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Humboldt-Universität zu Berlin

Studiengang Psychologie
Wissenschaftliches Arbeiten

Hausarbeit zum Thema:


Meditation und ihr Einfluss auf menschliche Kognition

Vorgelegt von:

Noah Dzmanashvili

Matrikel-Nr. 608060
Fachsemester: 1
Abgabedatum: 5.4.2020
Dozentin: Michelle Wyrobnik

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ...................................................................................................................... 3
2. Definition der Meditation .............................................................................................. 3
3. Wie sich Achtsamkeitsmeditation auf Kognition auswirkt............................................ 4
4. Wie Meditation mit kognitiver Flexibilität zusammenhängt ......................................... 5
5. Praktische Implikationen der Meditation ...................................................................... 6
6. Fazit ............................................................................................................................... 7
Literaturverzeichnis ...................................................................................................... 8

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1. Einleitung

Meditation ist in in der westlichen Kultur seit langer Zeit kein fremdes Phänomen und man
begegnet ihr im Alttagsleben fast überall: Auf Werbungen der Studios an Straßen, die den
Yoga-Unterricht anbieten, in den Meditation als begleitende Technik eingebettet ist, in der
Nachbarwohnung, wo ein Nachbar selbst die Meditation für private oder gewerbliche Zwecke
betreibt oder sogar im Geschäftsalltag eines Unternehmens zwecks Steigerung der Produktivität
der Arbeitskraft. Diese aus dem Osten stammende Praktik wirft bezüglich ihrer Nützlichkeit
viele Fragen auf. Aber egal, ob man mit den genauen Ausfrührungstechniken der Meditation
vertraut ist oder nicht, und ob man sie aus dem spirituellen oder wissenschaftlichen Blickwinkel
betrachtet, ist man davon überzeugt, dass sie beruhigend wirken soll und einem Einsicht in sich
selbst gibt. Die Frage ist dabei jedoch, was die Meditation überhaupt damit auf sich hat und ob
die oben erwähnten Charakeristika sich wissenschaftlich auch nachweisein lassen.

In der Forschung haben sich Wissenschaftler mit dieser Fragestellung bereits beschäftigt und
im Folgenden werden zwei Studien vorgestellt, bei denen zum einen Forscher den Einfluss der
kurzen mentalen Trainings auf Kognition gemessen haben, und zum anderen das Ausmaß sowie
seine Dynamik der kognitiven Flexibilität unter Bedingungen mit unde ohne Meditation
beobachtet wurden.

2. Definition der Meditation

In Geschichte besteht es leider keine Übereinstimmung, woher die Meditationskultur stammt.


Man vermutet, sie nimmt ihren Ursprung entweder im alten Ägypten und China sowie in
Judentum, Hinduismus, Sikhismus und Buddhismus (Ross, 2016) oder sie ist eine indische
Tradition. Man ist aber darüber einig, dass die Meditationspraxis prähistorischer Herkunft ist
und in der gesamten Geschichte als kultur- sowie religionsübergreifende Überlieferung zu
verstehen ist (Everly & Lating, 2002).

Meditation wird auch heute in verschiedensten Formen und Kulturen praktiziert als Weg zur
Selbsterkenntnis, Heilung und Bewusstseinserweiterung (Härle, 2015) und kommt außerdem
immer noch in vielen Religionen vor, wie z.B. Christentum, Hinduismus, Islam und Taoismus.

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Auf der wissenschaftlichen Ebene lässt sich der Begriff am anschaulichsten von Shapiro &
Walsh (2006) definieren:

Der Begriff Meditation bezieht sich auf eine Ansammlung von Selbstregulations-
Praktiken, die das Training von Aufmerksamkeit und Gewahrsein in den Mittelpunkt
rücken, um mentale Prozesse unter größere willentliche Kontrolle zu bringen und dabei
generelles geistiges Wohlbefinden und geistige Entwicklung sowie spezifische
Fähigkeiten wie Ruhe, Klarheit und Konzentration zu fördern (S. 228).

Wird von Meditation gesprochen, hat man dabei ein im Volksmund weit verbreitetes
allgemeines Bild wie man diese ausführt, aber tatäschlich gibt es unterschiedliche Arten der
Meditation, die sich in Abhängigkeit von der Art der Aufmerksamkeitsausrichtung zur
objekbezogenen oder auf momentanes Erleben fokussierter Meditation zuordnen lassen, auf der
Grundlage von der Beziehung zu kognitiven Prozessen eine passive Beobachtung oder deren
gezielte Änderung bezwecken, oder je nach der Zielsetzung dem Wohlbefinden, dem
spirituellen Erfahrungsgewinn oder Kultivierung bestimmter Qualitäten verhelfen (Shapiro &
Walsh, 2006).

In den im Folgenden vorgestellten Studien wird eine Art der Meditation,


Achtsamkeitmeditation (engl. mindfulness meditation), angesprochen und wie in der Einleitung
erwähnt, ihre Einflüsse auf Kognition erläutert. Dabei liegen der Achtsamkeitsmeditation nach
Bishop et al. (2004) zwei Komponenten zugrunde:

 Fokussierung auf den Moment durch Selbstregulation der Aufmerksamkeit;


 Innere positive Grundhaltung;

Sie wird außerdem mit neutraler Beobachtung äußerer und innerer Eindrücke begleitet, und
schulspezifisch sitzend, liegend oder sogar auch gehend praktiziert.

3. Wie sich Achtsamkeitsmeditation auf Kognition auswirkt

Wie in der Einleitung kurz angerissen, werden Meditation im Alltag viele Charakteristika
zugeschrieben. Eines davon ist die Tasache, dass sie beruhigend wirkt und die Aufmerksamkeit
steigert. Dies wurde von Fadel Zeidana, Susan K. Johnsonb, Bruce J. Diamondc, Zhanna David
und Paula Goolkasian (2010) untersucht.

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Dabei wurden kurze mentale Trainings als Mittel zur Achtsamkeitsmeditation (engl. MM)
eingesetzt. MM ist eine mentale Übung, basieren auf Fokussierung auf die körperlichen
Empfindungen des normal ein- und ausströmenden Atems unter Beibehaltung eines
entspannten Geisteszustandes. Während der MM-Übung entstehen ablenkende Gedanken und
Ziel ist es, diese Gedanken zur Kenntnis zu nehmen und Aufmerksamkeit zurück auf den Atem
zu verschieben. Insofern erhöht die Achtsamkeitsmeditation die Metakognition.

Die Studienteilnehmer bei der Studie von Zeidana et al. rekrutierten sich aus Studierenden der
North Carolina University, die noch keine Erfahrungen mit Meditation hatten. Sie wurden
zufällig einer Meditations- oder Kontrollgruppe zugewiesen. Die Kontrollgruppe (n=25) bekam
ein Hörbuch in 4 Sessions zum Hören und die Meditationsgruppe (n=24) eine Meditation unter
Anleitung eines erfahrenen Meditators in 4 Sessions.

Die Studie hat gezeigt, dass kurze mentale Trainings im Umfang von 4 Tagen mit 20
Minuten/Tag den allgemeinen Gemütszustand in der Meditationsgruppe auf beiden Skalen:
Profiles of Mood States (kurz POMS) und Freiburg Mindfulness Inventory (kurz FMI)
signifikant steigern konnte im Unterschied zur Kontrolgruppe, deren Werte sich nach dem
Anhören eines Hörbuchs nur gering nach der Untersuchung von den Anfangswerten
unterschieden. Außerdem verringerten sich die Messwerte der State Anxiety Inventory – ein
Messinstrument zum Einschätzen der Ängstlichkeit– erheblich unter den Meditierenden und
zeigten eine stärker nach unten gehende Tendenz als jene der Kontrollgruppenmitglieder.

Als Allerwichtigstes haben sich aber die Werte der Meidtierenden beim Forward/backward
digit span (Extreme Hit Rate), ein Indiz der Konzentrationsspanne, im Durchschnitt ungefähr
sechsmal mehr als jene der Kontrolgruppe verbessert, was die Hypothese der Wissenschaftler,
Meditation steigere Aufmerksamkeit, bestätigen konnte.

4. Wie Meditation mit kognitiver Flexibilität zusammenhängt

Im Anschluss an den Einfluss der Meditation auf menschliche Kognition ist auch ihre
Korrelation mit kogntiver Flexibilität interessant. Hierfür wurde Zusammenhang zwischen
Meditation, innerer Achtsamkeit, kognitiver Flexibilität und Aufmerksamkeitskontrolle
zwischen erfahreren Meditatoren und einer Kontrolgruppe in einer Studie von Adam Moore
und Peter Malinowski (2008) untersucht.

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Dabei wurde der Zusammenhang mit kognitiver Flexibilität, definiert wie folgt, gemessen:

Die Fähigkeit des Gehirns, das Verhalten und Gedanken an neue, sich verändernde oder
unerwartete Ereignisse anzupassen (CogniFit, o.J.). Sie umfasst 2 Unterkategorien:

 Unbewusster Task-Wechsel (engl. task-switching, set-shifting) ist ein automatisierter


Vorgang, welcher mit dem präfrontalen Cortex verbunden ist (F.E.A.S.T., o.J.);
 Bewusste mentale Verlagerung (engl. cognitive shift) ist ein auf Änderung gezielter
Prozess (Spink & Dee, 2007);

Genauer erklärt, bezieht sich kognitive Flexibilität „auf die Fähigkeit sich Veränderungen
anzupassen, während die Verlagerung (Shifting) der Prozess ist, welcher die Anpassung an die
Veränderung möglich macht“ (CogniFit, o.J.).

Die Ergebnisse der Studie sprachen für einen positiven Zusammenhang zwischen Meditation,
der Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit, auf der Grundlage von den Ergebnisse des d2-
Tests, kognitiver Flexibilität – gemessen durch Stroop task – und innerer Achtsamkeit mithilfe
des Kentucky Inventory of Mindfulness Skills (KIMS). Dabei korrelierte ein hohes Maß an
Achtsamkeit – bedingt durch Meditation – mit schnellerer Verarbeitung, besserer Kontrolle von
Aufmerksamkeit und einer schnellen und gleichzeitig akkuraten Leistung im Vergleich zur
Kontrolgruppe. Zudem führte mehr Achtsamkeit zu weniger Fehlern in allen Tests aufgrund
von besserer Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit, und der kognitiven Flexibilität.
Resümierend, zeigte die Gruppe der erfahrenen Meditierenden in allen Aufgaben bessere
Ergebnisse als die Kontrollgruppe ohne Vorerfahrungen mit Meditation.

5. Praktische Implikationen

Neben den hier erläuterten allgemeinen Effekten der Meditation auf Kognition könnte man sie
auch in anderen Bereichen, wie z.B. Gesundheit als Mittel zur eventuellen
Symptomenmilderung der Zwangsstörung (engl. OCD) verwenden. Neuropsychologische
Befunde zeigen, dass der Prozess der mentalen Verlagerung, Teil der kognitiven Flexibilität, in
Patienten mit OCD weniger ausgeprägt ist (Sanz, Molina, Martin-Loeches, Calcedo, & Rubia,
2001). Dies wirft die Frage auf, inwiefern eine regelmäßige Meditationspraxis in dieser
Patientengruppe zur Linderung der Symptome dienen kann.

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Zudem ist Achtsamkeitsmeditation in der Therapiewelt auch von Nutzen: “Acceptance and
commitment Therapy” ist ein Therapieweg, bei dem den Klienten basierend auf den
Schlüsselkomponenten der Achtsamkeitsmeditation erklärt wird, einen negativen Gedanken zu
identifizieren, ihn zu akzeptieren und dann mithilfe der mentalen Verlagerung die
Aufmerksamkeit weg von diesem auf ein anderes Ziel bewusst zu lenken (Lanser, Berger,
Ellenbroek, Cools, & Zitman, 2002);

Daraufhin lässt sich Achtsamkeitsmeditation auch bei achtsamkeitsbasierten


Stressreduktionsprogramme (engl. MBSR) einsetzen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt,
dass MBSR zur besseren Emotionsregulation führt (Nielsen & Kaszniak, 2006) und sogar die
Funkitonalität des Immunsystems verbessert (Davidson et al., 2003). Anders lassen sich die
positiven Effekte auf Stressreduktion des MBSR auf der biologischen Ebene als Folge der
Dichte Aktivität der grauen Substanz in Amygdala nachweisen (Hölzel et al., 2009).

6. Fazit

Mit dieser Hausarbeit sollten vermutliche Effekte der Meditation, sie steigere Konzentration
und wirke beruhigend, auf ihre Validität geprüft werden. Mithilfe zwei unabhängiger Studien
zum einen über den Einfluss der kurzen mentalen Trainings der Achtsamkeitsmeditation auf
Kognition, und zum anderen über das Ausmaß der kognitiven Flexibilität unter Bedingungen
mit unde ohne Meditation wurden diese Auswirkungen veranschaulicht.

Die zwei vorgestellten Studien haben gezeigt, dass selbst täglich 20-minütige tägliche
Meditationssessionen in nur 4 Tagen positive Effekte auf den allgemeinen Gemütszustand und
Konzentrationsfähigkeit haben. Auf der anderen Seite ermöglicht jahrelanges Üben der
Meditation bessere Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit, was sich in schneller und akkurater
Verarbeitung mentaler Aufgaben äußert.

Zuletzt ist zu erwähnen, dass die positiven Ergebnisse der Achtsamkeitsmeditation nicht nur im
Labor bei Ausfzu sehen sind, sondern sich in den Alltag in Form eines Therapiekonzepts oder
auch Stressreduktionsprogramme übertragen lassen.

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Literaturverzeichnis

CogniFit, o.J. Was ist kognitive Flexibilität? Stand 01.04.2020.


https://www.cognifit.com/de/wissenschaft/kognitive-fahigkeiten/mentale-anpassung

Bishop, S. R., Lau, M., Shapiro, S., Carlson, L., Anderson, N. D., Carmody, J., & … Devins
G. (2004). Mindfulness: A proposed operational definition. Clinical Psychology:
Science and Practice, 11, 230–241 https://doi.org/10.1093/clipsy.bph077

Davidson, R. J., Kabat-Zinn, J., Schumacher, J., Rosenkranz, M., Muller, D., Santorelli, S. F.,
... & Sheridan, J. F. (2003). Alterations in brain and immune function produced by
mindfulness meditation. Psychosomatic Medicine, 65, 564–570.
https://doi.org/10.1097/01.PSY.0000077505.67574.E3

Everly, G. S., Lating, J. M. (2002). A clinical guide to the treatment of human stress response.
New York: Kluwer Academic Publishers.

F.E.A.S.T., o.J. Set-Shifting, Eating Disorders Glossary. Stand 01.04.2020


http://glossary.feast-ed.org/5-psychology-and-therapies/set-shifting

Härle D. (2015). Körperorientierte Traumatherapie: Sanfte Heilung mit traumasensitivem


Yoga. Paderborn: Junfermann Verlag.

Hölzel, B. K., Carmody, J., Evans, K. C., Hoge, E. A., Dusek, J. A., Morgan, L., … & Lazar
S. (2009). Stress reduction correlates with structural changes in the amygdala. Social,
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https://doi.org/10.1093/scan/nsp034

Lanser M.G., Berger H.J., Ellenbroek B.A., Cools A.R., & Zitman F.G. (2002). Perseveration
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https://doi.org/10.1016/S0165-1781(02)00178-6

Moore A., Malinowski P. (2009). Meditation, mindfulness and cognitive flexibility.


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https://doi.org/10.1016/j.concog.2008.12.008

Nielsen, L., & Kaszniak, A. W. (2006). Awareness of subtle emotional feelings: A


comparison of long-term meditators and nonmeditators. Emotion, 7(4), 392-405.
https://doi.org/10.1037/1528-3542.6.3.392

Ross, A. (2016). How Meditation Went Mainstream. Stand 01.04.2020.


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Sanz M., Molina V., Martin-Loeches M., Calcedo A., & Rubia F. J. (2001). Auditory P300
event related potential and serotonin reuptake inhibitor treatment in obsessive-
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https://doi.org/10.1016/S0165-1781(00)00250-X

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Spink, A., & Dee, C. (2007). Cognitive shifts related to interactive information retrieval.
Online Information Review, 31(6), 845-860.
https://doi.org/10.1108/14684520710841801

Walsh, R., & Shapiro, S. L. (2006). The meeting of meditative disciplines and western
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https://doi.org/10.1037/0003-066X.61.3.227

Zeidan, F., Johnson, S. K., Diamond, B. J., David, Z., & Goolkasian, P. (2010). Mindfulness
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Cognition, 19(2), 597–605. https://doi.org/10.1016/j.concog.2010.03.014