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Technische Universität

Bergakademie Freiberg
Institut für Geologie
Lehrstuhl für Hydrogeologie

Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung

Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie

Foto: N. Kloppe

Lehrverantwortlicher: PD Dr. V. Dunger


Vorwort:

Die Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ ist Bestandteil des Moduls
„Angewandte Geowissenschaften I“, das im Rahmen der Bachelorausbildung für naturwissenschaft-
liche Studiengänge, u. a. für Geoökologen, Geologen, Geotechniker und Mineralogen angeboten wird.
Der zeitliche Umfang beträgt 2 Semesterwochenstunden Vorlesung. Für Interessenten wird jeweils im
darauf folgenden Sommersemester das Modul „Anwendung hydrologischer Methoden“ angeboten, das
durch eine Übungsreihe erweitert ist.

Ziel der Vorlesung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ ist die Vermittlung von hydrolo-
gischen und hydrogeologischen Grundlagen. Hierbei werden vorrangig Wassermengenaspekte be-
handelt. Auch wenn es sich bei der Lehrveranstaltung um eine Grundlagenvorlesung handelt, so heißt
dies nicht, dass es an Praxisorientierung mangelt. In den Vorlesungen wird eine Vielzahl von Anwen-
dungsbeispielen behandelt. Ferner sind Videobeiträge zur besseren Visualisierung der Vorlesungs-
inhalte integriert.

Hauptinhalte der Vorlesungen „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ sind:


- Gegenstand und Geschichte der Hydrologie / Hydrogeologie
- Wasserkreislauf und Wasserhaushalt
- anthropogene Einflüsse auf den Wasserhaushalt
- Niederschlagsentstehung, -arten, -messung
- anthropogene Niederschlagsbeeinflussung
- Aufbau und Schmelze einer Schneedecke
- Messung und Berechnung der Verdunstung
- Durchflussmessverfahren, Wasserstands-Durchfluss-Beziehung
- Erfassung von Abflussbildung, -konzentration und -verlauf
- unterirdische Wasserarten
- Grundwasserlagerungsverhältnisse
- Grundlagen der Grundwasserhydraulik
- Bestimmung ausgewählter hydrogeologisch relevanter Parameter
- Grundsätze der Grundwasserprobenahme
- Grundlagen der Hydrochemie und des Grundwasserschutzes

Das Vorlesungsskript soll einen Leitfaden darstellen. Es sind stichpunktartig und illustrativ die
Schwerpunkte der einzelnen Vorlesungen zusammengefasst. Da es sich hierbei um ein internes Studien-
material handelt, wurde auf detaillierte Literaturhinweise (Zitate) verzichtet. Lediglich die Bildquellen
sind kenntlich gemacht. Bei der Ausarbeitung der Vorlesungsskripte ist im Wesentlichen auf folgende
Literatur zurückgegriffen worden:

Baumgartner, A. und H.-J. Liebscher (1990): Lehrbuch der Hydrologie, Band 1. Gebrüder Borntraeger,
Berlin, Stuttgart.

Busch, K. F., L. Luckner und K. Tiemer (1993): Lehrbuch der Hydrogeologie, Band 3: Geohydraulik.
Gebrüder Borntraeger Berlin, Stuttgart.

Dyck, S. u. a. (1976): Angewandte Hydrologie, Teil 1: Berechnung und Regelung des Durchflusses der
Flüsse. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin.
Dyck, S. u. a. (1978): Angewandte Hydrologie, Teil 2: Der Wasserhaushalt der Fußgebiete. VEB
Verlag für Bauwesen, Berlin.

Dyck, S. und G. Peschke (1995): Grundlagen der Hydrologie. Verlag für Bauwesen, Berlin, 3. Auflage.

Hölting, Coldewey (2009): Hydrogeologie, Spektrum Akademischer Verlag.

Maidment, D. R. (1992): Handbook of Hydrology. McGraw-Hill.

Maniak, U. (2005): Hydrologie und Wasserwirtschaft. Eine Einführung für Ingenieure. Springer-Verlag
Berlin, Heidelberg, 5. Auflage.

Matthess, M. (1990): Lehrbuch der Hydrogeologie, Band 2: Die Beschaffenheit des Grundwassers.
Gebrüder Borntraeger Berlin, Stuttgart.

Matthess, M. (2003): Lehrbuch der Hydrogeologie, Band 1: Allgemeine Hydrogeologie, Grundwasser-


haushalt. Gebrüder Borntraeger Berlin, Stuttgart.

Schröder, W., G. Euler, F. Schneider und D. Knauf (1994): Grundlagen des Wasserbaus. Werner-
Verlag, Düsseldorf, 3. Auflage.

Singh, V. P. (1992): Elementary Hydrology. Prentice Hall, Englewood Cliffs, New Jersey.

Die hier angegebene Literatur kann dem interessierten Studenten zur Vertiefung und Erweiterung seines
Wissens empfohlen werden. Neben der angegebenen Literatur wurden Forschungsarbeiten des Lehr-
stuhls für Hydrogeologie genutzt.

Ich hoffe und wünsche, dass das Skript dazu beiträgt, die Vorlesungen für den Studenten angenehmer
zu gestalten und dass die Zeit, die ansonsten nur zum Mitschreiben benötigt würde, der erhöhten Auf-
merksamkeit zugute kommt und damit dem besseren Verständnis dient. Für Hinweise und Vorschläge,
die der Verbesserung der Vorlesungsskripte dienen, bin ich jederzeit dankbar.

Freiberg im Februar 2017

Volkmar Dunger
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einführung 5
1.1. Gegenstand der Hydrologie bzw. Hydrogeologie 5
1.2. Geschichte von Hydrologie und Hydrogeologie 7

2. Wasserkreislauf und Wasserhaushalt 10


2.1. Begriffsbestimmungen 10
2.2. Wasserdargebot und -verbrauch, Wasserhaushaltsgleichung 12
2.3. Anthropogene Beeinflussungen des Wasserhaushaltes 17
2.3.1. Überblick 17
2.3.2. Direkte Auswirkungen anthropogener Eingriffe 17
2.3.3. Indirekte Auswirkungen anthropogener Eingriffe 21

3. Der Niederschlag 22
3.1. Bedeutung und Entstehung 22
3.2. Niederschlagsarten 27
3.3. Niederschlagsmessung (punktuelle Messung) 28
3.4. Ermittlung des Gebietsniederschlages 31
3.5. Starkregen, Bemessungsregen, maximal möglicher Regen 34
3.6. Globale und saisonale Niederschlagsverteilung 40
3.7. Anthropogene Niederschlagsbeeinflussung 42
3.8. Schnee 43

4. Die Verdunstung 46
4.1. Arten und Bedeutung der Verdunstung 46
4.2. Überblick über Methoden zur Messung der Verdunstung 49
4.3. Wasserhaushaltsmethode 50
4.4. Berechnung der potentiellen Verdunstung mittels empirischer Formeln 54
4.5. Klimatische Wasserbilanz 60
4.6. Methoden zur Berechnung der realen Verdunstung 61
4.7. Interzeptionsverdunstung 68

5. Abfluss und Durchfluss 73


5.1. Definitionen, Abflusskomponenten 73
5.2. Messung des Durchflusses 74
5.2.1. Überblick über häufig angewendete Verfahren 74
5.2.2. Durchflussmessung mittels Messwehr 77
5.2.3. Durchflussermittlung mittels hydrometrischem Messflügel 78
5.2.4. Tracermessung (Verdünnungsmethode) 81
5.3. Berechnung von Fließgeschwindigkeit und Durchfluss mittels einfacher Fließformeln 84
5.4. Wasserstands-Durchfluss-Beziehung 85
5.4.1. Wasserstandsmessung 85
5.4.2. Darstellung der Wasserstands-Durchfluss-Beziehung 89
5.5. Statistische Auswertung von Durchflussdaten 89
5.5.1. Datenprüfung 89
5.5.2. Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses 94
5.6. Der Abflussbildungsprozess 96
5.6.1. Einflussgrößen auf den Abflussvorgang - morphometrische Parameter 96
5.6.2. Einfache Ansätze zur Erfassung der Abflussbildung 101
5.6.3. Abfluss- und Infiltrationsmodelle 105
5.7. Abflusskonzentration und -verlauf im Gewässer 110

6. Hydrogeologische Grundlagen 114


6.1. Teildisziplinen der Hydrogeologie 114
6.2. Hohlräume und unterirdische Wasserarten in der Hydrogeologie 114
6.3. Grundwasserlagerungsverhältnisse 116
6.4. Grundwasserhydraulik 117
6.5. Bestimmung hydrogeologisch relevanter Parameter bezüglich der Grundwasserhydraulik 121
6.6. Grundwasserbeschaffenheit, Grundwasserschutz 125

Anhang: Übungen zum Modul „Anwendung hydrologischer Methoden“ (angeboten jährlich im


Sommersemester)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 5

Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie


1. Einführung
1.1. Gegenstand der Hydrologie
* Hydrologie = Wissenschaft vom Wasser
┌─────────┴──────────────┐
Eigenschaften: Erscheinungsformen:
- Transport ┌────┼────┐
- Speicherung über auf unter
der Landoberfläche:
- Wasserkreislauf
- Verteilung des Wassers
- Veränderungen durch anthropogene Einflüsse
┌──────────────────┴──┐
quantitativ (Menge) qualitativ (Beschaffenheit)
* Hydrogeologie = Wissenschaft vom unterirdischen Wasser (im engeren Sinne: Grundwasser)

* Teilbereiche der Hydrologie und der Hydrogeologie:


Hydrologie: Hydrogeologie:
a) Hydrologie des Festlandes: a) allgemeine Hydrogeologie (Grundlagen,
- Flusskunde (Potamologie) Definitionen)
 Hochwasserberechnung b) Grundwasserlagerstättenlehre (Eigenschaften,
 Niedrigwasserberechnung Nutzbarkeit der Grundwasserlagerstätten)
 Speicherwirtschaft
- Seenkunde (Limnologie) c) Grundwasserschutz (Fixierung von Schutz-
- Küstenhydrologie zielen und Schutzgebieten)
- Glaziologie d) Montanhydrogeologie (Bergbausicherheit,
- Geohydrologie (Hydrologie des unter- Wasserhaltungen im Bergbau)
Irdischen Wasser)
- Wasserhaushaltslehre e) weitere ( Paläohydrogeologie, Hydraulik,
- Paläohydrologie Isotopenhydrogeologie, Hydrgeothermie, …)

b) Hydrologie der Meere (Ozeanologie)

- zur Stellung von Hydrologie und Hydrogeologie innerhalb der Naturwissenschaften  s. Bild 1.1

* Zielstellung der Hydrologie / Hydrogeologie:


Schaffung von Grundlagen für:
- Planung ┐
- Entwurf ├─ wasserwirtschaftlicher Maßnahmen zur:
- Durchführung ┘ - Erkundung ┐
- Erfassung ┼─ der Wasserressourcen ┬─ Mengenaspekt
- Erschließung ┤ └─ Beschaffenheitsaspekt
- Nutzung ┘
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 6

 hierbei Entscheidungshilfen  s. Bild 1.2

Bild 1.1:
Stellung von Hydrologie und Hy-
drogeologie innerhalb der Natu-
rwissenschaften (nach BAUMGART-
NER, LIEBSCHER, 1990)

Bild 1.1:
Hydrologische Informationen
für die Planung, Bemessung
und Bewirtschaftung von
wasserwirtschaftlichen Syste-
men (aus DYCK, PESCHKE,
1995)

* vorrangige Aufgaben von Hydrologen und Hydrogeologen:


- Erforschung des Wasserkreislaufes/Wasserhaushaltes: Einfluss von Klima, Boden, Vegetation,
Veränderung der Umwelt durch den Menschen auf den Wasserkreislauf (Veränderungen vor allem in
Bezug auf die Verdunstung, Abfluss und Grundwasserspeisung)
- hydrologische Prognosen/Vorhersagen: Wasserstand, Durchfluss, Hoch- und Niedrigwasser,
Schneeschmelze, Eisbildung, Grundwasserspeisung (sog. Grundwasserneubildung)
- Bemessungsaufgaben: Planung und Dimensionierung wasserwirtschaftlicher, bergbaulicher, ver-
kehrstechnischer, landwirtschaftlicher, kommunaler Anlagen
- Gewässerschutz: Veränderung von Wassermenge/-beschaffenheit infolge menschlicher Nutzung
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 7

* Hauptarbeitgebiete der Hydrologie / Hydrogeologie:


a) Beobachtung und Messung hydrologisch-hydrogeologischer Prozesse
b) Prozessanalyse und Entwicklung neuer Methoden
c) Anwendung der Ergebnisse von a) und b) für praktische Belange (z.B. für Vorhersagen, für
Bemessungsaufgaben und in Bezug auf den Gewässerschutz  s. o.)

1.2. Geschichte der Hydrologie / Hydrogeologie


- Verhältnis des Menschen zum Wasser begründet durch Mangel und Überschuss (dokumentiert u.a.
in allen Weltreligionen (Bibel: Sintflut), Mythen und Legenden
- Nutzung des Wassers (und teilweise hydrologische Messungen) stand vor der Erklärung der Zu-
sammenhänge/Vorgänge (z.B. des hydrologischen Kreislaufes, s. auch Bild 1.3)
- große Kulturen waren immer zugleich an die Lösung der Wasserprobleme gebunden (Wasser-
fassung, -speicherung, -verteilung, -entsorgung, Be- und Entwässerung, Hochwasserschutz)

Bild 1.3: Das Verhältnis Mensch-Wasser in der Menschheitsgeschichte (aus BAUMGARTNER, LIEBSCHER,
1990)

Mesopotamien (Zweistromland):
- Probleme:
 regelmäßiges Auftreten von Hochwasser (April-Juni, für Ackerbau günstig)
 außerordentlich geringes Talgefälle ( ca. 1 : 26 000)  große Überschwemmungsgebiete
 Schwebstoffführung und Überflutung der Felder stark abhängig vom Wasserstand
- Notwendigkeit einer straffen zentralistischen Staatsform (sog. "Wasserzivilisation", Sumerer, um
3000 v. Chr.)
- in Chaldäischer Zeit (620-540 v. Chr.) 40 000 km2 Land bewässert, große Probleme mit Versalzung
der Böden, Ursachen nicht erkannt  Wanderung entlang der Flüsse, Anbau unempfindlicherer
Pflanzen (Gerste statt Weizen)
- Zerstörung der Anlagen nach 1258 (Herrschaft der Mongolen)  Rückgang der Bevölkerung von
ca. 25 Mio. (100 n. Chr.) auf 1,5 Mio. (1913)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 8

Ägypten:
- jährliches Nilhochwasser (Juli-September) = Grundlage des Wohlstandes Ägyptens
- Wasserstandsschwankungen von  1 m  Katastrophen
 enges Netz von Wasserstandsmessstellen (älteste erhaltene Wasserstandsmarken und Auf-
zeichnungen ca. 2900 - 2500 v. Chr.), ununterbrochene Wasserstandsaufzeichnungen des
Pegels Roda (bei Kairo) von 715 - 1890  längste erhaltene Messreihe der Welt, Mess-
prinzip mittels Schacht (prinzipiell kein Unterschied zu modernen Messeinrichtungen)
 geeichte Pegel, sog. "Nilometer" mit Einteilung (schlechtester Nil, Hunger-Nil, heiterer Nil,
sicherer Nil, vorzüglicher Nil, ausnahmsweise hoher Nil)
 wahrscheinlich ältestes Hochwassermeldesystem (Ruderbootmelder)

Indus-Tal:
- bereits ca. 3500 - 1500 v. Chr. außerordentlich hohes Niveau auf den Gebiet des Wasserbaus, der
Wasserversorgung und Abwasserbehandlung
- Wasserversorgung meist aus Brunnen, Transport durch Kanäle und Leitungen in die Häuser
- Entsorgung (Bäder und Spültoiletten) durch Kanalisation (Kanäle, Sammler)  hoher Standard,
der selbst durch das Römische Reich nicht erreicht worden ist (ca. 2000 Jahre später)

Persien, Armenien (Hochlandkulturen):


- Nutzung von Grundwasser für die Wasserversorgung  Nutzung von Quellen und Brunnen 
Transport des Wassers durch Qanate (Freispiegelkanäle), ca. 1000 (... 1500) v. Chr.
- maximale Länge der Qanate: ca. 80 km, Transportleistung: im Mittel 2 000 m3/d (bis 35 000 m3/d)
- Gesamtqanatanzahl Persiens: 40 000 - 50 000 mit in Summe ca. 1 000 m3/s (entspricht dem 3-
fachen Durchfluss der Elbe in Dresden)

Theorie des Wasserkreislaufes:


- eine der ältesten Fragen der Menschheit: wo kommt das Wasser her?
- 3 Lehrmeinungen (s. auch Bild 1.4):
 meteorogener Wasserkreislauf  begründet wahrscheinlich von XENOPHANES (570 - 475/470
v. Chr.)  Erklärung des Wasserkreislaufes, wie sie heute noch in jedem modernen Lehrbuch
stehen könnte, weitere Vertreter: DIOGENES, HIPPOKRATES (Verdunstungsexperimente)
 Salzwasseraufstieg aus den Meeren  begründet von THALES (ca. 624 - 546 v. Chr.) "Die
Erde ruht auf dem Wasser der Meere.", weitere Vertreter: HIPPON, PLATON
 Wasserentstehung aus der Luft (Kondensation)  entwickelt von ARISTOTELES (385 - 322
v. Chr.)  maßgebende Lehrmeinung bis etwa 1600

Römisches Reich:
- wenige wissenschaftliche Leistungen, dafür jedoch großartige ingenieurtechnische Leistungen 
Wasserbauten, Wasserversorgung (Aquädukte zur Versorgung Roms  Wasserverbrauch Roms:
ca. 1000 l / Einwohner und Tag, zum Vergleich: Deutschland 122 l / EW d - Jahr 2007)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 9

Bild 1.4:
Hypothesen zum Wasser-
kreislauf der Erde (aus
DYCK, PESCHKE, 1995)

Mittelalter:
- Stagnation und teilweiser Rückschritt auch auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft
- wenige Ausnahmen: z.B. bergbauliche Wasserhaltung im Freiberger Raum (Freiberger Kunst-
graben- und Röschensystem, erste Blütezeit um 1550)
- Nutzung des Wassers zum Heben des Erzes, des tauben Gesteins und des Grubenwassers
- System von Gräben, Röschen (Wassertransport) und Kunstteichen (Wasserspeicherung) von
Freiberg bis in die Kammlagen des Erzgebirges
- Messung (Hydrometrie) und Bewertung der bereitgestellten Wassermengen

Hydrologie zwischen Mittelalter und Gegenwart:


- Erkennen des Prinzips der Kontinuität  LEONARDO DA VINCI (1452 - 1519)
- Beschreibung der einzelnen Größen des Wasserkreislaufes  PALISSY (1510 - 1590)
- erste quantitative Bestimmung der Wasserhaushaltsgrößen  PERRAULT (1611 - 1680), gleich-
zeitig Begründer der modernen Hydrologie  Beobachten und Messen anstatt zu spekulieren 
Erkenntnis: nur ca. 1/3 des Niederschlages gelangen zum Abfluss
- MARIOTTE (1628 - 1684): Niederschlags- und Abflussmessungen an der Seine (um 1670) 
Klarheit, dass Flüsse allein durch Niederschlag speisbar sind
- Berücksichtigung des Grundwassers in Wasserhaushaltsbetrachtungen (RAMAZZINI, 1691)
- erster Versuch einer Weltwasserbilanz durch BUFFON (1749)  allerdings Überschätzung des
Abflusses um 500 %
- DALTON (1766 - 1844): erste Wasserbilanz für England und Wales sowie erste Ansätze zur Ver-
dunstungsberechnung aus dem Wasserdampf-Sättigungsdefizit der Luft
- regelmäßige Wasserstandsmessungen in Europa:
Elbe (Pegel Magdeburg): seit 1727, Rhein (Pegel Emmerich): seit 1770, (Pegel Köln): seit 1782
- Berechnung der Fließgeschwindigkeit des Grundwassers  DARCY (1803 - 1858)
- Erweiterung des DARCY-Gesetzes auf die Brunnenanströmung  DUPUIT (1804 - 1866), THIEM
(1836 - 1908)
- erste (recht genaue) Wasserbilanz für das Festland der Erde und die Weltmeere (BRUCKNER, 1905)
- Anwendung statistischer Methoden in der Hydrologie  HAZEN (1930)
- Verwendung analoger und mathematischer Modelle zur Beschreibung hydrologischer bzw. hydro-
geologischer Prozesse (breiter Einsatz der Computertechnik in der Hydrologie und Hydrogeologie)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 10

2. Wasserkreislauf und Wasserhaushalt


2.1. Begriffsbestimmungen
* Wasserkreislauf = - globaler und regionaler Transport und Speicherung von Wasser
- Weg des Wassers umfasst Atmosphäre, Hydrosphäre und Lithosphäre
- Rotor: Sonnenenergie
- globaler Wasserkreislauf  s. Bild 2.1
- regionaler Wasserkreislauf  s. Bild 2.2

* Wasserhaushalt = - Zusammenwirken der Wasserhaushaltselemente Niederschlag, Verdunstung,


Abfluss und Speicheränderung in einem Gebiet

Bild 2.1:
Schematische Darstellung des
globalen Wasserkreislaufes (nach
BAUMGARTNER, LIEBSCHER (1990)

Bild 2.2: Darstellung des regionalen Wasserkreislaufes (nach DYCK U. A., 1976)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 11

* Charakterisierung des Zusammenwirkens der Wasserhaushaltsgrößen (vgl. Bild 2.2):


- Auftreffen des Niederschlages (fest, flüssig) auf Boden, Pflanzen, Schnee, freie Wasserflächen
und auf versiegelte (wasserundurchlässige) Flächen
- Rückhalt des Niederschlages auf der Pflanzendecke (Interzeption)  Interzeptionsverdunstung
- Infiltration des auf den Erdboden fallenden Niederschlages
- Bildung von Oberflächenabfluss auf der Bodenoberfläche bei schlechten Infiltrations-
bedingungen
- oberirdische Abflüsse zu Seen und zum Meer
- vertikale Versickerung des infiltrierten Wassers in tiefere Bodenschichten bzw. ins Grundwasser
(Grundwasserneubildung)
- Speicherung von Wasser in der Schneedecke, in Oberflächenspeichern (z. B. Seen), in den
Pflanzen, im Boden und im Grundwasser
- Wasserentzug durch Pflanzenwurzeln (Transpiration) bzw. durch den Boden selbst (Evapo-
ration)
- Grundwasserabflüsse in die Vorflut, in Seen bzw. ins Meer

* Verbindung von Wasser-, Energie- und Stoffhaushalt:


►Darstellung des Zusammenhanges  s. Bild 2.3

Bild 2.3: Verknüpfung von Wasser-, Energie- und Stoffhaushalt (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

►Schlussfolgerungen:
- oftmals integrierte Betrachtung von Wasser-, Energie- und Stoffhaushalt notwendig  vgl.
Abschnitt 2.4
- Wasserhaushaltsbetrachtungen werden durch Eingriffe des Menschen zunehmend komplizierter
( vgl. hierzu ebenfalls Abschnitt 2.4):
 Industrialisierung, Urbanisierung (Versiegelung der Bodenoberfläche)
 Be- und Entwässerungen, Bodenbearbeitung, Flussbegradigungen
 künstliche Wasserflächen, Wasserüberleitungen
 Wasserentnahmen und Abwassereinleitungen, bergbauliche Wasserhaltungen
 Wärme-, Gas- und Staubeintrag in die Atmosphäre
- Eingriffe des Menschen in den Wasser-, Energie- und Stoffkreislauf zeigen unterschiedlich rasch
Wirkung
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 12

2.2. Wasserdargebot und -verbrauch, Wasserhaushaltsgleichung


* globales Wasserdargebot:
- Aufsplittung des gesamten Wasservolumens der Erde  s. Bild 2.4
- Untersetzung der Weltwasserbilanz  s. Tabelle 2.1

Bild 2.4:
Wasservolumen der Erde

Tabelle 2.1: Die Wassermengen der Erde

*
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 13

* potenzielles Wasserdargebot der Kontinente im Vergleich:


- Zahlenwerte  vgl. Tabelle 2.2
Tabelle 2.2: Potentielles Wasserdargebot der einzelnen Kontinente

Kontinent (einschließlich Abfluss Bevölkerung (1980) Abfluss


Inseln) [km3/a] [Mio. Einwohner] [m3 je Einw. und Jahr]

Europa 3 210 686 ► 4 700


Asien 14 410 2 742 5 200
Afrika 4 570 499 9 200
Nordamerika 8 200 383 21 400
Südamerika 11 760 535 46 700
Australien (incl. Tasmanien) 348 15 23 200
Ozeanien 2 040 9 227 700
Antarktis 2 310 - -

Landflächen insgesamt 46 800 4 586 10 200

* Wasserbilanz Deutschlands im Vergleich zur Weltwasserbilanz:


- Zahlenwerte  vgl. Tabelle 2.3
Tabelle 2.3: Werte der Wasserbilanzen für Deutschland im Vergleich zur Weltwasserbilanz ( Werte in mm/a)

Welt (Landfl.) Deutschland Westdeutschland Ehem. DDR

Niederschlag 746 803 837 628


Verdunstung 480 510 519 479
Gesamtabfluss 266 293 318 149
davon Grundwasserabfluss ? 112 ? 70

* Wasserverbrauch:
- Wasserverbrauch: bis in die 70-er Jahre (Alte Bundesländer) bzw. 80-er Jahre (ehem. DDR) pro-
gressiv steigend, danach gedämpft steigend, heute sinkend  s. Tabelle 2.4
Tabelle 2.4: Entwicklung des Wasserverbrauches (vor 1990 nur Westdeutschland)

1970 1980 1987 1990 1999 2004 2007

Wasserverbrauch [l / Einw. u. Tag] 118 140 143 147 128 126 122

- Verwendungszwecke des Wassers im Haushalt und deren Anteile:


 WC: 27 %
 Körperpflege (Bad/Dusche): 36 %
 Wäschewaschen: 12 %
 Geschirrspülen: 6 %
 Raumeinigung, Autopflege, Garten: 12 %
 Essen, Trinken: 4 %
 Kleingewerbe: 9 %
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 14

- Vergleich zu anderen europäischen Ländern  s. Tabelle 2.5


- Anteile der Wasserreservoire an der öffentlichen Versorgung  s. Tabelle 2.6

Tabelle 2.5: Kommunaler Pro-Kopf-Wasserverbrauch in l/(EW d) ausgewählter europäischer Länder


Land 1985 2007
Belgien 108 120
Österreich 129 162
Großbritannien 130 149
Frankreich 141 156
Spanien 145 270
Niederlande 157 130
Luxemburg 172 170
Dänemark 191 139
Italien 220 213
DDR 245 -
Schweiz 263 237

Tabelle 2.6: Anteile der verschiedenen Wasserreservoire an der öffentlichen Wasserversorgung


Wasserressource Anteil in %
Grundwasser 70
Uferfiltrat (durch Flusswasser angereichertes Grundwasser) 8
See- und Talsperrenwasser 12
Flusswasser (direkte Flusswasserentnahme) 1
angereichertes Grundwasser (durch künstliche Versickerung) 9

- täglicher Wasserverbrauch für ausgewählte Verbraucher (Bevölkerung, öffentliche Einrichtungen,


Industrie- und Landwirtschaftszweige)  s. Tabelle 2.7

Tabelle 2.7: Mittlerer täglicher Wasserverbrauch für ausgewählte Verbraucher


Verbraucher Bezugsgröße Wasserverbrauch
Wohnung ohne Bad und WC 1 Einwohner 60 l / EW * d
Wohnung mit WC und Dusche 1 Einwohner 140 l / EW * d
Wohnung mit WC und Bad 1 Einwohner 160 l / EW * d
Einfamilienhaus 1 Einwohner 150 l / EW * d
Verwaltungsgebäude 1 Beschäftigter 30 l / EW * d
Schule 1 Schüler 15 l / EW * d
Ärztehaus 1 Patient 10 l / EW * d
Krankenhaus 1 Bett 600 l / EW * d
Gaststätte 1 Gast 230 l / EW * d
Hotel 1 Bett 400 l / EW * d
Hallenbad 1 Besucher 180 l / EW * d
Braunkohlenhydrierwerk 1 t Benzin 30 000 l / t * d
Stahl- und Walzwerk 1 t Roheisen 65 000 l / t * d
Papierfabrik 1 t Feinpapier 70 000 l / t * d
Wäscherei 1 t Wäsche 30 000 l / t * d
Brauerei 1 t Bier 12 000 l / t * d
Brennerei 1 t Schnaps 30 000 l / t * d
Molkerei 1 t Milch 3 000 l / t * d
Schweinehaltung (Gülle) 1 Großvieheinheit 100 l / GVE * d
Rinderhaltung 1 Großvieheinheit 55 l / GVE * d
Geflügelhaltung 1 Großvieheinheit 70 l / GVE * d
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* Wasserpreise:
- Wasserpreis ergibt sich aus den Kosten für (s. auch Beispiel im Bild 2.5):
 die Förderung und Aufbereitung des Rohwassers
 die Verteilung über Rohrnetze bis zum Verbraucher (einschließlich Rohrleitungsverlusten)
 die Reinigung der Abwässer in Klärwerken bzw. die Überleitung der Abwässer

Preise für die Trinkwasserversorgung ab 01.01.2009


(inklusive gesetzlicher Mehrwertsteuer)
Grundpreise Trinkwasser:
- bei Abnahmemenge bis 2,5 m3/h: 147,66 EUR/Jahr
- bei Abnahmemenge bis 6,0 m3/h: 354,38 EUR/Jahr
- bei Abnahmemenge bis 10,0 m3/h: 590,64 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 50 mm Durchmesser: 885,96 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 65 mm Durchmesser: 1 476,60 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 80 mm Durchmesser: 2 362,56 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 100 mm Durchmesser: 3 543,84 EUR/Jahr
Mengenpreise Trinkwasser:
- bis 36 500 m3/a: 1,72 EUR/m3
- ab 36 500 m3/a: Sonderkonditionen möglich

Preise für die Abwasserentsorgung ab 01.01.2009


(inklusive gesetzlicher Mehrwertsteuer)
Grundpreise Abwasser:
- bei Abnahmemenge bis 2,5 m3/h: 123,00 EUR/Jahr
- bei Abnahmemenge bis 6,0 m3/h: 295,20 EUR/Jahr
- bei Abnahmemenge bis 10,0 m3/h: 492,00 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 50 mm Durchmesser: 738,00 EUR/Jahr
- für Zähleranschluss 65 mm Durchmesser: 1 230,00 EUR/Jahr
-
-
für
für
Zähleranschluss 80 mm Durchmesser:
Zähleranschluss 100 mm Durchmesser:
1 968,00
2 952,00
EUR/Jahr
EUR/Jahr Bild 2.5:
Auszug aus den Tarifblättern Trink-
Mengenpreise Abwasser in Abhängigkeit vom Versorgungsgebiet:
- bei Reinigung in öffentlicher Kläranlage: 3,19 - 4,25 EUR/m3
und Abwasser des Wasserzweck-
- Entsorgung aus abflussloser Grube: 20,54 EUR/m3 verbandes Freiberg

* allgemeine Wasserhaushaltsgleichung:
Für ein beliebiges Gebiet ( s. Bild 2.6) gilt die Wasserhaushaltsgleichung:
P + ROi + RUi = RO + RU + ETR ± ΔS (2.1)

Bild 2.6:
Wasserhaushalt
eines Gebietes
(vereinfacht und
schematisiert)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 16

* Vereinfachungen der Wasserhaushaltsgleichung:


- bei Wasserhaushaltsbetrachtung über lange Zeitabschnitte (Jahrzehnte): ΔS  0
- bei Bilanzierung für ein abgeschlossenes Einzugsgebiet: ROi + RUi = 0

P = ETR + RO + RU (2.2)

(Symbole  s. Gleichung 2.1)

► Erklärung des Begriffes Einzugsgebiet:


- Horizontalprojektion der Gesamtfläche, aus dem das infolge Niederschlag gebildete Wasser
dem Auslasspunkt (niedrigster Punkt) zufließt
- Einzugsgebiet wird begrenzt durch die Wasserscheide
- ermittelbar aus topographischen Karten unter Nutzung der Höhenlinien (s. Bild 2.7)
- Wasserscheiden verlaufen senkrecht zu den Höhenlinien, beginnend am Auslasspunkt)
- in Abhängigkeit von den geologischen Gegebenheiten ist zwischen ober- und unterirdischem
Einzugsgebiet zu unterscheiden (s. ebenfalls Bild 2.7)

Bild 2.7:

Einzugsgebiet mit ober-


und unterirdischen
Wasserscheiden (aus
SCHRÖDER, U.A., 1994)

* Quantifizierung des Wasserhaushaltes u.a. notwendig für:


- die Bilanzierung der Wassermengen und Stofffrachten (ggf. Schadstofftransport) eines Gebietes
- die Ermittlung der Grundwasserneubildung und der Verdunstung
- die Berechnung von Beregnungsmengen für die Landwirtschaft
- einen komplikationsarmen Betrieb wasserwirtschaftlicher Anlagen (z. B. Talsperren)

 Aufstellen einer Wasserbilanz für ein abgeschlossenes Einzugsgebiet  Übung 1


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 17

2.3. Anthropogene Beeinflussungen des Wasserhaushaltes


2.3.1. Überblick

2.3.2. Direkte Auswirkungen anthropogener Eingriffe

* Arten direkter anthropogener Eingriffe:

* Auswirkungen auf den Wasserhaushalt:


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 18

* Beispiele für direkte Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Wasserhaushalt:


► Klassischer (wasserbaulicher) Flussausbau (Flussbegradigungen und Eindeichungen):
- Ziele, Maßnahmen und hydrologische Auswirkungen  s. Bild 2.8

Bild 2.8:

Ziele, Maßnahmen
und hydrologische
Auswirkungen von
Flussbegradigungen
und Eindeichungen
(Auswahl)

 mannigfaltige Auswirkungen

► Stauwerke (Speicherseen, Talsperren):


- Erhöhung der Verdunstung
- ggf. Erhöhung der Versickerung und der Grundwasserneubildung im Bereich des Staukörpers
- Vergleichmäßigung des Durchflusses
- Verminderung des Fließgefälles ( 0)  Verminderung der Erosion ( 0)  Erhöhung der
Sedimentation  Gefahr des Verlandens des Speichers
- Auswirkungen auf den Stoffhaushalt ( vgl. z. B. Modul Limnologie)

► Wildbachverbauung:
- Anlegen von Sohlschwellen
- Uferbefestigungen
 Erosionsverminderung (für Q < QA mit Q - Durchfluss, QA - projektierter Ausbaudurchfluss)
 Erhöhung der Sedimentation
 Veränderungen der Gewässerökologie

► Wasserüberleitungen (z. B. für Bewässerungszwecke):


- Beispiele: Karakum-Kanal, Aralsee
 Erhöhung der Verdunstung
 Verminderung des Abflusses  erhöhte Stoffkonzentrationen im Gewässer
 erhöhte Gefahr der Versalzung der Böden und des Grundwassers (besonders bei unsachgemäßer
Bewässerung über Kanäle und Verregner)
- Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts weitere z. T. gigantische Eingriffe in den Wasserhaushalt
durch Wasserüberleitungen weltweit
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 19

► Veränderungen infolge Landnutzung:


● Überblick:

● Auswirkungen der Urbanisierung:

● Auswirkungen der Terrassierung:


 Veränderung der Gefälleverhältnisse
 meist Verminderung des Oberflächenabflusses
 meist Erhöhung der Versickerung und der Verdunstung

● Auswirkungen der Landwirtschaft:


a) Be- und Entwässerung:
Bewässerung:
- Erhöhung der Verdunstung
- ggf. Erhöhung des Oberflächenabflusses, der Versickerung und der Grundwasserneubildung
- sofern das Beregnungswasser aus dem gleichen Einzugsgebiet stammt  Verminderung des
Gebietsabflusses
- ggf. Versalzung der Böden
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 20

Entwässerung:
- Erhöhung des Abflusses
- Verminderung der Verdunstung
- Verminderung der Versickerung und der Grundwasserneubildung
- meist Absenkung des Grundwasserspiegels
- meist Verkleinerung des Durchflussscheitels bei Hochwasser (Grund: höheres Speicher-
vermögen des Untergrundes)

b) Bodenbearbeitung  s. Bild 2.9:

Bild 2.9:Auswirkungen der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung auf den Wasserhaushalt

c) Düngung:
 Erhöhung der Biomasseproduktion
 Erhöhung der Verdunstung und der Wasserspeicherkapazität auf und in der Biomasse
 Minderung bzw. Verzögerung des Oberflächenabflusses

d) Fruchtarten und Fruchtfolge:


 saisonale Veränderungen der Verdunstung und des Abflusses infolge des spezifischen
Wasserverbrauches der verschiedenen Pflanzen
 saisonaler Effekt besonders ausgeprägt bei Fruchtfolge

● Auswirkungen der Forstwirtschaft:


- hohe Biomasseproduktion
- gute Wasserspeichereigenschaften
- gute Infiltrations- und Versickerungsbedingungen
- höhere Verdunstungswerte als urbanisierte oder landwirtschaftlich genutzte Gebiete
- thermische Ausgleichswirkung
 Vergleichmäßigung des Wasserhaushaltes
 Dämpfung der Abflussbildung (insbesondere des Oberflächenabflusses)
 Verzögerung des Schneeschmelzprozesses
 geringere Erosionsgefahr
 i. d. R. günstige Auswirkungen auf den Stoffhaushalt
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 21

- vollständige Umkehr der wasserhaushaltlichen Situation bei Waldsterben/Abholzung Ursachen-


vielfalt für Waldsterben  vgl. auch Vorlesungen im Rahmen des Moduls Luftverschmutzung
und Klimaschutz):
 Ausfilterung toxischer Gase (besonders in Kamm- und Staulagen)
 Ozon und andere photochemische Folgeprodukte
 Freisetzung von Metallen/Schwermetallen im Boden infolge Bodenversauerung (Ton-
mineralzerstörung  Al, Lösung adsorbierter Schwermetalle  z. B. Cd, Pb)
 Nährstoffmangel
 Wasserentzug infolge Urbanisierung und Bewirtschaftung
- Maßnahmen zur Eindämmung des Waldsterbens:
 Verringerung der Schadstoffemissionen (insbesondere SO4 , NOX , NH3 und O3 )
 Überwachung der Schadstoffemissionen (Verdichtung Messnetz, Sünderbestrafung)
 forstwirtschaftliche Maßnahmen (Stärkung Waldökosysteme, rauchresistente Baumarten)
 Waldschadensforschung (Ursachenforschung, integrale Ökosystem-/Umweltforschung)

2.3.3. Indirekte Auswirkungen anthropogener Eingriffe


* Auswirkungen globaler anthropogener Eingriffe:
- Klimaveränderungen ("global change", Treibhauseffekt)  s. Modul Meteorologie/Klimatologie
 Veränderungen des Wärmehaushaltes der Erde
 Veränderungen des Wasserhaushaltes der Erde
 Veränderungen des Wasserhaushaltes kleinerer regionaler Einheiten
- Emission von Stoffen (z. T. Schadstoffen)
 Beeinflussung von Atmosphäre, Lithosphäre und Hydrosphäre
 Wasserbeschaffenheitsprobleme (vgl. u. a. Module Limnologie, Gewässerschutz, Grundwasser-
beschaffenheit, Grundwasserschutz, …)
- sonstiges (u. a. Freisetzung von Wärme)

* Prognostizierte Auswirkungen globaler Klimaveränderungen auf den Wasserhaushalt:


- Tendenz der Niederschlagserhöhung auf Grund höherer Temperaturen und folglich einer höheren
Verdunstung in den Tropen
- Zunahme der Niederschläge in weiten Teilen der höheren Breiten der Nordhemisphäre
- Trend zu geringeren Niederschlägen in semiariden Gebieten

* Prognostizierte Auswirkungen für Deutschland und Sachsen:


- Niederschlagserhöhungen im Westen und Süden (Gebiet der alten Bundesländer)
- geringere Niederschläge in den Tieflandgebieten im Osten (vor allem Brandenburg, Sachsen-
Anhalt und Sachsen)
- Trend der Niederschlagsabnahme im Osten betrifft vor allem verdunstungsaktives Sommer-
halbjahr (teilweise Rückgänge von > 50 % bis 2100 prognostiziert)
- Folgen insbesondere für Ostdeutschland:
 Zunahme der theoretisch möglichen Verdunstung infolge höherer Temperaturen
 Zunahme der Wasserknappheit vor allem in den Sommermonaten
 geringere Abflüsse (betrifft auch die Grundwasserneubildung)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 22

3. Der Niederschlag
3.1. Bedeutung und Entstehung
* Bedeutung:
- Niederschlag = Ausscheiden des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes (fest, flüssig)
- für die Hydrologie wichtigstes Klimaelement
- Einnahmegröße für den Wasserhaushalt

* Niederschlagsentstehung:
►Voraussetzungen für die Niederschlagsbildung:
- Sättigung der Luft mit Wasserdampf (relative Luftfeuchte = 100 %)
- Vorhandensein von Kondensations- bzw. Gefrierkernen (Phasenübergang)
- Tröpfchen-/Eispartikelwachstum (abhängig von der Stärke der i.d.R. vertikalen Luftbewegung)

►Sättigung der Luft mit Wasserdampf:


- Luft vermag in Abhängigkeit von der Temperatur immer nur eine bestimmte Maximalmenge an
Feuchtigkeit (Wasserdampf) aufzunehmen ( vgl. Tabelle 3.1)

Tabelle 3.1: Maximale absolute Feuchte der Luft (bezogen auf Meereshöhe)

Temperatur [°C] - 20 - 10 ±0 + 10 + 20 + 30
Absolute Sättigungsfeuchte [g Wasser/m3 Luft] 0,9 2,2 4,9 9,4 17,3 30,4

- Feuchteaufnahmefähigkeit sinkt mit der Temperatur (vgl. Tabelle 3.1)


- Sättigung der Luft ist praktisch immer das Resultat der Abkühlung der Luft (bei Abkühlung
wächst die rel. Luftfeuchte, bis 100 % erreicht werden  Erreichen des sog. Taupunktes)
- weitere Abkühlung  Ausscheiden des überschüssigen Wasserdampfes  Bildung von
Wassertröpfchen bis etwa - 5 °C … - 15 °C (Kondensation) oder Eiskristallen unter - 15 °C
(Resublimation)

►Vorhandensein von Kondensations- bzw. Gefrierkernen:


- winzige Partikel in der Atmosphäre (Durchmesser: 0,0001 ... 20 μm)
- großer Durchmesser  hohe Sinkgeschwindigkeit  schnelles Verlassen der Atmosphäre
- Kondensationskerne immer in ausreichender Anzahl vorhanden:
ca. 100 / cm3 Luft bei reinster Atmosphäre (Inseln, hohe Berge fernab von Emittenten)
ca. 1 000 000 / cm3 Luft in stark verunreinigter Luft (in Ballungsräumen)

►Wachstum/Größe der Wassertröpfchen:


- direkter Zusammenhang zwischen (vertikaler) Luftbewegung und Tropfengröße:
Nebel (sehr geringe Luftbewegung): Tropfengröße 5 - 15 μm
Sprüh- bzw. Nieselregen (geringe vertikale Luftbewegung): < 0,5 mm (< 500 μm)
Regen (bei hoher vertikaler Luftbewegung): bis 5 mm (kaum größer, da dann Eisstadium)
Graupel (bei hoher vertikaler Luftbewegung): bis 5 mm
Hagel (bei extrem hoher vertikaler Luftbewegung):
- in gemäßigten Breiten 5 - 50 mm
- in den Tropen: 100 - 120 mm keine Seltenheit (dmax ≈ 170 mm, Nebraska/USA, 2003)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 23

►Prozesse der Wolken- und Niederschlagsbildung:


a) Ausstrahlung infolge fehlender Bewölkung:
- verursacht eine nächtliche Abkühlung der bodennahen Luftschicht
- Bildung von Bodennebel  abgesetzter Niederschlag (vgl. Abschnitt 3.2)
b) Abkühlung über einer kalten Unterlage:
- Abkühlung über Schnee, kaltem Wasser, kaltem Boden
- Nebelbildung  abgesetzter Niederschlag (vgl. Abschnitt 3.2)
c) Mischung kalter und warmer Luft:
- Mischungsnebel  abgesetzter Niederschlag (vgl. Abschnitt 3.2)
d) Abkühlung von aufsteigenden Luftmassen bis zum Erreichen der Sättigung:
- fallender Niederschlag (vgl. Abschnitt 3.2)
- wegen der vergleichsweise zum abgesetzten Niederschlag höheren Niederschlagsmengen
hydrologisch besonders bedeutsam
- Ursachen für ein Aufsteigen von Luft (Mitteleuropa):
 zyklonale Niederschläge
 orographische Abkühlung
 konvektive Abkühlung

►zyklonale Niederschläge:
- Verlagerung von Tiefdruckgebieten und der dazugehörigen Frontensysteme (vgl. Bild 3.1)
- für die gemäßigte Klimazone maßgebende Niederschlagsart

Bild 3.1: Wettererscheinungen beim Durchgang einer Zyklone (aus BAUMGARTNER, LIEBSCHER, 1990)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 24

- Frontensysteme gekennzeichnet durch Warm- und Kaltfront

- Charakteristik Warmfrontniederschlag:
- lang anhaltend
- geringe bis mittlere Intensität
- dennoch in der Summe oft ergiebig
- hydrologisch relevant z.B. für Hochwasserentstehung bei lang anhaltender Überregnung
größerer Einzugsgebiete (ca. > 10 000 km2)

- Charakteristik Kaltfrontniederschlag:
- kurze Dauer (Schauer, Gewitter)
- i.d.R. höhere Niederschlagsintensitäten als Warmfrontniederschlag
- hydrologisch relevant z.B. für Hochwasserentstehung kleiner Einzugsgebiete (< 500 km2),
selten für mittlere und große Einzugsgebiete

►orographisch bedingte Niederschläge:


- Aufsteigen und Abkühlung der Luft, hervorgerufen durch Geländeerhebungen (Gebirge)
- Entstehung von Niederschlägen auf der Luvseite der Gebirge  Stauniederschläge (s. Bild 3.2)
- hydrologisch relevant z.B. für die Hochwasserentstehung im Oberlauf der Flüsse, besonders dann,
wenn eine Überlagerung durch ein zyklonales Frontensystem besteht

Bild 3.2: Wolken-, Niederschlags- und Temperaturverhältnisse auf der Luv- bzw. Leeseite eines Gebirges
(aus HEYER, 1975)

►konvektive Abkühlung:
- hervorgerufen durch aufsteigende Luftmassen über einer erhitzten Oberfläche  Bildung von
Wolken und Niederschlag
- Art von Wolken und Niederschlag abhängig vom Zustand der Atmosphäre (stabile bzw. labile
Schichtung, vgl. Bild 3.3), insbesondere bei labiler Schichtung starke Niederschläge möglich
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 25

a) (feucht)stabile Luftschichtung b) (feucht)labile Luftschichtung

─── tatsächlicher Temperaturverlauf (tatsächlicher Zustand der Atmosphäre, sog. Zustandskurve)


─── adiabatischer (theoretischer, physikalisch bedingter) Temperaturgradient (sog. Adiabate):
Abkühlung trockener Luft (relative Luftfeuchte RLF < 100 %) um 1 °C je 100 m Höhenzunahme
Abkühlung wasserdampfgesättigter Luft (RLF = 100 %) um 0,6 °C je 100 m Höhenzunahme

Bild 3.3: Wolkenbildung in Abhängigkeit vom Zustand der Atmosphäre (nach HEYER, 1975)

* hydrologisch relevante Wetterlagen (bezüglich des Niederschlages):


► bestimmte Wetterlagen (Hoch- und Tiefdruckverteilung über Europa) bedingen die Verlagerung
bestimmter Luftmassen, die durch charakteristische Eigenschaften (kalt, warm, feucht, trocken)
gekennzeichnet sind (s. Bild 3.4 sowie Tabelle 3.2)

P Polarluft
T Tropikluft
A Arktis
S Sahara
c kontinental
m maritim

Bild 3.4:
Wetterlagen und Luftmassenströme
nach Mitteleuropa (nach SCHREIBER,
1957)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 26

►ausschlaggebende Faktoren für die Eigenschaften einer Luftmasse:


 das Entstehungsgebiet
 der Verlagerungsweg der Luftmasse

Tabelle 3.2: Entstehung, Verlagerungsweg und Eigenschaften der Luftmassen in Mitteleuropa

►Wetterlagen, die in Bezug auf Niederschlagshöhen, -dauer und Hochwasserentstehung von


hydrologischer Bedeutung sind (s. Bilder 3.4 und 3.5):
- Nordwestlage: bei langsamer Tiefdruckverlagerung ergiebige Sommerniederschläge (Dauer-
regen)  Hochwassergefahr für mittlere und große Einzugsgebiete
- Südwestlage: Regen, im Spätwinter oft verbunden mit Tauwetter  allgemeine Hochwasser-
gefahr (sowohl für kleine als auch für große Einzugsgebiete)
- Südostlage: Gefahr kräftiger Sommergewitter, besonders im Gebirge  Hochwassergefahr für
kleinere Einzugsgebiete im Mittelgebirge
- Vb-Wetterlage (Tief über Oberitalien):
- lang anhaltende ergiebige Niederschläge infolge des großräumigen Aufgleitens von feucht-
warmen Luftmassen des Mittelmeerraumes mit feucht-kalten Atlantik-/Nordseeluftmassen
- Dauer-Starkregen über Ost- und Süddeutschland, im Gebirge verstärkt durch Stauererschei-
nungen
- akute Hochwassergefahr besonders für ost- und süddeutschen Mittelgebirgseinzugsgebiete, aber
auch für größere Einzugsgebiete (z.B. Oder, Elbe), z.B. Oderhochwasser Sommer 1997 und
Elbehochwasser 2002 entstanden infolge Vb-Wetterlagen
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 27

a) Nordwestlage b) Südwestlage

c) Südostlage d) Vb-Wetterlage

Bild 3.5: Ausgewählte Wetterlagen über Mitteleuropa mit hydrologischer Relevanz (aus HEYER, 1975)

3.2. Niederschlagsarten
* Charakterisierungsmöglichkeiten der Niederschlagsarten:
- vielfältige Charakterisierungsmöglichkeiten
- hydrologisch gebräuchliche Möglichkeiten der Charakterisierung:
a) nach dem Aggregatzustand und der Erscheinungsform
b) nach dem Entstehungsprozess
c) nach der Dauer und der Intensität
d) nach dem Flächenbezug
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 28

* Systematisierung der Niederschlagsarten:


- Systematisierung s. Tabelle 3.3

Tabelle 3.3: Systematik Niederschlagsarten

Aggregatzustand und Erscheinungsform


fest flüssig gemischt unterkühlt (flüssig, aber
(fest + flüssig) bei Auftreffen auf den
Boden sofort gefrierend)
Entstehungsprozess
Fallender Niederschlag Abgesetzter/abgefangener Niederschlag
- Sprühregen (d < 0,5 mm) - Tau (Absetzen bei T > 0 °C)
- Regen (d = 0,5 ... 5 mm) - Rauhreif (T < 0 °C)
- Schnee (TWolke < - 12 °C) - Rauhfrost (T < 0 °C und Wind)
- Graupel (d < 5 mm) - Glatteis
- Hagel (d > 5 mm)
Bildung in der Atmosphäre Bildung am Erdboden
Messung relativ unkompliziert Messung nahezu unmöglich
Dauer und Intensität
Dauerregen (Landregen): Schauer:
- Definition abhängig vom Klimagebiet Niederschlag von kurzer Dauer und meist
- Mitteleuropa: hoher (z.T. rasch wechselnder) Intensität
ununterbrochene Regenfälle mit einer Inten-
sität PI > 0,5 mm/h über einen Zeitraum
von t > 6 h
Starkregen:
- starke Regenfälle unterschiedlicher Dauer (Dauerregen, Schauer) und hoher Intensität
- quantitative Charakterisierung  s. Abschnitt 3.5
Flächenbezug

Punktniederschlag: Gebietsniederschlag:
gemessener Niederschlag einer meteorologi- für ein bestimmtes Gebiet (z.B. Einzugsgebiet)
schen Station (Punktwert) repräsentativer Niederschlagswert
 hydrologisch relevante Größe

3.3. Niederschlagsmessung (punktuelle Messung)


* Messbarkeit des Niederschlages:
- abgesetzter/abgefangener Niederschlag mit den derzeit üblichen Regenmessern (die hauptsächlich
den fallenden Niederschlag erfassen) nicht oder nur schwer messbar (Spezialgeräte: Nebelfänger
nach GRUNOW, Nebelsammler  „Auskämmen“ des Nebelniederschlages durch eine Teflonharfe)
 bleibt für hydrologische Betrachtungen, bei denen die Niederschlagsmessung ohne Spezialgeräte
erfolgt, meist unberücksichtigt
- fallender Niederschlag gut messbar (s.u.)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 29

* Arten von punktuellen Niederschlagsmessgeräten:


- nichtregistrierende Geräte (Niederschlagssammler)
- registrierende Geräte (Niederschlagsschreiber)

* nichtregistrierende Geräte - Niederschlagssammler:


- HELLMANN'scher Regenmesser
- Messung (Auslitern) zu festgesetzten Zeiten (in Deutschland i.d.R. einmal am Tag um 7:00 Uhr
MEZ oder zu 3 Zeiten: 7:00 Uhr, 14:00 und 21:00 Uhr MEZ)
- konstruktiver Aufbau (vgl. Bild 3.6):
- Auffangfläche, Trichter, Sammelkanne
- Auffangflächen variieren:
 Deutschland/Österreich: Regenmesser nach HELLMANN mit 200 cm2
 USA: Messgerät des US Weather Bureau mit 324 cm2
 Frankreich: Französischer Wetterdienst mit 400 cm2
- spezielle Art des nichtregistrierenden Niederschlagssammlers: sog. Totalisator
 konstruktiver Aufbau s. Bild 3.8
 verwendet in schwer zugänglichen Gebieten, in denen keine tägliche Leerung/Messung
möglich (Hochgebirge, Wüsten ...)
 Messung der Gesamtniederschlagsmenge über einen längeren Zeitraum (z.B. Winter-
halbjahr)
 bei Verwendung im Gebirge meist mit Windschutzring  Reduzierung Windfehler
 teilgefüllt mit einem Anti-Frost-Mittel (78 %-ige Kaliumchloridlösung)

* registrierende Geräte - Niederschlagsschreiber:


►Niederschlagsschreiber nach dem Schwimmerprinzip:
- konstruktiver Aufbau s. Bild 3.7
- Verwendung vorrangig in größeren Stationen
- Schreibtrommel mit täglichem oder wöchentlichem Laufwerk
- Genauigkeit (zeitliche Auflösung): 2 - 3 min (Tageslaufwerk)
 Auswertung von Schreiberaufzeichnungen  s. Übung 2 (Teilaufgabe a)

A - Auffanggefäß mit Trichter


G - Schwimmergefäß mit Heber-
rohr
T - Schreibtrommel
S - Sammelkanne

Bilder aus DYCK, PESCHKE


(1995)
Bild 3.6: HELLMANN-Regenmesser Bild 3.7: Regenschreiber nach dem Schwimmerprinzip
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 30

Bild 3.8:
Totalisator mit Windschutzring (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

►Kippwaage:
- Konstruktionsprinzip  s. Bild 3.9:
- Verwendung oft in automatisch registrierenden (kompakten, digitalen) Stationen
- Wirkungsweise:
- Messwippe (Kunststoff, Leichtmetall) ist vertikal geteilt in 2 gleiche Teile
- instabile Lagerung über eine horizontale Achse  Schwerpunktverlagerung bei Füllung
infolge Niederschlag
- Registrierung der Anzahl der Kippbewegungen  elektrischer Impuls
- Registrierung aller 0,05 mm Niederschlag (bei hoch exakten Geräten)
- Vorteil: unkomplizierte Digitalisierung
- Nachteile:
a) Das Kippgefäß benötigt eine (wenngleich geringe) Zeit zum Kippen, d.h. Im Falle einer hohen
Regenintensität wird das Gerät während des Kippens weiter gefüllt  Das Auslaufvolumen ist
folglich größer als bei geringer Regenintensität.
b) Nach Regenende bleibt das Kippgefäß i.d.R. teilweise gefüllt (Verdunstungsfehler)
c) Regenbeginn und -ende besonders im Falle geringer Regenintensität nicht genau registrierbar
Abhilfe: Messung (Auslitern) der während des Messzeitraumes (1 Tag, 1 Woche) im Sammel-
gefäß gespeicherten Gesamtniederschlagsmenge  Eichung (Gesamtanzahl der
registrierten Impulse = Gesamtniederschlagsmenge  Eichung auf Einzelimpuls)

a – Messwippe
b – Impulsgeber

Bild 3.9:
Prinzip der Kippwaage (Foto: Dr. Friedrichs
& Co.)

►Ombrometer:
- Messung der Gewichtszunahme infolge Niederschlag  positive Gewichtsänderung  P > 0,
keine bzw. negative Gewichtsänderung  P = 0
- automatische Korrektur von Wind- und anderen Einflüssen
- hohe Niederschlagsintensitäten (bis 50 mm/min) messbar  derzeit genauestes Messgerät
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 31

* generelle Messfehler (unabhängig von der Art des Niederschlagsmessers):


►Fehlerursachen:
- Wind  Überwehung des Messgerätes (mittlere jährliche Fehlerhöhen für Mitteleuropa: Schauer-
und Gewitter: < 1 %, Landregen: 1 - 5 %, Schnee und Nieselregen: 15 - 35 %)
- Benetzung der Auffangfläche und des Trichters durch Niederschlag, ehe es zum Abfluss in das
Sammelgefäß kommt (für Mitteleuropa: 5 - 10 % im Jahresmittel)
- Verdunstung insbesondere aus dem Sammelgefäß aber auch von anderen Teilen (für Mitteleuropa: 1
- 3 % im Jahresmittel)
►Schlussfolgerungen:
- alle Fehler führen dazu, dass mit den Messgeräten zu wenig gemessen wird
- mittlerer jährlicher Gesamtfehler liegt in Deutschland bei etwa 10 %  Korrektur der Nieder-
schlagsdaten um + 10 %, falls keine genaueren Informationen zur Messstation vorliegen
- bei Vorliegen genauerer Informationen zur Messstation  monats- und gebietsvariable Korrektur
nach RICHTER empfehlenswert  vgl. Tabelle 3.4

Tabelle 3.4: Prozentuale Korrekturen der Niederschlagswerte nach RICHTER (1995)


Geb./Lage Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
A a 20,8 23,6 20,0 16,0 12,0 10,3 10,5 10,3 11,5 13,6 16,2 18,9
b 17,3 17,9 15,5 13,6 10,8 9,2 9,4 9,3 10,2 11,2 12,9 14,6
c 13,4 13,7 12,6 11,6 9,8 8,4 8,5 8,4 9,1 9,7 10,6 11,6
d 9,5 9,6 9,4 9,4 8,5 7,3 7,5 7,3 7,8 7,8 8,0 8,4
B a 27,5 29,0 23,6 18,2 12,3 10,3 10,5 10,5 12,1 14,2 19,1 22,7
b 20,5 21,5 17,8 15,0 10,9 9,3 9,4 9,5 10,9 11,6 15,0 17,3
c 15,2 15,8 14,0 12,4 9,8 8,3 8,6 8,6 9,6 10,2 12,0 13,2
d 10,3 10,7 10,0 9,6 8,5 7,3 7,5 7,5 8,2 8,2 8,7 9,2
C a 31,6 33,5 26,9 18,3 12,5 10,4 10,8 10,5 12,6 15,5 21,8 26,5
b 23,3 24,5 20,3 15,1 11,1 9,8 10,0 9,5 11,5 12,7 16,8 19,8
c 17,3 17,9 15,5 12,7 10,1 8,8 9,1 8,5 10,2 11,0 13,3 15,0
d 11,5 11,8 10,7 10,0 8,6 7,7 8,0 7,5 8,7 8,8 9,5 10,3
D a 31,7 30,5 25,6 18,8 10,4 8,1 7,9 8,2 9,6 13,4 21,3 26,9
b 23,0 22,2 19,4 15,0 9,0 7,2 7,1 7,3 8,6 10,6 16,0 19,7
c 16,2 15,7 14,3 11,9 8,0 6,5 6,3 6,6 7,7 8,8 12,1 14,4
d 10,6 10,2 9,6 8,7 6,7 5,7 5,6 5,8 6,5 6,8 8,3 9,5
Gebietszuordnung (Geb.):
A: westlicher Teil des Norddeutschen Tieflandes einschließlich Schleswig-Holstein und Rheintal sowie Südwestdeutschland ohne
westliches Saarland und Schwarzwald
B: mittlerer Teil des Norddeutschen Tieflandes sowie westliche Mittelgebirge von der Eifel bis zum Westharz und der Bereich
zwischen Frankenhöhe, Steigerwald und Oberpfälzer Wald bis 700 m NN
C : östlicher Teil des Norddeutschen Tieflandes und östliche Mittelgebirge bis 700 m NN
D:Alpenvorland südlich der Donau sowie Schwäbische Alb und Bayrischer Wald bis 1000 m NN
Kennzeichnung der Stationslage (Lage): a - frei, b - leicht geschützt, c - mäßig geschützt, d - stark geschützt

- Minimierung der Fehler ferner möglich durch:


 Verwendung von Windschutzringen bzw. Windschutzzäunen  Minimierung Windfehler
 bodenebener Einbau des Regenmessers  Minimierung Windfehler (Problem: Schnee)

3.4. Ermittlung des Gebietsniederschlages


* Messung mittels Radarmethode:
- direktes Verfahren zur Ermittlung des mittleren Gebietsniederschlages, Prinzip  s. Bild 3.10
- Niederschlagsintensität = f (Streuwinkel der Reflexionswellen)
- Entfernung des Niederschlages vom Beobachtungspunkt (Messpunkt) = f (Echolaufzeit)
- Eichung i.d.R. unter Einbeziehung punktueller Messwerte  Beispiel s. Bild 3.11
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 32

Bild 3.10: Prinzip des Radarmessverfahrens

Bild 3.11:
Karte der Niederschlagsverteilung im
Ergebnis der Kombination von Radar-
und konventionellen Methoden (aua
DYCK U.A., 1980)

* Ermittlung des Gebietsniederschlages aus punktuellen Werten:


►Methodik:
- viele Faktoren beeinflussen die flächenhafte Verteilung des Niederschlages
- Messnetz muss diese flächenhafte Verteilung hinreichend genau erfassen
- mittlerer Gebietsniederschlag Pm beschreibbar durch gewichtetes Mittel aller betrachteten Mess-
stellen:
n
Pm = 3 ai * Pi (3.1)
i=1

mit Pm - mittlerer Gebietsniederschlag [mm]


n - Anzahl einbezogener Niederschlagsmesser
ai - Wichtung des i-ten Niederschlagsmessers
Pi - beobachtete Niederschlagsmenge des i-ten Niederschlagsmessers

►Abhängigkeiten der Wichtung:


- vor allem von der Stationsentfernung, von der Geländemorphologie, von der Stadt-Land-
Verteilung und dem Anteil Tal-/Bergstationen
- einfachste Art der Wichtung: keine Wichtung (alle ai in Gleichung 3.1: ai = 1)  arithmetisches
Mittel, bei allen anderen Wichtungen: 0 ≤ ai ≤ 1 (für i = 1 ... n)
- häufig angewendete Methoden der Wichtung in der Meteorologie, Hydrologie, Hydrogeologie:
 arithmetisches Mittel
 Polygonmethode
 Isohyetenmethode
 Invers-Distanz-Methode
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 33

► arithmetisches Mittel:
- arithmetisches Mittel aller Niederschlagsstationen (ai = 1 für i = 1 ... n)
- Anwendung z.T. im Flachland bei gleichmäßiger Verteilung der Stationen und geringen Unter-
schieden der beobachteten Niederschlagshöhen
- Niederschlagsstationen in der Nähe des Untersuchungsgebietes sollten einbezogen werden

►THIESSEN-Polygonmethode:
- geeignete Methode für Gebiete im Flachland
- Ziel: Zuordnung einer repräsentativen Fläche um jeden Niederschlagsmesser
- Wichtung unter Berücksichtigung einer ungleichmäßigen Stationsverteilung
- Prinzip der Methode (s. auch Beispiel im Bild 3.12):
a) Einzeichnen aller Niederschlagsstationen in eine maßstäbliche Karte
b) Verbindung aller benachbarter Stationen mittels Geraden
c) Konstruktion der Mittelsenkrechten  Polygon um jede Station
d) Polygon repräsentiert Fläche, die jeder Station zuordenbar ist
e) Ermittlung der Flächeninhalte aller Polygone (Kartendigitalisierung, Planimeter)
f) Ermittlung der Wichtungsfaktoren ai (Flächenanteile):

ai = Ai / A (3.2)

mit ai - Wichtungsfaktor (Flächenanteil)


Ai- Polygonfläche der i-ten Niederschlagsstation
A- Gesamtfläche des untersuchten Gebietes [gleiche Maßeinheit wie Ai ]

g) Multiplikation der Niederschläge Pi mit den Flächenanteilen ai (für jede Station)


h) mittlerer Gebietsniederschlag = Addition aller Pi * ai ( vgl. Gleichung 3.1)

- Vorteile der THIESSEN-Polygonmethode: Berücksichtigung von Stationsdichteunterschieden


- Nachteil: keine Einbeziehung des Einflusses der Geländemorphologie
 Anwendung der THIESSEN-Polygonmethode s. Übung 2 (Teilaufgabe b) sowie Übung 3

Bild 3.12:
THIESSEN-Poly-
gonmethode

►Isohyetenmethode (Linien gleicher Niederschlagshöhe):


- auch im Mittelgebirge genaue Methode zur Gebietsniederschlagsermittlung
- Berücksichtigung des Einflusses der Morphologie
- Anwendung im Flachland und im Mittelgebirge
- Prinzip der Methodik (s. Bild 3.13):
a) Einzeichnen aller Niederschlagsstationen in eine maßstäbliche Karte
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 34

b) Eintrag aller Niederschlagsmengen neben dem jeweiligen Messpunkt


c) Verbindung aller benachbarter Stationen mittels Geraden  Dreiecksvernetzung
d) Konstruktion der Isohyeten:
 durch Isolinienprogramme (z.B. Surfer mittels linearer Interpolation)
 per Hand mittels Harfe  Anwendungsbeispiel s. Übung 3
e) Ermittlung der Flächengrößen zwischen den Isohyeten des Untersuchungsgebietes
f) Ermittlung der Wichtungsfaktoren ai (Flächenanteile, s. Gleichung 3.2)
g) Multiplikation der Flächenanteile mit dem Mittel der jeweiligen Niederschläge der Isohyeten-
stufen
h) mittlerer Gebietsniederschlag = Addition aller Pi * ai

Bild 3.13:
Isohyetenmethode

► Invers-Distanz-Methode:
- gewichtetes Mittel aller gemessenen Niederschlagswerte in der Umgebung der Stelle, für den der
Niederschlag bestimmt werden soll
- Wichtung ist proportional zu den inversen Abständen der Stelle, für den der Niederschlag bestimmt
werden soll, zu den Messstellen  Anwendung der Invers-Distanz-Methode  s. Übung 3
- Berechnungsgleichung:
P1 / d1 + P2 / d2 + …
P= (3.3)
1 / d1 + 1 / d2 + …

mit P - Niederschlag am unbeobachteten Punkt [mm]


Pi - Niederschlag am Beobachtungspunkt i [mm]
di - Abstand des unbeobachteten Punktes vom Beobachtungspunkt i [m, km]

3.5. Starkregen, Bemessungsregen, maximal möglicher Regen


* Starkregen:
- Definition abhängig vom Klimagebiet (keine weltweit einheitliche Definition)
- für Mitteleuropa gilt für Starkregen (Definition nach WUSSOW):
P ≥ [5 t - (t / 24) 2] 0,5 (3.4)
mit P - Mindeststarkregenmenge [mm]
t - Regendauer [min]

- Umsetzung der (Un)gleichung 3.4  s. Tabelle 3.5


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 35

Tabelle 3.5: Mindestregenmengen P und Mindestregenintensitäten PI für Starkregen verschiedener Regen-


dauern t (für Mitteleuropa)

t [min] 5 10 15 20 30 45 60 90
P [mm] 5,0 7,1 8,7 10,0 12,2 14,9 17,1 20,0
PI [mm/min] 1,00 0,71 0,58 0,50 0,41 0,33 0,28 0,23
t [h] 2 3 4 5 10 15 20 24
P [mm] 24,0 29,0 33,2 36,6 48,7 55,6 59,3 60,0
PI [mm/min] 0,20 0,16 0,14 0,12 0,08 0,06 0,05 0,04

- mittels (Un)gleichung 3.4 bzw. Tabelle 3.5 lediglich ermittelbar, ob ein Regenereignis ein Stark-
regenereignis ist oder nicht
- für viele hydrologische Aufgaben reicht dies jedoch nicht aus (z.B. für die Bemessung von wasser-
wirtschaftlichen und sonstigen Anlagen)  genauere Informationen notwendig

* Bemessungsregen:
►Bedeutung und Merkmale des Bemessungsregens:
- Bemessungsregen interessiert für die hydrologisch-wasserwirtschaftliche Planung von:
 Durchlässen aller Art (Brücken, Rohre)
 Bach- und Flussquerschnitten (Dimensionierung, Gestaltung, Uferbefestigung)
 Kanalisationen (Dimensionierung, Gefälle)
 verkehrstechnischen, land- und forstwirtschaftlichen Anlagen (Straßen, Gräben, Wege ...)
 Regen- und Hochwasserrückhaltebecken
- hydrologisch-wasserwirtschaftlich interessierende Merkmale des Bemessungsniederschlages:
 Niederschlagshöhe P
 Niederschlagsdauer PD
 Regenspende PS (Regenintensität) und deren zeitlicher Intensitätsverlauf PI(t)
 örtliche Niederschlagsverteilung
 Häufigkeit des Auftretens n (Wiederkehrsintervall, sog. Jährlichkeit T = 1/n)

►Ermittlung des Bemessungsregens (Anwendungsbeispiel  s. Übung 4):


- Nutzung statistischer Auswertungen von Niederschlagsmessungen durch den Deutschen Wetter-
dienst DWD  Niederschlagsmengen-Dauer-Häufigkeits-Beziehungen ( s. Bild 3.14)
- Ermittlung auf Grundlage des Starkregenatlasses KOSTRA des DWD
- für viele praktische Bemessungsfälle Niederschlagsmengen-Dauer-Häufigkeits-Beziehung nicht
verfügbar (bzw. Erstellung durch DWD zu teuer)
- Herangehensweise im Falle des Fehlens von Niederschlagsmengen-Dauer-Häufigkeits-
Beziehungen bzw. KOSTRA-Starkregenwerten:
a) - Ausgangswert: Regenspende eines Niederschlages mit 15-minütiger Dauer, der statistisch
gesehen 1 Mal pro Jahr auftritt  Basisbemessungsregenspende PS (15,1)  Werte
bundesweit für viele Städte und Regionen verfügbar (eine Vielzahl von Werten enthält z.B.
SCHNEIDER: Bautabellen mit Berechnungshinweisen und Beispielen. 11. Auflage,
Werner-Verlag, 1996)
- Werte für viele Städte und Regionen verfügbar, weil sie u.a. für die Kanalnetzberechnung
verwendet werden
- Werte für verschiedene geographische Regionen Deutschlands  s. Tabelle 3.6
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 36

b) Umrechnung der Basisbemessungsregenspende für Dauern ≠ 15 min und Wiederkehrsinter-


vallen ≠ 1 a z.B. mittels REINHOLD-Formel für T ≤ 20 a und PD ≤ 150 min möglich:

PS (PD ,T) = PS (15,1) * φ mit φ = 38 (T 0,25 - 0,369) / (PD + 9) (3.5)

mit PS (PD ,T) - Regenspende der Dauer PD mit einem Wiederkehrsintervall T [l / (s ha)]
PS (15,1) - Basisbemessungsregenspende mit einer Dauer von 15 min und einem Wiederkehrs-
intervall von 1 Jahr [l / (s ha)]
φ - Zeitbeiwert
T - Wiederkehrsintervall (sog. Jährlichkeit) [a]
PD - Regendauer [min]

P - Regenmenge
PS - Regenspende
T - Wiederkehrsintervall
PD - Regendauer

Bild 3.14:
Niederschlagsmengen-Dauer-
Häufigkeits-Beziehung für das
mittlere Neckartal (nach
SCHRÖDER U.A. (1994)

Tabelle 3.6: Starkregenspenden PS (15,1) für verschiedene geographische Regionen Deutschlands


Geographische Region PS (15,1) [l/s ha]

Nordwestdeutschland 85
Nordost- und Mitteldeutschland 95
Westdeutschland 96
Sachsen und Thüringen 106
Süd- und Südwestdeutschland 119
Großstadtbereich Nord- und Ostdeutschlands 120
Großstadtbereich Süd- und Südwestdeutschlands 140
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 37

c) Umrechnung der Regenspende in Regenmenge (Niederschlagshöhe):

P(PD ,T) = 0,36 * PS (PD ,T) * PD (3.6)

mit P(PD ,T) - Bemessungsregenmenge für PD und T [mm]


PS (PD ,T) - Bemessungsregenspende für PD und T [l/s ha]
PD - Regendauer [h]

►maßgebende Bemessungsregendauer PD :
- maßgebende Bemessungsregendauer charakterisiert die Regendauer, die für das Bemessungs-
wiederkehrsintervall im betrachteten Gebiet den größten Abflusswert verursacht (sog. Abfluss-
konzentrationszeit TC )
 maßgebende Bemessungsregendauer ist nicht für alle Einzugsgebiete konstant
- maßgebende Bemessungsregendauer hängt vor allem von der Einzugsgebietsgröße und dem Gefälle
ab (je größer das Einzugsgebiet und je kleiner das Gefälle, um so länger braucht der Niederschlag,
um zu Abfluss zu werden, desto höher sind folglich PD und TC )
 kleine, steile Gebiete reagieren schnell auf Niederschläge  PD klein (< 1 h)
 große, flache Gebiete reagieren z.T. wesentlich langsamer, d.h. mit deutlicher Zeitverzögerung
auf Niederschläge  PD groß (> 1 h)

- Berechnungsansätze für PD:


für kleine (AE ≤ 0,8 km2) vorwiegend landwirtschaftl. genutzte Einzugsgebiete (KIRPICH-Formel):

PD = TC = 0,868 (l 3/Δ h) 0,385 (3.7)

mit PD - maßgebende Bemessungsregendauer [h]


TC - Konzentrationszeit des Abflusses in einem Gebiet [h]
l - längster Fließweg im Einzugsgebiet bis zum Gebietsauslass [km]
Δh - Höhenunterschied von der Einzugsgebietsgrenze bis zum Gebietsauslass [m]

für Wiese und Wald (ebenfalls für kleine Gebiete: l < 0,4 km), KERBY-Formel:

PD = TC = 3,03 (r * l 1,5 /Δ h 0,5 ) 0,467 (3.8)

mit r - Nutzungsbeiwert (Wiese: r = 0,3 - 0,4, Wald: r = 1)


(alle anderen Größen  s. Gleichung 3.7)

für Stadtgebiete:
0,552 [1,8 (1,1 - ψ(5)) l 0,5 ]
PD = TC = ──────────────── (3.9)
(Δ h / l) 1/3

mit ψ(5) - Abflussbeiwert für T = 5 a (ψ = R / P, Anteil Abfluss R vom Niederschlag P, vgl. auch Ab-
schnitt 5.6.2)
(alle anderen Größen  s. Gleichung 3.7)

- bei verschiedenen Nutzungsanteilen in einem Gebiet  Ermittlung des flächengewichteten


Mittelwertes der einzelnen maßgebenden Regendauern PD
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 38

►Wahl des Wiederkehrsintervalls des Bemessungsniederschlages:


- Bemessungswiederkehrsintervall bedeutet:
 projektierte Anlage ist für ein Ereignis, das statistisch gesehen 1 Mal aller T Jahre (T -
Wiederkehrsintervall) auftritt, bemessen (dimensioniert) ist
 projektierte Anlage ist folglich nicht für Ereignisse > T bemessen (Restrisiko, sog. hydrolo-
gische Sicherheit)
- Wiederkehrsintervall und damit Restrisiko richten sich nach:
 der Bedeutung der Anlage
 der Gefahr, die von der zu projektierenden Anlage ausgeht
 der Funktionsdauer der Anlage
- häufig angesetzte Wiederkehrsintervalle  s. Tabelle 3.7

Tabelle 3.7: Häufig angesetzte Wiederkehrsintervalle für Bemessungsregen und Bemessungshochwasser-


wellen (für Deutschland)
Hydrologische Bemessungsaufgabe Wiederkehrsintervall T [a]
- Straßenentwässerung außerhalb von Ortslagen 1
- Straßenentwässerung/Kanalisation in Ortslagen 1 ... 5
- Straßenentwässerung im Bereich von Unterführungen 5 ... 20
- Gewässerausbau außerhalb von Ortslagen, kleine Durchlässe 1 ... 20
- Gewässerausbau in Ortslagen 50 ... 1000
- kleine Deiche oder Regen- bzw. Hochwasserrückhaltebecken 10 ... 50
- hohe Deiche, große Rückhaltebecken oder Talsperren (große 100 ... 200
Sachschäden möglich)
- hohe Deiche oder Talsperren (Menschenleben gefährdet) 200 ... 1000

► örtliche und zeitliche Verteilung des Bemessungsniederschlages:


- zeitliche Niederschlagsverteilung: meist als konstant während der Regendauer angenommen
- örtliche Niederschlagsverteilung: meist als konstant über das Gesamtgebiet angenommen
- Abminderung punktförmig gemessener Niederschläge (z.B. mittels HELLMANN-Regenmesser) bei
Übertragung auf große Einzugsgebiete vor allem bei kurzen Niederschlagsereignissen (Schauern,
Gewittern) notwendig (s. Bild 3.15), Gebiet wird nicht gleichmäßig überregnet

Bild 3.15:
Abnahme des Gebiets-
niederschlages für ver-
schiedene Regendauern
und Gebietsgrößen (in %
des Punktniederschlags)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 39

* maximal möglicher Niederschlag:


- maximal möglicher Niederschlag mmP abhängig vom Klimagebiet
- Kenntnis des maximal möglichen Niederschlages ist von Interesse für:
 die Berechnung maximal möglicher Hochwässer
 eine Schadensabschätzung, hervorgerufen durch maximal mögliche Hochwässer
 die Bemessung großer Talsperren
- Abschätzung des mmP durch die Auswertung bisher weltweit beobachteter maximaler Nieder-
schlagsmengen in Abhängigkeit von der Niederschlagsdauer möglich (s. Bild 3.16)
- weitere Hilfen bei der Abschätzung:
 numerische Simulation extremer Atmosphärenzustände
 Maximierungsverfahren (Maximierung von Feuchte und Wind unter Zugrundelegung der
bisher beobachteten maximalen Niederschlagsmenge für ein Klimagebiet)
 statistische Verfahren (Extremwertverteilungsfunktionen mit oberem Grenzwert)

Bild 3.16: Weltweit gemessene maximale Niederschlagsmengen (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

- Ableitung der Gleichung 3.10 aus der Geraden in Bild 3.16 für globale Betrachtung des maximal
möglichen Niederschlages mmP ohne Berücksichtigung der Klimazonen:

mmP = 425 * PD 0,475 (3.10)

mit mmP - maximal möglicher Niederschlag [mm]


PD - Niederschlagsdauer [min]

- für Ostdeutschland gilt in etwa (vgl. auch Bild 3.16):


mmP = 55 * PD 0,22 (3.11)

(alle Größen  s. Gleichung 3.10)


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 40

3.6. Globale und saisonale Niederschlagsverteilung


* globale Niederschlagsverteilung:
- abhängig vom Klimagebiet
- globale Verteilung der mittleren jährlichen Niederschlagssumme  s. Bild 3.17
- Maxima in den Tropen und gemäßigten Breiten, Minima in den Subtropen und Polargebieten

Bild 3.17:
Globale Niederschlagsverteilung
(nach MEINARDUS, 1930)

* saisonale Niederschlagsverteilung:
- saisonale Niederschlagsverteilung der gemäßigten Breiten  s. Bild 3.18

Bild 3.18:
Saisonale Niederschlagsverteilung
der gemäßigten Breiten (nach
HEYER, 1975)

- saisonale Niederschlagsverteilung in Deutschland:


 Niederschlagsmengen gekennzeichnet durch winterliches Minimum und sommerliches Maximum
(vgl. auch Bild 3.18)
 Niederschlagshäufigkeiten dagegen: winterliches Maximum und sommerliches Minimum

- saisonale Niederschlagsverteilung u.a.: von Interesse für:


 Versorgungssicherheit mit Wasser, u.a. Trinkwasser
 Beregnungssteuerung in der Landwirtschaft
 Nutzung von Regenwasser  vgl. Übung 5: Dimensionierung Regenwasser-Sammelanlage

- monatliche und jährliche Niederschlagswerte für ausgewählte deutsche, europäische und außer-
europäische Stationen  s. Tabelle 3.8
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 41

Tabelle 3.8: Niederschlagswerte P [mm] (unkorrigiert) für ausgewählte deutsche, europäische und außer-
europäische Stationen
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 42

3.7. Anthropogene Niederschlagsbeeinflussung


* unbeabsichtigte Beeinflussungen:
- globale Klima- (und damit u.a. Niederschlagsbeeinflussung) als Folge des Treibhauseffektes
- regionale Beeinflussung (insbesondere Stadtklima):
 Niederschlagsverkleinerung um ca. 5 - 10 % innerhalb der Stadt
 Niederschlagserhöhung auf der Leeseite der Stadt um ca. 5 - 15 % ( s. auch Bild 3.19)
- Folgen der regionalen Beeinflussung:
 Wärmeinseleffekt (Erhöhung der Konvektion über der Stadt infolge Temperaturerhöhung
über der Stadt  verstärkte Wolken- und Niederschlagsbildung besonders im Sommer)
 Rauhigkeitseffekt (Abbremsung der Luftströmung und Erhöhung der Turbulenzen infolge
Bebauung  längeres Verweilen der zyklonalen Niederschläge)
 Aerosoleffekt (wesentliche Erhöhung des Aerosolgehaltes über der Stadt  Begünstigung der
Wolkenbildung und -verstärkung

Bild 3.19:
Beeinflussung des Stadt-
klimas (aus BAUMGARTNER,
LIEBSCHER, 1990)

* beabsichtigte Beeinflussungen:
► Ziele der beabsichtigten Beeinflussung:
- Nebelbeseitigung
- Regenvermehrung
- Hagelabwehr
- Wirbelsturmbeeinflussung

► Methodik, Ergebnisse:
- Nebelbeseitigung: örtlich (z.B. auf Flughäfen längs der Start- und Landebahnen) durch Tempe-
raturerhöhung (Infrarotlampen) in bescheidenem Umfang möglich
- Regenvermehrung: durch Impfung der Wolken mit Silberjodid (AgJ) bzw. Trockeneis (Kohlen-
säureschnee)  Beeinflussung von Tröpfchengröße und Temperaturverteilung innerhalb der
Wolken, angewendet vor allem kleinregional in semiariden Gebieten (Erfolgschancen: ≈ 50 %)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 43

- Hagelabwehr: durch gezieltes Beschießen ("Böllerschießen") von Gewitterwolken mit AgJ-


Kristallen  Entstehung vieler kleiner Eiskörner statt weniger großer Hagelkörner (Erfolgschancen:
bei frühzeitiger Gefahrenerkennung (Wolkenradar) und Eingreifen: > 50 %)
- Wirbelsturmbeeinflussung: AgJ-Wolkenimpfung, Reduzierung der Verdunstung aus dem Meer
durch Aufbringen eines dünnen, biologisch abbaubaren Ölfilms (Erfolgschancen: bisher 0 %)

3.8. Schnee
* hydrologische Bedeutung:
- Beeinflussung des Wasserhaushaltes durch vorübergehende Wasserspeicherung in der Schneedecke
und zeitverzögerte Wasserabgabe aus der Schneedecke ( s. Bild 3.20)
- Bedeutung für Wasserhaushaltsuntersuchungen und Hochwasservorhersage

Bild 3.20:
Abhängigkeit des jährlichen mittleren
maximalen Wasservorrates der Schnee-
decke SSmax , der Schneehöhe und der
Schneedichte von der Geländehöhe für
das Erzgebirge (aus GOLF, 1981)

- hydrologisch interessant:
 Wasservorrat (Äquivalentwassergehalt) der Schneedecke, nur indirekt Schneehöhen oder Art
des Schnees (Pulverschnee, nasser Schnee)
 Schnelligkeit der Wasserabgabe aus der Schneedecke (Schneeschmelzmengen)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 44

* Abhängigkeit der Wasserspeichereigenschaften des Schnees:


- vom Wärmeaustausch an der Schneeoberfläche (Strahlung, Konvektion, Kondensation)
- von der Verdichtung infolge Eigengewichts
- vom Einsickern von Schmelzwasser u./o. Regen in die Schneedecke

* Äquivalentwassergehalt der Schneedecke:


- Äquivalentwassergehalt der Schneedecke = gespeicherter Wasservorrat  entscheidende Größe in
Bezug auf die Abschätzung der potentiellen Hochwassergefährdung (konkrete Hochwasser-
gefährdung kann kleiner der potentiellen Gefährdung sein - abhängig von der Geschwindigkeit der
Schneeschmelze)
- Äquivalentwassergehalt messbar durch Ausstechen des Schnees (200 cm2), Aufschmelzen und
Auslitern
- Äquivalentwassergehalt berechenbar aus Schneehöhe und Schneedichte:

WSÄ = 0,01 * ρS * hS (3.12)

mit WSÄ - Äquivalentwassergehalt der Schneedecke [mm]


ρS - Dichte des Schnees [kg/m3 ]
hS - Schneehöhe [cm]

- Problem: Dichte des Schnees von vielen Faktoren abhängig


Hauptfaktoren:
 Zerbrechen im Wind ( vgl. auch Tabelle 3.9)
 Diffusion von Wasserdampf (von wärmeren zu kälteren Schneeschichten)
 Verdichtung infolge Eigengewicht
 Einsickern von Schmelzwasser
 Wiedergefrieren von Schmelzwasser
- höhere Dichte von Altschnee im Vergleich zu Neuschnee (Anhaltswerte s. Tabelle 3.9)  beachte
Schwankungsbreite  Ermittlung des Äquivalentwassergehaltes der Schneedecke auf der Grundlage
von Schneehöhenmessungen und Dichteabschätzungen liefert lediglich grobe Anhaltswerte
- Dilemma: viele Schneehöhenmessungen (dichtes Messnetz), aber wenige Äquivalentwassergehalts-
messungen (Ausstechmethode)

Tabelle 3.9: Anhaltswerte für Schneedichten

Schneebedingungen Dichte der Schneedecke [kg/m3 ]


Windstille schwacher Wind mäßiger Wind starker Wind
lockerer Neuschnee
(Pulverschnee) 50 ... 65 65 ... 80 250 ... 290 300 ... 360
nasser Neuschnee 400 ... 800
sich setzender Pulver-
schnee 70 ... 190
alter Pulverschnee 200 ... 300
Firnschnee 500 ... 800
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 45

* Wasserabgabe aus der Schneedecke infolge Schneeschmelze:


Übersicht über mögliche Methoden zur Erfassung der Schneeschmelze  s. Tabelle 3.10

Tabelle 3.10: Erfassung der Schneeschmelze - Methodenübersicht

Wärmehaushaltsmethoden Gekoppelte Wärme-/Wasserhaus- Empirische Formeln


haltsmethoden
Ausgangspunkt (einfach): Ausgangspunkt:
Zusammenhang zwischen Wärme- und Wasserhaushalt der Schnee- Vereinfachte Wärmehaushalts-
decke: verfahren
Zur Bildung von 1 mm Schmelzwasser wird eine Energie von 330 kJ/m2
benötigt. Umsetzung:
i.d.R. einfache empirische For-
Umsetzung (kompliziert): meln mit wenigen Parametern:
● Wirken einer Vielzahl von Einflussfaktoren auf den Wärmehaushalt: - Lufttemperatur
- Temperatur der Luft und des Bodens - Luftfeuchtigkeit
- Strahlungsangebot - Strahlung
- Luftfeuchtigkeit - Windstärke
- Windverhältnisse
- Wärmezufuhr durch flüssigen Niederschlag Beispiel:
Tagesgradverfahren:
● Erfassung einer Vielzahl von Messgrößen: - Temperatur T
- Temperaturprofile oberhalb der Schneedecke, in der Schneedecke - Tagesgradfaktor k (bewuchs-
und im Boden abhängig)
- Feuchtigkeitsprofile oberhalb der Schneedecke
- Windprofile oberhalb der Schneedecke  geeignet für solche Klimate,
in denen die Schneeschmelze
 Modellierung sehr aufwendig und sehr genau vorrangig durch Advektion
 Methoden wenig praktikabel bedingt ist (z.B. Mitteleuropa)

Berechnungsgleichung Tagesgradverfahren:

S=k*D (3.13)

mit S - Wasserabgabe aus der Schneedecke eines Schneeschmelztages [mm]


D - Tagesmitteltemperatur über der Schmelztemperatur TSCHMELZ (meist TSCHMELZ = 0 °C)
k - Tagesgradfaktor (1,5 ≤ k ≤ 6 mm/Tagesgrad)
k = f (Standortfaktoren, Schneeschmelzverlauf)

Abhängigkeiten der Tagesgradfaktors k von der Vegetation und vom Schneeschmelzverlauf  s. Bild
3.21
Erklärung der Abhängigkeit des Tagesgradfaktors:
- Tagesgradfaktor zu Beginn der Schneeschmelze relativ klein, weil:
 die Schneedecke erst auf 0 °C erwärmt werden muss
 am Anfang nur in den wärmsten Teilen des Gesamtgebietes der Schnee schmilzt
 zu Beginn der Schneeschmelze das Strahlungsabsorptionsvermögen der Schneedecke kleiner
ist als im weiteren Verlauf der Schneeschmelze (Schnee noch weiß)
 die Retention (Speicherung von Schmelzmengen innerhalb der Schneedecke) zunächst die
Wasserabgabe aus der Schneedecke verzögert
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 46

- höchste Werte der Wasserabgabe bei etwa in der Mitte der Schneeschmelze (25 ... 75 % des
ursprünglichen Gesamtwasservorrates zu Beginn der Schneeschmelze):
 Freilandflächen: hohe Tagesgradfaktoren (5 ... (9) mm/Tagesgrad)
 Laubwaldflächen: k ca. 2/3 der Freilandflächen (mittlerer Wind- und Strahlungsschutz)
 Nadelwaldflächen: k ca. 1/3 der Freilandflächen (hoher Wind- und Strahlungsschutz)
- Tagesgradfaktor am Ende der Schneeschmelze wiederum klein, weil:
 ein Teil des Gebietes bereits schneefrei ist

Bild 3.21:
Abhängigkeit des Tagesgradfaktors k von Standort-
faktoren und Schneeschmelzverlauf (aus DUNGER,
2006)

4. Die Verdunstung
4.1. Arten und Bedeutung der Verdunstung
Verdunstung = physikalischer Vorgang, bei dem Wassermoleküle vom flüssigen oder festen Zustand in
den gasförmigen Aggregatzustand bei Temperaturen unterhalb der Siedetemperatur
übergehen, wobei zur Verdunstung von 1 mm Wasser (= 1 l/m2 ) eine Energie von 0,25
kWs/cm2 benötigt wird
Maßeinheit: mm/Zeiteinheit

* Verdunstungsarten:
- Evaporation E: Verdunstung basiert ausschließlich auf der Wirkung physikalischer Gesetze
Evaporationsarten: E0 - Verdunstung freier Wasserflächen
EB - Verdunstung von Boden ohne Vegetationsdecke
ES - Verdunstung von schnee- oder eisbedeckten Flächen
EI - Interzeptionsverdunstung (von der Pflanzenoberfläche)

- Transpiration T: "aktive" Verdunstung durch physiologisch regulierte Abgabe von Wasserdampf


durch die oberirdischen Organe der Pflanzen an die Atmosphäre (aktive Regula-
tion durch Spaltöffnungen)
- Evapotranspiration: Summe aus Evaporation und Transpiration
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 47

* potenzielle und reale Verdunstung:


► potenzielle Verdunstung ETP:
- maximal mögliche Verdunstung eines Standortes unter gegebenen meteorologischen Bedin-
gungen bei optimalem Wasserangebot
- Umsetzung des gesamten Energieangebots
- ETP ausschließlich von meteorologischen (atmosphärischen) Größen abhängig (Temperatur,
Luftfeuchte, Wind, Strahlung)
- Beispiele für potenziell verdunstende Flächen:
 Verdunstung von freien Wasserflächen (Seen, Flüsse ...)
 Verdunstung von feuchtem Boden (nach Regenereignissen bzw. bei Beregnung)
 Verdunstung aus der Schneedecke
► reale (tatsächliche, aktuelle) Verdunstung ETR:
- an einem Standort tatsächlich auftretender Wert der Verdunstung
- ETR abhängig von den atmosphärischen und Boden- und Bewuchsbedingungen
- für ETR gilt folglich: ETR ≤ ETP
- Maximalwert der ETR: ETR = ETP (bei optimalem Wasserdargebot)
- Minimalwert der ETR: ETR = 0 (bei fehlendem Wasser, z.B. nach langer Trockenperiode)
► Beispiele für den Zusammenhang zwischen ETP und ETR:
- generelle Abhängigkeiten (global)  s. Tabelle 4.1
Tabelle 4.1: Monatliche und jährliche Niederschlagsmengen P, potenzielle Verdunstungsmengen
(hier mit Ep bezeichnet) und reale Verdunstungsmengen (hier mit Ea bezeichnet) für
ausgewählte Orte der Erde (alle Werte in mm/Δt)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 48

- polare und subpolare Regionen:


im Jahresmittel gilt: ETR ≈ ETP
im Winter (Polarregion: > 6 Monate, subpolare Region: < 6 Monate): ETR = ETP = 0 mm
- gemäßigte Breiten:
im Jahresmittel gilt: ETR < ETP
im Sommerhalbjahr: ETR << ETP (zumindest in trockenen Sommern)
im Winterhalbjahr: ETR = ETP > 0
- semiaride und aride Regionen:
das ganze Jahr hindurch gilt: ETR << ETP
nur während kurzzeitiger Regenereignisse: ETR ≈ ETP
ETP-Maximalwerte (Jahressumme der ETP):
Chad-See: ETP ≈ 2200 mm/a (semiarid: P ≈ 300 - 500 mm/a)
Najran-Gebiet (Saudi Arabien): ETP ≈ 2700 mm/a (arid: P < 250 mm/a)
Sahara: ETP > 3500 (> 4000) mm/a (hyper-arid: P ≈ 0 mm/a)
- Tropen:
im Jahresmittel gilt: ETR ≈ ETP >> 0 (wegen der hohen Niederschläge, vgl. Tabelle 4.1)

* Einflussfaktoren auf die Verdunstung:


- Atmosphäre (Energie- und Wasserdargebot)
- Vegetationsdecke (Energieumwandlung, Wassertransport und -speicherung)
- Boden (Energieumwandlung und -speicherung, Wassertransport und -speicherung)
 Abhängigkeit der Verdunstungshöhe vom Energie- und Wasserangebot sowie von Boden- und
Vegetationsbedingungen (Standortfaktoren)  s. Bild 4.1

Bild 4.1:
Die reale Verdunstung im System Boden-
Pflanze-Atmosphäre
(nach DYCK, PESCHKE, 1995)

* Bedeutung der Verdunstung:


- entscheidende Wasserbilanzgröße (ca. 64 % des Niederschlages der Erde verdunsten (Ostdeutsch-
land: ca. 76 % im langjährigen Mittel, Westdeutschland ca. 63 %)
- Beeinflussung der Verdunstungsmengen durch globale Klimaveränderungen
- Veränderung der Verdunstung durch anthropogene Eingriffe (vgl. auch Abschnitt 2.3):
 Abholzen der Wälder, Waldsterben
 Flussausbau, Wasserentnahmen, -einleitungen, -überleitungen, Bau von Stauanlagen
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 49

 Landwirtschaft (Bodenbearbeitung, Zwischenfruchtanbau, Be- und Entwässerung)


 Bergbau: Grundwasserabsenkungen, Restlochseen
 Bebauung (Versiegelung) von großen Flächen
- für Mitteleuropa gilt: Verdunstungserhöhung um 10 %  Abflussrückgang um ca. 30 %
- große Bedeutung einer Quantifizierung (Messung, Berechnung) der Verdunstung

4.2. Überblick über Methoden zur Messung der Verdunstung


* Methodenüberblick:  Bild 4.2

Bild 4.2:
Überblick über Methoden zur
Bestimmung der Verdunstung

* Kurzcharakteristik von Wasser- und Energiebilanzmethoden:


►Wasserbilanzmethode:
- Anwendung der Wasserhaushaltsgleichung (vgl. auch Gleichungen 2.1 und 2.2):

ET = P – R – ΔS (4.1)

mit ET - Evapotranspiration [mm/Δt]


P - Niederschlag [mm/Δt]
R - Abfluss [mm/Δt]
ΔS - Speicheränderung [mm/Δt]

- Messung von P, R und ΔS


- Berechnung von ET mittels Wasserhaushaltsgleichung

►Energiebilanzmethode (Wärmehaushaltsmethode):
- Anwendung der Energiebilanzgleichung:

ET' = RN – B – H (4.2)

mit ET' - Verdunstungswärme [kJ / (m2 * Δt)]


RN - Gesamtstrahlung (Summe aus kurz- und langwelliger Strahlung) [kJ / (m2 * Δt)]
B - turbulenter Wärmestrom von der Bodenoberfläche zur Atmosphäre [kJ / (m2 * Δt)]
H - Bodenwärmestrom [kJ / (m2 * Δt)]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 50

- Messung von RN, B und H


- Messung vieler, z.T. komplizierter Größen notwendig ( Energiebilanzmethode selten ange-
wendet)
- Berechnung der ET über den Zusammenhang zwischen Energie- und Wasserhaushalt:

ET = 100 ET'/ (ρ * r) (4.3)

mit ET - reale Verdunstung [mm/Δt]


ET' - Verdunstungswärme [kJ / (m2 * Δt)]
ρ - Dichte des Wassers [kg/m3]
r - spezifische Verdampfungswärme des Wassers [kJ/kg]

4.3. Wasserhaushaltsmethode
* Atmometer:
- sehr einfache Form der Verdunstungsmessung durch immer feuchte Keramik- oder Papierscheiben
- keine hohe Genauigkeit infolge „Oaseneffekt“

* Messung der potenziellen Verdunstung mittels Verdunstungskessel:


- am häufigsten verwendetes Gerät zur Messung der ETP (> 50 Typen/Größen weltweit)
- einfacher Messaufbau  Beispiele für Verdunstungskessel s. Bild 4.3
- Aufbau auf bewachsenem oder unbewachsenem Boden mit ca. 15 cm Bodenabstand
- fast vollständig mit Wasser gefüllt (5 - 7,5 cm unterhalb der oberen Ringkante)
- in ariden und semiariden Gebieten: Abdeckung mittels Netz (Stop Wasser trinkende Tiere)

Bild 4.3:
Verdunstungskessel des U.S. Weather
Bureau (Class A Evaporation Pan), Foto:
Wikipedia

- Kesselverdunstungswerte generell höher im Vergleich zu anderen Methoden


- Ursache: vergleichsweise kleine Kesseloberfläche  Fehler
- Fehlerkompensation notwendig (mittels empirischen Kesselkoeffizienten):

ETP = kKessel * EPKessel (4.4)

mit ETP - korrigierte potenzielle Verdunstung [mm/Δt]


kKessel - empirischer Kesselkoeffizient (s. beispielhaft Tabelle 4.2)
EPKessel - Wert der (potenziellen) Kesselverdunstung
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 51

Tabelle 4.2: Empfohlene Kesselkoeffizienten kKessel für den U.S. Weather Bureau Class A Kessel für
verschiedene Bewuchs- und meteorologische Bedingungen
Windge- Größe der um- Relative Luft- Relative Luft- Relative Luft-
schwindigkeit gebenden Fläche feuchte: feuchte: feuchte:
[m/s] (gegen Wind) [m] < 40 % 40 - 70 % > 70 %

< 2 (gering) 0 0,55 (0,70) 0,65 (0,80) 0,75 (0,85)


10 0,65 (0,60) 0,75 (0,70) 0,85 (0,80)
100 0,70 (0,55) 0,80 (0,65) 0,85 (0,75)
1000 0,75 (0,50) 0,85 (0,60) 0,85 (0,70)

2 - 5 (mäßig) 0 0,50 (0,65) 0,60 (0,75) 0,65 (0,80)


10 0,60 (0,55) 0,70 (0,65) 0,75 (0,70)
100 0,65 (0,50) 0,75 (0,60) 0,80 (0,65)
1000 0,70 (0,45) 0,80 (0,55) 0,80 (0,60)

5 - 8 (stark) 0 0,45 (0,60) 0,50 (0,65) 0,60 (0,70)


10 0,55 (0,50) 0,60 (0,55) 0,65 (0,65)
100 0,60 (0,45) 0,65 (0,50) 0,70 (0,60)
1000 0,65 (0,40) 0,70 (0,45) 0,75 (0,55)

> 8 (sehr stark) 0 0,40 (0,50) 0,45 (0,60) 0,50 (0,65)


10 0,45 (0,45) 0,55 (0,50) 0,60 (0,55)
100 0,50 (0,40) 0,60 (0,45) 0,65 (0,50)
1000 0,55 (0,35) 0,60 (0,40) 0,65 (0,45)

nicht in Klammern: Werte für Kessel, umgeben mit kurzem Grasbewuchs


in Klammern: Werte für Kessel, umgeben von unbewachsener Fläche

- häufig genutzte Verdunstungskessel sowie Unterschiede in den Messwerten  s. Tabellen 4.3 und 4.4
- häufiger Anwendungsfall von Verdunstungskesseln: für die Beregnungsüberwachung
- Auswertung von Kesselverdunstungsmessungen  s. Übung 7 (Teilaufgabe a)

Tabelle 4.3: Weltweit häufig genutzte Verdunstungskessel


Kesseltyp Land Kesselinstallation Kesseltiefe [m] Fläche [m2]

Class A Pan USA über der Bodenoberfläche auf einem Holz- 0.225 1.14
rahmen

3-m2-Kessel BRD Kessel im Erdboden 0.6 3.0


Ungarn Kesseloberkante in Erdbodenhöhe

20-m2-Kessel Russland Kessel im Erdboden 2.0 20.0


Kesseloberkante in Erdbodenhöhe

GGJ 3000 Russland Kessel im Erdboden 0.6 0.3


Kesseloberkante in Erdbodenhöhe

Bemerkung: Russischer 20-m2-Kessel ist von der World Meteorological Oraganization WMO als Eichgerät empfohlen

Tabelle 4.4: Vergleich gemessener Kesselverdunstungswerte (russischer 20-m2-Kessel = 100 %)


Kesseltyp gemessene Verdunstungsunterschiede [%]

20-m2-Kessel (Russland) (100.0)

Class A Pan (USA) 118.2


3-m2-Kessel (BRD, Ungarn) 104.7
GGJ 3000 (Russland) 115.0
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 52

* Messung der Verdunstung freier Wasserflächen mittels Floßverdunstungskessel:


- analog Evaporimeter für die Messung der Seeverdunstung
- Montage auf Flöße (Prinzip  s. Bild 4.4)
- ermittelte Verdunstungswerte sind meist zu hoch (Flöße und Kessel erwärmen sich stärker als die
Seeoberfläche)

Bild 4.4:
Messprinzip beim Floßver-
dunstungskessel
(aus SCHRÖDER U.A., 1994)

* Messung der realen Verdunstung mittels Lysimeter:


Lysimeter = - Gerät zur Messung der realen (selten der potenziellen) Verdunstung
- Auffangen des Sickerwassers an der Basis des Lysimeters
- Messung der Sickerwassermengen (ggf. der Oberflächenabflussmengen)
- Bestimmung der Verdunstung mittels Wasserhaushaltsgleichung
►Ziel von Lysimteruntersuchungen:
- Ermittlung der realen Verdunstung für Landflächen (vereinzelt auch der potenziellen Ver-
dunstung)
- Ermittlung von Sickerwasser- und Grundwasserneubildungsraten
- Untersuchungen zum Bodenwasserhaushalt
 Erfassung der physikalischen Zusammenhänge zwischen Verdunstung und bodenkundlichen,
vegetationsspezifischen und meteorologischen Kenngrößen
 Untersuchungen zum Kapillaraufstieg
 Untersuchungen zur Abflussbildung
►Lysimeterarten:
- wägbare Lysimeter
- nicht wägbare Lysimeter
- natürliche Lysimeter (Großlysimeter)
►wägbare Lysimeter (wägbare Kleinlysimeter):
- meistgenutztes Gerät zur Messung der realen Verdunstung für landwirtschaftliche Kulturen
- Bodenmonolith, mit gleichen Bedingungen wie in der Umgebung (Boden, Vegetation), von der
Umgebung isoliert
- gemessene Verdunstungswerte sind nur für die unmittelbare Umgebung des Lysimeters re-
präsentativ
- konstruktive Gestaltung ( vgl. Bild 4.5):
 verschiedene Lysimeterdurchmesser, meist zwischen 0.5 m und 2.0 m
 Lysimeter sollte einen im Vergleich zur Umgebung wenig gestörten Bodenaufbau enthalten
 ähnliche thermische, wasserhaushaltliche und Bodeneigenschaften wie Umgebung
 Vegetation sollte der der Umgebung entsprechen (Höhe, Dichte, Aussehen)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 53

 Messung der Sickerwassermengen und der Masseänderungen des Lysimeters (als Maß für die
Bodenspeicheränderung)
 häufige Konstellation: Lysimeterfelder mit 2 oder mehr Lysimetern (statistische Sicherheit)
 bei Lysimetereinsatz zur ETP-Bestimmung: ständiges Feuchthalten des Lysimeters
 Problem in der Vergangenheit: Messung von Masseänderungen im Grammbereich bei
Gesamtmassen der Lysimeter von einigen Tonnen  Problem gelöst durch den Einsatz von
pneumatischen und elektronischen Spezialgeräten (Genauigkeit: 0,05 mm)
 größte Anlagen: Oberflächen bis zu 8 m2 und 100 t Gesamtmasse
- Anwendungsbereich wägbarer Lysimeter begrenzt auf Vegetation, die mittels Bodenmonolith
erfassbar ist:
 z.B. geeignet für landwirtschaftliche Kulturen
 nicht geeignet für Waldstandorte  Großlysimeter (s.u.), Energiebilanzmethode

Bild 4.5:
Prinzip des wägbaren Lysimeters
(Vertikalschnitt), aus SCHRÖDER
U.A, (1994)

- Anwendung der Wasserhaushaltsgleichung zur Bestimmung der Verdunstung:


a) reale Verdunstung: ETR = P – RO – RU – ΔS (4.5)
b) potenzielle Verdunstung: ETP = P + PZ – RO – RU – ΔS (4.6)

mit ETR - reale (aktuelle) Evapotranspiration [mm/Δt]


ETP - potenzielle (maximal mögliche) Evapotranspiration [mm/Δt]
P - Niederschlag [mm/Δt]
PZ - zusätzliche Beregnungsmenge zum Feuchthalten des Lysimeters [mm/Δt)
RO - Oberflächenabfluss [mm/Δt], meist RO = 0 (wegen der horizontalen Oberfläche)
RU - Sickerwassermenge (Versickerung) [mm/Δt], gemessen an der Lysimeterbasis
ΔS - Bodenspeicheränderung (Massedifferenz, gemessen mittels Spezialwaagen)

- Fehlerquellen bei Lysimetermessungen:


 Störung des natürlichen Bodenfeuchteverlaufes durch Kapillarkräfte an der Lysimeterbasis
(Staunässe)  Verdunstungserhöhung (Abhilfe durch Einbau einer Kiesschicht an der
Lysimetersohle bzw. durch Absaugen des Kapillarwassers)
 Randeffekte (bevorzugte Sickerwege an der Lysimeterwandung)
 Lysimeterverdunstung = Punktwert  Fehler bei der Übertragung auf ein Gebiet
- Auswertung von Lysimeterbeobachtungen:  s. Übung 7 (Teilaufgabe b)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 54

► nicht wägbare Lysimeter (nicht wägbare Kleinlysimeter):


- konstruktive Gestaltung analog wägbaren Lysimetern, jedoch keine Wägung möglich
- Messung von P, RO und RU analog wägbarer Lysimeter
- Messung der Bodenspeicheränderung mittels Bodenfeuchtemessgeräten
- Anwendung der Wasserhaushaltsgleichung (2.1) zur Verdunstungsberechnung
► natürliche Lysimeter (Großlysimeter):
- Kleinlysimeter versagen bei Wald  Nutzung von größeren Gebieten als Lysimeter
- Voraussetzungen: horizontal und vertikal abgeschlossenes Gebiet (z.B. wasserundurchlässige
Abgrenzung nach unten durch entsprechende geologische Schichten im Untergrund)
- Messmethode analog nichtwägbaren Kleinlysimetern (s.o.)

* weitere Methoden zur Messung der realen Verdunstung:


- Bodenfeuchtemessungen  Bodenfeuchteabnahme in niederschlagsfreier Zeit = Maß für die reale
Verdunstung  1 Vol.-% Bodenfeuchteabnahme je dm Bodenschicht = 1 mm Verdunstungshöhe
 Anwendungsbeispiel  s. Übung 8
- Messungen des Saftflusses von Pflanzen  Maß für die reale Transpiration  Prinzip: Beheizung
zweier im Abstand von 10 – 15 cm an der Stammnordseite eingebauter Nadeln mit Kupfer-
Konstantan-Thermoelemeneten  Temperaturdifferenz = Maß für die reale Transpiration
- Jahresringbreite von Bäumen  Maß für jährliche Transpirationsmengen

4.4. Berechnung der potenziellen Verdunstung mittels empiri-


scher Formeln
* Grundanliegen:
- Lysimeteruntersuchungen nicht flächendeckend durchführbar (Kosten)  Entwicklung von
empirischen Formeln auf der Grundlage vergleichender (Lysimeter-)Untersuchungen
- Korrelation von Verdunstungsmessungen mit meteorologischen Messgrößen, meist Temperatur,
Strahlung (Globalstrahlung, Sonnenscheindauer), Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit
* in Deutschland am häufigsten angewendete Formeln:
- PENMAN-Formel
- TURC-Formel in Kombination mit der IVANOV-Formel
- HAUDE-Formel
* PENMAN-Formel:
- Einflussgrößen: Temperatur, Globalstrahlung, Sonnenscheindauer, Feuchte, Windgeschwindigkeit
- PENMAN-Formel (für tägliche Werte der potenziellen Verdunstung):
T + 22 0.6 * RG U
ETPPENMAN = 2.3 * ───── * [ ───── + 0,66 * (1 + 1,08 * v2 ) * (1 - ── ) * SR ] (4.7)
T + 123 L 100
mit ETPPENMAN - Tageswert der potenziellen Verdunstung nach PENMAN [mm/d]
T - Tagesmittel der Lufttemperatur in 2 m Höhe [oC]
RG - Tagessumme der Globalstrahlung [J/cm2]
L - Verdunstungsenthalpie (Verdunstungswärme) [J/cm2], Werte s. Tabelle 4.5
v2 - Tagesmittel der Windgeschwindigkeit in 2 m Höhe [m/s]
U - Tagesmittel der relativen Luftfeuchte in 2 m Höhe [%]
SR - Verhältnis der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer SO (s. z.B. Tabelle 4.6) zu der
bei Tag- und Nachtgleiche (SO / 12 h), SO [h]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 55

Tabelle 4.5: Zusammenhang von Temperatur und Verdunstungsenthalpie

Temperatur T [°C] -9 -8 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0
Enthalpie L [J/cm2 ] 283 283 283 283 283 283 283 283 283 250
Temperatur T [°C] 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Enthalpie L [J/cm2 ] 250 249 249 249 249 248 248 248 248 247
Temperatur T [°C] 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
Enthalpie L [J/cm2 ] 247 247 247 246 246 246 246 245 245 245
Temperatur T [°C] 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
Enthalpie L [J/cm2 ] 245 245 244 244 244 244 243 243 243 243

Tabelle 4.6: Maximal mögliche tägliche Sonnenscheindauer [h/d] in Abhängigkeit von der geographischen
Breite (Nordhalbkugel), bezogen auf die Monatsmitte

Geogr. Breite Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
46° n. Br. 9,2 10,3 11,9 13,5 15,0 15,7 15,3 14,1 12,6 10,9 9,6 8,6
47° n. Br. 9,0 10,3 11,9 13,6 15,1 15,8 15,5 14,2 12,6 10,9 9,4 8,5
48° n. Br. 8,8 10,2 11,9 13,6 15,2 16,0 15,6 14,3 12,6 10,9 9,3 8,3
49° n. Br. 8,7 10,2 11,9 13,7 15,3 16,2 15,8 14,4 12,7 10,8 9,2 8,2
50° n. Br. 8,6 10,2 11,9 13,8 15,4 16,4 15,9 14,5 12,7 10,8 9,1 8,1
51° n. Br. 8,5 10,1 11,9 13,9 15,5 16,5 16,1 14,6 12,7 10,8 9,0 8,0
52° n. Br. 8,3 10,0 11,9 13,9 15,7 16,7 16,3 14,6 12,7 10,7 8,9 7,8
53° n. Br. 8,2 9,9 11,9 14,0 15,9 16,9 16,4 14,8 12,7 10,6 8,7 7,6
54° n. Br. 8,0 9,9 11,9 14,1 16,1 17,1 16,6 14,9 12,7 10,6 8,6 7,4
55° n. Br. 7,9 9,8 11,9 14,2 16,2 17,3 16,7 15,0 12,7 10,6 8,5 7,3

- astronomisch mögliche (maximale) Sonnenscheindauer auch berechenbar


- für Deutschland gilt näherungsweise:
So = 12,3 + sin ζ [4,3 + (ζ – 51) / 6] (4.8)
mit: ζ = 0,0172 * TG – 1,39 (4.9)

mit So - astronomisch mögliche Sonnenscheindauer [h/d]


TG - fortlaufender Tag des Jahres (1. Jan. = 1, 31. Dez. = 365)
ζ - geographische Breite [° n. Br.]

- Verdunstungsenthalpie L ebenfalls berechenbar (für T < 0 °C: L = 283 J/cm2 ):


L = 249,8 –- 0,242 T (für T ≥ 0 °C) (4.10)
2
mit L - Verdunstungsenthalpie [J/cm ]
T - durchschnittliche Tagesmitteltemperatur [°C]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 56

- Vorteile der PENMAN-Formel:


 genaueste empirische Formel
 Berücksichtigung der wesentlichen die Verdunstung beeinflussenden Parameter
- Nachteile der PENMAN-Formel:
 Formel setzt Kenntnis einer Vielzahl von Parametern voraus
 oftmals nicht alle notwendigen Parameter vorhanden  Anwendung der PENMAN-Formel nicht
möglich
 Handhabung komplizierter als bei anderen Formeln

* TURC-Formel:
- Einflussgrößen: Temperatur, Luftfeuchte und Globalstrahlung
- TURC-Formel (für tägliche Werte der potenziellen Verdunstung):

ETPTURC = 0,0031 * C * T * (RG + 209) / (T + 15) (4.11)

mit: C = 1 + [(50 - U) / 70] für U < 50 % (4.12)


C=1 für U ≥ 50 % (4.13)
mit: ETPTURC - Tageswert der potenziellen Verdunstung nach TURC [mm/d]
T - Tagesmittel der Lufttemperatur in 2 m Höhe [°C]
RG - Tagessumme der Globalstrahlung [J/cm2]
U - Tagesmittel der relativen Luftfeuchte in 2 m Höhe [%]

- Vorteile der TURC-Formel:


 für die meisten Anwendungsfälle ähnlich genau wie die PENMAN-Formel
 einfach in der Handhabung (vergleichsweise wenige Parameter)

- Nachteile der TURC-Formel:


 nicht alle die Verdunstung beeinflussenden Größen enthalten (z.B. Windeinfluss)
 nicht anwendbar für Temperaturen < 0 °C, ungenau für Temperaturen < 5 °C
 TURC-Formel liefert bei Anwendung unter mitteleuropäischen Bedingungen im Jahresmittel um 10
% zu geringe Werte  Empfehlung des DVWK: Erhöhung der Werte um 10 %

* IVANOV-Formel:
- Einflussgrößen: Temperatur und Luftfeuchte
- IVANOV-Formel (für tägliche Werte der potenziellen Verdunstung):

ETPIVANOV = 3,6 * 10-5 * (25 + T)2 (100 – U) (4.14)

mit ETPIVANOV - Tageswert der potenziellen Verdunstung nach IVANOV [mm/d]


T - Tagesmittel der Lufttemperatur in 2 m Höhe [°C]
U - Tagesmittel der relativen Luftfeuchte in 2 m Höhe [%]

- Vorteile der IVANOV-Formel:


 für geringe Temperaturen (T < 5 °C) recht genau (anwendbar -25 °C ≤ T ≤ 5 °C)
 ähnlich einfach in der Handhabung wie die TURC-Formel
- Nachteile der IVANOV-Formel:
 nicht alle die Verdunstung beeinflussenden Größen enthalten (Wind- und Strahlungseinflüsse)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 57

* HAUDE-Formel:
- Einflussgröße: Luftfeuchte (indirekt: Temperatur)
- HAUDE-Formel (für tägliche Werte der potenziellen Verdunstung):

ETPHaude = f [es (T) * (1 - U/100)] (4.15)

mit ETPHaude - potenzielle Evapotranspiration nach HAUDE [mm]


T - Lufttemperatur zum Messzeitpunkt 14:00 Uhr MEZ [°C]
U - relative Luftfeuchtigkeit zum Messzeitpunkt 14:00 Uhr MEZ [%]
f - monatsabhängiger HAUDE-Faktor [mm/(hPa * d)], (vgl. Tabelle 4.7)
es - Sättigungsdampfdruck der Luft über Wasser zum Messzeitpunkt 14:00 Uhr MEZ [hPa],
es temperaturabhängig (vgl. Bild 4.6 und Gleichungen 4.16 und 4.17)

Tabelle 4.7: Monatsvariable HAUDE-Faktoren f [mm/(hPa * d)]

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
f 0,22 0,22 0,22 0,29 0,29 0,28 0,26 0,25 0,23 0,22 0,22 0,22

Bild 4.6:
Temperaturabhängige Sättigungsdampf-
druckkurve

- Berechnung der Sättigungsdampfdruckkurve:

es = 6,11 * e (17,62 T / (243,12 + T)) für T ≥ 0 °C (4.16)


es = 6,11 * e (22,46 T / (272,62 + T)) für T < 0 °C (4.17)
mit es - Sättigungsdampfdruck der Luft über Wasser [hPa]
T - Lufttemperatur zum Messzeitpunkt 14:00 Uhr MEZ [°C]

- Vorteile der HAUDE-Formel:


 einfache Handhabung
 geringe Anforderungen an Datenmaterial

- Nachteil der HAUDE-Formel:


 für Tageswerte der potenziellen Verdunstung recht ungenau
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 58

* Abgleich der potenziellen Verdunstungswerte:


- mittels empirischer Formeln berechnete ETP-Werte gelten nur für Grasvegetation und ebene
Flächen  für andere Vegetationsarten und für Hangflächen Abgleich notwendig
- Nutzungsabgleich:
ETPNutz. = kC * ETP (4.18)

mit ETPNutz. - nutzungskorrigierter Wert der potenziellen Verdunstung [mm/d]


ETP - Wert der potenziellen Verdunstung nach empirischen Formeln [mm/d]
kC - Abgleichfaktor bezüglich der Nutzung des Standortes (Werte s. z.B. Tabelle 4.8)

Tabelle 4.8: Monatsvariable Bestandskoeffizienten kC für verschiedene Pflanzenarten

Pflanzenart Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov -
Feb
Mähweide 1,00 1,00 1,05 1,10 1,10 1,05 1,05 1,00 1,00
Winterweizen 0,80 0,85 1,15 1,45 1,40 1,00 0,80 0,70 0,65
Wintergerste 0,85 0,95 1,30 1,35 1,25 - - - 0,65
Sommergerste 0,80 0,90 1,20 1,35 1,20 - - - -
Winterroggen 0,85 0,90 1,20 1,30 1,25 0,95 0,80 0,70 0,65
Hafer 0,65 0,70 1,10 1,45 1,35 0,95 - - -
Zuckerrüben - 0,50 0,75 1,05 1,40 1,30 1,10 0,85 -
Kartoffeln - 0,50 0,90 1,05 1,45 1,20 0,90 - -
Winterraps 0,85 1,00 1,35 1,35 1,10 0,85 - - 0,65

- Expositions- und Hangneigungsabgleich:

ETPH = H * ETP (4.19)

mit ETPH - hangneigungs- und expositionskorrigierter Wert der potenziellen Verdunstung [mm/d]
H - Hangneigungsfaktor [ ] (expositionsabhängig, vgl. Bild 4.7)

Bild 4.7:
Hangneigungsfaktoren für verschiedene Exposi-
tionen (nach JUNGHANS, 1969)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 59

* Berechnung der Globalstrahlung aus Werten der Sonnenscheindauer:


- Messwerte der Globalstrahlung nicht immer vorhanden
- Berechnung von täglichen Werten der Globalstrahlung aus Werten der Sonnenscheindauer
möglich:

RG = Ro [0,19 + 0,55 (S / So )] (4.20)

mit RG - mittlere Tagessumme der Globalstrahlung [J/cm2]


Ro - extraterrestrische Strahlung [J/cm2], s. Tabelle 4.9 bzw. Gleichung 4.21
S - tatsächliche Sonnenscheindauer [h/d]
So - astronomisch mögliche (maximal mögliche) Sonnenscheindauer [h/d], s. Tabelle 4.6

Tabelle 4.9: Extraterrestrische Strahlung [J/(cm2 * d)] in Abhängigkeit von der geographischen Breite
(Nordhalbkugel), bezogen auf die Monatsmitte

Geogr.
Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Breite
46° n. Br. 1165 1711 2495 3303 3905 4170 4036 3535 2799 1989 1322 1014
47° n. Br. 1104 1652 2444 3270 3891 4199 4028 3510 2756 1932 1261 954
48° n. Br. 1043 1592 2394 3236 3876 4163 4019 3485 2712 1876 1201 893
49° n. Br. 982 1532 2343 3203 3862 4159 4011 3460 2669 1819 1140 833
50° n. Br. 921 1472 2292 3170 3848 4156 4003 3435 2625 1763 1079 773
51° n. Br. 862 1411 2238 3133 3831 4150 3992 3406 2577 1704 1019 716
52° n. Br. 803 1350 2184 3096 3813 4145 3981 3377 2530 1646 960 659
53° n. Br. 745 1290 2130 3058 3796 4139 3970 3349 2482 1587 900 602
54° n. Br. 686 1229 2076 3021 3778 4134 3959 3320 2435 1529 841 545
55° n. Br. 627 1168 2022 2984 3761 4128 3948 3291 2387 1470 781 488

- Berechnung der extraterrestrischen Strahlung:

Ro = 245 [9,9 + 7,08 sin ζ + 0,18 (φ – 51) (sin ζ – 1)] (4.21)

mit Ro - extraterrestrische Strahlung [J/cm2]


φ - geographische Breite [° n. Br.]
ζ - analog Gleichung 4.9

* Beispiele für Anwendungsbereiche von empirischen Verdunstungsformeln:


- Berechnung der Verdunstung von Oberflächengewässern (Seen, Talsperren, Flüssen ...)
- Berechnung der Verdunstung von Feuchtflächen (Flächen mit oberflächennahem Grundwasser-
spiegel)
- oft erster Schritt zur Berechnung der realen Verdunstung
- Berechnung der Verdunstung im Winterhalbjahr (Deutschland: ETR ≈ ETP)
- Verdunstungsberechnung beregneter Flächen
- Anwendungsbeispiele  s. Übung 7 (Teilaufgabe c)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 60

4.5. Klimatische Wasserbilanz


* Definition, Ziel der klimatischen Wasserbilanz:
- Definition: Gegenüberstellung von Niederschlag und potenzieller Verdunstung P – ETP
- Ziel: Überblick über Überschuss- und Defizitperioden

* Methodik:
- Gegenüberstellung meist monatlicher Werte des Niederschlages und der potenziellen Verdunstung
- klimatische Wasserbilanzen sowohl in Form langjähriger mittlerer Monatsbilanzen als auch für
konkrete Witterungsabschnitte (z.B. für ein Trockenjahr, Nassjahr, eine Trockenperiode) möglich
- Recherche und ggf. Aufbereitung (Korrektur) der Niederschlagswerte (DWD, eigene Messungen)
- Berechnung der potenziellen Verdunstung (z.B. durch die Anwendung empirischer Formeln
- Berechnung von P – ETP
- Darstellung der Ergebnisse entweder in Tabellenform oder als Abbildung
- Beispiele für klimatische Wasserbilanzen  s. Tabelle 4.10 sowie Bilder 4.8 und 4.9

Tabelle 4.10: Klimatische Wasserbilanz für den Raum Oschatz (alle Werte in mm)
a) langjährige mittlere klimatische Wasserbilanz

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr

P 41 37 41 51 62 65 60 67 49 41 49 58 621
ETP 11 3 19 48 86 101 107 93 59 35 13 11 586
Ü 30 34 22 3 - - - - - 6 36 47 35
D - - - - 24 36 47 26 10 - - - -

b) klimatische Wasserbilanz für ein Trockenjahr

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr

P 72 24 11 33 17 20 89 44 34 68 47 48 507
ETP 20 9 6 69 110 118 116 106 64 26 15 11 670
Ü 52 15 15 - - - - - - 42 32 37 -
D - - - 36 93 98 25 62 30 - - - 163

P - Niederschlag (korrigiert) ETP - potenzielle Verdunstung Ü - Überschuss D – Defizit

Bild 4.8:
Langjährige mittlere klimatische Wasser-
bilanz für den Raum Oschatz
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 61

Bild 4.9:
Klimatische Wasserbilanz eines Trocken-
jahres für den Raum Oschatz

- Erstellen und Darstellen einer klimatischen Wasserbilanz  s. Übung 7 (Teilaufgabe d)

4.6. Methoden zur Berechnung der realen Verdunstung


* Ziele der Berechnung der realen Verdunstung:
- Berechnung der Grundwasserneubildung (Sickerwassermengen zum Grundwasser)  meist
langjährige Mittel der realen Verdunstung von Interesse
- Untersuchungen zum Bodenwasserhaushalt, zur Beregnungswürdigkeit landwirtschaftlicher Flächen,
für Wachstums- und Ertragsprognosen der Land- und Forstwirtschaft  aktuelle Werte der realen
Verdunstung  vgl. Bodenwasserhaushaltsmodellierung, s.u.
- Quantifizierung der Auswirkungen anthropogener Landnutzungsänderungen
- Teil numerischer Wetterprognose- und Klimamodelle
* TURC-Formel zur Abschätzung der langjährigen mittleren realen Jahresverdunstung:
- Achtung!: keine sehr genaue Methode, lediglich Abschätzung  ungefähre Jahreswerte
- keine Berücksichtigung verschiedener Bewuchs- und Nutzungsarten, Bodenarten, ...
- Basis: Datenreihen von 254 Einzugsgebieten aus allen Teilen der Welt  Anwendung nicht auf
Deutschland beschränkt
- Anwendung der TURC-Formel  s. Übung 9 (Teilaufgabe a)
- TURC-Formel zur Abschätzung des langjährigen Jahreswertes der realen Verdunstung:

ETRTURC = P / [0,9 + (P / IT) 2 ] 0.5 (4.22)


wobei IT = 300 + 25 * T + 0,05 * T 3 (4.23)

mit ETRTURC - langjährig mittlerer Jahreswert der realen Verdunstung nach TURC [mm/a]
P - langjährig mittlere Jahressumme des unkorrigierten Niederschlages [mm/a]
T - langjähriges Jahresmittel der Lufttemperatur [°C]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 62

* Berechnung langjähriger Mittelwerte der realen Verdunstung mittels BAGROV-Verfahren:


- Anwendung der Wasserhaushaltsgleichung für wenig geneigtes Gelände (RO  0)
- Bestimmung der realen Verdunstung als Restglied der Wasserhaushaltsgleichung
- reale Verdunstung ETR = f ┬ Atmosphäre (Energiedargebot ETP, Feuchtedargebot P)
└ Standortbedingungen ┬ Boden (Bodenart, Wasservorrat)
└ Nutzung (Nutzungs- und Pflanzenart)
- Umsetzung der allgemeinen Zusammenhänge  BAGROV-Gleichung:

d ETR ETR
──── = 1 – [ ─── ] n (4.24)
dP ETP

mit ETR - langjähriges Mittel der realen Jahresverdunstung [mm/a]


ETP - langjähriges Mittel der potenziellen Jahresverdunstung [mm/a]
P - langjährige korrigierte Jahresniederschlagsmenge [mm/a]
n - Effektivitätsparameter [ ] (standortabhängige Effektivität der realen Verdunstung, s.u.)

 Berücksichtigung des Energiedargebots (repräsentiert durch ETP)


 Berücksichtigung des Feuchtedargebots (repräsentiert durch P)
 Berücksichtigung der Standortbedingungen (repräsentiert durch n)

- Integration der BAGROV-Gleichung:

ETR d ETR
P = ∫ ────────── (4.25)
0
1 - (ETR / ETP) n

(alle Größen  s. Gleichung 4.24)

- Ergebnis der numerischen Integration  s. Bild 4.10

Bild 4.10: Graphische Umsetzung der BAGROV-Beziehung (nach DYCK U.A., 1978)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 63

►Ermittlung des Effektivitätsparameters n:


a) Einflussgrößen auf n:
- Landnutzung (Nutzungsform)
- Bodenart
- Grundwasserflurabstand
b) Nutzungsform:
- Einteilung der Nutzung des Gebietes in:
 Ackerland
 Waldflächen
 Gewässerflächen
 bebaute (versiegelte) Flächen
- s. topographische Karten, Messtischblätter, Luftbilder ...
c) Bodenart:
- Unterteilung in Hauptbodenarten entsprechend "Bodenkundlicher Kartieranleitung" in Sande (S),
Schluffe (U), Lehme (L) und Tone (T) jeweils mit Unterbodenart
- s. Bodenschätzungskarten, Karten der forstlichen Standortkartierung, Karten der Landwirtschaft,
eigene Untersuchungen
d) mittlerer langjähriger Grundwasserflurabstand:
- Berücksichtigung des Wasseraufstieges aus dem Grundwasser infolge Kapillarität
- Aufstiegsmengen abhängig von der Bodenart und von der Tiefe der Pflanzenwurzeln
- s. Grundwasserflurabstandskarten, Karten der Grundwasserstände (sog. Hydroisohypsenpläne 
vgl. Vorlesung Hydrogeologie I)
Im Ergebnis der Punkte b) bis d) untergliedert man das Untersuchungsgebiet in Hydrotope
(Flächen mit vergleichbaren hydrologischen Eigenschaften).
e) Arbeitsschritte bei der Abarbeitung des Verfahrens:
(1) Unterteilung des Gesamtgebietes hinsichtlich verschiedener langjähriger mittlerer Gebiets-
niederschlagswerte (vgl. Abschnitt 3.4), ggf. Korrektur der Niederschlagswerte
(2) Berücksichtigung von Wassermengen durch Beregnungsmengen WB (Beregnungsmengen
sind zu den Werten des korrigierten Niederschlages zu addieren, vgl. Arbeitsschritt 10)
(3) Ermittlung der langjährigen mittleren Verdunstung (vgl. Abschnitte 4.3 und 4.4)
(4) Ermittlung der Landnutzung
(5) Ermittlung der Bodenart
(6) Ermittlung des mittleren langjährigen Grundwasserflurabstandes
(7) Berechnung der mittleren langjährigen kapillaren Wasseraufstiegsmengen aus dem GW:
- Ermittlung der mittleren kapillaren Aufstiegshöhe zA:
zA = zG – zW (4.26)
mit zA - mittlere kapillare Aufstiegshöhe [dm]
zG - mittlerer langjähriger Grundwasserflurabstand [dm]
zW - mittlere jährliche effektive Wurzeltiefe [dm]  s. Bild 4.11
- zA ist Grundlage für die Ermittlung der täglichen kapillaren Aufstiegsmengen
- Werte täglicher kapillarer Aufstiegsmengen WK(d) in Abhängigkeit von zA und der
Bodenart  s. Tabelle 4.11  Werte in mm/d
- WK-Werte aus Tabelle 4.11 gelten für alle Tage während der Wachstumszeit, an denen
kein nennenswerter Niederschlag fällt (nur dann wirkt Kapillarität)  in der BRD:
bei landwirtschaftlichen Kulturen: dK = 45 d (Halmfrüchte) - 90 d (Dauergrünland)
bei Wald: dK = 90 d
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 64

Bild 4.11:
Mittlere jährliche effektive Wurzel-
tiefe (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

Tabelle 4.11: Mittlere tägliche kapillare Aufstiegsmengen aus dem Grundwasser Wd(d) für
ausgewählte Bodenarten und verschiedene mittlere kapillare Aufstiegshöhen
Tägliche kapillare Aufstiegsmengen WK(d) [mm/d]

Mittlere kapillare Aufstiegshöhe zA [dm]

Bodenart 2 3 4 5 6 7 8 9 10 12 14 17 20

Sande:
gS (Grobsand) 5,0 5,0 1,5 0,5 0,2 0,1 - - - - - - -
mS (Mittelsand) 5,0 5,0 5,0 3,0 1,2 0,5 0,2 0,1 - - - - -
fS (Feinsand) 5,0 5,0 5,0 5,0 3,0 1,5 0,7 0,3 0,2 0,1 - - -
lS (lehmiger Sand) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 3,5 2,0 1,5 0,8 0,3 0,1 0,1 -
uS (schluff. Sand) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 3,0 2,0 1,0 0,5 0,2 -
tS (toniger Sand) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 2,0 1,0 0,7 0,4 0,2 0,1 - -

Schluffe:
U (Schluff) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 3,5 2,0 1,0 0,5 0,2
sU (sandiger Schluff) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 3,5 2,0 1,0 0,5 0,2
tU (toniger Schluff) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 4,5 3,0 2,5 1,5 0,7 0,3 0,1

Lehme:
sL (sandiger Lehm) 5,0 5,0 5,0 3,5 2,0 1,3 0,8 0,5 0,3 0,2 0,1 - -
uL (schluffiger L.) 5,0 5,0 5,0 5,0 4,5 2,5 2,5 2,0 1,5 0,8 0,4 0,2 0,1
tL (toniger Lehm) 5,0 5,0 2,5 1,2 0,7 0,5 0,3 0,2 0,2 0,1 0,1 - -

Tone:
generell (lT, T, uT) 4,0 2,0 1,1 0,7 0,5 0,4 0,4 0,3 0,2 0,2 0,1 0,1 0,1

- Berechnung der mittleren jährlichen kapillaren Wasseraufstiegsmengen WK aus dem


Grundwasser:
WK = WK (d) * dK (4.27)
mit WK - mittlere jährliche kapillare Wasseraufstiegsmenge [mm/a]
WK(d) - tägliche kapillare Aufstiegsmenge [mm/d]
dK - Dauer des Kapillaraufstieges (Tage während der Wachstumszeit, an denen kein
nennenswerter Niederschlag fällt, s.o.) [d]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 65

(8) Berücksichtigung der mittleren jährlichen kapillaren Wasseraufstiegsmengen (so vorhanden) 


Addition zur mittleren langjährigen Niederschlagsmenge (ggf. korrigiert und unter Berück-
sichtigung von Beregnungsmengen)
(9) Bestimmung des Effektivitätsparameters n:
- für Hydrotope mit forstlicher, landwirtschaftlicher, gärtnerischer Nutzung bzw. vegetations-
losen Boden ohne Grundwassereinfluss (ohne kapillare Wasseraufstiegsmengen) in Ab-
hängigkeit von der Bodenart mittels Bild 4.12

Bild 4.12:
Nutzungsparameter n in Abhängigkeit
von der Landnutzung und der Boden-
art (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

- im Falle forstlicher Nutzung kann bei Kenntnis des Baumalters eine detailliertere
Bestimmung von n vorgenommen werden ( s. Bild 4.13)

Bild 4.13:
Nutzungsparameter n für forstliche Nutzung
in Abhängigkeit von Bodenart und Baum-
alter BA (in Jahren), aus DYCK, PESCHKE
(1995)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 66

- für Hydrotope mit forstlicher, landwirtschaftlicher, gärtnerischer Nutzung bzw. vegetations-


losen Boden mit Grundwassereinfluss (mit Kapillarwassermengen):
 Ermittlung ebenfalls mittels Bild 4.12 (ggf. Bild 4.13)
 Erhöhung von n (wegen GW-Einfluss höhere Effektivität der Verdunstung):
um 20 % für WK(d) < 1,5 mm/d (vgl. Tabelle 4.11)
um 50 % für WK(d) ≥ 1,5 mm/d
- für bebaute (versiegelte) Flächen:
n = 0,1 (unabhängig von Grundwassereinfluss und Bodenart geringe Effektivität der
Verdunstung, nur unmittelbar nach Niederschlag Verdunstung möglich)

(10) Ermittlung des X-Wertes der BAGROV-Beziehung (für Bild 4.10):

X = (Pkorr + WK + WB ) / ETP (4.28)


mit Pkorr - langjähriger mittlerer (korrigierter) Jahresniederschlag [mm/a]
WK - mittlere jährliche kapillare Wasseraufstiegsmenge [mm/a]
WB - langjährige mittlere Beregnungsmengen [mm/a]
ETP - langjähriger mittlerer Wert der potenziellen Verdunstung [mm/a]

(11) Ermittlung des Y-Wertes der BAGROV-Beziehung mittels Bild 4.10

(12) Ermittlung des langjährigen mittleren Wertes der realen Verdunstung:

ETR = Y * ETP (4.29)

mit ETR - langjährige mittlere reale Jahresverdunstung [mm/a]


Y - Y-Wert (Y = ETR / ETP aus Bild 4.10)
ETP - langjähriger mittlerer Wert der potenziellen Verdunstung [mm/a]

(13) Ermittlung der mittleren realen Gebietsverdunstung:


- Abarbeitung der Arbeitsschritte (1) bis (12) für jede Teilfläche (Hydrotop)
- Wichtung der ETR-Werte jedes Hydrotops entsprechend dem jeweiligen Flächenanteil
und Berechnung der mittleren realen Gebietsverdunstung ETRm :
n
ETRm = 3 ai * ETRi (4.30)
i=1

mit ai = Ai / A (4.31)

mit ETRm - mittlere reale Gebietsverdunstung [mm/a]


ETRi - langjährige mittlere reale Jahresverdunstung des Hydrotops i [mm/a]
ai - Wichtung des Hydrotops i
Ai - Fläche des Hydrotops i
A - Gesamtfläche des untersuchten Gebietes [gleiche Maßeinheit wie Ai ]

- Anwendung des BAGROV-Verfahrens  s. Übung 9 (Teilaufgabe b)

* überschlägliche Ermittlung mittlerer Monatswerte der realen Verdunstung:


- für überschlägige Betrachtungen: Aufteilung des langjährigen Mittels der realen Verdunstung auf
Monatswerte  s. Tabelle 4.12
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 67

Tabelle 4.12: Mittlere prozentuale Aufteilung der Mittelwerte der realen Verdunstung auf Monate
(abgeleitet aus Lysimeterbeobachtungen, gültig für Tieflandgebiete Deutschlands)
Vegetation Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
flurfernes Grundwasser, unberegnet:
Getreide 2 3 6 11 21 21 12 8 6 5 3 2
Hackfrucht 2 3 6 8 11 16 21 15 9 4 3 2
Fruchtfolge (2/3 Getreide, 1/3 Hackfr.) 2 3 7 11 18 17 14 10 8 5 3 2
Gras, Dauergrünland 2 3 5 9 14 17 15 14 9 7 3 2
unbewachsener Boden (Sand) 1 2 9 10 16 17 13 11 10 7 3 1
Wald 2 4 5 9 13 16 15 14 10 7 3 2
flurfernes Grundwasser, beregnet:
Acker (lehmiger Sand) 2 3 5 9 17 20 17 11 7 4 3 2
flurnahes Grundwasser: Acker, Wald 2 3 4 8 15 16 17 16 10 4 3 2

* Berechnung aktueller Werte der realen Verdunstung (Tageswerte, aktuelle Monatswerte):


- Anwendung von Bodenwasserhaushaltsmodellen ( s. Bild 4.14 sowie Skript Hydrologie 2)
Methodik: Berechnung der Anteile Evaporation und Transpiration, Wichtung nach Pflanzenbedeckungsgrad

Berechnungsgleichung (Entzugsmodell nach KOITZSCH):


ETR = ETP [a * rT (Θ) * fT (z) + (1 - a) * rE (Θ) * fE (z)] (4.32)
mit ETR - reale Evapotranspiration [mm], Anteile: ER (reale Evaporation) und TR (reale Transpiration)
ETP - potenzielle Evapotranspiration [mm], Anteile: EP (pot. Evaporation), TP (pot. Transpiration)
a - Vegetationsbedeckungsgrad [ ]
rT(Θ) - Bodenfeuchte-Reduktionsfunktion der Transpiration (rE(Θ) analog für die Evaporation)
fT(z) - tiefenabhängige Entzugs-Dichte-Funktion der Transpiration (fE(z) analog für die Evaporation)

Bodenfeuchte-Reduktionsfunktion r(Θ)

Evaporation Transpiration

Tiefenabhängige Entzugs-Dichte-Funktion f(z)

Evaporation Transpiration

Θmin – min. Wassergehalt ΘWP - Welkepunkt Θd – krit. Wassergehalt (≈ 0,5 ... 0,8 ΘFC ) ΘFC - Feldkapazität ΘS - Sättigung

Bild 4.14: Beispiel der Verdunstungsmodellierung in einem Bodenwasserhaushaltsmodell (aus DUNGER,


1985)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 68

4.7. Interzeptionsverdunstung
Interzeption = Vorgang, bei dem Niederschlag an Pflanzenoberflächen aufgefangen und vorübergehend
gespeichert wird
 zeitverzögertes Abfließen des gespeicherten Wassers am Stamm
 Abtropfen des Niederschlages (von der Vegetation)
 Verdunsten eines Teils des durch Interzeption gespeicherten Wassers

- Interzeption ist Verlustgröße für den Bodenwasserhaushalt, für die Abflussbildung und Grundwasser-
neubildung  Verluste durch Interzeptionsverdunstung im Jahresmittel für Nadelbäume ca. 30 – 40 %
des Niederschlages, für Laubbäume im Sommer ca. 15 – 25 %, im Winter ca. 10 – 15 %)
- Interzeption für wasserhaushaltliche Untersuchungen nicht vernachlässigbar
- Zusammenwirken der Teilprozesse der Interzeption  s. Bild 4.15

P - Freilandniederschlag (über dem Pflanzenbestand)


Pd - direkt durchfallender Niederschlag (kein Kontakt mit der Vegetation)
Pt - von der Vegetationsoberfläche abtropfender Niederschlag
Pst - Stammabfluss
Ig - Interzeptionsgewinn (durch abgesetzten bzw. abgefangenen Niederschlag)
Iv - Interzeptionsverlust (Niederschlag, der nicht den Boden erreicht)
Ir - Interzeptionsspeicherhöhe (oft auch mit S bezeichnet)

Bild 4.15: Zusammenwirken der Teilprozesse der Interzeption (aus BAUMGARTNER, LIEBSCHER, 1990)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 69

* Haupteinflussgrößen auf die Interzeption:


- meteorologische Faktoren:
 Niederschlag (Dauer, Höhe, Intensität, zeitliche Verteilung, Art)
 Windgeschwindigkeit
 potenzielle Verdunstung
- Vegetationsfaktoren:
 Vegetationsart (Wald, landwirtschaftliche Kulturen)
 Vegetationsbedeckungsgrad
 Vegetationsalter
 jahreszeitliche Entwicklung

* messtechnische Erfassung der Interzeption:


- vergleichende Niederschlagsmessungen über- und unterhalb des Vegetationsdaches (für Wald relativ
unkompliziert, für landwirtschaftliche Kulturen kompliziert)

* Methodik der Interzeptionsermittlung:


- Ermittlung des maximalen (potenziellen) Interzeptionsspeichervermögens Smax
- Ermittlung des realen Interzeptionsspeichervermögens S
- Berechnung der Interzeptionsverdunstung
- Ermittlung des Niederschlages, der die Bodenoberfläche erreicht

* Ermittlung des maximalen Interzeptionsspeichervermögens:


► für Wald:
- Verwendung des maximalen Speichervermögens Smax (Werte für verschiedene Waldarten, er-
mittelt aus Messungen  s. Tabelle 4.13)

Tabelle 4.13: Werte des maximalen Speichervermögens Smax für verschiedene Waldtypen

Waldtyp Smax [mm]


Nadelwald 6
Laubwald 5
bei zusätzlicher Kraut- und Strauchschicht unterhalb des Baumbestandes +2
Kahlschlag 2

► für landwirtschaftliche Kulturen:


- Verwendung des maximalen Blattflächenindex BFImax
- Blattflächenindex: Verhältnis von Blattfläche zu Bodenoberfläche  Maß für die Üppigkeit der
Vegetation (u.a. in der Landwirtschaft gebräuchlicher Parameter)
- Blattflächenindizes BFImax für verschiedene landwirtschaftliche Kulturen  s. Tabelle 4.14
* Ermittlung des realen Interzeptionsspeichervermögens:
►reales Interzeptionsspeichervermögen für Nadelwald:
- Überlagerung von Nadelwuchs- und Nadelabwurf
- reales Interzeptionsspeichervermögen S vorrangig abhängig von:
 Baumart
 Lebensalter
 anthropogenen Schädigungen bzw. extremen klimatischen Einflüssen
- mittlerer jahreszeitlicher Verlauf von S für Nadelbäume  s. Bild 4.16
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 70

Tabelle 4.14: Blattflächenindizes BFImax für verschiedene landwirtschaftliche Kulturen


Pflanzenart BFImax [ ] Quelle
Zuckerrüben 3,5 – 3,8 HOYNINGEN-HUENE (1983)
6,0 BOUMAN ET AL. (1992)
Futterrüben 4,9 – 5,1 HOYNINGEN-HUENE (1983)
Hafer 2,5 HOYNINGEN-HUENE (1983)
Kartoffeln 5,2 HOYNINGEN-HUENE (1983)
Wintergerste 10,0 BOUMAN ET AL. (1992)
Winterroggen, Winterweizen 7,0 BOUMAN ET AL. (1992)
Raps 6,0 GEISLER (1983)
Silomais 10,0 GEISLER (1983)
Mais: 4 Pflanzen/m2 1,2 HOYNINGEN-HUENE (1983)
12 Pflanzen/m2 3,5 HOYNINGEN-HUENE (1983)
32 Pflanzen/m2 8,0 – 10,0 HOYNINGEN-HUENE (1983)
Gras: spärlich 1,0 SCHROEDER, BERGER (2004)
üppig 5,0 SCHROEDER, BERGER (2004)
Sträucher 4,0 – 8,0 SCHROEDER, BERGER (2004)

Bild 4.16:
Jahreszeitlicher Gang der
realen Interzeptionsspei-
cherkapazität für Nadel-
wald (aus DUNGER, 2006)

- Entwicklungsstadien:
 Stadium I: Überlagerung von Nadelabwurf und Maiwuchs (Mai/Juni)
 Stadium II: Gleichgewicht zwischen Nadelwachstum und Nadelabwurf (Juli/August)
 Stadium III: ausschließlich Nadelabwurf (September-April)

►reales Interzeptionsspeichervermögen für Laubwald:


- Methodik ähnlich wie bei Nadelwald
- mittlerer jahreszeitlicher Verlauf von S für Laubwald  s. Bild 4.17
- Entwicklungsstadien:
 Stadium I: Mobilisierungsphase
 Stadium II: Wachstumsphase
 Stadium III: Depositionsphase (Laubabwurf)
 Stadium IV: Ruhephase
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 71

- Laubwaldtypen hinsichtlich der zeitlichen Zuordnung der Entwicklungsstadien:


 Frühentwickler (z.B. Birke, Linde, Weide, Kastanie) bzw. Spätentwickler (z.B. Buche, Eiche)

Bild 4.17:
Jahreszeitlicher Gang der
realen Interzeptionsspeicher-
kapazität für Laubwald (aus
DUNGER, 2006)

- Berücksichtigung des Alters des Baumbestandes (Einteilung in 4 Wuchsklassen):


 Jungwuchs (bis zum Beginn des Kronenschlusses): S = 0,315 Smax
 Dickung (< 5 cm mittlerer Brusthöhendurchmesser): S = 0,6 Smax
 Stangenholz (< 20 cm Brusthöhendurchmesser): S = 0,8 Smax
 Altholz ( 20 cm Brusthöhendurchmesser): S = Smax
- Berücksichtigung anthropogener und extremer klimatischer Einflüsse:
 keine Beeinflussung: S = Smax
 geringe Beeinflussung: S = 0,9 Smax
 spürbare Beeinflussung: S = 0,7 Smax
 starke Beeinflussung: S = 0,4 Smax
► reales Interzeptionsspeichervermögen für landwirtschaftliche Kulturen:
- mittlerer jahreszeitlicher Verlauf des Blattflächenindex BFI ausgewählter Kulturen  s. Bild 4.18

* Berechnung der Interzeptionsverdunstung:


►Verwendung empirischer Gleichungen auf der Grundlage von Experimenten
- für Wald:
EI = S (1 - e-P/S) + 0,05 * P (4.33)
mit EI - reale Interzeptionsverdunstung [mm]
S - realer Interzeptionsspeicher [mm]
P - Niederschlagsmenge [mm]

- für landwirtschaftliche Kulturen (Randbedingungen: EIMIN = 0 für BFI = 0, EIMAX = P):


EI = - 0,42 + 0,245 P + 0,2 BFI - 0,0111 P 2 + 0,0271 P BFI - 0,0109 BFI 2 für P < PGRENZ (4.34)
EI = 0,935 + 0,498 BFI – 0,00575 BFI 2 für P > PGRENZ (4.35)
wobei Grenzniederschlag PGRENZ = 11,05 + 1,223 BFI (4.36)
mit BFI - Blattflächenindex [ ], alle anderen Größen  s. Gleichung 4.33
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 72

Bild 4.18:
Jahreszeitlicher Gang der Blatt-
flächenindizes für verschiedene
Kulturpflanzen (nach HOYNINGEN-
HUENE, 1983)

* Ermittlung des Niederschlages, der die Bodenoberfläche erreicht:


- Anwendung der einfachen Bilanzgleichung:

PB = P – EI (4.37)

mit PB - Bestandsniederschlag (Niederschlag, der die Bodenoberfläche erreicht) [mm]


P- Freilandniederschlag [mm]
EI - Interzeptionsverdunstung [mm]

* Bedeutung der Interzeption für den Stoffhaushalt:


- Aufnahme/Verlagerung von Luftschadstoffen infolge Interzeption besonders für Waldflächen
wesentlich höher als für Freiflächen (Auskämmen/Abfangen von Niederschlag)
- gilt insbesondere für die mit Säureeintrag verbundenen Anionen Cl, NO3 und SO4 (quantitative
Untersuchungen  s. Bild 4.19: hoher Anteil abgesetzter/abgefangener Niederschläge 1982)

Bild 4.19:
Jahresdeposition von SO4 in kg/ha im Frei-
landniederschlag, von Buchen- und Fichten-
beständen im Reinhardswald (Hessen) für
1982 und 1983 (aus BRECHTEL u.a., 1986)

 Anwendung von Methoden zur Interzeptionsspeicher- und -verdunstungsberechnung  s.


Übung 10
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 73

5. Abfluss und Durchfluss


5.1. Definitionen, Abflusskomponenten
* Abfluss:
- Wasservolumen, das pro Zeiteinheit ein Einzugsgebiet ober- und unterirdisch durch den Ausfluss-
querschnitt verlässt ( s. Bild 5.1)
- Maßeinheiten: mm/a, mm/d, l/(s * km2)

* Durchfluss:
- Wasservolumen, das pro Zeiteinheit einen definierten oberirdischen Fließquerschnitt (Durchfluss-
querschnitt, Pegel), z.B. Flussquerschnitt durchfließt ( s. ebenfalls Bild 5.1)
- Maßeinheiten: m3/s, l/s

Bild 5.1:
Abfluss und Durchfluss an einem Fließ-
querschnitt (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

* Abflusskomponenten ( s. Bild 5.2):


►Direktabfluss:
- Oberflächenabfluss (Landoberflächenabfluss) RO: Bildung an der Bodenoberfläche
- hypodermischer Abfluss (bodeninnerer, lateraler Abfluss, Zwischenabfluss) RH: Bildung in der
Aerationszone (wasserungesättigten Bodenzone) an wasserstauenden Schichten
►Basisabfluss:
- Grundwasserabfluss RG: Bildung in der gesättigten Grundwasserzone

Bild 5.2:
Zusammensetzung einer Abflus-
sganglinie aus den Komponen-
ten Oberflächenabfluss RO, hy-
podermischer Abfluss RH und
Grundwasserabfluss RG (nach
BAUMGARTNER, LIEBSCHER,
1990)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 74

* Teilvorgänge des Abflussprozesses:


- Abflussbildung in den Einzugsgebieten (vorrangig an die Prozesse der Infiltration und Versickerung
gebunden, vgl. Abschnitt 5.6.3)
- Abflusskonzentration im Gewässernetz der Abflussbildungsgebiete (vgl. Abschnitt 5.7)
- Abflussverlauf in den Wasserläufen (vgl. Abschnitt 5.7)
* Methoden zur Durchflussbestimmung:
- Messmethoden (s. Abschnitt 5.2)
- über die Umrechnung von gemessenen Wasserständen (s. Abschnitt 5.4)
- für überschlägige Abschätzungen: Berechnung (s. Abschnitte 5.3 und 5.7)

5.2. Messung des Durchflusses


5.2.1. Überblick über häufig angewendete Verfahren

* Überblick:
 s. Tabelle 5.1
Tabelle 5.1: Überblick über gebräuchliche Messverfahren zur Durchflussbestimmung

Messverfahren Anwendungen
Gefäßmessung für sehr kleine Durchflüsse (einige wenige l/s)
Messwehr für kleine und mittlere Durchflüsse (max. 3 m3 /s)
Venturikanal analog Messwehr, Einsatz auch bei stark verschmutztem Wasser
(Hydrometrischer) Messflügel großer Messbereich (einige l/s ... einige 100 m3 /s)
Einsatz bei geringen Turbulenzen und geringer Verkrautung
Schwimmermessung nur für Abschätzung der Fließgeschwindigkeit
Tracermessung (Verdünnungs- für kleine und mittlere Durchflüsse (l/s ... wenige m3 /s)
messung) Einsatz auch bei starken Turbulenzen (Gebirge) und im Falle starker
Verkrautung möglich
Ultraschallmessung analog Messflügel
Elektromagnetische Messung Messbereich analog Messflügel
Einsatz auch bei starken Turbulenzen und starker Verkrautung

* Kurzbeschreibung der am meisten angewendeten Verfahren (außer Messwehr-, Flügel- und


Tracermessung – diese werden ausführlicher dargestellt):
►Gefäßmessung :
- direkte Messmethode bei kleineren Wassermengen (< 5 l/s)
- Registrierung der Wassermenge pro Zeiteinheit mittels skaliertem Messeimer und Stoppuhr
- Anwendung:
 bei Quellschüttungs- und Drainageauslaufmessungen
 im Falle der Durchflussmessung von kleinen Rinnsalen
 während des Pumpversuches (vgl. Vorlesung Hydrogeologie I) bei geringer Förderleistung
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 75

►Venturikanal:
- Einschnitt im Gewässer, bestehend aus 3 Teilbereichen ( s. auch Bild 5.3):
 Einlauf- bzw. Beruhigungsteil
 Diffusor (Einschnürungsteil)
 Nachlaufstrecke

Bild 5.3:
Messprinzip des Venturikanals (aus DYCK,
PESCHKE, 1995)

- lediglich Messung des Wasserspiegels ho notwendig


- Berechnungsformel:

Q = (2/3) 3/2 * C * Cv * (g * b * ho3/2)0,5 (5.1)

mit Q - Durchfluss [m3 /s]


C - Reibungsbeiwert (0.95 < C < 1.00)
Cv - Geschwindigkeitsbeiwert (1.00 < Cv < 1.30)
g - Gravitationskonstante [m/s2 ] (g = 9.81 m/s2 )
b - Breite an der schmalsten Stelle im Diffusor [m]
ho - Oberwassertiefe [m]

- Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Bereich des Venturikanals  keine Gefahr des Absetzens
von mitgeführten Partikeln (kein Verlanden)  Einsatz vor allem bei Abwasser
- verwendete Materialien: meist Beton, manchmal glasfaserverstärkte Kunststoffrinnen
- Messbereich: 10 l/s ... 3 m3/s (max. 5 m3/s)

►Schwimmermessung:
- Messung der Fließgeschwindigkeit in der Strommitte des Gewässers mittels Schwimmer 
Messung der maximalen Fließgeschwindigkeit
- Berechnung der Fließgeschwindigkeit nach dem Weg-Zeit-Gesetz:
vo = s / t (5.2)

mit vo - Geschwindigkeit an der Oberfläche in der Mitte des Gewässers [m/s]


s - Fließweg [m]
t - Fließzeit [s]

- Problem: maximale Fließgeschwindigkeit vo ≠ mittlere Fließgeschwindigkeit v ( vgl. auch Bild


5.4)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 76

- Schwimmermessungen liefern nur groben Anhaltswerte (Fehler z.T. > 15 %)


- Umrechnung von vo auf v mittels Koeffizienten möglich ( s. Tabelle 5.2)

Bild 5.4:
Fließgeschwindigkeit und
Fließquerschnitt (nach DYCK,
PESCHKE, 1995)

Tabelle 5.2: Koeffizienten für die Umrechnung von vo auf v


Mittlere Gewässertiefe [cm] Koeffizient
30 0,66
60 0,68
90 0,70
120 0,72
150 0,74
180 0,76
270 0,77
370 0,78
460 0,79
≥ 610 0,80

- Berechnung des Durchflusses aus mittlerer Fließgeschwindigkeit und Fließquerschnitt:


Q=v*A (5.3)
mit Q - Durchfluss [m3 /s]
v - mittlere Fließgeschwindigkeit [m/s]
A - Durchflussfläche [m2 ]

►Ultraschallmessung:
- Schallwellen breiten sich mit der Strömung schneller aus als gegen die Strömung
- Messprinzip  s. Bild 5.5 (Anordnung mehrerer Messstrecken übereinander  mittlere Fließ-
geschwindigkeit)
- Berechnung des Durchflusses analog Gleichung 5.3

Bild 5.5:
Anordnung des Gerätesystems bei der Ultraschallmessung
(aus DYCK, PESCHKE, 1995)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 77

5.2.2. Durchflussmessung mittels Messwehr


► Methodik:
- Einbau eines Messwehres (Messblende) in das Fließprofil des Vorfluters ( s. Bild 5.6)
- Aufstau des Wassers oberhalb des Messwehrs
► Materialien:
- abhängig von Belastung (Größe, Fließgeschwindigkeit)
- Kunststoffe
- verzinktes Stahlblech
► Beachte:
- Abdichtung des Messwehres zum Untergrund (Verhinderung der Um- und Unterströmung)
- scharfkantige Wehrkante (Abrisskante)
- Belüftung (vgl. Bild 5.6)  vollständiger Überfall, keine Beeinflussung des Wasserstandes im
Oberwasser durch das Unterwasser (kein Rückstau,  vgl. Bild 5.6)

Bild 5.6:
Prinzip des Messwehrs (nach SCHRÖDER
u. a., 1994)

► Abhängigkeit der Überlaufmenge (Durchflussmenge Q):


- von der Wehrform ( s. Bild 5.7):
Dreieckswehr (THOMSON-Wehr): bis ca. 100 l/s anwendbar
Rechteckwehr (PONCELET-Wehr): bis ca. 1 m3 /s (max. 3 m3 /s) anwendbar
- von der Überfallhöhe h (vgl. Bilder 5.6 und 5.7)
- vom Überfallbeiwert μ (materialabhängig  s. Eichwerte der Hersteller)

Bild 5.7:
Dreieckswehr (links) und Rechteckwehr
(rechts), nach DYCK, PESCHKE (1995)

► Berechnungsgleichungen für den Durchfluss Q:


Dreieckswehr: Q = 8/15 μ (2 g)0,5 * tan (α/2) * h5/2 (5.4)
3
mit Q - Durchfluss [m /s]
μ - Überfallbeiwert [ ] (Herstellerangabe: μ = 0,578 für α = 90 o)
α - Ausschnittwinkel [ o ]
h - Überfallhöhe [m], Messung im Abstand L ≥ 4 h vor dem Wehr
g - Gravitationskonstante [m/s2 ] (g = 9,81 m/s2)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 78

Rechteckwehr: Q = 2/3 μ (2 g)0,5 * b * h3/2 (5.5)


mit μ - Überfallbeiwert [ ] (Eichangaben des Herstellers, meist gilt für μ: 0,61≤ μ ≤ 0,65, μ-Berechnung  s.
auch Gleichung 5.6)
b - Wehrbreite [m]
(alle anderen Größen  s. Gleichung 5.4)
1 h
μ = 0,615 [ 1 + ─────── ] [ 1 + 0,5 ( ──── ) ] (5.6)
1000 h + 1,6 h+w
mit μ - Überfallbeiwert [ ]
h - Überfallhöhe [m], Gültigkeit für 0,025 m ≤ h ≤ 0,80 m und h/w ≤ 1
w - Höhe des Wehreinschnitts über Gewässersohle [m] (s. Bild 5.7), Gültigkeit für w ≥ 0,3 m

- Auswertung einer Wehrmessung (Dreieckswehr)  s. Übung 11 (Teilaufgabe a)

5.2.3. Durchflussermittlung mittels hydrometrischem Messflügel


* Messprinzip:
- Unterteilung des Fließquerschnitts in mehrere vertikale Lamellen ( vgl. Bilder 5.4 und 5.8)
- Ermittlung von Durchflussfläche und Fließgeschwindigkeit einer jeden Lamelle ( s. Bild 5.9)
- Messung der Lamellenfließgeschwindigkeit in definierten Tiefen mittels Messflügel ( s. Bild 5.10)
- genaueste und meistangewendete Methode bei größeren Durchflüssen (Q > 100 l/s)

b - Breite des Fließquerschnittes


bi - Lamellenbreite
tl - Tiefe am linken Lamellenrand
t - Tiefe in der Lamellenmitte
tr - Tiefe am rechten Lamellenrand

Bild 5.8:
Unterteilung des Fließquerschnitts in
vertikale Lamellen

Bild 5.9:
Algorithmus der Durch-
flussermittlung in Fließ-
gerinnen mittels Mess-
flügel
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 79

Bild 5.10:
Messflügel (Bildquelle: Firma Ott)

* Ermittlung der punktuellen Fließgeschwindigkeit:


- Fließgeschwindigkeit v am Messpunkt = f (Umdrehungsanzahl n der Flügelschraube des Messflügels)
- Umrechnung der Umdrehungsanzahl in Fließgeschwindigkeit mittels Flügelgleichung:

v = vo + b * n (5.7)

mit v - Fließgeschwindigkeit [m/s]


vo - Anlaufgeschwindigkeit [m/s]
b - Flügelkonstante (Eichangabe des Herstellers)
n - Impulsrate (Umdrehungsgeschwindigkeit) [meist Umdrehungen/min]

- Ermittlung von Anlaufgeschwindigkeit und Flügelkonstante durch Eichung (jeder Messflügel wird
vor Verkauf im speziellen Eichkanälen getestet und geeicht), Beispiel  s. Bild 5.11

Bild 5.11:
Beispiel für eine Eichkurve eines Messflügels

* Ermittlung der mittleren Fließgeschwindigkeit vm der Lamelle i (vm,i ) :


- Fließgeschwindigkeit = f (Tiefe)
 hohe Fließgeschwindigkeiten: nahe der Gewässeroberfläche
 geringe Fließgeschwindigkeiten: nahe dem Gewässergrund
 Messung der Fließgeschwindigkeit in verschiedenen Tiefen in der Mitte einer jeden Lamelle
notwendig
- Anzahl der Messpunkte abhängig von Gewässertiefe: ein bzw. einige wenige vertikale Messpunkte
bei geringer Gewässertiefe, viele Messpunkte bei großer Gewässertiefe
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 80

- Berechnungsgleichungen:
Einpunktmessung: vm,i = v0,4 t (5.8)
Zweipunktmessung: vm,i = 1/2 (v0,2 t + v0,8 t ) (5.9)
Dreipunktmessung: vm,i = 1/3 (v0,2 t + v0,5 t + v0,8 t ) (5.10)
Sechspunktmessung: vm,i = 1/10 (vo + 2 v0,2 t + 2 v0,4 t + 2 v0,6 t + 2 v0,8 t + vs ) (5.11)
mit vm,i - mittlere Lamellenfließgeschwindigkeit [m/s]
vo - Fließgeschwindigkeit kurz unterhalb der Gewässeroberfläche [m/s]
vs - Fließgeschwindigkeit kurz oberhalb der Gewässersohle [m/s]
v0,2 t - Fließgeschwindigkeit [m/s] in 20 % der Gewässertiefe über der Sohle (v0,4 t ... v0,8 t analog)

* Ermittlung der Lamellendurchflussfläche Ai :


Ai = tm,i * bi (5.12)

mit Ai - Lamellendurchflussfläche [m2 ]


tm,i - mittlere Lamellentiefe [m]
bi - Lamellenbreite [m]
wobei:
tl + 2 t + tr
tm,i = ────── (5.13)
4
mit tm,i - mittlere Lamellentiefe [m]
tl - Gewässertiefe am linken Lamellenrand [m]
tr - Gewässertiefe am rechten Lamellenrand [m]
t - Gewässertiefe in der Lamellenmitte [m]

- Lamellenbreite:
 meistens: als konstant über die gesamte Gewässerbreite festgelegt
 selten: Variation (größere Lamellenbreite in Ufernähe wegen geringer Fließgeschwindigkeit und
kleinere Lamellenbreite in der Strommitte wegen großer Fließgeschwindigkeit)
- Lamellenanzahl:
 15 - 20 bei Flüssen
 5 - 10 bei Bächen und Kanälen
 3 - 5 bei kleinen Gräben, kleinen Bächen oder kleinen Kanälen

* Berechnung des Lamellendurchflusses Qi :


Qi = vm,i * Ai = vm,i * tm,i * bi (5.14)

(Symbole  analog Gleichungen 5.8 bis 5.12)


* Berechnung des Gesamtdurchflusses Q:
n
Q = 3 Qi (5.15)
i=1
mit Q - Gesamtdurchfluss des Fließgewässers [m3 /s]
Qi - Lamellendurchfluss der i-ten Lamelle [m3 /s]
n - Lamellenanzahl [ ]

- Auswertung von Messflügelmessungen  s. Übungen Hydrogeologie I


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 81

5.2.4. Tracermessung (Verdünnungsmethode)


* Methodik des Tracereinsatzes in Fließgewässern:
- Prinzip der Tracermethode (Verdünnungsmethode)  s. Bild 5.12
- Eingabe einer Lösung meist stabiler (vereinzelt radioaktiver) Substanzen
- Verdünnung der injizierten Lösung infolge des Durchflusses im Fließgewässer
- Registrierung der Tracerkonzentration in einiger Entfernung vom Injektionspunkt
- Messung von Tracerkonzentration und -menge an der Injektions- und Registrierungsstelle
- Berechnung von Fließgeschwindigkeit und Durchflussmenge

 Fließrichtung

Bild 5.12:
Anwendungsprinzip der Tracermethode in Fließ-
gewässern (nach MAIDMENT, 1992)

* Anwendungsfälle, Vor- und Nachteile der Tracermethode:


- Anwendung in solchen Fällen, in denen andere Durchflussmessmethoden (Messwehr, Messflügel,
Gefäßmessung) versagen:
 in sehr kleinen Bächen mit geringer Wassertiefe (und ggf. geringem Fließgefälle)
 bei sehr großen Fließgeschwindigkeiten (Gebirge, Hochwasserperioden)
 in Bergbächen mit stark turbulentem Fließverhalten (hohes Gefälle, Steinblöcke)
 in Vorflutern mit hohem Sedimenttransport bzw. starker Uferverkrautung
- Vorteile der Tracermethode:
 einfach in der Anwendung, Berechnung und Interpretation
 benötigt weniger Zeit als die meisten anderen Methoden (einige Minuten ... 1 Stunde)
 schnelle Änderungen des Abflusses (z.B. während eines Hochwasserereignisses) erfassbar
- Nachteile der Tracermethode:
 viele Fehlermöglichkeiten (z.B. keine vollständige Durchmischung des Tracers im Bach- bzw.
Flusswasser, Tracerverluste durch Adsorption, Untergrundinfiltration bzw. Verdunstung)
 große Tracermengen bei hohen Durchflussmengen notwendig  teuer
 ökologische Risiken  Behördengenehmigungen notwendig

* Anforderungen an Tracermaterialien:
- hohe Löslichkeit im Bach- bzw. Flusswasser auch bei geringen Temperaturen
- kaum natürliches Vorkommen des Tracers im Oberflächenwasser
- keine Umwandlung im Oberflächenwasser, keine Traceraufnahme durch das Sediment, durch
Pflanzen oder Tiere
- einfache, preiswerte Tracermessbarkeit
- keine Gefährdung von Mensch und Tier durch den Tracereinsatz (Injektionskonzentration)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 82

* gebräuchliche Tracersubstanzen:
- hauptsächlich (für Oberflächenwasser) verwendet:
 Salze (Natriumchlorid, Kaliumchlorid, Lithiumsalze)
 Fluoreszenztracer
- weitere Tracersubstanzen:
 radioaktive (z.B. 134J, 82Br, 198Au, 24Na) und stabile Isotope (z.B. 15N, 2H, 18O)
 Detergenzien ("Weich- und Weißmacher")
 biologische Tracermaterialien (Bakterien, Sporen und Pollen)

* Kurzcharakteristik der hauptsächlich verwendeten Tracersubstanzen:


► Salztracer:
- Anwendung aus ökologischer Sicht unbedenklich, wenn folgende Maximalkonzentrationen in
Oberflächengewässern nicht überschritten werden:
 10 g/l für Natriumchlorid
 5 g/l für Kaliumchlorid
- relativ hohe Wasserlöslichkeiten:
NaCl: 359 g/l bei 20 °C
KCl: 342 g/l bei 20 °C
- Tracermessung mittels Messung der Chloridkonzentration bzw. durch Messung der elektrischen
Leitfähigkeit
► Fluoreszenztracer (Uranin, Fluoreszin):
- Vorteile: hohes Färbevermögen, hohe Messempfindlichkeit, billig
- Nachteile: pH-Wertabhängigkeit der Fluoreszenz, labiles Adsorptions- und Oxidationsverhalten
► radioaktive und stabile Isotope, Sporen, Bakterien, Pollen:
- analog Grundwassereinsatz  vgl. Vorlesungen Modul Hydrogeologie

* Bestimmung von Fließgeschwindigkeit und Durchfluss mittels Tracermethode (Beispiel  s.


Übung 11, Teilaufgabe b):
► Bestimmung der mittleren Fließgeschwindigkeit:
- Bestimmung der Abstandsgeschwindigkeit durch Messen von Entfernung zwischen Injektions-
und Registrierungspunkt und Zeitmessung:

va = Δs / Δt (5.16)

mit va - Abstandsgeschwindigkeit [m/s]


Δs - Entfernung Injektionspunkt - Registrierungspunkt [m]
Δt - Zeit zwischen Tracerinjektion und Tracerankunft am Registrierungspunkt [s]

wobei Δt = t 50% - to (5.17)

mit to - Zeitpunkt der Tracereingabe am Injektionspunkt


t50% - Zeitpunkt, zu dem 50 % der Tracermenge am Registrierungspunkt angekommen sind (s. Bild
5.13)

- Tracereingabe in Form eines Momentimpulses (Stoßimpuls, s. Bild 5.13) oder als Eingabe mit
konstanter Tracerkonzentration (Stufenfunktion, s. Bild 5.14)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 83

Bild 5.13: Tracereingabe in Form eines Momentanimpulses

Bild 5.14: Tracereingabe mit konstanter Tracerkonzentration

► Durchflussermittlung:
- Durchflussberechnung ist abhängig von der Form der Tracereingabe (s. Bilder 5.13 und 5.14)
- für den Fall der Tracereingabe als Momentimpuls:
V * (C 1 ) V * (C 1 )
Q = ───────── = ───────────── (5.18)
tE tE
I C 2 (t) dt – C0 3 (C 2 (ti ) – C0 ) * Δt
ts i=ts

mit Q - Durchfluss [l/s]


V - injiziertes Tracervolumen am Injektionspunkt [l]
C1 - Tracerkonzentration am Injektionspunkt [mg/l]
C2 - Tracerkonzentration am Registrierungspunkt [mg/l]
C0 - Hintergrundtracerkonzentration im Fließgewässer [mg/l]
tS - Beginn der Tracerankunft am Registrierungspunkt (s. Bild 5.13) [s]
tE - Ende der Tracerankunft am Registrierungspunkt (s. Bild 5.13) [s]
ti - Zeitintervall i [s]
Δt - Zeitdifferenz zwischen 2 Tracerkonzentrationsmessungen am Registrierungspunkt [s]

- für den Fall der Tracereingabe mit konstanter Tracerkonzentration:


C1 – C2
Q = ──── * QC (5.19)
C2 – C0
mit QC - konstante Tracerinjektionsrate am Injektionspunkt [l/s]
(alle anderen Größen  s. Gleichung 5.18)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 84

5.3. Berechnung von Fließgeschwindigkeit und Durchfluss mittels


einfacher Fließformeln
- für vereinfachende Betrachtungen bzw. im Rahmen der Planung von Entwässerungsgräben kann die
Ermittlung der Fließgeschwindigkeit durch die Anwendung empirischer Fließformeln erfolgen
- in der Praxis am meisten angewendet: Fließformel nach Manning und Strickler (Näherungslösung):
v = kSt * (rhy ) 2/3 * (IE ) 1/2 (5.20)
mit v - Fließgeschwindigkeit [m/s]
kSt - Rauhigkeitsbeiwert nach Manning/Strickler [m1/3/s] (Werte  s. Tabelle 5.3)
rhy - hydraulischer Radius [m] (rhy = A/lu - Fließquerschnitt/benetzter Umfang  s. Bild 5.15)
IE - hydraulisches Gefälle [m/m]

Bild 5.15:
Darstellung zum Verständnis des hydraulischen Radius

Tabelle 5.3: Rauhigkeitsbeiwerte nach Manning/Strickler


Baustoff Art, Form, Zustand kSt [m1/3/s]
Stahl Rohre, sehr glatt, neu 100
Rohre, verkrustet und verrostet, alt 60 ... 78
Asphalt Werkkanäle aus Walzgussasphalt 70 ... 75
Kanäle aus Asphaltbeton 72 ... 77
Asphaltzement Auskleidungen 100
Beton Zementglattstrich 100
Beton mit Stahlschalung 90 ... 100
Beton, geglättet 90
grobe Betonauskleidung, alter Beton 50 ... 55
Mauerwerk Ziegelmauerwerk, gut gefugt 75 ... 80
Mauerwerk, normal 60 ... 70
Naturstein Haussteinquader 70 ... 80
sorgfältiges Bruchsteinmauerwerk 70
normales Bruchsteinmauerwerk 60
grobes Bruchsteinmauerwerk 50
Fels Felsausbrüche, sorgfältig bearbeitet 60
mittelgrober Felsausbruch 25 ... 30
grober Felsausbruch 15 ... 20
roher Felsausbruch, mit Sohle aus Beton 40 ... 50
Erde festes, feines Material 50
Fein- bis Mittelkies 40 ... 45
Grobkies 35
grobes, scholliges Material 30
mit groben Steinen ausgelegt 25 ... 30
Erdkanäle und Gräben, stark bewachsen 20 ... 25
natürliche Flussbetten mit fester Sohle 40
natürliche Flussbetten mit mäßiger Geschiebeführung 33 ... 35
natürliche Flussbetten mit starker Geschiebeführung 28
natürliche Flussbetten, Ufer verkrautet 30 ... 35
natürliche Flussbetten mit Geröll 30
Wildbäche mit grobem Geröll im Ruhezustand 25 ... 28
Wildbäche mit grobem Geröll in Bewegung 19 ... 22
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 85

5.4. Wasserstands-Durchfluss-Beziehung
5.4.1. Wasserstandsmessung
* Wasserstand:
- Höhe des Wasserspiegels eines Oberflächengewässers über einer festen Bezugshöhe (Pegelnull PN)
 s. Bild 5.16
- PN einnivelliert, PN muss nicht Niveau Gewässersohle entsprechen ( vgl. Bild 5.16)
- PN darf sich während der Betriebszeit des Pegels bezüglich Höhe nicht verschieben  Gefahr
vorhanden während Hochwasser (Erosion, Unterspülung) und Eisstand  stabiler Unterbau

Bild 5.16:
Wasserstand und Pegelnull (nach DYCK, PESCHKE, 1995)

* nichtregistrierende Messgeräte:
►Lattenpegel ( s. Bild 5.17):
- einfachste Form der Wasserstandsmessung (diskontinuierlich)
- Montage vertikal bzw. entsprechend Uferneigung
- Messgenauigkeit: 1 cm
- Messung i.d.R. täglich einmal (7.00 Uhr MEZ), Ausnahme: z.B. Hochwasserereignisse
- im Falle hoher Wasserstandsunterschiede (Niedrig-/Hochwasser): Verwendung von Staffel-
pegeln ( s. Bild 5.18)

Bild 5.17: Lattenpegel (DYCK, PESCHKE, 1995) Bild 5.18: Staffelpegel (nach SINGH, 1992)

►Hochwasserpegel (Maximumpegel):
- Messung des Maximalwasserstandes während eines Hochwasserereignisses
- Konstruktion  s. Bild 5.19:
 skalierter Pegelstab aus Kork innerhalb eines Pegelrohres
 Aufwärtsbewegung des Korkstabes während eines Hochwasserereignisses  Fixierung beim
maximalen Wasserstand  Ablesen nach dem Hochwasser
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 86

Bild 5.19:
Hochwasserpegel (Maximumpegel), nach SINGH (1992)

* registrierende Pegel:
►mechanischer Schwimmerschreibpegel:
- Konstruktionsprinzip  s. Bild 5.20
- Bewegung eines Schwimmers bei Wasserspiegeländerungen  kontinuierliche Aufzeichnung
- analoge bzw. digitale Transformation der Schwimmerbewegungen (Datenübertragung möglich)
- Positionierung des Schwimmers nicht direkt im Fließgewässer (Beschädigung/Blockieren infolge
Hochwasser oder Eisgang möglich), sondern in einem Pegelhaus ( s. Bild 5.21)
- zu jedem Schreibpegel gehört ein Lattenpegel (zu Kontroll- und Justierungszwecken)

Bild 5.20: Bild 5.21:


Schwimmerschreibpegel Schreibpegelstation mit Pegelhaus (aus DYCK, PESCHKE, 1995)

►Druckluftpegel:
- Aufbau und Messprinzip  s. Bild 5.22
- weder Schwimmerschacht noch Verbindungsrohr notwendig, dafür jedoch Druckluftflasche
- zuverlässige Messung auch bei starker Feststoffführung
- Gas(gegen)druck ist direktes Maß für den Wasserstand
- Datenerfassung/-aufzeichnung in größerer Entfernung vom Messpunkt möglich
- Nachteil: Messungenauigkeiten (Druckverlust) bei Undichtheiten
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 87

1 - Druckflasche
2 - Druckminderer
3 - Regelarmatur
4 - Schauglas
5 - Druckmanometer
6 - Analog-Digital-Wandler
7 - Elektronikbaustein
8 - Fernübertragung
9 - Datenspeicher

Bild 5.22:
Aufbau eines Druckluftpegels (nach
DYCK, PESCHKE, 1995)

5.4.2. Darstellung der Wasserstands-Durchfluss-Beziehung


- für jeden Fließquerschnitt (Messpegel) gilt:
W = f (Q) (5.21)
mit W - Wasserstand [cm ü. PN - Pegelnull]
Q - Durchfluss [m3 /s]

- Beispiel für eine Wasserstands-Durchfluss-Beziehung  s. Bild 5.23

Bild 5.23:
Wasserstands-Durchfluss-Beziehung für den Pegel
Bad Blankenburg (Schwarza), nach DYCK, PESCHKE
(1995)

- Grundlage: zeitgleiche Wasserstands- und Durchflussmessungen  Durchflusstafel (s. Tabelle 5.4)


Tabelle 5.4: Wasserstands- und Durchflussmessungen für den Pegel Bad Blankenburg (Schwarza)
Nr. Messdatum W [cm] b [m] h [m] hmax [m] A [m2 ] v [m/s] Q [m3 /s]
1 23.11.1972 118 14,1 0,62 1,21 8,81 1,54 13,6
2 14.02.1973 67 12,0 0,21 0,32 2,52 0,67 1,68
3 11.09.1973 57 10,0 0,13 0,26 1,30 0,47 0,62
4 14.11.1973 78 12,0 0,30 0,48 3,63 0,98 3,59
5 16.07.1974 83 14,0 0,30 0,52 4,26 0,92 4,32
6 14.08.1974 71 12,0 0,24 0,40 2,82 0,71 2,20
7 28.10.1974 133 20,0 0,57 0,88 11,42 1,45 16,6
8 09.12.1974 172 20,0 1,00 1,44 20,10 1,93 38,8
9 30.12.1974 183 20,0 1,16 1,62 23,20 2,05 47,7
10 16.01.1975 91 14,0 0,36 0,50 5,11 1,03 5,26
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 88

- analytisch lassen sich Wasserstands-Durchfluss-Beziehungen ( vgl. Bild 5.23) mittels Potenz-


funktion beschreiben:

Q = a (W - b)n (5.22)

mit a, b und n - Formparameter

- Gleichung 5.22 gilt meist nur für bestimmte W- bzw. Q-Bereiche


Ursachen (Änderungen des Durchflussprofils in Abhängigkeit von der Höhe des Durchflusses  vgl.
auch Bild 5.24):
- Niedrigwasserrinne
- Ausuferung im Hochwasserbereich
- Umflut und Überflutung bei Hochwasser
 Gültigkeitsbereiche für Gleichung 5.22 angeben!

Bild 5.24:
Künstliches Fließprofil mit zwei
Durchflussbereichen (aus DYCK U. A.,
1975)

- Gültigkeitsgrenzen durch Auftragen der W-Q-Beziehung im doppelt-logarithmischen Papier ermittel-


bar ( vgl. Bild 5.25)

Bild 5.25:
Durchflusskurve für den Pegel
Bad Blankenburg/Schwarza (in
doppelt-logarithmischer Dar-
stellung), nach DYCK, PESCHKE
(1995)

- Schlussfolgerungen:
 Flügelmessung nur einige Male im Jahr notwendig zur Überprüfung und ggf. Korrektur der
W-Q-Beziehung (besonders im Hoch- und Niedrigwasserbereich)
 für tägliche Beobachtungen (Routinebeobachtungen) Messung des Wasserstandes ausreichend
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 89

* Genauigkeit der Wasserstands-Durchfluss-Beziehung:


- Fehler (Genauigkeit) stets angeben, Berechnung (mittlerer quadratischer Fehler):
1 n Qi - QWi
mQ(W) = 100 * { ─── 3 [ ───── ] 2 } 0,5 (5.23)
n - 1 i=1 Qi
mit mQ(W) - mittlerer quadratischer Fehler [%]
Qi - gemessener Durchfluss [l/s, m3 /s] ┐ bei gleichem
QWi - aus der W-Q-Beziehung ermittelter Durchflusswert [l/s, m3 /s] ┘ Wasserstand

- W-Q-Kurve korrigieren, falls Fehler nicht mehr im akzeptablen Bereich


- akzeptabel (normale Fehlerbereiche, s. auch Bild 5.26):
ca. 20 % im Niedrigwasserbereich (für Q ≤ 0,5 MQ, MQ = mittlerer Durchfluss)
ca. 5 % im Mittelwasserbereich (für 0,5 MQ < Q ≤ 2 MQ)
ca. 10 % im Hochwasserbereich (für Q > 2 MQ)

f - absoluter Fehler

Bild 5.26:
Schematische Darstellung des absoluten Fehlers
einer W-Q-Beziehung (nach DYCK U.A., 1975)

- Ursachen für Veränderungen der Wasserstands-Durchfluss-Beziehung:


 Pegelnullveränderungen (infolge Hochwasser- bzw. Eisstand)
 Veränderungen des Fließprofils:
- Erosion bei Hochwasser
- Sedimentation bei Niedrigwasser
- Bau-/Regulierungsmaßnahmen im Gewässer
- Verkrautung
 unkontrollierter Druckverlust (Druckluftpegel)
- Fehler im NW-Bereich am größten, weil Erosions- und Sedimentationsprozesse sich am stärksten
auswirken

5.5. Statistische Auswertung von Durchflussdaten


5.5.1. Datenprüfung
* Anforderungen an das Datenmaterial:
- zeitliche und räumliche Repräsentanz
│ │
├ natürliche Schwankungen ausreichend erfasst? └ Gebiet ausreichend beobachtet?
└ Betrachtungszeitraum repräsentativ? (Stationsdichte)
- Konsistenz und Homogenität der Daten  Prüfung mittels statistischer Verfahren
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 90

* Konsistenz = Fehlerfreiheit der Messung


├ - Gerätefehler
├ - Messgerätewechsel
├ - Stationsverlegung
└ - Ablesefehler
► Fehlermöglichkeiten bei der Wasserstandsmessung:
- Pegelnull-Verschiebung (s.o.)
- Verkrautung des Fließquerschnittes
- Eisstand am Pegel
- Verschlammung des Pegelschachtes (bei mechanischem Schwimmerschreibpegel)
- unkontrollierter Druckverlust (bei Druckluftpegel)

* Homogenität = Ungestörtheit der Messreihe


┌───────┴──────────┐
natürlich anthropogen
├ Windbruch ├ Melioration
├ Flächenbrand ├ Gewässerausbau
├ Hangrutschung ├ Speicherung
├ Landsenkungen └ Wasserentnahme bzw. -einleitung
└ Erdbeben ...
►Homogenitätsprüfung schließt 4 Fragen ein:
a) Ist das Beobachtungsmaterial homogen?
┌───────────┴──────┐
ja nein
│ │
O.K. ├ b) Welche Werte sind beeinflusst?
keine weiteren Tests │  Dauer der Beeinflussung

├ c) Wie sind die Werte beeinflusst?
│  Art und Weise der Beeinflussung

└ d) Wie kann das Beobachtungsmaterial bereinigt
(korrigiert) werden?

►Überblick über Homogenitätstests, die häufig in der Hydrologie angewendet werden:


- Tests für Daten einer Datenreihe (z.B. einer Hochwasser-Datenreihe):
 Ausreißertest
 Berechnung einfacher statistischer Parameter (Mittelwert, Streuung, Trends für verschiedene
Zeitabschnitte) und Vergleich der ermittelten statistischen Parameter
- Tests für Daten mehrerer miteinander in Zusammenhang stehender Datenreihen (z.B. Vergleich
einer Hochwasser-Datenreihe mit einer Niederschlags-Datenreihe):
 Doppelsummenanalyse
 Vergleich von Wahrscheinlichkeitsverteilungsfunktionen der betrachteten Datenreihen

►Ausreißertest:
● Ziel des Ausreißertests: Beantwortung der Frage, ob ein (oder mehrere) extreme (große bzw.
kleine) Werte einer Datenreihe zu ein und dem selben Wertekollektiv gehören oder nicht
(Beantwortung der Frage a)  Eliminierung von fehlerhaften Messwerten möglich
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 91

● extreme Werte sind z.B.:


- Durchflüsse von extremen Hochwasserereignissen (Messung schwierig oder unmöglich)
- extreme Niedrigwasserdurchflüsse (großer absoluter Fehler, s.o.)

● Methodik:
- Aufstellen einer sog. Nullhypothese (Ausgangshypothese) H0:
 die Hypothese, die getestet werden soll
 meist: alle Messwerte gehören zu ein und demselben Datenkollektiv
 keine signifikanten Unterschiede der gemessenen Werte
 kein(e) Ausreißer

- Aufstellen einer Alternativhypothese H1:


 ein oder mehrere Wert(e) gehören nicht zum Datenkollektiv, sondern sind Ausreißer
 Signifikanz (Fehlerhaftigkeit) eines oder mehrerer Messwerte
 z.B.: einige der größten Werte (bei Hochwasser) gehören nicht zum Datenkollektiv,
sondern sind Ausreißer oder einige der kleinsten Werte (bei Niedrigwasser)
gehören nicht zum Datenkollektiv

- statistischer Test:
a) Test des/der größten Werte(s) (Beginn mit dem größten Wert, ist dieser ein Ausreißer 
Fortführung mit dem zweitgrößten Wert ..., solange bis ein Wert kein Ausreißer ist):
 Nullhypothese H0 wird verworfen, wenn:

max. x > x + v(α, n) * s(x) (5.24)

mit max. x - größter Wert der Datenreihe


x - Mittelwert aller Werte der Datenreihe
s(x) - Standardabweichung aller Werte der Datenreihe
v(α, n) - Prüfgröße (abhängig vom Signifikanzniveau α und der Werteanzahl n,  s.
Tabelle 5.5)
in der Hydrologie meist verwendet: Signifikanzniveau α = 0,05 (d.h. 5 %)
Signifikanzniveau bedeutet:
 die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art bezüglich H0
 Fehler 1. Art: H0 wird verworfen, obwohl H0 richtig ist

mit s(x) = [ 3  (xi -x ) 2 / (n -1) ] 0,5 (5.25)

wobei s(x) - Standardabweichung aller Werte der Datenreihe


xi - Messwert (betrachteter Wert  größter Wert, zweitgrößter Wert ...)
x - Mittelwert aller Werte der Datenreihe
n - Werteanzahl der Datenreihe

b)Test des/der kleinsten Werte(s) (Beginn mit dem kleinsten Wert, Methodik analog a):
 Nullhypothese H0 wird verworfen, wenn:

min. x < x – v(α, n) * s(x) (5.26)

mit min. x - kleinster Wert der Datenreihe


(alle anderen Größen  s. Gleichungen 5.24 und 5.25)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 92

Tabelle 5.5: Prüfgröße v(α, n) für den Ausreißertest


Werteanzahl n Signifikanzniveau α

α = 0,10 α = 0,05 α = 0,01

10 2,146 2,294 2,540


12 2,229 2,387 2,663
15 2,326 2,493 2,800
17 2,380 2,551 2,871
20 2,447 2,623 2,959
22 2,486 2,664 3,008
25 2,537 2,718 3,071
27 2,568 2,749 3,107
30 2,609 2,792 3,156
32 2,643 2,818 3,185
35 2,668 2,835 3,224
37 2,689 2,847 3,248
40 2,718 2,904 3,281
42 2,736 2,922 3,301
45 2,762 2,948 3,329
47 2,778 2,964 3,346
50 2,800 2,987 3,337

- Schlussfolgerungen:
 Ausreißertest beantwortet die eingangs gestellten Fragen:
Ist das Beobachtungsmaterial/Datenmaterial homogen?
Welche Werte sind beeinflusst?
 Ausreißertest beantwortet nicht die Fragen::
Wie sind die Werte beeinflusst?
Wie kann das Beobachtungs-/Datenmaterial bereinigt (korrigiert) werden?
- praktische Anwendung eines Ausreißertests  s. Übung 12 (Teilaufgabe a)

► Doppelsummenanalyse:
● Ziel der Doppelsummenanalyse:
- Beantwortung der Fragen, die durch Ausreißertest nicht beantwortet werden können
 Art und Weise der Beeinflussung
 Möglichkeiten der Datenbereinigung
 durch Doppelsummenanalyse alle 4 Fragen der Homogenitätsprüfung beantwortbar

● Methodik:
- Vergleich der zu prüfenden Datenreihe mit einer Datenreihe, die unbeeinflusst ist
- Vergleichsmöglichkeiten:
┌─┴─────────────────────────┐
analog kausal
│ │
Vergleich mit einer Datenreihe gleicher Vergleich kausal bedingter Datenreihen,
Art, z.B. Vergleich zweier Durchfluss- z.B. eine Durchflussdatenreihe mit einer
datenreihen (2 benachbarte Pegel oder Niederschlagsdatenreihe oder Vergleich
Niedrigwasserdurchflüsse mit mittleren von Wasserständen eines Sees in einer
Durchflüssen) Trockenperiode mit Verdunstungsdaten
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 93

- Methoden der Datenbereinigung:


┌──────┴─────────────────┐
graphisch ( s. Bild 5.27) analytisch mit Hilfe von Signifikanztests

Bild 5.27:
Doppelsummenanalyse zwischen Niedrig-
wasser- und mittlerem Durchfluss, Pegel
Lichtenwalde / Zschopau (nach DYCK
U.A., 1975)

- graphische Datenprüfung und ggf. -bereinigung:


a) tabellarisches Auflisten zweier Datenreihen (der zu prüfenden Datenreihe und der Datenreihe,
von der bekannt ist, dass sie unbeeinflusst ist)
b) schrittweises Aufsummieren der Werte der beiden Datenreihen:
erste Summe = erster Wert
zweite Summe = erste Summe + zweiter Wert
dritte Summe = zweite Summe + dritter Wert
... (u.s.w.)
c) Auftragen der schrittweise aufsummierten Werte in ein lineares Koordinatensystem ( analog
Bild 5.27):
Punkt 1: erste Summe der nicht beeinflussten Datenreihe  x
erste Summe der zu prüfenden Datenreihe  y
Punkt 2: zweite Summe der nicht beeinflussten Datenreihe  x
zweite Summe der zu prüfenden Datenreihe  y
... (u.s.w.)
d) Einzeichnen von Ausgleichsgeraden (Trendgeraden)
e) Interpretation:
a) Ausgleich durch eine einzige Trendgerade möglich
 keine Inhomogenitäten erkennbar (beide Datenreihen sind homogen)
 alle Daten können ohne Korrektur für weitere Untersuchungen verwendet werden
b) Ausgleich durch eine einzige Trendgerade nicht möglich
 zu prüfende Datenreihe ist nicht homogen
 Ausgleich durch 2 oder mehr Geraden
 Erkennen von verschiedenen Perioden (innerhalb derer die Daten wiederum homogen
sind)  Dauer einer Beeinflussung erkennbar
 Datenkorrektur (graphisch, analytisch) möglich
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 94

- analytische Datenprüfung (Berechnung des/der Geradenanstiege(s)):


a) im Falle einer einzigen Geraden:
m=y/x (5.27)

mit m - Geradenanstieg
x - Mittelwert der zu prüfenden Datenreihe
y - Mittelwert der homogenen Vergleichsdatenreihe

b)im Falle mehrerer Geraden ( vgl. Bild 5.27):


für die erste Periode:
m1 = y1 / x1 (5.28)

mit m1 - Geradenanstieg der ersten Periode


x1 - Mittelwert aller Werte der zu prüfenden Datenreihe, die zur ersten Periode gehören
y1 - Mittelwert aller Werte der Vergleichsdatenreihe, die zur ersten Periode gehören

für die zweite und alle weiteren Perioden: Berechnung analog Gleichung 5.28

- Schlussfolgerungen:
- Korrektur der beeinflussten Periode(n) möglich
- Verwendung von nur einer (der repräsentativen, unbeeinflussten) Periode oder
- Bereinigung der Werte der beeinflussten Periode(n) durch Datenberechnung unter Zugrunde-
legung des Anstieges der unbeeinflussten Periode und der Daten der homogenen Vergleichs-
datenreihe

- Anwendung der Doppelsummenanalyse  s. Übung 12 (Teilaufgabe b)

5.5.2. Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses

* Hauptzahlen des Durchflusses:


►Ziel: übersichtsmäßige Charakterisierung des Durchflussgeschehens an einem bestimmten Ge-
wässerpegel durch einige wenige Zahlen

►Hauptzahlen ( vgl. Bild 5.28, [alle Werte l/s oder m3 /s]):


- NNQ - niedrigster jemals beobachteter Durchfluss
- NQ - Niedrigwasserdurchfluss (kleinster Wert im betrachteten Zeitraum, z.B. innerhalb
eines Jahres)
- MNQ - mittlerer Niedrigwasserdurchfluss (Mittelwert aller Niedrigwasserdurchflüsse)
- MQ - mittlerer Durchfluss
- MHQ - mittlerer Hochwasserdurchfluss (Mittelwert aller Hochwasserdurchflüsse)
- HQ - Hochwasserdurchfluss (größter Wert im betrachteten Zeitraum, z.B. innerhalb eines
Jahres)
- HHQ - höchster jemals beobachteter Durchfluss
- mmHQ - maximal mögliches Hochwasser (resultierend aus dem mmP, vgl. Abschnitt 3.5)

- Hauptzahlen des Durchflusses können für alle beobachteten Pegel den Deutschen Gewässer-
kundlichen Jahrbüchern bzw. den Jahrbüchern der Länder (ab 2000 i.d.R. auch im Internet)
entnommen werden (Beispiel  s. Tabelle 5.6)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 95

Bild 5.28:
Hauptzahlen zur Charak-
terisierung des Durch-
flusses eines Fließgewäs-
sers

Tabelle 5.6: Hauptzahlen des Durchflusses der Elbe, Pegel Dresden (Beobachtungsreihe: 1931 -
1985, alle Werte in m3 /s)
Hauptzahl NNQ NQ MNQ MQ MHQ HQ HHQ
Durchfluss 22,5 22,5 103 325 1426 3360 4680
Bemerkung 25.12.1953 – 15 .01.1954 18.08.2002

- Hauptzahlen dienen u.a. dazu, Eckzahlen des Durchflusses (Minimum, Maximum, Mittel) zu
vermitteln als auch Aussagen zu Abflussunterschieden (Hoch-/Niedrigwasser) und zu zeitlichen
Veränderungen abzuleiten  s. beispielhaft Verhältnis MHQ/MNQ
 Verhältnis MHQ/MNQ zur Charakterisierung der Abflussunterschiede von Fließgewässern 
Tabelle 5.7)  großes Einzugsgebiet  großes Retentionsvermögen  kleines Verhältnis
MHQ/ MNQ  große Flüsse haben kleineres MHQ/MNQ-Verhältnis als kleine Bäche
 kleiner werdendes MHQ/MNQ-Verhältnis mit zunehmender Einzugsgebietsfläche eines Fließ-
gewässers (s. beispielhaft für die Elbe ebenfalls Tabelle 5.7)
 Aussagen zu anthropogenen Veränderungen im Gewässer  s. ebenfalls Tabelle 5.7

Tabelle 5.7: Ableitbare Aussagen auf Grundlage des MHQ/MNQ-Verhältnisses


Charakterisierung der Abflussunterschiede von Fließgewässern
gering < 20 : 1
mittel 20 : 1 ... < 50 : 1
groß 50 : 1 ... < 100 : 1
sehr groß ≥ 100 : 1
Abflussunterschiede MHQ / MNQ für verschiedene Pegel der Elbe
Pegel AE [km2] MHQ [m3/s] MNQ [m3/s] MHQ/MNQ
Dresden 53 096 1 426 103 13,8
Aken 69 848 1 740 155 11,2
Barby (oberh. Magdeburg) 94 060 2 058 198 10,4
Tangermünde 97 780 2 030 220 9,2
Neu-Darchau (oberh. Hamburg) 131 950 1 870 279 6,7
Zeitliche Veränderung des MHQ/MNQ-Verhältnisses als Maß für anthropogene Beeinflussungen
weitgehend unverändert < 10 %
wenig verändert 10 % ... < 30 %
mäßig verändert 30 % ... < 70 %
stark verändert 70 % ... < 90 %
sehr stark verändert ≥ 90 %
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 96

* Dauerzahlen des Durchflusses:


- Einteilung des Wertekollektivs in Klassen
- Ermittlung der Tage, an denen der Durchfluss den Grenzwert der jeweiligen Klasse über- bzw.
unterschreitet ( s. Tabelle 5.7 und Bild 5.29)
- Wahrscheinlichkeitsanalyse gibt Aufschluss über die Häufigkeit der Durchflüsse, d.h. es kann an-
gegeben werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Durchfluss in einer vorgegebenen Größen-
ordnung zu erwarten ist
- Erarbeitung einer Dauerlinie des Durchflusses für ein Abflussjahr  s. Übung 13

Bild 5.29: Beispiel für den Zusammenhang zwischen Ganglinie, Häufigkeitsverteilung und Dauerlinie (nach
DYCK, PESCHKE, 1995)

5.6. Der Abflussbildungsprozess


5.6.1. Einflussgrößen auf den Abflussvorgang - morphometrische Parameter
* Größe des Einzugsgebietes:
- Erhöhung der Abflussmengen mit größer werdender Einzugsgebietsfläche
- Verringerung der Abflussspitzen mit größer werdender Einzugsgebietsfläche (Retention)
* Form des Einzugsgebietes:
- Form des Einzugsgebietes beeinflusst Abflussgeschehen (Laufzeit des Abflusses,  s. Bild 5.30) und
ist damit entscheidend in Bezug auf die Einschätzung der Hochwassergefährdung eines Gebietes (s.
ebenfalls Bild 5.30)
- quantitative Erfassung durch Formparameter:
- Formfaktor: RF = AE / LF 2 (5.29)
- Kreisförmigkeitsverhältnis: RK = AE / AK (5.30)
- Streckungsverhältnis: RS = DK / LF (5.31)
(Symbolerklärung  s. folgende Seite)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 97

mit RF - Formfaktor [ ]
RK - Kreisförmigkeitsverhältnis [ ]
RS - Streckungsverhältnis [ ]
RS ≈ 1 für Gebiete mit geringem Geländegefälle
RS ≈ 0,6 ... 0,8 für Gebiete mit hohem Geländegefälle
AE - Einzugsgebietsfläche [km2]
AK - Fläche eines Kreises mit gleichem Umfang wie das Einzugsgebiet [km2]
LF - Länge des Hauptflusses [km]
DK - Durchmesser eines Kreises einem Flächeninhalt analog dem Einzugsgebiet [km2]

Bild 5.30:
Einfluss der Einzugsgebietsform auf das
Abflussgeschehen (aus BAUMGARTNER,
LIEBSCHER, 1990)

* Flussdichte:
- abhängig von der Entwässerungsfähigkeit (Infiltrationsvermögen) eines Gebietes:
geringe Flussdichte = gutes Infiltrationsvermögen (gute Speichereigenschaften, Grundwasserabfluss
hat hohe Bedeutung)
hohe Flussdichte = schlechtes Infiltrationsvermögen (geringes Speichervermögen, Grundwasser-
abfluss hat untergeordnete Bedeutung)  ausgeprägte Reaktion des Gebietes auf Niederschlags-
ereignisse
- Speichervermögen von Bodenart, Nutzung, Gefälle, geologischem Untergrund abhängig
- damit ist Flussdichte entscheidend in Bezug auf die Einschätzung der Hochwassergefährdung eines
Gebietes (s. Bild 5.31)

Bild 5.31:
Einfluss der Flussdichte des Einzugsbietes auf das
Abflussgeschehen (aus BAUMGARTNER, LIEBSCHER,
1990)

- quantitative Erfassung der Flussdichte:


DF = LAF / AE (5.32)
mit DF - Flussdichte [km-1]
LAF - Länge aller (nichtperiodischen) Vorfluter im Einzugsgebiet [km]
AE - Einzugsgebietsfläche [km2]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 98

* Vegetation:
- vielfältiger Einfluss  vgl. Abschnitte 2 und 4 (Verdunstung, Interzeption, Speicheränderung)
- Beispiel: Einfluss des Waldes auf die Veränderung der Abflussspende  s. Bild 5.32

Bild 5.32:
Ganglinien eines bewaldeten und eines nicht bewal-
deten Einzugsgebietes (aus BAUMGARTNER, LIEBSCHER,
1990)

* Niederschlag:
- Einfluss von Niederschlagshöhe, -intensität, -dauer, -häufigkeit  vgl. Abschnitt 3
- Beispiel: ungleichmäßige Überregnung eines Einzugsgebietes  s. Bild 5.33

Bild 5.33:
Einfluss ungleichmäßiger flächenhafter Überregnung
eines Einzugsgebietes auf die Abflusskonzentration
(nach DYCK, 1978)

* Gefällewerte, topographischer Faktor:


- Unterscheidung in Wasserlaufgefälle und Geländegefälle (Gebietsgefälle)
- Wasserlaufgefälle = mittleres Gefälle eines Flusses bzw. eines Flussabschnittes
- Kenntnis des Wasserlaufgefälles notwendig u.a. für:
 die Ermittlung der Fließgeschwindigkeit
 die Einschätzung des zeitlichen Verlaufs von Hochwasserabflüssen
 die Bewertung des Selbstreinigungsvermögens
- Wasserlaufgefälle fast immer von Quelle zur Mündung abnehmend: konkaver Längsschnitt, Bild 5.34

Bild 5.34:
Längsschnitt der Elbe (Ausschnitt), nach
DYCK, PESCHKE (1995)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 99

- durchschnittliches Wasserlaufgefälle ergibt sich nur für die Fälle durch einfaches Berechnen (I =
ΔhQuelle-Pegel/ΔlQuelle-Pegel), wenn keine Wasserfälle bzw. Seen im Gebiet vorhanden sind bzw. wenn der
Längsschnitt des Fließgewässers kaum konkav ist, ansonsten Überbewertung der hohen Gefällewerte
im Oberlauf
- bessere Erfassung durch Ansatz nach BENSON:

H0,1 L – H0,85 L
I = ──────── (5.33)
0,75 L

mit I - mittleres Wasserlaufgefälle [ ]


L - Fließlänge [m]
H0,1 L - Höhe bei 10 % der Fließlänge [m]
H0,85 L - Höhe bei 85 % der Fließlänge [m]

- genaueste Erfassung nach NASH & SHAW:

2 Σ (Li * Zi )
I = ─────── (5.34)
(Σ Li ) 2

mit I - mittleres Wasserlaufgefälle [ ]


Li- Länge eines Fließabschnittes [m],  vgl. Bild 5.35
Zi- mittlere Höhe des Fließabschnittes [m],  vgl. Bild 5.35

Bild 5.35:
Bestimmung des Wasserlaufgefälles
nach NASH & SHAW (nach DYCK,
PESCHKE, 1995)

- Geländegefälle (Gebietsgefälle):
- mittleres Gefälle der Geländeoberfläche im betrachteten Einzugsgebiet
- abhängig von Wasserlaufgefälle und Relief
- mittleres Geländegefälle ist nie einfach I = Δhhöchster Punkt-niedrigster Punkt/Δlhöchster Punkt-niedrigster Punkt
- Ermittlung z.B. mittels Gitternetz (s.  Bild 5.36), das über die Karte des Einzugsgebietes gelegt
wird und Ermittlung des Gefälles für jeden Gitterpunkt Ii = Δ h / Δ l (Gesamtgefälle = arith-
metisches Mittel der Einzelgefällewerte), Gitterabstand abhängig von den Höhenunterschieden
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 100

Bild 5.36:
Ermittlung des mittleren Geländegefälles

- topographischer Faktor:
- oft auch als orographischer (oder orohydrograpischer) Faktor bezeichnet
- Maß für die Fließzeit des Abflusses in einem Einzugsgebiet
- in vielen Abfluss-/Hochwassermodellen verwendeter Parameter
TF = LF / ( I ) 0,5 (5.35)
mit TF - topographischer Faktor [km]
LF - Länge des Hauptvorfluters [km]
I - Wasserlaufgefälle [ ]

* Flussentwicklung:
► Definition:
- Zusammenhang zwischen der Flusslänge LF (zwischen 2 Gewässerpunkten A und B) in Längs-
richtung und der kürzesten Verbindung zwischen diesen beiden Punkten C = B - A:

LF – C
eF = ──── (5.36)
C
mit: eF - Flussentwicklung
LF - Flusslänge zwischen 2 Punkten A und B [m, km]  s. Bild 5.37
C - kürzeste Verbindung zwischen den Punkten A und B [wie LF ]

► Bedeutung der Flussentwicklung:


- zur Beschreibung des sog. Grundrisses eines Gewässers bzw. Gewässerabschnittes (gerade ...
mäandrierend)  s. Tabelle 5.8 und Bild 5.37
- zur Einschätzung der Veränderungen des Gewässergrundrisses durch wasserbauliche Maßnahmen
(Vergleich aktuelle/historische Karten)

* sonstige Einflüsse:
- Geologie und Bodenverhältnisse
- anthropogene Einflüsse (Deiche, Wasserentnahme, -speicherung, -einleitungen, Bebauung)  vgl. Ab-
schnitt 2.3
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 101

Tabelle 5.8: Zusammenhang zwischen Gewässergrundriss und Flussentwicklung


Gewässergrundriss Flussentwicklung eF
Gerade 0,0 - < 0,1
leicht schlängelnd 0,1 - < 0,2
schlängelnd 0,2 - < 0,3
gekrümmt 0,3 - < 0,5
mäandrierend ≥ 0,5

Bild 5.37: Charakteristik des Gewässergrundrisses

- Ermittlung ausgewählter morphometrischer Parameter  s. Übung 14

5.6.2. Einfache Ansätze zur Erfassung der Abflussbildung


* Notwendigkeit von Angaben zur Abflussbildung auf der Bodenoberfläche:
- zur Planung und Bemessung von Entwässerungseinrichtungen/Bauwerken
- zur Einschätzung von Erosions- und Standsicherheitsgefahren (vgl. Vorlesung Ingenieurgeologie)
- zur Planung dezentraler Versickerungsanlagen
- zur Beschreibung des Stoffeintrages in den Boden

* Abhängigkeit der Abflussbildung auf der Bodenoberfläche:


- Niederschlag (Menge, Dauer, Intensität, zeitliche Veränderung) und Vorfeuchte des Bodens
- Infiltrationsvermögen der Bodenoberfläche
- Nutzung/Bewuchs
- Oberflächengefälle und Hanglänge

* Abflussbeiwertverfahren:
- in der hydrologischen Praxis für Bemessungsaufgaben häufig verwendet
- näherungsweise Ermittlung des direkten Abflusses (= Oberflächenabfluss)
- definiert als Verhältnis des Direktabflusses zum Niederschlag:
ψ = RO / P (mit 0 ≤ ψ ≤ 1) (5.37)
mit ψ - Abflussbeiwert [ ]
RO - Direktabfluss (Oberflächenabfluss) [mm]
P - Niederschlag [mm]

- ψ = 0  vollständiges Zurückhalten des Niederschlages  vollständige Infiltration


- ψ = 1  vollständiges Abfließen des Niederschlages (theoretischer Wert)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 102

- ψ = 1 tritt praktisch nicht auf, da ein Teil des Niederschlages zur Benetzung der Oberfläche, zur
Auffeuchtung der Oberfläche benötigt wird ( sog. Anfangsverlust Va )  für Oberflächen-
abflussberechnungen ist der Niederschlag P in Gleichung 5.37 folglich um Va zu reduzieren:

RO = ψ * (P - Va ) (5.38)

mit Va - Anfangsverlust [mm]


(alle anderen Größen  s. Gleichung 5.37)

- Anhaltswerte für ψ und Va  s. Tabelle 5.9


Tabelle 5.9: Anhaltswerte für Abflussbeiwerte und Anfangsverluste verschiedener Nutzungen
Nutzung Anfangsverlust Va [mm] Abflussbeiwert ψ [ ]

Geschäftsstraßen:
Innenstadt 1 0,70 ... 0,95
Außenbezirke 1 0,50 ... 0,70

Wohngebiete:
Einfamilienhäuser (ca. 50 Einwohner EW / ha) 3 0,20 ... 0,30
Reihenhäuser (ca. 150 EW / ha) 2 0,30 ... 0,50
Mehrfamilienhäuser, aufgelockerte Bebauung 2 0,40 ... 0,60
Mehrfamilienhäuser, enge Bebauung 1 0,60 ... 0,75
Wohngebiete, sehr dichte Bebauung (> 350 EW / ha) 1 0,70 ... 0,90

Industrie-/Gewerbegebiete:
Gewerbegebiete (aufgelockert) 1 0,50 ... 0,80
Industriebetriebe (stark befestigt) 1 0,60 ... 0,90

Parkanlagen, Friedhöfe 5 0,05 ... 0,25

Spielplätze 4 0,20 ... 0,35

Bahnhöfe, Bahnstrecken 4 0,20 ... 0,35

Straßen, Fußwege:
Beton, Asphalt 0,2 0,85 ... 0,90
fugendichtes Pflaster 0,5 0,75 ... 0,85
Reihenpflaster ohne Fugenverguss 1 0,25 ... 0,60
Kleinsteinpflaster 1 0,25 ... 0,60
Schotterstraßen, Kieswege 2 0,15 ... 0,30

Dachflächen:
Metall- und Schieferdächer 0,1 0,95
gewöhnliche Dachziegel und Dachpappe 0,5 0,90

Gartenflächen, Sportplätze 4 ... 7 0,05 ... 0,20

Ödland mit spärlichem Bewuchs 4 0,25 ... 0,35

Ackerland 5 0,15 ... 0,25

Dauergrünland (Wiese, Weide) 7 0,10 ... 0,20

Wälder 10 0,00 ... 0,10

Die niedrigeren Werte für ψ gelten bei mittlerem bis gutem Infiltrationsvermögen der Oberfläche, bei Getreide,
Dauerwiese oder dichtem Wald. Die höheren Werte gelten bei mäßigem bis schlechtem Infiltrationsvermögen der
Oberfläche, für Böden mit feiner Textur, bei Hackfrüchten und Mais, Dauerweide und aufgelockertem bzw. durch
extreme klimatische oder Umwelteinflüsse geschädigtem Wald.
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 103

- in einem heterogen genutzten Gebiet ergibt sich der flächengewichtete Abflussbeiwert ψm :


n
ψm = ( 3 Ai * ψi ) / Ages (5.39)
i=1

mit ψm - mittlerer Abflussbeiwert [ ]


Ai - Teilfläche i [m2 , ha, km2 ]
ψi - Abflussbeiwert entsprechend der Nutzung der Teilfläche i [ ], z.B. aus Tabelle 5.9
n - Gesamtanzahl Teilflächen (Flächen mit unterschiedlicher Nutzung)
Ages - Gesamtfläche [gleiche Einheit wie Ai ]

- Vorteil des Abflussbeiwertkonzeptes:


 schnelle, komplikationslose Anwendung
- Nachteile des Abflussbeiwertkonzeptes:
 keine Berücksichtigung verschiedener Niederschlagsintensitäten PI (ψ höher bei hohem PI)
 zeitliche Veränderungen von ψ infolge Niederschlagsverlaufes bleiben unberücksichtigt
 Einfluss der Bodenart nur grob erfassbar
- Anwendung des Abflussbeiwertkonzeptes  s. Übung 15

* Curve-Number-Verfahren:
- entwickelt vom US Soil Conservation Service, weltweit angewendet
- Ermittlung des Direktabflusses unter Beachtung des Niederschlages und gebietsspezifischer
Faktoren (Bodenart, Nutzungsart, Bodenfeuchte), die summarisch in einem sog. CN-Faktor (CN -
curve number) münden, der von 0 - 100 % variieren kann (0%= vollständige Infiltration, 100% =
vollständige RO-Bildung), dennoch CN-Faktor ≠ Abflussbeiwert, weil im Unterschied zum Ab-
flussbeiwert keine lineare Beziehung zwischen CN-Faktor und RO besteht ( s. Bild 5.38)
- hergeleitet an Hand umfangreicher Abflussmessungen (insbesondere während Hochwasser) und
Infiltrometer-/Lysimetermessungen ( vgl. Abschnitt 4.3)

Bild 5.38:
Menge an gebildetem Oberflächenab-
fluss in Abhängigkeit von der Nieder-
schlagshöhe und dem CN-Faktor (nach
SCHRÖDER U. A., 1994)

- Berechnung des Oberflächenabflusses RO:


[P/25,4) – (Ia * 10/CN) + (Ia/10)] 2
RO = ─────────────────────────── * 25,4 (5.40)
(P/25,4) + [(1000 - Ia * 10)/CN] – [10 – (Ia/10)]
mit RO - Oberflächenabfluss [mm] P - Niederschlag [mm]
CN - Curve Number [%] (CN = 0 ... 100 %) Ia - Anfangsverlust [mm]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 104

- Anfangsverlustgröße Ia charakterisiert die zeitliche Verzögerung der Abflussbildung nach Nieder-


schlagsbeginn infolge Retentionswirkung der Abflussbildungsflächen:
Ia = 0,2 (25400 / CN - 254) (5.41)
(alle Größen  s. Gleichung 5.40, Ziffern 25400 und 254 infolge Umrechnung von Zoll in mm)

- CN-Faktor abhänigig von Bodenart und -nutzung ( s. Tabelle 5.10)

Tabelle 5.10: CN-Faktoren in Abhängigkeit von Bodentyp und Bodennutzung


Bodennutzung CN-Faktor [%]

Bodentyp BT (Erklärung  s.u.) BT = 1 BT = 2 BT = 3 BT = 4

Ödland (ohne nennenswerten Bewuchs), Baugelände 77 86 91 94

Landwirtschaftlich genutzte Flächen:


Hackfrüchte, Wein (unterrassiert) 70 80 87 90
Wein (Terrassen) 64 73 79 82
Getreide, Futterpflanzen 64 76 84 88
Weide (normal) 49 69 79 84
Weide (karg) 68 79 86 89
Dauerwiese 30 58 71 78

Wälder:
stark aufgelockert oder geschädigt 45 66 77 83
mitteldicht 36 60 73 79
dicht 25 55 70 77

Dachflächen 98 98 98 98

Straßen/Fußwege:
Beton, Asphalt, fugendichtes Pflaster 98 98 98 98
Reihenpflaster ohne Fugenverguss 83 89 92 93
Schotterstraßen, Kieswege 76 85 89 91
unbefestigte Straßen/Wege 72 82 87 89

Parkanlagen, Rasenflächen, Friedhöfe:


spärliche Bewuchs (Grasbedeckung < 50 %) 68 79 86 89
durchschnittlicher Bewuchs (Gras: 50 - 75 %) 49 69 79 84
üppiger Bewuchs (Grasbedeckung > 75 %) 39 61 74 80

Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiete:


Versiegelungsgrad: 85 % 89 92 94 95
Versiegelungsgrad: 72 % 81 88 91 93
Versiegelungsgrad: 55 % 77 85 90 92
Versiegelungsgrad: 38 % 61 75 83 87
Versiegelungsgrad: 30 % 57 72 81 86
Versiegelungsgrad: 25 % 54 70 80 85
Versiegelungsgrad: 20 % 51 68 79 84
Versiegelungsgrad: 12 % 46 65 77 82

BT = 1:für Böden mit großem Versickerungsvermögen auch nach starker Vorfeuchtung, z.B. tiefgründige Sand- und Kiesböden
BT = 2 für Böden mit mittlerem Versickerungsvermögen, tief bis mäßig tiefgründige Böden mit mäßig feiner bis mäßig grober Textur,
z.B. Sandböden, Löß, schwach lehmiger Sand
BT = 3 für Böden mit geringem Versickerungsvermögen, Böden mit feiner bis mäßig feiner Textur oder mit wasserstauender Schicht,
z.B. flachgründige Sandböden, sandiger Lehm
BT = 4 für Böden mit sehr geringem Versickerungsvermögen, Tonböden, sehr flache Böden über nahezu undurchlässigem Material,
Böden mit dauernd sehr hohem Grundwasserspiegel
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 105

- die in Tabelle 5.10 angegebenen CN-Faktoren beziehen sich auf durchschnittliche Bodenfeuchte
- Einbeziehung des Einflusses der Bodenfeuchte durch Gleichungen 5.42 (geringe Bodenfeuchte)
bzw. 5.43 (hohe Bodenfeuchte) möglich:
0,4036 CN
CN trocken = ──────── (5.42)
1 – 0,0059 CN

2,334 CN
CN feucht = ───────── (5.43)
1 + 0,01334 CN

mit CNtrocken - CN-Faktor für geringe Bodenfeuchte


CNfeucht - CN-Faktor für hohe Bodenfeuchte
CN - CN-Faktor für mittlere Bodenfeuchte entsprechend Tabelle 5.10

 CN-Erhöhung (bei hoher Bodenfeuchte) bzw. -Verkleinerung (bei geringer Bodenfeuchte)


 für Bemessungsaufgaben ist nach DVWK der CN-Faktor nach Tabelle 5.10 empfohlen
 für große Wiederkehrsintervalle (≥ 50 a wird häufig CNfeucht verwendet  erhöhte Sicherheit)
- Anwendung des Curve-Number-Verfahrens  s. Übung 15

5.6.3. Abfluss- und Infiltrationsmodelle


* Anforderungen an die Modelle:
- hohe Systembezogenheit
- geringe Zeitdiskretisierung
* Arten von Modellen ( s. auch Bild 5.39):

Bild 5.39:
Modellkonzepte
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 106

►Black-Box-Modelle:
Input-Output-Transformation mittels deterministischer oder stochastischer Funktionen ohne Berück-
sichtigung der physikalischen Gesetzmäßigkeiten  erfüllen die o.g. Anforderungen nicht
►systembeschreibende Modelle:
Input-Output-Transformation basierend auf den Gesetzen der Massen- und Energieerhaltung
(dynamische Grundgleichung, Kontinuitätsgleichung):
a) mittlere Bodenwasserhaushaltsbilanzen  Kontinuitätsgleichung
b) prozessbezogene (dynamische) Bodenwasserhaushaltsmodelle:
 Verbindung von dynamischer und Kontinuitätsgleichung
 nichtlineare Differentialgleichungen 2. Ordnung
Lösungen: numerisch (z.B. FEM - finite element method) Nachteil: Parametervielzahl
analytisch (durch Modellvereinfachungen)
►konzeptionelle Boxmodelle:
Input-Output-Transformation basiert auf vereinfachten/reduzierten Modellvarianten analytischer
Lösungen systembeschreibender Modelle
typische Modellvereinfachungen:
- Berücksichtigung von nur einer Strömungskomponenten (in z-Richtung)
 Reduktion auf ein eindimensionales Problem
- Betrachtung des Bodens als homogenen Block
- Linearisierung der Ausgangsgleichungen
- einfache Rand- und Anfangsbedingungen

* Modellierung des Infiltrationsprozesses (Infiltration = Eintritt des Wassers in den Boden):


► Modellansatz:
- DARCY-Gesetz für ungesättigte Bedingungen ( s. auch Vorlesung Hydrogeologie I):
v = - k(Θ) * grad Φ (5.44)
mit Φ = z + ψ (Θ) (5.45)
mit v - Infiltrationsgeschwindigkeit [m/s] (Symbol oftmals f)
k(Θ) - ungesättigte hydraulische Leitfähigkeit [m/s] (Infiltrationsfähigkeit der Bodenoberfläche)
Θ - Bodenfeuchte, Wassergehalt [Vol.-%]
Φ - Gesamtpotential [m WS]
z - eindimensionale Fließrichtung (in z-Richtung)
ψ - Saugspannung des Bodens [m WS]

- zur Abhängigkeit der ungesättigten hydraulischen Leitfähigkeit  s. Bild 5.40

Θ0 - minimaler wassererfüllter Hohlraumanteil


ΘS - Sättigungswassergehalt
k(Θ) - ungesättigte hydraulische Leitfähigkeit
kf - gesättigte hydraulische Leitfähigkeit

Bild 5.40:
Abhängigkeit der ungesättigten hydraulischen Leitfähigkeit
vom Wassersättigungsgrad bzw. vom Wassergehalt des
Bodens (nach DYCK, PESCHKE, 1995)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 107

- zum Zusammenhang Saugspannung-Bodenfeuchte-Bodenart  s. Bild 5.41

Bild 5.41: Zusammenhang zwischen Bodenart, Bodenfeuchte und Saugspannung (Saugspannungs-Sätti-


gungs-Beziehung, pF-Kurve  vgl. Module Hydrogeologie und Pedologie), nach JORDAN, WEDER
(1995)

►Ermittlung des Infiltrationsvermögens der Bodenoberfläche:


- mittels Infiltrometer (Ein- und Doppelringinfiltrometer)
- durch Regensimulatoren (Sprinkleranlagen)
- mittels Lysimeter ( s. Abschnitt 4.3)
- Analyse des Abflussverhaltens von Vorflutern (Abflussseparation)

►Messung des Infiltrationsvermögens mittels Doppelringinfiltrometer:


- Ziele:
Ermittlung des Infiltrationsvermögens des Bodens (zeitlich-räumlich differenziert)
Bestimmung des kf-Wertes in-situ
- Aufbau:  s. Bild 5.42

Bild 5.42:
Schematische Darstellung eines Doppelring-Infiltro-
meters (aus SCHRÖDER U.A., 1994)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 108

- Methodik:
- Registrierung des in den Boden infiltrierenden Wassers aus dem inneren Infiltrationsring
- äußerer Ring: Befeuchtung des Messbereiches und Unterdrückung einer seitliche Absickerung
aus dem inneren Ring  parallele Infiltrationsstromlinien aus dem inneren Ring
- Eine seitliche Absickerung, wie sie beim Einring-Infiltrometer auftritt, führt dazu, dass mehr
Wasser infiltriert.
- Versuchsdurchführung:
- Wasserspiegel in den beiden Ringen (Innen- und Außenring) konstant halten
- Registrierung der Wassermenge, die pro Zeiteinheit zugegeben werden muss, um den Wasser-
spiegel im inneren Ring konstant zu halten
- Arbeit mit geringer Überstauhöhe (max. 2 - 3 cm), um keine kf-Werterhöhung infolge Überstau-
druck zu erhalten
- Aufsättigung der Bodenoberfläche vor den eigentlichen Messungen (Zeitdauer abhängig von
der Anfangsbodenfeuchte)
- Auswertung:
Anwendung des DARCY-Gesetzes zur Berechnung der gesättigten hydraulischen Leitfähigkeit
(kf-Wert  s. auch Vorlesung Hydrogeologie I):

Q
kf = ─── (5.46)
t*A

mit kf - gesättigte hydraulische Leitfähigkeit (kf-Wert) [mm/s]


Q - Infiltrationsmenge [l]
t - Zeitdauer des Infiltrationsversuches [s]
A - Flächeninhalt des inneren Infiltrometerringes [m2]

- Durchführung von Infiltrometermessungen  s. Übung 5, Hydrologie II (Masterstudium)

►Darstellung von Messungen der Infiltrationsintensität  s. Bild 5.43

Bild 5.43:
Zeitliche Abhängigkeit der Infiltra-
tionsintensität f eines Grünlandstand-
ortes im Einzugsgebiet des Pegels
Zöblitz für unterschiedliche Nieder-
schlagsintensitäten PI (aus DYCK U.A.,
1978)

►Beschreibung des Infiltrationsprozesses ( s. auch Bilder 5.43 und 5.44):


a) Sättigungsphase:
- Charakteristik: Niederschlagsintensität PI < Infiltrationsintensität f  f = PI
- keine Sättigung der Bodenoberfläche  keine Bildung von Oberflächenabfluss RO
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 109

b) Rückgangsphase:
- Charakteristik: Niederschlagsintensität PI > Infiltrationsvermögen f  Bodenoberfläche gesättigt
- f unabhängig von PI  f = f (k(Θ), ψ(Θ), Θ)  s.o.
- f nimmt mit der Zeit nichtlinear ab und nähert sich asymptotisch dem kf-Wert (gesättigte hydrau-
lische Leitfähigkeit, vgl. Vorlesung Hydrogeologie) für t  unendlich

Bild 5.44:
Beziehung zwischen Infiltrations-
vermögen, Niederschlags- und
Infiltrationsintensität während der
Sättigungs- und Rückgangsphase
beim Infiltrationsprozess (nach
DYCK, PESCHKE, 1995)

►Prozess der Auffeuchtung des Bodens infolge Infiltration:


- Auffeuchtung des Bodens in der Natur  s. Bild 5.45 a
 Auffeuchtung in vertikaler Richtung (von der Bodenoberfläche in die Tiefe)
 Fortschreiten einer Feuchtefront mit der Zeit
- Approximation (Vereinfachung) der natürlichen Verhältnisse (Bild 5.45 a) durch eine Stu-
fenfunktion (Bild 5.45 b)
 Abstraktion im mathematischen Modell
 wesentliche Prozesseigenschaften dennoch wiedergegeben

Bild 5.45:
Entwicklung des Feuch-
teprofils in einem homo-
genen Boden während
der Infiltration:
a) experimentell ermit-
telt
b) Approximation durch
eine Stufenfunktion
im Modell
(nach DYCK, PESCHKE,
1995)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 110

5.7. Abflusskonzentration- und -verlauf im Gewässer


* Ziel:
- Transformation der gebildeten Abflussmengen in eine Durchflussganglinie
- Berücksichtigung der Abflussverlagerung (Translation) und Abflussdämpfung (Retention) 
Beispiel s. Bild 5.46
- Wirkung einer Vielzahl von Einflussfaktoren  vgl. auch Abschnitt 5.6.1  komplizierte
Erfassung und Modellierung  im Rahmen der Vorlesung kann nur ein ganz grober Überblick
gegeben werden

Bild 5.46:
Fortbewegung der HHQ-
Hochwasserwelle der Elbe
(am Beispiel von 5 Pegeln),
aus DYCK U.A. (1976)

* Methoden zur Erfassung der Prozesse Abflusskonzentration und -verlauf:


►Methodenübersicht:
- vereinfachte hydraulische Gleichungen der Fließgeschwindigkeit ( vgl. Abschnitt 5.3)
- Ersatz der Durchflussganglinie durch vereinfachte Funktionen (z.B. Approximation durch eine
Dreiecksfunktion  s.u.)
- Isochronenmethode (Linien gleicher Laufzeit bis zum Auslass)  Prinzip s. Bild 5.47
- hydraulische Netzwerkberechnungen (unter Berücksichtigung von Translation und Retention)
- Nutzung von Speicherkaskaden (Speicherfunktionen, s.u.)
- kinematische Wellenmodelle (Verwendung dynamischer Gleichungen der instationären Strömung,
Voraussetzung für die Anwendung: Vielzahl von Parametern)

T - Translationszeit bis zum Auslass

Bild 5.47:
Prinzip der Isochronenmethode (nach
MAIDMENT, 1992)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 111

►Ersatz der Durchflussganglinie durch vereinfachte Funktionen:


- häufigste Approximation: Dreiecksfunktion mit empirischen Funktionsparametern
- Beispiel: Dreieckshydrograph des US Soil Conservation Service ( s. auch Bild 5.48)

Bild 5.48:
US-SCS Dreieckshydrograph (nach
MAIDMENT, 1992)

- notwendige Informationen des US-SCS-Dreieckshydrographen:


 gebildete Oberflächenabflussmenge RO ( vgl. Abschnitte 5.6.2 und 5.6.3)
 Dauer der Oberflächenabflussbildung D (häufige Annahme: D = Regendauer)
 Konzentrationszeit des Oberflächenabflusses TC im betrachteten Gebiet (in erster Näherung
gleichzusetzen mit der Bemessungsregendauer PD  s. Abschnitt 3.5)

- Funktionsparameter:
- generell im Ergebnis umfangreicher Untersuchungen zum Niederschlags-Abfluss-Verhalten
vieler Einzugsgebiete ermittelt  empirische Parameterermittlung
- Scheiteleintrittszeit ts :
ts = 0,5 PD + 0,6 TC (5.47)
mit: ts - Scheiteleintrittszeit [min, h]
PD - Regendauer [wie ts ]
TC - Konzentrationszeit des Oberflächenabflusses [wie ts ]
- Scheiteldurchfluss HQ:
0,208 * A * RO
HQ = ───────── (5.48)
ts
mit: HQ - Scheiteldurchfluss [m3 /s]
A - Einzugsgebietsgröße (oberirdisch) [km2 ]
RO - gebildete Oberflächenabflussmenge [mm]
ts - Scheiteleintrittszeit [h]
- Gesamtdauer des Dreieckshydrographen tg :
tg = 2,67 ts (5.49)
mit: tg - Gesamtdauer des Dreieckshydrographen [min, h]
ts - Scheiteleintrittszeit [wie tg ]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 112

►Parallelkaskadenmodell - ein Beispiel für ein Abflusskonzentrationsmodell:


- Prinzip des Parallelkaskadenmodells  s. Bild 5.49

Bild 5.49:
Prinzip des Parallelkas-
kadenmodells (nach
SCHRÖDER U.A., 1994)

- Berechnung der Transformationsfunktion für einen Zeitschritt:

u(T,tj ) = U(T,tj ) * AE / 3,6 (5.50)

mit u(T,tj) - Transformationsfunktion [m3 / (s * mm)]


U(T,tj) - relative Transformationsfunktion [1 / h]
AE - Einzugsgebietsfläche [km2]
wobei

U(T,tj ) = δ / K1 (n1 -1)! (tj / K1)(n1 - 1) e - tj / K1 + (1 - δ) / K2 (n2 - 1) (tj / K2)(n2 - 1) e - tj / K2 (5.51)

und

K1 = - 2.25 * df + 4.38 (5.52)

K2 = 0.016773 * lf / ( I ) 0,5 + 2.4994 (5.53)

δ = 0.323 * e - 0.00765 * lf / SQR ( I ) (5.54)

mit K1 - Speicherkonstante der ersten Kaskade


K2 - Speicherkonstante der zweiten Kaskade
df - Flussdichte im Einzugsgebiet [km-1] ( vgl. Abschnitt 5.6.1)
0,5
lf / (I) - orographischer Faktor mit I = Δh / lf ( vgl. ebenfalls Abschnitt 5.6.1)
lf - Länge des Hauptvorfluters von der Einzugsgebietsgrenze bis zum Berechnungspunkt [km]
Δh - Höhendifferenz (Einzugsgebietsgrenze - Berechnungspunkt) [m]
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 113

- da ein Abflussereignis i.d.R. durch mehrere Regenintervalle gekennzeichnet ist, sind die Abfluss-
ganglinien aller Zeitschritte zu überlagern (Überlagerung auch als Superposition bzw. lineare Faltung
bezeichnet)  Prinzip s. Bild 5.50

Bild 5.50:
Überlagerung von Abflussganglinien ver-
schiedener Zeitschritte (lineare Faltung),
nach SCHRÖDER U.A. (1994)

- Überlagerungsformel (Faltungsoperation):

k
QD(tj ) = T * 3 RO(ti ) * u(T,tj - ( j - 1) T ) (5.55)
i=1

mit QD(tj) - Durchflusswert am Auslass (Berechnungspunkt) [m3/s]


T - Zeitintervallbreite ( s. Bild 5.50) des Niederschlags- und Abflussereignisses [h]
RO(ti) - Oberflächenabflussmenge zum Zeitpunkt ti [mm]
k - Niederschlagsintervalle insgesamt

* Ergebnisse:
- Abflussganglinie
- Abflusswerte zu verschiedenen Zeitpunkten (z.B. während eines Hochwasserereignisses)
- Abflusssumme innerhalb einer bestimmten Zeitdauer (z.B. innerhalb eines Tages)

* Anwendung einfacher Ansätze zur Ermittlung von Ganglinien  s. Übung 15


Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 114

6. Hydrogeologische Grundlagen
6.1. Teildisziplinen der Hydrogeologie
* wesentliche Bereiche, in denen Hydrogeologen arbeiten:
- allgemeine Hydrogeologie  Vermittlung von Grundlagen
- Grundwasserlagerstätten  Eigenschaften, Nutzbarkeit (Erkundung)
- Grundwasserschutz  Erarbeitung von Schutzzielen, Mitwirkung an der Ausweisung von Schutz-
gebieten
- Montanhydrogeologie  Bergbausicherheit, Entwässerung
- weitere: Paläohydrogeologie, Geohydraulik, Isotopenhydrogeologie, Hydrogeothermie, …

6.2. Hohlräume und unterirdische Wasserarten in der Hydrogeologie


* Hohlraumarten  abhängig von der Gesteinsart:
- Lockergestein  Poren-Grundwasserleiter (vgl. Bild 6.1)
- Festgestein  Kluft- bzw. Karst-Grundwasserleiter (s. ebenfalls Bild 6.1)
- Verbreitung der Grundwasserleiterarten hinsichtlich Gesteinsart in Deutschland  s. Bild 6.2

Bild 6.1:
Hohlraumarten aus hydrogeo-
logischem Blickwinkel
(Bildgrundlage: LfU Bayern)

Bild 6.2:
Verbreitung der Grundwasserleiterarten hin-
sichtlich Gesteinsart
(BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 115

- WICHTIG bezüglich der Wasserwegsamkeiten im Festgestein: Hohlräume müssen miteinander


verbunden sein!  vgl. hierzu Bild 6.3

Bild 6.3:
Wasserwegsamkeiten im
Locker- und Festgestein
(nach fobatec.ch)

* Wasserarten im Untergrund (s. auch Bild 6.4):


- Ausgangspunkt: Grundwasseroberfläche  Druck = Atmosphärendruck
- Grundwasser: Wasser, welches die Gesteinshohlräume vollständig ausfüllt und mindestens unter
Atmosphärendruck steht  Wasserbewegung durch Gravitationskräfte
- Kapillarwasser  füllt die Gesteinshohlräume ebenfalls vollständig aus, steht aber unter einem
Druck < Atmosphärendruck  durch Kapillarkräfte Wasserbewegung nach oben
- Sickerwasser  füllt die Gesteinshohlräume nicht vollständig aus  Dreiphasensystem: Gestein/
Wasser/Luft  wasserungesättigte Zone  Wasserbewegung durch Gravitationskräfte
- Haftwasser  Bindung infolge Adsorptionskräften an die Gesteinspartikel  im Sinne der Hydro-
geologie keine Wasserbewegung

Bild 6.4:
Wasserarten im
Untergrund
(Bildgrundlage:
HÖLTING, 1996)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 116

* Bedeutung der unterirdischen Wasserarten für die Natur und den Menschen:
- Grundwasser: aus Sicht des Menschen wichtigste unterirdische Wasserart  Nutzung durch
Wasserförderung
- Kapillarwasser: wichtig für Pflanzen in Trockenzeiten, aber auch für Baugruben, …
- Sickerwasser: Auffüllung der Bodenwasservorräte, ggf. Regeneration des Grundwassers
- Haftwasser: Quell der Transpiration der Pflanzen

6.3. Grundwasserlagerungsverhältnisse
* Grundwasserlagerungsverhältnisse hinsichtlich der sog. Spannungszustände (s. auch Bild 6.5):
- ungespanntes Grundwasser: freie Grundwasseroberfläche (kein Grundwasserstauer im Hangenden)
 entsprechend Atmosphärendruck
- gespanntes Grundwasser: „eingespannt“ infolge Grundwasserstauern im Liegenden und Hangenden
 Grundwasseroberfläche nicht frei  steht unter Druck > Atmosphärendruck  beim Anbohren
Einstellen des Grundwasserspiegels entsprechend der Grundwasserdruckhöhe (Grundwasserdruck-
fläche), Spezialfall: artesisches Grundwasser: Grundwasserdruckfläche reicht über die Bodenober-
fläche hinaus (s. Bild 6.6)
- schwebendes Grundwasser: lokales Grundwasser (z. B. in kleinen Talauen im Festgestein)

Bild 6.5:
Grundwasserlagerungs-
verhältnisse

Bild 6.6:
Artesisches Grundwasser
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 117

6.4. Grundwasserhydraulik
* Grundelemente der Grundwasserhydraulik:
- Grundwassertransport  wichtigste Elemente: Grundwasserfließgeschwindigkeit v und Grund-
wasserdurchflussmenge Q
- Grundwasserspeicherung  wichtigste Elemente: Grundwasserleitergeometrie (Mächtigkeit, Er-
streckung), Wasserspeichervermögen des Grundwasserleiters
- Bedeutung von Grundwassertransport und Grundwasserspeicherung (Auswahl):
 Quellaustrittsmengen
 Speisung von Flüssen durch das Grundwasser während Niedrigwasser
 Aufnahme von Wasser durch das Grundwasser während Hochwasser
 Grundwasserentnahme durch Wasserwerke

* Arten von Grundwasserfließgeschwindigkeiten ( s. auch Bild 6.7):


- Bahngeschwindigkeit vb  wahre Fließgeschwindigkeit  immer unbekannt
- Abstandsgeschwindigkeit va  Zeit, welche ein Grundwasserteilchen braucht, um eine bestimmte
Wegstrecke von A nach B zurückzulegen  Bestimmung mittels Tracerverfahren
- Filtergeschwindigkeit vf  definiert als Quotient aus Durchflussmenge und Durchflussfläche 
abstrakte Fließgeschwindigkeit  ABER: bedeutsamste Geschwindigkeit in der Hydrogeologie,
weil einfach bestimmbar und in der Praxis problemlos anwendbar (z. B. bei der Ermittlung von
Entnahmemengen eines Brunnens)

Bild 6.7:
Arten von Grundwasserfließgeschwindigkeiten

- Zusammenhang zwischen Abstands- und Filtergeschwindigkeit:


vf = va * ne (6.1)
mit: vf – Filtergeschwindigkeit [m/s]
va – Abstandsgeschwindigkeit [m/s]
ne – entwässerbarer Hohlraumanteil, d. h. Hohlraumanteil, der durch das Grundwasser durchström-
bar ist
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 118

* wichtigste Bestimmungsmethoden der Filtergeschwindigkeit:


- Auswertung von Pumpversuchen (s. Bild 6.8)  Messung von Entnahmemenge je Zeiteinheit und
Zuflussfläche
- Anwendung des DARCY-Gesetzes  Messung des Filtrationskoeffizienten (Gesteinsdurchlässig-keit
kf) und des hydraulischen Gefälles I (s. Bild 6.9)

vf = kf * I (6.2)

mit: vf – Filtergeschwindigkeit [m/s]


kf – Filtrationskoeffizient [m/s]  gesteinsabhängig  s. Bilder 6.10 und 6.11
I – hydraulisches Gefälle (Höhendifferenz / Längendifferenz  s. Bild 6.9)

Bild 6.8:
Methodik von Pumpversuchen

Bild 6.9:
Illustration des
DARCY-Gesetzes

Bild 6.10:
Filtrationskoeffizienten
(kf-Werte) für ausge-
wählte Lockergesteine
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 119

Bild 6.11:
Filtrationskoeffizienten
(kf-Werte) für ausge-
wählte Festgesteine

* Grundwasserspeicherung:
- Grundwasserspeicherung abhängig von:
 Geometrie des Grundwasserleiters (Mächtigkeit, horizontale Erstreckung)  Volumen
 Wasserspeicherfähigkeit des Gesteins  Hohlraumvolumen (Porosität), abhängig von:
Lockergestein: Porenanzahl, Porengröße, Porengrößenverteilung
Festgestein: Kluftanzahl, Klüftgröße. Kluftgrößenverteilung, Kluftverbindungen
- entscheidend für die Grundwasserergiebigkeit  Verteilung in Deutschland s. Bild 6.12

Bild 612:
Grundwasserergiebigkeiten in Deutschland (HAD, 2000)

* Hohlraumanteile aus hydrogeologischer Sicht (am Beispiel von Lockersedimenten):


- Gesamthohlraumanteil = Gesamtporosität = Volumen aller Poren bezogen auf das Gesamtvolumen =
Gesamtvolumen minus Gesteinsvolumen
- Spannweiten der Gesamtvolumina  s. Bild 6.13
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 120

Bild 6.13:
Gesamthohlraumanteile
für ausgewählte Locker-
sedimente

- WICHTIG: Aus dem Gesamthohlraumanteil ist keine Aussagen zu den Wassertransport- und
Wasserspeichereigenschaften ableitbar!  entscheidend: Porengrößenverteilung (Verhältnis der
kleinen zu den großen Poren)  Zusammenhänge s. Bild 6.14
- große Poren  gut entwässerbar (im Sinne der Hydrogeologie)  entwässerbare Porosität  aus
Sicht der Hydrogeologie (Grundwasserhydraulik) bedeutsamster Hohlraumanteil
- kleine Poren  schlecht entwässerbar  aus Sicht der Hydrogeologie wenig interessant
- Spannweiten der entwässerbaren Porositäten für ausgewählte Lockersedimente  s. Bild 6.15

Bild 6.14:
Hohlraumanteile und ihre
Bedeutung bezüglich ihrer
Entwässerbarkeit

Bild 6.15:
Entwässerbare Porosi-
täten für ausgewählte
Lockersedimente
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 121

6.5. Bestimmung hydrogeologisch relevanter Parameter bezüglich der Grund-


wasserhydraulik

* Methoden zur Bestimmung des Filtrationskoeffizienten (kf-Wert):


- Berechnung aus der Kornverteilung  Prinzip s. Bild 6.16, anwendbar nur für Lockergesteine

Bild 6.16:
Herangehensweise bei der Bestim-
mung des kf-Wertes aus der Korn-
verteilung

- laborative Ermittlung mittels DARCY-Durchströmungsversuch, anwendbar nur für Lockergesteine:

Q Δh V
Ausgangspunkt: DARCY-Gesetz: vf = = kf * I = kf * mit Q = (6.3)
A Δl t

Q * Δl
 kf = (6.4)
A * Δh

mit: vf – Filtergeschwindigkeit [m/s]


Q – Durchflussmenge [m/s]
A – Durchflussfläche [m2]
kf – Filtrationskoeffizient [m/s]
I – hydraulisches Gefälle
Δh – Druckhöhendifferenz [m]
Δl – Fließlänge [m]
t – Zeit [s]

Laborversuch + Messung von Q, A, Δh, Δl  s. Bild 6.17

Bild 6.17:
Prinzip des DARCY-Durchströmungsversuches

- in-situ-Bestimmung mittels Pumpversuch, anwendbar für Locker- und Festgesteine:


 Grundwasserförderung aus einem Brunnen
 Messung der Grundwasserabsenkung im Brunnen u./o. in Beobachtungspegeln im Einfluss-
bereich des Brunnens
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 122

 kf-Wert abhängig von der Fördermenge Q und der Form des Absenktrichters  2 Beispiele s.
Bild 6.18
 Auswerteverfahren in Abhängigkeit von den Randbedingungen (gespannte bzw. ungespannte,
stationäre bzw. instationäre Verhältnisse)  THEISS, COOPER-JACOB, DUPUIT-THIEM, ...  s.
Module im Master Hydrogeologie

a) Kies-Grundwasserleiter:

P - Beobachtungspegel
vf - Filtergeschwindigkeit

b) Ton-Grundwasserstauer:

Bild 6.18:
Fördermenge und Form des Absenktrichters
für Kies (a) bzw. Ton (b)

* Methoden zur Bestimmung des hydraulischen Gefälles I:


- hydraulisches Gefälle für ungespannte bzw. gespannte Grundwasserverhältnisse unterschiedlich
definiert:
 Gefälle der Grundwasseroberfläche (ungespannte Verhältnisse)
 Gefälle der Grundwasserdruckfläche (gespannte Verhältnisse)
- Messung der Grundwasseroberfläche bzw. der Grundwasserdruckfläche an mindestens 3 Mess-
stellen (Pegeln, Brunnen) mittels geeigneter Messgeräte (i. d. R. Kabellichtlot  s. Bild 6.19

Bild 6.19:
Messgeräte zur Grund-
wasserstandsmessung
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 123

- Umrechnung der gemessenen Grundwasserstände auf ein einheitliches Bezugsniveau (i. d. R. m NN)
 Vergleich der Grundwasserstände möglich, Beispiel s. Bild 6.20

Bild 6.20:
Beispiel für die Umrechnung eines gemessenen Grundwasserstandes
in m NN

- kartenmäßige Darstellung im hydrologischen Dreieck (im Fall von nur 3 Messstellen) bzw.
Hydroisohypsenplan (Plan mit Linien gleichen Grundwasserstandes bzw. gleicher Grundwasser-
druckhöhen  im Fall von mehr als 3 Messstellen)  s. Bilder 6.21 und 6.22

Bild 6.21:
Hydrologisches Dreieck (aus HÄLTING, COLDEWEY,
2009)

Bild 6.22:
Hydroisohypsenplan (nach
HÄLTING, 1996)
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 124

- Voraussetzungen für die Erstellung eines Hydroisohypsenplanes:


 Anwendung nur für poröse Grundwasserleiter (Lockergestein, allenfalls poröses Festgestein)
 zusammenhängende Grundwasseroberfläche / zusammenhängende Verbreitung des Grundwasser-
leiters
 Messstellen (Pegel) müssen alle im gleichen Grundwasserleiter stehen
 Grundwasserstandsmessungen an einem Tag (sog. Stichtagsmessung)
 Eliminieren von fehlerhaften Grundwasserstandsmessungen, z. B. durch fehlerhaften Pegeleinbau,
Funktionsstörungen des Pegels, ...)

* Methoden zur Bestimmung von Hohlraumanteilen (Gesamthohlraumanteil n, entwässerbare


Porosität ne und Restwassergehalt nr):
- Gesamtporosität n (Verhältnis von Porenvolumen zum Gesamtgesteinsvolumen  s. Abschnitt 6.4):

Vp Vg - Vs Vs ms
n = ── = ────── = 1 – ── = 1 – ────── (6.5)
Vg Vg Vg Vg * ρs

mit: n - Gesamtporosität [ ]
Vp - Porenvolumen [cm3]
Vg - Gesamtgesteinsvolumen [cm3]
Vs - Feststoffvolumen [cm3]
 für nichtbindige und regelmäßig geformte bindige Lockergesteine: Abmessungen des Stech-
zylinders  Volumenberechnung entsprechend Zylinderformel
 für unregelmäßig geformte bindige Lockergesteine: z. B. Tauchmethode  Überziehen der
Probe mit Schelllack oder Paraffin + Eintauchen in eine Flüssigkeit  Messung des ver-
drängten Volumens
mm - Trockenmasse der Gesteinsprobe [g]  Entfernung des Porenwassers durch Trocknung der
Probe im Trockenschrank bei T = 105 °C bis zur Massenkonstanz  anschließende Wägung
ρs - Reindichte der Probe (ρs = ms / Vs)  wird als bekannt vorausgesetzt, da Schwankungen gering:
Sande: 2,63 ... 2,65 g/cm3, Tone: 2,65 ... 2,80 g/cm3

- entwässerbare Porosität ne Restwassergehalt nr:


 mittels Abtropfmethode (gravitative Entwässerung)  Auffangen und Auslitern des gravitativ
entwässerbaren Wassers aus einer Probe im Labor)  Abtropfdauer mindestens 3 Tage
 mittels Druckplatten-Extrator  Anlegen eines definierten Drucks (als Unter bzw. Überdruck),
der genau der Feldkapazität (pF 1,8 = 63 cm Wassersäule WS) entspricht an die Probe
Verkürzung der Entwässerungszeit auf wenige Minuten/Stunden  Auffangen des Gravi-
tationswassers bzw. Wägung der Probe nach Entwässerung (Probe enthält nur noch Haftwasser)
 Berechnung von nr:
VHW
nr = ─── (6.6)
Vg
mit: nr - Restwassergehalt [ ]
VHW - Haftwasservolumen [cm3]
Vg - Gesamtgesteinsvolumen [cm3]
 Berechnung von ne: ne = n – nr (6.7)
Bedeutung der Symbole  s. Gleichungen 6.5 und 6.6
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 125

6.6. Grundwasserbeschaffenheit, Grundwasserschutz

* Stoffquellen und Stoffgruppen:


- Stoffquellen (anthropogen, geogen): Atmosphäre, Boden, Gestein
- chemisch bedingte Stoffgruppen mit Schadstoffrelevanz im Grundwasser  s. Bild 6.23
- Quellen für biologische Verunreinigungen  s. Bild 6.24
- Überprüfung der Grundwasserbeschaffenheit mittels Wasserprobenahme

Bild 6.23:
Stoffgruppen aus hydrochemischer Sicht

Bild 6.24:
Stoffgruppen aus hydrobiologischer Sicht

* Wasserprobenahme aus dem Grundwasser:


- WICHTIG: Gewährleistung der räumlichen und zeitlichen Repräsentanz der Wasserprobe
- Nutzung von Brunnen bzw. Grundwassermessstellen (Pegeln) zur Probenahme
- Grundwasserentnahme aus Brunnen: Entnahme aus dem Rohwasserförderstrom  Mischwasser
(Mischprobe)  räumliche Zuordnung zu einzelnen Brunnen oftmals schwierig bzw. unmöglich (s.
beispielhaft Bild 6.25)

Bild 6.25:
Beispiel einer Grundwasserentnahme aus verschie-
denen Grundwasserleitern
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 126

- Grundwasserentnahme aus Grundwassermessstellen:


 Schritt 1: Klarpumpen  Ziel: Austausch des abgestandenen Wassers gegen Frischwasser
 Schritt 2: Probenahme mittels Pumpentnahme (bei horizontierter Probenahme in mächtigen
Grundwasserleitern Verwendung von Packern, s. Bild 6.26) bzw. mittel Schöpfgerät (Beispiel
für ein solches Gerät s. Bild 6.27)

Bild 6.26: Packer für eine horizontierte Grundwasserprobenahme

Bild 6.27:
Schöpfgerät zur Grundwasserprobenahme

 Schritt 3: organoleptische Prüfung (Sinnesprüfung)  Aussehen (Farbe, Trübung), Geruch,


Geschmack
 Schritt 4: Bestimmung von Vor-Ort-Parametern  Parameter, deren Werte sich zeitlich schnell
ändern können: Wassertemperatur, pH-Wert, spezifische elektrische Leitfähigkeit, Redoxpoten-
zial, Sauerstoffgehalt, Sauerstoffsättigung, sonstige: CO2, Chlor, Ozon, ...
 Schritt 5: Probenstabilisierung  Verwendung chemisch-biologisch neutraler Flaschen, Kon-
servierung, Kühlung, dunkle Lagerung / Transport, Filtration, Ansäuern, ... in Abhängigkeit von
den im Labor zu untersuchenden Wasserinhaltsstoffen

* Grundwasserschutz:
- Bereiche des Grundwasserschutzes  s. Bild 6.28
- Gewährleistung des Schutzes vor anthropogener Kontamination durch Trinkwasserschutzzonen

* Trinkwasserschutzgebiet, Trinkwasserschutzzonen:
- Trinkwasserschutzgebiet = Einzugsgebiet (bzw. Teileinzugsgebiet), das durch zielgerichtete Maß-
nahmen, Nutzungsbeschränkungen u./o. (nicht vordergründig) Verbote vor Kontamination zu
schützen ist
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 127

Bild 6.28:
Bereiche des Grund-
wasserschutzes

- Unterteilung des Trinkwasserschutzgebiets in Schutzzonen:


 Einteilung in drei Schutzzonen
 Charakteristika  s. Bild 6.29 und Tabelle 6.1

Bild 6.29:
Trinkwasserschutzzonen

Tabelle 6.1: Kennzeichen der drei Trinkwasserschutzzonen


Schutzzone I Schutzzone II Schutzzone III
Name Fassungsbereich Engere Schutzzone Weitere Schutzzone
Größe hydraulisch: 50-Tage- gesamtes unterirdisches
≥ 10 m um die Brunnen
Linie (Bemessung s. u.) Einzugsgebiet
Hauptziel Schutz vor schwer
Schutz vor bakteriellen
Schutz vor jeglichen abbaubaren chemischen
und organischen
Verunreinigungen und radioaktiven
Verunreinigungen
Substanzen
Verbote, Nutzungs- keine Gülleausbringung
beschränkungen Nutzung nur zum Zweck keine organische keine PBSM, keine
der GW-Förderung Düngung Massentierhaltung
alles weitere verboten keine Bodeneingriffe, keine Deponien / Halden
keine Bebauung kein neuer Bergbau,
Einzäunung 
Zutrittsverbot keine Abwasserkanäle keine neuen großen
Industrieanlagen
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 128

- hydraulische Bemessung der Schutzzone II (Ermittlung der 50-Zage-Linie):


a) experimentell  Tracerversuch  Bestimmung der Abstandsgeschwindigkeit va
b) rechnerisch  iteratives Verfahren (s. auch Bild 6.30)
 Vorgabe einer Richtung vom Brunnen, dessen 50-Tage-Linie ermittelt werden soll (im Bild
6.30 in östlicher Richtung) und Wahl eines beliebigen Punktes innerhalb des Einzugsbebiets
 Ablesen von Δh1 und Δs1 (Iterationsschritt 1)  Berechnung des hydraulischen Gefälles ΔI1
 Berechnungsgrundlage: Abstandsgeschwindigkeit und Zusammenhang Abstands-/Filter-
geschwindigkeit ( s. auch Gleichung 6.1):
s1 s1 s1
va,1 = ─── = ──────────────── = ──────────── (6.8)
50 d 50 * 24 * 60 * 60 Sekunden 4,32 * 106 Sekunden
mit: va – Abstandsgeschwindigkeit [m/s]
s1 – Entfernung Brunnen / gewählter Punkt
ne – entwässerbarer Hohlraumanteil

Umstellen nach s (s entspricht nach Berechnung s2  Basis des Iterationsschritts 2):


s2 = va,1 * 4,32 * 106 Sekunden (6.9)
Δh1
wobei vf,1 = kf * I1 = kf ─── (6.10)
Δs1

mit: vf – Filtergeschwindigkeit [m/s]


I1 – hydraulisches Gefälle [m/m]
Δh1 – Höhendifferenz der Grundwasserstände bzw. Grundwasserdruckhöhen zwischen dem
Brunnen und dem Punkt s1
Δs1 – Entfernung Brunnen / gewählter Punkt

 In diesem Fall (vgl. Bild 6.30) wäre der gewählte Abstand s1 zu klein  I1 zu groß  vf,1 zu
groß  va,1 zu groß  berechneter Abstand s2 > s1  s2 zu groß (was man im Zuge der
weiteren Iteration ja aber erst herausbekommt)
 weitere Iterationsschritte analog zuvor  Ablesen von Δh2 zugehörig zu Δs2  Berechnung
des hydraulischen Gefälles ΔI2  Berechnung von s3
 Beendigung der Berechnung für die vorgegebene Richtung, wenn si ≈ si-1

Bild 6.30:
Iterative Bestimmung der 50-Tage-Linie zur
Bemessung der Schutzzone II
Vorlesungsskript zur Lehrveranstaltung „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“ 129

 Wahl weiterer Richtungen  s. Bild 6.31 und Beginn der Berechnung für alle weiteren Rich-
tungen

Bild 6.31:
Beispiel zur Vorgabe von verschiedenen Rich-
tungen zur Bemessung der Schutzzone II

- hydraulische Bemessung der Schutzzone III:


 Ermittlung des unterirdischen Einzugsgebiets unter Nutzung von Hydroisohypsenplänen 
Methodik s. Bild 6.22
 Besonderheit für den Fall eines großen unterirdischen Einzugsgebiets (gilt für Längs-
erstreckungen L > 2 km: Unterteilung in Schutzzone III A und III B möglich  Aufweichung
der Verbote und Nutzungsbeschränkungen in der Schutzzone III B  Wirtschaftlichkeitsaspekt
 Prinzip s. Bild 6.32

Bild 6.32:
Unterteilung der der Schutz-
zone III für große Einzugs-
gebiete
Anhang

Übungen zum Modul „Anwendung hydrologischer Methoden“

Übung 1: Wasserbilanzbetrachtungen

Übung 2: Auswertung von Niederschlagsaufzeichnungen sowie Ermittlung des langjährig mittleren


Gebietsniederschlages

Übung 3: Standortbezogene Interpolation von punktuell gemessenen Starkregenwerten

Übung 4: Ermittlung des Bemessungsniederschlages

Übung 5: Dimensionierung einer Regenwasser-Sammelanlage

Übung 6: Berechnung von Schneeakkumulations- und Schneeschmelzmengen

Übung 7: Verfahren zur Ermittlung der potentiellen Verdunstung

Übung 8: Ermittlung von Werten der realen Verdunstung aus Bodenfeuchte- und Lysimeter-
messungen

Übung 9: Empirische Verfahren zur Ermittlung der realen Verdunstung

Übung 10: Interzeptionsspeicher- und -verdunstungsmengen

Übung 11: Auswertung von Durchflussmessungen I (Dreiecksmesswehr und Tracer)

Übung 12: Auswertung von Durchflussmessungen II (hydrometrischer Messflügel)

Übung 13: Statistische Auswertung von Durchflussdaten (Datenprüfung)

Übung 14: Ermittlung der Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses

Übung 15: Ermittlung hydrologischer Einzugsgebietsparameter

Übung 16: Einfache Ansätze zur Ermittlung von Abflussbildung und -konzentration

Übung 17: Auswertung von Grundwasserstandsmessungen – Hydroisohypsenplan

Übung 18: Bestimmung des kf-Wertes von nichtbindigen Lockersedimenten I (Ermittlung aus der
Kornverteilungskurve)

Übung 19: Bestimmung des kf-Wertes von nichtbindigen Lockersedimenten II (Durchströmungs-


versuch)

Übung 20: Laborative Porositätsbestimmung

Übung 21: Schutzgebietsabgrenzung eines Brunnens für die Trinkwassergewinnung


Hydrologische Übung 1: Wasserbilanzbetrachtungen

► Aufgabenstellung:

Angabe der Wasserbilanz eines oberirdischen Wasserspeichers in Abhängigkeit von den Zuflüssen,
dem Niederschlag, der Verdunstung und dem Wasserverbrauch

► gegebene Informationen:

- künstliches oberirdisches Wasserspeicherbecken (nach unten abgedichtet):


 Oberfläche des Wasserspeichers: 21 ha
 Speichervolumen bei Vollstau: 970 000 m3
 Wegen der sehr steilen Uferwände (aus Gneisplatten) und der geringen maximalen Wassertiefe
im Vergleich zur Wasseroberfläche kann näherungsweise von einem senkrechten Ufer
ausgegangen werden.

- oberirdisches Einzugsgebiet bis zum Einlauf in das Speicherbecken: 1,6 km2

- langjährig mittlere monatliche Niederschläge im Einzugsgebiet und im Bereich des Wasserspeichers


 s. Tabelle Ü 1.1

- langjährig mittlere monatliche Verdunstungsmengen aus dem Speicher ET [mm]  s. Tabelle Ü 1.1

- langjährig mittlere monatliche Zuflussmengen MQ [l/s] zum Wasserspeicher  s. Tabelle Ü 1.1

- Wasserabgaben aus dem Wasserspeicher infolge kommunalem Wasserverbrauchs: Deckung des


Wasserbedarfs von 19 500 Einwohnern mit einem durchschnittlichen spezifischen Wasserverbrauch
von 104 l/d je Einwohner (Kleingewerbe eingeschlossen)

- langjährig mittlere monatliche Beregnungsmengen für die Landwirtschaft VLW [103 m3 ], die eben-
falls aus dem Wasserspeicher zu realisieren sind  s. Tabelle Ü 1.1

- landschaftlich (ökologisch) notwendiger Mindestabfluss aus dem Speicher: QMIN 4,0 l/s

Tabelle Ü 1.1: Langjährig mittlere monatliche und jährliche Niederschlags-, Zufluss-, Verdunstungs- und
kommunalen Wasserverbrauchswerte des oberirdischen Wasserspeichers (Reihe 1961 - 90)

J F M A M J J A S O N D Jahr
P 53,1 53,7 60,2 72,9 84,7 93,7 93,4 103,0 69,0 57,9 59,2 67,9 868,7
ET 3,3 5,6 20,1 41,2 73,9 102,6 112,3 108,6 68,1 38,6 16,3 8,6 599,2
MQ 29,7 31,5 24,4 22,3 13,5 11,2 8,4 8,1 6,2 14,1 26,9 34,4 19,2
VLW - - - - 8,4 14,1 19,0 16,5 1,9 - - - 55,0

P – Niederschlag (messfehlerkorrigiert) [mm] MQ – mittlerer Zufluss zum Wasserspeicher [l/s]


ET – Verdunstung aus dem Wasserspeicher [mm] VLW – landwirtschaftlicher Wasserverbrauch [103 m3 ]
► Aufgaben:

1. Berechnen Sie die Wassertiefe bei Vollstau!

2. Für eine Wasserbilanzierung (Vergleich der einzelnen Bilanzgrößen) ist die Umrechnung in eine
einheitliche Maßeinheit notwendig. Dies kann in mm, l/s, m3/s, m3/mon, … sein. In der Hydrologie
hat sich im Zusammenhang mit Wasserbilanzen die Maßeinheit mm durchgesetzt. Rechnen Sie die
langjährig mittlere monatliche Zuflussmengen MQ, die landschaftlich notwendigen Mindest-
abflüsse QMIN , die kommunalen Wasser-verbrauchswerte VKO sowie die Beregnungsmengen für
die Landwirtschaft VLW in mm um! Dokumentieren Sie den Lösungsweg! Tragen Sie die Werte in
die Tabelle Ü1.2 ein!

Tabelle Ü 1.2: Langjährig mittlere monatliche und jährliche Wasserbilanzen des oberirdischen Wasser-
speichers in mm (Reihe 1961 - 1990)

J F M A M J J A S O N D Jahr
P 53,1 53,7 60,2 72,9 84,7 93,7 93,4 103,0 69,0 57,9 59,2 67,9 868,7
ET 3,3 5,6 20,1 41,2 73,9 102,6 112,3 108,6 68,1 38,6 16,3 8,6 599,2
MQ
VKO
VLW - - - - - - -
QMIN
Bilanz

P – Niederschlag (messfehlerkorrigiert) [mm] MQ – mittlerer Zufluss zum Wasserspeicher [mm]


ET – Verdunstung aus dem Wasserspeicher [mm] VLW – landwirtschaftlicher Wasserverbrauch [mm]
VKO – kommunaler Wasserverbrauch [mm] Bilanz – Gesamtbilanz [mm]

3. Berechnen Sie die Gesamtbilanz für den Wasserspeicher! Interpretieren Sie die Bilanzwerte
bezüglich des innerjährlichen Verhaltens und bezüglich des Jahreswertes!

4. Wie groß kann die Wasserabgabe aus dem Speicher in das Fließgewässer unterhalb maximal
sein, um dennoch in Summe (d.h. über das gesamte Jahr gesehen) eine ausgeglichene Bilanz zu
haben?
Hydrologische Übung 2:

Auswertung von Niederschlagsaufzeichnungen sowie Ermittlung des langjährig


mittleren Gebietsniederschlages

a) Auswertung einer Regenschreiber-Aufzeichnung

► gegebene Informationen:
- Niederschlagsaufzeichnungen (Wochenstreifen) des HELLMANN-Regenschreibers der TU Berg-
akademie Freiberg, Institut für Geologie (s. Bild Ü 2.1)
- aufgelegt: 14.07.1997, 07:30 Uhr MESZ
- abgenommen: 21.07.1997, 09:00 Uhr MESZ
- Vorinformation: kein Niederschlag am 13.07.97 bis 14.07.97 vor 07.30 Uhr MESZ

► Aufgaben:
1. Ermittlung der Tagessummen der Niederschläge vom 14.07.-20.07.1997:
Die Niederschlagssumme eines Tages ist die Menge des Niederschlages von 07.00 Uhr MEZ des
betrachteten Tages bis 07.00 Uhr MEZ des Folgetages (evtl. Sommerzeit beachten!)
2. Ermittlung der stündlichen Niederschlagswerte für den 20.07.97 (Sonntag)
3. Interpretation
Hinweise zur Interpretation:
Angaben zu Juli-Niederschlagswerten (unkorrigiert) von Freiberg:
- Monatssumme 1997: 115 mm
- Mittelwert (Monatssumme): 93 mm (1951 – 1990)
- Maximale Monatssumme: 303 mm (1954)
- Minimale Monatssumme: 17 mm (1964)

b) Anwendung der THIESSEN-Polygonmethode zur Ermittlung des langjährigen mittleren Gebiets-


niederschlages auf der Grundlage punktuell gemessener Niederschlagswerte

► gegebene Informationen:
- Karte des zu untersuchenden Gebietes mit den Niederschlagsstationen (s. Bild Ü 2.2)
- beobachtete langjährig mittlere Niederschlagsmengen (s. Tabelle Ü 2.1)

► Aufgaben:
1. Konstruktion der THIESSEN-Polygone im Bild Ü 2.2
2. Ermittlung des mittleren jährlichen Gebietsniederschlages für die interessierende Fläche
Bild Ü 2.1: Regenschreiberaufzeichnung (14. – 21.07.1997)
Bild Ü 2.2: Karte des zu untersuchenden Gebiets
Tabelle Ü 2.1: Langjährig mittlere Jahresniederschlagswerte für die Messstationen in Bild Ü 2.2

Nummer Niederschlag Fläche Flächenanteil gewichtetes


2
i Pi [mm/a] Ai [km ] Ai [ ] Mittel Pg,i [mm/a]
(1) (2) (3) (4) (5) = (2) * (4)

1 543

2 551

3 559

4 549

5 557

6 551

7 524

8 530

9 512

10 592

11 585

12 539

13 541

14 544

gesamt Parthm. = 548 1


Hydrologische Übung 3:

Standortbezogene Interpolation von punktuell gemessenen Starkregenwerten

► gegebene Informationen:
- Lage der Standorte der meteorologischen Messstationen im Raum Freiberg  s. Bild Ü 3.1

Bild Ü 3.1: Lage der meteorologischen Messstationen im Raum Freiberg

- Tagesniederschlagssummen P des lokalen Starkregenereignisses (Gewitterzelle) vom 17.08.2009


sowie Höhenlagen H der Messstationen:
 Station 1 (Hydrogeologie Meißer-Bau): P = 35,9 mm, H = 402 m NN
 Station 2 (Geoökologie Reiche Zeche): P = 32,5 mm, H = 427 m NN
 Station 3 (Saxonia): P = 18,0 mm, H = 418 m NN
 Station 4 (Dauerbeobachtungsfläche LfULG Hilbersdorf): P = 16,9 mm, H = 359 m NN
 Station 5 (Tierpark): P = 27,4 mm, H = 424 m NN

- Lage des Stadtzentrums  Punkt, für den der Tagesniederschlag vom 17.08.2009 ermittelt werden
soll
► Aufgaben:

1. Ermitteln Sie die Tagessumme des Niederschlages vom 17.08.2009 für das Stadtzentrum von
Freiberg mittels verschiedener Interpolationsmethoden:
- arithmetisches Mittel
- Polygonmethode
- Isohyetenmethode
- Invers-Distanz-Methode

Wählen Sie die für die o. g. Methoden notwendigen Messpunkte aus und begründen Sie Ihre
Auswahlentscheidungen!

2. Stellen Sie die für das Stadtzentrum ermittelten Werte gegenüber und nehmen Sie eine Wertung
der verschiedenen Interpolationsmethoden unter folgenden Gesichtspunkten vor:
- Vor- und Nachteile der Methoden
- Anwendbarkeit in Bezug auf den konkreten Anwendungsfall

3. Welches Verfahren würden Sie im konkreten Anwendungsfall priorisieren? Begründen Sie Ihre
Entscheidung!

4. Schätzen Sie die Menge an Oberflächenabfluss in mm ab, die sich im Stadtzentrum von Freiberg,
konkret auf der Fläche des Obermarktes inklusive der angrenzenden Häuser (Fläche: ca. 120 * 120
m) während des Starkregenereignisses in etwa gebildet hat, wenn Sie von folgenden
Abflussbeiwerten (Abflussbeiwert = Anteil vom Niederschlag, der zu Oberflächenabfluss wird)
ausgehen:
- 25 % Dachflächen: ca. 90 % Abflussbeiwert
- 75 % Natursteinpflasterung: ca. 60 % Abflussbeiwert

5. Wieviel Liter bzw. Kubikmeter Oberflächenabfluss bilden sich für die Fläche des Obermarktes
inklusive der angrenzenden Häuser? Verwenden Sie die im Ergebnis der Aufgabe 4 ermittelten
Werte! Welche Fläche müsste ein 1,5 m tiefes Regenrückhaltebecken (senkrechte Wände voraus-
gesetzt) mindestens haben, um diese Wassermengen vollständig aufzufangen und zwischen-
zuspeichern?

6. Auf welche Werte (in mm, l bzw. m3) würden sich die Oberflächenabflüsse für die Fläche des
Obermarktes inklusive der angrenzenden Häuser reduzieren, wenn man den Obermarkt folgen-
dermaßen umgestalten würde:
- 20 % Dachflächen wie bisher
- 5 % Dachflächen begrünt: ca. 40 % Abflussbeiwert
- 20 % Fahrstraßen mit Natursteinpflasterung wie bisher: ca. 60 % Abflussbeiwert
- 30 % Rasengittersteine: ca. 20 % Abflussbeiwert
- 25 % Grünfläche: ca. 15 % Abflussbeiwert

Mit welcher Fläche käme das in Aufgabe 5 betrachtete Regenrückhaltebecken unter Berück-
sichtigung der ökologisch günstigeren Randbedingungen nunmehr aus?
Hydrologische Übung 4:

Ermittlung des Bemessungsniederschlages

►Aufgabenstellung:
Ermittlung des Bemessungsniederschlages für ein kleines Einzugsgebiet im Erzgebirge (bei unter-
schiedlicher Datensituation bezüglich der Niederschlagsinformation)

►gegebene Informationen:
Für die Dimensionierung zweier neu zu bauender Brücken über den Hölzelbergbach ist im Rahmen
eines hydrologischen Gutachtens gefordert, im Zuge der Ermittlung der Bemessungshochwasser die
Bemessungsregen zu ermitteln. Von den beiden Brücken soll sich eine innerhalb einer Ortschaft (Ort
Lippersdorf) und eine außerhalb des Ortes (jeweils an der Einzugsgebietsgrenze) befinden.

Gebietscharakteristik:
- Einzugsgebiet des Hölzelbergbaches, Zufluss zur Talsperre Saidenbach (Teileinzugsgebiet der
Flöha, Mittleres Erzgebirge, Nähe Zschopau)
- Einzugsgebietsfläche: 0,76 km2
- Nutzung: 92 % Landwirtschaft
4 % Forstwirtschaft
4 % Siedlungsfläche (Lippersdorf, aufgelockerte dörfliche Bebauung)
- längster Fließweg im Einzugsgebiet bis zur Einmündung in die Talsperre: 1,3 km
- höchster Punkt im Einzugsgebiet: 517 m ü. NN
- niedrigster Punkt im Einzugsgebiet: 439 m ü. NN
Für das Zschopaugebiet existiert eine Niederschlagshöhen-Dauer-Häufigkeits-Beziehung  vgl. Bild
Ü 4.1).

►Aufgaben:
1. Legen Sie das Bemessungswiederkehrsintervall fest! Begründen Sie Ihre Festlegung!
2. Ermitteln Sie die maßgebende Bemessungsregendauer! Welche Faktoren beeinflussen die
Bemessungsregendauer? Begründen Sie die Auswahl der durch Sie verwendeten Berech-
nungsgleichung!
3. Bestimmen Sie den Bemessungsniederschlag für das Untersuchungsgebiet unter Verwendung
der gegebenen Niederschlagshöhen-Dauer-Häufigkeits-Beziehung!
4. Welcher Bemessungsniederschlag würde sich ergeben, wenn keine Niederschlagshöhen-
Dauer-Häufigkeits-Beziehung vorliegen würde?
5. Diskutieren und werten Sie die Ergebnisse der Aufgaben 3 und 4!
Bild Ü 4.1: Niederschlagshöhen-Dauer-Häufigkeits-Beziehung für das Zschopaugebiet
Hydrologische Übung 5:

Dimensionierung einer Regenwasser-Sammelanlage

► Aufgabenstellung:
Bemessung einer Sammelanlage für Regenwasser zur Brauchwasserversorgung eines Einfamilien-
hauses

► gegebene Informationen:
Zur Brauchwasserversorgung sollen 3 Satteldächer (Haus, Garage und Schuppen) genutzt werden (vgl.
Tabelle Ü 5.1 und Bild Ü 5.1).

Tabelle Ü 5.1: Informationen zu den Dachflächen

Dachfläche [m2 ] Dachlänge [m] Dachneigung [°] Eindeckung


Haus 136,0 10,0 36 Dachziegel
Garage 51,9 6,0 36 Dachziegel
Schuppen 22,2 3,5 30 Metalldach

Bild Ü 5.1:
Skizze (nicht maßstabgerecht) zur
Gestaltung der Dächer

Die Abflussbeiwerte der Dachflächen können in etwa wie folgt angesetzt werden (Abflussbeiwert =
Abfluss/Niederschlag):
- Dächer mit Dachziegeleindeckung: ψ ≈ 0,8 (unter Berücksichtigung des sog. Anfangsverlustes bei
Regenbeginn,  vgl. auch Abschnitt 5.6.2 Skript Hydrologie I)
- Metalldächer: ψ ≈ 0,9 (ebenfalls unter Berücksichtigung des Anfangsverlustes)
Durch die Regenwasseranlage sollen gespeist werden (s. auch Tabelle Ü 5.2):
- die Toilettenspülung,
- die Waschmaschine,
- eine Zapfstelle im Keller (für Reinigungszwecke) und
- eine Zapfstelle im Garten (für Bewässerungszwecke).
Tabelle Ü 5.2: Wasserverbrauch der Bewohner des Einfamilienhauses (4-Personen-Haushalt)

Anzahl Verbraucher Häufigkeit der spezifischer Tagesver- Regenwasser


Benutzung Verbrauch je brauch [l] möglich?
Benutzung
2 Toilettenspülung je 8 * / Tag 8l ja
1 Waschmaschine 0,5 * / Tag 130 l ja
1 Geschirrspüler 0,5 * / Tag 40 l nein
1 Badewanne 0,2 * / Tag 125 l nein
1 Dusche 3 * / Tag 40 l nein
2 Handwaschbecken je 16 * / Tag 1l nein
1 Zapfstelle (Keller) 1 * / Tag 8l ja
1 Zapfstelle (Garten) 0,2 * / Tag*) 40 l ja
Wasserverbrauch insgesamt: l/d (Monate Oktober - April)
Wasserverbrauch insgesamt: l/d (Monate Mai - September)
davon Regenwasser: l/d (Monate Oktober - April)
davon Regenwasser: l/d (Monate Mai - September)
*)
Mai - September

► Aufgaben:
1. Berechnen Sie die täglichen Verbrauchswerte! Tragen Sie die Werte in die Tabelle Ü 5.2 ein!
2. Berechnen Sie auf Grundlage der täglichen Verbrauchswerte die Monatssummen des Ver-
brauches, der durch Regenwasser zu decken wäre! Tragen Sie die Werte in die Tabelle Ü 5.3 ein!
3. Berechnen Sie die effektiv wirksamen Dachflächen zur Regenwassersammlung (in die Waage-
rechte projektierte Flächen unter Berücksichtigung der Dachneigungen)! Tragen Sie die Werte in
die Tabelle Ü 5.4 ein!
4. Ermitteln Sie das monatliche effektive Niederschlagsdargebot für die niederschlagsärmste
Messstation, die in der Tabelle 3.8 (Seite 41 Skript Hydrologie I) für Deutschland aufgelistet
ist! Tragen Sie die Werte entsprechend dem in Tabelle Ü 5.5 vorgeschlagenen Lösungs-
algorithmus in die Ergebnistabelle (Tabelle Ü 5.5) ein!
5. Berechnen Sie die monatlichen Überschüsse bzw. Defizite! Tragen Sie die Werte in die
Tabelle Ü 5.5 ein!
6. Ermitteln Sie das maximale Defizit und den maximalen Überschuss! Kennzeichnen Sie
jeweils das Defizit- und Überschussmaximum!
Herangehensweise:
Man beginnt mit der Aufsummierung der monatlichen Defizite bzw. Überschüsse ab dem
Monat nach Ende der Überschussmonate (hier: letzter Überschussmonat = August, erster
Defizitmonat = September) und führt das Aufaddieren bis zum Ende der Überschussmonate fort.
7. Ermitteln Sie das optimale (minimal notwendige) Speichervolumen der Regenwasser-
Sammelanlage! (Das optimale Speichervolumen ist gleich dem maximalen Defizit.) Zeigen Sie,
dass für dieses optimale Speichervolumen die Anlage gerade ausreichend bemessen ist!
8. Schlagen Sie unter Beachtung einer gewissen Sicherheit ein Ihrer Meinung nach aus hydro-
logischer Sicht ausreichendes Speichervolumen vor!
Tabelle Ü 5.3: Monatssummen des Verbrauches, der durch Regenwasser zu decken wäre

Monat JAN FEB MRZ APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT NOV DEZ Summe
Tage/Monat 31 28 31 30 31 30 31 31 30 31 30 31 365
Monatsverbrauch [l]

Tabelle Ü 5.4: Effektiv wirksame Dachflächen

Dachfläche Dachlänge Dachbreite effektive Dachbreite effektive Dach-


A [m2 ] L [m] B [m] Beff [m] fläche AEFF [m2 ]
Haus 136,0 10,0
Garage 51,9 6,0
Schuppen 22,2 3,5
Haus + Garage ──────── ──────── ──────── ────────

Bemerkungen:

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────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
Tabelle Ü 5.5: Ergebnistabelle
Messstation: .......................................
Monat JAN FEB MRZ APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT NOV DEZ Summe
unkorrigierter Niederschlag P [mm]
korrigierter Niederschlag PK [mm]
PK * ψHAUS+GARAGE [mm]
PK * ψHAUS+GARAGE * AHAUS+GARAGE [l]
PK * ψSCHUPPEN [mm]
PK * ψSCHUPPEN * ASCHUPPEN [l]
∑ Dargebot (Regenwasser) [l]
∑ Verbrauch (aus Tabelle Ü 3.3) [l]
Überschuss (+) bzw. Defizit (-) [l]
∑ Überschuss/Defizit [l]
optimales Speichervolumen VOPT = Defizitmaximum = l= m3
Beweis der optimalen Bemessung:
∑ Überschuss/Defizit [l] für VOPT
vorzuschlagendes optimales Speichervolumen (für die Bauplanung/-ausführung): V = m3 (incl. % Sicherheit)

Bemerkungen:

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Hydrologische Übung 6:

Berechnung von Schneeakkumulations- und Schneeschmelzmengen

► Aufgabenstellung:
- Anwendung verschiedener Methoden zur Ermittlung von Äquivalentwassergehaltsmengen während
einer Schneeakkumulationsperiode
- Anwendung des Tagesgradverfahrens zur Abschätzung von Schneeschmelzmengen für zwei
unterschiedliche Standortbedingungen

► gegebene Informationen:
- Mitte Oktober 2009: Schneerekordmengen in weiten Teilen Deutschlands
- Beispiel: Brocken (Harz), 1 142 m NN
- Messwerte meteorologischer Größen im Zeitraum vom 11.10. – 07.11.2009  s. Tabelle Ü 6.1

Tabelle Ü 6.1: Tägliche meteorologische Messwerte der Messstation Brocken (Werte des Deutschen Wetter-
dienstes DWD, Quelle: www.dwd.de) für den Zeitraum vom 11.10. – 07.11.2009
Tagesmittel der Tagessumme des Niederschlages
Datum Tagesmitteltemperatur [°C]
Windgeschwindigkeit [bft] [mm] (unkorrigiert)
11.10.2009 3,7 7 26,1
12.10.2009 0,4 7 18,3
13.10.2009 -1,7 6 0,8
14.10.2009 -4,2 6 0,5
15.10.2009 -3,8 7 3,6
16.10.2009 -1,1 7 57,8
17.10.2009 -1,2 6 30,0
18.10.2009 -1,5 5 4,2
19.10.2009 -0,6 4 0,0
20.10.2009 -1,6 6 0,0
21.10.2009 2,6 5 0,0
22.10.2009 5,7 5 2,6
23.10.2009 3,4 4 0,3
24.10.2009 3,6 5 2,2
25.10.2009 5,1 6 0,8
26.10.2009 4,1 7 12,3
27.10.2009 4,2 5 7,7
28.10.2009 4,8 4 0,1
29.10.2009 5,0 4 0,6
30.10.2009 2,1 2 0,1
31.10.2009 2,3 4 0,0
01.11.2009 5,9 5 6,7
02.11.2009 3,1 5 15,9
03.11.2009 0,6 5 4,8
04.11.2009 0,3 7 11,3
05.11.2009 0,4 7 6,2
06.11.2009 1,1 6 1,5
07.11.2009 -0,3  Beginn Frostperiode 7 0,6
Bft 0 - Windstille 1 - leiser Zug 2 - leichte Briese 3 - schwache Briese 4 - mäßige Briese 5 - frische Briese
6 - starker Wind 7 - steifer Wind 8 - stürmischer Wind 9 - Sturm 10 - schwerer Sturm 11 - orkanartiger Sturm 12 - Orkan
- Informationen zur Art des Schnees:
 13..10.: nasser Schnee (Pappschnee)
 14. – 18.10.: lockerer Schnee (Pulverschnee)
- Schneehöhen (Mittelwerte aus 5 Einzelmessungen):
 13.10.2009: < 1 cm
 14.10.2009: < 1 cm
 15.10.2009: 2 cm
 16.10.2009: 28 cm
 17.10.2009: 42 cm
 18. – 20.10.2009: 44 cm
- Messergebnisse von Äquivalentwassergehaltsmessungen (Mittelwert aus 5 Einzelmessungen):
 Tag der Messung: 19.10.2009 morgens
 2 640 ml Wasser (nach Aufschmelzen)
 Fläche des Schneestechgerätes: 200 cm2

► Aufgaben:

1. Ermitteln Sie die Äquivalentwassergehalte der Schneedecke für das Ende der Schneeakku-
mulationsperiode nach verschieden Methoden! Gehen Sie dabei auf folgende Punkte ein:
- Wann ist die Schneeakkumulationsperiode genau beendet?
- Welche Werte ergeben sich für die Äquivalentwassergehalte der Schneedecke für den
19.10.2009 nach folgenden Methoden:
 auf Grundlage der gemessenen Niederschlagsmengen unter Berücksichtigung von Mess-
fehlern
 unter Verwendung der Schneehöhen
 auf Basis der Äquivalentwassergehaltsmessungen
- Nennen und diskutieren Sie Unsicherheiten und Fehler, die bei der Anwendung der 3 Methoden
zu beachten sind!
- Welche der 3 Methoden würden Sie priorisieren? Begründen Sie Ihre Wahl!

2. Berechnen Sie die täglichen Schneeschmelzmengen in der sich anschließenden Schneeschmelz-


periode nach dem Tagesgradverfahren (Verdunstungsverluste können Sie in erster Näherung
vernachlässigen) für zwei Bewuchszustände:
- für Freiland (für den Brocken relevant)
- für Nadelwald (falls der Brocken bewaldet wäre)
Tragen Sie die Berechnungswerte in die Tabelle Ü 6.2 ein!
Interpretieren Sie die berechneten Werte:
- Wann ist die Schneedecke für die beiden untersuchten Fälle abgeschmolzen?
- Wie groß sind die maximalen täglichen Schneeschmelzmengen?
- Welche Äquivalentwassergehalte sind zu Beginn der sich anschließenden Frostperiode (ab
07.11.2009) in der Schneedecke für die beiden Zustände gespeichert?

3. Geben Sie die täglichen Gesamtabflüsse während der Schneeakkumulations- und Schneeschmelz-
perioden an! Tragen Sie diese in die Ergebnistabelle Ü 6.3 ein! Interpretieren Sie die Gesamt-
abflüsse (Zeiträume, Spitzen, wasserhaushaltliche Wirkungen der beiden Bewuchszustände)!
Tabelle Ü 6.2: Ergebnistabelle zu den täglichen Schneeschmelzmengen für Freiland und für Nadelwald
Tagesgradfaktor Schneeschmelz- Tagesgradfaktor Schneeschmelz-
Datum Freiland kFREILAND menge Freiland Nadelwald kNADELWALD menge Nadelwald
[mm/°C] [mm] [mm/°C] [mm]
21.10.2009
22.10.2009
23.10.2009
24.10.2009
25.10.2009
26.10.2009
27.10.2009
28.10.2009
29.10.2009
30.10.2009
31.10.2009
01.11.2009
02.11.2009
03.11.2009
04.11.2009
05.11.2009
06.11.2009

Tabelle Ü 6.3: Ergebnistabelle zu den Gesamtabflüssen für Freiland und für Nadelwald
Schneeschmelz- Schneeschmelz- Niederschlag Gesamtwasser- Gesamtwasser-
Datum menge Freiland menge Nadelwald PK = 1,1 * P abgabe Frei- abgabe Nadel-
[mm] [mm] [mm] land [mm] wald [mm]
21.10.2009
22.10.2009
23.10.2009
24.10.2009
25.10.2009
26.10.2009
27.10.2009
28.10.2009
29.10.2009
30.10.2009
31.10.2009
01.11.2009
02.11.2009
03.11.2009
04.11.2009
05.11.2009
06.11.2009
Hydrologische Übung 7:

Verfahren zur Ermittlung der potenziellen Verdunstung

►Aufgabenstellung:
Anwendung verschiedener Verfahren zur Ermittlung der potenziellen Verdunstung:
a) Auswertung von Kesselverdunstungsmessungen,
b) Auswertung von Lysimetermessungen,
c) Anwendung empirischer Formeln und auf Grundlage der Ergebnisse aus a) bis c):
d) Aufstellen einer klimatischen Wasserbilanz.

►gegebene Informationen:
Für die meteorologische Messstation Görlitz (DWD-Station) liegen für das Jahr 1995 folgende
Messdaten vor (s. Tabelle Ü 7.1)

Tabelle Ü 7.1: Monatliche meteorologische Messwerte der Messstation Görlitz (aus den Monatlichen
Witterungsberichten des Deutschen Wetterdienstes)

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Temperatur [°C]1) -0,8 4,3 3,0 8,2 12,9 14,7 20,7 18,8 12,9 11,6 1,4 -2,9

Rel. Luftfeuchte [%]1) 81 76 72 74 66 78 64 63 78 78 86 87

Sonnenscheindauer [h]2) 45 78 133 118 236 165 315 264 133 148 70 31

Niederschlag 1995
54 41 36 54 90 155 45 100 76 8 57 29
[mm]2)

Niederschlag (lang-
47 37 39 49 66 70 70 74 52 44 51 57
jähriges Mittel [mm]2)

1) 2)
- Monatsmittelwert - Monatssumme

In der Nähe befindet sich ein hydrologisches Messfeld, auf dem u.a. ein Kesselverdunstungsmesser und
eine Lysimeterstation vorhanden sind. Das hydrologische Messfeld lässt sich wie folgt kurz
charakterisieren:
- Lage: ca. 51 ° 0 min n. Br. und 14 ° 50 min ö. L.
- relativ freistehendes Gelände (im Umkreis von ca. 100 m keine nennenswerte Bebauung)
- Bewuchs: Gras
- Morphologie: nahezu eben

Speziell für den Monat Mai 1995 liegen folgende Messwerte vor:
a) Messwerte des Kesselverdunstungsmessgerätes (U.S. Class A Pan):
Gesamtwasserverlust infolge Verdunstung: 132 l Wasser
im Monatsmittel geringe Windgeschwindigkeit (keine genaue Messung, lediglich Beob-
achtung mittels Windfahne)
b) Messwerte der Lysimeterstation (wägbares Lysimeter):
Lysimeteroberfläche: 2,2 m2
Masse des Lysimeters zu Monatsbeginn: 13 730,1 kg
Masse des Lysimeters zum Monatsende: 13 728,3 kg
Zusatzberegnungsmenge im Monat insgesamt: 48,0 l
gemessene Sickerwassermenge (Monatsgesamtmenge): 51,9 l
gemessener Oberflächenabfluss (Monatsgesamtmenge): 0,0 l

►Aufgaben:
1. Ermitteln Sie den Wert der potenziellen Monatsverdunstung [in mm] für den Monat Mai 1995
unter Verwendung der Kesselverdunstungsmesswerte!
2. Welcher Wert ergibt sich für die potenzielle Monatsverdunstung [in mm], ebenfalls Monat Mai
1995 in Auswertung der Lysimetermessungen?
3. Berechnen Sie die monatlichen Werte der potenziellen Verdunstung [in mm] für die Monate Januar
bis Dezember 1995 unter Verwendung der in Tabelle Ü 7.1 gegebenen meteorologischen Werte!
Tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle Ü 7.2 ein!

4. Stellen Sie die unter 1.) bis 3.) ermittelten Monatswerte für die potenzielle Verdunstung des
Monats Mai 1995 gegenüber und werten Sie die Methoden bezüglich der Genauigkeit
(Rangfolge der Methoden)!
5. Stellen Sie die klimatische Wasserbilanz für das Jahr 1995 auf (in tabellarischer oder grafischer
Form)! Kennzeichnen Sie Nähr- und Zehrmonate! Werten Sie das Jahr 1995 unter klimatischem
Aspekt (unter Verwendung der in der Tabelle Ü 7.1 gegebenen langjährigen Niederschlagswerte)!
Tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle Ü 7.2 ein!

Tabelle Ü 7.2: Werte der potenziellen Verdunstung und der klimatischen Wasserbilanz für das Jahr 1995

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr

Unkorrigierter
54 41 36 54 90 155 45 100 76 8 57 29 745
Niederschlag P [mm]

Korrigierter Nieder-
schlag PK [mm]

Potenzielle Verdun-
stung ETP [mm]

Überschuss
(Nährmonat) [mm]

Defizit (Zehrmonat)
[mm]
Hydrologische Übung 8:

Ermittlung von Werten der realen Verdunstung aus Bodenfeuchte- und Lysimter-
messungen

► Aufgabenstellung:
- Ermittlung der realen Verdunstung auf der Basis von Bodenfeuchtemessungen
- Vergleich der Ergebnisse der Bodenfeuchtemessungen mit Lysimeterergebnissen

► gegebene Informationen:
- Wochenwerte gemessener Bodenfeuchtigkeiten für insgesamt 5 Bodenhorizonte (in 10 – 60 cm
Tiefe) am Standort Brandis für den Zeitraum vom 24.03. – 04.05.2003  s. Tabelle Ü 8.1
- Niederschlagswerte und Lysimtermassen für den gleichen Messzeitraum  s. Tabelle Ü 8.1
- Tageswerte der o. g. Messwerte für den Zeitraum vom 04.05. – 10.05.2003  s. Tabelle Ü 8.1
- Lysimeteroberfläche: 1,0 m2
- keine Oberflächenabflüsse und Sickerwassermengen im Messzeitraum

Tabelle Ü 8.1: Messwerte der Bodenfeuchtigkeiten, der Niederschläge und der Lysimetermassen für den
Standort Brandis im Zeitraum vom 23.03. – 10.05.2003

Bodenfeuchte ⊖ [Vol.-%]
Datum PK [mm] m [kg]
⊖ 10 ⊖ 20 ⊖ 30 ⊖ 40 ⊖ 60
24.03.2003 39,1 34,8 34,7 34,1 32,0 0,0 5 867,4
31.03.2003 30,6 33,9 34,5 34,0 31,6 0,0 5 852,3
06.04.2003 24,8 31,3 33,9 33,7 31,3 0,0 5 838,7
13.04.2003 20,3 28,2 32,9 33,2 30,8 0,0 5 826,1
20.04.2003 15,7 20,7 28,8 31,3 30,3 0,0 5 804,5
27.04.2003 14,8 17,9 24,0 28,3 29,7 0,0 5 789,8
04.05.2003 14,0 16,0 19,1 21,2 27,8 0,0 5 768,0
05.05.2003 13,9 15,9 18,7 20,2 27,2 0,0 5 765,4
06.05.2003 13,8 15,8 18,4 19,7 26,3 0,0 5 762,1
07.05.2003 13,7 15,7 18,2 19,3 25,5 0,0 5 759,6
08.05.2003 27,5 15,7 18,1 19,1 25,4 21,1 5 779,7
09.05.2003 33,8 20,2 18,1 19,0 25,4 14,6 5 793,3
10.05.2003 30,2 22,0 18,2 19,1 25,4 0,2 5 789,8
⊖ 10 – Bodenfeuchte in 10 cm Tiefe (⊖ 20 … analog) PK – messfehlerkorrigierter Niederschlag [mm]
m – Lysimetermasse [kg]

► Aufgaben:

1. Stellen Sie die tiefenvariablen Bodenfeuchteverläufe grafisch dar (Abbildung Ü 8.1)! Interpretieren
Sie die zeitlichen und räumlichen Verläufe der Bodenfeuchtewerte im betrachteten Zeitraum!

2. Ordnen Sie den Messsonden repräsentative Teufenbereiche zu! Bezüglich der untersten Messsonde
können Sie davon ausgehen, dass diese für Bodenfeuchtewerte bis ca. 70 cm u. GOK repräsen-
tative Werte liefert. Ermitteln Sie die sich hieraus ergebenden Mächtigkeiten der einzelnen
Bodenbereiche!
40,0

35,0
Bodenfeuchte [Vol.-%]

30,0

25,0
10 cm u. Gel.
20,0 20 cm u. Gel.
30 cm u. Gel.
15,0 40 cm u. Gel.
60 cm u. Gel.
10,0
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
.0 03
03
26 3.20
28 .20
30 .20
01 3.20
03 .20
05 4.20
07 .20
09 .20
11 4.20
13 .20
15 .20
17 4.20
19 .20
21 4.20
23 .20
25 .20
27 4.20
29 .20
01 .20
03 5.20
05 .20
07 5.20
09 .20
20
5.
3
3

4
4

4
4

4
4

4
4

5
.0
24

Abb. Ü 8.1: Tiefenvariablen Bodenfeuchteverläufe des Standorts Brandis im Zeitraum vom 23.03. – 10.05.2003

3. Berechnen Sie die Bodenfeuchte- und Lysimetermasseänderungen an den einzelnen Messpunkten


und tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle Ü 8.2 ein! Geben Sie die Werte mit Vorzeichen an
(eine negative Bodenfeuchteänderung bedeutet eine Abnahme der Bodenfeuchte, dto. bezüglich
der Lysimetermasse).

Tabelle Ü 8.2: Bodenfeuchte- und Lysimetermasseänderungen für den Standort Brandis im Zeitraum vom
23.03. – 10.05.2003

Bodenfeuchteänderungen Δ⊖ [Vol.-%] ETRBOF ETRLYS


Datum ∆ m [kg]
[mm] [mm]
⊖ 10 ⊖ 20 ⊖ 30 ⊖ 40 ⊖ 60
24.03. – 31.03.2003
31.03. – 06.04.2003
06.04. – 13.04.2003
13.04. – 20.04.2003
20.04. – 27.04.2003
27.04. – 04.05.2003
04.05. – 05.05.2003
05.05. – 06.05.2003
06.05. – 07.05.2003
07.05. – 08.05.2003
08.05. – 09.05.2003
09.05. – 10.05.2003
ETRBOF – reale Verdunstung auf Grundlage der Bodenfeuchtemessungen [mm]
ETRLYS – reale Verdunstung auf Grundlage der Lysimetermessungen [mm]
4. Berechnen Sie die realen Verdunstungsmengen, die sich auf Grundlage der Bodenfeuchte- und
Lysimetermasseänderungen ergeben! Bezüglich der Lysimetermessungen können Sie analog
Übung 7 vorgehen. Die Verdunstung auf Basis der Bodenfeuchteänderungen ist folgendermaßen
berechenbar:
n

ETR = ∑ – (∆⊖ i * di ) + PK (8.1)


i=1

mit ETR - reale Verdunstung [mm]


∆Ө - Bodenfeuchteänderung [Vol.-%] (negative Werte zeigen Verdunstung an)
d - Schichtdicke [dm]
PK - messfehlerkorrigierter Niederschlag [mm]
i - Bodenschicht
n - Anzahl der Bodenschichten insgesamt

Berücksichtigen Sie hierbei ggf. gefallende Niederschlagsmengen!

5. Interpretieren Sie die realen Verdunstungswerte! Stellen Sie die mittels der beiden Methoden
ermittelten Verdunstungswerte gegenüber und werten Sie diese!
Hydrologische Übung 9: Empirische Verfahren zur Ermittlung der realen Verdunstung

► Aufgabenstellung:
Anwendung zweier Verfahren zur Ermittlung der realen Jahresverdunstung:
a) Anwendung der TURC-Abschätzungsformel und
b) Anwendung des BAGROV-Verfahrens.

► gegebene Informationen:
für Teilaufgabe a)
Jahressummen des Niederschlages (unkorrigiert) und Jahresmitteltemperaturen sowie Jahreswerte der
potentiellen Verdunstung für die Stationen Berlin, Leipzig, Fichtelberg, München, Genf und Athen
(langjährige Mittelwerte)  s. Tabelle Ü 9.1

Tabelle Ü 9.1: Langjährige Jahresmittelwerte von Lufttemperatur T, Niederschlag P und potentieller


Verdunstung ETP für ausgewählte Stationen

Messstation T [oC] P [mm/a] ETP [mm/a] ETR [mm/a]

Berlin 9,5 556 620


Görlitz 8,0 688 645
Fichtelberg 2,8 1109 410
München 7,9 964 640
Genf 10,3 852 730
Athen 17,8 402 825

für Teilaufgabe b)
- Jahressumme des (unkorrigierten) Niederschlages: 560 mm/a
- Jahressumme der potentiellen Verdunstung: 625 mm/a
- Im Rahmen der Voruntersuchungen sind insgesamt 5 Hydrotope ermittelt worden, deren
Charakteristika der Tabelle Ü 9.2 zu entnehmen ist.

Tabelle Ü 9.2: Ergebnisse der Hydrotopeinteilung

Hydrotop-Nr. 1 2 3 4 5
Flächenanteil ai 20 % 5% 40 % 15 % 20 %
Nutzungsform Forst Forst Landwirt- Landwirt- Ortschaft
schaft schaft
davon 30 % 70 %
versiegelt Gärten
Bodenart lS uL sL fS uS uS
GW-Flurabstand zG 5,8 m 1,8 m 2,7 m 3,5 m 3,0 m 3,0 m
Wurzeltiefe zW 1,5 m 1,5 m 1,1 m 1,1 m - 0,7 m
sonstige Infor- Baumalter: Baumalter: Beregnung: Beregnung:
mationen BA = 10 a BA = 30 a 150 mm/a 80 mm/a
► Aufgaben:
für Teilaufgabe a)
1. Ermitteln Sie die Jahreswerte der realen Verdunstung unter Verwendung der Schätzformel nach
TURC für die in der Tabelle Ü 9.1. angegebenen Stationen!
2. Diskutieren/werten Sie die Werte unter Einbeziehung der in Tabelle Ü 9.1 gegebenen Infor-
mationen zum Jahresniederschlag und zur potentiellen Verdunstung!

für Teilaufgabe b)
3. Ermitteln Sie die mittleren Jahreswerte der realen Verdunstung für die in der Tabelle Ü 9.2
gegebenen Hydrotope (ggf. unter Nutzung der Tabelle Ü 9.3) nach dem BAGROV-Ver-
fahren!
4. Ermitteln Sie den mittleren Jahreswert der realen Verdunstung für das Gesamtgebiet!
5. Geben Sie (unter der Voraussetzung, dass kein Oberflächenabfluss gebildet wird) die mittleren
Jahresmengen an Sickerwasser für die einzelnen Hydrotope an! Kennzeichnen Sie Nähr- und
Zehrhydrotope (Nährhydrotope = Hydrotope, auf denen Sickerwasser gebildet wird, Zehr-
hydrotope = Hydrotope, bei denen Wasser aus dem Grundwasser gezehrt wird)!

Tabelle Ü 9.3: Ergebnisübersicht

Hydrotop-Nr. 1 2 3 4 5a 5b

P [mm/a]

PK [mm/a]

ETP [mm/a]

zA [dm]

WK(d) [mm/d]

WK [mm/a]

WB [mm/a]

n[]

X = (PK + WK + WB) / ETP

Y = ETR / ETP

ETR [mm/a]

ai [ ]

ETRi = ai * ETR [mm/a]

Mittlerer Jahreswert der realen Verdunstung für das Gesamtgebiet: ETRm = mm/a

Sickerwasser RU [mm/a]

Nähr- bzw. Zehrhydrotop


Hydrologische Übung 10:

Interzeptionsspeicher- und -verdunstungsmengen

► Aufgabenstellung:
- Ermittlung von maximalen und realen Interzeptionsspeichermengen verschiedener Bewuchsarten für
unterschiedlich starke Regenereignisse
- Berechnung von Interzeptionsverdunstung und Bestandsniederschlag (Niederschlag, der die Boden-
oberfläche erreicht)

► gegebene Informationen:
- fünf unterschiedliche Bewuchsarten:
a) Fichtenbestand, Wuchsstadium Jungwuchs, Neuanpflanzung ohne zusätzliche Kraut- und
Strauchschicht unterhalb des Baumbestandes (ohne Baumschäden, Schadstufe 0)
b) Fichtenbestand, Wuchsstadium Altholz, mit zusätzlicher Kraut- und Strauchschicht unterhalb
des Baumbestandes (geringe Baumschäden, Schadstufe 1)
c) Buchen-/Eichenwald, Wuchsstadium Altholz, ohne zusätzliche Kraut- und Strauchschicht
unterhalb des Baumbestandes (geringe Baumschäden, Schadstufe 1)
d) Kartoffeln
e) Grasbewuchs
- zwei verschiedene Tagesniederschlagswerte: 0,4 mm und 34,7 mm (jeweils messfehlerkorrigiert)

► Aufgaben:

1. Geben Sie für die o. g. 5 Bewuchsarten die im Jahresgang auftretenden minimalen und maximalen
Interzeptionsspeicherkapazitäten an! Vermerken Sie die Zeiträume, in denen die Minima bzw.
Maxima auftreten! Tragen Sie die Werte in die Tabelle Ü 10.1 ein!

Tabelle Ü 10.1: Minimale und maximale Interzeptionsspeicherkapazitäten für verschiedene Bewuchs-


arten

Bewuchsart SMIN bzw. Zeitraum von SMIN SMAX bzw. Zeitraum von SMIAX
BFIMIN bzw. BFIMIN BFIMAX bzw. BFIMAX
Fichtenbestand, Jungwuchs, einschichtig
Fichtenbestand, Altholz, mehrschichtig
Buche-/Eichen, Altholz, mehrschichtig
Kartoffeln
Gras

2. Berechnen Sie die minimalen und maximalen Interzeptionsverdunstungsmengen für die o. g.


Bewuchsarten, die sich für die beiden Tagesniederschläge von 0,4 mm und 34,7 mm ergeben!
Tragen Sie die Werte in die Tabelle Ü 10.2 ein! Wieviel Prozent des Niederschlages gehen durch
die Interzeptionsverdunstung verloren? Tragen Sie die Berechnungswerte in die Tabelle Ü 10.3
ein! Diskutieren Sie die Werte hinsichtlich der Absolutwerte und Anteile am Niederschlag!
Tabelle Ü 10.2: Minimale und maximale Interzeptionsverdunstungsmengen für verschiedene Bewuchs-
arten und Tagesniederschläge

Bewuchsart Tagesniederschlag P = 0,4 mm Tagesniederschlag P = 34,7 mm


EIMIN [mm] EIMAX [mm] EIMIN [mm] EIMAX [mm]
Fichtenbestand, Jungwuchs, einschichtig
Fichtenbestand, Altholz, mehrschichtig
Buche-/Eichen, Altholz, mehrschichtig
Kartoffeln
Gras

Tabelle Ü 10.3: Minimale und maximale Interzeptionsverdunstungsmengen EI [in %] für verschiedene


Bewuchsarten und Tagesniederschläge

Bewuchsart Tagesniederschlag P = 0,4 mm Tagesniederschlag P = 34,7 mm


EI MIN [% von P] EI MAX [% von P] EI MIN [% von P] EI MAX [% von P]
Fichtenbestand, Jungwuchs, einschichtig
Fichtenbestand, Altholz, mehrschichtig
Buche-/Eichen, Altholz, mehrschichtig
Kartoffeln
Gras

3. Ermitteln Sie die Bestandsniederschläge für die in Aufgabe 2 betrachteten Fälle! Tragen Sie die
Ergebnisse in die Tabellen Ü 10.4 ein!

Tabelle Ü 10.4: Minimale und maximale Bestandsniederschläge [in mm] für verschiedene Bewuchsarten
und Tagesniederschläge

Bewuchsart Tagesniederschlag P = 0,4 mm Tagesniederschlag P = 34,7 mm


PB für EI MIN PB für EI MAX PB für EI MIN PB für EI MAX
[mm] [mm] [mm] [mm]
Fichtenbestand, Jungwuchs, einschichtig
Fichtenbestand, Altholz, mehrschichtig
Buche-/Eichen, Altholz, mehrschichtig
Kartoffeln
Gras

Unter welchen Gegebenheiten (hinsichtlich Bewuchs und Niederschlag) ist eine Berücksichtigung
der Interzeptionsverdunstung (z. B. im Zusammenhang mit wasserhaushaltlichen Untersuchungen)
besonders angeraten?
Hydrologische Übung 11:

Auswertung von Durchflussmessungen I (Dreiecksmesswehr und Tracer)

► Aufgabenstellung:
Auswertung von Durchflussmessungen mittels:
a) Dreiecks-Messwehr und
b) Tracermethode.

► gegebene Informationen:
für Teilaufgabe a)
- Dreieckswehr mit folgenden Parametern:
Ausschnittwinkel: 90 °
Überfallbeiwert (Herstellerangabe): μ = 0,578
- gemessene Überfallhöhen während eines Hochwasserereignisses  s. Tabelle Ü 11.1

Tabelle Ü 11.1: Gemessene Überfallhöhen während eines Hochwasserereignisses

t [min] 0 20 40 60 80 100 120 140 160

h [cm] 13,0 17,4 27,7 35,0 31,5 26,5 23,2 21,2 19,9

Q [l/s]

für Teilaufgabe b)
- Ergebnisse eines Tracerversuches mit einer NaCl-Lösung am Münzbach zwischen Zug und
Freiberg:
Messtag: 28.04.1998, 18:30 Uhr MESZ
Cl-Konzentration des Münzbaches vor Beginn des Tracerversuches: 90 mg/l
Cl-Konzentration der Tracerflüssigkeit: 196,2 g/l
Menge der Tracerflüssigkeit: 2,5 l
Länge der Messstrecke: 100 m
Zeitintervall der Messung: 5 s
Art der Tracereingabe: als Momentanimpuls zum Zeitpunkt t = 0 s
Messwerte am Messpunkt (Registrierungspunkt): s. Tabelle Ü 11.2

► Aufgaben:
für Teilaufgabe a)
1. Ermitteln Sie die Durchflusswerte für das betrachtete Hochwasserereignis und tragen Sie die
Ergebnisse der Berechnungen in die Tabelle Ü 11.1. ein!
für Teilaufgabe b)
2. Stellen Sie die am Registrierungspunkt gemessene Tracerdurchgangskurve grafisch dar (Abbildung
Ü 11.1) und schätzen Sie die Zeit, zu der 50 % des Tracers den Registrierungspunkt passiert haben!
3. Berechnen Sie die mittlere Fließgeschwindigkeit (Abstandsgeschwindigkeit)!
4. Ermitteln Sie den mittleren Durchfluss des Münzbaches!
5. Wie groß ist die durchflossene Querschnittsfläche des Münzbaches im Bereich des durch-
geführten Tracerversuches?

Tabelle Ü 11.2: Gemessene Cl-Konzentrationen am Registrierungspunkt

C(t) – ∑(C(t) C(t) – ∑(C(t) C(t) – ∑(C(t)


C(t)1) C(t)1) C(t)1)
t [s] C0 – C0) t [s] C0 – C0) t [s] C0 – C0)
[mg/l] [mg/l] [mg/l]
[mg/l] [mg/l] [mg/l] [mg/l] [mg/l] [mg/l]
0 90 190 166 290 94
30 90 195 156 295 94
60 90 200 144 300 93
90 90 205 136 305 93
110 90 210 129 310 92
115 97 215 126 315 92
120 114 220 121 320 92
125 177 225 113 325 91
130 200 230 111 330 92
135 246 235 109 335 91
140 301 240 109 340 91
145 307 245 104 345 91
150 311 250 102 350 91
155 298 255 100 355 91
160 281 260 99 360 90
165 260 265 99 365 90
170 238 270 97 370 90
175 213 275 96 375 90
180 194 280 95 380 90
185 179 285 95

C(t) – zeitabhängige Chloridkonzentration (Messwert am Registrierungspunkt) [mg/l]


C0 – Chloridkonzentration des Baches (Hintergrundwert)
350

300
Tracerdurchgangskurve
Cl-Konzentration [mg/l]

250
Hintergrundwert

200

150

100

50

0
90
100
110
120
130
140
150
160
170
180
190
200
210
220
230
240
250
260
270
280
290
300
310
320
330
340
350
360
370
380
Zeit [s]

Abb. Ü 11.1: Gemessene Tracerdurchgangskurve am Registrierungspunkt


Hydrologische Übung 12:

Auswertung von Durchflussmessungen II (hydrometrischer Messflügel)

► Aufgabenstellung:
Ermittlung von Fließgeschwindigkeit, Durchflussfläche und Durchflussmenge für ein gegebenes
Durchflussprofil mittels hydrometrischem Messflügel

► gegebene Informationen:
- Fließquerschnitt (Querprofil)  s. Bild Ü 12.1
- 4 Durchflusslamellen mit Lamellenbreiten von jeweils b = 0,3 m (entsprechend Bild Ü 12.1)
- Durchflussmesspunkte bei jeweils 20 % und 80 % der Gewässertiefe (Zweipunktmessung)
- gemessene Werte der Flügelumdrehungen (Impulsrate)  s. Tabelle Ü 12.1
- Anlaufgeschwindigkeit des Messflügels: v0 = 0,01 m/s (Herstellerangabe)
- Flügelkonstante: B = 0,002 (m . min) / (s . U), U = Umdrehungen (Herstellerangabe)

Ο – Messpunkt

Bild Ü 12.1: Eingemessenes Querprofil eines Fließgewässers an der Durchflussmessstelle

Tabelle Ü 12.1: Messwerte der Impulsrate in den Lamellen-Messlotrechten


Impulsrate n bei 0,2 . t Impulsrate n bei 0,8 . t
Lamelle in Umdrehungen/min in Umdrehungen/min
1 38 114
2 42 187
3 45 210
4 31 102
► Aufgaben:

1. Ermitteln Sie die punktuellen und Lamellenfließgeschwindigkeiten, die Lamellendurchfluss-


flächen und den Gesamtdurchfluss!

2. Um welche Art Fließgewässer könnte es sich handeln?


 Flachland, Gebirge?
 mäandrierend, gerade fließend?
 Bach, Fluss?

Dokumentieren Sie im Protokoll ferner, in welchen Fällen eine Durchflussmessung mittels Mess-
flügel relativ unproblematisch ist und nach welchen Gesichtspunkten Sie eine Messstelle aus-
wählen! Dokumentieren Sie für eine Lamelle im Detail die Lösungsschritte (Messwerte, Berech-
nungsgleichungen, Berechnungswerte)! Für alle weiteren Lamellen genügt eine Ergebnisübersicht
z. B. in Form einer Tabelle.
Hydrologische Übung 13:

Statistische Auswertung von Durchflussdaten (Datenprüfung)

► Aufgabenstellung:
Prüfung von Hochwasser-Durchflussdaten mittels statistischer Tests:
a) Ausreißertest und
b) Doppelsummenanalyse.

► gegebene Informationen:
- Datenreihe der jährlichen maximalen Durchflussmengen (Jahreshöchstwerte der Durchflüsse
HQ(a)), Reihe 1951 - 1990, Pegel 0815, Gewässer XYZ  s. Tabelle Ü 13.1
- Datenreihe der jährlichen mittleren Durchflussmengen (Jahresmittelwerte der Durchflüsse
MQ(a)), Reihe 1951 - 1990, Pegel 0815, Gewässer XYZ  s. Tabelle Ü 13.1
- Die HQ(a)-Reihe ist auf Homogenität zu prüfen.
- Die MQ(a)-Reihe sei homogen (Ergebnis vorangegangener Untersuchungen).

Tabelle Ü 13.1: Jährliche mittlere Durchflüsse MQ(a) und maximale Durchflüsse HQ(a) (Reihe 1951-
1990, alle Werte in m3/s)
1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959 1960
MQ(a) 2,3 3,1 1,0 1,3 4,2 3,4 2,7 1,4 0,9 3,7
∑MQ(a)
HQ(a) 158 170 110 120 163 214 141 101 71 120
∑HQ(a)
1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970
MQ(a) 3,1 0,7 4,0 2,2 1,6 1,8 3,0 2,4 1,4 3,4
∑MQ(a)
HQ(a) 201 171 190 105 130 120 164 72 53 82
∑HQ(a)
1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980
MQ(a) 0,9 3,7 2,0 2,4 4,3 1,7 2,9 3,5 3,1 1,1
∑MQ(a)
HQ(a) 42 102 77 69 124 68 93 100 81 61
∑HQ(a)
1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990
MQ(a) 2,0 2,7 1,7 3,0 3,4 2,6 2,9 1,4 2,0 1,1
∑MQ(a)
HQ(a) 71 61 59 90 103 71 81 61 79 312
∑HQ(a)

► Aufgaben:
Teilaufgabe a)
1. Anwendung des Ausreißertests: Ist der größte HQ(a)-Wert (312 m3/s) ein Ausreißer? Sind der
zweitgrößte Wert, der drittgrößte ... Wert Ausreißer?
Teilaufgabe b)
2. Anwendung der Doppelsummenanalyse:
Führen Sie für die gegebenen Datenreihen eine Doppelsummenanalyse durch! Stellen Sie das
Ergebnis der Doppelsummenanalyse grafisch dar (Abbildung Ü 13.1)! Ermitteln Sie grafisch und
analytisch, ob das Datenkollektiv der HQ(a) homogen ist oder nicht! Werten Sie das Ergebnis!

Abb. Ü 12.1: Grafische Auswertung der Doppelsummenanalyse


Hydrologische Übung 14: Ermittlung der Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses

► Aufgabenstellung:
Ermittlung der Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses für den Pegel Rudolstadt (Gewässer: Saale)
für das Abflussjahr 1970 und Vergleich mit langjährigen Werten

► gegebene Informationen:
- gemessene tägliche Durchflusswerte des Pegels Rudolstadt (Saale) für das Abflussjahr 1970  s.
Tabelle Ü 14.1
- langjährige Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses (1943 - 1970) für den gleichen Pegel s.
Tabelle Ü 14.2

Tabelle Ü 14.1: Tägliche Durchflusswerte für den Pegel Rudolstadt (Gewässer: Saale) für das Abflussjahr
1970 (aus dem Gewässerkundlichen Jahrbuch der DDR, 1970, alle Werte in m3/s)
Allgemeine Informationen:
Pegelkennziffer: 57027
Einzugsgebietsfläche: 2 678 km2
Pegelstandort: 258 km oberhalb der Mündung (in die Elbe)
Durchflussermittlung nach Tagesmittelwerten des Wasserstandes
Tag NOV DEZ JAN FEB MRZ APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT
1. 19,2 14,5 16,5 9,8 44,4 66,6 115 25,4 9,2 16,5 52,2 34,0
2. 20,7 14,5 17,1 13,9 50,0 70,8 112 25,4 10,4 14,5 38,8 58,6
3. 22,2 17,8 20,7 20,7 48,4 95,6 111 24,6 18,5 11,5 37,2 32,4
4. 18,5 17,1 26,2 25,4 47,6 106 104 24,6 17,1 6,0 57,0 32,4
5. 17,8 13,9 18,5 28,6 54,6 110 66,6 23,8 21,4 9,2 40,4 41,2
6. 17,1 15,2 15,2 18,5 69,9 105 66,6 24,6 17,8 12,7 30,2 32,4
7. 16,5 15,8 12,7 23,0 76,2 103 68,2 23,8 12,7 19,2 29,4 27,8
8. 18,5 15,2 13,9 23,0 72,6 100 65,0 23,0 13,3 34,0 29,4 26,2
9. 21,4 15,2 17,8 20,0 78,0 100 53,8 22,2 12,1 31,7 29,4 16,5
10. 28,6 19,2 15,2 19,2 86,0 99,0 49,2 22,2 9,8 53,8 28,6 16,5
11. 24,6 34,0 14,5 20,7 88,0 97,9 43,6 21,4 15,2 17,8 30,2 15,2
12. 22,2 25,4 17,1 16,5 89,1 97,9 42,8 22,2 18,5 19,2 29,4 14,5
13. 20,0 24,6 13,3 13,9 88,0 88,0 45,2 20,7 18,5 27,0 25,4 50,7
14. 27,0 23,0 13,9 17,8 67,4 102 41,2 20,7 15,8 28,6 17,1 33,2
15. 28,6 21,4 16,5 19,2 61,8 109 38,8 20,7 13,3 32,4 16,5 14,5
16. 29,4 14,5 14,5 18,5 60,2 111 38,0 20,0 14,5 28,6 23,0 16,5
17. 30,2 13,9 15,2 20,0 53,8 118 38,0 21,4 14,5 17,8 18,5 10,4
18. 27,8 13,3 13,9 21,4 56,2 130 35,6 20,7 17,8 19,2 23,0 10,9
19. 30,9 12,1 15,2 19,2 59,4 141 33,2 20,0 20,0 26,2 22,2 11,5
20. 30,2 12,7 15,8 20,7 51,5 153 33,2 20,0 14,5 21,4 21,4 15,8
21. 29,4 15,8 17,1 23,8 29,4 168 31,7 19,2 13,9 30,9 21,4 11,5
22. 36,4 27,0 16,5 34,0 38,0 164 30,2 17,8 13,9 61,8 20,7 13,9
23. 37,2 33,2 15,2 52,2 52,2 162 29,4 9,2 16,5 90,1 22,2 17,1
24. 30,9 27,8 16,5 49,2 54,6 165 27,0 9,2 18,5 95,6 19,2 17,8
25. 30,2 22,2 16,5 42,8 62,6 144 27,0 8,7 13,3 94,4 23,8 23,0
26. 30,2 22,2 16,5 37,2 65,0 133 28,6 8,7 10,9 92,2 22,2 17,8
27. 28,6 22,2 18,5 33,2 59,4 124 27,8 10,4 13,9 90,1 23,8 20,0
28. 32,4 19,2 23,0 32,4 51,5 115 27,0 19,2 18,5 86,0 23,0 22,2
29. 22,2 22,2 21,4 44,4 107 26,2 15,2 19,2 71,7 23,0 23,8
30. 15,2 17,1 12,7 43,6 116 27,0 12,7 15,8 65,0 30,2 27,0
31. 17,8 12,7 46,0 26,2 12,7 53,8 34,0
Tabelle Ü 14.2: Haupt- und Dauerzahlen des Durchflusses Q für den Pegel Rudolstadt (Saale)

a) Einzelhäufigkeiten und Dauerzahlen der unterschrittenen Durchflüsse

Häufig- Dauer- Dauer- Häufig- Dauer- Dauer-


Q [m3/s] keiten Jahr zahlen zahlen Q [m3/s] keiten Jahr zahlen zahlen
1970 1970 1943 – 70 1970 1970 1943 – 70
< 6 1 < 30 274
< 7 4 < 32 282
< 8 11 < 34 290
< 9 20 < 36 297
< 10 33 < 38 303
< 11 48 < 40 310
< 12 65 < 45 323
< 13 86 < 50 332
< 14 103 < 55 340
< 15 118 < 60 344
< 16 136 < 70 352
< 17 156 < 80 356
< 18 174 < 90 358
< 19 192 < 100 360
< 20 203 < 110 361
< 22 224 < 120 362
< 24 240 < 150 365
< 26 254 < 200 365
< 28 264 < 300 365

b) Hauptzahlen des Durchflusses (alle Werte in m3/s)

NNQ NQ MNQ MQ MHQ HQ HHQ

Abflussjahr 1970

Jahre 1943 - 1970 3,20 *) 3,20 7,76 25,4 115 315 315 **)

*) **)
28.06.1947 09.02.1946

► Aufgaben:

1. Ermitteln Sie die Einzelhäufigkeiten der Durchflüsse des Abflussjahres 1970 und tragen Sie diese
in die Tabelle Ü 14.2 ein! Verwenden Sie die in der Tabelle 13.2 angegebenen Klassenbreiten!
2. Ermitteln Sie die Dauerzahlen der unterschrittenen Durchflüsse für das Abflussjahr 1970! Tragen
Sie die Werte in die Tabelle Ü 14.2 ein!
3. Stellen Sie die Häufigkeitsverteilungen und die Dauerlinien der unterschrittenen Durchflüsse für
das Abflussjahr 1970 und für den Zeitraum 1943 – 1970 grafisch gegenüber (Abbildungen Ü 14.1
und 14.2)!

Abb. Ü 14.1:
Häufigkeitsverteilungen für
das Abflussjahr 1970 und für
den Zeitraum 1943 – 1970

Abb. Ü 14.2:
Dauerlinien der unter-
schrittenen Durchflüsse für
das Abflussjahr 1970 und für
den Zeitraum 1943 – 1970

4. Ermitteln Sie die Hauptzahlen für das Abflussjahr 1970 und tragen Sie diese in Tabelle Ü 14.2 ein!
5. Charakterisieren Sie das Jahr 1970 hinsichtlich des Abflussgeschehens! Nutzen Sie hierfür die
langjährigen Haupt- und Dauerzahlen!
6. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass im langjährigen Mittel ein Durchflusswert von 50
m3/s überschritten wird?
7. Welches Wiederkehrsintervall hat der HQ-Wert des Jahres 1970? Beachte hierbei die für den Pegel
Rudolstadt ermittelten Durchflüsse mit Wahrscheinlichkeitsangabe:

HQ(T) HQ(2) HQ(5) HQ(10) HQ(20) HQ(25) HQ(50) HQ(100)


HQ [m3 /s] 84,0 147 204 262 280 336 380
Hydrologische Übung 15:

Ermittlung hydrologischer Einzugsgebietsparameter

► Aufgabenstellung:
Ermittlung der Parameter Einzugsgebietsgrenze, Einzugsgebietsfläche, Flusslängen, Gefälle, Form-
faktor, Flussdichte und topographischer Faktor

► gegebene Informationen:
- Kopie der topographischen Karte, Blatt Zwönitz, M = 1 : 25 000, s. Bild Ü 15.1 ( s. Folgeseite)
- Lage: Nähe Aue, Lößnitz, Zwönitz (Mittleres Erzgebirge)
- interessierende Bereiche: Gablenzbach und Oberer Halsbach

► Übungsaufgaben:
1. Grafische Ermittlung der oberirdischen Einzugsgebietsgrenzen (Wasserscheiden) der beiden
Bäche
2. Ermittlung der oberirdischen Einzugsgebietsflächen der beiden Bäche in km2 mit Hilfe eines
Planimeters (mindestens zweimaliges "Umfahren")
3. Ermittlung der Länge der Hauptvorfluter (ohne Nebenbäche) sowie aller nichtperiodischer Ent-
wässerungsstrecken in km mittels Kurvimeter (mindestens zweimaliges "Abfahren")
4. Bestimmung der mittleren Wasserlaufgefälle nach dem Ansatz von BENSON
5. Berechnung der Formfaktoren für die beiden Gebiete
6. Berechnung der Flussdichte für die beiden Gebiete
Was bedeutet (geologisch gesehen) eine hohe Flussdichte, was eine geringe Flussdichte? Was
bedeutet es hydrologisch gesehen (z. B. in Bezug auf das Hochwasserverhalten)?
7. Berechnung der topographischen Faktoren
8. Abschätzung der verschiedenen Hauptnutzungsanteile (in % der Einzugsgebietsfläche):
- Wald
- Landwirtschaft (dazu gehören: Ackerland, Wiesen und Weiden)
- Siedlungsflächen (dazu gehören: Ortschaften, Straßen- und Wegeflächen)

Zusammenfassung:
- Welches der beiden Einzugsgebiete wird wahrscheinlich (ausgehend von den oben ermittelten Para-
metern) eine höhere Hochwassergefährdung aufweisen?
- Begründen Sie Ihre Entscheidung!

Ergebnistabelle  s. Tabelle Ü 15.1 (übernächste Seite)


Bild Ü 15.1: Ausschnitt aus der topographischen Karte, Blatt Zwönitz, M = 1 : 25 000
Tabelle Ü 15.1: Ergebnisübersicht

Gablenzbach Oberer Halsbach

Einzugsgebietsfläche AE [km2]

Länge des Hauptvorfluters (Flusslänge) LF [km]

Länge aller nichtperiodischen Vorfluter LAF [km]

Bachgefälle nach BENSON [m/m]

Formfaktor RF [km2/km2]

Flussdichte DF [km/km2]

Topografischer Faktor TF [km]

Hauptnutzungsanteile [%]:
- Wald
- Landwirtschaft (Ackerland, Wiesen/Weiden ...)
- Siedlungen und Straßen (versiegelte Flächen)
Hydrologische Übung 16:

Einfache Ansätze zur Ermittlung von Abflussbildung und -konzentration

► Aufgabenstellung:
Anwendung einfacher Methoden zur Ermittlung von Abflussbildung und -konzentration:
a) Abflussbildung: Abflussbeiwertverfahren und US Curve-Number-Verfahren
b) Abflusskonzentration: US-SCS Dreieckshydrographen
bei gegebenem Bemessungsregen und gegebener Gebietsnutzung, aber fehlenden Durchflusswerten

► gegebene Informationen:
- Gebiet Hölzelbergbach  allgemeine Einzugsgebietscharakteristik analog Übung 4
- detaillierte (nutzungsorientierte) Einzugsgebietscharakteristik  s. Tabelle Ü 16.1
- vorherrschende Bodenart: Lehm (tiefgründig)
- Bemessungsregenmengen innerhalb der Ortschaft Lippersdorf und außerorts: Verwendung der aus der
Niederschlagshöhen-Dauer-Häufigkeitsbeziehung ermittelten Werte aus Übung 4

Tabelle Ü 16.1: Nutzungsanteile des Einzugsgebietes des Hölzelbergbaches


Nutzung Fläche A [m2]
Ortschaft Lippersdorf insgesamt: 30 400
davon: (alle Werte ca.)
Dachflächen 1 300
Gartenflächen 17 900
Ödlandflächen 2 800
befestigte Schotterwege und Schotterplätze 3 600
unbefestigte Wege und Hofflächen 4 200
Asphaltstraßen 600
forstwirtschaftlich genutzte Flächen insgesamt: 30 300
davon: (alle Werte ca.)
Jungwald (aufgelockert) 23 400
Hochwald (dicht) 6 900
landwirtschaftlich genutzte Flächen insgesamt: 699 700
davon: (alle Werte ca.)
Ackerland (vorwiegend Getreide) 320 300
Dauerwiese 157 900
Weide 221 500

► Arbeitsschritte:

1. Berechnen Sie den Oberflächenabfluss RO (in mm):


- innerorts und
- außerorts
nach dem Abflussbeiwertverfahren unter Zugrundelegung des in Übung 4 ermittelten Bemessungs-
regens! Begründen Sie Ihre Schätzungen bezüglich der Anfangsverluste und Abflussbeiwerte!
Tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle Ü 16.2 ein!
Tabelle Ü 16.2: Ergebnisübersicht zum Abflussbeiwertverfahren

Ergebnisse innerorts
Va Ψ P RO Ai RO * Ai
[mm] [] [mm] [mm] [] [mm]
Dachflächen
Gartenflächen
Ödlandflächen
befestigte Schotterwege und Schotterplätze
unbefestigte Wege und Hofflächen
Asphaltstraßen
innerorts insgesamt:

Ergebnisse außerorts
Va Ψ P RO Ai RO * Ai
[mm] [] [mm] [mm] [] [mm]
Jungwald (aufgelockert)
Hochwald (dicht)
Ackerland (vorwiegend Getreide)
Dauerwiese
Weide
außerorts insgesamt:

2. Ermitteln Sie den Oberflächenabfluss analog Aufgabe 1 unter Verwendung des Curve-Number-
Verfahrens! Begründen Sie die Wahl des Bodentyps! Tragen Sie die Ergebnisse in die Tabelle Ü
16.3 ein!

Tabelle Ü 16.3: Ergebnisübersicht zum Curve-Number-Verfahren

Ergebnisse innerorts
CNTab 5.9 Ia P RO Ai RO * Ai
[%] [mm] [mm] [mm] [] [mm]
Dachflächen
Gartenflächen
Ödlandflächen
befestigte Schotterwege und Schotterplätze
unbefestigte Wege und Hofflächen
Asphaltstraßen
innerorts insgesamt:

Ergebnisse außerorts
CNTab 5.9 Ia P RO Ai RO * Ai
[%] [mm] [mm] [mm] [] [mm]
Jungwald (aufgelockert)
Hochwald (dicht)
Ackerland (vorwiegend Getreide)
Dauerwiese
Weide
außerorts insgesamt:
3. Stellen Sie die Ergebnisse gegenüber! Werten Sie die beiden Verfahren! Entscheiden Sie sich für ein
Verfahren, mit dem Sie die Aufgabe 4 lösen wollen!

4. Ermitteln Sie unter Verwendung des US-SCS Dreieckshydrographen für die Fälle innerorts und
außerorts:
- die Scheiteldurchflüsse
- die Scheiteleintrittszeiten und
- die Gesamtdauer des Direktabflusses

5. Wie viel m3 Oberflächenwasser werden infolge des angesetzten Bemessungsregens insgesamt


innerorts und außerorts nach dem in Aufgabe 3 priorisierten Verfahren gebildet?
Hydrologische Übung 17:

Auswertung von Grundwasserstandsmessungen – Hydroisohypsenplan

► Aufgabenstellung:
Konstruktion eines Hydroisohypsenplanes sowie Bestimmung von Grundwasserspiegellagen, -ge-
fällewerten, -fließgeschwindigkeiten und -fließmengen mit Hilfe des Hydroisohypsenplanes

► gegebene Informationen:
- Lockergesteins-GW-Leiter mit zusammenhängender Grundwasseroberfläche  Lage s. Bild Ü
17.1
- mittlere grundwassererfüllte Mächtigkeit des Grundwasserleiters: 6 m
- mittlerer Filtrationskoeffizient (kf-Wert): 3,5 * 10-4 m/s
- Grundwasserstände (Stichtagsmessung) sowie Lagen der Pegeloberkanten (POK)  s. Tabelle Ü
17.1
Tabelle Ü 17.1: Gemessene Grundwasserstände im Untersuchungsgebiet (Stichtagsmessung)
Pegel- POK GW-Stand GW-Stand Pegel- POK GW-Stand GW-Stand
Nr. [m NN] [m u. POK] [m NN] Nr. [m NN] [m u. POK] [m NN]
1 32,10 4,17 18 27,99 1,70
2 30,75 3,65 (19) (46,42) (4,32)
3 26,13 3,27 20 43,70 3,88
4 39,46 3,41 21 44,16 5,99
5 33,00 3,52 22 41,53 5,65
6 42,12 4,02 23 36,76 5,04
7 36,73 4,42 24 28,10 1,47
8 31,61 3,57 25 48,28 6,38
9 27,90 2,08 26 44,34 4,61
10 27,75 1,18 27 42,79 6,83
11 28,11 2,01 28 36,15 2,51
12 44,83 4,38 29 38,07 8,67
13 38,32 3,25 30 42,70 5,27
14 32,90 4,98 31 39,89 3,80
15 34,05 4,27 32 37,44 3,34
16 28,57 1,83 33 43,65 10,59
17 27,93 2,12 34 41,42 10,07

► Arbeitsschritte:

1. Berechnung der Grundwasserspiegellagen in m ü. NN


2. Übertragen der Werte der Grundwasserspiegellagen in die gegebene Karte  Bild Ü 17.2
3. Konstruieren des Hydroisohypsenplanes (Abstand der Isohypsen: 1 m bzw. 2 m)
4. Einzeichnen der Grundwasserfließrichtung (an etwa 2 bis 3 ausgewählten Kartenabschnitten)
Bild Ü 17.2: Untersuchungsgebiet
5. Vorschlag für den Standort eines kleinen Wasserwerkes für die Trinkwasserversorgung von
Vogelsang:
 beachte GW-Hydraulik
 beachte GW-Beschaffenheit (evtl. negative Auswirkungen auf die Wasserbeschaffenheit im
Anstrombereich des geplanten Wasserwerkes)

6. Angabe des mittleren Grundwassergefälles im Anstrombereich zum geplanten Wasserwerk

7. Wie viel Grundwasser strömt unter natürlichen Bedingungen (ohne Förderung) dem geplanten
Wasserwerk auf einer Breite von 1 km zu?
Hydrologische Übung 18:

Bestimmung des kf-Wertes von nichtbindigen Lockersedimenten I (Ermittlung aus


der Kornverteilungskurve)

► Methodik:
- Verfahren beruht auf der praktischen Erfahrung, dass der kf-Wert abhängig ist:
 vom wirksamen Korndurchmesser dw
 vom Ungleichförmigkeitsgrad U
- Grundvoraussetzungen für die Anwendung des Verfahrens:
 sorgfältige Sedimentprobenahme  Gewinnung repräsentativer Proben
 genügend hohe Probenanzahl (abhängig von der Inhomogenität des untersuchten Gebietes)
 fehlerfreie Bestimmung der Kornanteile

► kf -Wertbestimmung nach HAZEN:


- Anwendung für Feinsande
- Zusammenhang kf = f (dw , U) durch empirische Gleichung:
2
kf = c . dw (Ü 18.1)
mit: kf - Filtrationskoeffizient in m/s
dw - wirksamer Korndurchmesser in mm
c - empirischer Gesteinsbeiwert

- für c gilt:
 c = 0,0139 für U = 1 ... 3 (U – Ungleichförmigkeitsgrad  s. Gleichung Ü 18.2)
 c = 0,0116 für U = 3 ... 5
d60
U = ── (Ü 18.2)
d10

mit: d60 - Korngröße bei 60 % Siebdurchgang in mm ( vgl. Bild Ü 18.1)


d10 - Korngröße bei 10 % Siebdurchgang in mm ( vgl. ebenfalls Bild Ü 18.1)

 je gleichförmiger ein Korngemisch zusammengesetzt ist, umso steiler ist die dazugehörige
Kornverteilungskurve (und umso kleiner ist U)  s. Bild Ü 18.2

- für dw gilt:
1
dw = ───── (Ü 18.3)
Σ (xi / di )
i

mit: xi - relativer Gewichtsanteil der Kornfraktion i (bezogen auf 1, nicht in %)


di - mittlerer Korndurchmesser der Fraktion i (Sieböffnung)

 Verfahren nach HAZEN gut anwendbar für Feinsande mit dw = 0,1 ... 0,5 mm
 keine Anwendbarkeit für dw ≥ 3 mm
Bild Ü 18.1:
Kornverteilungskurven (KVK) –
Summenkurven für verschiedene
Lockersedimente

kleiner Ungleichförmigkeitsgrad großer Ungleichförmigkeitsgrad

Bild Ü 18.2: Korngemische mit unterschiedlichem Ungleichförmigkeitsgrad

► kf -Wertbestimmung nach ZIESCHANG:


- Einführung eines zweiten empirischen Beiwertes c2 , der den Glimmeranteil berücksichtigt
- hoher Glimmeranteil insbesondere bei feinkörnigen Grundwasserleitern
- senkrechtes Aufstellen der Glimmerblättchen
 Verringerung der Durchflussfläche
 künstliche Erhöhung des Grundwassergefälles
- Berechnung des kf-Wertes:

kf = c1 . c2 . d10 2 (Ü 18.4)

mit: kf - Filtrationskoeffizient in m/s


c1 - empirischer Gesteinsbeiwert ( vgl. Tabelle Ü 18.1, c1 analog c in Gleichung Ü 18.1)
c2 - empirischer Beiwert in Abhängigkeit vom Glimmergehalt ( vgl. Tabelle Ü 18.2)
d10 - Korndurchmesser in mm bei 10 % Siebdurchgang (bezogen auf die Gesamtmasse)
Tabelle 18.1: Abhängigkeit des empirischen Beiwertes c1 von der Gesteinsart
petrographische Bedingungen U Gültigkeitsbereich c1
reiner Sand, kiesiger Sand 1–3 d10 = 0,1 - 0,6 mm 0,0139
reiner Sand, kiesiger Sand 3–5 d10 = 0,1 - 0,6 mm 0,0116
schwach schluffiger Sand für d0,01 < 2 % 5 d10 = 0,1 - 0,6 mm 0,0093
schwach tonig schluffiger Sand mit d0,01 < 3 % 5 d10 = 0,08 - 0,6 mm 0,0070
tonig schluffiger Sand mit d0,01 < 4 % 5 d10 = 0,06 - 0,6 mm 0,0046

Tabelle 18.2: Abhängigkeit des empirischen Beiwertes c2 vom Glimmergehalt


Glimmergehalt c2
kein Glimmergehalt bis Spuren 1,0
schwach glimmrig 0,8
stark glimmrig 0,5

► kf -Wertbestimmung nach BEYER:


- vorrangig in der hydrogeologischen Praxis angewendet
- Gültigkeit: für Kiese und Sande mit d10 = 0,06 ... 0,6 mm und U = 1 ... 20
- Berechnung des kf- Wertes:

kf = C . d10 2 (Ü 18.5)

mit: kf - Filtrationskoeffizient in m/s


C - empirischer Gesteinsbeiwert  vgl. Bild Ü 18.3
d10 - Korndurchmesser in mm bei 10 % Siebdurchgang (bezogen auf die Gesamtmasse)

Bild Ü 18.3:
Größe des empirischen Bei-
wertes C in Abhängigkeit vom
Ungleichförmigkeitsgrad U
► Aufgabenstellung:
- Bestimmung des kf-Wertes einer gegebenen Sedimentprobe mittels charakteristischer Werte aus
der Kornverteilungskurve unter Anwendung der empirischen Gleichung nach HAZEN,
ZIESCHANG und BEYER

► gegebene Informationen:
- Siebgrößen und Siebrückstände eines Siebversuches  s. Tabelle Ü 18.3

Tabelle Ü 18.3: Übersicht über die experimentell ermittelten Werte der Siebanalyse
Siebgröße Masse der Siebe Masse Sieb + Siebrückstand Siebrück- Siebdurchgang [%
[mm] bzw. Schale [g] Sediment [g] [g] stand [%] der Gesamtmasse]
(1) (2) (3) (4) = (3) – (2) (5) (6)
6,3 412 412 0
2,5 402 442 40
1,25 387 451 65
0,63 379 584 205
0,25 363 1 584 1 221
0,125 351 522 171
0,063 342 368 26
Auffang-
507 519 12
schale
Gesamtmasse des zu untersuchenden Sediments: 1 739 g = 100 %

► Arbeitsschritte:

1. Berechnen der Siebdurchgänge in % der Gesamtmasse (Tabelle Ü 18.3, Spalte 6)

2. Zeichnen der Kornverteilungskurve (Bild Ü 18.4, umseitig) und Ablesen der Werte d60 und d10

3. Berechnung des kf-Wertes nach HAZEN, ZIESCHANG und BEYER (falls Verfahren anwendbar),
Hinweis zu HAZEN: bei der Berechnung von dw muss xi nicht in % sondern als Wert von 0 bis 1
eingeben werden (vgl. Gleichung Ü 18.3)!

4. Interpretation:
 Charakterisierung der Eigenschaften des Sediments bezüglich des Wassertransports
 qualitative Fehlerbetrachtung (keine Fehlerberechnung)
Bild Ü 18.4
Hydrologische Übung 19:

Bestimmung des kf-Wertes von nichtbindigen Lockersedimenten II (Durch-


strömungsversuch)

► Methodik:
- Ausgangspunkt: Anwendung des DARCY-Gesetzes:

Q.∆l
kf = ──── (Ü 19.1)
A.∆h

mit: kf - Filtrationskoeffizient in m/s


Q - Durchflussmenge in m3/s
A - Durchflussfläche in m2
∆l - Probenlänge in m
∆h - Druckhöhendifferenz in m

- Versuchsdurchführung:
 direkte Durchströmung einer im Probenzylinder eingebauten ungestörten Sedimentprobe mittels
Durchströmungsapparatur
 zwei Arten von Durchströmungsapparaturen:
• Versuchsapparatur mit konstanter Druckhöhe
• Versuchsapparatur mit abnehmender Druckhöhe (nicht Gegenstand der Übung)
 Aufbau der Versuchsanordnung mit konstanter Druckhöhe  s. Bild Ü 19.1

Bild Ü 19.1:
Versuchsanordnung des Durch-
strömungsversuches mit kon-
stanter Druckhöhe zur Bestim-
mung der gesättigten hydrau-
lischen Leitfähigkeit (k -Wert)
f
 Versuchsvoraussetzungen:
• stationäre Strömungsverhältnisse (konstanter Durchfluss)
• dZylinder = (10 ... 20) dmax, Probe
• hydraulisches Gefälle ∆ h / ∆ l = 0,1 ... 0,2 m/m laminare Strömung
• vollständige Sättigung der Probe bei Versuchsbeginn
• TWasser = konstant
• Durchlässigkeit der Filterschicht (Probenzylinder ist zwischen 2 Filterschichten einge-
baut) sollte mindestens 100 Mal so hoch sein wie der kf-Wert der Probe sein
 Versuchsdurchführung:
• Einstellen eines ∆ h / ∆ l = 0,1 ... 0,2 m/m
• Abwarten stationärer Verhältnisse
• Messen aller notwendigen Größen (∆ l, Q, A)
 Berechnung von kf mittels Gleichung Ü 19.1

► gegebene Informationen:
- Versuchsdauer: t = 2 min und 30 s
- aufgefangene Wassermenge: VW = 40 ml
- Druckhöhendifferenz: Δh = 2 cm
- Probenlänge: Δl = 15,0 cm
- Probeninnendurchmesser (Innendurchmesser des Probenahmezylinders): d = 10,0 cm

► Aufgaben:

1. Berechnung des kf-Wertes entsprechend Gleichung 19.1

2. Interpretation:
- Charakterisierung der hydrogeologischen Eigenschaften des Sediments hinsichtlich Wasser-
transport
- qualitative Fehlerbetrachtung (keine Fehlerberechnung) bezüglich Fehlerquellen und Einhal-
tung der Versuchsvoraussetzungen
Hydrologische Übung 20:

Laborative Porositätsbestimmung

► Aufgabenstellung:
Bestimmung der hydrogeologisch bedeutsamen Hohlraumanteile: Gesamthohlraumanteil n, entwässer-
barer Hohlraumanteil ne und Restwassergehalt nr

► Methodik:
- Gesamthohlraumanteil n  s. Skript „Grundlagen der Hydrologie und Hydrogeologie“, S. 139,
Formel 7.5
- Restwassergehalt nr  Formel 7.6, wobei:
VHW mm - ms
nr = ──── = ────── (Ü 20.1)
Vg ρw . Vg
mit: nr - Restwassergehalt
VHW - Haftwasservolumen (Restwasservolumen)
Vg - Gesamtvolumen
mm - Feuchtmasse
ms - Trockenmasse
ρw - Dichte des Wassers
- entwässerbarer Hohlraumanteil ne  Formel 7.7

► gegebene Informationen:
- Probenlänge: l = 15,0 cm
- Zylinderinnendurchmesser: d = 10,0 cm
- Trockenmasse des Sediments: ms = 2 116 g
- Masse nach Wassersättigung: mSat = 2 493 g
- Masse nach 30-minütigem Absaugen des Gravitationswassers: mm = 2 282 g  prinzipieller
Aufbau einer Absaugvorrichtung  s. Bild Ü 20.1 (hier: ZUNKER-Apparatur)

Bild Ü 20.1:
Prinzipieller Aufbau einer
Absaugapparatur nach
ZUNKER
► Aufgaben:

1. Ermittlung des Gesamthohlraumanteils

2. Ermittlung des Restwassergehaltes nr

3. Ermittlung der entwässerbaren Porosität ne

4. Interpretation:
 Um welche Sedimentart könnte es sich handeln?
 Charakterisieren Sie das Sediment bezüglich Wassertransport und -speichervermögen!

5. Wie viel Liter Wasser könnten je m2 Grundwasseroberfläche bei Abnahme des Grundwasser-
spiegels um 1 m abgepumpt werden, wenn man voraussetzt, dass das untersuchte Sediment das
Grundwasserleitermaterial repräsentiert?
Hydrologische Übung 21:

Schutzgebietsabgrenzung eines Brunnens für die Trinkwassergewinnung

► Aufgabenstellung:
Abgrenzung der Schutzzonen I bis III für einen Brunnen zur Grundwasserentnahme

► gegebene Informationen:
- Karte des Untersuchungsgebietes mit mittleren Grundwasser-Isohypsen (Bild Ü 21.1 umseitig)
- unbedeckter Grundwasserleiter (GWL):
Mittelsand ohne nennenswerte Inhomogenitäten
kf-Wert: ca. 2 * 10-4 m/s
entwässerbare Porosität ne: ca. 0,2
langjährig mittlere Grundwasserneubildung im Bereich des GWL: ca. 200 mm/a
- in Teilbereichen Festgesteinsaufragungen bis über den Grundwasserspiegel:
Festgesteinseigenschaften: Rotliegendes (geringe - mäßige Klüftung)

- Förderbrunnen: mittlere Förderleistung von 3,5 l/s, GW-Absenkung auf 90 m NN

► Aufgaben:
1. Ist für die Bemessung der Trinkwasserschutzzonen I – III von Brunnen das oberirdische oder
unterirdische Einzugsgebiet des Entnahmebrunnens maßgebend? Zeichnen Sie das maßgebende
Einzugsgebiet in die Karte des Untersuchungsgebietes ein!
2. Nehmen Sie eine Bemessung der Trinkwasserschutzzonen I – III vor und zeichnen Sie die ent-
sprechenden Schutzzonengrenzen in die Karte des Untersuchungsgebietes ein!
3. Charakterisieren Sie kurz die Schutzzonen I – III hinsichtlich:
- Bezeichnung (Name der jeweiligen Schutzzone)
- Gesichtspunkte für die Festlegung der jeweiligen Schutzzonengröße
- Zweck der einzelnen Schutzzonen (differenziert nach Schutzzonen I – III)
- Nutzungsbeschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen in den einzelnen Schutzzonen
4. Ist im konkreten Fall eine Unterteilung der Schutzzone III in III A und III B sinnvoll? Begründen Sie
Ihre Aussage!
5. Welche Größen (gegebene Informationen s. o.) muss man miteinander vergleichen, wenn man
wissen möchte, ob es im Einzugsgebiet des Brunnens zu einer Überlastung der Grundwasserressour-
cen (Folge: tendenziell sinkende Grundwasserstände) kommt oder nicht? Führen Sie den Vergleich
durch! Zu welchem Ergebnis kommen Sie?
6. Welche Schutzzone würde sich hinsichtlich ihrer Größe ändern, wenn im Bereich des Förder-
brunnens eine gering durchlässige Bedeckung vorhanden wäre?
7. Zeichnen Sie die Grenze der betreffenden Schutzzone (vgl. Aufgabe 6) in die Karte des Unter-
suchungsgebietes für den Fall ein, dass im Bereich des Brunnens (im Umkreis von ungefähr 500 m)
eine ca. 8 m mächtige Bedeckung aus schluffigem Sand anzutreffen ist! Sie können hierzu die
Technische Regel Arbeitsblatt W 101 des DVWG (auszugsweise  s. übernächste Seite) verwen-
den. Diskutieren Sie die sich hieraus ergebenden Konsequenzen!
Bild Ü 21.1: Karte des Untersuchungsgebiets
Auszug aus der Technischen Regel Arbeitsblatt W 101 des DVWG, Richtlinien für Trinkwasser-
schutzgebiete, Teil 1: Schutzgebiete für Grundwasser (Juni 2006):

Wird die Schutzwirkung der Grundwasserüberdeckung in Rechnung gestellt, kann bei Lockergesteinen
wie folgt vorgegangen werden:

1. Die obersten 6 m der Grundwasserüberdeckung haben die größte Schutzwirkung und werden deshalb
bei der Verkleinerung der Schutzzone II nicht berücksichtigt.

2. Für die darunter folgende Grundwasserüberdeckung werden die den einzelnen Schichten zuzuordnen-
den Indizes I der unterstehenden Tabelle (hier: Tabelle Ü 21.1) entnommen.

3. Die Schutzwirkung Ld der Grundwasserüberdeckung wird wie folgt berechnet:

Ld = h1 * I1 + h2 * I2 + … (Ü 21.1)

mit: h1, h2, ... - Mächtigkeiten der Teilschichten [m]


I1, I2, … - Indizes  s. Tabelle Ü 21.1

Für eine umfassende Schutzwirkung muss Ld ≥ 1,0 betragen. In diesem Fall ist theoretisch keine
Schutzzone II erforderlich. Bei Ld < 1,0 ist eine umfassende Schutzwirkung der Überdeckung noch
nicht erreicht.

4. Die erforderliche restliche Aufenthaltszeit im Grundwasser errechnet sich zu T = 50 (1 – Ld) Tagen (gilt
für den Fall Ld < 1).

Tabelle Ü 21.1: Ausreichende Überdeckung und Indizes für bedeckte Grundwasserleiter

L Gesteinsart H [m] I=1/H

1 Ton ohne Risse, toniger Schluff, stark toniger Sand 2,0 0,50
2 toniger Schluff bis Schluff 2,5 0,40
3 Schluff, schluffiger Sand, Sand mit wenig Schluff und Ton 3,0 – 4,5 0,33 – 0,22
4 Fein- bis Mittelsand 6,0 0,17
5 Mittel- und Grobsand 10,0 0,10
6 Grobsand 15,0 0,07
7 schluffiger Kies, reichlich Sand und Ton 8,0 0,13
8 wenig Kies, viel Sand 12,0 0,08
9 Fein- bis Mittelkies, reichlich Sand 25,0 0,04
10 Mittel- bis Grobkies, wenig Sand 35,0 0,03
11 Steine, wenig Kies und Sand 50,0 0,02

L - Gesteinsart
H - für Elimination und Abbau ausreichende Mächtigkeit der Grundwasserüberdeckung
I - Index für die Dimensionierung unter Berücksichtigung der Schutzwirkung entsprechend Gleichung Ü 21.1