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TEXTANALYSE – VORBILDLICH FAUL

In ihrem Essay „Vorbildlich faul“, welches am 25. Oktober 2013 in der Tageszeitung
„Salzburger Nachrichten“ erschienen ist, beschäftigt sich die Autorin Gudrun Dornin-
ger mit der heutigen unermüdlich beschäftigten Gesellschaft. Zudem behauptet sie,
dass die „Faulheit“ in Verruf geraten ist. Das vorliegende Essay wurde mit der Intention
verfasst, einer sehr breiten Bevölkerungsschicht die negativen Entwicklungen unseres
modernen Lebensstiles aufzuzeigen.

Gudrun Dorninger stellt in ihrem Text zwei unterschiedliche Lebensweisen gegenüber.


Auf der einen Seite gibt es jene Personen, welche sich vor Terminen kaum noch retten
können. Die freie Zeit wird dafür genutzt, auf Social Media aktiv zu sein, die Autorin
bezeichnet dieses Verhalten als „supersofaaktiv“. Wer was auf sich hält, der tut was.
Kommt man den hohen Anforderungen nicht nach, wird man als langweilig, arbeitslos
oder krank abgestempelt.

Diesem Gesellschaftsbild stehen jene Menschen gegenüber, die gelernt haben, ihre
Eifrigkeit zu kontrollieren. Sie tun nur das, was ihnen Freude bereitet. Ihnen ist es mög-
lich, wieder Zeit für wesentliche Dinge zu finden, ihre Prioritäten zu ordnen und in eine
selbstbestimmte Richtung aktiv zu werden. Dies wird auch als „positive Faulheit“ be-
zeichnet. Sie stehen dem Unvorhergesehenem flexibel gegenüber, sie hassen die
Norm. Es wird nur jener Weg beschritten, den sie mit sich selbst am besten vereinbaren
können.

Bezugnehmend auf den Aufbau des Textes lassen sich weder Unterüberschriften noch
Absätze ausfindig machen, jedoch lässt sich dennoch eine Gliederung erkennen. Das
Essay wird mit der grundlegenden These „Die Faulheit ist in Verruf geraten“ eingeleitet.
Diese Behauptung begründet die Autorin damit, dass die Menschen heutzutage nur
noch mit Terminen jonglieren, um zu vermeiden, untätig herumzusitzen. Gudrun Dorni-
nger bezieht sich vor allem auf den Autor Thomas Hohensee, welcher dieses Verhalten
als „innerer Diktator“ beschreibt. In der zweiten Hälfte des Textes zeigt die Autorin eine
Alternative zur problematischen Ausgangslage auf und stellt diese anhand eines
Gedankenexperiments vor. Dorninger prognostiziert eine Gesellschaft, die dem Lust-
prinzip folgt und wieder Freude an der Arbeit findet. Sie unterstreicht ihre These wieder
mit einem Zitat von Thomas Hohensee: „Positive Faulheit, das ist Improvisation“.

Die nüchterne, kritische Grundhaltung des Textes spiegelt sich auch in der sprachli-
chen Ebene wider. Es wird ein Vokabular verwendet, das zwar ein gutes Verständnis
der deutschen Sprache voraussetzt, aber nicht unnötig kompliziert wirkt. Fachvokabu-
lar sowie Fremdwörter („Aktionismus“ in Z.72) sind nur vereinzelt vorhanden. Der Satz-
bau lässt sich größtenteils als komplex und lang beschreiben. Zudem gibt es im vorlie-
genden Essay keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Diese Tatsache lässt sich da-
rauf zurückführen, dass der Text in einer Zeitung publiziert wurde. Durch das Verwen-
den vieler Beispiele fühlt sich der Leser außerdem direkt in das Thema eingebunden.
Oft wird das Personalpronomen „wir“ verwendet, dies trägt ebenfalls positiv zur Bin-
dung mit dem Leser bei. („Wahrscheinlich wären wir gar nicht so faul“ in Z.103).

Die Intention der Autorin kristallisiert sich klar heraus, durch das konkrete Aufzeigen der
problematischen Leistungsgesellschaft will Gudrun Dorninger die Leser dazu anregen,
ihre eigene Lebensweise zu reflektieren. Danach präsentiert sie eine Alternative und
es folgt der Appell, aus der Routine auszubrechen und sich auf den Weg zu mehr Wohl-
befinden zu begeben (vgl. Z.144 – Z. 149).