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I

Auf einen Blick

Herz-Kreislauf-System

Atmungssystem

Verdauungssystem

Harnsystem

Männliches Geschlechtssystem

Weibliches Geschlechtssystem

Schwangerschaft und
menschliche Entwicklung

Endokrines System

Hämolymphatisches System

Haut
II
III

Taschenatlas Anatomie
in 3 Bänden

Band 2
Innere Organe

Helga Fritsch
Wolfgang Kühnel

begründet von Helmut Leonhardt

10., überarbeitete und erweiterte Auflage

204 Farbtafeln in 690 Einzeldarstellungen


Zeichnungen von Gerhard Spitzer und Holger Vanselow
IV

Prof. Dr. med. Helga Fritsch 1. bulgarische Auflage 2006


Department für Anatomie und Histologie 1. chinesische Auflage 2000
der Medizinischen Universität Innsbruck 1. englische Auflage 1978
2. englische Auflage 1984
Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Wolfgang 3. englische Auflage 1986
Kühnel 4. englische Auflage 1993
Institut für Anatomie der 5. englische Auflage 2003
Universität zu Lübeck 1. französische Auflage 1979
2. französische Auflage 1983
Zeichnungen: 3. französische Auflage 2001
Prof. Gerhard Spitzer, Frankfurt 4. französische Auflage 2007
unter Mitarbeit von Stephan Spitzer, 1. griechische Auflage 1985
Frankfurt, Karl Wesker, Berlin und Holger 1. indonesische Auflage 1983
Vanselow, Stuttgart 1. italienische Auflage 1979
2. italienische Auflage 1987
3. italienische Auflage 2000
4. italienische Auflage 2007
Bibliografische Information der Deutschen 1. japanische Auflage 1979
Nationalbibliothek 2. japanische Auflage 1981
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet 3. japanische Auflage 1984
diese Publikation in der Deutschen National- 4. japanische Auflage 1990
bibliografie; detaillierte bibliografische Daten 5. japanische Auflage 2005
sind im Internet über http://dnb.d-nb.de 1. kroatische Auflage 2006
abrufbar. 1. niederländische Auflage 1978
2. niederländische Auflage 1981
3. niederländische Auflage 1990
4. niederländische Auflage 2000
5. niederländische Auflage 2006
1. polnische Auflage 1998
1. Auflage 1976 1. portugiesische Auflage 1988
2. Auflage 1978 2. portugiesische Auflage 2007
3. Auflage 1979 1. serbokroatische Auflage 1991
4. Auflage 1982 1. spanische Auflage 1977
5. Auflage 1986 2. spanische Auflage 1988
6. Auflage 1991 3. spanische Auflage 2000
7. Auflage 2001 4. spanische Auflage 2008
8. Auflage 2003 1. türkische Auflage 1987
9. Auflage 2005 1. ungarische Auflage 1996

䉷 1975, 2009 Georg Thieme Verlag Geschützte Warennamen (Warenzeichen) wer-


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ISBN 978-3-13-492110-6 1 2 3 4 5 6
V

Vorwort zur 10. Auflage

Im Frühjahr 2001 erschien der Taschenatlas Mit der aktuellen Überarbeitung haben wir
der Anatomie, Band 2, „Innere Organe“, in als Autoren nahezu alle Anregungen unse-
der 7. Auflage unter neuer Federführung mit rer Leserschaft umgesetzt und den Taschen-
komplett neu bearbeiteten Text- und Bild- atlas „Innere Organe“ inhaltlich abgerundet.
seiten. Bereits zwei Jahre später wurde eine Wir freuen uns, den Studierenden von Hu-
korrigierte 8. Auflage herausgegeben. In der man- und Zahnmedizin und den Auszubil-
9. Auflage von 2005 folgte die inhaltliche Er- denden in medizinnahen Fachgebieten ein
gänzung mit dem Kapitel „Schwangerschaft inhaltlich dichtes, in der Abbildungsqualität
und menschliche Entwicklung“. hervorragendes und am Präparat bzw. Bild
orientiertes Kurzlehrbuch zur Verfügung
Für die vorliegende 10. Auflage – also eine
stellen zu können.
Jubiläumsauflage – wurden deutliche in-
haltliche Verbesserungen und Ergänzungen Wir sind überzeugt, dass der Taschenatlas
aufgenommen. In allen Kapiteln wurden konzeptionell – insbesondere zum Lernen
neben Korrekturen und Ergänzungen insbe- am Präparat – neben den großen Atlanten
sondere die klinischen Hinweise erweitert. und elektronischen Medien besteht und
Diese wurden mit entsprechenden Fachkol- hoffen, wie in der Vergangenheit, auf positi-
legen abgestimmt. Herr Prof. Dr. O. Pachin- ven Zuspruch. Gerne setzen wir auch künf-
ger, Klinik für Innere Medizin III der Medizi- tig konstruktive Anregungen und Verbesse-
nischen Universität Innsbruck (MUI), hat als rungsvorschläge in weiteren Auflagen um.
Kardiologe die Klinischen Beiträge für das
Innsbruck und Lübeck im März 2009
Herz-Kreislauf-Kapitel geliefert und Herr
Helga Fritsch und Wolfgang Kühnel
Prof. Dr. W. Vogel, Klinik für Innere Medizin
II der MUI, die Beiträge für das Kapitel Ver-
dauungssystem. Ihnen sowie Herrn Prof. Dr.
A. Bergant, Klinik für Gynäkologie und Ge-
burtshilfe der MUI, der Ultraschallbilder aus
der Schwangerschaft zur Verfügung gestellt
hat, sei für die aktive Unterstützung mit
zeitgemäßen klinischen Hinweisen herzlich
gedankt. Darüber hinaus hat das Kapitel
„Schwangerschaft und menschliche Ent-
wicklung“ eine Erweiterung durch die Ent-
wicklung der Organsysteme erfahren. Auf-
grund der eigenen Terminologie in der Em-
bryologie wurden die neuen Seiten in einem
separaten Entwicklungskapitel und nicht in
den jeweiligen Organkapiteln unterge-
bracht. Die grafische Gestaltung hat Herr
Vanselow übernommen, der mit großem
Geschick die neue Bildgeneration in das von
Herrn Prof. G. Spitzer grafisch geprägte
Buch eingefügt hat. Frau Dr. E. Stangler hat
als neue Lektorin wesentlich zur einheitli-
chen Linie in den Kapiteln beigetragen und
uns zusammen mit Frau M. Mauch von Sei-
ten des Verlages konstruktiv unterstützt.
VI

Vorwort zur 1. Auflage

Der Taschenbuchatlas soll dem Studieren- einige Fragen im Zusammenhang mit


den der Medizin eine anschauliche Zusam- Schwangerschaft und Geburt zur Sprache;
menfassung der wichtigsten Kenntnisse aus das für den Medizinstudenten nötige Wis-
der Anatomie des Menschen geben, gleich- sen in der Entwicklungsgeschichte ist damit
zeitig kann er dem interessierten Laien ei- aber keinesfalls umrissen! Die Bemerkun-
nen Einblick in dieses Gebiet verschaffen. gen zur Physiologie und Biochemie sind in
jedem Fall unvollständig und dienen ledig-
Für den Studierenden der Medizin sollte die
lich dem besseren Verständnis struktureller
Examensvorbereitung hauptsächlich eine
Besonderheiten; es wird auf die Lehrbücher
Repetition von Anschauungserfahrungen
der Physiologie und Biochemie verwiesen.
sein. Die Gegenüberstellung von Text und
Schließlich sei betont, daß das Taschenbuch
Bild soll der Veranschaulichung des anato-
selbstverständlich auch ein großes Lehr-
mischen Wissens dienen.
buch nicht ersetzt, viel weniger noch das
Der dreibändige Taschenbuchatlas ist nach Studium in den makroskopischen und mi-
Systemen gegliedert. Der 1. Band umfaßt kroskopischen Kursen. In das Literaturver-
den Bewegungsapparat, der 2. Band die Ein- zeichnis wurden Titel aufgenommen, die
geweide, der 3. Band das Nervensystem und weiterführende Literaturhinweise enthal-
die Sinnesorgane. Die topographischen Ver- ten – darunter auch klinische Bücher, soweit
hältnisse der peripheren Leitungsbahnen, sie einen starken Bezug zur Anatomie ha-
der Nerven und Gefäße, werden, soweit sie ben.
sich eng an den Bewegungsapparat anleh-
Der interessierte Laie, der nach dem Bau des
nen, im 1. Band berücksichtigt; im 2. Band
menschlichen Körpers fragt, wird u. a. die
wird lediglich die systematische Aufgliede-
anatomischen Grundlagen von häufig ange-
rung der Gefäße behandelt. Der Beckenbo-
wandten ärztlichen Untersuchungsverfah-
den, der in enger funktioneller Beziehung
ren allgemein verständlich abgebildet fin-
zu den Organen des kleinen Beckens steht,
den. Es wurde damit der Anregung des Ver-
wurde einschließlich der damit zusammen-
lages entsprochen, den Inhalt des Buches
hängenden Topographie in den 2. Band auf-
um diese Aspekte zu erweitern. Im Hinblick
genommen. Die Entwicklungsgeschichte
auf den nichtmedizinischen Leser werden
der Zähne wird im 2. Band kurz berührt,
alle für den Laien erfahrbaren Organe und
weil sie das Verständnis für den Zahndurch-
Organteile auch in deutschen Bezeichnun-
bruch erleichtert, – die gemeinsamen em-
gen benannt; sie sind auch im Sachverzeich-
bryonalen Anlagen der männlichen und
nis berücksichtigt.
weiblichen Geschlechtsorgane werden be-
sprochen, weil sie deren Aufbau und die
nicht seltenen Varietäten und Mißbildun- Frankfurt/M., Kiel, Innsbruck
gen verständlich machen, – im Kapitel über
die weiblichen Geschlechtsorgane kommen Die Herausgeber
VII

Abkürzungen

A. = Arteria
a. = arteriae
Aa. = Arteriae
Lig. = Ligamentum
lig. = ligamenti
Ligg. = Ligamenta
M. = Musculus
m. = musculi
Mm. = Musculi
mm. = musculorum
Ln. = Nodus lymphaticus
Lnn. = Nodi lymphatici
N. = Nervus
n. = nervi
Nn. = Nervi
R. = Ramus
Rr. = Rami
V. = Vena
Vv. = Venae
VIII

Inhaltsverzeichnis

Eingeweide im Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Funktionelle Gliederung . . . . . . . . . . 2
Regionale Gliederung . . . . . . . . . . . . . 2

Herz-Kreislauf-System (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 A. radialis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Blutkreislauf und Lymphgefäße . . . . 6 A. ulnaris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Fetaler Kreislauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Becken- und Beinarterien . . . . . . . . . . . 58
Perinatale Kreislaufumstellung . . . . 8 A. iliaca interna . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
A. iliaca externa . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Herz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 A. femoralis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Äußere Form . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 A. poplitea . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Innenräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Unterschenkel- und Fußarterien . . . 62
Herzskelett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Systematik der Venen . . . . . . . . . . . . . . 66
Herzwandschichten . . . . . . . . . . . . . . 18
Herzwandschichten, Histologie und Hohlvenensystem . . . . . . . . . . . . . . . . 66
Ultrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Azygossystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
Herzklappen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Zuflssgebiet der oberen Hohlvene . . . . 68
Gefäße des Herzens . . . . . . . . . . . . . . . 24 Vv. brachiocephalicae . . . . . . . . . . . . . 68
Erregungsbildungs- und Erregungs- Vv. jugulares . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
leitungssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Sinus durae matris . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Innervation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Venen der oberen Extremität . . . . . . 72
Herzbeutel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Zuflussgebiet der unteren Hohlvene . 74
Lage des Herzens und Herz- Vv. iliacae . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
grenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Venen der unteren Extremität . . . . . 76
Röntgenanatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Systematik der Lymphgefäße und
Auskultation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 -knoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Schnittanatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Lymphgefäße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Schnittbildechokardiografie . . . . . . . 40 Regionäre Lymphknoten von Kopf,
Funktionen des Herzens . . . . . . . . . . 42 Hals und Arm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
Systematik der Arterien . . . . . . . . . . . . 44 Regionäre Lymphknoten von
Aorta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Thorax und Abdomen . . . . . . . . . . . . . 82
Hals- und Kopfarterien . . . . . . . . . . . . . . 46 Regionäre Lymphknoten von
A. carotis communis . . . . . . . . . . . . . . 46 Becken und unterer Extremität . . . . 84
A. carotis externa . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Aufbau und Funktion von Blut- und
A. maxillaris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Lymphgefäßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
A. carotis interna . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Gefäßwand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
A. subclavia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Regionale Unterschiede im Wand-
Schulter- und Armarterien . . . . . . . . . . 54 aufbau – arterieller Schenkel . . . . . . 88
A. axillaris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Regionale Unterschiede im Wand-
A. brachialis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 aufbau – venöser Schenkel . . . . . . . . 90
Inhaltsverzeichnis IX

Atmungssystem (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93


Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Trachea . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
Anatomische Gliederung . . . . . . . . . . 94 Luftröhre und extrapulmonale
Klinisch orientierte Gliederung . . . . 94 Hauptbronchien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
Nase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Topografwaie von Trachea und
Kehlkopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
Äußere Nase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Nasenhöhle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Lunge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
Nasennebenhöhlen . . . . . . . . . . . . . . . 102 Lungenoberfläche . . . . . . . . . . . . . . . . 122
Mündungen der Nasenneben- Bronchienaufteilung und bron-
höhlen, Nasengänge . . . . . . . . . . . . . . 104 chopulmonale Segmente . . . . . . . . . . 124
Hintere Nasenlöcher . . . . . . . . . . . . . . 106 Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
Nasopharynx . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Gefäßsystem und Innervation . . . . . 128
Kehlkopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Pleura . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
Schnittanatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
Kehlkopfskelett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Atemmechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
Verbindungen der Kehlkopf-
knorpel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Mediastinum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
Kehlkopfmuskeln . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Mediastinum von der rechten
Kehlkopfinnenraum . . . . . . . . . . . . . . 114 Seite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
Glottis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Mediastinum von der linken Seite . 138

Verdauungssystem (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141


Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Topografische Anatomie I . . . . . . . . . . 172
Allgemeiner Aufbau und Schnittanatomie von Kopf und
Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Hals . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Mundhöhle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 Ösophagus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
Allgemeiner Aufbau . . . . . . . . . . . . . . 144 Allgemeine Gliederung und Fein-
Gaumen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 bau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
Zunge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 Topografische Anatomie und hint-
Zungenmuskeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 eres Mediastinum . . . . . . . . . . . . . . . . 178
Facies inferior linguae . . . . . . . . . . . . 152 Gefäße, Nerven und Lymphabfluss . 180
Mundboden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 Cavitas abdominis . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
Speicheldrüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
Feinbau der Speicheldrüsen . . . . . . . 156 Allgemeine Übersicht . . . . . . . . . . . . . 182
Zähne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Topografie der eröffneten
Bestandteile von Zahn und Bauchhöhle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
Zahnhalteapparat . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Parietale Bauchfellverhältnisse . . . . 188
Milchzähne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 Magen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Zahnentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 190
Stellung der Zähne im Gebiss . . . . . . 166 Feinbau der Magenwand . . . . . . . . . . 192
Pharynx . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Gefäße, Nerven und Lymphabfluss . 194
Gliederung und allgemeiner Auf-
bau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
Schluckakt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170
X Inhaltsverzeichnis

Dünndarm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214


Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 196 Pfortadersystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
Wandaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198 Gallenwege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss . 200 Gallenblase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
Dickdarm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Bauchspeicheldrüse . . . . . . . . . . . . . . . 220
Dickdarmabschnitte - Übersicht . . . 202 Makroskopischer Aufbau und Fein-
Zäkum und Appendix vermiformis . 202 bau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
Kolonabschnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 Topografie von Bursa omentalis
Rektum und Analkanal . . . . . . . . . . . . 208 und Pankreas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222
Leber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 Topografische Anatomie II . . . . . . . . . 224
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 212 Schnittanatomie des Oberbauchs . . 224
Segmentaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214 Schnittanatomie von Oberbauch
und Unterbauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226

Harnsystem (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229


Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Ableitende Harnwege . . . . . . . . . . . . . . 240
Gliederung und Lage der Harn- Nierenbecken und Harnleiter . . . . . . 240
organe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Harnblase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
Niere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232 Weibliche Harnröhre . . . . . . . . . . . . . 244
Topografie der harnableitenden
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 232 Wege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244
Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234
Topografie der Nieren . . . . . . . . . . . . . 238

Männliches Geschlechtssystem (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247


Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 Bläschendrüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258
Gliederung der Geschlechtsorgane . 248 Prostata . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258
Hoden und Nebenhoden . . . . . . . . . . . 250 Äußere Geschlechtsorgane . . . . . . . . . 260
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 250 Penis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260
Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252 Männliche Harnröhre . . . . . . . . . . . . . 262
Samenwege und akzessorische Topografische Anatomie . . . . . . . . . . . 264
Geschlechtsdrüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . 256 Schnittanatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
Samenleiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 256

Weibliches Geschlechtssystem (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267


Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268 Follikelreifung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272
Gliederung der Geschlechtsorgane . 268 Makroskopischer Aufbau des
Eileiters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274
Eierstock und Eileiter . . . . . . . . . . . . . . 270 Feinbau des Eileiters . . . . . . . . . . . . . . 274
Makroskopischer Aufbau des
Ovars . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
Feinbau des Ovars . . . . . . . . . . . . . . . . 270
Inhaltsverzeichnis XI

Uterus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276 Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 282


Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 276 Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282
Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 Äußere Geschlechtsorgane . . . . . . . . 284
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss . 280 Topografische Anatomie . . . . . . . . . . . 286
Peritonealverhältnisse und Schnittanatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
,Uterushalteapparat‘ . . . . . . . . . . . . . . 280
Vergleichende Anatomie weibliches
Vagina und äußere Geschlechts- und männliches Becken . . . . . . . . . . . . 288
organe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282
Weichteilverschluss . . . . . . . . . . . . . . 288

Schwangerschaft und menschliche Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293


Schwangerschaft (W. Kühnel) . . . . . . . 294 Menschliche Entwicklung
Gameten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294 (H. Fritsch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310
Befruchtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310
Frühe Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . 298 Pränatalperiode . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310
Schwangerschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . 300 Entwicklung der Organsysteme . . . . 318
Plazenta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 302 Das Neugeborene . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
Geburt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 304 Postnatale Altersperioden . . . . . . . . . 340

Endokrines System (W. Kühnel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343


Drüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344 Nebennieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 362
Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344 Makroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 362
Lichtmikroskopische Klassifi- Feinbau der Nebennierenrinde . . . . 354
zierung der exokrinen Drüsenend- Feinbau des Nebennierenmarks . . . 366
stücke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 346 Schilddrüse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 368
Allgemeine Funktionsprinzipien
endokriner Drüsen . . . . . . . . . . . . . . . 348 Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 368
Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 370
Hypothalamus- Nebenschilddrüsen . . . . . . . . . . . . . . . 372
Hypophysen-System . . . . . . . . . . . . . . . 350
Inselorgan des Pankreas . . . . . . . . . . . 374
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 350
Mikroskopischer Aufbau der Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374
Hypophyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352 Disseminiertes endokrines
Hypothalamo-hypophysäre Zellsystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 376
Verbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354 Endokrine Funktionen des Hodens . 376
Efferenzen des Hypothalamus . . . . . 354 Endokrine Funktionen des Ovars . . . 378
Hypothalamus- Ovarieller Zyklus . . . . . . . . . . . . . . . . . 378
Neurohypophysen-System . . . . . . . . 356 Endokrine Funktionen der
Hypothalamus- Plazenta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380
Adenohypophysen-System . . . . . . . . 356 Atriale Peptide – Herzhormone . . . . 382
Zirbeldrüse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360 Disseminierte endokrine Zellen in
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 360 verschiedenen Organen . . . . . . . . . . . 384
Feinbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
XII Inhaltsverzeichnis

Hämolymphatisches System (W. Kühnel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 391


Blut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392 Feinbau des Thymus . . . . . . . . . . . . . . 408
Blutbestandteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392 Lymphknoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 410
Blutbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 396 Milz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412
Feinbau der Milz . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
Abwehrsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400
Tonsillen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416
Zellen des Immunsystems . . . . . . . . . 402 Mukosa-assoziiertes lymphatisches
Lymphatische Organe . . . . . . . . . . . . . . 404 Gewebe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 418
Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404
Thymus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 406

Haut (W. Kühnel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 421


Hautdecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422 Hautanhangsgebilde . . . . . . . . . . . . . . . 430
Allgemeiner Aufbau und Aufgaben . 422 Drüsen der Haut . . . . . . . . . . . . . . . . . . 430
Hautfarbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422 Haare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 432
Hautoberfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 424 Nägel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434
Hautschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 426 Haut als Sinnesorgan . . . . . . . . . . . . . 434
Lederhaut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428 Weibliche Brust und Brustdrüse . . . . 436
Unterhaut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428
Makroskopischer Aufbau . . . . . . . . . . 436
Feinbau und Funktion . . . . . . . . . . . . . 438

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 440

Bildquellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 446

Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 447
XIII
2 Eingeweide im Überblick
Herz-Kreislauf-System

Eingeweide im (A1) und Mundhöhle (A2) untergebracht. Im


Hals liegen Teile dieser Organsysteme als
Überblick Verbindungswege zwischen Kopf und
Brusthöhle. Sie sind zwischen dem mittle-
Als Eingeweide, Viscera, werden die am ren und tiefen Blatt der Halsfaszie (Bd. 1
Hals, im Brust-, Bauch- und Beckenraum ge- S. 330) lokalisiert.
legenen sog. inneren Organe zusammenge- Im Rumpf unterscheidet man zwischen
fasst. Diese Organe ermöglichen das Leben Brust-, Bauch- und Beckenorganen. Die Brust-
des Gesamtorganismus. höhle, Cavum thoracis (A3), wird in 3 Ab-
schnitte gegliedert, in die rechte und linke
Pleurahöhle, die jeweils eine Lunge beher-
Funktionelle Gliederung bergen, und den dazwischenliegenden mit-
Sie bildet die Grundlage für die Kapitelein- telständigen Bindegewebsraum, das Media-
teilung in diesem Buch. stinum, in dem u. a. der Herzbeutel mit dem
Man unterscheidet: Herz-Keislauf-System: Herzen untergebracht ist. Die Bauchhöhle
Hierzu zählen das Herz, die Blut- und die wird in die von Bauchfell, Peritoneum, aus-
Lymphgefäße. Hämolymphatisches Sys- gekleidete eigentliche Bauchhöhle (A4) und
tem: Es besteht aus Blutzellen, Lymphozyten den dahinter gelegenen retroperitonealen
und lymphatischen Organen. Endokrines Bindegewebsraum, Spatium retroperitoneale,
System: Es setzt sich aus mehreren speziali- gegliedert. Unterhalb der Bauchhöhle liegen
sierten endokrinen Drüsen und überall im die Beckenorgane im subperitonealen Binde-
Organismus verteilten einzelnen oder in gewebsraum des kleinen Beckens (A5).
Gruppen liegenden Drüsenzellen zusam-
men, deren Produkte (Hormone) u. a. in Seröse Höhlen und Bindegewebsräume
Blut- und Lymphwege abgegeben und ver- Es gibt 2 unterschiedliche Möglichkeiten,
teilt werden. Atmungssystem: Hier werden wie Organe in die jeweilige Körperregion
die aus verschiedenen Strukturen bestehen- eingebaut sein können: Organe, die starken
den oberen und unteren Luftwege und die Volumenänderungen gegen Nachbarorgane
gasaustauschende Oberfläche in den Lungen ausgesetzt sind, liegen in serösen Höhlen.
unterschieden. Verdauungssystem: Dieses Eine seröse Höhle ist ein allseits geschlosse-
Organsystem wird in Kopf- und Rumpfdarm ner Spaltraum, der von einer spiegelnd glat-
gegliedert. Die großen Verdauungsdrüsen, ten Haut, Serosa, ausgekleidet ist und eine
Leber und Pankreas, sind Teile des Rumpf- geringe Menge seröser Flüssigkeit enthält.
darms. Harnsystem: Es wird in die harnbe- Die Serosa besteht aus 2 Blättern: Die Lami-
reitenden Abschnitte der Nieren und die na visceralis ist eingeweidebedeckend und
harnableitenden Wege gegliedert. Männli- liegt den Organen direkt an; die Lamina pa-
ches Genitalsystem: Hierzu zählen Hoden, rietalis kleidet die Wand der serösen Höhle
Nebenhoden, Samenleiter, Bläschendrüsen, aus. Viszerales und parietales Blatt gehen an
Penis und die akzessorischen Geschlechtsdrü- Umschlagsstellen bzw. -linien ineinander
sen. Weibliches Genitalsystem: Es besteht über. Seröse Höhlen sind die Pleurahöhle,
aus den im kleinen Becken untergebrachten Cavitas pleuralis, zur Aufnahme der Lunge,
inneren Geschlechtsorganen sowie den au- die Perikardhöhle, Cavitas pericardiaca, zur
ßerhalb des Beckenbodens gelegenen äuße- Aufnahme des Herzens und die Bauchhöhle,
ren Geschlechtsorganen. Cavitas peritonealis (C), für einen großen Teil
der Bauchorgane.
Regionale Gliederung Die Organe und Organteile, die nicht in se-
rösen Höhlen untergebracht sind, liegen zu-
Die Organsysteme können auch nach ihrer meist in Bindegewebsräumen. Die Be-
Lage in den jeweiligen Körperabschnitten zeichnung von kleineren Bindegewebsräu-
gegliedert werden (A). men (B) richtet sich nach den benachbarten
Im Kopf- und Halsbereich liegen die An- Organen. Große Bindegewebsräume sind
fangsabschnitte der Atmungs- und Verdauungs- das Mediastinum, der Retroperitonealraum
organe. Sie sind großenteils in Nasenhöhle und der Subperitonealraum (D).
Funktionelle und regionale Gliederung der Eingeweide 3

Herz-Kreislauf-System
1

B Schnittebene durch den Hals

C Schnittebene durch den Bauch

5
D Schnittebene durch das Becken

A – D Serosa, grün;
A Eingeweide im Mediansagittalschnitt Bindegewebe, gelb
Herz-Kreislauf-System
4
Herz-Kreislauf-System

Übersicht 6
Herz 10
Systematik der Arterien 44
Systematik der Venen 66
Systematik der Lymphgefäße und
-knoten 78
Aufbau und Funktion von Blut- und
Lymphgefäßen 86
6 Herz-Kreislauf-System: Übersicht
Herz-Kreislauf-System

Übersicht den Körperkreislauf gepumpt, in dem es für


Organe und Körperregionen zahlreiche Teil-
Blutkreislauf und Lymphgefäße kreisläufe (A11 – A14) gibt. Von der Aorta
zweigen große Arterien zu den einzelnen
Der Blutumlauf vollzieht sich in einem ge- Teilkreisläufen ab, wo sie sich mehrfach auf-
schlossenen Röhrensystem aus Blutgefäßen, in teilen und durch Verzweigung letztlich in
das als zentrale Pumpe das Herz eingebaut ist. Arteriolen übergehen. Diese münden in ein
Das Herz ist zweigeteilt in eine rechte und Netz aus Haargefäßen, Kapillaren. Hier findet
eine linke Herzhälfte. Jede Hälfte besteht aus der Austausch von Gasen und Stoffwechsel-
Vorhof, Atrium, und Kammer, Ventriculus. produkten statt. Im Kapillarnetz geht der ar-
Unabhängig vom Sauerstoffgehalt des Blu- terielle Schenkel des Körperkreislaufes in
tes werden als Schlagadern, Arterien, alle den venösen Schenkel über, in dem das de-
Gefäße bezeichnet, die vom Herzen weg- soxygenierte Blut zunächst in Venulen gelei-
führen, und als Blutadern, Venen, alle Gefä- tet wird, die sich herzwärts zu immer größe-
ße, die zum Herzen hinführen. Die Organi- ren Venen vereinigen. Das Venenblut der Bei-
sation des menschlichen Blutkreislaufs hat ne und der unteren Rumpfhälfte wird der un-
einen hohen Differenzierungsgrad erreicht. teren Hohlvene, V. cava inferior (A15), dasjeni-
Postnatal unterscheidet man den kleinen ge aus Kopf, Armen und oberer Rumpfhälfte
Kreislauf bzw. Lungenkreislauf und den großen der oberen Hohlvene, V. cava superior (A16),
Kreislauf bzw. Körperkreislauf. Im großen zugeführt. V. cava superior und V. cava infe-
Kreislauf führen Arterien sauerstoffreiches rior münden in den rechten Vorhof (A1).
und Venen sauerstoffarmes Blut. Funktio- Eine Sonderstellung im Körperkreislauf
nell sind Lungen- und Körperkreislauf hin- nimmt der Pfortaderkreislauf ein. Das ve-
tereinandergeschaltet. Der postnatale Blut- nöse Blut aus den unpaaren Bauchorganen (Ma-
kreislauf des Menschen wird schematisiert gen, Darm, Pankreas und Milz) gelangt nicht
als Achtertour dargestellt, in deren Kreu- direkt in die V. cava inferior. Es enthält die
zung als Saug- und Druckpumpe das Herz im Darm resorbierten Substanzen und wird
liegt (A). Die treibende Kraft für den Blut- über die Pfortader, Vena portae (A17), in ein
umlauf ist der arterielle Blutdruck (Formel: weiteres Kapillarbett geleitet, das innerhalb
arterieller Blutdruck = Herzminutenvolu- der Leber liegt. Nach Verstoffwechselung
men ⫻ peripherer Gefäßwiderstand). durch die Leber wird das Blut in den Vv. he-
Lungenkreislauf. Das sauerstoffarme Blut paticae (A18) gesammelt und in die V. cava in-
aus dem Körperkreislauf gelangt aus dem ferior geleitet.
rechten Vorhof (A1) in die rechte Kammer (A2) Lymphgefäßsystem. Im Nebenschluss des
des Herzens und von dort in den kleinen venösen Schenkels liegt im großen Kreislauf
Kreislauf. Dieser beginnt mit dem Truncus das Lymphgefäßsystem (grün) (S. 78). Es ist
pulmonalis (A3), der sich in eine rechte und im Gegensatz zum Blutgefäßsystem ein
linke Lungenarterie, Aa. pulmonales dextra blind beginnendes Abflusssystem, das Flüs-
(A4) et sinistra (A5), teilt. Innerhalb der Lun- sigkeit aus dem extrazellulären Raum in der
gen (A6) teilen sich diese Gefäße parallel Peripherie über Lymphkapillaren (A19) auf-
zur Aufzweigung der Luftwege bis zu den nimmt, über größere Lymphgefäße und die
Kapillaren auf, die die Endabschnitte der Hauptlymphstämme, Ductus thoracicus (A20)
Atemwege, die Alveolen, umgeben. Dort und Ductus lymphaticus dexter, letztendlich
wird das Blut mit Sauerstoff angereichert der V. cava superior zuleitet. In die Lymphge-
und Kohlendioxid in die Luftwege abgege- fäße sind biologische Filter, Lymphknoten
ben. Das oxygenierte Blut fließt über die (A21), eingeschaltet (S. 80 –83).
Vv. pulmonales (A7) aus den Lungen in den
linken Vorhof (A8). Klinischer Hinweis. Sauerstoffreiches Blut
wird im klinischen Sprachgebrauch häufig als
Körperkreislauf. Das in der Lunge oxyge-
arteriell, sauerstoffarmes als venös bezeichnet.
nierte Blut gelangt aus dem linken Vorhof
(A8) des Herzens in die linke Kammer (A9).
A22 Cisterna chyli.
Von hier aus wird es über die Aorta (A10) in
Blutkreislauf und Lymphgefäße 7

Herz-Kreislauf-System
11

20

7 4
5 7

6 6

16 8
3

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10
2

18
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21

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15 22
12

13

A Schema des Kreislaufsystems


19

14
8 Herz-Kreislauf-System: Übersicht
Herz-Kreislauf-System

Fetaler Kreislauf (A) Kurzschluss, der die Aufgabelung des Trun-


cus pulmonalis oder die A. pulmonalis sini-
Im vorgeburtlichen Leben erhält der Fetus stra mit der Aorta verbindet, Ductus arterio-
(ungeborene Frucht von der 9. Woche nach sus (A19), direkt in die Aorta geleitet. Die
der Befruchtung bis zur Geburt) Sauerstoff nach der Einmündung des Ductus arterio-
und Nahrungsstoffe aus dem mütterlichen sus abgehenden Aortenäste erhalten somit
Blut, in das er seinerseits Kohlendioxid und sauerstoffärmeres Blut als die vor der Ein-
Stoffwechselabbauprodukte abgibt. Verbin- mündung gelegenen Äste für Kopf und obe-
dendes Stoffaustauschorgan zwischen Mut- re Extremitäten. Eine beträchtliche Menge
ter und Fetus ist der Mutterkuchen, Plazenta des Blutes aus der fetalen Aorta gelangt
(A1). Das sauerstoff- und nährstoffreiche über die paarigen Aa. umbilicales (A20) zu-
Blut erreicht den Fetus aus der Plazenta rück zur Plazenta.
über die Nabelvene, V. umbilicalis (A2), die
zunächst in der Nabelschnur gelegen ist. Am
Nabel, Umbilicus (A3), tritt die V. umbilicalis Perinatale Kreislaufumstellung (B)
in die fetale Bauchhöhle ein und zieht zur Mit der Geburt vollzieht sich die Umstel-
viszeralen Fläche der Leber (A4), wo sie mit lung des fetalen Kreislaufs zum postnatalen
dem linken Ast der V. portae ( A5) in Verbin- Kreislauf. Unter der Geburt werden mit dem
dung steht. Ein Teil des Blutes aus der V. um- ersten Schrei des Neugeborenen die Lungen
bilicalis gelangt daher in den Pfortader- entfaltet und belüftet, so dass der Wider-
kreislauf. Der größte Teil wird jedoch über stand im Lungenkreislauf abnimmt und eine
einen Kurzschlussweg, Ductus venosus (A6), zunehmende Menge Blut aus dem Truncus
an der Leber vorbeigeführt und in die V. cava pulmonalis in die Lungenarterien fließt. Das
inferior (A7) geleitet. Das Blut aus dem Duc- Blut wird in den Lungen oxygeniert und
tus venosus vermischt sich dabei mit dem über die Lungenvenen in den linken Vorhof
sauerstoffarmen Blut aus der V. cava inferior geleitet. Der Rückstrom des Blutes aus den
und den Lebervenen (A8). Es bleibt wegen Lungen erhöht den Druck im linken Vorhof
der relativ geringen Beimischung an sauer- und führt zu einem mechanischen Verschluss
stoffarmem Blut noch gut oxygeniert und des Foramen ovale, der durch das Aneinan-
gelangt über die V. cava inferior in den rech- derlegen der kulissenartigen Begrenzungen
ten Vorhof (A9). Hier wird das Blut durch ei- dieser Öffnung erfolgt. Aus dem Foramen
ne Klappe, Valvula venae cavae inferioris, in ovale wird die meist vollständig verschlos-
Richtung auf das Foramen ovale (A10) ge- sene Fossa ovalis. Die Kurzschlusswege Ductus
lenkt, das in der Scheidewand zwischen venosus und Ductus arteriosus verschließen
rechtem und linkem Vorhof liegt und diese sich durch Kontraktion ihrer Wandmusku-
miteinander verbindet. Der größte Teil des latur. Der Ductus venosus verödet zum Lig.
Blutes gelangt somit in den linken Vorhof venosum (B21), der Ductus arteriosus zum
(A11), von dort in die linke Kammer (A12) Lig. arteriosum (B22). Durch die Abnabelung
und erreicht über die Äste des Arcus aortae wird die Verbindung von der Plazenta zu
(A13) Herz, Kopf und obere Extremitäten. den Nabelschnurgefäßen unterbrochen, es
Das aus Kopf und Armen des Fetus über die kommt zur Thrombosierung und zum all-
V. cava superior (A14) in den rechten Vorhof mählichen Veröden dieser Gefäße. Aus der
fließende sauerstoffarme Blut kreuzt den V. umbilicalis wird das Lig. teres hepatis (B23),
aus der V. cava inferior kommenden Blut- aus den Aa. umbilicales die Chordae aa. umbi-
strom, gelangt in die rechte Kammer (A15) licales (B24).
und von dort in den Truncus pulmonalis
(A16). Nur ein kleiner Teil dieses Blutes ge- Klinischer Hinweis. Bei Fehlbildungen mit De-
langt über die Pulmonalarterien (A17) in die fekten in der Scheidewand kann es zur Shunt-
noch nicht belüfteten Lungen und von dort Umkehr kommen; dabei gelangt venöses
über die Pulmonalvenen (A18) zum linken Shunt-Blut direkt in den großen Kreislauf und
Vorhof (A11). Der größte Teil des Blutes aus setzt damit die arterielle Sauerstoffsättigung
dem Truncus pulmonalis wird über einen herab, zyanotischer Herzfehler.
Fetaler Kreislauf und perinatale Kreislaufumstellung 9

Herz-Kreislauf-System
17
13
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24

2
B Umstellung des fetalen
Blutkreislaufs nach der Geburt

A Fetaler Blutkreislauf
10 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Herz Fettgewebe ausgeglichen. Die Kontur der


linken Herzseite wird von einem kleinen
Das Herz, Cor (A1), ist ein muskuläres Hohl- Teil des linken Herzohrs, Auricula sinistra
organ, das die Form eines abgerundeten Ke- (B12), und vom linken Ventrikel gebildet.
gels bzw. einer dreiseitigen Pyramide hat. Es Das linke Herzohr liegt dem Stamm der
liegt schräg zur Körperachse im Brustraum, Lungenarterie, Truncus pulmonalis (B13),
Thorax (A), so dass die Herzspitze, Apex cor- an.
dis (AB2), nach links unten vorne und die Angrenzende Gefäße. Bei Betrachtung der
Herzbasis, Basis cordis (A3), nach rechts oben Facies sternocostalis des Herzens wird
hinten zeigt. Aufgrund seiner schiefen Stel- deutlich, dass der aus dem rechten Ventrikel
lung im Brustraum liegt das Herz zu einem hervorgehende Truncus pulmonalis (B13) vor
Drittel rechts und zu zwei Dritteln links der der Aorta (B10) liegt, die aus dem linken
Medianebene. Die Größe des Herzens hängt Ventrikel entspringt. Aorta und Truncus
u. a. vom Geschlecht, Alter und Trainingszu- pulmonalis sind spiralig umeinander ge-
stand des Individuums ab. wunden. Die im Ursprung zunächst hinten
liegende Aorta gelangt als Pars ascendens aor-
Äußere Form tae (B10 a) nach ventral, überkreuzt mit dem
Aortenbogen, Arcus aortae (B10 b), den Trun-
Ventrale Ansicht
cus pulmonalis und verdeckt dabei teilwei-
Aufbau. Betrachtet man das Herz nach Er- se dessen Aufgabelung in die A. pulmonalis
öffnung des Herzbeutels in seiner natürli- sinistra (B14) und die A. pulmonalis dextra
chen Lage von ventral, so kommt die Facies (von ventral nicht zu sehen). Die Schnitt-
sternocostalis (B) zur Ansicht. Sie wird kanten der linken Lungenvenen, Vv. pulmo-
größtenteils von der Vorderwand der rech- nales sinistrae (B15), kommen unterhalb der
ten Kammer, Ventriculus dexter (B4), dem linken Lungenarterie zur Ansicht. Aus dem
rechten Vorhof, Atrium dextrum, mit seinem Aortenbogen entspringen die Gefäße für
dreikantigen Herzohr und nur von einem Kopf und Arm, Truncus brachiocephalicus
schmalen Streifen der Wand der linken (B16) mit A. subclavia dextra (B17) und A.
Kammer, Ventriculus sinister (B5), gebildet. carotis communis dextra (B18), A. carotis
Die linke Kammer läuft nach links in die communis sinistra (B19) und A. subclavia si-
Herzspitze, Apex cordis (B2), aus. Die Grenze nistra (B20).
zwischen den Ventrikeln wird durch eine
Im Bereich der großen Gefäße V. cava supe-
Furche, Sulcus interventricularis anterior (B6),
rior (B8), Pars ascendens aortae (B10 a) und
markiert. Dort liegen, eingebettet in Fettge-
Truncus pulmonalis (B13) sind die Schnitt-
webe, ein Ast der linken Herzkranzarterie
kanten des Herzbeutels, Perikard (B21)
(R. interventricularis anterior) und der be-
(S. 30), zu erkennen. Zwischen Unterseite
gleitenden Herzvene (V. interventricularis
des Aortenbogens und Oberseite der Pulmo-
anterior). Diese Gefäße füllen den Sulcus in-
nalisgabel verläuft ein kurzes Band, das Lig.
terventricularis anterior so aus, dass die
arteriosum (B22). Es stellt den Rest des feta-
ventrale Herzoberfläche glatt wird. Auf der
len Ductus arteriosus dar (S. 8). Die Grenze
rechten Seite wird die Herzkontur vom
zwischen Facies sternocostalis und Facies
rechten Vorhof, Atrium dextrum (B7), und der
diaphragmatica wird am rechten Ventrikel
V. cava superior (B8) gebildet. Die V. cava in-
durch den Margo dexter (B23) markiert.
ferior ist bei dieser Ansicht verborgen. Der
rechte Vorhof besitzt eine Aussackung, das Die Farbgebung der Abbildungen zu den äußeren
rechte Herzohr, Auricula dextra (B9), das den und inneren Herzstrukturen entspricht weitest-
Raum zwischen V. cava superior und der gehend den Verhältnissen in vivo.
Wurzel der Aorta (B10) ausfüllt. Rechter
Vorhof und rechtes Herzohr werden durch
die Herzkranzfurche, Sulcus coronarius (B11),
vom rechten Ventrikel getrennt. Auch diese
Furche wird von den Herzkranzgefäßen und
Äußere Form des Herzens 11

Herz-Kreislauf-System
3

18 19 20 2
17
A Lage des Herzens
im Thorax
16
10 b

22
21
14
10 a

13
15
10
8
12

9
7 4 5
11
6

B Herz von ventral

23 2
12 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Äußere Form, Fortsetzung coronarius (B20) und ein Ast der linken Herz-
kranzarterie verlaufen. Der linke Ventrikel
Dorsale Ansicht (A)
wird vom rechten Ventrikel (B21), der in der
Aufbau und angrenzende Gefäße. Betrach- Ansicht von hinten nur ein Stück weit zu
tet man das Herz in seiner natürlichen Lage übersehen ist, durch den Sulcus interventricu-
bei eröffnetem Herzbeutel von dorsal, so laris posterior (B22) (mit R. interventricularis
kommen die Basis cordis (I) und ein Teil der posterior und V. cardiaca media) getrennt.
Unterfläche des Herzens, Facies diaphrag-
matica cordis (II), zur Ansicht. Man über- Klinischer Hinweis. In der klinischen Diagno-
blickt die Mündungen von V. cava superior stik, insbesondere in der Diagnostik von Herz-
(AB1) und V. cava inferior (AB2) in den nahe- infarkten, werden für die Wände der linken
Kammer die Bezeichnungen Vorderwand und
zu senkrecht stehenden rechten Vorhof
Hinterwand benutzt. Als Vorderwand wird der
(AB3). Die Längsachse beider Hohlvenen ist
Teil der linken Kammerwand bezeichnet, der
leicht nach ventral geneigt. Durch eine Fur- die Facies sternocostalis bildet, und als Hinter-
che, Sulcus terminalis (A4), sind die Hohlve- wand jener Teil, der die Facies diaphragmatica
nen von der Basis des rechten Herzohrs ge- ausmacht. An der Vorderwand werden antero-
trennt. In den horizontal liegenden linken basale, anterolaterale, anteroseptale und apika-
Vorhof (A5) münden die rechten und linken le Infarkte unterschieden. An der Hinterwand
Lungenvenen, Vv. pulmonales dextrae (AB6) werden posterobasale, posterolaterale und pos-
und Vv. pulmonales sinistrae (AB7). An der teroseptale Infarkte von posteroinferioren oder
diaphragmalen Infarkten abgegrenzt.
Hinterwand des linken Vorhofs ist die
Die Diagnostik des Herzinfarktes ruht auf der
Schnittkante des Herzbeutels (A8) zu erken-
EKG-(Elektrokardiogramm-)Manifestation.
nen. Über dem linken Vorhof gabelt sich der Darüber hinaus können sich infarzierte Myo-
Truncus pulmonalis in die A. pulmonalis dex- kardareale des linken Ventrikels echokardio-
tra (A9) und A. pulmonalis sinistra (A10). Die grafisch als akinetische oder dyskinetische Re-
Gabelung des Truncus pulmonalis wird vom gionen demonstrieren. Die infarktbedingten
Aortenbogen (A11) überquert, der bereits Auswirkungen auf die Pumpfunktion des lin-
vorher die 3 Hauptäste Truncus brachioce- ken Ventrikels hängen vom prozentualen Ver-
phalicus (A12) mit A. subclavia dextra (A13) lust der kontraktilen Substanz ab.
und A. carotis communis dextra (A14) sowie
A. carotis communis sinistra (A15) und A.
subclavia sinistra (A16) entlassen hat. Nach
Überqueren der Pulmonalisgabel geht die
Aorta in den absteigenden Teil, Pars de-
scendens aortae (A17), über.

Kaudale Ansicht (B)


Die Facies diaphragmatica cordis (II) liegt
größtenteils dem Zwerchfell auf und ist nur
dann vollständig zu überblicken, wenn man
das Herz von kaudal betrachtet. Dann ver-
folgt man im rechten Vorhof (AB3) nahezu
die Achse der Hohlvenen, d. h. man sieht aus
der Mündung der V. cava inferior (AB2) in die
der V. cava superior (AB1). Die Facies dia-
phragmatica cordis wird zu großen Teilen
vom linken Ventrikel (B18) und nur zu einem
kleineren Teil auch von der rechten Kammer
eingenommen. Der linke Ventrikel wird
vom linken Vorhof durch den Sulcus corona-
rius (B19) getrennt, in dem der venöse Sinus
Äußere Form des Herzens, Fortsetzung 13

Herz-Kreislauf-System
16 15 14

13

12
11

A Herz von dorsal


17

10

1
7 9
I

20
I
3 4

2 6
17
1
II 7

20 2
19

18
22

21
B Herz von kaudal
14 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Innenräume gen Sinus venarum cavarum durch eine


Leiste, Crista terminalis (A9), abgegrenzt.
Die Reihenfolge der Besprechung der Innen- Außen entspricht der Crista terminalis, von
räume des Herzens folgt der Strömungs- der die Mm. pectinati entspringen, eine
richtung des Blutes. leichte Vertiefung, Sulcus terminalis (S. 12).

Rechter Vorhof Rechte Kammer


Der rechte Vorhof, Atrium dextrum (A), glie- Der Binnenraum der rechten Kammer (B)
dert sich in 2 Anteile. In den hinteren Ab- wird durch 2 Muskelleisten, Crista supra-
schnitt münden die beiden Hohlvenen, V. ventricularis (B10) und Trabecula septomar-
cava superior (A1) und V. cava inferior (A2). ginalis (B11), in die posteroinferior gelegene
Dieser hintere Abschnitt ist aufgrund seiner Einflussbahn (Pfeil) und die anterosuperior
embryologischen Herkunft glattwandig und gelegene Ausflussbahn (Pfeil) gegliedert. Die
wird als Sinus venarum cavarum bezeichnet muskuläre Wand der rechten Kammer
(S. 320). Davor liegt der eigentliche Vorhof, (B12) ist dünn.
der aus dem ursprünglichen embryologi-
schen Vorhof hervorgegangen ist. In dieser Einflussbahn. Aus der Wand der Einfluss-
Portion springt die Herzmuskulatur in Form bahn treten Muskelbalken, Trabeculae car-
von Bälkchen, Mm. pectinati (A3), in die neae (B13), lumenwärts hervor. Durch die
Lichtung vor. Der eigentliche Vorhof geht Valva atrioventricularis dextra (tricuspidalis)
ventral in das rechte Herzohr (A4) über. (Trikuspidalklappe) (AB14) strömt das Blut
durch die Vorhof-Kammer-Mündung, Osti-
Sinus venarum cavarum. Die Mündung der um atrioventriculare, aus dem rechten Vor-
V. cava superior, Ostium venae cavae superioris hof in die Einflussbahn der rechten Kam-
(A1 a), ist nach unten und vorn gerichtet mer. Die Trikuspidalklappe ist eine dreizipf-
und besitzt keine Klappe. Die V. cava inferior lige Segelklappe (S. 22), deren Segel über
mündet am tiefsten Punkt des rechten Vor- Sehnenfäden, Chordae tendineae (B15), an
hofs. Das Ostium venae cavae inferioris (A2 a) Papillarmuskeln, Mm. papillares (B16 – 17),
wird nach vorn von einer sichelförmigen befestigt sind. Die Papillarmuskeln sind ei-
Klappe, Valvula venae cavae inferioris (A5), ne besondere Form der Trabeculae carneae.
abgeschirmt. Während der Fetalzeit ist die- M. papillaris anterior (B16) und M. papillaris
se Klappe groß und leitet den Blutstrom aus posterior sind in ihrer Lage konstant, die La-
der V. cava inferior direkt durch das im Vor- ge des septalen Papillarmuskels, M. papilla-
hofseptum, Septum interatriale (A6), gelege- ris septalis (B17), variiert.
ne Foramen ovale (S. 8) in den linken Vorhof.
Postnatal findet sich an dieser Stelle eine Ausflussbahn. Der trichterförmige Conus ar-
Vertiefung, Fossa ovalis (A7), die von einem teriosus (B18) (Infundibulum) ist glattwan-
Randwulst, Limbus fossae ovalis (A7 a), um- dig und lenkt den Blutstrom zur Öffnung
säumt wird. Medial der Valvula venae cavae der Pulmonalklappe, Ostium trunci pulmo-
inferioris öffnet sich der venöse Sinus coro- nalis. Die Pulmonalklappe, Valva trunci pul-
narius in den rechten Vorhof. Er bringt den monalis (B19), liegt am Ursprung des Trun-
größten Teil des Rückflusses an desoxyge- cus pulmonalis (B20) und setzt sich aus 3
niertem Blut aus dem Herzen selbst zurück. Taschenklappen, Valvulae semilunares
Seine Einmündung, Ostium sinus coronarii (S. 22), zusammen.
(A8), wird ebenfalls von einer klappenarti- An der Kammerscheidewand, Septum inter-
gen Falte, Valvula sinus coronarii, abge- ventriculare, die sich bogenförmig gegen den
schirmt. An verschiedenen Stellen münden Ventrikelraum vorwölbt, können eine etwa
darüber hinaus feinste Herzvenen mit win- 1,2 cm starke Pars muscularis und vorhofnah
zigen Öffnungen, Foramina venarum mini- eine kleine, nur etwa 1 mm dünne binde-
marum, in den rechten Vorhof. gewebige Pars membranacea unterschieden
Eigentlicher Vorhof und rechtes Herzohr. werden, von der das septale Segel der Tri-
Diese Region wird innen vom glattwandi- kuspidalklappe entspringt.
Innenräume des Herzens 15

Herz-Kreislauf-System
1

1a

9
4
7a

7
14
6
8
2a

2
5 3

A Rechter Vorhof, eröffnet,


20
Ansicht von rechts lateral

19

18
10

17

11
13

12

14
B Rechte Kammer, eröffnet,
15 16 Ansicht von ventral
16 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Innenräume, Fortsetzung entspringt an der sternokostalen Fläche der


linken Kammer, der M. papillaris posterior
Linker Vorhof
an der diaphragmalen Fläche. Das vordere
Der überwiegend glattwandige Innenraum Segel der Bikuspidalklappe geht an seinem
des linken Vorhofs, Atrium sinistrum (A), ist Ursprung in die Aortenwand über. Es trennt
kleiner als der des rechten. Ein großer Teil die Einflussbahn von der Ausflussbahn.
dieses Binnenraums wird von den Lungen-
Ausflussbahn. Sie ist glattwandig und führt
venen, Vv. pulmonales dextrae und sinistrae
entlang der Kammerscheidewand (B12) zur
(A1 – 2), eingenommen, die während der
Aorta, an deren Ursprung die Aortenklappe,
ontogenetischen Entwicklung in den linken
Valva aortae (B13), liegt. Diese besteht aus 3
Vorhof einbezogen werden. In der Regel
kräftigen Taschenklappen, Valvulae semilu-
münden 4 Vv. pulmonales, je 2 von jeder
nares. Der größte Teil der Kammerscheide-
Seite, in den oberen Teil des linken Vorhofs.
wand, Septum interventriculare (B12), besteht
An den Einmündungen der Pulmonalvenen,
aus Herzmuskulatur, Pars muscularis. Ein
Ostia venarum pulmonalium, liegen keine
kleiner Teil unmittelbar kaudal von der
Klappen. Nach ventral geht der linke Vorhof
rechten und hinteren Aortenklappe ist
in das linke Herzohr, Auricula sinistra, über, in
membranös, Pars membranacea (S. 40). Den
dessen Lumen kleine Mm. pectinati ragen.
Rändern des Kammerseptums entsprechen
Eine auffällige Abgrenzung zwischen glatt-
an der Herzoberfläche der Sulcus interven-
wandigem und muskulärem Vorhofteil ist
tricularis anterior (B14) und der Sulcus inter-
im linken Vorhof nicht vorhanden. Im Be-
ventricularis posterior.
reich der Scheidewand zwischen rechtem
und linkem Vorhof, Septum interatriale, kann
Klinischer Hinweis. Nach Entzündungen der
eine Valvula foraminis ovalis (A3) gefunden Herzklappen kann es zur Narbenbildung an den
werden, die von der Fossa ovalis des rechten Klappenrändern kommen. Eine hierdurch ver-
Vorhofs hervorgerufen wird. ursachte Verengung der Klappenöffnung
nennt man Stenose. Eine Insuffizienz entsteht,
Linke Kammer wenn sich die durch Narben verkürzten Klap-
penränder beim Klappenschluss nicht mehr
Der Innenraum der linken Kammer, Ventri- völlig aneinanderlegen.
culus sinister, ist von konischer Gestalt und Die Domäne in der Diagnostik von Herzklap-
wird wie jener der rechten Kammer in die penerkrankungen ist die Echokardiografie, mit
von Trabeculae carneae (B4) zerklüftete Ein- deren Hilfe der Schweregrad eines Herzklap-
flussbahn (Pfeil) und eine glattwandige Aus- penfehlers evaluiert und die Entscheidung
flussbahn (Pfeil) gegliedert. Die Muskelwand über die Notwendigkeit einer operativen Sa-
nierung getroffen werden kann.
der linken Kammer (B5) ist etwa dreimal so
dick wie die der rechten.
Einflussbahn. Die Valva atrioventricularis si-
nistra (mitralis) oder Bikuspidalklappe (Mit-
ralklappe) (B6) liegt in der linken Vorhof-
Kammer-Mündung, Ostium atrioventricula-
re sinistrum, und lenkt das Blut aus dem lin-
ken Vorhof in die Einflussbahn der linken
Kammer. Die Bikuspidalklappe besitzt 2
große Segel, Cuspis anterior (AB7) und Cus-
pis posterior (AB8). Sie sind über dicke und
kräftige Chordae tendineae (B9) an doppel-
kuppligen oder mehrkuppligen Papillarmus-
keln befestigt, die als M. papillaris anterior
(B10) und M. papillaris posterior (B11) be-
zeichnet werden. Der M. papillaris anterior
Innenräume des Herzens, Fortsetzung 17

Herz-Kreislauf-System
2

8
7

1
A Linker Vorhof, eröffnet,
Ansicht von dorsal
7
13
6
14 5 9
8
10
12

B Linke Kammer, eröffnet,


Ansicht von links lateral

4 11
18 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Herzskelett Kammermuskulatur (C-E). Die räumliche


Anordnung des Myokards in den Kammer-
Alle Herzklappen liegen etwa in einer Ebene, wänden ist sehr komplex. Man kann mor-
der sog. Ventilebene, die zur Darstellung phologisch eine subepikardiale, eine mittle-
kommt, wenn man die Vorhöfe oberhalb des re und eine subendokardiale Schicht unter-
Sulcus coronarius abträgt und die Herzbasis scheiden. In der äußeren subepikardialen
von kranial betrachtet (A). In der Ventil- Schicht (C – E) umgeben die Muskelzüge des
ebene verdichtet sich das umgebende Bin- rechten Ventrikels die Oberfläche nahezu in
degewebe zum Herzskelett (A, B). Es trennt horizontaler Verlaufsrichtung, während sie
die Muskulatur der Vorhöfe und Kammern in der linken Kammer fast longitudinal in
vollständig voneinander. Die stärkste Ver- Richtung auf die Facies diaphragmatica
dichtung erfährt das Bindegewebe an der verlaufen. Die oberflächlichen subepikardia-
Stelle, an der Aorten- (AB1), Trikuspidal- len Muskelzüge bilden an der Spitze beider
(AB2) und Bikuspidalklappe (AB3) zusam- Ventrikel einen Wirbel, Vortex cordis (E9),
mentreffen. Dieser Bereich wird als Trigo- und biegen in die subendokardiale innere
num fibrosum dextrum (B4) oder zentraler Schicht um. Der linke Ventrikel und das Kam-
Bindegewebskörper bezeichnet. Die Stelle, merseptum besitzen eine kräftig ausgebilde-
an der Aorten- und Bikuspidalklappe zusam- te mittlere Muskelschicht, die meist zirkulär
menstoßen, bezeichnet man als Trigonum fi- verläuft und in der Wand des rechten Ventri-
brosum sinistrum (B5). Die Ostien der Trikus- kels fehlt. Die innere, subendokardiale Schicht
pidalklappe und der Biskuspidalklappe wer- ist an der Bildung von Trabeculae carneae und
den von 2 unvollständigen Faserringen, Anu- Papillarmuskeln beteiligt. An den Myokard-
lus fibrosus dexter (B6) und Anulus fibrosus si- präparaten des Herzens treten die Furchen,
nister (B7), umgeben, die den Segeln dieser Sulcus coronarius (CD10), Sulcus interventri-
Klappen als Ursprung dienen. Die Pulmonal- cularis anterior (CE11) und Sulcus interventri-
klappe (A8) hat keinerlei Verankerung am cularis posterior (DE12), deutlich hervor
Herzskelett. Von den Anuli fibrosi dexter
und sinister entspringt auch die Arbeits- Endokard und Epikard
muskulatur der Vorhöfe und Kammern.
Das Myokard wird innen vom Endokard aus-
gekleidet, das als Fortsetzung der inneren
Herzwandschichten Gefäßwandschicht anzusehen ist (S. 86) und
Die Wand des Herzens ist aus 3 verschiede- aus einer Endothelschicht und einer dünnen
nen Schichten aufgebaut: Epikard, Myokard Lage von Bindegewebe besteht. Außen besitzt
und Endokard, wobei die Dicke der Herz- der Herzmuskel einen spiegelnd glatten
wand überwiegend vom Herzmuskel, Myo- Überzug aus Epikard, das von einem Mesothel,
kard, bestimmt wird. Die Dicke dieser Myo- einer dünnen Bindegewebslage und einer
kardschicht stimmt in den einzelnen Teilen mehr oder weniger breiten subepikardialen
des Herzens mit der Beanspruchung über- Fettgewebsschicht gebildet wird, die die Un-
ein: Die Wand der Vorhöfe ist muskel- ebenheiten auf der Herzoberfläche ausfüllt.
schwach, die des rechten Ventrikels ist er-
heblich dünner als die des linken. Klinischer Hinweis. Eine entzündliche Erkran-
kung der Herzinnenhaut wird als Endokarditis
bezeichnet. Sie zählt zu den häufigsten Erkran-
Myokard
kungen des Herzens. Endokarditiden können
Vorhofmuskulatur (C, D). Sie kann in eine direkt durch Krankheitserreger (infektiöse En-
oberflächliche und eine tiefe Schicht unter- dokarditis), aber auch durch andere Mechanis-
gegliedert werden. Die oberflächliche Schicht men hervorgerufen werden (thrombotische
und rheumatische Endokarditis). Bei der infek-
erstreckt sich über beide Vorhöfe und ist ven-
tiösen Endokarditis ist vor allem das Endokard
tral (C) kräftiger ausgebildet als dorsal (D). der Herzklappen betroffen.
Die tiefe Schicht ist charakteristisch für jeden
einzelnen Vorhof, sie enthält schlingenförmi- C13 Auricula sinistra, CD14 Ventriculus sinister,
ge oder zirkuläre Muskelzüge, die bis zur je- CD15 Ventriculus dexter, CD16 Atrium dextrum,
weiligen Atrioventrikularöffnung verlaufen C17 Auricula dextra, CD18 V. cava superior,
oder die Mündungen der Venen umgeben. D19 V. cava inferior, D20 Vv. pulmonales, D21
Atrium sinistrum.
Herzskelett und Herzwandschichten 19

Herz-Kreislauf-System
8

18

3
2

13

A Ventilebene von kranial 17


11

5
1 16
14
15
7
6

3 2

4 10

B Herzskelett, isoliert, von kranial C Herz von ventral, Herzmuskulatur

20 20 18

11 9
21
10

19

14
16

15

12 12

D Herz von dorsal, Herzmuskulatur E Herzmuskulatur an der Herzspitze


20 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Herzwandschichten, Histologie und traktion der Myofibrillen. Über die Herz-


Ultrastruktur muskelzelle verteilt finden sich 2 Systeme
membranumschlossener, intrazellulärer
Arbeitsmyokard Kanälchen. Das System aus transversalen
Das Arbeitsmyokard besteht aus einzelnen Tubuli oder T-Tubuli (C12) ist ein spezielles
Muskelzellen, die eine im Prinzip der Ske- Derivat des Sarkolemms, das System aus lon-
lettmuskulatur gleichartige, an Myofibrillen gitudinalen Tubuli oder L-Tubuli (C13) wird
gebundene Querstreifung aufweisen. Die vom endoplasmatischen Retikulum der
kontraktilen Proteine sind wie in der Ske- Herzmuskelzelle gebildet.
lettmuskulatur in Sarkomeren organisiert
(Bd. 1 S. 18). Spezifisches Erregungsbildungs- und
Erregungsleitungssystem (D)
Lichtmikroskopisches Bild (AB). Die Herz-
muskelzellen (Kardiomyozyten) (AB1) sind Die zugehörigen Zellen (D14) (S. 26) haben
bis zu 120 µm lang und haben beim gesun- häufig einen größeren Durchmesser als die-
denen Erwachsenen einen mittleren Durch- jenigen des Arbeitsmyokards und liegen,
messer von 20 µm. Sie sind verzweigt, gehen eingebettet in Bindegewebe, meist direkt
End-zu-End-Verbindungen mit benachbar- unter dem Endokard (D15). Sie sind fibril-
ten Zellen ein und lagern sich zu Bündeln lenärmer aber auffällig reich an Sarkoplas-
zusammen. Auf diese Weise bilden sie ein ma sowie an Glykogen. In diesen Zellen ist
kompliziertes, dreidimensionales Gefüge, in auch anaerobe Energiegewinnung möglich.
dessen Spalten lockeres Bindegewebe (AB2) Weitere Informationen s. Lehrbücher der
mit einem dichten Kapillarnetz unterge- Histologie.
bracht ist. Der blasse Zellkern (AB3) einer
Herzmuskelzelle liegt zentral und wird von Klinischer Hinweis. Herzmuskelzellen sind
einer perinukleären myofibrillenfreien Zone nicht regenerationsfähig. Temporäre Mangel-
versorgung führt zu reversiblen Schäden, wäh-
(A4) umgeben, die sarkoplasma- und orga-
rend langandauernde Mangelversorgung,
nellenreich ist und in der sich Glykogengra- Ischämie, zu irreversiblen Schäden in Form von
nula und gelbbraune Lipofuszintröpfchen Nekrosen mit Ersatz durch bindegewebige
ansammeln können. Die queren Zellgrenzen Narben führt.
zwischen aneinanderstoßenden Herzmus-
kelzellen werden als Glanzstreifen, Disci in-
tercalares (A5), bezeichnet.
Elektronenmikroskopisches Bild (C). Man
erkennt, dass sich hinter einem Discus in-
tercalaris die Stelle verbirgt, an der einander
gegenüberliegende Membranen, Sarkolem-
mata (C6), verschiedener Herzmuskelzellen
auf komplizierte Weise miteinander ver-
zahnt sind und für die Erregungsausbrei-
tung wichtige Zellkontakte in Form von Des-
mosomen (C7) und Gap junctions (Nexus)
(C8) ausbilden. An den Disci intercalares en-
den die Aktinfäden (C9) einer Zelle in einer
verdichteten Grenzschicht (Zonulae adhae-
rentes) (C10), ihre Verlaufsrichtung wird je-
doch von den Aktinfilamenten der angren-
zenden Zelle fortgesetzt. Herzmuskelzellen
sind reich an großen Mitochondrien (C11), die
zwischen den Myofibrillen liegen. Sie dek-
ken den hohen Energiebedarf für die Kon-
Herzwandschichten, Histologie und Ultrastruktur 21

Herz-Kreislauf-System
1

3
4

A Herzmuskelgewebe, längs, B Herzmuskelgewebe, quer,


lichtmikroskopische Dimension lichtmikroskopische Dimension
5

12
8

13
10
11

C
Herzmuskelgewebe,
elektronenmikroskopische
Dimension

6 7

15

14

D Zellen des Erregungsbildungssystems, lichtmikroskopische Dimension


22 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Herzklappen Blutsäule wird in die Ausflussbahn getrieben (B).


Dabei verhindert der komplizierte Befestigungs-
Segelklappen (Valvae cuspidales) apparat der Segelklappen, dass die Segel in den
Vorhof zurückschlagen.
Die Segelklappen, Valvae atrioventriculares,
sind für den Verschluss zwischen Vorhof
Taschenklappen (Valvae semilunares)
und Kammern während der Systole verant-
wortlich. Die Segel (Cuspes) bestehen aus Die Klappen von Truncus pulmonalis (AB11)
einer Bindegewebsplatte, die beidseits von und Aorta (AB9) sind aus je 3 nahezu gleich
Endokard überzogen ist und keine Blutgefä- großen Klappen, Valvulae semilunares, zu-
ße enthält. Die Vorhoffläche der Segel ist sammengesetzt. Sie sind Endokardduplikatu-
glatt, von ihren freien Rändern und von ih- ren. Der Ansatz der Taschenklappen ist bo-
rer Unterseite entspringen die Sehnenfä- genförmig, die Arterienwände sind im Be-
den, Chordae tendineae. reich der Klappen dünn und ausgebuchtet
(D). Der freie Rand jeder Klappe besitzt in
Trikuspidalklappe. Die drei Segel dieser
der Mitte ein Faserknötchen, Nodulus valvu-
Klappe liegen vorn, Cuspis anterior (A – C1),
lae semilunaris (D12). Zu beiden Seiten des
hinten, Cuspis posterior (A – C2), und an
Knötchens erstreckt sich längs des Klappen-
der Kammerscheidewand, Cuspis septalis
randes ein dünner, halbmondförmiger
(A – C3). Das vordere Segel (A – C1) ist das
Saum, Lunula valvulae semilunaris (D13).
größte; seine Sehnenfäden sind am starken
M. papillaris anterior (C4) verankert, der aus Pulmonalklappe (Valva trunci pulmonalis).
der Trabecula septomarginalis hervorgeht. Sie befindet sich an der Grenze zwischen
Der Ansatz des septalen Segels (C5) liegt auf Conus arteriosus und Truncus pulmonalis
Höhe der Pars membranacea der Scheide- und setzt sich aus einer vorderen Klappe,
wand und unterteilt diese in eine vordere, Valvula semilunaris anterior (A14), einer rech-
interventrikuläre Portion zwischen den bei- ten, Valvula semilunaris dextra (A15), und ei-
den Ventrikeln und eine hintere, atrioventri- ner linken, Valvula semilunaris sinistra (A16)
kuläre Portion zwischen rechtem Vorhof zusammen. Die Wand des Truncus pulmo-
und linker Kammer. Zwischen den 3 großen nalis ist gegenüber der Klappe zu einem
Segeln liegen kleine Verbindungssegel seichten Sinus (A17) ausgebuchtet.
(A – C6), die nicht bis zum Anulus fibrosus
Aortenklappe (Valva aortae). Sie liegt an
reichen.
der Grenze zwischen Vestibulum aortae
Bikuspidalklappe. Die zweizipflige Bikus- und Aorta und besitzt eine hintere Klappe,
pidalklappe (Valva mitralis, Mitralklappe) Valvula semilunaris posterior (A18), eine rech-
verschließt das Ostium atrioventriculare si- te, Valvula semilunaris dextra (A19) und eine
nistrum und besitzt ein medial vorn gelege- linke, Valvula semilunaris sinistra (A20). Die
nes Segel, Cuspis anterior (AB7), und ein late- Gefäßwand ist im Klappenbereich nach au-
ral hinten gelegenes, Cuspis posterior (AB8). ßen vorgebuchtet, Sinus aortae (A21), der
Die kurzen und kräftigen Sehnenfäden sind Gesamtquerschnitt dadurch vergrößert
an einem vorderen und einem hinteren Pa- (Bulbus aortae). Im Sinus aortae der linken
pillarmuskel so befestigt, dass jeder Papil- Taschenklappe (D) entspringt die A. corona-
larmuskel die einander benachbarten Teile ria sinistra (AD22), im Sinus aortae der rech-
beider Klappensegel trägt. Das vordere Se- ten Taschenklappe die A. coronaria dextra
gel geht an seinem septalen Ursprung in die (AD23).
Wand der Aorta (AB9) über. Neben den bei- Funktionelle Anatomie. In der Kammerdiastole
den großen besitzt die Mitralklappe 2 kleine (A), während die Blutsäule im Truncus pulmona-
Segel, Cuspides commissurales (AB10), die je- lis und in der Aorta Druck auf die Gefäßwand aus-
doch nicht bis zum Anulus fibrosus reichen. übt, werden die Taschen entfaltet, das Ventil wird
geschlossen. Die Knötchen an den Taschenrän-
Funktionelle Anatomie. In der Füllungsphase,
dern sichern den Verschluss. In der Kammersystole
Kammerdiastole, in der das Blut aus den Vorhöfen
(B) werden die Taschenränder durch den höheren
in die Kammern strömt, entfernen sich die Segel-
Druck im vorgeschalteten Ventrikel voneinander
ränder voneinander und die Klappen sind geöff-
entfernt, sie legen sich jedoch wegen Wirbelbil-
net (A). In der Austreibungsphase, Kammersystole,
dungen der Gefäßwand nicht vollständig an.
kontrahiert sich das Kammermyokard und die
Herzklappen 23

Herz-Kreislauf-System
11
17

14 15
9
23
16

22 19 6
20
18

10 21
7 1

10
8 3 2
3 5

A Herzklappenebene, Diastole 1

2
6
11

C Trikuspidalklappe,
10 Ansicht von ventral
7 1

8 10 3 2

B Herzklappenebene, Systole 12 13

23 22

D Ostium aorticum,
gespalten und aufgeklappt
24 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Gefäße des Herzens schon von Myokard oder Myokardbrücken


umgeben. Die A. coronaria sinistra versorgt
Die Vasa privata oder Vasa nutricia des Her- beim ausgeglichenen Versorgungstyp den
zens sind jene Blutgefäße, über die die Er- größten Teil des linken Ventrikels, den vent-
nährung des Herzmuskels erfolgt. Die Vasa ralen Teil des Kammerseptums, ein Stück
publica sind die großen „Funktions“-Gefä- des rechten Ventrikels an der Facies sterno-
ße an der Herzbasis. Aufgrund der Lage ih- costalis und den linken Vorhof.
rer Stammgefäße in der Herzkranzfurche,
Sulcus coronarius, werden die Vasa privata Klinischer Hinweis. Die Koronararterien besit-
als Herzkranzgefäße oder Koronargefäße be- zen untereinander kleine Anastomosen, die je-
zeichnet. Der kurze Koronarkreislauf setzt doch bei einem Gefäßverschluss nicht zur Aus-
sich aus den Herzkranzarterien (den ersten bildung eines Kollateralkreislaufs ausreichen.
Ästen der Aorta), einem dicht unter der Die Koronararterien werden deshalb als funk-
myokardialen Oberfläche gelegenen Kapil- tionelle Endarterien bezeichnet. Bei einem Ge-
larnetz und den Herzkranzvenen zusammen, fäßverschluss kann der zugehörige Myokard-
abschnitt nicht mehr ausreichend mit Blut ver-
die zum größten Teil im Sinus coronarius zu-
sorgt werden, es kommt zum Herzinfarkt. Der
sammenfließen und in den rechten Vorhof akute Herzinfarkt entsteht in über 90 % der Fäl-
münden. le durch eine frische Koronarthrombose auf
dem Boden eines rupturierten atheroskleroti-
Koronararterien, Aa. coronariae (A – C) schen Plaques.
Die Hauptstammgefäße, Aa. coronaria dextra
Herzkranzvenen, Vv. cordis (A – B)
(A1) et sinistra (A2), entspringen im Sinus
aortae der rechten und linken Taschenklap- Der größte Teil des sauerstoffarmen Blutes
pe. aus den Herzwänden fließt über Venen, die
in Begleitung der Arterien verlaufen, zum
A. coronaria dextra (A1). Sie tritt in den
Sinus coronarius (B13), der im hinteren Teil
Sulcus coronarius (A3) der rechten Seite ein
des Sulcus coronarius (AB3) liegt. Größere
und wird dabei zunächst vom rechten Herz-
Zuflüsse zum Sinus coronarius sind die V. in-
ohr (A4) überlagert. Nach Astabgaben zum
terventricularis anterior (A14), die im linken
rechten Vorhof, zur Vorderseite des rechten
Sulcus coronarius zur V. cardiaca magna (B15)
Ventrikels und Abgang des R. marginalis dex-
wird, die V. cardiaca media (B16) im Sulcus in-
ter (A5) folgt sie dem Sulcus coronarius nach
terventricularis posterior und die V. cardiaca
dorsal bis zum Sulcus interventricularis po-
parva (B17) von rechts. Während etwa 2/3 des
sterior (B6), in den sie den R. interventricula-
sauerstoffarmen Blutes über größere Venen
ris posterior (B7) entlässt. Die A. coronaria
und den Sinus coronarius direkt in den
dextra versorgt in den meisten Fällen (beim
rechten Vorhof gelangen, münden kleinere
sog. ausgeglichenen Versorgungstyp) den rech-
Venen, Vv. ventriculi dextri, direkt in den
ten Vorhof, das Erregungsbildungssystem,
rechten Vorhof und kleinste Venen, Vv. car-
den größten Teil des rechten Ventrikels, den
diacae minimae, direkt in die Innenräume
dorsalen Teil des Kammerseptums und die
des Herzens.
angrenzende Facies diaphragmatica.
A. coronaria sinistra (A2). Der kurze Lymphgefäße
Stamm verläuft zunächst zwischen Truncus
Das dichte Lymphgefäßnetz des Herzens
pulmonalis (A8) und linkem Herzohr (A9)
gliedert sich in ein tiefes endokardiales, ein
und teilt sich dann in den R. interventricularis
mittleres myokardiales und ein oberflächliches
anterior (A10), der im Sulcus interventricula-
epikardiales Netz. Größere Sammelgefäße
ris anterior (A11) nach kaudal zieht, und den
verlaufen epikardial in Begleitung von Aorta
R. circumflexus (A12), der im Sulcus coronari-
und Truncus pulmonalis. Die zugehörigen
us nach dorsal verläuft. Während die
regionalen Lymphknoten gehören zur Grup-
Stammgefäße der Herzkranzarterien ober-
pe der tracheobronchialen und der vorderen
flächlich im subepikardialen Fettgewebe
mediastinalen Lymphknoten (S. 82).
der Sulci liegen, werden ihre Äste häufig
Gefäße des Herzens 25

Herz-Kreislauf-System
A Herzkranzgefäße an der
8
9 Facies sternocostalis
2 12

4
14
1

10

11

3
7
5

1 2

C Ursprung der Aa. coronariae 15

13

16

3
7 17
6

B Herzkranzgefäße an der
Facies diaphragmatica
26 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Erregungsbildungs- und (A7) oder das His-Bündel, dessen Stamm,


Erregungsleitungssystem Truncus fasciculi atrioventricularis, das Herz-
skelett in Richtung auf die Ventrikel durch-
Das Herz besitzt spezifische Muskelzellen, setzt. Der Fasciculus atrioventricularis er-
die für Bildung und Weiterleitung der spon- reicht auf der Seite des rechten Ventrikels
tanen, rhythmischen Erregung, die den den oberen Rand der muskulären Kammer-
Herzschlag auslöst, verantwortlich sind und scheidewand und spaltet sich in einen rech-
in ihrer Gesamtheit als Erregungsbildungs- ten und linken Erregungsleitungsschenkel.
und Erregungsleitungssystem, Complexus Diese ziehen beiderseits subendokardial in
stimulans cordis und Systema conducente der Kammerscheidewand in Richtung auf
cordis, bezeichnet werden. Diese spezifi- die Herzspitze. Das Crus dextrum (A8) ver-
schen Herzmuskelzellen unterscheiden sich läuft bogenförmig abwärts und zieht in die
histologisch und funktionell von der übri- Trabecula septomarginalis (A9), über die es
gen Herzmuskulatur, dem sog. Arbeitsmyo- den vorderen Papillarmuskel (A10) erreicht.
kard. An 2 Stellen sind sie zu knotenförmigen Die peripheren Äste des Erregungsleitungs-
Gebilden zusammengelagert, Sinusknoten schenkels sind die Rami subendocardiales
(Nodus sinuatrialis) und Atrioventrikular- (A11), die subendokardial ein Geflecht bil-
(AV-)knoten (Nodus atrioventricularis). den. Dieses endet in funktionellen Verbin-
Größtenteils verlaufen sie jedoch in Form dungen zunächst an den Papillarmuskeln
von Bündeln, die in ein Atrioventrikularbün- oder dem herzspitzennahen Kammermyo-
del, Fasciculus atrioventricularis, und einen kard und zieht dann mit rückläufigen Bün-
rechten und linken ventrikulären Erre- deln in den Trabeculae carneae zum Myo-
gungsleitungsschenkel, Crus dextrum und kard der Herzbasis. Vereinzelt bilden spezia-
Crus sinistrum, gegliedert werden. Der Weg, lisierte Herzmuskelzellen falsche Sehnenfä-
den die Erregung von ihrer Bildungsstätte den, Purkinje-Fasern, die zu Papillarmuskeln
bis zur funktionellen Überleitung auf die Ar- ziehen.
beitsmuskulatur nimmt, wird im Folgenden Das Crus sinistrum (B12) breitet sich fächer-
anhand der nachweisbaren morphologi- förmig in flachen Bündeln auf dem Kam-
schen Strukturen beschrieben (A-B). Der Si- merseptum aus. Diese Bündel sind meistens
nusknoten (A1) (Keith-Flack-Knoten) liegt in 2 Hauptzügen angeordnet. Sie ziehen zur
in der Nähe der Einmündungsstelle der V. Basis der Papillarmuskeln, verzweigen sich
cava superior (A2) subepikardial im Sulcus zu subendokardialen Netzen, bilden funktio-
terminalis auf der Dorsalseite des rechten nelle Verbindungen zum herzspitzennahen
Vorhofs. Der spindelförmige, etwa 10 mm Kammermyokard und erreichen rückläufig
lange Knoten wird als Schrittmacher der Herz- das Kammermyokard der Herzbasis.
aktion bezeichnet, da er regelmäßig etwa
Funktionelle Anatomie. Alle Teile des Erre-
60 – 80 Erregungen pro Minute bildet und
gungsbildungs- und -leitungssystems sind grund-
an die übrigen Teile des Erregungsbildungs- sätzlich in der Lage, Reize zu bilden, doch ist die
und Erregungsleitungssystems weiterleitet. Erregungsfrequenz des Sinusknotens mit etwa
Der zweite Abschnitt des spezifischen Herz- 70/min größer als die des AV-Knotens mit 50 – 60/
muskelgewebes ist der an der Vorhofkam- min und die der Kammer mit 25 – 45/min. Des-
mergrenze gelegene ca. 5 mm lange Atrio- halb läuft in der Regel eine vom Sinusknoten be-
ventrikularknoten (AV-Knoten, Aschoff- stimmte, koordinierte Herzaktion (Sinusrhythmus)
Tawara-Knoten) (A3). Er liegt im Septum in- ab und die nachfolgenden Zentren bleiben
stumm.
teratriale (A4) zwischen der Einmündung
des Sinus coronarius (A5) und dem septalen
Klinischer Hinweis. Unter krankhaften Bedin-
Segel der Trikuspidalklappe (A6). Die vom
gungen kann es zu Störungen in der Erre-
Sinusknoten erzeugte Erregung wird über gungsbildung und -leitung kommen, die mit
das Arbeitsmyokard des rechten Vorhofs Hilfe des Elektrokardiogramms (EKG) analysiert
zum AV-Knoten geleitet. Hier beginnen die werden können. Herzrhythmusstörungen kön-
Bündel des Erregungsleitungssystems. Sie nen mittels Ableitung intrakardialer EKGs
bilden den Fasciculus atrioventricularis diagnostisch exakt zugeordnet werden.
Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem 27

Herz-Kreislauf-System
2
1

4 7

8
3 9
6
5

A Erregungsbildungs- und
Erregungsleitungssystem von rechts 11 10

12

B Erregungsbildungs- und
Erregungsleitungssystem von links
28 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Innervation des Herzens Eine Reizung der parasympathischen Herzner-


ven führt zur Abnahme von Schlagfrequenz
Die vom Sinusknoten ausgehende Herzak- und Schlagstärke, zu verminderter Erreg-
tion wird durch das autonome Nervensys- barkeit und zu verlangsamter Reizüberlei-
tem beeinflusst (Bd. 3 S. 292 ff.). Die Nerven- tung im AV-Knoten.
versorgung für das Herz (A) erfolgt sowohl
vom sympathischen als auch vom parasympa- Plexus cardiacus
thischen Teil des autonomen Nervensys-
tems. Die Herznerven führen autonom effe- Die sympathischen Nn. cardiaci und die pa-
rente Fasern sowie viszerosensible afferente rasympathischen Rr. cardiaci verzweigen
Fasern. sich oberhalb des Aortenbogens und laufen
an der Herzbasis zum Plexus cardiacus
Sympathicus. Aus dem Halsteil des Sympa- (A4) zusammen, der nach topografischen
thicus entspringen in Höhe der Halsgang- Gesichtspunkten in einen oberflächlichen
lien beidseits meistens 3 Herznerven, N. car- (A4 a) und einen tiefen Teil (A4 b) gegliedert
diacus cervicalis superior (A1), N. cardiacus cer- wird. In den Plexus sind Nervenzellen ein-
vicalis medius (A2 ) und N. cardiacus cervicalis gelagert, die in kleineren und größeren An-
inferior (A3). Sie ziehen dorsal vom Gefäß- sammlungen, u. a. Ganglia cardiaca (A10),
Nerven-Strang nach kaudal zum Herzge- zusammenliegen. Der oberflächliche oder
flecht, Plexus cardiacus (A4). Aus den oberen ventrale Teil des Plexus liegt unterhalb des
Thorakalganglien gehen zusätzlich Rr. car- Aortenbogens vor der rechten Pulmonalar-
diaci thoracici (A5) hervor, die ebenfalls zum terie und wird überwiegend von Fasern der
Herzgeflecht ziehen. Die Herznerven des linken Herznerven gespeist. Der tiefe oder
Sympathicus führen postganglionäre auto- dorsale Teil des Plexus liegt hinter dem Aor-
nome Fasern, deren präganglionäre Ab- tenbogen und ventral der Bifurkation der
schnitte aus den oberen thorakalen Rücken- Luftröhre, Trachea (A11). Er enthält Fasern
markssegmenten (Th1 – Th4) stammen. Die von Herznerven beider Seiten. Beide Teile des
sympathischen Herznerven enthalten zu- Plexus cardiacus sind untereinander ver-
sätzlich viszerosensible Fasern, vor allem bunden und geben letztlich die eigentlichen
Schmerzfasern, deren Perikaryen in den zer- Herzäste ab, die über Geflechte entlang den
vikalen und thorakalen Spinalganglien lie- Koronararterien und den Vorhöfen zu allen
gen. Versorgungsgebieten des Herzens gelangen.
Eine Reizung der sympathischen Herznerven
führt zu erhöhter Schlagfrequenz, größerer Sensible (afferente) Innervation. Die
Schlagstärke und Erregbarkeit und zu be- Herzgeflechte enthalten auch viszerosensi-
schleunigter Reizüberleitung im AV-Knoten. ble Fasern, die im Zervikalmark (C3 – C4)
und im Thorakalmark vor allem in Th1 – Th7
Parasympathicus. Die parasympathischen enden. Diese Projektion der Fasern in die
Herznerven stammen aus dem N. vagus (A6). Zervikal- und Thorakalsegmente des Rü-
Sie zweigen in unterschiedlicher Höhe aus ckenmarks erklärt die Projektion des Herz-
dem Halsteil des N. vagus als Rr. cardiaci cer- schmerzes, z. B. bei einem Herzinfarkt, in
vicales superiores (A7) und inferiores (A8) ab die linke Schulter-Hals-Region und auf die
und ziehen zum Plexus cardiacus. Aus dem ulnare Seite des linken Armes (Head-Zone).
thorakalen N. vagus strahlen zusätzlich Rr.
cardiaci thoracici (A9) in das Herzgeflecht. A12 Ganglion cervicale superius, A13 Ganglion
Die Herznerven des N. vagus enthalten cervicale medium, A14 Ganglion cervicothoraci-
cum, A15 Ganglia thoracica, A16 N. laryngeus re-
meist präganglionäre autonome Fasern, die
currens.
in subepikardialen Nervenzellen im Bereich
der Herzbasis auf postganglionäre Fasern
umgeschaltet werden. Die viszerosensiblen
Fasern der parasympathischen Rr. cardiaci
leiten insbesondere Erregungen aus den
Druck- und Dehnungsrezeptoren.
Innervation des Herzens 29

Herz-Kreislauf-System
6 12

7 13

2
11
14

3
15 5 9 10

16

4b

4a

Sympathicus
Parasympathicus
Plexus

A Nerven des Herzens


und Plexus cardiacus
30 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Herzbeutel beutels. Die von Perikard bedeckten Ab-


schnitte der kaudalen Vorderwand der V. ca-
Das Herz liegt wie alle Eingeweideorgane, va inferior (BC8) sowie diejenigen der dor-
die starken Volumenänderungen und Ver- salen Wände der Vv. pulmonales (BC9) sind
schiebungen gegenüber Nachbarorganen kürzer. Die Umschlagstellen sind insgesamt in
ausgesetzt sind, in einer serösen Höhle, der Form von 2 komplexen Schläuchen ange-
Perikardhöhle, Cavitas pericardialis (B). ordnet (C), die zum einen Aorta und Truncus
Der Herzbeutel, Pericardium (AB1), um- pulmonalis an der Porta arteriosa (rote Linie),
hüllt das Herz und die herzbasisnahen Ab- zum anderen die Vv. pulmonales und die Vv.
schnitte der großen Gefäße. Es besteht aus 2 cavae an der Porta venosa (blaue Linie) um-
Anteilen, dem äußeren Pericardium fibro- geben. Zwischen den Schläuchen an der
sum und dem inneren Pericardium sero- Porta arteriosa und der Porta venosa liegt
sum. Das Pericardium fibrosum bildet einen eine Rinne, Sinus transversus pericardii (Pfeil
kegelförmigen Sack aus faserreichem kolla- in C). Aorta und Truncus pulmonalis liegen
genem Bindegewebe, der das Herz umhüllt, ventral von diesem Durchgang, die großen
ohne mit ihm selbst verbunden zu sein. Das Venen dorsal. Die Umschlagstellen der Porta
Pericardium serosum besteht aus einem venosa schließen mehrere Nischen ein, Re-
zweiblättrigen, geschlossenen System in- cessus pericardii. Zwischen den unteren Pul-
nerhalb des Pericardium fibrosum. Es setzt monalvenen, der V. cava inferior (BC8) und
sich wie jede Serosa aus einem parietalen der Rückseite des linken Vorhofs liegt der
und viszeralen Blatt zusammen. Die Lamina große Sinus obliquus pericardii (B10).
visceralis oder Epicardium liegt der Oberflä- Der Herzbeutel wird rechts und links von
che des Herzens und der der großen Gefäß- der Pleura (A11) umgriffen. Zwischen Pleura
stämme direkt an und schlägt auf die Lami- und Perikard verlaufen beiderseits der N.
na parietalis (B2) um, die ihrerseits die In- phrenicus (A12) in Begleitung der A. pericar-
nenseite des Pericardium fibrosum (B3) diacophrenia (A13) und der gleichnamigen
auskleidet. Vene.
Pericardium fibrosum. Es ist an mehreren Gefäße und Nerven. Die arterielle Versor-
Stellen mit umgebenden Strukturen ver- gung des Perikards erfolgt überwiegend
wachsen und fixiert dadurch die Position durch die A. pericardiacophrenica (A13) aus
des Herzens im Thorax. Kaudal ist es mit der A. thoracica interna. Das venöse Blut
dem Centrum tendineum des Zwerchfells, fließt über die V. pericardiacophrenica (A14)
Diaphragma, verlötet. Ventral ist es über va- in die V. brachiocephalica. Die Innervation
riabel ausgebildete Ligg. sternopericardiaca des Perikards erfolgt über Äste des N. phreni-
mit der Rückseite des Sternums (B4) verhaf- cus (A12), des N. vagus und des Truncus sym-
tet. Nach dorsal existieren ebenfalls ver- pathicus.
stärkte Bindegewebszüge zur Trachea und
zur Wirbelsäule. Lateral wird das Pericardi- Klinischer Hinweis. In den perikardialen Re-
um fibrosum durch lockeres Bindegewebe zessus kann es unter pathologischen Bedin-
vom parietalen Blatt der Pleurahöhle ge- gungen, z. B. bei einer Perikarditis, zu größeren
trennt. Ansammlungen von Flüssigkeit kommen (Peri-
karderguss). Infolge einer fibrinösen Entzündung
Pericardium serosum. Lamina parietalis und können die Blätter des Pericardium serosum
Lamina visceralis sind nur an der eröffneten verkleben, was die Bewegungsmöglichkeiten
Perikardhöhle zu überblicken. Dann werden des Herzens u. U. erheblich einschränkt. Solche
auch die Umschlagstellen zwischen diesen Verklebungen können schließlich verkalken
Blättern sichtbar. Sie umsäumen die V. cava und das Krankheitsbild des Panzerherzens mit
superior (A – C5), die Aorta (A – C6) und den schwerster Funktionsbeeinträchtigung der
Truncus pulmonalis (A – C7) kranial. Aorta Herzaktion hervorrufen. Bei einer Ruptur der
Aortenwand kommt es infolge schnellen Blut-
und Truncus pulmonalis liegen auf einer
einstroms in die Cavitas pericardialis zur Herz-
Strecke von etwa 3 cm innerhalb des Herz-
beuteltamponade.
Herzbeutel 31

Herz-Kreislauf-System
12
6
12 13
14
11

5 7
B Perikardhöhle nach
Entfernen des Herzens
11

9 9
1
2
3
10

5
6
11
7
13
14
4
12

6 6
A Herz im Perikard
7 5 7

9 9

C Umschlagstellen des
Perikards in das Epikard
32 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Lage des Herzens und Herzgrenzen lung der Lagebeziehung kann sich daher auf
das Herz beschränken.
Mediastinum (A). Herz und Herzbeutel lie- Auch beim Gesunden variieren die Herz-
gen im Mediastinum, dem sagittal gestell- grenzen in Abhängigkeit von Alter, Ge-
ten mittelständigen Bindegewebsraum des schlecht und Körperhaltung. Die im Folgen-
Thorax. Kranial erstreckt sich das Mediasti- den dargestellten Verhältnisse entsprechen
num bis zur Höhe der oberen Thoraxaper- den durchschnittlichen Verhältnissen eines
tur, Apertura thoracis superior (A1), es geht Erwachsenen. Bei normaler Position des
dort kontinuierlich in den Eingeweideraum Herzens liegen zwei Drittel seiner Masse
des Halses über. Kaudal wird das Mediasti- links von der Mittellinie. In Projektion auf die
num durch das Zwerchfell (A2) begrenzt. In vordere Brustwand bilden die Herzgrenzen
der Sagittalebene erstreckt es sich von der ein Trapez. Die rechte Grenze verläuft vom
Rückseite des Brustbeins (A3) bis zur Vorder- Sternalansatz der 3. Rippe bis zum Ansatz
fläche der Brustwirbelsäule (A4). Lateral wird der 6. Rippe parallel mit dem rechten Sternal-
das Mediastinum beiderseits von Mittelfell, rand, etwa 2 cm von diesem entfernt. Diese
Pleura parietalis sive mediastinalis, begrenzt. Linie entspricht dem lateralen Profil des
Das Mediastinum gliedert sich in ein oberes, rechten Vorhofs. Die Verlängerung dieser Li-
Mediastinum superius (A rot), und ein unteres nie nach kranial markiert den rechten Rand
Mediastinum, Mediastinum inferius (A blau). der V. cava superior, während eine Verlänge-
Die Grenze zwischen oberem und unterem rung nach kaudal dem rechten Rand der V.
Mediastinum ist durch eine vom Angulus cava inferior entspricht. Die rechte Grenze
sterni ausgehende Transversalebene (A5) geht am Ansatz der 6. Rippe in die vom Mar-
festgelegt. Das obere Mediastinum enthält go dexter gebildete Kontur über und zieht
Leitungsbahnen und den Thymus (S. 406), zur Herzspitze. Die linke Grenze des Herzens
das untere wird durch die vordere und hinte- verläuft von der Herzspitze, die im 5. Inter-
re Wand des Herzbeutels in einen vorderen kostalraum etwa 2 cm innerhalb der Medio-
Abschnitt, Mediastinum anterius (grünblau), klavikularlinie liegt, in einem nach links
einen mittleren, Mediastinum medium (mit- konvexen Bogen zu einem Punkt, der 2 cm
telblau), und einen hinteren Abschnitt, Me- lateral des Ansatzes der 3. Rippe liegt.
diastinum posterius (dunkelblau), geglie-
dert. Das Mediastinum anterius ist ein Das Herz liegt z. T. unmittelbar der vorderen
schmaler von Bindegewebe ausgefüllter Brustwand, d. h. dem Sternum an. Die Per-
Raum zwischen der Rückseite des Corpus kussion in diesem Areal ergibt einen ge-
sterni und der Rippenknorpel und der vor- dämpften Klopfschall, die absolute Herz-
deren Fläche des Herzbeutels. Das Mediasti- dämpfung. Von beiden Seiten schiebt sich
num medius enthält das Herz und den Herz- der Pleuraspalt (rot) vor das Herz und be-
beutel. Es verbreitert und vertieft sich zum deckt die seitlichen Teile des Herzens. In
oberen Mediastinum hin und enthält nicht den Pleuraspalt schiebt sich je nach Atemla-
nur lockeres Bindegewebe, sondern auch ei- ge mehr oder weniger viel Lungengewebe
nen verformbaren Fettkörper, Corpus adipo- (blau). Der Klopfschall ist hier gegenüber
sum retrosternale, Lymphgefäße zur der absoluten Herzdämpfung aufgehellt,
Lymphdrainage der Brustdrüsen und Äste aber noch nicht so sonor wie über dem an-
der Vasa thoracica interna. Das Mediasti- grenzenden Lungengewebe. Aus diesem
num posterius erstreckt sich zwischen der Grund spricht man hier von der relativen
Herzbeutelhinterwand und der Ventralflä- Herzdämpfung. Sie gibt die wirkliche Größe
che der Brustwirbelsäule (Brustwirbelkör- des Herzens wieder, ihr Gebiet entspricht
per 5 – 12) und enthält große Leitungsbah- den Grenzen des auf die Brustwand proji-
nen und die Speiseröhre (S. 176). zierten Herzens.

Herzgrenzen (B). Herz und Herzbeutel sind


beim Lebenden lediglich durch einen kapil-
lären Spalt getrennt, so dass sich ihre Kontu-
ren weitgehend entsprechen. Die Darstel-
Lage des Herzens und Herzgrenzen 33

Herz-Kreislauf-System
1

3 4

A Gliederung des Mediastinum,


Mediansagittalschnitt

B Projektion von Herz-, Pleura- und


Lungengrenzen auf den Brustkorb
34 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Röntgenanatomie Auskultation
Die konventionelle Röntgenuntersuchung Durch Abhorchen, Auskultation, der Herztö-
des Thorax gehört zu den Basisuntersu- ne kann man wichtige Informationen über
chungen in der Diagnostik von Herzerkran- den Funktionszustand der Herzaktion
kungen. Die übliche Methode ist eine Herz- (S. 42) gewinnen. Herztöne sind Schwin-
fernaufnahme im parallelen, dorso-ventralen gungen, die während der Herzaktion entste-
Strahlengang (A). Schräg- und Seitenaufnah- hen und auf die Brustwand fortgeleitet wer-
men ergänzen das dorso-ventrale Bild. den. Der 1. Herzton entsteht in der Anspan-
nungsphase der Systole durch Schwingungen
Dorso ventrales Bild der Ventrikelwand, der 2. Herzton entsteht
am Beginn der Diastole beim Schluss der Ta-
Der gößte Teil des Herzens liegt im Mediasti-
schenklappen von Aorta und Truncus pul-
nalschatten, der hauptsächlich durch Wirbel-
monalis. Krankhaft sind Herzgeräusche, die
säule, Brustbein, Herz und große Gefäße zu-
durch eine Stenose oder Insuffizienz einer
stande kommt. Der Mediastinalschatten
Klappe hervorgerufen werden können.
geht oben in den Hals- und unten in den Le-
berschatten über. Beiderseits vom Mediasti- Die optimalen Auskultationsstellen der
nalschatten liegen die luftgefüllten und da- Herzklappen (B) sind in der Regel nicht
mit strahlendurchlässigen hellen Lungen. identisch mit der Projektion der Klappen
Normalerweise bestehen die Konturen von auf die vordere Brustwand. Herztöne oder
Herz und Gefäßen im Mediastinalschatten Herzgeräusche werden dort am besten hör-
rechts aus 2, links aus 4 Bögen. bar, wo der von der betreffenden Klappe
ausgehende Blutstrom der Brustwand am
Rechte Seite. Der Vergleich des Röntgenbil-
nächsten kommt. Die empirisch ermittelten
des mit der Lage des Herzens in Projektion
Stellen für die Auskultation liegen deshalb
auf die vordere Brustwand (S. 쮿 B) zeigt,
in einiger Entfernung zu den Klappen:
dass der obere flache Bogen von der V. cava
superior (A1) hervorgerufen wird und der – Aortenklappe (B8) parasternal im 2. In-
untere dem rechten Vorhof (A2) entspricht. terkostalraum rechts,
Bei tiefer Inspiration kann am rechten unte- – Pulmonalklappe (B9) parasternal im 2. In-
ren Rand zusätzlich die V. cava inferior sicht- terkostalraum links,
bar werden. – Bikuspidalklappe (B10) in der Mediokla-
vikularlinie im 5. Interkostalraum links,
Linke Seite. Der linke Rand des Herzschat-
d. h. nahe der Herzspitze, und
tens besitzt 4 Bögen. Hier wird der obere
– Trikuspidalklappe (B11) am kaudalen En-
Bogen durch den distalen Abschnitt des Aor-
de des Corpus sterni auf Höhe des 5. In-
tenbogens (A3) hervorgerufen. Unterhalb
terkostalraumes rechts.
vom Aortenbogen wölbt sich in unter-
schiedlicher Weise der Truncus pulmonalis Klinischer Hinweis. Der Erbsche Punkt, der
(A4) vor. Darunter folgt ein kleiner, häufig auch als Punctum quintum bezeichnet wird, ist
nur schwer abgrenzbarer Bogen, der dem der zentrale Auskultationspunkt des Herzens
linken Herzohr (A5) entspricht. Der untere, im 3. Interkostalraum links parasternal, an
dem fast alle Geräuchphänomene wahrnehm-
nach links konvexe Bogen bildet den Rand
bar sind, besonders die hochfrequenten Töne
der linken Kammer (A6) ab. Die Einschnü- bei Aorten- und Pulmonalisinsuffizienz.
rung am oberen Rand des Ventrikelbogens
wird auch als Herztaille bezeichnet.
Nach kaudal geht der Herzschatten konti-
nuierlich in den Schatten von Zwerchfell
(A7) und Oberbauchorganen über, so dass
der kaudale Rand nicht exakt abgrenzbar ist.
Röntgenanatomie und Auskultation des Herzens 35

Herz-Kreislauf-System
3

1 4

2
6
7

A Schematisiertes Röntgenbild des Herzens

11

10

B Projektion der Herzklappen auf die vordere Brustwand


und Auskultationsstellen
36 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Schnittanatomie (B2) begleitet, während die Wurzel der V.


pulmonalis dextra (B14) in einiger Entfer-
Die konventionelle Röntgenuntersuchung nung zum Bronchus verläuft. In Begleitung
des Herzens wird heute erweitert durch der Aufzweigungen der Hauptbronchien lie-
Schnittbilder, die mit den modernen bildge- gen Lymphknoten, Nodi lymphatici broncho-
benden Verfahren Computertomografie, pulmonales (B15). Dorsal der Hauptbron-
Kernspintomografie und Sonografie gewon- chien findet sich der Anschnitt durch die
nen werden. Dabei ist die übliche Untersu- Speiseröhre, Ösophagus (B16), die rechts
chungsebene die Transversalebene, die im dorsal von der V. azygos (B17) und links dor-
klinischen Sprachgebrauch auch als axial be- sal von der Aorta descendens (B18) begleitet
zeichnet wird. Die Betrachtung der Schnitt- wird. Die Aorta descendens liegt ihrerseits
bilder durch den Untersucher erfolgt von in enger Nachbarschaft zum Unterlappen
kaudal und in Rückenlage des Patienten. Da- der linken Lunge (B19).
her werden die Schnittebenen so abgebil-
det, dass die dorsal gelegene Wirbelsäule B20 Ductus thoracicus.
nach unten zeigt, das ventral gelegene Tho-
raxskelett hingegen nach oben. Darüber
hinaus sind die anatomisch rechts liegenden
Strukturen links abgebildet, die anatomisch
links liegenden Strukturen rechts. Im Folgen-
den werden exemplarisch 3 anatomische,
nahezu transversale Schnittebenen durch
das Herz und die großen Gefäße in kranio-
kaudaler Richtung besprochen. Die Höhe
der Schnittebenen in Bezug auf Herz und
Thorax ist im Lagebild des Herzens (A) mar-
kiert.

Transversale Schnittebene in Höhe des


6. Thorakalwirbels (B)
Die Schnittebene trifft die Aufzweigung des
Truncus pulmonalis (B1) in die A. pulmonalis
dextra (B2) und die A. pulmonalis sinistra
(B3). Ventral des Truncus pulmonalis liegt
subepikardiales Fettgewebe (B4), das nach
rechts bis zum Anschnitt der Aorta ascen-
dens (B5) reicht. Ventral von Aorta und dem
subepikardialen Fett liegt die schnittbe-
dingt etwas erweiterte Cavitas pericardiaca
(B6), an die ventral das Binde- und Fettge-
webe des retrosternalen Fettkörpers (B7)
und das Sternum (B8) grenzen. Rechts von
der Aorta ascendens ist die V. cava superior
(B9) angetroffen. Zwischen Aorta und V. ca-
va superior schiebt sich der Sinus transver-
sus pericardii (B10). Dorsal der Aufzweigung
des Truncus pulmonalis liegen Anschnitte
durch den linken (B11) und rechten (B12)
Hauptbronchus. Letzterer wird bei seiner
Aufzweigung in der rechten Lunge (B13) di-
rekt von einem Ast der A. pulmonalis dextra
Schnittanatomie des Herzens 37

Herz-Kreislauf-System
Th 6

Th 7

Th 8

A Lage der transversalen Schnittebenen

13 4
5

9
14 19
10 1

2 16

12 11

15 3
17 18

20 15

B Transversale Schnittebene in Höhe von Th 6


38 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Schnittanatomie, Fortsetzung Ventrikels entsprechend das vordere Segel


der Bikuspidalklappe (B26). Außerdem ist
Transversale Schnittebene in Höhe des
im linken Ventrikel die kräftige vordere Pa-
7. Thorakalwirbels (A)
pillarmuskelgruppe (B27) zu erkennen. Zwi-
Die Schnittebene trifft die Aorta in Höhe der schen den beiden Vorhöfen ist das Vorhof-
Taschenklappen (A1). Ventral von der Aorta septum (B28), zwischen den beiden Ventri-
ist die Ausflussbahn des rechten Ventrikels, keln das Kammerseptum (B29) angetroffen.
Conus arteriosus (A2), zu erkennen. Die Aor- Die enge Nachbarschaft des linken Vorhofs
ta wird rechts vom Herzohr (A3) des rechten zum Ösophagus (B9) kommt erneut zur Dar-
Vorhofs umgriffen. Im subepikardialen Fett- stellung. An den Ösophagus grenzt nach
gewebe (A4) ist auf der linken Seite in Nähe links und dorsal die Aorta descendens (B17).
der Aorta ein Anschnitt der A. coronaria sini- Die V. azygos (B16) ist direkt ventral des
stra (A5) und des linken Herzohrs (A6) zu er- Wirbels angeschnitten.
kennen. Der dorsale Anschnitt des Herzens
B10 Ast der A. pulmonalis dextra,
wird vom linken Vorhof (A7) bestimmt, der
B11 Ast der A. pulmonalis sinistra,
im glattwandigen Bereich der Einmündung
B12 Cavitas pericardiaca (Sinus obliquus),
der unteren Pulmonalvenen (A8) angetrof-
B14 rechte Lunge,
fen ist. Dorsal vom linken Vorhof liegt in en-
B15 V. pulmonalis dextra inferior,
ger Nachbarschaft der Anschnitt des Öso-
B17 Aorta descendens,
phagus (A9).
B18 linke Lunge,
A10 Ast der A. pulmonalis dextra, B19 Lappenbronchus rechts,
A11 Ast der A. pulmonalis sinistra, B20 Lappenbronchus links,
A12 Cavitas pericardiaca, B30 rechter Vorhof,
A13 Rippenknorpel, B31 Ductus thoracicus.
A14 rechte Lunge,
Klinischer Hinweis. Durch die lagebedingte
A15 V. pulmonalis dextra inferior, Nachbarschaft von Ösophagus und linkem
A16 V. azygos, Vorhof wird heute die transösophageale Echo-
A17 Aorta descendens, kardiografie durchgeführt, die bei der Beurtei-
A18 linke Lunge, lung von Klappenerkrankungen, Shuntvitien
A19 Lappenbronchus rechts, oder Septierungsdefekten enorm hilfreich ist.
A20 Lappenbronchus links, Aufgrund eben dieser Lagebeziehung kommt
A31 Ductus thoracicus. es bei der Mitralstenose infolge der Vergröße-
rung des linken Vorhofes zur Einengung des
Hinterherzraumes mit Kompression und Ver-
Transversale Schnittebene in Höhe des
drängung des Ösophagus. Die Patienten klagen
8. Thorakalwirbels (B) über Schluckbeschwerden (Dysphagie).
Die Schnittebene trifft alle 4 Räume des
Herzens auf Höhe der Einstrombahnen
durch die Atrioventrikularklappen. Die vom
linken Ventrikel (B21) gebildete Herzspitze
(B22) zeigt aufgrund der Darstellungsweise
nach rechts oben. Die Anschnitte des linken
und rechten Ventrikels (B23) sind aufgrund
der unterschiedlichen Dicke des jeweiligen
Kammermyokards leicht zu unterscheiden.
Im subepikardialen Fettgewebe (B4) sind An-
schnitte der A. coronaria dextra (B24) und
der A. coronaria sinistra (B5) zu erkennen. In
die Einstrombahn der rechten Kammer ragt
das vordere Segel der Trikuspidalklappe
(B25) vor, in die Einstrohmbahn des linken
Schnittanatomie des Herzens, Fortsetzung 39

Herz-Kreislauf-System
13

14 12 2 4

3 1

18

8
7 5

6
9
10
19
15
20
17 11
16

31

A Transversale Schnittebene in Höhe von Th 7

22
23
14
4

24
25
21
30
29 27
28

26
7
5
9 12

15
19 11

10 31 17
18
16

20

B Transversale Schnittebene in Höhe von Th 8


40 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Schnittbildechokardiografie klappe liegt in der Schnittebene höher, d. h.


sie entspringt weiter herzspitzenwärts als
Bei der Ultraschalluntersuchung des Her- die Bikuspidalklappe. Dadurch gelangt ein
zens, Echokardiografie, erhält man Echosi- Teil des membranösen Septums zwischen
gnale, deren Informationsgehalt unter- den rechten Vorhof und den linken Ventri-
schiedlich verarbeitet und sichtbar gemacht kel, Septum atrioventriculare (A12).
werden kann. Mit Hilfe der zweidimensio-
nalen Schnittbildechokardiografie, 2 D-Echo- Klinischer Hinweis. Der Vierkammerblick ist
kardiografie, kann man in verschiedensten zur Diagnose von angeborenen Herzerkrankungen
Ebenen Herz und Gefäße in momentanen von Bedeutung, aber auch zur Beurteilung der
Echtzeitschnittbildern vom Patienten erhal- Mitralklappe, insbesondere des hinteren Se-
ten. Da Ultraschallwellen nur schlecht gels.
durch Knochen und praktisch nicht durch
Luft dringen, ergeben sich durch die Lage Apikaler Längsschnitt (B). Diese Schnitt-
des Herzens im knöchernen Thorax nur ei- ebene kann man durch Einstellung des Ul-
nige direkte Zugangswege, Fenster, für die traschallkopfes im apikalen Fenster erhalten.
Ultraschalluntersuchung. Bei den gängigen Sie trifft die Herzspitzenregion, apikale Re-
Untersuchungen benutzt man ein paraster- gion, des linken Ventrikels (B2), die nach
nales (I), ein apikales (II), ein subkostales (III) links oben zeigt. Sowohl die Einflussbahn
und ein suprasternales Fenster (IV). Da der un- vom linken Vorhof (B1) über die Bikuspidal-
tersuchende Ultraschallkopf innerhalb ei- klappe (B8) bis zur Herzspitze als auch die
nes Fensters beweglich in unterschiedlich- Ausflussbahn von der Herzspitze bis zur Aor-
ste Positionen gebracht werden kann, wei- tenklappe (B13) kommen zur Darstellung.
chen die Ebenen der 2 D-Echokardiografie Vor der Aorta (B15) liegt die Ausflussbahn
zum Teil erheblich von den gängigen trans- des rechten Ventrikels (B5). Im linken Ventri-
versalen Untersuchungsebenen der ande- kel ist von der Bikuspidalklappe das vordere
ren Schnittbildtechniken ab. Segel (B14) zu erkennen. In geschlossener
Position sind auch die Taschenklappen (B13)
Vierkammerblick (A). Den Vierkammer- der Aorta sichtbar. Der Schnitt demon-
blick kann man durch Einstellung des Ultra- striert, wie das vordere Segel der Mitral-
schallkopfes von apikal und von subkostal er- klappe die Einfluss- und Ausflussbahn des
halten. Diese Schnittebene verläuft etwa linken Ventrikels trennt.
parallel zur Vorder- und Hinterwand des
Herzens durch die Einflussbahn beider Vent- Klinischer Hinweis. Die Bedeutung des apika-
rikel, so dass alle 4 Räume des Herzens len Längsschnittbildes liegt in der Möglichkeit,
gleichzeitig angetroffen sind. Linker Vorhof die Funktion der Herzspitzenregion zu beurteilen,
(A1) und linker Ventrikel (A2) liegen rechts insbesondere nach einem Myokardinfarkt.
im Bild, die Herzspitze (A3) zeigt nach oben,
rechter Vorhof (A4) und rechter Ventrikel IV
(A5) liegen links im Bild. Man überblickt au-
ßerdem das Vorhof- (A6) und das Kammer-
septum (A7) und die Einflussbahnen durch
die Bikuspidal- (A8) und die Trikuspidalklap-
pe (A9). Die Ventrikel können leicht daran
unterschieden werden, dass das Kammer-
myokard links wesentlich dicker ist als I
rechts. Im linken Ventrikel sieht man außer-
dem deutlich den vorderen (A10) und hinte-
ren (A11) Papillarmuskel. Herausragendes
Merkmal dieser Schnittebene ist der Ein- II
blick in die unterschiedliche Position der Bi-
kuspidal- und Trikuspidalklappe zur Pars
membranacea des Septums. Die Trikuspidal- III
Schnittbildechokardiografie 41

Herz-Kreislauf-System
3 3

5
2

5
5 7 2 11
10
9
13
4
12
8

8 15
6 14
1
1

A Anatomischer Schnitt B Anatomischer Schnitt


entsprechend dem Vierkammerblick entsprechend dem apikalen Längsschnitt
bei der Echokardiographie bei der Echokardiographie
42 Herz-Kreislauf-System: Herz
Herz-Kreislauf-System

Funktionen des Herzens se Klappen schließen, isovolumetrische Ent-


spannungsphase (E). Die Ventilebene (E1)
Herzaktion
kehrt in ihre Ausgangsposition zurück. Fällt
Die Herzaktion läuft zeitlebens als sich wie- der Druck in den Kammern unter den in den
derholender zweiphasiger Herzzyklus aus Vorhöfen, öffnen sich die Atrioventrikular-
Systole und Diastole ab. Die Herzkammern klappen und es kommt zum passiven Ein-
treiben dabei das Blut schubweise in Aorta strom des Blutes aus den Vorhöfen in die
und Truncus pulmonalis. In der Systole wer- Ventrikel, passive Kammerfüllungsphase (F).
den die Herzkammern der Länge und Breite Noch während der Kammerdiastole kontra-
nach verkleinert, die Ventilebene ist gegen hiert sich die Vorhofmuskulatur, wodurch
die Herzspitze verschoben, und die Vorhöfe zum Abschluss der Kammerfüllung noch ein
sind entsprechend erweitert (A). In der kleiner Teil des Vorhofblutes aktiv in die
Diastole werden die Kammern der Länge und Kammern getrieben wird.
Breite nach wieder vergrößert, die Ventil-
Da die Koronararterien in der Systole von
ebene ist gegen die Herzbasis verschoben,
der angespannten Kammermuskulatur
und die Vorhöfe sind kontrahiert (B). Das
stark zusammengepresst werden, erfolgt
Blutvolumen, das während der Systole von
die Blutversorgung des Myokards, beson-
der rechten bzw. linken Kammer ausgetrie-
ders im linken Ventrikel, nur während der
ben wird, heißt Schlagvolumen und beträgt
Diastole. In der Systole werden hingegen die
jeweils 70 ml. Das Funktionieren der Herz-
Koronarvenen entleert.
aktion ist gebunden an eine intakte Kopp-
lung von Erregungsbildungs- und Erre-
Endokrine Funktion des Herzens
gungsleitungssystem mit dem Arbeitsmyo-
kard (weitere Informationen hierzu s. Lehr- Die dehnungsempfindlichen Vorhöfe, ins-
bücher der Physiologie). besondere das rechte Herzohr, enthalten be-
sonders differenzierte hormonbildende, en-
Systole. Zu Beginn der Systole kommt es
dokrine Myokardzellen, die das atriale natriu-
durch Kontraktion des Myokards zu einem
retische Peptid (ANP oder Cardiodilatin) bilden
steilen Druckanstieg in den Kammern. Da
(S. 382). Dieses Hormon steuert den Kon-
zunächst sowohl die Atrioventrikularklap-
traktionszustand von Gefäßwänden und die
pen als auch die Taschenklappen der Arte-
Natrium- und Wasserausscheidung durch
rien geschlossen sind, bleibt das Blutvolu-
die Nieren. Adäquater Reiz für die Freiset-
men in den Kammern unverändert, isovolu-
zung des Hormons ist die Dehnung der Vor-
metrische Kontraktion (C). Wird der Druck in
höfe.쮿
den Kammern größer als in Aorta bzw.
Truncus pulmonalis, werden die Arterien-
Klinischer Hinweis. Frühindikator der Herzlei-
klappen geöffnet und es beginnt die Austrei- stungsschwäche (Herzinsuffizienz) ist ein er-
bungsphase (D), in der ein Teil des Blutes, das höhter BNP-Spiegel im Blut. BNP steht für B-
sog. Schlagvolumen, aus den Kammern in Typ natriuretisches Peptid und ist ein Hormon,
die Arterien getrieben wird. In der Austrei- das bei Herzinsuffizienz von den myoendokri-
bungsphase wird die Ventilebene (D1) mit nen Zellen der linken Kammer produziert
den Atrioventrikularklappen herzspitzen- wird.
wärts (D2) gezogen. Dadurch kommt es zu
einer Vergrößerung der Vorhöfe und einer
Saugwirkung auf das venöse Blut in den
Hohlvenen.
Diastole. Nach dem Auswurf des Blutes in
der Austreibungsphase entspannt sich das
Kammermyokard und es kommt zu einem
raschen Druckabfall unter den Druck von
Aorta bzw. Truncus pulmonalis, so dass die-
Funktionen des Herzens 43

Herz-Kreislauf-System
A Lage des Herzens im Thorax in der Systole B Lage des Herzens im Thorax in der Diastole

1 1

2 2

C Systole, Anspannungsphase D Systole, Austreibungsphase

1 1

2 2

E Diastole, Entspannungsphase F Diastole, Füllungsphase


44 Herz- Kreislauf-System: Systematik der Arterien
Herz-Kreislauf-System

Systematik der Arterien Klinischer Hinweis. Die Aa. intercostales ver-


laufen am Unterrand der Rippen; Pleurapunk-
tionen sollten deshalb am Oberrand der Rip-
Aorta
pen vorgenommen werden.
Die Aorta geht aus dem linken Ventrikel des
Herzens hervor und steigt zunächst hinter Kleinere viszerale Äste sind die Rami bronchia-
dem Truncus pulmonalis nach rechts auf, les, die in Höhe der Bifurcatio tracheae ab-
Pars ascendens aortae (I), wendet sich dann im zweigen und die Rami oesophageales, die
Bogen, Arcus aortae (II), über die linke Lun- weiter distal entspringen. Rami mediastina-
genwurzel nach dorsal und zieht ab dem les verlaufen zum hinteren Mediastinum
4. Brustwirbel links vor der Wirbelsäule ab- und Rami pericadiaci zur Rückseite des
wärts, Pars descendens aortae (III). Herzbeutels. Aus dem unteren Teil der Pars
Aus der Aorta gehen direkt und indirekt alle thoracica aortae gehen Aa. phrenicae superio-
Arterien des Körperkreislaufes hervor. Die res zum Zwerchfell hervor.
direkten Äste der Aorta sind: Pars abdominalis aortae. Parietale Äste sind
Pars ascendens aortae. Sie entlässt als erste die A. phrenica inferior (A8), die direkt unter-
Abgänge die Aa. coronariae dextra et sinistra halb des Zwerchfells aus der Aorta ent-
(S. 22). springt und die Aa. suprarenales superiores
(A9) entlässt, die Aa. lumbales (A10), die als 4
Arcus aortae. Er entlässt die großen Gefäße segmentale Arterienpaare die Reihe der In-
für Kopf, Hals und Arm. Auf der rechten Sei- terkostalarterien fortsetzen, und die un-
te entspringt zunächst ein 2 – 3 cm langes paare A. sacralis mediana (A11), ein dünnes,
Stammgefäß, Truncus brachiocephalicus (A1), kleines Gefäß, das den Stamm der Aorta
das schräg nach rechts aufsteigend über die nach kaudal fortsetzt.
Trachea verläuft und sich in die A. subclavia Zu den viszeralen Ästen zählt der Truncus coe-
dextra (A2) für Schulter und Arm rechts und liacus (A12), der für die A. gastrica sinistra
die A. carotis communis dextra (A3) für rech- (A13), die A. hepatica communis (A14) und
te Kopf- und Halshälfte aufteilt. Links neben die A. splenica (A15) einen gemeinsamen
der Medianebene verlassen in Abfolge die A. Stamm auf Höhe des 12. Brustwirbels bildet.
carotis communis sinistra (A4) für linke Kopf- Etwa 1 cm distal vom Truncus coeliacus ent-
und Halshälfte und die A. subclavia sinistra springt als weiterer unpaarer Gefäßstamm
(A5) für Schulter und Arm links den Aorten- die A. mesenterica superior (A16); die A. mes-
bogen. enterica inferior (A17) folgt in größerem Ab-
stand auf Höhe des 3. – 4. Lendenwirbels. Als
Pars descendens aortae paarige viszerale Äste verlassen die A. supra-
Distal vom Abgang der A. subclavia sinistra renalis media, die A. renalis (A18) und die A.
verjüngt sich die Aorta leicht zum Isthmus ovarica bzw. testicularis (A19) in genannter
aortae (A6), an den sich die Pars descendens Abfolge die Aorta.
aortae anschließt. Diese gliedert sich in eine Auf Höhe des 4. Lendenwirbels teilt sich die
Pars thoracica aortae (III a), die sich bis zum Aorta, Bifurcatio aortae (A20), in die beiden
Zwerchfelldurchtritt erstreckt, und eine Pars Aa. iliacae communes (A21), die sich ihrer-
abdominalis aortae (III b), die vom Zwerchfell- seits auf Höhe der Articulationes sacroilia-
durchtritt bis zur Aortengabel in Höhe des cae jeweils in die A. iliaca externa (A22) und
4. Lendenwirbels reicht. die A. iliaca interna (A23) aufgabeln.
Pars thoracica aortae. Als parietale Äste ent-
lässt sie segmental die Aa. intercostales poste- Klinischer Hinweis. Entwicklungsgeschicht-
riores (A7), die zu den Interkostalräumen lich bedingt kommen im Bereich des Aorten-
bogens zahlreiche Varietäten vor, u. a. kann die
3 – 11 verlaufen und mehrere Äste zur Ver-
A. subclavia dextra vom Ende des Aortenbo-
sorgung der Rumpfwand, des Rückenmarks
gens entspringen und hinter dem Ösophagus
und seiner Häute abgeben. Die A. subcostalis zur rechten Seite gelangen, A. lusoria. In 10%
verläuft unterhalb der 12. Rippe und wird der Fälle kann vom Aortenbogen eine zur
daher eigens bezeichnet. Schilddrüse aufsteigende A. thyroidea ima ent-
springen.
Aorta 45

Herz-Kreislauf-System
2 3 4 5

II

6
I

III a

9 13
14 12
15
18 18

16

19
17
III b

10
20

21

22
23
11 A Abschnitte und Äste
der Aorta
46 Herz- Kreislauf-System: Hals- und Kopfarterien
Herz-Kreislauf-System

Hals- und Kopfarterien A. lingualis (AC10). Sie entspringt in Nähe


des großen Zungenbeinhorns als zweiter
A. carotis communis vorderer Ast und verläuft, vom M. hyoglos-
Die Halsschlagader, A. carotis communis sus bedeckt, zur Zunge, wo sie nach vorn
(A1), entspringt rechts aus dem Truncus bra- und unten die A. sublingualis (C11) entlässt
chiocephalicus (A2), links direkt aus dem und mit ihrem Endast, der A. profunda lin-
Aortenbogen und verläuft ohne Astabgabe guae (C12), bis zur Zungenspitze zieht.
beidseits von Trachea bzw. Kehlkopf auf- A. facialis (AC13). Sie zweigt unmittelbar
wärts. über der A. lingualis ab, liegt zunächst me-
Die A. carotis communis bildet gemeinsam mit dial vom Unterkiefer und überkreuzt dann
der V. jugularis interna und dem N. vagus die Ge- den Unterkieferrand vor der Insertion des
fäß-Nerven-Straße des Halses, die von einer eigenen M. masseter. An dieser Stelle kann der Puls
Bindegewebsscheide umhüllt und im unteren Be- der A. facialis getastet und die Arterie kom-
reich vom M. sternocleidomastoideus bedeckt primiert werden. Die A. facialis verläuft
wird. Auf mittlerer Höhe von dessen Vorderrand dann geschlängelt und aufsteigend zum
gelangt die A. carotis communis in ein muskel- medialen Augenwinkel, den sie mit ihrem
freies Dreieck, Trigonum caroticum (Bd. 1 S. 362),
Endast, A. angularis (A14), erreicht. Weitere
wo sie lediglich von Haut, Platysma und ober-
flächlicher Halsfaszie bedeckt wird. In Höhe des
Äste der A. facialis sind die A. palatina as-
6. Halswirbels kann die A. carotis communis ge- cendens (A15), die A. submentalis (A16), die
gen das kräftig ausgebildete Tuberculum anterius, A. labialis inferior (A17) und die A. labialis
Tuberculum caroticum (A3), gedrückt und damit superior (A18). Über ihren Endast anasto-
komprimiert werden. mosiert die A. facialis mit der A. ophthalmi-
ca (S. 50).
Auf Höhe des 4. Halswirbels teilt sich die A.
carotis communis in die A. carotis externa
Mediale und hintere Äste, Endäste
(A4) und die A. carotis interna (A5). Die Tei-
lungsstelle (B) ist zum Sinus caroticus (B6) A. pharyngea ascendens (A19). Sie verlässt
erweitert und enthält ein Rezeptorenfeld, die A. carotis externa oberhalb der A. thyro-
das Blutdruckschwankungen registriert. An idea superior nach medial und zieht entlang
der Teilungsstelle liegt ferner ein erbsen- der seitlichen Pharynxwand zur Schädelba-
großes chemorezeptorisches Organ, Glomus sis. Als wesentliche Äste entlässt sie die A.
caroticum (B7), das auf den Sauerstoff-Ge- menigea posterior und die A. tympanica infe-
halt des Blutes anspricht. Während die A. rior.
carotis interna nach der Teilungsstelle un-
A. occipitalis (A20). Sie geht als hinterer Ast
verzweigt ins Schädelinnere aufsteigt, ver-
der A. carotis externa ab und gelangt medial
läuft die A. carotis externa unter Astabga-
vom Processus mastoideus (A21), im Sulcus
ben zu Hals, Gesicht und Schädel.
a. occipitalis verlaufend, zum Hinterhaupt.

A. carotis externa A. auricularis posterior (A22). Sie ist der


am höchsten abgehende hintere Ast. Sie
Vordere Äste liegt zwischen Proc. mastoideus und Ohr-
A. thyroidea superior (AC8). Sie entspringt muschel und entlässt als wesentliche Äste
als erster vorderer Ast in Höhe des Zungen- die A. stylomastoidea und die A. tympanica
beins und zieht im Bogen abwärts zur Vor- posterior.
derfläche der Schilddrüse. Die A. thyroidea Endäste. Endäste sind die A. temporalis super-
superior versorgt neben Teilen der Schild- ficialis (A23), die sich in der Schläfengegend
drüse mit einem Ast, der A. laryngea supe- in einen R. frontalis (A24) und einen R. parie-
rior (AC9), die die Membrana thyrohyoidea talis (A25) aufzweigt und als größere Äste
durchbohrt, auch Teile des Kehlkopfinne- die A. transversa faciei (A26) und die A. zygo-
ren. Darüber hinaus ist sie mit kleineren maticoorbitalis (A27) entlässt, sowie die A.
Ästen, R. sternocleidomastoideus, R. cricothy- maxillaris (A28), die als stärkster Endast die
roideus, an der Versorgung der regionalen tiefe Gesichtsregion versorgt (S. 48).
Muskeln beteiligt.
A. carotis communis, A. carotis externa 47

Herz-Kreislauf-System
25

24

14
27

23
22 26
21 28 18

20
19
15
13
10 17
7 5
4 8
6 9 16

B Karotisgabel
3

12
A A. carotis communis und
13 Astfolge der A. carotis externa

10

11

C Verlauf und Astfolge


8 9
der A. lingualis
48 Herz-Kreislauf-System: Hals- und Kopfarterien
Herz-Kreislauf-System

A. maxillaris Pterygoide Gruppe. Aus der zweiten Teil-


strecke entspringen die Arterien zu den Kau-
Unterhalb des Kiefergelenks geht die A. ma- muskeln. Dies sind die A. masseterica (A12),
xillaris (A-C1) als stärkster Endast aus der A. die A. temporalis profunda anterior (A13),
carotis externa (A2) hervor und wendet sich die A. temporalis profunda posterior (A14)
hinter dem Collum mandibulae (A3) in die und Rr. pterygoidei. Die A. buccalis (A15) zieht
tiefe Gesichtsregion. Dort liegt sie zwischen zur Wangenschleimhaut und anastomosiert
den Kaumuskeln und verläuft aufsteigend in mit der A. facialis..
Richtung der Flügelgaumengrube, Fossa
pterygopalatina (A4). Pterygomaxilläre Gruppe. Im Bereich des
Im Verlauf der A. maxillaris werden 3 Teil- dritten Abschnitts gehen Äste in alle Rich-
strecken unterschieden: tungen ab. Die A. alveolaris superior posterior
(A16) tritt in den Oberkieferknochen und
– der erste oder mandibuläre Teil (I) der Ar- die Kieferhöhle ein und endet mit Rr. denta-
terie verläuft horizontal und entspricht les und Rr. peridentales für die hinteren Zäh-
der Wegstrecke hinter dem Collum ne und feinen Zweigen für Nase, Unterlid
mandibulae, und Lippe. Die A. infraorbitalis (A17) zieht
– der zweite oder pterygoide Teil (II) ver- nach vorne durch die Fissura orbitalis infe-
läuft schräg aufsteigend in variabler La- rior zur Orbita, wo sie am Boden im Canalis
ge zu den Kaumuskeln, insbesondere infraorbitalis verläuft und durch das Fora-
zum M. pterygoideus lateralis, men infraorbitale (A18) zum Gesicht zieht.
– der dritte oder pterygomaxilläre Teil (III) In ihrem Verlauf gibt sie Aa. alveolares supe-
verläuft weiterhin aufsteigend und tritt riores anteriores (A19) zu den vorderen Zäh-
durch die Fissura pterygomaxillaris in nen ab, die sich in Rr. dentales und periden-
die Fügelgaumengrube. tales verzweigen. Nach kaudal entspringt
Die Äste der A. maxillaris entspringen ent- die A. palatina descendens (A – C20), die als A.
sprechend der Anzahl der Teilstrecken in 3 palatina major (B22) durch den Canalis pa-
Gruppen: latinus major (B21) nach vorne zum harten
Gaumen verläuft. Kleinere Aa. palatinae mi-
Mandibuläre Gruppe. Aus dem ersten Ab- nores für den weichen Gaumen gehen direkt
schnitt entspringen die A. auricularis profun- aus der A. palatina descendens hervor. Eine
da (A5) zu Kiefergelenk, äußerem Gehör- A. canalis pterygoidei zieht durch den Cana-
gang und Trommelfell sowie die A. tympanica lis pterygoideus nach hinten zur Tuba audi-
anterior (A6) durch die Fissura petrotympa- tiva und zum Pharynx. Als Endast der A. ma-
nica zur Paukenhöhle. Nach kaudal zweigt xillaris kann die A. sphenopalatina (A-C23)
die kräftige A. alveolaris inferior (A7) ab, die angesehen werden. Sie verläuft durch das
vor Eintritt in den Canalis mandibulae (A8) Foramen sphenopalatinum zur Nasenhöhle,
einen R. mylohyoideus (A9) entlässt. Die A. wo sie sich in Aa. nasales posteriores latera-
alveolaris inferior versorgt Zähne, Knochen les (B24) und Rr. septales posteriores (C25)
und Weichteile des Unterkiefers. Sie endet aufzweigt.
mit dem R. mentalis (A10), der durch das Fo-
ramen mentale austritt und unter der Kinn- Topografie und Varietäten der A. maxillaris s.
Bd. 1 S. 343.
haut verläuft.
Als aufsteigender, kräftiger Ast verlässt die
A. meningea media (A11) die erste Teilstrecke
der A. maxillaris. Sie tritt durch das Fora-
men spinosum in die mittlere Schädelgru-
be, wo sie sich in einen Ramus frontalis (A1-
1 a) und einen Ramus parietalis (A11 b) auf-
zweigt. Die A. meningea media ist die größ-
te Arterie zur Versorgung der harten Hirn-
haut. Sie entlässt mehrere kleinere Gefäße,
u. a. die A. tympanica superior zur Pauken-
höhle.
A. maxillaris 49

Herz-Kreislauf-System
14 13
11 b 11 a 4
17

23
II 16
6 III 18
11 20
5 I
3
1 19
2 12
7 15

A Verlauf und Aufzweigung 9 8


der A. maxillaris

10

23

25

20 1

23

C Äste der A. maxillaris am


Nasenseptum

24

20
1
21
22
B Äste der A. maxillaris an der Nasenwand
50 Herz-Kreislauf-System: Hals- und Kopfarterien
Herz-Kreislauf-System

A. carotis interna cans posterior (B4), womit sie Anschluss an


das Astsystem der A. vertebralis (B5) ge-
Die A. carotis interna versorgt den größten winnt (s. u.). Anschließend zweigt die A. cho-
Teil des Gehirns, die Hypophyse, den Inhalt roidea anterior ab. Die A. carotis interna teilt
der Orbita, die Stirn, die an die Orbita gren- sich in 2 kräftige Endäste, A. cerebri anterior
zenden Teile des Gesichts, ferner die (B6) und A. cerebri media (B7), die jeweils
Schleimhaut der Siebbeinzellen, der Stirn- größere Abschnitte des Endhirns versorgen
höhle und von Teilen der Nasenhöhle. (weitere Aufzweigungen und Versorgungs-
Aufgrund ihres Verlaufs (A) wird die A. caro- gebiete dieser Gefäße Bd. 3 S. 272).
tis interna in 4 Teilstrecken gegliedert:
Circulus arteriosus cerebri
Pars cervicalis (I). Dieser Gefäßabschnitt
beginnt an der Bifurcatio carotica (A1) und Die Aa. cerebri anteriores stehen untereinan-
verläuft meist ohne Astabgabe an der dorso- der über eine A. communicans anterior (B8) in
lateralen Pharynxwand in Begleitung von N. Verbindung. Durch die A. communicans poste-
vagus und V. jugularis interna bis zur äuße- rior (B4) wird das Gefäßgebiet der A. carotis
ren Schädelbasis, wo die Arterie durch die interna beiderseits mit dem Gefäßgebiet der
äußere Öffnung des Canalis caroticus in den A. vertebralis (B5) verbunden, so dass an der
Knochen eintritt. Hirnbasis um die Sella turcica ein geschlos-
sener arterieller Ring, Circulus arteriosus cere-
Pars petrosa (II). Die Teilstrecke der A. caro- bri (Willisii), ensteht, der das Gehirn ver-
tis interna im Knochenkanal wird Pars pe- sorgt.
trosa genannt. Die Arterie verläuft hier zu- Der von der A. vertebralis gespeiste hintere
nächst in kranialer Richtung, biegt dann Abschnitt dieses Gefäßrings setzt sich wie
nach anteromedial um (sog. Karotisknie) folgt zusammen: Auf beiden Seiten gelangt
und steigt dann weiter in die Schädelhöhle eine A. vertebralis, die aus der A. subclavia
auf. Als wesentliche Äste entlässt die Pars (S. 52) entspringt, durch das Foramen
petrosa die Aa. caroticotympanicae zur Pau- magnum in die Schädelhöhle. Die Arterien
kenhöhle. beider Seiten vereinigen sich zu einem gro-
Pars cavernosa (III). Dies ist der im Sinus ßen, auf dem Clivus gelegenen Gefäß-
cavernosus gelegene Arterienabschnitt, der stamm, A. basilaris (B9), aus der die Arterien
meist 2 Gefäßbögen besitzt. Der nahe dem für das Innenohr, das Kleinhirn und die A. ce-
Proc. clinoideus anterior gelegene, stark rebri posterior (B10) abgehen (weitere Auf-
nach vorn konvexe Bogen wird zusammen zweigungen und Versorgungsgebiete des
mit dem Anfangsteil der Pars cerebralis als Circulus arteriosus Bd. 3 S. 270).
Karotissiphon, Siphon caroticum (A2), be- Astfolge der A. vertebralis:
zeichnet. Die Äste der Pars cavernosa ver- B11 A. spinalis posterior,
sorgen die umliegende harte Hirnhaut, das B12 A. spinalis anterior,
Trigeminusganglion und über die A. hypo- B13 A. inferior posterior cerebelli.
physialis inferior die Neurohypophyse.
Astfolge der A. basilaris:
Pars cerebralis (IV). Die A. carotis interna B14 A. inferior anterior cerebelli,
geht medial vom Processus clinoideus ante- B15 A. labyrinthi,
rior unter Durchbrechung der harten Hirn- B16 A. superior cerebelli.
haut in die Pars cerebralis über. Als erster
Ast entspringt die A. ophthalmica (B3), die
mit dem Sehnerven in die Orbita zieht, wo
sie sich in ihre Äste zur Versorgung des Au-
ges, der Augenmuskeln und der Hilfsein-
richtungen teilt (Bd. 3 S. 346). In den mei-
sten Fällen entässt die Pars cerebralis der A.
carotis interna nach dorsal die A. communi-
A. carotis interna 51

Herz-Kreislauf-System
III IV 2

II

I
A Abschnitte der A. carotis interna

6 8
3

7
4

10
9 16
15

13
12 14

5 5 11

B Circulus arteriosus
52 Herz- Kreislauf-System: Hals- und Kopfarterien
Herz-Kreislauf-System

A. subclavia Durchtritt durch das Zwerchfell in die Rek-


tusscheide gelangt, die Bauchmuskeln ver-
Die A. subclavia führt seitengleich Blut zu sorgt und mit der A. epigastrica inferior aus
einem Teil des Halses, zur vorderen Brust- der A. iliaca externa anastomosiert.
wand, zum Schultergürtel und zum Arm. Sie
versorgt den okzipitalen Teil des Gehirns Truncus thyrocervicalis (A6). Er geht meist
und das Halsmark. nach vorne und oben als gemeinsamer
Stamm für 3 größere Gefäße ab: Die A. thy-
Auf der rechten Seite entspringt die A. subcla- roidea inferior (A7) verläuft zunächst aufstei-
via (A1) aus dem Truncus brachiocephalicus, gend, dann nach medial zur Rückseite der
links direkt aus dem Aortenbogen. Ihre Weg- Schilddrüse, die sie ebenso wie Pharynx,
strecke kann in 3 Abschnitte gegliedert wer- Ösophagus, Trachea und Teile des Kehlkopfs
den. Wesentliche Bezugsstruktur ist der M. (über die A. laryngea inferior) versorgt. Auch
scalenus anterior (A2): Der erste Abschnitt (I) die A. cervicalis ascendens (A8), ein kleines
reicht vom Ursprung des Gefäßes bis zum aufsteigendes Gefäß, geht meist aus der A.
medialen Rand des Muskels, der zweite Ab- thyroidea inferior hervor.
schnitt (II) liegt hinter dem Muskel und der Nach lateral und dorsal verläuft die A. su-
dritte (III) reicht vom lateralen Rand des M. prascapularis (A9), die oberhalb vom Lig.
scalenus anterior bis zum unteren Rand der transversum scapulae in die Fossa supraspi-
ersten Rippe. Von dort an wird die Arterie nata zieht. Im weiteren Verlauf um das Col-
als A. axillaris bezeichnet. lum scapulae geht sie meist eine Anastomo-
Die A. subclavia gibt folgende großen Äste se mit der A. circumflexa scapulae (aus der A.
ab: subscapularis, S. 54) ein.
A. vertebralis (A3). Sie zweigt nach hinten Quer über den Hals, durch die Bündel des
und oben ab und zieht meist ab dem 6. Hals- Plexus brachialis, verläuft die A. transversa
wirbel durch alle Foramina der Querfortsät- cervicis (A10), die in Ausbildung, Aufzwei-
ze aufwärts. Auf dem Atlasbogen wendet sie gung und Verlauf sehr variabel ist.
sich nach medial und tritt durch das Fora- Die A. dorsalis scapulae (A11) geht entweder
men magnum in die Schädelhöhle ein, wo als eigenständiges Gefäß aus der A. subcla-
sie sich mit dem gleichnamigen Gefäß der via hervor oder entspringt als R. profundus
Gegenseite zur A. basilaris vereinigt. Die Ab- der A. transversa cervicis und verläuft zum
schnitte der A. vertebralis werden entspre- M. levator scapulae.
chend ihres Verlaufs in eine Pars preverte-
bralis (A3 a), eine Pars transversaria (A3 b), Truncus costocervicalis (A12). Er ist ein im
eine Pars atlantica (A3 c) und eine Pars in- Bogen nach dorsal und kaudal gerichteter
tracranialis (A3 d) gegliedert. (S. 50 und Gefäßstamm, der nach ventral die A. interco-
Bd. 3 S. 272) stalis suprema (A13), den gemeinsamen Ur-
sprung für die beiden ersten Interkostalar-
A. thoracica interna (AB4). Sie entspringt terien, und nach dorsal die A. cervicalis pro-
aus der Konkavität der Anfangsstrecke der funda (A14) entlässt. Letztere versorgt die
A. subclavia und zieht nach kaudal und vor- Nackenmuskeln.
ne an die Hinterfläche des ersten Rippen-
knorpels und steigt in etwa 1 cm Entfernung Klinischer Hinweis. Insbesondere bei vorlie-
parallel zum lateralen Brustbeinrand unter gender Halsrippe kann die A. subclavia in der
Abgabe von Rr. intercostales anteriores (A5) in Skalenuslücke eingeengt und der Blutstrom im
Richtung Zwerchfell ab. Sie versorgt mit ih- Gefäß bei bestimmten Bewegungen beein-
ren Ästen umliegende Strukturen und gibt trächtigt sein und zu Beschwerden im Schul-
u. a. die A. pericardiacophrenica zum Herzbeu- ter-Arm-Bereich führen, Skalenussyndrom.
tel und Zwerchfell ab, ferner die A. muscu-
lophrenica für das Zwerchfell. Endast bzw.
Fortsetzung der A. thoracica interna (B) ist
die A. epigastrica superior, die nach dem
A. subclavia 53

Herz-Kreislauf-System
3d

3c
4

3b

B
Verlauf und Anastomose
2 der A. thoracica interna
VI
8
10 3a 14
13
7 12

6 3
III II 3

11 I
9 2
1
1 4
4

A Abschnitte und Äste der A. subclavia


54 Herz- Kreislauf-System: Schulter- und Armarterien
Herz-Kreislauf-System

Schulter- und Armarterien terien (Endäste: A. ulnaris und A. interossea


communis). Sie verläuft im Sulcus bicipitis
A. axillaris medialis, wo ihr Puls getastet und sie im
Die A. axillaris (A1) ist die Fortsetzung der A. Notfall gegen den Humerus abgedrückt
subclavia. Sie erstreckt sich als Hauptschlag- werden kann. Die Äste der A. brachialis ver-
ader des Armes vom unteren Rand der 1. sorgen hauptsächlich den Humerus und
Rippe bis zum unteren Rand des M. pectora- sind am Aufbau eines Gefäßnetzes um das
lis major bzw. der Sehne des M. latissimus Ellenbogengelenk, Rete articulare cubiti, be-
dorsi (A2 a). Sie wird ventral vom M. pecto- teiligt.
ralis minor (A2 b) und vom M. pectoralis Die A. profunda brachii (A12) entspringt am
major bedeckt. Unterrand des M. teres major und verläuft
nach dorsal zum Humerusschaft. Sie ent-
Aus der ersten Teilstrecke der A. axillaris lässt u. a. eine A. collateralis media und eine
geht eine variable A. thoracica superior (A3) A. collateralis radialis zum Rete articulare
zu den Muskeln im 1. und 2. Zwischen- cubiti.
rippenraum und zu den Mm. pectorales, Distal vom Ursprung der A. profunda brachii
subclavius und serratus anterior (obere zweigt die A. collateralis ulnaris superior (A13)
Zacken). Weiter distal entspringt ein kurzer ab. Sie verläuft neben dem N. ulnaris.
Gefäßstamm, die A. thoracoacromialis (A4). Die A. collateralis ulnaris inferior (A14) ent-
Sie teilt sich in mehrere Äste auf, die in alle springt weiter distal, nahe der Ellenbogen-
Richtungen verlaufen und u. a. das Rete grube oberhalb des Epicondylus medialis.
acromiale bilden, ein Arteriennetz um das
Acromion. A. axillaris und A. brachialis weisen häufig
Die A. thoracica lateralis (A5) verläuft an der Varianten auf.
seitlichen Brustwand auf dem M. serratus
anterior abwärts und ist bei Frauen kräftiger Rete articulare cubiti
ausgebildet, da sie an der Versorgung der Um das Ellenbogengelenk liegt ein Gefäß-
Brustdrüse beteiligt ist. netz, das aus Anastomosen mehrerer Arte-
Die A. subscapularis (A6) entspringt als kräfti- rien zusammengesetzt ist.
ges Gefäß am Seitenrand des M. subscapu-
Dieses Gefäßnetz besteht aus absteigenden
laris und teilt sich im Wesentlichen in die A.
Ästen, die aus der A. profunda brachii und der
circumflexa scapulae (A7), die durch die me-
A. brachialis entspringen (s. o.): A. collatera-
diale Achsellücke zur Fossa infraspinata
lis ulnaris superior (A13), A. collateralis ulna-
zieht und mit der A. suprascapularis anasto-
ris inferior (A14), A. collateralis radialis
mosiert (S. 52, Bd. 1 S. 374), und in die A. tho-
(A15), A. collateralis media (A16). Ferner gibt
racodorsalis (A8), die mit dem gleichnami-
es aufsteigende Äste (S. 56), die den Un-
gen Nerven zum M. latissimus dorsi (A2 a)
terarmarterien A. radialis (A17) und A. ulna-
zieht. Sie versorgt außerdem die Mm. teres
ris (A18) entstammen und rückläufig zum
major, subscapularis und serratus anterior.
Gefäßnetz ziehen: A. recurrens radialis
Die A. circumflexa anterior humeri (A9) ent-
(A19), A. recurrens ulnaris (A20), A. interos-
springt lateral aus der A. axillaris und zieht
sea recurrens (A21).
ventral um das Collum chirurgicum, die
kräftigere A. circumflexa posterior humeri
(A10) zieht nach dorsal durch die laterale Klinischer Hinweis. Aufgrund dieses Gefäß-
Achsellücke (Bd. 1 S. 374) und versorgt das netzes kann die A. brachialis distal vom Ab-
gang der A. profunda brachii unterbunden
Schultergelenk und angrenzende Muskeln.
werden. Des Weiteren ermöglicht ein durch-
gängiges Rete articulare cubiti, distal ein Stück
A. brachialis einer Unterarmarterie (z. B. der A. radialis) als
Transplantat zu entnehmen, da entlang der
Die A. brachialis (A11) ist die Fortsetzung der rückläufigen Gefäße ein Kollateralkreislauf
A. axillaris vom Unterrand des M. pectoralis über die zweite große Unterarmarterie (A. ul-
major bis zur Aufteilung in die Unterarmar- naris) gewährleistet ist.
A. axillaris, A. brachialis 55

Herz-Kreislauf-System
7 1

3
4

10
6
9
7
2a 8
5
2b
12

11

13
14
16

15

19

20

21 A Verlauf und Äste der A. axillaris


17 und der A. brachialis, Rete cubiti

18
56 Herz-Kreislauf-System: Schulter- und Armarterien
Herz-Kreislauf-System

A. radialis Die A. interossea communis (A13) ist entwick-


lungsgeschichtlich einer der Endäste der A.
Die Verlaufsrichtung der A. brachialis (A1) brachialis, der sich in eine A. interossea po-
wird von der A. radialis (A2) fortgesetzt. sterior (A14), eine A. interossea recurrens
Diese Arterie verläuft entlang des Radius (A15) und eine A. interossea anterior (A16)
und liegt proximal zwischen M. pronator te- teilt.
res und M. brachioradialis, distal zwischen Distal entspringt ein Ramus carpalis palmaris
den Sehnen des M. brachioradialis und des (A6 b) zum Rete carpale palmare.
M. flexor carpi radialis, wo auch ihr Puls zu Zum Rete carpale dorsale zieht ein Ramus
tasten ist. Sie wendet sich nach dorsal und carpalis dorsalis (AB7 b).
gelangt zwischen den ersten beiden Meta- Zum tiefen Hohlhandbogen zweigt ein Ramus
karpalknochen zur Hohlhand (s. u.). palmaris profundus (A17) ab.
Die wichtigsten Äste der A. radialis sind: Der oberflächliche Hohlhandbogen, Arcus
Die A. recurrens radialis (A3) zieht rückläufig palmaris superficialis (A5), ist der eigentliche
zum Rete articulare cubiti (S. 54). Endast der A. ulnaris. Er liegt zwischen der
Der Ramus palmaris superficialis (A4) zieht Palmaraponeurose und den langen Flexo-
zum oberflächlichen Hohlhandbogen, Arcus rensehnen und anastomosiert mit dem Ra-
palmaris superficialis (A5) (s. u.). mus palmaris superficialis der (A4) A. radia-
Ein Ramus carpalis palmaris (A6 a) zieht zum lis.
Rete carpale palmare, einem Gefäßnetz auf
der palmaren Seite der Handwurzelkno- Gefäßbögen der Hand
chen.
Der Ramus carpalis dorsalis (B7 a) zieht zum Arcus palmaris profundus. Der tiefe Hohl-
Rete carpale dorsale (B), einem Gefäßnetz handbogen besteht aus dem Endast der A. ra-
auf der dorsalen Seite der Handwurzelkno- dialis und dem R. palmaris profundus der A. ul-
chen. naris und wird hauptsächlich aus der A. ra-
Die A. princeps pollicis (A8) entspringt im dialis gespeist. Er entlässt 3 – 4 dünne Aa.
Verlauf der A. radialis durch den M. interos- metacarpales palmares (A18) zu den Zwi-
seus dorsalis I und zieht zur Beugeseite des schenfingerräumen und Rr. perforantes zum
Daumens. Handrücken.
Die A. radialis indicis (A9) entspringt entwe- Arcus palmaris superficialis. Der ober-
der direkt aus der A. radialis oder aus der A. flächliche Hohlhandbogen besteht aus dem
princeps pollicis und zieht zur radialen Sei- Endast der A. ulnaris und dem Ramus palmaris
te des Zeigefingers. superficialis der A. radialis. Er wird hauptsäch-
Der tiefe Hohlhandbogen, Arcus palmaris pro- lich von der A. ulnaris gespeist und gibt 3 Aa.
fundus (A10), bildet die Fortsetzung der A. digitales palmares communes (A19) ab, die je
radialis und liegt unter den langen Beuger- 2 Aa. digitales palmares propriae (AC20) zur
sehnen (Bd. 1 S. 390) auf den Basen der Mit- ulnaren und radialen Beugeseite der Finger
telhandknochen. Er bildet eine Anastomose schicken.
mit dem R. profundus der A. ulnaris (s. u.). Rete carpale dorsale (B). Der Handrücken
wird aus dem Ramus carpalis dorsalis der A. ra-
A. ulnaris dialis (B7 a) versorgt, der mit dem Ramus car-
palis dorsalis der A. ulnaris (B7 b) ein Gefäß-
Die A. ulnaris (A11) ist die größere der bei- netz bildet, aus dem 4 Aa. metacarpales dor-
den Unterarmarterien. Sie verläuft zunächst sales (B21) entspringen, die je 2 Aa. digitales
unter dem M. pronator teres hindurch nach dorsales (BC22) zu den Fingern entlassen.
ulnar, dann in Begleitung des M. flexor carpi
ulnaris.
Sie entlässt folgende Äste:
Die A. recurrens ulnaris (A12) zieht rückläufig
zum Rete articulare cubiti.
A. radialis, A. ulnaris 57

Herz-Kreislauf-System
1

2 11
3

12
15 7b
13
14 7a

16
21

22

B Arterien der dorsalen Handfläche


6a 6b
7b
4
17
1
22
8
18
5
19
20

20

9 C Querschnitt durch einen Langfinger

A Verlauf und Astfolge der Unterarmarterien,


Hohlhandbögen
58 Herz- Kreislauf-System: Becken- und Beinarterien
Herz-Kreislauf-System

Becken- und Beinarterien logenetisch die Hauptarterie des Beines und


kann in seltenen Fällen als solche fungieren.
Vor dem 4. Lendenwirbel teilt sich die Aorta
(Pars abdominalis) (A1) in 2 große Stamm- Viszerale Äste
gefäße, Aa. iliacae communes (A2), die bei-
derseits ohne wesentliche Astabgabe in Die A. umbilicalis (A11) zieht im Fetalleben
Richtung der Beckeneingangsebene verlau- zur Plazenta (S. 8). Nachgeburtlich gliedert
fen und sich vor der Articulatio sacroiliaca sie sich in einen proximalen durchgängigen
in die A. iliaca interna (AC3) und die A. iliaca Abschnitt, Pars patens (A11 a), und einen ob-
externa (AC4) teilen. literierten, Pars occlusa (A11 b), der zur
Chorda umbilicalis wird. Aus der Pars pa-
tens gehen die Aa. vesicales superiores (A12)
A. iliaca interna zum oberen Teil der Harnblase, Rr. ureterici,
Die A. iliaca interna gelangt über die Linea und im männlichen Becken die A. ductus de-
terminalis in das kleine Becken und zweigt ferentis hervor.
sich auf Höhe des Foramen ischiadicum ma- Die A. uterina (A13) entspricht der A. ductus
jus meist in 2 Stammgefäße auf, die mit pa- deferentis, entspringt aber meist direkt aus
rietalen Ästen die Wand des kleinen Beckens der A. iliaca interna. Sie versorgt den Uterus
und über viszerale Äste die Beckenorgane ver- und über Äste die Vagina, das Ovar und die
sorgen. Die Äste der A. iliaca variieren stark. Tuba uterina.
Im Wesentlichen werden folgende Äste be- Die A. vesicalis inferior (A14) zieht zum unte-
schrieben: ren Teil der Harnblase und gibt Rr. vaginales
zur Vagina bzw. Rr. prostatici zur Prostata
Parietale Äste und zur Vesicula seminalis ab.
Die oft zwei- oder dreifach angelegte A. vagi-
Die A. iliolumbalis (A5) zieht unter dem M. nalis (A15) verläuft zur Vagina.
psoas major in die Fossa iliaca und geht über Die variable A. rectalis media (A16) läuft auf
einen Ramus iliacus eine Anastomose mit dem Beckenboden zur Rektumwand und
der A. circumflexa iliaca profunda der A. ilia- versorgt die Rektummuskulatur.
ca externa ein. Die A. pudenda interna (AB17) entspringt
Aa. sacrales laterales (A6) ziehen seitlich am meist aus der A. iliaca interna, in selteneren
Kreuzbein nach distal und geben Rr. spinales Fällen auch aus der A. glutea inferior. Sie ver-
zum Sakralkanal ab. läuft zunächst durch das Foramen infrapiri-
Die A. obturatoria (A7) gelangt an der seitli- forme, zieht um die Spina ischiadica und
chen Beckenwand nach vorn, verlässt das durch das Foramen ischiadicum minus und
Becken durch den Canalis obturatorius und gelangt an die Seitenwand der Fossa ischio-
zieht mit einem Ramus anterior zu den Ad- analis. Ihre Äste sind die A. rectalis inferior
duktoren des Oberschenkels. Über einen (A18), die A. perinealis (A19), Rr. labiales po-
Ramus pubicus anastomosiert sie mit der A. steriores bzw. scrotales, die A. urethralis
epigastrica inferior (A24). Ein Ramus aceta- (A20), die A. bulbi vestibuli bzw. bulbi penis
bularis zieht durch das Lig. capitis femoris (A21), die A. profunda clitoridis bzw. penis
zum Oberschenkelkopf, ein Ramus posterior (A22) und die A. dorsalis clitoridis bzw. bulbi
zu den tiefen äußeren Hüftmuskeln. penis (A23).
Die A. glutea superior (AB8) ist der kräftigste
Ast der A. iliaca interna. Sie gelangt ober- Klinischer Hinweis (C). Wenn die Anastomose
halb des M. piriformis (Foramen suprapiri- zwischen den Ästen der A. obturatoria (AC7)
forme) zur Gesäßmuskulatur, die sie mit ei- und der A. epigastrica inferior (AC24) stark aus-
nem Ramus superficialis und einem Ramus gebildet ist oder die A. obturatoria aus der A.
profundus versorgt. epigastrica inferior entspringt, kann es bei
Die A. glutea inferior (AB9) zieht unterhalb operativen Eingriffen in der Leistenregion zu
des M. piriformis (Foramen infrapiriforme) Verletzungen dieser Anastomose mit tödli-
chem Ausgang kommen. Dies hat ihr den Na-
zu den umliegenden Muskeln. Sie gibt eine
men Corona mortis (C25) eingebracht.
A. comitans n. ischiadici (B10) ab, die den N.
ischiadicus begleitet. Dieses Gefäß ist phy-
A. iliaca interna 59

Herz-Kreislauf-System
1 2

3
4
5
6
3 24
25
24 4
11 8
7
11 a
11 b
12 9

7 13

14
C Ursprungsvariante
15 17 der A. obturatoria
16

23 22 21 20 19 18

A Verlauf und Äste


der A. iliaca interna

9
10

17

B Aa. gluteae
60 Herz- Kreislauf-System: Becken- und Beinarterien
Herz-Kreislauf-System

A. iliaca externa Die A. femoralis gibt folgende Äste ab:


Die A. epigastrica superficialis (AB7) ent-
Der zweite Ast der A. iliaca communis (AC1), springt distal vom Leistenband und zieht in
die A. iliaca externa (AC2), ist großlumiger der Haut der vorderen Bauchwand aufwärts.
als die A. iliaca interna (AC3) und verläuft Die A. circumflexa iliaca superficialis (AB8) ver-
parallel zur Linea terminalis und medial läuft in Richtung der Spina iliaca anterior
vom M. iliopsoas zur Lacuna vasorum (Bd. 1 superior.
S. 424). Nach Passage dieses Kanals wird sie
zur A. femoralis (AC4). Die Aa. pudendae externae (B9) ziehen nach
In ihrem Verlauf gibt die A. iliaca externa bis medial und geben Rr. scrotales bzw. labiales
auf kleinere Muskelarterien keine Äste ab. anteriores und Rr. inguinales ab.
Aus ihrer Endstrecke (A und B), kurz vor dem Die A. descendens genicularis (C10) zweigt im
Austritt aus der Lacuna vasorum, entspringt Adduktorenkanal ab und teilt sich in einen
oberhalb des Leistenbandes die A. epigastrica R. saphenus zum Unterschenkel und einen R.
inferior (AB5). Sie zieht im Bogen aufstei- articularis zum Rete articulare genus (s. u.).
gend auf die Rückseite des M. rectus abdo- Die A. profunda femoris (C11) ist der kräftigste
minis und wirft an der Innenseite der vor- Ast der A. femoralis und geht nach lateral-
deren Bauchwand die Plica umbilicalis late- dorsal etwa 3 – 6 cm unterhalb des Leisten-
ralis auf. Sie anastomosiert auf Höhe des Na- bandes ab. Ihre Äste und deren Abzweigun-
bels mit der A. epigastrica superior aus der gen sind sehr variabel. Im Allgemeinen un-
A. thoracica interna (S. 52). Die A. epigastri- terscheidet man: Die A. circumflexa femoris
ca inferior entlässt den R. pubicus, der einen medialis (C12) zieht nach medial und hinten
R. obturatorius abgibt. Dieser geht eine Ana- und ist mit ihren Ästen an der Versorgung
stomose mit dem R. pubicus der A. obturato- der umliegenden Muskulatur und dem
ria ein. Die A. epigastrica inferior entlässt Hüftgelenk beteiligt. Die A. circumflexa fe-
des Weiteren die A. cremasterica bzw. die A. moris lateralis (C13) verläuft nach lateral.
ligamenti teretis uteri, die das runde Mutter- Meistens bildet einer ihrer Äste mit der A.
band durch den Leistenkanal in das Labium circumflexa femoris medialis eine Gefäß-
majus pudendi begleitet. schlinge um den Femurhals. Die Aa. perfo-
Die A. circumflexa iliacum profunda (AB6) ent- rantes (C14) sind Endäste (meist 3, bis zu 5).
springt gegenüber der A. epigastrica inferior Sie durchbrechen die Adduktoren nahe am
am lateralen Umfang der A. iliaca externa Knochen, um auf die Dorsalseite des Ober-
und verläuft hinter dem Leistenband bogen- schenkels zu gelangen, die sie mit ihren
förmig lateralwärts zur Spina iliaca anterior Ästen versorgt.
superior. Einer ihrer Äste anastomosiert mit
dem Stromgebiet der A. iliolumbalis. Klinischer Hinweis. Aufgrund der oberflächli-
chen Lage der A. femoralis unterhalb des Leis-
tenbandes kann sie zu diagnostischen oder
A. femoralis therapeutischen Zwecken punktiert werden.
Von hier aus kann auch ein Katheter in die gro-
Die Fortsetzung der A. iliaca externa wird ßen Arterien und in das linke Herz eingeführt
distal vom Leistenband – unmittelbar nach werden.
dem Austritt aus der Lacuna vasorum – als In Notfallsituationen kann die A. femoralis
A. femoralis (AC4) bezeichnet. Sie verläuft durch Druck gegen den Beckenrand abge-
medial und vorn am Hüftgelenk vorbei zur klemmt werden.
Fossa iliopectinea, wo sie nur von Haut und
der Oberschenkelfaszie bedeckt wird. Hin-
ter dem M. sartorius zieht sie in den Adduk-
torenkanal, durch den sie an die Dorsalseite
des Oberschenkels und in die Kniekehle,
Fossa poplitea, gelangt. Hier wird sie zur A.
poplitea.
A. iliaca externa, A. femoralis 61

Herz-Kreislauf-System
1

5
2 3

6 7

4 8

9
11
12

13
C Verlauf und Astfolge B Astfolge der A. iliaca externa
der A. femoralis und der A. femoralis

14

1
10

7 2
6
3
8

A Astfolge der A. iliaca externa


62 Herz-Kreislauf-System: Becken- und Beinarterien
Herz-Kreislauf-System

A. poplitea Unterschenkel- und Fußarterien


Vom Ende des Adduktorenkanals bis zur A. tibialis anterior (AB2). Sie tritt am Un-
Teilung am Unterrand des M. popliteus wird terrand des M. popliteus durch die Membra-
das Stammgefäß am Bein A. poplitea (A1) na interossea auf die Vorderseite des Unter-
genannt. Sie liegt in der Tiefe der Fossa pop- schenkels, wo sie zwischen den Extensoren
litea in der Nähe der Kniegelenkkapsel und zum Fußrücken zieht. Sie gibt außer Rr.
teilt sich in die beiden Unterschenkelarte- musculares hauptsächlich folgende Äste ab:
rien, A. tibialis anterior (AB2) und A. tibialis po-
Die A. recurrens tibialis posterior ist ein inkon-
sterior (A3).
stantes Gefäß zur Kniekehle.
Die A. poplitea entsendet folgende Äste an Die A. recurrens tibialis anterior (AB10) zieht
umliegende Strukturen: rückläufig zum Rete articulare genus.
Die A. superior lateralis genus (A4) und die A. Die A. malleolaris anterior lateralis (B11) und
superior medialis genus (A5) ziehen lateral die A. malleolaris anterior medialis (B12) sind
und medial nach vorn zum Rete articulare Äste zu den jeweiligen arteriellen Gefäßnet-
genus, einem Arteriengeflecht an der Vor- zen der Knöchel, Rete malleolare laterale
derseite des Kniegelenks. und Rete malleolare mediale.
Die A. media genus (A6) zieht dorsal zur Ge-
A. dorsalis pedis (B13). Sie ist die Fortset-
lenkkapsel und den Kreuzbändern.
zung der A. tibialis anterior auf dem Fußrü-
Die Aa. surales (A7) sind Äste zur Versorgung
cken (Grenze: Gelenkspalt vom oberen
der Wadenmuskeln sowie der Haut der Fas-
Sprunggelenk). Das Gefäß liegt oberfläch-
zien des Unterschenkels.
lich und ist zwischen den Sehnen des M. ex-
Die A. inferior lateralis genus (A8) und die A.
tensor hallucis longus und des M. extensor
inferior medialis genus (A9) gelangen unter
digitorum longus zu tasten (Fußpuls). Fol-
dem lateralen bzw. medialen Ursprungs-
gende Äste zweigen von der A. dorsalis pe-
kopf des M. gastrocnemius nach vorne zum
dis ab:
Rete articulare genus.
Die A. tarsalis lateralis (B14) und die Aa. tarsa-
les mediales (B15) versorgen den Bereich der
Rete articulare genus
dorsolateralen und dorsomedialen Fußwur-
Dieses Arteriengeflecht besteht aus zahlrei- zel.
chen kleineren Zuflüssen (s.o), die bei Un- Die Arteria plantaris profunda (A16) zieht in
terbindung der A. poplitea jedoch meist kei- die Tiefe der Fußsohle und beteiligt sich am
nen ausreichenden Kollateralkreislauf si- Arcus plantaris profundus.
chern.
Auf den Basen der Mittelfußknochen ver-
Absteigende Gefäße zum Rete articulare genus läuft in inkonstanter Ausbildung eine A. ar-
sind: A. superior lateralis genus (A4), A. supe- cuata (B17), die mit der A. tarsalis lateralis
rior medialis genus (A5), R. saphenus der A. anastomosiert. Aus der A. arcuata entsprin-
descendens genus. Aufsteigende Äste sind: A. gen die Aa. metatarsales dorsales (B18) zu
inferior lateralis genus (A8), A. inferior me- den Zwischenräumen der Mittelfußkno-
dialis genus (A9), A. recurrens tibialis ante- chen. Diese teilen sich distal in die Aa. digi-
rior (AB10), R. circumflexus fibularis aus der tales dorsales (B19), die zu den Zehen zie-
A. tibialis posterior (S. 64). hen.

Klinischer Hinweis. Die A. poplitea darf nicht Klinischer Hinweis. Kompressionen oder Blu-
unterbunden werden, da der Kollateralkreis- tungen aus der A. tibialis anterior als Folge ei-
lauf über die Kniegelenkarterien nicht aus- nes stumpfen Traumas können zu Muskelnek-
reicht. rosen (Kompartmentsyndrom der Extensoren-
loge) führen.
A. poplitea, Unterschenkel- und Fußarterien 63

Herz-Kreislauf-System
1
10

5 4
7 6

8
9

2
10

11 12
A A. poplitea
13

14 15

17
16

18

19
B Unterschenkelarterie
und Fußarterie von vorne
64 Herz-Kreislauf-System: Becken- und Beinarterien
Herz-Kreislauf-System

Unterschenkel- und Fußarterien, A. plantaris lateralis. Der kräftigere Endast


Fortsetzung der A. tibialis posterior zieht zwischen M.
flexor digitorum brevis und M. quadratus
A. tibialis posterior (A1). Sie setzt die Rich- plantae im Bogen an die laterale Seite der
tung der A. poplitea fort und tritt unter dem Fußsohle, wo er über den Mittelfußknochen
Sehnenbogen des M. soleus unter die ober- den Arcus plantaris profundus (B18) bildet.
flächliche Beugergruppe. Distal verläuft sie
2 cm vor dem medialen Rand der Achilles- Gefäßbögen des Fußes
sehne hinter dem medialen Knöchel, wo ihr
Puls getastet werden kann, zur Fußsohle. Sie Arcus plantaris profundus. Der tiefe Soh-
entsendet folgende Äste: lenbogen entspricht dem tiefen Hohlhand-
Ein Ramus circumflexus fibularis (A2) zieht bogen. Er entlässt 4 Aa. metatarsales plantares
durch den M. soleus, umgreift die Fibula (B19) in die Zwischenräume der Mittelfuß-
und gelangt nach vorn zum Rete articulare knochen. Diese entlassen Rami perforantes
genus (S. 62). (B20) zum Fußrücken und gehen in Aa. digi-
Die A. fibularis (A3) geht im spitzen Winkel tales plantares communes (B21) über, die sich
aus der A. tibialis posterior hervor und ver- in Aa. digitales plantares propriae (B22) auf-
läuft bedeckt vom M. flexor hallucis longus zweigen,
nahe der Fibula über den lateralen Knöchel Ein oberflächlicher Arterienbogen, Arcus
zum Fersenbein. Im Wesentlichen entlässt plantaris superficialis, der demjenigen der
sie eine A. nutricia fibulae (A4) an den Fibu- oberflächlichen Hohlhand entspricht, ist
laschaft, einen Ramus perforans (A5) zum meistens nicht ausgebildet.
Fußrücken, einen Ramus communicans (A6)
als Verbindung mit der A. tibialis posterior Klinischer Hinweis. Blutungen aus den Vasa
und Rami malleolares laterales (A7) zum äu- tibialia posteriora und den Vasa peronea (fibu-
ßeren Knöchel. Mit ihren Ästen ist sie an der laria) können zum Kompartmentsyndrom der
Ausbildung des Rete malleolare laterale (A8) Flexorenloge führen. Betroffene Muskeln sind
und des Rete calcaneum (A9) beteiligt. die tiefen Flexoren.
Distal und medial vom Abgang der A. fibula-
ris zweigt die A. nutricia tibialis (A10) zum Ti-
biaschaft ab.
Rami malleolares mediales (A11) ziehen hinter
den medialen Malleolus und speisen dort
das Rete malleolare mediale (A12).
Rami calcanei (A13) ziehen an die mediale
Fläche des Fersenbeins und bilden zusam-
men mit den Ästen der A. fibularis an dessen
Rückseite das Rete calcaneum.
Nachdem sie den medialen Knöchel passiert
hat, zweigt sich die A. tibialis posterior un-
ter dem M. abductor hallucis in ihre beiden
Endäste A. plantaris medialis (B14) und A.
plantaris lateralis (B15) auf.
A. plantaris medialis. Der mediale, meist
schwächere Endast verläuft an der media-
len Seite der Fußsohle zwischen M. abduc-
tor hallucis und M. flexor digitorum brevis.
Er teilt sich in einen Ramus superficialis (B16),
der bis zur Großzehe zieht, und einen Ramus
profundus (B17), der meist Anschluss an den
Arcus plantaris profundus (B18) hat.
Unterschenkel- und Fußarterien, Fortsetzung 65

Herz-Kreislauf-System
14 15

16

17
1 18
2

19

3 20

10 21

4
22

B Arterien der Fußsohle

6
11
5 7
12
8

13 A Unterschenkelarterien von hinten

9
66 Herz- Kreislauf-System: Systematik der Venen
Herz-Kreislauf-System

Systematik der Venen unterhalb des Zwerchfells münden die Le-


bervenen, Vv. hepaticae (A19), und die Vv.
Das Venensystem gliedert sich in das Pulmo- phrenicae inferiores (A20).
nalvenensystem des kleinen Kreislaufs (S. 6),
das Hohlvenensystem des großen Kreislaufs Azygossystem
und das Pfortadersystem, Portalvenensystem,
zur Leber (S. 216). V. azygos (A3). Die rechts gelegene V. azygos
beginnt als V. lumbalis ascendens (A21) im
Die systematischen Venen des großen Kreislaufs
Bauchraum und mündet in Höhe des 4. oder
verlaufen nicht immer parallel zu den Arterien.
Ein oberflächliches subkutanes Venennetz, das zwi- 5. Brustwirbels über den Arcus venae azygos
schen Haut und Faszie (epifaszial) gelegen ist und (A22) in die obere Hohlvene. Zuflüsse im Tho-
ohne begleitende Arterien verläuft, wird von ei- rax sind: die V. intercostalis superior dextra
nem tiefen subfaszialen Venennetz unterschieden, (A23) aus dem 2. und 3. Interkostalraum, die
das mit dem arteriellen Versorgungsschema V. hemiazygos (A4) (s. u.), die variable V. he-
meist identisch ist. Tiefes und oberflächliches Ve- miazygos accessoria (A24), die das Blut aus
nensystem stehen meist über Perforansvenen in den linken Vv. intercostales IV - VIII (A25)
Verbindung.
sammelt, ferner Vv. oesophageales, Vv. bron-
Die Hauptvenenstämme des Körperkreislaufs chiales, Vv. pericardiacae, Vv. mediastinales,
(A) sind die V. cava superior (A1) und die V. Vv. phrenicae superiores. Die als Abdominal-
cava inferior (A2) (Hohlvenensystem). Dar- abschnitt der V. azygos zu betrachtende V.
über hinaus wird die Aorta im Thorax von lumbalis ascendens (A21) nimmt die Vv.
der V. azygos (A3) und der V. hemiazygos lumbales (A16), die V. subcostalis und die Vv.
(A4) begleitet, die als Reste von paarigen intercostales posteriores dextrae auf.
Längsstämmen aus der Embryonalentwick-
V. hemiazygos (A4). Die links verlaufende V.
lung zu betrachten sind (Azygossystem).
hemiazygos entsteht ebenfalls aus der V.
Verbindungen und Umgehungswege zwischen lumbalis ascendens sinistra und hat entspre-
oberer und unterer Hohlvene werden als kavoka- chende Zuflussgebiete. Sie mündet auf
vale Anastomosen, solche zwischen Pfortader und Höhe des 7. oder 8. Brustwirbels in die V.
Hohlvenen als portokavale Anastomosen bezeich- azygos.
net.
Klinischer Hinweis. Die Venen des Azygos-
Hohlvenensystem systems, die über segmentale Venen Blut aus
der Brust- und Bauchwand ableiten, ermögli-
V. cava superior. Die obere Hohlvene ent- chen einen Kollateralkreislauf zwischen oberer
steht aus dem Zusammenfluss der V. bra- und unterer Hohlvene. Das Azygossystem bil-
chiocephalica dextra (A5) und sinistra (A6), die det bei Pfortaderverschluss einen Kollateral-
jeweils Blut aus Kopf und Hals über die V. ju- kreislauf zur V. cava superior.
gularis interna (A7) sowie aus den Armen
über die V. subclavia (A8) zum Herzen lei-
Venae columnae vertebralis
ten. An der Vereinigungsstelle zwischen V.
subclavia und V. jugularis interna, dem „Ve- Die Wirbelsäule besitzt mächtig ausgebil-
nenwinkel“, münden die Hauptlymphstäm- dete Venengeflechte, die in 2 Gruppen, eine
me, rechts der Ductus lymphaticus dexter äußere und eine innere, gegliedert werden
(A9), links der Ductus thoracicus (A10). (B).
V. cava inferior. Die untere Hohlvene ent- Der Plexus venosus vertebralis externus anterior (B26)
steht aus dem Zusammenfluss der Vv. iliacae umspinnt ventral die Wirbelkörper. Der Plexus ve-
communes (A11), die beiderseits über die V. nosus vertebralis externus posterior (B27) liegt dorsal
um die Wirbelbögen und den Bandapparat. Die
iliaca interna (A12) das Blut aus dem Becken
äußeren Wirbelplexus anastomosieren mit den
und über die V. iliaca externa (A13) das Blut
inneren Plexus und fließen über Vv. vertebrales,
der Beine aufnehmen. Weitere Zuflüsse sind Vv. intercostales posteriores oder Vv. lumbales ab.
die unpaare V. sacralis mediana (A14), auf Die Plexus venosi vertebrales interni (B28 anterior,
der rechten Seite die V. testicularis bzw. ova- B29 posterior) liegen epidural und sind mächtiger
rica (A15), beiderseits Vv. lumbales (A16) so- ausgebildet als die äußeren. Die inneren Wirbel-
wie die V. renalis (A17) und wiederum venenplexus stehen über Vv. basivertebrales mit
rechts die V. suprarenalis dextra (A18). Kurz den äußeren in Verbindung.
Hohlvenensystem, Azygossystem 67

Herz-Kreislauf-System
9 7 10

8
5 6

23

22
25

3 24

2 4
26

30
19 28
29
20
20 18
17
27

21
B Wirbelvenenplexus

2 16
11

15 13
12
14
A Hauptvenenstämme
68 Herz-Kreislauf-System: Zuflussgebiet der oberen Hohlvene
Herz-Kreislauf-System

Zuflussgebiet der oberen Die Vv. pharyngeales aus dem an der seitli-
chen Pharynxwand gelegenen Plexus pha-
Hohlvene
ryngeus,
Der Stamm der V. cava superior (AB1) en- die Vv. meningeae, kleine Venen der harten
steht durch Zusammenfluss der V. brachioce- Hirnhaut,
phalica dextra (AB2) und sinistra (A3). Die lin- die V. lingualis (B13), deren Verlauf und Ver-
ke V. brachiocephalica ist länger als die sorgungsgebiet weitestgehend dem der
rechte und verläuft schräg über den Aorten- gleichnamigen Arterie entspricht,
bogen (A4) und dessen Äste. die V. thyroidea superior (B14), die die V. la-
ryngea superior aufnimmt,
die Vv. thyroideae mediae,
Vv. brachiocephalicae
die V. sternocleidomastoidea,
Sie entstehen beiderseits durch Vereinigung die Gesichtsvene, V. facialis (B15), die am
von V. jugularis interna (AB5) und V. subclavia medialen Augenwinkel als V. angularis
(AB6). In die V. brachiocephalica münden (B16) beginnt und über diese mit der V.
meist: ophthalmica anastomosiert. Die V. facialis
Die Vv. thyroideae inferiores (A7) über den Ple- erhält Zuflüsse aus der oberflächlichen und
xus thyroideus impar (A8) in die linke V. bra- tiefen Gesichtsregion. Als großes Stammge-
chiocephalica, fäß nimmt sie die V. retromandibularis (B17)
kleine Venen aus umliegenden Strukturen, d. h. auf, der wiederum Vv. temporales superficia-
Thymus, Perikard, Bronchien, Trachea und les (B18) vom Schädeldach und der Plexus
Ösophagus, pterygoideus (B19) zufließen. Letzterer liegt
die V. vertebralis (AB9), die mit den Venen der zwischen den Kaumuskeln im Versorgungs-
Schädelhöhle und den Wirbelvenenplexus gebiet der A. maxillaris.
in Verbindung steht, V. jugularis externa (AB20). Sie entsteht
der Plexus venosus suboccipitalis, ein Venen- aus dem Zusammenfluss der V. occipitalis
geflecht zwischen Os occipitale und Atlas, (B21) und der V. auricularis posterior und bil-
die V. cervicalis profunda, det einen der oberflächlichen, auf der Faszie
die Vv. thoracicae internae (A10), die paarigen gelegenen Venenstämme am Hals. Sie über-
Begleitvenen der A. thoracica interna, kreuzt den M. sternocleidomastoideus und
die V. intercostalis suprema und die V. interco- mündet im Bereich des Venenwinkels in die
stalis superior sinistra. V. jugularis interna oder in die V. subclavia.
In die V. jugularis externa mündet häufig
Vv. jugulares
der zweite oberflächliche Venenstamm am
V. jugularis interna. Sie ist die Hauptvene Hals, die V. jugularis anterior (AB22). Diese
am Hals, die zusammen mit der A. carotis beginnt auf Höhe des Zungenbeins und
communis und dem N. vagus das Gefäß-Ner- kann direkt oberhalb des Sternums eine
ven-Bündel bildet, das in einer gemeinsa- Querverbindung zur gleichnamigen Vene
men Bindegewebshülle liegt. Die V. jugula- der Gegenseite haben, Arcus venosus jugula-
ris interna beginnt am Foramen jugulare ris (A23). Auch die Vv. transversae cervicis und
mit einer Anschwellung, Bulbus superior ve- die V. suprascapularis münden meist in die V.
nae jugularis (B11), und reicht bis zum Ve- jugularis externa.
nenwinkel. Kurz vor ihrem Zusammenfluss B24 Sinus sagittalis superior, B25 Sinus sagittalis
mit der V. subclavia hat sie wiederum eine inferior, B26 Sinus rectus, B27 Sinus transversus,
Anschwellung, Bulbus inferior venae jugularis B28 Sinus sigmoideus, B29 Sinus cavernosus.
(B12). Sie nimmt das Blut aus der Schädel-
höhle, dem Kopf und großen Teilen des Hal-
ses auf. Ihre Zuflüsse von außerhalb der
Schädelhöhle sind:
Vv. brachiocephalicae, Vv. jugulares 69

Herz-Kreislauf-System
24 25

26 18
29
19
28
11 16
27
21

21
17 13 15
B Kopf- und Halsvenen

14
20 5

22

9 12

2
6

1
20
14

22
5
23

7
12

6
8
2
9 3

1
10 A Halsvenen
4
70 Herz-Kreislauf-System: Zuflussgebiet der oberen Hohlvene
Herz-Kreislauf-System

Sinus durae matris und die Vv. labyrinthi aus dem Innenohr auf-
nimmt,
Die V. jugularis interna erhält über die Blut- – der Sinus sigmoideus über den Sinus petrosus
leiter der harten Hirnhaut, Sinus durae ma- superior (AB13).
tris, Zuflüsse aus dem Schädelinneren. Die
Am Ursprung der Hirnsichel, Falx cerebri
starre Wand dieser venösen Blutleiter wird
(AB14), verläuft ein großer venöser Blutlei-
vom Schädelperiost und der harten Hirnhaut
ter, Sinus sagittalis superior (A15), zum Conflu-
gebildet. Im Inneren sind die Sinus von En-
ens sinuum (AB1).
dothel ausgekleidet; sie besitzen keine Klap-
Im Unterrand der Hirnsichel liegt der Sinus
pen.
sagittalis inferior (A16). Er endet über den Si-
Auf Höhe der Protuberantia occipitalis in-
nus rectus (A17) im Confluens sinuum. Der Si-
terna fließen einige der größeren Sinus du-
nus rectus liegt in der Verbindung der Falx
rae matris zum Confluens sinuum (AB1) zu-
cerebri mit dem Kleinhirnzelt, Tentorium
sammen.
cerebelli (A18), und nimmt die große Hirn-
Am Confluens sinuum beginnt der Sinus
vene, V. magna cerebri (A19), auf.
transversus (AB2), der seitlich in den Sinus
sigmoideus (AB3) übergeht. Dieser verläuft
Weitere intra- und extrakranielle
an der hinteren Unterkante der Felsenbein-
Abflusswege
pyramide S-förmig zum Foramen jugulare,
wo die Vena jugularis interna entsteht. Venae cerebri. Bei den Hirnvenen unterscheidet
Der Sinus marginalis (AB4) liegt um das Fora- man oberflächliche Gefäße, Vv. superficiales cerebri,
men magnum und stellt die Verbindung der die sich direkt in die Sinus durae matris entleeren,
von tiefen, Vv. profundae cerebri, die über die V. ma-
Sinus durae matris mit den Wirbelvenenple-
gna cerebri in die Sinus durae matris abfließen
xus her.
(Bezeichnungen und Abflussgebiete der Hirnve-
Am Foramen magnum beginnt der unpaare nen s. Bd. 3 S. 276 ff.).
Sinus occipitalis (AB5), der in der Wurzel der Venae diploicae. Sie liegen in der Diploe (Spon-
Falx cerebelli verläuft und eine Verbindung giosa) des Schädelknochens und haben sowohl
zwischen Sinus marginalis und Confluens si- mit den Sinus durae matris als auch mit den ober-
nuum herstellt. flächlichen Kopfvenen Verbindungen. Sie nehmen
Als Plexus basilaris (AB6) bezeichnet man das das Blut der Dura und des Schädeldaches auf. Man
auf dem Clivus gelegene Geflecht zwischen unterscheidet: V. diploica frontalis, V. diploica tem-
poralis anterior, V. diploica temporalis posterior
Sinus marginalis und Sinus cavernosus.
und V. diploica occipitalis.
Der Sinus cavernosus (AB7) liegt zu beiden
Venae emissariae. Sie verlaufen durch präfor-
Seiten der Sella turcica und der Hypophyse mierte Schädelöffnungen und stellen direkte Ver-
(B8). Durch den Sinus cavernosus verlaufen bindungen zwischen den venösen Hirnsinus und
die A. carotis interna und der N. abducens, in den extrakraniellen Venen her. Man unterscheidet:
seiner lateralen Wand liegen der N. oculo-
– V. emissaria parietalis (Sinus sagittalis supe-
motorius, der N. trochlearis, der N. ophthal- rior – V. temporalis superficialis),
micus und der N. maxillaris. – V. emissaria mastoidea (Sinus sigmoideus –
V. occipitalis),
In Verbindung mit dem Venenraum des Sinus ca-
– V. emissaria condylaris (Sinus sigmoideus –
vernosus stehen:
Plexus venosus vertebralis externus),
– die V. angularis (V. facialis) über die V. oph- – V. emissaria occipitalis (Confluens sinuum –
thalmica superior (A9), V. occipitalis),
– der Sinus sagittalis superior über den Sinus – Plexus venosus canalis nervi hypoglossi, Plexus
sphenoparietalis (AB10), der beiderseits ent- venosus foraminis ovalis, Plexus venosus caro-
lang der Kante des kleinen Keilbeinflügels ticus internus und Vv. portales hypophysiales.
verläuft,
– der Sinus cavernosus der Gegenseite über die
Sinus intercavernosi (AB11),
– die V. jugularis interna über den Sinus petro-
sus inferior (AB12), der beiderseits an der Un-
terkante der Felsenbeinpyramide verläuft
Sinus durae matris 71

Herz-Kreislauf-System
16

14 15

13 18 19
17

10 7
18 2
11 3
4 1

5
12
6
A Sinus durae matris in der
rechten Schädelhälfte
14

11 8
10

6
13
12

4 3

2 2
B Sinus durae matris
5
an der Schädelbasis

1
5
72 Herz-Kreislauf-System: Zuflussgebiet der oberen Hohlvene
Herz-Kreislauf-System

Venen der oberen Extremität Venae superficiales membri superioris.


Die oberflächlichen Venen liegen in der Un-
V. subclavia (A1). Sie führt als Fortsetzung terhaut (subkutan) oberhalb der Muskelfas-
der V. axillaris (A2) das Blut der oberen Ex- zie (epifaszial) und bilden ein ausgedehntes
tremität zum Venenwinkel. Sie liegt zwi- Venennetz. Dieses nimmt seinen Ursprung
schen M. sternocleidomastoideus und M. im Wesentlichen aus dem kräftigen Venen-
scalenus anterior und vereinigt sich hinter geflecht des Handrückens, Rete venosum dor-
dem Sternoklavikulargelenk mit der V. jugu- sale manus (B10), dem auch Blut aus dem
laris interna zur V. brachiocephalica. In die V. schwächer ausgebildeten Arcus venosus pal-
subclavia münden Vv. pectorales, die V. dorsa- maris superficialis (C11) der Hohlhand zu-
lis scapulae (gelegentlich) und die V. thoraco- fließt.
acromialis (gelegentlich). Aus dem oberflächlichen Venennetz des
V. axillaris (AC2). Sie verläuft in der Achsel- Handrückens (B) entsteht die V. cephalica
höhle in Begleitung der A. axillaris und (BC12), die zur Beugeseite zieht, an der Ra-
nimmt das Blut aus deren Versorgungsge- dialseite des Unterarms nach proximal auf-
biet über folgende Zuflüsse auf: V. subscapu- steigt und am Oberarm im Sulcus bicipitis la-
laris, V. circumflexa scapulae, V. thoracodor- teralis (C) verläuft. Im Trigonum clavipecto-
salis, V. circumflexa posterior humeralis, V. rale durchbricht sie die Faszie und mündet
circumflexa anterior humeralis, V. thoracica in die V. axillaris (Bd. 1 S. 370).
lateralis, Vv. thoracoepigastricae, Plexus ve- Als V. basilica (C13) wird die epifasziale Vene
nosus areolaris um die Brustwarze. bezeichnet, die über der distalen Ulna en-
steht und an der ulnaren Seite des Unter-
Klinischer Hinweis. Da die tiefen Venen, V. ju- arms aufsteigt. Sie durchbricht auf Höhe des
gularis interna und V. subclavia, relativ kon- mittleren Oberarms die Muskelfaszie, ge-
stant in ihrer Lage sind, werden sie häufig zur langt in den Sulcus bicipitis medialis und
zentralvenösen Punktion benutzt. Meistens wird mündet in eine der beiden Vv. brachiales.
die V. jugularis interna als Zugangsweg ge- V. cephalica und V. basilica sind auf Höhe
wählt, da sie auch für den Ungeübten relativ der Ellenbeuge, Fossa cubitalis, meist über
leicht aufzufinden ist und daher selten Kom-
eine V. mediana cubiti (C14) verbunden, die
plikationen auftreten. Die V. subclavia wird am
von lateral unten nach medial oben zieht.
zweithäufigsten benutzt. Sie kann supra- oder
infraklavikulär punktiert werden, wobei Ver- Außerdem besitzen die Hautvenen in der
letzungen des Plexus brachialis, der A. subcla- Ellenbeuge Verbindungen zu den tiefen Ve-
via oder gar der Pleura mit anschließendem nen. Die Ausbildung der oberflächlichen Ve-
Pneumothorax auftreten können. nen unterliegt starken Variationen (Bd. 1
S. 382).
Venae profundae membri superioris. Die
tiefen Venen am Arm sind paarige Begleit- Klinischer Hinweis. Die epifaszial am Hand-
venen der Arterien. Es werden unterschie- rücken und in der Ellenbeuge gelegenen Venen
den: werden häufig zur intravenösen Injektion oder
Vv. brachiales (A3), die in Begleitung der A. zur Blutentnahme benutzt.
brachialis verlaufen und sich proximal zur V.
axillaris vereinigen,
Vv. ulnares (A4) in der ulnaren Gefäß-Ner-
ven-Straße,
Vv. radiales (A5) als Begleitvenen der A. ra-
dialis,
Vv. interosseae anteriores (A6) und Vv. interos-
seae posteriores (A7) in Begleitung der Arte-
rien entlang der Membrana interossea,
Arcus venosus palmaris profundus (A8) und Vv.
metacarpeae palmares (A9) in der Hohlhand.
Venen der oberen Extremität 73

Herz-Kreislauf-System
1
2
2
12
12

13

12

13

10

14

5 4 B Venen des Handrückens

13

11
8

C Oberflächliche Venen
der oberen Extremität,
Venen der Hohlhand

A Tiefe Venen der oberen Extremität


74 Herz-Kreislauf-System: Zuflussgebiet der unteren Hohlvene
Herz-Kreislauf-System

Zuflussgebiet der unteren Venenplexus der Urogenitalorgane hängen


untereinander zusammen.
Hohlvene
Das Venenblut von der Beckenbodenregion
Vv. iliacae
und vom Damm wird von der V. pudenda in-
V. iliaca communis terna (B15) gesammelt. Im Einzelnen fließen
ihr folgende Gefäße zu:
Die V. cava inferior (B1) ensteht aus der Ver-
– Vv. profundae penis bzw. Vv. profundae
einigung der rechten und linken V. iliaca
clitoridis (B16),
communis (AB2), die vom 4. – 5. Lendenwir-
– Vv. rectales inferiores,
bel bis zur Articulatio sacroiliaca reichen
– Vv. scrotales posteriores bzw. Vv. labiales
und ihrerseits aus dem Zusammenfluss von
posteriores und
V. iliaca interna und externa hervorgehen. In
– V. bulbi penis bzw. V. bulbi vestibuli.
die V. iliaca communis münden beiderseits
die V. iliolumbalis und links die V. sacralis me-
V. iliaca externa
diana (AB3).
Die V. iliaca externa (AB17) geht in der Lacu-
V. iliaca interna na vasorum aus der V. femoralis hervor. Sie
ist die proximale Fortsetzung der V. femoralis
Die klappenlose V. iliaca interna (AB4) ist
(AB18). Sie nimmt in ihrem Verlauf von un-
ein kurzer Gefäßstamm, der die Venen der
terhalb des Leistenbandes bis zur Vereini-
Beckeneingeweide, der Beckenwand und
gung mit der V. iliaca interna nur das Blut
des Damms aufnimmt.
dreier Zuflussgebiete auf:
Rumpfwandvenen Die V. epigastrica inferior (AB19) verläuft auf
der Rückseite der vorderen Bauchwand zu-
Vv. gluteae superiores (AB5) aus der Gesäßge-
sammen mit der A. epigastrica inferior.
gend gelangen als Begleitvenen der A. glutea
Der R. pubicus (B20) stellt eine Verbindung
superior durch das Foramen suprapiriforme
zur V. obturatoria her und kann diese auch in
ins Becken und fließen zu einem Stamm zu-
seltenen Fällen ersetzen (V. obturatoria ac-
sammen, der in die V. iliaca interna mündet.
cessoria).
Vv. gluteae inferiores (AB6) aus der Glutealre-
Die V. circumflexa iliacum profunda (B21) en-
gion verlaufen entsprechend der A. glutea
steht aus Begleitvenen der gleichnamigen
inferior durch das Foramen infrapiriforme.
Arterie.
Vv. obturatoriae (B7) mit Blut aus den Adduk-
toren des Oberschenkels gelangen aus dem
Foramen obturatum ins Becken.
Vv. sacrales laterales (B8) sammeln das Blut
aus dem Plexus venosus sacralis (B9), einem
Venengeflecht vor dem Os sacrum.
Um die Beckenorgane liegen größere Ve-
nengeflechte: der Plexus venosus rectalis
(AB10) fließt weitestgehend über die Vv.
rectales mediae (AB11) ab und hat Verbin-
dungen zur V. rectalis superior.

Eingeweideäste
Der Plexus venosus vesicalis (AB12) nimmt
den Plexus venosus prostaticus bzw. den Ple-
xus venosus vaginalis (B13) sowie die V. dor-
salis profunda penis bzw. die V. dorsalis pro-
funda clitoridis auf. Der Plexus venosus uteri-
nus (AB14) fließt über Vv. uterinae ab. Die
Vv. iliacae 75

Herz-Kreislauf-System
2 3
2

4
4
10 17
17
6 11

19

14
18
18
14

12
A Zuflußgebiet der
unteren Hohlvene
1

21 17 5
8
19 9

7
20 6

14 11
13 15

12 10

18 B Beckenvenen von innen


16
76 Herz-Kreislauf-System: Zuflussgebiet der unteren Hohlvene
Herz-Kreislauf-System

Venen der unteren Extremität Die tiefen Beinvenen am Unterschenkel stehen


über Perforansvenen (C15) mit den Hauptstäm-
Venae profundae membri inferioris men der epifaszialen Hautvenen in Verbindung
und erhalten Zuflüsse aus den venösen Geflech-
V. femoralis (A1). Sie ist der Stamm der tie- ten am Fußrücken und an der Fußsohle.
fen Beinvenen am Oberschenkel und reicht
als Begleitvene der A. femoralis vom Hiatus Venae superficiales membri inferiores
tendineus des Adduktorenkanals bis zum
Leistenband. Die V. femoralis nimmt in der V. saphena magna (ABDE2). Die V. saphena
Gegend des Hiatus saphenus (Bd. 1 S. 416) magna ist die größte epifasziale Beinvene.
direkt oder über die V. saphena magna (AB Sie beginnt am medialen Fußrand, zieht
DE2) Hautvenen aus verschiedenen Regio- medial aufwärts und mündet am Hiatus sa-
nen auf: phenus in die V. femoralis. Sie nimmt die V.
Die Vv. pudendae externae (AB3) bringen Zu- saphena accessoria (A16) auf, die als Verbin-
flüsse aus dem äußeren Genitale über dung zur V. saphena parva (ACE17) ausgebil-
Vv.dorsales superficiales penis bzw. clitoridis det sein kann. Darüber hinaus steht sie über
und Vv. scrotales bzw. labiales anteriores. Vv. perforantes (C15) mit den tiefen Beinve-
Die V. circumflexa iliacum superficialis (AB4) nen in Verbindung und nimmt am Hiatus
ist Begleitvene der gleichnamigen Arterie in saphenus die Vv. pudendae externae, die V. cir-
der Leistenregion. cumflexa iliacum superficialis und die V. epi-
Die V. epigastrica superficialis (AB5) verläuft gastrica superficialis auf, sofern diese nicht di-
über die vordere Bauchwand (B) und geht rekt in die V. femoralis münden (s.o).
Anastomosen mit der V. thoracoepigastrica V. saphena parva (ACE17). Sie entsteht am
(B6) und den Vv. paraumbilicales (B7) ein. lateralen Fußrand und zieht über die Rück-
Die V. epigastrica superficialis stellt auf die- seite des Unterschenkels zur V. poplitea.
se Weise eine Verbindung des Stromgebie- In die V. saphena parva (z. T. auch in die V.
tes der V. cava inferior mit dem der V. cava saphena magna oder die Vv. tibiales) mün-
superior, also eine kavokavale Anastomose, den:
her. Über die Vv. paraumbilicales besitzt sie das Rete venosum dorsale pedis (D18) und der
eine Verbindung zum Pfortaderkreislauf Arcus venosus dorsalis pedis (D19) des Fußrük-
(S. 216), eine portokavale Anastomose. kens, die aus Vv. digitales dorsales pedis
Ein weiteres großes Zuflussgebiet erhält die (D20) und Vv. metatarsales dorsales entste-
V. femoralis über die V. profunda femoris (A8), hen;
welche die gleichnamige Arterie begleitet das Rete venosum plantare (E21) und der Arcus
und folgende Venen aufnimmt: venosus plantaris (E22) der Fußsohle, die aus
– Vv. circumflexae mediales femorales (A9) Vv. digitales plantares (E23) und Vv. metatar-
und Vv. circumflexae laterales femorales sales plantares (E24 ) hervorgehen.
(A10) aus der Region des Hüftgelenks, Über Vv. intercapitulares stehen die Venen-
– Vv. perforantes von der dorsalen Seite bögen an Fußrücken und Fußsohle in Ver-
des Oberschenkels. bindung.
V. poplitea (AC11). Sie ist die Begleitvene Die V. marginalis lateralis (E25) stellt die Ver-
der A. poplitea und nimmt Vv. surales vom bindung zur V. saphena parva, die V. margina-
Unterschenkel und Vv. geniculares vom Knie lis medialis (E26) zur V. saphena magna her.
auf.
Sie ensteht aus dem Zusammenfluss der Klinischer Hinweis. V. saphena magna und V.
paarigen Vv. tibiales anteriores (AC12) und Vv. saphena parva können erweitert und ge-
schlängelt sein, Varizen. Die Venenklappen
tibiales posteriores (AC13), die die gleichna-
werden insuffizient und lenken den Blutstrom
migen Beinarterien begleiten. In die Vv. ti-
nicht mehr herzwärts.
biales posteriores münden die Vv. fibulares
(AC14).
Venen der unteren Extremität 77

Herz-Kreislauf-System
4 5

3
1
10
2

11
9
17
6
16
7
12
8 13 5

14
1 4
3
15 2

B Oberflächliche Venen
der Rumpfwand

2 C Tiefe und oberflächliche


Venen am Unterschenkel

11
2
17

17

17
2 18
21
22
20 19
12 24
25
20

14 26 23
13

A Tiefe und oberflächliche Venen D Venennetz


am Oberschenkel und Knie E Venen an der Fußsohle am Fußrücken
78 Herz-Kreislauf-System: Systematik der Lymphgefäße und -knoten
Herz-Kreislauf-System

Systematik der Pars thoracica (II), eine kurze Pars cervicalis (III)
vor dem 7. Halswirbel und einen Arcus ductus
Lymphgefäße und -knoten thoracici (IV), der bogenförmige Abschnitt
vor der ampullenartig erweiterten Einmün-
Lymphgefäße dung in den linken Venenwinkel (AB5).
Die Lymphgefäße werden grundsätzlich in A6 V. azygos, A7 Truncus sympathicus dexter,
folgende Abschnitte gegliedert: A8 Truncus coeliacus, A9 A. mesenterica supe-
rior, A10 A. renalis dexter.
– Lymphkapillaren, Vasa lymphocapillaria,
– Lymphsammelgefäße oder Kollektoren, Der Ductus thoracicus führt die Lymphe aus
Vasa lymphatica und der gesamten unteren Körperhälfte und der
– größere Lymphstämme, Trunci lympha- linken oberen Körperregion. Im Einzelnen er-
tici. hält er folgende Zuflüsse:
Lymphgefäßsystem. Es beginnt in der Peri- Über die Hauptzuflüsse Truncus lumbaris dex-
pherie mit den blind beginnenden, klap- ter (B11) bzw. sinister (B12) wird die Lymphe
penlosen Lymphkapillaren, von denen die aus den Beinen, den Beckeneingeweiden, der
Lymphe aufgenommen wird. Die Lymphe ist Beckenwand, Teilen der Bauchorgane und der
eine klare Flüssigkeit, die durch Filtration des Bauchwand zur Vereinigungsstelle an der
Blutes aus dem arteriellen Teil der Kapillaren Cisterna chyli transportiert.
ins Interstitium entsteht und über das Über die Trunci intestinales (B13) gelangt die
Lymphgefäßsystem dem Venenwinkel und Lymphe aus dem Darm und den übrigen un-
damit wieder dem Blutgefäßsystem zuge- paaren Bauchorganen zum Ductus thoraci-
führt wird. Nahe ihrem Beginn bilden die cus. Die Trunci intestinales vereinigen sich
Lymphkapillaren einen netzförmigen Ver- mit den Trunci lumbales zum Ductus thora-
band, Rete lymphocapillare. Aus dem Zusam- cicus.
menfluss der Lymphkapillaren entstehen Der Truncus bronchomediastinalis sinister
die eigentlichen dünnwandigen Lymphgefä- (B14) sammelt die Lymphe aus dem Thorax-
ße, die untereinander vielfach anastomosie- raum. Er kann auf der linken Seite aus der
ren. Sie besitzen Klappen und lenken den Vereinigung mehrerer Lymphstämme ent-
Lymphstrom zu Lymphknoten, die regelmä- stehen und direkt in den Ductus thoracicus
ßig in den Verlauf der Lymphbahnen einge- münden.
schaltet sind. Bei den Lymphgefäßen wird in Der Truncus subclavius sinister (B15) führt
Abhängigkeit von ihrer Lage zur allgemei- dem Ductus thoracicus die Lymphe aus der
nen Muskelfaszie zwischen oberflächlichen linken oberen Extremität und den Weichtei-
Vasa lymphatica superficialia und tiefen Va- len der linken Thoraxhälfte zu.
sa lymphatica profunda unterschieden. Die Der Truncus jugularis sinister (B16) führt die
Lymphe aller Lymphgefäße trifft letztlich in Lymphe aus Kopf und Hals entweder in den
2 großen Lymphstämmen, links dem Ductus Ductus thoracius oder direkt in eine der bei-
thoracicus und rechts dem Ductus lymphaticus den großen Venen am Venenwinkel.
dexter, zusammen. Ductus lymphaticus dexter (B17). Er sam-
melt die Lymphe aus der rechten oberen Kör-
Hauptlymphstämme perregion und mündet in den rechten Venen-
Ductus thoracicus (AB1). Der Brustmilch- winkel. Er nimmt den Truncus bronchomedia-
gang ist der Hauptstamm des Lympgefäßsy- stinalis dexter (B18), den Truncus subclavius
stems, der unterhalb des Zwerchfells (A2) dexter (B19) und den Truncus jugularis dexter
aus einer konstanten, rechts von der Aorta (B20) auf, deren Zuflussgebiete denjenigen
(A4) gelegenen spindelförmigen Erweite- der linken Körperseite entsprechen.
rung, Cisterna chyli (AB3), hervorgeht. Er ist
etwa 40 cm lang und gliedert sich in folgen-
de Abschnitte (B): eine kurze Pars abdomina-
lis (I) vor dem 1. Lendenwirbel, eine lange
Lymphgefäße 79

Herz-Kreislauf-System
III IV
5

20 16
17 IV 15
19
III

4 18 5
14

6 II

1
II

3
4

1 13

2 11 12

3 8

10

A Abschnitte und Verlauf B Lymphgefäße des Rumpfes


des Ductus thoracicus
80 Herz-Kreislauf-System: Systematik der Lymphgefäße und -knoten
Herz-Kreislauf-System

Regionäre Lymphknoten von Kopf, perficiales (A11), entlang der V. jugularis ex-
Hals und Arm terna, die die Lymphe aus der Ohrmuschel
und dem unteren Teil der Ohrspeicheldrüse
Die einer definierten Körperregion oder ei- sammelt, und eine tiefe Gruppe. Diese ist
nem Organ zugeteilte Gruppe von meist zweigeteilt in Lnn. profundi superiores
Lymphknoten, Nodi lymphatici (= Lnn.), (B12), zweite Lymphknotenstation für na-
sind die regionären Lymphknoten, denen zen- hezu alle Kopflymphknoten, und Lnn. pro-
trale oder Sammel-Lymphknotenstationen fundi inferiores (B13), zweite Lymphknoten-
nachgeordnet sind. station für nahezu alle Halslymphknoten
Kopf. Die Lnn. occipitales (A1) am Trapezius- und letzte Station für die Kopflymphknoten.
rand nehmen die Lymphe von Hinterhaupt Die tiefen Halslymphknoten fließen über
und Nacken auf, den jeweiligen Truncus jugularis ab.
die Lnn. mastoidei (A2) auf dem Warzenfort- Obere Extremität. Die Lymphe von Hand
satz die Lymphe aus Teilen der Ohrmuschel und Unterarm fließt zunächst in die Ellen-
und der Kopfschwarte, beuge, in der oberflächliche und tiefe Lnn.
die Lnn. parotidei superficiales (A3) auf der cubitales (C14) gelegen sind. Medial der V.
Fascia parotidea und die Lnn. parotidei pro- brachialis finden sich 1 – 2 Lnn. supratroch-
fundi (A4) unter der Fascia parotidea die leares (C15). Vereinzelt können Lymphkno-
Lymphe von der Ohrspeicheldrüse, von Tei- ten entlang des weiteren Verlaufs der Vasa
len der Augenlider, vom äußeren Gehörgang brachialia auftreten, Lnn. brachiales (C16).
und von der äußeren Nase. Gemeinsamer Wesentliche Lymphknotenstationen für die
Abflussweg aller 3 Lymphknotengruppen obere Extremität und die vordere Brust-
sind die tiefen Halslymphknoten. wand sind die Lymphknoten der Achselhöh-
Die Lnn. faciales (A5) sind inkonstant, sie le, Lnn. axillares (C17). Sie sind durch
nehmen die Lymphe von Augenlidern, Nase, Lymphgefäße untereinander verbunden
Gaumen und Schlund auf. Die Lnn. linguales und bilden im Fettgewebe der Achselhöhle
(B6) leiten zu großen Teilen die Lymphe aus ein Netz, Plexus lymphaticus axillaris. Die axil-
der Zunge ab, die Lnn. submentales (B7) dieje- lären Lymphknoten werden in verschiedene
nige aus Mundhöhlenboden, Zungenspitze Gruppen gegliedert, deren Klassifizierung
und Unterlippe. Alle 3 Lymphknotengrup- in der Literatur stark variiert. Gemäß der
pen fließen meist über die Lnn. submandibu- anatomischen Nomenklatur unterscheidet
lares (B8) ab, die zwischen Unterkiefer und man: Lnn. apicales (C18) am Oberrand des
Unterkieferdrüse gelegen sind und als erste M. pectoralis minor, Lnn. brachiales (C16)
und zweite Filterstation fungieren. Direkte entlang der A. brachialis bzw. axillaris, Lnn.
Lymphzuflüsse erhalten sie aus dem inneren subscapulares (C19), Lnn. pectorales (C20)
Augenwinkel, der Wange, der Nase, den Lip- am Unterrand des M. pectoralis minor, Lnn.
pen, dem Zahnfleisch und Teilen der Zunge. centrales (C21), Lnn. interpectorales (C22)
Sie fließen über die tiefen Halslymphknoten zwischen M. pectoralis major und M. pecto-
ab. ralis minor und Lnn. deltoideopectorales
Hals. Die Lnn. cervicales anteriores gliedern (C23) im Sulcus deltoideopectoralis. Die
sich in eine oberflächliche Lymphknoten- axillären Lymphknoten sind als regionäre
gruppe, Lnn. superficiales (A9), entlang der Lymphknoten für die Brustdrüse, Mamma, von
V. jugularis anterior und eine tiefe Gruppe, großer klinischer Bedeutung.
Lnn. profundi (B10), die entsprechend den C24 Lnn. parasternales auf der Innenseite der
Halseingeweiden in verschiedene Unter- Thoraxwand (S. 82).
gruppen eingeteilt werden. Alle vorderen
Lymphknoten fließen letztlich über die tie-
fen Halslymphknoten ab.
Die Lnn. cervicales laterales liegen seitlich am
Hals und gliedern sich ebenfalls in eine
oberflächliche Gruppe, Nodi lymphatici su-
Regionäre Lymphknoten von Kopf, Hals und Arm 81

Herz-Kreislauf-System
17

14
23 16 20 21
16
15
18

19 22 24
7

8 3
1
2 4 5

C Lymphknoten an Arm,
9
Achsel und Thorax

11

A Oberflächliche Lymphknoten
an Hals und Kopf
6
7

12

10

13
B Tiefe Lymphknoten am Hals
82 Herz-Kreislauf-System: Systematik der Lymphgefäße und -knoten
Herz-Kreislauf-System

Regionäre Lymphknoten von bales dextri (D9) entlang der V. cava inferior.
Thorax und Abdomen Diese Lymphknotengruppen werden je-
weils in Untergruppen gegliedert und neh-
In den Leibeshöhlen kann grundsätzlich men die Lymphe aus den Nebennieren, den
zwischen wandständigen/parietalen und or- Nieren, den Harnleitern, den Hoden und Eier-
gannahen/viszeralen Lymphknotengruppen stöcken sowie vom Fundus uteri und der
unterschieden werden. Bauchwand auf. Zwischen diesen Lymph-
knotengruppen liegen Lnn. lumbales interme-
Thorax dii (D10), die die gleichen Zuflussgebiete ha-
Außerhalb des Thorax liegen am Seitenrand ben.
der Brustdrüse Lnn. paramammarii. Die Lnn. phrenici inferiores (D11) liegen an der
An der Innenseite der Thoraxwand liegen Unterseite des Zwerchfells und nehmen von
entlang der Vasa thoracica interna Lnn. para- dort Lymphe auf.
sternales (S. 80), die die Lymphe aus der Die Lnn. epigastrici inferiores liegen an der In-
Brustdrüse, den Interkostalräumen, der Pleu- nenseite der Bauchwand entlang der A. epi-
ra und von Teilen der Leber und des Zwerch- gastrica inferior.
fells aufnehmen. Viszerale Lymphknoten. Die Lnn. coeliaci
Lnn. intercostales (A1) in den dorsalen Ab- (DE12) liegen um den Truncus coeliacus
schnitten der Interkostalräume nehmen die und bilden die zweite Filterstation für die
Lymphe der Pleura und aus den Interkostal- Oberbauchorgane.
räumen auf. Die Lnn. gastrici (dextri/sinistri) (E13) liegen
Lnn. prevertebrales (AC2) liegen zwischen entlang der kleinen Magenkurvatur, die Lnn.
Ösophagus und Wirbelsäule und nehmen gastroomentales (dextri/sinistri) (E14) ent-
die Lymphe aus der Umgebung auf. lang der großen. Die Lnn. pylorici (E15) sind
Lnn. phrenici superiores (A3) liegen an den meist hinter dem Pylorus lokalisiert.
großen Zwerchfelldurchtritten und nehmen Lnn. pancreatici (DE16) sind am Oberrand
die Lymphe aus dem Zwerchfell und der Le- und Unterrand des Pankreas angeordnet.
ber auf. Die Lnn. splenici (DE17) liegen am Milzhilum.
Lnn. prepericardiales (B4) zwischen Sternum Lnn. pancreaticoduodenales (E18) liegen zwi-
und Perikard und Lnn. pericardiaci laterales schen Pankreas und Duodenum.
(B5) zwischen Pleura mediastinalis und Pe- Lnn. hepatici (E19) sind im Bereich des Leber-
rikard nehmen Lymphe aus der jeweiligen hilum angesiedelt.
Nachbarschaft auf. Lnn. mesenterici (EF20) bilden mit 100 – 150
Die Gruppe der Lnn. mediastinales anteriores Knoten die große Gruppe der Mesenterial-
(B6) liegt vor dem Aortenbogen und nimmt lymphknoten entlang der Mesenterialwur-
Lymphe von den angrenzenden Strukturen zel und fließen über Lnn. coeliaci ab.
auf. Lnn. ileocolici (F21) begleiten die A. ileocoli-
Lnn. mediastinales posteriores (C7) liegen im ca.
hinteren Mediastinum. Sie werden entspre- Lnn. precaecales (F22) und Lnn. retrocaecales
chend den benachbarten Organen in Unter- sind vor und hinter dem Blinddarm lokali-
gruppen gegliedert, zu denen u. a. die Nodi siert, Lnn. appendiculares (F23) liegen um die
lymphatici tracheobronchiales und paratra- A. appendicularis.
cheales um die Trachea gehören. Lymphzu- Lnn. mesocolici (F24) sind entlang des Meso-
fluss erhalten die Lnn. mediastinales poste- colons angeordnet und nehmen in Gruppen
riores von Lungen, Bronchien, Trachea, Öso- die Lymphe aus dem Dickdarm auf. Lnn. me-
phagus, Perikard, Zwerchfell und Leber. senterici inferiores (F25) liegen entlang der A.
mesenterica inferior und nehmen die Lym-
Abdomen phe aus dem Colon descendens, dem Colon
Wandständige Lymphknoten. Hierzu zäh- sigmoideum und dem Rektum auf.
len die Lnn. lumbales sinistri (D8), die an der
Aorta abdominalis liegen, und die Lnn. lum-
Regionäre Lymphknoten von Thorax und Abdomen 83
Für Blockadenauflösung

Herz-Kreislauf-System
11
16
12 17
1
10

2
8 16
9

D Tiefe Lymphknoten
10
der Bauchhöhle
3
9

A Lymphknoten im Thorax

19 11
6
6 17
13
12

15
16

4 18 14
5 20

E Lymphknoten im Oberbauch

B Lymphknoten im Thorax

24
20
7

24 25 24
7 21

23
22
2

C Lymphknoten im Thorax F Lymphknoten in der Bauchhöhle


84 Herz-Kreislauf-System: Systematik der Lymphgefäße und -knoten
Herz-Kreislauf-System

Regionäre Lymphknoten von Untere Extremität


Becken und unterer Extremität Wesentliche Lymphknotenstationen an der
Becken Grenze zwischen unterer Extremität und
Rumpf sind die Lnn. inguinales superficiales
Auch im Becken (A) werden parietale (C9), die im subkutanen Fettgewebe der In-
Lymphknotengruppen von viszeralen unter- guinalregion gelegen und daher bei Vergrö-
schieden. ßerung leicht zu tasten sind. Sie nehmen die
Parietale Gruppen. Entlang des Gefäß- oberflächliche Lymphe vom Bein sowie die
strangs der Vasa iliaca communes liegen Lymphe von Anus, Damm und äußerem Ge-
beiderseits mehrere parietale Lymphkno- nitale auf und fließen über die parietalen
tengruppen, die als Lnn. iliaci communes (A1) Lnn. iliaci externi ab.
zusammengefasst werden. Sie nehmen als Die tiefen Lnn. inguinales profundi (C10) lie-
zweite Filterstation die Lymphe der meisten gen unterhalb der Oberschenkelfaszie und
Beckenorgane, der inneren Bauchwand und nehmen die tiefe Lymphe aus dem Bein auf.
der Hüft- und Gesäßmuskeln auf. Sie fließen Der oberste Lymphknoten dieser Gruppe
über die Trunci lumbales ab. kann sehr groß sein und im Canalis femora-
Um die Vasa iliaca externa liegen etliche lis gefunden werden, Rosenmüller-Lymph-
Lymphknotengruppen, die in ihrer Gesamt- knoten.
heit als Lnn. iliaci externi (A2) bezeichnet Im Bereich der unteren Extremität finden
werden. Sie dienen für die inguinalen sich regelmäßig Lymphknoten in der Knie-
Lymphknoten als zweite Lymphknotensta- kehle, wo Lnn. popliteales superficiales (D11)
tion, für Teile von Harnblase und Vagina als am proximalen Ende der V. saphena parva
erste. und Lnn. popliteales profundi (D12) an der A.
In Begleitung der Vasa iliaca interna liegen poplitea unterschieden werden. Sie sind Fil-
die parietalen Lnn. iliaci interni (B3), welche terstation für die Lymphe aus Fuß und Un-
die Lymphe aus den Beckenorganen, der terschenkel, an dem gelegentlich ein Nodus
Dammregion und der inneren und äußeren tibialis anterior, ein Nodus tibialis posterior
Beckenwand aufnehmen. oder ein Nodus fibularis gefunden wird.
Viszerale Gruppen. Sie liegen in Nachbar-
schaft zu den jeweiligen Beckenorganen: Klinischer Hinweis. Die exakte Kenntnis der
regionalen Lymphknoten eines Organs ist in
Lnn. paravesicales (B4) sind in verschiedenen
der Tumorchirurgie von enorm großer Bedeu-
Gruppen um die Harnblase angeordnet und
tung. Meist werden nicht nur das von einem
nehmen die Lymphe aus diesem Organ und bösartigen Tumor befallene Organ, sondern
der Prostata auf. auch seine Lymphknoten entfernt, da sie be-
Lnn. parauterini (B5) befinden sich neben reits von einer Tochtergeschwulst (Metastase)
dem Uterus und nehmen überwiegend die befallen sein könnten. Es metastasieren jedoch
Lymphe aus der Cervix uteri auf. nicht alle bösartigen Tumore über die
Lnn. paravaginales (B6) liegen neben der Vagi- Lymphwege. Bei der Besprechung der einzel-
na und nehmen z. T. die Lymphe aus diesem nen Organe wird aufgrund der klinischen Be-
Organ auf. deutung nochmals Bezug auf die jeweiligen re-
gionalen Lymphknoten genommen.
Lnn. pararectales (B7) liegen im Bindegewebe
seitlich und dorsal vom Rektum und neh-
men die Lymphe aus dem Enddarm auf. Die-
se fließt in Richtung der Lnn. mesenterici in-
feriores ab.
Lnn. anorectales (B8) sind entgegen der ana-
tomischen Nomenklatur nicht als Synony-
ma der letzteren anzusehen. Diese
Lymphknoten nehmen nämlich die Lymphe
aus dem Analkanal auf und fließen über Lnn.
inguinales superficiales ab.
Regionäre Lymphknoten von Becken und unterer Extremität 85

Herz-Kreislauf-System
1 1

9 10

2
9

10

C Lymphknoten
A Lymphknoten an den Beckengefäßen der Leistengegend

12
3
11

4 5

7
6

8
D Lymphknoten
der Kniekehle

B Lymphknoten im weiblichen Becken


86 Herz-Kreislauf-System: Aufbau und Funktion von Blut- und Lymphgefäßen
Herz-Kreislauf-System

Aufbau und Funktion von und kann durch den Spannungszustand ih-
rer glatten Muskelzellen das Gefäßlumen
Blut- und Lymphgefäßen verändern.
In der Wand von Blut- und Lymphgefäßen Zur Media gehört die Membrana elastica ex-
wird ein gemeinsamer Bauplan gefunden. Je terna (A3 a). Sie bildet die Grenze zur Tunica
nach Abschnitt der Gefäßstrecke, d. h. je externa (Adventitia).
nach Beanspruchung und Funktion, weist
Tunica externa (A3). Sie besteht aus Binde-
die Gefäßwand charakteristische Modifika-
gewebe (A3 b), das in der Wand von Venen
tionen auf.
mit glatten Muskelzellen vergesellschaftet ist.
Die Zellen und Fasernetze der Tunica exter-
Gefäßwand na sind in Richtung der Gefäßachse ausge-
richtet.
Grundsätzlich werden 3 Schichten unter-
schieden: Die Tunica externa dient dem Einbau der Gefäße in
Tunica interna (A1) oder Intima, Tunica media die Umgebung und muss äußeren Krafteinwirkun-
(A2) oder Media und Tunica externa (A3) oder gen, wie z. B. der Längsdehnung, entgegenwirken.
Die Tunica externa ist daher in Venen meist be-
Adventitia.
sonders stark ausgebildet. In Regionen, in denen
Tunica interna. Sie besteht aus einer Lage eine Längsdehnung nicht auftritt, wie z. B. im Ge-
niedriger, in der Längsachse des Gefäßes hirn, ist die Tunica externa der Gefäße nicht oder
ausgerichteter Endothelzellen (A1 a) (ein- nur schwach ausgebildet.
schichtiges Plattenepithel), die meist auf ei- Bei großen Gefäßen treten durch die Tunica
ner Basalmembran ruhen und von wenig externa Vasa privata, sog. Vasa vasorum
Bindegewebe, Stratum subendotheliale (A1 b), (A3 c), an die äußeren Wandschichten des
unterlagert werden. In Arterien tritt eine ge- Gefäßrohres heran. Die inneren Schichten
fensterte elastische Membran hinzu, Mem- werden vom Blutstrom versorgt. Auch die
brana elastica interna (A1 c). Die Tunica inter- vegetativen Nervenfasern, die die Gefäßmus-
na dient dem Stoff-, Flüssigkeits- und Gas- kulatur innervieren, treten durch die Tunica
austausch durch die Gefäßwand und steht externa in die Gefäßwand ein.
direkt unter der Schubwirkung des vorbei-
Einbau der Gefäße in den Bewegungsapparat.
strömenden Blutes.
Die Arterien verlaufen in der Regel in Begleitung
Die Endothelzellen aller Blutgefäße sind von Venen über die Beugeseite der Gelenke (B). Sie
durch Zellkontakte (Näheres s. Lehrbücher werden bei der Beugung des Gelenks nicht ge-
der Histologie) miteinander verbunden. Die- dehnt, aber auch nicht abgedrückt. Der Gefahr der
se sind je nach Gefäßabschnitt und Organ Abknickung ist dadurch begegnet, dass die Gefä-
unterschiedlich zahlreich und dicht. In den ße gemeinsam mit den begleitenden Nerven in
Arterien sind die Zwischenzellkontakte der einen verformbaren Fettkörper eingebaut sind.
Endothelzellen in der Regel dicht, in den Ka- Dieser ermöglicht den Gefäßen, bei starker Beu-
pillaren und postkapillären Venulen durch- gung (C) ihre Längsspannung und damit auch ihre
absolute Länge zu verringern und sich aus der Ge-
lässiger. In den Kapillaren einiger Organe bil-
fahrenzone zurückzuziehen.
den sie wiederum eine besonders dichte
Schranke (Blut-Hirn-Schranke, Blut-Thymus- Sonderformen von Arterien
Schranke, Blut-Hoden-Schranke, etc.).
Meist kleine Arterien, die durch aktiven Ver-
Tunica media. Die Media bildet die musku- schluss die Blutzufuhr zur Mikrozirkulation
läre Wandung und besteht aus annähernd vermindern oder komplett unterbrechen
ringförmig, d. h. in flachen Schraubentouren können, heißen Sperrarterien. Ihre Media ist
angeordneten glatten Muskelzellen (A2 a) und besonders dick und besitzt auffällige innere
elastischen Netzen. In den Arterien ist die Tu- Längsmuskelbündel ohne Membrana elasti-
nica media besonders gut ausgebildet, in ca interna. Primär geschängelte, korkenzie-
den meisten Venen ist sie weniger stark. Die herartig gewundene kleine Arterien heißen
Tunica media muss der blutdruckbedingten Rankenarterien. Rankenarterien kommen im
Dehnung der Gefäßwand entgegenwirken Penis und im Uterus vor.
Gefäßwand 87

Herz-Kreislauf-System
a

1
b
c

b B Arterie auf der Beugeseite eines


Gelenks in gestrecktem Zustand
3

A Wandschichten einer Arterie

C Arterie auf der Beugeseite eines


Gelenks in gebeugtem Zustand
(nach von Hayek)
88 Herz-Kreislauf-System: Aufbau und Funktion von Blut- und Lymphgefäßen
Herz-Kreislauf-System

Regionale Unterschiede im Ihre Tunica interna besteht aus Endothel


Wandaufbau – arterieller Schenkel und einer teilweise unvollständigen Mem-
brana elastica interna. Die glatten Muskel-
Der Wandaufbau arterieller Gefäße varriiert zellen der Tunica media liegen in 1 – 2 Lagen
in Abhängigkeit von ihrer Funktion und ih- vor und sind ringförmig angeordnet. Hier-
rer Entfernung zum Herzen. durch wirken die Arteriolen als präkapilläre
Aorta und große herznahe Arterien sind Sphinkteren: durch Änderung ihres Lumens
Arterien vom elastischen Typ. Sie haben einen regeln sie den Blutdruck und gleichzeitig
deutlichen dreischichtigen Bau. Die Tunica die Durchblutung des nachgeschalteten Ka-
interna (A1) ist aufgrund ihres gut ausgebil- pillargebietes.
deten Stratum subendotheliale dick. In der Kapillaren (G). Durch Aufteilung unter Ver-
Tunica media (A2) überwiegen dichte, an- lust der Muskulatur gehen die Arteriolen in
nähernd konzentrisch angeordnete elasti- Kapillaren über, deren Durchmesser meist
sche Lamellen, die im Flachschnitt als ge- bei 5 – 15 µm liegt. Kapillaren bilden häufig
fensterte Membranen imponieren. Die glat- Netze, die aus mehreren Arterien gespeist
ten Muskelzellen der Media inserieren an werden. Die Kapillarwand ist als ein Endo-
diesen Membranen und können deren thelzellrohr anzusehen (H). Die Endothelzel-
Spannung einstellen und regulieren. Die Tu- len (H6) werden durch eine elektronenmi-
nica externa (A3) beherbergt in ihrem Bin- kroskopisch sichtbare Basalmembran (H7)
degewebe Vasa vasorum und vegetative und außen aufliegende Perizyten ergänzt. In
Nerven. Abhängigkeit von der Funktion eines Or-
Funktionelle Anatomie. Die Aorta und die herz- gans werden unterschiedliche Bautypen der
nahen Arterien sind dem diskontinuierlichen Kapillarwand unterschieden: Es gibt ge-
Blutausstoß des Herzens unmittelbar ausgesetzt. schlossene Endothelien ohne Fensterung
Ein Teil des Schlagvolumens wird während der mit kontinuierlicher Basalmembran (I), En-
Systole (B) durch Dehnung der elastischen Mem- dothelien mit intrazellulärer Fenestrierung
branen in der Gefäßwand gespeichert. In der Dia- durch ein Diaphragma (II) oder mit intrazel-
stole (C) geben sie dann die gespeicherte Energie lulären Poren (III) und jeweils kontinuierli-
an das Blut ab und bewegen es peripheriewärts
cher Basalmembran sowie Endothelien mit
fort, „Windkessel“.
interzellulären Lücken und unterbrochener
Herzferne Arterien sind die großen Arte- Basalmembran (IV) (Vorkommen: I z. B.
rien in der Peripherie (D) sowie alle mittle- Skelettmuskulatur, II z. B. Magen-Darm-
ren und kleineren Arterien des großen Trakt, III z. B. Nierenglomerulus, IV z. B. Le-
Kreislaufs (E). Sie zählen zu den Arterien bersinus).
vom muskulären Typ. Die Tunica interna be- Für einige Organe, wie z. B. Leber, Knochen-
steht häufig nur noch aus Endothel und we- mark, Milz und einige endokrine Organe,
nig subendothelialem Bindegwebe. Eine sind besonders weite Kapillaren charakteri-
Membrana elastica interna (D4) zwischen stisch. Sie werden als sinusoide Kapillaren
Intima und Media, die aus elastischen Faser- oder Sinusoide bezeichnet.
netzen besteht, ist deutlich auszumachen.
Zwischen Arteriolen und postkapillären Ve-
Mit zunehmender Entfernung vom Herzen
nulen (S. 90) können Kurzschlussverbin-
nehmen die elastischen Fasernetze in der
dungen existieren, die als arteriovenöse Ana-
Tunica media ab und die glatten Muskelzel-
stomosen bezeichnet werden und vor allem
len überwiegen. Die Tunica externa ist bei
an den Akren (Nase, Fingerspitzen etc.) und
mittelgroßen Arterien am besten ausgebil-
in Schwellkörpern zu finden sind.
det und kann häufig durch eine Membrana
elastica externa (D5) von der Media abge-
grenzt sein.
Arteriolen (F) sind präkapilläre Arterien
(terminale Äste der Arterien), die nur mehr
einen Durchmesser von 20 – 40 µm haben.
Regionale Unterschiede im Wandaufbau – arterieller Schenkel 89

Herz-Kreislauf-System
1

A Aorta

B,C Windkesselfunktion,
Systole, Diastole

4
5

6 D Große,herzferne
Arterie

I IV

II III

H Endothelformen, E Kleine, herzferne


elektronenmikroskopisch Arterie

G Kapillare F Arteriole
90 Herz-Kreislauf-System: Aufbau und Funktion von Blut- und Lymphgefäßen
Herz-Kreislauf-System

Regionale Unterschiede im seits von Endothel überzogen. Der Form


Wandaufbau - venöser Schenkel nach sind sie zweiteilige Taschenklappen.
Funktionelle Anatomie. Während es in einigen
Venulen (B). Der venöse Schenkel des Ka-
Organen keine Venenklappen gibt (z. B. Gehirn,
pillarbetts geht zunächst in Venulen über, Niere, Leber), sind sie in der unteren Körperhälfte
bei denen prinzipiell 3 verschiedene Ab- häufig: An der unteren Extremität wird die Wand
schnitte unterschieden werden: Postkapillä- der Venen bei Kontraktion der Skelettmuskulatur
re Venulen haben einen Durchmesser bis zu eingedrückt und der Veneninhalt durch die Ta-
30 µm und besitzen noch keine glatten schenklappen herzwärts gelenkt, sog. „Muskel-
Muskelzellen in ihrer Wand. Sammelvenulen pumpe“. Der venöse Rückstrom zum Herzen wird
haben einen Durchmesser bis zu 50 µm und darüber hinaus durch die arterio-venöse Kopplung
(F) gefördert: Die meist 2 Begleitvenen der mitt-
weisen bereits eine Tunica media aus Fibro-
leren und kleineren Arterien sind durch Bindege-
zyten und kontraktilen Zellen auf. Sie gehen
webe so an die Arterienwand gekoppelt, dass de-
in muskuläre Venulen (B) über, die einen ren Pulswelle das Venenlumen einengt und das
Durchmesser bis zu 100 µm besitzen und in Blutvolumen in der Vene herzwärts schiebt.
der Tunica media ihrer dünnen Wand unre-
gelmäßig angeordnete glatte Muskelzellen Große herznahe Venen. In der oberen Kör-
aufweisen. Diese erlauben es den Venulen, perhälfte haben ihre Wände wenig glatte
das Gefäßlumen zu verändern. In manchen Muskelzellbündel. Hingegen weist das
Organen sind die Venulen seenartig erwei- Stammgefäß der unteren Körperhälfte, V.
terte Blutspeicher, sog. sinusoide Venen cava inferior (G), eine große Menge glatter
oder venöse Sinus. Muskelzellen auf: Im subendothelialen Bin-
degewebe der Tunica interna (G1) finden
Herzferne Venen (C). Die Venulen leiten sich längsgerichtete Muskelbündel, die
das Blut in kleine herzferne Venen über. schmale Tunica media (G2) beherbergt eini-
Grundsätzlich variiert deren Wandaufbau in ge zirkulär gerichtete Bündel und die enorm
Abhängigkeit von der Gefäßgröße und der breite Tunica externa (G3) ist reich an Bün-
jeweiligen Körperregion. Im Allgemeinen ist deln von längsgerichteten Muskelzellen.
die Venenwand dünner als die Wand der Insgesamt nehmen Venen große Blutmen-
entsprechenden Arterie und es fehlt häufig gen bei geringen Druckänderungen auf, es
die klare Dreischichtung. sind „Kapazitätsgefäße“.
In den kleinen Venen ist die Tunica interna
(C1) auf Kosten des subendothelialen Bin- Klinischer Hinweis. Durch übermäßige Erwei-
degewebes nur schwach ausgebildet, die terung der Venen (meist an der unteren Extre-
dünne Tunica media (C2) besteht aus glatten mität) können die Venenklappen insuffizient
Muskelzellen, die in flachen Schraubentou- werden, es kommt zu Aussackungen der Ve-
ren verlaufen und von Bindegewebe beglei- nenwand, Varizen bzw. Krampfadern.
tet werden. Die Tunica media geht fließend
in die Tunica externa (C3) über, die aus kol- Lymphgefäße. Der Wandaufbau der
lagenen Fasern, elastischen Netzen und mit Lymphgefäße und der Lymphstämme
zunehmendem Kaliber der Vene auch aus gleicht dem der Venen. Lymphkapillaren
Bündeln glatter Muskelzellen besteht. bestehen aus einer Lage von Endothelzellen
Kleine Venen bilden die Wurzeln von großen und haben oft keine Basalmembran.
herzfernen Venen (D), die in der Regel ähnlich
aufgebaut sind wie die kleineren Venen. Die
Menge an glatten Muskelzellen der Tunica
externa vergrößert sich mit zunehmendem
Kaliber der venösen Blutgefäße. Im Inneren
der Venen von Rumpfwand und Extremitä-
ten finden sich Venenklappen (DE). Sie wer-
den von der Tunica interna gebildet, d. h. sie
bestehen aus Bindegewebe und werden all-
Regionale Unterschiede im Wandaufbau – venöser Schenkel 91

Herz-Kreislauf-System
1 2

G Vena cava inferior

E Venenklappen

D Große, herzferne Venen

2
1
3

C Kleine, herzferne Venen

B Venule

A Kapillare F Arteriovenöse Koppelung


Herz-Kreislauf-System
92
Atmungssystem

Übersicht 94
Nase 96
Kehlkopf 108
Trachea 118
Lunge 122
Mediastinum 136
94 Atmungssystem: Übersicht

Übersicht Nasennebenhöhlen, Sinus paranasales, und


der Rachen. Die Nasennebenhöhlen sind
Anatomische Gliederung pneumatische Räume in jenen Schädelkno-
chen, die Verbindung zur Nasenhöhle ha-
Die primäre Aufgabe der Organe des At- ben. Im Rachen kreuzen sich Atemweg und
Atmungssystem

mungssystems, Apparatus respiratorius, Nahrungsweg. Die unteren Luftwege liegen


besteht in der „äußeren Atmung“: Über die in Hals und Thorax und bestehen aus dem
Atmungsorgane wird Sauerstoff aus der Luft Kehlkopf, der Luftröhre und der gesamten
aufgenommen und Kohlendioxid aus dem Aufzweigung des Brochialbaums bis hin zu
Blut abgegeben. Das Atmungssystem be- den gasaustauschenden Flächen der Alveo-
steht zu diesem Zweck aus gasaustauschen- len. Die Lungen sind im Thorax in den serö-
den Flächen und luftleitenden Wegen. Die sen Pleurahöhlen (A7) untergebracht, die
gasaustauschenden Flächen sind mit einer Ge- nach medial an das Mediastinum grenzen.
samtoberfläche von ca. 200 m2 sehr groß
Die Atmungsorgane gehen als Derivate des Kopf-
und setzen sich aus den blind endenden
darms aus dem inneren Keimblatt, Entoderm, her-
Lungenbläschen, Alveoli pulmonis, zusam- vor (s. S. 324).
men, die einen großen Teil der Lungen, Pul-
Beachte: Um die komplexe topografische Situation
mones (A1), ausmachen. Über die luftleiten-
von Nasenhöhlen und Nasennebenhöhlen leich-
den Wege Nase/Nasus und Nasenhöhle/Cavi- ter lernen zu können, empfiehlt sich eine Wieder-
tas nasi (A2), Rachen/Pharynx (A3), Kehl- holung des Studiums des Viszerokraniums und
kopf/Larynx (A4), Luftröhre/Trachea (A5) seiner Einzelknochen. Am Aufbau von Nasenhöh-
und einen in vielen Teilungsgenerationen len und Nasennebenhöhlen sind beteiligt: Concha
aufgespaltenen Bronchialbaum (A6) gelangt nasalis inferior, Maxilla, Os ethmoidale, Os nasale,
die Atemluft in die Lungenalveolen. Wäh- Os palatinum, Os sphenoidale und Vomer.
rend die Hauptbronchien außerhalb der
Lunge gelegen sind, befindet sich der größte
Teil des sich aufteilenden Bronchialbaums
in der Lunge. Die eingeatmete Luft wird auf
ihrem Weg durch die luftleitenden Organe
bis in die Lungenalveolen auf mehrfache
Weise gereinigt, befeuchtet und erwärmt.
Die Atmungsorgane besitzen neben der
Aufgabe des Gasaustausches noch weitere
Funktionen. Hierzu zählen die Reinigungs-
und Schutzfunktion durch den gesamten luft-
leitenden Atemapparat, die Laut- und Stimm-
bildung durch den Kehlkopf und die benach-
barten Strukturen sowie die Geruchswahr-
nehmung durch das in der Nase angesiedelte
Geruchsorgan.

Klinisch orientierte Gliederung


Neben der funktionellen Gliederung kön-
nen die Atmungsorgane aus klinischen Er-
wägungen in die oberen und unteren Luft-
wege gegliedert werden. Die oberen Luft-
wege liegen vornehmlich im Kopf. Zu ihnen
werden alle Strukuren gerechnet, die ober-
halb des Kehlkopfes gelegen sind. Das sind
die Nasenhöhlen mit den angeschlossenen
Anatomische und klinische Gliederung des Atmungssystems 95

Atmungssystem
2

6
1 1

A Organe des Atmungssystems


96 Atmungssystem: Nase

Nase spitze ist sie dick. Sie enthält zahlreiche gro-


ße Talgdrüsen.
Äußere Nase
Die meist ellipsoiden Nasenlöcher, Nares (D),
Die frei aus dem Gesicht vorspringende äu- bilden den Eingang zur rechten und linken
Atmungssystem

ßere Nase, Nasus externus (A), mit ihrem Nasenhöhle, Cavitas nasi, denen jeweils ein
Knochen- und Knorpelgerüst ist nur dem Nasenhöhlenvorhof, Vestibulum nasi (D12),
Menschen eigen und verleiht dem Gesicht vorgelagert ist. Das Lumen des Vestibulum
des Menschen ein charakteristisches Profil. nasi wird von Haut ausgekleidet und ist mit
Im Bereich der Nasenwurzel, Radix nasi (A1), kurzen, borstenartigen Haaren, Vibrissae
ist das Gerüst der Nase knöchern (B). Es be- (D13), besetzt, die reusenartig das Eindrin-
steht aus den beiden Nasenbeinen, Ossa na- gen großer Partikel aus der eingeatmeten
salia (B2), und den Processus frontales der Luft verhindern. Die Öffnung der Nasenlö-
Maxilla (B3) (Bd. 1 S. 292), die vorne die Na- cher liegt in einer annähernd transversalen
senöffnung, Apertura piriformis (B4), um- Ebene.
rahmen. Letztere wird durch Platten und
Spangen aus hyalinem Knorpel, Cartilagines Gefäße, Nerven und Lymphabfluss
nasi, ergänzt (C): Die paarige, dreieckige Die äußere Nase wird von der A. angularis
Knorpelplatte des Processus lateralis (C5) aus der A. facialis, der A. dorsalis nasi aus der
bildet die Grundlage für die seitliche Nasen- A. ophthalmica und der A. infraorbitalis aus
wand und den Nasenrücken, Dorsum nasi der A. maxillaris versorgt; der venöse Ab-
(AC6), und biegt nach medial in den Knorpel fluss erfolgt über die V. facialis und die V.
der Nasenscheidewand um (S. 100). Das ophthalmica superior (Bd. 1 S. 336).
Stützgerüst des Nasenflügels, Ala nasi (AC7),
wird jeweils von einem großen gebogenen Die sensible Innervation der Haut der äuße-
Nasenflügelknorpel, Cartilago alaris major ren Nase erfolgt durch Äste des N. ophthalmi-
(C8), und 3 – 4 kleinen Nasenflügelknorpeln, cus und des N. maxillaris (Bd. 1 S. 336), die
Cartilagines alares minores, gebildet. Die motorische Innervation der mimischen
Cartilago alaris major umrahmt das Nasen- Muskeln um die Nase durch die Rami bucca-
loch, Naris (C9), mit einem lateral gelegenen les des N. facialis.
Crus laterale (C8 a) und einem septumwärts Der Lymphabfluss erfolgt zusammen mit
gerichteten Crus mediale (C8 b). Im Bereich der Lymphe aus Ober- und Unterlippe und
der Nasenspitze, Apex nasi (AD10), entsteht Wange zu den Lnn. submandibulares.
zwischen den umbiegenden großen Nasen-
flügelknorpeln beider Seiten eine kleine Klinischer Hinweis. Zwischen medialem Lid-
Rinne. Die Nasenknorpel sind untereinan- winkel und Nasenwurzel bestehen venöse
der und mit den benachbarten Knochen Anastomosen zwischen dem Stromgebiet der
über faserreiches Bindegewebe verbunden. V. facialis und der V. ophthalmica. Auf diesem
Sie verleihen der äußeren Nase eine gewisse Wege können bei Entzündungen der seitlichen
Steifigkeit und gewährleisten, dass die paa- Gesichtsregion und der äußeren Nase Keime in
rige Nasenhöhle und die Nasenlöcher offen- die tiefen venösen Sinus der Schädelhöhle ge-
gehalten werden. langen und zur Sinusvenenthrombose führen.

Subkutan liegen im Bereich der Nase etliche


mimische Muskeln (Bd. 1 S. 320), deren Fasern
großenteils in der Haut der Nasenflügel und
der Nasolabialfurchen (A11) inserieren. Die-
se Muskeln haben nicht nur Einfluss auf die
nasale Mimik, sondern sie dienen auch der
Erweiterung und Verengung der Nasenlöcher.
Die Haut der äußeren Nase ist dünn, ledig-
lich über den Nasenflügeln und der Nasen-
Äußere Nase 97

1 2

Atmungssystem
3

7 4
10
11
9

A Äußere Nase B Knöchernes Nasenskelett

10

6
12

13
5

D Nasenlöcher

8a

8b 9

C Nasenknorpel
98 Atmungssystem: Nase

Nasenhöhle ferhöhle. Oberhalb dieses Fortsatzes wölbt


sich die große vordere Siebbeinzelle, Bulla
Die Nasenhöhle, Cavitas nasi, wird durch ethmoidalis, vor (S. 104). Die dünne untere
die Nasenscheidewand, Septum nasi, in eine Nasenmuschel bedeckt den Meatus nasi infe-
rechte und eine linke Hälfte unterteilt. Durch rior, in den der Tränennasengang mündet.
Atmungssystem

die beiden äußeren Nasenlöcher öffnet sich


die paarige Nasenhöhle nach vorne unten Schleimhautrelief (B). Es werden 3 Ab-
und außen, nach hinten geht sie beiderseits schnitte unterschieden: Das vorne gelegene
über das innere Nasenloch, Choana, konti- Vestibulum nasi, die Pars respiratoria und
nuierlich in den oberen Rachenraum, Pars die Pars olfactoria. Das Vestibulum nasi bildet
nasalis pharyngis, über. Jede Hälfte der Na- den Eingang in die Nasenhöhle. Es liegt in-
senhöhle besitzt einen Boden, ein Dach, eine nerhalb der Nasenlöcher und wird von äu-
laterale und eine mediale Wand. Am Boden ist ßerer Haut (mehrschichtiges verhorntes
die Nasenhöhle breit, am Dach stellt sie nur Plattenepithel) ausgekleidet. Gegen die Pars
noch eine schmale Rinne dar. respiratoria ist das Vestibulum nasi durch ei-
ne bogenförmige Schwelle, Limen nasi
Laterale Wand (B10), abgegrenzt. Die Pars respiratoria
spiegelt das knöcherne Relief der lateralen
Knöcherner Aufbau (A). Die knöcherne la- Nasenwand, insbesondere der vorspringen-
terale Wand der Nasenhöhle wird vorne von den Nasenmuscheln, wider. Ihre Schleim-
der Maxilla (A1), hinten von der Lamina per- haut wird von zweireihigem Flimmerepithel
pendicularis ossis palatini (A2) und oben vom bedeckt und enthält zahlreiche gemischte
Os ethmoidale (A3) gebildet. Das Os ethmoi- Drüsen, Glandulae nasales. Die Pars olfactoria
dale enthält zahlreiche unterschiedlich gro- beschränkt sich an der lateralen Nasenwand
ße Siebbeinzellen, Cellulae ethmoidales, und auf die Region über der oberen Nasenmu-
bildet die knöcherne Grenze zwischen Na- schel (AB4).
senhöhle und Orbita. Auch die beiden dün-
nen Knochenlamellen der oberen Nasen- Gefäße und Nerven (C). Die seitliche Na-
muschel, Concha nasalis superior (AB4), und senwand wird vorne und oben von Ästen
der mittleren Nasenmuschel, Concha nasalis der Aa. ethmoidalis anterior (C11) und poste-
media (AB5), gehören zum Siebbein. Die un- rior (C12) aus der A. ophthalmica versorgt,
tere Nasenmuschel, Concha nasalis inferior hinten und unten von Ästen der A. sphenopa-
(AB6), ist ein eigenständiger Knochen. Jede latina (C13) aus der A. maxillaris. Der venöse
Nasenmuschel bedeckt einen gleichnami- Abfluss erfolgt entlang der Arterien über Vv.
gen Nasengang, Meatus nasi, in den sich die ethmoidales in die V. ophthalmica, durch die
Nasennebenhöhlen und der Tränengang öff- Incisura sphenopalatina über den venösen
nen (S. 104). Die kleine obere Nasenmuschel Plexus pterygoideus und aus dem Vestibulum
bedeckt den Meatus nasi superior, in den die nasi über die V. facialis. Vorne und oben wird
hinteren Siebbeinzellen münden. Zwischen die Nasenschleimhaut über sensible Äste
der oberen Nasenmuschel, dem angrenzen- aus dem N. ophthalmicus, hinten und unten
den Corpus ossis sphenoidalis (A7) und dem über Äste aus dem N. maxillaris versorgt. Die
Septum nasi liegt der schmale Recessus sphe- Nerven verlaufen in Begleitung der Arterien
noethmoidalis (A8), in den die Keilbeinhöhle und sind gleichnamig benannt. Die Innerva-
mündet. Etwas kaudal hiervon findet sich tion der Nasendrüsen ist identisch mit der-
die Incisura sphenopalatina (A9), die Verbin- jenigen der Tränendrüse (Bd. 3 S. 128).
dung zur Fossa pterygopalatina. Die mittlere
Nasenmuschel ist groß und bedeckt den Klinischer Hinweis. Am Übergang zwischen
Meatus nasi medius, in den die Stirnhöhle, die Vestibulum nasi und der eigentlichen Nasen-
höhle befindet sich ein etwa 1,5 mm breiter
Kieferhöhle und die vorderen Siebbeinzellen
Schleimhautbezirk mit einem ausgeprägten
münden. In den Meatus nasi medius ragt Kapillargeflecht, Locus Kiesselbachii. Dieser
der untere Teil des Siebbeins, Processus un- Schleimhautstreifen ist bevorzugter Ort für
cinatus, und bedeckt die Mündung der Kie- das Nasenbluten.
Nasenhöhle 99

8 9

Atmungssystem
1

5 7

6 2

A Seitliche Nasenwand,
knöchern

5
10
6
B Seitliche Nasenwand,
Schleimhaut

12

11

13

C Seitliche Nasenwand,
Arterien und Nerven
100 Atmungssystem: Nase

Nasenhöhle, Fortsetzung Schleimhaut (B). Der gegenüber der unte-


ren und mittleren Nasenmuschel gelegene
Mediale Wand
Schleimhautabschnitt gehört zur Pars respi-
Die Nasenscheidewand, Septum nasi (A), ratoria. Er enthält gut entwickelte kavernöse
reicht ein Stück weit aus der Nasenhöhle in Schwellkörper, deren vorderster Teil oft als
Atmungssystem

die äußere Nase vor. Es besteht hinten und Schleimhautverdickung zu erkennen und
unten aus einem knöchernen Anteil, Pars os- häufigster Ort des Nasenblutens ist. Die Pars
sea, vorne aus Knorpel und Bindegewebe, olfactoria liegt im oberen, an die Lamina cri-
Pars cartilaginea und Pars membranacea. brosa grenzenden Teil des Septums.
Pars ossea (A). Sie wird im oberen Teil von Gefäße, Nerven und Lymphabfluss (C). Das
der Lamina perpendicularis ossis ethmoidalis Nasenseptum wird wie die laterale Nasen-
(A1) gebildet. Diese sagittal gestellte Kno- wand vorn und oben von Ästen der Aa. eth-
chenlamelle ist in das knöcherne Dach der moidales anterior (C13 a) et posterior (C13 b)
Nasenhöhle eingelassen, das vorn und oben aus der A. ophthalmica versorgt, hinten von
aus dem Os nasale (A2) und der Pars nasalis Ästen der A. sphenopalatina (C14) aus der A.
ossis frontalis (A3) besteht, zentral und oben maxillaris. Durch den Canalis incisivus (C15)
wird es von der Lamina cribrosa ossis ethmo- im harten Gaumen anastomosiert die A.
idalis (A4) gebildet, hinten vom Corpus ossis sphenopalatina mit der A. palatina major.
sphenoidalis (A5). An die Lamina perpendi- Der venöse Abfluss des Nasenseptums ent-
cularis des Siebbeins schließt sich nach vorn spricht weitestgehend dem der lateralen
und unten das Pflugscharbein, Vomer (A6), Nasenwand. Die sensible Innervation er-
an. Dieser unpaare Knochen ist kaudal in folgt über Äste des N. ophthalmicus und des
den knöchernen Boden der Nasenhöhle ein- N. maxillaris. Einer der septalen Endäste aus
gelassen, der aus dem Proc. palatinus der Ma- dem N. maxillaris zieht als N. nasopalatinus
xilla (A7) und der Lamina horizontalis ossis pa- (C16) durch den Canalis incisivus zur Unter-
latini (A8) besteht. Nach hinten oben seite des Gaumens. Die Lymphe aus dem
schließt der Vomer an das Os sphenoidale vorderen Bereich der Nase fließt zu den Lnn.
an. Der freie hintere Rand des Vomers bildet submandibulares et cervicales superficiales,
die mediale Begrenzung der Choane (A9). aus dem hinteren Bereich zu den Lnn. retro-
pharyngei et cervicales profundi.
Pars cartilaginea und membranacea (A).
Zwischen den beiden dünnen Knochenla- Histologie der Nasenschleimhaut. Die
mellen des Nasenseptums bleibt vorne eine Schleimhaut der Pars respiratoria ist von
Lücke frei, in welche der knorpelige Teil der zweireihigen Flimmerepithel bedeckt, dessen
Nasenscheidewand eingelassen ist, Cartilago Zilien rachenwärts schlagen und den von Be-
septi nasi (A10). Mit einem dünnen, variabel cherzellen und kleinen Nasendrüsen, Glan-
ausgebildeten Processus posterior (A11) dulae nasales, produzierten Schleim auf der
schiebt sich der Nasenscheidewandknorpel Oberfläche verteilen. In der Schleimhaut
zwischen die beiden Knochenlamellen. Am liegen Venen, die insbesondere in der Wand
Nasenrücken setzt sich der Nasenscheide- der Muscheln Schwellkörper, Plexus caver-
wandknorpel T-förmig in den Processus la- nosi concharum, bilden. Das Epithel der Pars
teralis der äußeren Nase fort (S. 96). Nach olfactoria besteht aus Riech-, Stütz- und Basal-
unten schließt sich das Crus mediale (A12) zellen und ist mit 400 – 500 µm dicker als die
des Nasenflügelknorpels dem knorpeligen Pars respiratoria (Bd. 3 S. 334).
Nasenseptum an. Zwischen knorpeligem
und knöchernem Teil des Nasenseptums Klinischer Hinweis. Bei starker Deviation des
liegt eine verdickte knorpelige Leiste, Carti- Nasenseptums zu einer Seite kann die Nasen-
lago vomeronasalis. Die Nasenscheidewand atmung auf dieser Seite erheblich behindert
weicht an dieser Stelle beim Erwachsenen sein.
meist zu einer Seite ab, Septumdeviation, so
dass die Größe der Nasenhöhle auf beiden
Seiten meist recht unterschiedlich ist.
Nasenhöhle, Fortsetzung 101

Atmungssystem
2

1 5

10 11
6 9

7 8
12

A Nasenscheidewand,
knöchern und knorpelig

B Nasenscheidewand,
Schleimhautbild

13 b

13 a

14

15
C Nasenscheidewand,
Arterien- und
16 Nervenversorgung
102 Atmungssystem: Nase

Nasennebenhöhlen höhle und füllt den Körper der Maxilla aus.


Das Dach ist gleichzeitig Boden der Orbita.
Die Nasennebenhöhlen, Sinus paranasales Ventral und seitlich wird die Kieferhöhle von
(A – C), sind paarig angelegte und von der Gesichtsfläche der Maxilla begrenzt,
Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume in nach dorsal wölbt sie das Tuber maxillae (B8)
Atmungssystem

den der Nasenhöhle benachbarten Knochen. vor, medial grenzt sie an die Nasenhöhle. Der
Sie stehen über schmale Öffnungen in der Boden der Kieferhöhle reicht in den Zahnbo-
lateralen Nasenwand mit der Nasenhöhle in gen der Maxilla, der tiefste Punkt liegt zwi-
Verbindung, über die sich das respiratori- schen den Mahlzähnen und dem 1. Backen-
sche Epithel der Nasenhöhle kontinuierlich zahn. Die Öffnung der Kieferhöhle liegt an
in die Nasennebenhöhlen fortsetzt. Es ist ihrem Dach und führt in den mittleren Na-
dort jedoch dünner und schlechter durch- sengang.
blutet. Die Anlagen der Nasennebenhöhlen
sind bei der Geburt bereits vorhanden, doch Sinus sphenoidalis (BC9). Die paarige Keil-
bilden sie sich erst nach Durchbruch der beinhöhle liegt im Corpus ossis sphenoida-
bleibenden Zähne zu ihrer vollständigen lis hinter der Nasenhöhle, aus deren hinte-
Größe und Form aus. rem Teil sie ursprünglich hervorgegangen
ist. Zwischen der variabel ausgebildeten
Sinus frontalis (AB1). Die Stirnhöhle liegt rechten und linken Keilbeinhöhle liegt ein
beiderseits hinter dem Arcus superciliaris Septum, das asymmetrisch zu einer Seite
(AB2) des Stirnbeins. Zwischen rechter und verschoben sein kann. Die Keilbeinhöhle
linker Stirnhöhle liegt ein Septum (A3), das grenzt vorne an die Siebbeinzellen, vorne und
die variabel ausgebildeten und meist asym- oben an den Canalis opticus, hinten und oben
metrischen Höhlen trennt und häufig von an die Fossa hypophysialis (B10) mit der Hy-
der Mittellinie abweicht. Das Dach und die pophysis cerebri (C11), lateral an den Sulcus
hintere Wand der Stirnhöhle grenzen an die caroticus mit topografischer Beziehung zur
vordere Schädelgrube, am Boden trennt eine A. carotis interna (C12) und zum Sinus caver-
häufig nur dünne Knochenlamelle die Stirn- nosus (C13). Die Keilbeinhöhle mündet in
höhle von der Orbita (A4). Der Abfluss des den Recessus sphenoethmoidalis.
Stirnhöhlensekretes erfolgt in den mittleren
Nasengang. Gefäße, Nerven und Lymphabfluss. Die ar-
terielle Versorgung, die venöse Drainage der
Sinus ethmoidales (AB5). Die Siebbeinzel- Nasennebenhöhlen und ihr Lymphabfluss
len sind zahlreiche, unvollständig getrennte entsprechen denen der Nasenhöhle.
dünnwandige Kammern im Os ethmoidale,
die zusammen das Siebbeinlabyrinth bil- Klinischer Hinweis. Durch die offene Verbin-
den. Auf jeder Seite wird eine vordere, mittle- dung zwischen Nasenhöhle und Nasenneben-
re und hintere Gruppe von Siebbeinhöhlen oder höhlen können sich Infektionen der Nasen-
-zellen unterschieden. Sie sind in ihrer Aus- schleimhaut auch auf die Nasennebenhöhlen
bildung sehr variabel. Die größte Siebbein- ausbreiten (Sinusitis). Schlechtere Durchblu-
zelle, Bulla ethmoidalis, liegt an der lateralen tung und ungünstig gelegene Öffnungen sind
Nasenwand oberhalb des Hiatus semiluna- Ursachen dafür, dass das Sekret aus den Na-
sennebenhöhlen häufig nur erschwert abfließt
ris. Medial grenzen die Siebbeinzellen an den
und dadurch chronische Entzündungen entste-
oberen Teil der Nasenhöhle (A6), lateral an hen. Entzündungen der Cellulae ethmoidales
die Orbita, von der sie lediglich durch eine können durch die dünne Lamina orbitalis des
papierdünne Knochenlamelle getrennt Os ethmoidale in die Orbita durchbrechen. Na-
werden. Kranial liegen sie benachbart zur senhöhle und Keilbeinhöhle werden als opera-
vorderen Schädelgrube, kaudal zur Kieferhöh- tiver Zugangsweg zur Hypophyse genutzt (C).
le. Die Siebbeinzellgruppen münden je nach
ihrer Lage in den mittleren oder oberen Na-
sengang.
Sinus maxillaris (A-C7). Die Kieferhöhle ist
mit ca. 12 – 15 ml die größte Nasenneben-
Nasennebenhöhlen 103

Atmungssystem
2
3 1 2 Stirnbeinhöhlen
9 Keilbeinhöhlen
5 Siebbeinhöhlen
7 Kieferhöhlen
5 4

6
7

A Nasennebenhöhlen,
Projektion von vorne
1
2
10

5
9

B Nasennebenhöhlen,
Projektion von der Seite
7
12

9 13

11

C Nasennebenhöhlen und
Keilbeinhöhlen, Transversalschnitt
104 Atmungssystem: Nase

Mündungen der und der Processus uncinatus (C9) angetrof-


Nasennebenhöhlen, Nasengänge fen. Das Septum nasi (C18) besteht in diesem
Bereich aus knorpeligen und knöchernen
Zwischen Hinterrand der oberen Nasenmu- Anteilen. Von den Nasennebenhöhlen ist
schel (A-C1) und Vorderrand des Keilbein- nur der Sinus maxillaris (C12) und dessen
Atmungssystem

körpers liegt der Recessus sphenoethmoidalis Mündung in den mittleren Nasengang zu er-
(A2), in den der Sinus sphenoidalis (AB3) kennen.
mündet. Die Wölbung der hinteren Sieb-
beinzellen (A4) verdeckt diese häufig nur Im Frontalschnitt durch das hintere Drittel
schwer zugängliche Öffnung. der Nasenhöhle sind an der lateralen Nasen-
wand alle Muscheln zu erkennen. Das Sep-
In den unter der oberen Nasenmuschel ge- tum ist ausschließlich knöchern, von den
legenen oberen Nasengang, Meatus nasi supe- Nebenhöhlen erkennt man neben dem hin-
rior (AC5), münden mit 1 – 2 Öffnungen die teren Teil der Kieferhöhle die hinteren Sieb-
hinteren Siebbeinzellen. beinzellen.
Die komplizierten Verhältnisse des unter C19 Sinus ethmoidalis.
der mittleren Nasenmuschel (BC6) gelege- Die ausgedehnten Venengeflechte der Na-
nen mittleren Nasenganges, Meatus nasi me- senmuscheln sind von praktischer Bedeu-
dius (A – C7), werden erst nach Entfernen tung, da sie eine Schwellkörperfunktion
der mittleren Nasenmuschel sichtbar. Im ausüben. Im Bereich der Mündungen der
mittleren Nasengang liegt ein bogenförmi- Nasennebenhöhlen bilden die Schwellkör-
ger Spalt, Hiatus semilunaris (AB8), der von per Polster, die je nach Reiz die ohnehin en-
unten durch eine den Processus uncinatus gen Öffnungen erweitern oder verengen
(A9) bedeckende Schleimhautfalte, von können.
oben durch die sich vorwölbende Bulla eth-
moidalis (A10) begrenzt wird. Über den Hia- Klinischer Hinweis. Der mittlere Nasengang
tus semilunaris münden vorne und oben die ist der Zugangsweg bei endoskopischen Ope-
Stirnhöhle (AB11), dahinter die vorderen Sieb- rationen zur Behandlung einer chronischen Si-
beinzellen und am tiefsten Punkt die Kiefer- nusitis an Stirnhöhle, Kieferhöhle und Sieb-
höhle (C12). Oberhalb der nach oben offenen beinzellen.
Bulla ethmoidalis liegt die Öffnung der mitt-
leren Siebbeinzellen.
In den vorderen Teil des unterhalb der unte-
ren Nasenmuschel (A – C13) gelegenen un-
teren Nasenganges, Meatus nasi inferior
(AC14), mündet der Tränennasengang, Duc-
tus nasolacrimalis (A15). Seine Öffnung, Aper-
tura ductus nasolacrimalis, wird durch eine
Schleimhautfalte eingeengt.
Als Meatus nasopharyngeus (A16) wird das
Gebiet vom Hinterrand der Nasenmuscheln
bis zu den Choanen bezeichnet. Hier liegt
auf Höhe der mittleren Nasenmuschel das
Foramen sphenopalatinum (A17).

Frontalschnitte durch die Nasenhöhle (C)


Im Frontalschnitt zwischen vorderem und
mittlerem Drittel der Nasenhöhle sind von
der lateralen Nasenwand lediglich die unte-
re (C13) und die mittlere (C6) Nasenmuschel
Mündungen der Nasennebenhöhlen, Nasengänge 105

7
10
5
11 4
1
A Seitliche knöcherne Nasenwand 2

Atmungssystem
nach Wegnahme der Muscheln

3
9

17

15 13 8 16
14
11

1
3
6

8 7 Stirnbeinhöhlen
Keilbeinhöhlen
Siebbeinzellen
13 Kieferhöhlen

B Ausmündungen der
Nasennebenhöhlen

19

1
5
9 6
7
12 18 12
14

C Nasenhöhlen und
Keilbeinhöhlen, 13
Frontalschnitte
106 Atmungssystem: Nase

Hintere Nasenlöcher begrenzt. Nach unten bildet der weiche Gau-


men, Palatum molle (BC17) (S. 146), die
Jede Nasenhöhle mündet über ein hinteres Grenze zur mittleren Etage des Pharynx,
Nasenloch, Choana, in die obere Etage des Pars oralis pharyngis (Oropharynx). In der
Rachens, Pars nasalis pharyngis (auch Naso- Kuppel des Rachengewölbes, Fornix pharyn-
Atmungssystem

pharynx oder Epipharynx). gis (C18), sowie in der oberen Rück- und Sei-
Knöcherne Begrenzung (A). Sie wird krani- tenwand des Nasopharynx liegt lymphati-
al vom Corpus ossis sphenoidalis (AC1) gebil- sches Gewebe, das in seiner Gesamtheit als
det, das kranial und lateral in die Wurzel der Tonsilla pharyngealis (C19) (S. 416) bezeich-
Lamina medialis des Processus pterygoideus net wird. In der seitlichen Wand liegt in et-
(A2) übergeht. Diese wird vom Canalis pte- wa 1 – 1,5 cm Entfernung zum hinteren
rygoideus (A3) durchbohrt. Die mediale Rand der unteren Nasenmuschel die Mün-
Wand wird von der sagittal gestellten Kno- dung der Ohrtrompete, Ostium pharyngeum
chenplatte des Vomer (A4) gebildet, das sich tubae auditiva (C20). Diese Öffnung führt in
kranial mit der Ala vomeris (A5) in das Dach die Ohrtrompete, Tuba auditiva, die den Na-
der Choane einfügt. Kaudal wird der Vomer sopharynx mit dem Mittelohrraum verbin-
von der Spina nasalis posterior (A6) des Os det. Die Tubenmündung wird vom Tuben-
palatinum fortgesetzt. Letzteres bildet mit knorpel umrahmt, der vor, oberhalb und
seiner Lamina horizontalis (A7) die untere hinter der Öffnung die Schleimhaut als To-
Begrenzung der Choane. Die laterale Umran- rus tubarius (C21) vorwölbt. Hinter dem To-
dung wird von der Lamina perpendicularis rus tubarius liegt der Recessus pharyngeus
ossis palatini gebildet, der sich weiter außen (C22). Unterhalb der Tubenmündung liegt
die Lamina medialis des Proc. pterygoideus eine weniger prominente Schleimhautvor-
anschließt. Bei Betrachtung der Choanen wölbung, Torus levatorius (C23), die durch ei-
von hinten kann man die untere (A8) und nen Muskel des weichen Gaumens, M. leva-
mittlere (A9) Nasenmuschel sowie die Bulla tor veli palatini, hervorgerufen wird. Bei
ethmoidalis (A10) und den Processus uncina- starker Ausbildung des lymphatischen Ge-
tus (A11) überblicken. webes setzt sich die Tonsilla pharyngealis
auf die Region um die Tubenöffnung fort
A12 Pars basilaris ossis occipitalis, A13 Pars pe- und bildet eine Tonsilla tubaria (S. 416).
trosa ossis temporalis.
Klinischer Hinweis. Eine vergrößerte Rachen-
Schleimhautrelief (B). Das Schleimhautre-
mandel kann bei Kindern vorkommen und die
lief wird durch die knöchernen Strukturen
Choanen verlegen, so dass die Nasenatmung
sowie die Muskeln und Sehnen des weichen behindert ist. Ebenso kann die Tubenmündung
Gaumens bestimmt, welche die hinteren verlegt werden, was zu einer Belüftungsstö-
Nasenlöcher umrahmen. rung der Tuba auditiva führt. Die Tubenmün-
dung kann durch einen entlang dem unteren
BC14 Schnittkante der Pharynxhinterwand, BC15
Nasengang eingeführten Katheter sondiert
Uvula, B16 Zungengrund, B17 weicher Gaumen.
werden. Als Orientierungshilfe dienen die Tu-
benwülste.
Nasopharynx
Der Pharynx wird bei den Verdauungsorga-
nen abgehandelt. Hier wird nur das
Schleimhautbild der ausschließlich als Luft-
weg dienenden Pars nasalis pharyngis (C)
besprochen.
Die Pars nasalis pharyngis schließt sich an
die Choanen an und setzt die oberen Luft-
wege fort. Sie wird oben von der Schädelba-
sis, seitlich und hinten von der Rachenwand
Hintere Nasenlöcher und Nasopharynx 107

13

12

Atmungssystem
3
5

10
11
2

8 9 6 7

A Knöcherne Begrenzung
der hinteren Nasenlöcher

14

1 18

17

19

22

15 16
21 B Schleimhautbild
der hinteren Nasenlöcher
23

14

20

17
C Schleimhaut des Nasenrachens,
15 Mediansagittalschnitt
108 Atmungssytem: Kehlkopf

Kehlkopf laris thyroidea (C11). Die obere Kante der


Ringknorpelplatte trägt je eine Gelenkflä-
Der Kehlkopf, Larynx, ist ein luftleitendes Or- che für die beiden Stellknorpel, Facies arti-
gan, das sich vom unteren Pharynxraum, cularis arytenoidea (C12). Der Ringknorpel
Pars laryngea pharyngis, bis zur Trachea er- liegt beim Erwachsenen in Höhe des 6. Hals-
Atmungssystem

streckt (A). Der Kehlkopf hat die wichtige wirbels.


Aufgabe, die unteren Atemwege gegen den Cartilagines arytenoideae (D). Die beiden
Pharynx zu verschließen. Außerdem wird er überwiegend hyalinen Stellknorpel oder
zur regulierbaren Stimmbildung, Phonation, „Aryknorpel“ sind pyramidenförmig. Sie ha-
eingesetzt. Beim männlichen Erwachsenen ben 3 Flächen, Facies anterolateralis, Facies
ist der Kehlkopf gegenüber dem 3. – 6. Hals- medialis, Facies posterior, und 3 Kanten, fer-
wirbel lokalisiert, bei Frauen und Kindern ner eine Spitze, eine Basis und 2 Fortsätze.
liegt er höher. Die Spitze, Apex (D13), ist nach medial und
Das Gerüst des Kehlkopfs, Kehlkopfskelett, dorsal geneigt und trägt den Spitzenknor-
besteht aus Knorpeln, die durch Bänder und pel, Cartilago corniculata (D14). Die Basis
Membranen verbunden sind und durch (D15) eines jeden Aryknorpels trägt die
Muskeln bewegt werden können. überknorpelte Gelenkfläche, Facies articula-
ris (D16), für das Gelenk mit der Ringknor-
pelplatte. Die Basis läuft in 2 Fortsätze aus:
Kehlkopfskelett
Der Processus muscularis (D17) ist nach late-
Cartilago thyroidea (B). Der hyaline Schild- ral und hinten gerichtet und dient dem An-
knorpel hat 2 vierseitige Platten, Lamina dex- satz von 2 Kehlkopfmuskeln. An dem nach
tra (B1) et sinistra (B2), deren untere Hälften vorn gerichteten Processus vocalis (D18) ist
ventral in der Mittellinie kielartig zusam- das Stimmband befestigt.
menstoßen. Der obere Teil des Kiels steht, Cartilago epiglottica (E). Der elastische
bedingt durch die Form der Platten, am wei- Kehldeckelknorpel, Epiglottis, ist blattför-
testen nach außen vor und ist insbesondere mig und über einen Stiel, Petiolus (E19), an
beim Mann als Prominentia laryngea (B3), der Innenseite des Schildknorpels befestigt
„Adamsapfel“, sicht- und tastbar. Darüber (vgl. A). Die rachenwärts gerichtete vordere
ist der obere Rand zur Incisura thyroidea supe- Fläche (E20) des Kehldeckels ist konvex ge-
rior (B4) eingekerbt. Nach hinten weichen wölbt und wird von einem mehrschichtigen
die Platten auseinander. Ihre hinteren Kan- unverhornten Plattenepithel überzogen, die
ten werden nach oben und unten durch zum Kehlkopfeingang gerichtete hintere Flä-
schlanke Hörner, Cornu superius (B5) und che ist konkav und trägt respiratorisches
Cornu inferius (B6), fortgesetzt. Letzteres Epithel. Die Knorpelplatte des Kehldeckels
trägt eine Gelenkfläche, Facies articularis ist siebartig durchlöchert. In diesen Löchern
cricoidea (B7), für die Verbindung mit dem liegen durchtretende Gefäße und Drüsenpa-
Ringknorpel. Außen ist jede Platte durch ei- kete.
ne schräge Linie, Linea obliqua (B8), in eine
vordere und hintere Facette geteilt. An der Mit Abschluss der Pubertät kommt es in den hya-
vorderen entspringt der M. thyrohyoideus, linen Kehlkopfknorpeln bei beiden Geschlechtern
zu einer Mineralisation und Knochenbildung, die
an der hinteren sind M. sternothyroideus und
bei Männern früher eintritt und vollständiger ab-
M. constrictor pharyngis inferior befestigt. läuft als bei Frauen. Im elastischen Kehldeckel-
Cartilago cricoidea (C). Der hyaline Ring- knorpel treten regressive Veränderungen auf, die
knorpel bildet einen geschlossenen Ring um jedoch nicht zur Verknöcherung führen.
den Luftweg. Er besitzt die Form eines Sie-
Klinischer Hinweis. Entzündungen der Knor-
gelrings mit einer dorsal gelegenen Platte, pel- und Knochenhaut, Perichondritis und Pe-
Lamina cartilaginis cricoideae (C9), und einem riostitis, können sich nach Traumen und Be-
ventral lokalisierten Bogen, Arcus cartilaginis strahlung entwickeln.
cricoideae (C10). An der Verbindung zwi- Frakturen des Kehlkopfskeletts führen zu
schen Lamina und Arcus findet sich kaudal Stimmstörungen und schweren Obstruktionen
auf jeder Seite eine Gelenkfläche für das un- der Atemwege mit Erstickungsgefahr.
tere Horn des Schildknorpels, Facies articu-
Kehlkopfskelett 109

Atmungssystem
1

4 2

7
6
A Lage des Kehlkopfes B Schildknorpel von schräg lateral

12 12

11 10 11
10

C Ringknorpel von dorsal, ventral und lateral

14

13

20
18 18
15
17

D Rechter Stellknorpel 16
19 19
von lateral und medial

E Kehldeckelknorpel
von ventral und lateral
110 Atmungssystem: Kehlkopf

Verbindungen der Kehlkopfknorpel Zwischen den Gelenkflächen an der Basis


der Aryknorpel und der Oberkante der Ring-
Die Kehlkopfknorpel sind untereinander, knorpelplatte liegt beiderseits eine Art. cri-
mit dem Zungenbein und der Luftröhre coarytenoidea (BC18). Das Gelenk wird von
über Bänder, Gelenke und Membranen ver- einer lockeren Kapsel umgeben, die dorsal
Atmungssystem

bunden. vom Lig. cricoarytenoideum (C19) gesichert


wird. In diesen Gelenken sind 2 verschiede-
Kehlkopfbänder (A – C) ne Bewegungen möglich. Die Aryknorpel
Zwischen dem Oberrand des Schildknorpels führen eine Dreh- und Schiebebewegung aus,
(A1) und dem Zungenbein (A2) spannt sich wodurch der Proc. vocalis nach medial oder
die Membrana thyrohyoidea (AB3) aus. Ver- lateral gleitet. Bei der Drehbewegung füh-
stärkte Faserzüge der Membran zwischen ren die Stellknorpel gleichzeitig eine Kipp-
Incisura thyroidea superior (A4) und Zun- bewegung aus. Durch eine Gleitbewegung kön-
genbeinkörper (A5) werden als Lig. thyrohyo- nen die Aryknorpel einander genähert oder
ideum medianum (A6) bezeichnet. Der lateral wieder voneinander entfernt werden. Die
hiervon gelegene Teil der Membran ist dün- Einzelbewegungen werden miteinander
ner und hat Durchtrittslöcher für die Vasa kombiniert, so dass die Procc. vocales einen
laryngea superiora und den R. internus des N. großen Bewegungsradius haben.
laryngeus superior (A7). Zwischen dem obe-
ren Horn des Schildknorpels (A8) und dem Klinischer Hinweis. Im höheren Lebensalter
hinteren Ende des großen Zungenbeinhorns treten im Krikoarytenoidgelenk degenerative
Veränderungen (Arthrose) auf.
(AB9) ist die Membran ebenfalls verstärkt,
Lig. thyrohyoideum laterale (A – C10). In dieses
Band ist ein kleiner Knorpel, Cartilago triti- Kehlkopfmembranen (C–D)
cea (A – C11), eingelassen. Der Unterrand des
Das unter der Schleimhaut des Kehlkopfs
Schildknorpels ist vorn mit dem Arcus des
gelegene Bindegewebe ist reich an elasti-
Ringknorpels durch das Lig. cricothyroideum
schen Fasern und wird in seiner Gesamtheit
medianum (AC12) verbunden, das großen-
als Membrana fibroelastica laryngis be-
teils aus elastischen Fasern besteht. Dieses
zeichnet. Der obere Teil unterlagert die
Band ist Bestandteil des Conus elasticus
Schleimhaut des Kehlkopfs bis zur Taschen-
(AC13). Der Ringknorpel steht kaudal über
falte (S. 114) und besteht aus der schwach
das Lig. cricotracheale (AC14) mit der obersten
ausgebildeten Membrana quadrangularis
Trachealspange in Verbindung. Über das Lig.
(D20). Der freie untere Rand dieser Mem-
thyroepiglotticum (BC15) ist der Stiel der Epi-
bran bildet das Taschenband, Lig. vestibulare
glottis an der Innenseite des Schildknorpel-
(D21). Der untere Teil der Membrana fibro-
bugs angeheftet. Vorne oben ist der Kehldek-
elastica laryngis ist kräftiger und wird als
kel über das Lig. hyoepiglotticum (C16) mit
Conus elasticus (D13) bezeichnet. Er ent-
dem Zungenbeinkörper verbunden.
springt an der Innenseite des Ringknorpels
und setzt sich in die Stimmfalte fort, wo er
Kehlkopfgelenke (A – C)
beiderseits mit seinem verdickten Ende das
Zwischen dem unteren Horn des Schildknor- Lig. vocale (CD22) bildet. Der vordere Teil
pels und der hinteren Seitenfläche der Ring- des Conus elasticus ist derb und bildet das
knorpelplatte ist beiderseits eine Art. crico- zwischen Ring- und Schildknorpel gelegene
thyroidea (A – C17) ausgebildet. Um eine que- Lig. cricothyroideum medianum (AC12).
re Achse durch beide Gelenke kann der
Ringknorpel gegen den Schildknorpel ge- Klinischer Hinweis. Da das Lig. cricothyro-
kippt werden. Durch diese Kippbewegung ideum medianum unterhalb der Stimmritze
wird der Abstand zwischen Innenseite des liegt, kann bei lebensbedrohlichem Verschluss
Schildknorpelbugs und den Procc. vocales der Stimmritze ein Einschnitt oder Einstich
verändert. durch dieses Band den Luftweg künstlich er-
öffnen, Koniotomie.
Verbindungen der Kehlkopfknorpel 111

9 9
2
5 11
11

Atmungssystem
10
3 3 10
6 7
8
1

15

19
18

12 13
17
17

14

A Kehlkopfknorpel und B Kehlkopfknorpel und


Kehlkopfbänder von schräg lateral Kehlkopfbänder von dorsal

10
11

16 20

21
22

15 22

19 13
13 18
D Kehlkopf, Frontalschnitt
12

17
14
C Kehlkopfknorpel und Kehlkopfbänder
in transparenter Ansicht von schräg lateral
112 Atmungssystem: Kehlkopf

Kehlkopfmuskeln den er nach vorn zieht. Dadurch gelangt der


Proc. vocalis zur Mitte und die Pars inter-
Die eigentlichen Kehlkopfmuskeln dienen membranacea der Stimmritze wird ver-
den Bewegungen der Kehlkopfknorpel gegen- schlossen.
einander und beeinflussen Stellung und
M. vocalis (B5). Er entspringt beiderseits
Atmungssystem

Spannung der Stimmbänder. Nach Lage und


Herkunft werden sie in äußere und innere von der Rückfläche des Schildknorpels und
Kehlkopfmuskeln gegliedert. Darüber hinaus zieht zum Proc. vocalis des Stellknorpels. Der
gibt es Muskeln, die den Kehlkopf als Gan- Muskel nähert den Schildknorpel dem Proc.
zes bewegen (infrahyale Muskeln, s. Bd 1 vocalis an und verschließt die Stimmritze
S. 326, und suprahyale Muskeln; M. constric- vollständig, indem er sich bei der Kontrak-
tor pharyngis inferior s. S. 168). tion verdickt. Die weitgehend isometrische
Kontraktion des Muskels dient der Span-
Äußerer Kehlkopfmuskel nung und Feineinstellung der Stimmfalte.
Der M. vocalis setzt sich nach lateral in die
Der M. cricothyroideus (A1), kurz „Anti- breite, aber dünne Muskelplatte des M. thy-
kus”. Er ist der einzige äußere Kehlkopf- roarytenoideus fort.
muskel. Er entspringt beiderseits vorne von
der Ringknorpelspange und zieht in 2 Portio- M. thyroarytenoideus (CD6). Er entspringt
nen, Pars recta (A1 a) (Pars interna) und Pars an der Innenfläche des Schildknorpels und
obliqua (A1 b) (Pars externa), zum unteren setzt an der Seitenfläche des Stellknorpels an.
Rand des Schildknorpels und zur Innenseite Durch Kontraktion des Muskels werden die
des Schildknorpelhorns. Der Muskel kippt Stellknorpel nach vorn gezogen, die Stimm-
bei festgestelltem Schildknorpel den Ring- falte verkürzt und der vordere größere Teil
knorpel gegen den Schildknorpel nach hin- der Stimmritze, Pars intermembranacea,
ten und spannt das Stimmband. verschlossen. Ein Teil der Faserbündel die-
Der M. cricothyroideus wird als einziger ses Muskels zieht zur Epiglottis und wird als
Kehlkopfmuskel vom R. externus des N. la- Pars thyroepiglottica (D6 a) bezeichnet. Diese
ryngeus superior innerviert. Muskelbündel unterstützen die Verengung
des Kehlkopfeingangs.
Die Mm. constrictor pharyngis inferior und
thyrohyoideus gehören funktionell zu den M. arytenoideus transversus (C7). Er ist ein
äußeren Kehlkopfmuskeln. einzelner, unpaarer Muskel, der von der
Stellknorpelhinterfläche einer Seite ent-
Innere Kehlkopfmuskeln springt und zur Gegenseite zieht. Der Mus-
kel nähert die Stellknorpel einander an und
Die Gruppe der inneren Kehlkopfmuskeln verschließt den hinteren Teil der Stimmrit-
wird vom N. laryngeus recurrens nervi vagi ze, Pars intercartilaginea. Darüber hinaus
innerviert und setzt sich wie folgt zusam- dient er der Anspannung des Stimmbandes.
men:
M. arytenoideus obliquus (C8). Er liegt
M. cricoarytenoideus posterior (B-D2), oberflächlich vom M. arytenoideus trans-
kurz „Posticus“. Er entspringt beiderseits versus und entspringt an der Hinterfläche
von der dorsalen Fläche der Ringknorpelplat- des Proc. muscularis des Stellknorpels der ei-
te und zieht an die Seitenfläche des Proc. nen Seite und setzt am Apex des Stellknorpels
muscularis des Aryknorpels (B3). Der Muskel der Gegenseite an. Der M. arytenoideus obli-
zieht den Proc. muscularis nach hinten. Da- quus hilft bei der Verengung des Kehlkopf-
durch gelangt der Proc. vocalis nach lateral einganges, indem er die Schleimhautfalten
und die Stimmritze wird erweitert. Der zwischen Stellknorpeln und Epiglottis, Pli-
Muskel ist der einzige Öffner der gesamten cae ary-epiglotticae (D9), einander nähert.
Stimmritze zur Inspiration. Gleichsinnig wirken Fasern, die sich vom M.
M. cricoarytenoideus lateralis (BD4) , kurz arytenoideus obliquus abspalten und, sei-
„Lateralis“. Er kommt vom Oberrand und der nen Verlauf fortsetzend, als Pars aryepiglotti-
Außenfläche des Ringknorpelbogens und ca die Grundlage der Schleimhautfalte, Plica
zieht zum Proc. muscularis des Stellknorpels, aryepiglottica, bilden.
Kehlkopfmuskeln 113

Atmungssystem
5

1a 1b
3

4 2
1

A M. cricothyroidus B Mm. cricoarytenoidei


posterior et lateralis

6 6a

7
6

2
4
2

C Kehlkopfmuskeln von hinten D Kehlkopfmuskeln von der Seite


114 Atmungssystem: Kehlkopf

Kehlkopfinnenraum Untere Etage. Sie reicht von den Stimmfalten


bis zum unteren Rand des Ringknorpels und
Als Cavitas laryngis (A – B) wird der von heißt Cavitas infraglottica (Subglottis) (III).
Schleimhaut ausgekleidete Raum zwischen Dieser Raum erweitert sich von kranial nach
dem Kehlkopfeingang und dem Unterrand kaudal und geht kontinuierlich in die Tra-
Atmungssystem

des Ringknorpels bezeichnet. Die Cavitas la- chea über. Die von Schleimhaut ausgeklei-
ryngis wird durch 2 übereinanderliegende dete Wand der Cavitas infraglottica wird
seitliche Faltenpaare in eine obere, eine mitt- fast ausschließlich vom Conus elasticus (C11)
lere und eine untere Etage gegliedert. gebildet.
Obere Etage. Der schräg stehende Kehl- Histologie. Die Schleimhaut der Cavitas laryngis
kopfeingang, Aditus laryngis (A1), führt in das wird mit Ausnahme der Plica vocalis von respira-
Vestibulum laryngis (I), das bis zu den Ta- torischem Flimmerepithel ausgekleidet und enthält
schenfalten, Plicae vestibulares (AB2), reicht. im Bereich des Vestibulum laryngis und der Ta-
Der Kehlkopfeingang wird durch die Epiglot- schenfalten zahlreiche gemischte Drüsen.
tis (A3) und 2 Schleimhautfalten, Plicae arye-
piglotticae (A4), begrenzt, die jeweils von Taschenfalten, Stimmfalten (C)
den Seitenrändern der Epiglottis bis zu den Plicae vestibulares (A2) (Taschenfalten, fal-
auf der Spitze der Aryknorpel sitzenden sche Stimmbänder). Sie enthalten das Ta-
Cartilagines corniculatae ziehen. In der Plica schenband, das dem freien unteren Rand der
aryepiglottica liegt beiderseits noch ein Membrana quadrangularis (C12) entspricht,
weiterer kleiner Knorpel, Cartilago cuneifor- sowie zahlreiche Drüsen (C13). Die Taschen-
mis. Die Knorpel werfen in der Plica aryepi- falten ragen nicht so weit in die Cavitas la-
glottica das Tuberculum corniculatum (A5) ryngis vor wie die Stimmfalten, so dass der
und das Tuberculum cuneiforme (A6) auf. Spalt zwischen den Taschenfalten beider
Zwischen den beiden Aryknorpeln liegt Seiten, Rima vestibuli (C14), weiter ist als
dorsal eine Rinne in der Schleimhaut, Inci- der daruntergelegene Spalt zwischen den
sura interarytenoidea. Zu beiden Seiten des Stimmfalten, Rima glottidis (C15).
Kehlkopfeingangs, d. h. der Plicae aryepi-
glotticae, befindet sich die untere Etage des Plicae vocales. Die Stimmfalten (AB8) ent-
Pharynx mit einer Schleimhautrinne, Reces- halten das Lig. vocale (C16) und den M. vocalis
sus piriformis (A7) (S. 168), durch die Flüs- (C17) und begrenzen den vorderen Teil der
sigkeit am Kehlkopfeingang vorbei in die Stimmritze, Rima glottidis.
Speiseröhre gelenkt wird. Histologie. Die Stimmfalten werden von einem
Die Vorderwand des Vestibulum laryngis mehrschichtigen unverhornten Plattenepithel überzo-
wird von der Epiglottis gebildet, die über gen, das unverschieblich mit dem darunter gele-
Schleimhautfalten mit dem Zungengrund genen Lig. vocale verbunden ist. Da im Bereich der
verbunden und 4 – 5 cm hoch ist. Die flache Stimmfalten eine Submukosa und Blutgefäße feh-
Hinterwand im Bereich der Incisura interary- len, sehen sie weiß aus und heben sich auffallend
von der übrigen rötlich schimmernden Schleim-
tenoidea liegt nahezu auf Höhe der Ta-
haut ab.
schenfalten.
Mittlere Etage. Sie ist am kleinsten, er- Klinischer Hinweis. Das lockere Bindegewebe
streckt sich von den Taschenfalten (AB2) bis in der Schleimhaut des Kehlkopfeingangs lässt
erhebliche Flüssigkeitseinlagerungen aus dem
zu den Stimmfalten, Plicae vocales (AB8), und
Gefäßsystem zu, so dass es bei Entzündungen
wird als Cavitas laryngis intermedia (II) oder Insektenstichen zu einer u. U. lebensbe-
bezeichnet. Beiderseits erweitert sich diese drohlichen Schwellung dieser Schleimhaut
Etage in eine Schleimhautausbuchtung, Ven- kommen kann, Larynxödem, meist fälschlich als
triculus laryngis (BC9), die oben von der Ta- Glottisödem bezeichnet.
schenfalte, unten von der Stimmfalte be-
grenzt wird und nach vorn und oben als
Blindsack, Sacculus laryngis (C10), endet.
Kehlkopfinnenraum 115

Atmungssystem
3
4
I
1

6
2 5
2
8 II
7
9 8
III

A Kehlkopfinnenraum von dorsal B Kehlkopfinnenraum, Mediansagittalschnitt

12 14

13
10 15
9

16
17

11

C Kehlkopf, Frontalschnitt
116 Atmungssystem: Kehlkopf

Glottis reflektorischen Verschluss der Stimmritze,


die dann durch ein reflektorisches Husten
Als Glottis (A) wird der aus den beiden Plicae wieder explosionsartig geöffnet wird.
vocales und ihren Wandstrukturen bestehen-
de stimmbildende Teil des Kehlkopfs be- D8 Epiglottis, D9 Plica vocalis, D10 Plica aryepi-
glottica, D11 Tuberculum cuneiforme, D12 Tu-
Atmungssystem

zeichnet. Jede Stimmfalte enthält in ihrem


berculum corniculatum, C13 Incisura interaryte-
langen vorderen Teil das Lig. vocale (A1) und
noidea.
den M. vocalis (A2). Im hinteren kürzeren
Teil liegt der Aryknorpel (A3) mit dem Pro- Gefäße, Nerven und Lymphabfluss
cessus vocalis (A4). Die Stimmritze, Rima
glottidis (AD5), kann entsprechend in einen Arteriell wird der Kehlkopf mit allen Struk-
langen vorderen und einen kürzeren hinte- turen durch die A. laryngea superior aus der A.
ren Teil gegliedert werden. Der vordere Ab- thyroidea superior und durch die A. laryngea
schnitt wird als Pars intermembranacea (A6) inferior aus der A. thyroidea inferior versorgt.
bezeichnet und vom Lig. vocale unterlagert. Der venöse Abfluss erfolgt über gleichnami-
Der zwischen den Aryknorpeln gelegene ge Begleitvenen der Arterien, die in die V. ju-
hintere Teil bildet die Pars intercartilaginea gularis interna drainieren.
(A7). Beide Abschnitte der Stimmritze kön- Die Kehlkopfschleimhaut wird bis zu den
nen unterschiedlich weit geöffnet werden. Stimmfalten vom rein sensiblen R. internus
des N. laryngeus superior innerviert, darunter
Klinischer Hinweis. Zur Untersuchung des vom N. laryngeus recurrens nervi vagi. Die inne-
Kehlkopfs, Laryngoskopie (B), wird ein Kehl-
ren Kehlkopfmuskeln werden alle vom N. la-
kopfspiegel in den Rachen eingeführt. Man er-
ryngeus recurrens (inferior) versorgt. Der ein-
hält ein umgekehrtes Bild. Oben liegen die vor-
deren und unten die hinteren Bereiche des zige äußere Kehlkopfmuskel, M. cricothyroi-
Kehlkopfeingangs. deus, wird vom R. externus des N. laryngeus
superior innerviert.
Funktionelle Anatomie
Klinischer Hinweis. Bei einseitiger Schädigung
Die Form der Stimmritze wechselt in Abhän- des N. laryngeus recurrens sind alle inneren Kehl-
gigkeit von der Funktion. Bei ruhiger At- kopfmuskeln gelähmt und die Stimmfalte der
mung und bei Flüstersprache ist die Pars in- betroffenen Seite liegt in adduzierter, parame-
termembranacea geschlossen und die Pars dianer Stellung. Bei akuter bilateraler Schädi-
intercartilaginea zu einem Dreieck geöffnet gung der Nn. laryngei recurrentes kommt es
(C). Bei zunehmender Atemtiefe öffnen sich durch das Zusammenliegen der gelähmten
auch die vorderen Teile, mittlere Atemstel- Stimmfalten in der Rima glottidis zu Stridor
und Dyspnoe, die einen Luftröhrenschnitt er-
lung (D), bei tiefer Einatmung ist die Stimm-
forderlich machen können (S. 120).
ritze maximal erweitert (E). Eine solche Öff-
nung der Stimmritze erfolgt auch explo-
Der Lymphabfluss aus dem oberen Kehlkopf
sionsartig beim Husten durch stoßartiges
bis zu den Stimmfalten erfolgt zur oberen
Ausatmen. Zur Tonerzeugung, Phonation,
Gruppe der Lnn. cervicales profundi, aus der
wird die Stimmritze zunächst geschlossen
unteren Kehlkopfhälfte von den Stimmfal-
(F) und die Stimmbänder angespannt. Die
ten an zur mittleren und unteren Gruppe der
Stimmritze wird dann durch einen exspira-
Lnn. cervicales profundi und zu den Lnn. pre-
torischen Luftstrom geöffnet und die
und paratracheales.
Stimmfalten in Schwingung versetzt, wo-
durch Schallwellen entstehen. Die Lautstär-
Klinischer Hinweis. Die Lymphgefäße bilden
ke dieser Schallwellen hängt von der Stärke in der Kehlkopfschleimhaut ein oberflächli-
des Luftstroms ab, die Tonhöhe von der ches Netz aus Lymphkapillaren, das in
Schwingungsfrequenz, die ihrerseits abhän- Lymphsammelgefäße drainiert, die in der Tiefe
gig ist von Länge, Dicke und Spannung der der Lamina propria liegen. Beim forgeschritte-
Stimmbänder. Auch beim Eindringen von nen Larynxkarzinom sind die seitlichen Hals-
Fremdkörpern kommt es zunächst zu einem lymphknoten, Nodi profundi superioris, am
häufigsten betroffen.
Glottis 117

Atmungssystem
1

2
5
4
3
7

A Kehlkopf, Querschnitt
in Höhe der Stimmbänder

B Kehlkopfspiegelung

5 8 9 10

11
12
13
C Flüstersprache D Mittlere Atemstellung

E Verstärkte Atmung F Phonationsstellung


118 Atmungssystem: Trachea

Trachea mit dem eingelagerten glattmuskulären M.


trachealis (E9) besteht; äußere Verschiebe-
Luftröhre und extrapulmonale schicht, Tunica adventitia (E10). Das Bindege-
Hauptbronchien webe der Kehlkopfwand, insbesondere der
Ligg. anularia, ist reich an elastischen Faser-
Atmungssystem

Die Luftröhre, Trachea (A), ist ein 10 – 12 cm netzen. Kollagene und elastische Fasern
langes, biegsames Rohr, das sich vom Ring- sind so in der Wand der Trachea eingelas-
knorpel bis zur Luftröhrenteilung, Bifurcatio sen, dass die Knorpelspangen unter Quer-
tracheae, erstreckt und sich in einen Halsab- und Längsspannung stehen.
schnitt, Pars cervicalis (I), und einen Brustab-
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss. Die
schnitt, Pars thoracica (II), gliedert. Die Pars
Trachea wird durch Rami tracheales aus der
cervicalis reicht vom 6. bis zum 7. Halswir-
A. thyroidea inferior, die Hauptbronchien wer-
bel, die längere Pars thoracica vom 1. bis
den aus den Rr. bronchiales versorgt. Der ve-
zum 4. Brustwirbel.
nöse Abfluss erfolgt über gleichnamige Ve-
Die Wand der Trachea (B) besteht aus 16 – 20 nen. Der glatte M. trachealis wird vom N. la-
hufeisenförmigen, hyalinen Knorpelspan- ryngeus recurrens nervi vagi innerviert, der
gen, Cartilagines tracheales (B1), die die Vor- auch für die sensible und sekretorische In-
der- und Seitenwand der Trachea versteifen nervation zuständig ist. Der Lymphabfluss
und durch Bänder, Ligg. anularia (B2), unter- erfolgt über Lnn. paratracheales entlang der
einander verbunden sind. An der Hinter- Tunica adventitia der Trachea und Lnn.
wand (C) werden die Knorpelspangen durch tracheobronchiales superiores et inferiores im
eine bindegewebige Platte, Paries membrana- Bereich der Bifurcatio tracheae.
ceus (C3), die glatte Muskulatur enthält,
zum Ring geschlossen. An der asymme- Klinischer Hinweis. Bedingt durch die unter-
trisch gelegenen Bifurcatio tracheae (BC4) schiedliche Stellung der beiden Hauptbron-
teilt sich die Luftröhre in den rechten und chien gelangen aspirierte Fremdkörper insbeson-
linken Hauptbronchus, Bronchus principalis dere bei Kindern häufiger in den steileren
rechten Hauptbronchus und damit in die rech-
dexter (BC5) et sinister (BC6). Der rechte
te Lunge und können zu Aspirationspneumo-
Hauptbronchus ist kürzer und weitlumiger nien führen.
als der linke Hauptbronchus. Er ist lediglich
um 20⬚ gegen die Trachea abgewinkelt und Das mehrreihige respiratorische Epithel
setzt damit deren Verlaufsrichtung nahezu trägt an seiner Oberfläche Zilien, deren
fort. Der linke Hauptbronchus ist länger und Schlag inhalierte Partikel und Keime nach
englumiger und etwa 35⬚ gegen die Trachea außen befördert und damit einen wichtigen
abgewinkelt. Bestandteil des unspezifischen Abwehrsys-
An der Teilungsstelle der Trachea (D) ragt ein tems des Körpers darstellt. Bei starken Rau-
knorpelunterlegter, sagittaler Sporn, Carina chern kommt es zu einer Umwandlung des
tracheae (D7), in das Lumen vor. Er teilt den respiratorischen Epithels in ein mehr-
Luftstrom bei der Einatmung. Der quere schichtiges Plattenepithel (plattenepithelia-
Durchmesser der Trachea ist größer als der le Metaplasie der Trachea). Rauchen führt
sagittale. außerdem zu einer Verklebung und Immo-
bilisierung der Zilien, so dass der Abtrans-
Mikroskopie. Trachea und Hauptbronchien port von Schadstoffen (mukoziliäre Clearan-
(E) besitzen einen weitgehend identischen ce) nicht mehr gewährleistet ist. Eine ge-
Wandaufbau aus 3 Schichten: innere störte mukoziliäre Clearance führt auch bei
Schleimhautschicht, Tunica mucosa (E8) mit Mukoviszidosepatienten zu rezidivieren-
mehrreihigem respiratorischem Epithel und den Atemwegsinfekten.
gemischten Glandulae tracheales; mittlere
Tunica fibromusculocartilaginea, die vorn und
seitlich aus den Knorpelspangen und den
Ligg. anularia und hinten aus Bindegewebe
Luftröhre und extrapulmonale Hauptbronchien 119

Atmungssystem
7

II

D Luftröhrenteilung,
A Lage der Luftröhre Blick von oben

10

1 3

8
2

9
E Luftröhre, Querschnitt

5 5

6 6
4 4

B Kehlkopf, Luftröhre und C Kehlkopf, Luftröhre und


Hauptbronchien von ventral Hauptbronchien von dorsal
120 Atmungssystem: Trachea

Topografie von Kehlkopf und Klinischer Hinweis. Bei lebensbedrohlichem


Trachea Verschluss der Stimmritze, z. B. durch Schleim-
hautschwellung, kann der Luftweg unterhalb
Der Kehlkopf und die Pars cervicalis der Tra- der Stimmritze durch Spaltung des Lig. crico-
chea sind Bestandteile des Halseingeweide- thyroideum medianum, Koniotomie (roter
Pfeil), oder durch Einschnitt in die Trachea
Atmungssystem

stranges und liegen im mittleren Teil der


oberhalb oder unterhalb vom Schildrüsenisth-
Regio cervicalis anterior (A). Die äußere
mus, Tracheotomia superior (schwarzer Pfeil)
Kontur dieser Region wird durch die indivi- oder Tracheotomia inferior (blauer Pfeil), künst-
duell unterschiedlich hervorstehende Pro- lich eröffnet werden.
minentia laryngea (A1) geprägt, denn im Be-
reich des Schildknorpels (A2) liegt der Kehl- Topografie der Kehlkopfnerven (C)
kopf dicht unter der Haut. Prominentia la-
ryngea, Schildknorpel und auch das Lig. cri- Die Innervation des Kehlkopfs und der Tra-
cothyroideum (A3) sind daher durch die chea erfolgt aus Ästen des N. vagus (BC11).
Haut zu tasten. Distal, in Richtung auf die Der N. laryngeus superior (C12) zweigt unter-
obere Thoraxapertur, entfernt sich der Hals- halb des Ganglion inferius vom Stamm des
eingeweidestrang allmählich von der äuße- N. vagus ab und verläuft medial von der
ren Oberfläche. Er passt seinen Verlauf den A. carotis interna (BC13) und den Ästen der
Krümmungen der Wirbelsäule an. A. carotis externa (C14). Etwa auf Höhe des
Der Halseingeweidestrang ist im Halsein- Zungenbeins (AC9) teilt er sich in einen mo-
geweideraum (B) angesiedelt, der zwi- torischen Ramus externus (C12 a), der die Mm.
schen dem mittleren und tiefen Blatt der cricothyroideus (C15) und constrictor pha-
Halsfaszie, Lamina pretrachealis (AB4) und La- ryngis inferior (C16) versorgt, und einen
mina prevertebralis (AB5) der Fascia cervica- sensiblen Ramus internus (C12 b), der durch
lis liegt und in die Bindegewebsräume von die Membrana thyrohyoidea (C17) tritt und
Kopf und Thorax übergeht. Der Kehlkopf unter die Schleimhaut des Recessus pirifor-
wird ventral direkt vom mittleren Blatt der mis gelangt, wo er eine Anastomose mit
Halsfaszie bedeckt, dem sich das oberfläch- dem N. laryngeus recurrens (C18) eingehen
liche Blatt, Lamina superficialis (B6), nahezu kann. Der Ramus internus versorgt die
unmittelbar anlegt. Dorsal vom Kehlkopf Schleimhaut des Kehlkopfs bis zur Stimm-
liegt die Pars laryngea pharyngis (A7). Die ritze. Der N. laryngeus recurrens (C19) zweigt
Trachea wird durch die vor ihr gelegene im Thorax vom N. vagus ab. Er schlingt sich
Schilddrüse, Glandula thyroidea (A-C8), vom links um den Aortenbogen und zieht rück-
mittleren und oberflächlichen Blatt der läufig unter Astabgabe in der Rinne zwi-
Halsfaszie getrennt. Dorsal von der Trachea schen Ösophagus und Trachea zum Kehl-
liegt der Ösophagus. kopf. Rechts schlingt er sich um die A. subcla-
via (C20) und zieht seitlich von der Trachea
Funktionelle Anatomie. Die Halseingeweide nach kranial. Auf seinem Weg zum Kehlkopf
sind so in die Umgebung eingebaut, dass sie geho- verläuft der N. laryngeus recurrens hinter
ben und gesenkt werden können und gegenein-
der Schilddrüse (A – C8). Sein Endast (BC18)
ander verschieblich sind. Der Kehlkopf wird am
Zungenbein aufgehängt und indirekt an der Schä- gelangt am kaudalen Rand des M. constric-
delbasis befestigt und durch den Zug der elasti- tor pharyngis inferior (C16) in das Kehlkopf-
schen Strukturen von Trachea und Bronchialbaum innere. Er teilt sich in einen vorderen und hin-
mit dem Brustkorb verspannt. Kehlkopfbewegun- teren Ast und innerviert motorisch alle Kehl-
gen in der Längsachse des Körpers entstehen beim kopfmuskeln mit Ausnahme des M. crico-
Schluckakt (Hebung von ca. 2 – 3 cm), bei der thyroideus und sensibel die Schleimhaut un-
Stimmbildung und bei verstärkter Atmung. Bei terhalb der Stimmritze.
Streckung von Kopf und Halswirbelsäule tritt der
Kehlkopf um über eine Wirbelhöhe nach kranial,
Klinischer Hinweis: Bei Operationen an der
bei Beugung von Kopf und Halswirbelsäule sinkt
Schilddrüse kann der N. laryngeus recurrens
der Ringknorpel (A10) bis in die obere Thorax-
gezerrt oder verletzt werden (s. auch S. 116).
apertur. Die Gesamtlänge der Exkursionsmöglich-
keiten beträgt bis zu 4 cm.
B21 A. vertebralis.
Topografie von Kehlkopf und Trachea 121
Für Blockadenauflösung

Atmungssystem
12 b 9
13
9 7
12
1
11 17 5
2
14
3
12 a
10

16 4
6
15
8
18

20 A Zugangswege zu Kehlkopf und Luftröhre,


Mediansagittalschnitt
19 C Topographie der
Kehlkopfnerven,
Ansicht von rechts

6 4

11 18
13

21 5 B Halseingeweide, Querschnitt
122 Atmungssystem: Lunge

Lunge Anschnitt der A. pulmonalis (C12 a) (eparterielle La-


ge), darunter folgen der Anschnitt des rechten
Hauptbronchus (C13 a) (hyparterielle Lage) und die
Die paarigen Lungen, Pulmones, liegen im
unteren Pulmonalvenen (C14 a). Auf der linken Seite
Thorax beiderseits des Mediastinums in ei-
liegt der Querschnitt der Pulmonalarterie (D12 b)
ner serösen Pleurahöhle (zur Lage s. S. 94). am weitesten kranial, es folgen der Anschnitt des
Atmungssystem

linken Hauptbronchus (D13 b) (hyparterielle Lage)


Lungenoberflächen und Querschnitte durch die unteren Pulmonalvenen
(D14 b).
Die Form einer Lunge entspricht einem Die an der Lungenpforte ein- bzw. austretenden
Halbkegel. Beim Kind ist die Lungenoberflä- Gebilde werden rundherum von einer Umschlag-
che blassrosa, mit zunehmendem Alter wird falte der Pleura umgeben, die sich vor der Impres-
sio cardiaca nach kaudal ausdehnt, so dass die
sie durch Ablagerungen aus Verunreinigun-
vordere und hintere Umschlagfalte nahezu anein-
gen der Atemluft schiefergrau.
anderliegen, Lig. pulmonale (CD15). Durch die Um-
Äußere Oberfläche. Sie wird durch die um- schlagfalte werden die Gebilde der Lungenpforte
gebenden Strukturen von Thoraxwand, aus der Pleurahöhle ausgegrenzt. Die extrapleural
Zwerchfell und Mediastinum geprägt, was gelegene Lungenpforte und ihre Leitungsstruktu-
ren sind direkt mit dem mediastinalen Bindege-
insbesondere an der in situ fixierten Lunge
webe verbunden.
deutlich zu erkennen ist. Jede Lunge besitzt
eine kuppelartige Spitze, Apex pulmonis Lungenränder. Die Flächen der Lungen
(AB1), welche die obere Thoraxapertur vent- werden vorne und unten durch dünne,
ral um einige Zentimeter überragt. Die Lun- scharfe Ränder begrenzt. Facies costalis und
genbasis, Basis pulmonis (AC2) bzw. Facies di- Facies mediastinalis gehen vorne am scharf-
aphragmatica (AC3), ist konkav und liegt dem kantigen Margo anterior (A – D16) ineinander
Zwerchfell auf. Die äußere gegen die Rippen über. An der linken Lunge besitzt dieser
gerichtete Lungenfläche ist konvex und Rand eine Ausbuchtung, Incisura cardiaca
heißt Facies costalis (A und B). Die der Me- (BD17), die durch die Impressio cardiaca
dianebene zugewandte Fläche, Facies media- hervorgerufen wird. Zwischen Facies costa-
lis (C und D) wird durch die Lungenpforte, lis und Facies diaphragmatica befindet sich
Hilum pulmonis (CD4), in eine vorne gelege- der Margo inferior (A – D18).
ne Facies mediastinalis (CD5) und eine hin-
Lungenlappen und –fissuren. Jede Lunge
tere Pars vertebralis (CD6) gegliedert. Beide
wird durch tiefe Einschnitte, Fissuren, in
Facies mediastinales sind durch die angren-
Lappen unterteilt. Die rechte Lunge hat in
zende Oberfläche des Herzens zur Impressio
der Regel einen Oberlappen, Lobus superior
cardiaca (CD7) vertieft. An der medialen
(A19), einen Mittellappen, Lobus medius
Fläche der rechten Lunge sind darüber hin-
(A20), und einen Unterlappen, Lobus inferior
aus Impressionen durch A. subclavia dextra
(A21). Oberlappen und Unterlappen werden
(C8 a), V. azygos und Ösophagus (C9) ausge-
durch eine schräg von hinten oben nach
bildet. Links hinterlassen Aortenbogen
vorne unten ziehende Fissura obliqua (A22)
(D10 a), Pars thoracica aortae (D10 b) und A.
getrennt, Oberlappen und Mittellappen
subclavia sinistra (D8 b) sichtbare Rinnen.
durch eine vorn und seitlich liegende Fissura
Lungenpforte. Als Radix pulmonis wird horizontalis (A23). Die kleinere linke Lunge
die Gesamtheit aller im Zentrum der media- ist lediglich aus Oberlappen (B19) und Unter-
len Lungenfläche ein- und austretenden Ge- lappen (B21) zusammengesetzt, die wie auf
fäße und Bronchien bezeichnet, die die Ver- der rechten Seite durch eine Fissura obliqua
bindung zu Herz und Trachea herstellen (B22) geteilt werden. Das ventro-kaudale
und im Wesentlichen auf beiden Seiten Ende des linken Oberlappens ist meist zun-
ähnlich angeordnet sind. genförmig zur Lingula (B24) ausgezogen.
Die Pulmonalvenen liegen vorn, die Bronchien hin- Die zwischen den Lungenlappen einander
ten und die Pulmonalarterien in der Mitte. In kra- gegenüberliegenden Flächen werden als Fa-
nio-kaudaler Richtung unterscheidet sich die An- cies interlobulares bezeichnet.
ordnung jedoch: Rechts liegt der Querschnitt des
Oberlappenbronchus (C11) bereits oberhalb vom
Lungenoberfläche 123

1 1

22
22

Atmungssystem
19 19

23
16

17 21

21 20
24

2, 3 18 18

A Rechte Lunge von lateral B Linke Lunge von lateral

8b
22
8a
22
10 a

5 11 16
12 a 12 b
4
16 13 a 13 b
14 b 4
14 a
5
6
9 6 17
7 15 10 b 7

15
24

2, 3

18 18

C Rechte Lunge von medial D Linke Lunge von medial


124 Atmungssystem: Lunge

Bronchienaufteilung und Lungenläppchen, Lobulus pulmonalis. Die


bronchopulmonale Segmente Lungenläppchen sind die Untereinheiten der
Lungensegmente.
Rechter und linker Hauptbronchus teilen sich Die Lobuli pulmones sind nicht überall in der
(entsprechend der Anzahl der Lungenlap- Lunge ausgebildet, sondern liegen hauptsächlich
Atmungssystem

pen) rechts in 3, links in 2 Lappenbronchien, im Bereich der Lungenoberfläche. Sie sind hier als
Bronchi lobares (s. u.), deren Durchmesser polygonale Felder mit einer Kantenlänge von 0,5
zwischen 8 und 12 mm liegt. Ihre Abzwei- bis zu 3 cm zu erkennen, da sie von Bindegewebe
begrenzt werden, in dem sich eingeatmete
gung vom Hauptbronchus ist rechts für den
Schwebestoffe ablagern können. Diese lassen die
Oberlappenbronchus 1 – 2,5 cm von der Bi-
Läppchengrenzen blau bis schwarz erscheinen.
furcatio tracheae entfernt, für den Mittel-
Der Bronchiolus innerhalb eines Lungen-
und Unterlappenbronchus etwa 5 cm. Links
läppchens teilt sich 3 – 4 mal und geht letzt-
teilt sich der Hauptbronchus ebenfalls in et-
endlich in die alveolentragenden Endauf-
wa 5 cm Entfernung zur Bifurkation in Ober-
zweigungen des Bronchialbaums über. Die-
lappen- und Unterlappenbronchus. Die Lap-
se umfassen mehrere Generationen von
penbronchien teilen sich rechts in 10, links in
Bronchioli respiratorii und Ductuli alveolares, in
9 Segmentbronchien, Bronchi segmentales,
deren Wänden die für den Gasaustausch
auf. Vom rechten Oberlappenbronchus zwei-
eingerichteten Lungenbläschen, Alveoli pul-
gen die Segmentbronchien 1 – 3, vom Mittel-
monis, liegen.
lappenbronchus die Segmentbronchien 4 – 5
und vom Unterlappenbronchus die Seg- Das Bindegewebe der Lunge besteht aus zwei un-
mentbronchien 6 – 10 ab. Auf der linken Seite terschiedlichen Systemen. Das peribronchiale oder
teilt sich der Oberlappenbronchus in die periarterielle Bindegewebe begleitet die Aufzwei-
gungen des Bronchialbaums und der A. pulmonalis
Segmentbronchien 1 und 2 sowie 3 – 5, der
bis hin zu den Bronchioli respiratorii und dient
Unterlappenbronchus in die Segmentbron- der Verschieblichkeit dieser Strukturen gegen-
chien 6 – 10. über dem umgebenden Austauschgewebe der
Lunge. Das zweite, äußere System besteht aus
Lungensegmente und Lungenläppchen subpleuralem Bindegewebe, das die Oberfläche der
Lungenlappen bekleidet und von dem aus Septen
Segmenta bronchopulmonalia. Die Lun- zwischen die Lungensegmente und -läppchen
gensegmente sind Untereinheiten der Lun- ziehen. Dieses Bindegewebssystem dient als Ver-
genlappen, deren Gliederungsprinzip dem schiebeschicht, aber auch als Schutz vor Überdeh-
Aufteilungsmodus des Bronchialbaums ent- nung.
spricht. Die Lungensegmente sind als bron- Blau: Lobus superior, Grün: Lobus medius, Rot:
choarterielle Einheiten anzusehen, da im Zen- Lobus inferior.
trum eines Segmentes (also intrasegmental) I Bronchus lobaris superior dexter, II Bronchus lo-
ein Segmentbronchus gemeinsam mit einem baris medius dexter, III Bronchus lobaris inferior
Ast der A. pulmonalis verläuft. Die weitere dexter, IV Bronchus lobaris superior sinister, V
Verzweigung eines Segmentbronchus bleibt Bronchus lobaris inferior sinister, 1 Segmentum
auf das entsprechende Segment begrenzt. apicale und Bronchus segmentalis apicalis (nur
Die Äste der Lungenvenen verlaufen im Binde- rechte Lunge), 2 Segmentum posterius und Bron-
chus segmentalis posterior (nur rechte Lunge), 1 +
gewebe an der Oberfläche eines Segmentes,
2 Segmentum apicoposterius und Bronchus seg-
d. h. intersegmental, und markieren die Seg- mentalis apicoposterior (nur linke Lunge), 3 Seg-
mentgrenzen. Die Venenäste sammeln sich mentum anterius und Bronchus segmentalis an-
hilumwärts zu den großen Lungenvenen. terior, 4 Segmentum laterale und Bronchus seg-
Dreidimensional betrachtet sind die Lun- mentalis lateralis, 5 Segmentum mediale und
gensegmente keil- bzw. pyramidenförmige Bronchus segmentalis medialis, 6 Segmentum su-
Baueinheiten, deren Spitzen hilumwärts ge- perius und Bronchus superior, 7 Segmentum ba-
richtet sind. sale mediale und Bronchus basalis medialis, 8
Segmentum basale anterius und Bronchus basalis
Lobuli pulmonales. Die Segmentbronchien anterior, 9 Segmentum basale laterale und Bron-
teilen sich in mehreren Schritten in mittlere chus basalis lateralis, 10 Segmentum basale po-
und kleine Bronchien auf, die in Bronchioli sterius und Bronchus basalis posterior, 11 Bifurca-
übergehen. Jeder Bronchiolus versorgt ein tio tracheae, 12 Bronchus principalis dexter, 13
Bronchus principalis sinister.
Bronchienaufteilung und bronchopulmonale Segmente 125

1 1, 2
A Bronchienaufteilung,
Segmentbronchien,
I Lungen von ventral

Atmungssystem
2
Lappengrenzen:
durchgezogene Linien,
3
Segmentgrenzen:
gestrichelte Linien 3
IV
6 6
4 4
III V
II
5

8 11 5
8
12
9 9
1
13
2
1, 2
3
3
4
6 5
4 6
5
9 7+8
8 7 10
9
10

1, 2
1

2
I

6 3
3
6

V
IV
II III
4
5 7
10
10
5
8 7, 8
9 9

B Bronchienaufteilung, Segmentbronchien, Lungen von medial


126 Atmungssystem: Lunge

Feinbau und ist damit Teil des sogenannten anatomischen


Totraums. Seine Aufgabe liegt in der Reinigung,
Das Lungengewebe besteht aus dem luftlei- Wasserdampfsättigung und Erwärmung der
tenden (konduktiven) und dem gasaustau- Atemluft.
schenden Teil des Bronchialbaums, den Lun-
Gasaustauschender Teil
Atmungssystem

gengefäßen, Bindegewebe und glatter Mus-


kulatur. Mit der Aufteilung von Bronchial- Bronchioli respiratorii und Ductus alveolares
baum und Gefäßen ändert sich deren Fein- (B). Aus den Bronchioli terminales gehen durch
bau. Der Gesamtquerschnitt des Bronchial- Aufzweigung die Bronchioli respiratorii (B5) hervor,
baums wird mit jeder Aufteilung vergrö- die als Verbindungsstücke zwischen dem kon-
ßert. duktiven Teil und dem gasaustauschenden Teil
der Lunge anzusehen sind. Ihr mittlerer Durch-
Luftleitender Teil messer beträgt 0,4 mm, ihre Wand wird von kubi-
schem Epithel ausgekleidet und enthält noch glat-
Intrapulmonale Bronchien (A). Die Wand der te Muskulatur. Stellenweise wird die Wand von
Bronchi lobares et segmentales ist dreischichtig und dünnwandigen Aussackungen, Alveoli pulmonales,
besteht aus Tunica mucosa (A1), Tunica muscu- unterbrochen. Die Bronchioli respiratorii werden
locartilaginea (A2) und Tunica adventitia (A3). von Arteriolen aus der A. pulmonalis begleitet und
Die Tunica mucosa wird von respiratorischem Flim- teilen sich 3 – 6 mal. Sie gehen kontinuierlich in
merepithel (A1 a) ausgekleidet, das auf einer bin- Ductus alveolares (B6) über, deren Wände nur aus
degewebigen, an elastischen Fasern reichen Lami- Alveolen (B7) bestehen und die nach Aufteilung in
na propria (A1 b) sitzt. In der Tunica musculocartila- blind endende Sacculi alveolares übergehen. In
ginea schließt sich im Gegensatz zu den extrapul- Begleitung der Ductus alveolares liegen die Prä-
monalen Bronchien zunächst eine nahezu ge- kapillaren, um die Alveolen die Kapillaren.
schlossene Schicht aus spiralig verlaufenden glat-
Alveolen. In ihnen findet der Gasaustausch statt.
ten Muskelzellen, Musculus spiralis (A2 a), an. Die
Ihre Anzahl innerhalb einer Lunge beträgt etwa
Knorpelstücke der Bronchialwand, Cartilagines
300 Millionen mit einer Gesamtoberfläche von
bronchiales (A2 b), sind unregelmäßig geformt.
140 m2. Zwei benachbarte Alveolen besitzen je-
Sie bilden Platten oder Spangen und bestehen in
weils eine gemeinsame dünne Wand, das Septum
den größeren Bronchien aus hyalinem Knorpel,
interalveolare, das Bindegewebe und Kapillaren ent-
der in den kleineren Bronchien zunehmend durch
hält und auf jeder Seite von flachem Epithel aus-
elastischen ersetzt wird. Zwischen den Knorpel-
gekleidet wird. Das Alveolarepithel setzt sich aus 2
stücken liegen die gemischten, seromukösen
Zelltypen zusammen. Die Pneumozyten Typ I ma-
Glandulae bronchiales (A2 c). Darüber hinaus liegt
chen über 90% der Epithelzellen aus und sind die
im Bindegewebe der Tunica musculocartilaginea
Deckzellen der Alveolen. Die übrigen 10% gehören
ein Venenplexus. Eine schmale, bindegewebige Tu-
zur Gruppe der Pneumozyten Typ II, die Produzen-
nica adventitia (A3) stellt die Verbindung der Bron-
ten des Surfactant (Oberflächenspannung-herab-
chialwand zur Umgebung her und bringt die er-
setzender Faktor) und Stammzellen der Typ I-Zel-
nährenden Rr. bonchiales (A3 a) an den Bronchus
len sind. Als Blut-Luft-Schranke wird die Strecke be-
heran. Im Bereich der Teilungsstellen der Bron-
zeichnet, welche die Gase zwischen Alveolarlu-
chien liegen häufig Lymphknoten, Lnn. broncho-
men und Kapillarlumen zurücklegen müssen. Sie
pulmonales (A3 b). In Begleitung eines Bronchus
ist 0,3 – 0,7 µm dick und besteht aus dem Alveolar-
liegt immer ein Ast der A. pulmonalis.
epithel, den miteinander verschmolzenen Basal-
Bronchiolen (B). Die aus den kleinen Bronchien membranen und dem Kapillarendothel.
durch Teilung hervorgegangenen Bronchioli ha-
ben einen Durchmesser von 0,3 – 0,5 mm. Ihre Klinischer Hinweis. Im Bindegewebe der
Wand ist knorpelfrei und besteht aus Tunica muco- Bronchien und in den Alveolarsepten kommen
sa, Tunica muscularis und Tunica adventitia. Die auch Mastzellen vor, die bei allergischen Er-
Wand der Bronchiolen besitzt ein reichhaltiges krankungen der Atemwege (Asthma bronchia-
System aus elastischen Fasern, das ein Kollabieren le) eine wichtige Rolle spielen.
der knorpelfreien Bronchialwand bei Erschlaffung Eine Verminderung oder Zerstörung der Al-
der Muskulatur verhindert (B). Durch Endauf- veolen und der Interalveolarsepten führt zum
zweigungen gehen die Bronchioli in die Bronchioli Lungenemphysem mit deutlich eingeschränk-
terminales (B4) über. In Begleitung der Bronchio- ter Luftkapazität. Eine Vermehrung des Binde-
len verlaufen kleinere Äste der A. pulmonalis. gewebes in den Alveolarsepten führt dagegen
Bis hin zu den kleinsten Bronchiolen dient der zu einer Lungenfibrose mit einer Diffusionsstö-
Bronchialbaum der Lunge nur als Luftleitungsweg rung in der Lunge.
Feinbau der Lunge 127

Atmungssystem
3a

3b a
1 a
b
2
b
c

A Lungengewebe: Bronchien, lichtmikroskopische Dimension 3a

4
6
7
5

B Lungengewebe: Bronchiolus und Alveolen, lichtmikroskopische Dimension


128 Atmungssystem: Lunge

Gefäßsystem und Innervation sich zu Lymphsträngen um die Pulmonalve-


nen vereinigen. Erste Lymphknotenstatio-
Die Lungen besitzen funktionelle Gefäße, nen sind die Lnn. tracheobronchiales , die mit
Vasa publica, die zum kleinen Kreislauf gehö- den Lnn. paratracheales entlang der Trachea
ren, und ernährende Gefäße, Vasa privata, die zusammenhängen.
Atmungssystem

dem großen Kreislauf entspringen.


Vasa publica (A). Etwas unterhalb der Bifur- Klinischer Hinweis. Als sog. Hilumknoten wer-
catio tracheae (A1) teilt sich der Truncus pul- den die Lymphknoten im Bereich des Hilum-
kraters bezeichnet. Es handelt sich großenteils
monalis (A2) in die beiden Aa. pulmonales, die
um die Lnn. bronchopulmonales an den Ver-
das desoxygenierte Blut zu den Lungenal- zweigungen von Bronchien und Gefäßen. Hi-
veolen transportieren. Die A. pulmonalis luslymphknoten und paratracheale Lymph-
dextra (A3) ist länger und weiter als die A. knoten sind die wichtigsten Filterstationen bei
pulmonalis sinistra (A4). Beide Aa. pulmona- Tuberkulose und Bronchialkarzinom.
les liegen ventral der Hauptbronchien (A5)
und teilen sich vor Erreichen der Lungen- Vasa privata (C). Die Blutversorgung des
pforte in ihre Äste auf, die sich parallel zum Lungengewebes erfolgt über Rr. bronchiales
Bronchialbaum weiter verzweigen. Die Äste aus der Pars thoracica aortae (C13). Für die
der Aa. pulmonales liegen in enger Nachbar- linke Lunge entspringen meistens 2 Rr.
schaft, meist dorso-lateral, zum jeweiligen bronchiales (C14) direkt aus der Aorta, für
Ast des Bronchialbaums im Zentrum eines die rechte Lunge entspringt ein R. bronchia-
Lungensegmentes. Die Aa. pulmonales und lis (C15) aus der 3. oder 4. A. intercostalis po-
ihre großen Äste sind Arterien vom elasti- sterior. Die Rr. bronchiales verlaufen im pe-
schen Bautyp. Die in Begleitung der kleine- ribronchialen Bindegewebe und versorgen
ren Bronchien und Bronchioli gelegenen die Wände des Bronchialbaums und dieje-
kleineren Arterienäste sind Gefäße vom nigen der begleitenden Arterien. Über Vv.
muskulären Typ. bronchiales, die in die V. azygos, V. hemi-
Der Abtransport des oxygenierten Blutes azygos und z. T. auch in die Vv. pulmonales
aus den Lungen erfolgt über interlobulär und münden, erfolgt der venöse Abfluss.
intersegmental verlaufende Venen, die hilum-
Innervation. N. vagus und Truncus sympa-
wärts ziehen und sich zu den Vv. pulmonales
thicus bilden auf den Hauptbronchien ein
dextrae et sinistrae (A6 und A7) vereinigen.
Geflecht, Plexus pulmonalis (Bd. 3 S. 116), das
Die Pulmonalvenen liegen im Bereich der
den Bronchien und Gefäßen folgt und so-
Lungenpforte ventral und kaudal von den
wohl diese Gebilde als auch die Pleura vis-
Arterien. Sie besitzen keine Klappen.
ceralis versorgt.
Lymphgefäßsystem und regionale Lymph- Efferenzen des N. vagus führen zur Kontrak-
knoten. Das Lymphgefäßsystem der Lungen tion, Efferenzen des Sympathicus hingegen
ist entsprechend dem Bindegewebsgerüst zur Dilatation der Bronchialmuskulatur und
zweigeteilt: Das tiefe oder peribronchiale zur Gefäßverengung in der Lunge. Afferente
Lymphgefäßsystem (B8) erstreckt sich entlang Fasern des N. vagus übertragen die Erregung
des peribronchialen Bindegewebes. Es besitzt aus Dehnungsrezeptoren, die sich an der
Lymphknotenstationen an den Aufteilungs- Trachea, den Bronchien, Bronchiolen und
stellen der Lappen- in die Segmentbron- der Pleura visceralis befinden. Afferente Fa-
chien, Lnn. bronchopulmonales (B9). Die sern aus dem Sympathicus sind zu großen
nächste Station sind die an den Hauptbron- Teilen Schmerzfasern.
chien und der Bifurkation gelegenen Lnn. tra-
cheobronchiales inferiores (A10) et superiores Klinischer Hinweis. Beim Asthma bronchiale
(A11). Das zweite, oberflächliche oder segmen- kommt es durch eine funktionell fehlgesteuer-
tale Lymphgefäßsystem (B12) beginnt mit te Innervation der glatten Muskulatur in den
Lymphkapillaren im lockeren, subpleuralen kleinen Bronchien und in den Bronchioli zur
Bindegewebe sowie in den interlobulären und Kontraktion und damit zur Einengung des Lu-
mens in der Exspirationsphase.
intersegmentalen Bindegewebssepten, die
Gefäßsystem und Innervation der Lungen 129

1 10 11

Atmungssystem
5
5
4
3

2 7
6

A Lungenarterien, Lungenvenen,
regionäre Lymphknoten

12

13

15

14

C Ursprung der Rr. bronchiales


9

B Lymphgefäßsystem der Lunge


130 Atmungssystem: Lunge

Pleura Recessus pleurales. Recessus pleurales sind


Komplementärräume, die am Übergang der
Die Serosa der Lunge heißt Brustfell, Pleura verschiedenen Abschnitte der Pleura ent-
(AB). Sie besteht aus der Pleura visceralis stehen. Zwischen abfallender Zwerchfell-
(auch Pleura pulmonalis bzw. Lungenfell ge- kuppel und Thoraxwand begrenzen Pleura
Atmungssystem

nannt) (A1) und der Pleura parietalis (Rip- costalis und Pleura diaphragmatica beidseits
penfell) (A2), die auf beiden Seiten der Tho- einen Spalt, Recessus costodiaphragmaticus
raxhöhle den Raum für die jeweilige Lunge (AB7), in den sich die Lunge bei tiefer Inspi-
auskleidet. Pleura visceralis und Pleura pa- ration entfalten kann. Eine weitere Pleura-
rietalis gehen im Bereich des Lungenhilum tasche findet sich ventral zwischen Brust-
kontinuierlich ineinander über. Zwischen wand und Mediastinum. Sie wird von der
beiden Pleurablättern liegt ein kapillärer Pleura costalis und der Pleura mediastinalis,
Spaltraum, Cavitas pleuralis, der wenige Mil- Recessus costomediastinalis (AB8), begrenzt
liliter einer serösen Flüssigkeit enthält und und ist links auf Höhe der Incisura cardiaca
als Gleitspalt die bei der Atmung erfolgen- breit, rechts jedoch nur schmal ausgebildet.
den Bewegungen der Lunge ermöglicht.
Gefäße und Nerven. Die Pleura pulmonalis
Pleura pulmonalis. Sie ist untrennbar mit ist integraler Bestandteil der Lunge und
der Lungenoberfläche verbunden und be- wird als solcher wie die Lunge versorgt. Die
kleidet sie nahezu überall. Sie zieht auch in Pleura parietalis wird von benachbart lie-
die Interlobularspalten, spart aber die Regio- genden Arterien der Brustwand versorgt, und
nen aus, die von der Umschlagfalte der Pleu- zwar von Ästen der Aa. intercostales poste-
ra pulmonalis auf die Pleura parietalis um- riores, der A. thoracica interna und der A.
geben werden, d. h. die Lungenpforte und musculophrenica. Der venöse Abfluss erfolgt
den zwischen dem Lig. pulmonale gelege- entsprechend über die Venen der Thoraxwand.
nen Teil der Lunge. Die stark schmerzempfindliche Pleura pa-
Pleura parietalis. Sie bildet die periphere rietalis wird sensibel über Nn. intercostales
Wand der Pleurahöhle und wird regional und über den N. phrenicus versorgt.
unterschiedlich bezeichnet. Als Pleura costa- Pleura und Lungengrenzen. Für die klinische
lis (AB3) grenzt sie an die knöcherne Thorax- Untersuchung ist die Kenntnis der auf die Brust-
wand, als Pleura diaphragmatica (AB4) an das wand projizierten Begrenzungslinien von Lungen
Zwerchfell und als Pleura mediastinalis (AB5) und Pleurahöhlen (A) von großer Bedeutung.
an den mediastinalen Bindegewebsraum. Als Während die Pleuragrenzen unverschieblich sind,
Cupula pleurae (AB6) wird die Fortsetzung ändern sich die Lungengrenzen in Abhängigkeit
zur jeweiligen Atmungsphase. Bei mittlerer
der Pleura costalis bezeichnet, die vorne
Atemstellung verlaufen die Unterränder beider
über die obere Thoraxapertur ragt, dorsal Lungen 1 – 2 Interkostalräume oberhalb der Pleu-
bis zum Köpfchen der 1. Rippe reicht und ragrenzen (siehe Tabelle unten).
von der Lungenspitze ausgefüllt wird. Zwi-
schen der Pleura parietalis und der Brust- Klinischer Hinweis. Die seröse Flüssigkeit im
wand liegt eine bindegewebige Verschiebe- Pleuraspalt kann bei Entzündungen vermehrt
schicht, Fascia endothoracica. Sie ist im Be- sein, Eiweiß enthalten und zu Verwachsungen
reich der Pleurakuppel zur Membrana su- der Pleurablätter führen, was eine Einschrän-
prapleuralis verstärkt und mit der Pleura- kung der Lungenentfaltung zur Folge hat.
kuppel verhaftet.

Sternallinie Medio- Axillarlinie Skapularlinie Paravertebrallinie


klavikularlinie

Lungengrenzen 6. 6. 8. 10. Rippe Dornfortsatz Th 10


Pleuragrenzen 6. 7. 9. 11. Rippe Dornfortsatz Th 11
Pleura 131

6 2 2

1 1

Atmungssystem
5
8

3
1
4
2
7

A Lungen und Pleuragrenzen

3
8

5 5

4 B Brustraum von vorne


mit eröffneten Pleurahöhlen
132 Atmungssystem: Lunge

Schnittanatomie zum rechten Lungenhilum. Vor der Arterie


liegt ein Anschnitt einer V. pulmonalis (B20).
In Schnittbildern moderner bildgebender Dorsal der Arterie ist der rechte Hauptbron-
Verfahren und in anatomischen Schnittprä- chus (B21) angetroffen, der weiter kranial
paraten kann man im Lungengewebe ohne bereits den rechten Oberlappenbronchus ab-
Atmungssystem

weiteres den Verlauf und die Aufzweigung gegeben hat. Aufzweigungen dieses Bron-
der großen und mittleren Bronchien und chus sind im Gewebe des rechten Oberlap-
Gefäße verfolgen. Zum Verständnis der to- pens (B22) zu erkennen. Der rechte Haupt-
pografischen Anatomie sind Schnittbilder bronchus wird von Lnn. tracheobronchiales
aus der Region der Pleurakuppel (A) und in inferiores (B23) umgeben. Auf der linken
Höhe der Aufteilung der Hauptbronchien und der Seite ist der in Teilung begriffene linke
Arterien (B) hilfreich. Die Lage der nahezu Hauptbronchus (B24) zu überblicken. Ven-
transversalen Schnittebenen ist im Lagebild tral sieht man den Anschnitt einer linken
der Lungen (s. u.) markiert. Lungenvene (B25), deren Zuflüsse bis in den
linken Oberlappen (B26) verfolgt werden
Transversale Schnittebene am Übergang können. Dorsal, in Begleitung des Bronchus,
des 2. in den 1. Thorakalwirbel (A) ist die A. pulmonalis sinistra (B27) ange-
Die Schnittebene trifft den Apex pulmonis schnitten, die sich in ihre Äste aufzweigt.
(A1) und die Cupula pleurae (A2). Lateral Die größeren, im Bereich des linken Lungen-
von der Pleurakuppel ist die 1. Rippe (A3) hilum gelegenen Lymphknoten sind Lnn.
angeschnitten. Ventrolateral hiervon er- tracheobronchiales inferiores (B23), der klei-
kennt man den M. scalenus medius (A4). nere, dorsomedial von der Arterie am linken
Zwischen diesem Muskel und dem weiter Unterlappen (B28) lokalisierte Lymphkno-
vorn gelegenen M. scalenus anterior (A5) be- ten ist ein Ln. bronchopulmonalis (B29).
findet sich die Skalenuslücke (Bd. 1 S. 366), B30 V. cava superior,
durch welche die A. subclavia (A6) und der B31 Aorta ascendens,
Plexus brachialis (A7) ziehen. Die enge Lage- B32 subepikardiales Fettgewebe,
beziehung zwischen A. subclavia und Lun- B33 Truncus pulmonalis
genspitze erklärt, dass die Arterie auf der fi- B34 Aorta descendens,
xierten Lungenoberfläche ventromedial ei- B35 V. azygos,
nen Abdruck hinterlässt. Die V. subclavia B11 Ösophagus.
(A8) liegt ventral von der Arterie und liegt
Klinischer Hinweis. Die Lungenspitze, deren
der Pleura und der Lungenspitze auf. Dorso-
Ventilation infolge der relativ starren Kons-
medial vom Lungenanschnitt liegt der Trun- truktion der Pleurakuppel (A2) gering ist, kann
cus sympathicus (A9). in der Fossa supraclavicularis perkutiert und
A10 Trachea, auskultiert werden. Bei krankhaften Prozessen
A11 Ösophagus, in der Lungenspitze können alle benachbarten
A12 Truncus brachiocephalicus, Strukturen in Mitleidenschaft gezogen wer-
A13 V. jugularis interna, den. Infiltrativ wachsende Tumore der Lun-
A14 Gl. thyroidea, genspitze, z. B. ein Pancoasttumor (Karzinom),
A15 N. vagus, können den Plexus brachialis (A7) ummauern
A16 A. carotis communis, und dadurch heftige Armschmerzen auslösen.
A17 Ductus thoracicus,
A18 N. laryngeus recurrens.

Transversale Schnittebene in Höhe des


5. Thorakalwirbels (B)
Die Schnittebene liegt kaudal der Bifurcatio
tracheae. Beide Lungenpforten sind zu über-
blicken. Auf der rechten Seite erkennt man
den Verlauf der A. pulmonalis dextra (B19)
Schnittanatomie 133

Atmungssystem
14
12
13 8
13
16
6 15
10 18
3 6
11 6 7

1 17
4
2

A Transversale Schnittebene in Höhe von Th 2

33

32
31

26
30
20

19 23

25
21
24

22 27
34

29
35 11 28

B Transversale Schnittebene in Höhe von Th 5


134 Atmungsystem: Lunge

Atemmechanik versale (B1) und der sagittale (B2) Durch-


messer verringern sich, was konsekutiv zu
Voraussetzung für den Gasaustausch zwi- einer Verkleinerung des epigastrischen
schen den Lungenalveolen und der Umwelt, Winkels (B3) führt. Unterstützend kann hier
also für eine optimale Be- und Entlüftung vor allem eine Kontraktion der exspirato-
Atmungssystem

der Alveolen, sind Druckveränderungen im risch wirkenden Mm. intercostales interni


Thorax, die durch aktive und passive Kräfte wirken. Die Zwerchfellkuppeln (B4) treten
zustande kommen. höher, wodurch sich insbesondere der unte-
Knöcherne Grundlage der Thoraxwand sind die re Abschnitt der Brusthöhle verkleinert
Rippen, die Brustwirbel und das Sternum. Die (B5). Eine verstärkte Exspiration wird durch
Rippen sind in Form, Länge und Stellung un- die Bauchpresse unterstützt, an der vor al-
terschiedlich (Bd. 1 S. 64) und besitzen ein lem die Mm. transversi abdominis beteiligt
hohes Maß an Elastizität. Die den knöchernen sind.
Thorax bewegenden Muskeln sind vor allem
die zwischen den Rippen verlaufenden Mm. Rippen- und Bauchatmung
intercostales (Bd. 1 S. 82) und die Mm. scale- Wie aus den vorangehenden Beschreibun-
ni (Bd. 1 S. 80). Auch das zwischen Brust- gen hervorgeht, werden beim gesunden Er-
und Bauchhöhle gelegene Zwerchfell (Bd. 1 wachsenen 2 Atemmechanismen miteinan-
S. 102) ist ein wichtiger Atemmuskel. Bei der kombiniert.
der Ein- und Ausatmung wird das Lungen- Beim kostalen Atemmechanismus wird das
volumen in Korrelation zur Erweiterung Thoraxvolumen durch die Bewegung der
oder Verengung des Thoraxraumes vergrö- Rippen verändert (1 – 3). Beim diaphragma-
ßert oder verkleinert (s. u.). Dabei folgt die len Atemmechanismus variiert das Thoraxvo-
Lungenoberfläche durch Adhäsion zwangs- lumen in Abhängigkeit von Verschiebungen
weise den Thoraxexkursionen, obwohl die des Bodens der Cavitas thoracis (4 – 5).
Lunge aufgrund ihrer Eigenelastizität das
Bestreben hat, sich hilumwärts zusammen- Säuglinge sind aufgrund der Horizontalstellung
ihrer Rippen überwiegend auf die Bauchatmung
zuziehen.
angewiesen, ebenso ältere Menschen, bei denen
Inspiration (A). In dieser Phase werden die die Thoraxbeweglichkeit durch Elastizitätsverlust
Cavitas thoracis und das Lungenvolumen schwindet.
vergrößert. Die Rippen heben sich, dadurch
weitet sich der Thorax sowohl im transver- Klinischer Hinweis. Die Unversehrtheit des
salen (A1) als auch im sagittalen Durchmes- Pleuraspaltes ist Voraussetzung für eine nor-
male Atmung. Dringt Luft von außen oder in-
ser (A2) und der epigastrische Winkel wird
nen in den Pleuraspalt, so wird der bestehende
vergrößert (A3). Hierzu ist die Muskeltätig- Unterdruck aufgehoben und es kommt zum
keit der Mm. scaleni und/oder der Mm. inter- Pneumothorax. Aufgrund fehlender Kapillar-
costales externi erforderlich. Die Kontraktion kräfte folgen die Lungen nicht mehr den Bewe-
des Zwerchfells (A4) führt zum Tiefertreten gungen der Thoraxwand. Die elastische Lunge
des Centrum tendineum, zur Abflachung der kollabiert ihrer Retraktionskraft folgend auf 1/3
Zwerchfellkuppeln und zu einer Erweiterung ihres ursprünglichen Volumens.
des Thorax nach kaudal (A5). Je tiefer die In-
spiration, desto stärker wird der Recessus
costodiaphragmaticus abgeflacht und desto
tiefer steigt der Unterrand der Lunge in die-
sen Komplementärraum hinab.
Exspiration (B). In dieser Phase werden Ca-
vitas thoracis und Lungenvolumen wieder
verkleinert. Bei ruhiger Atmung kehrt der
elastische Brustkorb passiv in die Ausgangs-
lage, die Atemruhelage, zurück. Der trans-
Atemmechanik 135

Atmungssystem
5

1 2
3
4
4

A Inspirationsstellung

4
1 3 2 4

B Exspirationsstellung

A, B Atemstellungen von Brustkorb und Zwerchfell,


Photogramme und Röntgenbilder übereinandergezeichnet
136 Atmungssystem: Mediastinum

Mediastinum Die Grenze zwischen Mediastinum superius


und Mediastinum inferius wird bei der Be-
Das Mediastinum ist der mittelständige Bin- trachtung des Mediastinums von rechts in
degewebsraum im Thorax, der zwischen den etwa durch den Verlauf der V. azygos (A12)
beiden Pleurahöhlen liegt (Gliederung markiert. Sie zieht im Bogen über die Struk-
Atmungssystem

S. 32). Die laterale Wand des Mediastinums turen der rechten Lungenwurzel hinweg.
wird also beidseits von der Pleura mediasti- Mediastinum inferius. Das untere hintere
nalis gebildet. Entfernt man die Lunge einer Mediastinum enthält den Ductus thoracicus
Thoraxhälfte und löst die Pleura mediasti- (A13), den Ösophagus (A1), den rechten N.
nalis ab, kann man alle Gebilde des Media- vagus (A3) und den N. splanchnicus major
stinums, insbesondere auch die Strukturen (A14).
der Lungenwurzel, in situ überblicken. Das breite Mediastinum medius enthält das
Perikard (A15) und das Herz sowie die intra-
Mediastinum von der rechten Seite perikardial gelegenen Anteile der großen
Gefäße. Zwischen Perikard und entfernter
Betrachtet man das Mediastinum nach Her- Pleura mediastinalis verläuft der N. phreni-
ausnahme der rechten Lunge in der Ansicht cus (A16) in Begleitung der Vasa pericardia-
von rechts, so fällt auf, dass das Mediasti- cophrenica (A17). Das mittlere Mediastinum
num ein von kranial nach kaudal durchge- beherbergt außerdem den rechten Haupt-
hender, zusammenhängender Raum ist. Die bronchus und dessen Aufzweigung (A18),
Grenzen (S. 32) zwischen Mediastinum su- die A. pulmonalis dextra (A19) und die Vv.
perius und inferius sowie die zwischen den pulmonales dextrae (A20) sowie die Lnn. tra-
Anteilen des Mediastinum inferius sind rein cheobronchiales (A21).
deskriptiv. Dennoch dienen sie als Leitfaden In dem zwischen Sternum und Perikard ge-
zur folgenden Beschreibung der Topografie legenen vorderen Abschnitt, Mediastinum
des Mediastinums. anterius, finden sich nur lockeres Bindegewe-
Mediastinum superius. Im oberen Media- be, einige Lymphknoten und Äste der Vasa
stinum, dem Bereich oberhalb des Herzens, thoracica interna.
kommen dorsal die Organe Ösophagus (A1) Die Facies medialis der rechten Lunge liegt
und Trachea (A2) zur Ansicht. Sie werden in enger Nachbarschaft zum Ösophagus und
begleitet vom N. vagus dexter (A3) und von den ihn begleitenden Vagusästen.
Lnn. paratracheales (A4). Ventral von diesen
Organen liegt die V. cava superior (A5), die Dorsale Thoraxwand. An der in Abbildung
aus dem Zusammenfluss der Vv. brachioce- A teilweise dargestellten dorsalen Thorax-
phalicae dextra (A6) et sinistra entsteht. Die wand liegt paravertebral der Truncus sym-
V. brachiocephalica dextra bedeckt den aus pathicus (Grenzstrang) (A22). Am Unterrand
dem Aortenbogen entspringenden Truncus der Rippen verlaufen die Nn. intercostales
brachiocephalicus (A7), der die A. subclavia (A23) in Begleitung der Vasa intercostalia
dextra (A8) entlässt. Diese wird vom N. la- (A24). Diese Strukturen liegen innerhalb
ryngeus recurrens (A9) aus dem N. vagus bzw. unter der Fascia endothoracica und
umschlungen. Ventral der V. cava superior sind daher nicht mehr als Strukturen des
liegt der intraperikardiale Teil der Aorta as- Mediastinums anzusehen. Die Fascia endo-
cendens (A10). Die großen Gefäße werden thoracica verschmilzt an der dorsalen Tho-
ventral vom Thymus-Restkörper bedeckt, raxwand mit der Pleura parietalis.
der sich dem Betrachtungsfeld der Abbil-
dung A entzieht, da die ihn verdeckende Klinischer Hinweis. In der Klinik wird oft nur
Pleura mediastinalis (A11) nicht ganz weg- von einem vorderen und einem hinteren Me-
präpariert wurde. diastinum gesprochen, wobei die Trachea als
Grenze angenommen wird.
Mediastinum von der rechten Seite 137

Atmungssystem
9
7

3
4
11
1 6

2
12
22
13 21 10

18
19 16

17
1
20

15

24 23 14

A Mediastinum von der rechten Seite


138 Atmungssystem: Mediastinum

Mediastinum von der linken Seite Klinischer Hinweis. Entzündungen in den Bin-
degewebsräumen des Halses können sich un-
Mediastinum superius. Nach Herausnah-
gehindert in das Mediastinum ausbreiten.
me der linken Lunge sieht man prominent Durch die modernen bildgebenden Verfahren,
den Aortenbogen (A1), der die A. carotis Computertomografie und Kernspintomografie,
Atmungssystem

communis sinistra (A2) und die A. subclavia ist die Diagnostik von mediastinalen Prozessen
sinistra (A3) entlässt. Ventral vom Aorten- gegenüber der konventionellen Röntgentech-
bogen liegen die oberflächlichen Teile des nik erheblich erweitert und verbessert wor-
vegetativen Plexus cardiacus (A4) und der N. den.
vagus sinister (A5), von dem der N. laryngeus Unter dem Begriff Mediastinaltumor wird eine
recurrens sinister (A6) abzweigt. Dieser Nerv Vielzahl von Tumoren unterschiedlicher ge-
weblicher Herkunft zusammengefasst. Nach
schlingt sich nach dorsal um den Aortenbo-
ihrer Lokalisation unterscheidet man Tumore
gen und das Lig. arteriosum (A7). Ventral im oberen Mediastinum: Struma retrosternalis,
vom Aortenbogen sieht man noch die aus Thymome, Lymphome, Hämangiome, Dermoid-
der Bildebene verschwindende V. brachioce- zysten und Teratome bei Kindern; im Mediasti-
phalica sinistra (A8). Dorsal vom Aortenbo- num anterius Lipome; im Mediastinum me-
gen kommen der Ösophagus (A9) und der dium: Hilustumore, hiläre Lymphknotenmetas-
Ductus thoracicus (A10) zur Ansicht. tasen, bronchiogene Zysten und Perikardzysten;
im Mediastinum posterius: Ösophagustumore,
Mediastinum inferius. Im unteren hinteren Lymphome, Neurinome, Fibrosarkome und Gan-
Mediastinum wird der Ösophagus (A9) von glioneurome. Die Mediastinoskopie ermöglicht
der Pars descendens aortae (A11) begleitet. die direkte Betrachtung des vorderen oberen Me-
Zwischen ihnen verläuft das Geflecht des N. diastinums und damit der paratrachealen und
vagus sinister nach kaudal. Am weitesten tracheobronchialen Bezirke des Mediastinum.
dorsal liegen im hinteren Mediastinum der
linken Seite die V. hemiazygos (A12) und die
V. hemiazygos accessoria (A13).
Das untere mittlere Mediastinum wird weitge-
hend vom Perikard (A14) und vom Herz aus-
gefüllt. Auf dem Perikard verläuft der N.
phrenicus sinister (A15) in Begleitung der
Vasa pericardiacophrenica (A16). Die Struk-
turen der Lungenwurzel, die im oberen Teil
des mittleren Mediastinums liegen, werden
vom Arcus aortae und der Pars thoracica
aortae umrahmt. In die Biegung des Aorten-
bogens schmiegt sich die A. pulmonalis sini-
stra (A17), von der das Lig. arteriosum (A7)
zur Unterseite des Aortenbogens zieht. Un-
terhalb von der Pulmonalarterie liegen der
linke Hauptbronchus (A18) und die Vv. pul-
monales sinistrae (A19).
Die wenigen Strukturen des unteren vorderen
Mediastinums sind auf Abbildung A nicht im
Einzelnen zu differenzieren.
Auf der medialen Fläche der linken Lunge
hinterlassen vor allem der Aortenbogen und
die Pars thoracica aortae deutliche Abdrük-
ke.
Mediastinum von der linken Seite 139

Atmungssystem
2 3
5
10
8 9

1
4 7
6

17 13

15 18

16 19

14

9 11 12

A Mediastinum von der linken Seite


Atmungssystem
140
Verdauungssystem

Übersicht 142
Mundhöhle 144
Pharynx 168
Topografische Anatomie I 172
Ösophagus 176
Bauchhöhle 182
Magen 190
Dünndarm 196
Dickdarm 202
Leber und Gallenwege 212
Bauchspeicheldrüse 220
Topografische Anatomie II 224
142 Verdauungssystem: Übersicht

Übersicht Wandaufbau der Verdauungsorgane


Das Verdauungssystem stellt zum größten
Allgemeiner Aufbau und Teil einen von Epithel ausgekleideten muskulä-
Funktionen ren Schlauch dar, dessen Aufbau den regional
unterschiedlichen Funktionen angepasst ist.
Das Verdauungssystem, Systema digestori-
Der überwiegende Anteil dieses Epithel-
um, dient in erster Linie der Aufnahme von
rohrs geht aus dem inneren Keimblatt, En-
Verdauungssystem

Nahrung, deren Zerlegung, enzymatischer


toderm (s. S. 326), hervor.
Aufschlüsselung und Verwertung. Dem Or-
Organe des Kopfdarms. Sie haben jeweils
ganismus wird mit der Nahrung Energie zu-
unterschiedliche Funktionen und sind ent-
geführt, die hauptsächlich aus Eiweiß, Fett
sprechend aufgebaut. So besteht die Zunge
und Kohlenhydraten gewonnen wird. Dar-
überwiegend aus quergestreifter Muskula-
über hinaus enthält sie lebenswichtige Nah-
tur, die von einem sehr differenzierten und
rungsergänzungsstoffe, z. B. Vitamine.
spezialisierten Epithel überzogen wird. Die
Entsprechend seiner Aufgaben kann das
ebenfalls in der Mundhöhle untergebrach-
menschliche Verdauungssystem in 2 Ab-
ten Zähne bestehen aus verschiedenen
schnitte unterteilt werden, den Kopfteil, der
Hartsubstanzen.
Einrichtungen zur Nahrungsaufnahme und
Organe des Rumpfdarms. Sie sind großen-
Zerkleinerung besitzt, und den Rumpfteil, in
teils resorptiv tätig und weisen einen im
dem die Nährstoffe durch Enzyme aus der
Prinzip gleichartigen mehrschichtigen Wand-
Nahrung freigesetzt, chemisch in Bruch-
aufbau (B) aus Tuncia mucosa (B13), Tela
stücke zerlegt und resorbiert werden. Nicht
submucosa (B14), Tunica muscularis (B15)
verwertbare Nahrungsbestandteile werden
und Tunica serosa mit Tela subserosa bzw.
wieder ausgeschieden.
Tunica adventitia (B16) auf. Die Tunica muco-
Kopfteil (A). Hierzu gehören die Mundhöhle
sa ist dreischichtig. Sie setzt sich aus einer
(A1) mit den angeschlossenen großen und
regional unterschiedlichen, für die Funktion
kleinen Speicheldrüsen und der sog. Kiemen-
charakteristischen Lamina epithelialis, einer
darm, d. h. die mittleren und unteren Pharynx-
bindegewebigen Lamina propria und einer
abschnitte (A2). Im Kopfdarm wird die Nah-
schleimhauteigenen Muskelschicht, Lamina
rung mit Hilfe von Lippen (A3), Zähnen (A4)
muscularis mucosae, zusammen. Die Tela
und Zunge (A5) aufgenommen und zerklei-
submucosa ist eine bindegewebige Verschie-
nert. Durch den Speichel wird sie gleitfähig
beschicht, die Tunica muscularis besteht aus
gemacht und in einzelnen Bissen ver-
2 Schichten glatter Muskulatur, einer ring-
schluckt, d. h. in den Pharynx transportiert.
förmig, Stratum circulare, und einer
Rumpfteil. Er beginnt mit der Speiseröhre,
longitudinal angeordneten Schicht, Stratum
Ösophagus (A6), und setzt sich in den Ma-
longitudinale. Nach außen besitzt das Darm-
gen-Darm-Kanal fort, an den die großen
rohr entweder einen Bauchfellüberzug
Verdauungsdrüsen, Leber (A7) und Bauch-
durch die Tuncia serosa, oder es wird über
speicheldrüse (A8), angeschlossen sind. In
Bindegewebe der Tunica adventitia in die
der Speiseröhre wird der Speisebrei in Rich-
Umgebung eingebaut.
tung Magen (A9) transportiert. Im Magen
Das gesamte Darmrohr wird vegetativ inner-
beginnt die enzymatische Zerlegung in die
viert. In der Tela submucosa und zwischen
Nahrungsbestandteile, die im Dünndarm
den Schichten der Tunica muscularis liegen
(A10) beendet wird. Dort werden auch die
die intramuralen Plexus, Plexus submucosus
Bausteine der Nährstoffe resorbiert, was
(Meißner-Plexus) und Plexus myentericus
durch die Sekrete mehrerer Drüsen vorbe-
(Auerbach-Plexus) (Bd. 3 S. 302). Sie bilden
reitet wird. Hauptaufgabe des Dickdarms
das intrinsische enterische Nervensystem
(A11) ist die Resorption von Wasser und
und stehen mit dem außerhalb des Darm-
Elektrolyten aus dem Darminhalt, der durch
rohrs gelegenen extrinsischen vegetativen
Gärung und Fäulnis in Kot umgewandelt
Nervensystem in direkter Verbindung.
und zum Darmausgang (A12) transportiert
wird.
Allgemeiner Aufbau und Funktionen des Verdauungssystems 143

16 13 14 15

3
4 5

Verdauungssystem
2

B Wandaufbau
im Rumpfdarm

9
7

11

10
11

11

A Organe des
Verdauungssystems

12
144 Verdauungssystem: Mundhöhle

Mundhöhle Lippen. Die Oberlippe reicht bis zur Basis


der äußeren Nase, die Unterlippe bis zur
Allgemeiner Aufbau Kinn-Lippen-Furche, Sulcus mentolabialis
(B20). Oberlippe, Labium superius (B21), und
Die Mundhöhle, Cavitas oris, ist ein von Unterlippe, Labium inferius (B22), sind seit-
Schleimhaut, Tunica mucosa oris, ausgeklei- lich im Mundwinkel, Angulus oris (B23), mit-
deter Raum. Man unterscheidet drei hinter- einander verbunden (Commissura labio-
einander gelegene Abschnitte: Vorhof, Vesti-
Verdauungssystem

rum) und schließen die Mundspalte, Rima


bulum oris (A1), eigentliche Mundhöhle, Ca- oris (B24), ein. Hier grenzen äußere Ge-
vitas oris propria (A2), sowie Schlund, Fauces, sichtshaut und innere Mundschleimhaut
der mit der Schlundenge, Isthmus faucium über eine Zwischenzone, das Lippenrot, an-
(A3), den Übergang zum Rachen bildet. einander. An der Oberlippe ist dieses in der
Vestibulum oris. Es wird vorne durch die Mitte zum Tuberculum verdickt. Von hier
Lippen, Labia oris (A4), seitlich durch die aus zieht eine Hautrinne, Philtrum (B25),
Wangen, Buccae (A5), und innen von den nach kranial zur Nase.
Zähnen, Dentes (A6), und den Alveolarfort- Histologie. Die Lippen sind Haut-Schleimhaut-Fal-
sätzen (A7) von Ober- und Unterkiefer be- ten, deren Grundlage der mimische M. orbicularis
grenzt. Die Schleimhaut über den Alveolar- oris (C26) bildet. Außen werden sie von Epidermis
fortsätzen ist das Zahnfleisch, Gingiva mit Haaren, Schweiß- und Talgdrüsen bedeckt.
(CD8). Es ist hier fest mit dem Knochen ver- Die Übergangszone, das Lippenrot (C27), ist durch
wachsen und schlägt auf Lippen und Wan- schwach verhorntes Epithel charakterisiert, hier
schlägt der M. orbicularis oris (C26) hakenförmig
gen unter Bildung eines Gewölbes, Fornix
nach außen um. Das Lippenrot geht nach innen
(C9), um, wo die Schleimhaut sehr ver- kontinuierlich in die von mehrschichtig unver-
schieblich ist. Die Lippen sind in der Mitte horntem Plattenepithel ausgekleidete Mund-
über je ein Schleimhautbändchen, Frenulum schleimhaut über, die seromuköse Glandulae la-
labii superioris (A10) und Frenulum labii in- biales (C28) enthält.
ferioris (A11), am Zahnfleisch des Ober- bzw. Wangen (D). Grundlage ist eine vom M. buc-
Unterkiefers befestigt. In den Vorhof mün- cinator (D29) gebildete Muskelplatte, die in-
den zahlreiche kleine Speicheldrüsen sowie nen von Mundschleimhaut mit kleinen Spei-
der Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse cheldrüsen, Glandulae buccales, bedeckt
(S. 154). Bei geschlossenen Zahnreihen gibt wird. Außen liegt ihr der Wangenfettpfropf,
es lediglich hinter dem 3. Mahlzahn und Corpus adiposum buccae (Bichat-Fettpfropf)
durch die Zahnzwischenräume Verbindun- (D30), an, gefolgt vom M. masseter (D31).
gen zur Cavitas oris propria.
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss. Wan-
Eigentliche Mundhöhle. Vordere und seitli- gen und Lippen werden aus der A. facialis
che Begrenzung sind Alveolarfortsätze, Zäh- versorgt, ihr venöser Abfluss verläuft über
ne und Zahnfleisch. Hinten steht die Mund- die V. facialis. Die Oberlippe wird sensibel
höhle über den Isthmus faucium mit dem vom N. infraorbitalis (Ast des N. maxillaris),
Rachen in Verbindung. Das Dach wird vom die Unterlippe vom N. mentalis (Ast des N.
harten und weichen Gaumen, Palatum du- mandibularis) und die Wangenschleimhaut
rum (A12) und Palatum molle (A13), gebildet vom N. buccalis (Ast des N. mandibularis)
und markiert die Trennwand zur Nasenhöh- innerviert. Die Lymphe aus der Oberlippe
le. Den Boden formen die Muskeln des fließt zu den submandibulären und oberen
Mundbodens, Diaphragma oris (S. 152), auf Halslymphknoten, die aus der seitlichen
dem die Zunge, Lingua (ACD14), liegt. Unterlippe zu den submandibulären und
A15 Arcus palatoglossus, A16 Arcus palatopha- die aus der Unterlippenmitte zu den sub-
ryngeus, A17 Tonsilla palatina, A18 Uvula palati- mentalen Lymphknoten.
na.
D32 Platysma, D33 M. geniohyoideus, D34 M. my-
Im Gesicht wird die Grenze zwischen Wan- lohyoideus.
gen und Lippen durch die Nasen-Lippen-
Furche, Sulcus nasolabialis (B19), markiert.
Allgemeiner Aufbau der Mundhöhle 145

4 10

7 1
19
6
25

Verdauungssystem
24
12 21

23
2
15 13 22
5
3 16
5 18 20
17
B Lippen, Lippenfurchen

14

A Mundhöhle

1
4
11

31 8
9
8 30
26 14
29
14
27
26
28 32

33
34

C Lippe, sagittal D Wange und Mundhöhle, frontal


146 Verdauungssystem: Mundhöhle

Gaumen latina (C8), eine Fortsetzung des Periostes,


ein, die die Grundlage des Gaumensegels
Palatum durum (A). Der harte Gaumen bil- bildet.
det die vorderen zwei Drittel des Mundhöh-
lendachs. Knöcherne Grundlage sind die Pro- M. tensor veli palatini (C10). Der Spanner
cessus palatini der Maxilla und die Laminae des Gaumensegels entspringt als dünne
horizontales der Ossa palatina (Bd. 1 S. 294). dreiseitige Platte von der Schädelbasis und
Der Knochen wird von Periost und einer dik- von der Wand der Tuba auditiva. Er steigt ab-
Verdauungssystem

ken Schleimhaut überzogen, die unverschieb- wärts und endet in einer Sehne, die um den
lich am Periost befestigt ist und sich nach Hamulus pterygoideus (C11) herumläuft
vorne in das Zahnfleisch fortsetzt. In der und horizontal in die Gaumenaponeurose
Mitte wirft die Schleimhaut eine Leiste auf, einstrahlt. Der Muskel hebt und spannt das
Raphe palati (A1), die bindegewebig mit der Gaumensegel bis zur Horizontalen und öff-
knöchernen Gaumennaht zusammenhängt net dabei den Eingang in die Tuba auditiva.
und vorne in einer kleinen Erhebung, Papilla Er wird von einem Ast des N. mandibularis
incisiva (A2), endet. Zu beiden Seiten der innerviert.
Raphe bildet die Schleimhaut flache quere M. levator veli palatini (C12). Der Muskel
Gaumenleisten, Plicae palatinae transversae entspringt an der Schädelbasis dorsal und
(A3). Die Zunge drückt die Nahrung gegen medial vom M. tensor veli palatini und vom
das Gebiet der Gaumenleisten und -rinnen. Tubenwulst, zieht schräg nach vorne, unten
Rechts und links der Mittellinie liegen im und medial und inseriert in der Gaumen-
hinteren Bereich der Schleimhaut des har- aponeurose. Er hebt das Gaumensegel und
ten Gaumens Pakete von kleinen mukösen zieht es nach hinten. Der Muskel wird über
Gaumenspeicheldrüsen, Glandulae palatinae den Plexus pharyngeus (N. vagus und N.
(A4), die einen Gleitschleim für die Nahrung glossopharyngeus) innerviert.
herstellen. In Ergänzung zum oberen Schlundschnürer
sind der M. tensor veli palatini und der M.
Palatum molle (B). Im hinteren Drittel wird levator veli palatini am Aufbau der seitli-
das Dach der Mundhöhle vom weichen Gau- chen Pharynxwand beteiligt.
men bzw. Gaumensegel, Velum palatini, ei- M. palatoglossus (B13). Er liegt im vorderen
ner sehnig-muskulären Platte, gebildet. Es Gaumenbogen, entspringt von der Gaumen-
hängt segelförmig vom harten Gaumen aponeurose und strahlt in den Seitenrand des
schräg nach hinten herab. Vom Hinterrand Zungengrundes ein. Er dient der Verengung
hebt sich in der Mitte das Zäpfchen, Uvula des Isthmus faucium, indem er den Zungen-
palatina (ABC5), ab, von dem seitlich je 2 Fal- grund hebt oder das Gaumensegel abwärts
ten, die Gaumenbögen, divergierend nach zieht. Er wird vom N. glossopharyngeus in-
kaudal ziehen. Die Gaumenbögen einer Sei- nerviert.
te umfassen eine Nische, in der beiderseits Der M. palatopharyngeus (B14). Er liegt im
die Gaumenmandel, Tonsilla palatina (B6), hinteren Gaumenbogen und entspringt
gelegen ist. Der vordere Gaumenbogen, Ar- ebenfalls in der Gaumenaponeurose. Er wird
cus palatoglossus (B7), zieht zum Seitenrand zu den Schlundhebern gerechnet und vom
der Zunge, der hintere, Arcus palatopharyn- N. glossopharyngeus innerviert.
geus (B8), in die Wand des Schlundes. Die M. uvulae (B15). Er entspringt paarig von
durch die Gaumenbögen entstehende Ra- der Gaumenaponeurose, in manchen Fällen
chenenge, Isthmus faucium, ist der muskulär vom knöchernen harten Gaumen und strahlt
verschließbare Eingang zum Rachen. hinter dem M. levator veli palatini in die
Schleimhaut und Drüsen des harten Gau- Aponeurose der Uvula ein. Er verkürzt die
mens setzen sich auf den weichen Gaumen Uvula und wird vom Plexus pharyngeus in-
fort. nerviert.

Gaumenmuskeln Klinischer Hinweis. Bei einer Gaumenspalte


Die Gaumenmuskeln strahlen in eine derbe ist die Funktion des weichen Gaumens gestört
und infolgedessen die Belüftung des Mitteloh-
bindegewebige Aponeurose, Aponeurosis pa-
res über die Tuba auditiva beeinträchtigt.
Gaumen 147

3
1
15 14 13

Verdauungssystem
7

8
6

A Gaumen, Gaumendrüsen B Gaumenbögen, Gaumenmandel

11

12
10

C Gaumensegel von unten


148 Verdauungssystem: Mundhöhle

Zunge Papillae filiformes (B10, C) sind fadenförmig und


haben an ihren Enden gespaltene, verhornte Epi-
Grundlage der Zunge, Lingua, ist ein kräfti- thelspitzen. Sie bedecken, in Reihen stehend, den
ger und wandlungsfähiger Muskelkörper, der überwiegenden Teil des Zungenrückens und die-
von einer sehr differenzierten Schleimhaut, nen v. a. der Tastempfindung. Sie besitzen keine
Tunica mucosa linguae, überzogen wird. Geschmacksknospen. Papillae fungiformes (B11, D)
sind pilzähnliche Epithelerhebungen mit glatter
Makroskopisch unterscheidet man Zungen-
Oberfläche, die hauptsächlich am Zungenrand
körper, Corpus linguae, Zungenspitze, Apex
Verdauungssystem

vorkommen und neben Geschmacksknospen auch


linguae (A1), und Zungenwurzel, Radix lin- Mechano- und Thermorezeptoren besitzen. Ihre
guae, mit der die Zunge an den benachbar- Hauptaufgabe besteht darin, gelöste Schmeck-
ten knöchernen Strukturen befestigt ist. Als stoffe zu perzipieren. Papillae foliatae, Blattpapil-
Zungenrücken, Dorsum linguae (A2), wird die len (A12), liegen in Reihen angeordnet am hinte-
konvex gekrümmte Zungenoberfläche be- ren Zungenrand und enthalten zahlreiche Ge-
zeichnet. Sie wird durch eine V-förmige Fur- schmacksknospen. Als Papillae vallatae (B13, E)
che, Sulcus terminalis (A3), in 2 Anteile ge- werden die 7 – 12 vor dem Sulcus terminalis gele-
genen Papillen bezeichnet, die von einem schma-
gliedert. An der Spitze des Sulcus terminalis
len tiefen Graben (Ringwall) umgeben werden
liegt das Foramen caecum (A4), Ursprungs-
und sehr viele Geschmacksknospen (Bd. 3 S. 332)
ort der Schilddrüsenanlage. enthalten. In die Grabensohle münden die Aus-
Vor dem Sulcus liegen etwa zwei Drittel der führungsgänge der serösen Spüldrüsen (von-Eb-
Zunge. Sie machen den oralen Anteil, Pars ner-Drüsen) ein.
anterior oder Pars presulcalis (A5), aus. Das
Pars posterior. Der postsulkale, pharyngea-
hinter dem Sulcus gelegene Zungendrittel
le Abschnitt der Zunge (auch als Zungen-
bildet den pharyngealen Anteil, Pars poste-
grund oder Zungenwurzel bezeichnet), bil-
rior oder Pars postsulcalis (A6). Er ist dorsal
det die vordere Wand des Oropharynx. Late-
vom Arcus palatoglossus im Oropharynx lo-
ral geht der Zungengrund in die Tonsilla pa-
kalisiert und nahezu vertikal eingestellt. Die
latina (A14) und die laterale Pharynxwand
beiden Anteile der Zunge unterscheiden
über. Dorsal ziehen 3 Schleimhautfalten
sich hinsichtlich des Aufbaus ihrer Schleim-
zum Kehldeckel, in der Mitte eine Plica glos-
haut, ihrer Innervation und ihrer verschie-
soepiglottica mediana (A15) und seitlich je ei-
denen embryonalen Herkunft.
ne Plica glossoepiglottica lateralis (A16). Zwi-
Pars anterior. Der orale Teil der Zunge liegt schen den Falten entstehen 2 Gruben, Valle-
auf dem Mundboden; sie stößt hier mit dem culae epiglotticae (A17). Die Oberfläche des
Rücken an den Gaumen, mit der Spitze an Zungengrundes ist durch subepithelial gele-
die Schneidezähne und mit dem Rand, Mar- gene Lymphfollikel/Zungenbälge, Folliculi
go linguae (A7), an die Backenzähne. Am linguales (AB18), unregelmäßig und höcke-
Zungenrand geht der Zungenrücken in die rig gestaltet. Die Gesamheit dieser Follikel
Unterseite, Facies inferior linguae (S. 152), wird auch als Tonsilla lingualis (S. 416) be-
über. Die Schleimhaut des Zungenrückens zeichnet. Papillen fehlen hier.
besteht aus einem mehrschichtigen unver-
Innervation der Zungenschleimhaut. Die
hornten Plattenepithel und ist unverschieb-
Pars presulcalis wird sensibel vom N. lingualis
lich mit einer darunter liegenden bindege-
(aus dem N. mandibularis) versorgt, senso-
webigen Platte, Aponeurosis linguae, ver-
risch (Ausnahme Papillae vallatae) durch
bunden. Sie weist im oralen Teil eine mehr
die Chorda tympani (aus dem N. intermedio-
oder minder ausgeprägte mediane Furche,
facialis). Die Pars postsulcalis wird sensibel
Sulcus medianus linguae (A8), auf. Das Relief
vom N. glossopharyngeus innerviert mit
des Zungenrückens ist geprägt durch ver-
Ausnahme der Valleculae epiglotticae, die
schiedene Papillen, Papillae linguales (A9,
vom N. vagus versorgt werden. Die sensori-
B-E), d. h. makroskopisch sichtbaren Erhe-
schen Afferenzen aus den Geschmacksknos-
bungen, die aus einem bindegewebigen
pen des hinteren Zungendrittels verlaufen
Grundstock mit Epithelüberzug bestehen.
ebenfalls über den N. glossopharyngeus, im
Papillae linguales. Die Papillen werden aufgrund Bereich der Valleculae epiglotticae über den
unterschiedlicher Formen in 4 Typen gegliedert: N. vagus.
Zunge 149

16
15 17

18

Verdauungssystem
14 6
4

3
2
9
12

7
5

A Zungenschleimhaut und Zungenpapillen, Aufsicht

18 13

10

11

B Zungenpapillen, vergrößert C Papillae filiformes

D Papilla fungiformis E Papilla vallata


150 Verdauungssystem: Mundhöhle

Zungenmuskeln gualis (A9), die von dorsal kommend unter


den M. hyoglossus gelangt, wo sie sich in die
Die Zungenmuskeln, Mm. linguae, werden Endäste, A. profunda linguae und A. sub-
gegliedert in die von Skelettteilen entsprin- lingualis, verzweigt.
gende äußere Zungenmuskulatur und die
ausschließlich in der Zunge lokalisierte, AB10 M. geniohyoideus, A11 M. palatoglossus,
nicht an Skelettteilen befestigte innere Mus- A12 M. palatopharyngeus, A13 M. constrictor
pharyngis superior.
kulatur.
Verdauungssystem

Innere Zungenmuskeln
Äußere Zungenmuskeln
Die inneren Zungenmuskeln bestehen aus
Zu den äußeren Zungenmuskeln zählen der Fasersystemen, die in allen 3 Ebenen des
M. genioglossus, der M. hyoglossus, der M. Raumes verlaufen und am bindegewebigen
styloglossus und der M. palatoglossus, der Gerüst der Zunge verankert sind. Letzteres
bereits bei den Muskeln des weichen Gau- besteht aus einer medianen, vertikal ge-
mens besprochen worden ist (S. 146). stellten Bindegewebsfaserschicht, Septum
M. genioglossus (AB1). Er entspringt paarig linguae, welche die Zunge unvollständig in 2
von der Spina mentalis des Unterkiefers ober- Hälften unterteilt, und einer derben Binde-
halb vom M. geniohyoideus und strahlt fä- gewebsplatte, die sich am Zungenrücken
cherförmig von der Zungenspitze nach hin- zwischen Schleimhaut und Muskulatur er-
ten und oben in den Zungenkörper ein, wobei streckt, Aponeurosis lingualis (C14). Auf je-
sich seine Muskelfasern, die sich an der Apo- der Seite des Septum linguae unterscheidet
neurosis linguae anheften, mit den inneren man folgende Faserbündel:
Zungenmuskeln vermischen. Der Muskel be- Mm. longitudinales superior (B15) et infe-
wegt die Zunge nach vorn und zieht sie rior (B16). Sie ziehen nahe dem Zungen-
mundbodenwärts. Lateral wird der M. ge- rücken unter der Zungenaponeurose bzw.
nioglossus vom M. hyoglossus bedeckt. nahe dem Mundboden als umschriebene
M. hyoglossus (A2). Er entspringt als dünne Bündel von der Zungenspitze bis zum Zun-
vierseitige Muskelplatte vom Cornu majus gengrund.
des Zungenbeins (A3) und vom Zungenbein- M. transversus linguae (C17). Er bildet ein
körper (A4), verläuft nahezu vertikal und starkes System querverlaufender Muskelfa-
strahlt seitlich vom M. genioglossus in die sern, die zum Teil in das Septum linguae, in
Zunge ein. Bei festgestelltem Zungenbein die Aponeurosis lingualis und den seitlichen
zieht der Muskel die Zunge nach hinten. Zungenrand einstrahlen und zum kleinen
M. styloglossus (A5). Er entspringt vom Teil auch das Septum überqueren.
Proc. styloideus und strahlt in Höhe des hin- M. verticalis linguae (C18). Er besteht aus
teren Gaumenbogens in die Zunge ein. Seine vertikalen Faserzügen, die von der Zungen-
Fasern ziehen im Seitenrand der Zunge nach oberfläche leicht gebogen zur Aponeurosis
vorne bis zur Zungenspitze. Der M. styloglos- linguae verlaufen.
sus zieht die Zunge nach hinten und oben.
Die inneren Zungenmuskeln dienen der
Gefäße und Nerven. Die äußeren Zungen- Formveränderung der Zunge. Meist arbeiten 2
muskeln werden (mit Ausnahme des M. pa- Systeme agonistisch zusammen und er-
latoglossus) vom N. hypoglossus (A6) inner- zwingen die Erschlaffung des dritten Sys-
viert. Er liegt dem M. hyoglossus außen auf tems. Die inneren Zungenmuskeln werden
und gibt am vorderen Rand dieses Muskels vom N. hypoglossus innerviert.
einen kleinen Ast nach vorn in den M. ge-
niohyoideus ab, ferner einen kräftigen auf- Klinischer Hinweis. Wenn durch Ausfall des N.
steigenden Ast, der den M. genioglossus und hypoglossus eine Zungenhälfte gelähmt ist,
die inneren Zungenmuskeln versorgt. Der weicht die gesunde Seite nach der kranken aus
aufsteigende Endast des N. hypoglossus un- und die Zungenspitze zeigt zur Seite der Läh-
terkreuzt den Ausführungsgang der Glan- mung. Die Zungenoberfläche der betroffenen
dula submandibularis (A7) und den N. lin- Seite erscheint infolge einer Atrophie der Zun-
gualis (A8). Die arterielle Versorgung der geneigenmuskeln gerunzelt.
Zungenmuskulatur erfolgt über die A. lin-
BC19 M. mylohyoideus, C20 Platysma.
Zungenmuskeln 151

11 12

Verdauungssystem
8 17 14

1 13

7
6
2

18
10
9

A Zungenmuskeln 4
3

19
20

C Zungenmuskeln, frontal

16
1

15

B Zunge und Mundhöhle, sagittal 19 10


152 Verdauungssystem: Mundhöhle

Facies inferior linguae (A) lohyoideus wird vom N. mylohyoideus (aus


dem N. mandibularis) innerviert.
Die Unterfläche der Zunge liegt dem Mund- M geniohyoideus (B9). Er liegt beiderseits
boden auf; sie ist nur bei hochgehobener der Mittellinie des Mundhöhlenbodens und
Zunge einsehbar. Die Schleimhaut der Zun- verstärkt diesen von innen. Er entspringt an
genunterseite ist dünn, locker mit dem Zun- der Spina mentalis des Corpus mandibulae
genkörper verbunden und bildet in der Mit- und zieht zum Körper des Zungenbeins. Der
te das Zungenbändchen, Frenulum linguae
Verdauungssystem

M. geniohyoideus wird von ventralen Ästen


(A1), das zum Zahnfleisch des Unterkiefers des 1. und 2. Zervikalnerven (Plexus cervica-
zieht. Durch die Schleimhaut schimmert zu lis) versorgt, die über den N. hypoglossus an
beiden Seiten des Zungenbändchens bläu- ihn herangebracht werden.
lich die kräftige V. profunda linguae (A2) hin- M. digastricus. Er ist ein zweibäuchiger
durch. Weiter lateral liegt meist eine ge- Muskel; sein hinterer Bauch, Venter posterior,
zackte Falte, Plica fimbriata (A3), das Rudi- entspringt an der Incisura mastoidea des Os
ment einer bei Tieren vorkommenden Un- temporale und geht in Höhe des Zungen-
terzunge. Im Bereich der Zungenspitze kann beinkörpers in eine Zwischensehne über; er
die kleine Unterzungendrüse beiderseits ei- wird vom N. facialis innerviert. Der vordere
ne Schleimhautvorwölbung hervorrufen. Bauch, Venter anterior, entspringt in der Fos-
Am Boden der Mundhöhle wird das Relief sa digastrica des Unterkiefers und geht dann
der Mundschleimhaut beiderseits durch ei- in die Zwischensehne über, die über eine
ne schmale Längsfalte, Plica sublingualis (A4), bindegewebige Schlaufe am Zungenbein be-
geprägt, unter der sich die Unterzungendrü- festigt ist (S. 155 A). Der vordere Digastri-
se (S. 154) verbirgt. Am vorderen Ende die- kusbauch wird vom N. mylohyoideus inner-
ser Falte liegt eine warzenförmige Erhe- viert.
bung, Caruncula sublingualis (A5), auf der ge- M. stylohyoideus. Er entspringt vom Proc.
meinsam oder dicht nebeneinander die styloideus und setzt an Corpus und Cornu
Drüsenausführungsgänge der großen Un- majus des Zungenbeins an. Seine Insertions-
terzungendrüse und der Unterkieferdrüse sehne spaltet sich, um die Zwischensehne
münden. des Digastrikus zu umfassen. Der M. stylo-
hyoideus wird vom N. facialis innerviert.
Klinischer Hinweis. Durch die dünne Schleim-
haut von Mundboden und Unterfläche der Die genannten Muskeln liegen oberhalb des
Zunge kann eine schnelle Wirkstoffresorption Zungenbeins und werden zur Gruppe der
bestimmter Arzneimittel erfolgen, z. B. von suprahyalen Muskeln (Obere Zungenbein-
Nitrolingual als symptomatische Behandlung muskeln) zusammengefasst. Sie sind an der
der Angina pectoris – sublinguale Applikation, aktiven Mundöffnung beteiligt und heben
perlinguale Resorption.
beim Schlucken das Zungenbein nach kra-
nial ventral.
Mundboden B10 M. hyoglossus, B11 M. stylohyoideus, B12 A.
lingualis, B13 M. genioglossus.
Der Boden der Mundhöhle liegt vorn zwi-
schen den Ästen des Unterkiefers und be- Klinischer Hinweis. Im lockeren Gewebe des
steht aus einer Muskelplatte, Diaphragma Mundbodens können sich diffus ausbreitende
oris, die hauptsächlich von den Mm. mylo- und dadurch oft schwer abgrenzbare durch
hyoidei gebildet wird und die damit die Staphylokokken und auch Streptokokken her-
Grundlage für den Mundboden bilden. vorgerufene Entzündungen entwickeln, die
zum Krankheitsbild der Mundbodenphlegmone
M. mylohyoideus (B6). Er entspringt an der führen. Ursache einer Mundbodenphlegmone
Linea mylohyoidea (B7) des Unterkiefers kann u. a. Zahnkaries, Stomatitis oder ein ört-
und zieht kaudal-, medial- und dorsalwärts licher Lymphknotenabszess sein. Die schmerz-
zu einer in der Mitte gelegenen medianen hafte Infiltration führt zu einer palpatorisch
feststellbaren Schwellung des Mundbodens, zu
Raphe und zum Zungenbein (B8). Der M. my-
Schluckbeschwerden und septischen Allge-
meinsymptomen.
Zungenunterfläche und Mundboden 153

Verdauungssystem
2

4 1

A Zungenschleimhaut von unten

9 6

7
10

11

12 8

B Mundbodenmuskeln
154 Verdauungssystem: Mundhöhle

Speicheldrüsen im Ganglion oticum umgeschaltet und mit


den Ästen des N. facialis in der Drüse verteilt.
In die Mundhöhle und in das Vestibulum Sympathische Fasern stammen aus dem Ple-
oris münden die Ausführungsgänge zahlrei- xus caroticus externus und werden mit den
cher kleiner Speicheldrüsen, Glandulae sali- Gefäßen an die Drüse herangebracht.
variae minores, und die der 3 paarig angeleg-
ten großen Speicheldrüsen, Glandulae saliva- Glandula submandibularis (AB8). Die
riae majores. überwiegend seröse Unterkieferdrüse liegt
Verdauungssystem

unterhalb des Mundbodens im Trigonum


Kleine Speicheldrüsen submandibulare (Bd. 1 S. 350), das vom Un-
terkiefer sowie vorderem (A9) und hinte-
Zu ihnen zählen die in der Schleimhaut von rem Bauch (A10) des M. digastricus be-
Lippen, Wangen, Zunge und Gaumen gelege- grenzt wird. Der von einer Organkapsel um-
nen Drüsenpakete mit überwiegend mukö- hüllte Drüsenkörper liegt unterhalb des M.
sen Endstücken (S. 156), ferner die fakulta- mylohyoideus (A11) und reicht in der Tiefe
tiv unter der Zungenspitze gelegene Glan- bis zum M. hyoglossus (B12) und M. stylo-
dula lingualis anterior. An den Zungenpapil- glossus. Der Ausführungsgang, Ductus sub-
len sitzen kleine Drüsen mit ausschließlich mandibularis (B13), wird von einem haken-
serösen Endstücken (S. 156), sie werden als förmigen Drüsenfortsatz begleitet, zieht um
Spüldrüsen bezeichnet. Die Aufgabe der den Hinterrand des M. mylohyoideus auf
kleinen Speicheldrüsen liegt vor allem in dessen Oberseite, verläuft medial der Glan-
der Befeuchtung der Mundschleimhaut. dula sublingualis (B14) nach vorne und
mündet auf der Caruncula sublingualis (B15).
Große Speicheldrüsen Die präganglionären parasympathischen Fa-
Glandula parotidea (A1). Die rein seröse sern zur Glandula submandibularis stam-
Ohrspeicheldrüse (kurz: Parotis) ist die men aus der Chorda tympani des N. facialis
größte Speicheldrüse. Sie wird von einer (Bd. 3 S. 122), werden im Ganglion subman-
5derben Faszie, Fascia parotidea, umhüllt und dibulare umgeschaltet und gelangen von
liegt vor und unter dem äußeren Gehörgang dort als postganglionäre Fasern zur Drüse.
auf dem hinteren Teil des M. masseter (A2). Die sympathischen Fasern erreichen die Drüse
Sie bedeckt das Kiefergelenk und wird von über die benachbarten Blutgefäße.
den Ästen des N. facialis durchzogen, welche Glandula sublingualis (B14). Die überwie-
die Drüse in eine Pars superficialis und eine gend muköse Unterzungendrüse liegt auf
Pars profunda unterteilen. Nach oben reicht dem M. mylohyoideus und wirft die Plica
die Parotis bis zum Jochbogen (A3), nach un- sublingualis (B16) auf. Lateral reicht sie bis
ten bis zum Angulus mandibulae (A4), in der zur Mandibula, medial bis zum M. genio-
Tiefe erstreckt sie sich hinter dem Ramus glossus (B17). Die Drüse besteht aus einer
mandibulae in der Fossa retromandibularis Hauptdrüse, deren Ausführungsgang, Ductus
(Bd. 1 S. 352) bis zur Pharynxwand. Am vor- sublingualis major, neben oder vereint mit
deren Rand tritt der 3 – 4 mm dicke Ausfüh- dem Ductus submandibularis auf der neben
rungsgang, Ductus parotideus (A5) hervor, der dem Zungenbändchen gelegenen Caruncula
parallel zum Jochbogen über den M. masse- sublingualis mündet. Die Ausführungsgänge
ter und den Wangenfettpfropf verläuft, den der zahlreichen Glandulae sublinguales mino-
M. buccinator (A6) in schrägem Verlauf res sind kurz und münden längs der Plica
durchbricht und im Vestibulum oris in Höhe sublingualis direkt in die Mundhöhle. Die
des 2. oberen Mahlzahnes auf der Papilla pa- parasympathischen Fasern erreichen die
rotidea mündet. Dem Ausführungsgang liegt Glandula sublingualis auf dem gleichen
häufig eine kleine Glandula parotidea accesso- Weg wie die zur Glandula submandibularis,
ria (A7) an. Sekretbildung und -abgabe der die sympathischen Fasern verlaufen über das
Parotis werden durch das vegetative Ner- Gefäßgeflecht entlang der A. lingualis.
vensystem gesteuert. Die präganglionären
parasympathischen Fasern verlaufen mit dem B18 N. hypoglossus, B19 A. lingualis.
N. glossopharyngeus (Bd. 3, S. 130), werden
Speicheldrüsen 155
Für Blockade

Verdauungssystem
3
5

6 2
1

8
11

A Ohrspeicheldrüse,
Unterkieferdrüse
9

10

15

17
16

14

11 13

8
12
18
B Unterkiefer- und
Unterzungendrüse 19
156 Verdauungssystem: Mundhöhle

Feinbau der Speicheldrüsen Streifenstück an mit größerem Durchmesser


und einschichtigen hochprismatischen
Die Speicheldrüsen sind exokrine Drüsen, die Epithel mit basaler Streifung. Letztere be-
ihr Sekret, den Speichel, Saliva, über Ausfüh- ruht auf Einfaltungen der Plasmamembran,
rungsgänge in die Mundhöhle abgeben. Der zwischen denen Säulen von vertikal ange-
Speichel erhöht die Gleitfähigkeit der zer- ordneten Mitochondrien liegen. Die Sekret-
kauten Nahrung, er ist bakterizid und ent- rohre münden dann in größer werdende
hält ein Kohlenhydrat-spaltendes Enzym.
Verdauungssystem

Ausführungsgänge (A5), die ein weites Lumen


Insgesamt werden durch Reizung der Che- und ein einschichtiges bis zweireihiges
morezeptoren im Mund, durch Kaubewe- hochprismatisches Epithel aufweisen.
gungen und durch psychische Reize täglich
0,5 – 2,0 l Speichel sezerniert. Die Zusam- Die Speicheldrüsen werden durch Bindege-
mensetzung des Speichels hängt von der je- webe in Lappen und Läppchen unterglie-
weiligen Drüse und ihrem Funktionszu- dert. Endstücke, Schaltstücke und Sekretroh-
stand ab. Man unterscheidet dünnflüssigen, re liegen innerhalb der Drüsenläppchen,
serösen Speichel, der u. a. das Enzym α-Amy- intralobulär, die Ausführungsgänge liegen im
lase enthält, und zähflüssigen, mukösen Bindegewebe zwischen den Drüsenläpp-
Speichel, der Mukopolysaccharide und Gly- chen, interlobulär.
koproteine enthält. Die Glandula parotidea (B) ist eine rein seröse
Der Feinbau der einzelnen Speicheldrüsen Drüse, die alle Anteile des Ausführungs-
ist entsprechend unterschiedlich. Sie beste- gangsystems enthält. Im interlobulären Bin-
hen aus ekkrin sezernierenden Drüsenend- degewebe kommen häufig Fettzellen und
stücken (I), die ausschließlich seröse (A – C1) Plasmazellen vor.
oder nur muköse (ACD2) oder auch seromu- Die Glandula submandibularis (C) ist eine ge-
köse Zellen in unterschiedlicher Verteilung mischte, überwiegend seröse Drüse, deren
(D) enthalten können, und aus einem Aus- Schaltstücke teilweise in schleimbildende
führungsgangsystem (II). Tubuli umgewandelt sind. Den Tubuli sitzen
Drüsenendstück. Das von serösen Drüsen- die serösen Endstücke halbmondförmig auf.
zellen gebildete Drüsenendstück hat die Darüber hinaus sind in der Glandula sub-
Form einer Beere, Azinus, und besitzt eine mandibularis alle Teile des Ausführungs-
kleine Lichtung (A1). Die Drüsenzellen sind gangsystems zu finden.
pyramidenförmig hoch, haben ein fein gra- Die Glandula sublingualis (D) ist eine gemisch-
nuliertes Zytoplasma und einen runden, te, überwiegend muköse Drüse, der Schalt-
zentral gelegenen Zellkern. stücke und Sekretrohre nahezu gänzlich
Das von mukösen Drüsenzellen gebildete fehlen.
Endstück hat die Form eines Röhrchens, Tu-
bulus, und besitzt eine weite Lichtung (A2). Klinischer Hinweis. Durch Ablagerungen von
Die Drüsenzellen sind ebenfalls hoch, ihr Kalziumphosphat oder Kalziumkarbonat kön-
nen sich in den großen Ausführungsgängen
Zytoplasma ist wabig, die Zellkerne sind
Speichelsteine, Sialolithe, bilden, die zu Aus-
flach und nach basal gedrängt. Zwischen flussstauung und schmerzhafter Drüsen-
den Drüsenendstückzellen und deren Basal- schwellung führen. Auch der Zahnstein ist ein
membran liegen Myoepithelzellen, die durch Produkt des Speichels.
ihre Kontraktilität an der Abgabe des Sekre- Die Parotitis epidemica (Mumps, Ziegenpeter) ist
tes beteiligt sein sollen. eine durch den Mumpsvirus hervorgerufene
Infektion, die zu einer typischen Schwellung
Ausführungsgangsystem. Es schließt sich der Ohrspeicheldrüse(n) führen kann. Die Kau-
an die sezernierenden Drüsenendstücke an, bewegungen sind sehr schmerzhaft, weil die
besteht aus verschiedenen Abschnitten und Ohrspeicheldrüse in ihrer derben bindegewe-
ist nicht in jeder Drüse vollständig ausgebil- bigen Kapsel keine Ausdehnungsmöglichkeit
det. Auf das Drüsenendstück folgt zunächst hat. Mumps ist die häufigste Ursache einseiti-
ein Schaltstück (A3) mit geringem Durch- ger frühkindlicher Schwerhörigkeit. Als Be-
messer und niedrigem Epithel. Hieran gleiterkrankung kann eine Mumps-Orchitis
auftreten mit der Gefahr von Hodenatrophie
schließt sich das Sekretrohr (ABC4) oder
und Sterilität.
Feinbau der Speicheldrüsen 157

Verdauungssystem
II

4
2

3
1

I
1 I

A Feinbau der Speicheldrüsen, B Seröse Speicheldrüse


Schema

2
1

C Gemischte, überwiegend D Gemischte, überwiegend


seröse Speicheldrüse muköse Speicheldrüse
158 Verdauungssystem: Mundhöhle

Zähne Oberkiefers überragen die des Unterkiefers.


Innerhalb eines Zahnbogens sind die Zähne
Menschliche Zähne, Dentes, sind in den in 2 Gruppen spiegelbildlich um die Me-
knöchernen Zahnfächern, Zahnalveolen, von dianebene gruppiert. Im Gebiss des Erwach-
Unter- und Oberkiefer untergebracht und senen sind die bleibenden Zähne von mesial
schließen ohne Lücke, Diastema, aneinan- nach distal ihren Aufgaben entsprechend
der. Das menschliche Gebiss ist heterodont, folgendermaßen angeordnet: Auf 2 Schnei-
d. h. die Zähne sind in Abhängigkeit von ih-
Verdauungssystem

dezähne, Dentes incisivi (B9), folgt 1 Eckzahn,


rer funktionellen Spezialisierung unter- Dens caninus (B10), hieran schließen sich 2
schiedlich geformt. Im menschlichen Gebiss Backenzähne, Dentes premolares (B11) und
findet ein einmaliger Zahnwechsel statt, es letztendlich 3 Mahlzähne, Dentes molares
ist diphyodont. Zunächst treten die Milch- (B12), an (4 ⫻ 8 = 32 Zähne).
zähne, Dentes decidui, auf, die durch blei-
bende Zähne, Dentes permanentes, ersetzt Funktionelle Anatomie. Die Schneidezähne die-
werden. nen dem Abbeißen, sie haben eine scharfkantige
meißelförmige Krone mit einer horizontalen
Zahnabschnitte. An jedem Zahn werden 3 Schneidekante. Auf ihrer Innenseite befindet sich
Abschnitte unterschieden: Zahnkrone, Coro- meist eine Erhebung, Tuberculum dentis (B13).
na dentis (A1), Zahnhals, Cervix dentis (A2), Die einfache Wurzel ist lang und konisch. Die Eck-
und Zahnwurzel, Radix dentis (A3). Die Zahn- zähne dienen dem Reißen und Festhalten. Sie ha-
ben 2 Schneidekanten, eine Kauspitze und eine
wurzel ist der in der knöchernen Alveole ge-
sehr lange, einfache Wurzel. Die Backenzähne füh-
legene und durch den Zahnhalteapparat fi- ren Mahlbewegungen durch. Ihre Kronen besitzen
xierte Abschnitt. Als Zahnhals wird ein auf der Kaufläche je 2 Höckerchen, Cuspes dentis
schmaler Übergangsbereich zwischen Kro- (B14), die mit einer Spitze, Apex cuspidis, enden.
ne und Wurzel bezeichnet, der aus der Al- Die Wurzel der oberen Prämolaren ist gespalten,
veole herausragt, aber von Zahnfleisch be- die unteren Prämolaren besitzen eine einfache
deckt wird. Der Zahnhals entspricht der Wurzel. Die Mahlzähne leisten den größten Teil der
Schmelz-Dentin-Grenze. Kauarbeit, ihre Kauflächen besitzen 4 oder 5 Hö-
cker. Im Oberkiefer besitzen sie 3, im Unterkiefer
Zahnkrone. Sie überragt das Zahnfleisch 2 Wurzeln.
und ist damit der sichtbare Teil des Zahns. Zahnalveolen, Alveoli dentales. Die Zähne
Es werden mehrere Flächen unterschieden: sind in den knöchernen Zahnfächern der Al-
die Berührungsfläche zum Zahn des gegen- veolarfortsätze von Ober- und Unterkiefer
überliegenden Kiefers, Facies occlusalis (B4), untergebracht. Die einzelnen Alveolen sind
die Außenfläche, Facies vestibularis (B5), die durch keilförmige Septen, Septa interalveola-
an Lippen, Facies labialis (B5 a), oder Wan- ria (B15), voneinander getrennt. Bei Zähnen
gen, Facies buccalis, grenzt (B5 b), die Innen- mit mehreren Wurzeln sind die Alveolen
fläche, Facies lingualis (B6) oder Facies palati- selbst durch Knochenlamellen, Septa interra-
nalis (B7), und die dem Nachbarzahn zuge- dicularia (B16), unterteilt.
wandte Kronenfläche, Facies approximalis
(B8). Diese wird in eine nach vorn bzw. me- Zahnformel des Dauergebisses. Es gibt verschie-
dial zeigende Facies mesialis (B8 a) und eine dene, auch international unterschiedliche Syste-
nach hinten bzw. außen zeigende vertikale me zur Bezeichnung der Zähne. Von der Federa-
tion Dentaire Internationale (FDI) wurde ein
Kontaktfläche, Facies distalis (B8 b), geglie-
computerlesbares System eingeführt, nach dem
dert. die Gebissviertel von rechts oben nach rechts un-
Zahnbögen. Die Zähne stehen in Ober- und ten mit den Ziffern 1 – 4 (an 1. Position) und die
Unterkiefer je in einem Zahnbogen, Arcus Zähne von mesial nach distal mit den Ziffern 1 – 8
(an 2. Position) durchnumeriert werden.
dentalis superior und inferior, der im Oberkie-
Rechte Oberkieferreihe: 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18.
fer die Form einer halben Ellipse, im Unter- Linke Oberkieferreihe: 21,22,23,24,25,26,27,28.
kiefer die einer Parabel hat. Die Zähne ste- Linke Unterkieferreihe: 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38.
hen also bei Schlussbissstellung, Okklusion, Rechte Unterkieferreihe: 41,42,43,44,45,46,47,48.
nicht genau übereinander, die Zahnbögen
sind nicht kongruent. Die Frontzähne des
Zähne 159

1
8a 7 5a
2

Verdauungssystem
3
8b

A Abschnitte des Zahns

5b

B Zähne und Zahnfächer


in Ober- und Unterkiefer

16
15
14

12

6 13

11

10

9
160 Verdauungssystem: Mundhöhle

Bestandteile von Zahn und hält keine Blutgefäße. Odontoblasten syn-


thetisieren auch nach dem Zahndurchbruch
Zahnhalteapparat
an der inneren Oberfläche der Pulpahöhle
Die Hauptmasse eines Zahns besteht aus ständig neues Predentin.
Zahnbein, Dentinum (AB1), das eine Zahn- Enamelum. Der Schmelz, die härteste Sub-
höhle, Cavitas dentis (AB2), umkleidet. Diese stanz des menschlichen Körpers, besteht aus
wird von lockerem Bindegewebe, der Zahn- etwa 97% anorganischen Substanzen, zu
Verdauungssystem

pulpa, Pulpa dentis, ausgefüllt. Die Zahnhöh- 90 % in Form von Hydroxylapatit. Der
le besitzt einen Kronenabschnitt, Cavitas co- Schmelz ist zell-, gefäß- und nervenfrei und
ronae (B2 a), einen Wurzelkanal, Canalis ra- besteht aus Schmelzprismen, die von den zu
dicis dentis (B2 b), und eine an der Wurzel- Enameloblasten (Adamantoblasten) diffe-
spitze gelegene Öffnung, Foramen apicis renzierten Zellen des inneren Schmelzepi-
dentis (B2 c). Im Bereich der Zahnkrone wird thels abgeschieden und durch eine verkalk-
das Dentin von Zahnschmelz, Enamelum te organische interprismatische Matrix zu-
(AB3), umgeben. Das Dentin der Zahnwur- sammengefügt werden.
zel wird von einer geflechtknochenähnli-
chen Substanz überzogen, Cementum (AB4). Cementum. Zement, von den Zementoblas-
Am Zahnhals grenzen Schmelz und Zement ten gebildet, ist geflechtartiger, zellarmer Kno-
aneinander. Die Zahnwurzel wird durch ei- chen, der kollagenfaserige Verbindungen
ne bindegewebige Wurzelhaut, Periodonti- zum Dentin und zur Alveolenwand unter-
um (B5), federnd mit dem Alveolenknochen hält. Die Kollagenfasern (Sharpey-Fasern)
verbunden. Wurzelhaut, Zement, Zahnfleisch des Periodontiums (B5) verlaufen zwischen
und Alveolenwand werden auch unter der Zement und dem Alveolarknochen und sind
Bezeichnung Parodontium zusammenge- in beiden Hartsubstanzen verankert.
fasst. Das Zahnfleisch, Gingiva (B6), überragt Pulpa dentis. Die Zahnpulpa füllt die Cavi-
den Alveolenrand so, dass eine dentale Epi- tas dentis mit einem lockeren Bindegewebe
thelseite entsteht, inneres Saumepithel (B7). aus, ist reich vaskularisiert und enthält
Dieses legt sich der Schmelz-Dentin-Grenze markhaltige und marklose Nerven. An der
des Zahnhalses an und kleidet die Furche Dentingrenze liegen die pallisadenförmig
zwischen Zahn und Zahnfleischrand aus, angeordneten Odontoblasten, die auch mit
Sulcus gingivalis (B8). fortschreitendem Alter noch Dentin bilden.

Feinbau von Zahn und Zahnhalteapparat Klinischer Hinweis. Eine Vertiefung des Sulcus
Zahnbein, Zahnschmelz und Zement sind gingivalis führt zur Taschenbildung und zum
knochenähnliche Hartsubstanzen. Sie ent- Freiliegen des Zahnhalses.
Im klinischen Sprachgebrauch wird ungeach-
halten die gleichen chemischen Bestandtei-
tet der anatomischen Definition der das Zahn-
le wie das Knochengewebe, jedoch in ande- fleisch überragende Teil des Zahnes als Corona
ren Mengenverhältnissen. clinica bezeichnet, der unterhalb des Zahn-
Dentinum. Das leicht gelbliche Zahnbein fleischrandes gelegene Teil als Radix clinica.
Bei einer Periodontitis (Wurzelhautentzün-
wird von Odontoblasten gebildet. Diese Zel-
dung) löst sich das Zahnfleisch vom Zahn, in
len liegen in epithelialer Anordnung dem den hierbei entstehenden „Taschen“ können
Dentin innen an, ihre langen Zytoplasma- sich Bakterien ansiedeln, die langfristig zu Ent-
fortsätze, Processus dentinoblasti (Tomes-Fa- zündungen und Schäden des Zahnhalteappa-
sern), stecken in Dentin-Kanälchen (B9), die rates führen (Paradontopathie).
bis zur Schmelz-Dentin- bzw. zur Zement-
Dentin-Grenze (B10) reichen und dem Den-
tin eine charakteristische Radiärstreifung
verleihen. Die Dentin-Kanälchen sind von
Grundsubstanz ummauert, die wie beim Kno-
chen aus organischer Matrix, kollagenen
Fibrillen und Kalksalzen besteht. Dentin ent-
Bestandteile von Zahn und Zahnhalteapparat 161

Verdauungssystem
2

2a

7 1

6 8
9
A Zahn mit Zahnhalteapparat
10

2b

11

5
4

2c

B Feinbau Zahn und Alveole


162 Verdauungssystem: Mundhöhle

Milchzähne großenteils dort lokalisiert, wo sich nach


dem Durchbruch der bleibenden Zähne die
Die Milchzähne, Dentes decidui, sind hell, Kieferhöhle entwickelt. Die Prämolaren lie-
bläulich und porzellanartig durchschim- gen zwischen den Wurzeln der Milchmola-
mernd. Bei den Milchzähnen unterscheidet ren. An die Milchmolaren schließen sich di-
man in jeder Hälfte eines Zahnbogens 2 stal die Anlagen der 3 eigentlichen Molaren
Schneidezähne (A1), 1 Eckzahn (A2) und 2 an, sie entstehen in zeitlichem Abstand zu
Milchmolaren (A3), insgesamt 20 Zähne. Die
Verdauungssystem

den Milchzähnen, sind aber als „Zuwachs-


Milchzähne gleichen in ihrer Form den blei- zähne“ (B4) eigentlich Zähne der 1. Denti-
benden Zähnen. Milchzahndentin ist dün- tion. Schneidezähne, Eckzähne und Milch-
ner und weniger widerstandsfähig als das molaren erhalten dagegen in der 2. Denti-
der bleibenden Zähne. tion Ersatzzähne.
Milchzähne und bleibende Zähne entstehen in 2 Reihenfolge und Zeit des Durchbruchs der
Schüben. Die Anlagen der Milchzähne im Bereich Milchzähne und der bleibenden Zähne
des zukünftigen Ober- und Unterkiefers beginnen
sich bereits im 2. Embryonalmonat zu entwickeln Zahn Monat (Milch- Jahr (bleiben-
(S. 164 Zahnentwicklung). gebiss) des Gebiss)
Zahnformel des Milchgebisses. Nach der FDI Dens incisivus 1 6–8 7–8
(S. 158) werden die Zähne des Milchgebisses wie Dens incisivus 2 8 – 12 8–9
folgt beziffert: Die Gebissviertel erhalten von Dens caninus 16 – 20 11 – 13
rechts oben nach rechts unten an 1. Position die Dens premolaris 1 12 – 16 9 – 11
Ziffern 5 – 8 und von mesial nach distal an 2. Stelle Dens premolaris 2 20 – 24 11 – 13
die Ziffern 1 – 5: Dens molaris 1 6–7
Rechte Oberkieferreihe: 51, 52, 53, 54, 55. Dens molaris 2 12 – 14
Linke Oberkieferreihe: 61, 62, 63, 64, 65. Dens molaris 3 17 – 40
Linke Unterkieferreihe: 71, 72, 73, 74, 75.
Rechte Unterkieferreihe: 81, 82, 83, 84, 85. Klinischer Hinweis. Die Zähne des Milchgebis-
ses sind Platzhalter für die bleibenden Zähne und
Zahndurchbruch und Zahnwechsel sollten daher bei einer Schädigung so lange
wie möglich erhalten bleiben, um eine gute
Der Durchbruch der Milchzähne, erste Den- Stellung der bleibenden Zähne zu gewährlei-
tition, beginnt zwischen dem 6. und 8. post- sten.
natalen Lebensmonat und ist etwa mit dem Vorzeitiger Verlust von Milchzähnen hat gra-
Ende des 2. Lebensjahres abgeschlossen. Zu- vierende Auswirkungen auf das bleibende Ge-
erst erscheinen die Schneidezähne. Es fol- biss, weil der jeweilige Ersatzzahn unge-
gen der 1. Milchmolar und der Eckzahn und hemmt und meist fehlgeleitet in die entstan-
dene Lücke nachrückt. Es kommt also zu Stel-
letztendlich der 2. Milchmolar. Ein Milch-
lungsanomalien der bleibenden Zähne, oft auch
zahn bricht durch, wenn die Anlage der Kro-
zu einer Hemmung des Kieferwachstums und
ne komplett ausgebildet ist. Die Zahnwurzel damit zu einer abnormen Stellung der Kiefer
ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollstän- zueinander. In solchen Fällen müssen rechtzei-
dig entwickelt und der Wurzelkanal ist tig kieferorthopädische Maßnahmen ergriffen
weit. An der Durchbruchstelle ist das Zahn- werden.
fleisch angeschwollen und verfärbt, dann
erscheint die weiße Zahnspitze unter dem
Epithel der Gingiva, das bald darauf perfo-
riert wird. Nach dem Zahndurchbruch fin-
det ein starkes Wurzelwachstum und die
gewebliche Ausdifferenzierung des Peri-
odontiums statt. Das die durchgebrochene
Zahnkrone umgebende Schmelzoberhäut-
chen wird allmählich resorbiert.
Unter den Milchzähnen liegen die Kronen
der Ersatzzähne (B). Im Oberkiefer sind sie
Milchzähne 163

1
2

Verdauungssystem
A Milchzahnreihe von
Ober- und Unterkiefer

B Milchzähne, bleibende Zähne,


Gesichtsschädel (Alter 4 – 5 Jahre)
4
164 Verdauungssystem: Mundhöhle

Zahnentwicklung säckchen, bildet, die das Innere des Organs ein-


nehmende Schmelzpulpa (B7) und das innere
An der Bildung jeden Zahnes sind 2 Keim- Schmelzepithel (A5, B8), dessen Zellen sich zu
blätter beteiligt: Ektoderm und Mesoderm. Schmelzbildnern, Enameloblasten (Ameloblasten)
Das Ektoderm liefert den Schmelz, das Me- differenzieren, die zunächst organische Schmelz-
soderm bildet Zahnpulpa, Predentin und matrix (B9) und dann auch Calcium und Phosphat
sezernieren. Die Schmelzbildung setzt bald nach
Dentin.
Beginn der Dentinbildung ein und beginnt an der
Die Vorgänge für die Milchzahnbildung und
Verdauungssystem

Zahnkrone im Bereich der späteren Kaufläche.


für die Entwicklung der bleibenden Zähne Das Schmelzorgan wird im Verlauf der weiteren
sind gleich, sie laufen lediglich zeitlich ver- Entwicklung fast vollständig zurückgebildet
setzt in 2 Schüben ab. (s. u.).
Entstehung der Zahnanlage (A). Aus dem Dentinbildung. Sie beginnt im Bereich der späte-
Epithel (A1) im Bereich des zukünftigen ren Zahnkrone und geht von den Odontoblasten
Ober- und Unterkiefers wächst im 2. Monat (B10) aus, die sich aus Mesenchymzellen der Zahn-
pulpa (B6) differenzieren. Die Dentingrundsubstanz
der Embryonalentwicklung je ein bogenför-
wird am apikalen Zellpol der Odontoblasten aus-
miger Epithelstreifen, Zahnleiste (A2), in das
geschieden und bildet zusammen mit den eben-
tiefergelegene Bindegewebe (A3). Entspre- falls von den Odontoblasten sezernierten kollage-
chend der Anzahl der Milchzähne bilden nen Fibrillen das unverkalkte Predentin (B11). Die-
sich an jedem Kieferbogen an der labialen ses wird durch Mineralisation zu Dentin (B12). Mit
Fläche der Leiste jeweils 10 knotige Verdi- zunehmender Verdickung der Predentinschicht
ckungen, die Anlagen der epithelialen senden die Odontoblasten verlängerte, radiäre
Schmelzorgane. Die Schmelzorgane nehmen Fortsätze aus, die vom Predentin eingemauert
zunächst Kappen-, dann Glockenform an. werden. So entstehen radiäre Zahnbeinkanälchen,
in denen die Odontoblastenfortsätze als Tomes-Fa-
Die Zahnglocke ist doppelwandig, ihre äuße-
sern (B13) liegen. Odontoblasten können während
re Wand besteht aus dem äußeren Schmelz-
des ganzen Lebens unverkalktes Predentin bilden.
epithel (A4), die innere aus dem inneren
Schmelzepithel (A5, B8), das quasi eine Ne- Wurzelbildung und Zahndurchbruch (C). Die
Zahnwurzeln entstehen nach Ausbildung der
gativform der Gestalt der zukünftigen Zahn-
Zahnkrone. Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Um-
krone besitzt, d. h. dem Schmelzorgan fällt
schlagrand des inneren zum äußeren Schmelzepithel
die Aufgabe der Prägung der Zahngestalt zu. (C14) in die Tiefe zu wachsen und entsprechend
Die Schmelzglocke umgibt einen Bereich der Anzahl der Wurzeln Röhren zu formen, an die
aus verdichtetem mesenchymalen Bindege- sich von innen neue Odontoblasten anlagern, die
webe, das die Zahnpapille bildet und Vorläu- das Dentin verlängern. Dem Zahndurchbruch
fer der Zahnpulpa (AB6) ist. Schmelzorgan geht die Rückbildung des Schmelzorgans voraus,
und Zahnpulpa werden von einem sehr zell- das teilweise in die Bildung des Saumepithels
reichen Bindegewebe umgeben, welches das (C15) einbezogen wird. Die Verlängerung der
Zahnwurzel führt zum Zahndurchbruch, bei dem
Zahnsäckchen bildet. Im 4. pränatalen Ent-
die noch über der Krone gelegenen Gewebe
wicklungsmonat entstehen die 1. Hartsubs-
(Mundhöhlenepithel und Schmelzepithel) teil-
tanzen. Schmelz wird vom inneren Schmelz- weise zugrunde gehen.
epithel gebildet, Dentin und Zement von den
Strukturen des Zahnhalteapparates. Zement, Pe-
Odontoblasten der Zahnpulpa. Die Verbin-
riodontium und Alveolarknochen gehen aus dem
dung der Zahnleiste zur Zahnanlage und Zahnsäckchen hervor und entstehen gemeinsam
zum Mundhöhlenepithel geht im 4. Fetal- mit der Zahnwurzel später als die Strukturen der
monat verloren. Die Zahnleiste selbst bildet Zahnkrone. Die Entwicklung der Zahnwurzel und
sich allmählich zurück. Lingual von den des Zahnhalteapparates (Perodontium) wird erst
Milchzahnanlagen entstehen aus Teilen der nach abgeschlossenem Zahndurchbruch beendet.
Zahnleiste die Ersatzzahnanlagen für die Zement wird nach Art der desmalen Ossifikation
Bildung der bleibenden Zähne. (Bd. 1 S. 16) gebildet. Die zementbildenden Zellen,
Cementoblasten, gehen aus der der Zahnanlage
zugewandten Seite des Zahnsäckchens hervor.
Feinbau der Zahnanlage (B)
Der Alveolarknochen entsteht aus der äußeren
Schmelzbildung. Das Schmelzorgan gliedert sich Schicht des Zahnsäckchens, auch seine Ossifika-
in das äußere Schmelzepithel, das die Grenzschicht tion ist desmal. Aus dem mittleren Teil entstehen
gegen das umgebende Mesenchym, dem Zahn- die Fasern des Periodontiums.

Für Blockade
Zahnentwicklung 165

1
3

A Zahnanlage

Verdauungssystem
5
2

4
6

8 7
6 10 11 13 12 9

B Bildung von Dentin und Schmelz, Ausschnitt aus A

15

14 14

C Stadien der Zahnentwicklung und des Zahndurchbruchs


166 Verdauungssystem: Mundhöhle

Stellung der Zähne im Gebiss Teil des Oberkiefers werden die Seitenzähne
aus der A. alveolaris superior posterior (C1)
Im Normalfall, bei Eugnathie, sind die versorgt, die oberen Frontzähne aus den Aa.
Zahnkronen der Frontzähne im Oberkiefer alveolares superiores anteriores (C2), die aus
leicht schräg nach außen gegen das Vestibu- der A. infraorbitalis stammen. Beide Ober-
lum oris, die Kronen der Unterkieferzähne kieferarterien verlaufen in der Wand des Si-
leicht nach innen gegen die Zunge gerichtet nus maxillaris und haben untereinander
(A). Hierdurch schneiden die Kaukanten der
Verdauungssystem

Verbindungen, sie geben Rr. dentales und


oberen und unteren Frontzähne wie die Rr. peridentales ab. Der Unterkiefer wird
Branchen einer Schere aneinander vorbei über die A. alveolaris inferior (C3) versorgt,
und beim Schluss des Gebisses (Kiefer- die im Canalis mandibulae verläuft und dort
schluss, Schlussbiss) liegen die Kaukanten Rr. dentales (C4) zu den Zähnen und Rr. peri-
der oberen Schneidezähne vor denen der dentales zum Zahnfleisch und zum Peri-
unteren, Neutralbiss (Scherenbiss). odontium abgibt. Der Endast der A. alveola-
Bei den Backen- und Mahlzähnen verdeckt ris inferior verlässt als R. mentalis das Fora-
der äußere Kaurand der oberen Zähne den men mentale und versorgt die Haut an Kinn
der unteren, während der innere Kaurand und Unterlippe.
der unteren Zähne über den der oberen Venen. Das venöse Blut aus Ober- und Un-
reicht (B). Dabei sind die entsprechenden terkiefer fließt über parallel zu den Arterien
Zähne von Ober-und Unterkiefer so gegen- verlaufende Venen ab und wird überwie-
einander versetzt, dass jeder Zahn mit 2 ge- gend im Plexus pterygoideus gesammelt.
genüberliegenden Zähnen artikuliert, dem Nerven. Diese stammen aus dem 2. Ast, N.
Hauptantagonisten, mit dem er die größte Be- maxillaris (V2), und aus dem 3. Ast, N. mandi-
rührungsfläche hat, und dem Nebenantago- bularis (V3), des N. trigeminus (V). Der N. in-
nisten (C). Der 1. untere Schneidezahn und fraorbitalis (Ast aus V2) entlässt mehrere Rr.
der 3. obere Mahlzahn haben nur einen Ant- alveolares superiores posteriores, einen R. al-
agonisten. veolaris medius und einige Rr. alveolares su-
Unter Artikulation versteht man die Bewe- periores anteriores, die am Boden der Kiefer-
gung der Zahnbögen von Unterkiefer und höhle einen Plexus dentalis superior (C5) bil-
Oberkiefer gegeneinander. In der Ruhelage, den und die Zähne und das Zahnfleisch des
Schlussbiss, treffen die Zähne in der Okklu- Oberkiefers versorgen. Die Zähne des Unter-
sionsebene aufeinander. Fehlt einem Zahn kiefers werden vom N. alveolaris inferior (C6)
der Antagonist, so kann er über die Okklu- (Ast aus V3) versorgt, der zusammen mit
sionsebene hinauswachsen. Während des den gleichnamigen Gefäßen durch den Ca-
Lebens findet ein physiologischer Abschliff nalis alveolaris zieht und am Eingang dieses
der Zähne statt, der zur Erhaltung des Kanals durch eine Leitungsanästhesie be-
Schlussbisses beiträgt. täubt werden kann.
Die Lymphe aus Ober- und Unterkiefer
Klinischer Hinweis. Eine Dysgnathie ist eine fließt über die submentalen, submandibu-
Fehlstellung der Zähne bei Kieferanomalie in-
lären und die tiefen Halslymphknoten ab.
folge einer Fehlentwicklung im Kausystem. Bei
der Prognathie ist der Oberkiefer überentwi-
ckelt, bei der Progenie besteht dagegen eine Klinischer Hinweis. Die enge Nachbarschaft
Kinnprominenz. Derartige Bissanomalien ver- zwischen Kieferhöhle, Nerven und Zahnwur-
ursachen Störungen des Schluckens, der Na- zeln im Bereich der oberen Backenzähne sind
senatmung und der Sprachbildung. von großer klinischer Bedeutung und bei Ent-
zündungen zu beachten.

Gefäße, Nerven und Lymphabfluss


Arterien. Die Zähne, die Alveolarfortsätze
und das Zahnfleisch des Ober- und Unter-
kiefers werden über direkte und indirekte
Äste der A. maxillaris versorgt. Im hinteren
Stellung der Zähne, Gefäße und Nerven 167

Verdauungssystem
A Stellung der mittleren Schneidezähne B Stellung der zweiten Mahlzähne
(Antagonisten) im eugnathen Gebiß (Antagonisten) im eugnathen Gebiß

5
6

4
3

C Bißstellung, Gefäße und Nerven der Zähne


168 Verdauungssystem: Pharynx

Pharynx oralis wird vorn vom Zungengrund (AB5) be-


grenzt, seitlich von den Gaumenbögen und
Gliederung und allgemeiner Aufbau der Tonsillarbucht (A6), also den Strukturen
des Isthmus faucium (S. 144). Die Pars laryn-
Der Rachen, Pharynx, ist ein 12 – 15 cm lan- gea beherbergt seitlich des weit in ihr hin-
ger muskulärer Schlauch, der an der Schädel- einragenden Kehlkopfs eine Rinne, Recessus
basis angeheftet ist und in Höhe des Ring- piriformis (B7).
knorpels (A1) in den Ösophagus (A2) über-
Verdauungssystem

Tunica muscularis. An der Muskelwand


geht. Die hintere und die seitliche Pha- kann man 2 quergestreifte Muskelsysteme,
rynxwand sind lückenlos geschlossen, nach Schlundschnürer und Schlundheber, unter-
vorn hat der Pharynx offene Verbindungen scheiden. Die 3 Schlundschnürer, Mm. con-
zur Nasenhöhle, zur Mundhöhle und zum strictores pharyngis, haben nach hinten an-
Kehlkopf. Entsprechend wird der Pharynx in steigende, dachziegelartig übereinanderlie-
3 Höhenabschnitte gegliedert: gende Faserbündel, die in der Mittellinie in
Pars nasalis pharyngis (I) (Epipharynx einer derben Bindegewebsnaht, Raphe pha-
oder Nasopharynx). Sie steht an den Choa- ryngis (C8), zusammenlaufen. Diese ist am
nen durch den Meatus nasopharyngeus mit Tuberculum pharyngeum (C9) der Schädel-
der Nasenhöhle in Verbindung. basis befestigt. Der obere quer verlaufende
Pars oralis pharyngis (II) (Mesopharynx Rand der Schlundschnürer wird über eine
oder Oropharynx). Sie geht über den derbe Bindegewebsmembran, Fascia pha-
Isthmus faucium in die Mundhöhle über. In ryngobasilaris (C10), an der Schädelbasis fi-
der Pars oralis kreuzen sich Luft- und xiert. Der M. constrictor pharyngis superior
Speiseweg. (C11) entspringt großenteils vom Proc. pte-
Pars laryngea pharyngis (III) (Hypopha- rygoideus und der Raphe pterygomandibula-
rynx oder Laryngopharynx). Sie öffnet sich ris (Sehnenstreifen zwischen dem Hamulus
nach ventral über den Aditus laryngis in den pterygoideus und dem Unterkiefer), der M.
Kehlkopf. constrictor pharyngis medius (C12) vom Zun-
genbein (C13 ) und der M. constrictor pharyn-
Wandaufbau gis inferior (C14) von Schild- und Ringknorpel.
Die Rachenwand besteht aus 4 Schichten: Die Schlundschnürer können den Rachen-
Schleimhaut (Tunica mucosa),Tela submu- raum einengen sowie Kehlkopf und Zun-
cosa, Muskelschicht (Tunica muscularis) genbein anheben. Die Schlundheber, Mm. le-
und bindegewebige Adventitia. Eine Mus- vatores pharyngis, sind schwach ausgebilde-
kelschicht der Schleimhaut fehlt. te Muskeln, zu denen der M. stylopharyn-
geus (C15), der M. palatopharyngeus (B16)
Tunica mucosa. Während sich das respirato- und der M. salpingopharyngeus zählen. Die
rische Flimmerepithel der Nasenhöhle in die Muskelfaserbündel strahlen von oben in die
Pars nasalis fortsetzt, tragen Pars oralis und Pharynxwand ein.
Pars laryngea in Fortsetzung der Mundhöh- Spatium peripharyngeum. Diese peripha-
le mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel, ryngeal gelegene Bindegewebsschicht
auf dessen Oberfläche zahlreiche Schleim- macht den Pharynx gegenüber der Wirbel-
drüsen, Glandulae pharyngeales, Gleitspei- säule und anderen benachbarten Struktu-
chel abgeben. Die subepitheliale Bindegewebs- ren verschieblich. Sie wird rein topogra-
schicht ist reich an elastischen Fasern und phisch u. a. in ein Spatium retropharyngeum
erlaubt reversible Dehnungen der Pha- zwischen Hinterwand des Pharynx und der
rynxwand. Am Übergang zum Ösophagus Lamina prevertebralis der Halsfaszie und in
ist die Schleimhaut vorne gegen das Kehl- ein seitlich des Pharynx gelegenes Spatium
kopfskelett und hinten gegen die Wirbel- parapharyngeum untergliedert. Beide Binde-
säule durch Bindegewebe und durch Venen- gewebsräume stehen kaudal mit dem Me-
netze abgepolstert. diastinum in Verbindung. Der Muskel-
Schleimhautrelief. Das Schleimhautbild schlauch des gesamten Pharynx wird von
der Pars nasalis (S. 106) wird v. a. geprägt einer dünnen Faszie, Fascia buccopharyngea-
durch die Tubenöffnung (A3), den Tuben- lis, bedeckt.
wulst (A4) und den Levatorwulst. Die Pars
Einteilung und allgemeiner Aufbau des Pharynx 169

10

Verdauungssystem
11 C Muskuläre Rachenwand
15 8
12

13

14
16

4
3
I

6
II
5
B Rachen, von
hinten eröffnet

III

A Rachen,
Mediansagittalschnitt

1
2
170 Verdauungssystem: Pharynx

Gefäße, Nerven und Lymphabfluss senkt wird. Gleichzeitig treten Verschluss


der Stimmritze und kurzzeitiger Atemstill-
Die arterielle Versorgung des Pharynx erfolgt
stand ein; die unteren Luftwege sind nun
im Wesentlichen über die A. pharyngea as-
gleichfalls vom Speiseweg getrennt.
cendens aus der A. carotis externa und über
Rr. pharyngeales aus den Aa. thyroideae su- 3. Transport des Bissens durch Pharynx
perior et inferior. Das venöse Blut fließt über und Ösophagus. Beim Heben des Kehlkop-
einen dorsal gelegenen Plexus venosus pha- fes wird der Pharynx nach vorn und oben
Verdauungssystem

ryngeus ab. Die Innervation von Pha- entfaltet. Die Zunge, die von den Mm. sty-
rynxmuskulatur und Pharynxschleimhaut loglossi und hyoglossi nach hinten gezogen
erfolgt über Äste des N. glossopharyngeus wird, drängt den Nahrungsbrei über die
(IX) und des N. vagus (X), die ein Nervenge- Schlundenge in den entfalteten Pharynx.
flecht, Plexus pharyngeus, an der Außenseite Der Nahrungsbrei gleitet großteils durch die
des Pharynx bilden. Regionale Lymphknoten Recessus piriformes, z. T. auch über den
sind die Lnn. retropharyngeales, von denen Kehldeckel. Die Kontraktion der Schlund-
die Lymphe in die Lnn. cervicales profundi schnürer befördert den Nahrungsbrei durch
geleitet wird. den weit gestellten Ösophagus bis in den
Mageneingang.
Schluckakt Flüssigkeiten gelangen in einer rinnenför-
migen Abflachung der Zunge rachenwärts
Beim Erwachsenen liegt der Eingang zum und werden bei aufrechter Körperhaltung
Kehlkopf im Speiseweg (A). Um zu verhin- durch rasche Kontraktion des Mundbodens
dern, dass beim Schluckakt (B) Speisen in in den Mageneingang gedrückt. Dabei wirkt
den Kehlkopf bzw. den Atemweg gelangen, die Zunge wie ein Spritzenstempel.
muss dieser kurzfristig verschlossen und
Der beschriebene Schluckreflex ist auch im
abgesichert werden. Hierbei laufen folgen-
Schlaf erhalten. Das Schluckzentrum liegt in der
de Phasen ab: Medulla oblongata (Bd. 3 S. 142) oberhalb des
1. Willkürliche Einleitung. In dieser Phase Atemzentrums. Die für den Schluckreflex nötigen
wird der Mundboden (AB1) kontrahiert und efferenten und afferenten Nervenfasern verlaufen
über mehrere Hirnnerven, so dass der Schluckre-
die Zunge (AB2) mit dem Bissen gegen den
flex gut gesichert ist.
weichen Gaumen (AB3) gedrängt. Über die
Rezeptoren der sensiblen Nerven der Gau- Bei Neugeborenen und Säuglingen steht der Kehl-
menschleimhaut werden die weiteren Be- kopf noch hoch im Pharynx und der Kehldeckel
überragt den Zungengrund. Nahrungsbrei kann
wegungen ausgelöst.
daher am Kehldeckel vorbei über den Recessus
2. Reflektorische Sicherung des Atemwe- piriformis in den Ösophagus gelangen, ohne den
ges. Das Gaumensegel wird angehoben, ge- Luftweg zu gefährden. Der Säugling kann trinken
spannt und gegen die hintere Pharynxwand und gleichzeitig atmen.
gedrängt. Der obere Schlundschnürer kon-
Klinischer Hinweis. Bei Lähmung des Gau-
trahiert sich und buckelt sich als Passa- mensegels, z. B. als Folge einer Diphtherie,
vant’scher Ringwulst vor (B4). Dabei werden können Speiseteile in die Nasenhöhle gelan-
der weiche Gaumen und die obere hintere gen.
Pharynxwand so aneinandergepresst, dass Eine Entzündung der Rachenschleimhaut
die oberen Luftwege vom Speiseweg abge- heißt Pharyngitis mit den Symptomen Schluck-
trennt sind. Durch Kontraktion der Mund- schmerzen, Kratzen, Brennen und Trocken-
bodenmuskulatur (Mm. mylohyoidei und heitsgefühl im Hals mit Rötung der Rachen-
Mm. digastrici) werden unter Mithilfe der schleimhaut.
Mm. thyrohyoidei (AB5) (Bd. 1 S. 326) Zun-
genbein (AB6) und Kehlkopf (AB7) sicht-
und tastbar gehoben. Der Kehlkopfeingang
nähert sich dem Kehldeckel (AB8), der unter
Mithilfe der Mm. aryepiglottici durch die
Muskulatur des Zungengrunds (AB9) ge-
Schluckakt 171

Verdauungssystem
2
9

A, B Schluckakt 6
5
7

1
6
5
7

B
172 Verdauungssystem: Topografische Anatomie I

Topografische Anatomie I dibularis (A14) medial vom M. pterygoideus


lateralis das Foramen ovale verlässt und
Schnittanatomie von Kopf und Hals nach lateral den motorischen N. masseteri-
cus (A15) entlässt. Das in der Mitte angetrof-
Die Tatsache, dass in Kopf und Hals sehr vie- fene Lumen der Pars nasalis des Pharynx
le einzelne Strukturen auf engem Raum un- (A16) zeigt beiderseits in der seitlichen
tergebracht sind, macht die Schnittanato- Wand die Tubenöffnung (A17), die oben vom
mie dieser Regionen äußerst kompliziert.
Verdauungssystem

Tubenknorpel (A18 ) und unten vom M. leva-


Die im Folgenden dargestellten Kopf- und tor veli palatini (A19) umgeben wird. Unter-
Halsschnitte werden unabhängig von der halb des Pharynxlumens erkennt man, wie
Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Organ- der M. levator veli palatini und der M. tensor
systemen entsprechend ihrer Topografie veli palatini (A20) beiderseits in das Gau-
besprochen. Dies ist eine Hilfestellung für mensegel (A21) einstrahlen. Unterhalb hier-
den erfolgversprechenden Einsatz und die von sieht man den M. styloglossus (A22) in
effiziente Interpretation von Schichtauf- die Zunge einstrahlen. Von den Binnenmus-
nahmen aus modernen bildgebenden Ver- keln der Zunge sind insbesondere die Mm.
fahren. transversus (A23) et verticalis linguae (A24)
In Abbildung (A) ist ein Frontalschnitt abge- zu überblicken. Unterhalb der Zunge liegt
bildet, der die Schädelbasis (B) am Hinter- das Os hyoideum (A25), an dem seitlich der
rand der Foramina ovalia und am vorderen M. mylohyoideus (A26) und kaudal die infra-
Rand der Kiefergelenksflächen trifft. hyalen Muskeln (A27) befestigt sind. Lateral
vom M. mylohyoideus ist die Glandula sub-
Gehirnschädel, Neurocranium mandibularis (A28) getroffen, die lateral von
Im kranialen Teil der Abbildung ist beider- der A. facialis (A29) begleitet wird. Subku-
seits das Os temporale (A1) im Bereich der tan sind Anschnitte des Platsyma (A30), ei-
Fossa cranii media mit dem Schläfenlappen nes mimischen Muskels, zu erkennen. In der
des Gehirns (A2) zu erkennen. In der Mitte Gegend des hinteren Gaumenbogens und
ist der Keilbeinkörper mit dem hinteren En- der Tonsillarbucht können die Strukturen
de des Sinus sphenoidalis (A3) angetroffen. nicht differenziert werden.
Der Keilbeinkörper nimmt in seiner Grube
die Hypophyse (A4) auf. Beiderseits hiervon
ist die A. carotis interna in ihrem Verlauf
durch den Canalis caroticus (Bd. 3 S. 104) zu
sehen.

Gesichtsschädel, Viscerocranium
Im Bereich des Gesichtsschädels ist jeweils
der Ramus mandibulae (A5) mit dem vorde-
ren Ende des Caput mandibulae (A6) und der
Kiefergelenkskapsel (A7) angeschnitten. La-
teral wird der Ramus mandibulae von der
Glandula parotidea (A8) bedeckt. Zwischen
der Drüse und dem Knochen liegen An-
schnitte der A. carotis externa (A9) und der
V. retromandibularis (A10). Medial am Un-
terkieferast inserieren die Kaumuskeln,
Mm. pterygoidei medialis (A11) et lateralis
(A12). In der Nische zwischen den beiden
Muskeln sind mehrfach Venen des Plexus
pterygoideus (A13) angeschnitten. Auf der
linken Bildseite sieht man, wie der N. man-
Schnittanatomie von Kopf und Hals 173

15 14 19 18 2 7

4
1
3

Verdauungssystem
6 17

12
16

9 13
5
21
11 20 8

10
24

22

29

28
30
26

23 25 27

A Frontalschnitt des Kopfes

B Lage des Frontalschnitts aus A


174 Verdauungssystem: Topografische Anatomie I

Schnittanatomie von Kopf und schen Muskeln (A27) bedeckt wird. Auf der
Hals, Fortsetzung Innenseite der Mandibula ist der schmale
Spalt des Vestibulum oris (A28) zu sehen. Da
Transversale Schnittebene in Höhe des die Schnittebene gerade oberhalb vom
Atlas (A) Mundboden gelegen ist, sind die Glandula
Die Schnittebene trifft dorsal das Atlanto- sublingualis (A29) und die Caruncula lingua-
axialgelenk (A1). Die Besprechung der lis mit der Mündung des Ductus submandi-
Verdauungssystem

Strukturen innerhalb der Schnittebene er- bularis (A30) zu erkennen. Dorsal hiervon
folgt von dorsal nach ventral. ist die kräftige V. sublingualis (A31) in ihrem
Im Foramen transversarium des Atlas (A2) ist geschlängelten Verlauf angetroffen. Von den
die A. vertebralis (A3) getroffen. Ventral von Binnenmuskeln der Zunge erkennt man ne-
der Wirbelsäule liegen die tiefen Halsmus- ben dem M. genioglossus (A32) insbesonde-
keln (A4), die auf ihrer lateralen Seite vom re den M. transversus linguae (A33) und den
Gefäß-Nerven-Strang des Halses, d. h. von V. M. longitudinalis inferior.
jugularis interna (A5), A. carotis interna (A6)
und N. vagus (A7), begleitet werden. Vor den Transversale Schnittebene in Höhe des
tiefen Halsmuskeln ist das Lumen des Pha- 5. Halswirbels (B)
rynx (A8) zu erkennen, der in Höhe der Pars Dorsal liegt die Schnittebene beiderseits in
oralis angetroffen ist. Seine dorsale Wand Höhe der Foramina intervertebralia (B34),
wird vom M. constrictor pharyngis medius welche die Spinalnerven (B35) entlassen. In
(A9) gebildet. In der lateralen Wand liegt die enger Nachbarschaft hierzu finden sich ven-
Tonsillarbucht mit dem M. palatopharyngeus tral die A. vertebralis (B3) und die V. verte-
(A10), der Tonsilla palatina (A11) und dem bralis (B36), die zwischen 2 benachbarten
M. palatoglossus (A12). Dorsolateral von der Wirbeln außerhalb der Foramina transver-
Tonsillarbucht erkennt man den quergetrof- saria liegen. Vor der Wirbelsäule sind, wie
fenen Processus styloideus (A13), der lateral auf dem vorherigen Schnitt, die tiefen Hals-
von der A. carotis externa (A14) und der V. muskeln (B4) zu überblicken, lateral die
retromandibularis (A15) begleitet wird. Die- Muskeln der Skalenus-Gruppe (B37), an die
se beiden Gefäße grenzen ihrerseits an die sich ventral der Gefäß-Nerven-Strang des
Glandula parotidea (A16), in derem Inneren Halses mit A. carotis communis (B38), V. ju-
das große Lumen des Ductus parotideus gularis interna (B5) und N. vagus (B7) anle-
(A17) zu erkennen ist. Die Glandula paroti- gen. In Begleitung des Gefäß-Nerven-
dea umfasst zangenartig die hintere Kante Strangs, der vom M. sternocleidomastoideus
des Ramus mandibulae (A18), reicht also von (B39) bedeckt wird, liegen Lymphknoten der
ihrer oberflächlichen subkutanen Lage bis tiefen zervikalen Gruppe (B40). Der Einge-
in die Fossa retromandibularis. Im Ramus weidestrang des Halses liegt in der Mitte
mandibulae ist der Canalis mandibulae mit und wird vorne von den infrahyalen Mus-
den dort verlaufenden Strukturen, N. man- keln (B41) bedeckt. Er besteht aus der Pars
dibularis (A19) und A. alveolaris inferior laryngea (B42) des Pharynx, deren Lumen
(A20), angetroffen. Der Kieferast wird medi- auf einen schmalen Spalt reduziert ist, und
al und lateral von der aus M. pterygoideus dem Kehlkopf, der unterhalb der Rima glot-
medialis (A21) und M. masseter (A22) gebil- tidis angeschnitten ist. Neben dem Schild-
deten Muskelschlinge umfasst. Vor dem M. knorpel (B43) und den Aryknorpeln (B44)
pterygoideus medialis sind der N. lingualis kommen Teile der inneren Kehlkopfmusku-
(A23) und das ihm anliegende Ganglion sub- latur (B45) zur Darstellung. Außen wird die
mandibulare angeschnitten. Am Vorderrand laterale Wand des Kehlkopfs beiderseits von
des M. masseter sind Anschnitte durch die den oberen Polen der Schilddrüse (B46) be-
V. facialis (A24) und die A. facialis (A25) zu deckt.
sehen. Das Corpus mandibulae ist auf Höhe
des Unterrands des Alveolarfortsatzes ange-
schnitten, der noch die Wurzeln der Eckzäh-
ne (A26) beherbergt und außen von mimi-
Schnittanatomie von Kopf und Hals 175

30 28 29 26

31
27

Verdauungssystem
25

24 12
32
23
20
19
21
33

22
18
16 8
13

6
14 5

17 15 2, 3 11 10 9 1 4 7 2, 3
A Kopf in Höhe der Tonsillarbucht, Transversalschnitt

46 45 42 41 43 46
5 38

4
39

7 44

39
40

37

35 34 3 36
B Hals in Höhe der Stimmritze, Transversalschnitt
176 Verdauungssystem: Ösophagus

Ösophagus und unter der Schleimhaut gelegene Venen-


geflechte auf, die beide der Abdichtung des
Allgemeine Gliederung und Feinbau Mageneingangs dienen.

Die Speiseröhre, Ösophagus, ist ein ver- Wandschichten und Feinbau (C). Der Wandauf-
bau des Ösophagus gleicht im Prinzip dem des
formbarer muskulärer Schlauch, der die
übrigen Darmrohrs (S. 142). Die Tunica mucosa
Nahrung vom Pharynx (AB1) in den Magen (C12) wird von mehrschichtig unverhorntem Plat-
(A2) transportiert. Er ist 25 – 30 cm lang, be-
Verdauungssystem

tenepithel (C12 a) überzogen und hat unter der


ginnt am unteren Rand des Ringknorpels bindegewebigen Lamina propria (C12 b) eine kräf-
(A3) in Höhe des 6./7. Halswirbels und mün- tig ausgebildete Lamina muscularis mucosae
det auf Höhe des 10./11. Brustwirbels in den (C12 c). In Ruhe ist die Tunica mucosa in 5 – 8
Mageneingang (A4). Er verläuft somit durch Längsfalten gelegt, die dem Ösophaguslumen ein
verschiedene Körperregionen und wird ent- sternförmiges Aussehen verleihen. Am Übergang
sprechend in 3 Abschnitte gegliedert: zum Mageneingang hört das mehrschichtig un-
verhornte Plattenepithel des Ösophagus abrupt
Pars cervicalis (A5). In diesem kurzen Ab- auf und wird durch das hochprismatische Epithel
schnitt liegt der Ösophagus mit seiner Hin- der Magenschleimhaut ersetzt. In der aus locke-
terwand der Wirbelsäule an und grenzt mit rem Bindegewebe bestehenden Verschiebe-
seiner Vorderwand an die Trachea (B8). schicht, der Tela submucosa (C13), liegen Gefäße,
insbesondere Venenplexus, Nerven (Plexus submu-
Pars thoracica (A6). In der ca. 16 – 18 cm
cosus, Meissner) und einzelne gemischte Drüsen,
langen Pars thoracica entfernt sich der Öso- Glandulae oesophageae (C13 a). Die Tunica muscu-
phagus allmählich von der Wirbelsäule. Er laris (C14) besteht aus einer inneren Ringmuskel-
wird bis zur Bifurcatio tracheae (B9) auf Hö- schicht (C14 a), die durch wellenförmige Kontrak-
he des 4. Brustwirbels ventral von der Tra- tion den Bissen in Richtung Magen transportiert,
chea begleitet. Auf gleicher Höhe kreuzt der und einer äußeren Längsmuskelschicht (C14 b), die
Aortenbogen (B10). Die Pars thoracica der für die Längsspannung des Ösophagus verant-
Aorta verläuft zunächst links neben dem wortlich ist und ihn abschnittweise verkürzen
Ösophagus und gelangt in ihrem distalen kann. In den oberen zwei Dritteln enthält die Tu-
nica muscularis noch quergestreifte Muskelfasern
Verlauf zunehmend hinter ihn. Im thoraka-
aus den Pharynxmuskeln, im unteren Drittel be-
len Speiseröhrenabschnitt liegt der linke steht sie nur noch aus glatter Muskulatur. Zwi-
Vorhof des Herzens der Speiseröhre direkt schen Stratum circulare und Stratum longitudina-
an (S. 179). le liegt der Plexus myentericus, Auerbach. Über ei-
Pars abdominalis (A7). Sie ist mit 2 – 3 cm ne Tunica adventitia (C15) ist der Ösophagus in die
sehr kurz und umfasst den Abschnitt vom Umgebung eingebaut.
Hiatus oesophageus des Zwerchfells (B11), Funktionelle Anatomie. Der Ösophagus steht
an dem sie verschieblich durch Bindegewe- unter einer Längsvorspannung, die ihn in seinem
be befestigt ist, bis zum Ostium cardiacum Verlauf stabilisiert und den Durchtritt des Nah-
des Magens.178 rungsbreis beim Schluckakt begünstigt: Der Öso-
phagusmund öffnet sich kurzfristig, um feste oder
Ösophagusengen. In seinem Verlauf weist flüssige Nahrung passieren zu lassen. Erstere wird
der Ösophagus 3 Engen auf: Die 1. oder obere mittels peristaltischer Wellen innerhalb von ca.
Enge (I), Ösophagusmund, liegt hinter dem 3 s zum Magen befördert, letztere wird in einigen
Ringknorpel (AB3) und wird von den zirku- Zehntelsekunden in den Mageneingang gespritzt.
lären Fasern der Ösophagusmuskulatur ge- Die Gesamtstrecke von den Schneidezähnen bis
bildet. Hier ist das Lumen ein quergestellter zum Mageneingang beträgt etwa 40 cm.
Spalt, der nur bis zu einem Durchmesser
Klinischer Hinweis. Eine dünne, muskel-
von ca. 14 mm geöffnet werden kann und
schwache Stelle zwischen unterem Schlund-
damit die engste Stelle überhaupt darstellt. schnürer und Ringmuskelschicht (sog. Laimer-
Die zweite oder mittlere Enge (II), Aortenenge, Dreieck) kann Anlass für das Entstehen von
liegt auf Höhe der Überkreuzung durch den Aussackungen der Ösophaguswand, Diverti-
Aortenbogen und ist etwa 10 cm von der 1. keln, sein.
entfernt. Die 3. oder untere Enge (III), Zwerch- Wenn sich das Bindegewebe im Hiatus oeso-
fellenge, liegt im Hiatus oesophageus des phageus lockert, kann eine Hiatushernie entste-
Zwerchfells. Hier weist die Ösophaguswand hen, bei der die Pars abdominalis des Ösopha-
schraubenförmig angeordnete Muskelzüge gus und Teile des Magens in die Brusthöhle
hineingezogen werden.
Allgemeine Gliederung und Feinbau 177

Verdauungssystem
1
1

3
5

I
3

II
7 4 2
9
A Lage der Speiseröhre

10

14 14 a 14 b 12 12 a 12 b
12 c
13

13 a

III
11

15

C Feinbau der Speiseröhre, Querschnitt B Speiseröhre von rechts


178 Verdauungssystem: Ösophagus

Topografische Anatomie und diastinum auf. Er liegt überwiegend rechts


hinteres Mediastinum der Mittellinie und weicht erst in Höhe des
Aortenbogens (B12) nach links ab. Der Rück-
Pars cervicalis seite des Ösophagus liegen Teile des vegeta-
Die kurze Pars cervicalis des Ösophagus tiven Plexus oesophageus und der Truncus
(A1) liegt hinter der Trachea (A2) und vor der vagalis posterior (B13) an. Neben der Wir-
Wirbelsäule (vgl. auch Topografie von Kehl- belsäule verläuft beiderseits der thorakale
Verdauungssystem

kopf und Trachea, S. 120) und ist, von der Truncus sympathicus (B14) und der N.
Mittellinie aus betrachtet, leicht nach links splanchnicus major (B15).
verlagert. Deshalb wird dieser Abschnitt Die enge räumliche Beziehung zwischen
vom linken Schilddrüsenlappen (A3) und Ösophagus (A1), Perikard und linkem Vor-
von der A. thyroidea inferior (A4) berührt. hof (C16) wird in einem Paramediansagit-
Der linke Schilddrüsenlappen überdeckt talschnitt (C) durch den Thorax deutlich. In
dabei die Rinne zwischen Ösophagus und der Klinik macht man sich diese enge Bezie-
Trachea (Oesophagotrachealrinne), in oder hung bei der transösophagealen Echokar-
nahe der die Nervi laryngei recurrentes zum diographie zunutze.
Kehlkopf aufwärts ziehen. Die den Ösopha- C17 linke Herzkammer, C18 Arcus aortae, C19 A.
gus versorgenden Äste der A. thyroidea infe- pulmonalis sinistra, C20 V. brachiocephalica, C21
rior gelangen von ventral und dorsal an die Sternum, C22 Diaphragma.
Ösophaguswand. Der linke N. laryngeus re-
currens (A5) läuft zunächst neben, dann na- Klinischer Hinweis. In Höhe der Trachealbifur-
hezu vor der Speiseröhre. Dorsal wird sie kation finden sich die epibronchialen Trak-
tionsdivertikel der Speiseröhre. Diese machen
durch die Lamina prevertebralis der Fascia
etwa 20 % der Ösophagusdivertikel aus und
cervicalis von den tiefen Halsmuskeln ge-
sind in der Regel symptomlos.
trennt.

Pars thoracica Für Blockade


Die Pars thoracica liegt, zunächst etwas
links verlagert, im oberen Mediastinum und
dann versteckt im hinteren Anteil des unte-
ren Mediastinums (B). Dieser längste Ab-
schnitt des Ösophagus wird im oberen Teil
ventral von der Trachea (AC2) begleitet,
links von der A. subclavia sinistra (A6),
rechts vom Truncus brachiocephalicus (A7)
flankiert. Dahinter kreuzt der Ductus thora-
cicus (B8). Unterhalb der Bifurcatio tracheae
verläuft der Brustteil der Speiseröhre in ei-
nem Bogen rechts hinter dem Perikard des
linken Herzvorhofs abwärts. In diesem auch
als Pars retropericardiaca bezeichneten Ab-
schnitt wird der Ösophagus links von der
Aorta descendens (B9), rechts von der V. azy-
gos (B10) begleitet. Dabei liegt er der Wir-
belsäule zunächst dicht an (s. auch C). Nach
kaudal entfernt er sich allmählich von ihr
und die Pleura parietalis (B11) der rechten
Seite kann sich zwischen Ösophagus und
Aorta schieben. Hinter dem Ösophagus
steigt der Ductus thoracicus (B8) zwischen
Aorta und V. azygos durch das hintere Me-
Topografische Anatomie des Ösophagus und hinteres Mediastinum 179

Verdauungssystem
A Topographie der
Speiseröhre am Hals 3

4
1
6

7 5

8
3 2
12

10 1
21
20
9

18 19

13 11
16

17

8 15
15
14
14 22

B Topographie der Speiseröhre C Brustraum,


im Brustraum Mediansagittalschnitt
180 Verdauungssystem: Ösophagus

Gefäße, Nerven und Lymphabfluss und ein an seiner Hinterwand entlangzie-


hender Truncus vagalis posterior hervorge-
Arterien. Die Pars cervicalis wird von Rr. oe- hen, die zusammen mit dem Ösophagus in
sophageales der A. thyroidea inferior, die Pars die Bauchhöhle treten. Die postsynapti-
thoracica über segmentale Rr. oesophageales schen sympathischen Nerven stammen aus
aus der Aorta und die Pars abdominalis aus dem Ganglion cervicothoracicum, (Ganglion
den Aa. phrenicae inferiores et gastricae sinistrae stellatum), dem thorakalen Sympathicus und
versorgt.
Verdauungssystem

dem Plexus aorticus abdominalis. Sympathi-


Venen. Die Ösophagusvenen, Vv. oesopha- sche und parasympathische Nerven haben
geales, drainieren kranial zum Stromgebiet direkte Verbindung zum enterischen Nerven-
der V. cava superior (A1), kaudal zu dem der V. system des Ösophagus, das wie bei allen Ab-
portae (A2). Aus dem Halsabschnitt fließt das schnitten der Darmwand aus einem Plexus
venöse Blut zur V. thyroidea inferior (A3) und myentericus (Auerbach) und einem Plexus
via V. brachiocephalica (A4) zur V. cava su- submucosus (Meissner) besteht.
perior. Im Brustabschnitt münden die Öso- Lymphabfluss. Die Lymphe aus dem ober-
phagusvenen direkt in die V. azygos (A5) und halb der Bifurcatio tracheae gelegenen Öso-
die V. hemiazygos (A6), die ihrerseits über die phagus fließt kranialwärts und wird im We-
V. cava superior abfließen. Das venöse Blut sentlichen über die Lnn. cervicales profundi
aus der Pars abdominalis fließt in die V. gast- inferiores und die Lnn. paratracheales (C11) ge-
rica sinistra (A7) entlang dem oberen Magen- filtert. Die Lymphe von den Ösophagusab-
rand. Dieses Gefäß mündet entweder über schnitten unterhalb der Bifurcatio tracheae
die V. mesenterica superior (A8) in die V. fließt u. a. den Lnn. tracheobronchiales (C12)
portae oder direkt in die Pfortader. und Lnn. prevertebrales (C13) zu. Die Lymphe
Die Ösophagusvenen bilden in der Tunica aus der Pars abdominalis des Ösophagus ge-
adventitia und in der Tela submucosa starke langt zu benachbarten Lymphknoten am Ma-
Venengeflechte, über die ein Verbindungs- gen und unterhalb des Zwerchfells.
weg zwischen systemischem Kreislauf und
Pfortaderkreislauf hergestellt werden kann Klinischer Hinweis. Die gemeinsame vegeta-
(portocavale Anastomosen). tive Innervation von Ösophagus und Herz ist
verantwortlich für Beschwerden, die sowohl
Klinischer Hinweis. Bei krankhafter Drucker- kardialer als auch ösophagealer („nicht-kardia-
höhung im Stromgebiet der Pfortader (portale ler Thoraxschmerz“) Ursache sein können, sich
Hypertension) kann es zur Stromumkehr des aber klinisch symptomatisch völlig gleichartig
Blutes in den unteren Ösophagusvenen kom- präsentieren.
men: Blut aus dem Einzugsgebiet der Pfort- Verbindungen zwischen der ösophagealen und
ader fließt vor allem über die V. gastrica sinis- der tracheobronchialen Innervation sind für
tra in die Vv. oesophageales zurück und damit den reflexartigen Husten verantwortlich, der
zur V. azygos und V. hemiazygos. Dies führt durch Übertritt von Magensäure in die Speise-
zwangsweise zu einer Erhöhung des Druckes röhre („saurer Reflux“) ausgelöst wird.
in den Ösophagusvenenplexus und zur Ausbil- Maligne Tumoren der Speiseröhre machen ca.
dung von „Krampfadern“, Ösophagusvarizen, die 5 % aller Malignome des Gastrointestinaltrak-
rupturieren und zu lebensbedrohlichen Blu- tes aus und treten bei Männern 2 – 3 mal häufi-
tungen führen können. ger als bei Frauen auf. Nach ihrer Lokalisation
unterscheidet man Karzinome im Halsbereich
Nerven. Die parasympathische Versorgung (15 %), im Bereich der Bifurcatio tracheae (50 %)
erfolgt über den N. vagus (B9). Im Halsteil und unterhalb der Trachealbifurkation (35 %).
Ösophaguskarzinome (Plattenepithel- oder ent-
und im oberen Brustteil gehen Rr. oesophagei
differenzierte Karzinome) wachsen typischer-
vom N. laryngeus recurrens ab. Im Brustteil,
weise zunächst innerhalb der Speiseröhren-
unterhalb der Bifurcatio tracheae, bilden wand, bevorzugt in longitudinaler Richtung.
rechter und linker N. vagus ein Geflecht in Sie metastasieren früh lymphogen in die zervi-
der Tunica adventitia, Plexus oesophageus kalen, paraoesophagealen und mediastinalen
(Bd. 3 S. 116), aus dem ein vor dem Ösopha- Lymphknoten. Das klassische Symptom des
gus gelegener Truncus vagalis anterior (B10) Ösophaguskarzinoms ist die zunehmende
Dysphagie.
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss des Ösophagus 181

4 9 9

Verdauungssystem
1

5 10

B Nerven der
Speiseröhre

11

12
2 7

A Venenabfluß der Speiseröhre

13

C Lymphabfluß der Speiseröhre


182 Verdauungssystem: Bauchhöhle

Cavitas abdominis Die im Bauchraum untergebrachten Ver-


dauungsorgane haben unterschiedliche La-
Allgemeine Übersicht gebeziehungen zum Bauchfell (C): Organe, die
in der Cavitas peritonealis liegen und direkt
Die im Folgenden abzuhandelnden Organe vom organständigen Bauchfell, Peritoneum
des Verdauungssystems liegen in der viscerale (C9), überzogen sind, liegen intra-
Bauchhöhle, Cavitas abdominis, deren Be- peritoneal (Beispiel: Magen C10). Organe, die
sprechung der systematischen Beschrei-
Verdauungssystem

an der Rückwand der Peritonealhöhle, d. h.


bung einzelner Organe vorangestellt wird. hinter dem parietalen Peritoneum, lokalisiert
Begrenzung (A). Der Bauchraum wird kra- und nur an ihrer Vorderseite vom Perito-
nial durch die Zwerchfellkuppeln (A1) von neum parietale bedeckt sind, liegen retrope-
der Thoraxhöhle getrennt. Dorsal wird er ritoneal. Organe, die sich während der prä-
von der Lendenwirbelsäule (A2), dem Kreuz- natalen Entwicklung zunächst intraperito-
bein (A12) und den hinteren Bauchwand- neal befanden, durch Wachstumsprozesse
muskeln (Bd. 1 S. 94) begrenzt, seitlich und aber an die hintere Bauchwand verlagert
vorn von der lateralen und medialen Gruppe wurden und dabei hinter das parietale Peri-
der Bauchwandmuskeln und ihren Sehnen- toneum gerieten, nennt man sekundär retro-
platten (Bd. 1 S. 84). Die muskuläre Wand peritoneal gelegen (Beispiel: Bauchspeichel-
des Bauchraums ist kranial durch den Rip- drüse C11). Ein Organ, das keinerlei Bezie-
penbogen und das Sternum (A3) verstärkt, hung zum Bauchfell hat, liegt extraperitoneal
kaudal und lateral durch die knöchernen (Beispiel: Prostata).
Beckenschaufeln. Nach unten wird der Wie bei allen serösen Höhlen hängen auch
Bauchraum von der Beckenbodenmuskula- in der Cavitas peritonealis parietales und vis-
tur, Diaphragma pelvis (Bd. 1 S. 106), abge- zerales Blatt des Bauchfells über Umschlagstel-
schlossen. len oder -falten zusammen. Solche Um-
Peritonealhöhle und Bindegewebsräume schlagfalten sind bindegewebige Platten, die
(B). Der Bauchraum beherbergt die von auf beiden Seiten von Bauchfell überzogen
Bauchfell ausgekleidete Bauch- oder Perito- sind, sog. Bauchfellduplikaturen. Sie werden
nealhöhle, Cavitas peritonealis (grün), den als Gekröse, Meso, oder Band, Ligamentum,
ventral der Wirbelsäule gelegenen Bindege- bezeichnet. Ein Meso oder Ligament dient
websraum, Spatium retroperitoneale (gelb), dem intraperitoneal gelegenen Organ als
und den im kleinen Becken unterhalb des Verbindung zur Bauchwand und führt in Bin-
Bauchfells gelegenen Bindegewebsraum, degewebe eingebettet die Leitungsbahnen
Spatium subperitoneale. Die Cavitas perito- an das jeweilige intraperitoneal gelegene
nealis wird rundherum vom wandständigen Organ heran.
Bauchfell, Peritoneum parietale (B4), ausge- Oberhalb des Nabels sind die intraperitonealen
kleidet. Dieses überzieht das Spatium retro- Bauchorgane sowohl über ein ventrales als auch
peritoneale auf dessen Vorderseite und ein dorsales Meso an der ventralen und dorsalen
trennt es auf diese Weise von der Peritone- Bauchwand befestigt. Unterhalb des Nabels sind
alhöhle. Unterhalb der Eingangsebene zum die intraperitoneal gelegenen Abschnitte des
kleinen Becken, Linea terminalis (Bd. 1 Darmrohrs nur über ein dorsales Meso an der hin-
teren Bauchwand aufgehängt (S. 329).
S. 188), überzieht das Peritoneum parietale
Teile der Beckenorgane Rektum (B5), Uterus Feinbau des Peritoneums. Die Tunica serosa des
(B6) und Harnblase (B7) und schlägt dann Peritoneums besteht aus einem niedrigen, ein-
schichtigen, mit einem Bürstensaum versehenen
auf die vordere Bauchwand (B8) um. Es
Plattenepithel, unter dem sich meist lockeres,
trennt damit auch das Spatium subperito-
subseröses Bindegewebe der Tela subserosa befin-
neale von der eigentlichen Peritonealhöhle. det. Nur das Peritoneum parietale wird sensibel
Spatium retroperitoneale und Spatium sub- innerviert.
peritoneale gehen kontinuierlich ineinan-
der über und sind Teile des Spatium extraperi-
toneale.
Allgemeine Übersicht über die Bauchhöhle 183

B Gliederung des
Bauchraums

Verdauungssystem
4

6
7 5
1

10
11

A Bauchraum C Lagebeziehung der Organe zum Bauchfell


184 Verdauungssystem: Bauchhöhle

Topografie der eröffnete quadratus (B16) und große Teile der Facies
Bauchhöhle visceralis des linken Leberlappens sichtbar.
Zwischen den beiden Lappen setzt sich das
Die Cavitas peritonealis wird in einzelne Lig. teres hepatis als Fissura lig. teretis (B17)
Stockwerke gegliedert. Pars supracolica (I), fort. Die Abschnitte der in der Fossa vesicae
Oberbauch (auch Drüsenbauch), Pars infra- biliaris der Leber gelegenen Gallenblase sind
colica (II), Unterbauch (auch Darmbauch) nahezu vollständig zu sehen, Fundus (B19),
und Pars pelvica mit den Beckenorganen.
Verdauungssystem

Corpus (B20) und Collum vesicae biliaris


Die horizontale Grenzebene für die ersten bei- (B21). Auch alle Teile der Vorderwand des Ma-
den Stockwerke wird durch das Querkolon, gens, Paries anterior, d. h. Kardia (B22), Fun-
Colon transversum (A1), bzw. sein Meso etwa dus gastricus (B23), Corpus gastricum (B24)
in Höhe des 1. Lendenwirbels gebildet. Am und Pars pylorica (B25), können in dieser
Querkolon ist ventral das große Netz, Omen- Ansicht überblickt werden. Links vom Ma-
tum majus (A2), angeheftet, das sich nach gen kommt die Milz (B9) mit dem oberen
kaudal wie eine Schürze über die Darm- Rand, Margo superior (B26), zum Vorschein.
schlingen ausbreitet, so dass meist nur Teile Zwischen Leber und Magen erstreckt sich
des Dickdarms, Colon ascendens (A3) und eine nahezu frontal gestellte Bauchfellplat-
Colon descendens (A4), an der unberührten te, das kleine Netz, Omentum minus (B15).
eröffneten Bauchhöhle zu sehen sind. Der Sein freier rechter Rand ist verdickt, er-
Dickdarm umrahmt das Dünndarmkonvo- streckt sich zwischen Leber und dem intra-
lut girlandenförmig. peritoneal gelegenen Anfangsteil des Duo-
denums (B8) und heißt Lig. hepatoduodenale
Pars supracolica (B27). Es enthält den Gallengang, die Pfort-
Im Oberbauch liegen die Leber, Hepar (AB5), ader und die Leberarterie. Der anschließen-
mit der Gallenblase, Vesica biliaris (AB6), der de Teil des Omentum minus spannt sich
Magen, Gaster (AB7), die Pars superior des zwischen Leber und dem oberen Rand des
Zwölffingerdarms, Duodenum (B8), die Magens, Curvatura minor (B28), aus und
Bauchspeicheldrüse, Pankreas, und die Milz, wird als Lig. hepatogastricum (B29) bezeich-
Lien (AB9). net. Dieses lässt in seinem mittleren Teil
den Lobus caudatus (B30) der Leber durch-
Eröffnete Bauchhöhle (A). Man erkennt schimmern. Dorsal vom Omentum minus
den unteren Rand des rechten Leberlappens liegt ein spaltförmiger Nebenraum der Peri-
(A10) und die Kuppe der Gallenblase (AB6), die tonealhöhle, die Bursa omentalis (in Pfeilrich-
unterhalb des rechten Rippenbogens her- tung). Der schmale natürliche Zugangsweg
vorragen. Der Unterrand des linken Leberlap- liegt dorsal vom rechten freien Rand des
pens ragt in das Feld zwischen den Rippen- Omentum minus, d. h. dorsal vom Lig. hepa-
bögen, Epigastrium. Zwischen rechtem und toduodenale, und wird als Foramen omentale
linkem Leberlappen zieht das Lig. falciforme bezeichnet (früher: Foramen epiploicum, im
(A11) zur vorderen Bauchwand. Sein freier klinischen Sprachgebrauch auch Foramen
unterer Rand ist zum Lig. teres hepatis (AB12) Winslowi) (Pfeil).
verdickt. Dieses Band enthält die obliterierte
Nabelvene (S. 8). Unterhalb des linken Rip- Klinischer Hinweis. Die genannten Stockwer-
penbogens und zwischen den Rippenbögen ke der Cavitas peritonealis sind nicht gegen-
kommt je nach Füllungszustand ein Teil der einander abgeschlossen, sondern stehen un-
Vorderfläche des Magens (AB7) zur Ansicht. tereinander in breiter Verbindung. Infektionen
Zwischen dem unteren Rand des Magens, an einer Stelle können sich daher über die ge-
samte Peritonealhöhle ausbreiten und zu einer
Curvatura gastrica major (B13), und dem
Bauchfellentzündung, Peritonitis, führen. Eine
Querkolon (A1) erstreckt sich eine Bauch-
vermehrte Flüssigkeitsansammlung in der
fellduplikatur, Lig. gastrocolicum (AB14). freien Bauchhöhle aufgrund verschiedener Pri-
Angehobene Leber (B). In dieser Ansicht märerkrankungen wird Aszites (Wassersucht)
genannt.
werden die Organe des Oberbauchs und das
kleine Netz, Omentum minus (B15), leichter
Für Blockade
Topografie der eröffneten Bauchhöhle 185

12 5

6 7 I
11
10

Verdauungssystem
14

II

3 4

A Eröffnete Bauchhöhle

B Oberbauchorgane

12
5

20 17
16

22 23
6 30 26
21
19 28 9
29
27 7
15

8
25 24 13

14
186 Verdauungssystem: Bauchhöhle

Topografie der eröffneten Ansicht B. Nach Verlagerung der Dünn-


Bauchhöhle, Fortsetzung darmschlingen mit ihrem Mesenterium zur
rechten Seite können insbesondere der
Pars infracolica Übergang vom Duodenum (AB3) in das Jeju-
Kaudal vom Querkolon, von seinem Meso num (AB4) und die absteigenden Kolonab-
bis zur Eingangsebene in das kleine Becken, schnitte überblickt werden. Der sekundär
liegen die Unterbauchorgane, zu denen retroperitoneal gelegene Teil des Duode-
Verdauungssystem

Dünndarm und Dickdarm zählen. Sie werden nums geht an der Flexura duodenojejunalis
an der eröffneten Bauchhöhle gößtenteils (B17) in das Jejunum über. In Nachbarschaft
vom Omentum majus bedeckt (S. 185 A). hierzu befinden sich, ähnlich wie beim ileo-
zäkalen Übergang, Bauchfellfalten und -ta-
Ansicht A. Nach Hochschlagen von Omen- schen. Eine Plica duodenalis superior (B18)
tum majus (AB1) und Colon transversum schließt einen Recessus duodenalis superior
(AB2) und Verlagerung des Dünndarmkonvo- (B19) ein, eine Plica duodenalis inferior (B20)
lutes zur linken Seite kommen fast alle Orga- einen Recessus duodenalis inferior (B21).
ne der Pars infracolica zur Ansicht. Der Durch das nach rechts geklappte Dünn-
Dünndarm besteht aus Duodenum (AB3), Je- darmkonvolut kommt das blinde Ende des
junum (AB4) und Ileum (AB5). Das Duode- Zäkums (AB8) zum Vorschein, von dem der
num liegt bis auf seinen Anfangsteil, die Wurmfortsatz, Appendix vermiformis (B22),
Pars superior duodeni, sekundär retroperito- abgeht. Dieser kleine Dickdarmabschnitt
neal und schimmert unter dem parietalen liegt intraperitoneal und ist über eine Meso-
Peritoneum durch (A3). Jejunum und Ileum appendix (B23) an der hinteren Bauchwand
liegen intraperitoneal und sind über ein befestigt. Colon transversum (AB2) und Meso-
breites Dünndarmgekröse, Mesenterium colon transversum (AB16) sind nahezu bis zur
(AB6), an der dorsalen Leibeswand befe- Flexura coli sinistra (B24), d. h. bis zum Über-
stigt. Die Wurzel dieses Gekröses, Radix me- gang in das Colon descendens (B25), zu über-
senterii (A7), ist ca. 15 – 18 cm lang und zieht blicken. Letzteres liegt sekundär retroperi-
schräg von links oben (Höhe des 2. Lenden- toneal, wird also auf seiner Vorderseite von
wirbels) nach rechts unten zur Fossa iliaca. parietalem Peritoneum überzogen. In der
Hier geht das Ileum in den Anfangsteil des linken Fossa iliaca, auf dem M. iliacus lie-
Dickdarms, Zäkum (AB8), über, an den sich gend, schließt sich das intraperitoneal gele-
das Colon ascendens (A9) anschließt. Am gene Colon sigmoideum (B26) an. Es ist über
Übergang vom intraperitoneal gelegenen ein Mesocolon sigmoideum (B27) an der hin-
Ileum zu dem häufig sekundär retroperito- teren Bauchwand aufgehängt, in dessen
neal gelegenen Zäkum entstehen Bauchfell- Wurzel eine Bauchfelltasche auftreten
falten, Plicae, und Bauchfelltaschen, Reces- kann, Recessus intersigmoideus (B28).184
sus. Kranial von der Einmündung des Ileums
in das Zäkum liegt ein Recessus ileocaecalis Klinischer Hinweis. In die genannten Recessus
superior (A10), der durch eine gefäßführen- können Dünndarmschlingen oder Teile des
de Bauchfellfalte, Plica caecalis vascularis Omentum majus verlagert werden, die als in-
(A11), hervorgerufen wird. Am Zäkum und nere Hernien (Hernia recessus duodenalis, Her-
am Colon ascendens erkennt man nahezu nia recessus iliocaecalis superior/inferior, Hernia
alle typischen Kolonmerkmale: regelmäßige intersigmoidea) bezeichnet werden. Sie sind
Ausbuchtungen der Dickdarmwand, Hau- äußerlich nicht sichtbar und fallen meist erst
intraoperativ auf. Werden die Dünndarm-
stra coli (A12), eine der Verdickungen der
schlingen eingeklemmt, treten abdominelle
Längsmuskelschicht, Taenia coli (A13), und Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verdau-
von Peritoneum überzogene Fettanhängsel, ungsprobleme auf. In seltenen Fällen kann ei-
Appendices epiploicae (A14). An der rechten ne Ileussituation (Darmlähmung oder Darm-
Kolonbiegung, Flexura coli dextra (A15), geht verschluss) hinzukommen.
das aufsteigende Kolon in das intraperitone- In den zahlreichen Nischen und Taschen zwi-
al gelegene Colon transversum (AB2) über, schen den Dünndarm- und Dickdarmschlingen
das über das Mesocolon transversum (AB16) mit ihrem jeweiligen Gekröse kann sich bis zu
an der dorsalen Bauchwand aufgehängt ist. 0,5 Liter freie Flüssigkeit verbergen und der
klinischen Untersuchung, auch der Ultraschall-
Die übrigen Dickdarmabschnitte, Colon
untersuchung, entgehen.
descendens und Colon sigmoideum, sind
durch das zur linken Seite geschlagene
Dünndarmkonvolut verdeckt.
Topografie der eröffneten Bauchhöhle, Fortsetzung 187

1
2

16

Verdauungssystem
15 3 7 4

13 6
4
14
9
A Unterbauchorgane,
12 Dünndarmschlingen
11 10 nach links geklappt
8

1
2

16
24
4
17 18
3
19 25
6
20 21

4
26

27

22 26 28
5
23
B Unterbauchorgane, 8
Dünndarmschlingen
nach rechts geklappt
188 Verdauungssystem: Bauchhöhle

Parietale Bauchfellverhältnisse Becken. Das Peritoneum der hinteren


Bauchwand setzt sich über die Linea termi-
Dorsale Bauchwand. Nach Entfernung der nalis in das kleine Becken, Pelvis minor, fort
intraperitoneal gelegenen Organe (Leber, (B) und wird dort als Peritoneum urogenitale
Magen, Milz, Jejunum, Ileum, Colon trans- bezeichnet. Es überzieht ein Stück weit die
versum und Colon sigmoideum) kann man Vorderfläche und die Seitenflächen des Rek-
die dorsale Wand der Cavitas peritonealis tums (AB21) und schlägt im weiblichen
mit den Anheftungslinien der Bauchfelldu-
Verdauungssystem

Becken auf die frontal gestellte Genitalplat-


plikaturen und den Verwachsungsstellen te aus Gebärmutter/Uterus (B24), Eileiter/
der Leber sowie die retroperitoneal gelege- Tuba uterina (B25) und Eierstock/Ovar
nen Organe überblicken (A): Im Bereich der (B26) über. Zwischen Uterus und Rektum
bauchfellfreien Area nuda (A1) ist die Leber entsteht eine tiefe Einsenkung, Excavatio rec-
direkt mit dem Zwerchfell verwachsen. Die- touterina (B27), der tiefste Abschnitt der Ca-
se Stelle wird umrandet von der Umschlag- vitas peritonealis. Von den Seitenwänden
stelle des viszeralen Peritoneums der Leber des Uterus zieht jeweils eine Bauchfelldu-
auf das parietale Peritoneum des Zwerch- plikatur zur Wand des kleinen Beckens, Lig.
fells, Lig. coronarium (A2), das seitlich zipfe- latum uteri (B28), nach vorne schlägt das
lig in das Lig. triangulare dextrum (A3 ) und Bauchfell unter Bildung einer flacheren Ex-
das Lig. triangulare sinistrum (A4) übergeht. cavatio vesicouterina (B29) auf die Hinter-
Auf der rechten Seite ist ein Teil des Lig. co- wand der Harnblase (B30) über. Beim Mann
ronarium dextrum am rechten Nierenlager überzieht das Bauchfell Rektum und Harn-
(A5) befestigt, Lig. hepatorenale (A6). Vorne blase sowie die dorsal der Harnblase gelege-
und oben schlägt das Lig. falciforme (A7) auf nen Samenbläschen. Es kommt nur zur Aus-
das Peritoneum parietale des Zwerchfells bildung einer Bauchfellbucht zwischen Rek-
über. Dorsal der Leber erkennt man retrope- tum und Harnblase, Excavatio rectovesicalis.
ritoneal gelegen die V. cava inferior (A8) und Lateral setzt sich das Peritoneum parietale
die Aorta (A9). Links der Aorta liegt die auf die Beckenwand fort und bedeckt hier
Schnittkante durch den Mageneingang die im subperitonealen Bindegewebe ver-
(A10). Von hier aus zieht das Lig. gastrophre- laufenden Vasa iliaca interna und die Urete-
nicum (A11) zum Zwerchfell und wird zwi- ren.
schen großer Magenkurvatur und Milz als
Lig. gastrosplenicum (A12) fortgesetzt. Unter- Vordere Bauchwand. Ihre Innenseite wird
halb des unteren Milzpols erstreckt sich das von Peritoneum parietale anterius überzogen,
Lig. phrenicocolicum (A13), eine Bauchfellfal- das ein typisches Relief aufweist. In der Mit-
te zwischen Zwerchfell und Colon descen- tellinie zieht eine Bauchfellfalte, Plica umbi-
dens. In der Mitte der hinteren Bauchwand licalis mediana (B31), mit dem obliterierten
ist die Wurzel des Mesocolon transversum Urachus, der beim Embryo die Anlage der
(A14) angeschnitten. Darüber erkennt man Harnblase mit dem Allentoisbläschen ver-
das die Hinterwand der Bursa omentalis bindet, zum Nabel. Seitlich davon verläuft
(S. 222) bedeckende parietale Peritoneum, jeweils eine Plica umbilicalis medialis (B32)
hinter dem die Bauchspeicheldrüse (A15) mit der obliterierten Nabelarterie. Zwischen
gelegen ist. Am Oberrand der Pars superior den 3 Falten und der Harnblase befindet
duodeni (A16) ist das Lig. hepatoduodenale sich beiderseits eine Fossa supravesicalis
(A17) angeschnitten, dahinter liegt das Fora- (B33). Die weiter seitlich gelegene Plica um-
men omentale (A18). Die hintere Bauchwand bilicalis lateralis (B34) enthält die Vasa epi-
der Pars infracolica wird durch die schräg gastrica inferiora; sie verstreicht nach krani-
verlaufende Radix mesenterii (A19) und das al. Zwischen ihr und der Plica umbilicalis
Mesocolon sigmoideum (A20) unterteilt. Letz- medialis liegt kaudal eine kleine Senke, Fos-
teres zieht bis in das kleine Becken hinab, sa inguinalis medialis (B35), die dem äußeren
wo das Colon sigmoideum in das Rektum Leistenring entspricht. Lateral der Plica um-
(AB21) übergeht. Auf der rechten und linken bilicalis lateralis liegt die Fossa inguinalis late-
Seite der hinteren Bauchwand liegen Colon ralis (B36), die dem darunter gelegenen in-
ascendens (A22) und Colon descendens neren Leistenring entspricht.
(A23).
Für Blockade
Parietale Bauchfellverhältnisse 189

2 2 4
7
1
10
11
8 9
6
3 18 12

Verdauungssystem
17 15
5 13
16
14

A Parietale Bauchfellverhältnisse
der dorsalen Leibeswand

19
22 23
20

21

27

21
26
28
25
24

29
30 36
34
33 35

B Parietale Bauchfellverhältnisse 31
der vorderen nach unten 32
geklappten Leibeswand,
kleines Becken
190 Verdauungssystem: Magen

Magen angularis (B12), die den Beginn der Pars py-


lorica markiert und häufig im Röntgenbild
Der Magen, Gaster, ist ein weites, hornför- als Knick sichtbar ist. Die große (konvexe)
miges, intraperitoneal gelegenes Hohlor- Magenkurvatur weist nach links und unten
gan. Er liegt im Oberbauch (A) unterhalb der und hat gegenüber der Incisura angularis ei-
linken Zwerchfellkuppel und oberhalb des ne Konvexität, die auch als Magenknie (B13)
Colon transversum, z. T. versteckt hinter bezeichnet wird. Von der kleinen Kurvatur
Verdauungssystem

dem linken Rippenbogen, in der Regio hy- des Magens entspringt der größte Teil des
pochondriaca sinistra und reicht je nach Omentum minus, nämlich das Lig. hepato-
Form und Füllungszustand unterschiedlich gastricum. Von der großen Kurvatur nimmt
weit in das Epigastrium. das Omentum majus seinen Ausgang, zu des-
sen Anteilen das zwischen Magen und Co-
lon transversum gelegene Lig. gastrocoli-
Makroskopischer Aufbau
cum, das zwischen Magenfundus und
Die Pars abdominalis des Ösophagus (B1) Zwerchfell gelegene Lig. gastrophrenicum
öffnet sich über das Ostium cardiacum (C2) in und das zwischen der großen Kurvatur des
den trichterförmigen Mageneingang, Kardia Magens und der Milz gelegene Lig. gastro-
(B3). Hieran schließt sich die Magenkuppel, splenicum zählen. Wenn man den unteren
Fundus gastricus (B4), an. Diese überragt die Rand der Leber nach oben zieht, kann man
Kardia kranial, schmiegt sich der linken das nahezu frontal eingestellte Omentum
Zwerchfellkuppel an, bildet die höchste minus überblicken.
Stelle des Magens und enthält beim stehen- Magenwand und Magenschleimhaut. Die
den Menschen verschluckte Luft (Magen- Magenwand ist außen glatt und von Perito-
blase). Der Magenfundus ist vom Herzen neum viscerale überzogen. Innen ist die Ma-
nur durch das Centrum tendineum des genschleimhaut zu großen Falten, Plicae
Zwerchfells getrennt. Ösophagus und Ma- gastricae (C14), aufgeworfen, die geschlän-
genfundus schließen einen spitzen Winkel gelt in Längsrichtung angeordnet und mit
ein, Incisura cardiaca (B5). Den Hauptteil des bloßem Auge zu erkennen sind. An der klei-
Magens bildet der Magenkörper, Corpus gast- nen Kurvatur besitzt das Schleimhautrelief
ricum (B6). An ihn schließt sich die Pars pylo- einige parallel verlaufende Falten, die sog.
rica (BC7) an, die sich in das Antrum pylori- Magenstraße. In den übrigen Abschnitten
cum (BC7 a) und den Canalis pyloricus sind die Falten unregelmäßig geformt.
(BC7 b) gliedert und sich über das vom Ma-
genschließmuskel, Pylorus, umgebene Osti- Betrachtet man die Magenschleimhaut mit
um pyloricum (C8) in das Duodenum (BC9) Lupenvergrößerung, so erkennt man ihr
öffnet. Der Pylorus wird in Abhängigkeit Flachrelief (D). Es wird geprägt durch beet-
von der Magenform in verschiedenen Hö- artige Felder, Areae gastricae (D15), in denen
hen gefunden. In Rückenlage liegt er meis- in regelmäßigen Abständen die Magengrüb-
tens rechts von der Mittellinie in Höhe des chen, Foveolae gastricae (D16), münden. Die
1. Lendenwirbels und senkt sich im Stand wenige Millimeter dicke Magenwand be-
bis zum 4. Lendenwirbel, liegt aber immer steht wie alle Abschnitte des Darmrohrs aus
vor der V. cava inferior. Tunica mucosa (D17), Tela submucosa (D18),
Des Weiteren unterscheidet man am Magen Tunica muscularis (D19), einer dünnen Tela
eine Vorder- und eine Hinterfläche, Paries subserosa sowie einer Tunica serosa (D20).
anterior et posterior. Die Magenflächen wer-
den durch die kleine und große Magen-
krümmung, Curvatura minor gastricae (B10)
und Curvatura major gastricae (B11), und die
hier ansetzenden Bauchfellduplikaturen
voneinander getrennt. Die kleine (konkave)
Magenkurvatur weist nach rechts und oben
und hat ihren tiefsten Punkt in der Incisura
Makroskopischer Aufbau des Magens 191

1 4

Verdauungssystem
3

10
6

12
A Lage des Magens 9
11
7b

7a

B Magen von vorn,


Abschnitte
13

15

16

17
18

19
2

20 14

D Magenschleimhaut
Stufenschnitt
9 8

C Schleimhautrelief
7b 7a des Magens
192 Verdauungssystem: Magen

Feinbau der Magenwand lumen, die Basis ragt über die der benach-
barten Zellen hinaus. Belegzellen produzie-
Der Wandaufbau des gesamten Darmrohrs ren die Magensalzsäure und den Intrinsic
ist prinzipiell gleich (S. 142), so dass bei den factor, der zur Resorption des Vitamins B12
einzelnen Abschnitten nur die Besonderhei- im Ileum nötig ist. Im Drüsengrund kommen
ten hervorgehoben werden. neben Hauptzellen noch entero-endokrine Zel-
len vor (S. 384).
Lamina mucosa
Verdauungssystem

Glandulae cardiacae. In der Kardia sind die


Überall im Magen wird die Oberfläche der Drüsenschläuche stark verzweigt und teils
etwa 1 – 2 mm dicken Schleimhaut ein- zystisch aufgetrieben. Die Drüsenzellen se-
schließlich der Foveolae gastricae (AB1) von zernieren Schleim und das antibakterielle
einem einschichtigen hochprismatischen Epi- Lysozym. Haupt- und Belegzellen fehlen.
thel (AB2) gebildet, das sich am Magenein-
gang mit scharfer Grenze gegen das Öso- Glandulae pyloricae. In der Pars pylorica
phagusepithel absetzt. Die Lamina epithe- (C) sind die Foveolae gastricae meist tiefer
lialis des Magens produziert einen hochvis- als in der übrigen Magenschleimhaut. Die
kösen, neutralen Schleim, der die Magen- Drüsenschläuche verzweigen sich in der
wand vor Schädigungen schützt. Das Tiefe, sind stärker gewunden und werden
Schleimhautbindegewebe, Lamina propria überwiegend von prismatischen Zellen ausge-
(A3), wird von tubulösen Drüsen (AB4) durch- kleidet, die einen neutralen bis schwach sauren
setzt, die bis zur Lamina muscularis mucosae Schleim produzieren. Außerdem kommen
(A5) reichen und die in die Foveolae gastri- als endokrine Zellen G-Zellen, gastrinbilden-
cae münden. de Zellen, vor (S. 387).

Nach ihrer Lage im Magen, ihrer Form, ih- Tunica muscularis (D)
rem zellulären Aufbau und ihrer Funktion
werden die Drüsen in Korpus und Fundus als Die Muskelschicht besteht aus 3 Schichten.
Glandulae gastricae propriae, in der Pars car- Neben den üblicherweise in der Darmwand
diaca als Glandulae cardiacae und in der Pars vorkommenden Schichten, einem Stratum
pylorica als Glandulae pyloricae bezeichnet longitudinale (D9) und einem Stratum cir-
und unterschieden. culare (D10), gibt es eine dritte Schicht, Fi-
brae obliquae (D11). Im äußeren Stratum lon-
Glandulae gastricae propriae. Die Drüsen gitudinale verlaufen besonders kräftige Mus-
in Fundus und Korpus (A) (Hauptdrüsen) kelzüge, an der großen Kurvatur von der
sind gestreckt, etwa 1,5 mm lang und ent- Kardia bis zum Pylorus, an der kleinen Kur-
halten 3 verschiedene Drüsenzelltypen, die vatur bis zur Incisura angularis. Jenseits von
auf die unterschiedlichen Abschnitte der tu- ihr beginnen neue Längsmuskelzüge, die
bulösen Drüsen verteilt sind (B). Im Drüsen- sich über die Pars pylorica in die Wand des
hals liegen hauptsächlich schleimbildende Duodenums fortsetzen. Die Incisura angula-
Nebenzellen (AB6), auch als muköse Halszellen ris gilt daher als Grenze zwischen 2 funktio-
bezeichnet, die sich morphologisch von den nell unterschiedlichen Magenabschnitten, ei-
Oberflächenepithelien unterscheiden. Die nem oberen, der Verdauung dienenden Sac-
Nebenzellen zeigen häufig Mitosen, von cus digestorius und einem unteren, der Ent-
hier aus wird das Oberflächenepithel rege- leerung dienenden Canalis egestorius. Insge-
neriert. Im folgenden Drüsenabschnitt fin- samt reguliert die Längsmuskelschicht die
det man viele Hauptzellen und Belegzellen. Längsausdehnung des Magens. Das mittlere
Die säulenförmigen Hauptzellen (AB7) besit- Stratum circulare ist gut entwickelt und am
zen eine starke basale Basophilie. Sie bilden Magenausgang zum M. sphincter pyloricus
Pepsinogene, Vorstufen des eiweißspalten- (D12) verdickt, der nach innen vorspringt.
den Verdauungsenzyms Pepsin. Die Beleg- Die Muskelzüge der innersten Schicht, Fi-
zellen (AB8) (Parietalzellen) scheinen den brae obliquae, verlaufen schräg über das Cor-
Tubuli aufzusitzen. Sie sind groß, stark azi- pus gastricum, lassen die kleine Kurvatur
dophil und haben eine dreieckige Form. Die frei und gehen in die Ringmuskelschicht
Spitze der Zellen hat Kontakt zum Drüsen- über.
Feinbau der Magenwand 193

2
2
3
1
1
4

Verdauungssystem
6

6
8 7
8
7 4

A Schleimhaut des Magenfundus B Magendrüse des


Magenfundus,
Schema
1

11

10
C Schleimhaut der Pars pylorica
12

D Muskelschichten
der Magenwand
194 Verdauungssystem: Magen

Gefäße, Nerven und Lymphabflusss Regionäre Lymphknoten (B). Die Lymphe


aus einem mukös-submukösen und einem
Arterien. Sie stammen in der Regel aus muskulär-subserösen Lymphgefäßnetz des
Ästen des Truncus coeliacus (A1) und bilden Magens fließt in 3 Richtungen ab: Von der
entlang den Kurvaturen Gefäßkränze. An der Kardia und großen Teilen der Vorder- und
kleinen Kurvatur wird der Gefäßbogen aus Rückwand entlang der kleinen Kurvatur er-
der A. gastrica sinistra (A2) und der A. gast- reicht sie die Lnn. gastrici (B12), die haupt-
rica dextra (A3) gebildet. Die A. gastrica sini-
Verdauungssystem

sächlich in Begleitung der A. gastrica sinistra


stra geht aus dem Truncus coeliacus hervor. liegen. Aus dem Fundusbereich und den
Sie verläuft in einer Bauchfellfalte, der obe- milznahen Anteilen der großen Kurvatur
ren Plica gastropancreatica, zunächst auf- fließt sie zu Lnn. splenici (B13). Der übrige
steigend, dann im Bogen an die kleine Kur- Teil der Lymphe der großen Kurvatur fließt
vatur. In Höhe der Kardia gibt sie kleine Äste zu Lnn. gastroomentales (B14). Der weitere
zum Ösophagus und größere zum Magen ab Abfluss erfolgt über die Lnn. coeliaci (B15).
und anastomosiert mit der A. gastrica dex- Die Lymphe der Pylorusregion fließt den
tra, die in der Regel aus der A. hepatica pro- Lnn. gastroomentales (B14) und meist den
pria (A4) hervorgeht. Die A. gastrica dextra hinter dem Pylorus gelegenen Lnn. pylorici
verläuft zunächst oberflächlich im Lig. he- (B16) zu. Auch von dort wird sie hauptsäch-
patoduodenale des Omentum minus und lich über die Lnn. coeliaci weitergeleitet, ein
gelangt an der kleinen Kurvatur in das Lig. Teil fließt aber auch zu den Lnn. mesenterici
hepatogastricum, wo sie den Gefäßbogen superiores (B17). Zwischen den einzelnen
mit der A. gastrica sinistra bildet. An der gro- recht komplizierten Lymphabflussgebieten
ßen Kurvatur wird der Gefäßbogen von den bestehen zahlreiche Verbindungen, die das
Aa. gastroomentales gebildet. Die A. gastro- Übergreifen von einem Gebiet auf das ande-
omentalis sinistra (A5) gelangt als Ast der A. re ermöglichen.
splenica (A6) über das Lig. gastrosplenicum
zur großen Kurvatur, wo sie im Lig. gastro- Klinischer Hinweis. Die Lnn. pylorici können
colicum verläuft und mit der A. gastroomen- bei Metastasierung mit dem hinter ihnen gele-
talis dextra (A7) anastomosiert. Letztere ent- genen Pankreas (B18) verwachsen und zu er-
springt der A. gastroduodenalis (A8). Das heblichen intraoperativen Schwierigkeiten
Fundusgebiet des Magens wird zusätzlich führen.
von kleinen Aa. gastricae breves aus der A.
splenica versorgt. Funktion des Magens. Im Magen werden die
Nahrungsbissen schichtweise gestapelt, durch
Venen. Sie verlaufen parallel zu den Arterien den Magensaft chemisch zerkleinert und zu Spei-
und werden wie diese benannt. Sie fließen sebrei umgewandelt. Dieser wird von der Magen-
direkt, V. gastrica sinistra (A9), oder unter wand umschlossen, ohne dass eine Zunahme der
Vermittlung der V. splenica und der V. mes- Wandspannung entsteht. Diese tonische Um-
enterica superior in die V. portae (A10). schließung heißt Peristole, sie beschränkt sich auf
den Verdauungssack des Magens. Der Magenin-
Nerven. Die postganglionären sympathi- halt gelangt allmählich nach distal zum Austrei-
schen Fasern entstammen dem Plexus coelia- bungskanal im unteren Magenabschnitt, in dem
cus (A11) und gelangen mit den Arterien an peristaltische Kontraktionswellen pyloruswärts
die Magenwand. Erregung des Sympathicus laufen und den Mageninhalt zum Pylorus schie-
führt zur Gefäßverengung und zur Hemmung ben, der ihn portionsweise ins Duodenum ent-
leert.
der Magenbewegungen. Die parasympathi-
schen Fasern sind Äste des N. vagus, der sich als Klinischer Hinweis. Die häufigste akute Ent-
Truncus vagalis anterior auf der Vorderseite zündung der Magenschleimhaut ist die Gastri-
und als Truncus vagalis posterior auf der tis, bei der man multiple, punktförmige ober-
Rückseite des Magens ausbreitet. Erregung flächliche Schleimhautdefekte findet. Als Ur-
des Parasympathicus führt zur vermehrten sache wird heute im Wesentlichen eine Be-
Durchblutung, zur vermehrten Sekretion von siedlung mit Helicobacter pylori (gramnega-
Magensaft und Salzsäure und zur Zunahme tives, spiralig gekrümmtes Bakterium mit Be-
der Magenbewegungen. geißelung) angesehen.
Unter dem Begriff Ulkuskrankheit werden ver-
schiedene Formen von Magengeschwüren zu-
sammengefasst.
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss des Magens 195

Verdauungssystem
11

4 2
1
9
3 6
10
8

A Gefäße und Nerven des Magens

12 13

18

15

16 14

17

B Lymphknoten und Lymphabfluß des Magens


196 Verdauungssystem: Dünndarm

Dünndarm in eine intraperitoneale Lage. An dieser Fle-


xur entstehen Falten und Nischen im Bauch-
An den Magen schließt sich der Dünndarm, fell. Ein Recessus duodenalis superior (B15)
Intestinum tenue, an. Er gliedert sich in 3 wird von der Plica duodenalis superior (B16)
Abschnitte: Zwölffingerdarm, Duodenum umrahmt, ein Recessus duodenalis inferior
(A1), Leerdarm, Jejunum (AC2), und Krumm- (B17) von der Plica duodenalis inferior (B18).
darm, Ileum (AC3), und mündet in der rech- Durch Bündel von glatten Muskelzellen, M.
Verdauungssystem

ten Fossa iliaca in den Dickdarm (A4). Die suspensorius duodeni (Treitz-Muskel), ist die
Länge des gesamten Dünndarms beträgt Pars ascendens des Duodenums mit dem
durchschnittlich ca. 5 m. Stamm der A. mesenterica superior verbun-
den.
Makroskopischer Aufbau
Klinischer Hinweis. Einklemmungen von
Duodenum Dünndarmschlingen in die Bauchfellnischen
werden als innere Brüche, Hernien (auch
Das 25 – 30 cm lange Duodenum projiziert Treitz-Hernien), bezeichnet. Sie können zu le-
sich auf den Umbilicus. Es ist hufeisen- oder bensbedrohlichen Darmnekrosen führen.
C-förmig, liegt an der hinteren Bauchwand
überwiegend rechts von der Wirbelsäule
und umfasst den Kopf der Bauchspeichel- Jejunum und Ileum
drüse (B5). An der Flexura duodenojejunalis (B13) beginnt
Es werden 4 Abschnitte unterschieden: Die das Dünndarmkonvolut, das zu etwa 2/5 der
Pars superior (B6) ist der Anfangsteil, der am Gesamtlänge vom Jejunum (AC2) und zu 3/5
Pylorus (B7) in Höhe des 1. Lendenwirbels vom Ileum (AC3) gebildet wird. Die Dünn-
rechts von der Mittellinie beginnt, leicht an- darmschlingen liegen in der Pars infracolica
steigend von ventral nach dorsal verläuft der Bauchhöhle. Sie werden vom Dickdarm
und an der Flexura duodeni superior (B8) in (AC4) umrahmt und vom Omentum majus
die Pars descendens übergeht. Der Anfangs- bedeckt. In der Fossa iliaca dextra mündet
teil des Duodenums erscheint im Röntgen- das Ileum über das Ostium ileale in den Dick-
bild erweitert (Ampulla duodeni) und wird darm. Etwa 50 –100 cm von dieser Klappe
daher im klinischen Sprachgebrauch auch entfernt, kann am Ileum in etwa 2% der Fälle
als Bulbus duodeni bezeichnet. Die Pars su- ein blindsackartiger Anhang existieren, Di-
perior wird dorsal von der V. portae und verticulum ilei, Meckel-Divertikel. Hierbei
vom Ductus choledochus gekreuzt. Weiter handelt es sich um Überreste des embryona-
dorsal, in der Tiefe, verläuft die V. cava infe- len Dottergangs.
rior. Die Pars descendens (B9) verläuft abstei- Jejunum und Ileum liegen intraperitoneal
gend rechts neben der Wirbelsäule bis auf und sind über das Gekröse, Mesenterium
Höhe des 3. Lendenwirbels und geht an der (C19), an der hinteren Leibeswand beweg-
Flexura duodeni inferior (B10) in die Pars ho- lich aufgehängt. Die Wurzel des Mesente-
rizontalis (B11) über, die ihrerseits unterhalb riums, Radix mesenterii (BC20 ), ist ca. 15 –
vom Kopf der Bauchspeicheldrüse über die 18 cm lang und zieht an der hinteren Bauch-
Wirbelsäule hinwegzieht und links von ihr wand in einer Linie von der Flexura duode-
als Pars ascendens (B12) zur Flexura duodeno- nojejunalis bis zur Fossa iliaca dextra. Der
jejunalis (B13) in Höhe des 2. Lendenwirbels Mesenterialansatz am Dünndarm ist etwa 4 m
aufsteigt. Hier geht das Duodenum in das Je- lang und legt sich halskrausenartig in viele
junum über. Falten. Die Wände von Jejunum und Ileum
Die Pars superior liegt intraperitoneal. Sie ist sind außen glatt, von Peritoneum überzo-
frei beweglich und über das Lig. hepatoduo- gen und makroskopisch nicht zu unter-
denale (B14) mit der Leber verbunden. Die scheiden.
Pars descendens einschließlich aller Folgeab-
schnitte liegen sekundär retroperitoneal und Klinischer Hinweis. Entzündungen des
sind folglich nur auf den Vorderflächen von Meckel-Divertikels können mit Entzündungen
Bauchfell überzogen. An der Flexura duode- des Wurmfortsatzes verwechselt werden.
nojejunalis gelangt der Dünndarm wieder
Makroskopischer Aufbau des Dünndarms 197

14
8

6 13
7
1

Verdauungssystem
9
2 4

4 5 16

12
15
3 11 17
10

20 18

B Zwölffingerdarm, in situ

A Lage der Dünndarmabschnitte

19
20

C Dünndarmkonvolut,
nach rechts geklappt
198 Verdauungssystem: Dünndarm

Wandaufbau be der Lamina propria mucosae eingenommen,


das glatte Muskelzellen für die sog. Zottenpumpe,
Schleimhautrelief ein eigenes Blut- (E10) und Lymphgefäß (Chylus-
gefäß) sowie Lymphozyten, Plasmazellen und
Duodenum. Makroskopisch weist die
Mastzellen enthält.
Schleimhaut dichte und hohe Ringfalten, Glandulae intestinales (D-F8) (Cryptae intestina-
Plicae circulares (Kerckring-Falten) (A1), auf. les, Lieberkühn-Krypten). An der Basis benach-
Sie entstehen durch Auffaltungen der Tunica barter Zotten münden die Krypten, die als kurze
Verdauungssystem

mucosa und der Tela submucosa und vergrö- tubuläre Drüsen bis zur Lamina muscularis muco-
ßern die Schleimhautoberfläche um das 1,5- sae reichen. Das Epithel der Krypten dient der Se-
fache. In die Pars descendens duodeni mün- kretion und der Zellerneuerung. Es besteht im
den die Ausführungsgänge von Leber und wesentlichen aus dem Saumepithel, Becherzellen
Bauchspeicheldrüse, Ductus choledochus (E11), epikal granulierten Paneth-Zellen, die Lyso-
zym und Peptidasen enthalten, und hormonbil-
(A2) und Ductus pancreaticus (A3). Sie rufen
denden entero-endokrinen Zellen (S. 384). Paneth-
auf der Schleimhautoberfläche eine Längs- Zellen sind vorwiegend am Grund der Krypten zu
falte hervor, Plica longitudinalis duodeni (A4), finden.
auf der die Gänge meist gemeinsam in einer
Tela submucosa. Sie enthält in ihrem Bin-
warzenförmigen Schleimhauterhebung, Pa-
degewebe den nervösen Plexus submucosus
pilla duodeni major (A5), münden. Auf einer
(Meissner) und weitmaschige Netze von Blut-
oral hiervon gelegenen Papilla duodeni minor
und Lymphgefäßen. Im Duodenum (D) ent-
mündet in den meisten Fällen der akzesso-
hält sie verzweigte tubulo-alveoläre Drü-
rische Pankreasgang, Ductus pancreaticus
senpakete, Glandulae duodenales (D12) oder
accessorius.
Brunner-Drüsen, deren schleimiges Sekret
Jejunum und Ileum. Die Jejunumschleim- den aus dem Magen kommenden Verdau-
haut (B) besitzt anfangs noch hohe und dicht ungsbrei neutralisiert.
stehende Plicae circulares, zum Ileum (C) hin Tunica muscularis. Sie besteht im gesam-
werden sie niedriger und stehen weiter aus- ten Dünndarm aus einer stärker entwickel-
einander; in der zweiten Ileumhälfte fehlen ten inneren Ringmuskelschicht und einer
sie meist völlig. Die Schleimhaut des Ileums schwächer ausgebildeten äußeren Längsmus-
wölbt sich gegenüber dem Mesenterialan- kelschicht. Im Bindegewebe zwischen den
satz sichtbar vor, was durch Ansammlungen beiden Muskelschichten liegt der vegetative
von Lymphfollikeln, Nodi lymphatici aggregati Plexus myentericus (Auerbach).
(C6), Peyer-Plaques, in der Mukosa und Sub-
Die beiden Muskelschichten arbeiten antagoni-
mukosa hervorgerufen wird.
stisch derart zusammen, dass die Kontraktion der
Längsmuskelschicht den Darmabschnitt verkürzt
Feinbau und erweitert, die Kontraktion der Ringmuskel-
schicht ihn verlängert und verengt. Dabei werden
Tunica mucosa. Der mikroskopische Auf-
Pendelbewegungen und rhythmische Segmentatio-
bau der Dünndarmschleimhaut entspricht
nen zur Durchmischung des Darminhaltes und
dem allgemeinen Bau des Darmrohrs peristaltische Kontraktionen oder Wellen für sei-
(S. 142). Neben den Plicae circulares wird nen Weitertransport durchgeführt.
die Oberfläche aller Dünndarmabschnitte
durch Zotten und Krypten vergrößert. Zusammenfassung
Villi intestinales (D-F7). Zotten sind blatt- oder Das Duodenum (D) hat hohe Plicae circula-
fingerförmige Ausstülpungen der Lamina epithelia- res, hohe und blattförmige Zotten, die Kryp-
lis und der Lamina propria, die der Dünndarm- ten sind flach. Die Tela submucosa enthält
schleimhaut ein samtartiges Aussehen verleihen. Glandulae duodenales.
Das Epithel der Zotten und Krypten enthält ver-
Charakteristisch für das Jejunum (E) sind ho-
schiedene Zelltypen, die Abkömmlinge der glei-
chen Stammzellen sind. Das Oberflächenepithel
he und dichte Plicae circulares, hohe, finger-
wird als Saumepithel bezeichnet. Es besteht aus förmige Zotten und allmählich tiefer wer-
den hochprismatischen, resorptiv tätigen Entero- dende Krypten.
zyten (E9) und vereinzelt eingestreuten Becher- Im Ileum (F) werden die Zotten kürzer und
zellen. Der luminale Zellpol der Enterozyten ist die Tiefe der Krypten nimmt weiter zu. Die
mit einem Rasen von Mikrovilli besetzt, der Bür- Tela submucosa enthält bis in die Lamina
stensaum genannt wird und die Oberfläche enorm propria reichende Folliculi lymphatici ag-
vergrößert. Das Zotteninnere wird vom Bindegewe- gregati.
Wandaufbau des Dünndarms 199

2
8
3
1

Verdauungssystem
4
5
1

12

A Schleimhautrelief Duodenum D Feinbau Duodenum

7
1

7 9

1
10 I

11
9
II
B Schleimhautrelief Jejunum E Feinbau Jejunum mit Zottenquerschnitt (I)
und Kryptenquerschnitt (II)

C Schleimhautrelief Ileum F Feinbau Ileum


200 Verdauungssystem: Dünndarm

Gefäße, Nerven und Lymphabfluss Nerven. s. Duodenum.


Regionäre Lymphknoten. Die Lymphe aus
Duodenum
den Dünndarmzotten und der übrigen
Arterien. Die Gefäßversorgung ist weitge- Darmwand fließt über Lymphgefäße, die die
hend identisch mit der des Pankreaskopfes. Arterien begleiten, zunächst zur Gruppe der
Die A. pancreaticoduodenalis superior anterior Lnn. mesenterici juxtaintestinales (B14) auf
(A1) und die A. pancreaticoduodenalis superior Höhe der primären Gefäßarkaden, und
Verdauungssystem

posterior (A2) gehen aus der A. gastroduode- dann zu den Lnn. mesenterici superiores, die
nalis (A3), einem Ast der A. hepatica commu- den Lnn. pancreaticoduodenales benachbart
nis (A4) 씯 Truncus coeliacus (A5) hervor, sind und wie diese über die Lnn. coeliaci in
bilden mit der A. pancreaticoduodenalis infe- die Trunci intestinales abfließen.
rior (A6) aus der A. mesenterica superior
(AB7) eine Gefäßschlinge um das Duode- Funktion des Dünndarms
num und den Pankreaskopf und stellen so-
Im Dünndarm finden Verdauung und Resorption
mit eine Anastomose zwischen dem Strom- statt. Verdauung ist der enzymatische Abbau der
gebiet des Truncus coeliacus und der A. Nährstoffe in resorbierbare Bestandteile: Kohlen-
mesenterica superior her. hydrate werden zu Monosacchariden abgebaut,
Venen. Der Abfluss des Venenblutes aus Eiweiße zu Aminosäuren und Fette zu Fettsäuren
dem Duodenum und aus dem Pankreas er- und Glycerin. Eine wichtige Enzymquelle ist das
folgt über die V. splenica (A8) und die V. mes- Sekret der Bauchspeicheldrüse, das in das Duode-
enterica superior (AB9) zur V. portae (A10). num abgegeben wird. Zur Fettverdauung wird
Gallensäure benötigt, die ebenfalls in das Duode-
Nerven. Die vegetative, extrinsische Inner-
num abgegeben wird. Die Darmschleimhaut be-
vation des gesamten Dünndarms erfolgt
sitzt resorbierende und schleimbildende Epithelien
über Plexus um die Mesenterialgefäße, de- sowie endokrine Zellen, deren Hormone die Pan-
ren parasympathische Fasern aus den Trunci kreassekretion und die Gallenblasen- und Darm-
vagales und deren sympathische Fasern vom motorik steuern. Der Speisebrei wird in Misch-
Ggl. coeliacum und vom Ggl. mesentericum und Transportbewegungen durch den Dünndarm
superius stammen. befördert.
Regionäre Lymphknoten. Die Lymphe
fließt zur kleinen Gruppe der Lnn. pylorici Klinischer Hinweis. Zellproliferationen des
Duodenalepithels bewirken im 2. – 3. Entwick-
(S. 194) und zu den Lnn. pancreaticoduodena-
lungsmonat vorübergehend einen vollständi-
les. Zweite Filterstation sind die Lnn. hepati-
gen Verschluss des Darmlumens. Bleibt die Re-
ci, von denen die Lymphe zu den Lnn. coelia- kanalisierung im späteren Fetalleben aus, so
ci abfließt, die in die Trunci intestinales kann eine angeborene Duodenalstenose oder ei-
münden. ne Duodenalatresie entstehen. Bei der Duode-
nalstrenose ist das Lumen des Duodenum lo-
Jejunum und Ileum kal eingeengt, bei der Atresie vollkommen ver-
schlossen.
Arterien. Beide Dünndarmabschnitte wer- Der Dünndarm ist entscheidend für die Re-
den von Ästen der A. mesenterica superior (AB7) sorption fast aller Nahrungsbestandteile. Er
versorgt. Etwa 4 – 5 Aa. jejunales (B11) und et- muss pro Tag zwischen 7 und 12 l Flüssigkeit
wa 12Aa.ileales (B12) verlaufen im Mesenteri- resorbieren. Entzündliche Erkrankungen des
um zu Jejunum und Ileum. Sie teilen sich zu- Dünndarms führen unweigerlich zu einer Stö-
nächst jeweils in 2 mit der Nachbararterie rung der intestinalen Flüssigkeits- und Elekt-
rolytbilanz, die sich klinisch in der Regel als
verbundene Äste. Es folgen weitere Reihen
Durchfall manifestiert.
von Querverbindungen, so dass zunehmend
Die häufigste Erkrankung des Duodenums ist
kleinere Gefäßmaschen entstehen, Arkaden- das Zwölffingerdarmgeschwür, Ulcus duodeni.
bildung (B13). Die von den äußeren Arkaden Es tritt in der Regel im Bulbus duodeni auf und
zur Darmwand ziehenden Äste sind Endarte- hat einen Altersgipfel zwischen dem 30. und
rien, bei deren Verschluss es zur lokalen 50. Lebensjahr. Männer sind viermal häufiger
Schädigung des Darms kommt. als Frauen betroffen. Typisch sind epigastri-
Venen. Die Venen verlaufen in Begleitung sche Schmerzen nachts oder Nüchternschmerz
der Arterien und fließen über die V. mesen- sowie Völlegefühl, Aufstoßen, Meteorismus
terica superior zur V. portae (A10). und Erbrechen.

Für Blockade
Gefäße, Nerven und Lymphabfluss des Dünndarms 201

4 5 8

3
10

Verdauungssystem
1 A Gefäße und Nerven
des Duodenums
2
7

7
9

11

13

14
12

B Gefäße, Nerven
und Lymphknoten
von Jejunum und Ileum
202 Verdauungssystem: Dickdarm

Dickdarm Appendix vermiformis (AC2). Der Wurm-


fortsatz geht aus dem posteromedialen Ende
Übersicht des Zäkums ab. Seine Lage hängt von der des
Zäkums ab und ist deshalb sehr variabel
Der Dickdarm, Intestinum crassum, ist ca. (D): In etwa 65% der Fälle ist die Appendix
1,5 – 1,8 m lang. Er bildet um das in der Pars hinter das Zäkum hochgeschlagen und liegt
infracolica der Bauchhöhle gelegene Dünn- im Recessus retrocaecalis, aufsteigende retro-
darmkonvolut einen Rahmen und gliedert
Verdauungssystem

zäkale Lage (Retrocaecolposition), in 31%


sich in 4 Unterabschnitte: Blinddarm, Zäkum reicht sie über die Linea terminalis ins klei-
(A1), mit Wurmfortsatz, Appendix vermifor- ne Becken, absteigende Lage (Caudalposi-
mis (AC2), Grimmdarm, Colon, mit den Tei- tion), in über 2% der Fälle liegt sie horizontal
len Colon ascendens (A3), Colon transversum hinter dem Zäkum, transversale retrozäkale
(A4), Colon descendens (A5) und Colon sig- Lage, bei 1% der Menschen liegt sie hochge-
moideum (A6), Mastdarm, Rektum (A7), und schlagen vor dem Ileum, aufsteigende para-
Analkanal, Canalis analis (A8). Entwicklungs- zäkale, präiliakale Lage (Medialposition), bei
geschichtlich sind alle Dickdarmanteile bis rund 0,5% liegt sie aufsteigend hinter dem
auf den Analkanal entodermaler Herkunft, Ileum, aufsteigend parazäkale, retroiliakale
letzterer stammt aus dem Ektoderm. Lage. Bei der häufigsten Lagevariante (aufstei-
gende retrozäkale Lage) projiziert sich der Ab-
Typische Merkmale gang der Appendix vermiformis im sog.
Zäkum und Kolon weisen äußerlich charak- McBurney-Punkt auf die vordere Bauchwand
teristische Merkmale auf, die es leicht ma- (E). Er liegt an der Grenze zwischen dem äu-
chen, diese Dickdarmanteile vom Dünn- ßeren und mittleren Drittel einer Linie, die
darm zu unterscheiden. Die 3 Tänien, Tae- von der Spina iliaca anterior superior bis
niae coli (B9), sind etwa 1 cm breite durch- zum Nabel verläuft. Der Wurmfortsatz ist
laufende Längsstreifen der äußeren Längs- durchschnittlich 10 cm lang und 6 mm dick.
muskelschicht. Sie werden nach ihrer Lage Die 3 Tänien des Zäkums (C) laufen stern-
als Taenia mesocolica, Taenia omentalis und förmig am Abgang des Wurmfortsatzes zu-
Taenia libera (B10) bezeichnet. Alle Wand- sammen, in dessen Wand sie eine geschlos-
schichten des Dickdarms bilden gemeinsam sene Längsmuskelschicht bilden.
nicht-konstante Kontraktionsfalten, Plicae Bauchfellverhältnisse. Sie sind variabel.
semilunares coli (B11), die halbmondförmig Das Zäkum kann nahezu allseits von Perito-
in das Darmlumen vorspringen und an der neum überzogen sein, Caecum liberum, und
äußeren Wand querverlaufenden Einschnü- manchmal ein eigenes Meso besitzen. Ist
rungen entsprechen. Zwischen benachbar- das Zäkum fest mit der Faszie des M. iliacus
ten Plicae semilunares entstehen außen am verwachsen, d. h. liegt es sekundär retrope-
Dickdarm Aussackungen, Haustra coli (B12). ritoneal, spricht man vom Caecum fixum.
Die zipfelförmigen Fettanhängsel der Sub- Oberhalb und unterhalb der Einmündung
serosa werden als Appendices epiploicae (B13) des Ileums in das Zäkum liegt hinter den
bezeichnet. beiden Bauchfellfalten, Plica caecalis vascula-
ris und Plica ileocaecalis, je eine Bauchfellta-
Zäkum und Appendix vermiformis sche, Recessus ileocaecalis superior und Reces-
sus ileocaecalis inferior (C15). Häufig findet
Zäkum. Der 6 – 8 cm lange sackförmige An- man auch rechts hinter dem Zäkum einen
fangsteil des Dickdarms liegt in der Fossa Recessus retrocaecalis (C16).
iliaca dextra auf dem M. iliacus; an seiner Die Appendix vermiformis liegt intraperito-
medialen Seitenwand mündet das Ileum neal und besitzt ein eigenes Meso, Mesoap-
(C14). Die Taenia mesocolica zeigt nach hinten pendix (C17).
und medial, die Taenia omentalis nach lateral
und hinten, die Taenia libera (C10) liegt da- Klinischer Hinweis. Anhand des Tänienver-
zwischen. Sie ist von vorne sichtbar. laufs (Taenia libera) kann die Appendix vermi-
formis vom Chirurgen leicht gefunden werden.
Dickdarmabschnitte, Zäkum 203

12

5 11
4

Verdauungssystem
3

10 9

13
1

2
6
7

B Merkmale des Dickdarms


rechte Kolonflexur

A Dickdarmabschnitte, Lage

14

15 E Projektion des Wurmfortsatzes


auf die Bauchwand
17
16 2

C Blinddarm mit Wurmfortsatz

65,28 % 31,01 % 2,26 % 1,0 % 0,4 %

D Lagevarianten des Wurmfortsatzes


204 Verdauungssystem: Dickdarm

Zäkum und Appendix vermiformis, C17 Lamina muscularis mucosae, C18 Tela sub-
mucosa, C19 Stratum circulare der Tunica muscu-
Fortsetzung
laris, C20 Stratum longitudinale der Tunica mus-
Schleimhautrelief cularis, C21 Tunica serosa, D22 Mesoappendix.

Im Inneren des Zäkums erkennt man bereits Gefäße, Nerven und Lymphabfluss
Plicae semilunares (A1). Das Ileum (AB2)
stülpt sich über 2 Schleimhautlippen, La- Arterien (E). Beide Dickdarmabschnitte
werden aus der A. ileocolica (E13) versorgt,
Verdauungssystem

brum ileocaecale (AB3) und Labrum ileocoli-


cum (AB4), in das Zäkum ein. Diese bilden die als letzter Ast aus der A. mesenterica su-
die sog. Valva ileocaecalis und begrenzen eine perior hervorgeht. Sie teilt sich auf in:
am Präparat quergestellte Mündung, Ostium die A. appendicularis (E14) für den Wurm-
ileale (AB5). Beim Lebenden wölben sich fortsatz, die in dessen Mesenteriolum ver-
diese Schleimhautlippen stark in das Zäkum läuft,
vor, Papilla ilealis (B6), und begrenzen eine die A. caecalis anterior (E15) zur Vorder-
eher sternförmige Mündung. Die Schleim- wand des Zäkums, die in der Plica caecalis
hautlippen vereinigen sich seitlich zu einer vascularis verläuft,
Falte, Frenulum ostii ilealis (A7). Schleimhaut- die A. caecalis posterior (E16) zur Hinter-
lippen und Falten, deren Grundlage v. a. die wand des Zäkums und
eingestülpte Muskelschicht des terminalen die Rr. ileales zum terminalen Ileum (E17).
Ileums ist, verhindern gemeinsam, dass Venen. Der venöse Abfluss erfolgt über
Dickdarminhalt in den Dünndarm zurück- gleichnamige Venen, die über die V. mesen-
gelangt. terica superior zur Pfortader gelangen.
Etwas tiefer als das Ileum mündet die Ap- Nerven. Die vegetative Innervation ist iden-
pendix vermiformis über das Ostium appen- tisch mit der des Dünndarms.
dicis vermiformis (AB8) in das Zäkum. Regionäre Lymphknoten. Im Winkel zwi-
schen Ileum und Zäkum liegen Lnn. ileocoli-
Feinbau ci, Lnn. precaecales, retrocaecales und Lnn.
appendiculares, welche die Lymphe aus dem
Zäkum (C). Nach der Valva ileocaecalis be- Zäkum und der Appendix vermiformis sam-
ginnt mit scharfer Grenze die Dickdarm- meln. Diese gelangt dann über die Mesente-
schleimhaut, die in allen Abschnitten des riallymphknoten zu den Trunci intestinales.
Dickdarms gleich gebaut ist. Die Tunica mu-
cosa ist zottenlos und besitzt nur noch Kryp- Funktion. Das Zäkum und die Kolonabschnitte ha-
ben v. a. die Aufgabe der Rückresorption von Wasser
ten, Glandulae intestinales (C9), die beson-
und Elektrolyten, die mit den Verdauungssäften in
ders tief und eng gestellt sind. Das Oberflä- das Darmlumen gelangen. Nach Beendigung der
chenepithel besteht aus Saumzellen (C10) Verdauung im Ileum erhält der Dickdarm unver-
mit hohem Bürstensaum und Becherzellen dauliche Nahrungsreste, die durch Bakterien zer-
(C11). Die Tela submucosa enthält stellenwei- setzt werden. Hierzu wird der Darminhalt in
se Lymphfollikel. Die Ringmuskelschicht der langsamer Peristaltik und Antiperistaltik durch
Tunica muscularis ist gleichmäßig ausgebil- den Dickdarm bewegt und eingedickt. Nur weni-
det, während die Längsmuskelschicht im we- ge Transportbewegungen reichen aus, um den
sentlichen auf die drei Tänien reduziert ist. Darminhalt in das distale Kolon zu befördern.
Der Wurmfortsatz ist als ein wesentlicher Ort der
Appendix vermiformis (D). Auch hier ent-
lokalen Abwehr von Infektionen anzusehen (S. 418).
spricht der Feinbau grundsätzlich dem des
übrigen Dickdarms. Die unregelmäßigen Klinischer Hinweis. Als Organ der Infektab-
Krypten sind jedoch nicht sehr tief. Typisch wehr kann der Wurmfortsatz heftig und über-
ist die massive Ansammlung von Lymphfol- schießend reagieren. Eine Entzündung, Appen-
likeln, Nodi lymphatici aggregati (D12), die von dizitis, kann zum Wanddurchbruch und damit
der Lamina propria aus die Lamina muscula- zur Ausbreitung der Entzündung in der freien
ris mucosae durchbrechen und bis in die Tela Bauchhöhle, Peritonitis, führen.
submucosa reichen. Der Wurmfortsatz ist Die Ileitis terminalis, Morbus Crohn, kann sich
aufgrund der topografischen Nähe zum
als ein wesentlicher Bestandteil des Immunsys-
Wurmfortsatz klinisch wie eine Appendizitis
tems anzusehen (S. 404). Die Tunica muscula- präsentieren.
ris besteht sowohl aus einer durchgehenden
Ring- als auch einer Längsmuskelschicht.
Zäkum und Appendix vermiformis, Fortsetzung 205

7 5 4

4 6

2
5
3
3 2

Verdauungssystem
1 8
1
8

A Schleimhautrelief an der
Hinterwand des Blinddarms
B Einstülpung des Ileums und
Abgang des Wurmfortsatzes
12
10

11

9
22
9

D Feinbau des Wurmfortsatzes 17

18

19
13

20
17
21
C Feinbau der Dickdarmwand

16
15 14

E Gefäße und Lymphknoten von


Blinddarm und Wurmfortsatz
206 Verdauungssystem: Dickdarm

Kolonabschnitte beim Colon transversum liegt die Taenia


mesocolica am Ansatz des Mesocolon trans-
Colon ascendens. Das Zäkum (A1) geht versum und die Taenia omentalis am Ansatz
oberhalb der Mündung des Ileums kontinu- des Omentum majus (A11).
ierlich in den aufsteigenden Kolonschenkel
(A2) über. Dieser liegt im rechten Unter- Schleimhautrelief und Feinbau. Das Schleim-
bauch und erstreckt sich bis zur rechten Ko- hautrelief ist durch Plicae semilunares geprägt und
entspricht dem beim Zäkum beschriebenen Auf-
lonflexur, Flexura coli dextra (A3), die meist
Verdauungssystem

bau (S. 204). Die Krypten werden analwärts all-


zwischen rechtem unteren Nierenpol und mählich flacher.
rechtem Leberlappen lokalisiert ist und hier
die Impressio colica hervorruft. Das Colon Gefäße, Nerven und Lymphabfluss
ascendens liegt sekundär retroperitoneal.
Colon transversum (A4). Es beginnt an der Arterien (B). Colon ascendens und etwa
rechten Kolonflexur, liegt intraperitoneal und zwei Drittel des Colon transversum werden
ist in seiner generellen Lage sehr variabel. Es über die A. colica dextra und die A. colica media
kann in Nabelhöhe liegen oder in Extremfäl- (B12) aus der A. mesenterica superior ver-
len bis ins kleine Becken durchhängen. Über sorgt (S. 200 B). Die A. colica dextra anasto-
das Mesocolon transversum (B5) ist es beweg- mosiert meist sowohl mit der A. ileocolica
lich an der hinteren Bauchwand befestigt als auch mit der A. colica media. Das linke
(S. 188 A). Weitere peritoneale Verbindun- Drittel des Querkolons wird wie das Colon
gen hat es über das Lig. hepatocolicum zur Le- descendens über die A. colica sinistra (B13)
ber und das Lig. gastrocolicum zum Magen. aus der A. mesenterica inferior (B14) ge-
Colon descendens. An der unterhalb der speist. Zwischen A. colica media und A. coli-
linken Zwerchfellkuppel gelegenen Flexura ca sinistra – also zwischen dem Stromgebiet
coli sinistra (A6) biegt das Querkolon spitz- der A. mesenterica superior und dem der A.
winkelig in den absteigenden Kolonschen- mesenterica inferior – ist eine Anastomose
kel (A7) um. Der starke Knick wird in seiner ausgebildet. An die A. colica sinistra schließt
Lage durch das Lig. phrenicocolicum fixiert sich die A. sigmoidea (B15) an, die mit der A.
und kann für die Passage des Darminhaltes colica sinistra und mit der A. rectalis supe-
ein Hindernis darstellen. Das Colon descen- rior anastomosiert.
dens liegt auf der linken Seite des Unterbau- Venen. Die gleichnamigen Venen verlaufen
ches und ist als sekundär retroperitoneal gele- parallel zu den Arterien und fließen über die
genes Organ mit der hinteren Bauchwand V. mesenterica superior oder die V. mesente-
verlötet. rica inferior (B16) zur V. portae hepatis.
Colon sigmoideum. In der linken Fossa ilia- Nerven. Bis zu einem Punkt zwischen mitt-
ca geht das Colon descendens in das Sig- lerem und linkem Drittel des Querkolons
moid (AB8) über, das wiederum intraperito- (Cannon-Böhm-Punkt) stammen die Fasern
neal liegt und über ein Mesosigmoideum (A9) des Parasympathicus aus dem N. vagus, ab
an der hinteren Bauchwand befestigt ist. In diesem Punkt haben sie ihren Ursprung im
dessen Wurzel kann eine Bauchfelltasche sakralen Rückenmark in Höhe von S2 – S5
entstehen, Recessus intersigmoideus. Das Co- und ziehen rückläufig über Nn. splanchnici
lon sigmoideum verläuft S-förmig in Rich- sacrales zu den vegetativen Plexus entlang
tung auf die Mittellinie, wo es in Höhe des 2. der Blutgefäße. Die sympathischen Fasern
oder 3. Sakralwirbels endet und in das Rek- entstammen dem Plexus mesentericus supe-
tum übergeht. rior bzw. dem Plexus mesentericus inferior
(B17).
Alle Kolonabschnitte weisen die charakteris- Regionäre Lymphknoten. Die Lymphgefä-
tischen Dickdarmmerkmale auf und haben je- ße des Dickdarms halten sich an den Verlauf
weils 3 Tänien, von denen nur die Taenia li- der Dickdarmarterien und -venen. Direkt
bera (A10) frei zu übersehen ist. Bei allen se- am Kolon liegen die Lnn. paracolici, entlang
kundär retroperitoneal gelegenen Abschnit- der versorgenden Gefäßstämme die Lnn. co-
ten weisen die Taenia mesocolica und die lici (B18), die über die Lnn. mesocolici zu den
Taenia omentalis zur hinteren Bauchwand, Lnn. coeliaci abfließen.
Kolonabschnitte 207

Verdauungssystem
3 11

4
A Kolonabschnitte, Lage
7
10
2
10

9
1

12

13
16
14
17
18

15

B Gefäße, Nerven und


Lymphknoten im
linken Unterbauch
8
208 Verdauungssystem: Dickdarm

Rektum und Analkanal Sphinkterapparat

In Höhe des 2. oder 3. Sakralwirbels geht das Der Analkanal wird von einem kompliziert
Colon sigmoideum (A1) in den Mastdarm, aufgebauten Schließmuskelsystem umge-
Rektum (A2), über. Dieser Darmabschnitt ben. Es besteht innen aus der glatten Mus-
ist ca. 15 cm lang. Er liegt im kleinen Becken kulatur des M. sphincter ani internus (BCD9),
in der von Sakral- und Steißwirbeln gebilde- außen aus quergestreifter Muskulatur, M.
ten, nach vorne offenen Konkavität der Wir- sphincter ani externus (BCD10), der sich kau-
Verdauungssystem

belsäule, Flexura sacralis recti (A3). An der Fle- dal an die Beckenbodenmuskulatur des M.
xura anorectalis (A4), einer nach vorn konve- levator ani anschließt.
xen Krümmung, biegt das Rektum zum M. sphincter ani internus. Er ist die etwa
Durchtritt durch das Diaphragma pelvis 2 cm hohe verstärkte Fortsetzung der Ring-
nach hinten um und geht in den Analkanal muskelschicht der Tunica muscularis der
über. Neben den Krümmungen in der Sagit- Darmwand und reicht bis zur Linea anocuta-
talebene weist das Rektum auch Krümmun- nea, wo er als Ring zu tasten ist.
gen in der Frontalebene, Flexurae laterales, auf. M. sphincter ani externus. Er umgibt au-
Es besitzt nicht mehr die typischen Dick- ßen den glattmuskulären Teil und wird in 3
darmmerkmale Haustren, Appendices epi- Höhenabschnitte gegliedert: Pars subcuta-
ploicae und Tänien, und seine Längsmuskel- nea (B10 a), Pars superficialis (B10 b) und
schicht ist einheitlich geschlossen. Pars profunda (B10 c). Über das Corpus ano-
Der Analkanal, Canalis analis (A5), ist der coccygeum (AD11) ist der M. sphincter ani
etwa 4 cm lange letzte Abschnitt des Darm- externus mit dem Steißbein verbunden.
rohrs, der von einem komplizierten Sphink- Nach kranial geht er ohne scharfe Grenze in
tersystem umgeben wird und über die Anal- den M. puborectalis (B12), einem Teil des M.
öffnung, Anus (A6), mündet. levator ani, über.
Im oberen Abschnitt wird das Rektum auf Eine dünne Lage längs orientierter glatter
seiner Vorderfläche und seitlich von Perito- Muskelzellen (B-D13) trennt den M.
neum überzogen. Es schlägt hier im männli- sphincter ani externus und den M. sphincter
chen Becken unter Bildung einer Bauchfell- ani internus. Diese Längsmuskelbündel
tasche, Excavatio rectovesicalis, auf die Harn- stellen die Fortsetzung der Längsmuskel-
blase um, im weiblichen Becken auf den schicht der Tunica muscularis der Darm-
Uterus, Excavatio rectouterina (A7). Das Rek- wand dar und strahlen fächerförmig als M.
tum liegt im oberen Abschnitt also retroperi- corrugator ani in die perianale Haut ein.
toneal, dann wie der Analkanal extraperito- Auf ihrem Weg dorthin durchsetzen sie
neal. den subkutanen Teil des quergestreiften
Schleimhautrelief und Feinbau. Oberhalb Sphinkters.
des Analkanals kann das Rektum im Bereich Der M. sphincter ani internus befindet sich norma-
der Flexura sacralis zur Ampulla recti aufge- lerweise in einem Zustand der Dauerkontraktion,
dehnt sein. Ins Innere des Rektums springen der im Wesentlichen vom Symphaticus unterhal-
meist 3 stationäre Querfalten, Plicae trans- ten wird. Der M. sphincter ani externus besitzt eben-
versae recti, kulissenartig vor. Die obere und so einen unwillkürlichen Dauertonus, wird aber
die untere kommen von links, die mittlere auch willkürlich vom N. pudendus innerviert.
und größte kommt von rechts, Kohlrausch- CD14 Corpus perineale, CD15 Fossa ischioanalis,
Falte (A8). Sie liegt ca. 6 cm vom Anus ent- D16 Bulbus penis.
fernt und entspricht im weiblichen Becken
höhenmäßig dem tiefsten Punkt der Perito-
nealhöhle, d. h. der Excavatio rectouterina.
Der Wandaufbau des Rektums ist dem des
übrigen Dickdarms analog.
Rektum