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Geschichte, 2. Sek Imperialismus - 1.

Einführung

Imperialismus
1. Einführung
Begriffserklärung Imperialismus (gemäss Heinrich Friedjung)

Bereits im 16. Jahrhundert ist dieses Bestreben der Machtausdehnung bekannt, als Spanien
und Portugal ihre Kolonien in Übersee eroberten. Auch die Niederlande errichteten im 17.
Jahrhundert ein riesiges Kolonialreich. Diese Entwicklung „der Imperialismus“ fand allerdings
erst später, nämlich zwischen 1870 und 1918 ihren Höhepunkt.

Begriffserklärung Kolonie

Während des Imperialismus teilten sich die Industriestaaten die Welt gewalttätig
untereinander auf. Der wichtigste Grund für das Streben nach anderen Ländern, waren die
sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen in den europäischen Ländern, in Japan sowie
in den USA zur Zeit der Industrialisierung. Die Unternehmer benötigten billige Rohstoffe für
die Herstellung von Gütern und suchten gleichzeitig neue Absatzmärkte für ihre Waren aus
der Massenproduktion, denn der Einsatz von Maschinen führte zu einer stetigen Produktion,
zu einer Überproduktion. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem enormen Anstieg der
Bevölkerung. Lebten um 1800 187 Millionen Menschen in Europa, waren es um 1900 bereits
423 Millionen. Dieser Zuwachs erforderte die Ernährungsgrundlagen zu reformieren. Dazu
wurden einerseits Maschinen in der Landwirtschaft eingesetzt, andererseits Kolonien
erworben, die den Nahrungsbedarf abdecken sollten.
Industriearbeiter (Proletarier) und Landarbeiter kämpften insbesondere am Endes des 19.
Jahrhunderts für ihre wirtschaftliche Besserstellung (bessere Wohnungs- und
Arbeitsbedingungen) und für politische Einflussmöglichkeiten (Gewerkschaften, Parteien).
Dieses politische Erwachen bereitete den Regierenden und Unternehmern der europäischen
Mächte Unbehagen und Angst. Somit verfolgten sie eine Politik, welche die innenpolitischen
Klassengegensätze zu mindern versuchte. Sozialdemokraten und Gewerkschaftler sollten
als Siedler in die Kolonien auswandern. Man erhoffte sich mit diesem Schritt die „Soziale
Frage“ auslagern zu können.

Um 1900 waren grosse Teile der Erde in riesigen Kolonialreichen unter europäischer
Herrschaft. Für die europäischen Regierungen war der Besitz von Kolonien ein Zeichen für
Macht und politisches Ansehen. Wer keine Kolonien besass, empfand dies als Schmach und

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Niederlage. Der Kampf um Kolonien, Macht und Einfluss entfachte in Europa ein Wettrüsten
zwischen den Ländern. Um 1914 war die Hälfte der Erdoberfläche und ein Drittel der
Weltbevölkerung in Kolonialbesitz. Der Wettlauf und die Verteidigung des Kolonialbesitzes
barg ein hohes Konfliktpotential in sich und führte so in den Ersten Weltkrieg.

Imperialismus heute
Auch heute kannst du in den Medien oft den Begriff Imperialismus hören und lesen. So
spricht man oft von Rohstoffimperialismus, wenn ein Staat mit allen legalen und illegalen
Mitteln versucht, sich die Rohstoffvorkommen (z.B. Erdöl, Gas, Kupfer, etc.) eines anderen
Landes zu sichern. Zu nennen sind hier insbesondere die politischen Aktivitäten Chinas in
Afrika und Russlands in den benachbarten Staaten.

Von Agro-Imperialismus wird dann gesprochen, wenn ein Staat sich Böden und deren
landwirtschaftliche Nutzung in anderen Ländern sichert.

Insbesondere afrikanische Diktatoren nutzen den Begriff des europäischen bzw.


amerikanischen Imperialismus immer dann, wenn ihre Menschenrechtsverletzungen
thematisiert werden und sie sich gegen eine Einmischung in ihre Politik wehren wollen. So
klagte 2009 Muammar al-Gadafi (Staatschef von Libyen bis zum Umsturz 2011) den
westlichen Imperialismus an und forderte als Entschädigung für die europäische Kolonialzeit
5.26 Billionen Euro.

Aufgaben
1. Sind die folgenden Aussagen richtig oder falsch? Kreuze an. Korrigiere
anschliessend alle falschen Aussagen .
Nr. Aussage richtig falsch
a) Das Zeitalter des Imperialismus begann im Jahr 1870.
Damals gab es durch eine politische Revolution
b)
grundlegende Veränderungen in der Wirtschaft.
Die Welt wurde unter den Industriestaaten gewalttätig
c)
aufgeteilt.
Um 1900 waren grosse Teile der Erde unter europäischer
d)
Herrschaft
Für die europäischen Regierungen war der Besitz von
e) Kolonien ein Zeichen von Schwäche und Verrat am
Vaterland.
Trotz des Kampfes um Kolonien und Macht herrschte 1914
f)
Frieden in Europa.
g) Heute gibt es kein Imperialismus mehr.

Korrektur der falschen Aussagen:


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2. Die Kolonialmächte begründeten ihre Machterstrebnisse unterschiedlich. Ordne den


Überschriften die jeweils passenden Erklärungen zu.
a. Wirtschaftliche Begründung o o Wachstum und Überlebenssicherung
sind nur durch den Besitz von Kolonien
möglich.
b. Politische Begründung o o Kolonien bieten grosse
Rohstoffvorkommen und die
Möglichkeit, auszuwandern.
c. Religiös-kulturelle Begründung o o Durch die Übertragung der
Darwinistischen Theorie1 auf den
Menschen ergibt sich das Recht der
Europäer auf den Besitz von Kolonien.
d. Nationale Begründung o o Die Völker in Afrika und Asien müssen
missioniert werden um vom „falschen
Glauben“ befreit zu werden.
e. Rassistische Begründung o o Die Menschheit muss von Unfreiheit
und Unterdrückung erlöst werden.

3. Betrachte die Karte auf Seite 150 im Buch „Menschen in Zeit und Raum 8“. Sie zeigt
die europäischen Kolonialstaaten um 1914 und ihre Besitzungen in der Welt. Ergänze
die untenstehende Tabelle:
a. Beginne mit dem Staat, der 1914 über den grössten Kolonialbesitz verfügte. An
zweiter Stelle kommt der Staat mit dem zweitgrössten Besitz usw.
b. Trage in der zweiten Spalte der Tabelle die Länder (Bezeichnung damals und
heute) ein, welche 1914 zum Kolonialbesitz der einzelnen europäischen Länder
gehörten. Du solltest jeweils 2–3 Kolonien pro Kolonialmacht kennen.

Kolonialmacht Ehemalige Kolonien

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Darwins Theorie: In der Tierwelt setzt sich immer der Stärkere auf Kosten des Schwächeren durch. Dies kann
auch auf den menschlichen und gesellschaftlichen Bereich übertragen werden.

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