Sie sind auf Seite 1von 2

PS Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten – Dr.

Manuela Egger

ZITIEREN UND ZITIERREGELN – Teil 2

SONDERFÄLLE DES ZITIERENS

(a) Folgezitate

Wenn mehrmals in ununterbrochener Reihenfolge von derselben Quelle (direkt oder indirekt) zitiert wird, ist es
nicht erforderlich, den Quellenverweis im Text jedes Mal vollständig anzuführen, sondern anstelle von Namen und
Jahr kann ab der zweiten Zitierung die Abkürzung „ebd.“ (ebenda) verwendet werden (alternativ: „ebda.“, „eben-
da“ oder lateinisch „ibid.“, „ib.“, „ibd.“ oder „ibidem“). Achten Sie dabei auf die Groß-/Kleinschreibung von
Abkürzungen je nach Stellung des Klammerausdrucks im Satz! – Beispiel:

Kritisch-realistische Ansätze gehen „von der These aus, dass gesellschaftliche Prozesse, Strukturen, Mechanismen und
AkteurInnen nur begriffen werden können, wenn man untersucht, in welchen Verhältnissen sie zu anderen gesellschaftlichen
Phänomenen […] stehen und wie sie von diesen Verhältnissen bestimmt werden“ (Pühretmayer 2012: 44f.). Sie legen
besonderes Augenmerk auf das Verhältnis von Struktur und Handlung und betonen, dass deren jeweiligen Interaktionen nur
ausgehend von einer Konzeption untersucht werden können, in der zwischen den Eigenschaften und Wirkkräften von Strukturen
und von AkteurInnen unterschieden wird (ebd.: 47).

(b) Zitate „aus zweiter Hand“

Grundsätzlich sollten Zitate aus zweiter Hand nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Sofern die zeitlichen und
organisatorischen Ressourcen für ein Nachschlagen des Zitats vorliegen, sollte immer aus erster Hand zitiert
werden. – Wenn dennoch Zitate aus zweiter Hand angeführt werden, muss mit dem Kürzel „zit. n.“ (zitiert nach)
gearbeitet werden. Die Originalquelle wird dabei nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen. – Beispiele:

Alex Demirović definiert Gesellschaftstheorien als Thesen über den „Gesamtprozess der gesellschaftlichen Entwicklung, die
dynamische Reproduktion eines durch zahlreiche Spannungen und Widersprüche vermittelten und aus vielen Praxisbereichen
mit jeweils autonomen Handlungslogiken bestehenden gesellschaftlichen Ganzen“ (Demirović, zit. n. Pühretmayer 2012: 35).

Die Unausweichlichkeit ontologischer Annahmen wird insbesondere von Roy Bhaskar hervorgehoben: „Die mangelnde
Bereitschaft, die eigene Ontologie explizit darzustellen, resultiert bloß im passiven Praktizieren einer impliziten“ (Bhaskar, zit. n.
Pühretmayer 2012: 36).

(c) Zitate im Zitat

Wenn man mit einem Zitat im Zitat zu tun hat, werden doppelte Anführungszeichen („“) immer zu einfachen
Anführungszeichen (‚‘) umgewandelt. Da doppelte Anführungszeichen Anfang und Ende eines Zitats markieren,
sind sie innerhalb eines Zitats nicht zulässig. – Beispiel:

Anhand eines Beispiels von Karl Marx über den Begriff der Bevölkerung erklärt der Text die Transformation eines Gedankenabs-
traktums in ein Gedankenkonkretum: „‚Bevölkerung‘ ist ein Gedankenkonkretum, wenn die Theorie die Organisation dieser
Elemente definiert hat, d.h. wenn die ‚Bevölkerung‘ als ‚Gedankentotalität‘ konstituiert und dann fähig ist, über ihre
demographischen, ökonomischen und anderen Elemente Auskunft zu geben“ (Karsz 1976: 60).

(d) Umgang mit bestehenden Hervorhebungen im Zitat

Wenn in Zitaten Hervorhebungen (Kursivstellungen etc.) enthalten sind, sollten diese übernommen werden. In
diesem Fall ist im Quellenverweis darauf mit der Abkürzung „Herv. i. O.“ (Hervorhebung im Original) hinzuweisen.
– Beispiel:

„Sie [die marxistische Theorie über Arbeitslosigkeit, Anm. VN] produziert die wissenschaftliche Erkenntnis eines realen Objekts
nämlich deshalb, weil sie ein Netz von Verknüpfungen produziert, in dem das Objekt ‚Arbeitslosigkeit‘ einen präzisen Platz
er- hält“ (Karsz 1976: 65; Herv. i. O.).

(e) Umgang mit Rechtschreibfehlern und anderen Fehlern im Zitat

Orthographische und sachliche Fehler in einem Zitat können mit dem Verweis „sic“ (so) in Klammern zur
Betonung des Fehlers bzw. zur Versicherung des Fehlers versehen werden. Alternativ kann auch ein Rufzeichen
nachgestellt werden. Tippfehler können ebenfalls gekennzeichnet werden, nicht jedoch ältere Schreibweisen. –
(Erfundene) Beispiele:

„Die Revolution von 1884 (sic!) jährte sich 1998 zum hundertfünfzigsten Mal“ (Nachname 2000: S. 200).

„Die Revoltion (sic) von 1848 jährte sich 1998 zum hundertfünfzigsten Mal“ (Nachname 2000: S. 200).
ZITIEREN VON ZEITUNGSARTIKELN

(1) Namentlich gekennzeichnete Zeitungsartikel und Kommentare können wie Zeitschriftenartikel in


das Literaturverzeichnis aufgenommen und als solche im Fließtext adressiert werden. Bei Wochenzeitungen
und Nachrichtenmagazinen wird zusätzlich noch die Ausgabennummer, optional auch der Jahrgang
angeführt. – Beispiele:

Owen Jones (2013): Thatcherism was a national catastrophe that still poisons us; in: The Independent, 9.4.2013

Linsinger, Eva (2013): „Wie soll ich das schaffen?“ Sinkende Löhne, steigende Kosten: 200.000 Menschen arbeiten und
sind trotzdem arm; in: Profil 16 (15.4.2013), 32-35.

(2) Auf Zeitungsartikel, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, kann wie folgt Bezug genommen
werden:
Laut dem aktuellen ZARA-Rassismusbericht nehmen diskriminierende Äußerungen und rassistische Handlungen in
Österreich deutlich zu (vgl. Salzburger Nachrichten, 22.3.2013, S. 9).

Aus Protest gegen die AIDS-Politik des Vatikan produzierte die Künstlerin Niki Johnson ein Portrait von Papst Benedikt
XVI. aus 17.000 Kondomen (SN, 22.3.2013, 10).

Im Literaturverzeichnis können namentlich nicht gekennzeichnete Artikel (bei Häufung im Bestfall unter
einem eigenen Punkt) unter der Nennung des Zeitungsnamens und dem Datum zitiert werden. (Eine
Nennung im Literaturverzeichnis ist jedoch nicht zwingend erforderlich.) – Beispiel: Salzburger Nachrichten,
22.3.2013

ZITIEREN VON UNVERÖFFENTLICHTEN QUELLEN

Nicht-veröffentlichte Quellen – bspw. Manuskripte; Diplomarbeiten, Dissertationen und andere begutachtete


wissenschaftlichen Arbeiten wie etwa Habilitationen; Mitschriften; Skripten; Vortragsmanuskripte etc. etc. –
können prinzipiell genauso wie publizierte Quellen zitiert werden, müssen jedoch als solche ausgewiesen werden.
Bei unveröffentlichten Quellen wird im Literaturverzeichnis immer auf den Charakter der Arbeiten hingewiesen -
Bei- spiele:

Lehner, Daniel (2010): Zwischen Hegemonie und Wahrheitsereignis – Politik und Post-Politik bei Ernesto Laclau und Chantal
Mouffe, Jacques Rancière und Alain Badiou; Diplomarbeit an der Universität Wien

Löffler, Marion (2010): Geschlechterpolitiken der Transformation. Aspekte feministischer Staatstheorien; Dissertation an der
Universität Wien

Bei Mitschriften, transkribierten Vorträgen und dergl. ist zusätzlich ein Datum des Vortrags anzugeben:
Pühretmayer, Hans (2012): Forschungsansätze in den Sozialwissenschaften IV: Critical realism; Vorlesung am Institut für
Politikwissenschaft, Universität Wien, 13.12.2012; Mitschrift von Max Musterstudent

Im Literaturverzeichnis sind auch Abkürzungen wie „unv. Ms.“ (unveröffentlichtes Manuskript) oder „i. E.“ (im
Erscheinen) üblich.

ZITIEREN VON NAMENTLICH GEKENNZEICHNETEN INTERNETQUELLEN

Internetquellen sollten grundsätzlich nur nach eingehender Prüfung der Vertrauenswürdigkeit der entsprechenden
Quelle zitiert werden. Sofern einE VerfasserIn des Artikels ausfindig gemacht werden kann, kann wie bei
gedruckten Quellen zitiert werden – die Angabe der URL erfolgt dann im Literaturverzeichnis nach dem Schema
>Nachname, Vorname (Publikationsjahr): Titel des Beitrags; online unter: URL, Datum des letzten Zugriffs<. Die
gleiche Vorgangsweise kann für namentlich gekennzeichnete PDF-Dokumente aus dem Internet gewählt werden.
Andernfalls (keinE VerfasserIn erkennbar) muss i. d. R. nach dem Schema (URL, Datum des letztes Zugriffs) im
Text zitiert werden (Ausnahmen sind möglich bei Angabe der Herausgeberin bzw. des Herausgebers). – Beispiele
für Einträge im Literaturverzeichnis:

Wissel, Jens (2012): „Postdemokratie“. Wettbewerbsetatismus in der Europäischen Union; online unter: http://links-
netz.de/K_texte/K_wissel_postdemokratie.html, 16.4.2013.

Oberndorfer, Lukas (2012): Der Autoritäre Wettbewerbsetatismus – Das Europäische Apparate-Ensemble in der Krise,
Tagungsabstract; <http://poulantzas.univie.ac.at/uploads/media/Oberndorfer Der_Autorit%C3%A4re_
Wettbewerbsetatismus_-
_Das_Europ%C3%A4ische_Apparate-Ensemble_in_der_Krise_- Abstract.pdf>, 16.04.2013.