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GESCHLECHT DER DEUTSCHEN SUBSTANTIVE

Im Deutschen – wie in zahlreichen anderen Sprachen – sind Genus (grammatisches


Geschlecht) und Sexus (natürliches Geschlecht) zu unterscheiden.

Das grammatische Geschlecht im Deutschen stimmt mit dem grammatischen Geschlecht in


der russischen Sprache oft nicht überein.

Jedes Substantiv im Deutschen gehört in der Regel einem grammatischen Geschlecht


(einem Genus). Es gibt drei Geschlechter: Maskulinum, Femininum und Neutrum.

Das Substantiv bestimmt die Form der mit ihm kongruierenden Begleitwörter – der Artikel,
Pronomen und Adjektive: der Kaffee, schwarzer Kaffee, sein Kaffee.
Das Geschlecht beeinflusst meist die Deklinationsart und den Typ der Pluralbildung.
Dem Substantiv selbst sieht man das Geschlecht nicht an. So können ähnlich aussehende
Substantive sich im Genus unterscheiden: der Rand, das Land, die Wand.

Das grammatische Geschlecht ist am Substantiv nur in Ausnahmefallen erkennbar. Dies sind
vor allem abgeleitete Substantive, z. B.:
Feminina auf Neutra auf
-in die Bäckerin -lein das Büchlein
-heit die Schönheit -chen das Bäumchen
-keit die Gesundheit -le das Blümle
-schaft die Gesellschaft -icht das Dickicht
-ung die Betreuung

Bei der Bestimmung des grammatischen Geschlechts der Substantive sind zu


berücksichtigen:
(1) semantische Faktoren, wie Lebewesen – Nichtlebewesen, Gattungsnamen –
Eigennamen, Stoffnamen, Sammelnamen etc.
(2) wortbildende Faktoren, wie Ableitungssuffixe, z. B. -heit, -keit, -ung,
-schaft, -in etc. für Feminina usw.
(3) lautliche Faktoren, wie z. B. bei einsilbigen Feminina auf -ft, -cht im Auslaut
z. B. die Luft, die Kluft, die Gruft; die Nacht, die Bucht, die Frucht usw. oder
bei einsilbigen Maskulina mit einer Konsonantenhäufung am Wortende, wie
z. B. der Knopf, der Knauf, der Strand, der Strumpf usw.
(4) einige Ausnahmen aus den Faustregeln der Punkte (1) und (2) sowie
Substantive mit schwankendem Geschlecht (siehe weiter).

Bei den Substantiven zur Bezeichnung von Personen korrespondiert in der Regel maskulines
Genus mit männlichem Geschlecht, feminines Genus mit weiblichem Geschlecht.
Aber: Das Weib bezeichnet eine weibliche Person.

Es gibt auch Fälle, wo für weibliche Personen kein adäquates Femininum zur Verfügung
steht:
der Fähnrich прапорщик; выпускник кадетского корпуса, Flegel невежа, Grobian
грубиян, Kumpel разг. дружище, Rüpel хам, олух, Tölpel увалень, рохля, Wüterich
злодей, изверг.
Schwankungsfälle

Einige wenige Substantive kommen in verschiedenen Genera vor:


der/ das Bonbon, Lampion
das/ der Radio
der/ die Spachtel

Maskulinum – Neutrum
Bei relativ selten verwendeten Substantiven (oft Fremdwörtern):
der/ das Argot арго, Barock, Biotop, Bonbon сосательная конфета, Break, Curry,
Dotter желток, Episkopat, Geschwulst опухоль, Gulasch, Halfter, Hehl,
Joghurt, Kasperle, Katapult, Knäuel клубок, Liter, Meter, Perpendikel, Poster,
Primat, Radar, Raster, Rebus, Sakko, Schlamassel, Schnipsel, Schrot, Silo,
Sims, Spind, Tabernakel, Teil, Traktat, Verhau, Zepter, Zigarillo, Zubehör

Gründe für das Schwanken des Genus liegen im regionalen und fachsprachlichen Gebrauch:

standardsprachlich

der Abszess das Abszess (österr.)


der Embryo das Embryo (österr.)
der Breisgau das Breisgau (landsch.)

der Extrakt das Extrakt (fachspr.)


der Filter das Filter (fachspr.)
der Meteor das Meteor (fachspr.)

der/das Mündel der Mündel (fachspr.)


der/das Zölibat der Zölibat (fachspr.)

In einigen Fällen ist ein Genus gebräuchlicher:


der Cartoon – selten: das Cartoon
der Dschungel – selten: das Dschungel
der Kehricht – selten: das Kehricht
der Keks – selten: das Keks
der Kompromiss – selten: das Kompromiss
der Lampion – selten: das Lampion
der Pyjama – selten: das Pyjama
der Rhododendron – selten: das Rhododendron
Neutrum – Maskulinum
das Marzipan der Marzipan (österr.)
das Virus der Virus (ugs.)

das Apostolat der Apostolat (fachspr.)


das Erbteil der Erbteil (fachspr.)
das Mus der Mus (landsch.)

In einigen Fällen ist ein Genus gebräuchlicher:


das Bauer (= Käfig) – selten: der Bauer (= Käfig)
das Gelee – selten: der Gelee
das Katheder – selten: der Katheder
das Lasso – selten: der Lasso
das Mannequin – selten: der Mannequin
das Match – selten: der Match
das Münster – selten: der Münster
das Podest – selten: der Podest
das Terpentin – selten: der Terpentin
das Zepter – selten: der Zepter

Femininum – andere Geschlechter

Zu den seltenen Fällen von Schwankungen zwischen Femininum und einem anderen Genus
gehören:
die/ der Abscheu, Fussel, Gischt, Grappa, Spachtel, Spatel, Wulst
die/ das Cola, Elastik, Soda
die/ umg. der Peloponnes
der Pier / fachspr.die Pier
das/selten: die Versäumnis

Häufig geht mit dem Genuswechsel auch eine Bedeutungsveränderung (Homonymie)


einher:
der Bauer (= Landwirt) das Bauer
(= Vogelkäfig)
der Gummi (= der Radiergummi) das Gummi
(= vulkanisierter Kautschuk)
der Tau (= Feuchtigkeitsniederschlag) das Tau (= starkes Seil)
der Band (= einzelnes Buch) das Band(= schmaler Streifen aus
Gewebe)
die Koryphäe (= hervorragender der Koryphäe (= Chorführer im
Fachmann) altgriechischen Drama)
der Mangel (= Entbehrung, die Mangel (= Gerät zum Glätten der
Unzulänglichkeit) Wäsche)
der Militär (= höherer Offizier) das Militär (= Streitkräfte, Armee)
der Kalkül (= Regelsystem für mathematische das Kalkül (= Berechnung,
Berechnungen) Überlegung)
der Schild (= Schutzvorrichtung) das Schild (=Tafel, Platte,
Erkennungszeichen)
der Trikot (= Gewebeart) das Trikot (= Sporthemd)

Man kann das grammatische Geschlecht der deutschen Substantive semantisch, nach der
Bedeutung, oder morphologisch, nach der Form, bestimmen.
Ausnahmen sind die Personen und Tiere mit den Diminutivsuffixen -chen, -lein sowie mit
den regionalen -le.