Sie sind auf Seite 1von 2

BAK 3 PS Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten – Dr Manuela Egger

ZITIEREN UND ZITIERREGELN – Teil 1

WARUM ZITIEREN?
Zitieren ist eine Notwendigkeit in allen wissenschaftlichen Arbeiten. Wesentliche Gründe für das
Zitieren sind folgende: (1) Daten und Fakten (etwa aus Statistiken, Befragungen und anderen Studien) müssen in
nachvollziehbarer Weise belegt werden, (2) Argumentationen und Thesen müssen ihre Bezugnahmen auf andere
Thesen, Theorien, Begriffe und Erkenntnisse aufzeigen, da sonst die UrheberInnenschaft und die Entwicklung von
Gedanken sowie deren zugrundeliegende Annahmen nicht nachvollziehbar sind, (3) bei Darstellungen von
Argumentationen und Theorien anderer AutorInnen ist es häufig sinnvoll, diese selbst zu Wort kommen zu lassen
und zentrale Aussagen in direkten Zitaten anzuführen.
Zitate dienen dazu, die eigene Wissensproduktion im größeren Kontext des bisherigen
Forschungsstands einzuordnen und ein Thema anschaulich darzustellen. Keinesfalls sollten Zitate endlos
aneinandergereiht werden, um einen Beweis bisheriger Leseleistungen zu liefern oder um die Notwendigkeit
eigener Überlegungen in den Hintergrund treten zu lassen.

DAS PLAGIAT – KAPITALVERBRECHEN IN DER WISSENSCHAFT


Ein Plagiat ist die unbefugte Verwertung geistigen Eigentums unter Anmaßung der AutorInnenschaft. Wenn
eine wissenschaftliche Arbeit Plagiate enthält, ist diese abzulehnen bzw. sind bei einer ursprünglichen Annahme
einer Arbeit mit Plagiaten dafür verliehene akademische Grade abzuerkennen.
Von einem Plagiat wird konkret dann gesprochen, wenn Textstellen ohne Quellenangabe übernommen wurden,
unabhängig davon, ob dies absichtlich und vorsätzlich oder durch Unachtsamkeit und schlampiges Arbeiten
passiert ist. Plagiate betreffen nicht nur wortwörtliche Textwiedergaben, sondern auch ungekennzeichnete
Paraphrasen (Übernahme von Textstellen und sprachlichen Veränderungen). Um Plagiate zu vermeiden, ist es
unerlässlich sorgfältig zu arbeiten und etwa gründliche Exzerpte anzufertigen.

WAS SOLL ZITIERT WERDEN?


Grundregeln: (1) Quellen sollten immer seriös und zuverlässig sein und sich auf Texte beziehen, die das
Ergebnis wissenschaftlicher Praxis sind (es sei denn, das Zitierte ist Teil des Untersuchungsgegenstandes). (2)
Zitate sollen zweckmäßig sein und nur Dinge enthalten, die für den Argumentationsgang erforderlich sind. (3)
Selbstverständlichkeiten, Trivialitäten und Lexikonwissen sollten nicht zitiert werden.

BESTANDTEILE EINER QUELLENANGABE


Zwingend erforderliche Bestandteile einer vollständigen Quellenangabe in einem Literaturverzeichnis sind
(a) der Name des Autors, der Autorin bzw. der AutorInnen, (b) der Titel der Publikation, (c) das Publikations-
jahr sowie (d) der Erscheinungsort. Zusätzlich können auch (e) der Verlag und (f) das Jahr des erstmali-
gen Erscheinens genannt werden. Abhängig von unterschiedlichen Publikationstypen müssen (g) bei Aufsätzen
in Zeitschriften auch der Zeitschriftenname, die Ausgabe und Seitenangaben und (h) bei Sammelbänden die
Herausgebenden und die Seitenangaben des Artikels im Sammelband genannt werden. Beispiele:

Monographien
Harding, Sandra (1994): Das Geschlecht des Wissens; Frankfurt/M.: Campus
Variationen der Zitierweise
Sandra Harding (1994): Das Geschlecht des Wissens; Frankfurt/M.
Harding, Sandra (1994): Das Geschlecht des Wissens. Frankfurt/M.: Campus.

Aufsätze in Sammelbänden
Kreisky, Eva (2012): „Durch die Eiswüste der Abstraktion“?; in: Eva Kreisky, Marion Löffler, Georg Spitaler (Hg.): Theoriearbeit
in der Politikwissenschaft; Wien: facultas; 21-32.
Variationen
Kreisky, Eva (2012): „Durch die Eiswüste der Abstraktion“?; in: Kreisky, Eva et al. (Hg.): Theoriearbeit in der Politikwissen-
schaft; Wien; 21-32.
Eva Kreisky (2012): „Durch die Eiswüste der Abstraktion“?; in: Eva Kreisky et al. (Hg.): Theoriearbeit in der Politikwissenschaft;
Wien; S. 21-32.
Zeitschriftenaufsätze (Erklärungen über die allgemeinen Zitierregeln zu Journalbeiträgen folgen)
Connell, Raewyn (2010): Im Innern des gläsernen Turms: Die Konstruktion von Männlichkeiten im Finanzkapital; in: Feministi-
sche Studien, Heft 1, Mai 2010; 8-24.
Sablowski, Thomas (2009): Die Ursachen der neuen Weltwirtschaftskrise; in: Kritische Justiz, Jg. 42, Heft 2; 116-131.

DIREKTES UND INDIREKTES ZITAT IN EINEM TEXT


Direkte Zitate sind wörtliche Textwiedergaben. Die übernommenen Textstellen werden immer mit „doppelten
Anführungszeichen“ gekennzeichnet. Indirekte Zitate sind solche, die einen Text sinngemäß wiedergeben – sie
werden nicht unter Anführungszeichen gesetzt, müssen aber trotzdem belegt werden.
WICHTIG: Am Ende des Zitats müssen Quellennachweise entweder in Form einer Fußnote oder im Harvard-
Zitierstil in Klammern angegeben werden (s.u.)!

METHODEN DES QUELLENNACHWEISES IM TEXT


Es existieren folgende beiden Formen des Quellennachweises, die niemals vermischt werden dürfen:
(1) Harvard-Zitierstil: Kurzangabe im Text in Klammern mit den Elementen (i) Familienname, (ii) Jahr und
(iii) der Angabe der Seitenzahl – Beispiel: In ihrem Einführungstext über Begriffs- und Theoriearbeit bezieht
sich Kreisky auf Wendy Browns These der Individualisierung allen Entscheidens und Handelns (Kreisky 2012:
23f.). [oder auch: (Kreisky 2012), (Kreisky 2012, 23f.), (Kreisky 2012, S. 23f.)]
(2) Fußnoten-Zitierstil: Hochgestellte Fußnote in Form einer Zahl mit Verweis auf eine Anmerkung am
Seitenende oder am Textende – Beispiel: In ihrem Einführungstext über Begriffs- und Theoriearbeit bezieht
sich Eva Kreisky auf Wendy Browns These der Individualisierung allen Entscheidens und Handelns.1
Bibliographie: Beim Harvard-Zitierstil ist eine alphabetisch (Nachnamen) und chronologisch (bei
mehreren Einträgen derselben Person) geordnete Literaturliste am Textende zwingend
erforderlich; beim Fußnoten-Zitierstil nicht notwendig, aber üblich. In den Sozialwissenschaften ist der
Harvard-Zitierstil (bzw. das „System Autor/Jahr“) mittlerweile dominant, weshalb gerade dieses
System angeeignet werden sollte. – WICHTIG: Eine Literaturliste muss immer einer einheitlichen
Zitierweise folgen!

UMGANG MIT DIREKTEN ZITATEN


(1) Erweiterungen und Auslassungen: Zitate können durch gekennzeichnete Anmerkungen in eckigen
Klammern ergänzt [Anm.] oder gekürzt […] werden. Dabei darf der Sinn des Zitats nicht entstellt oder
verändert werden. Beispiele:
„Theorien sind auch als ‚sprachliche Strukturen‘ (Diskurse, Narrative) zu fassen […]“ (Kreisky 2012: 24).
„Sie [die politischen Theorien, Anm. VN] bilden spezifische Interessenlagen ab, sind also als ‚interessen-
geleitete Diskurse‘ freizulegen […]“ (Kreisky 2012: 24). [VN = Initialen des VerfasserIn-Namens]
(2) Hervorhebung von Textteilen: Teile von Zitaten können hervorgehoben werden, jedoch muss dies
gekennzeichnet werden. Beispiel:
„Theoriearbeit findet als kritische Arbeit an und mit Texten statt […]“ (Kreisky 2012: 28, Herv. VN).
(3) Einfügungen / Auslassungen aufgrund der Grammatik: Zitate können entsprechend der Satzstellung
und Grammatik verändert werden. Hierbei ist die Einfügung oder Weglassung durch eckige Klammer zu
kennzeichnen. Beispiel:
In ihrem Text erklärt Eva Kreisky, dass politische Theorien immer auch ihre „spezifische[n]
Interessenlagen [abbilden]“ (Kreisky 2012: 24).

UMGANG MIT INDIREKTEN ZITATEN


Bei indirekten Zitaten sind Quellennachweise ebenfalls erforderlich – Beispiele:
Kreisky sieht einen engen Zusammenhang von politischen Theorien und gesellschaftlichen Interessen
(Kreisky 2012: 24). [oder auch: (vgl. Kreisky 2012: 24), (cf. Kreisky 2012, 24) etc.]
Kreisky (2012: 24) sieht einen engen Zusammenhang von politischen Theorien und gesellschaftlichen
Interessen.

1
Kreisky, Eva: „Durch die Eiswüste der Abstraktion“?; in: Kreisky, Eva et al. (Hg.): Theoriearbeit in der Politikwissenschaft;
Wien: facultas 2012; S. 23f.