);
Acker, locken, Reck; Katze, Matratze, Schutz Geschwulst (trotz schwellen), Gespinst (trotz
Ausnahmen: Fremdwörter wie Mokka, Sakko; spinnen), Gunst (trotz gönnen); beschäftigen,
Pizza, Razzia, Skizze Geschäft (trotz schaffen), (ins)gesamt, sämtlich
(trotz zusammen)
E zu § 2 und § 3: Die Verdopplung des
Buchstabens für den einzelnen Konsonanten (6) eine Reihe einsilbiger Wörter mit gram-
bleibt üblicherweise in Wörtern, die sich matischer Funktion, zum Beispiel:
aufeinander beziehen lassen, auch dann er- ab, an, dran, bis, das (Artikel, Pronomen),
halten, wenn sich die Betonung ändert, zum des (aber dessen), in, drin (aber innen, drinnen),
Beispiel: man, mit, ob, plus, um, was, wes (aber wessen)
Galopp – galoppieren, Horror – horrend,
Kontrolle – kontrollieren, Nummer – E2: Aber entsprechend § 2:
nummerieren, spinnen – Spinnerei, dann, denn, wann, wenn; dass (Konjunktion)
Stuck – Stuckatur, Stuckateur
(7) die folgenden Verbformen:
ich bin, er hat; aber nach der Grundregel (§ 2):
§4
In acht Fallgruppen verdoppelt man er hatte, sie tritt, nimm!
den Buchstaben für den einzelnen Konsonan-
ten nicht, obwohl dieser einem betonten kur- (8) die folgenden Ausnahmen:
zen Vokal folgt. Drittel, Mittag, dennoch

§5
Dies betrifft In vier Fallgruppen verdoppelt man den
(1) eine Reihe einsilbiger Wörter (besonders Buchstaben für den einzelnen Konsonanten,
aus dem Englischen), zum Beispiel: obwohl der vorausgehende kurze Vokal nicht
Bus, Chip, fit, Gag, Grog, Jet, Job, Kap, Klub, betont ist.
Mob, Pop, Slip, top, Twen

E1: Ableitungen schreibt man entsprechend Dies betrifft


§ 2 mit doppeltem Konsonantenbuchstaben: (1) das scharfe (stimmlose) s in Fremdwörtern,
jobben – du jobbst – er jobbt; jetten, poppig, zum Beispiel:
Slipper; außerdem: die Busse (zu Bus) Fassade, Karussell, Kassette, passieren, Rezession

(2) die fremdsprachigen Suffixe -ik und -it, (2) die Suffixe -in und -nis sowie die Wort-
die mit kurzem, aber auch mit langem Vokal ausgänge -as, -is, -os und -us, wenn in erweiter-
gesprochen werden können, zum Beispiel: ten Formen dem Konsonanten ein Vokal folgt,
Kritik, Politik; Kredit, Profit zum Beispiel:

(3) einige Wörter mit unklarem Wortaufbau -in: Ärztin – Ärztinnen,


oder mit Bestandteilen, die nicht selbständig Königin – Königinnen
vorkommen, zum Beispiel: -nis: Beschwernis – Beschwernisse,
Brombeere, Damwild, Himbeere, Imbiss, Imker Kenntnis – Kenntnisse
(aber Imme), Sperling, Walnuss; aber Bollwerk -as: Ananas – Ananasse, Ukas – Ukasse
-is: Iltis – Iltisse, Kürbis – Kürbisse

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Laut-Buchstaben-Zuordnungen §

-os: Albatros – Albatrosse, Dies betrifft Wörter wie:


Rhinozeros – Rhinozerosse
-us: Diskus – Diskusse, Globus – Globusse ah: nahen, bejahen (aber ja)
eh: Darlehen, drehen
(3) eine Reihe von Fremdwörtern, zum Beispiel: oh: drohen, Floh (wegen Flöhe)
Allee, Batterie, Billion, Buffet, Effekt, frappant, uh: Kuh (wegen Kühe), Ruhe, Schuhe
Grammatik, Kannibale, Karriere, kompromit- äh: fähig, Krähe, zäh (Ausnahme säen)
tieren, Konkurrenz, Konstellation, Lotterie, Por- öh: Höhe (Ausnahme Bö, trotz Böe, Böen)
zellan, raffiniert, Renommee, skurril, Stanniol üh: früh (wegen früher)

E: In Zusammensetzungen mit fremd- Zu ieh siehe § 12(2).


sprachigen Präfixen wie ad-, dis-, in-, Zu See u. a. siehe § 9.
kon-/con-, ob-, sub-und syn- ist deren aus-
lautender Konsonant in manchen Fällen §7
an den Konsonanten des folgenden Wortes Das h steht ausnahmsweise auch nach
angeglichen, zum Beispiel: dem Diphthong [aI].
Affekt, akkurat, Attraktion (vgl. aber Advokat,
addieren); ebenso: Differenz, Illusion, korrekt,
Opposition, suggerieren, Symmetrie Das betrifft Wörter wie:
gedeihen, Geweih, leihen (aber Laien), Reihe,
(4) wenige Wörter mit tz (siehe § 3(2)), Reiher, seihen, verzeihen, weihen, Weiher; aber
zum Beispiel: Kiebitz, Stieglitz sonst: Blei, drei, schreien

§8
1.3 Besondere Kennzeichnung der Wenn einem betonten langen Vokal
langen Vokale einer der Konsonanten [l], [m], [n] oder [r]
folgt, so wird in vielen, jedoch nicht in der
Folgt im Wortstamm auf einen betonten Vokal Mehrzahl der Wörter nach dem Buchstaben
kein Konsonant, ist er lang. Die regelmäßige für den Vokal ein h eingefügt.
Kennzeichnung mit h hat auch die Aufgabe die
Silbenfuge zu markieren, zum Beispiel Kü|he;
vgl. § 6. Folgt nur ein Konsonant, so kann der Dies betrifft
Vokal kurz oder lang sein. Die Länge wird (1) Wörter, in denen auf [l], [m], [n] oder [r]
jedoch nur bei einheimischen Wörtern mit [iÜ] kein weiterer Konsonant folgt, zum Beispiel:
regelmäßig durch ie bezeichnet; vgl. § 1.
Ansonsten erfolgt die Kennzeichnung nur aus- ah: Dahlie, lahm, ahnen, Bahre
nahmsweise: eh: Befehl, benehmen, ablehnen, begehren
a) in manchen Wörtern vor l, m, n, r mit h; oh: hohl, Sohn, bohren
vgl. § 8; uh: Pfuhl, Ruhm, Huhn, Uhr
b) mit Doppelvokal aa, ee, oo; vgl. § 9; äh: ähneln, Ähre
c) mit ih, ieh; vgl. § 12. öh: Höhle, stöhnen, Möhre
üh: fühlen, Bühne, führen
Zum ß (statt s) nach langem Vokal und
Diphthong siehe § 25. Zu ih siehe § 12(1).

(2) die folgenden Einzelfälle: ahnden, fahnden


§6
Wenn einem betonten einfachen langen
Vokal ein unbetonter kurzer Vokal unmittelbar E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende,
folgt oder in erweiterten Formen eines Wortes aber unterschiedlich geschriebene Wort-
folgen kann, so steht nach dem Buchstaben für stämme wie:
den langen Vokal stets der Buchstabe h. Mahl aber Mal, mahlen aber malen, Sohle aber
Sole; dehnen aber denen; Bahre aber Bar, wahr

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§ Amtliche Regelung

aber er war, lehren aber leeren, mehr aber E2: Bei Umlaut schreibt man nur ä bzw. ö,
Meer, Mohr aber Moor, Uhr aber Ur, zum Beispiel:
währen aber sie wären Härchen – aber Haar; Pärchen – aber Paar;
Säle – aber Saal; Bötchen – aber Boot
E2 zu § 6 bis 8: Das h bleibt auch bei
Flexion, Stammveränderung und in § 10
Ableitungen erhalten, zum Beispiel: Wenige einheimische Wörter
befehlen – befiehl – er befahl – befohlen, und eingebürgerte Entlehnungen mit dem
drehen – gedreht – Draht, empfehlen – langen Vokal [iÜ] schreibt man ausnahms-
empfiehl – er empfahl – empfohlen, gedeihen – weise mit i.
es gedieh – gediehen, fliehen – er floh – geflohen,
leihen – er lieh – geliehen, mähen – Mahd,
nähen – Naht, nehmen – er nahm, sehen – Dies betrifft Wörter wie:
er sieht – er sah – gesehen, stehlen – er stiehlt – dir, mir, wir; gib, du gibst, er gibt (aber ergiebig);
er stahl – gestohlen, verzeihen – er verzieh – Bibel, Biber, Brise, Fibel, Igel, Liter, Nische,
verziehen, weihen – geweiht – Weihnachten Primel, Tiger, Wisent
Ausnahmen, zum Beispiel: Blüte, Blume
(trotz blühen), Glut (trotz glühen), Nadel E: Zu unterscheiden sind gleich lautende,
(trotz nähen) aber unterschiedlich geschriebene Wörter
wie: Lid aber Lied; Mine aber Miene;
E3: In Fremdwörtern steht bis auf wenige Stil aber Stiel; wider aber wieder
Ausnahmen wie Allah, Schah kein h.
§ 11
§9 Für langes [iÜ] schreibt man ie in den
Die Länge von [aÜ], [eÜ] und [oÜ] kenn- fremdsprachigen Suffixen und Wortausgängen
zeichnet man in einer kleinen Gruppe von -ie, -ier und -ieren.
Wörtern durch die Verdopplung aa, ee bzw. oo.

Dies betrifft Wörter wie:


Dies betrifft Wörter wie: Batterie, Lotterie; Manier, Scharnier; marschie-
ren, probieren
aa: Aal, Aas, Haar, paar, Paar, Saal, Ausnahmen, zum Beispiel:
Saat, Staat, Waage Geysir, Saphir, Souvenir, Vampir, Wesir
ee: Beere, Beet, Fee, Klee, scheel, Schnee,
See, Speer, Tee, Teer; außerdem eine
§ 12
Reihe von Fremdwörtern mit ee im In Einzelfällen kennzeichnet man
Wortausgang wie: Armee, Idee, die Länge des Vokals [iÜ] zusätzlich mit dem
Kaffee, Klischee, Tournee, Varietee Buchstaben h und schreibt ih oder ieh.
oo: Boot, Moor, Moos, Zoo

Zu die Feen, Seen siehe § 19. Im Einzelnen gilt:


(1) ih steht nur in den folgenden Wörtern
E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, (vgl. § 8):
aber unterschiedlich geschriebene Wort- ihm, ihn, ihnen; ihr (Personal- und Possessiv-
stämme wie: pronomen), außerdem Ihle
Waage aber Wagen; Heer aber her, hehr;
leeren aber lehren; Meer aber mehr; (2) ieh steht nur in den folgenden Wörtern
Reede aber Rede; Seele, seelisch aber selig; (vgl. § 6): fliehen, Vieh, wiehern, ziehen
Moor aber Mohr Zu ieh in Flexionsformen wie befiehl
(zu befehlen) siehe § 8 E2.

46
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Laut-Buchstaben-Zuordnungen §

1.4 Umlautschreibung bei [E] Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter
wie:
§ 13 Häuser (wegen Haus), er läuft (wegen laufen),
Für kurzes [E] schreibt man ä statt e, Mäuse, Mäuschen (wegen Maus); Gebäude
wenn es eine Grundform mit a gibt. (wegen Bau), Geräusch (wegen rauschen),
sich schnäuzen (wegen Schnauze), verbläuen
(wegen blau)
Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter
wie:
§ 17
Bänder, Bändel (wegen Band); Hälse (wegen In wenigen Wörtern schreibt man
Hals); Kälte, kälter (wegen kalt); überschwäng- ausnahmsweise äu.
lich (wegen Überschwang)

E1: Man schreibt e oder ä in Schenke/Schänke Das betrifft Wörter wie:


(wegen ausschenken/Ausschank), aufwendig/ Knäuel, Räude, sich räuspern, Säule,
aufwändig (wegen aufwenden/Aufwand). sich sträuben, täuschen

E2: Für langes [eÜ] und langes [EÜ], die in


der Aussprache oft nicht unterschieden 1.6 Ausnahmen beim Diphthong [aI]
werden, schreibt man ä, sofern es eine
Grundform mit a gibt, zum Beispiel: § 18
quälen (wegen Qual). Wörter wie sägen, In wenigen Wörtern schreibt man den
Ähre (aber Ehre), Bär sind Ausnahmen. Diphthong [aI] ausnahmsweise ai.

§ 14
In wenigen Wörtern schreibt man Das betrifft Wörter wie:
ausnahmsweise ä. Hai, Kaiser, Mai

E: Zu unterscheiden sind gleich lautende,


Dies betrifft Wörter wie: aber unterschiedlich geschriebene Wort-
ätzen, dämmern, Geländer, Lärm, März, Schärpe stämme wie:
Bai aber bei; Laib aber Leib; Laich aber
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, Leiche; Laie, Laien aber leihen; Saite
aber unterschiedlich geschriebene Wörter aber Seite; Waise aber Weise, weisen
wie: Äsche aber Esche; Färse aber Ferse;
Lärche aber Lerche
1.7 Besonderheiten beim e
§ 15
In wenigen Wörtern schreibt man
ausnahmsweise e. § 19 Folgen auf -ee oder -ie die Flexions-
endungen oder Ableitungssuffixe -e, -en, -er,
-es, -ell, so lässt man ein e weg.
Das betrifft Wörter wie:
Eltern (trotz alt); schwenken (trotz schwanken)
Das betrifft Wörter wie:
die Feen; die Ideen; die Mondseer, des Sees; die
1.5 Umlautschreibung bei [OY] Knie, knien; die Fantasien; sie schrien, geschrien;
ideell; industriell
§ 16
Für den Diphthong [OY] schreibt man
äu statt eu, wenn es eine Grundform mit au gibt.

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§ Amtliche Regelung

1.8 Spezielle Laut-Buchstaben- syn-: dysfunktional, hyper-


Zuordnungen in Fremdwörtern korrekt, Hypozentrum,
Syllogismus, Symbiose,
synchron
§ 20
Über die bisher dargestellten Laut-
Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten in [a)], [a)Ü] an Branche, Chance, Orange,
Fremdwörtern auch fremdsprachige Zuord- Renaissance, Revanche
nungen auf. In den folgenden Listen sind ant Avantgarde, Pendant,
nur die wichtigeren angeführt. Restaurant
en engagiert, Ensemble,
Entree, Pendant,
Dabei ist zu beachten, dass Kürze und Länge Rendezvous
der Vokale von der Betonung abhängen. ent Abonnement, Engagement
Vokale, die in betonten Silben lang sind, [E)], [E)Ü] ain Refrain, Souterrain,
werden in unbetonten Silben kurz gesprochen, Terrain
zum Beispiel Analyse mit langem Vokal [yÜ] – eint Teint
analysieren mit kurzem Vokal [y]. in Bulletin, Dessin,
Mannequin
(1) Fremdsprachige Laut-Buchstaben- [O)], [O)Ü] on Annonce, Chanson,
Zuordnungen Pardon
[{)], [{)Ü] um Parfum
Laute Buch- Beispiele [aU] ou Couch, Countdown, Foul,
staben Sound
ow Clown, Countdown,
[a], [aÜ] u Butler, Cup, Make-up, Cowboy, Power(play)
Slum [aI] i Lifetime, Pipeline
at Eklat, Etat igh Copyright, high,
[E], [EÜ] a Action, Camping, Fan, Gag Starfighter
ai Airbus, Chaiselongue, fair, y Nylon, Recycling
Flair, Saison [OY] oy Boy, Boykott
[e], [eÜ] é Abbé, Attaché, Lamé [oa] oi Memoiren, Repertoire,
er Atelier, Bankier, Premier Reservoir, Toilette
et Budget, Couplet, Filet
ai Cocktail, Container (2) Doppelschreibungen
[i], [iÜ] y Baby, City, Lady, sexy Im Prozess der Integration entlehnter Wörter
ea Beat, Dealer, Hearing, können fremdsprachige und integrierte
Jeans, Team Schreibung nebeneinanderstehen. Manche
ee Evergreen, Spleen, fremdsprachige Schreibungen sind nur noch
Teenager fachsprachlich üblich.
[o], [oÜ] au Chaussee, Chauvinismus
eau Niveau, Plateau, Tableau Laute Buch- Beispiele
ot Depot, Trikot staben
[PÜ] eu adieu, Milieu; häufig in
den Suffixen -eur, -euse: [E], [EÜ] ai – ä Drainage – Dränage,
Ingenieur, Souffleuse Mayonnaise – Majonäse,
[U], [u], [uÜ] oo Boom, Swimmingpool Mohair – Mohär,
ou Journalist, Rouge, Route, Polonaise – Polonäse
souverän [eÜ] é – ee Bouclé – Buklee,
[Y],[y], [yÜ] y Analyse, Hymne, Physik,
System, Typ; auch in den
Präfixen dys- (aber dis-),
hyper-, hypo-, syl-, sym-,

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Laut-Buchstaben-Zuordnungen §

Doublé – Dublee, [d] d danken, Druck, leiden,


Exposé – Exposee Mansarde
Café – Kaffee (mit Bedeu- [f] f fertig, Falke, Hafen,
tungsdifferenzierung), Fusion
Kommuniqué – [g] g gehen, Gas, sägen, Organ,
Kommunikee, Eleganz
Varieté – Varietee [h] h hinterher, Haus, Hektik,
[oÜ] au – o Sauce – Soße Ahorn, vehement
[U], [u], [uÜ] ou – u Bravour – Bravur, [j] j ja, Jagd, Boje, Objekt
Bouquet – Bukett, [k] k Kiste, Haken, Flanke,
Doublé – Dublee, Majuskel, Konkurs
Coupon – Kupon, [l] l laufen, Laut, Schale,
Nougat – Nugat lamentieren
[m] m machen, Mund, Lampe,
Maximum
§ 21
Fremdwörter aus dem Englischen, die [n] n nur, Nagel, Ton, Natur,
auf -y enden und im Englischen den Plural nuklear
-ies haben, erhalten im Plural ein -s. [N] ng Gang, Länge, singen,
Zange
[p] p packen, Paste, Raupe,
Das betrifft Wörter wie: Problem
Baby – Babys, Lady – Ladys, Party – Partys [r], [R], [Â] r rauben, Rampe, hören,
Zitrone
E: Bei Zitatwörtern gilt die englische [s] s skurril, Skandal, Hast,
Schreibung, zum Beispiel: hopsen
Grand Old Ladies. [z] s sagen, Seife, lesen, Laser
[S] sch scharf, Schaufel, rauschen
[t] t tragen, Tür, fort,
Optimum
2 Konsonanten [v] w wann, Wagen, Möwe

2.1 Grundlegende Laut-Buchstaben- (2) Konsonantenverbindungen


Zuordnungen (innerhalb des Stammes)

§ 22 Laute Buch- Beispiele


Als grundlegend im Sinne dieser staben
orthografischen Regelung gelten die folgenden
Laut-Buchstaben-Zuordnungen. [kv] qu quälen, Quelle, liquid,
Qualität
[ks] x xylographisch, Xenophobie,
Besondere Zuordnungen werden in den sich boxen, toxisch
anschließenden Abschnitten behandelt. [ts] z zart, Zaum, tanzen,
speziell, Zenit
(1) Einfache Konsonanten

Laute Buch- Beispiele


staben

[b] b backen, Baum, Obolus,


Parabel
[ç], [x] ch ich, Bücher, lynchen;
ach, Rauch

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§ Amtliche Regelung

2.2 Auslautverhärtung und mit b, d, g bzw. s, zum Beispiel:


Wortausgang -ig ab, Eisbein (Eis – Eises), flugs (Flug), Herbst,
hübsch, jeglich, Jugend, Kies (Kiesel), Lebkuchen,
morgendlich, ob, Obst, Plebs (Plebejer), preis-
§ 23
Die in großen Teilen des deutschen geben, Rebhuhn, redlich (Rede), Reis (Reisig),
Sprachgebiets auftretende Verhärtung der Kon- Reis (= Korn; Reise fachsprachlich = Reis-
sonanten [b], [d], [g], [v] und [z] am Silben- sorten; aber Grieß), ihr seid (aber seit), sie sind,
ende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb und, Vogt, weg (Weges), weissagen (weise)
der Silbe wird in der Schreibung nicht berück-
sichtigt. § 24
Für den Laut [ç] schreibt man regel-
mäßig g, wenn erweiterte Formen am Silben-
E1: Bei vielen Wörtern kann die Schreibung anfang mit dem Laut [g] gesprochen werden.
aus der Aussprache erweiterter Formen oder
verwandter Wörter abgeleitet werden, in
denen der betreffende Konsonant am Silben- Das betrifft Wörter wie:
anfang steht, zum Beispiel: ewig, Ewigkeit (wegen ewige), gläubig (wegen
gläubige); aber unglaublich (wegen unglaubliche);
Konsonant am Konsonant am heilig, Käfig, ruhig
Silbenende usw. Silbenanfang
E: In einigen Sprachlandschaften wird -ig
Lob, löblich, du lobst Lobes, belobigen mit [k] gesprochen; dann gilt § 23.
(aber Isotop – Isotope)
trüb, trübselig, trübe, eintrüben
eingetrübt (aber Typ – Typen) 2.3 Besonderheiten bei [s]
Rad, Radumfang Rades, rädern
(aber Rat – Rates) § 25
absurd absurde, Absurdität Für das scharfe (stimmlose) [s] nach lan-
(aber Gurt – Gurte) gem Vokal oder Diphthong schreibt man ß,
Sieg, siegreich, er siegt siegen (aber Musik – wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant
musikalisch) folgt.
Trug, er betrog, Betrug betrügen (aber Spuk –
spuken)
gläubig gläubige (aber Das betrifft Wörter wie:
Plastik – Plastiken) Maß, Straße, Grieß, Spieß, groß, grüßen; außen,
Möwchen Möwe (aber Öfchen – außer, draußen, Strauß, beißen, Fleiß, heißen
Ofen) Ausnahme: aus
naiv, Naivling, Naive, Naivität Zur Schreibung von [s] in Wörtern mit
Naivheit (aber er rief – rufen) Auslautverhärtung wie Haus, graziös, Maus,
Preis, preislich, Preise (aber Fleiß – Preis siehe § 23.
preiswert fleißig)
Haus, häuslich, behaust Häuser (aber Strauß – E1: In manchen Wortstämmen wechselt bei
Sträuße) Flexion und in Ableitungen die Länge und
E2: Bei einer kleinen Gruppe von Wörtern Kürze des Vokals vor [s]; entsprechend
ist es nicht oder nur schwer möglich, eine wechselt die Schreibung ß mit ss. Beispiele:
solche Erweiterung durchzuführen oder fließen – er floss – Fluss – das Floß
eine Beziehung zu verwandten Wörtern genießen – er genoss – Genuss
herzustellen. Man schreibt sie trotzdem wissen – er weiß – er wusste

E2: Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung,


so schreibt man ss. In der Schweiz kann man
immer ss schreiben. Beispiel: Straße – Strasse

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Laut-Buchstaben-Zuordnungen §

E3: Bei Schreibung mit Großbuchstaben von, vor, vordere, vorn


schreibt man SS, zum Beispiel: Dazu kommen Frevel, Nerv (Nerven).
Straße – STRASSE
§ 30
§ 26 Für den Laut [v] schreibt man in
Folgt auf das s, ss, ß, x oder z eines Verb- Fremdwörtern regelmäßig und in wenigen
oder Adjektivstammes die Endung -st der 2. eingebürgerten Entlehnungen v statt w.
Person Singular bzw. die Endung -st(e) des
Superlativs, so lässt man das s der Endung weg.
Das betrifft Wörter wie:
privat, Revolution, Universität, Virus, zivil,
Das betrifft Wörter wie: Malve, Vase; Suffix bzw. Endung -iv, -ive:
du reist (zu reisen), du hasst (zu hassen), du reißt Aktivität, die Detektive, Motivation; Initiative,
(zu reißen), du mixt (zu mixen), du sitzt (zu Perspektive
sitzen); (groß – größer –) größte
E: Bei einigen Wörtern schwankt die Aus-
sprache von v zwischen [v] und [f] wie bei
2.4 Besonderheiten bei [ S] Initiative, Larve, Pulver, evangelisch, Vers,
Vesper, November, brave.
§ 27
Für den Laut [S] am Anfang des
Wortstammes vor folgendem [p] oder [t] 2.7 Besonderheiten bei [ks]
schreibt man s statt sch.
§ 31
Für die Lautverbindung [ks] schreibt
Das betrifft Wörter wie: man in einigen Wortstämmen ausnahmsweise
spielen, verspotten; starren, Stelle, Stunde chs bzw. ks statt x.

2.5 Besonderheiten bei [N] Das betrifft Wörter wie:


Achse, Achsel, Büchse, Dachs, drechseln, Echse,
§ 28 Flachs, Fuchs, Lachs, Luchs, Ochse, sechs, Wachs,
Für den Laut [N] vor [k] oder [g] im wachsen, Wechsel, Weichsel[kirsche], wichsen
Wortstamm schreibt man n statt ng. Keks, schlaksig

E: Die bei Flexion und in Ableitungen ent-


Das betrifft Wörter wie: stehende Lautverbindung [ks] wird je nach
Bank, dünken, Enkel, Schranke, trinken; Mangan, dem zugrunde liegenden Wort gs, ks oder cks
Singular geschrieben, zum Beispiel: du hegst (wegen
hegen), du hinkst (wegen hinken), Streiks
(wegen Streik), Häcksel (wegen hacken)
2.6 Besonderheiten bei [f] und [v]

§ 29 2.8 Spezielle Laut-Buchstaben-


Für den Laut [f] schreibt man v statt f Zuordnungen in Fremdwörtern
in ver- (wie in verlaufen) sowie am Anfang
einiger weiterer Wörter. § 32
Über die bisher dargestellten Laut-
Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten
Das betrifft Wörter wie: in Fremdwörtern auch fremdsprachige
Vater, Veilchen, Vettel, Vetter, Vieh, viel, vielleicht, Zuordnungen auf.
vier, Vlies, Vogel, Vogt, Volk, voll (aber füllen),

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§ Amtliche Regelung

In den folgenden Listen sind nur die wichti- Funktion, Nation,


geren angeführt. Produktion; Aktie,
partiell, infektiös
(1) Fremdsprachige Laut-Buchstaben-Zuord- [tS] c Cello, Cembalo
nungen ch Chip, Coach, Ranch
ge College
(1.1) Einfache Konsonanten dge Bridge

Laute Buch- Beispiele (2) Doppelschreibungen


staben Im Prozess der Integration entlehnter Wörter
können fremdsprachige und integrierte
[f] ph Atmosphäre, Metapher, Schreibung nebeneinanderstehen. Manche
Philosophie, Physik fremdsprachige Schreibungen sind nur noch
[k] c Clown, Container, Crew fachsprachlich üblich.
ch Chaos, Charakter, Chlor,
christlich Laute Buch- Beispiele
qu Mannequin, Queue staben
[r] rh Rhapsodie, Rhesusfaktor
rt Dessert, Kuvert, Ressort [f] ph – f -photo- – -foto-, zum
[s] c, ce Annonce, Chance, City, Beispiel Photographie –
Renaissance, Service Fotografie
[S] ch Champignon, Chance, -graph- – -graf-, zum
charmant, Chef Beispiel Graphik – Grafik
sh Geisha, Sheriff, Shop, Shorts -phon- – -fon-, zum
[Z] g Genie, Ingenieur, Loge, Beispiel Mikrophon –
Passagier, Regime; Mikrofon
auch im Suffix -age: Delphin – Delfin,
Blamage, Garage phantastisch – fantastisch
j Jalousie, Jargon, [g] gh – g Ghetto – Getto,
jonglieren, Journalist Joghurt – Jogurt,
[t] th Ethos, Mathematik, Spaghetti – Spagetti
Theater, These [j] y–j Yacht – Jacht, Yoga – Joga,
[v] v Virus, zivil (vgl. § 30) Mayonnaise – Majonäse
[k] c–k Calcit – Kalzit,
(1.2) Konsonantenverbindungen Caritas – Karitas,
Code – Kode,
Laute Buch- Beispiele codieren – kodieren,
staben circa – zirka
qu – k Bouquet – Bukett,
[dZ] g Gentleman, Gin, Kommuniqué –
Manager, Teenager Kommunikee
j Jazz, Jeans, Jeep, Job, [r] rh – r Katarrh – Katarr,
Pyjama Myrrhe – Myrre
[lj] / [j] ll Billard, Bouillon, brillant, [s] c – ss, ß Facette – Fassette,
Guerilla, Medaille, Necessaire – Nessessär,
Pavillon, Taille Sauce – Soße
[nj] gn Champagner, Kampagne, [S] ch – sch Anchovis – Anschovis,
Lasagne Chicorée – Schikoree,
[ts] c Aceton, Celsius, Cellophan Sketch – Sketsch
t (vor [i] sehr häufig im Suffix [t] th – t Kathode – Katode,
+ Vokal) -tion; außerdem häufig in Panther – Panter,
Fällen wie -tie, -tiell, -tiös: Thunfisch – Tunfisch

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Getrennt- und Zusammenschreibung §

[ts] c–z Acetat – Azetat, 1 Verb


Calcit – Kalzit,
Penicillin – Penizillin, Zusätzlich zur generellen Unterscheidung von
circa – zirka Wortgruppen (wie auf den Berg steigen) und
t–z pretiös – preziös, Zusammensetzungen (wie bergsteigen) hat man
(vor [i] Pretiosen – Preziosen; bei Verbstämmen untrennbare von trennbaren
+ Vokal) potentiell – potenziell Zusammensetzungen zu unterscheiden:
(wegen Potenz),
substantiell – substanziell a) Untrennbare Zusammensetzungen bestehen
(wegen Substanz) aus einem Verbstamm, dem ein Stamm
eines Substantivs, eines Adjektivs oder einer
Partikel vorausgeht. Man erkennt sie daran,
dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile stets
B Getrennt- und unverändert bleibt:
Zusammenschreibung maß + regeln:
Wer jemanden maßregelt … Man maßregelte
0 Vorbemerkungen ihn … Niemand wagte, ihn zu maßregeln.
Er wurde offiziell gemaßregelt.
(1) Die Getrennt- und Zusammenschreibung b) Trennbare Zusammensetzungen bestehen
betrifft Einheiten, die im Text unmittelbar aus einem Verbstamm, dem ein Verbzusatz
benachbart und aufeinander bezogen sind. vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die
Handelt es sich um die Bestandteile von Wort- Reihenfolge ihrer Bestandteile in Abhängig-
gruppen, so schreibt man sie getrennt. Handelt keit von ihrer Stellung im Satz wechselt:
es sich um die Bestandteile von Zusammen- hinzu + kommen:
setzungen, so schreibt man sie zusammen. Wenn dieses Argument hinzukommt …
Dieses Argument kommt hinzu. Dieses
(2) Einheiten derselben Form können manch- Argument kommt erschwerend hinzu.
mal sowohl eine Wortgruppe (wie schwer be-
schädigt) als auch eine Zusammensetzung
§ 33
(wie schwerbeschädigt) bilden. Die Verwendung Substantive, Adjektive, Präpositionen
einer Wortgruppe oder einer Zusammenset- oder Adverbien können mit Verben untrenn-
zung richtet sich danach, was jeweils gemeint bare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt
ist und was dem Sprachgebrauch und den sie zusammen.
Regularitäten des Sprachbaus entspricht.

(3) Bei den verschiedenen Wortarten sind – Dies betrifft


auch in Abhängigkeit von sprachlichen Ent- (1) Zusammensetzungen aus Substantiv + Verb,
wicklungsprozessen – spezielle Bedingungen zu zum Beispiel:
beachten. Daher ist die folgende Darstellung brandmarken (gebrandmarkt, zu brandmarken),
nach der Wortart der Zusammensetzung ge- handhaben, lobpreisen, maßregeln, nachtwandeln,
gliedert: schlafwandeln, schlussfolgern

1 Verb (§ 33 bis 35) E: In manchen Fällen stehen Zusammen-


2 Adjektiv (§ 36) setzung und Wortgruppe nebeneinander,
3 Substantiv (§ 37 und 38) zum Beispiel:
4 Andere Wortarten (§ 39) danksagen /Dank sagen (er sagt Dank), ge-
währleisten /Gewähr leisten (sie leistet Ge-
währ), staubsaugen / Staub saugen (er saugt
Staub); brustschwimmen / Brust schwimmen
(er schwimmt Brust), delfinschwimmen / Delfin

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§ Amtliche Regelung

schwimmen (sie schwimmt Delfin), marathon- E1: Zur Unterscheidung von Verbpartikel
laufen / Marathon laufen (sie läuft Marathon). und selbständigem Adverb: Bei Zusammen-
Zu Fällen wie Acht geben /achtgeben setzungen liegt der Hauptakzent normaler-
vgl. § 34 E6. weise auf der Verbpartikel (vgl. wiedersehen,
zusammensitzen), während bei Wortgruppen
(2) Zusammensetzungen aus Adjektiv + Verb, das selbständige Adverb auch unbetont sein
zum Beispiel: kann (vgl. wieder sehen, zusammen sitzen).
frohlocken (frohlockt, zu frohlocken), langweilen, Wenn das Betonungskriterium nicht zu
liebäugeln, vollbringen, vollenden, weissagen einem eindeutigen Ergebnis führt, hilft in
manchen Fällen eine der folgenden Proben
(3) Zusammensetzungen aus Präposition + weiter:
Verb oder Adverb + Verb mit Betonung auf
dem zweiten Bestandteil, zum Beispiel: (1) Das Adverb kann im Aussagesatz vor
durchbrechen (er durchbricht die Regel, zu durch- dem finiten Verb an erster Stelle stehen, die
brechen), hintergehen, übersetzen (sie übersetzt Verbpartikel hingegen nicht, vgl.: Dabei
das Buch), umfahren, unterstellen, widersprechen, wollte sie nicht immer sitzen, sondern auch ab
wiederholen und zu mal stehen (Adverb dabei), aber Da-
beisitzen wollte sie nicht immer (Verbpartikel
§ 34 dabei-).
Partikeln, Adjektive, Substantive oder
Verben können als Verbzusatz mit Verben (2) Zwischen Adverb und Infinitiv können
trennbare Zusammensetzungen bilden. Man ein oder mehrere Satzglieder eingeschoben
schreibt sie nur in den Infinitiven, den Parti- werden, zwischen Verbpartikel und verbalem
zipien sowie im Nebensatz bei Endstellung Bestandteil hingegen nicht, vgl.: Sie wollte
des Verbs zusammen. dabei nicht immer sitzen, sondern auch ab und
zu mal stehen (Adverb dabei), aber Sie wollte
nicht immer dabeisitzen (Verbpartikel dabei-).
Dies betrifft
(1) Zusammensetzungen mit einer Verbpartikel E2: Eine Reihe von Pronominaladverbien
als erstem Bestandteil. mit dem Bestandteil dar- wirft besonders
Verbpartikeln sind Bestandteile, die bei der Verwendung als Verbpartikel das
a ab, zum Beispiel: darin sitzen – drinsitzen,
(1.1) formgleich mit Präpositionen sind, ähnlich dran- (dranbleiben), drauf- (drauf-
zum Beispiel: hauen), drauflos- (drauflosreden).
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, durch-, ein- (zur Prä-
position in-), entgegen-, entlang-, gegen-, gegen- E3: Unter Kontrastakzent kann die Verbpar-
über-, hinter-, in-, mit-, nach-, über-, um-, tikel an die erste Stelle im Satz treten und
unter-, vor-, wider-, zu-, zuwider-, zwischen- wird dann vom Verb getrennt geschrieben,
zum Beispiel:
(1.2) formgleich mit Adverbien, insbesondere Beisammen bleiben wir immer. Heraus kam
Adverbien der Richtung, des Ortes, der Zeit leider nichts. Hintan stellte er seine eigenen
sowie mit Pronominaladverbien sind, Bedürfnisse.
zum Beispiel:
abwärts-, auseinander-, beisammen-, davon-, (1.3) die Merkmale von frei vorkommenden
davor-, dazu-, dazwischen-, empor-, fort-, her-, Wörtern verloren haben, zum Beispiel:
heraus-, herbei-, herein-, hin-, hinaus-, hin- abhanden-, anheim-, bevor-, dar-, einher-,
durch-, hinein-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-, entzwei-, fürlieb-, hintan-, inne-, überein-,
nebenher-, nieder-, rückwärts-, umher-, voran-, überhand-, umhin-, vorlieb-, zurecht-
voraus-, vorbei-, vorher-, vorweg-, weg-, weiter-,
wieder-, zurück-, zusammen-, zuvor-

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Getrennt- und Zusammenschreibung §

E4: Dazu gehören auch die folgenden ersten (3) Zusammensetzungen mit einem substanti-
Bestandteile, die in der Verwendung beim vischen ersten Bestandteil. Dabei handelt es
Verb nicht mehr einer bestimmten Wortart- sich um folgende Fälle, bei denen die ersten
kategorie zugeordnet werden können: Bestandteile die Eigenschaften selbständiger
fehl-, feil-, heim-, irre-, kund-, preis-, wahr-, Substantive weitgehend verloren haben:
weis-, wett- eislaufen, kopfstehen, leidtun, nottun, standhalten,
stattfinden, stattgeben, statthaben, teilhaben, teil-
Zu Fällen wie infrage stellen – in Frage stellen nehmen, wundernehmen
vgl. § 39 E3 (1)
E6: In den nachstehenden Fällen ist bei den
(2) Zusammensetzungen mit einem adjektivi- nicht näher bestimmten oder ergänzten
schen ersten Bestandteil. Dabei sind folgende Formen sowohl Zusammen- als auch Ge-
Fälle zu unterscheiden: trenntschreibung möglich, da ihnen eine
Zusammensetzung oder eine Wortgruppe
(2.1) Es kann zusammen- wie auch getrennt zugrunde liegen kann:
geschrieben werden, wenn ein einfaches Adjek- achtgeben /Acht geben (aber nur: sehr acht-
tiv eine Eigenschaft als Resultat des Verbalvor- geben, allergrößte Acht geben), achthaben / Acht
gangs bezeichnet (sog. resultative Prädikative), haben, haltmachen /Halt machen, maßhalten /
zum Beispiel: Maß halten
blank putzen / blankputzen, glatt hobeln /glatt-
hobeln, klein schneiden /kleinschneiden; kalt Zu Fällen wie staubsaugen / Staub saugen
stellen /kaltstellen, kaputt machen /kaputtmachen, vgl. § 33 E.
leer essen /leeressen
(4) Verbindungen mit einem verbalen ersten
(2.2) Es wird zusammengeschrieben, wenn der Bestandteil.
adjektivische Bestandteil zusammen mit dem Verbindungen aus zwei Verben werden
verbalen Bestandteil eine neue, idiomatisierte getrennt geschrieben, zum Beispiel:
Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der laufen lernen, arbeiten kommen, baden gehen,
Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile be- lesen üben
stimmt werden kann, zum Beispiel:
krankschreiben, freisprechen, (sich) kranklachen; E7: Bei Verbindungen mit bleiben und lassen
festnageln (= festlegen), heimlichtun (= geheim- als zweitem Bestandteil ist bei übertragener
nisvoll tun), kaltstellen (= [politisch] ausschalten), Bedeutung auch Zusammenschreibung
kürzertreten (= sich einschränken), richtigstellen möglich. Dasselbe gilt für kennen lernen:
(= berichtigen), schwerfallen (= Mühe verursa- sitzen bleiben /sitzenbleiben (= nicht versetzt
chen), heiligsprechen werden), stehen lassen / stehenlassen (= nicht
länger beachten, sich abwenden), liegen
E5: Lässt sich in einzelnen Fällen keine klare bleiben / liegenbleiben (= unerledigt bleiben);
Entscheidung darüber treffen, ob eine idio- kennen lernen / kennenlernen (= Erfahrung
matisierte Gesamtbedeutung vorliegt, so mit etw. oder jmdn. haben).
bleibt es dem Schreibenden überlassen, ge-
trennt oder zusammenzuschreiben. § 35
Verbindungen mit sein werden
(2.3) In den anderen Fällen wird getrennt getrennt geschrieben.
geschrieben. Dazu zählen insbesondere Verbin-
dungen mit morphologisch komplexen oder
erweiterten Adjektiven, zum Beispiel: Zum Beispiel:
bewusstlos schlagen, ultramarinblau streichen, beisammen sein, fertig sein, los sein, vonnöten
ganz nahe kommen, dingfest machen, schachmatt sein, vorbei sein, vorhanden sein, vorüber sein,
setzen zufrieden sein

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§ Amtliche Regelung

2 Adjektiv wehklagend (wegen wehklagen); herunterfallend,


heruntergefallen; irreführend, irregeführt; teilneh-
mend, teilgenommen
§ 36
Substantive, Adjektive, Verben,
Adverbien oder Wörter anderer Kategorien (1.4) es sich um gleichrangige (nebengeord-
können als erster Bestandteil zusammen nete) Adjektive handelt, zum Beispiel:
mit einem adjektivischen oder adjektivisch blaugrau, dummdreist, feuchtwarm, grünblau,
gebrauchten zweiten Bestandteil Zusammen- nasskalt, taubstumm
setzungen bilden. Zur Schreibung mit Bindestrich
siehe § 45(2).

(1) Es wird zusammengeschrieben, wenn (1.5) der erste Bestandteil bedeutungsver-


stärkend oder bedeutungsabschwächend ist.
(1.1) der erste Bestandteil mit einer Wort- Mit Bestandteilen dieser Art werden zum Teil
gruppe paraphrasierbar ist, zum Beispiel: lange Reihen gebildet, zum Beispiel:
angsterfüllt, bahnbrechend, butterweich, finger- bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt) brand-,
breit, freudestrahlend, herzerquickend, hitzebe- dunkel-, erz-, extra-, früh-, gemein-, grund-,
ständig, jahrelang, knielang, meterhoch, milieu- hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-,
bedingt; denkfaul, fernsehmüde, lernbegierig, ultra-, ur-, voll-
röstfrisch, schreibgewandt, tropfnass; selbstbewusst, Zu adjektivischen Bestandteilen
selbstsicher; altersschwach, anlehnungsbedürftig, siehe § 36(2.2).
geschlechtsreif, lebensfremd, sonnenarm, werbe-
wirksam (1.6) es sich um mehrteilige Kardinalzahlen
unter einer Million sowie allgemein um
E1: Im Unterschied zur Zusammensetzung Ordinalzahlen handelt, zum Beispiel:
weist die entsprechende syntaktische Fügung dreizehn, siebenhundert, neunzehnhundertneun-
Artikel, Präpositionen u. Ä. auf, undachtzig; der siebzehnte Oktober, der einhun-
zum Beispiel: dertste Geburtstag, der fünfhunderttausendste
von Angst erfüllt (= angsterfüllt), das Herz Fall, der zweimillionste Besucher
erquickend (= herzerquickend ), durch das Beachte aber Substantive wie Dutzend,
Milieu bedingt (= milieubedingt), rot wie Million, Milliarde, Billion, zum Beispiel:
Feuer (= feuerrot) zwei Dutzend Hühner, eine Million Teilnehmer,
zwei Milliarden fünfhunderttausend Menschen
E2: Viele der Zusammensetzungen sind
bereits an der Verwendung eines Fugen- (2) Zusammen- wie auch getrennt geschrieben
elements zu erkennen, zum Beispiel: werden kann, wenn der entsprechende Aus-
altersschwach, sonnenarm, werbewirksam druck sowohl als Zusammensetzung als auch
als syntaktische Fügung angesehen werden
(1.2) der erste oder der zweite Bestandteil in kann.
dieser Form nicht selbständig vorkommt,
zum Beispiel: Dies betrifft
einfach, zweifach; letztmalig, redselig, saumselig, (2.1) Verbindungen von Substantiven, Adjek-
schwerstbehindert, schwindsüchtig; blauäugig, tiven, Adverbien oder Partikeln mit adjekti-
großspurig, kleinmütig, vieldeutig; der schwerwie- visch gebrauchten Partizipien, zum Beispiel:
gendere Vorwurf, die zeitsparendste Lösung die Rat suchenden / ratsuchenden Bürger, eine
allein erziehende /alleinerziehende Mutter; ein
(1.3) das dem Partizip zugrunde liegende Verb klein geschnittenes / kleingeschnittenes Radieschen,
entsprechend § 33 bzw. § 34 mit dem ersten selbst gebackene /selbstgebackene Kekse
Bestandteil zusammengeschrieben wird,
zum Beispiel: E3: Bei erweiterten bzw. gesteigerten For-
men richtet sich die Schreibung danach, ob
nur der erste Bestandteil oder die gesamte

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Getrennt- und Zusammenschreibung §

Verbindung betroffen ist, vgl. ein schwer- Herkunfts- und Zugehörigkeitsbezeichnun-


wiegenderer Vorfall – ein schwerer wiegender gen auf -er (Danaergeschenk) auftreten
Vorfall; eine äußerst notleidende Bevölkerung – (vgl. aber § 38).
eine große Not leidende Bevölkerung
E2: Das betrifft auch Eigennamen mit dieser
(2.2) Verbindungen mit einem einfachen Struktur – es handelt sich besonders um
unflektierten Adjektiv als graduierender Straßennamen: (Bahnhofstraße, Schopen-
Bestimmung, zum Beispiel: hauerstraße; zum Typ Willy-Brandt-Straße
allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/ vgl. § 50).
engverwandt, schwer verständlich/schwerver-
ständlich, schwer krank/schwerkrank (1.2) mit adjektivischem Erstglied:
Hochhaus, Schnellstraße, Freileitung
E4: Ist der erste Bestandteil erweitert oder
gesteigert, dann wird getrennt geschrieben, (1.3) mit verbalem Erstglied:
zum Beispiel: Backform, Schreibtisch, Waschmaschine
leichter verdaulich, besonders schwer ver-
ständlich, höchst erfreulich (1.4) mit pronominalem Erstglied:
Ichsucht, Wemfall, Niemandsland
In Zweifelsfällen entscheidet die Akzent-
platzierung, vgl. er ist höchstpersönlich gekommen (1.5) mit Elementen unflektierter Wortarten
– das ist eine höchst persönliche Angelegenheit. (Adverbien, Partikeln):
Jetztzeit, Nichtraucher, Selbstverständnis
(2.3) Verbindungen von nicht mit Adjektiven,
zum Beispiel: E3: Dieser Regel folgen auch lexikalisierte,
eine nicht öffentliche /nichtöffentliche Sitzung, ursprünglich aus dem Englischen stammen-
nicht operativ / nichtoperativ behandeln de bzw. aus englischen Einheiten gebildete
Zusammensetzungen: Bandleader, Cheer-
E5: Bezieht sich nicht auf größere Einheiten, leader, Chewinggum, Mountainbike, Blue-
wie zum Beispiel auf den ganzen Satz, so jeans, Hardware, Swimmingpool.
wird es getrennt vom Adjektiv geschrieben, Zu den verschiedenen Fällen von Binde-
vgl. Die Sitzung findet nicht öffentlich statt. strichschreibung vgl. § 45.

E4: Aus dem Englischen stammende Bil-


3 Substantiv dungen aus Adjektiv + Substantiv können
zusammengeschrieben werden, wenn der
§ 37 Hauptakzent auf dem ersten Bestandteil
Substantive, Adjektive, Verbstämme, liegt, also Hotdog oder Hot Dog, Softdrink
Pronomen oder Partikeln können mit Sub- oder Soft Drink, aber nur High Society,
stantiven Zusammensetzungen bilden. Man Electronic Banking oder New Economy.
schreibt sie ebenso wie mehrteilige Substan-
tivierungen zusammen. E5: Bruchzahlangaben vor entsprechenden
Maßeinheiten können als ein zweiteiliges
Zahladjektiv angesehen werden: fünf hun-
Dies betrifft dertstel Sekunden. Der Nenner der Bruchzahl
(1) Zusammensetzungen: kann auch mit der Maßeinheit eine Zusam-
(1.1) mit substantivischem Erstglied: mensetzung bilden: fünf Hundertstelsekunden.
Holztür, Hoheitsgebiet, Holzbearbeitung, Bei der Unterscheidung hilft die Betonung.
Hosenrock
(2) Mehrteilige Substantivierungen,
E1: Als Erstelemente können auch Eigen- zum Beispiel:
namen (Goethegedicht; Parisreise) und in lexi- das Holzholen, das Inkrafttreten; der Kehraus,
kalisierten Fällen von Namen abgeleitete das Stelldichein, das Vergissmeinnicht

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§ Amtliche Regelung

§ 38 -so ebenso, genauso, geradeso, sowieso,


Ableitungen auf -er von geografischen umso, wieso
Eigennamen, die sich auf die geografische -teils einesteils, großenteils, meistenteils
Lage beziehen, schreibt man in der Regel -wärts himmelwärts, meerwärts, seitwärts
von dem folgenden Substantiv getrennt. -wegen deinetwegen, deswegen, meinetwegen
-wegs geradewegs, keineswegs, unterwegs
-weil alldieweil, alleweil, derweil
Beispiele: -weilen bisweilen, derweilen, zuweilen
Allgäuer Alpen, Brandenburger Tor, Naumburger -weise probeweise, klugerweise, schlauerweise
Dom, Potsdamer Abkommen, Thüringer Wald, -zeit all(e)zeit, derzeit, jederzeit, seinerzeit,
Wiener Straße zurzeit
-zeiten beizeiten, vorzeiten, zuzeiten
-zu allzu, geradezu, hierzu, immerzu
4 Andere Wortarten bei- beileibe, beinahe, beisammen, beizeiten
der- derart, dereinst, dergestalt, dermaßen,
Manche mehrteilige Adverbien, Konjunktionen, derweil(en), derzeit
Präpositionen und Pronomen sind aus Ele- irgend- irgendeinmal, irgendwann,
menten verschiedener Wortarten entstanden. irgendwie, irgendwo, irgendwohin
Zum Teil sind sie als Wortgruppe erhalten nichts- nichtsdestominder, nichtsdestoweniger
geblieben, zum Teil haben sie sich zu einer zu- zuallererst, zuallerletzt, zuallermeist,
Zusammensetzung entwickelt. zuerst, zuhauf, zuhinterst, zuhöchst,
In Zweifelsfällen siehe das Wörterverzeichnis. zuletzt, zumal, zumeist, zumindest,
zunächst, zuoberst, zutiefst, zuunterst,
§ 39 zuweilen, zuzeiten
Mehrteilige Adverbien, Konjunktionen,
Präpositionen und Pronomen schreibt man E1: Zu Fällen wie abhandenkommen, anheim-
zusammen, wenn die Wortart, die Wortform fallen siehe § 34 (1.3); zu Fällen wie außer-
oder die Bedeutung der einzelnen Bestandteile stand setzen / außer Stand setzen, imstande
nicht mehr deutlich erkennbar ist. sein / im Stande sein siehe unten E3(1).

(2) Konjunktionen, zum Beispiel:


Dies betrifft anstatt (dass /zu), indem, inwiefern, sobald,
(1) Adverbien, zum Beispiel: sofern, solange, sooft, soviel, soweit
bergab, bergauf; kopfüber; landaus, landein; strom-
abwärts, stromaufwärts; tagsüber; zweifelsohne (3) Präpositionen, zum Beispiel:
anhand, anstatt (des / der), infolge, inmitten,
-dessen indessen, infolgedessen, unterdessen zufolge, zuliebe
-dings allerdings, neuerdings, schlechterdings
-falls allenfalls, ander(e)nfalls, keinesfalls, (4) Pronomen, zum Beispiel:
schlimmstenfalls irgend-: irgendein, irgendetwas, irgendjemand,
-halber ehrenhalber, umständehalber irgendwas, irgendwelcher, irgendwer
-mal diesmal, einmal, zweimal, keinmal,
manchmal E2: In anderen Fällen schreibt man
-maßen dermaßen, einigermaßen, getrennt. Siehe auch § 39 E3(1).
gleichermaßen, solchermaßen,
zugegebenermaßen Dies betrifft
-orten allerorten, mancherorten (1) Fälle, bei denen ein Bestandteil erweitert
-orts allerorts, ander(e)norts, mancherorts ist, zum Beispiel:
-seits allseits, allerseits, and(e)rerseits, dies eine Mal (aber diesmal), den Strom
einerseits, meinerseits abwärts (aber stromabwärts)

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Schreibung mit Bindestrich §

der Ehre halber (aber ehrenhalber), in fördern, treten /zu Tage fördern, treten; zuwege
keinem Fall, das erste Mal, ein einziges Mal, bringen /zu Wege bringen
in bekannter Weise, zu jeder Zeit,
irgend so ein /eine /einer (aber irgendein), (2) die Konjunktion sodass / so dass
irgend so etwas
(3) Fügungen in präpositionaler Verwen-
(2) Fälle, bei denen die Wortart, die Wort- dung, zum Beispiel:
form oder die Bedeutung der einzelnen Be- anstelle / an Stelle; aufgrund /auf Grund; auf-
standteile deutlich erkennbar ist, und zwar seiten /auf Seiten; mithilfe /mit Hilfe; vonsei-
ten /von Seiten; zugunsten / zu Gunsten; zulas-
(2.1) Fügungen in adverbialer Verwendung, ten /zu Lasten; zuungunsten / zu Ungunsten
zum Beispiel:
zu Ende [gehen, kommen], zu Fuß [gehen],
zu Hilfe [kommen], zu Lande, zu Wasser und
zu Lande, zu Schaden [kommen] C Schreibung mit Bindestrich
darüber hinaus, nach wie vor, vor allem

(2.2) mehrteilige Konjunktionen, zum 0 Vorbemerkungen


Beispiel:
ohne dass, statt dass, außer dass (1) Der Bindestrich bietet dem Schreibenden
die Möglichkeit, anstelle der sonst bei Zu-
(2.3) Fügungen in präpositionaler Verwen- sammensetzungen und Ableitungen üblichen
dung, zum Beispiel: Zusammenschreibung die einzelnen Bestand-
zur Zeit [Goethes], zu Zeiten [Goethes] teile als solche zu kennzeichnen, sie gegenein-
ander abzusetzen und sie dadurch für den
(2.4) so, wie oder zu + Adjektiv, Adverb Lesenden hervorzuheben.
oder Pronomen, zum Beispiel:
so (wie, zu) hohe Häuser; er hat das schon so (2) Die Schreibung mit Bindestrich bei
(wie, zu) oft gesagt; so (wie, zu) viel Geld; Fremdwörtern (zum Beispiel bei 7-Bit-Code,
so (wie, zu) viele Leute; so (wie, zu) weit Stand-by-System) folgt den für das Deutsche
geltenden Regeln.
(2.5) gar kein, gar nicht, gar nichts, gar sehr, Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigen-
gar wohl namen entspricht nicht immer den folgenden
Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise ge-
E3: In den folgenden Fällen bleibt es dem geben werden können. Zusammensetzungen
Schreibenden überlassen, ob er sie als aus Eigennamen und Substantiv zur Benen-
Zusammensetzung oder als Wortgruppe nung von Schulen, Universitäten, Betrieben,
verstanden wissen will: Firmen und ähnlichen Institutionen werden
so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.
(1) Fügungen in adverbialer Verwendung, In Zweifelsfällen sollte man nach § 46 bis
zum Beispiel: § 52 schreiben.
außerstand setzen /außer Stand setzen; außer- Steht ein Bindestrich am Zeilenende, so gilt
stande sein /außer Stande sein; imstande sein / er zugleich als Trennungsstrich.
im Stande sein; infrage stellen / in Frage stellen;
instand setzen / in Stand setzen; zugrunde (3) Zu unterscheiden sind:
gehen / zu Grunde gehen; zuhause / zu Hause • Zusammensetzungen und Ableitungen,
[bleiben, sein]; zuleide tun /zu Leide tun; die keine Eigennamen als Bestandteile
zumute sein / zu Mute sein; zurande kommen zu enthalten (§ 40 bis § 45)
Rande kommen; zuschanden machen, werden / • Zusammensetzungen und Ableitungen, die
zu Schanden machen, werden; zuschulden Eigennamen als Bestandteile enthalten
kommen lassen /zu Schulden kommen lassen; (§ 46 bis § 52)
zustande bringen /zu Stande bringen; zutage

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§ Amtliche Regelung

• Gruppen, in denen man den Bindestrich § 41


setzen muss (§ 40 bis § 44; § 46 und Vor Suffixen setzt man nur dann einen
§ 48 bis § 50), und solche, in denen der Bindestrich, wenn sie mit einem Einzelbuch-
Gebrauch des Bindestrichs dem Schreiben- staben verbunden werden.
den freigestellt ist (§ 45, § 51 bis § 52).

Zum Ergänzungsstrich (zum Beispiel in Beispiele:


Haupt- und Nebeneingang) siehe § 98. der x-te, zum x-ten Mal, die n-te Potenz

E: Aber: abclich, ÖVPler; der 68er,


1 Zusammensetzungen und Ableitungen, ein 32stel, 100%ig
die keine Eigennamen als Bestandteile
enthalten § 42
Bilden Verbindungen aus Ziffern und
§ 40 Suffixen den vorderen Teil einer Zusammen-
Man setzt einen Bindestrich in setzung, so setzt man nach dem Suffix einen
Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, Bindestrich.
Abkürzungen oder Ziffern.

Beispiele:
Dies betrifft ein 100stel-Millimeter, die 61er-Bildröhre,
(1) Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, eine 25er-Gruppe, in den 80er-Jahren
zum Beispiel: (auch in den 80er Jahren)
A-Dur (ebenso Cis-Dur), b-Moll, ß-Strahlen,
i-Punkt, n-Eck, S-Kurve, s-Laut, s-förmig, E: Aber ausgeschrieben:
T-Shirt, T-Träger, x-beliebig, x-beinig, x-mal, die Zweierbeziehung, die Zehnergruppe,
y-Achse; Dativ-e, Zungenspitzen-r, Fugen-s die Achtzigerjahre (auch die achtziger Jahre)

(2) Zusammensetzungen mit Abkürzungen § 43


und Initialwörtern, zum Beispiel: Man setzt Bindestriche in substanti-
dpa-Meldung, D-Zug, Kfz-Schlosser, km-Bereich, visch gebrauchten Zusammensetzungen
UNO-Sicherheitsrat, VIP-Lounge; Fußball-WM, (Aneinanderreihungen), insbesondere bei
Lungen-Tbc; H2O-gesättigt, DGB-eigen, substantivisch gebrauchten Infinitiven mit
Na-haltig, UV-bestrahlt; Abt.-Leiter, Inf.-Büro mehr als zwei Bestandteilen.
Abt.-Ltr. (= Abteilungsleiter), Dipl.-Ing.
(= Diplomingenieur), Tgb.-Nr. (= Tagebuch-
nummer), Telegr.-Adr. (= Telegrammadresse) Beispiele:
das Entweder-oder, das Teils-teils, das Als-ob,
E: Aber ohne Bindestrich bei Kurzformen das Sowohl-als-auch; der Boogie-Woogie,
von Wörtern (Kürzeln), zum Beispiel: das Walkie-Talkie
Busfahrt, Akkubehälter das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das An-den-
Haaren-Herbeiziehen, das In-den-Tag-Hinein-
(3) Zusammensetzungen mit Ziffern, zum träumen, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben
Beispiel:
3-Tonner, 2-Pfünder, 8-Zylinder; 5-mal, E: Dies gilt nicht für übersichtliche Zusam-
4-silbig, 100-prozentig, 1-zeilig, 17-jährig, mensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel:
der 17-Jährige das Autofahren, das Ballspielen, beim Wal-
8:6-Sieg, 2:3-Niederlage, der 5:3-[2:1-]Sieg zertanzen, das Inkrafttreten
(auch 5:3[2:1]-Sieg), 2⁄3-Mehrheit, 3⁄4-Takt, 2 n-Eck Zur Groß- und Kleinschreibung
siehe § 57 E3.

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Schreibung mit Bindestrich §

§ 44 § 45
Man setzt einen Bindestrich zwischen Man kann einen Bindestrich setzen
allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammen- zur Hervorhebung einzelner Bestandteile,
setzungen, in denen eine Wortgruppe oder zur Gliederung unübersichtlicher Zusammen-
eine Zusammensetzung mit Bindestrich setzungen, zur Vermeidung von Missverständ-
auftritt, sowie in unübersichtlichen Zusam- nissen oder beim Zusammentreffen von drei
mensetzungen aus gleichrangigen, neben- gleichen Buchstaben.
geordneten Adjektiven.

Dies betrifft
Dies betrifft (1) Hervorhebung einzelner Bestandteile,
(1) mehrteilige Zusammensetzungen, in denen zum Beispiel:
eine Wortgruppe oder eine Zusammensetzung der dass-Satz, die Ich-Erzählung, das Ist-Auf-
mit Bindestrich auftritt, zum Beispiel: kommen, die Kann-Bestimmung, die Soll-Stärke;
A-Dur-Tonleiter, D-Zug-Wagen, S-Kurven- die Hoch-Zeit, das Nach-Denken, Vor-Sätze,
reich (aber kurvenreich), Vitamin-B-haltig be-greifen
(aber vitaminhaltig), K.-o.-Schlag, UV-
Strahlen-gefährdet (aber strahlengefährdet), (2) unübersichtliche Zusammensetzungen,
Dipl.-Ing.-Ök. zum Beispiel:
2-Euro-Stück, 800-Jahr-Feier, 40-Stunden- Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz, Haushalt-
Woche, 55-Cent-Briefmarke, 8-Zylinder-Motor, Mehrzweckküchenmaschine, Lotto-Annahmestelle,
400-m-Lauf, 2-kg-Büchse, 3-Zimmer-Wohnung, Mosel-Winzergenossenschaft, Software-Angebots-
1
⁄2-kg-Packung messe, Ultraschall-Messgerät
Berg-und-Tal-Bahn, Frage-und-Antwort-
Spiel; Kopf-an-Kopf-Rennen, Mund-zu-Mund- (3) Vermeidung von Missverständnissen,
Beatmung, Wort-für-Wort-Übersetzung zum Beispiel:
Arzt-Patient-Verhältnis, Grund-Folge-Bezie- Drucker-Zeugnis und Druck-Erzeugnis,
hung, Links-rechts-Kombination, Hals-Nasen- Musiker-Leben und Musik-Erleben;
Ohren-Klinik, Ost-West-Gespräche, September- re-integrieren
Oktober-Heft (auch September/Oktober-Heft;
siehe § 106(1)) (4) Zusammentreffen von drei gleichen
Ad-hoc-Bildung, Als-ob-Philosophie, De-facto- Buchstaben in Zusammensetzungen,
Anerkennung, Do-it-yourself-Bewegung, zum Beispiel:
Erste-Hilfe-Lehrgang, Go-go-Girl, Rooming- Hawaii-Inseln, Kaffee-Ersatz, See-Elefant,
in-System; Make-up-freie Haut, Ruhe-vor- Zoo-Orchester; Bett-Tuch, Schiff-Fahrt,
dem-Sturm-artig, Fata-Morgana-ähnlich; Schrott-Transport
Trimm-dich-Pfad
Abend-Make-up, Wasch-Eau-de-Cologne E1: Aus anderen Sprachen stammende
Verbindungen aus Substantiv + Substantiv,
(2) unübersichtliche Zusammensetzungen aus die sich im Deutschen grammatisch wie
gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven, Zusammensetzungen verhalten, werden
zum Beispiel: zusammengeschrieben; ebenso ist die ver-
der wissenschaftlich-technische Fortschritt, deutlichende Schreibung mit Bindestrich
ein lateinisch-deutsches Wörterbuch, möglich.
deutsch-österreichische Angelegenheiten; Sexappeal (Sex-Appeal), Sciencefiction (Science-
manisch-depressives Verhalten; Fiction), Shoppingcenter (Shopping-Center),
physikalisch-chemisch-biologische Prozesse Desktoppublishing (Desktop-Publishing),
Midlifecrisis (Midlife-Crisis)
Zur Groß- und Kleinschreibung siehe
§ 55(1) und § 55(3).
Zu Verbindungen aus Adjektiv + Sub-
stantiv siehe § 37 E4.

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§ Amtliche Regelung

E2: Aus dem Englischen stammende Substantiv + Eigenname, zum Beispiel:


Substantivierungen aus Verb + Adverb Nordkorea, Königs Wusterhausen,
schreibt man mit Bindestrich; das Adverb Marktredwitz, Markt Indersdorf,
wird dann kleingeschrieben, zum Beispiel: Stadtlauringen, Stadt Rottenmann
Make-up, Go-in Immer Getrenntschreibung bei Bad,
Daneben ist auch Zusammenschreibung zum Beispiel: Bad Säckingen
möglich, sofern die Lesbarkeit nicht beein- Zwei Eigennamen, zum Beispiel:
trächtigt ist, zum Beispiel: Grindelwald Grund, Rostock Lütten Klein;
Count-down (Countdown), Come-back Berlin Schönefeld (auch Berlin-Schönefeld)
(Comeback), Knock-out (Knockout), Stand-by
(Standby) § 47
Werden Zusammensetzungen mit
einem ursprünglichen Personennamen
2 Zusammensetzungen und Ableitungen, als Gattungsbezeichnung gebraucht, so
die Eigennamen als Bestandteile enthalten schreibt man ohne Bindestrich zusammen.

§ 46
Man setzt einen Bindestrich in Zusam- Beispiele:
mensetzungen, die als zweiten Bestandteil Gänseliesel, Heulsuse, Meckerfritze
einen Eigennamen enthalten oder die aus zwei
Eigennamen bestehen. § 48
Bei Ableitungen von Verbindungen
mit einem Eigennamen als zweitem
Dies betrifft Bestandteil bleibt der Bindestrich erhalten.
(1) Zusammensetzungen mit Personennamen,
zum Beispiel:
Frau Müller-Weber, Herr Schmidt-Wilpert; Beispiele:
Eva-Maria (auch Eva Maria, Evamaria), baden-württembergisch (Baden-Württemberg),
Karl-Heinz (auch Karl Heinz, Karlheinz) rheinland-pfälzisch, alt-wienerische/Alt-Wiener
die Bäcker-Anna, der Schneider-Karl; Kaffeehäuser, Spree-Athener
Blumen-Richter, Foto-Müller, Möbel-Schmidt;
Müller-Lüdenscheid, Schneider-Partenkirchen § 49
Bei Ableitungen von mehreren Eigen-
E1: Die standesamtliche Schreibung mehr- namen, von Titeln und Eigennamen oder
teiliger Personennamen kann von dieser von einem mehrteiligen Eigennamen setzt
Regelung abweichen. man einen Bindestrich.

(2) geografische Eigennamen, zum Beispiel:


Annaberg-Buchholz, Baden-Württemberg, Beispiele:
Flughafen Köln-Bonn, Neu-Bamberg, die sankt-gallischen/st.-gallischen Klosterschätze
Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt (St. Gallen), die gräflich-rieneckische Güterver-
waltung (Graf Rieneck)
E2: Die amtliche Schreibung von Zusam- die kant-laplacesche Theorie (Kant und
mensetzungen mit einem geografischen Laplace), der de-costersche Roman (de Coster),
Eigennamen, die ihrerseits zu einem geo- die gräflich-rienecksche Güterverwaltung
grafischen Eigennamen geworden sind, (Graf Rieneck)
kann von dieser Regelung abweichen. die Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und
Adjektiv + Eigenname, zum Beispiel: Laplace), der de-Coster’sche Roman (de Coster),
Neu Seehagen, Neubrandenburg die Gräflich-Rieneck’sche Güterverwaltung
Immer Getrenntschreibung bei Sankt, (Graf Rieneck)
zum Beispiel: Zur Groß- und Kleinschreibung und zur
Sankt Georgen (St. Georgen) Schreibung mit Apostroph siehe § 62.

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Groß- und Kleinschreibung §

E: Bei Ableitungen auf -er kann man den D Groß- und Kleinschreibung
Bindestrich weglassen, zum Beispiel:
die Bad-Schandauer (Bad Schandau) / Bad
Schandauer, die Sankt-Galler / Sankt Galler, 0 Vorbemerkungen
die New-Yorker / New Yorker
(1) Die Großschreibung, das heißt die Schrei-
§ 50 bung mit einem großen Anfangsbuchstaben,
Man setzt einen Bindestrich zwischen dient dem Schreibenden dazu, den Anfang
allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammen- bestimmter Texteinheiten sowie Wörter be-
setzungen, deren erste Bestandteile aus Eigen- stimmter Gruppen zu kennzeichnen und sie
namen bestehen. dadurch für den Lesenden hervorzuheben.

(2) Die Großschreibung wird im Deutschen


Beispiele: verwendet zur Kennzeichnung von
Albrecht-Dürer-Allee, Heinrich-Heine-Platz, • Überschriften, Werktiteln und dergleichen
Kaiser-Karl-Ring, Ernst-Ludwig-Kirchner- • Satzanfängen
Straße, Rainer-Maria-Rilke-Promenade, • Substantiven und Substantivierungen
Thomas-Müntzer-Gasse • Eigennamen mit ihren nichtsubstantivischen
Elbe-Havel-Kanal, Oder-Neiße-Grenze, Bestandteilen
La-Plata-Mündung • bestimmten festen nominalen Wortgruppen
Albert-Einstein-Gedenkstätte, Georg-Büchner- mit nichtsubstantivischen Bestandteilen
Preis, Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Preis, • Anredepronomen und Anreden
Goethe-Schiller-Archiv, Johann-Sebastian-Bach-
Gymnasium, Van-Gogh-Ausstellung (3) Die Abgrenzung von Groß- und Klein-
am Lago-di-Como-seitigen Abhang, Fidel- schreibung, wie sie sich in der Tradition der
Castro-freundlich deutschen Orthografie herausgebildet hat,
macht es erforderlich, neben den Regeln für
§ 51 die Großschreibung auch Regeln für die
Man kann einen Bindestrich in Zusam- Kleinschreibung zu formulieren. Diese werden
mensetzungen setzen, die als ersten Bestandteil in den einzelnen Teilabschnitten jeweils im
einen Eigennamen haben, der besonders her- Anschluss an die Großschreibungsregeln an-
vorgehoben werden soll, oder wenn der zweite gegeben. In einigen Fallgruppen ist eine
Bestandteil bereits eine Zusammensetzung ist. eindeutige Zuweisung zur Groß- oder Klein-
schreibung fragwürdig. Hier sind beide
Schreibungen zulässig.
Beispiele:
Goethe-Ausgabe, Johannes-Passion, (4) Entsprechend gliedert sich die folgende
Richelieu-freundlich, Kafka-Kolloquium; Darstellung in die Abschnitte:
Goethe-Geburtshaus, Brecht-Jubiläumsausgabe
Ganges-Ebene, Krim-Treffen, Mekong-Delta; 1 Kennzeichnung des Anfangs bestimmter
Elbe-Wasserstandsmeldung, Helsinki-Nachfol- Texteinheiten durch Großschreibung
gekonferenz (§ 53: Überschriften, Werktitel und der-
gleichen; § 54: Ganzsätze)
§ 52 2 Anwendung von Groß- oder Klein-
Wird ein geografischer Eigenname von schreibung bei bestimmten Wörtern
einem nachgestellten Substantiv näher be- und Wortgruppen
stimmt, so kann man einen Bindestrich setzen. 2.1 Substantive und Desubstantivierungen
(§ 55 bis § 56)
2.2 Substantivierungen (§ 57 bis § 58)
Beispiele: 2.3 Eigennamen mit ihren nichtsubstantivi-
Frankfurt Hauptbahnhof/Frankfurt-Hauptbahn- schen Bestandteilen sowie Ableitungen
hof, München Ost/München-Ost von Eigennamen (§ 59 bis § 62)

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§ Amtliche Regelung

2.4 Feste Verbindungen aus Adjektiv und Wir haben im Theater Brechts „Kaukasischen
Substantiv (§ 63 bis § 64) Kreidekreis“ gesehen. Sie lesen den „Grünen
2.5 Anredepronomen und Anreden Heinrich“.
(§ 65 bis § 66) Zur Schreibung nach Gliederungsan-
gaben oder nach Auslassungszeichen und
Zahlen siehe § 54(5) und (6). Zum Ge-
1 Kennzeichnung des Anfangs bestimmter brauch der Anführungszeichen siehe
Texteinheiten durch Großschreibung § 94(1).

§ 53 (3) Anschriften, Datumszeilen und Anreden


Das erste Wort einer Überschrift, eines sowie Grußformeln etwa in Briefen, zum
Werktitels, einer Anschrift und dergleichen Beispiel:
schreibt man groß.
Frau Donnerstag, 16. Februar 2006
Ulla Schröder
Dies betrifft unter anderem Rüdesheimer Str. 29
(1) Überschriften und Werktitel (etwa von D-65197 Wiesbaden
Büchern und Theaterstücken, Werken der
bildenden Kunst und der Musik, Rundfunk- Sehr geehrte Frau Schröder,
und Fernsehproduktionen), zum Beispiel:
Allmähliche Normalisierung im Erdbebengebiet entsprechend unserer telefonischen Vereinbarung
Hohe Schneeverwehungen behindern Autoverkehr …
Keine Chance für eine diplomatische Lösung! … erwarten wir Ihre Antwort.
Kleines Wörterbuch der Stilkunde
Wo warst du, Adam? Mit freundlichen Grüßen
Der kaukasische Kreidekreis Werner Meier
Der grüne Heinrich
Hundert Jahre Einsamkeit E2: Wenn man nach der Anrede – wie in
Ungarische Rhapsodie der Schweiz üblich – auf ein Satzzeichen
Unter den Dächern von Paris verzichtet, schreibt man das erste Wort des
Ein Fall für zwei folgenden Abschnitts groß.
Siehe auch § 69 E3.
(2) Titel von Gesetzen, Verträgen, Deklara-
tionen und dergleichen sowie Bezeichnungen § 54
für Veranstaltungen, zum Beispiel: Das erste Wort eines Ganzsatzes
Bayerisches Hochschulgesetz schreibt man groß.
Potsdamer Abkommen
Internationaler Ärzte- und Ärztinnenkongress
Grüne Woche (in Berlin) Beispiele:
Gestern hat es geregnet. Du kommst bitte morgen!
E1: Die Großschreibung des ersten Wortes Hat er das wirklich gesagt?
bleibt auch dann erhalten, wenn eine Über- Nachdem sie von der Reise zurückgekehrt war,
schrift, ein Werktitel und dergleichen inner- hatte sie den dringenden Wunsch ein Bad zu
halb eines Textes gebraucht wird, zum nehmen. Im Hausflur war es still, ich drückte
Beispiel: erwartungsvoll auf die Klingel. Meine Freundin
Das Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“ hatte den Zug versäumt, deshalb kam sie eine
steht auf dem Programm. Sie lesen Kellers halbe Stunde zu spät. Wir sehen nach, was Paul
Roman „Der grüne Heinrich“. macht. Sehen Sie nur, wie schön die Aussicht ist.
Wird dabei am Anfang ein Titel und Haben Sie ihn aufgefordert, die Wohnung zu
dergleichen verkürzt oder sein Artikel ver- verlassen?
ändert, so schreibt man das nächstfolgende Kommt doch schnell! Bitte die Türen schließen
Wort des Titels groß, zum Beispiel: und Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges!

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Groß- und Kleinschreibung §

Ob sie heute kommt? Nein, morgen. Warum (6) Auslassungspunkte, Apostroph oder Zahlen
nicht? Gute Reise! zu Beginn eines Ganzsatzes gelten als Satzan-
Vorwärts! Vgl. Anlage 3, Ziffer 7. Alles war zer- fang; entsprechend bleibt die Schreibung des
stört: das Haus, der Stall, die Scheune. Die Teeküche folgenden Wortes unverändert. Dies gilt auch
kann zu folgenden Zeiten benutzt werden: morgens für Überschriften, Werktitel und dergleichen.
von 7 bis 8 Uhr, abends von 18 bis 19 Uhr. Beispiele:
… und gab keine Antwort.
Im Einzelnen ist zu beachten: ’s ist schade um sie.
(1) Wird die nach dem Doppelpunkt folgende 52 volle Wochen hat das Jahr.
Ausführung als Ganzsatz verstanden, so
schreibt man das erste Wort groß,
zum Beispiel: 2 Anwendung von Groß- oder Klein-
Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Alle Bänke schreibung bei bestimmten Wörtern
sind frisch gestrichen. Die Regel lautet: Würfelt und Wortgruppen
man eine Sechs, dann …
2.1 Substantive und Desubstantivierungen
(2) Das erste Wort der wörtlichen Rede
schreibt man groß, zum Beispiel: § 55
Sie fragte: „Kommt er heute?“ Er sagte: „Wir wissen Substantive schreibt man groß.
es nicht.“ Alle baten: „Bleib!“

(3) Folgt dem wörtlich Wiedergegebenen der Beispiele:


Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so schreibt Tisch, Wald, Milch, Mond, Genie, Team,
man das erste Wort nach dem abschließenden Ladung, Feuer, Wasser, Luft, Sandkasten
Anführungszeichen klein, zum Beispiel: Verständnis, Verantwortung, Freiheit, Aktion
„Hörst du?“, fragte sie. „Ich verstehe dich gut“, Gabriela, Markus, Europa, Wien, Alpen
antwortete er. „Mit welchem Recht“, fragte er, Substantive dienen der Bezeichnung von
„willst du das tun?“ Sie rief mir zu: „Wir treffen Gegenständen, Lebewesen und abstrakten
uns auf dem Schulhof!“, und lief weiter. Begriffen. Sie besitzen in der Regel ein festes
Genus (Maskulinum, Femininum, Neutrum)
(4) Das erste Wort von Parenthesen schreibt und sind im Numerus (Singular, Plural) und
man klein, wenn es nicht nach einer anderen im Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akku-
Regel großzuschreiben ist, zum Beispiel: sativ) bestimmt.
Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte
es. Er behauptete – so eine Frechheit! –, dass er im Die Großschreibung gilt auch
Kino gewesen sei. Sie hat das (erinnerst du dich?) (1) für nichtsubstantivische Wörter, wenn
gestern gesagt. sie am Anfang einer Zusammensetzung mit
Zu den Satzzeichen siehe § 77(1), § 84(1), Bindestrich stehen, die als Ganzes die Eigen-
§ 86(1). schaften eines Substantivs hat, zum Beispiel:
die Ad-hoc-Entscheidung, der A-cappella-Chor
(5) Gliederungsangaben wie Ziffern, Paragra- (vgl. auch § 55 E2), das In-den-Tag-hinein-Leben
fen, Buchstaben gehören nicht zum nachfol- (vgl. auch § 57(2)) der Trimm-dich-Pfad,
genden Ganzsatz; entsprechend schreibt man die X-Beine, die S-Kurve
das folgende Wort groß. Dies gilt auch für Abkürzungen sowie zitierte Wortformen
Überschriften, Werktitel und dergleichen. und Einzelbuchstaben und dergleichen bleiben
Beispiele: allerdings unverändert, zum Beispiel:
3. Die Besitzer und Besitzerinnen von Haustieren die km-Zahl, die pH-Wert-Bestimmung, der
sollten … dass-Satz, die x-Achse, der i-Punkt (der Punkt
§ 13 Die Behandlung sollte sofort einsetzen. auf dem kleinen i)
c) Vgl. Anlage 3, Ziffer 7.
2 Die Säugetiere

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§ Amtliche Regelung

(2) für Substantive – auch Initialwörter Auto fahren, Rad fahren, Maschine schreiben,
(§ 102(2)) und Einzelbuchstaben, sofern sie Kegel schieben, Diät leben, Folge leisten, Hof
nicht als Kleinbuchstaben zitiert sind – als halten, Not leiden, Gefahr laufen, Modell sitzen,
Teile von Zusammensetzungen mit Binde- Radio hören, Tee trinken, Unkraut jäten,
strich, zum Beispiel: Zeitung lesen
die Natrium-Chlor-Verbindung, der 400-Meter- Ernst machen mit etwas, Wert legen auf etwas,
Lauf, zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. auch Angst haben, jemandem Angst (und Bange)
§ 57(2)) machen, (keine) Schuld tragen
pH-Wert-neutral, Napoleon-freundlich, (vgl. aber § 34(2.3) sowie § 56(1) und § 56 E2,
S-Kurven-reich, Formel-1-tauglich zum Beispiel:
UV-empfindlich, T-förmig (in der Form eines etwas ernst nehmen; ernst sein/werden, recht sein,
großen T), S-förmig oder s-förmig (in der Form unrecht sein; recht/Recht haben)
eines großen S bzw. eines kleinen s), x-beliebig zum ersten Mal (aber nach § 39(1): einmal,
diesmal, manchmal)
(3) für Substantive aus anderen Sprachen, eines Abends, des Nachts, letzten Endes, guten
wenn sie nicht als Zitatwörter gemeint sind. Mutes, schlechter Laune (aber nach § 56(3):
Sind sie mehrteilig, wird der erste Teil groß- abends, nachts; aber nach § 39(1): keinesfalls,
geschrieben. Beispiele: andernorts)
das Crescendo, der Drink, das Center, die Ratio;
die Conditio sine qua non, das Cordon bleu, eine E2: In festen adverbialen Fügungen, die als
Terra incognita; das Know-how, das Make-up Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt
Substantivische Bestandteile werden auch im worden sind, gilt Kleinschreibung,
Innern mehrteiliger Fügungen großgeschrieben, zum Beispiel:
die als Ganzes die Funktion eines Substantivs a cappella, in flagranti, à discrétion, de jure,
haben, zum Beispiel: de facto, in nuce, pro domo, ex cathedra,
die Alma Mater, die Ultima Ratio, das Desktop- coram publico
Publishing, der Soft Drink, der Sex-Appeal, das Zu Schreibungen wie A-cappella-Chor,
Corned Beef De-facto-Anerkennung siehe oben Absatz (1).

E1: Teilweise wird auch zusammengeschrie- (5) für Zahlsubstantive, zum Beispiel:
ben, siehe Getrennt- und Zusammenschrei- ein Dutzend, das Schock (= 60 Stück),
bung, § 37 E3 und E4, und Schreibung mit das Paar (aber ein paar = einige), das Hundert
Bindestrich, § 44 und § 45. (zum Beispiel: das erste Hundert Schrauben),
Beispiele: der Softdrink, der Sexappeal, das das Tausend, eine Million, eine Milliarde, eine
Cornedbeef Billion
Zu Dutzend, Hundert und Tausend
(4) für Substantive, die Bestandteile fester Ge- siehe auch § 58 E5.
füge sind und nicht mit anderen Bestandteilen
des Gefüges zusammengeschrieben werden (6) für Ausdrücke, die als Bezeichnung von
(siehe dazu auch Teil B, Getrennt- und Zu- Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern,
sammenschreibung, § 34(3) und § 39), gestern, heute, morgen, übermorgen auftreten,
zum Beispiel: zum Beispiel:
auf Abruf, in Bälde, in /mit Bezug auf, im Grunde, Wir treffen uns heute Mittag. Die Frist läuft
auf Grund (auch aufgrund); zu Grunde gehen übermorgen Mitternacht ab. Sie rief gestern
(auch zugrunde gehen), zu Händen von (aber Abend an.
zuhanden von), in Hinsicht auf (aber infolge), Zu Verbindungen wie (am) Dienstagabend
zur Not (aber vonnöten), zur Seite, von Seiten, siehe § 37(1.1).
auf Seiten (auch aufseiten, vonseiten)
etwas außer Acht lassen, die Haare stehen
jemandem zu Berge, in Betracht kommen, zu
Hilfe kommen, in Kauf nehmen

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Groß- und Kleinschreibung §

§ 56 abseits, angesichts, mangels, mittels, namens,


Klein schreibt man Wörter, die form- seitens; falls, teils … teils
gleich als Substantive vorkommen, aber selbst
keine substantivischen Merkmale aufweisen. (4) die folgenden Präpositionen:
dank, kraft (kraft ihres Amtes), laut, statt, an …
statt (an Kindes statt, an seiner statt), trotz,
Dies betrifft wegen, von … wegen (von Amts wegen), um …
(1) Wörter, die vorwiegend prädikativ ge- willen, zeit (zeit seines Lebens)
braucht werden, wie angst, bange, feind, freund,
gram, klasse, leid, pleite, recht, schuld, spitze, (5) die folgenden unbestimmten Zahlwörter:
unrecht, weh in Verbindung mit den Verben ein bisschen (= ein wenig), ein paar (= einige)
sein, bleiben oder werden. Beispiele:
Beispiele: ein bisschen Leim, dieses kleine bisschen Leim; ein
Mir wird angst. Uns ist angst und bange. Wir paar Steine, diese paar Steine (aber nach § 55(5):
sind ihr gram. Sein Spiel ist klasse. Mir ist das ein Paar Schuhe)
alles leid. Die Firma ist pleite. Das ist mir recht.
Er ist schuld daran. (6) Bruchzahlen auf -tel und -stel

E1: Das gilt auch für Zusammensetzungen (6.1) vor Maßangaben (siehe auch § 37 E5),
mit diesen Wörtern, zum Beispiel: zum Beispiel:
Er ist ihm spinnefeind. ein zehntel Millimeter, ein viertel Kilogramm,
in fünf hundertstel Sekunden, nach drei viertel
E2: Groß- wie kleingeschrieben werden Stunden
können recht / Recht und unrecht / Unrecht
in Verbindung mit Verben wie behalten, E4: Hier ist auch Zusammenschreibung
bekommen, geben, haben, tun, zum Beispiel: nach § 37(E5) möglich, zum Beispiel:
Ich gebe ihm recht/Recht. Du tust ihm ein Zehntelmillimeter, ein Viertelkilogramm,
unrecht / Unrecht. in fünf Hundertstelsekunden, nach drei
Viertelstunden
(2) den ersten Bestandteil unfest zusammen-
gesetzter Verben auch in getrennter Stellung (6.2) in Uhrzeitangaben unmittelbar vor
(siehe § 34(3)), zum Beispiel: Kardinalzahlen, zum Beispiel:
Ich nehme daran teil (teilnehmen). Die Bespre- um viertel fünf, gegen drei viertel acht
chung findet am Freitag statt (stattfinden). Die
Stadt stand kopf (kopfstehen). Man konnte ihm E5: In allen übrigen Fällen schreibt man
ansehen, wie leid es ihm tat (leidtun). Es nimmt Bruchzahlen auf -tel und -stel entsprechend
mich wunder (wundernehmen). § 55 groß, zum Beispiel:
ein Drittel, das erste Fünftel, neun Zehntel des
E3: Wird ein Substantiv mit dem Infinitiv Umsatzes, um drei Viertel größer, um [ein]
nicht zusammengeschrieben, so schreibt man Viertel vor fünf
es entsprechend § 55(4) groß, zum Beispiel:
Ich nehme daran Anteil (Anteil nehmen). Du
fährst Auto, und ich fahre Rad (Auto fahren, 2.2 Substantivierungen
Rad fahren). Sie leistete der Aufforderung nicht
Folge (Folge leisten).
§ 57
Wörter anderer Wortarten schreibt
(3) Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen man groß, wenn sie als Substantive gebraucht
auf -s und -ens, zum Beispiel: werden (= Substantivierungen).
abends, anfangs, donnerstags, schlechterdings,
morgens, hungers (hungers sterben), willens,
rechtens (rechtens sein, etwas rechtens machen); Substantivierte Wörter nehmen die Eigen-
schaften von Substantiven an (vgl. § 55).

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§ Amtliche Regelung

Man erkennt sie im Text an zumindest einem andere Gebäude war um ein Beträchtliches höher.
der folgenden Merkmale: Das ist das einzig Richtige, was du tun kannst.
a) an einem vorausgehenden Artikel Es wäre wohl das Richtige, wenn wir noch ein-
(der, die, das; ein, eine, ein), Pronomen mal darüber reden. Bitte lesen Sie das unten
(dieser, jener, welcher, mein, kein, etwas, Stehende/unten Stehendes genau durch. Wir
nichts, alle, einige …) oder unbestimmten haben das Folgende/Folgendes verabredet. Wir
Zahlwort (ein paar, genug, viel, wenig …), werden das im Folgenden noch genauer darstellen.
die sich auf das substantivierte Wort Des Näheren vermag ich mich nicht zu entsinnen.
beziehen; Sie hat mir die Sache des Näheren erläutert.
b) an einem vorangestellten adjektivischen Wir haben alles des Langen und Breiten dis-
Attribut oder einem nachgestellten Attribut, kutiert. Wir wohnen im Grünen. Beim Umwelt-
das sich auf das substantivierte Wort bezieht; schutz liegen noch viele Dinge im Argen. Wir
c) an ihrer Funktion als kasusbestimmtes sind uns im Großen und Ganzen einig. Die
Satzglied oder kasusbestimmtes Attribut. Arbeiten sind im Allgemeinen nicht schlecht gera-
ten. Das ist im Wesentlichen richtig. Im Einzel-
Siehe dazu folgende Beispiele: nen sind aber noch Verbesserungen möglich.
Das In-Kraft-Treten (a, b, c) des Gesetzes ver- Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Dunkeln.
zögert sich. Er übersah alles Kleingedruckte (a, c). Die Polizei tappt im Dunkeln. Die Direktorin
Das Ausschlaggebende (a, b, c) für ihre Einstel- war auf dem Laufenden.
lung war ihr sicheres Auftreten (a, b, c). Nichts Sie war unsere Jüngste. Das Beste, was dieser
Menschliches (a, c) war ihr fremd. Das Deutsche Ferienort bietet, ist die Ruhe. Es ist das Beste,
(a, c) gilt als schwere Sprache. Sie bot ihr das Du wenn du kommst. Es änderte sich nicht das Ge-
(a, c) an. Der Beschluss fiel nach langem Hin ringste. Dies geschieht zum Besten unserer Kinder.
und Her (b, c). Bananen kosten jetzt das Zwei- Er gab wieder einmal eine seiner Geschichten zum
fache (a, b, c) des früheren Preises. Lesen und Besten. Sie konnte uns vor dem Ärgsten bewahren.
Schreiben (c) sind Kulturtechniken. Sie brachte Daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht.
eine Platte mit Gebratenem (c). Du sollst Gleiches Sie war bis ins Kleinste vorbereitet. Sie war aufs
(c) nicht mit Gleichem (c) vergelten. Man sagt, Schrecklichste /auf das Schrecklichste gefasst. Sie
Liebende (c) seien blind. hat uns aufs Herzlichste /auf das Herzlichste
begrüßt (siehe auch § 58 E1).
E1: Zahlreiche Substantivierungen sind ein Die Pest traf Hohe und Niedrige / Hoch und
fester Bestandteil des Substantivwortschat- Niedrig. Diese Musik gefällt Jungen und
zes geworden, zum Beispiel: Alten / Jung und Alt. Die Teilnehmenden disku-
das Essen, das Herzklopfen, das Leben, tierten über den Konflikt zwischen Jungen und
das Deutsche, die Grünen, die Studierenden, Alten / zwischen Jung und Alt. Das ist ein Fest
der/die Angestellte, das Durcheinander, für Junge und Alte / für Jung und Alt.
das Jenseits, das Vergissmeinnicht Sie trug das kleine Schwarze. Der Zeitungs-
bericht traf ins Schwarze. Wenn man Schwarz
Die folgende Aufgliederung der Großschrei- mit Weiß mischt, entsteht Grau. Die Ampel schal-
bung von Substantivierungen ist nach Wort- tete auf Rot. Wir liefern das Gerät in Grau oder
arten geordnet. Schwarz.
(1) Substantivierte Adjektive und adjektivisch Das Englische ist eine Weltsprache. Ihr Eng-
gebrauchte Partizipien, besonders auch in lisch hatte einen südamerikanischen Akzent. Mit
Verbindung mit Wörtern wie alles, allerlei, Englisch kommt man überall durch. In Ostafrika
etwas, genug, nichts, viel, wenig, zum Beispiel: verständigt man sich am besten auf Swahili
Wir wünschen alles Gute. Zum Aperitif gab es oder auf Englisch.
Süßes und Salziges. Geh nicht mit Unbekannten!
Das Ausschlaggebende für die Einstellung war E2: Gelegentlich ist Groß- oder Klein-
ihre Erfahrung. Er hat nichts /wenig/etwas/viel schreibung möglich, zum Beispiel:
Bedeutendes geschrieben. Das nie Erwartete trat Sie spricht Englisch (was? – die englische
ein. Sie hatte nur Angenehmes erlebt. Der Umsatz Sprache) /englisch (wie?).
war dieses Jahr um das Dreifache höher. Das

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Groß- und Kleinschreibung §

Ordnungszahladjektive sowie sinnverwandte (Wie: Der Gehörgeschädigte lernt das Sprechen /


Adjektive, zum Beispiel: das deutliche Sprechen.) Oder: Der Gehör-
Die Miete ist am Ersten jedes Monats zu bezahlen. geschädigte lernt sprechen. (Wie: Der Gehör-
Er ist schon der Zweite, der den Rekord des ver- geschädigte lernt deutlich sprechen.) (Ebenso:)
gangenen Jahres überboten hat. Jeder Fünfte lehnte Bekanntlich ist Umlernen / umlernen schwie-
das Projekt ab. Endlich war sie die Erste im Staat. riger als Dazulernen / dazulernen. Doch geht
Dieses Vorgehen verletzte die Rechte Dritter. Er Probieren / probieren über Studieren / studieren.
kam als Dritter an die Reihe. Er kam vom Hun-
dertsten ins Tausendste. Fürs Erste wollen wir (3) Substantivierte Pronomen (vgl. aber auch
nicht mehr darüber reden. Die Nächste bitte! § 58(4)), zum Beispiel:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Trotz ihrer Sie hatte ein gewisses Etwas. Er bot ihm das
Verletzung wurde sie noch Viertletzte. Als Letztes Du an. Das ist ein Er, keine Sie. Wir standen
muss der Deckel angeschraubt werden. Arthur vor dem Nichts. Er konnte Mein und Dein nicht
und Armin gingen unterschiedliche Wege: der unterscheiden.
Erste / Ersterer wurde Beamter, der Zweite /der
Letzte / Letzterer hatte als Schauspieler Erfolg. (4) Substantivierte Grundzahlen als Bezeich-
nung von Ziffern, zum Beispiel:
Unbestimmte Zahladjektive (siehe aber auch Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor
§ 58(5)), zum Beispiel: der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf.
Den Kometen haben Unzählige (Ungezählte, Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt
Zahllose) gesehen. Ich muss noch Verschiedenes eine Sechs.
erledigen. Er hatte das Ganze rasch wieder ver-
gessen. Der Kongress war als Ganzes ein Erfolg. (5) Substantivierte Adverbien, Präpositionen,
Das muss jeder Einzelne mit sich selbst ausmachen. Konjunktionen, Interjektionen, zum Beispiel:
Anita war die Einzige, die alles wusste. Alles Es gab ein großes Durcheinander. Mich störte das
Übrige besprechen wir morgen. Er gab sein Geld ewige Hin und Her. Ich will das noch im Diesseits
für alles Mögliche aus. erleben. Auf das Hier und Jetzt kommt es an. Das
Danach war ihr egal. Es gibt kein Übermorgen.
(2) Substantivierte Verben, zum Beispiel: Sie hatte so viel wie möglich im Voraus erledigt.
Das Lesen fällt mir schwer. Sie hörten ein starkes Im Nachhinein wussten wir es besser. Er stand im
Klopfen. Wer erledigt das Fensterputzen? Viele Aus. Sie überlegte sich das Für und Wider genau.
waren am Zustandekommen des Vertrages betei- Sein ständiges Aber stört mich. Es kommt nicht
ligt. Die Sache kam ins Stocken. Das ist zum nur auf das Dass an, sondern auch auf das Wie.
Lachen. Euer Fernbleiben fiel uns auf. Uns half Er erledigte es mit Ach und Krach. Ein viel-
nur noch lautes Rufen. Die Mitbewohner stimmiges Ah ertönte. Ihr freudiges Oh freute ihre
begnügten sich mit Wegsehen und Schweigen. Kolleginnen. Das Nein fällt ihm schwer.
Sie wollte auf Biegen und Brechen gewinnen.
Er klopfte mit Zittern und Zagen an. Ich nehme E4: Bei mehrteiligen substantivierten Kon-
die Tabletten auf Anraten meiner Ärztin. junktionen, die mit einem Bindestrich ver-
Sie hat ihr Soll erfüllt. Dies ist ein absolutes Muss. bunden werden (siehe § 43), schreibt man
nur das erste Wort groß, zum Beispiel:
Bei mehrteiligen Fügungen, deren Bestandteile ein Entweder-oder, das Als-ob,
mit einem Bindestrich verbunden werden, das Sowohl-als-auch
schreibt man das erste Wort, den Infinitiv und
die anderen substantivischen Bestandteile groß § 58
(siehe auch § 55(1) und (2)), zum Beispiel: In folgenden Fällen schreibt man
es ist zum Auf-und-davon-Laufen, das Hand-in- Adjektive, Partizipien und Pronomen
Hand-Arbeiten, das In-den-Tag-hinein-Leben klein, obwohl sie formale Merkmale der
Substantivierung aufweisen.
E3: Gelegentlich ist bei einfachen Infinitiven
Groß- oder Kleinschreibung möglich, zum
Beispiel: Der Gehörgeschädigte lernt Sprechen.

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§ Amtliche Regelung

(1) Adjektive, Partizipien und Pronomen, die Ich hörte von fern ein dumpfes Grollen. Die Pilger
sich auf ein vorhergehendes oder nachstehen- kamen von nah und fern. Die Ware wird nur
des Substantiv beziehen, zum Beispiel: gegen bar ausgeliefert. Die Mädchen hielten durch
Sie war die aufmerksamste und klügste meiner dick und dünn zusammen. Das wird sich über
Zuhörerinnen. Vor dem Haus spielten viele kurz oder lang herausstellen. Damit habe ich mich
Kinder, einige kleine im Sandkasten, die größeren von klein auf beschäftigt.
am Klettergerüst. Es waren neun Teilnehmer er- Er hat die frei erfundene Geschichte für wahr
schienen, auf den zehnten wartete man vergebens. gehalten. Man hat ihn für dumm verkauft. Sie
Alte Schuhe sind meist bequemer als neue. Dünne hat sich die Argumentation zu eigen gemacht.
Bücher lese ich in der Freizeit, dicke im Urlaub. Das werde ich dir schwarz auf weiß beweisen.
Zwei Männer betraten den Raum; der erste trug Die Stimmung war grau in grau.
einen Anzug, der zweite Jeans und Pullover.
Leih mir bitte deine Farbstifte, ich habe meine/die (3.2) aus Präposition und dekliniertem Adjek-
meinen/die meinigen vergessen. Der Verkäufer tiv ohne vorangehenden Artikel. In diesen
zeigte mir seine Auswahl an Krawatten. Die ge- Fällen ist jedoch auch die Großschreibung des
streiften und gepunkteten gefielen mir am besten. Adjektivs zulässig, zum Beispiel:
Aus der Brandruine stieg von neuem / Neuem
(2) Superlative mit „am“, nach denen mit Rauch auf. Wir konnten das Feuer nur von
„Wie?“ gefragt werden kann, zum Beispiel: weitem / Weitem betrachten. Der Fahrplan bleibt
Dieser Weg ist am steilsten. (Frage: Wie ist der bis auf weiteres / Weiteres in Kraft. Unsere Presse-
Weg?) Dieser Stift schreibt am feinsten. (Frage: sprecherin gibt Ihnen ohne weiteres / Weiteres
Wie schreibt dieser Stift?) Der ICE fährt am Auskunft. Der Termin stand seit längerem / Län-
schnellsten. gerem fest. Die Aufgabe wird binnen kurzem /
Kurzem erledigt.
E1: Superlative mit „am“ gehören zur
regulären Flexion des Adjektivs; „am“ ist E2: Substantivierungen, die auch ohne Prä-
in diesen Fügungen nicht in „an dem“ position üblich sind, werden nach § 57(1)
auflösbar. Beispiele: Dieser Weg ist steil – auch dann großgeschrieben, wenn sie mit
steiler – am steilsten. Dieser Stift schreibt fein – einer Präposition verbunden werden,
feiner – am feinsten. zum Beispiel:
In Anlehnung an diese Fügungen kann Die Historikerin beschäftigt sich mit dem Kon-
man auch feste adverbiale Wendungen mit flikt zwischen Arm und Reich. Das ist ein Fest
aufs oder auf das, die mit „Wie?“ erfragt für Jung und Alt. Sein Vorschlag war jenseits
werden können, kleinschreiben, zum Beispiel: von Gut und Böse. (Vgl.: Die Königin lud Arm
Sie hat uns aufs/auf das herzlichste begrüßt und Reich ein. Das Fest gefiel Jung und Alt.)
(Frage: Wie hat sie uns begrüßt?). Die Ampel schaltete auf Rot. Wir liefern das
Der Fall ließ sich aufs/auf das einfachste lösen. Gerät in Grau (= in grauer Farbe). (Vgl.: Das
Superlative, nach denen mit „Woran?“ ist ein grelles Rot. Sie hasst Grau.)
(„An was?“) oder „Worauf?“ („Auf was?“) Mit Englisch kommst du überall durch. In
gefragt werden kann, schreibt man nach Ostafrika verständigt man sich am besten auf
§ 57(1) groß, zum Beispiel: Swahili oder Englisch. (Vgl.: Bekanntlich ist
Es fehlt ihnen am/an dem Nötigsten. Englisch eine Weltsprache. Sein Englisch war
(Frage: Woran fehlt es ihnen?) gut verständlich.)
Wir sind aufs/auf das Beste angewiesen.
(Frage: Worauf sind wir angewiesen?) (4) Pronomen, auch wenn sie als Stellvertreter
von Substantiven gebraucht werden,
(3) bestimmte feste Verbindungen zum Beispiel:
In diesem Wald hat sich schon mancher verirrt.
(3.1) aus Präposition und nichtdekliniertem Ich habe mich mit diesen und jenen unterhalten.
Adjektiv ohne vorangehenden Artikel, Wenn einer eine Reise tut, so kann er was er-
zum Beispiel: zählen. Das muss (ein) jeder mit sich selbst aus-
machen. Wir haben alles mitgebracht. Sie hatten

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Groß- und Kleinschreibung §

beides mitgebracht. Man muss mit (den) beiden E5: Wenn hundert und tausend eine unbe-
reden. stimmte (nicht in Ziffern schreibbare)
Zur Großschreibung der Anredepronomen Menge angeben, können sie auch auf die
siehe § 65, § 66. Zahlsubstantive Hundert und Tausend bezo-
gen werden (vgl. § 55(5)); entsprechend
E3: In Verbindung mit dem bestimmten kann man sie dann klein- oder großschreiben,
Artikel oder dergleichen lassen sich zum Beispiel:
Possessivpronomen auch als substantivische Es kamen viele tausende/Tausende von
possessive Adjektive bestimmen, ent- Zuschauern. Sie strömten zu aberhunderten/
sprechend kann man hier nach § 57(1) Aberhunderten herein. Mehrere tausend/
auch großschreiben, zum Beispiel: Tausend Menschen füllten das Stadion.
Grüß mir die deinen/Deinen (die deinigen / Der Beifall zigtausender/Zigtausender von
Deinigen)! Sie trug das ihre/Ihre (das ihrige/ Zuschauern war ihr gewiss.
Ihrige) zum Gelingen bei. Jedem das seine / Entsprechend auch:
Seine! Der Stoff wird in einigen Dutzend /dutzend
Farben angeboten. Der Fall war angesichts
(5) die folgenden Zahladjektive mit allen ihren Dutzender/dutzender von Augenzeugen klar.
Flexionsformen: viel, wenig; (der, die, das) eine,
(der, die, das) andere. Beispiele:
Das haben schon viele erlebt. Zum Erfolg trugen 2.3 Eigennamen mit ihren nichtsubstanti-
auch die vielen bei, die ohne Entgelt mitgearbeitet vischen Bestandteilen sowie Ableitungen
haben. Nach dem Brand war nur noch weniges zu von Eigennamen
gebrauchen. Sie hat das wenige, was noch da war,
in eine Kiste versorgt. Die meisten haben diesen § 59
Film schon einmal gesehen. Die einen kommen, Eigennamen schreibt man groß.
die anderen gehen. Was der eine nicht tut, soll der
andere nicht lassen. Die anderen kommen später.
Das können auch andere bestätigen. Alles andere Eigennamen sind Bezeichnungen zur Identi-
erzähle ich dir später. Sie hatte noch anderes zu fizierung bestimmter einzelner Gegebenheiten
tun. Unter anderem wurde auch über finanzielle (eine Person, ein Ort, ein Land, eine Institution
Angelegenheiten gesprochen. usw.). Viele sind einfache, zusammengesetzte
oder abgeleitete Substantive, zum Beispiel
E4: Wenn der Schreibende zum Ausdruck Peter, Wien, Deutschland, Europa, Südamerika,
bringen will, dass das Zahladjektiv substan- Bahnhofstraße, Sigmaringen, Albrecht-Dürer-
tivisch gebraucht ist, kann er es nach § 57(1) Allee, Ostsee-Zeitung. Sie werden nach § 55
auch großschreiben, zum Beispiel: großgeschrieben. Daneben gibt es mehrteilige
Sie strebte etwas ganz Anderes an. Die Einen Eigennamen, die häufig auch nichtsubstan-
sagen dies, die Anderen das. Die Meisten tivische Bestandteile enthalten, zum Beispiel
stimmten seiner Meinung zu. Kap der Guten Hoffnung, Norddeutsche Neueste
Nachrichten, Vereinigte Staaten von Amerika.
(6) Kardinalzahlen unter einer Million, Im Folgenden wird die Groß- und Klein-
zum Beispiel: schreibung dieser Gruppe von Eigennamen
Was drei wissen, wissen bald dreißig. Diese drei dargestellt.
kommen mir bekannt vor. Sie rief um fünf an.
Wir waren an die zwanzig. Er sollte die Summe § 60
durch acht teilen. Dieser Kandidat konnte nicht In mehrteiligen Eigennamen mit nicht-
bis drei zählen. Wir fünf gehören zusammen. Der substantivischen Bestandteilen schreibt man
Abschnitt sieben fehlt im Text. Der Mensch über das erste Wort und alle weiteren Wörter außer
achtzig schätzt die Gesundheit besonders. Artikel, Präpositionen und Konjunktionen groß.

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§ Amtliche Regelung

E1: Ein vorangestellter Artikel ist in der (3) Eigennamen von Objekten unterschied-
Regel nicht Bestandteil des Eigennamens licher Klassen, so
und wird darum kleingeschrieben.
Zu Ausnahmen siehe unten, Absatz (4.4). (3.1) von Sternen, Sternbildern und anderen
Himmelskörpern, zum Beispiel:
Als Eigennamen im Sinne dieser orthogra- Kleiner Bär, Großer Wagen, Halleyscher Komet
fischen Regelung gelten: (auch: Halley’scher Komet; § 62)
(1) Personennamen, Eigennamen aus Religion,
Mythologie sowie Beinamen, Spitznamen und (3.2) von Fahrzeugen, bestimmten Bauwerken
dergleichen, zum Beispiel: und Örtlichkeiten, zum Beispiel:
Johann Wolfgang von Goethe, Gertrud von Le Fort, die Vorwärts (Schiff), der Blaue Enzian
Charles de Coster, Ludwig van Beethoven, der (Eisenbahnzug), der Fliegende Hamburger
Apokalyptische Reiter, Walther von der Vogelweide, (Eisenbahnzug), die Blaue Moschee (in Istanbul),
Holbein der Jüngere, der Alte Fritz, Katharina die das Alte Rathaus (in Leipzig), der Französische
Große, Heinrich der Achte, Elisabeth die Zweite; Dom (in Berlin), die Große Mauer (in China),
Klein Erna der Schiefe Turm (in Pisa)
Präpositionen wie von, van, de, ten, zu(r) in
Personennamen schreibt man im Satzinnern (3.3) von einzeln benannten Tieren, Pflanzen
auch dann klein, wenn ihnen kein Vorname und gelegentlich auch von Einzelobjekten wei-
vorausgeht, zum Beispiel: Der Autor dieses terer Klassen, zum Beispiel:
Buches heißt von Ossietzky. der Fliegende Pfeil (ein bestimmtes Pferd),
die Alte Eiche (ein bestimmter Baum)
(2) Geografische und geografisch-politische
Eigennamen, so (3.4) von Orden und Auszeichnungen,
zum Beispiel: das Blaue Band des Ozeans,
(2.1) von Erdteilen, Ländern, Staaten, Verwal- Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur
tungsgebieten und dergleichen, zum Beispiel:
Vereinigte Staaten von Amerika, Freie und Hanse- (4) Eigennamen von Institutionen, Organisa-
stadt Hamburg (als Bundesland), Tschechische tionen, Einrichtungen, so
Republik
(4.1) von staatlichen bzw. öffentlichen Dienst-
(2.2) von Städten, Dörfern, Straßen, Plätzen stellen, Behörden und Gremien, von Bildungs-
und dergleichen, zum Beispiel: und Kulturinstitutionen und dergleichen,
Neu Lübbenau, Groß Flatow, Rostock Lütten zum Beispiel:
Klein, Unter den Linden, Lange Straße, In Deutscher Bundestag, Statistisches Bundesamt,
der Mittleren Holdergasse, Am Tiefen Graben, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin,
An den Drei Pfählen, Hamburger Straße, Naturhistorisches Museum (in Wien), Grünes
Neuer Markt Gewölbe (in Dresden), Klinik für Innere
Medizin der Universität Rostock, Akademie
(2.3) von Landschaften, Gebirgen, Wäldern, für Alte Musik Berlin, Zweites Deutsches Fern-
Wüsten, Fluren und dergleichen, zum Beispiel: sehen, Eidgenössische Technische Hochschule
Kahler Asten, Hohe Tatra, Holsteinische (in Zürich)
Schweiz, Schwäbische Alb, Bayerischer Wald,
Libysche Wüste, Goldene Aue, Thüringer Wald (4.2) von Organisationen, Parteien, Verbänden,
Vereinen und dergleichen, zum Beispiel:
(2.4) von Meeren, Meeresteilen und -straßen, Vereinte Nationen, Internationales Olympisches
Flüssen, Inseln und Küsten und dergleichen, Komitee, Deutscher Gewerkschaftsbund, Sozial-
zum Beispiel: demokratische Partei Deutschlands, Christlich-
Stiller Ozean, Indischer Ozean, Rotes Meer, Demokratische Union, Allgemeiner Deutscher
Kleine Antillen, Großer Belt, Schweriner See, Automobilclub, Börsenverein des Deutschen
Straße von Gibraltar, Kapverdische Inseln, Buchhandels, Österreichisches Rotes Kreuz
Kap der Guten Hoffnung

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Groß- und Kleinschreibung §

(4.3) von Betrieben, Firmen, Genossenschaf- § 61


ten, Gaststätten, Geschäften und dergleichen, Ableitungen von geografischen Eigen-
zum Beispiel: namen auf -er schreibt man groß.
Deutsche Bank, Österreichischer Raiffeisenverband,
Bibliographisches Institut (in Mannheim),
Deutsche Bahn, Weiße Flotte, Hotel Vier Beispiele:
Jahreszeiten, Gasthaus zur Neuen Post, Zum das Bad Krozinger Kurgebiet, die Berliner
Goldenen Anker (Gaststätte), Salzburger Bevölkerung, die Mecklenburger Landschaft,
Dombuchhandlung, Rheinisch-Westfälisches die New Yorker Kunstszene, der Schweizer Käse,
Elektrizitätswerk AG das St. Galler/Sankt Galler Kloster
Zur Schreibung mit oder ohne Bindestrich
(4.4) von Zeitungen und Zeitschriften und siehe § 49 E.
dergleichen, zum Beispiel:
Berliner Zeitung, Sächsische Neueste Nachrichten, § 62
Deutsch als Fremdsprache, Dermatologische Kleingeschrieben werden adjektivische
Monatsschrift, Die Zeit Ableitungen von Eigennamen auf -(i)sch,
Wird der Artikel am Anfang verändert, außer wenn die Grundform eines Personen-
so schreibt man ihn klein, zum Beispiel: namens durch einen Apostroph verdeutlicht
Sie hat das in der Zeit gelesen. wird, ferner alle adjektivischen Ableitungen
mit anderen Suffixen.
(5) inoffizielle Eigennamen, Kurzformen
sowie Abkürzungen von Eigennamen,
zum Beispiel: Beispiele:
Schwarzer Kontinent, Ferner Osten, Naher die darwinsche/die Darwin’sche Evolutionstheorie,
Osten, Vereinigte Staaten, Hohes Haus das wackernagelsche/Wackernagel’sche Gesetz,
A. Müller, Astrid M., A. M. (= Astrid Müller), die goethischen/goetheschen/Goethe’schen Dramen,
J. W. v. Goethe; SPD (= Sozialdemokratische die bernoullischen/Bernoulli’schen Gleichungen
Partei Deutschlands), DGB (= Deutscher Ge- die homerischen Epen, das kopernikanische
werkschaftsbund), EU (= Europäische Union), Weltsystem, die darwinistische Evolutionstheorie,
SBB (= Schweizerische Bundesbahnen), ORF tschechisches Bier, indischer Tee, englischer Stoff
(= Österreichischer Rundfunk) mit eulenspiegelhaftem Schalk, eine kafkaeske
Stimmung
(6) bestimmte historische Ereignisse und Zur Schreibung mit Apostroph siehe auch
Epochen, zum Beispiel: Zeichensetzung, § 97 E.
der Westfälische Frieden, der Deutsch-Französi- Zur Schreibung mehrteiliger Ableitungen
sche Krieg 1870/1871, der Zweite Weltkrieg, die mit Bindestrich siehe § 49 E.
Goldenen Zwanziger
2.4 Feste Verbindungen aus Adjektiv
E2: In einigen der oben genannten und Substantiv
Namengruppen kann die Schreibung im
Einzelfall abweichend festgelegt sein, zum § 63
Beispiel: In substantivischen Wortgruppen, die
neue deutsche literatur, profil, konkret (Zeit- zu festen Verbindungen geworden, aber keine
schriften); Akademie für Musik und darstel- Eigennamen sind, schreibt man Adjektive klein.
lende Kunst „Mozarteum“; Zur letzten Instanz
(Gaststätte)
Zur Kennzeichnung der Namen von Beispiele:
Zeitungen und Zeitschriften mit Anfüh- das autogene Training, das neue Jahr, die höhere
rungszeichen siehe § 94(1). Mathematik, die graue Maus, die schöne
Bescherung, das tolle Treiben, der bunte Hund

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§ Amtliche Regelung

E: Bei Verbindungen mit einer neuen, 2.5 Anredepronomen und Anreden


idiomatisierten Gesamtbedeutung kann der
Schreibende zur Hervorhebung dieses be- § 65
sonderen Gebrauchs das Adjektiv groß- Das Anredepronomen Sie und das
schreiben, zum Beispiel: entsprechende Possessivpronomen Ihr sowie
das Schwarze Brett (= Anschlagtafel), die zugehörigen flektierten Formen schreibt
der Weiße Tod (= Lawinentod) man groß.
Kleinschreibung des Adjektivs ist in
diesen Fällen der Regelfall.
Beispiele:
Würden Sie mir helfen? Wie geht es Ihnen? Ist das
§ 64
In bestimmten substantivischen Wort- Ihr Mantel? Bestehen Ihrerseits Bedenken gegen
gruppen werden Adjektive großgeschrieben, den Vorschlag?
obwohl keine Eigennamen vorliegen.
E1: Großschreibung gilt auch für ältere
Anredeformen wie:
Dies betrifft Habt Ihr es Euch überlegt, Fürst von Gallen-
(1) Titel, Ehrenbezeichnungen, bestimmte stein? Johann, führe Er die Gäste herein.
Amts- und Funktionsbezeichnungen,
zum Beispiel: E2: In Anreden und Titeln wie Seine
der Heilige Vater, der Regierende Bürgermeister, Majestät, Eure Exzellenz, Eure Magnifizenz
die Königliche Hoheit, der Technische Direktor schreibt man das Pronomen ebenfalls groß.

(2) besondere Kalendertage, zum Beispiel: § 66


der Heilige Abend, der Internationale Frauentag, Die Anredepronomen du und ihr, die
der Erste Mai entsprechenden Possessivpronomen dein und
euer sowie das Reflexivpronomen sich schreibt
(3) fachsprachliche Bezeichnungen bestimmter man klein.
Klassifizierungseinheiten, so von Arten,
Unterarten oder Rassen in der Botanik und
Zoologie, zum Beispiel: Beispiele:
Fleißiges Lieschen, Grüner Veltliner, Roter Milan, Würdest du mir helfen? Hast du dich gut erholt?
Schwarze Witwe Haben Sie sich schon angemeldet?

E: Die Großschreibung von Adjektiven, die E: In Briefen können die Anredepronomen


mit dem Substantiv zusammen für eine be- du und ihr mit ihren Possessivpronomen
griffliche Einheit stehen, ist auch in Fach- auch großgeschrieben werden:
sprachen außerhalb der Biologie und bei Lieber Freund,
Verbindungen mit terminologischem Cha- ich schreibe dir / Dir diesen Brief und schicke
rakter belegt, zum Beispiel: dir / Dir eure / Eure Bilder …
Gelbe Karte, Goldener Schnitt, Kleine Anfrage;
Erste Hilfe
In manchen Fachsprachen wird dem-
gegenüber die Kleinschreibung bevorzugt, E Zeichensetzung
zum Beispiel:
eiserne Lunge, grauer Star, seltene Erden
0 Vorbemerkungen

(1) Die Satzzeichen sind Grenz- und Gliede-


rungszeichen. Sie dienen insbesondere dazu,
einen geschriebenen Text übersichtlich zu ge-
stalten und ihn dadurch für den Lesenden

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Zeichensetzung §

überschaubar zu machen. Zudem kann der § 67


Schreibende mit den Satzzeichen besondere Mit dem Punkt kennzeichnet man den
Aussageabsichten oder Einstellungen zum Schluss eines Ganzsatzes.
Ausdruck bringen oder stilistische Wirkungen
anstreben.
Ich habe ihn gestern gesehen. Sie kommt morgen.
Zu unterscheiden sind Satzzeichen Das Kind weinte, weil es seinen Schlüssel verloren
• zur Kennzeichnung des Schlusses von hatte.
Ganzsätzen: Punkt, Ausrufezeichen, Wir sehen nach, was Paul macht. Sie habe ihn
Fragezeichen gestern gesehen, behauptete sie. Sie forderte ihn auf
• zur Gliederung innerhalb von Ganzsätzen: die Wohnung sofort zu verlassen. Ich wünschte, die
Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Prüfung wäre vorbei. Sie fragte ungeduldig, ob er
Gedankenstrich, Klammern endlich käme. Der Redner stellte die Frage, wie es
• zur Anführung von Äußerungen oder Text- nach diesen Umweltschäden weitergehen solle.
stellen bzw. zur Hervorhebung von Wörtern Im Hausflur war es still. Ich drückte erwar-
oder Textteilen: Anführungszeichen tungsvoll auf die Klingel.

(2) Daneben dienen bestimmte Zeichen E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz
• zur Markierung von Auslassungen: Apo- verstanden, entsprechend § 71(1) bzw.
stroph, Ergänzungsstrich, Auslassungspunkte § 80(1) mit Komma oder Semikolon:
• zur Kennzeichnung der Wörter bestimmter Im Hausflur war es still, ich drückte erwar-
Gruppen: Punkt nach Abkürzungen bzw. tungsvoll auf die Klingel.
Ordinalzahlen, Schrägstrich Im Hausflur war es still; ich drückte erwar-
tungsvoll auf die Klingel.

1 Kennzeichnung des Schlusses von E2: Bei Aufforderungen, denen man keinen
Ganzsätzen besonderen Nachdruck geben will, setzt
man einen Punkt und kein Ausrufezeichen
Der Kennzeichnung des Schlusses von Ganz- (hierzu siehe § 69):
sätzen dienen: Rufen Sie bitte später noch einmal an. Nehmen
• der Punkt Sie doch Platz. Vgl. S. 25 seiner letzten Ver-
• das Ausrufezeichen öffentlichung.
• das Fragezeichen
E3: In den folgenden Fällen setzt man kei-
Ganzsätze im Sinne dieser orthografischen nen Punkt:
Regelung zeigen Beispiele wie: • am Ende von freistehenden Zeilen
Gestern hat es geregnet. Du kommst bitte morgen! (siehe § 68)
Hat er das wirklich gesagt? Im Hausflur war es • am Ende einer kolumnenartigen Auf-
still, ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel. zählung ohne schließende Satzzeichen
Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen. Meine (siehe § 71 E2)
Freundin hatte den Zug versäumt; deshalb kam • am Ende von Parenthesen (mit Gedan-
sie eine halbe Stunde zu spät. kenstrich siehe § 85, mit Klammern
Niemand kannte ihn. Auch der Gärtner nicht. siehe § 88)
Bitte die Türen schließen und Vorsicht bei der • bei wörtlich Wiedergegebenem am
Abfahrt des Zuges! Ob er heute kommt? Nein, Anfang oder im Inneren von Ganzsätzen
morgen. Warum nicht? Gute Reise! Hilfe! (siehe § 92)
Zu den Zeichen in Verbindung mit Gedan- • nach Auslassungspunkten (siehe § 100)
kenstrich oder Klammern siehe § 85 bzw. § 88. • nach Punkt zur Kennzeichnung von
Zu den Zeichen bei wörtlich Wiedergege- Abkürzungen (siehe § 103) und Ordinal-
benem siehe § 90. zahlen (siehe § 105)
Zum Gedankenstrich zwischen zwei Ganz-
sätzen siehe § 83.

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§ Amtliche Regelung

§ 68 § 69
Nach frei stehenden Zeilen setzt man Mit dem Ausrufezeichen gibt man
keinen Punkt. dem Inhalt des Ganzsatzes einen besonderen
Nachdruck wie etwa bei nachdrücklichen
Behauptungen, Aufforderungen, Grüßen,
Dies betrifft unter anderem Wünschen oder Ausrufen.
(1) Überschriften und Werktitel (etwa von
Büchern und Theaterstücken, Werken der
bildenden Kunst und der Musik, Rundfunk- Ich habe ihn gestern bestimmt gesehen!
und Fernsehproduktionen): Komm bitte morgen! Du kommst morgen!
Allmähliche Normalisierung im Erdbebengebiet Lasst uns keine Zeit verlieren! Du musst die Arbeit
Schneeverwehungen behindern Autoverkehr abgeben, weil morgen der letzte Termin ist!
Chance für eine diplomatische Lösung Seht nach, was Paul macht! Sehen Sie nur,
Einführung in die höhere Mathematik wie schön die Aussicht ist! Bitte fordern Sie ihn
Der kaukasische Kreidekreis auf die Wohnung sofort zu verlassen! Frag ihn,
Die Zauberflöte ob er kommt!
Zum Ausrufezeichen siehe § 69 E2(1); Ruhe! Bitte nicht stören! Zurücktreten! Bitte
zum Fragezeichen siehe § 70 E2. die Türen schließen und Vorsicht bei der Abfahrt
des Zuges! Guten Morgen! Hoffentlich sehen wir
(2) Titel von Gesetzen, Verträgen, Deklara- uns bald wieder! Wäre nur die Prüfung erst ein-
tionen und dergleichen sowie Bezeichnungen mal vorbei! Wenn ich dich noch einmal erwische,
für Veranstaltungen: kannst du was erleben! Das ist ja großartig!
Bundesgesetz über den Straßenverkehr Welch ein Glück! Au! Das tut weh! Nein! Nein!
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit Zum Punkt nach Aufforderungen ohne
in Europa besonderen Nachdruck siehe § 67 E2.
Internationaler Ärztekongress
E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz
(3) Anschriften und Datumszeilen sowie Gruß- oder als Teile einer Aufzählung verstanden,
formeln und Unterschriften etwa in Briefen: entsprechend § 71 mit Komma (siehe auch
§ 79(2) und (3)):
Werner Meier Donnerstag, 16. Februar 2006 Das ist ja großartig, welch ein Glück!
Gerichtsweg 12 Au, das tut weh! Nein, nein!
04103 Leipzig
E2: Zur Kennzeichnung eines besonderen
Herrn Rudolf Schröder Nachdrucks setzt man auch nach freistehen-
Rüdesheimer Str. 29 den Zeilen ein Ausrufezeichen.
62123 Wiesbaden
Dies betrifft
Sehr geehrter Herr Schröder, (1) Überschriften und Werktitel:
entsprechend unserer telefonischen Vereinbarung … Chance für eine diplomatische Lösung!
… Kämpft für den Frieden!
Mit freundlichen Grüßen Endlich!
Ihr Werner Meier Zum Punkt siehe § 68(1); zum Fragezeichen
siehe § 70 E2.
Zur Zeichensetzung bei der Anrede etwa in
Briefen siehe § 69 E3. (2) die Anrede:
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen
und Herren!

E3: Nach der Anrede etwa in Briefen kann


man ein Ausrufezeichen oder entsprechend
§ 79(1) ein Komma setzen:

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Zeichensetzung §

Sehr geehrter Herr Schröder! • das Komma


Entsprechend unserer telefonischen • das Semikolon
Vereinbarung … • der Doppelpunkt
Sehr geehrter Herr Schröder, • der Gedankenstrich
entsprechend unserer telefonischen • die Klammern
Vereinbarung … Zu den Auslassungspunkten siehe § 99 bis § 100.
In der Schweiz auch ohne Zeichen am
Ende: (2) Das Komma wird sowohl einfach als auch
Sehr geehrter Herr Schröder paarig gebraucht:
Entsprechend unserer telefonischen Er trug einen schwarzen, breitkrempigen Hut.
Vereinbarung … Seine Kopfbedeckung, ein schwarzer und breit-
krempiger Hut, lag auf dem Tisch.
Dasselbe gilt für den Gedankenstrich.
§ 70
Mit dem Fragezeichen kennzeichnet Nur paarig werden die Klammern gebraucht, nur
man den Ganzsatz als Frage. einfach das Semikolon und der Doppelpunkt.

(3) Manchmal kann man zwischen verschie-


Hast du ihn gestern gesehen? Wann kommst du? denen Zeichen wählen:
Kommst du wirklich morgen? Ob er morgen Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungs-
kommt? Soll er ihm einen Brief schreiben oder voll auf die Klingel.
ist es besser, dass er ihn anruft? Im Hausflur war es still; ich drückte erwartungs-
Habt ihr nachgesehen, was Paul macht? Sehen voll auf die Klingel.
Sie, wie schön die Aussicht ist? Haben Sie ihn Im Hausflur war es still – ich drückte erwartungs-
aufgefordert die Wohnung sofort zu verlassen? voll auf die Klingel.
Hat er gefragt, ob Fritz kommt? Zur stärkeren Abgrenzung kann man ent-
Warst du im Kino? In welchem Film? Dein sprechend § 67 auch einen Punkt setzen:
Freund war auch mit? Was möchtet ihr trinken: Im Hausflur war es still. Ich drückte erwartungs-
Bier, Wein oder Apfelmost? Ist das nicht groß- voll auf die Klingel.
artig? Ist das nicht ein Glück? Warum? Weshalb? Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte
Weswegen? es. Eines Tages – es war mitten im Sommer –
hagelte es. Eines Tages (es war mitten im Sommer)
E1: Wenn aber als mehrteiliger Ganzsatz hagelte es.
oder als Teile einer Aufzählung verstanden,
entsprechend § 71 mit Komma:
Ist das nicht großartig, ist das nicht ein Glück? 2.1 Komma
Warum, weshalb, weswegen?
§ 71
E2: Zur Kennzeichnung einer Frage setzt Gleichrangige (nebengeordnete) Teil-
man auch nach freistehenden Zeilen, zum sätze, Wortgruppen oder Wörter grenzt man
Beispiel nach Überschriften und Werktiteln, mit Komma voneinander ab.
ein Fragezeichen:
Chance für eine diplomatische Lösung?
Wo warst du, Adam? Quo vadis? Dies betrifft (siehe aber § 72)
Zum Punkt siehe § 68(1); zum Ausrufe- (1) gleichrangige Teilsätze:
zeichen siehe § 69 E2. Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungs-
voll auf die Klingel. Die Musik wird leiser, der
Vorhang hebt sich, das Spiel beginnt. Er dachte
2 Gliederung innerhalb von Ganzsätzen angestrengt nach, aber ihr Name fiel ihm nicht
ein. Ich wollte ihm helfen, doch er ließ es nicht zu.
(1) Der Gliederung des Ganzsatzes dienen Ich wollte ihm helfen, er ließ es jedoch nicht zu.
die folgenden Satzzeichen: Das ist ja großartig, welch ein Glück! Ist das nicht
großartig, ist das nicht ein Glück?

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§ Amtliche Regelung

Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Gelegentlich kann der Schreibende da-
Komma, Semikolon oder Punkt siehe § 80(1). durch, dass er ein Komma setzt oder nicht,
deutlich machen, ob er die Adjektive als
Er log beharrlich, er wisse von nichts, er sei es gleichrangig verstanden wissen will oder
nicht gewesen. Wenn das wahr ist, wenn du ihn nicht.
wirklich nicht gesehen hast, brauchst du dir keine Gleichrangig:
Vorwürfe zu machen. Er erkundigte sich, was es neue, umweltfreundliche Verfahren
Neues gebe, ob Post gekommen sei. Dass sie ihn (neben den bisherigen Verfahren, die nicht
nicht nur übersah, sondern dass sie auch noch umweltfreundlich sind, gibt es nunmehr
mit anderen flirtete, kränkte ihn sehr. neue und umweltfreundliche Verfahren)
Nicht gleichrangig:
(2) gleichrangige Wortgruppen oder Wörter neue umweltfreundliche Verfahren (zusätzlich
in Aufzählungen: zu den bisherigen umweltfreundlichen Ver-
Der Nachbar hatte versprochen den Briefkasten fahren gibt es weitere umweltfreundliche
zu leeren, die Blumen zu gießen, hin und wieder Verfahren)
zu lüften. Völlig erschöpft, hungrig und frierend,
vom Regen durchnässt kamen sie nach Hause. E2: Das Komma (und gegebenenfalls der
Er hat nicht behauptet in Berlin gewesen zu sein, Schlusspunkt) kann in kolumnenartigen
sondern in Mainz seinen Onkel besucht zu haben. Aufzählungen fehlen, zum Beispiel:
Sie ärgerte sich ständig über ihren Mann, über Unser Sonderangebot:
die Kinder, über die Hausbewohner. – Äpfel
Er trug einen schwarzen, breitkrempigen Hut. – Birnen
Das ist ein ausgesprochen süßes, widerlich klebriges – Orangen
Getränk. (Siehe aber unten E1.)
Zu Fällen wie den folgenden siehe § 77(4): § 72
Auf der Ausstellung waren viele ausländische, Sind die gleichrangigen Teilsätze,
insbesondere holländische Firmen vertreten. Wortgruppen oder Wörter durch und, oder,
Als er sein Herz ausgeschüttet, das heißt alles beziehungsweise/bzw., sowie (= und), wie
erzählt hatte, fühlte er sich besser. (= und), entweder … oder, nicht … noch,
Die Buchstaben x, y, z bilden den Schluss des sowohl … als (auch), sowohl … wie (auch)
Alphabets. Frühling, Sommer, Herbst, Winter. oder durch weder … noch verbunden, so
Er fährt nicht mit dem Auto, sondern mit dem setzt man kein Komma.
Zug. Er ist klug, (dabei) aber faul.
Einerseits ist er klug, andererseits faul. Der
März war teils freundlich, teils regnerisch, aber Dies betrifft
im Ganzen zu kalt. Sie lächelte halb verlegen, (1) gleichrangige Teilsätze (siehe aber § 73):
halb belustigt. Die Musik wird leiser und der Vorhang hebt sich
Nein, nein! Warum, weshalb, weswegen? und das Spiel beginnt. Ich habe sie oft besucht und
wir saßen bis spät in die Nacht zusammen. Seid
Zum Ausrufe- oder Fragezeichen siehe § 69 ihr mit meinem Vorschlag einverstanden oder habt
bzw. § 70. ihr Einwände vorzubringen?
Zum Komma bei mehrteiligen Orts-, Sie wisse Bescheid und der Vorgang sei ihr völlig
Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben klar, sagte sie. Er erkundigte sich, was es Neues
siehe § 77(3). gebe und ob Post gekommen sei. Alle wollten
wissen, wie es gewesen war und warum es so
E1: Sind zwei Adjektive nicht gleichrangig, lange gedauert hatte. Ich hoffe, dass es dir gefällt
so setzt man kein Komma. und dass du zufrieden bist.
die letzten großen Ferien, eine neue blaue Bluse,
dunkles bayerisches Bier, die allgemeine wirt- (2) gleichrangige Wortgruppen oder Wörter
schaftliche Lage, zahlreiche wertende Stellung- in Aufzählungen:
nahmen Der Nachbar hatte versprochen den Briefkasten
zu leeren und die Blumen zu gießen und hin und

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Zeichensetzung §

wieder zu lüften. Völlig erschöpft und vom Regen Ich fotografierte die Berge(,) und meine Frau
durchnässt kamen sie nach Hause. lag in der Sonne. Er traf sich mit meiner Schwes-
Sie fährt sowohl bei gutem als auch bei schlech- ter(,) und deren Freundin war auch mitgekom-
tem Wetter. Der März war kalt und unfreund- men. Wir warten auf euch(,) oder die Kinder
lich. Das ist ein ausgesprochen süßes sowie gehen schon voraus.
widerlich klebriges Getränk. Feuer, Wasser,
Luft und Erde § 74
Sie fährt entweder mit dem Auto oder mit Nebensätze grenzt man mit Komma ab;
dem Zug. Er ist klug und dabei faul. Nein und sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit
abermals nein! Wie und warum und wozu? paarigem Komma ein.

E1: Ein Komma vor und usw. kann dadurch


begründet sein, dass mit ihm entsprechend Am Anfang des Ganzsatzes:
§ 74 ein Nebensatz, entsprechend § 77 ein Was ich anfangen soll, weiß ich nicht.
Zusatz oder Nachtrag bzw. entsprechend Als wir nach Hause kamen, war es schon spät.
§ 93 ein wörtlich wiedergegebener Satz Dass es dir wieder besser geht, freut mich sehr.
abgeschlossen wird: Obwohl schlechtes Wetter war, suchten wir die
Er sagte, dass er morgen komme, und verab- Ostereier im Garten. Ist dir der Weg zu weit,
schiedete sich. Mein Onkel, ein großer Tier- kannst du mit dem Bus fahren. Er komme morgen,
freund, und seine Katzen leben in einer alten sagte er. Als er sich niederbeugte, weil er ihre
Mühle. Sie fragte: „Brauchen Sie die Unter- Tasche aufheben wollte, stießen sie mit den Köpfen
lagen?“, und öffnete die Schublade. zusammen.

E2: Bei entgegenstellenden Konjunktionen Eingeschoben:


wie aber, doch, jedoch, sondern steht nach der Das Buch, das ich dir mitgebracht habe, liegt
Grundregel (§ 71) ein Komma, wenn sie auf dem Tisch. Seine Annahme, dass Peter käme,
zwischen gleichrangigen Wörtern oder erfüllte sich nicht. Sie konnte, wenn sie wollte,
Wortgruppen stehen: äußerst liebenswürdig sein. Er sagte, dass er
Sie fährt nicht nur bei gutem, sondern auch morgen komme, und verabschiedete sich. Er sagte,
bei schlechtem Wetter. Der März war sonnig, er komme morgen, und verabschiedete sich.
aber kalt. Er hat mir ein süßes, jedoch wohl-
schmeckendes Getränk eingeschenkt. Am Ende des Ganzsatzes:
Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Sie beo-
bachtete die Kinder, die auf der Wiese ihre Dra-
§ 73
Bei der Reihung von selbständigen chen steigen ließen. Gestern traf ich eine Freundin,
Sätzen, die durch und, oder, beziehungsweise / von der ich lange nichts mehr gehört hatte. Das
bzw., entweder – oder, nicht – noch oder durch Kind weinte, weil es seinen Schlüssel verloren
weder – noch verbunden sind, kann man ein hatte. Ich hätte nie gedacht, dass du mich so ent-
Komma setzen, um die Gliederung des Ganz- täuschen würdest. Sie sah gesünder aus, als
satzes deutlich zu machen. sie sich fühlte. Seine Tochter war ebenso rothaarig,
wie er es als Kind gewesen war. Sie sagte, sie
komme morgen. Er war zu klug, als dass er in die
Das Feuer brannte endlich(,) und sie machten es Falle gegangen wäre, die man ihm gestellt hatte.
sich gemütlich. Hast du ihn angerufen(,) oder wirst
du es erst am Sonntag tun? Dem Täter ist die E1: Besteht die Einleitung eines Neben-
Flucht ins Ausland gelungen(,) bzw. er versteckt satzes aus einem Einleitewort und weiteren
sich. Entweder du kommst(,) oder du schreibst Wörtern, so gilt:
einen Brief. Nicht einmal ein Dank kam von
seinen Lippen(,) noch fand er sonst wohlwollende (1) Man setzt das Komma vor die ganze
Worte. Weder schrieb er einen Brief(,) noch kam Wortgruppe:
er selbst.

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§ Amtliche Regelung

Ich habe sie selten besucht, aber wenn ich bei ihr Außerordentlich bedauert hat er diesen Vorfall
war, saßen wir bis spät in die Nacht zusam- und dass das hier geschehen konnte.
men. Er rannte, als ob es um sein Leben ginge, Bei großer Dürre oder wenn der Föhn weht,
über die Straße. Sie rannte, wie wenn es um ist das Rauchen hier streng verboten.
ihr Leben ginge. Ein Passant hatte bereits Wenn der Föhn weht oder bei großer Dürre
Risse in den Pfeilern der Brücke bemerkt, zwei ist das Rauchen hier streng verboten.
Tage bevor sie zusammenbrach. Das Rauchen ist hier streng verboten bei großer
Dürre oder wenn der Föhn weht.
(2) In einigen Fällen kann der Schreibende Das Rauchen ist hier streng verboten, wenn der
zusätzlich ein Komma zwischen den Be- Föhn weht oder bei großer Dürre.
standteilen der Wortgruppe setzen:
Morgen wird es regnen, angenommen(,) dass E3: Vergleiche mit als oder wie in Verbin-
der Wetterbericht stimmt. Wir fahren morgen, dung mit einer Wortgruppe oder einem
ausgenommen(,) wenn es regnet. Ich glaube Wort sind keine Nebensätze; entsprechend
nicht, dass er anruft, geschweige(,) dass er vor- setzt man kein Komma (zu wie siehe auch
beikommt. Ich glaube nicht, dass er anruft, § 78(2)):
geschweige denn(,) dass er vorbeikommt. Früher als gewöhnlich kam er von der Arbeit
Ich komme morgen, gleichviel(,) ob er es will nach Hause. Wie im letzten Jahr hatten wir
oder nicht. Ich werde ihnen gegenüber abwei- auch diesmal einen schönen Herbst. Er kam
send oder entgegenkommend sein, je nachdem(,) früher als gewöhnlich von der Arbeit nach Hau-
ob sie hartnäckig oder sachlich sind. Egal(,) se. Er kam wie am Vortage auch heute zu spät.
welche Farbe sie sich aussucht, sie wird immer Peter ist größer als sein Vater. Heute war
gut aussehen. er früher da als gestern. Das ging schneller als
erwartet. Er ist genauso groß wie sie.
(3) Der Schreibende kann durch das Kom-
ma deutlich machen, ob er Wörter als Be- § 75
standteil der Nebensatzeinleitung verstan- Infinitivgruppen grenzt man mit
den wissen will oder nicht: Komma ab, wenn eine der folgenden
Ich freue mich, auch wenn du mir nur eine Bedingungen erfüllt ist:
Karte schreibst. Ich freue mich auch, wenn
du mir nur eine Karte schreibst. Die Rehe
bemerkten ihn, gleich als er sein Versteck ver- (1) die Infinitivgruppe ist mit um, ohne, statt,
ließ. Die Rehe bemerkten ihn gleich, als er sein anstatt, außer, als eingeleitet:
Versteck verließ. Er ärgerte sich zeitlebens, so Sie öffnete das Fenster, um frische Luft herein-
dass er schon früh graue Haare bekam. Er zulassen. Das Kind rannte, ohne auf den Verkehr
ärgerte sich zeitlebens so, dass er schon früh zu achten, über die Straße. Statt am Bericht zu
graue Haare bekam. Sie sorgt sich um ihn, arbeiten, vergnügte sich Herbert mit Computer-
vor allem(,) wenn er nachts unterwegs ist. spielchen. Ihr fiel nichts Besseres ein, als zu kündi-
Sie sorgt sich um ihn vor allem, wenn er nachts gen. Ihre Forderung, um das noch einmal zu
unterwegs ist. sagen, halten wir für wenig angemessen (siehe
auch § 77(1)). Er, ohne den Vertrag vorher
E2: Wenn eine beiordnende Konjunktion gesehen zu haben, hatte ihn sofort unterschrieben
wie und, oder (§ 72) Satzglieder oder Teile (siehe auch § 77(6)).
von Satzgliedern mit Nebensätzen verbin-
det, so steht zwischen den Bestandteilen (2) die Infinitivgruppe hängt von einem
einer solchen Reihung kein Komma. Substantiv ab:
Gegenüber dem übergeordneten Satz sind Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken,
die Teile der Reihung nur dann mit Komma vom Nachtwächter überrascht. Er fasste den Plan,
abgetrennt, wenn der Nebensatz anschließt, heimlich abzureisen.
nicht aber, wenn das Satzglied bzw. ein Teil
eines Satzgliedes anschließt:

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Zeichensetzung §

(3) die Infinitivgruppe hängt von einem Dies betrifft


Korrelat oder einem Verweiswort ab (1) Parenthesen, (2) Substantivgruppen als
(siehe § 77(5)): Nachträge (Appositionen), (3) Orts-, Woh-
Anita liebt es, lange auszuschlafen. Werner hat nungs-, Zeit- und Literaturangaben ohne
es nie bereut, diese Ausbildung gemacht zu haben. Präposition, (4) Erläuterungen, (5) angekün-
Es missfällt mir, diesen Vertrag zu unterzeichnen. digte Wörter oder Wortgruppen, (6) Infinitiv-
René hat nicht damit gerechnet, doch noch zu gruppen und (7) Partizip- oder Adjektiv-
gewinnen, und strahlte über das ganze Gesicht. gruppen.
Lange auszuschlafen, das liebt Anita sehr. Doch
noch zu gewinnen, damit hat René nicht (1) Parenthesen:
gerechnet. Damit, doch noch zu gewinnen, hat Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es.
René nicht gerechnet. Dieses Bild, es ist das letzte und bekannteste des
Künstlers, wurde nach Amerika verkauft.
E1: Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, Ihre Forderung, um das noch einmal zu sagen,
können in den Fallgruppen (2) und (3) die halten wir für wenig angemessen.
Kommas weggelassen werden, sofern keine Zum Gedankenstrich oder zu Klammern
Missverständnisse entstehen: siehe § 84(1) bzw. § 86(1).
Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange
gefasst. Die Angst(,) zu fallen(,) lähmte seine (2) Substantivgruppen als Nachträge
Schritte. Thomas dachte nicht daran(,) (Appositionen), insbesondere auch Titel,
zu gehen. Berufsbezeichnungen und dergleichen in
Verbindung mit Eigennamen:
E2: In den Fällen, die nicht durch § 75(1) Mein Onkel, ein großer Tierfreund, und seine
bis (3) geregelt sind, kann ein Komma Katzen leben in einer alten Mühle. Wir gingen
gesetzt werden, um die Gliederung deutlich in die Hütte, einen kalten Raum mit kleinen
zu machen bzw. um Missverständnisse aus- Fenstern. Wir gingen in die Hütte, einen kalten
zuschließen. Dasselbe gilt für Partizip-, Raum mit kleinen Fenstern, und zündeten ein
Adjektiv- und entsprechende Wortgruppen Feuer an. Walter Gerber, Mannheim, und Anita
(siehe § 77(7) und § 78(3)). Busch, Berlin, verlobten sich letzte Woche.
Mainz ist die Geburtsstadt Johannes Gutenbergs,
des Erfinders der Buchdruckerkunst. Johannes
§ 76
Bei formelhaften Nebensätzen kann Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst,
man das Komma weglassen. wurde in Mainz geboren. Professor Dr. med. Max
Müller, Direktor der Kinderklinik, war unser
Gesprächspartner. Franz Meier, der Angeklagte,
Wie bereits gesagt(,) verhält sich die Sache anders. verweigerte die Aussage. Gertrud Patzke, Heb-
Ich komme(,) wenn nötig(,) bei dir noch vorbei. amme des Dorfes, wurde 60 Jahre alt.
Zum Gedankenstrich oder zu Klammern
siehe § 84(2) bzw. § 86(2).
§ 77
Zusätze oder Nachträge grenzt man
mit Komma ab; sind sie eingeschoben, so E1: Folgt der Eigenname einem Titel, einer
schließt man sie mit paarigem Komma ein. Berufsbezeichnung und dergleichen, so kann
man nach § 78(4) das Komma weglassen:
Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes
Möglich sind in bestimmten Fällen auch Ge- Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren.
dankenstrich (siehe § 84) oder Klammern
(siehe § 86); mit diesen Zeichen kennzeichnet E2: Bestandteile von mehrteiligen Eigen-
man stärker, dass man etwas als Zusatz oder namen und vorangestellte Titel ohne Artikel
Nachtrag verstanden wissen will. sind keine Zusätze oder Nachträge; ent-
sprechend setzt man kein Komma:

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§ Amtliche Regelung

Wilhelm der Eroberer unterwarf ganz Eng- nächste Woche, das heißt vielleicht auch über-
land. Direktor Professor Dr. med. Max Müller nächste [Woche], zu einem Gespräch. Als sie ihr
führte uns durch die Klinik. Herz ausgeschüttet hatte, das heißt alles erzählt
Frau Schmidt geb. Kühn hat dies mitgeteilt. hatte, fühlte sie sich besser.
Nach der Grundregel (§ 77) auch mit Wird – im Unterschied zu den letztgenannten
Komma: Beispielen – die Erläuterung in die substanti-
Frau Schmidt, geb. Kühn, hat dies mitgeteilt. vische oder verbale Fügung einbezogen, so
grenzt man sie mit einfachem Komma ab:
(3) Mehrteilige Orts-, Wohnungs-, Zeit- Auf der Ausstellung waren viele ausländische,
und Literaturangaben ohne Präposition insbesondere holländische Firmen vertreten.
(das schließende Komma kann hier auch Wir erwarten dich nächste, das heißt vielleicht
weggelassen werden): auch übernächste Woche zu einem Gespräch.
Orts-, Wohnungs- und Zeitangaben: Er wird sein Herz ausgeschüttet, das heißt alles
Gustav Meier, Wiesbaden, Wilhelmstr. 24, erzählt haben.
1. Stock(,) hat diese Annonce aufgegeben. Zum Gedankenstrich oder zu Klammern
Gabi Schmid, Berlin, Landsberger Allee 209, siehe § 84(3) bzw. § 86(3).
3. Stock(,) gewann eine Reise in den Harz.
Aber: Gabi hat lange in Köln am Kirchplatz 4 (5) Wörter oder Wortgruppen, die durch ein
gewohnt. hinweisendes Wort oder eine hinweisende
Die Tagung soll Mittwoch, (den) 14. Novem- Wortgruppe angekündigt werden:
ber(,) beginnen. Die Tagung soll am Mittwoch, Sie, die Gärtnerin, weiß das ganz genau. Wir
dem 14. November(,) beginnen. Die Tagung beide, du und ich, wissen es genau.
soll am Mittwoch, dem 14. November, (um) Daran, den Job länger zu behalten, dachte sie
9.00 Uhr(,) im Rosengarten beginnen. nicht. Sie dachte nicht daran, den Job länger zu
Mehrteilige Hinweise auf Stellen aus behalten, und kündigte. Sein größter Wunsch ist
Büchern, Zeitschriften und dergleichen: es, eine Familie zu gründen. Dies, eine Familie
Die Zeitschrift Spektrum, Jahrgang 29, Heft 2, zu gründen, ist sein größter Wunsch.
S. 134(,) hat darüber berichtet. In der Zeitschrift So, aus vollem Halse lachend, kam sie auf mich
Spektrum, Jahrgang 29, Heft 2, S. 134(,) findet zu. So, mit dem Rucksack bepackt, standen wir
sich ein entsprechendes Zitat. vor dem Tor. So bepackt, den Rucksack auf dem
Ausnahme: In mehrteiligen Hinweisen auf Rücken, standen wir vor dem Tor.
Gesetze, Verordnungen und dergleichen setzt Werden Wörter oder Wortgruppen durch
man kein Komma: ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende
§ 6 Abs. 2 Satz 3 der Verordnung Wortgruppe wieder aufgenommen, so grenzt
man sie mit einfachem Komma ab:
(4) Nachgestellte Erläuterungen, die häufig Denn die Gärtnerin, die weiß das ganz genau.
mit also, besonders, das heißt (d. h.), das ist (d. i.), Und du und ich, wir beide wissen das genau.
genauer, insbesondere, nämlich, und das, und Wie im letzten Jahr, so hatten wir auch diesmal
zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder der- einen schönen Herbst.
gleichen eingeleitet werden: … und den Job länger zu behalten, daran dachte
Sie isst gern Obst, besonders Apfelsinen und sie nicht und kündigte. Eine Familie zu gründen,
Bananen. Obst, besonders Apfelsinen und Bana- das ist sein größter Wunsch.
nen, isst sie gern. Wir erwarten dich nächste Aus vollem Halse lachend, so kam sie auf mich
Woche, und zwar am Dienstag. Nachmittags zu. Mit dem Rucksack bepackt, so standen wir
kommt Gewitterneigung auf, vor allem im Süden. vor dem Tor. Den Rucksack auf dem Rücken, so
Mit einem Scheck über 2000 €, in Worten: zwei- bepackt standen wir vor dem Tor.
tausend Euro, hat er die Rechnung bezahlt. Sie Zum Gedankenstrich siehe § 84(4).
bezahlte mit einem Scheck über 2000 €,
in Worten: zweitausend Euro. (6) nachgetragene Infinitivgruppen oder ent-
Auf der Ausstellung waren viele ausländische sprechende Wortgruppen (siehe dazu auch
Firmen, insbesondere holländische [Maschinen- § 78 (3)):
hersteller/Firmen], vertreten. Wir erwarten dich

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Zeichensetzung §

Er, ohne den Vertrag vorher gelesen zu haben, über(,) mit diesem Problem beschäftigt. Die
hatte ihn sofort unterschrieben. Er, ohne jede ganze Familie(,) samt Kindern und Enkeln(,)
Kenntnis des Vertragsinhalts, hatte sofort unter- besuchte die Großeltern.
schrieben. Er, statt ihm zu Hilfe zu kommen,
sah tatenlos zu. (2) Gefüge mit wie (zu wie in Vergleichen
siehe § 74 E3):
(7) nachgetragene Partizip- oder Adjektivgrup- Ihre Ausgaben(,) wie Fahrt- und Übernachtungs-
pen oder entsprechende Wortgruppen auch am kosten(,) werden Ihnen ersetzt.
Ende des Ganzsatzes (siehe auch § 78(3)):
Sie, aus vollem Halse lachend, kam auf mich zu. (3) Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen
Er, außer sich vor Freude, lief auf sie zu und oder entsprechende Wortgruppen (siehe aber
umarmte sie. Sie, ganz in Decken verpackt, saß § 75 sowie § 77(6) und (7)):
auf der Terrasse. Er kam auf mich zu, aus vollem Er hatte(,) ohne jede Kenntnis des Vertrags-
Halse lachend. Er lief auf sie zu und umarmte sie, inhalts(,) sofort unterschrieben. Er hatte sofort
außer sich vor Freude. Sie saß auf der Terrasse, unterschrieben(,) ohne jede Kenntnis des Ver-
ganz in Decken verpackt. Die Klasse, zum Aus- tragsinhalts. Unfähig(,) einen Kompromiss
flug bereit, war auf dem Schulhof versammelt. zu schließen(,) beendete er die Verhandlung.
Wir, den Rucksack auf dem Rücken, standen vor Er beabsichtigte(,) nach seiner Ausbildung ein
dem Tor. Die Klasse war auf dem Schulhof ver- Studium aufzunehmen. Ich hoffe sehr(,) Ihnen
sammelt, zum Ausflug bereit. Wir standen vor mit dieser Auskunft geholfen zu haben(,) und
dem Tor, den Rucksack auf dem Rücken. verbleibe mit freundlichen Grüßen.
Suchen Mitarbeiter, sprachkundig und schreib- Sie kam(,) aus vollem Halse lachend(,) auf
gewandt. Mehrere Mitarbeiter, sprachkundig und mich zu. Er lief(,) außer sich vor Freude(,) auf
schreibgewandt, werden gesucht. Der November, sie zu und umarmte sie. Sie saß(,) ganz in Decken
kalt und nass, löste eine Grippe aus. verpackt(,) auf der Terrasse. Die Klasse war(,)
zum Ausflug bereit(,) auf dem Schulhof ver-
E3: In einer festen Verbindung mit einem sammelt. Wir standen(,) den Rucksack auf dem
nachgestellten Adjektiv setzt man kein Rücken(,) vor dem Tor. Er sah(,) den Spazier-
Komma. stock in der Hand(,) tatenlos zu.
Hänschen klein, Forelle blau, Whisky pur Diese Aufgabe zu lösen(,) sollte dir leichtfallen.
Durch eine Tasse Kaffee gestärkt(,) werden wir
die Arbeit fortsetzen. Darauf aufmerksam ge-
§ 78
Oft liegt es im Ermessen des Schrei- macht(,) haben wir den Fehler beseitigt.
benden, ob er etwas mit Komma als Zusatz
oder Nachtrag kennzeichnen will oder nicht. (4) Eigennamen, die einem Titel, einer
Berufsbezeichnung und dergleichen folgen
(siehe auch § 77 (2)):
Dies betrifft Der Erfinder der Buchdruckerkunst(,) Johannes
(1) Gefüge mit Präpositionen, entsprechende Gutenberg(,) wurde in Mainz geboren. Der
Wortgruppen oder Wörter: Direktor der Kinderklinik(,) Professor Dr. med.
Die Fahrtkosten(,) einschließlich D-Zug- Max Müller(,) war der Gesprächspartner. Der
Zuschlag(,) betragen 25,00 Euro. Die Fahrt- Angeklagte(,) Franz Meier(,) verweigerte die
kosten betragen 25,00 Euro(,) einschließlich Aussage. Die Hebamme des Dorfes(,) Gertrud
D-Zug-Zuschlag. Sie hatte(,) trotz aller guten Patzke(,) wurde 60 Jahre alt.
Vorsätze(,) wieder zu rauchen angefangen.
Sie hatte(,) bedauerlicherweise(,) wieder zu rau- § 79
chen angefangen. Der Kranke hatte(,) entgegen Anreden, Ausrufe oder Ausdrücke einer
ärztlichem Verbot(,) das Bett verlassen. Stellungnahme, die besonders hervorgehoben
Das war(,) nach allgemeinem Urteil(,) eine werden sollen, grenzt man mit Komma ab;
Fehlleistung. Er hatte sich(,) den ganzen Tag sind sie eingeschoben, so schließt man sie mit
paarigem Komma ein.

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§ Amtliche Regelung

Dies betrifft Zur Abgrenzung mit Punkt siehe § 67; zur


(1) Anreden: Abgrenzung mit Komma siehe § 71.
Kinder, hört doch mal zu. Hört doch mal zu,
Kinder. Hört, Kinder, doch mal zu. Du, stell Dies betrifft
dir vor, was mir passiert ist! Kommst du mit ins (1) gleichrangige, vor allem auch längere
Kino, Klaus-Dieter? Für heute sende ich dir, Hauptsätze (mit Nebensatz):
liebe Ruth, die herzlichsten Grüße.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Komma Im Hausflur war es still; ich drückte erwartungs-
oder Ausrufezeichen nach der Anrede etwa in voll auf die Klingel. Meine Freundin hatte den
Briefen siehe § 69 E3. Zug versäumt; deshalb kam sie eine halbe Stunde
zu spät. Steffen wünscht sich schon lange einen
(2) Ausrufe: Hund; aber seine Eltern dulden keine Tiere in der
Oh, wie kalt das ist! Au, das tut weh! He, was Wohnung. Die Angelegenheit ist erledigt; darum
machen Sie da? Was, du bist umgezogen? Du wollen wir nicht länger streiten. Wir müssen uns
bist umgezogen, was? So ist es, ach, nun einmal. überlegen, mit welchem Zug wir fahren wollen;
So ist es nun einmal, ach ja. Ach ja, so ist es nun wenn wir den früheren Zug nehmen, müssen wir
einmal. uns beeilen.
Aber ohne Hervorhebung: Möglich sind hier auch das schwächer ab-
Oh wenn sie doch käme! Ach lass mich doch in grenzende Komma oder der stärker abgren-
Ruhe! zende Punkt:
Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungs-
(3) Ausdrücke einer Stellungnahme wie etwa voll auf die Klingel. Im Hausflur war es still.
einer Bejahung, Verneinung, Bekräftigung Ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel.
oder Bitte: Zum hier ebenfalls möglichen Gedanken-
Ja, daran ist nicht zu zweifeln. Nein, das sollten strich siehe § 82.
Sie nicht tun, nein! Tatsächlich, das ist es. Das ist
es, tatsächlich. Leider, das hat er gesagt. Das hat (2) gleichrangige Wortgruppen gleicher
er gesagt, leider. Sie hat uns angerufen, eine gute Struktur in Aufzählungen:
Idee. Er hat, eine Unverschämtheit, uns auch Unser Proviant bestand aus gedörrtem Fleisch,
noch angerufen. Speck und Rauchschinken; Ei- und Milchpulver;
Bitte, komm doch morgen pünktlich. Komm Reis, Nudeln und Grieß.
doch, bitte, morgen pünktlich. Komm doch morgen Möglich ist hier auch das schwächer abgren-
pünktlich, bitte. Danke, ich habe schon gegessen. zende, nicht untergliedernde Komma:
Ich habe schon gegessen, danke. Unser Proviant bestand aus gedörrtem Fleisch,
Aber ohne Hervorhebung: Speck und Rauchschinken, Ei- und Milchpulver,
Bitte komm doch morgen pünktlich! Reis, Nudeln und Grieß.
Zum Ausrufezeichen siehe § 69.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Komma,
Gedankenstrich oder Doppelpunkt siehe § 82. 2.3 Doppelpunkt

§ 81
2.2 Semikolon Mit dem Doppelpunkt kündigt man
an, dass etwas Weiterführendes folgt.
§ 80
Mit dem Semikolon kann man gleich-
rangige (nebengeordnete) Teilsätze oder Wort- Zur Schreibung des ersten Wortes nach Dop-
gruppen voneinander abgrenzen. Mit dem pelpunkt siehe § 54(1) und (2).
Semikolon drückt man einen höheren Grad
der Abgrenzung aus als mit dem Komma und Dies betrifft
einen geringeren Grad der Abgrenzung als (1) wörtlich wiedergegebene Äußerungen oder
mit dem Punkt. Textstellen, wenn der Begleitsatz oder ein Teil
von ihm vorausgeht:

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Zeichensetzung §

Er sagte: „Ich komme morgen.“ Er sagte zu ihr: Sie trat in das Zimmer und sah – ihren Mann.
„Komm bitte morgen!“ Er fragte: „Kommst du Im Hausflur war es still – ich drückte erwartungs-
morgen?“ Sie sagte: „Brauchen Sie die Unter- voll auf die Klingel. Zuletzt tat er etwas, woran
lagen?“, und öffnete die Schublade. Die Zeitung niemand gedacht hatte – er beging Selbstmord.
schrieb, dass die Bahn erklären ließ: „Wir haben Plötzlich – ein vielstimmiger Schreckensruf!
die feste Absicht die Strecke stillzulegen.“ Möglich sind hier teilweise auch Doppel-
Zu den Anführungszeichen siehe § 89. punkt oder Komma:
Plötzlich: ein vielstimmiger Schreckensruf!
(2) Aufzählungen, spezielle Angaben, Plötzlich, ein vielstimmiger Schreckensruf!
Erklärungen oder dergleichen:
Er hat schon mehrere Länder besucht: Zur Möglichkeit der Wahl zwischen Gedan-
Frankreich, Spanien,Rumänien, Polen. kenstrich und Doppelpunkt siehe § 81(3).
Die Namen der Monate sind folgende:
Januar, Februar, März usw. § 83
Er hatte alles verloren: seine Frau, seine Kinder Zwischen zwei Ganzsätzen kann man
und sein ganzes Vermögen. zusätzlich zum Schlusszeichen einen
Wir stellen ein: Maschinenschlosser Gedankenstrich setzen, um – ohne einen
Reinigungskräfte neuen Absatz zu beginnen – einen Wechsel
Kraftfahrer deutlich zu machen.
Nächste Arbeitsberatung: 30.09.2006
Familienstand: ledig
Latein: befriedigend Dies betrifft
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (1) den Wechsel des Themas oder des
Gebrauchsanweisung: Man nehme jede zweite Gedankens:
Stunde eine Tablette. Wir sind nicht in der Lage diesen Wunsch zu
Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Infolge der erfüllen. – Nunmehr ist der nächste Punkt der
anhaltenden Trockenheit besteht Waldbrandgefahr. Tagesordnung zu besprechen.

(3) Zusammenfassungen des vorher Gesagten (2) den Wechsel des Sprechers:
oder Schlussfolgerungen aus diesem: Komm bitte einmal her! – Ja, ich komme sofort.
Haus und Hof, Geld und Gut: alles ist verloren.
Wer immer nur an sich selbst denkt, wer nur § 84
danach trachtet, andere zu übervorteilen, wer Mit dem Gedankenstrich grenzt man
sich nicht in die Gemeinschaft einfügen kann: Zusätze oder Nachträge ab; sind sie eingescho-
der kann von uns keine Hilfe erwarten. ben, so schließt man sie mit paarigem Gedan-
Möglich ist hier auch ein Gedankenstrich: kenstrich ein.
Haus und Hof, Geld und Gut – alles ist verloren.
Zur Möglichkeit der Wahl zwischen
Doppelpunkt, Gedankenstrich und Komma Möglich sind auch Komma (siehe § 77) oder
siehe § 82. Klammern (siehe § 86).
Dies betrifft
(1) Parenthesen:
2.4 Gedankenstrich Eines Tages – es war mitten im Sommer – hagelte es.
Eines Tages – es war mitten im Sommer! – hagelte
es. Eines Tages – war es mitten im Sommer? –
§ 82
Mit dem Gedankenstrich kündigt man hagelte es. Dieses Bild – es ist das letzte und be-
an, dass etwas Weiterführendes folgt oder dass kannteste des Künstlers – wurde nach Amerika
man das Folgende als etwas Unerwartetes ver- verkauft. Ihre Forderung – um das noch einmal zu
standen wissen will. sagen – halten wir für wenig angemessen.
Zum Komma oder zu Klammern siehe
§ 77(1) bzw. § 86(1).

85
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§ Amtliche Regelung

(2) Substantivgruppen als Nachträge § 85


(Appositionen): Ausrufe- oder Fragezeichen, die zum
Mein Onkel – ein großer Tierfreund – und seine Zusatz oder Nachtrag im paarigen Gedanken-
Katzen leben in einer alten Mühle. Wir gingen in strich gehören, setzt man vor den abschließen-
die Hütte – einen kalten Raum mit kleinen Fens- den Gedankenstrich; ein Schlusspunkt wird
tern. Wir gingen in die Hütte – einen kalten weggelassen.
Raum mit kleinen Fenstern – und zündeten ein
Feuer an. Johannes Gutenberg – der Erfinder der
Buchdruckerkunst – wurde in Mainz geboren. Satzzeichen, die zum einschließenden Satz
Zum Komma oder zu Klammern siehe gehören und daher auch bei Weglassen des
§ 77(2) bzw. § 86(2). Zusatzes oder Nachtrags stehen müssten,
dürfen nicht weggelassen werden.
(3) nachgestellte Erläuterungen, die häufig
mit also, besonders, das heißt (d. h.), das ist (d. i.), Er behauptete – so eine Frechheit! –, dass er im
genauer, insbesondere, nämlich, und das, und Kino gewesen wäre. Sie hat das – erinnerst du dich
zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder der- nicht? – gestern gesagt.
gleichen eingeleitet werden: Sie betonte – ich weiß es noch ganz genau –,
Sie isst gern Obst – besonders Apfelsinen und dass sie für einen Erfolg nicht garantieren könne.
Bananen. Obst – besonders Apfelsinen und Bana- Vgl.: Sie betonte, dass sie für einen Erfolg nicht
nen – isst sie gern. Wir erwarten dich nächste garantieren könne.
Woche – und zwar am Dienstag. Mit einem
Scheck über 2000 € – in Worten: zweitausend
Euro – hat er die Rechnung bezahlt. Er bezahlte 2.5 Klammern
mit einem Scheck über 2000 € – in Worten: zwei-
tausend Euro. § 86
Auf der Ausstellung waren viele ausländische Mit Klammern schließt man Zusätze
Maschinenhersteller – insbesondere holländische – oder Nachträge ein.
vertreten. Auf der Ausstellung waren viele aus-
ländische Maschinenhersteller – vor allem hollän-
dische Firmen – vertreten. Auf der Ausstellung Möglich sind auch Komma (siehe § 77)
waren viele ausländische – insbesondere hollän- oder Gedankenstrich (siehe § 84).
dische – Maschinenhersteller vertreten.
Zum Komma oder zu Klammern siehe Dies betrifft
§ 77(4) bzw. § 86(3). (1) Parenthesen:
Eines Tages (es war mitten im Sommer) hagelte es.
(4) Wörter oder Wortgruppen, die durch Eines Tages (es war mitten im Sommer!) hagelte es.
ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende Eines Tages (war es mitten im Sommer?) hagelte
Wortgruppe angekündigt werden: es. Dieses Bild (es ist das letzte und bekannteste
Sie – die Gärtnerin – weiß es ganz genau. des Künstlers) wurde nach Amerika verkauft.
Wir beide – du und ich – wissen das genau. Ihre Forderung (um das noch einmal zu sagen)
Das – eine Familie zu gründen – ist sein größter halten wir für wenig angemessen.
Wunsch. Zum Komma oder zum Gedankenstrich
Werden Wörter oder Wortgruppen durch siehe § 77(1) bzw. § 84(1).
ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende
Wortgruppe wieder aufgenommen, so grenzt (2) Substantivgruppen als Nachträge
man sie mit einfachem Gedankenstrich ab. (Appositionen):
Denn die Gärtnerin – die weiß das ganz genau. Mein Onkel (ein großer Tierfreund) und seine
Und du und ich – wir beide wissen das genau. Katzen leben in einer alten Mühle. Wir gingen
Eine Familie zu gründen – das ist sein größter in die Hütte (einen kalten Raum mit kleinen
Wunsch. Fenstern). Wir gingen in die Hütte (einen kalten
Zum Komma siehe § 77(5). Raum mit kleinen Fenstern) und zündeten ein

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Zeichensetzung §

Feuer an. Johannes Gutenberg (der Erfinder der § 88


Buchdruckerkunst) wurde in Mainz geboren. Ausrufe- oder Fragezeichen, die zum
Zum Komma oder zum Gedankenstrich Zusatz oder Nachtrag in Klammern gehören,
siehe § 77(2) bzw. § 84(2). setzt man vor die abschließende Klammer.

(3) nachgestellte Erläuterungen, die


häufig mit also, besonders, das heißt (d. h.), Ist der Zusatz oder Nachtrag in einen anderen
das ist (d. i.), genauer, insbesondere, nämlich, Satz einbezogen, so lässt man seinen Schluss-
und das, und zwar, vor allem, zum Beispiel punkt weg; wird er als Ganzsatz oder als selb-
(z. B.) oder dergleichen eingeleitet werden: ständige Texteinheit verstanden, so setzt man
Sie isst gern Obst (besonders Apfelsinen und den Schlusspunkt.
Bananen). Obst (besonders Apfelsinen und
Bananen) isst sie gern. Wir erwarten dich Satzzeichen, die zum einschließenden Satz
nächste Woche (und zwar am Dienstag). gehören und daher auch bei Weglassen des
Mit einem Scheck über 2000 € (in Worten: Zusatzes oder Nachtrags stehen müssten, dür-
zweitausend Euro) hat er die Rechnung fen nicht weggelassen werden.
bezahlt. Er bezahlte mit einem Scheck über
2000 € (in Worten: zweitausend Euro). Das geliehene Buch (du hast es schon drei Wochen!)
Auf der Ausstellung waren viele ausländische hast du mir noch nicht zurückgegeben. Er hat das
Maschinenhersteller (insbesondere holländische) (erinnerst du dich nicht?) gestern gesagt.
vertreten. Auf der Ausstellung waren viele aus- Damit wäre dieses Thema vorerst erledigt
ländische Maschinenhersteller (vor allem hollän- (weitere Angaben siehe Seite 145).
dische Firmen) vertreten. Auf der Ausstellung Damit wäre dieses Thema vorerst erledigt.
waren viele ausländische (insbesondere hollän- (Weitere Angaben siehe Seite 145.)
dische) Maschinenhersteller vertreten. Er sagte (dabei senkte er seine Stimme), dass
Zum Komma oder zum Gedankenstrich das nicht alle wissen müssten.
siehe § 77(4) bzw. § 84(3). „Der Staat bin ich“ (Ludwig der Vierzehnte).

(4) Worterläuterungen, geografische, systema-


tische, chronologische, biografische Zusätze 3 Anführung von Äußerungen oder Text-
und dergleichen: stellen bzw. Hervorhebung von Wörtern
Frankenthal (Pfalz) oder Textstellen: Anführungszeichen
Grille (Insekt) – Grille (Laune)
Als Hauptwerke Matthias Grünewalds § 89
gelten die Gemälde des Isenheimer Altars Mit Anführungszeichen schließt man
(vollendet 1511 oder 1515). etwas wörtlich Wiedergegebenes ein.

§ 87
Mit Klammern kann man neben ein- Dies betrifft
zelnen Ganzsätzen insbesondere auch größere (1) wörtlich wiedergegebene Äußerungen
Textteile einschließen und auf diese Weise als (direkte Rede):
selbständige Texteinheit kennzeichnen. „Es ist unbegreiflich, wie ich das hatte vergessen
können“, sagte sie. „Immer muss ich arbeiten!“,
seufzte sie. „Dass ich immer arbeiten muss!“,
Sie betonte, dass sie für den Erfolg garantieren könne. seufzte sie. Er fragte: „Kommst du morgen?“
(Ich weiß es noch ganz genau, da ich mir das notiert „Kommst du morgen?“, fragte er. Er fragte:
hatte. Und ich habe ihr diese Notiz auch gezeigt.) „Kommst du morgen?“, und verabschiedete
Aber heute will sie nichts mehr davon wissen. sich. „Du siehst“, sagte die Mutter, „recht gut
aus.“ „Wir haben die feste Absicht die Strecke
stillzulegen“, erklärte der Vertreter der Bahn,
„aber die Entscheidung der Regierung steht
noch aus.“

87
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§ Amtliche Regelung

Dies gilt auch für Beispiele wie: § 93


„Das war also Paris!“, dachte Frank. „Deine Folgt nach dem angeführten Satz der
Vermutung könnte schon zutreffen“, lächelte sie. Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so setzt man
nach dem abschließenden Anführungszeichen
(2) wörtlich wiedergegebene Textstellen ein Komma.
(Zitate): Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz
Über das Ausscheidungsspiel berichtete ein eingeschoben, so schließt man ihn mit paari-
Journalist: „Das Stadion glich einem Hexenkessel. gem Komma ein.
Das Publikum stürmte auf das Spielfeld und be-
drohte den Schiedsrichter.“
Zum Doppelpunkt siehe § 81(1). „Ich komme gleich wieder“, versicherte sie. „Komm
bald wieder!“, rief sie. „Wann kommst du wieder?“,
rief sie. Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und
§ 90
Satzzeichen, die zum wörtlich Wieder- holte die Unterlagen. Sie fragte: „Brauchen Sie die
gegebenen gehören, setzt man vor das ab- Unterlagen?“, und öffnete die Schublade.
schließende Anführungszeichen; Satzzeichen, „Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkom-
die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach men.“ „Kommst du wirklich“, fragte sie, „erst
dem abschließenden Anführungszeichen. morgen Abend?“

§ 94
Im Einzelnen gilt: Mit Anführungszeichen kann man
Wörter oder Teile innerhalb eines Textes
hervorheben und in bestimmten Fällen deut-
§ 91
Sowohl der angeführte Satz als auch lich machen, dass man zu ihrer Verwendung
der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Stellung nimmt, sich auf sie bezieht.
Fragezeichen.

Dies betrifft
„Du kommst jetzt!“, rief sie. „Kommst du (1) Überschriften, Werktitel (etwa von Büchern
morgen?“, fragte er. Du solltest ihm sagen: „Ich und Theaterstücken), Namen von Zeitungen
kann das auf keinen Fall akzeptieren“! Hast du und dergleichen:
gesagt: „Ich kann das auf keinen Fall akzeptie- Sie las den Artikel „Staatliche Schulen testen
ren“? Sag ihm: „Ich habe keine Zeit!“! Fragtest Einheitskleifung“ im „Spiegel“. Sie liest Heinrich
du: „Wann beginnt der Film?“? Bölls Roman „Wo warst du, Adam?”. Kennst du
den Roman „Wo warst du, Adam?“? Wir lesen
gerade den „Kaukasischen Kreidekreis“ von Brecht.
§ 92
Beim angeführten Satz lässt man den Zur Groß- und Kleinschreibung siehe § 53 E2.
Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder
im Innern des Ganzsatzes steht. (2) Sprichwörter, Äußerungen und dergleichen,
zu denen man kommentierend Stellung neh-
men will:
Beim Begleitsatz lässt man den Schlusspunkt Das Sprichwort „Eile mit Weile“ hört man oft.
weg, wenn der angeführte Satz oder ein Teil „Aller Anfang ist schwer“ ist nicht immer ein hilf-
von ihm am Ende des Ganzsatzes steht. reicher Spruch.
Sein kritisches „Der Wein schmeckt nach Essig“
„Ich komme morgen“, versicherte sie. Sie sagte: „Ich ärgerte den Kellner. Ihr bittendes „Kommst du
komme gleich wieder“, und holte die Unterlagen. morgen?“ stimmte mich um. Seine ständige Ent-
Die Bahn erklärte: „Wir haben die feste schuldigung „Ich habe keine Zeit!“ ist wenig
Absicht, die Strecke stillzulegen.“ Sie versicherte: glaubhaft. Mich nervt sein dauerndes „Ich kann
„Ich komme morgen!“ Er rief: „Du kommst jetzt!“ nicht mehr!“.
Er fragte: „Kommst du?“ „Komm bitte“, sagte er, Textteile dieser Art werden nicht mit Kom-
„morgen pünktlich.“ ma abgegrenzt. Im Übrigen gilt § 90 bis § 92.

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Zeichensetzung §

(3) Wörter oder Wortgruppen, über die man Dies betrifft


eine Aussage machen will: (1) Eigennamen, deren Grundform (Nomina-
Das Wort „fälisch“ ist gebildet in Anlehnung an tivform) auf einen s-Laut (geschrieben: -s, -ss,
West„falen“. Der Begriff „Existenzialismus“ wird -ß, -tz, -z, -x, -ce) endet, bekommen im Ge-
heute vielfältig verwendet. Alle seine Freunde nitiv den Apostroph, wenn sie nicht einen
nannten ihn „Dickerchen“. Die Präposition „ohne“ Artikel, ein Possessivpronomen oder derglei-
verlangt den Akkusativ. chen bei sich haben:
Aristoteles’ Schriften, Carlos’ Schwester, Ines’
(4) Wörter oder Wortgruppen, die man anders gute Ideen, Felix’ Vorschlag, Heinz’ Geburtstag,
als sonst – etwa ironisch oder übertragen – Alice’ neue Wohnung
verstanden wissen will:
Und du willst ein „treuer Freund“ sein? Für die- E1: Aber ohne Apostroph:
sen „Liebesdienst“ bedanke ich mich. Er bekam die Schriften des Aristoteles, die Schwester
wieder einmal seine „Grippe“. Sie sprang diesmal des Carlos, der Geburtstag unseres kleinen
„nur“ 6,60 Meter. Heinz

E2: Der Apostroph steht auch, wenn -s, -z,


§ 95
Steht in einem Text mit Anführungs- -x usw. in der Grundform stumm sind:
zeichen etwas ebenfalls Angeführtes, so kenn- Cannes’ Filmfestspiele, Boulez’ bedeutender
zeichnet man dies durch die so genannten Beitrag, Giraudoux’ Werke
halben Anführungszeichen.
(2) Wörter mit Auslassungen, die ohne Kenn-
zeichnung schwer lesbar oder missverständlich
Die Zeitung schrieb: „Die Bahn hat bereits im sind:
Frühjahr erklärt: ,Wir haben die feste Absicht die In wen’gen Augenblicken … ’s ist schade um ihn.
Strecke stillzulegen‘, und sie hat das auf Anfrage Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll.
gestern noch einmal bestätigt.“ „Das war ein Satz
aus Bölls ,Wo warst du, Adam?‘, den viele nicht (3) Wörter mit Auslassungen im Wortinneren
kennen“, sagte er. wie:
D’dorf (= Düsseldorf), M’gladbach (= Mönchen-
gladbach), Ku’damm (= Kurfürstendamm)
4 Markierung von Auslassungen
§ 97
4.1 Apostroph Man kann den Apostroph setzen,
wenn Wörter gesprochener Sprache mit
Mit dem Apostroph zeigt man an, dass man in Auslassungen bei schriftlicher Wiedergabe
einem Wort einen Buchstaben oder mehrere undurchsichtig sind.
ausgelassen hat.

Zu unterscheiden sind: der Käpt’n, mit’m Fahrrad Bitte, nehmen S’ (= Sie)


a) Gruppen, bei denen man den Apostroph doch Platz! Das war ’n (= ein) Bombenerfolg!
setzen muss (siehe § 96),
b) Gruppen, bei denen der Gebrauch des E: Von dem Apostroph als Auslassungs-
Apostrophs dem Schreibenden freigestellt zeichen zu unterscheiden ist der gelegent-
ist (siehe § 97). liche Gebrauch dieses Zeichens zur
Verdeutlichung der Grundform eines
Personennamens vor der Genitivendung -s
§ 96
Man setzt den Apostroph in drei oder vor dem Adjektivsuffix -sch:
Gruppen von Fällen. Carlo’s Taverne, Einstein’sche Relativitätstheorie
Zur Schreibung der adjektivischen Ablei-
tungen von Personennamen auf -sch siehe
auch § 49 und § 62.

89
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§ Amtliche Regelung

4.2 Ergänzungsstrich Vollständiger Text:


In einem Buch heißt es: „Die zahlreichen Übungen
sind konkret auf das abgestellt, was vorher behan-
§ 98
Mit dem Ergänzungsstrich zeigt delt worden ist. Sie liefern in der Regel Material,
man an, dass in Zusammensetzungen oder mit dem selbst gearbeitet und an dem geprüft wer-
Ableitungen einer Aufzählung ein gleicher den kann, ob das, was vorher dargestellt wurde,
Bestandteil ausgelassen wurde, der sinngemäß verstanden worden ist oder nicht. Die im Anhang
zu ergänzen ist. zusammengestellten Lösungen machen eine unmit-
telbare Kontrolle der eigenen Lösungen möglich.“
Mit Auslassung:
Zum Bindestrich wie in A-Dur siehe § 40ff. In einem Buch heißt es: „Die … Übungen …
liefern … Material, mit dem selbst gearbeitet …
Dies betrifft werden kann … Die … Lösungen machen
(1) den letzten Bestandteil: eine … Kontrolle … möglich.“
Haupt- und Nebeneingang (= Haupteingang und
Nebeneingang); Eisenbahn-, Straßen-, Luft- § 100
und Schiffsverkehr; vitamin- und eiweißhaltig, Stehen die Auslassungspunkte am
saft- und kraftlos, ein- und ausladen Ende eines Ganzsatzes, so setzt man keinen
Natur- und synthetische Gewebe, Standard- Satzschlusspunkt.
und individuelle Lösungen; fertig- und zuwege
bringen; (in umgekehrter Abfolge:) synthetische
und Naturgewebe, individuelle und Standard- Ich habe die Nase voll und …
lösungen; zuwege und fertigbringen Diese Szene stammt doch aus dem Film
„Die Wüste lebt“ …
(2) den ersten Bestandteil: Mit „Es war einmal …“ beginnen viele Märchen.
Verkehrslenkung und -überwachung (= Verkehrs- Viele Märchen beginnen mit den Worten:
lenkung und Verkehrsüberwachung); Schulbücher, „Es war einmal …“
-hefte, -mappen und -utensilien; heranführen oder Aber: Verflixt! Ich habe die Nase voll und …!
-schleppen, bergauf und -ab
Mozart-Symphonien und -Sonaten (= Mozart-
Symphonien und Mozart-Sonaten) 5 Kennzeichnung der Wörter bestimmter
Gruppen
(3) den letzten und den ersten Bestandteil:
Textilgroß- und -einzelhandel (= Textilgroßhandel 5.1 Punkt
und Textileinzelhandel), Eisenbahnunter- und
-überführungen
§ 101
Werkzeugmaschinen-Import- und -Export- Mit dem Punkt kennzeichnet man
geschäfte bestimmte Abkürzungen (abgekürzte Wörter).

4.3 Auslassungspunkte Dies betrifft Fälle wie:


Tel. (= Telefon), Ztr. (= Zentner), v. (= von),
Bd. (= Band), Bde. (= Bände), Ms. (= Manu-
§ 99
Mit drei Punkten (Auslassungspunkten) skript), Jg. (= Jahrgang), Jh. (= Jahrhundert),
zeigt man an, dass in einem Wort, Satz oder Jh.s (= des Jahrhunderts), f. (= folgende Seite),
Text Teile ausgelassen worden sind. ff. (= folgende Seiten); lfd. Nr. (= laufende Num-
mer), z. B. (= zum Beispiel), u. A. w. g. (= um
Antwort wird gebeten); Weißenburg i. Bay.
Du bist ein E…! Scher dich zum …! (= Weißenburg in Bayern), Bad Homburg v. d. H.
„… ihm nicht weitersagen“, hörte er ihn (= Bad Homburg vor der Höhe); Reg.-Rat
gerade noch sagen. Der Horcher an der Wand … (= Regierungsrat), Masch.-Schr. (= Maschinen-
schreiben); Abt.-Leiter (= Abteilungsleiter),

90
040-093 WDR_Regelwerk_09.qxd 13.05.2006 15:56 Uhr Seite 91

Zeichensetzung §

Rechnungs-Nr. (= Rechnungsnummer); Tsd. Sein Vater ist Regierungsrat a. D.


(= Tausend), Mio. (= Million(en)), Mrd. Aber: Ist sein Vater Regierungsrat a. D.?
(= Milliarde(n))
Dr. med., stud. med., stud. phil., a. D., h. c. § 104
Mit dem Punkt kennzeichnet man
Zahlen, die in Ziffern geschrieben sind, als
§ 102
Bestimmte Abkürzungen, Kurzwörter Ordinalzahlen.
und dergleichen stehen üblicherweise ohne
Punkt.
der 2. Weltkrieg, der II. Weltkrieg; Sonntag, den
20. November; Friedrich II., König von Preußen;
Dies betrifft die Regierung Friedrich Wilhelms III. (des Dritten)
(1) Abkürzungen, die national oder interna-
tional festgelegt sind, wie etwa Abkürzungen
§ 105
Am Ende eines Ganzsatzes setzt man
(1.1) für Maße in Naturwissenschaft und nach Ordinalzahlen, die in Ziffern geschrieben
Technik nach dem internationalen sind, nur einen Punkt.
Einheitensystem:
m (= Meter), g (= Gramm), km/h (= Kilometer
pro Stunde), s (= Sekunde), A (= Ampere), Hz Der König von Preußen hieß Friedrich II.
(= Hertz) Aber: Wann regierte Friedrich II.?

(1.2) für Himmelsrichtungen:


NO (= Nordost), SSW (= Südsüdwest) 5.2 Schrägstrich

(1.3) für bestimmte Währungsbezeichnungen: § 106


EUR (= Euro) Mit dem Schrägstrich kennzeichnet
man, dass Wörter (Namen, Abkürzungen),
(2) so genannte Initialwörter und Kürzel: Zahlen oder dergleichen zusammengehören.
BGB (= Bürgerliches Gesetzbuch), TÜV (= Tech-
nischer Überwachungsverein), Na (= Natrium;
so alle chemischen Grundstoffe); Dies betrifft
des PKW(s), die EKG(s), Kfz-Papiere, FKKler, (1) die Angaben mehrerer (alternativer)
U-Bahn Möglichkeiten im Sinne einer Verbindung mit
und, oder, bzw., bis oder dergleichen:
E1: Ohne Punkt stehen teilweise auch fach- die Schüler /Schülerinnen der Realschule, das
sprachliche Abkürzungen wie: Semikolon /der Strichpunkt als stilistisches
RücklVO (= Rücklagenverordnung), LArbA Zeichen, Männer/Frauen /Kinder; Abfahrt vom
(= Landesarbeitsamt) Dienstort / Wohnort, die Rundfunkgebühren für
Januar / Februar / März, Montag / Dienstag,
E2: In einigen Fällen gibt es Doppelformen. Wien / Heidelberg 1996, September/Oktober-Heft
Co. / Co (ko) (= Companie), M. d. B. / MdB (auch September-Oktober-Heft; siehe § 44)
(= Mitglied des Bundestages), G.m.b.H. /GmbH die Koalition CDU /FDP, die SPÖ/ÖVP-
(= Gesellschaft mit beschränkter Haftung); Koalition
WW/Wirk. Wort (= Wirkendes Wort; Titel das Wintersemester 2005/06, am 9./10. De-
einer Zeitschrift), AA /Ausw. Amt (= Auswär- zember 2005
tiges Amt)
(2) die Gliederung von Adressen, Telefon-
§ 103 nummern, Aktenzeichen, Rechnungsnum-
Am Ende eines Ganzsatzes setzt man mern, Diktatzeichen und dergleichen:
nach Abkürzungen nur einen Punkt. Linzer Straße 67/I/5-6, 0621/1581-0,
Az III/345/5, Re-Nr 732/24, me/la

91
040-093 WDR_Regelwerk_09.qxd 13.05.2006 15:56 Uhr Seite 92

§ Amtliche Regelung

(3) die Angabe des Verhältnisses von Zahlen Beispiele:


oder Größen im Sinne einer Verbindung mit Heim-weg, Schul-hof, Week-end; Ent-wurf, Er-
je/pro: trag, Ver-lust, voll-enden, Dia-gramm, Re-print,
im Durchschnitt 80 km/h, 1000 Einwohner/km2 syn-chron, Pro-gramm, At-traktion, kom-plett,
In-stanz

F Worttrennung am Zeilenende 2 Trennung mehrsilbiger einfacher und


suffigierter Wörter
Die Worttrennung am Zeilenende dient dazu,
den vorhandenen Platz bei einem geschriebe- Bei der Trennung mehrsilbiger einfacher und
nen Text optimal zu nutzen. Getrennt werden suffigierter Wörter treten folgende Fälle auf:
können nur mehrsilbige Wörter.
– es steht kein Konsonantenbuchstabe an
der Silbengrenze: Bauer, Eier, Pleuel (siehe
§ 107
Mehrsilbige Wörter kann man am § 109)
Ende einer Zeile trennen. Dabei stimmen
die Grenzen der Silben, in die man die – es stehen ein oder mehrere Konsonanten-
geschriebenen Wörter bei langsamem Vor- buchstaben an der Silbengrenze: Liebe,
lesen zerlegen kann, gewöhnlich mit den Heimat, eigen; atmen, Berge, knusprig
Trennstellen überein. (siehe § 110 bis § 112)

§ 109
Beispiele: Zwischen Vokalbuchstaben, die zu
Bau-er, Ei-er, steu-ern, na-iv, Mu-se-um, verschiedenen Silben gehören, kann getrennt
in-di-vi-du-ell; eu-ro-pä-i-sche, Ru-i-ne, werden.
na-ti-o-nal, Fa-mi-li-en; Haus-tür, Be-fund,
ehr-lich
Beispiele:
E1: Einzelne Vokalbuchstaben am Wort- Bau-er, Ei-er, europä-ische, Famili-en, Foli-en,
anfang oder -ende werden nicht abgetrennt, freu-en, individu-ell, Knäu-el, klei-ig, Lai-en,
auch nicht bei Komposita, zum Beispiel: Mani-en, Muse-um, na-iv, nati-onal, re-ell,
Abend, Kleie, Ju-li-abend, Bio-müll Ru-ine, Spi-on, steu-ern

E2: Irreführende Trennungen bzw. Tren- § 110


nungen, die beim Lesen die Sinnerfassung Steht in einfachen oder suffigierten
stören, sollten vermieden werden, Wörtern zwischen Vokalbuchstaben ein ein-
zum Beispiel: zelner Konsonantenbuchstabe, so kommt er
An-alphabet (nicht: Anal-phabet), bei der Trennung auf die neue Zeile. Stehen
Sprech-erziehung (nicht: Sprecher-ziehung), mehrere Konsonantenbuchstaben dazwischen,
Ur-instinkt (nicht: Urin-stinkt) so kommt nur der letzte auf die neue Zeile.

1 Trennung zusammengesetzter Beispiele:


und präfigierter Wörter Au-ge, Bre-zel, He-xe, bei-ßen, Rei-he;
Trai-ning, trau-rig, nei-disch, Hei-mat;
El-tern, Gar-be, Hop-fen, ros-ten, Wüs-te,
§ 108
Zusammensetzungen und Wörter leug-nen, sin-gen, sin-ken, sit-zen, Städ-te;
mit Präfix trennt man zwischen den einzelnen Bag-ger, Wel-le, Kom-ma, ren-nen, Pap-pe,
Bestandteilen. müs-sen, beis-sen (wenn ss statt ß, vgl. § 25 E2
und E3), Drit-tel;

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040-093 WDR_Regelwerk_09.qxd 13.05.2006 15:56 Uhr Seite 93

Worttrennung am Zeilenende §

zän-kisch, Ach-tel, Rech-ner, ber-gig, wid-rig,


eif-rig, Ar-mut, freund-lich, sechs-te;
imp-fen, Karp-fen, dunk-le; knusp-rig,
Kanz-ler

§ 111
Stehen Buchstabenverbindungen wie
ch, sch; ph, rh, sh oder th für einen Konsonanten,
so trennt man sie nicht. Dasselbe gilt für ck.

Beispiele:
la-chen, wa-schen, Deut-sche; Sa-phir, Myr-rhe,
Fa-shion, Zi-ther; bli-cken, Zu-cker

§ 112
In Fremdwörtern können die Verbin-
dungen aus Buchstaben für einen Konsonanten
+ l, n oder r entweder entsprechend § 110
getrennt werden, oder sie kommen ungetrennt
auf die neue Zeile.

Beispiele:
nob-le/no-ble, Zyk-lus/Zy-klus, Mag-net/Ma-
gnet, Feb-ruar/Fe-bruar, Hyd-rant/Hy-drant,
Arth-ritis/Ar-thritis

3 Besondere Fälle

§ 113
Wörter, die sprachhistorisch oder von
der Herkunftssprache her gesehen Zusammen-
setzungen oder Präfigierungen sind, aber nicht
mehr als solche empfunden oder erkannt
werden, kann man entweder nach § 108 oder
nach § 109 bis § 112 trennen.

Beispiele:
hin-auf / hi-nauf, her-an / he-ran, dar-um /
da-rum, war-um / wa-rum;
Chrys-antheme / Chry-santheme, Hekt-ar /
Hek-tar, Heliko-pter / Helikop-ter, inter-essant /
inte-ressant, Lin-oleum / Li-noleum, Päd-agogik /
Pä-dagogik

93
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Rechtschreibung 2006: Was ist neu?


Die folgende Darstellung gibt anhand von Beispielen und knapp gehaltenen Erläuterungen einen
Überblick über die Änderungen in der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung, die
auf Vorschlag des Rats für deutsche Rechtschreibung von der deutschen Kultusministerkonferenz
am 2.3.2006 beschlossen worden sind. Änderungen betreffen die Bereiche

1 Getrennt- und Zusammenschreibung


2 Groß- und Kleinschreibung
3 Zeichensetzung
4 Worttrennung am Zeilenende

Keine Änderungen gibt es gegenüber der Regelung von 2004 in den Bereichen Laut-Buchstaben-
Zuordnungen und Schreibung mit Bindestrich.

1. Getrennt– und Zusammenschreibung

1.1 Verbindungen aus Partikel und Verb

Bisher mussten zusammengesetzte Adverbien wie aufeinander-, vorwärts- oder Adverbien wie
quer- vom Verb getrennt geschrieben werden. Diese werden nun mit dem Verb zusammen-
geschrieben, wenn sie in dieser Verbindung den Hauptakzent tragen (➔ § 34 (1.2)). In einigen
Fällen bleibt es dem Schreibenden überlassen, ob er getrennt oder zusammenschreibt.

Schreibung 2004 Schreibung 2006


abseits stehen abseitsstehen
abwärts fahren abwärtsfahren
aneinander fügen aneinanderfügen
aneinander geraten aneinandergeraten
aneinander grenzen aneinandergrenzen
aneinander reihen aneinanderreihen
aufeinander folgen aufeinanderfolgen /aufeinander folgen
aufeinander legen aufeinanderlegen
aufeinander prallen aufeinanderprallen
aufeinander stapeln aufeinanderstapeln
aufeinander treffen aufeinandertreffen
aufwärts fahren aufwärtsfahren
auseinander gehen auseinandergehen
auseinander halten auseinanderhalten
auseinander leben auseinanderleben
auseinander nehmen auseinandernehmen
auseinander setzen auseinandersetzen (sich mit etwas auseinan-
dersetzen; zwei Schüler auseinandersetzen)

107
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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Schreibung 2006


beieinander bleiben beieinanderbleiben
beieinander sitzen beieinandersitzen
daheim bleiben daheimbleiben
dort bleiben dortbleiben
draußen bleiben draußenbleiben
drinnen bleiben drinnenbleiben
durcheinander bringen durcheinanderbringen
durcheinander reden durcheinanderreden
gegeneinander drücken gegeneinanderdrücken
gegeneinander prallen gegeneinanderprallen
hier behalten hierbehalten
hier bleiben hierbleiben
hintereinander schalten hintereinanderschalten
ineinander fließen ineinanderfließen
ineinander greifen ineinandergreifen
nebeneinander legen nebeneinanderlegen
nebeneinander liegen nebeneinanderliegen
nebeneinander setzen nebeneinandersetzen
nebeneinander sitzen nebeneinandersitzen
quer lesen querlesen
quer stellen querstellen (sich querstellen,
aber: etwas quer (in den Weg) stellen)
rückwärts gehen rückwärtsgehen
übereinander legen übereinanderlegen
übereinander schlagen übereinanderschlagen
vorwärts bringen vorwärtsbringen
vorwärts drängen vorwärtsdrängen
vorwärts gehen vorwärtsgehen
wieder aufführen wiederaufführen / wieder aufführen
wieder aufnehmen wiederaufnehmen / wieder aufnehmen
wieder einführen wiedereinführen / wieder einführen
wieder eingliedern wiedereingliedern / wieder eingliedern
wieder einsetzen wiedereinsetzen / wieder einsetzen
wieder einstellen wiedereinstellen / wieder einstellen
wiedereröffnen wiedereröffnen / wieder eröffnen
wiederverheiraten wiederverheiraten / wieder verheiraten
zueinander finden zueinanderfinden /zueinander finden
zueinander passen zueinanderpassen /zueinander passen

108
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Getrennt– und Zusammenschreibung ?

Eine Reihe von Verbpartikeln hat die Eigenschaft von frei vorkommenden Wörtern verloren. Die
Liste dieser Partikeln wurde um die Wortbestandteile abhanden-, anheim-, überhand-, vonstatten-,
vorlieb-, zugute-, zuteil-, zupass-, erweitert. Damit ergeben sich gegenüber 2004 u. a. folgende
neue Zusammenschreibungen. (➔ § 34 (1.3)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


abhanden kommen abhandenkommen
anheim fallen anheimfallen
anheim stellen anheimstellen
überhand nehmen überhandnehmen
vonstatten gehen vonstattengehen
vorlieb nehmen vorliebnehmen
zugute halten zugutehalten
zugute kommen zugutekommen
zunichte machen zunichtemachen
zupass kommen zupasskommen
zuteil werden zuteilwerden

1.2 Verbindungen aus Adjektiv und Verb (übertragene Bedeutung)

Wenn sich aus einer Verbindung aus Adjektiv und Verb eine neue übertragene Gesamtbedeutung
ergibt, die sich nicht aus den Bedeutungen ihrer einzelnen Bestandteile erschließen lässt, gilt nun
Zusammenschreibung (§ 34 (2.2)):

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


allein stehen ohne Unterstützung, ohne alleinstehen
Partner sein
Bankrott gehen Bankrott machen bankrottgehen
bereit finden (sich) seine Bereitschaft bekunden bereitfinden (sich)
breit machen (sich) viel Platz in Anspruch breitmachen (sich)
nehmen; sich ausbreiten
(Angst)
falsch spielen betrügen falschspielen
fertig bekommen zustande bringen; über sich fertigbekommen
bringen
fertig bringen zustande bringen; über sich fertigbringen
bringen
fertig machen quälen, zermürben fertigmachen
flüssig machen Werte in Geld umwandeln flüssigmachen
glatt gehen klappen glattgehen
groß schreiben besonders betonen großschreiben

109
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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


gut tun ein Wohlgefühl erzeugen guttun
heilig sprechen zum Heiligen erklären heiligsprechen
höher gruppieren in eine höhere Gehaltsgruppe höhergruppieren
einstufen
kalt lassen keine Gemütsregung kaltlassen
verspüren
klar machen verdeutlichen klarmachen
klar sehen etwas verstehen klarsehen
krumm legen (sich) große Anstrengungen krummlegen (sich)
unternehmen
kürzer treten weniger arbeiten kürzertreten
lahm legen zum Stillstand bringen lahmlegen
leicht fallen wenig Mühe machen leichtfallen
leicht nehmen keine große Bedeutung leichtnehmen
beimessen
leicht tun (sich) keine Probleme haben mit etw. leichttun (sich)
mürbe machen zermürben (Person) mürbemachen
nahe bringen erklären, vertraut machen nahebringen
nahe gehen seelisch berühren nahegehen
nahe kommen (sich) miteinander vertraut werden nahekommen (sich)
nahe legen jmdm. etwas empfehlen nahelegen
nahe liegen plausibel sein naheliegen
nahe stehen (jmdm.; sich) vertraut sein nahestehen (jmdm.; sich)
offen bleiben ungelöst bleiben offenbleiben
offen halten (sich etwas) nicht ausschließen wollen offenhalten (sich etwas)
offen legen Einblick gewähren offenlegen
Pleite gehen Bankrott machen pleitegehen
rar machen (sich) selten erscheinen rarmachen (sich)
richtig liegen recht haben richtigliegen
richtig stellen korrigieren richtigstellen
ruhig stellen durch Medikamente ruhigstellen
beruhigen
satt haben einer Sache überdrüssig sein satthaben
scharf machen aufhetzen; angriffslustig scharfmachen
machen (Hund)
schief gehen misslingen schiefgehen
schwarz ärgern (sich) sich sehr ärgern schwarzärgern (sich)
schwarz sehen pessimistisch sein schwarzsehen

110
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Getrennt– und Zusammenschreibung ?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


schwer fallen Mühe verursachen schwerfallen
schwer tun (sich) sich abmühen schwertun (sich)
selig sprechen zum Seligen erklären seligsprechen
stark machen (sich) sich für etwas/jmdn. einsetzen starkmachen (sich)
tiefer legen die Karosserie absenken tieferlegen
verrückt spielen außer Kontrolle geraten verrücktspielen
wach halten / wachhalten in der Erinnerung behalten wachhalten
warm halten / warmhalten sich jmdn. gewogen halten warmhalten
weich klopfen jmdn. so lange traktieren, bis weichklopfen
er in etwas einwilligt
wichtig machen (sich) sich hervortun wichtigmachen (sich)
wohl tun ein Wohlbefinden erzeugen wohltun
wohl wollen jmdm. freundlich gesinnt sein wohlwollen
zufrieden geben (sich) sich mit etwas begnügen zufriedengeben (sich)
zufrieden lassen in Ruhe lassen zufriedenlassen

In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Entscheidung darüber fällen, ob eine wörtliche oder
übertragene Bedeutung vorliegt. In diesen Fällen bleibt es dem Schreibenden überlassen, ob
getrennt oder zusammengeschrieben werden soll (➔ § 34 E5):

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


bekannt geben verkünden, informieren bekanntgeben/ bekannt geben
bekannt machen vorstellen; verkünden; bekanntmachen / bekannt
informieren machen
bekannt werden öffentlich werden; bekanntwerden / bekannt
Bekanntschaft machen werden
bereit erklären (sich) bereiterklären / bereit erklären
(sich)
bereitmachen (sich) bereitmachen / bereit machen
(sich)
blank liegen (Nerven) blankliegen / blank liegen
fein machen (sich) sich schick anziehen feinmachen / fein machen
(sich)
fertig stellen beenden fertigstellen / fertig stellen
fertig werden mit etwas / jmdm. umgehen fertigwerden / fertig werden
können
freibekommen Urlaub erhalten freibekommen / frei
bekommen

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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


freigeben den Unterricht erlassen freigeben / frei geben
freihaben freie Zeit haben freihaben / frei haben
freihalten keine Termine auf einen best. freihalten / frei halten
Zeitraum legen (auch: sich den Rücken
freihalten / frei halten;
aber nur: die Ausfahrt / den
Platz frei halten)
freinehmen einen kurzen Urlaub nehmen freinehmen/ frei nehmen
frisch machen (sich) frischmachen / frisch machen
(sich)
gering schätzen nicht viel von jmdm., halten geringschätzen / gering
schätzen
gut gehen gut verlaufen, gelingen; gutgehen / gut gehen (auch:
gesund sein; sich gut es sich gutgehen / gut gehen
verkaufen (Ware) lassen)
hoch schätzen besonders schätzen hochschätzen/ hoch
schätzen
klar werden Klarheit gewinnen klarwerden / klar werden
laut werden lautstark durchgreifen lautwerden / laut werden
leicht machen sich wenig Mühe geben leichtmachen / leicht
machen
lieb gewinnen zu mögen beginnen liebgewinnen / lieb gewinnen
schlecht gehen nicht, nur schwer gelingen; schlechtgehen /schlecht gehen
krank sein; sich nur schwer
verkaufen lassen (Ware)
schwach werden einer Versuchung nachgeben schwachwerden / schwach
werden
schwer machen Schwierigkeiten bereiten schwermachen / schwer
machen
übel nehmen etwas negativ anrechnen übelnehmen / übel nehmen
verloren geben einen Verlust / eine Niederlage verlorengeben / verloren geben
eingestehen
verloren gehen abhandenkommen; verlorengehen / verloren gehen
besiegt werden
wach liegen nicht einschlafen können wachliegen / wach liegen

1.3 Verbindungen aus Adjektiv und Verb (resultative Bedeutung)

Sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung ist möglich, wenn das Adjektiv das Ergebnis der
Tätigkeit bezeichnet, die das Verb ausdrückt, z. B. ein Brett glatt hobeln oder glatthobeln (das Brett
ist als Ergebnis der Tätigkeit glatt). Man spricht hier von resultativen Prädikativen (➔ § 34 (2.1)):

112
107-121_WDR_wasistneu_08.qxd 13.05.2006 16:43 Uhr Seite 113

Getrennt– und Zusammenschreibung ?


Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006
blank polieren blank polieren / blankpolieren
blau färben blau färben / blaufärben
bloßlegen von Hüllen oder deckenden bloß legen / bloßlegen
Schichten befreien
dick machen dick machen / dickmachen
fertig machen zu Ende bearbeiten fertig machen / fertigmachen
flüssig machen verflüssigen (z. B. Wachs) flüssig machen/flüssigmachen
freibekommen (Gefangene, Geiseln) frei bekommen / freibekommen
freilassen aus Gefangenschaft entlassen frei lassen / freilassen
freilegen von Hüllen oder deckenden frei legen / freilegen
Schichten befreien
freimachen ablegen (Kleider) frei machen / freimachen
frei machen zugänglich machen; sich von frei machen / freimachen
etwas lösen
freischaufeln (Weg) frei schaufeln / freischaufeln
gar kochen Kartoffeln g. k. gar kochen / garkochen
gerade biegen einen Draht g. b. gerade biegen / geradebiegen
gesund pflegen gesund pflegen / gesundpflegen
glatt hobeln glatt hobeln / glatthobeln
hart kochen hart kochen / hartkochen
kahl fressen kahl fressen / kahlfressen
kalt stellen in den Kühlschrank stellen kalt stellen / kaltstellen
kaputtmachen zerstören kaputt machen / kaputt-
machen
klein machen zerkleinern; Geld wechseln; klein machen / kleinmachen
sich k.m.: in die Knie gehen
klein schneiden klein schneiden / klein-
schneiden
krumm machen krumm machen / krumm-
machen (auch: keinen Finger
krumm machen / krumm-
machen)
lang ziehen lang ziehen / langziehen (auch:
jmdm. die Ohren lang ziehen/
langziehen)
leer essen leer essen / leeressen
leer fegen leer fegen / leerfegen
nass spritzen nass spritzen / nassspritzen
ruhig stellen fixieren (Gelenk) ruhig stellen / ruhigstellen

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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


sauber machen sauber machen / saubermachen
scharf machen scharf würzen; schärfen scharf machen / scharfmachen
(Messer); zündbereit machen
(Waffe, Bombe)
scheu machen scheu machen / scheumachen
(auch: die Pferde scheu
machen / scheumachen)
schräg stellen schräg stellen / schrägstellen
steif schlagen (Sahne, Eischnee) steif schlagen / steifschlagen
strammziehen festziehen, spannen stramm ziehen / strammziehen
(auch: jmdm. den Hosenboden
stramm ziehen / strammziehen)
trockenwischen durch Wischen trocknen trocken wischen / trocken-
wischen
wachrütteln durch Rütteln wecken wach rütteln / wachrütteln
wahr machen verwirklichen wahr machen / wahrmachen
warm stellen warm stellen / warmstellen
weich klopfen so lange klopfen, bis etwas weich klopfen / weichklopfen
weich wird
weich kochen so lange kochen, bis es weich kochen / weichkochen
weich wird
wund laufen wund laufen / wundlaufen
(auch: sich die Hacken / Fersen
wund laufen / wundlaufen)
wund schreiben wund schreiben / wundschrei-
ben (sich die Finger wund
schreiben / wundschreiben)

Eine Sondergruppe bilden Verbindungen mit fest, voll und tot (festhalten, totschlagen, volltanken).
Da es sich um Adjektive handelt, die zahlreiche Verbindungen mit Verben eingehen (Reihen-
bildung: volltanken, vollfüllen, vollschenken usw.) und die oft idiomatisiert sind, ist fast ausschließ-
lich die Zusammenschreibung belegt. Gegenüber der Schreibung 2004 ergeben sich u. a. folgende
neue Zusammenschreibungen:

Schreibung 2004 Schreibung 2006


voll gießen vollgießen
voll kritzeln vollkritzeln
voll laufen volllaufen
voll machen vollmachen
voll schenken vollschenken
voll spritzen vollspritzen

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Getrennt– und Zusammenschreibung ?

Schreibung 2004 Schreibung 2006


voll stellen vollstellen
voll stopfen vollstopfen
voll tanken volltanken

1.4 Verbindungen aus Verb und Verb

Verbindungen aus Verb und Verb werden grundsätzlich getrennt geschrieben. Verbindungen
mit bleiben oder lassen als zweitem Bestandteil können nun auch zusammengeschrieben werden,
sofern sich die Gesamtbedeutung der Verbindung nicht aus den Bedeutungen ihrer Einzelbestand-
teile erschließen lässt (Idiomatisierung). Einen Sonderfall bildet die Verbindung kennen lernen /
kennenlernen. Sie darf in jedem Fall getrennt oder zusammengeschrieben werden (➔ § 34 E 7):

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


bieten lassen (sich etwas) ertragen bietenlassen / bieten lassen
(sich etwas)
bleiben lassen (etwas) etwas nicht beginnen; mit bleibenlassen / bleiben lassen
etwas aufhören (etwas)
blicken lassen (sich) besuchen; in Erscheinung blickenlassen / blicken lassen
treten (sich)
fallen lassen (jmdn.) aufgeben fallenlassen / fallen lassen
(jmdn.; auch: eine Bemerkung
fallenlassen / fallen lassen)
gehen lassen (sich) sich vernachlässigen gehenlassen / gehen lassen
(sich)
haften bleiben in der Erinnerung bleiben haftenbleiben / haften bleiben
hängen bleiben in der Schule nicht versetzt hängenbleiben / hängen
werden; sich im Gedächtnis bleiben
einprägen
hängen lassen (jmdn.; sich) im Stich lassen; antriebslos hängenlassen / hängen lassen
sein (jmdn.; sich)
kennen lernen kennenlernen / kennen lernen
laufen lassen freilassen laufenlassen / laufen lassen
liegen bleiben nicht erledigt werden; liegenbleiben / liegen bleiben
nicht weiterfahren können
platzen lassen eine Veranstaltung absagen platzenlassen / platzen lassen
schleifen lassen einer Sache kaum noch schleifenlassen / schleifen
Beachtung schenken lassen
setzen lassen geistig auf sich wirken lassen setzenlassen / setzen lassen
sitzen bleiben nicht versetzt werden sitzenbleiben / sitzen bleiben
sitzen lassen im Stich lassen, verlassen; sitzenlassen / sitzen lassen
eine Verabredung nicht ein-
halten; etwas nicht hinnehmen

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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


stecken bleiben stocken (Rede, Vortrag) steckenbleiben / stecken
bleiben
stehen bleiben nicht mehr weitergehen stehenbleiben / stehen bleiben
(Uhr); aufhören
stehen lassen sich von jmdm. abwenden stehenlassen / stehen lassen
treiben lassen (sich) völlig passiv bleiben treibenlassen / treiben lassen
(sich)
wissen lassen jmdm. etwas mitteilen wissenlassen /wissen lassen

1.5 Bildungen aus Substantiv und Verb

Zusammensetzungen mit einem verblassten Substantiv (z. B. stattfinden, teilnehmen) waren nach
den Regeln der Reform zusammenzuschreiben. Diese Liste wurde erweitert. Es gelten folgende
neue Zusammenschreibungen (➔ § 34 (3)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Eis laufen (Sie läuft Eis.) eislaufen (Sie läuft eis.)
Kopf stehen (Er steht Kopf.) kopfstehen (Er steht kopf.)
Leid tun / leidtun (Es tut jmdm. Leid / leid.) leidtun (Es tut jmdm. leid.)
Not tun (Es tut Not.) nottun (Es tut not.)

In vier weiteren Fällen ist sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung möglich (➔ § 34 E6):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Acht geben (Er gibt Acht.) achtgeben / Acht geben (Er gibt acht / Acht.)
Acht haben (Er hat Acht.) achthaben / Acht haben (Er hat acht / Acht.)
Halt machen (Er macht Halt.) haltmachen / Halt machen (Er macht halt /
Halt.)
Maß halten (Er hält Maß.) maßhalten / Maß halten (Er hält maß / Maß.)

Bei einigen Verbindungen aus Einzelwort und Verb, z.B. danksagen / Dank sagen, lässt sich nicht
entscheiden, ob es sich um eine Wortgruppe oder um eine Zusammensetzung handelt. Gegenüber
der Regelung von 2004 wurde die Liste dieser Verbindungen u.a. um folgende Fälle erweitert
(➔ § 33 E):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


brustschwimmen brustschwimmen / Brust schwimmen
delfinschwimmen delfinschwimmen / Delfin schwimmen
Marathon laufen marathonlaufen / Marathon laufen

116
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Getrennt– und Zusammenschreibung ?

1.6 Verbindungen mit einem bedeutungsverstärkenden oder bedeutungsabschwächen-


den zweiten Bestandteil

Wenn bei Verbindungen mit einem Adjektiv oder Partizip der erste Bestandteil bedeutungsver-
stärkend oder bedeutungsabschwächend ist, wird zusammengeschrieben, z. B. bitterernst, hyper-
aktiv. Im Unterschied zu 2004 werden nun auch Verbindungen wie die folgenden unter diese
Regel gefasst (➔ § 36 (1.5)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


hoch dekoriert / hochdekoriert hochdekoriert
hoch empfindlich hochempfindlich
hoch frequent, auch bes. fachsprachl.: hochfrequent
hochfrequent
hoch gebildet / hochgebildet hochgebildet
hoch zivilisiert / hochzivilisiert hochzivilisiert
reingolden / rein golden reingolden
reinseiden / rein seiden reinseiden
wohl gelitten / wohlgelitten wohlgelitten
wohl verdient /wohlverdient wohlverdient

1.7 Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv

Tritt ein einfaches unflektiertes Adjektiv als graduierende Bestimmung zu einem Partizip oder
Adjektiv, so kann nun sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden (➔ § 36 (2.2)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


allein gültig allein gültig / alleingültig
allein verbindlich allein verbindlich /alleinverbindlich
allgemein verbindlich allgemein verbindlich/ allgemeinverbindlich
allgemein verständlich allgemein verständlich / allgemeinverständlich
halb leer halb leer / halbleer
halb nackt halb nackt / halbnackt
halb offen halb offen / halboffen
halb tot halb tot / halbtot
halb voll halb voll/ halbvoll
schwer erziehbar schwer erziehbar / schwererziehbar
schwer krank schwer krank / schwerkrank
schwer löslich schwer löslich / schwerlöslich
schwer verdaulich schwer verdaulich / schwerverdaulich
schwer verständlich schwer verständlich / schwerverständlich
schwer verträglich schwer verträglich / schwerverträglich

117
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? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

1.8 Verbindungen aus Partikel oder Adjektiv und Partizip

Verbindungen aus Partikel und Verb oder Adjektiv und Verb, die im Infinitiv zusammengeschrie-
ben werden, müssen auch in allen ihren Partizipformen zusammengeschrieben werden. Damit
ergeben sich gegenüber der Regelung 2004 z. B. folgende neue Schreibungen (➔ § 36 1.2):

Schreibung 2004 Verbindung mit Infinitiv Schreibung 2006


allein stehend / alleinstehend zu: alleinstehen alleinstehend
(ohne Partner leben)
hoch geschraubt / hoch- zu: hochschrauben hochgeschraubt
geschraubt
nahe liegend /naheliegend zu: naheliegen (plausibel sein) naheliegend
offen geblieben / offen- zu: offenbleiben offengeblieben
geblieben (ungelöst bleiben)
voll getankt / vollgetankt zu: volltanken vollgetankt

1.9 Mehrteilige Entlehnungen aus dem Englischen

Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, die aus dem Englischen stammen, dürfen nur noch
dann zusammengeschrieben werden, wenn der Hauptakzent auf dem ersten Bestandteil liegt,
z. B. Hotdog / Hot Dog, Softdrink / Soft Drink. Liegt dagegen ein Akzent auf dem ersten und
zweiten Bestandteil, gilt nur noch Getrenntschreibung (➔ § 37 E4) z.B.:

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Compactdisc / Compact Disc Compact Disc
Cooljazz / Cool Jazz Cool Jazz
Electronicbanking / Electronic Banking Electronic Banking
Electronicpublishing / Electronic Publishing Electronic Publishing
Grandslam / Grand Slam Grand Slam
Highfidelity/ High Fidelity High Fidelity
Highsociety / High Society High Society
Jointventure / Joint Venture Joint Venture
Longdrink Longdrink / Long Drink
Minimalart / Minimal Art Minimal Art
Missinglink / Missing Link Missing Link
Openair / Open Air Open Air
Opensource / Open Source Open Source
Personalcomputer / Personal Computer Personal Computer
Publicrelations / Public Relations Public Relations
Safersex / Safer Sex Safer Sex
Softskills / Soft Skills Soft Skills

118
107-121_WDR_wasistneu_08.qxd 13.05.2006 17:00 Uhr Seite 119

Groß- und Kleinschreibung ?

2. Groß- und Kleinschreibung

2.1 Kleinschreibung von Wörtern wie feind, klasse

Eine Reihe von Wörtern wie angst, bange, recht verlieren in Verbindung mit den Verben sein,
bleiben, werden ihre substantivischen Merkmale und werden kleingeschrieben. Die Liste dieser
Wörter wurde um einige Fälle wie feind, freund, klasse erweitert. Auch diese Wörter werden nun
in Verbindung mit sein, bleiben, werden kleingeschrieben (➔ § 56 (1)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Feind (Er war ihm Feind.) feind (Er war ihm feind.)
Freund (Er bleibt ihm Freund.) freund (Er bleibt ihm freund.)
Klasse (Das Spiel war Klasse.) klasse (Das Spiel war klasse.)
Spitze (Das ist Spitze!) spitze (Das ist spitze!)

Die Wörter Recht, Unrecht können in Verbindung mit den Verben behalten, bekommen, geben,
haben, tun jetzt klein- oder großgeschrieben werden:

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Recht (Er hat Recht.) Recht /recht (Er hat Recht / recht.)
Unrecht (Er hat Unrecht.) Unrecht /unrecht (Er hat Unrecht /unrecht.)

2.2 Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv

Bei festen Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, die keine Eigennamen sind, wird das
Adjektiv grundsätzlich auch weiterhin kleingeschrieben. Bei Verbindungen mit einer neuen,
idiomatisierten Gesamtbedeutung ist in bestimmten Fällen auch die Großschreibung zulässig
(➔ § 63 E):

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


der blaue Brief Amtsschreiben der blaue / Blaue Brief
ein goldenes Zeitalter; goldenes / Goldenes Zeitalter
Goldenes Zeitalter (Myth.)
die graue Eminenz jmd., der im Hintergrund die graue/ Graue Eminenz
Entscheidungen trifft
die grüne Grenze unbefestigte Grenze die grüne / Grüne Grenze
die grüne Lunge Wald als Sauerstoffressource die grüne / Grüne Lunge
am grünen Tisch durch Verhandlung am grünen / Grünen Tisch
entscheiden
der heiliger Krieg der heilige / Heilige Krieg
die kalte Ente Sekt mit Orangensaft die kalte / Kalte Ente
der runde Tisch Verhandlungen unter der runde / Runde Tisch
Gleichberechtigten

119
107-121_WDR_wasistneu_08.qxd 13.05.2006 16:43 Uhr Seite 120

? Rechtschreibung 2006: Was ist neu?

Schreibung 2004 Bedeutung Schreibung 2006


das schwarze Brett Anschlagtafel das schwarze / Schwarze Brett
das schwarze Gold Erdöl das schwarze / Schwarze Gold
die schwarze Kunst Buckdruckerei; Magie die schwarze / Schwarze Kunst
der schwarze Peter (Kartenspiel) der schwarze / Schwarze
Peter (auch: jmdm. den
schwarzen / Schwarzen Peter
zuschieben)
der schwarze Tod Beulenpest der schwarze / Schwarze Tod
der weiße Tod Lawinentod der weiße / Weiße Tod

2.3 Anredepronomen

In Briefen ist die Großschreibung der Anredepronomen du und ihr (in allen ihren Formen)
wieder möglich (➔ § 66 E):

Schreibung 2004 Schreibung 2006

du du /Du
(Ich schreibe dir heute, weil du dich...) (Ich schreibe dir / Dir heute, weil du /
Du dich /Dich...)
ihr ihr/ Ihr
(Liebe Kinder, in eurem letzten Brief habt (Liebe Kinder, in eurem / Eurem letzten
ihr euch...) Brief habt ihr / Ihr euch / Euch...)

3. Zeichensetzung

Bei Infinitivgruppen war die Kommasetzung weitgehend freigestellt. Nur wenn die Infinitivgruppe
durch ein hinweisendes Wort angekündigt wurde (Er dachte nicht daran, ihm zu helfen.), musste
sie durch Komma abgegrenzt werden. Gegenüber der Regelung 2004 wird das Komma nun in
zwei weiteren Fällen obligatorisch:

3.1 Die Infinitivgruppe wird mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet (➔ § 75 (1)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Er kam nach Berlin(,) um seine Schwester Er kam nach Berlin, um seine Schwester
zu besuchen. zu besuchen.
Statt seine Aufgaben zu erledigen(,) befasste Statt seine Aufgaben zu erledigen, befasste
er sich mit allerlei Nebensächlichem. er sich mit allerlei Nebensächlichem.
Es gibt nichts Schlimmeres(,) als jetzt den Es gibt nichts Schlimmeres, als jetzt den
Mut zu verlieren. Mut zu verlieren.

120
107-121_WDR_wasistneu_08.qxd 13.05.2006 16:43 Uhr Seite 121

Zeichensetzung / Worttrennung am Zeilenende ?

3.2 Die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv ab (➔ § 75 (2)):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


Sie hatte die Aufgabe(,) einen genauen Plan Sie hatte die Aufgabe, einen genauen Plan
zu zeichnen. zu zeichnen.
Wir diskutierten sein Vorhaben(,) eine Wir diskutierten sein Vorhaben, eine
Selbsthilfegruppe zu gründen. Selbsthilfegruppe zu gründen.

4. Worttrennung am Zeilenende

Nicht abgetrennt werden einzelne Vokalbuchstaben am Anfang oder am Ende von Wörtern,
auch nicht innerhalb von zusammengesetzten Wörtern (➔ § 107 E1; § 108):

Schreibung 2004 Schreibung 2006


A-bend Abend (untrennbar)
Bi-o-müll Bio-müll
E-sel Esel (untrennbar)
e-del edel (untrennbar)
I-gel Igel (untrennbar)
o-ben oben (untrennbar)
U-fer Ufer (untrennbar)
Fei-er-a-bend Fei-er-abend
aus-u-fern aus-ufern

121
Black Auszug (1189,1)

Deklinationstabellen

Deklination des Personalpronomens


Singular Plural
Nominativ ich du er sie es wir ihr sie
Genitiv meiner deiner seiner ihrer seiner unser euer ihrer
Dativ mir dir ihm ihr ihm uns euch ihnen
Akkusativ mich dich ihn sie es uns euch sie

Deklination des Demonstrativpronomens


Singular Nominativ der die das
Genitiv dessen deren dessen
Dativ dem der dem
Akkusativ den die das
Plural Nominativ die die die
Genitiv derer, deren derer, deren derer, deren
Dativ denen denen denen
Akkusativ die die die
Singular Nominativ dieser Mann diese Frau dieses Kind
Genitiv dieses Mannes dieser Frau dieses Kindes
Dativ diesem Mann(e) dieser Frau diesem Kind(e)
Akkusativ diesen Mann diese Frau dieses Kind
Plural Nominativ diese Männer diese Frauen diese Kinder
Genitiv dieser Männer dieser Frauen dieser Kinder
Dativ diesen Männern diesen Frauen diesen Kindern
Akkusativ diese Männer diese Frauen diese Kinder

Deklination des Interrogativpronomens


Singular Nominativ wer, was welcher Mann welche Frau welches Kind
o o
Genitiv wessen welches welcher Frau welches
Mannes Kindes
welchen welchen
Dativ wem welchem Mann(e) welcher Frau welchem Kind(e)
Akkusativ wen, was welchen Mann welche Frau welches Kind
Plural Nominativ welche Männer welche Frauen welche Kinder
Genitiv welcher Männer welcher Frauen welcher Kinder
Dativ welchen Männern welchen Frauen welchen Kindern
Akkusativ welche Männer welche Frauen welche Kinder

Deklination des Possessivpronomens


1. Person Singular
Singular Nominativ mein Bruder meine Schwester mein Kind
Genitiv meines Bruders meiner Schwester meines Kindes
Dativ meinem Bruder meiner Schwester meinem Kind(e)
Akkusativ meinen Bruder meine Schwester mein Kind

1189
Black Auszug (1190,1)

Deklinationstabellen

Plural Nominativ meine Brüder meine Schwestern meine Kinder


Genitiv meiner Brüder meiner Schwestern meiner Kinder
Dativ meinen Brüdern meinen Schwestern meinen Kindern
Akkusativ meine Brüder meine Schwestern meine Kinder
2. Person Singular
Singular Nominativ dein Bruder deine Schwester dein Kind
Genitiv deines Bruders deiner Schwester deines Kindes
Dativ deinem Bruder deiner Schwester deinem Kind(e)
Akkusativ deinen Bruder deine Schwester dein Kind
Plural Nominativ deine Brüder deine Schwestern deine Kinder
Genitiv deiner Brüder deiner Schwestern deiner Kinder
Dativ deinen Brüdern deinen Schwestern deinen Kindern
Akkusativ deine Brüder deine Schwestern deine Kinder
3. Person Singular
Singular Nominativ sein, ihr Bruder seine, ihre Schwester sein, ihr Kind
Genitiv seines, ihres Bruders seiner, ihrer Schwester seines, ihres Kindes
Dativ seinem, ihrem Bruder seiner, ihrer Schwester seinem, ihrem Kind(e)
Akkusativ seinen, ihren Bruder seine, ihre Schwester sein, ihr Kind
Plural Nominativ seine, ihre Brüder seine, ihre Schwestern seine, ihre Kinder
Genitiv seiner, ihrer Brüder seiner, ihrer Schwestern seiner, ihrer Kinder
Dativ seinen, ihren Brüdern seinen, ihren Schwes- seinen, ihren Kindern
tern
Akkusativ seine, ihre Brüder seine, ihre Schwestern seine, ihre Kinder
1. Person Plural
Singular Nominativ unser Bruder unsere Schwester unser Kind
Genitiv unseres Bruders unserer Schwester unseres Kindes
Dativ unserem Bruder unserer Schwester unserem Kind(e)
Akkusativ unseren Bruder unsere Schwester unser Kind
Plural Nominativ unsere Brüder unsere Schwestern unsere Kinder
Genitiv unserer Brüder unserer Schwestern unserer Kinder
Dativ unseren Brüdern unseren Schwestern unseren Kindern
Akkusativ unsere Brüder unsere Schwestern unsere Kinder
2. Person Plural
Singular Nominativ euer Bruder eure Schwester euer Kind
Genitiv eures Bruders eurer Schwester eures Kindes
Dativ eurem Bruder eurer Schwester eurem Kind(e)
Akkusativ euren Bruder eure Schwester euer Kind
Plural Nominativ eure Brüder eure Schwestern eure Kinder
Genitiv eurer Brüder eurer Schwestern eurer Kinder
Dativ euren Brüdern euren Schwestern euren Kindern
Akkusativ eure Brüder eure Schwestern eure Kinder
3. Person Plural
Singular Nominativ ihr Bruder ihre Schwester ihr Kind
Genitiv ihres Bruders ihrer Schwester ihres Kindes
Dativ ihrem Bruder ihrer Schwester ihrem Kind(e)
Akkusativ ihren Bruder ihre Schwester ihr Kind

1190
Black Auszug (1191,1)

Deklinationstabellen

3. Person Plural
Plural Nominativ ihre Brüder ihre Schwestern ihre Kinder
Genitiv ihrer Brüder ihrer Schwestern ihrer Kinder
Dativ ihren Brüdern ihren Schwestern ihren Kindern
Akkusativ ihre Brüder ihre Schwestern ihre Kinder

Starke Deklination des Substantivs


Singular Plural Singular Plural
m. 1 Maskulinum
Nominativ der Weg die Wege der Greis die Greise
Genitiv des Weg(e)s der Wege des Greises der Greise
Dativ dem Weg(e) den Wegen dem Greis(e) den Greisen
Akkusativ den Weg die Wege den Greis die Greise
Nominativ der Kürbis die Kürbisse der Riss die Risse
Genitiv des Kürbisses der Kürbisse des Risses der Risse
Dativ dem Kürbis den Kürbissen dem Riss den Rissen
Akkusativ den Kürbis die Kürbisse den Riss die Risse
f. 1 Femininum
Nominativ die Drangsal die Drangsale die Kenntnis die Kenntnisse
Genitiv der Drangsal der Drangsale der Kenntnis der Kenntnisse
Dativ der Drangsal den Drangsalen der Kenntnis den Kenntnissen
Akkusativ die Drangsal die Drangsale die Kenntnis die Kenntnisse
n. 1 Neutrum
Nominativ das Pferd die Pferde das Gleis die Gleise
Genitiv des Pferd(e)s der Pferde des Gleises der Gleise
Dativ dem Pferd(e) den Pferden dem Gleis(e) den Gleisen
Akkusativ das Pferd die Pferde das Gleis die Gleise
Nominativ das Ereignis die Ereignisse das Geschoss die Geschosse
Genitiv des Ereignisses der Ereignisse des Geschosses der Geschosse
Dativ dem Ereignis den Ereignissen dem Geschoss den Geschossen
Akkusativ das Ereignis die Ereignisse das Geschoss die Geschosse
Nominativ das Maû die Maûe
Genitiv des Maûes der Maûe
Dativ dem Maû(e) den Maûen
Akkusativ das Maû die Maûe
m. 2 Maskulinum
Nominativ der Sohn die Söhne der Hals die Hälse
Genitiv des Sohn(e)s der Söhne des Halses der Hälse
Dativ dem Sohn(e) den Söhnen dem Hals(e) den Hälsen
Akkusativ den Sohn die Söhne den Hals die Hälse
Nominativ der Fluss die Flüsse der Spaû die Späûe
Genitiv des Flusses der Flüsse des Spaûes der Späûe
Dativ dem Fluss(e) den Flüssen dem Spaû(e) den Späûen
Akkusativ den Fluss die Flüsse den Spaû die Späûe

1191
Black Auszug (1192,1)

Deklinationstabellen

f. 2 Femininum
Nominativ die Maus die Mäuse die Nuss die Nüsse
Genitiv der Maus der Mäuse der Nuss der Nüsse
Dativ der Maus den Mäusen der Nuss den Nüssen
Akkusativ die Maus die Mäuse die Nuss die Nüsse
n. 2 Neutrum
Nominativ das Floû die Flöûe
Genitiv des Floûes der Flöûe
Dativ dem Floû(e) den Flöûen
Akkusativ das Floû die Flöûe
m. 3 Maskulinum
Nominativ der Leib die Leiber
Genitiv des Leib(e)s der Leiber
Dativ dem Leib(e) den Leibern
Akkusativ den Leib die Leiber
n. 3 Neutrum
Nominativ das Rind die Rinder das Ei die Eier
Genitiv des Rind(e)s der Rinder des Ei(e)s der Eier
Dativ dem Rind(e) den Rindern dem Ei(e) den Eiern
Akkusativ das Rind die Rinder das Ei die Eier
m. 4 Maskulinum
Nominativ der Mann die Männer der Strauch die Sträucher
Genitiv des Mann(e)s der Männer des Strauch(e)s der Sträucher
Dativ dem Mann(e) den Männern dem Strauch(e) den Sträuchern
Akkusativ den Mann die Männer den Strauch die Sträucher
n. 4 Neutrum
Nominativ das Blatt die Blätter das Gras die Gräser
Genitiv des Blatt(e)s der Blätter des Grases der Gräser
Dativ dem Blatt(e) den Blättern dem Gras(e) den Gräsern
Akkusativ das Blatt die Blätter das Gras die Gräser
Nominativ das Fass die Fässer
Genitiv des Fasses der Fässer
Dativ dem Fass(e) den Fässern
Akkusativ das Fass die Fässer
m. 5 Maskulinum
Nominativ der Kater die Kater der Sessel die Sessel
Genitiv des Katers der Kater des Sessels der Sessel
Dativ dem Kater den Katern dem Sessel den Sesseln
Akkusativ den Kater die Kater den Sessel die Sessel
n. 5 Neutrum
Nominativ das Fenster die Fenster das Rätsel die Rätsel
Genitiv des Fensters der Fenster des Rätsels der Rätsel
Dativ dem Fenster den Fenstern dem Rätsel den Rätseln
Akkusativ das Fenster die Fenster das Rätsel die Rätsel

1192
Black Auszug (1193,1)

Deklinationstabellen

n. 5 Neutrum
Nominativ das Gebirge die Gebirge
Genitiv des Gebirges der Gebirge
Dativ dem Gebirge den Gebirgen
Akkusativ das Gebirge die Gebirge
m. 6 Maskulinum
Nominativ der Vater die Väter der Vogel die Vögel
Genitiv des Vaters der Väter des Vogels der Vögel
Dativ dem Vater den Vätern dem Vogel den Vögeln
Akkusativ den Vater die Väter den Vogel die Vögel
f. 6 Femininum
Nominativ die Tochter die Töchter
Genitiv der Tochter der Töchter
Dativ der Tochter den Töchtern
Akkusativ die Tochter die Töchter
n. 6 Neutrum
Nominativ das Kloster die Klöster
Genitiv des Klosters der Klöster
Dativ dem Kloster den Klöstern
Akkusativ das Kloster die Klöster
m. 7 Maskulinum
Nominativ der Tropfen die Tropfen
Genitiv des Tropfens der Tropfen
Dativ dem Tropfen den Tropfen
Akkusativ den Tropfen die Tropfen
n. 7 Neutrum
Nominativ das Zeichen die Zeichen
Genitiv des Zeichens der Zeichen
Dativ dem Zeichen den Zeichen
Akkusativ das Zeichen die Zeichen
m. 8 Maskulinum
Nominativ der Graben die Gräben
Genitiv des Grabens der Gräben
Dativ dem Graben den Gräben
Akkusativ den Graben die Gräben
m. 9 Maskulinum
Nominativ der Kakadu die Kakadus der Trupp die Trupps
Genitiv des Kakadus der Kakadus des Trupps der Trupps
Dativ dem Kakadu den Kakadus dem Trupp den Trupps
Akkusativ den Kakadu die Kakadus den Trupp die Trupps
f. 9 Femininum
Nominativ die Kobra die Kobras die Bar die Bars
Genitiv der Kobra der Kobras der Bar der Bars
Dativ der Kobra den Kobras der Bar den Bars
Akkusativ die Kobra die Kobras die Bar die Bars

1193
Black Auszug (1194,1)

Deklinationstabellen

n. 9 Neutrum
Nominativ das Auto die Autos das Fräulein die Fräuleins
Genitiv des Autos der Autos des Fräuleins der Fräuleins
Dativ dem Auto den Autos dem Fräulein den Fräuleins
Akkusativ das Auto die Autos das Fräulein die Fräuleins

Schwache Deklination des Substantivs


Singular Plural Singular Plural
m. 10 Maskulinum
Nominativ der Held die Helden
Genitiv des Helden der Helden
Dativ dem Helden den Helden
Akkusativ den Helden die Helden
f. 10 Femininum
Nominativ die Frau die Frauen die Bahn die Bahnen
Genitiv der Frau der Frauen der Bahn der Bahnen
Dativ der Frau den Frauen der Bahn den Bahnen
Akkusativ die Frau die Frauen die Bahn die Bahnen
Nominativ die Freundin die Freundinnen die Union die Unionen
Genitiv der Freundin der Freundinnen der Union der Unionen
Dativ der Freundin den Freundinnen der Union den Unionen
Akkusativ die Freundin die Freundinnen die Union die Unionen
m. 11 Maskulinum
Nominativ der Knabe die Knaben der Bauer die Bauern
Genitiv des Knaben der Knaben des Bauern der Bauern
Dativ dem Knaben den Knaben dem Bauern den Bauern
Akkusativ den Knaben die Knaben den Bauern die Bauern
f. 11 Femininum
Nominativ die Blume die Blumen die Harmonie die Harmonien
Genitiv der Blume der Blumen der Harmonie der Harmonien
Dativ der Blume den Blumen der Harmonie den Harmonien
Akkusativ die Blume die Blumen die Harmonie die Harmonien
Nominativ die Feder die Federn die Wurzel die Wurzeln
Genitiv der Feder der Federn der Wurzel der Wurzeln
Dativ der Feder den Federn der Wurzel den Wurzeln
Akkusativ die Feder die Federn die Wurzel die Wurzeln

Gemischte Deklination des Substantivs


Singular Plural Singular Plural
m. 12 Maskulinum
Nominativ der Strahl die Strahlen der Schmerz die Schmerzen
Genitiv des Strahl(e)s der Strahlen des Schmerzes der Schmerzen
Dativ dem Strahl(e) den Strahlen dem Schmerz(e) den Schmerzen
Akkusativ den Strahl die Strahlen den Schmerz die Schmerzen

1194
Black Auszug (1195,1)

Deklinationstabellen

Singular Plural Singular Plural


n. 12 Neutrum
Nominativ das Ohr die Ohren das Juwel die Juwelen
Genitiv des Ohr(e)s der Ohren des Juwel(e)s der Juwelen
Dativ dem Ohr(e) den Ohren dem Juwel den Juwelen
Akkusativ das Ohr die Ohren das Juwel die Juwelen
m. 13 / n. 13 Maskulinum Neutrum
Nominativ der Doktor die Doktoren das Elektron die Elektronen
Genitiv des Doktors der Doktoren des Elektrons der Elektronen
Dativ dem Doktor den Doktoren dem Elektron den Elektronen
Akkusativ den Doktor die Doktoren das Elektron die Elektronen
m. 14 Maskulinum
Nominativ der Vetter die Vettern der Muskel die Muskeln
Genitiv des Vetters der Vettern des Muskels der Muskeln
Dativ dem Vetter den Vettern dem Muskel den Muskeln
Akkusativ den Vetter die Vettern den Muskel die Muskeln
Nominativ der See die Seen
Genitiv des Sees der Seen
Dativ dem See den Seen
Akkusativ den See die Seen
n. 14 Neutrum
Nominativ das Auge die Augen das Marterl die Marterln
Genitiv des Auges der Augen des Marterls der Marterln
Dativ dem Auge den Augen dem Marterl den Marterln
Akkusativ das Auge die Augen das Marterl die Marterln
m. 15 Maskulinum
Nominativ der Name die Namen
Genitiv des Namens der Namen
Dativ dem Namen den Namen
Akkusativ den Namen die Namen
n. 16 Neutrum
Nominativ das Herz die Herzen
Genitiv des Herzens der Herzen
Dativ dem Herzen den Herzen
Akkusativ das Herz die Herzen

Starke Deklination des substantivierten Adjektivs


Singular Plural
m. 17 Maskulinum
Nominativ ein Angestellter viele Angestellte
Genitiv eines Angestellten vieler Angestellter
Dativ einem Angestellten vielen Angestellten
Akkusativ einen Angestellten viele Angestellte

1195
Black Auszug (1196,1)

Deklinationstabellen

f. 17 Femininum
Nominativ eine Angestellte viele Angestellte
Genitiv einer Angestellten vieler Angestellter
Dativ einer Angestellten vielen Angestellten
Akkusativ eine Angestellte viele Angestellte
n. 17 Neutrum
Nominativ ein Ganzes viele Ganze
Genitiv eines Ganzen vieler Ganzer
Dativ einem Ganzen vielen Ganzen
Akkusativ ein Ganzes viele Ganze

Schwache Deklination des substantivierten Adjektivs


Singular Plural
m. 18 Maskulinum
Nominativ der Angestellte die Angestellten
Genitiv des Angestellten der Angestellten
Dativ dem Angestellten den Angestellten
Akkusativ den Angestellten die Angestellten
f. 18 Femininum
Nominativ die Angestellte die Angestellten
Genitiv der Angestellten der Angestellten
Dativ der Angestellten den Angestellten
Akkusativ die Angestellte die Angestellten
n. 18 Neutrum
Nominativ das Ganze die Ganzen
Genitiv des Ganzen der Ganzen
Dativ dem Ganzen den Ganzen
Akkusativ das Ganze die Ganzen

Deklination von Substantiven, die ein flektiertes Adjektiv enthalten


19 Nominativ der Dummejungenstreich die Dumme(n)jungenstreiche
Genitiv des Dumme(n)jungenstreichs der Dumme(n)jungenstreiche
Dativ dem Dumme(n)jungenstreich den Dumme(n)jungenstreichen
Akkusativ den Dumme(n)jungenstreich die Dumme(n)jungenstreiche
Nominativ ein Dummerjungenstreich viele Dummejungenstreiche
Genitiv eines Dumme(n)jungenstreichs vieler Dumme(r)jungenstreiche
Dativ einem Dumme(n)jungenstreich vielen Dumme(n)jungenstreichen
Akkusativ einen Dumme(n)jungenstreich viele Dummejungenstreiche

1196
Black Auszug (1197,1)

Deklinationstabellen

Deklination des Adjektivs ohne Artikel, mit bestimmtem und unbestimmtem Artikel
(starke, schwache und gemischte Deklination)

Maskulinum
Singular
Nominativ guter Freund der gute Freund ein guter Freund
Genitiv guten Freundes des guten Freundes eines guten Freundes
Dativ gutem Freund(e) dem guten Freund(e) einem guten Freund(e)
Akkusativ guten Freund den guten Freund einen guten Freund
Plural
Nominativ gute Freunde die guten Freunde keine guten Freunde
Genitiv guter Freunde der guten Freunde keiner guten Freunde
Dativ guten Freunden den guten Freunden keinen guten Freunden
Akkusativ gute Freunde die guten Freunde keine guten Freunde
Femininum
Singular
Nominativ schöne Blume die schöne Blume eine schöne Blume
Genitiv schöner Blume der schönen Blume einer schönen Blume
Dativ schöner Blume der schönen Blume einer schönen Blume
Akkusativ schöne Blume die schöne Blume eine schöne Blume
Plural
Nominativ schöne Blumen die schönen Blumen keine schönen Blumen
Genitiv schöner Blumen der schönen Blumen keiner schönen Blumen
Dativ schönen Blumen den schönen Blumen keinen schönen Blumen
Akkusativ schöne Blumen die schönen Blumen keine schönen Blumen
Neutrum
Singular
Nominativ kleines Kind das kleine Kind ein kleines Kind
Genitiv kleinen Kindes des kleinen Kindes eines kleinen Kindes
Dativ kleinem Kind(e) dem kleinen Kind(e) einem kleinen Kind(e)
Akkusativ kleines Kind das kleine Kind ein kleines Kind
Plural
Nominativ kleine Kinder die kleinen Kinder keine kleinen Kinder
Genitiv kleiner Kinder der kleinen Kinder keiner kleinen Kinder
Dativ kleinen Kindern den kleinen Kindern keinen kleinen Kindern
Akkusativ kleine Kinder die kleinen Kinder keine kleinen Kinder

1197
Konjugationstabellen
1198

Konjugationstabellen
Vollständiges Konjugationsbeispiel (regelmäûiges Verbum)
Aktiv Passiv
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präsens
fragen ich frage du fragst er (sie, es) fragt ich werde gefragt du wirst gefragt er (sie, es) wird
gefragt
wir fragen ihr fragt sie fragen wir werden gefragt ihr werdet gefragt sie werden gefragt
Imperativ Indikativ Präteritum Indikativ Präteritum
frag! ich fragte du fragtest er (sie, es) fragte ich wurde gefragt du wurdest gefragt er (sie, es) wurde
gefragt
fragt! wir fragten ihr fragtet sie fragten wir wurden gefragt ihr wurdet gefragt sie wurden gefragt

Indikativ Perfekt Indikativ Perfekt


ich habe gefragt du hast gefragt er (sie, es) hat gefragt ich bin du bist er (sie, es) ist
wir haben gefragt ihr habt gefragt sie haben gefragt gefragt worden gefragt worden gefragt worden
Im Folgenden ist als zweites Beispiel ein Verbum hinzugefügt, dessen Perfekt mit sein gebildet wird
ich bin erkrankt du bist erkrankt er (sie, es) ist erkrankt wir sind ihr seid sie sind
wir sind erkrankt ihr seid erkrankt sie sind erkrankt gefragt worden gefragt worden gefragt worden

Black Auszug (1198,1)


Indikativ Plusquamperfekt Indikativ Plusquamperfekt
ich hatte gefragt du hattest gefragt er (sie, es) hatte gefragt ich war du warst er (sie, es) war
wir hatten gefragt ihr hattet gefragt sie hatten gefragt gefragt worden gefragt worden gefragt worden
ich war erkrankt du warst erkrankt er war erkrankt wir waren ihr wart sie waren
wir waren erkrankt ihr wart erkrankt sie waren erkrankt gefragt worden gefragt worden gefragt worden
Indikativ Futur I Indikativ Futur I
ich werde fragen du wirst fragen er (sie, es) wird fragen ich werde du wirst er (sie, es) wird
wir werden fragen ihr werdet fragen gefragt werden gefragt werden gefragt werden
wir werden ihr werdet sie werden
gefragt werden gefragt werden gefragt werden

Indikativ Futur II Indikativ Futur II


ich werde du wirst er (sie, es) wird ich werde gefragt du wirst gefragt er (sie, es) wird gefragt
gefragt haben gefragt haben gefragt haben worden sein worden sein worden sein
wir werden ihr werdet sie werden wir werden gefragt ihr werdet gefragt sie werden gefragt
gefragt haben gefragt haben gefragt haben worden sein worden sein worden sein

ich werde du wirst er (sie, es) wird


erkrankt sein erkrankt sein erkrankt sein
wir werden ihr werdet sie werden
erkrankt sein erkrankt sein erkrankt sein

Konjunktiv I Konjunktiv II
ich frage du fragest er (sie, es) frage ich fragte du fragtest er (sie, es) fragte
wir fragen ihr fraget sie fragen wir fragten ihr fragtet sie fragten

Konjunktiv I/II der Verlaufsstufe: er frage/fragte

Black Auszug (1199,1)


Konjunktiv I/II der Vollzugsstufe: er habe/hätte gefragt

Konjugationstabellen
Konjunktiv I/II der Erwartungsstufe: er werde/würde fragen; er werde/würde gefragt haben
1199
1200

Konjugationstabellen
Konjugation der regelmäûigen Verben
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1 lachen lache lachst lacht lachte lachtest lachte lach! gelacht
-en -t -en -ten -tet -ten lacht!
fassen fasse fasst fasst fasste fasstest fasste fass! gefasst
fassen fasst fassen fassten fasstet fassten fasst!
2 baden bade badest badet badete badetest badete bad(e)! gebadet
-en -et -en -eten -etet -eten badet!
zeichnen zeichne zeichnest zeichnet zeichnete zeichnetest -ete zeichne! gezeichnet
-en -et -en -eten -etet -eten zeichnet!
3 rasieren rasiere rasierst rasiert rasierte rasiertest rasierte rasier(e)! rasiert
-en -t -en -ten -tet -ten rasiert!

Konjugation der unregelmäûigen Verben


Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
4 backen backe bäckst bäckt buk bukst buk back! gebacken
backen backt backen -en -t -en backt!
wird im Sprachgebrauch meist regelmäûig konjugiert

Black Auszug (1200,1)


5 befehlen befehle befiehlst befiehlt befahl befahlst befahl befiehl! befohlen
befehlen befehlt befehlen -en -t -en befehlt!
6 befleiûen befleiûe befleiû(es)t befleiût befliss beflissest befliss befleiû(e)! beflissen
-en -t -en -ssen -sset -ssen befleiût!
7 beginnen beginne beginnst beginnt begann begannst begann beginn(e)! begonnen
-en -t -en -en -t -en beginnt!
8 beiûen beiûe beiût beiût biss bissest biss beiû! gebissen
-en -t -en bissen bisst bissen beiût!
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
9 bergen berge birgst birgt barg bargst barg birg! geborgen
bergen bergt bergen -en -t -en bergt!
10 bersten berste birst birst barst barstest barst birst! geborsten
bersten berstet bersten -en -et -en berstet!
11 bewegen bewege bewegst bewegt bewog bewogst bewog beweg(e)! bewogen
-en -t -en -en -t -en bewegt!
wird nur im Sinne von veranlassen unregelmäûig konjugiert

12 biegen biege biegst biegt bog bogst bog bieg! gebogen


-en -t -en -en -t -en biegt!
13 bieten biete bietest bietet bot bot(e)st bot biet(e)! geboten
-en -et -en -en -et -en bietet!
14 binden binde bindest bindet band band(e)st band bind(e)! gebunden
-en -et -en -en -et -en bindet!
15 bitten bitte bittest bittet bat bat(e)st bat bitt(e)! gebeten
-en -et -en -en -et -en bittet!
16 blasen blase bläst bläst blies blies(e)st blies blas! geblasen
blasen blast blasen -en -t -en blast!
17 bleiben bleibe bleibst bleibt blieb bliebst blieb bleib! geblieben
-en -t -en -en -t -en bleibt!
18 braten brate brätst brät briet briet(e)st briet brat(e)! gebraten

Black Auszug (1201,1)


braten bratet braten -en -et -en bratet!

Konjugationstabellen
19 brechen breche brichst bricht brach brachst brach brich! gebrochen
brechen brecht brechen -en -t -en brecht!
20 brennen brenne brennst brennt brannte branntest brannte brenne(e)! gebrannt
-en -t -en auch: auch: auch: brennt!
brennte brenn- brennte
-ten test -tet -ten
1201
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1202

Konjugationstabellen
21 bringen bringe bringst bringt brachte brachtest brachte bring! gebracht
-en -t -en -ten -tet -ten bringt!
22 denken denke denkst denkt dachte dachtest dachte denk! gedacht
-en -t -en -ten -tet -ten denkt!
23 dingen dinge dingst dingt dang dangst dang ding! gedungen
-en -t -en -en -t -en dingt!
wird auch regelmäûig konjugiert

24 dreschen dresche drischst drischt drosch droschst drosch drisch! gedroschen


dreschen drescht dreschen -en -t -en drescht!
25 dringen dringe dringst dringt drang drangst drang dring(e)! gedrungen
-en -t -en -en -t -en dringt!
26 dürfen darf darfst darf durfte durftest durfte ± gedurft
dürfen dürft dürfen -ten -tet -ten ±
27 empfehlen empfehle empfiehlst empfiehlt empfahl empfahlst empfahl empfiehl! empfohlen
empfehlen empfehlt empfehlen -en -t -en empfehlt!
28 erbleichen erbleiche erbleichst erbleicht erblich erblichst erblich erbleich(e)! erblichen
-en -t -en -en -t -en erbleicht!
wird heute meist regelmäûig konjugiert

29 erkiesen erkiese erkies(es)t erkiest erkor erkorst erkor erkies(e)! erkoren

Black Auszug (1202,1)


-en -t -en -en -t -en erkiest!
30 erlöschen erlösche erlischst erlischt erlosch erloschst erlosch erlisch! erlosch!
erlöschen erlöscht erlöschen -en -t -en erlöscht! -en
31 essen esse isst isst aû aûest aû iss! gegessen
essen esst essen -en -t -en esst!
32 fahren fahre fährst fährt fuhr fuhrst fuhr fahr! gefahren
fahren fahrt fahren -en -t -en fahrt!
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
33 fallen falle fällst fällt fiel fielst fiel fall! gefallen
fallen fallt fallen -en -t -en fallt!
34 fangen fange fängst fängt fing fingst fing fang! gefangen
fangen fangt fangen -en -t -en fangt!
35 fechten fechte fichtst ficht focht fochtest focht ficht! gefochten
fechten fechtet fechten -en -et -en fechtet!
36 finden finde findest findet fand fand(e)st fand find(e)! gefunden
-en -et -en -en -et -en findet!
37 flechten flechte flichtst flicht flocht flochtest flocht flicht! geflochten
flechten flechtet flechten -en -et -en flechtet!
38 fliegen fliege fliegst fliegt flog flogst flog flieg! geflogen
-en -t -en -en -t -en fliegt!
39 fliehen fliehe fliehst flieht floh flohst floh flieh! geflohen
-en -t -en -en -t -en flieht!
40 flieûen flieûe flieû(es)t flieût floss flossest floss flieû(e)! geflossen
-en -t -en flossen flosst flossen flieût!
41 fressen fresse frisst frisst fraû fraûest fraû friss! gefressen
fressen fresst fressen -en -t -en fresst!
42 frieren friere frierst friert fror frorst fror frier(e)! gefroren
-en -t -en -en -t -en friert!

Black Auszug (1203,1)


43 gären gäre gärst gärt gor gorst gor gär(e)! gegoren

Konjugationstabellen
-en -t -en -en -t -en gärt!
wird auch regelmäûig konjugiert

44 gebären gebäre gebierst gebiert gebar gebarst gebar gebier! geboren


gebären gebärt gebären -en -t -en gebärt!
45 geben gebe gibst gibt gab gabst gab gib! gegeben
1203

geben gebt geben -en -t -en gebt!


Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1204

Konjugationstabellen
46 gedeihen gedeihe gedeihst gedeiht gedieh gediehst gedieh gedeih(e)! gediehen
-en -t -en -en -t -en gedeiht!
47 gehen gehe gehst geht ging gingst ging geh! gegangen
-en -t -en -en -t -en geht!
48 gelingen ± ± gelingt ± ± gelang geling! gelungen
± ± gelingen ± ± -en gelingt!
49 gelten gelte giltst gilt galt galt(e)st galt gilt! gegolten
gelten geltet gelten -en -et -en geltet!
50 genesen genese genes(es)t genest genas genasest genas genes(e)! genesen
-en -t -en -en -t -en genest!
51 genieûen genieûe genieût genieût genoss genossest genoss genieû(e)! genossen
-en -t -en genossen genosst genossen genieût!
52 geschehen ± ± geschieht ± ± geschah ± geschehen
± ± geschehen ± ± -en ±
53 gewinnen gewinne gewinnst gewinnt gewann gewannst gewann gewinn(e)! gewonnen
-en -t -en -en -t -en gewinnt!
54 gieûen gieûe gieût gieût goss gossest goss gieû! gegossen
-en -t -en gossen gosst gossen gieût!
55 gleichen gleiche gleichst gleicht glich glichst glich gleich(e)! geglichen
-en -t -en -en -t -en gleicht!

Black Auszug (1204,1)


56 gleiten gleite gleitest gleitet glitt glitt(e)st glitt gleit(e)! geglitten
-en -et -en -en -et -en gleitet!
57 glimmen glimme glimmst glimmt glomm glommst glomm glimm! geglommen
-en -t -en -en -t -en glimmt!
wird auch regelmäûig konjugiert

58 graben grabe gräbst gräbt grub grubst grub grab! gegraben


graben grabt graben -en -t -en grabt!
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
59 greifen greife greifst greift griff griffst griff greif! gegriffen
-en -t -en -en -t -en greift!
60 haben habe hast hat hatte hattest hatte hab(e)! gehabt
haben habt haben -en -et -en habt!
61 halten halte hältst hält hielt hielt(e)st hielt halt(e)! gehalten
halten haltet halten -en -et -en haltet!
62 hängen hänge hängst hängt hing hingst hing häng! gehangen
-en -t -en -en -t -en hängt!
wird nur bei intransitivem Gebrauch unregelmäûig konjugiert

63 hauen haue haust haut hieb hiebst hieb hau! gehauen


-en -t -en -en -t -en haut!
mit den Vorsilben ein-, herunter-, hin-, ver- (sowie ab- bei intransitivem Gebrauch) Präteritum: -haute

64 heben hebe hebst hebt hob hobst hob heb! gehoben


-en -t -en -en -t -en hebt!
65 heiûen heiûe heiû(es)t heiût hieû hieû(es)t hieû heiû! geheiûen
-en -t -en -en -t -en heiût!
66 helfen helfe hilfst hilft half halfst half hilf! geholfen
helfen helft helfen -en -t -en helft!
67 kennen kenne kennst kennt kannte kanntest kannte kenn(e)! gekannt
-en -t -en -ten -tet -ten kennt!

Black Auszug (1205,1)


Konjugationstabellen
68 klimmen klimme klimmst klimmt klomm klommst klomm klimm! geklommen
-en -t -en auch: auch: auch: klimmt!
klimmte klimmtest klimmte
-en -t -en
69 klingen klinge klingst klingt klang klangst klang kling! geklungen
-en -t -en -en -t -en klingt!
1205
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1206

Konjugationstabellen
70 kneifen kneife kneifst kneift kniff kniffst kniff kneif! gekniffen
-en -t -en -en -t -en kneift!
71 kommen komme kommst kommt kam kamst kam komm! gekommen
-en -t -en -en -t -en kommt!
72 können kann kannst kann konnte konntest konnte ± gekonnt
können könnt können -ten -tet -ten ±
73 kriechen krieche kriechst kriecht kroch krochst kroch kriech! gekrochen
-en -t -en -en -t -en kriecht!
74 laden lade lädst lädt lud lud(e)st lud lad! geladen
laden ugs. auch ugs. auch -en -et -en ladet!
ladest ladet
ladet laden
75 lassen lasse läss(es)t lässt lieû lieû(es)t lieû lass! gelassen
lassen lasst lassen -en -t -en lasst!
76 laufen laufe läufst läuft lief liefst lief lauf! gelaufen
laufen lauft laufen -en -t -en lauft!
77 leiden leide leidest leidet litt litt(e)st litt leid(e)! gelitten
-en -et -en -en -et -en leidet!
78 leihen leihe leihst leiht lieh liehst lieh leih! geliehen
-en -t -en -en -t -en leiht!

Black Auszug (1206,1)


79 lesen lese liest liest las lasest las lies! gelesen
lesen lest lesen -en -t -en lest!
80 liegen liege liegst liegt lag lagst lag lieg! gelegen
-en -t -en -en -t -en liegt!
81 lügen lüge lügst lügt log logst log lüg! gelogen
-en -t -en -en -t -en lügt!
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
82 meiden meide meidest meidet mied miedst mied meid(e)! gemieden
-en -et -en -en -et -en meidet!
83 melken melke melkst melkt molk molkst molk melk! milk! gemolken
melken auch: milkst auch: milkt -en -t -en melkt! auch: gemelkt
melkt melken
wird auch regelmäûig konjugiert

84 messen messe misst misst maû maûest maû miss! gemessen


messen messt messen -en -t en messt!
85 misslingen ± ± misslingt ± ± misslang ± misslungen
± ± misslingen ± ± -en ±
86 mögen mag magst mag mochte mochtest mochte ± gemocht
mögen mögt mögen -ten -tet -ten ±
87 müssen muss musst muss musste musstest musste ± gemusst
müssen müsst müssen -ten -tet -ten ±
88 nehmen nehme nimmst nimmt nahm nahmst nahm nimm! genommen
nehmen nehmt nehmen -en -t -en nehmt!
89 nennen nenne nennst nennt nannte nanntest nannte nenn(e)! genannt
-en -t -en -ten -tet -ten nennt!
90 pfeifen pfeife pfeifst pfeift pfiff pfiffst pfiff pfeif! gepfiffen
-en -t -en -en -t -en pfeift!

Black Auszug (1207,1)


91 pflegen pflege pflegst pflegt pflog pflogst pflog pfleg(e)! gepflogen

Konjugationstabellen
-en -t -en -en -t -en pflegt!
wird nur noch in Fügungen wie ­­Beziehungen pflegen¬¬ unregelmäûig konjugiert

92 preisen preise preist preist pries priesest pries preis(e)! gepriesen


-en -t -en -en -t -en preist!
1207
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1208

Konjugationstabellen
93 quellen quelle quillst quillt quoll quollst quoll quill! gequollen
quellen quellt quellen -en -t -en quellt!
wird bei transitivem Gebrauch regelmäûig konjugiert

94 raten rate rätst rät riet riet(e)st riet rat(e)! geraten


raten ratet raten -en -et -en ratet!
95 reiben reibe reibst reibt rieb riebst rieb reib(e)! gerieben
-en -t -en -en -t -en reibt!
96 reiûen reiûe reiût reiût riss rissest riss reiû! gerissen
-en -t -en rissen risst rissen reiût!
97 reiten reite reitest reitet ritt rittst ritt reit(e)! geritten
-en -et -en -en -et -en reitet!
98 rennen renne rennst rennt rannte ranntest rannte renn(e)! gerannt
-en -t -en -ten -tet -ten rennt!
99 riechen rieche riechst riecht roch rochst roch riech! gerochen
-en -t -en -en -t -en riecht!
100 ringen ringe ringst ringt rang rangst rang ring(e)! gerungen
-en -t -en -en -t -en ringt!
101 rinnen rinne rinnst rinnt rann rannst rann rinn(e)! geronnen
-en -t -en -en -t -en rinnt!

Black Auszug (1208,1)


102 rufen rufe rufst ruft rief riefst rief ruf! gerufen
-en -t -en -en -t -en ruft!
103 saufen saufe säufst säuft soff soffst soff sauf! gesoffen
saufen sauft saufen -en -t -en sauft!
104 saugen sauge saugst saugt sog sogst sog saug! gesogen
-en -t -en -en -t -en saugt!
wird auch regelmäûig konjugiert
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
105 schaffen schaffe schaffst schafft schuf schufst schuf schaff(e)! geschaffen
-en -t -en -en -t -en schafft!
wird im Sinne von ­­arbeiten¬¬ und mit den Vorsilben an-, be-, ver-, hinaus- u. ¾. regelmäûig konjugiert

106 schallen schalle schallst schallt scholl schollst scholl schall(e)! geschollen
-en -t -en -en -t -en schallt!
wird auch regelmäûig konjugiert

107 scheiden scheide scheidest scheidet schied schied(e)st schied scheid(e)! geschieden
-en -et -en -en -et -en scheidet!
108 scheinen scheine scheinst scheint schien schienst schien schein(e)! geschienen
-en -t -en -en -t -en scheint!
109 scheiûen scheiûe scheiût scheiût schiss schissest schiss scheiû! geschissen
-en -t -en schissen schisst schissen scheiût!
110 schelten schelte schiltst schilt schalt schalt(e)st schalt schilt! gescholten
schelten scheltet schelten -en -et -en scheltet!
111 scheren schere scherst schert schor schorst schor scher! geschoren
-en -t -en auch: scherte auch: schertest auch: scherte schert!
-en -t -en
112 schieben schiebe schiebst schiebt schob schobst schob schieb! geschoben
-en -t -en -en -t -en schiebt!
113 schieûen schieûe schieût schieût schoss schossest schoss schieû! geschossen

Black Auszug (1209,1)


-en -t -en schossen schosst schossen schieût!

Konjugationstabellen
114 schinden schinde schindest schindet schund schund(e)st schund schind(e)! geschunden
-en -et -en auch: auch: auch: schindet!
schindete schindetest schindete
-en -et -en
115 schlafen schlafe schläftst schläft schlief schliefst schlief schlaf(e)! geschlafen
schlafen schlaft schlafen -en -t -en schlaft!
1209
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1210

Konjugationstabellen
116 schlagen schlage schlägst schlägt schlug schlugst schlug schlag(e)! geschlagen
schlagen schlagt schlagen -en -t -en schlagt!
117 schleichen schleiche schleichst schleicht schlich schlichst schlich schleich! geschlichen
-en -t -en -en -t -en schleicht!
118 schleifen schleife schleifst schleift schliff schliffst schliff schleif! geschliffen
-en -t -en -en -t -en schleift!
wird im Sinne von ­­zerstören¬¬ (Festung) regelmäûig konjugiert

119 schleiûen schleiûe -(es)t -t schliss schlissest schliss schleiû! geschlissen


-en -t -en schlissen schlisst schlissen schleiût!
120 schlieûen schlieûe schlieût schlieût schloss schlossest schloss schlieû! geschlossen
-en -t -en schlossen schlosst schlossen schlieût!
121 schlingen schlinge schlingst schlingt schlang schlangst schlang schling! geschlungen
-en -t -en -en -t -en schlingt!
122 schmeiûen schmeiûe schmeiût schmeiût schmiss schmissest schmiss schmeiû! geschmissen
-en -t -en schmissen schmisst schmissen schmeiût!
123 schmelzen schmelze schmilzt schmilzt schmolz schmolzest schmolz schmilz! geschmolzen
schmelzen auch: auch: auch: auch: auch: schmelzt!
schmelzt schmelzt schmelzte schmelztest schmelzte
schmelzt schmelzen -en -t -en
124 schnauben schnaube schnaubst schnaubt schnob schnobst schnob schnaub(e)! geschnoben

Black Auszug (1210,1)


-en -t -en -en -t -en schnaubt!
wird heute meist regelmäûig konjugiert

125 schneiden schneide schneidest schneidet schnitt schnitt(e)st schnitt schneid(e)! geschnitten
-en -et -en -en -et -en schneidet!
126 schrecken schrecke schrickst schrickt schrak schrakst schrak schreck(e)! geschrocken
schrecken schreckt schrecken -en -t -en schreckt!
wird bei transitivem Gebrauch regelmäûig konjugiert
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
127 schreiben schreibe schreibst schreibt schrieb schriebst schrieb schreib! geschrieben
-en -t -en -en -t -en schreibt!
128 schreien schreie schreist schreit schrie schriest schrie schrei! geschrien
-en -t -en schrien schriet schrien schreit!
129 schreiten schreite schreitest schreitet schritt schrittest schritt schreit(e)! geschritten
-en -et -en -en -et -en schreitet!
130 schweigen schweige schweigst schweigt schwieg schwiegst schwieg schweig! geschwiegen
-en -t -en -en -t -en schweigt!
131 schwellen schwelle schwillst schwillt schwoll schwollst schwoll schwill! geschwollen
schwellen schwellt schwellen -en -t -en schwellt!
wird bei transitivem Gebrauch regelmäûig konjugiert

132 schwimmen schwimme schwimmst schwimmt schwamm schwammst schwamm schwimm! geschwommen
-en -t -en -en -t -en schwimmt!
133 schwinden schwinde schwindest schwindet schwand schwand(e)st schwand schwind(e)! geschwunden
-en -et -en -en -et -en schwindet!
134 schwingen schwinge schwingst schwingt schwang schwangst schwang schwing! geschwungen
-en -t -en -en -t -en schwingt!
135 schwören schwöre schwörst schwört schwur schwurst schwur schwör(e)! geschworen
-en -t -en -en -t -en schwört!
auch: schwor
usw.

Black Auszug (1211,1)


Konjugationstabellen
136 sehen sehe siehst sieht sah sahst sah sieh(e)! gesehen
sehen seht sehen -en -t -en seht!
137 sein bin bist ist war warst war sei! gewesen
sind seid sind -en -t -en seid!
1211
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1212

Konjugationstabellen
138 senden sende sendest sendet sandte sandtest sandte send(e)! gesandt
-en -et -en sandten sandtet sandten sendet!
wird auch, im Sinne von ­­ausstrahlen¬¬ (Rundfunk, Fernsehen), ausschlieûlich regelmäûig konjugiert

139 sieden siede siedest siedet sott sott(e)st sott sied(e)! gesotten
-en -et -en -en -et -en siedet!
wird bei intransitivem Gebrauch regelmäûig konjugiert

140 singen singe singst singt sang sangst sang sing! gesungen
-en -t -en -en -t -en singt!
141 sinken sinke sinkst sinkt sank sankst sank sink! gesunken
-en -t -en -en -t -en sinkt!
142 sinnen sinne sinnst sinnt sann sannst sann sinn(e)! gesonnen
-en -t -en -en -t -en sinnt! auch: gesinnt
143 sitzen sitze sitzt sitzt saû saû(es)t saû sitz! gesessen
-en -t -en -en -t -en sitzt!
144 speien speie speist speit spie spiest spie spei! gespien
-en -t -en spien spiet spien speit!
145 spinnen spinne spinnst spinnt spann spannst spann spinn! gesponnen
-en -t -en -en -t -en spinnt!
146 sprechen spreche sprichst spricht sprach sprachst sprach sprich! gesprochen

Black Auszug (1212,1)


sprechen sprecht sprechen -en -t -en sprecht!
147 sprieûen sprieûe sprieû(es)t sprieût spross sprossest spross sprieû(e)! gesprossen
-en -t -en sprossen sprosst sprossen sprieût!
auch:
sprosste sprosstest sprosste
sprossten sprosstet sprossten
wird auch regelmäûig konjugiert
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
148 springen springe springst springt sprang sprangst sprang spring! gesprungen
-en -t -en -en -t -en springt!
149 stechen steche stichst sticht stach stachst stach stich! gestochen
stechen stecht stechen -en -t -en stecht!
150 stecken stecke steckst steckt stak stakst stak steck! gesteckt
-en -t -en -en -t -en steckt!
wird auch (transitiv immer) regelmäûig konjugiert

151 stehen stehe stehst steht stand stand(e)st stand steh! gestanden
-en -t -en -en -et -en steht!
152 stehlen stehle stiehlst stiehlt stahl stahlst stahl stiehl! gestohlen
stehlen stehlt stehlen -en -t -en stehlt!
153 steigen steige steigst steigt stieg stiegst stieg steig! gestiegen
-en -t -en -en -t -en steigt!
154 sterben sterbe stirbst stirbt starb starbst starb stirb! gestorben
sterben sterbt sterben -en -t -en sterbt!
155 stieben stiebe stiebst stiebt stob stobst stob stieb(e)! gestoben
-en -t -en -en -t -en stiebt!
wird auch regelmäûig konjugiert

156 stinken stinke stinkst stinkt stank stankst stank stink! gestunken
-en -t -en -en -t -en stinkt!

Black Auszug (1213,1)


Konjugationstabellen
157 stoûen stoûe stöût stöût stieû stieû(es)t stieû stoû! gestoûen
stoûen stoût stoûen -en -t -en stoût!
158 streichen streiche streichst streicht strich strichst strich streich! gestrichen
-en -t -en -en -t -en streicht!
159 streiten streite streitest streitet stritt stritt(e)st stritt streit(e)! gestritten
-en -et -en -en -et -en streitet!
1213
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1214

Konjugationstabellen
160 tragen trage trägst trägt trug trugst trug trag! getragen
tragen tragt tragen -en -t -en tragt!
161 treffen treffe triffst trifft traf trafst traf triff! getroffen
treffen trefft treffen -en -t -en trefft!
162 treiben treibe treibst treibt trieb triebst trieb treib! getrieben
-en -t -en -en -t -en treibt!
163 treten trete trittst tritt trat tratst trat tritt! getreten
treten tretet treten -en -et -en tretet!
164 triefen triefe triefst trieft troff troffst troff ± getroffen
-en -t -en -en -t -en ±
wird auch regelmäûig konjugiert

165 trinken trinke trinkst trinkt trank trankst trank trink! getrunken
-en -t -en -en -t -en trinkt!
166 trügen trüge trügst trügt trog trogst trog trüg(e)! getrogen
-en -t -en -en -t -en trügt!
167 tun tue tust tut tat tat(e)st tat tu! getan
tun tut tun -en -et -en tut!
168 verderben verderbe verdirbst verdirbt verdarb verdarbst verdarb verdirb! verdorben
verderben verderbt verderben -en -t -en verderbt! verderbt

Black Auszug (1214,1)


169 verdrieûen verdrieûe verdrieût verdrieût verdross verdrossest verdross verdrieû! verdrossen
-en -t -en -ssen -sst -ssen verdrieût!
170 vergessen vergesse vergisst vergisst vergaû vergaû(es)t vergaû vergiss! vergessen
vergessen vergesst vergessen -en -t -en vergesst!
171 verlieren verliere verlierst verliert verlor verlorst verlor verlier! verloren
-en -t -en -en -t -en verliert!
172 wachsen wachse wächst wächst wuchs wuchs(es)t wuchs wachs(e)! gewachsen
wachsen wachst wachsen -en -t -en wachst!
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
173 wägen wäge wägst wägt wog wogst wog wäg! gewogen
-en -t -en -en -t -en wägt!
wird auch regelmäûig konjugiert

174 waschen wasche wäschst wäscht wusch wuschst wusch wasch! gewaschen
waschen wascht waschen -en -t -en wascht!
175 weben webe webst webt wob wobst wob web! gewoben
-en -t -en -en -t -en webt!
wird auch regelmäûig konjugiert

176 weichen weiche weichst weicht wich wichst wich weich(e)! gewichen
-en -t -en -en -t -en weicht!
177 weisen weise weist weist wies wies(es)t wies weis(e)! gewiesen
-en -t -en -en -t -en weist!
178 wenden wende wendest wendet wandte wandtest wandte wend(e)! gewandt
-en -et -en wandten wandtet wandten wendet!
wird auch (transitiv immer) regelmäûig konjugiert

179 werben werbe wirbst wirbt warb warbst warb wirb! geworben
werben werbt werben -en -t -en werbt!
180 werden werde wirst wird wurde wurdest wurde werd(e)! geworden
werden werdet werden auch: ward auch: wardest auch: ward werdet! als Hilfsverb:
-en -et -en worden

Black Auszug (1215,1)


Konjugationstabellen
181 werfen werfe wirfst wirft warf warfst warf wirf! geworfen
werfen werft werfen -en -t -en werft!
182 wiegen wiege wiegst wiegt wog wogst wog wieg! gewogen
-en -t -en -en -t -en wiegt!
183 winden winde windest windet wand wand(e)st wand wind(e)! gewunden
-en -et -en -en -et -en windet!
1215
Infinitiv Indikativ Präsens Indikativ Präteritum Imperativ Partizip II
1216

Konjugationstabellen
184 wissen weiû weiût weiû wusste wusstest wusste wisse! gewusst
wissen wisst wissen wussten wusstet wussten wisst!
185 wollen will willst will wollte wolltest wollte wolle! gewollt
wollen wollt wollen -ten -tet -ten wollt!
186 zeihen zeihe zeihst zeiht zieh ziehst zieh zeih(e)! geziehen
-en -t -en -en -t -en zeiht!
187 ziehen ziehe ziehst zieht zog zogst zog zieh! gezogen
-en -t -en -en -t -en zieht!
188 zwingen zwinge zwingst zwingt zwang zwangst zwang zwing! gezwungen
-en -t -en -en -t -en zwingt!

Black Auszug (1216,1)


001-007 WDR_Intro_11.qxd 13.05.2006 14:14 Uhr Seite 4

Fragen zur Rechtschreibung, Grammatik


WA H R I G und Zeichensetzung beantwortet die
WAHRIG-Sprachberatung unter
09001 898960
(1,86 Euro pro Minute deutschlandweit)
und unter der Internet-Adresse
www.wahrig-sprachberatung.de

WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung


erschien erstmals 1973 unter dem Titel »Knaurs
Rechtschreibung«, herausgegeben vom Lexiko-
graphischen Institut München. Verfasst wurde
die Originalausgabe von Ursula Hermann.

Wissenschaftliche Berater

Prof. Dr. Lutz Götze: Professor für das Fach


Deutsch als Fremdsprache der Fachrichtung
Germanistik an der Universität des Saarlandes.
Er ist Herausgeber der Neuausgabe 1996 unter
dem Titel »Bertelsmann Die neue deutsche Leitung der Neuausgabe 2006
Rechtschreibung«, die von ihm völlig neu Dr. Sabine Krome
bearbeitet und erweitert wurde. Redaktion
Michael Müller, omnibooks,
Dr. Klaus Heller war von 1992–2004 Mitarbei- Andrea Rocha-Lieder, Bernhard Roll,
ter am Institut für deutsche Sprache in Mann- Jörn Stegmeier, Felix Wenzel,
heim und von 1997–2004 Geschäftsführer der Stefan Windte
»Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Layout
Rechtschreibung«. Claudia Grotefendt
Datentechnik und Satz
Prof. Dr. Manfred Pinkal: Professor für Olaf Braun, omnibooks,
Computerlinguistik am Institut für Computer- Roman Bold & Black, Köln,
linguistik und Phonetik an der Universität Andreas Ziegelmayer
des Saarlandes. Herstellung
Hartmut Fichtner
Einbandgestaltung
Das WAHRIG Textkorpus digital wurde auf- Groothuis, Lohfert, Consorten/
gebaut und sprachtechnologisch ausgewertet www.glcons.de
durch die CLT Sprachtechnologie GmbH Druck und Bindung
Saarbrücken. GGP Media GmbH, Pößneck

Die Auswertung erfolgte u. a. auf der Basis © 2006 Wissen Media Verlag GmbH
aktueller Jahrgänge folgender Zeitungen (vormals Bertelsmann Lexikon Verlag
und Zeitschriften: Berliner Zeitung, BRAVO, GmbH), Gütersloh/München
FÜR SIE, Neue Zürcher Zeitung, Spektrum Alle Rechte vorbehalten
der Wissenschaft, Der Spiegel, Der Standard, Printed in Germany
Süddeutsche Zeitung (lizenziert durch die ISBN-10: 3-577-10177-6
DIZ München GmbH) ISBN-13: 978-3-577-10177-6

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