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Vertrauen zurückgewinnen - ein Zukunftsthema glaubwürdig besetzen.

Strategische und inhaltliche Überlegungen zur Netzpolitik der GAL
von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

In den letzten zwei Jahren hat die GAL einiges an Vertrauen bei den so genannten
“Netzbewohnern” und der digitalen Elite verspielt. Es ist uns nicht immer gelungen, deutlich zu
machen, wo wir stehen und dass (oder ob) unser Handeln in der Netzpolitik von (Fach-)
Wissen, Analyse und einer politischen Haltung geprägt ist.

Das ist umso bedauerlicher, als Hamburg das Zentrum der internetbasierten Wirtschaft in
Deutschland ist. Nicht nur die wichtigsten Medienunternehmen haben ihren Sitz in Hamburg
sondern auch die Deutschlandzentralen beispielsweise von Google und Facebook, die wie
kaum andere zurzeit das Bild des Internet für die Menschen prägen. 2010 wurden in Hamburg
zwei der wichtigsten kreativen Inkubatoren für junge Internetunternehmen gegründet. Hamburg
hat sich zur Hauptstadt der nächsten Generation von Gründern entwickelt.

Hamburger Grüne waren in den Diskussionen um Daten- und Verbraucherschutz im Internet in
den letzten zwei Jahren durchaus präsent und haben mit hoher und glaubwürdiger Expertise
(Justiz, Datenschutz) Positionen bezogen. Es ist uns als GAL aber nicht hinreichend gelungen,
diese Expertisen mit technologischer und netzpolitischer Kompetenz zu verbinden und zu einer
konsistenten und glaubwürdigen Position zu kommen. Sowohl beim Daten- und
Verbraucherschutz in Sozialen Netzwerken als auch beim “Lex Google” haben wir aus dem
Versuch heraus, das richtige zu tun, den Blick auf die besonderen Herausforderungen des
Netzes als Infrastruktur verloren.

In keiner der Debatten im Feld der Netzpolitik war die GAL in den letzten zwei Jahren
erkennbar, obwohl das Thema aus der Nische in das Zentrum des Interesses gerückt ist. Als
Netzpolitikerinnen müssen wir feststellen, dass wir unser Thema und unsere Expertise nicht
deutlich genug in die Diskussion und den Meinungsbildungsprozess der GAL und der
Bürgerschaftsfraktion eingebracht haben.

Insbesondere bei der Verhandlung des Jugendmedienstaatsvertrags (JMStV) durch den Senat
und bei der Ratifizierung durch die Bürgerschaft hat unser Kompass versagt. Dass auch wir
Netzpolitikerinnen dieses Thema zu spät und zu leise auf die Agenda der GAL zu setzen
versucht haben, waren ein Fehler und ein Versäumnis, die uns Vertrauen gekostet haben.

Unser Ziel ist es, das Vertrauen, das die digitale Elite in uns hatte, die uns als Grünen eigentlich
nahesteht, zurückzugewinnen. Dafür müssen wir klare Positionen beziehen und uns von der
populistischen Placebopolitik der anderen Parteien abgrenzen. Dass die Hamburger
Bundestagsabgeordneten in der Frage des Aufbaus einer Zensurinfrastruktur
(Zugangserschwerungsgesetz) standhaft waren, erleichtert uns dabei sehr. Ebenso, dass der
Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, ein Hamburger Grüner, eine
ausgewogene Position vertritt.

wenn die Akteure und Netzbetreiber die Fairness verletzen. historisch nur mit den Veränderungen durch die Erfindung und Durchsetzung des Druckens mit beweglichen Buchstaben vergleichbar sind. getrieben vom Bundeskriminalamt. anstatt Zensurinfrastrukturen aufzubauen. woran in der Praxis kein Zweifel bestehen kann. die Gesellschaften. Im Gegenteil: Jeder falsch verstandene Versuch. die Grüne mitgestalten können.und Kommunikationsinfrastruktur mit sich bringt.Netzpolitik wird mehr und mehr zu einer Querschnittsaufgabe. . mit den Ordnungsinstrumenten der Medienpolitik auf das Internet zu reagieren. also dafür. Das Internet ist kein Raum. sie also für Nutzer aus Deutschland nicht anzeigen zu lassen. Uns als GAL sollte dabei leiten. Zensur aber kann und darf niemals die Antwort des Staates und seiner Exekutive auf Probleme und Verbrechen sein. dass die Zugangsanbieter Datenpakete von und an ihre Kunden unverändert und gleichberechtigt übertragen. dass die herkömmlichen Versuche. dass sie alle Politikbereiche durchwebt. die diese Versuche unternehmen. Genau dies aber kündigen europaweit und auch in Deutschland zurzeit einige Telekommunikationsunternehmen an. wenn sie an der Regierung beteiligt sind. Inhalte sperren zu können. versucht. die neben Medienpolitik. wird das Versprechen sein. Grüne Überzeugung ist. In den kommenden Jahren stehen einige wichtige Weichenstellungen in der Netzpolitik an. die beispielsweise Kinderpornographie verbieten und Urheberrechte gewährleisten. fehl gehen. dass die Veränderungen. Voraussetzungen zu schaffen. an dem die GAL sich messen lassen muss. die über die Anwendung bestehender und zu verfeinernder Regeln für das übrige Leben hinausginge. Rechtspolitik und Datenschutz auch ordnungs. unabhängig davon. führt bereits heute dazu. Aber fünf konkrete Felder der Netzpolitik betreffen auch das gestaltende Handeln in Hamburg: (1) Netzneutralität Wenn Internet eine Infrastruktur ist. Grüne plädieren deshalb dafür.und wirtschaftspolitische Fragen (fairer Zugang. Jede Maßnahme. diese Regeln und Gesetze anzuwenden. von der Entwicklung und auch den emanzipatorischen Chancen abzukoppeln. Grüne Netzpolitik unterscheidet sich von monothematischen Ansätzen dadurch. ist es Aufgabe staatlichen Handelns. Infrastruktur) und Fragen der Demokratie (Transparenz. die Zensur technisch ermöglicht und auch ausüben will. wird von Grünen abgelehnt. Grüne Netzpolitik sollte sich deshalb für eine Verankerung der Netzneutralität einsetzen. dass auch im Internet die Gesetze und Regeln gelten. Dies in der Praxis einzulösen. die das Internet als Publikations. der der Gestaltung durch die Politik bedarf oder in dem eine solche Gestaltung auch nur möglich wäre. Open Data) berührt. für Fairness und Regeln zu sorgen. Das sollte kompromisslos gelten. Das heißt auch. woher diese stammen oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben. Dieses schafft de facto eine Infrastruktur. (2) Zensurinfrastruktur In den Debatten um Kinderpornographie und andere Verbrechen hat die Politik. die Zensur möglich macht. gestaltend einzugreifen.

sich zu vernetzen und gegenseitig zu informieren. Bei der nun anstehenden Neuverhandlung des Vertrags zwischen den Bundesländern sollte sich die GAL in einen Dialog mit den Hamburger Bürgern. Netzbewohnern und Medienschaffenden begeben. Beteiligungsprozesse und Informationspflichten können einfacher realisiert werden. anstatt durch Zugangsbeschränkungen die Informationsfreiheit zu gefährden. die permanente Präsenz von Bild. sollten Grüne einem JMStV zustimmen. Politik und Gesellschaft. wird er im kommenden Jahr neu verhandelt werden müssen. darauf bestehen.(3) Jugendschutz und Jugendmedienstaatsvertrag (JMStV) Da der verhandelte JMStV gescheitert ist.und Medienpolitik klar sein: Nur wenn Jugendschutz als medienpädagogische und gesellschaftliche Aufgabe definiert wird. Grüne Netzpolitik sollte anstelle objektiv untauglicher Regelungsversuche. Transparenz und Kontrolle. Gerade intergenerationelle und mehrsprachige Angebote werden dabei eine Schlüsselrolle spielen. bevor sie eine Position einnimmt. Dabei sollte eines für grüne Netz. dann ist die Frage der kompetenten und selbstverantworteten Internetnutzung eine Schlüsselfrage für den Zusammenhalt der Gesellschaft.und Kenntnisbereich klassischer Träger medienpädagogischer Angebote hinausgehen. sollte sich die Förderung an der grünen Tradition dezentraler. in netzpädagogische Angebote investieren. Grüne Netzpolitik sollte sich darauf vorbereiten und Grüne sollten dort. die das Internet als nicht-lineare Distributionsform von Medien ernst nimmt. . wo sie in Regierungsverantwortung sind (oder anstreben wie in Hamburg). schafft es andersherum weitere Möglichkeiten der demokratischen Partizipation. Grüne Netzpolitik sollte diese Chancen betonen und befördern. Der prinzipiell unendliche und gut durchsuchbare Speicher. von unten wachsender und partizipativer Initiativen orientieren. wenn er Maßnahmen des Jugendschutzes enthält.0 Während für die Politik nur wenig Gestaltungsbedarf für das Internet besteht. direkt an den Verhandlungen beteiligt zu werden. Die GAL sollte nur dann einen neuen JMStV mittragen. Fachleute und so genannte “Netzbewohner” (also erfahrene Internetnutzer) sollten beim neuen Anlauf von Anfang an involviert werden. weil NRW ihn nicht ratifiziert hat. die sich an anderen Distributionsformen von Kommunikation und Medien orientieren. und die niedrigschwellige Möglichkeit für Menschen. (4) Netzpädagogik Wenn heute 100% der Jugendlichen online sind und rund 80% von ihnen soziale Netzwerke wie Facebook nutzen (ARD/ZDF Onlinestudie 2010). Da diese weit über den Kompetenz.und Tonaufnahmen. die online veröffentlicht werden. machen das Internet zur Triebfeder einer weiteren Öffnung der Verwaltung. (5) Transparenz und Demokratie 2.