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Baiäo
Der Baiäo (gesprochen ,,Ba-ja-u") ist ein folkloristischer Musikstil aus dem Nordosten
Brasiliens. Die synkopierte 2/4-Rhythmik dieses von Luiz Conzaga um 1946 bekannt
gemachten Musikstils ist afro-brasilianischen Ursprungs. Die Melodien bedienen sich des
öfteren der verminderten Quinte und der kleinen Septime, was auf die afrikanischen Wurzeln
hinweist. Typisch sind die sogenannten Pedaltöne in der Bassbegleitung. Die typischen
lnstrumente des Baiäo in kleiner Besetzung sind Akkordeon, Triangel und Basstrommel
(Zabumba), aber auch große Karnevalorchester spielen Baiäo. Die polyrhythmischen
Komponenten des Baiäo mit nur einem lnstrument (der Gitarre) darzustellen ist nicht einfach.
Radam6s Cnattali, Egberto Cismonti, Marco Pereira, Paulo Bellinati, Nen6u Liberalquino und
andere haben Baiäos für Sologitarre und verschiedene kammermusikalische Besetzungen
komponiert.

Choro
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fasste man unter dem Namen Choro
(gesprochen ,,Scho-ro") verschiedene Musikstile zusammen, die meist in kleiner Besetzung
gespielt wurden: Flöte, begleitet von einer Citarre und einem Cavaquinho. Die ausführenden
Musiker nannte man Choröes. Sie spielten oft höchst virtuos und waren Meister im
lmprovisieren undVariieren. Choro ist kein musikalisches Genre im ursprünglichen Sinn,
sondern bezieht sich auf die Art und Weise des Vortrags. Die Rhythmen und Melodien
populärer europäischer Tanzmusiken wie Polka, Walzer, Mazurka und Schottisch wurden
von den Musikern "verbrasilianisiert". Afro-brasilianische Rhythmen wie Lundu, Maxixe und
Baiäo sind für das Entstehen dieses typisch brasilianischen Musikstils von großer Bedeutung.
HeitorVilla-Lobos komponierte 1908 die auch unter Klassikgitarristen bekannte und beliebte
"Suite populaire br6silienne" (Mazurka Choro, Schottisch Choro, Valsa Choro, Cavotta
Choro, Chorinho). Weitere herausragende Beispiele von Choro für Sologitarre finden wir
bei den bekannten brasilianischen Citarristen/Komponisten Joäo Teixeira Cuimaräes (Joäo
Pernambuco), Francisco Soares de Araüjo (Canhoto da Paraiba), Baden Powell, Raphael
Rabello, Paulo Bellinati und Marco Pereira.

Samba
Der Samba ist eine der bekanntesten Lied- und Tanzformen Brasiliens. Er ist wie die anderen
bereits erwähnten brasilianischen Rhythmen afrikanischen Ursprungs (Samba de Roda -
Kreistanz) und wurde von den aus Angola und dem Kongo nach Brasilien verschleppten
Sklaven entwickelt. Samba wird im 2/4-Takt notiert und bedient sich stark synkopierter
Rhythmik und Melodik. Die Abschaffung der Sklaverei im Jahr l BBB führte zu einer Migration
von ehemaligen Sklaven aus Bahia nach Rio de Janeiro. Dort verbreitete sich der Rhythmus
schnell und wurde nach 1915 in verschiedenen Formen weiterentwickelt. Die bekanntesten
sind:
Samba Enredo, der von den sogenannten Sambaschulen während des Karnevals
gespielt wird.
Samba Cancäo, der in einem langsameren Tempo vorgetragen wird und dessen
Melodie und Text gegenüber dem Rhythmus in den Vordergrund rücken.
Samba Reggae, der um 1980 aus einer Mischung von Samba und Reggae in
Salvador/Bahia durch die Cruppe Olodum populär wurde.
lm Repertoire der brasilianischen Sologitarre gibt es unzählige Beispiele von Kompositionen
und Arrangements im Stil des Samba. Bedeutende Citarristen/Komponisten wie Radam6s
Gnattali, LuizBonf6, Baden Powell, Marco Pereira und Paulo Bellinati haben einen großen
Beitrag geleistet.