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5.

19
Zeitschrift für
Archäologie und
Kulturgeschichte

Gladiatoren € 12,80 (D)


€ 14,– (A) / sFr 25,–
www.antikewelt.de

JORDANIEN ÄGYPTEN GRIECHENLAND


05

Das Tote Meer auf der Der Kultbetrieb Pilgern nach


812809

Madaba-Karte im Tempel von Dimê Dodona


195049
4
So haben Sie die
Seidenstraße noch
nie gesehen!
Alle reden über die neue Seidenstraße. Doch was
hat es mit diesem mystischen Weg, der seit 2014
Unesco-Weltkulturerbe ist, auf sich? Wie ist die
Straße entstanden und was begründet ihre
Bedeutung? Susan Whitfield versammelt in diesem
einzigartigen Text-Bild-Band auf ungewöhnliche Art
alles über diesen faszinierenden Handelsweg.
Der große Text-Bildband führt auf den Routen der
Seidenstraße durch atemberaubende Landschaften,
über hohe Gebirge, durch weite Ebenen und ausge-
dehnte Wüsten. Er erzählt die Geschichte der Kulturen,
der Handelsgüter und der Wege, auf denen sie durch
oft unwegsames Gelände transportiert wurden.

Spektakulär
bebildert mit
prachtvollen
Fotos
und Karten

Susan Whitfield (Hrsg.)


Die Seidenstraße
Landschaften und Geschichte
2019. 480 S. mit 491 farb. Abb. und zahlreichen Karten, Zeitleiste und
Bibliogr., 22,5 x 28,6 cm, geb. mit SU. wbg Theiss, Darmstadt.
50,– € • ISBN 978-3-8062-3997-3

wbg-wissenverbindet.de
EDITORIAL

FASZINATION GLADIATOR
n der aktuellen Ausgabe der AW widmen wir uns einem der populärsten Themen der Antike: den
I Gladiatoren. Neufunde der letzten Jahre, naturwissenschaftliche Methoden und veränderte
Fragestellungen haben auch das Interesse der Wissenschaft wieder vermehrt auf das Phänomen
der Spiele in den römischen Amphitheatern gelenkt. Daher können wir Ihnen in Zusammen­
arbeit mit der großen Sonderausstellung «Gladiator – Die wahre Geschichte» im Antikenmuseum
Basel und Sammlung Ludwig neueste Forschungsergebnisse und spannende Befunde präsen­
tieren.

Die Ausstellung, die bis zum Holger Kieburg


22. März 2020 in Basel zu se­ Chefredaktion
hen ist, hinterfragt – genau wie ANTIKE WELT
die Beiträge in unserem Heft – 40 Jahre – Die Zeitschrift für Archäologie
das gängige Gladiatorenbild und Kulturgeschichte
und zeigt die Menschen hinter
den Helmen und deren be­
wegende Geschichte und Funk­
tion in der Gesellschaft.

Unser Jubiläumsrückblick
schaut in das erste Jahrzehnt
des 21. Jhs. zurück, das das
40. Jubiläum der AW mit sich
brachte (vgl. Abb.) und den Re­
launch, der zur aktuellen Ge­
stalt der Zeitschrift geführt hat.
In unserer Jubiläumsbeilage
wollen wir aber wie immer
nicht nur zurück, sondern auch
in die Gegenwart und die
Zukunft der Altertumswissen­
schaften blicken. Ob 40 oder 2000 Jahre –
jede Zeit hinterlässt ihre Spuren
Lassen Sie sich überraschen.
Ihre AW-Redaktion

Plakat zum 40. Jubi-


läum der ANTIKEN
WELT im Jahr 2009.

1
ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA GLADIATOREN
8 GLADIATOREN IN POMPEJI – ZEUGNISSE DER FRÜHEN AUS­
von Valeria Sampaolo GRABUNGEN
Bereits bei den ersten Forschungen in Pompeji Mitte des 18. Jhs. machten die bourbo­
nischen Ausgräber Funde, die mit den Gladiatorenkämpfen in der Stadt in direkter
Verbindung standen. Mit diesen Entdeckungen und den ersten Deutungen macht uns
die Autorin vertraut.

13 DER PRINCEPS DER SPIELE – EINE NEUE GRABINSCHRIFT AUS POMPEJI


von Massimo Osanna Dass immer noch neue Quellen zu den munera, den Gladiatorenkämpfen, in der kampa­
nischen Stadt ans Tageslicht kommen, erfahren wir aus dem Beitrag des Direttore
Generale del Parco Archeologico di Pompei. Eine neu gefundene, umfangreiche Grabin­
schrift gibt einen interessanten Einblick in die Organisation der Spiele.

17 GLADIATOREN IN AUGUSTA RAURICA. HELDEN DER ARENA UND IM


von Barbara Pfäffli und ALLTAG – AUCH FERN VON ROM
Sven Straumann Auch in den Provinzen des Römischen Reiches spielten spektakuläre Spiele im Amphi­
theater eine bedeutende Rolle. In Augusta Raurica kann man besonders gut die Ent­
wicklung der Infrastruktur rekonstruieren, aber auch zeigen, welche Rolle die Gladiato­
ren in der Alltagskultur gespielt haben müssen.

24 RÄTSEL AUS DER RÖMERZEIT – DIE UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE


von Christine McDonnell, EINES UNGEWÖHNLICHEN FRIEDHOFS IN YORK
Rebecca Sampson und Giulia Gallio Mit detektivischem Spürsinn untersuchen die Archäologinnen und Archäologen des
York Archaeological Trust die erstaunlichen Bestattungspraktiken, die 83 Beisetzungen
einer Nekropole der Stadt Eboracum aufzeigen.

29 WO BÄREN AUFZUG FAHREN – DER TRANSPORT WILDER TIERE IN


von Thomas Hufschmid DEN RÖMISCHEN AMPHITHEATERN
Was sich hinter den Kulissen der Amphitheater abspielte, rekonstruieren Bauforscher
und Archäologen anhand der architektonischen Spuren in den zahlreichen
Arenen des Römischen Reiches und aus den Informationen der schriftlichen Quellen.

MOSAIK
Themen unserer Jubiläumsbeilage sind dieses Mal u. a. ein ins Bild gesetzter Blick in die
Zukunft der Archäologie, aber auch eine Analyse der aktuellen Situation: Welche
Rolle spielt die Wissenschaftskommunikation in den Altertumswissenschaften und
welche Bedeutung sollte ihr zukommen?

Titelbild der vorliegenden Ausgabe Fotos: oben: Zwei Szenen mit Gladiatoren. Römisches Mosaik aus dem 2. Jh. n. Chr. Verona, Museo
Terrakottastatuetten von Gladiatoren, 1./2. Jh. n. Chr. Inv. Nr.
Arch 65/6, Stuttgart, Landesmuseum Württemberg (akg-images /  Archeologico (akg-images / Cameraphoto); rechts: Ausgrabung des Soknopaiostempels von Dimê in Ägyp-
über http://www.united-ki
Landesmuseum Württemberg / Hendrik Zwietasch). ten (Foto: M. Stadler).osk.de
THEMENPANORAMA

GOLDENES INDONESIEN – NEUES ZU SCHMUCKFUNDEN AUS DEM 39


FRÜHEN JAVA von Mai Lin Tjoa-Bonatz
Der Goldschmuck bietet Einblicke in die Kunstgeschichte und die weit gespannten
Handelswelten dieser Region Südostasiens, aber auch in die verschiedenen Deutungs­
horizonte und die Datierungsproblematik.

PILGERFAHRT NACH DODONA – DAS ORAKEL VON ZEUS NAIOS 48


UND DIONE von Diego Chapinal-Heras
Gemeinsam mit einem Pilger des 3. Jhs. v. Chr., der sich auf den Weg gemacht hat, das
berühmte Orakel zu befragen, begeben wir uns nach Epirus, um die Entwicklung
und Ausstattung des bedeutenden Heiligtums in Nordgriechenland nachzuvollziehen.

GOETHE UND DIE ANTIKE «TÄNZERIN» – SEIN KAUFVERZICHT IM 55


APRIL 1788 von Klaus Koschel
Goethes Liebe zu Rom und zur Antike spiegelt sich in dieser schönen Episode wider, die
eine berühmte Statue zur Protagonistin hat. Und beinahe wäre sie in Weimar gelandet.

EIN MUSEUM IM UMBRUCH – NEUE PERSPEKTIVEN FÜR DIE ANTIKEN­ 62


SAMMLUNG DER UNIVERSITÄT WÜRZBURG von Jochen Griesbach,
Wie sich eine traditionsreiche Universitätssammlung den Anforderungen der Ge­ Carolin Goll und Marc Wahl
genwart und Zukunft stellt und welche Rolle dabei die lange Geschichte des Museums
spielt, erfahren wir in diesem Beitrag.

«IN HÜLLE UND FÜLLE, ABER ZU HÖCHSTPREISEN» – LICHT UND 67


SCHAT TEN EINER RÖMISCHEN METROPOLE von Korana Deppmeyer
Das Leben in einer Stadt des Römischen Reiches lässt sich in Trier gut nachvollziehen.
Unter anderem neue Rekonstruktionen der Barbarathermen und der kaiserlichen
Audienzhalle – der Basilika –, aber auch alltägliche Aspekte des Großstadtlebens wie
die Abfallbeseitigung geben hiervon ein eindrückliches Bild.

HEISSE QUELLEN, SALZ UND DAT TELPALMEN – DAS TOTE MEER AUF 71
DER MOSAIKKARTE VON MADABA von Martin Peilstöcker und
Die berühmte Mosaikkarte von Madaba aus dem 6. Jh. gilt als die älteste Landkarte des Sabine Wolfram
Heiligen Landes. Einen gewichtigen Raum darauf nimmt das Tote Meer ein, zu dem auch
verschiedene kulturgeschichtlich spannende Aspekte künstlerisch in Szene gesetzt wurden.

IM DIENSTE DES KROKODILS – DER KULTBETRIEB IM TEMPEL VON DIMÊ 78


Ein deutsch­französisches Forschungsprojekt beschäftigt sich intensiv mit der von Maren Schentuleit und
Tempelbuchhaltung dieses Kultorts in der ägyptischen Wüste, die uns auch die öko­ Martin Andreas Stadler
nomischen Dimensionen des Sobek­Kults besser verstehen lassen.

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Internationale Nachrichten

wurden analysiert, um den Zeitpunkt der


verschiedenen Vergletscherungs-
phasen genau zu bestimmen. Demnach
Probennahme eines Er- siedelten die Menschen um 40 000 v. Chr.
ratischen Blocks, der von
einem Gletscher auf unweit der Gletscher.
dem Sanetti Plateau ab-
gelagert wurde. Die Probe Die Forschenden untersuchten auch,
wurde anschließend im wie die Menschen während der letzten
Labor analysiert und
datiert, um den Zeitpunkt Kaltzeit mit den Bedingungen umgingen
des Gletschervorstoßes und ihren Lebensraum gestalteten. Das
zu rekonstruieren (Foto
A.R. Groos). Team identifizierte auf 4200 m Höhe
fünf Stellen, an denen Obsidian gewon-
nen wurde, um daraus scharfkantiges
Werkzeug herzustellen. In der Umge-
ÄTHIOPIEN steinzeitliche Knochen- und Holzkoh- bung fanden die Forscherinnen und For-
lenreste. Die Datierung der Funde weist scher zahlreiche Steinartefakte, die von
auf eine wiederholte Besiedlung des Menschen bearbeitet wurden und den
ENTDECKUNG DER BISHER Unterstands vor 47 000 bis 31 000 Jahren Abbau von Obsidian zusätzlich belegen.
ÄLTESTEN BEKANNTEN hin. Eine dauerhafte und intensive Eine weitere wichtige Ressource für
HOCHGEBIRGSSIEDLUNG Besiedlung in solcher Höhe sei weltweit die steinzeitlichen Jäger war die
bislang nicht belegt worden. Riesenmaulwurfsratte, die als Nahrung
Die Bale Mountains im Nordosten Afrikas Die beteiligten Berner Forscher Alex- diente. Sie kommt nur in den Bale
gelten als naturnah, sie sollen nach ander Groos, Prof. Heinz Veit und Mountains vor und konnte ganzjährig
gängiger Auffassung erst in jüngster Zeit Dr. Naki Akçar rekonstruierten die stein- gejagt werden. Die im Rahmen der
besiedelt worden sein. Neue Unter- zeitlichen Umwelt- und Klimabeding- interdisziplinären Zusammenarbeit ge-
suchungen zeigen nun jedoch, dass Jäger ungen in der Nähe der Fundstelle. wonnenen Erkenntnisse belegen, dass die
schon während der letzten Kaltzeit Anders als heute sei das äthiopische steinzeitlichen Jäger die verfügbaren
vor rund 40 000 Jahren dauerhaft in Hochland während der letzten Eis- Ressourcen intelligent nutzten und sich
diesem Gebiet siedelten. zeit intensiv vergletschert gewesen. Ge- bzw. ihr Verhalten dem Hochgebirgs-
In einem Felsunterstand auf einer steinsproben von Moränen aus raum anpassten.
Höhe von fast 3500 m fanden sich u. a. mehreren Tälern der Bale Mountains Nach einer Pressemitteilung der Universität Basel

GROSSBRITANNIEN der römischen Villa von Chedworth das gleiche Verzierungsmuster wie
in Gloucestershire ein seltenes Glasfrag- das gefundene Fragment besitzt. Das
ment gefunden. Erst jetzt gelang mit- gefundene Fragment dürfte aus dem
FRAGMENT EINER hilfe einer Flasche in einem New Yorker Bereich der Schwanzflosse stammen.
SELTENEN GLASFLASCHE Museum die endgültige Zuordnung Das geöffnete Maul des Fisches
IN GLOUCESTERSHIRE des Stücks zu einem Flaschentypus. Der war wahrscheinlich die Öffnung der
Fund veranschaulicht den Reichtum Flasche.
GEFUNDEN der Villa. Es ist nur ein weiteres antikes Exem-
Vor zwei Jahren hatte ein britischer Ar- Laut der Grabungsleiterin Nancy plar einer solchen fischförmigen
chäologiestudent der University Grace handelt es sich bei dem Frag- Flasche bekannt; dies wurde in einem
of York bei Grabungen im Nordflügel ment um einen Teil einer etwa 20 cm Grab des 2. Jhs. n. Chr. auf der
langen fischförmigen Flasche aus Krim gefunden. Die Archäologen der
blaugrünem Glas, das mit weißen University of York schließen daraus,
Fragment und Rekonstruktion der fischförmigen Flasche
und gelben Schleifen verziert wurde. dass auch die englische Flasche aus
desselben Typs (Foto National Trust / Rod Kirkpatrick). Die kunstvoll gestaltete Flasche diente dem Schwarzmeergebiet stammt. Dass
möglicherweise der Aufbewahrung die Flasche also vom anderen Ende
von Parfum. Mehrere Experten unter- des Römischen Reichs nach Britannien
suchten zwei Jahre lang das Fragment gekommen sei, verdeutliche zusam-
aus Chedworth, um es einem men mit dem vermuteten Inhalt der
bestimmten Flaschentyp zuzuordnen. Flasche den Reichtum der Besitzer der
Schließlich wurden sie im Corning Villa von Chedworth – ein Eindruck,
Museum of Glass in New York fündig, den auch weitere Funde aus der Villa
wo sich eine restaurierte Glasflasche bestätigen.
in Form eines Fisches befindet, die Nach einer Pressemitteilung der University of York

4
ANTIKE WELT 5/19
AKTUELL

AUTONOME REGION
KURDISTAN IM IRAK

PALAST AUS DER ZEIT DES


MIT TANI-REICHS
Deutsche und kurdische Archäologen Blick auf den
Palast von Kemune,
haben in Kemune am Ostufer des Tigris Drohnenaufnahme
in der Autonomen Region Kurdistan im von West (Foto Uni-
versität Tübingen,
Irak einen Palast aus der Zeit des Mittani- eScience Center).
Reiches entdeckt, das im 15. und 14. Jh.
v. Chr. weite Teile Nordmesopotamiens
und Syriens beherrschte. Die im Palast
entdeckten Keilschrifttafeln könnten neue Palast handelt. Aufgrund der zumeist Ostufer des Tigris entfernt lag. Um das Ge-
Informationen über Politik, Wirtschaft schlechten Erhaltung von Wandmale- lände zum Fluss hin abzustützen, wurde
und Geschichte dieses Reiches liefern. reien kann der Fund von Kemune als eine monumentale Terrassenmauer aus
Im Herbst 2018 brachte der sinkende eine archäologische Sensation gelten. Lehmziegeln angelegt. Der Palast thronte
Pegel des Mosul-Stausees unerwartet Die Überreste des Palastes sind min- also über dem Fluss. In nördlicher Rich-
Überreste einer antiken Stadtanlage destens 7 m hoch erhalten. Es wurden tung dürfte sich eine größere Stadt an den
zum Vorschein. Dort wurde jetzt eine zehn Keilschrifttafeln aus Ton entdeckt, Palast angeschlossen haben.
Rettungsgrabung durch die Universität die momentan ausgewertet werden. Der Das Mittani-Reich ist eines der am
Tübingen, die Kurdistan Archaeology Inhalt einer Tafel deutet darauf hin, dass wenigsten erforschten altorientalischen
Organization (KAO) und die Antiken- es sich wohl um die alte Stadt Zachiku Reiche, bisher gelang nicht einmal die
direktion Duhok vorgenommen. handelt, die in einer Quelle der Mittleren Lokalisierung seiner Hauptstadt. Die
Das ausgegrabene Gebäude hat bis Bronzezeit (ca. 1800 v. Chr.) genannt Entdeckung eines mittanischen Palastes
zu 2 m dicke Innenmauern aus Lehm- ist. Dies würde bedeuten, dass die Stadt in Kemune ist deshalb von unschätzba-
ziegeln und verputzte Wände. Die ge- mindestens 400 Jahre bestanden hat. rer wissenschaftlicher Bedeutung.
fundenen Wandmalereien deuten an, Der Palast stand auf einer Anhöhe am Nach einer Pressemitteilung der
dass es sich bei dem Gebäude um einen Rand des Flusstales, die nur 20 m vom Universität Tübingen

GRIECHENLAND

SCHIFFSWRACKS IN DER
Fotos: Εφορεία Εναλίων Αρχαιοτήτων.

SÜDLICHEN ÄGÄIS
Vor der kleinen griechischen Insel Levitha
(in der Antike Lebinthos), Teil einer
kleinen Inselgruppe zwischen den Kykla-
den und der Dodekanes, wurden von
Forscherinnen und Forschern der Epho- Abb. 1
rie für Unterwasserarchäologie in Bergung des gewalti-
gen Steinankers
der diesjährigen ersten Kampagne eines aus archaischer Zeit.
dreijährigen Projekts mehrere Schiffs-
wracks und Teile der Ladung weiterer
Schiffe gefunden. ter aus dem 3. Jh. v. Chr. hatte Ampho-
Die Schiffe datieren in einen Zeitraum ren aus der Ägäis an Bord (Knidos,
vom 3. Jh. v. Chr. bis in die Spätantike. Kos und Rhodos), drei Schiffe aus der
Es wurde aber auch ein seltener, 400 kg Zeit vom 2./1. Jh. v. Chr. und aus
schwerer Steinanker (Granit) aus ar- dem 2. Jh. n. Chr. führten koische und
chaischer Zeit (6. Jh. v. Chr.) geborgen pseudo-koische Amphoren, ein Schiff
(Abb. 1), der auf ein für diese Zeit- aus dem 1. Jh. v. Chr. Amphoren aus der
stellung außergewöhnlich großes Schiff Nord-Ägäis und ein Frachter aus dem
schließen lässt. 1. Jh. n. Chr. rhodische Amphoren (Abb. 2).
Die Schiffe transportierten Ampho- Nach Pressemitteilung des Kultusministeriums Abb. 2 Dokumentation der Amphoren eines Wracks
ren verschiedener Herkunft: Ein Frach- Griechenlands vor Levitha.

5
ANTIKE WELT 5/19
DAS ALTPERSISCHE
ltpersisch ist eine altiranische Spra- Sprache und kann somit als früheste Der persische König Kyros (altp.
A che, die als offizielle Hof- und Fami-
liensprache der Achaimenidenherrscher
Bezeugung einer noch heute gespro-
chenen iranischen Sprache gelten. Dar-
Kuruš) II. hatte 539 v. Chr. Babylon
erobert und so eine neue Macht im
in Inschriften seit Dareios I. bezeugt über hinaus ist Altpersisch die früheste Vorderen Orient etabliert. Nach dem
ist. Sie verkörpert ein frühes Stadium durch zeitgenössische Originalzeugnisse Tode seines Sohnes Kambysus, der
der späteren mittel- und neupersischen belegte indoiranische Sprache (Abb. 1). Ägypten eroberte, ging aus den Wir-

Abb. 1 Relief mit altpersischer Inschrift an der Südwand des sog. Kleinen Wohnpalastes von 
Dareios I. (altpers. «Tatschara») in Persepolis. Übersicht der altpersischen Schriftzeichen
Nr. Zeichen Transliteration Lautwert
1 a a
2 i i
3 u u
4 k k(a/i)
5 ku ku
6 x ch(a/i/u)
7 g g(a/i)
8 gu gu
9 c tsch(a/i/u)
10 j dsch(a/u)
11 ji dschi
12 t t(a/i)
13 tu tu
14 θ th(a/i/u)
15 ç ts(a/i/u)?
16 d d(a)
17 di di
18 du du
19 n n(a/i)
20 nu nu
21 p p(a/i/u)
22 f f(a/i/u)
23 b b(a/i/u)
24 m m(a)
25 mi mi
26 mu mu
27 y j(a/u)
28 r r(a/i)
29 ru ru
30 l l(a/i/u)
31 v w(a)
32 vi wi
33 s s(a/i/u)
34 š sch(a/i/u)
35 z z(a/i/u)
36 h h(a)
37–42 Wortzeichen
43 : Worttrenner
44 I 1
45 II 2
46 V 5
47 X 10
48 XX 20
49 C 100

6
ANTIKE WELT 5/19
SPRACHEN & SCHRIFTEN

Abb. 2 Die Bisutun-Inschrift aus dem 6. Jh. v. Chr.

ren Dareios (altp. Dārayavauš) als Kö- licher Methoden konnten die Wis- gänzt wird, insgesamt verfügt sie über
nig hervor, der die Grenzen bis nach senschaftlerinnen und Wissenschaftler 49 Zeichen. Allen Silbenzeichen inhä-
Thrakien und zum Indus ausdehnte. Wortformen nach bekannten Wörtern riert ist potentiell ein Vokal, am häu-
Auf diese Weise entstand ein erstes verwandter Sprachen erschließen. Das figsten «a» (dieses Prinzip findet man
Weltreich, das alle bisherigen Terri- ebenfalls altiranische Avestische und auch im indischen Schriftenkreis, viel-
torien an Ausdehnung übertraf. Erst vor allem das etwas entfernter ver- leicht angeregt durch die altpersische
Alexander der Große machte dem wandte Altindische (Sanskrit) waren Keilschrift). Bei «i», «u» wird er in der
persischen Großreich ein Ende und durch eine ununterbrochene Überlie- Regel durch das auf ihn folgende Vo-
übernahm dessen Erbe. Dareios I. ließ ferung und Schrifttradition bereits zu- kalzeichen verdeutlicht. Bei Langvoka-
seine Taten in der monumentalen In- gänglich. Spätestens ab 1816 hatte die len gilt das grundsätzlich.
schrift von Bisutun aufzeichnen, wohl historisch-vergleichende Sprachwissen-
zunächst in der lokalen Schriftsprache schaft (Indogermanistik) ihre Methodik
Elamisch und im weiter verbreiteten entwickelt, mit der sie bisher kaum be-
Babylonisch; dann aber ließ er offen- kannte Sprachen und ihre Systematik
bar speziell für seine eigene Sprache, erschließen kann.
das Altpersische, eine einfache eigene Die Entzifferung der altpersischen
Form der Keilschrift entwickeln. Da- Keilschrift war der Schlüssel zur ge- Adresse des Autors
reios fügte diese Version der großen samten Kultur des alten Vorderen Ori- Prof. Dr. Martin Joachim Kümmel
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Inschrift hinzu. Bis zum Ende des Achai- ents, weil sie die Entzifferung der Pa- Philosophische Fakultät
Institut für Orientalistik, Indogermanistik,
menidenreichs wurde diese Schrift für rallelversionen der Inschriften – und Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Königsinschriften verwendet (Abb. 2). damit der weit wichtigeren und kom- Seminar für Indogermanistik
Zwätzengasse 12a
Die altpersische Keilschrift ist die plexeren sumerisch-akkadischen Keil- D-07743 Jena
historisch jüngste, aber zugleich die frü- schrift – ermöglichte, die die Grund-
heste sog. Keilschrift, die von der euro- lage der Schriftkultur Mesopotamiens Bildnachweis
Abb.1: akg-images / Jürgen Sorges; 2: Heritage Images /
päischen Forschung entziffert wurde – von den Anfängen im 3. Jt. v. Chr. bis in Fine Art Images / akg-images.
ein Prozess, der bis 1847 andauerte. die Zeit der Achaimeniden bildete. Ihr
Die Entzifferung basierte auf zwei wich- Verständnis eröffnete den Zugang zu Literatur
R. SCHMITT, Altpersisch, in: R. Schmitt (Hrsg.), Compen-
tigen Voraussetzungen: Einerseits nutzte drei Jahrtausenden Schriftkultur, mit dium Linguarum Iranicarum (1989) 56–85.
man die bekannten altpersischen Kö- der sich die Disziplin der Altorientalis- DERS., Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden.
nigsnamen, die bei antiken Autoren wie tik beschäftigt. Editio minor mit deutscher Übersetzung (2009).

Herodot überliefert waren, als Datie- Die altpersische Keilschrift ist eine DERS., Wörterbuch der altpersischen Königsinschriften
(2014).
rungshilfen, andererseits konnte man rechtsläufige gemischte Laut- und Silben- J. WIESEHÖFER, Das antike Persien von 550 v. Chr. bis
schon auf den Sprachvergleich zurück- schrift (Abugida), die durch acht Wort- 650 n. Chr. (1993).

greifen. Mithilfe sprachwissenschaft- zeichen und besondere Zahlzeichen er-

7
ANTIKE WELT 5/19
GLADIATOREN IN POMPEJI
Zeugnisse der frühen Ausgrabungen

Der unbekannte Zuschauer, der in roter Farbe auf die verputze Mauer die Liste der Kämpfer-
Paare des thraex und des murmillo, des hoplomachus und des essedarius geritzt hat,
fügte vor dem Namen eines jeden die Abkürzungen v(icit), m(issus) oder p(eriit) hinzu. So
wissen wir auch, wer Sieger war, wer begnadigt und wer getötet wurde.

Die erste Gladiatorenveranstaltung des Marcus Mesonius hat an den Tagen ... und am 2. Mai stattgefunden.
Eine zweite Gladiatorenveranstaltung fand vom 11.–15. Mai statt …
(CIL 4, 2508)

von Valeria Sampaolo ren, deren Namen von ihren Aktivi- die letzten der von der gens Iulia An-
täten abgeleitet waren: Pugnax, Spe- geworbenen mit den neuen von Nero

D ies ist ein überdeutliches Beispiel


aus Pompeji. Es gibt Auskunft
über eine Reihe von Wettkämpfen, in
culator, Venator, Laudandus und die
Beinamen Iulianus oder Neronianus,
was darauf hinweist, dass sie vor 62
besoldeten Kämpfern aufeinandertra-
fen.
Diese Inschrift (ein sog. libellus gla-
denen die Protagonisten Sklaven wa- n. Chr. eingesetzt worden waren, als diatorius, Inv. 4705) in Form eines
Graffito auf einer verputzten Mauer
ist eigentlich eine Abschrift der An-
kündigungen auf Papyrus, die am Ein-
Abb. 1 Fresko aus Pompeji, Haus des Actius Anicetus, mit der Darstellung der Schlägerei neben gang des Amphitheaters ausgeteilt
dem Amphitheater (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 112222). wurden, mit dem Namen des lanista,
des Ausbilders der Gladiatoren, dem
Datum der Gladiatorenkämpfe und
den Namen der Kämpferpaare. Die-
ses libellus gladiatorius ist aber nicht
so eindrucksvoll wie die Helme mit
Treibverzierung oder wie die Fres-
kofragmente mit den Trophäen ver-
goldeter Waffen, dokumentiert aber
genau die Leidenschaft der Bevölke-
rung für diese Aufführungen – so wie
heute die Aufschrift auf einer Mauer
auf das Finale der Champions League
hinweisen könnte.

Der Fundort
Jede Stadt der römischen Welt hatte
ein Amphitheater oder einen be-
stimmten Ort für Gladiatorenkämpfe,
und in vielen sind auch die Räumlich-
keiten zum Wohnen und zum Trai-
nieren für diese besondere Sportart
entdeckt worden, organisiert wie Ka-
sernen, in denen harte und strenge

8
ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

Kontrollen galten. In einem der Ge-


bäude, das in Pompeji als Unterkunft
der Gladiatoren diente, wurden tat-
sächlich Fußeisen zur Bestrafung ge-
funden, an eines waren sogar noch
die Skelette von zwei Männern ange-
schlossen.
Die vom Erdbeben 62 n. Chr. ver-
ursachten Schäden und die Auflösung
der collegia auf Anordnung des rö-
mischen Senates nach dem heftigem Abb. 2
Aufruhr im Sommer 59 n. Chr. (Taci- Bronze-Schild aus der
Gladiatorenkaserne
tus, annales 14, 17 und ein Fresko aus von Pompeji mit dem
einem Haus der Regio I; Abb. 1) ha- Kopf der Medusa
(Museo Archeologico
ben die Verlegung der Kaserne vom Nazionale di Napoli,
ursprünglichen Ort in die Quadripor- Inv. Inv. 5669).
tikus des Großen Theaters notwen-
dig gemacht, die zur Beherbergung
der Gladiatoren eingerichtet wurde.
So kam es, dass die bourbonischen Auf einer wurde man darauf hinge- ren Teil der Bilder mit demjenigen auf
Ausgräber, die gegen Ende des Jahres wiesen, dass auch Tiere kämpfen und dem Schulterpanzer, um den sich ein
1766 gerade die komplette Freilegung sparsiones gewährt würden, d. h. das Delphin schlängelt, dazu eine Krabbe,
des Theaters beenden wollten, auf Sprengen von parfümiertem Wasser, ein Anker und ein Ruder, und inter-
den Säulen der Portikus nicht nur eine und es würde Sonnensegel geben, die pretierte ihn überzeugend als das At-
große Anzahl Graffiti fanden, die sich in den sehr heißen Stunden Schatten tribut einer Meeresgottheit (Abb. 4).
auf die Gladiatorenspiele beziehen, spenden.
sondern auch in den Räumen an der Die Entdeckung der Waffen ließ da- Das Fresko aus der Caserma dei
Ost- und Westseite Waffen, Schmuck, rauf schließen, dass es sich um Räume Gladiatori
Kleidungsstücke und Zubehör. für das Militär handelte, so dass das Obwohl die Dekoration des Podiums
ganze Gebäude mit allem Zubehör des Amphitheaters und andere Bil-
Die Funde lange als «Quartiere dei soldati» be- der auf Außenwänden zerstört wor-
In einem kleinen Raum an der Ostseite zeichnet wurde. Die einzigartige Ver- den waren, blieben von den sehr
entdeckten sie damals auch die Reste zierung der Helme, der Beinschienen, seltenen Gemälden von Gladiatoren-
eines Helmes aus Eisen (Inv. 5636) mit der Schulterpanzer verursachte bei waffen glücklicherweise zwei von
Helmbusch und Bronzebeschlägen, den ersten Forschern keine Irritation Francesco Morelli in Tempera gemalte
zwei ineinandergeschobene Helme, wegen dieses Reichtums, der kaum mit Fragmente erhalten. Auf diesen er-
die Reste von zwei Holzkisten, eine von militärischer Verwendung überein- kennt man auf dem Sockel die hohen
ihnen enthielt weitere plattgedrückte stimmte. Sogar Camillo Paderni, der als auch die Oberschenkel schützenden
Helme und Überbleibsel von Leinen- erster Zeichnungen und Beschreibun- Beinschienen (cnemides), die spezi-
stoff und eines Stoffes mit Goldfäden. gen anfertigte, vermutete die Nutzung ellen Beinschienen (ocrea) des mur-
Im Januar des folgenden Jahres wur- durch Kommandanten und hochran- millo zum Schutz des linken Beines,
den an demselben Ort gefunden: ein gige Marineoffiziere. mit Schnürbändern fixiert, die durch
Schild mit dem Haupt der Medusa, um- Dieser Zeichner hatte das Vertrauen präzise dargestellte Ringe liefen, wei-
geben von versilberten Olivenzwei- des Karl von Bourbon (1716–1788) terhin Dreizacke, Schulterpanzer, von
gen (Abb. 2), Dolche und Schwerter gewonnen und wurde 1751 der erste den retiarii auf der linken Schulter ge-
mit Griffen aus Bein oder Elfenbein, ei- Aufseher des Museo Ercolanense in tragen, und Schwerter.
nige auch mit Resten der Futterale und Portici. Er erkannte die Ähnlichkeit Auf dem hellblauen Hintergrund da-
Fragmente von goldverziertem Leder. der Helme mit denen auf einem Fresko rüber waren Tropaia dargestellt: auf
Auf den Wänden kann man die in aus einem Raum des «Quartiere dei dem einen fast vollständig erhalte-
großen Buchstaben gemalten Ankün- soldati» (Abb. 3) und verglich den nen kann man gut die eisernen Kurz-
digungen der Veranstaltungen lesen. Dreizack des retiarius auf dem unte- schwerter (gladii) unterscheiden, die

ANTIKE WELT 5/19


Gladiatoren in PomPeji – Zeugnisse der frühen Ausgrabungen

rechteckigen und die runden Schilde


(scuta) mit Goldintarsien, Helme mit
Helmbusch, mit Nackenschutz und Git-
ter zum Schutz der Augen, Speere und
Spieße und ein gekrümmtes Schwert
mit kräftigem Griff, dem typischen
Dolch (sica) des thraex.
Auf dem anderen Fragment sind nur
zwei Schilde erhalten und ein Helm
mit komplett geschlossenem Visier
und runden Augenlöchern, identisch
mit dem Helm eines thraex, erkennbar
an dem Helmkamm mit Greifenkopf
(Abb. 5). Diese Form war in auguste-
ischer Zeit üblich und wurde später ab-
gelöst von denen mit breiteren Gittern,
die eine bessere Sicht erlaubten. So wie
bei dem Exemplar (Inv. 5650), das mit
dem Kopf der Gorgo zwischen Delphi-
nen verziert und für die gleiche Kate-
gorie von Gladiatoren bestimmt ist.

Die Helme
Auch die Helme der murmillones oder
der hoplomachi haben das Schutzgit-
ter für die Augen, aber der Helmkamm
über der Kalotte ist glatt, wie man auf
Abb. 3 dem ersten in Pompeji gefundenen
Fresko aus einem Raum Helm (Abb. 6) sieht, die Kalotte ist ge-
der Gladiatorenkaserne
von Pompeji mit verschie- schmückt mit einer Triumphszene, in
denen Waffen und Rüs- der die Personifikation der Stadt Rom
tungsteilen (Museo
Archeologico Nazionale di ihren rechten Fuß auf einen Schiffsbug
Napoli, Inv. 9702). stellt. An den Seiten befinden sich Bar-
baren, die als Zeichen der Unterwer-
fung knien, Gefangene, deren Hände
auf den Rücken zusammengebunden
sind und unter anderem auch eine
Victoria, die ein Tropaion schmückt.
Nicht nur auf den Helmen, sondern
auch auf den cnemides, den kürzeren
ocreae oder auf dem Armschutz, wer-
den manchmal Bilder von Gotthei-
ten (Iupiter, Neptun, Mars, Mercur,
Minerva, Venus) verwendet, die als
Schutzgottheiten angerufen werden.
Bei einem anderen Helm gibt es ei-
Abb. 4 nen expliziten Verweis auf die Welt
Schulterpanzer eines Re-
tiarius aus der Gladiato- der Wettkämpfer mit dem Bild eines
renkaserne von Pompeji Gladiators, der sich mit der rechten
(Museo Archeologico
Nazionale di Napoli, Hand bekränzt und in der linken eine
Inv. 5639). Siegespalme hält. Darüber auf der

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ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

Abb. 5 Helm eines Thraex aus der Gladiatorenkaserne von Pom- Abb. 6 Helm eines Murmillo aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit einer
peji (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5649). Triumphszene (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5674).

Abb. 8 Helm eines Provocator aus der Gladiatorenkaserne von


Pompeji mit der Darstellung eines Gladiators, der mit Dolch
und Schild bewaffnet ist (Museo Archeologico Nazionale di Na-
poli, Inv. 5658).


Abb. 7
Helm eines Murmillo aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji
mit der Darstellung eines Gladiators, der sich mit der rechten
Hand bekränzt und in der linken eine Siegespalme hält (Museo
Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5672).

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ANTIKE WELT 5/19
Gladiatoren in PomPeji – Zeugnisse der frühen Ausgrabungen

tur entstanden. Und er zeigt nicht nur, kett; auf der Kalotte Aias und Kassan-
wie gut die Reparatur ausgeführt wor- dra vor der Statue der Athena sowie
den war, sondern auch wie Waffen Neoptolemos, der Priamos tötet, im
und Metall höchst achtsam verwendet Zentrum Helena und Menelaos, Aeneas
wurden. mit Anchises auf den Schultern sowie
Bemerkenswerte Arbeiten der To- Kreusa und Ascanius.
reuten sind außerdem die Helme mit Die in Treibarbeit verzierten Helme
komplexen Szenen in Hochrelief, wie wurden wahrscheinlich nur während
derjenige mit der Darstellung von fünf des rituellen Zuges zur Eröffnung des
Musen (Inv. 5671): im Zentrum mit ei- spectaculum benutzt, die unheimlich
ner Buchrolle in der Hand die Muse der wirkenden Helme des secutor brachte
Geschichte Klio; links an ihre Schulter man direkt in die Arena.
gelehnt Terpsichore, die Muse der Po- Der Helm der Gegner des retiarius
esie, des Gesanges und des Tanzes, er- (secutor, provocator, contraretiarius)
kennbar an der Lyra; und anschlie- ist auch bei einem Kopf aus Tuff aus
Abb. 9 Helm eines Secutor aus der Gladiato-
renkaserne von Pompeji (Museo Archeologico ßend auf eine kleine Säule gestützt in dem Theater von Verona (Inv. 29514)
Nazionale di Napoli, Inv. 5642). der üblichen nachdenklichen Haltung und auf einem Messergriff aus Avenches
Polyhymnia, die Muse des Theaters. dargestellt. Er war oval und schützte
Rechts von Klio sitzt mit einem Glo- das Gesicht völlig dank der zwei Schar-
Vorderseite des Helmkammes befin- bus in den Händen Urania, die Muse nierbleche auf beiden Seiten unterhalb
det sich eine Herme des Hercules mit der Astronomie; und schließlich die der Kalotte, die vorn mit einem von
Löwenfell, der ihm seinen Schutz ge- Muse der Lyrik und der Auletik Eu- der Stirn bis zum Kinn durchgehenden
währt (Abb. 7). terpe mit einem Blasinstrument in Band festgehalten wurden (Abb. 9).
Ein weiterer Verweis auf den Sieg den Händen. Der lange Nackenschutz fiel bis auf
ist der Adler mit ausgebreiteten Flü- Schlussendlich sind auf den Wangen- die Schultern und beim Tragen des
geln und Siegeskranz im Schnabel auf klappen ein delphischer Dreifuß und Helmes wurde die einzige Luftzufuhr
dem Stirngiebel des Helmes eines con- eine große Lyra, die von Eroten getragen durch zwei kleine Löcher für die Au-
traretiarius, der wie der Helm des pro- werden, ein klarer Hinweis auf Apollon. gen ermöglicht. So kam zur reduzier-
vocator ohne Schmuck war, um dem Auf die dionysische Welt verweisen die ten Sicht mit einiger Wahrscheinlich-
Netz des Gegners keine Gelegenheit Theatermasken, die Musikinstrumente keit auch noch die Schwierigkeit des
zu bieten. und der Satyr mit Hirtenstab und Sy- Atmens dazu. Dies führte vielleicht
Dieser Helm hat eine nach unten rinx, die auf dem Helmkamm darge- dazu, so schnell wie möglich den di-
gebogene Krempe, um den Nacken zu stellt sind. rekten Kampf mit dem Gegner zu be-
schützen. Seine Reliefverzierung zeigt Ein anderer Helm (Inv. 5673) wurde enden.
die in der Arena verwendeten Waffen: als erster von C. Paderni beschrie-
einen Dolch, einen Schutzärmel, eine ben, der darauf hinwies, dass sich die
Beinschiene, einen Helm, einen Ham- Szenen auf den Troianischen Krieg
Adresse der Autorin
mer und einen Schild. beziehen würden und nach den Ver-
Dr. Valeria Sampaolo
Ein anderer ähnlicher Helm eines sen des Vergil entstanden seien. Er Museo Archeologico Nazionale
Piazza Museo 19
contraretiarius ist noch näher an der stellte fest, dass die in Pompeji gefun- I-80135 Napoli
Realität der Kämpfer: er ist mit der Fi- denen Waffen römisch und nicht sam-
gur eines Gladiators geschmückt, der nitisch waren, wie andere vermutet Übersetzung

mit Dolch und kleinem runden Schild hatten. Die Erzählung fasst die wich- Dr. Anemone Zschätzsch, Oestrich-Winkel

bewaffnet ist (Abb. 8). tigsten Momente des zweiten Buches


Bildnachweis
Gut zu sehen ist oben auf der Ka- der Aeneis zusammen und ist auf drei Alle Abb.: Museo Archeologico Nazionale di Napoli.
lotte eine Ausbesserung, die die be- verschiedenen Teilen des Helmes dar-
schädigten Ränder einer Bruchstelle gestellt: auf den Wangenklappen die Literatur
mit einem sichelförmigen Flicken Gefangennahme des Sinon, den man M. JUNKELMANN, das Spiel mit dem tod. So kämpften
Roms Gladiatoren (2000).
und drei Nieten fixiert. Auffallend vor Priamos geschleppt hatte; auf der
H. meller / V. SamPaolo / l. melillo (Hrsg.),
sind aber gleichfalls die Spuren der Krempe das Gemetzel der im Schlaf Gladiator. Täglich den Tod vor Augen (2013).
Schwerthiebe, die nach der Repara- überraschten Troianer nach dem Ban-

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ANTIKE WELT 5/19
DER PRINCEPS DER SPIELE
Eine neue Grabinschrift aus Pompeji

In Pompeji sind Entdeckungen eine alltägliche Sache, vor allem jetzt durch den Grande
Progetto Pompei, ein umfassendes Vorhaben zur Umsetzung der Schutzmaßnahmen,
der Konservierung und der Erforschung des gesamten Stadtgebietes. Aber niemand konnte
sich vorstellen, dass ein neues monumentales Grab in der Nekropole von Porta Stabia
bei der Restaurierung eines Gebäudes des 19. Jhs., dem Verwaltungssitz des Archäologi-
schen Parkes, entdeckt werden würde.

von Massimo Osanna rüber liegt ein quadratischer Aufbau, Die Inschrift
der oben mit einem Sockelgesims ab- Die Grabinschrift ist 4 m lang, ver-
schließt und auf der Westseite eine teilt auf sieben Zeilen mit abnehmen-
D as Monument (Abb. 1. 2) besteht
aus einem Unterbau, auf dem
sich ein zweistufiger Sockel mit ab-
lange Inschrift trägt. Von dem oberen
Teil des Grabmals, der schwer durch
der Buchstabenhöhe (A. 4,58 cm;
B. 4,17 cm; C. 3,46 cm; D. 3,44 cm;
wechselnd vier langen konkaven Sei- den Ausbruch des Vesuvs und die Ein- E. 3,1 cm; F.–G. 3,0 cm), nennt aber
ten von ca. 6 m Seitenlänge und vier griffe des 19. Jhs. beschädigt wurde, nicht den Namen und die Ämterlauf-
kurzen geraden Seiten erhebt. Er ist blieb nur ein Teil der Betonwölbung bahn des Verstorbenen (Abb. 3. 4). Sie
verkleidet mit weißem Kalkstein. Da- der runden Grabkammer erhalten. hat jedoch die Form der res gestae und

Abb. 1 Neues Grab in der Nekropole von Porta Stabia in Pompeji, Ansicht der Westseite.

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ANTIKE WELT 5/19
Der PrIncePs Der sPIele – eine neue Grabinschrift aus Pompeji

erinnert an große Wohltaten anläss- tungen ab, aber auch von der Dauer glaube, man nahm Bezug auf den ein-
lich bedeutender Momente seines Le- von mehreren Tagen. Die Vorführun- zigen für Pompeji bekannten Senats-
bens, vom Empfang der toga virilis bis gen wurden durch auf Wände ge- beschluss, der nach dem Aufruhr
zur der Hochzeit, Ereignisse, die mit malte Inschriften in Pompeji ange- im Amphitheater 59 n. Chr. erlassen
öffentlichem Banketten, Gladiatoren- kündigt und konnten normalerweise wurde und zum Verbot der Gladiato-
spielen und Tierhetzen auf alle mög- ein bis vier Tage dauern – mit weni- renspiele im Amphitheater führte. Bei
lichen wilden Tiere gefeiert werden; gen Ausnahmen: in einem Fall fünf diesem munus führte man nur Tier-
außerdem die Verteilungen von preis- Tage, in einem andern sogar 15 Tage, hetzen auf. Die Spiele im Amphithea-
günstigem Getreide und kostenlosem aber wahrscheinlich mit Unterbre- ter waren bekanntlich in zwei Sparten
Brot, Geldspenden für die Dekurionen chungen. Die Anzahl der Paare, die geteilt, in die Kämpfe der Gladiato-
und die Magistrate verschiedener Ver- meist in den edicta genannt wird, be- ren und die venationes. Die Tierhet-
bände etc. Dies war eine übliche Praxis trägt 20, es erscheinen aber auch be- zen und die Tierkämpfe gehörten zum
der reichen Bürger der Städte und Ko- achtlichere Kontingente zwischen 25 Vormittagsprogramm, die Gefechte
lonien, um die eigene politische Karri- und 40. In unserem Fall möchten wir der Gladiatoren hingegen fanden am
ere voranzutreiben wie auch Ansehen hypothetisch 30 Paare vermuten. Die Nachmittag statt. Das Programm der
zu gewinnen und zu bewahren. Dauer von mindestens sechs Tagen Kämpfe mit Tieren enthielt drei Teile:
Besondere Bedeutung haben im Text könnte die Gesamtzahl von 180 Paa- Tierkämpfe, Akrobatennummern und
die großzügigen Zuwendungen für die ren (360 Einzelkämpfern) ergeben, Tierhetzen, mit abwechselndem Ein-
Gladiatorenkämpfe (munus gladiato- hinzugefügt werden könnten 56 Er- satz von exotischen und wilden sowie
rum), die sowohl beim Eintritt in die satzkämpfer (suppositicii), die in die domestizierten Tieren. Der eindrucks-
Welt der Erwachsenen gefeiert wur- wichtigeren munera als Reserve ein- vollste Teil muss der letzte gewesen
den, als auch immer wieder im Ver- gegriffen haben, um in der Arena den sein, d. h. eine wahrhaftige venatio,
lauf des ganzen Lebens. Das erste Platz der getöteten Kollegen einzu- ein Kampf zwischen Menschen und
munus fällt durch die sehr hohe An- nehmen. Tieren, bei dem die venatores, nur mit
zahl der Gladiatoren in der Arena auf, Ein weiteres munus wird bei einer einer Tunika bekleidet und mit einer
gut 416 Kämpfer (d. h. 208 Paare). Der zweiten Gelegenheit dargeboten, mit Lanze ausgestattet, Tigern, Löwen, Le-
Erfolg einer Vorstellung hing von der dem Zusatz «vor dem Senatsbeschluss», oparden, Bären und schließlich Ele-
Großartigkeit der inszenierten Darbie- aber ohne spezielle Erklärung. Ich fanten gegenüberstanden. Aber auch
ungefährlichen Tieren wie Gazellen,
Straußen, Hirschen und Antilopen
stellten sich die Kämpfer.
Obwohl bei dem spectaculum in
Pompeji nur Tierhetzen erwähnt wer-
den, müsste der aufregendste Teil in
der gemeinsamen Erinnerung an die-
ses munus – vorausgesetzt, dass es
sich um ein munus iustum atque legi-
timum (vollständig und rechtmäßig:
Sueton, Claudius 21, 4) handelt – ein
vollständiges Programm sein, auch
mit Gladiatorenkämpfen. Ansonsten
wäre der Hinweis auf den Senatsbe-
schluss nicht verständlich. «An allen
Tagen der Spiele und für jedes Pro-
gramm des Kampfes gibt es Tiere aller
Art ohne Unterschied für die Tierhet-
zen»: um den Prunk der Veranstaltung
zu unterstreichen, war es notwendig,
Abb. 2 lediglich anzugeben, dass Tiere jeder
Neues Grab in der Nekropole
von Porta Stabia, Ansicht von
Art an jedem Tag des spectaculum ein-
oben. gesetzt wurden. Dies genügte um an-

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ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

Abb. 3 Neues Grab in der Nekropole von Porta Stabia, Ansicht von Südwesten.

Abb. 4 Detail der 4 m langen Inschrift.

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ANTIKE WELT 5/19
Der PrIncePs Der sPIele – eine neue Grabinschrift aus Pompeji

zuzeigen, dass die Spiele wegen der Der Grabherr quennalis ist sicher auf 55/56 n. Chr.
Kosten für die Tiere, für die Organisa- Dank der Inschrift und vor allem ih- datiert (CIL 4, 1179).
tion und für die Löhne der Tierkämp- rer Deutlichkeit bezüglich der Gladi- Als eine der bekanntesten politi-
fer (bestiarii) außergewöhnlich teuer atorenspiele ist es möglich, über die schen Persönlichkeiten war seine bril-
gewesen waren. Identität des Verstorbenen zu spe- lante Karriere von den häufigen Ver-
Es folgt eine weitere Erwähnung kulieren und ein bedeutendes Relief anstaltungen der munera begleitet.
von zwei ludi ohne Hinweis auf die einzubeziehen, das 1843 ohne Fund- Große Reputation und Ruhm in der
Art der Gestaltung: «er hat zwei große zusammenhang vor der Porta Stabia Stadt wurden tatsächlich genau durch
Spiele ohne irgendeine Belastung für gefunden wurde und sich heute im solche Freigebigkeit erlangt: Tatsäch-
die Gemeinschaft ausgerichtet»: diese Museo Archeologico di Napoli befin- lich wurde er viele Male als großzü-
Erwähnung zeigt, dass es sich um Er- det. Das Relief besteht aus drei unter- giger Spender der Spiele umjubelt, so
eignisse handelt, um die Etappen der schiedlich hohen Registern und zeigt dass er in die Literatur vor allem als
öffentlichen Karriere zu feiern. Nur drei Phasen eines munus: erstens die der bekannteste Impresario der Gla-
auf diese Weise würde dieser Hinweis Prozession, die sich bis zum Amphi- diatorenspiele eingegangen ist. Dafür
sine onore rei publicae einen Sinn er- theater bewegte und die vom editor wird er auf den Mauern von Pompeji
geben. Es könnte sich um Veranstal- (Veranstalter) abgehaltene probatio gefeiert als princeps coloniae (CIL 4,
tungen während seiner Zeit als duo- armorum (Vorführung der Waffen); 1177, 7989b) und princeps mune-
vir und duovir quinquennalis handeln, zweitens das munus gladiatorium; rariorum (CIL 4, 7990), als Fürst der
für die zwar öffentliche Mittel zur Ver- und zuletzt die venatio. Spieleveranstalter!
fügung gestanden hätten, aber auf In Anbetracht der Übereinstimmung
eigene Kosten durchgeführt worden der Maße des Reliefs mit denen des
waren: doppelte Meriten! Grabes ist es möglich, dass dieses den
oberen Teil des Grabmals vervollstän- Adresse des Autors
Prof. Dr. Massimo Osanna
digt haben könnte, wahrscheinlich die Professor of Classical Archaeology at the University
of Napoli Federico II.
Anzeige
Südseite. Direttore Generale soprintendenza Pompei.
Wer ist nun der Verstorbene? Die Soprintendenza Pompei
via Villa dei Misteri, 2
G Anhaltspunkte, die auf eine Person I-80045 Pompei
SONDERAUSSTELLUN von hohem Einfluss hinweisen, sind
23.05.2019 – 20.10.2019 beachtlich – besonders im Hinblick Übersetzung
Dr. Anemone Zschätzsch, Oestrich-Winkel
auf das pompejanische Szenarium
RÖMER. in den letzten Jahren vor dem Vesuv- Bildnachweis
ausbruch: Cn. Alleius Nigidius Maius
MACHT. UMWELT Alle Abb. Soprintendenza Pompei.
war ein Vertreter der neuen führen-
Landschaftsveränderung den Klasse, der für die extreme soziale Literatur
rund um eine Limessiedlung Veränderung der iulisch-claudischen
A. W. VAN BUREN, Cnaeus Alleius Nigidius Maius
Pompeianus, in: American Journal of Philology 68 (1947)
Epoche hilfreich war. Er wurde von 382–393.

der bedeutenden Familie der Alleii W. O. MOELLER, Gnaeus Alleius Nigidius Maius, Princeps
Coloniae, in: Latomus 32, 3 (1973) 515–520.
adoptiert und durchlief während der P. s. TUMOlesI, Gladiatorum paria. Annunci di spettacoli
Zeit des Claudius und des Nero eine gladiatorii a Pompei (1980).

fulminante Karriere. Zahlreiche pom- s. A. MUsceTTOlA, I nigidi Mai di Pompei. Far politica
tra l’età neroniana e l’età flavia, in: rivista dell’Istituto
pejanische tituli – ebenso wie ein Hin- nazionale d’archeologia e storia dell’arte 14/15 (1991/1992)
193–218.
weis in den tabulae ceratae (Wachs-
J. L. FRANKLIN JR., Cn. Alleius Nigidius Maius and the
tafeln) des Caecilius Iucundus (CIL 4, amphitheatre. Munera and a distinguished career at an-
cient Pompeii, in: Historia 46 (1997) 434–447.
3340, 148) – lassen viele Elemente
P. G. GUZZO (Hrsg.), Pompei oltre la vita. nuove testimo-
des öffentlichen Werdegangs dieser nianze dalle necropoli. Boscoreale 2 aprile–31 maggio
Persönlichkeit erkennen und weisen 1998. Soprintendenza archeologica di Pompei (1998).

eine Reihe von Berührungspunkten A. l. c. eMMersOn, reconstructing the funerary lands-


cape at Pompeii’s Porta Stabia, in: Rivista di studi pom-
mit der Grabinschrift auf. Zwar haben peiani 21 (2010 [2011]) 77–86.
im RömeRpaRk Ruffenhofen
wir für die Kandidatur als Aedil (CIL 4, M. OSANNA, Una nuova tomba monumentale da Porta
stabia a Pompei, in: rendiconti dell’Accademia nazionale
www.limeseum.de 512) und Duovir (CIL 4, 499) keine dei Lincei 29 (2018) 275–309.
Zeitangabe, aber der duoviratus quin-

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ANTIKE WELT 5/19
GLADIATOREN IN AUGUSTA RAURICA
Helden der Arena und im Alltag – auch fern von Rom

Selbst in den entfernten Provinzstädten, weitab vom caput mundi Rom, hatten die Menschen
Kenntnis von den spektakulären und atemberaubenden Spielen, welche die Kaiser und
andere Spielgeber während Wochen und Monaten in den Arenen der Amphitheater der
Hauptstadt veranstalteten. Diese Spektakel dienten nicht nur zur Unterhaltung des
Volkes, sondern demonstrierten den Machtanspruch und die Überlegenheit des Römischen
Reiches. Dies strahlte auch in die Provinzen aus und fand bei den lokalen Eliten
Nachahmer, welche die römische Tugendhaftigkeit auch im typisch römischen Bautyp
Amphitheater hochleben lassen wollten.

von Barbara Pfäffli und Sven Straumann Kaiseraugst (Kanton Aargau). Gemäß che Stadtanlage kam anscheinend nie
einer in Gaëta (Italien) gefundenen über den Gründungsakt hinaus, und

D ie römische Koloniestadt Augusta


Raurica liegt an verkehrsgünsti-
ger Lage am Rheinknie bei Basel auf
Grabinschrift wurde sie 44 v. Chr.
von Lucius Munatius Plancus, einem
treuen Weggefährten Cäsars im Gebiet
so kennen wir erste Siedlungsspuren
erst aus augusteischer Zeit. Es folgte
eine rasche Stadtentwicklung, bei der
dem heutigen Gebiet der Gemeinden der keltischen Rauriker als Colonia spätestens in flavischer Zeit wichtige
Augst (Kanton Basel-Landschaft) und Raurica gegründet. Die ursprüngli- öffentliche Bauten, wie Forum, The-

Abb. 1 Modell von Augusta Raurica. Am Stadtrand das Amphitheater «Augst, Sichelengraben»; im Stadtzentrum das jüngere szenische Theater, der
Nachfolgebau des Amphitheaters «Neun Türme».

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ANTIKE WELT 5/19
GlADiAToREN iN AUGUSTA RAURicA – Helden der Arena und im Alltag – auch fern von Rom

chen Machtanspruchs – sie führten


der Provinzbevölkerung die Position
des römischen Kaisers und die Über-
legenheit des Staates über Mensch
und Tier vor Augen und festigten so
die Romanisierung.
Das Amphitheater «Augst, Neun
Türme» wurde im Stadtzentrum un-
ter Wiederverwendung der Funda-
mentbereiche eines vorangegangenen
Bühnentheaters erbaut (Abb. 2). Auch
die Ausrichtung und die visuelle An-
bindung an den gegenüberliegenden
Abb. 2 Modell des Amphitheaters «Augst, Neun Türme» mit reduziertem Zuschauerraum in der
Westhälfte, der den ungestörten Blick auf den gegenüberliegenden Tempel ermöglicht. «Tempel auf Schönbühl» – und damit
die religiös-politische Bedeutung des
Gesamtkomplexes – wurden von die-
sem Vorgängerbau übernommen. Da
ater und Tempel, errichtet wurden Die Amphitheater von Augusta das Amphitheater gegen Westen, zum
(Abb. 1). Das von drei Flüssen ein- Raurica: Vom Stadtzentrum … Tempel hin, offen war, beschränkte
gefasste Stadtgebiet erstreckte sich Wie zahlreiche andere zivil geprägte sich der Zuschauerraum auf dieser
über eine Fläche von rund 100 ha. In Städte Germaniens und der Gallia Seite auf die untersten fünf Sitzstu-
ihrer Blütezeit um 200 n. Chr. lebten Belgica erhielt Augusta Raurica erst fenreihen, so dass die Sitzplatzkapa-
rund 10 000 bis 15 000 Menschen in in der Regierungszeit von Kaiser zität mit rund 7500 bis 8500 Plätzen
dieser von Handel und Handwerk ge- Trajan, um etwa 110 n. Chr. ein ers- für dieses «Semi-Amphitheater» rela-
prägten Stadt. In der zweiten Hälfte tes Amphitheater. Grund für die Ver- tiv bescheiden war.
des 3. Jhs. n. Chr. kam es zu einem breitung dieses typisch römischen Die Arena (49 x 36 m) war von einer
rapiden Bevölkerungsrückgang. Um Gebäudetyps in der damaligen Zeit etwa 3 m hohen Podiumsmauer um-
300 n. Chr. wurde schließlich als Teil war nicht nur der Wunsch, die Bevöl- schlossen, die zum Teil heute noch er-
der spätantiken Grenzbefestigung kerung gut zu unterhalten, vielmehr halten ist. Sie rahmte den Kampfplatz
unmittelbar am Rhein das Castrum spielten politische Absichten eine ein und schützte die Zuschauer vor An-
Rauracense, der Fundort des berühm- wichtige Rolle. Amphitheater und griffen durch wilde Tiere. Die Mauer
ten Kaiseraugster Silberschatzes, ge- spektakuläre Spiele waren ein Mit- war farbig bemalt, wie eine sorgfältige
baut. tel zur Untermauerung des kaiserli- Auswertung des stark fragmentierten

Abb. 3 Amphitheater «Augst, Neun Türme»: Rekonstruktionsvorschlag


der Bemalung der Podiumsmauer.

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ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

Wandverputzes ergab (Abb. 3). Die So- einem etwa 20 cm dicken Schichtpa- neuen, größeren Amphitheaters in
ckelzone war mit aufgemalten Stein- ket, das aus mehreren aufplanierten Angriff genommen (Abb. 4). Das
platten dekoriert, die wertvolle Mar- Sandschichten über einer Unterkon- Amphitheater «Augst, Sichelengraben»
more aus verschiedenen entlegenen struktion aus grobem Sand und Kies wurde am westlichen Stadtrand ge-
Gebieten des Reiches imitierten. Ein- zusammengesetzt war. Der in den baut und löste das ältere Amphithea-
deutig erkennbar sind z. B. der in Tune- Proben gemessene hohe Phosphatge- ter im Stadtzentrum ab. Das jüngere
sien abgebaute giallo antico, der grie- halt und darin enthaltene, angedaute Amphitheater wurde geschickt in die
chische verde antico und der lapis onyx, Knochensplitter lassen sich durch ein- natürliche Topografie eingepasst, in-
der aus dem Nildelta stammte. Die gesickerte Fäkalien von Tieren in der dem ein vorhandenes Tälchen beidsei-
mittlere und obere Mauerzone war mit Arena, nicht zuletzt auch von Carni- tig mit 15 bis 17 m hohen, von Pfeilern
einem Muster aus aufgemalten Kasset- voren, erklären und zeugen vom Ge- abgestützten Fassaden und Gewölbe-
ten und stilisierten Blüten dekoriert, schehen auf dem Kampfplatz. Umla- konstruktionen versehen wurde. So
das tapetenartig die Wand überzog. gerungs- und Verwirbelungsspuren entstand ein zwar ins Gelände einge-
Für diese ornamentale Malerei finden dieser Schichten werden auf das in der tieftes, aber dennoch repräsentatives
sich kaum Parallelen; sie unterscheidet antiken Literatur erwähnte regelmä- Gebäude. Der Zuschauerraum lag mit
sich deutlich von aufwändig mit figürli- ßige Harken des Kampfplatzes zurück- seinen Sitzstufen aus Sandstein direkt
chen Motiven bemalten Podiumsmau- geführt («… denn zwei zarte Jünglinge, auf den Talflanken auf und bot Platz
ern, wie es z. B. in Pompeji der Fall war. die den blutigen Boden mit Hilfe von für etwa 13 000 Personen. Der Groß-
Dort zieren Gladiatoren, Tierkämpfe Hacken erneuerten [wurden von ei- teil des Publikums erreichte die Sitz-
und Siegessymbole die Mauer. Sie un- nem Löwen zerfleischt]», Martial, Epi- plätze vom Geländeplateau aus durch
terscheidet sich jedoch auch komplett gram. 2,75). eine der zahlreichen Pforten in der
von der einfarbig dunkelroten Podi- Zur Arena hin öffneten sich drei car- Umfassungsmauer. Nur die Obrigkeit,
umsmauer, die im Amphitheater von ceres, multifunktionale Kammern, in die vornehmen Magistraten und hö-
Carnuntum (Bad Deutsch-Altenburg, denen sich Gladiatoren und Tiere, aber heren Priester gelangten von der Tal-
Österreich) nachgewiesen ist und die auch Arenapersonal kurz vor dem Auf- sohle her durch überwölbte Zugänge,
der Bemalung von Arenabegrenzun- tritt in der Arena aufhalten konnte. Vomitorien, zu den ihnen vorbehalte-
gen in modernen Stierkampfarenen Über den beiden Kammern an den nen Sitzplätzen nahe bei der Arena.
ähnelt. Längsseiten der Arena waren Ehrentri- Die Arena (50,6 x 33,4 m) war von
Sedimentologische Untersuchungen bünen installiert, die Logen für die Ob- einer ca. 4 m hohen Podiumsmauer
von Proben aus der Arena erbrachten rigkeit und die hohen Magistraten der eingefasst.
Hinweise über den Aufbau und die Stadt. Die Befundauswertung und Archi-
Nutzung des Kampfplatzes: Bereits in tekturstudien führten zu überzeugen-
der Antike, allgemein mit dem latei- … an den Stadtrand den Hypothesen über die Nutzung
nischen Wort arena (Sand) bezeich- Im 2. Jh. n. Chr. nahm die Bevölke- und die Möglichkeiten der Bespielung
net, bestand dieser Teil des Amphi- rungszahl der Stadt laufend zu, und dieses Gebäudes. So konnte durch die
theaters auch in Augusta Raurica aus um 170 n. Chr. wurde der Bau eines Untersuchung der in situ verbliebenen

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ANTIKE WELT 5/19
GlADiAToREN iN AUGUSTA RAURicA – Helden der Arena und im Alltag – auch fern von Rom

Bären in der Arena


Leider sind aus den Augster Amphi-
theatern keinerlei Überreste von exo-
tischen, gefährlichen oder sonstigen
Tieren bekannt, die Rückschlüsse auf
die Spiele erlauben würden. Hinge-
gen kam in der Augster Unterstadt ein
außergewöhnlicher Fund zum Vor-
schein, den wir gerne – zumindest hy-
pothetisch – mit den Spielen in Ver-
bindung bringen möchten: In einem
um 250 n. Chr. mit Tierkadavern und
Siedlungsabfall verfüllten, stillgeleg-
ten Brunnenschacht fand sich das
Skelett eines jungen Bären, dem noch
zu Lebzeiten die Reißzähne abgesägt
Abb. 4 Das Amphitheater «Augst, Sichelen», eingebettet in eine natürliche Geländemulde.
worden waren (Abb. 5). Unglückli-
cherweise wurden die Zähne dabei
so stark gekürzt, dass die Zahnnerven
Schwellenlagen beim östlichen Arena- Der dritte Carcer lag an der Seite des freilagen. In der Folge entzündeten
zugang auf ein raffiniertes System von westlichen Arenazuganges und diente sich nicht nur die Zähne sondern auch
hinter- und nebeneinander geschalte- vermutlich als sacellum, als Heilig- weite Teile des Kiefers des Tieres, was
ten Arenatoren geschlossen werden, tum für die Gottheiten der Arena. Ei- an der blasenartig veränderten Kno-
die ein kontrolliertes Hereinbringen nen solchen Raum gab es bereits beim chenstruktur gut erkennbar ist. Das
von Tieren, beispielsweise von gan- Älteren Amphitheater. Dies war der Ort, Tier litt große Schmerzen und starb
zen Rotwildrudeln in die Arena er- an dem Gladiatoren, Tierkämpfer und einige Monate später, wahrscheinlich
möglichten. Auch die beiden Carcer an wahrscheinlich auch Arenahelfer vor an den Folgen der dilettantisch ausge-
den Längsseiten der Arena trugen zu ihrem Auftritt bei Kampf-, Jagd- oder führten Operation. Es ist gut möglich,
einem spannenden Spielverlauf bei: Siegesgottheiten wie Nemesis, Herku- dass dieser Bär eigentlich für Dressur-
Mit je zwei Pforten ausgerüstet, durch les, Diana und Mars göttlichen Beistand, und Gaukler(?)-Spiele in der Arena
welche Gladiatoren oder Tiere in die Schutz und Sieg erbaten und dafür Op- vorgesehen war, in ähnlicher Art und
Arena ein- und wieder abtreten konn- fer darbrachten. Möglich ist zudem, Weise wie es uns Darstellungen auf
ten, ermöglichten sie die erwünschten dass hier nach den Spielen Reinigungs- spätantiken Diptychen überliefern. Es
Überraschungsmomente beim Publi- rituale durchgeführt wurden, um die könnte natürlich aber auch sein, dass
kum – eine entsprechende «Choreo- Nähe der Unterwelt und die Verunrei- der durch den Verlust seiner Reiss-
grafie» einmal vorausgesetzt. nigung durch den Tod aufzuheben. zähne ungefährlich gemachte Bär an-
dernorts vorgeführt wurde, z. B. auf
einem öffentlichen Platz, oder dass er
gar als ungewöhnliches «exotisches»
Haustier in einem Privathaushalt ge-
halten wurde.

Gladiatoren in der Stadt


In kleineren Städten, wie etwa Augusta
Raurica, waren Gladiatorenkämpfe si-
Abb. 5  cherlich nicht an der Tagesordnung,
Bärenschädel sondern fanden zu besonderen Gele-
mit abge-
sägten Reiß- genheiten statt. Sie übten eine große
zähnen aus Anziehungskraft aus, und wir können
der Verfüllung
eines Sod- annehmen, dass das schaulustige Pu-
brunnens. blikum nicht nur aus Augusta Raurica

20
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ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

selbst, sondern auch aus der näheren


und weiteren Umgebung der Kolonie-
stadt in das städtische Amphitheater
pilgerte. Die siegreichen Gladiatoren
waren den Zuschauern wohlbekannt
und wurden von ihren Fans verehrt,
und Gegenstände mit Gladiatorenab-
bildungen waren allgemein beliebt.
So finden wir in den Wohnquartie-
ren der Stadt zahlreiche Kleinfunde
mit Darstellungen von Gladiatoren.
Dazu zählen neben Bildlampen und
Reliefgefäßen aus Terra Sigillata auch
kleine Bronzestatuetten in Form eines
Kämpfers, wie sie jüngst bei einer ak-
tuellen Ausgrabung in der Oberstadt
von Augst zum Vorschein gekommen
Abb. 6 Retiarius aus Bronze. H. 3,1 cm. Abb. 7 Lampe in Form eines Gladiatorenhelms.
ist (Abb. 6. 7).
Die spannenden Darbietungen in
der Arena und der Ausgang der letz-
ten Gladiatorenkämpfe waren Teil Das Gladiatorenmosaik in Dazu zählen beispielsweise präch-
des Stadtgesprächs. Man wollte sich der insula 30 tige metallene Einrichtungs- und Ge-
und andere auch in Form von eige- Die wohl bekanntesten Darstellungen brauchsgegenstände, aber auch Göt-
nen Kunstwerken daran erinnern. von Gladiatoren aus Augusta Raurica terstatuetten und Wagenbestandteile.
Dies konnte man z. B. in Form von kennen wir vom gleichnamigen Mo- Marmorplastik, wie etwa der Torso
Graffiti, die ihre Wirkung und Bild- saik in einem luxuriösen Stadthaus, einer Venusstatue, vervollständigen
sprache bis heute nicht verloren ha- das sich über die gesamte Insula 30 buchstäblich unseren Eindruck von
ben (Abb. 8). Für die etwas vermö- erstreckte (Abb. 9). Wie wir dank der «Schöner Wohnen».
genderen Bewohner von Augusta zwischen 1959 und 1962 unter der Der Mosaikboden wurde unter der
Raurica gehörte das Darstellen von Oberleitung von Rudolf Laur-Belart lokalen Leitung von Ludwig Berger
Gladiatoren offenbar auch zum gu- durchgeführten Ausgrabung wissen,
ten Ton. So ließ man sich manchmal wurde damals die gesamte Insula im
Wände und Böden mit entsprechen- Zuge eines stadtweiten Baubooms Abb. 8 Graffito eines Secutors. Gefunden in
den Abbildern verzieren. Ein beson- komplett neugestaltet und repräsen- Insula 8.
ders schönes Beispiel einer Wand- tativ ausgebaut. Zwar bildet die Flä-
malerei ist aus der Augster Insula 8 che von rund 3000 m2 innerhalb des
bekannt: Hier war ein repräsentati- Straßengevierts eine architektonische
ver Wohnraum mit aufgemalten pi- Einheit, es können aber funktional
nakes, kleinen Bildern, dekoriert, die voneinander unabhängige Raumein-
winzige Tierkampfszenen zeigen. heiten unterschieden werden. Im Nor-
Eine weitere Gladiatorendarstellung den ist eine großzügige Badeanlage
kam 1966 im Treppenhaus von In- mit Latrine vorhanden und in den Eck-
sula 5/9 zum Vorschein: Hier waren hallen sowie entlang der Ostfassade
beidseits einer Tür zwei Kämpfer befinden sich Gewerbeflächen. Auch
aufgemalt, von denen noch wenige wenn der Grundriss kaum an ein ge-
Reste dokumentiert werden konn- wöhnliches Wohnhaus erinnert, muss
ten. Auf diese Weise begleiteten die die funktionale Deutung offenbleiben.
Gladiatoren mit all ihrer römischen Die Architektur ist stark auf Reprä-
Tugendhaftigkeit (Mut, Todesverach- sentation ausgerichtet, was auch das
tung, Ehrenhaftigkeit) die Stadtbe- reiche Fundmaterial, das von geho-
wohner in ihrem Alltag. benem Wohnen zeugt, unterstreicht.

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ANTIKE WELT 5/19
GlADiAToREN iN AUGUSTA RAURicA – Helden der Arena und im Alltag – auch fern von Rom

am 15. Oktober 1961 entdeckt. Der eignisse zerstört oder beschädigt. An stellungen zeigen; sowie ein Annex
spätere erste Kantonsarchäologe von mehreren Stellen lassen sich Spuren mit Plattenmuster.
Basel-Stadt leitete die Arbeiten vor einer starken Brandeinwirkung fest- Von den Gladiatorenbildern sind
Ort und zeichnete sich verantwortlich stellen, die in der Folge repariert wor- fünf erhalten. Darin sind jeweils zwei
für eine minutiöse Untersuchung die- den sind. sich bekämpfende Gladiatoren darge-
ses außergewöhnlichen Fundes. Das Mosaik lässt sich in drei Zo- stellt. Mit Ausnahme der beiden Tu-
Der Mosaikboden zog sich über die nen unterteilen: ein rechteckiges, po- nika tragenden Gladiatoren im ersten
gesamte Fläche eines 6,55 m x 9,80 m lychromes Mittelbild; eine ebenfalls Bildfeld in der Nordostecke des Rau-
großen Raumes (64 m2) ohne Boden- mehrfarbige, ornamentale Rahmen- mes handelt es sich bei den Paarun-
heizung. Rund ein Viertel des Mosaiks zone mit sechs, nach außen gerichte- gen um zwei ungleiche Gattungen.
war durch jüngere Eingriffe und Er- ten Bildfeldern, die Gladiatorendar- Die Bilder scheinen dem Betrachter
den entscheidenden Moment der Nie-
derlage, respektive des Sieges zeigen
zu wollen. Wie das Beispiel der zwei-
Abb. 9 Gladiatorenmosaik Insula 30. fach dargestellten Paarung zwischen
Secutor und Retiarius verdeutlicht,
war man offenbar bedacht in aus-
gleichender Weise zwei verschiedene
Ausgänge (Sieg und Niederlage) der
Kämpfe zu zeigen.
Entgegen früherer Meinungen ist
zu bezweifeln, ob ein direkter Bezug
besteht zwischen der Motivwahl von
Gladiatorenkämpfen und dem Auf-
traggeber. Vielmehr ist anzunehmen,
dass es sich um die Darstellung von
beliebten Szenen handelt, welche die
Betrachter auch in der Wiedergabe als
Mosaik unterhalten sollte. Das Abbil-
den von Gladiatorenszenen war in den
germanischen Provinzen beliebt. Von
den insgesamt nahezu 70 aus Augusta
Raurica bekannten Mosaikböden ist
das Gladiatorenmosaik dennoch das
einzige mit einem figürlichen Dekor.
Bemerkenswert ist auch die vielfältige
Farbpalette, die mit den eingesetz-
ten Materialien von Stein, Glas, Mar-
mor und Keramik rund 45 Farbwerte
aufweist. Es war wohl ein lokales Ate-
lier, das diesen Mosaikboden im letz-
ten Viertel des 2. Jhs. n. Chr. verlegt
hatte. Diese Zeitstellung belegen nicht
nur Stil und Formensprache, sondern
auch die Datierung des Fundmateri-
als in den Schichten unmittelbar unter
dem Bodenbelag.
Trotz fehlender spektakulärer Ob-
jekte wie Rüstungsbestandteile oder
Gladiatorenwaffen wird bei genauerer
Betrachtung durch die Vielzahl an ande-

22
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ANTIKE WELT 5/19
Anzeige
TITELTHEMA

ren Funden deutlich, wie stark das All-


tagsleben in Augusta Raurica von der
Präsenz der Spiele durchdrungen war.

Adressen der Autoren


Barbara Pfäffli
AUGUSTA RAURICA
Giebenacherstrasse 17
cH-4302 Augst
Sven Straumann
Universität Basel
Departement Altertumswissenschaften
Fachbereich Ur- und Frühgeschichtliche und
Provinzialrömische Archäologie
Petersgraben 51
cH-4051 Basel

Bildnachweis
Abb. 1: Augusta Raurica, Modell otto Hänzi, Foto Susanne
Schenker; 2. 5–7: Augusta Raurica, Foto Susanne Schen-
ker; 3: Augusta Raurica, Rekonstruktionszeichnung
Thomas Hufschmid; 4: Augusta Raurica, Rekonstrukti-
onszeichnung Eva ch. Weber und Thomas Hufschmid;
8: Augusta Raurica, Foto Ursi Schild; 9: Augusta Raurica,
Foto Heinz Grauwiler.

Literatur
l. BERGER, Führer durch Augusta Raurica (20127)
190–195.
l. BERGER / M. JooS, Das Augster Gladiatorenmosaik,
in: Römerhaus u. Mus. Augst. Jahresber. 1969/70 (1971)
3–106. Ein Erlebnisort für alle!
Y. DUBoiS, Jeux d’arène à Augusta Raurica; in: J. Boislève,
A. Dardenay / F. Monier, Peintures murales et stucs
d’époque romaine. Une archéologie du décor, Actes du
27e colloque de l’AFPMA, Toulouse, 21 et 22 novembre • Spektakel im Theater
2014, Ausonius Pictor, collection de l’AFPMA 5, Bordeaux
(2015).
• Dreissig beeindruckende Monumente
Y. DUBoiS / c. VAUcHER, Die Wandmalereien in der insula
8: Eine Neuuntersuchung der Funde von 1919 (in Vorb.).
• Der grösste Silberschatz der Spätantike
N. FRÉSARD / M. FUcHS, l’enduit peint des amphithéâtres
d’Augusta Raurica. le revêtement des murs de podium.
in: Amphitheatrum in Provincia et italia: Architektur und
• Das authentisch nachgebaute Römerhaus
Nutzung römischer Amphitheater von Augusta Raurica bis
Puteoli, Forsch. Augst 43 (2009), 539–568. • Spannende Workshops für alle
TH. HUFScHMiD (mit Beitr. v. Ph. Rentze l / N. Frésard /
M. Fuchs), Amphitheatrum in Provincia et italia.
Architektur und Nutzung römischer Amphitheater von
• Das grösste Römerfest der Schweiz
Augusta Raurica bis Puteoli. Forsch. Augst 43 (2009).
DERS., Theaterbauten als Teil monumentaler Heiligtümer
in den nordwestlichen Provinzen des imperium Roma- Augusta Raurica: Die Römerstadt bei Basel
num: Architektur – organisation – Nutzung. internatio-
nales Kolloquium in Augusta Raurica, 18.–21. September
2013, Auditorium Römerstiftung Dr. René clavel, Augst-
Kastelen. Forsch. Augst 50 (2016).
M. MRÁZ, Bärenhatzen und Hundeplagen – Tierknochen
aus dem Sodbrunnen MR 12 in der Region 17c der
Unterstadt von Augusta Raurica, in: Jahresber. Augst u.
Kaiseraugst 39 (2018) 143–182.
PH. RENTZEl, Der Arenaboden des Amphitheaters von
Augst-Neun Türme: geoarchäologische Untersuchungen,
in: Amphitheatrum in Provincia et italia: Architektur und
Nutzung römischer Amphitheater von Augusta Raurica
bis Puteoli, 43. (2009) 569–578.
l. RoDUiT, les graffiti figuratifs sur peinture murale en
Suisse, in: M. Fuchs / R. Sylvestre / c. Schmidt-Heiden-
reich, inscriptions mineurs: Nouveautés et réflexions.
Actes du colloque Ductus (2008).
D. ScHMiD, Die römischen Mosaiken aus Augst und
Kaiseraugst, in: Forsch. Augst 17 (1993) 90–103.

23
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CH–4302 Augst
ANTIKE WELT 5/19 +41 (0)61 552 22 22 www.augusta-raurica.ch
RÄTSEL AUS DER RÖMERZEIT
Die Untersuchungsergebnisse eines ungewöhnlichen Friedhofs in York

Entlang der antiken Straße, die sich der römischen Stadt Eboracum (dem heutigen York)
von Süden her näherte, legten Archäologen ein Gräberfeld frei – die dort beigesetzten
Individuen wiesen allerdings ganz ungewöhnliche Bestattungpraktiken auf: abgehackte Köpfe,
seltsame Körperpositionen, beigegebene Pferdeknochen. Hinzu kommt, dass viele der
Skelette Anzeichen von Gewalteinwirkung und starker körperlicher Belastung aufweisen.
Wer waren diese Personen aus den unterschiedlichsten Teilen der römischen Welt?
Ein spannendes Rätsel, das die Forscher des York Archaeological Trust zu lösen versuchen.

von Christine McDonnell, Die Stadt war von entscheidender den sowohl die Festung als auch die am
Rebecca Sampson und Giulia Gallio Bedeutung für die Verwaltung dieses gegenüberliegenden Ufer des Flusses
nordwestlichen Ausläufers des Rei­ gelegene zivile Stadt in beträchtlichem

Y ork im Norden Englands wurde


von der römischen Legio IX His­
pania gegründet, als sie hier in der
ches. Sie kontrollierte wichtige Ver­
kehrsrouten zu Lande und zu Wasser,
über die der Handel mit anderen Tei­
Maße wiederaufgebaut und erweitert.
Severus brachte seine in Syrien gebo­
rene Gattin Julia Domna mit, seine
zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. eine len Britanniens und dem Kontinent Erben Antonius (Caracalla) und Geta,
Festung errichtete. Heute zählt diese abgewickelt wurde. Eboracum war der die kaiserliche Garde und das große
wunderschöne Domstadt 6,9 Mio. Be­ wichtigste Militärstützpunkt während Gefolge, das ein Kaiser brauchte,
sucher pro Jahr, die aus allen Teilen der römischen Besatzung und die wich­ um sein Reich zu regieren. Severus
der Welt hierherkommen. Auch die rö­ tigste zivile Siedlung im Norden Bri­ wurde im heutigen Libyen geboren,
mische Stadt Eboracum, aus der York tanniens. und nordafrikanische Töpferwaren,
hervorging, war eine geschäftige Met­ Ab dem frühen 3. Jh. n. Chr. war es die man in York ausgegraben hat, las­
ropole, die Menschen aus dem ganzen Provinzhauptstadt und hatte den privi­ sen möglicherweise auf die Präsenz
Römischen Reich anzog – Kaufleute, legierten Status einer colonia inne. Im militärischer Abteilungen aus eben
Beamte, Handwerker, Soldaten und Vorfeld der Ankunft von Kaiser Septi­ jenem Teil der römischen Welt schlie­
sogar Kaiser. mius Severus im Jahr 208 n. Chr. wur­ ßen.

Abb. 1 a.b Der Mutangular Tower ist der am besten erhaltene überirdische Teil der antiken römischen Stadtmauern von York.

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TITELTHEMA

Abb. 2 Ausgrabungen in der Nähe der antiken römischen Straße südlich der Stadt deckten einen Friedhof auf.

Abb. 3 Die Schädel der beiden Personen aus dieser Doppelbestattung (Bild unten) waren vertauscht worden.

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ANTIKE WELT 5/19
RäTSEl AuS DER RöMERzEIT – Die untersuchungsergebnisse eines ungewöhnlichen Friedhofs in York

die Überreste von mindestens 83 Bei­ tion, und manche Gräber enthielten
Der York Archaeological Trust ist eine ge- setzungen, davon 82 Männer und eine Pferdeknochen. Eine Analyse der Isoto­
meinnützige Bildungsorganisation, deren Frau (Abb. 1 a.b). Die Bestatteten waren pen und der antiken DNA zeigt, dass ei­
Motto lautet: Build better lives through
heritage. Sie dankt allen Archäologen, kräftig gebaut und überdurchschnittlich nige der hier bestatteten Individuen aus
Osteologen, Wissenschaftlern, ärzten und groß, auch wenn viele erkennen ließen, ganz verschiedenen Teilen der römi­
anderen Experten, die mithelfen, das le- dass sie in der Kindheit unter Mangel­ schen Welt stammten. Ein Mann hatte
ben und den Tod dieser äußerst rätselhaften
Gruppe von Individuen aufzuklären. ernährung oder Infektionskrankheiten Bissspuren am Becken, wahrschein­
gelitten hatten. Die meisten waren lich von einer großen Raubkatze. Ein
relativ jung, keiner älter als 45 Jahre. anderer Mann wurde in Fußeisen be­
Viele Skelette zeigten Anzeichen von graben. Fünf Doppelbestattungen hat
Man vermutet, dass Eboracum bis zu Gewalteinwirkung, wie verheilte Kno­ man gefunden.
15 000 Einwohner zählte. Die Bedeu­ chenbrüche und Spuren von Schlägen In einem dieser Doppelgräber vom
tung der Stadt spiegelte sich in ihrer Ar­ ins Gesicht und auf den Schädel. An­ Ende des 3. oder Anfang des 4. Jhs.
chitektur wider – einer beeindrucken­ zeichen für körperliche Belastung und n. Chr. lagen zwei Männer, von denen
den steinernen Festung, prächtigen Stürze sowie Sprunggelenkverletzun­ einer zum Zeitpunkt des Todes 18 bis
Häusern, Palästen, Verwaltungsgebäu­ gen waren ebenfalls weit verbreitet. 25, der andere 36 bis 45 Jahre alt war
den, Thermenkomplexen, Tempeln und Bemerkenswerterweise wiesen 41 der (Abb. 2). Die Isotopenanalyse ihrer
(noch unentdeckten) Arenen für Spiele. Toten Schnittwunden an der Wirbel­ Zähne zeigt, dass sie aus unterschied­
Es gibt Hinweise auf eine ganze Reihe säule auf, und mindestens 39 wurden lichen Regionen des Römischen Rei­
religiöser Kulte, u. a. den des persischen von hinten geköpft, wie bei einer Hin­ ches stammten. Der ältere Mann kam
Gottes Mithras, den des Serapis (der richtung. ursprünglich aus Nordwesteuropa,
mit dem ägyptischen Isiskult in Verbin­ Es gab aber auch eine Reihe leerer der jüngere war in Südeuropa aufge­
dung steht), den Herkuleskult und den Gräber, deren Sinn sich nicht sofort wachsen, möglicherweise in Südita­
Kaiserkult. Wie in Rom und anderen rö­ erschließt. Vielleicht waren die Toten lien, auf Sardinien, Korsika oder am
mischen Großstädten auf dem europä­ umgebettet worden, vielleicht han­ Roten Meer. Beide lagen auf dem Rü­
ischen Kontinent waren die wichtigs­ delte es sich aber auch um Kenotaphe, cken. Der ältere Mann wurde zuerst
ten Straßen, die zur Stadt führten, von die nur den Geist eines Toten, nicht begraben, dann der jüngere in entge­
Friedhöfen, Mausoleen und Grabmä­ aber seinen Körper enthielten. gengesetzter Richtung auf ihn gelegt.
lern gesäumt. Die Bestattungen waren anschei­ Beide waren enthauptet worden und
nend mit großer Sorgfalt durchgeführt während der Analyse stellte sich her­
Bizarre Bestattungspraktiken worden, aber die Art und Weise der aus, dass man ihre Schädel vertauscht
2004/2005 entdeckten Archäologen Beisetzung wies einige seltsame Merk­ hatte – der Schädel des jüngeren Man­
des York Archaeological Trust auf ei­ male auf. Einige Personen wurden zu­ nes lag dort, wo der Kopf des älte­
ner Anhöhe in der Nähe der Straße, die sammen in ein Grab gelegt, mit den ren Mannes hätte liegen müssen, der
sich von Süden aus der Stadt näherte, Köpfen in ganz ungewöhnlicher Posi­ Schädel des älteren Mannes befand
sich zu Füßen des jüngeren Mannes.
Absichtlich im Grab platzierte Pfer­
deknochen sind bei Bestattungen im
römischen Britannien nur selten zu fin­
den. Ein Grab gehörte einem Mann, der
im Alter von 18 bis 25 Jahren starb. Die
Ursache seines Todes ist unbekannt, er
hatte keine nachweisbaren Verletzun­
gen und ist nicht enthauptet worden.
Eine Sauerstoff­Isotopenanalyse seiner
Zähne hat ergeben, dass er seine Kind­
heit außerhalb Britanniens verbrachte,
in kühlem Klima oder in großer Höhe.
Abb. 4 Die «isotopische Signatur» des Mannes
Es wurde ein Mann gefunden, der
Eisenringe mit einem Gewicht
ist so ungewöhnlich, dass es bis jetzt
von jeweils 2 kg am Bein trug. nicht gelang, seine Heimat genauer zu

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ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

identifizieren. Infrage kommen einige Ein Mann scheint aus dem Nahen
Gebiete in Mittel­ oder Osteuropa, aber Osten zu stammen. Kombinierte Er­
auch Gebirgsregionen anderswo auf kenntnisse der isotopischen und der
dem europäischen Festland. Bisher hat DNA­Analyse weisen darauf hin, dass
man nur eine einzige Person mit einer er seine Kindheit in einer trockenen
ähnlichen Signatur identifiziert: eine Umgebung verbrachte und unter geo­
Frau, die im 9. Jh. in einer Kirche im logischen Bedingungen, wie man sie
nordschweizerischen Elsau beigesetzt in weiten Teilen Nordafrikas und des
wurde, aber nicht aus Elsau stammte, östlichen Mittelmeerraums vorfindet.
Abb. 5 Bissspuren am Becken zeigen keine An­
sondern vermutlich aus einer höher In genetischer Hinsicht ähnelt er stark zeichen von Heilung.
gelegenen (ca. 1500 m ü. M.), von Kalk­ den heutigen Palästinensern und Jor­
steinfelsen geprägten Region, z. B. aus daniern. Eine Analyse seiner Zähne
dem nahegelegenen Schweizer Alpen­ ergab, dass sich seine Ernährung von
vorland. Eventuell kommt das in York der Kindheit zum Erwachsenenalter Frau unter den Toten? Hierzu gibt es
gefundene römische Individuum aus auf eine Weise veränderte, die dar­ eine ganze Reihe an Theorien.
derselben Region. auf schließen lässt, dass er als Heran­ Eine Vermutung lautet, dass es sich
wachsender seine Heimat verließ und um die Opfer einer Massenhinrich­
Weitere Rätsel nach York kam (oder an einen Ort mit tung handelt, die entweder nach ei­
Eine der ungewöhnlichsten Bestattun­ einem ähnlichen Nahrungsprofil). nem Aufstand oder auf Anordnung
gen ist die eines Mannes, der an bei­ Der Mann mit Bissspuren einer von Kaiser Caracalla nach dem Tod
den Knöcheln einen schweren Eisen­ Großkatze an beiden Hüftseiten wurde des Septimius Severus in York im Jahr
ring mit einem Gewicht von je 2 kg trug zusammen mit zwei weiteren Perso­ 211 n. Chr. getötet wurden. Doch das
(Abb. 3). Er war enthauptet und sein nen begraben (Abb. 4). Die Bisse wei­ Alter und der ungewöhnlich kräftige
Kopf zu seinen Füßen platziert worden. sen keine Anzeichen von Heilung auf, Körperbau der Männer legen nahe,
Die Ringe scheinen aber keine Fußfes­ was darauf hindeutet, dass er starb, dass dies unwahrscheinlich ist. Schon
seln gewesen zu sein, da sie nicht ge­ kurz nachdem er gebissen wurde. Der die Tatsache, dass der Friedhof offen­
öffnet werden konnten und nicht mit­ Fund ist noch nicht komplett ausge­ bar über drei Jahrhunderte hinweg in
einander verbunden waren, z. B. durch wertet, aber die Form der Zahnspu­ Gebrauch war, schließt einen Aufstand
eine Kette. Bisher wurden nur zwei wei­ ren lässt vermuten, dass er von einem aus.
tere Exemplare solcher Ringe ausgegra­ Tiger oder Löwen angegriffen wurde. Könnte es sich um Soldaten han­
ben; eines stammt aus dem römischen Der Mann war 26 bis 35 Jahre alt, als deln, die im Kampf getötet oder für
London, das andere aus einem etruski­ er starb; er war in einem wärmeren Verbrechen hingerichtet wurden? Das
sches Dorf in der Toskana. Verletzungen Klima aufgewachsen und später nach demographische Profil und die Her­
des Weichgewebes deuten darauf hin, Britannien ausgewandert. Auch er ist kunft der Toten, die ursprünglich aus
dass der Mann die Ringe lange Zeit trug, enthauptet worden. ganz unterschiedlichen Regionen des
möglicherweise als Bestrafung oder als Die einzige Frau auf dem Friedhof Imperiums stammten, würden zu die­
Symbol seiner Versklavung. Wie man wurde mit dem Gesicht nach unten be­ ser Annahme passen, zumal Legionäre
dem Mann diese Ringe angebracht hat, graben, der Arm angewinkelt, die Hand mit dem Schwert exekutiert wurden.
ohne ihn dabei zu töten oder seine Füße ruhte auf dem Hinterkopf. Auf die Tote Doch passt die Lage auf der anderen
zu amputieren, wird von Archäologen, hatte man Pferdeknochen gelegt. Sie Seite des Flusses und in recht weiter
Ärzten und Schmieden immer noch dis­ war zwischen 26 und 35 Jahren alt, als Entfernung von der Festung zu einem
kutiert. Eine Möglichkeit wäre, dass sie sie starb. Abgesehen von ein paar ver­ Soldatenfriedhof?
ihm über die Füße gestreift worden heilten Frakturen, die wohl noch aus Waren die Toten Verbrecher? Das
waren, als der Mann noch ein Kind ihrer Kindheit stammten, waren am ist eher unwahrscheinlich – gewöhn­
war, und dann abgepolstert wurden, Skelett der Frau keine Verletzungen zu liche Kriminelle hätte man kaum an
während der Junge heranwuchs. Ein finden. so prominenter Stelle beigesetzt. Al­
anderer Vorschlag ist, dass die Ringe lerdings gewährte Kaiser Caracalla al­
dem Toten um die Knöchel geschmie­ Wer waren die Bestatteten? len freien Bewohnern des Reiches die
det wurden, um Fußfesseln zu er­ Wer waren diese Leute? Was haben römische Staatsbürgerschaft und da­
setzen, die er zu Lebzeiten getragen diese bizarren Bestattungspraktiken mit das Recht, mit dem Schwert hin­
hatte. zu bedeuten? Warum war nur eine gerichtet zu werden.

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ANTIKE WELT 5/19
RäTSEl AuS DER RöMERzEIT – Die untersuchungsergebnisse eines ungewöhnlichen Friedhofs in York

körperlichen Entwicklung auf. Dass


man sich bei ihrer Bestattung offen­
sichtlich nur wenig Mühe gab, könnte
darauf hindeuten, dass sie eine von
der Gesellschaft Ausgestoßene war, die
nicht zusammen mit den anderen Ein­
wohnerinnen von Eboracum begraben
werden durfte. Möglich ist aber auch,
dass ihr Grab zu einem viel größeren
Friedhof mit einem eigenen Bereich für
Frauen gehört.
Abb. 6
Marmor­
relief zum
Gedenken
an die Frei­
lassung der
beiden Gla­ Adresse der Autoren
diatorinnen Christine McDonnell, Rebecca Sampson und Giulia Gallio
York Archaeological Trust
Amazon 47 Aldwark
und Achil­ York
lia. England
YO1 7BX

Übersetzung
Dr. Cornelius Hartz, Hamburg
Waren diese Leute vielleicht alle­ perteile schließen lassen, und letzt­
samt Angehörige einer der vielen Ri­ endlich der Tod durch Enthauptung. Bildnachweis
Abb. 1 a: akg-images / De Agostini / S. Vannini; 1 b: Heri-
tualsekten, die in Eboracum präsent Skelette, die in der Nähe von Ephesos tage-Images / CM Dixon / akg-images; 2–5: York
waren? Einer Sekte, bei der eine Ent­ (der Hauptstadt der römischen Pro­ Archaeological Trust; 6: lanmas / Alamy Stock Photo.

hauptung unmittelbar nach dem Tod vinz Asia) ausgegraben wurden und
Literatur
Teil des Bestattungsritus war? Oder höchstwahrscheinlich ebenfalls von
P. ADDYMAN / P. OTTAWAY, York: British Historic
Mitglieder eines soldatischen Bestat­ Gladiatoren stammen, weisen ein ganz The Historic Towns Atlas and York Archaeological Trust
for Excavation and Research (2015).
tungsvereins, bei dem dieser Brauch ähnliches Profil auf. Die großen Bisse
A. CAFFEll / M. HOlST, Osteological Analysis, 3 and
gepflegt wurde? Zumindest weisen die eines Raubtiers an den Hüften von ei­ 6 Driffield Terrace, York, North Yorkshire, York Osteo-
archaeology (2012).
Häufigkeit und die Art und Weise der nem der Toten deutet darauf hin, dass
C. HARWARD / N. POWERS / S. WATSON, The upper
Enthauptung deutliche Unterschiede dieser in der Arena gegen wilde Tiere Walbrook Valley Cemetery of Roman london: Excava-
zu enthaupteten Skeletten in anderen gekämpft hatte. Gladiatorenspiele zu tions at Finsbury Circus, City of london, 1987−2007,
MOlA Monograph 69 (2015).
Teilen des römischen Britanniens auf. veranstalten war teuer, und sie fan­ K. HuNTER-MANN, Driffield Terrace: An Insight Report.
Eine Reihe von Faktoren stützt aber den wahrscheinlich nicht allzu regel­ York Archaeological Trust for Excavation and Research
(2015), online verfügbar unter: https://www.yorkarcha-
eine ganz andere Theorie: Demnach mäßig statt. Vielleicht erklärt dies die eology.co.uk/new-blog/gladiators.
handelte es sich bei den Bestatteten Nutzungsdauer des Friedhofs und die A. JAY u. a., Isotope Analysis Report: Driffield Terrace,
Coppergate, St Benet’s, St Stephen’s/Dixon lane (York)
um professionelle Gladiatoren, die Tatsache, dass hier nur relativ wenige (2018). unveröffentlichter Isotopen-Bericht.
nach dem Kampf in der Arena getö­ Menschen bestattet wurden, und das R. MARTIANO u. a. (Hrsg.), Genomic signals of migra-
tion and continuity in Britain before the Anglo-Saxons,
tet worden waren. Alle Indizien pas­ immer mit einem gewissen zeitlichen in: Nature Communications 7 (2016), DOI: https://doi.
sen – von der Auswahl der Kandidaten Abstand. org/10.1038/ncomms10326.

im jugendlichen Alter über Intensi­ Und was ist mit der Frau? Ein Mar­ J. MONTGOMERY u. a., «Gleaming, white and deadly»:
using lead to track human exposure and geographic
tät und Art der körperlichen Aktivi­ morrelief aus der Türkei, das sich heute origins in the Roman period in Britain. in: Journal of Ro-
man Archaeology, Suppl. 78 (2010) 199−226.
täten, die dem Training der Gladiato­ im British Museum befindet, zeigt zwei
G. MÜlDNER / C. CHENERY / H. ECKARDT, The «Headless
ren entsprechen, bis hin zu Größe und Gladiatorinnen. Die Tote könnte also Romans»: Multi-isotope investigations of an unusual
burial ground from Roman Britain, in: Journal of Archae-
Körperbau der Toten, den vorsätzlich durchaus eine weibliche Vertreterin ih­ ological Science 38 (2011) 280−290.
beigebrachten Verletzungen an Kopf, res Berufsstands gewesen sein. Aller­ T. TÜTKEN / E. lANGENEGGER / W. WIlD, Einheimisch
Gesicht und Körper, den Verletzungen dings weist ihr Skelett anders als die oder fremd? Isotopenanalyse eines Frauenskelettes des
9. Jahrhunderts n. Chr. aus Elsau, Kanton zürich, Schweiz,
an Armen, Handgelenken und Knö­ der Männer keine Anzeichen von Ver­ in: Anthropologischer Anzeiger 66/1 (2008) 19−50.

cheln, die auf ein Verdrehen jener Kör­ letzungen oder einer ungewöhnlichen

28
ü
ANTIKE WELT 5/19
WO BÄREN AUFZUG FAHREN
Der Transport wilder Tiere in den römischen Amphitheatern

Bis heute sind die Überreste von beinahe 300 römischen Amphitheatern bekannt: Bau-
werke, die sich in ihrer architektonischen Grundform zwar sehr ähnlich sehen, in
ihren funktionalen Einrichtungen für die Gladiatoren- und Tierkämpfe zum Teil aber
erheblich unterscheiden. Die Nutzungsdispositive dieser Bauten zeigen, dass es viele
verschiedene Möglichkeiten und technische Einrichtungen gab, wilde Tiere für die Ver-
anstaltungen von außerhalb in die Arena zu bringen.

von Thomas Hufschmid lassene Boxen wurden vor dem Be- naseitige Pforte die Käfigbox verlas-
ginn der Spiele Raubtiere wie Löwen sen. Auf der Steinplatte der Box war

U m große Tiere wie beispiels-


weise Stiere oder Wildesel auf den
Kampfplatz im Zentrum des Bauwerks
oder Leoparden eingesperrt. Die Kä-
figboxen waren oben mit einer Stein-
platte abgedeckt und wurden in ihrem
ein Sklave postiert, der über einen
Sehschlitz das Geschehen in der Arena
verfolgte und im gewünschten Au-
zu treiben, wurden spezielle Gänge rückwärtigen Teil mit zwei vertikalen genblick die vertikal verlaufende höl-
angelegt, die von der Umfassungs- Holzpfosten zum Arenaumgang hin zerne Schiebetür des Käfigs von Hand
mauer des Amphitheaters rampenar- verschlossen. Das eingesperrte Tier hochzog, um das aufgestachelte, wilde
tig zur Arena hinab führten. Ein Dispo- konnte somit nur noch über die are- Tier auf den Kampfplatz zu entlassen.
sitiv, wie es auch in den neuzeitlichen
Stierkampfarenen gang und gäbe ist.
In einigen Fällen waren diese Gänge
Abb. 1 Gangsystem zum Hineintreiben von Stieren und Wildeseln (links vom Haupteingang)
so ausgestattet, dass die Tiere in ab- und Käfigbox zum Entlassen von Bären, Wölfen etc. (rechts vom Haupteingang); Amphitheater von
getrennten Boxen hintereinander auf- Cividate Camuno (Italien).
gereiht auf ihren Auftritt in der Arena
warteten, um dann im gewünschten
Augenblick durch Pforten in der Podi-
umsmauer in den Kampf getrieben zu
werden (Abb. 1). Deutliche Spuren sol-
cher Abtrennungen haben sich in den
Amphitheatern von Cividate Camuno
und Carnuntum erhalten.
Bekannt ist auch die Einrichtung
von direkt hinter der Podiumsmauer
errichteten Käfigen (carceres), von
wo aus Raubkatzen oder Bären über
schmale, mit Schiebetüren ausgestat-
tete Pforten in die Arena entlassen
werden konnten (Abb. 2). Beispiel-
haft hierfür sind die Schiebepforten
aus dem Amphitheater von Maktar
in Tunesien, welche Hinweise auf die
funktionalen Abläufe liefern. In kleine,
nur gerade ca. 1,20 x 0,55 m mes-
sende, in die Podiumsmauer einge-

29
ü
ANTIKE WELT 5/19
Wo BärEN AufzuG fAHrEN – Der Transport wilder Tiere in den römischen Amphitheatern

Direkter Transport aus dem das Kolosseum in Rom und die bei-
untergrund den großen kaiserzeitlichen Arenen
Die bekannteste und technisch auf- von Capua und Pozzuoli in Kampa-
wändigste Art, in großen Amphithea- nien. Diese drei Bauten sind sowohl
tern beachtliche Mengen von wilden ihre Größe als auch ihre Ausstattung
Tieren rasch in die Arena zu transpor- betreffend Arenen der Superlative,
tieren, bestand allerdings aus veritab- die mit zahlreichen Installationen für
len Liftsystemen, mit denen die in Kä- das Erscheinen und Verschwindenlas-
figen platzierten Raubtiere über enge sen von Bühnendekorationen, raffi-
Öffnungen im Boden aus dem Unter- nierten unterirdischen Gangsystemen
geschoss der Bauwerke direkt ins und einer fast unglaublichen Anzahl
Zentrum des Geschehens gehievt wur- von Liftschächten ausgestattet waren.
den. Solche Einrichtungen waren aber Beim großen Amphitheater von Ca-
sehr kostspielig und daher entspre- pua, das vermutlich den Endpunkt der
chend selten. Heute sind ca. 30 Bauten technischen Entwicklung dieser Lift-
bekannt, die mit solchen Aufzugsyste- und Bühnensysteme markiert, be-
men ausgestattet waren. Von diesen standen rund 30 % der Arenaober-
Abb. 2 Die Arenapforte («porta postica») be-
gleitende Käfigbox für Raubkatzen. Auf der wiederum waren nur gerade mal vier fläche aus Schachtöffnungen (Abb. 3).
Steinabdeckung des Käfigs saß ein Sklave, der vollständig unterkellert und mit Dut- Nebst drei riesigen, bis zu 50 m lan-
die vertikal gleitende Schiebetür bediente;
Amphitheater von Maktar (Tunesien).
zenden von Aufzügen versehen, wäh- gen Bühnengräben zur Inszenierung
rend alle übrigen mit deutlich weni- von künstlichen Landschaften im Zen-
ger, maximal 10–15 Liften bestückt trum der Arena besaß dieses Amphi-
gewesen sind. theater 102 mit Aufzügen ausgestat-
Vergleichbare Käfigboxen sind auch Es sind vor allem drei monumen- tete Schachtöffnungen. Nur geringfügig
im Amphitheater von Lepcis Magna in tale, vollständig unterkellerte Bauten weniger waren es beim Kolosseum, das
Libyen nachgewiesen und in größerer in Italien, die das Bild vom technisch in seiner letzten Ausbauphase stattli-
Ausführung, vermutlich zum Herein- versierten mit zahlreichen Liftsyste- che 88 Schächte zählte, während das
bringen von Stieren, im Amphitheater men und anderen Raffinessen ausge- flavische Amphitheater von Pozzuoli
von London zu vermuten. rüsteten Amphitheater geprägt haben: in seiner jüngeren Bauphase «ledig-

Abb. 3
Die monumentale, kai-
serzeitliche Arena
von Capua (Italien) ist
das zweitgrößte Amphi-
theater der römischen
Welt. Das vollständig
unterkellerte Unterge-
schoss beherbergte
102 Aufzüge und tech-
nische Installationen,
um ganze Landschaften
aus den drei Bühnen-
gräben aufsteigen zu
lassen.

30
ü
ANTIKE WELT 5/19
TITELTHEMA

lich» auf 68 Liftschächte kam. Ob tat-


sächlich auch bei sämtlichen feststell-
baren Austrittsöffnungen zu allen
Zeiten Aufzüge installiert gewesen
sind und wie viele Lifte im Rahmen
einer Veranstaltung wie oft betrieben
wurden, entzieht sich allerdings unse-
rer Kenntnis.

Verschwundene technische
Installationen Abb. 4
Überlegungen zur Konstruktion und Das gut erhaltene Unterge-
Funktion dieser Aufzugsysteme wur- schoss des flavischen Am-
phitheaters von Pozzuoli
den bisher nur wenige vorgenommen. (Italien) zeichnet sich durch
Für das Kolosseum galten lange Zeit seine noch vollständig intakte
Gewölbeeindeckung aus. Die
die Untersuchungen von G. Cozzo Umfassungsmauer des Un-
aus den späten 1920er Jahren als tergeschosses weist auf zwei
wegweisend, bevor ab den 1990er Stockwerken tiefe Gewölbeni-
schen auf, die u. a. für die Un-
Jahren die vom DAI Rom im Unter- terbringung der Seilwinden
geschoss durchgeführten Bauaufnah- für die Aufzüge dienten; jeder
Nische ist in der Decke ein
men gezeigt haben, dass die Verhält- rechteckiger Aufzugschacht
nisse deutlich komplexer sind, als zugeordnet.
von Cozzo vermutet. Durch akkurate
Baudokumentation gewonnene Er-
kenntnisse ermöglichten es dem In-
genieur H.-J. Beste erstmals einen Puteoli – ein perfekt erhaltenes geschosses bestehende Umgang erheb-
fundierten und technisch durchdach- untergeschoss lich verbreitert (Abb. 4). Vermutlich
ten Rekonstruktionsvorschlag für die Deutlich besser ist die Befundlage beim bestand auch in Pozzuoli der Arenabo-
ursprünglichen, noch aus flavischer großen, vermutlich in flavischer Zeit er- den ursprünglich aus Holz und wurde
Zeit stammenden Aufzüge zu erar- richteten Amphitheater von Pozzuoli erst sekundär, möglicherweise aus
beiten. Angesichts der diversen Um- (Abb. 4). Dank der auf ausgedehnten statischen Gründen, durch die heute
bauphasen im Untergeschoss des Ko- Gewölbesubstruktionen ruhenden De- sichtbare zweistöckige Gewölbekonst-
losseums, bei denen jeweils auch die cke des Untergeschosses haben sich ruktion ersetzt.
Liftsysteme angepasst und verändert hier die aus Ziegeln und Mörtel beste-
wurden, erwies sich das Bauwerk als hende Unterkonstruktion des Arenabo- Die Lifte im Amphitheater
nicht ganz unproblematisch für die dens und die steingerahmten Austritt- von Puteoli
Erforschung der antiken Tieraufzüge. schächte für die Lifte erhalten. Zudem Mithilfe der Hinweise am Baubefund
Die Überlagerung der vielfältigen, im weist der zentrale Teil der Unterkelle- ließ sich für das Amphitheater von
Verlauf von mehreren Jahrzehnten, rung eine einheitliche Bauphase ohne Pozzuoli ein Rekonstruktionsvorschlag
ja sogar Jahrhunderten entstandenen nennenswerte Umbauten auf. Einzig für die Funktion der Tierlifte in der
und von unterschiedlichen techni- bei den doppelstöckigen Nischen an jüngeren Bauphase erarbeiten. Ein
schen Systemen stammenden Spuren der Peripherie des Untergeschosses wichtiges Element bilden hierbei die
an den Wänden behindert eine klare sind die baulichen Verhältnisse ein we- erwähnten und noch intakten Schacht-
Lesung und damit eine eindeutige In- nig komplexer, da hier eindeutig zwei rahmungen aus Stein. Deren Bearbei-
terpretation zuweilen erheblich. Er- sich chronologisch unterscheidende tung zeigt, dass die Holzabdeckung, die
schwerend kommt zudem hinzu, dass Bauphasen feststellbar sind. Im Kon- die Luken verschloss, von oben her in
sich der aus Holz gefügte Arenaboden text der jüngeren, vermutlich ins 2. Jh. die Rahmung eingesetzt war (Abb. 5).
des Kolosseums nicht erhalten hat n. Chr. datierenden Phase wurden die Zum Öffnen des Schachts musste der
und daher keinerlei gesicherte Infor- erwähnten Nischen an der Peripherie Deckel somit von unten beim Hoch-
mationen zu Aussehen und Funktion auf ihre doppelte Tiefe erweitert und fahren des Käfigs hochgeschoben wer-
der Schachtöffnungen vorliegen. so der in der zweiten Etage des Unter- den – eine Beobachtung, die mit der

31
ü
ANTIKE WELT 5/19
Wo BärEN AufzuG fAHrEN – Der Transport wilder Tiere in den römischen Amphitheatern

haben. Damit der Käfig mit dem Wild-


tier über den Sandboden hinaus in die
Abb. 5
Originale Steinrahmung eines Auf- Arena geschoben werden konnte, war
zugschachts im Amphitheater von in jedem Fall ein Umsetzen des Tier-
Pozzuoli. Der Falz und die Einarbei- käfigs in der Liftkabine auf dem im
tung für das stützende Balkengitter
zeigen deutlich, dass der schwere Untergeschoss nachgewiesenen Zwi-
Holzdeckel von oben in die Rah- schenboden notwendig. Dort wurde
mung eingesetzt war. Zum Öffnen
musste der Deckel folglich von un- der Käfig vom unteren Teil des Lifts in
ten her hochgeschoben werden. die obere Zone der Aufzugkabine ver-
schoben und half beim Hochziehen
mit, die Abdeckung aus Holz dach-
artig hochzuheben. Hinweise auf sol-
Textstelle in einem der Briefe Senecas in der Baustruktur erkennbar sind. che Zwischenböden finden sich in den
einhergeht, der für die Spiele im Am- Die erwähnten Gegengewichte hal- Untergeschossen diverser Amphithe-
phitheater erwähnt. Darin ist zu lesen, fen beim Ausgleichen der Aufzugka- ater, was vermuten lässt, dass sie ein
es gäbe «Maschinisten, die sich Ma- bine, damit beim Hochziehen des im wichtiges Element bei der Bedienung
schinen ausdenken, die sich von selbst Fahrkäfig befindlichen Tiers weniger der Aufzüge dargestellt haben.
erheben, und Bretterböden, die in die Kraftaufwand für die Betätigung der
Höhe wachsen» (Seneca, epist. 88,22). Seilwinde nötig war. Beispiele für sol-
Ausgehend von unseren Kenntnis- che Gegengewichte aus Blei und Stein
sen zur antiken Technik und den fest- sind in verschiedenen Amphitheatern Adresse des Autors
Dr. phil. Thomas Hufschmid, fSA
stellbaren Spuren am Bauwerk ist von gefunden worden. Sie waren seitlich Verantwortlicher Monumentenrestaurierung
Augusta raurica
einem Hochziehen der Käfige mittels am Aufzug angebracht und fuhren mit Giebenacherstrasse 17
Seilzügen auszugehen. Im vorliegen- der Kabine mit. Das Anheben des Tier- CH-4302 Augst

den Fall bedeutet dies, dass am Fuß käfigs erfolgte hingegen über eine von
Bildnachweis
der in einem Holzrahmen geführ- vier Mann bediente Horizontalwinde,
Abb. 1. 2. 4–6: Thomas Hufschmid, Augusta rau-
ten Aufzugkabine Seile befestigt wa- die sich im hinteren Teil der Gewölbe- rica; 3: Emma Tarrico, https://visitworldheritage.com/
en/eu/amphitheater-campano-santa-maria-capua-
ren, die über Umlenkrollen mit einer kammer, die jeweils einem Liftschacht vetere/4a0267f3-9c34-4f25-a1a6-528df2787921.
Winde und vermutlich noch zusätzli- zugeordnet war, befanden. Für die
chen Gegengewichten verbunden wa- Verankerung dieser Winde wurden in Literatur
H.-J. BESTE, Neue forschungsergebnisse zu einem
ren (Abb. 6). Als Seilführung und zum den Gewölben eingelassene Balkenlö- Aufzugssystem im untergeschoss des Kolosseums, in:
Befestigen der Umlenkrollen dienten cher wiederverwendet, die ursprüng- römische Mitteilungen 106 (1999) 249–276.

in die Gewölbe eingelassene 26 x 26 cm lich für die Führung der Seilzüge der DErS., I sotterranei del Colosseo: impianto, trasforma-
zioni e funzionamento, in: A. La regina (Hrsg.), Sangue e
messende Schächte, die heute noch älteren Aufzugkonstruktion gedient arena (2001) 277–299.
C. BourGEoIS, L’entrée des bêtes dans l’arène à Mactar
(Tunisie), in : Bull. Arch. Com. Trav. Hist. 15–16 B (1984)
17–27.
G. Cozzo, Ingegneria romana: maestranze romane,
strutture preromane, strutture romane, le costruzioni
dell’Anfiteatro flavio, del Pantheon, dell’emissario
del fucino (1927).
Abb. 6 CH. DuBoIS, Pouzzoles antique. Histoire et topographie
Rekonstruktionsvorschlag für die (1907).
Aufzüge der jüngeren Bauphase TH. HufSCHMID (Hrsg.), Amphitheatrum in Provincia
im Amphitheater von Pozzuoli. Die et Italia. Architektur und Nutzung römischer Amphithea-
partiell geschnittene Grafik zeigt ter von Augusta raurica bis Puteoli (2009).
die in vertikalen Holzschienen lau- DErS., funktionale Gesichtspunkte des Theaters und
fende Förderkabine, in welche der des Amphitheaters im architektonischen, sozialen und
Käfig mit dem Raubtier eingescho- politischen Kontext, in: M. E. fuchs, B. Dubosson (Hrsg.),
ben werden konnte. Gegengewichte Theatra et spectacula. Les grands monuments des
jeux dans l’Antiquité, in: Études de Lettres 1–2 (2011)
gleichen das Gewicht der Förder- 263−292.
kabine aus und helfen, die auf die
Seilwinde wirkende Last zu redu- A. MAIurI, Studi e ricerche sull’Anfiteatro flavio Puteo-
lano (1955).
zieren. Beim Hochfahren des Lifts
klinkt der Tierkäfig in den ca. 70 kg V. MArIoTTI (Hrsg.), Il teatro e l’anfiteatro di Cividate
schweren Holzdeckel der Abde- Camuno. Scavo, restauro e allestimento di un parco ar-
cheologico (2004).
ckung ein und hebt diesen automa-
tisch in die Höhe.

32
ü
ANTIKE WELT 5/19
MUSEUMSINSEL BERLIN

Am 12. Juli 2019 wurde in Berlin die James-Simon-Galerie


eröffnet, das neue Eingangs- und Empfangsgebäude
der Museumsinsel (Abb. 1). Ein wahrlich historischer Mo-
ment, handelt es sich hier doch um den ersten Neubau
auf der Insel seit 1930, als das Pergamonmuseum eröffnet
wurde! Wie schon bei der Eröffnung des Neuen Museums
im Herbst 2009 nahm sogar Kanzlerin Angela Merkel
am Festakt teil und richtete ein Grußwort an die geladenen
Gäste. Nach anfänglichen Verzögerungen bei der Fun-
damentierung wuchs der Bau zwischen 2014 und 2018
zügig voran. Ein Jahr später war das knapp 10 900 m2
Bruttogrundfläche umfassende Gebäude fertig eingerich-
tet und konnte eingeweiht werden. Seitdem erweist sich
der vom Architekturbüro David Chipperfield Architects
Berlin entworfene Bau als ein Publikumsmagnet ersten
Ranges: Bereits in den ersten fünf Wochen strömten rund
250 000 Besucher*innen in das Haus! Benannt wurde es
nach James Simon (1851–1932), dem größten Mäzen der
Berliner Museen. Im Folgenden veröffentlichen wir einen
Beitrag von Alexander Schwarz, Partner von David Chip-
perfield Architects Berlin, der als verantwortlicher Design Abb. 1 James-Simon-Galerie, Blick von Südwesten auf den Haupteingang mit der 
Director die Entwurfsleitung für das Projekt innehatte[i].
großen Freitreppe, der Pfeilerhalle und den an das Neue Museum anschließenden 
Kolonnaden.

AUF DER SUCHE NACH EINER ANDEREN


MODERNE
Entwerfen auf der Museumsinsel

Sehr bald gerieth ich in den Fehler der rein radicalen Abstraction, wo ich die
ganze Conception für ein bestimmtes Werk der Baukunst aus dem trivialen
Zweck allein und aus der Konstruction entwickelte, in diesem Falle entstand
etwas Trockenes, Starres, das der Freiheit ermangelte und zwei wesentliche
Elemente: das Historische und das Poetische ganz ausschloß.
Karl Friedrich Schinkel, Architektonisches Lehrbuch

kale. Um diese Mitte lagern sich die


A m Anfang der Museumsinsel steht
Karl Friedrich Schinkels Zugäng-
lichkeitsversprechen. Gegenüber dem
Säle mit ihren Sammlungen, die physi-
sche Gegenwart einer Vergangenheit.
Schinkels Museum ist ein ideales
Museum. Freilich, die keineswegs tri-
viale Erschließung im Außenraum ist
Schloss, erhoben und erhaben, erwei- Begegnen wir ihr, sehen wir unsere nicht zweckmäßig (und wurde ja auch
tert sich der öffentliche Raum über Gegenwart, die Stadt und die Welt, in durch eine ebenso triviale wie zweck-
die Freitreppe in die Säulenhalle des der wir leben, anders. mäßige Glaswand «verbessert»), das
Alten Museums, und weiter hinauf,
immer noch im Außenraum, führt die
symmetrische zweiläufige Treppe zur
Vorhalle des Obergeschosses. Von
Die Rubrik «Museumsinsel Berlin» wird in enger Kooperation mit dem Verein Freunde der
dort blickt man zurück in die Tiefe Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V. veröffentlicht.
des Stadtraums, über den Lustgarten
diagonal vorbei an der Neuauffüh- Der Verein unterstützt die Berliner Die Mitglieder des Fördervereins er-
Antikensammlung sowie das Vor- halten neben kostenfreiem Eintritt
rung des Schlosses zum Kupfergraben derasiatische  Museum  Berlin  u. a.  in alle Häuser der Staatlichen Museen
und weiter bis zur Friedrichswerder- bei Neuerwerbungen, Veranstaltun- zu Berlin auch exklusive Einblicke
gen, Restaurierungen und Ausstel- in die Tätigkeiten der Museen – u. a. 
schen Kirche. Der Stadt gegenüber
lungen. Für Ihre Unterstützung hier- durch Vorträge, Werkstattgesprä-
aber blickt man hinein und hinunter bei wären wir sehr dankbar! che und Führungen sowie Tages-
ins Rund des Pantheons, das alle hori- fahrten.
zontale und diagonale Bewegung auf- www.freunde-der-antike-berlin.de | info@freunde-der-antike-berlin.de
nimmt und umlenkt in die eine Verti-

33
ü
ANTIKE WELT 5/19
Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

macht das Museum nicht weniger im Spazieren. Spazierend erfährt man über modern zu sein. Schamvoll zu-
ideal. Als es erdacht wurde, wusste die Museumsinsel räumlich als Ort, als nächst und dann voller Lust erwuchs
es noch nichts von seiner janusköpfi- Freiraum und als Weite. Als komplexes aus dieser Erkenntnis eine neue Frei-
gen Natur. Es wähnte den Hafen, den Gebilde erscheint sie, als Bauwerk, To- heit des Entwurfs, der sich nun alles zu
Packhof, hinter sich und vor sich das pografie und Landschaft zugleich. Wie eigen machen konnte, auch das histo-
freie Spiel der solitären Baukörper, die entwirft man hier? risch Hervorgebrachte, auch das, was
nach der mittelalterlichen und der Zwanzig Jahre Entwerfen auf der schon da ist. Frühe Entwurfsentschei-
königlichen eine moderne Stadt auf- Museumsinsel ist auch eine Suche dungen wie der Südkuppelsaal zeigen
spannen, eine landschaftliche Stadt nach einer anderen Moderne, ist er- bereits die Poesie dieser Freiheit, aber
nach der französischen Revolution, kennen, wie klassische Strategien des vor allem späte Entwurfsentschei-
bürgerlich und gebildet, aufgeklärt modernen Entwerfens im historischen dungen zeigen die Lust, diese zu nut-
und romantisch. Kontext an Grenzen kommen und zen, etwa der Saal hinter der Treppe
nicht mehr genügen, um zu entwer- mit seiner Stapeldecke auf den mäch-
Das Problem der Zugänglichkeit fen, was die Komplexität des Vorge- tigen Pfeilern und der neuen Treppe
Hinter dem Museum blieb aber kein fundenen aufwirft. Das wurde zuerst mit Ausgängen zur James-Simon-Ga-
Hinten, sondern es wuchs dort die klar beim Wiederaufbau des Neuen lerie. Entscheidend scheint mir dabei
neue ideelle Mitte dieser modernen Museums, schien doch zunächst die das Zu-eigen-Machen. Das bedeutet,
Stadt. Nach königlichem Traum ver- Ruine des Baus aus dem 19. Jh. ge- der Entwurf ist für sich verständlich
dichten sich die solitären Baukörper radezu prädestiniert für jene virtu- und nicht nur im Hinblick auf etwas,
der bürgerlichen Stadt zu einem Mu- ose Alt-Neu-Rhetorik, die uns die an das er erinnert, das er aber selbst
seumsgebirge, zur Freistätte der Mu- Charta von Venedig nahelegt: Narra- nicht ist. Als das, was er ist, steht er
seumsinsel, einer Akropolis der gebil- tion und Sinnlichkeit entfalten sich neben dem, was schon ist. Er weiß um
deten Stadt. Die fünf Museen scheinen gerade dann, wenn das Neue alles das, was schon ist, und findet den-
trotz ihrer Unterschiedlichkeit vieles ausschließt, was das Historische her- noch zu sich selbst.
zu teilen. Alle sind sie mehr oder we- vorbringt, wenn die Modernität des Als ich nach der Fertigstellung des
niger ideale Museen ihrer Zeit, alle bil- Neuen in seiner radikalen Abstraktion, Neuen Museums in unserem Büro die
den sie ein neues Gegenüber der Stadt reduziert auf Konstruktion und Zweck, Entwurfsleitung für die James-Simon-
und vergessen dabei einander, verges- dem fragmentierten, als Ruine zweck- Galerie übernahm, konstatierte David
sen trotz ihres solitären Charakters im- los gewordenen historischen Souvenir Chipperfield einen Paradigmenwech-
mer mehr, je später sie hinzukommen, einer heute fremden Vergangenheit sel bezüglich der Identität des Neuen
dass hinter ihnen kein Hinten ist, son- klar und distanziert entgegentritt. Noli Eingangsgebäudes. Bis dahin war es
dern die Freistätte der Museumsinsel. me tangere. Ist das auf der Museums- als sechster Solitär auf der Museums-
Und sie teilen auch eine gewisse un- insel noch richtig? insel aufgefasst worden, der dem tri-
zweckmäßige Zugänglichkeit, insbe- vialen Zweck Raum gab, die funktio-
sondere untereinander. Eine Akropo- Ein langwieriger Entstehungs- nalen Defizite der historischen Häuser
lis ohne Mitte und ohne Zugang, ohne prozess auszugleichen. In radikaler Reduktion
Parthenon und ohne Propyläen. Aber Ich erinnere mich, wie beim Nachden- trat die Konstruktion der transluzen-
dennoch erscheint das komplexe Zu- ken, Skizzieren und Sprechen über die ten Glaskuben dem historischen Be-
sammenspiel der Baukörper im Stadt- endlosen kleineren und größeren Ent- stand als Gebilde ihrer Zeit entgegen
raum hochgradig attraktiv. Obwohl die wurfsentscheidungen, die der Wieder- und war dabei, anders als der Be-
Hauptfassaden der Häuser alle symme- aufbau aufwarf, in unserem Büro lang- stand, modern. Doch schien sich in
trisch aufgebaut sind, sucht ihr Klassi- sam die Empfindung aufstieg, dass diesem Gegenüber keine Poesie ein-
zismus nicht die Zentralperspektive, das Haus nicht zu einer stimmigen zustellen; der Entwurf wurde nicht ge-
sondern die scena per angolo, die dia- Gegenwart, nicht zu sich findet, so- liebt und in der Presse kritisiert.
gonale Ansicht in die Tiefe des Raumes lange man seine historische Substanz Zweierlei Art war der Paradigmen-
und eigentlich die Bewegung. Ein ro- als fremd, als kurios, als nicht modern, wechsel für den neuen Entwurf. Zum
mantischer Klassizismus, oder aber ein als nicht gegenwärtig betrachtet. Die einen sollte das neue Eingangsge-
moderner. Als räumliches Gebilde ge- eindringliche Beschäftigung mit dem bäude nun eine direkte und im Stadt-
neriert die Museumsinsel keine Haupt- Bestand legte offen, wie wesentlich raum sichtbare Einbindung in den
ansicht, sondern will körperlich in der er ist, und dass er viel mehr bietet Hauptrundgang des Pergamonmuse-
Bewegung wahrgenommen werden, als nur die Möglichkeit, ihm gegen- ums und den Zincirli-Saal schaffen. Es

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ANTIKE WELT 5/19
MUSEUMSINSEL BERLIN

a)

Abb. 2 a.b Skizzen von a) David Chipperfield und b) Alexander Schwarz zum zweiten Entwurf der James-Simon-Galerie, 2007.

sollte nun also kein Solitär mehr wer-


den. Zum anderen sollte sein Erschei-
nen nicht mehr Ausdruck eines trivi-
alen Zwecks sein, sondern Ausdruck
eines höheren Sinns. Schließlich for-
derte der damalige Generaldirektor
der SMB, Peter-Klaus Schuster, in ei-
nem ersten Treffen mit David Chipper-
field, SPK-Präsident Klaus-Dieter Leh-
mann, Martin Reichert und mir einen
Tempel und eine «Pathosformel». Da-
raufhin skizzierte David Chipperfield
einen Tempel der Moderne, eine Art
Neue Nationalgalerie von Mies van
der Rohe auf hohem Sockel über dem
Kupfergraben, eine Architektur des
Freiraums, die den Raum feiert und
nicht den Zweck (Abb. 2 a).
Kurz nach dieser Konversation, auf
einer langen Zugfahrt tagträumend,
fiel es mir ein, wie wir diese Freiraum-
architektur mit Architekturthemen, die
es auf der Insel bereits gibt, weiter ent-
werfen könnten. Bei einer ersten Skizze
(Abb. 2 b) schien sich in einem Augen-
blick zu fügen, was bisher nicht aufge-
hen wollte, und es hatte den Anschein,
als könne die Insel in etwa so zu Ende
gebaut werden. Der Tempel ist kein
Parthenon und kein Pantheon. Es geht
nicht darum, die horizontale und dia-
gonale Bewegung in eine zentrale Ver-
tikale zu transzendieren. Es geht um die
horizontale und diagonale Bewegung
des Körpers selbst. Ein Tempel der Zu-
gänglichkeit, der Schinkels Versprechen
vom Anfang der Museumsinsel einlöst.
Nicht Parthenon, sondern eher Propy-
läen. Die Pathosformel feiert den Zu- b)

35
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ANTIKE WELT 5/19
Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

Abb. 3
Kolonnaden 
setzen die am 
Neuen Mu-
seum endende 
Stüler’sche Ko-
lonnade fort 
und formen zwi-
schen Neuem 
Museum und 
James-Simon-
Galerie den Ko-
lonnadenhof. 
Rendering 2008.

Abb. 4
Oberirdisch 
schafft die 
James-Simon-
Galerie eine 
direkte Anbin-
dung an den 
Hauptrundgang 
im Pergamon-
museum. 
Rendering 2008.

Abb. 5
Die Archäolo-
gische Prome-
nade verbindet 
die vier  Museen 
entlang des 
Kupfer grabens. 
Rendering 2008.

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ANTIKE WELT 5/19
MUSEUMSINSEL BERLIN

Abb. 6 James-Simon-Galerie, Terrasse entlang der Kupfergrabenfront, Blick nach Norden. Abb. 7 James-Simon-Galerie, Kupfergraben-
front. Unmittelbar dahinter schließt sich der 
Südflügel des Pergamonmuseums an.

gang, den öffentlichen Raum, und er- bar, umschließen und öffnen die Ko- ragen (Abb. 7), die Freitreppen, die
weitert den Freiraum. Ein Tempel, der lonnaden den erweiterten und erhobe- Verschränkungen von Außen und In-
kein Solitär, keine Mitte ist, sondern im nen öffentlichen Raum, während sich nen, die Kolonnaden. Und dennoch
Gegenteil ein Tempelgeflecht zum Spa- die eigentlichen Nutzungen – Sonder- ist die neue Architektur frei, sich al-
zieren, zur Körperlichen Raumerfah- ausstellung, Auditorium, Garderobe, les anzueignen. Sie ist bei sich, ist
rung, zum Wandeln zwischen den Häu- Verkaufsflächen – in die gebaute Topo- selbst Freitreppe, Sockel und Kolon-
sern und Freiräumen, zwischen Außen grafie einnisten. Wie Atlanten tragen nade, nicht als Zitat einer Vergan-
und Innen. Sein Element ist die Kolon- sie Freitreppe und Hochkolonnade. Als genheit, der sie nicht angehört, son-
nade, die Reihung der Vertikalen, der Freiraumarchitektur lösen sich die uner- dern als Bauwerk der Moderne, einer
Richtung der Gravitation der Körper, ob füllten Gesten der Häuser auf der Insel Moderne, der das Historische nicht
Säule, Baum oder Mensch. und verdichten sich zu einem Eingang, fremd, sondern gegenwärtig ist. Im
der wie eine Sphinx am Wasser liegt besten Fall ist die neue Architektur
Ideelle und reale Verbindungen und neu in die Tiefe der Stadtlandschaft wie die historische: auf Dauer von
Auf drei Ebenen werden die Räume der blickt, vorbei am Alten Museum über heute und so modern.
Insel neu verbunden. Das Bauwerk er- den Kupfergraben zur Schlossbrücke und
weitert die unerfüllt endende Stüler’sche weiter zur Bauakademie.
Kolonnade von der Spreeseite auf die Ganz aus hellgrauem Beton gegos- [i] 
Wir danken dem Verlag der Buchhandlung Walther
Kanalseite zu einem neuen Kolonnaden- sen, gestapelt und gestellt ist diese König, Köln, für die freundliche Genehmigung zum
Wiederabdruck in leicht veränderter Form. Der Original-
hof (Abb. 3), während die Hochkolon- Architektur (vgl. Abb. 1). Am Eingang beitrag findet sich in David Chipperfield Architects
(Hrsg.), James-Simon-Galerie Berlin (Köln 2019), 13–21.
nade emporgehoben über dem Was- und nochmal am Ende der Halle, die
ser auf hohem Sockel und zugänglich sich zwischen die Kolonnaden legt, ist
Adresse des Autors
über eine Freitreppe ohne Achsver- sie geschmückt mit Thassos-Marmor,
Alexander Schwarz
schwenkung (worüber man sich wun- durch den Tageslicht sickert, und nur David Chipperfield Architects
Joachimstr. 11
dern mag) in das Pergamonmuseum dort mit Nussbaum bekleidet, wo sich D-10119 Berlin
mündet (Abb. 4; vgl. Abb. 7). Unten, im die Nutzungen einnisten. Ansonsten
Innern des Hauses, erschließt sich die sind Rohbau und Ausbau eins, Außen Bildnachweis
Abb. 1. 7: © Ute Zscharnt for David Chipperfield Archi-
Archäologische Promenade, welche die und Innen kaum verschieden (Abb. 6). tects; 2 a: © David Chipperfield; 2 b: © Alexander
Sockelgeschosse der vier Museen ent- Die Insel kennt diese Architektur Schwarz / David Chipperfield Architects; 3–5: © Stiftung
Preußischer Kulturbesitz / Art+Com; 6: © Luna Zscharnt
lang des Kupfergrabens verbinden wird bereits, sie kennt die Sockel, die als for David Chipperfield Architects.

(Abb. 5). Weithin im Stadtraum sicht- gebaute Topografie aus dem Wasser

37
ü
ANTIKE WELT 5/19
PREISRÄTSEL
Wie gut kennen Sie die Welt der
Antike? Hier können Sie es unter
GLADIATOREN Beweis stellen … und gewinnen!

13 12
Es sind die folgenden Be-
griffe zu erraten und so in
7 6
die Rätselfigur einzutragen,
dass der Endbuchstabe
3
eines Wortes zugleich der
14 8 5
Anfangsbuchstabe des
1
nächsten Begriffs ist. U C A N U C

2
1–2 Antikes Volk Mittel­
BEI RICHTIGER italiens, dem die
4
EINSENDUNG WINKEN Ursprünge der Gladia­
9
WERTVOLLE PREISE: torenkämpfe zuge­
10 11
schrieben werden;
1. Preis:
2–3 Schutzwaffe man­
Öllampe aus Ton in Form eines römi­
schen Gladiatorenhelms, inklusive cher Gladia toren; 10–11 Blind kämpfender Gladiator;
zweier Dochte. Länge ca. 13 cm, Breite 3–4 Mit zwei Klingen bewaffneter 11–12 Berühmte Sklavenerhebung,
ca. 10 cm, Höhe ca. 9,5 cm. Gewicht
etwa 480 g. Gladiator; die in Capua begann;
4–5 Als gepanzerter und behelmter 12–13 Waffe mancher Gladiatoren;
2.–5. Preis: Bogenschütze dargestellter 13–14 Größtes (im antiken Rom
Vier Bücherpakete aus dem Verlags­ Gladiator; erbautes) Amphitheater
programm der wbg im Wert von
je € 50,– (D). 5–6 Gladiator, der linkshändig 14 Schwerbewaffneter römi­
kämpfte; scher Gladiatorentypus.
6.–10. Preis:
6–7 Kampfplatz in der Mitte des Bei korrekter Lösung benennen die
Fünf Bücherpakete aus dem Verlags­
programm der wbg im Wert von römischen Amphitheaters; Buchstaben in den getönten Fel-
je € 25,– (D). 7–8 Erster römischer Kaiser; dern – fortlaufend von innen nach
8–9 Historische Waffe; außen gelesen – einen Gladiatoren-
9–10 Bekleidung mancher Gladiatoren; typus mit spezieller Bewaffnung:

Einsendeschluss ist der 7.10.2019


(Poststempel). Zur Einsendung Ihrer 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Antwort senden Sie bitte eine Karte an
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wort wird im nächsten Heft bekannt­ (D­86157 Augsburg)
gegeben. Mitarbeiter des Verlages Gesamtlösung: V O N A L L E M , W A S D A
6.–10. Preis: Kirsten Krumeich (D­48147 Münster);
und deren Angehörige können nicht L E B E N H A T U N D S E E L E , S I N D
Kim Marina Moritz (D­48153 Münster); Karl­Heinz
teilnehmen, ebenso ist der Rechtsweg Rogmann (D­40880 Ratingen); Renate Schicho
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(A­4020 Linz); Birgitt Mohrhagen (D­23566 Lübeck)
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GOLDENES INDONESIEN
Neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java

Im mittelalterlichen Java, der hindu-buddhistischen Periode vom 8. bis zum frühen 16. Jh.,
war Gold allgegenwärtig. Die hochfeinen Goldobjekte aus Sammlungen und archäo-
logischen Kontexten eröffnen einen Einblick in die Kunstgeschichte und weit gespannten
Handelswelten dieser Region Südostasiens, aber ihre verschiedenen Deutungshorizonte
unterstreichen auch, welche Probleme sich bei der genauen Datierung dieser Goldschätze
für die Archäologie auftun.

von Mai Lin Tjoa-Bonatz Abb. 1 Fingerring mit Liebespaar nach römisch-klassischen Vorbildern, in Zentraljava gefunden, 


Gupta Periode 4. bis 5. Jh. n. Chr., Nationaal Museum van Wereldculturen Inv. Nr. RV-1403-1837.

old war im frühen Java hochge-


G schätzt als Zahlungsmittel, Han-
delsware und Schmuck, auch wenn
die Hauptinsel im indonesischen Ar-
chipel selbst nur wenig eigene Gold-
vorkommen hatte. Die Goldressour-
cen kamen von den Nachbarinseln
wie Sulawesi, Borneo, Mindanao oder
von der malaiischen Halbinsel, mit de-
nen Java über die maritimen Seewege
ebenso wie zu weiten Teilen Asiens
enge Handelskontakte unterhielt. Im
ersten nachchristlichen Millennium
wurden Halbedelsteine oder gravierte
Steine, die aus West- oder Südasien
stammten, in Schmuck eingearbeitet.
Handelsschiffe brachten Gold- und
Silbergefäße aus China, Ohrringe aus
Sri Lanka oder Fingerringe aus Indien
nach Java. Der hier gezeigte massive
Ring mit einem Liebespaar spiegelt
ein klassisch-römisches Motiv wider,
das in Südasien während der Gupta-
Periode des 4./5. Jhs. n. Chr. verbrei-
tet war (Abb. 1). Der in Banyumas in
Zentraljava gefundene Ring zeugt von
den weitgespannten Seehandelsver-
bindungen nach Südostasien.

Archäologische Kontexte
Zahlreiche Goldfunde wurden seit der
Kolonialzeit im 19. Jh. auf Java doku-
mentiert, als das Land mehr und mehr

39
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ANTIKE WELT 5/19
GoLDEnES InDonESIEn – neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java

urbar gemacht wurde und Bauern ein- kolonialen Zeit etablierte Bestand in tersuchungen der Legierung, Gold-
zelne Goldartefakte, aber auch Hort- weltweit 14 Museen liefert die wich- schmiedetechnik  oder  Oberflächen 
funde in Keramiktöpfen oder metalle- tigste Quelle für die Goldforschung. haben erst jetzt neue Wege zur Da-
nen Behältern in der Erde ausgruben. Manche dieser Sammlungen haben tierung beschritten. Die Entzifferung
Meistens handelte es sich um Zufalls- bereits  im  frühen  20.  Jh.  Publikatio- der Schriften auf den Goldobjekten,
funde. Der spektakulärste Hortfund nen vorgelegt. Das Weltkulturen Mu- archäologische Eckdaten und kunst-
von  rund  7000  Goldobjekten  stammt  seum in Frankfurt am Main besitzt geschichtliche Stilanalysen verhelfen
aus Wonoboyo, Zentraljava, und war mit 224 Objekten aus Gold und Silber ebenso, bestimmte Motivgruppen in-
2,75 m unter einer Lavaschicht begra- die größte Sammlung Deutschlands mit nerhalb  der  langen  fast  900  Jahre 
ben. Der Schmuck, Gefäße und zahl- klassischem Java-Schmuck. Heute ver- währenden sog. klassischen Periode
lose Münzen aus Edelmetall stammten wahren weltweit 22 Museen in Europa, genauer zu datieren. Diese Zeit, die
wohl aus einer königlichen Einsiedelei Nordamerika und Südostasien javani- von hinduistischen und buddhisti-
des späten 9. oder aus der Mitte des sches  Gold.  Viele  Bestände  stammen  schen Glaubensvorstellungen geprägt
10. Jhs. Archäologen haben Gold aber  aber aus rezenten Ankäufen des spä- wurde, wird in drei Perioden mit je-
auch als Gründungsopfer in Tempeln, ten 20. Jhs. mit unsicherer Provenienz  weils anderen regionalen Schwer-
als Grabbeigaben, in Siedlungskontex- und sind daher nur bedingt als Refe- punkten untergliedert: eine frühe
ten oder gesunkenen Schiffswracks renzsammlungen tauglich. klassische  Phase  von  ca.  700  bis  929 
entdeckt, die einen gesicherten Fund- mit einem regionalen Zentrum in Zen-
zusammenhang und eine genaue Da- Der Kunstmarkt und das Problem traljava, eine mittlere von 929 bis
tierung zur Einordung liefern. der Datierung von Gold ca.  1200  mit  dem  Regierungssitz  in 
Mit der Etablierung des archäologi- Die Datierung und regionale Zuwei- Kediri in Ostjava und eine späte Phase
schen Dienstes auf Java im 19. Jh. wuchs sung von Goldobjekten ist ein Problem von ca. 1200 bis 1527 mit dem König-
der Sammlungsbereich von Goldarte- in der javanischen Kunstgeschichte. reich von Majapahit in Ostjava. Da-
fakten an. Dieser alte, noch in der Chemische und archäometrische Un- nach beginnt die islamische Periode.

Abb. 2 Raubgräber am Kalikawi-Fluss, Ostjava auf der Suche nach Gold.

40
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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

Abb. 3 Der Vogel überbringt Rama, dem Helden des Ramayana-Epos, den Ring seiner entführten Frau Sita. Es ist ein Lotusring. 
Die Hofgesellschaft trägt reichen Goldschmuck, Prambanan, Tempelrelief, Zentraljava, 9. Jh.

Abb. 4 Ähnlich geformte Goldohrringe, die in langen Ohrläppchen der Hofdamen baumelten, haben sich in Museumssamm-
lungen erhalten, Borobudur, Tempelrelief, Zentraljava, 10. Jh.

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ANTIKE WELT 5/19
GoLDEnES InDonESIEn – neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java

Nichtsdestotrotz können bestimmte gräber, sei die Ausbeute aber deutlich namen aufgrund von vermehrten Mu-
Fundorte nicht zweifelsfrei gemäß ih- zurückgegangen und zeigt eine Hand- seumsdiebstählen auf der Insel zu
res Fundplatzes datiert werden, da voll kleiner Goldartefakte aus seinem erklären  –  zwischen  2010  und  2013 
der Datierungshorizont der Fundstät- Fundus. Er fand Goldobjekte ausge- wurden 675 Goldobjekten und weitere 
ten in Ostjava nicht überall bekannt schwemmt in Flussbetten, in vor-isla- Artefakte, Ethnographica und Archäo-
und durchaus auch älter oder epo- mischen Gräbern, Siedlungen oder an logica in mehreren Museen auf Java
chenübergreifend sein kann. religiösen Stätten (Abb. 2). Scherben- gestohlen. Aber es wäre doch wün-
Seit  den  1980er  Jahren  wird  Gold- funde datieren die ehemaligen Sied- schenswert und wichtig, dass der rei-
schmuck mit ungesicherter Herkunft lungsflächen ins 10. bis 17. Jh. Von den  che Goldschatz für die Fachwelt und
auf dem internationalen Antikmarkt religiösen Stätten haben sich nur ei- das interessierte Publikum gesichtet,
angeboten. Die spektakulärsten Stü- nige Ziegelsteine erhalten. Nur die Zu- vollständig dokumentiert und für Ver-
cke stammen aus dem Kunsthandel sammenarbeit mit den Raubgräbern, gleichsstudien einsehbar ist.
oder aus Privatsammlungen, die meist die weit mehr Fundstätten kennen, als
keine dokumentierte Provenienz vor von den Denkmalämtern erfasst sind, Eigenbezeichnungen
1970  vorweisen  können.  Klassischer  ermöglicht weitere, bislang noch un- Die javanische Literatur aus der hindu-
Schmuck wird auf Bestellung nach al- bekannte Goldfundplätze zu lokalisie- buddhistischen  Periode,  die  u. a.  in 
tem  Vorbild  originalgetreu  reprodu- ren. Abschriften aus späterer Zeit erhalten
ziert. Noch heute sind Plünderer und Authentizitätsfragen erschweren ist, verhilft den sozio-kulturellen Kon-
illegale Ausgräber am Werk, die nach ebenso wie eine fehlende Fundkartie- text von Gold im frühen Java zu be-
Artefakten suchen und sie über Zwi- rung und der eingeschränkte Zugang schreiben. Anders als in der indischen
schenhändler gewinnbringend auf dem zu dem im Nationalmuseum in Jakarta Literatur, auf die die altjavanischen
Kunstmarkt verkaufen. Plünderer be- aufbewahrten  Goldbestand  die  regio- Epen  zurückgreifen,  finden  sich  doch 
richten von mehreren Kilo antiker nale und zeitliche Zuordnung von Gold- zumindest einige wenige Hinweise zur
Funde, die noch vor einigen Jahrzehn- artefakten. Diese Restriktionen, die so- Goldherstellung, der Trageweise oder
ten in der Provinz Lamongan in Ost- gar Wissenschaftlern das Studium des dem Bedeutungsgehalt von Goldacces-
java gesammelt wurden. Heute nach Golddepots im Nationalmuseum ver- soires. Die Texte beschreiben verschie-
40 Jahren, sagt ein 60-jähriger Raub- wehren,  sind  zwar  als  Vorsichtsmaß- dene Schmuckobjekte am Kopf wie
Ohrhänger, -scheiben, blumenartigen
Schmuck  an  den  Ohren,  Kopfbänder, 
manchmal Diademe und andere Orna-
mente, die ins Haar gesteckt wurden.
Dabei trägt manches Schmuckteil auf-
grund von farbig eingelegten Steinen
oder seiner Ähnlich keit zu bestimmten 
Pflanzenarten spezifische Bezeichnun-
gen. Anderes textlich erwähntes Zier-
werk, das den Oberkörper, die Arme
oder Beine schmückte, war auch aus
Gold hergestellt, wie Oberarmspangen,
Armbänder, -reifen, Brustschmuck, Kor-
deln.
Die javanischen Schriftquellen un-
terscheiden drei verschiedene Gold-
ringe. Darunter sind Ringe, die be-
deutungsvolle Motive nach indischem
Stil tragen und als Zahlungsmittel in
Abb. 5 Steuer- und Eigentumstransaktionen
Fächerförmiger
Goldohrring, Java, im  späten  9.  und  10.  Jh.  dienten.  Auf-
7. bis 16. Jh.,  grund ihrer Legierung und Motive
Weltkulturen Mu-
seum Frankfurt/
konnte die Autorin nun diesen Ringty-
Main Inv. Nr. 19670. pus mit entsprechend erhaltenen Gold-

42
ANTIKE WELT 5/19 ü
THEMENPANORAMA

Abb. 6 a Der Prinz trägt reiche Kopfzier, Halsketten, einen 
Ohrhänger und eine -scheibe, Borobudur, Tempelrelief, Zent-
raljava, 10. Jh.

Abb. 6 c Die Göttin trägt reichen Schmuck am ganzen Körper, Tempel Jago, Ostjava, 
13. Jh., Nationalmuseum Jakarta.

Abb. 6 b Der Tempelwächter trägt große Ohrscheiben, Kedu,  Abb. 6 d Detail der Göttin, Tempel Jago, Ostjava, 13. Jh., Nationalmuseum 
Zentraljava, 8. bis 9. Jh., Nationalmuseum Jakarta. Jakarta.

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ANTIKE WELT 5/19
GoLDEnES InDonESIEn – neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java

Abb. 7 Ohrscheibe mit zentraler Steinfassung und unheilabwehrenden Figuren, Ostjava 11. bis 13. Jh., Victoria and Albert Museum 
Inv. Nr. 1375-1400.

44
ü
ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

ringen aus der Frankfurter Sammlung


genauer bestimmen.

Bildvergleiche: wie wurde der


Goldschmuck getragen?
Motiv- und Stilvergleiche mit den
Schmuckelementen, die die skulptu-
ralen Hinterlassenschaften der hindu-
buddhistischen Periode zeigen, lassen
weitere Rückschlüsse auf die Trage-
weise und den Trägerkreis von Gold-
schmuck zu. Die Reliefszenen auf dem
hinduistischen Prambanan-Tempel des
9. Jhs. und dem weltweit größten bud-
dhistischen Heiligtum auf Zentraljava,
dem Borobudur des 10. Jhs., beschrei-
ben detailreich das höfische Alltagsle-
ben. In einer Schlüsselszene des Ra-
mayana  überbringt  der  Vogel  Jatayu 
Abb. 8 Intaglio-Goldring mit heiligem Rind, Gemme vermutlich aus Südasien, gefunden in Palem-
dem Helden des Epos Rama einen bang auf Sumatra, 7. bis 11. Jh., Privatsammlung.
Ring seiner entführten Gattin Sita, be-
vor  der  mythische  Vogel  dramatisch 
seinen  Tod  findet.  Der  unbekannte 
Künstler hat diese höfische Szene auf  tenen Goldohrring-Paare sind daher gern, vom jugendlichen Manjusri, ei-
dem Prambanan ausgeschmückt: Die immer eine Besonderheit. ner buddhistischen Gottheit, sondern
Hofgesellschaft, selbst die Krieger Die in der Literatur beschriebenen auch von schönen und verführeri-
am rechten Bildrand, tragen am gan- Ohrscheiben wurden nicht nur von schen Frauen oder Göttinnen getra-
zen Körper reichen Schmuck (Abb. 3).  bewaffneten Tempelwächtern, Krie- gen (Abb. 6 a−c). Sie waren das ideale 
Im Schnabel trägt der Vogel einen Lo-
tusring mit Steinfassung und gekerb-
ter Ringschiene. Ähnlich große Lotus-
ringe mit doppeltem Blattkranz um Abb. 9 Gussring aus Gold mit heiligem Rind, Zentraljava, 7. bis 10. Jh., Museum Semarang. 
den Ringkopf haben sich in Museums-
sammlungen erhalten. Zu den geripp-
ten, tropfen-, stern- oder fächerförmi-
gen Ohrhänger, die im Ohrläppchen
baumelten, gibt es auch Entsprechun-
gen in Gold (Abb. 4. 5). Ihre Schau-
seiten sind parallel oder quer zur
Hängung – aber symmetrisch – ausge-
bildet. Andere, aber asymmetrisch ge-
arbeitete Ohrhänger in u-Form besit-
zen  eine  elaborierte  Vorderseite  mit 
einem anthropomorphen oder vegeta-
bilen Motiv. Ihre Rückseite ist schlich-
ter verziert und dient als Gegenge-
wicht. Die Skulpturen belegen auch,
dass Ohrschmuck, der von Männern
und Frauen gleichermaßen getragen
wurde, nicht unbedingt paarig getra-
gen wurde (Abb. 6 a). Die noch erhal-

45
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ANTIKE WELT 5/19
GoLDEnES InDonESIEn – neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java

ren zeigen. Ist die Ringschiene offen,


wurde der Schmuck wohl am Ohr ge-
tragen. Nasenringe, wie es der Kata-
log des Frankfurter Weltkulturen Mu-
seums interpretiert, gab es auf Java
nicht. Oftmals wurden mehrere Ringe
am unteren Fingerglied mit Präferenz
am  Daumen,  kleinen  und  Zeigefinger 
getragen, wie die Göttin aus dem Tem-
pel Jago in Ostjava des 13. Jhs. veran-
schaulicht (vgl. Abb. 6 c). 
Abb. 10
Inschriftenring, Deutungshorizonte: Edelsteine
Zentraljava, 7. bis  und Schrift im Schmuck
10. Jh.,Weltkulturen 
Museum Frankfurt/ Schmuck wurde mit Steinen eingelegt,
Main Inv. Nr. 19762. die entweder mit zackenförmigen
Krallen oder Krabben befestigt wur-
den, in einer geschwungenen Fassung
eingetieft oder als Capuchon erhaben
Geschenk für eine Prinzessin, heißt Im fein durchbrochen gearbeiteten waren (vgl. Abb. 3. 6 c). Die eingesetz-
es zudem in einer javanischen Lie- Blattwerk sind Figuren, Bienen oder ten Schmucksteine, die generell nicht
besgeschichte. Dieser Ohrschmuck, Edelsteine  verwoben  (Abb.  7).  Der  facettiert wurden, umfassen nicht nur
der sich aus dem Indischen ableitet, Ohrring stammt aus dem Besitz des Edelsteine wie Saphir oder Rubin,
beschränkt sich in der frühen klassi- Ornithologen Ernst August Prillwitz, Halbedelsteine aus der Granatgruppe
schen Periode auf ein zentrales geo- der  zwischen  1906  und  1913  große  wie Almandin und Pyrop, Quarz-Varie-
metrisches Motiv. In der späten Peri- Bestände seiner Sammlung, u. a. Gold- täten (Plagioklas), sondern auch Glas,
ode wird dieser Ohrschmuck höchst schmuck aus Java, an die Museen in wiederverwendete Glasperlen, Inta-
elaboriert als kleine Dose gestaltet, Berlin und Frankfurt verkaufte. glio oder sogar einfache Kieselsteine.
die aus bis zu sechs ineinanderge- Ringe schmückten die Ohren, Fin- Aus dem Epos Ramayana Kakawin des
steckten Teilen bestehen kann und ger, Zehen oder hingen an Ketten, wie frühen 11. Jhs. erfahren wir, dass der
vielleicht sogar Duftaromen enthielt. es die in Stein gemeißelten Götterfigu- König oftmals mehrere Diamantringe
trug und der sogar nur mit Flusskie-
seln eingelegte Gürtel der Adelsfrauen
aufgrund der Goldfassung höchst de-
korativ gestaltet war. In einem Gold-
schmiedebuch  des  frühen  20.  Jhs.  ist 
beschrieben, dass Steinen traditionell
wundersame Heil- und Schutzkräfte
zugesprochen wurde: Saphir wurde
beispielsweise mit Geld assoziiert,
Amethyst mit Erfolg oder er wurde ge-
tragen, um Krankheiten abzuwehren,
Saphir bot Schutz vor Mördern, Achat
brachte eine gute Ernte und machte
aus Wasser Medizin.
Eingeritzter Karneol oder Lapisla-
zuli aus Zentralasien wurde im Musi-
Abb. 11
Elefantengott Ganesha Fluss bei Palembang auf der Insel
aus Gold, Java, 7. bis  Sumatra und mehrere Hundert Ki-
16. Jh., Weltkulturen 
Museum Frankfurt/ logramm Halbedelsteine auf einem
Main Inv. Nr. 19762. Schiff  des  10.  Jhs.  in  der  Java-See  ge-

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

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borgen. Diese Schmucksteine, in die Schmuckelementen aus der frühen


34 Jahre Archäologie & Reisen
hindu-buddhistische Motive wie eine klassischen Periode wie der kleine
Vase, Lotus, Fisch, Personen oder das  Elefantengott Ganesha aus Gold Reisen Herbst 2019
heilige Rind eingraviert waren, wur- (Abb. 11). Offene Miniaturringe, die
den in Schmuck eingearbeitet. Einen ein vertikales Dekorelement tragen,
direkten  Motivtransfer  legt  der  Ver- wurden vielleicht eher im Haar oder
gleich von zwei Fingerringen nahe. Ohr befestigt, als dass sie «Vogelringe» 
Der Intaglio-Ring, eingraviert mit ei- darstellten, wie dies von Antiquitä-
nem nach links schreitenden Rind und tenhändlern vermutet wurde. Dieser
© J. Apel-geokulturzeit
einem Halbmond, stammt aus Palem- Schmuck ist in Thailand, Südostsu-
bang aus der Zeit des Handelsimperi- matra und den Philippinen zwischen Vom Taunus in den Vogelsberg
Auf den Spuren der Kelten und Römer
ums  von  Srivijaya  des  7.  bis  12.  Jhs.,  dem 3. bis 14. Jh. im archäologischen  Reiseleitung: Heidi Rüppel
das enge Handelskontakte mit Java Kontext nachgewiesen. Aber auf Java Reisetermin: 09.10. - 13.10.2019
unterhielt  (Abb.  8).  Inspiriert  von  hat diese Form ihre kunstvollste Aus- ab EUR 1.180,-- webcode 22466

diesen  importierten  Vorbildern  aus  gestaltung erhalten, indem die Ring- Die Guanchen von Gran Canaria
Archäologisch-geografische Reise
Stein hat der javanische Goldschmie- schiene plastisch modelliert und die
Reiseleitung: Götz Dietrich Knosp
dekünstler das gleiche Negativbild in Edelsteinfassung blütenartig mit ge- Reisetermin: 25.10. – 01.11.2019
eine Gussform aus Gold übersetzt und schwungenen oder flammenartig oben  ab EUR 2.260,-- webcode 33440
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Archäologisches Wochenende
bis 10. Jh. ist im Museum in Semarang,  Es ist zu hoffen, dass die Zusammen- Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
Zentraljava, ausgestellt (Abb. 9). arbeit mit anderen Wissenschafts- Reisetermine:
Auch Schriftzeichen oder symbol- disziplinen weitere Erkenntnisse zur 07.11. – 10.11.19 + 21.11. – 24.11.19
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unheilabwehrenden oder glücksbrin- Hintergrund von Java-Gold erbringen Vorschau 2020
genden Charakter von Schmuck. Ein kann, um diese kunstvollen Preziosen Archäologischer Frühling auf
Menorca: Taula, Talayot und Naveta
Gussring im Frankfurter Weltkulturen der frühen Kunstgeschichte ausrei-
Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
Museum zeigt auf seinem Ringkopf ei- chend würdigen zu können. Termin: 04.04. – 11.04.20
nen altjavanischen Schriftzug spiegel- Insel Archäologie auf Rügen
verkehrt  eingraviert  (Abb.  10).  Das  Reiseleitung: Petra Härtl
Wort sagina bezeichnet entweder einen Termin: 26.04. – 02.05.20

Personennamen oder kann als «die ge- Eiszeithöhlen in Baden-Württemberg


samte Qualität oder Talent» übersetzt Unesco-Weltkulturerbe
Reiseleitung: Petra Härtl
werden, was also durchaus eine wohl- Termin: 15.05. – 21.05.20
Adresse der Autorin
wollende Qualität verbürgt. Auf ande- Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz Von Lindisfarne zum Wheeldale Moor:
ren Ringen steht in der gleichen javani- Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für ostasiatische Philologien
Archäologische Reise in die südschot-
schen Kavi-Schrift «Geschenk», «Glück – Südostasienwissenschaften – tischen Borders und ins nördliche
Senckenberganlage 31 England
sei mit Dir», aber auch Negatives wie D-60325 Frankfurt am Main Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
tjoabonatz@gmail.com
«Tod bzw. ungültig». Es ist unklar, wa- Termin: 19.07. – 31.07.20
rum dieses unheilvolle Wort ausge-
Bildnachweis Weitere Informationen und Buchung:
wählt wurde, Unleserliches oder sogar Abb. 1: nationaal Museum van Wereldculturen
falsch Geschriebenes auf den Ringen Inv. nr. RV-1403-1837; 2−6 a−c. 8: Mai Lin Tjoa-Bonatz, Archäologie
7: © Victoria and Albert Museum, London; 9: Museum
zu lesen ist. Wurden diese Inschriften- Semarang; Mai Lin Tjoa-Bonatz; 10: Weltkulturen Mu-
& Reisen
seum Frankfurt/ Main Inv. nr. 19762, 11: Weltkulturen Im Winkel 10 · 37136 Ebergötzen
Ringe als Siegelringe benutzt? Wurden Museum Frankfurt/ Main Inv. nr. 19762; 11. Tel. 05507 915416 · www.archaeologie-und-reisen.de
sie von den Trägern bzw. Goldschmie-
den in ihrer Wortbedeutung gelesen Literatur
J. MIKSIC, old Javanese Gold. The Hunter Thompson
oder nur als geheimnisvolle Zeichen Collection at the Yale University Art Gallery (²2011).
verstanden? Deuten die Orthographie- M. L. TJoA-BonATZ / n. LoCKHoFF, Art Historical and Ar-
fehler auf Fälschungen hin? chaeometric Analyses of Ancient Jewellery (7–16th C.): Karawane Reisen GmbH & Co. KG · Schorndorfer Str. 149
The Prillwitz Collection of Javanese Gold, in: Archipel 97 71638 Ludwigsburg · Tel +49 (0) 7141 2848-20
Weiterhin unklar bleibt auch die (2019) 19–68. studienreisen@karawane.de · www.karawane.de
Verwendung  von  einigen  anderen 

47
ü
ANTIKE WELT 5/19
PILGERFAHRT NACH DODONA
Das Orakel von Zeus Naios und Dione

«Zeus, pelasgischer, weitab Diese Iliasstelle, in der Achill den Göttervater Zeus anruft,
wohnender, Herr von Dodona, ist die älteste literarische Erwähnung Dodonas. Das
Wo der Winter so rau.
Dort lagern am Boden die Selloi, Heiligtum war praktisch die gesamte griechische Antike
Deine Seher, um Dich hindurch bis zum Ende des Römischen Reiches, also
mit nie gewaschenen Füßen.» mindestens anderthalb Jahrtausende lang von großer Be-
Homer, Ilias 16, 233–235 deutung. Der Ort entwickelte und veränderte sich stetig
(dt. von Roland Hampe 1979)
und seine Geschichte ist eng mit den historischen Abläufen
in der Region Epirus verbunden. Was sehen Touristen,
wenn sie heute die Ruinenstätte betreten und wie war es für die Menschen der Antike, das
Heiligtum aufzusuchen? Um das zu verstehen, müssen wir versuchen, uns in die Lage
eines antiken Pilgers zu versetzen, der sich in der Vergangenheit dorthin aufgemacht hat.

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

von Diego Chapinal-Heras kann es wissen, wenn nicht sie? Eu- steht im Zentrum eines eigenen Teme-
kles lebt in Ambrakia, dem heutigen nos mit Umfriedungsmauer (Peribo-

V on 1929 an leitete Demetrios Evan-


gelidis die Ausgrabungen in Dodona
und machte dabei eine ganze Reihe in-
Arta, im Südwesten von Epirus und
bricht früh am Morgen in Richtung
Norden auf, um das Orakel von Do-
los; Abb. 3). Darin wächst auch die be-
rühmte, Dodonas Schutzgottheit Zeus
Naios heilige Eiche. Eukles hat gehört,
teressanter Entdeckungen, darunter dona zu konsultieren. dass früher einmal bronzene Dreifüße
auch eine mit einem Raub in Zusam- mit Kesseln im Kreis um den Baum he-
menhang stehende Anfrage an das Die Behausungen der Götter rum aufgestellt waren. Um das Orakel
Orakel. Was war passiert? Reisen wir Nach zweitägigem Fußmarsch erreicht zu befragen, wurde auf die Kessel ge-
in Gedanken in der Zeit zurück und Eukles das Tal mit dem Heiligtum, das schlagen und die Götter verkündeten
vergegenwärtigen uns das Geschehen. sich nach und nach vor ihm ausbrei- ihre Antworten durch den Klang und
Es ist um das Jahr 210 v. Chr. und Eu- tet. Als erstes hebt sich das Theater, das Echo. Aber es gibt keinen Kessel-
kles hat Sorgen. Jemand hat ihm sein das größte Gebäude des Ensembles, kreis mehr, sondern zwei nebenein-
Geld gestohlen, für das er so lange ge- vom Grün des Tales ab (Abb. 1). Er hat anderstehende Säulen, von denen die
arbeitet hat. Er weiß nicht, wer es war, es bei anderen Gelegenheiten schon eine einen Bronzekessel trägt und die
hat jedoch Thopion, einen Bekannten besucht, um sich die Tragödienauffüh- andere einen bronzenen Knaben mit
in Verdacht. Da er ihn ohne Beweise rungen anzusehen, die er so sehr liebt. einer Peitsche in der Hand. Der Wind
nicht beschuldigen kann, beschließt er Darüber liegt die befestigte Akropolis, lässt die Peitsche gegen den Kessel
die Götter um Rat zu fragen. Wer sonst doch interessiert ist Eukles vor allem schlagen und erzeugt auf diese Weise
am unteren Bereich, dem heiligen Be- einen Klang. Links neben dem Teme-
zirk, den er durch ein Tor in der Um- nos mit dem Heiligen Haus befinden
fassungsmauer betritt (Abb. 2). sich zwei weitere Tempel, der eine
Vor diesem befindet sich ein offe- Themis (Z) und der andere Aphrodite
ner Platz, der zu beiden Seiten von (Λ) geweiht. Zur Rechten des Zeushei-
Hallen begrenzt wird. Parallel zu die- ligtums erhebt sich der neue Dione-
sen sind zwei Reihen lebensgroßer tempel (Θ) vor den Überresten des al-
Kriegerstatuen aus Bronze aufgestellt, ten (Γ), den die Aitoler zerstört hatten.
von denen manche sich zu Pferd auf Und ganz am Rand schließlich liegt
ihren Sockeln erheben. Vor Eukles lie- der Tempel des Herakles (A; Abb. 4.
gen nun die Tempel des Heiligtums, 5). Eukles lässt seinen Blick über die
die Behausungen der Götter. Vor eini- Statuen schweifen, die vor den Bauten
gen Jahren, während des Bundesge- aufgestellt sind und sieht hinüber zu
nossenkrieges (220–217 v. Chr.), war den Gebäuden am Westrand des Sa-
Dodona von den Aitolern unter ihrem kralbezirks, die keine religiöse Funk-
Strategen Dorimachos angegriffen tion besitzen. Es handelt sich um das
und verwüstet worden. Sie hatten das Prytaneion (O-O1) und das Bouleute-
Heiligtum geplündert, die Säulenhalle rion (E2), in dem sich das Koinon der
in Brand gesteckt, viele Weihegaben Epiroten versammelt.
zerstört und das Heilige Haus dem
Erdboden gleich gemacht, wurden Das religiöse Zentrum von Epirus
schließlich jedoch von Philipp V. be- Unser Pilger lässt sich Zeit bei seiner
siegt. Der Makedonenkönig hatte auch Wanderung durch den heiligen Be-
für den Wiederaufbau Dodonas ge- zirk. Wann immer er nach Dodona
sorgt, auch wenn Eukles noch immer kommt sieht er sich die Weihegaben
Spuren des Krieges erkennen kann. an, die von den Besuchern im Heilig-
Der monumentalste Tempel, das Hei- tum deponiert wurden. Durch die Ver-
lige Haus, gehört Zeus (Anlage E1). Er wüstungen der Aitoler ist manches
verloren gegangen, aber es sind noch
alte, mit Göttern und mythologischen
Abb. 1
Darstellungen verzierte Bronzegefäße
Das Theater von Dodona aus dem 3. Jh. v. Chr. und auch viele Skulpturen erhalten

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ANTIKE WELT 5/19
PILGERfAHRT nACH DODOnA – Das Orakel von Zeus naios und Dione

Abb. 2
Das Heiligtum von Dodona
Ende des 3. Jhs. v. Chr.

Abb. 3
Der Zeustempel von Dodona
wurde vermutlich im späten
5. bzw. frühen 4. Jh. v. Chr. errich-
tet. In den 1980er Jahren
wurde innerhalb der Mauerreste
eine Eiche gepflanzt.

Abb. 4
Der Heraklestempel lässt sich auf
das 3. Jh. v. Chr. datieren.

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

geblieben, von denen Eukles jene des dete jedoch, als Königin Deidameia als schen Bürgerrechts an Ktesos und seine
Zeus Keraunios, die den Gott als Blit- letzte ihrer Familie ohne Nachkom- Nachkommen vermerkt. Viele der In-
zeschleuderer zeigen, stets die liebs- men starb. In dieser Zeit wuchs die schriften sind sehr alt, was Eukles den
ten waren (Abb. 6). Es gibt auch Sta- Bedeutung dss Koinons der Epiroten, Namen früherer Molosserkönige ent-
tuetten von Kriegern oder Tieren wie das sich seit dem 4. Jh. v. Chr. gebildet nimmt, die zu Datierungszwecken da-
Ziegen, Stiere und Löwen (Abb. 7). hatte. rin angegeben sind. In den jüngsten In-
Außerdem gibt es zahlreiche Waffen schriften sind an die Stelle der Könige
und Schilde zu bestaunen. Hinzu kom- Inschriften zeugen von persön- jedoch bereits die Namen der höchs-
men schlichtere Weihegaben aus Ton. lichen Geschichten ten Koinon-Beamten getreten.
Besonders häufig sind Frauenfiguren Während Eukles seinen Weg fortsetzt,
und weibliche Köpfe. fällt sein Blick auf Inschriftentafeln, Anstehen für Orakelsprüche
Seit er ausgeraubt wurde, stehen Eu- die an den Wänden mehrerer Gebäude Doch nun wird es Zeit für Eukles, sich
kles nicht mehr viele Mittel zur Ver- befestigt sind und er bleibt stehen, um an das Orakel zu wenden, dessen Pries-
fügung. Aber er weiß, dass die Götter einige von ihnen zu lesen. So war ein terschaft sich aus zwei Gruppen zusam-
sich erkenntlich zeigen werden, wenn Sklave namens Gripon im Heiligtum mensetzt. Zum einen sind da die Sel-
er ihnen etwas weiht. Also begibt er freigelassen worden, und um seinen loi, jene berühmten männlichen Priester,
sich zu einem reisenden Händler und neuen Status als freier Mann festzu- die bereits in den homerischen Epen
erwirbt den tönernen Kopf einer Frau. halten, war das Dokument dort an- erwähnt werden, zum anderen die
Nach hartem Feilschen holt er einige gebracht worden. Auf einer anderen Peleades, Priesterinnen, deren Name
Münzen hervor und zahlt dem Mann Tafel ist die Verleihung des molossi- «Tauben» bedeutet. Eukles hat Hero-
den vereinbarten Preis. Manche der
Münzen zeigen Dodona-Motive, wie
das Bild von Zeus und Dione oder ei-
nen Dreifuß, der von einem Lorbeer-
kranz umgeben ist.
Denn Dodona ist nicht nur ein Hei-
ligtum, sondern zugleich das wichtigste
religiöse Zentrum der Region Epirus,
die von einem aus mehreren Stämmen
(Ethne) bestehenden Koinon regiert
wird (232–167 v. Chr.). Für die Epiro-
ten ist das eine noch relativ neue Re-
gierungsform, denn in Eukles´ Jugend
war Epirus noch in mehrere Herr-
schaftsgebiete aufgeteilt. Das mäch-
tigste unter ihnen war das Königreich
der Molosser, das einen Großteil des
Landesinneren umfasste und auch
Dodona kontrollierte. Die Molosser-
Könige standen zudem an der Spitze
der epirotischen Symmachie, einer
Kampfgemeinschaft mehrerer Stämme
(ca. 330–232 v. Chr.), deren Heer sie
anführten, wenn es gemeinsame äu-
ßere Feinde zu bekämpfen galt. Eukles
erinnert sich noch gut an die Geschich- Gebäude A: Herakles-Tempel
ten seines Großvaters über Pyrrhos, Gebäude B: Basilika
Abb. 5 Gebäude Γ: Alter Dione-Tempel
den größten aller Molosserkönige. Er Der Plan zeigt Gebäude E1: Zeus-Tempel
den gesamten Gebäude Z: Themis-Tempel
war der Sohn von König Aiakides und
Tempel- Gebäude Ɵ: neuer Dione-Tempel
hatte mit seinem Heer sogar in Italien bezirk von
Gebäude A: Aphrodite Tempel
gekämpft. Die Molosser-Dynastie en- Dodona.

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ANTIKE WELT 5/19
PILGERfAHRT nACH DODOnA – Das Orakel von Zeus naios und Dione

dot gelesen und erinnert sich, dass


dieser von einer engen Verbindung
Dodonas zum ägyptischen Theben be-
richtet. Danach sei das Orakel entwe-
der von einer ägyptischen Priesterin
begründet worden, die nach Dodona
verkauft worden war oder durch eine
schwarze Taube, die sich aus Theben
kommend auf der Eiche niedergelas-
sen hatte.
Während er darauf wartet an die
Reihe zu kommen, liest Eukles die
Fragen, die andere vor ihm gestellt
haben, denn neben dem Tempel be-
merkt er viele beschriebene Bleitäfel-
chen (Abb. 8). Seines Wissens werden
an keinem anderen Ort in Griechen-
land Orakelfragen schriftlich gestellt.
Hier in Dodona ist es jedoch schon
seit langem Brauch, was man am ho-
hen Alter einiger Täfelchen erkennt.
Meistens sind es – wie auch seine −
private Fragen: «Agis fragt Zeus Naios
und Dione nach den Laken und Kis-
sen, die er verloren hat … oder ob sie
jemand von außerhalb gestohlen hat»
oder «Gott. Glück. Leontinos fragt, ob
sein Sohn Leontos die Krankheit sei-
ner Brust überstehen wird, die er sich
zugezogen hat». Andere Fragen wur-
den von ganzen Gemeinschaften, etwa
Abb. 6 Bronzestatuette: Blitzschleudernder Zeus, Dodona, Zeusheiligtum, frühes 5. Jh. v. Chr.
den Bewohnern der Insel Korkyra ge-
stellt: «Gott. Auf das Glück. Die Kor-
Abb. 7 Ziegenbock aus Bronze, Dodona, Zeusheiligtum, frühes 5. Jh. v. Chr. kyräer fragen Zeus Naios und Dione,
welchem Gott oder Heros sie opfern
sollen, um gut zu leben.»
Seine eigene Frage ist rasch formu-
liert. Eukles bekommt ein Bleitäfel-
chen samt Griffel und schreibt: Ἔκλεψε
Θωπίων τὸ ἀργύριον; («Hat Thopion
das Geld gestohlen?»). Er faltet die
Tafel zusammen und überreicht sie
dem Bediensteten des Orakels, der
die Götter befragt. Kurz darauf erhält
er die lang ersehnte Antwort und ver-
lässt zufrieden den Tempel.

Zufällige Begegnung
Es ist noch früh und Eukles beschließt,
sich vor seinem Aufbruch ein wenig
auszuruhen und zu stärken. Er kommt

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

mit anderen Besuchern ins Gespräch,


von denen einige aus ganz anderen
Gründen nach Dodona gekommen sind.
Auf diese Weise lernt er Polemon, ei-
nen Athleten kennen, der sich auf sei-
nen Wettkampf im Stadion vorberei-
tet. Es liegt direkt vor dem Theater
und gehört zu den neuen Bauten, die
erst nach dem Krieg gegen die Aito-
ler entstanden sind. Die Naia, wie die
berühmten Agone von Dodona hei-
ßen, werden in Kürze, nämlich im
Monat Apellaios (Oktober/November)
stattfinden. Menschen aus der gesam-
ten griechischen Welt kommen zu die-
sem Anlass nach Dodona, um sich die Abb. 8
Bleitafel aus
Wettkämpfe anzusehen oder wie Po- dem Zeus-
lemon daran teilzunehmen. Und der tempel.
Athlet will bereit sein für seinen gro-
ßen Tag. Eukles erinnert sich, wie er
selbst als junger starker Mann zum
Pankration angetreten war, aber ge- Vorstellung von Raum und Zeit radi- religiösen Charakter des Ortes, auch
gen einen der besten Kämpfer seiner kal von derjenigen vor zwei Jahrtau- wenn darüber noch keine letzte Sicher-
Generation, den Athener Menodoros, senden. Wir leben in einem Zeitalter heit besteht. Weihegaben und Drei-
Sohn des Gnaios, verloren hatte. Nach- der Technologie, in dem wir zu jeder fußfragmente belegen jedoch, dass
dem er ihm Glück und die Gunst der Zeit mit jedem Ort auf dem Planeten Dodona spätestens seit dem 8. Jh.
Götter gewünscht hat, verabschiedet kommunizieren können, einer Epoche v. Chr. große kultische Bedeutung ge-
sich Eukles von Polemon und macht mithin, in der Entfernung keine Rolle habt haben muss. Die frühesten auf
sich auf den Rückweg, wobei er schon mehr spielt, weil alles in Reichweite Bleitäfelchen festgehaltenen Orakel-
an seinen nächsten Besuch im Heilig- erscheint. Auch Religion wurde da- fragen stammen aus dem 6. Jh. v. Chr.,
tum denkt. mals ganz anders gelebt als heute. doch bis fast zum Ende des 5. Jhs.
Dennoch sollten wir zumindest versu- v. Chr. gibt es kein festes Gebäude in
Geschichte Dodonas chen zu verstehen, wie ein Fragestel- Dodona. Bis zu diesem Zeitpunkt han-
Diese Beschreibung einer Pilgerreise ler seine Pilgerreise nach Dodona er- delte es sich um ein Heiligtum unter
stützt sich auf die schriftliche Über- lebt haben könnte. freiem Himmel, dessen wesentlicher
lieferung und die Funde aus mehr Noch ein anderer Aspekt ist wich- Bestandteil auch in optischer Hinsicht
als 100 Jahren archäologischer For- tig. Unser fiktiver Pilger Eukles lebte die Eiche war. Pilger, die in jenen Jahr-
schung in Dodona. Die Antworten auf in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. hunderten nach Dodona kamen, sahen
Orakelfragen sind bisweilen bekannt, und sein Dodonabesuch fand – wie er- folglich einen ganz anderen Ort.
doch in diesem speziellen Fall wissen wähnt – um das Jahr 210 v. Chr. statt. Mit dem Aufstieg des Königreichs der
wir nicht, ob es tatsächlich Thopion Eukles bekommt das Heiligtum also in Molosser begann sich auch das Weich-
war, der das Geld des Fragestellers seiner schönsten und monumentals- bild Dodonas zu verändern. Das erste
gestohlen hat, den wir in Unkenntnis ten Ausbauphase nach dem Wieder- Gebäude war der Zeustempel (Anlage
seines Namens Eukles genannt ha- aufbau und den Erweiterungen unter E1). Der zunächst noch recht kleine
ben. Doch wie realistisch ist das ge- Philipp V. von Makedonien zu Gesicht Bau wurde mehrfach erweitert, bis
schilderte Szenario? Heutige Forscher (Abb. 9). In früheren Zeiten sah Do- er die Ausmaße erreichte, die Eukles
versuchen, die Vergangenheit zu re- dona jedoch ganz anders aus. Die ar- zu seiner Zeit sah. Nach und nach ka-
konstruieren und zu ergründen, wie chäologischen Überreste reichen bis men weitere Tempel und Gebäude
antike Gesellschaften gedacht und mit in die späte Bronzezeit zurück (1500– hinzu. Einen Höhepunkt erreichte die
der Welt interagiert haben, die sie um- 1200 v. Chr.). Schon für diese Epoche Ausbautätigkeit zu Beginn des 3. Jhs.
gab. Doch unterscheidet sich unsere gibt es Hinweise auf einen möglichen v. Chr. unter der Herrschaft von Pyr-

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ANTIKE WELT 5/19
PILGERfAHRT nACH DODOnA – Das Orakel von Zeus naios und Dione

Dodona in römischer Zeit heit, bis Archäologen den Ort wieder-


Die endgültige Niederlage des Make- entdeckten und damit begannen das
donenkönigs Perseus gegen die Römer laut Herodot älteste Orakel der grie-
im Jahr 168 v. Chr. bedeutete auch für chischen Welt auszugraben.
Epirus und Dodona eine Zäsur, denn
der Sieger Lucius Aemilius Paullus be-
schloss einen Teil von Epirus zu zer-
Adresse des Autors
stören, weil das Koinon der Epiroten Dr. Diego Chapinal-Heras
dem makedonischen König beige- RCC Postdoctoral fellow
Department of the Classics
standen hatte. Angeblich ließ Paullus Harvard University
Boylston Hall, 2nd floor
bis zu 150 000 Menschen versklaven Harvard Yard
Cambridge MA 02138 USA
und siebzig Städte zerstören. Obwohl chapinalheras@fas.harvard.edu / chapinalheras@gmail.com
die Zahlen sicherlich etwas übertrie-
ben sind, hatte die Region schwer un- Übersetzung
Dr. Andreas Thomsen
ter diesen Maßnahmen zu leiden und
Abb. 9 Silbermünze mit Bild von Philipp V.
auch Dodona wurde in Mitleiden- Bildnachweis
schaft gezogen. So finden sich an meh- Abb. 1: akg-images / De Agostini / Albert Ceolan; 2: Tzou-
vara-Souli, Vlachopoulou and Gravani, Praktika, 2006,
reren Gebäuden Hinweise auf diese S. 90. ; 3: akg-images / De Agostini / Archivio J. Lange; 4:
Heritage Images / Sites & Photos / Samuel Magal / akg-
rhos I., der u. a. das Theater errichten Strafaktion, und aus römischer Zeit images; 5: Katsikoudis, 2005, Δωδώνη: Οι Τιμητικοί
ließ, das zu den größten im antiken haben sich keine Bleitäfelchen mit Ανδριάντες, Ioannina, Etaireia Ipeirotikon Meleton, εικ. 1
(modifiziert vom Autor); 6: bpk / Antikensammlung,
Griechenland zählt. Orakelfragen erhalten. SMB / Christa Begall; 7: bpk / Antikensammlung, SMB /
Johannes Laurentius; 8: Heritage-Images / CM Dixon / akg-
Die Zuweisung der hier vorgestell- Dennoch blieb das Orakel als solches images; 9: bpk | The Trustees of the British Museum.
ten Gebäude folgt im Wesentlichen der weiter bestehen, und Dodona war
Literatur
herkömmlichen Interpretation. In jün- auch in christlicher Zeit noch wichtig
E.A. MEYER, The Inscriptions of Dodona and a new His-
geren Studien über Dodona werden genug, um Bischofssitz zu werden und tory of Molossia (2013).
einzelne Gebäude allerdings umgedeu- eine Basilika zu erhalten. In der Spät- T.E. EMMERLInG, Studien zu Datierung, Gestalt und
funktion der «Kultbauten» im Zeus-Heiligtum von Do-
tet. Tatsächlich könnten einige der sechs phase des Römischen Reiches wurde dona (2012).
vermeintlichen Tempel im heiligen Be- das Heiligtum jedoch allmählich auf- M. DIETERLE, Dodona: religionsgeschichtliche und histo-
rische Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung
zirk andere Aufgaben erfüllt und als gegeben. Nach Angaben des römischen des Zeus-Heiligtums (2007).
Schatzhäuser, Archive oder Bankett- Vergilkommentators Servius hatte ein P. CABAnES, L’Épire de la mort de Pyrrhos à la conquête
säle gedient haben. Diese interessante illyrischer Räuber die Eiche und da- romaine (272−167 av. J.C.) (1976).

Debatte trägt dazu bei, das Interesse mit das Symbol des Ortes bereits Ende n.G.L. HAMMOnD, Epirus: the Geography, the Ancient
Remains, the History and the Topography of Epirus and
an diesem von der Wissenschaft ein des 4. Jhs. n. Chr. gefällt. Dodona ver- Adjacent Areas (1967).

wenig vernachlässigten Ort zu wecken. fiel zu Ruinen und geriet in Vergessen-

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ANTIKE WELT 5/19
GOETHE UND DIE ANTIKE «TÄNZERIN»
Sein Kaufverzicht im April 1788

Für Johann Wolfgang von Goethe wurde die quasi als Flucht angetretene Reise nach Itali-
en mit dem Ziel Rom zu einem Wendepunkt in seinem Fühlen und Denken. Vor allem
die Begegnung mit der Antike wurde prägend für sein ganzes künftiges Leben und Werk.
Wir wissen auch, dass Goethe ein passionierter und kenntnisreicher Sammler war,
der zeitlebens umfangreiche Sammlungen des eigenen Wissens wegen angelegt hatte. Sie
sind in großen Teilen in seinem Haus am Frauenplan in Weimar erhalten. Dazu gehören
auch Gipsabgüsse von antiken Plastiken, die dort das Treppenhaus und mehrere Zimmer
zieren. So ist verständlich, dass Goethe geradezu begeistert war, als kurz vor seiner
Abreise aus Rom die Möglichkeit bestand, eine originale antike weibliche Marmorstatue
zu erwerben.

von Klaus Koschel erweiterte er in Italien seine Samm- lers, eine antike weibliche Statue aus
lungen, beispielsweise mit originalen Marmor zu kaufen. Lassen wir Goethe
ohann Wolfgang von Goethe ver- antiken Gemmen und Gemmenabdrü- erzählen:
J ließ im Alter von 37 Jahren unter
einem Pseudonym reisend heimlich
cken sowie mit Mineralien und Gestei-
nen.
«In diesen Tagen jedoch ward ich
durch eine ganz eigene Versuchung
sein Kurdomizil Karlsbad in Rich- Dann, kurz vor der Abreise Goethes geprüft, die meine Reise zu verhin-
tung Italien (Abb. 1). Vor allem war aus Rom, im April 1788, kam eine un- dern und mich in Rom aufs Neue zu
Rom sein Ziel, um sich als Künstler erwartete Gelegenheit auf ihn zu, die fesseln drohte. Es kam nämlich von
unter Künstlern neu zu finden. Er er- ihn sehr begeisterte und beschäftigte. Neapel Herr Antonio Rega, Künst-
reichte Rom Ende Oktober 1786 und Es war das Angebot eines Kunsthänd- ler und ebenfalls Kunsthändler, zu
jubelte: «Ja, ich bin endlich in dieser
Hauptstadt der Welt angelangt.» Un-
terbrochen durch den Besuch von Ne-
apel und Sizilien (22. 2. ‒ 6. 6. 1787)
blieb er bis April 1788 in Rom. Seine
Erlebniswelt war plötzlich vor allem
die antike Kunst und Architektur, die
Renaissancebaukunst und die italie-
nische Malerei. Aber Goethe bemühte
sich in Rom unter Anleitung der Ma-
ler Philipp Hackert (1737–1807) und
Johann Heinrich Friedrich Tischbein
(1751–1829) auch selbst ernsthaft
als Maler und Zeichner. Er verkehrte
in Rom insbesondere mit Künstlern
und arbeitete zudem fleißig an seinem
dichterischen Werk. Sein Zuhause in
Tischbeins Wohnung an der Via del
Abb. 1
Corso 18 verschönerte er mit Gips- Goethe 1791, von Johann
abgüssen antiker Plastik. Mit Freude Heinrich Lips.

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ANTIKE WELT 5/19
GOETHE UND DIE ANTIKE «TÄNZERIN» – Sein Kaufverzicht im April 1788

Freund Meyer [Johann Heinrich Meyer, könnte. Er biete das edle Kunstwerk digsten Gewande, übrigens wenig ver-
Schweizer Kunsthistoriker und Ma- zu einem auf alle Fälle höchst mäßi- sehrt und die eine Hand vollkommen
ler, 1760‒1832], ihm vertraulich an- gen Preise von dreihundert Zechinen gut erhalten. Sogleich erinnerten wir
kündigend, er sei mit einem Schiffe [ca. 25 000–28 000 €], welche Forde- uns recht gut, sie an Ort und Stelle ge-
hier angekommen, welches draußen rung sich ohne Frage erhöhen möchte, sehen zu haben, ohne zu ahnen, dass
an Ripa grande liege, wohin er ihn wenn man nicht in Betracht der Ver- sie uns je so nah kommen könnte.
mitzugehen hierdurch einlade, denn käufer und des Käufers mit Vorsicht Hier nun fiel uns ein, und wem hätte es
er habe auf demselben eine bedeu- zu verfahren Ursache hätte. nicht einfallen sollen: ‹Gewiss› sagten
tende antike Statue, jene Tänzerin oder Mir ward die Sache sogleich mitge- wir, ‹wenn man ein ganzes Jahr mit be-
Muse, welche in Neapel im Hofe des teilt, und wir eilten selbdritte zu dem deutenden Kosten gegraben hätte und
Palastes Caraffa Colombrano nebst von unsrer Wohnung ziemlich ent- zuletzt auf einen solchen Schatz gesto-
andern in einer Nische seit undenkli- fernten Landungsplatz. Rega hub so- ßen wäre, man hätte sich höchst glück-
chen Jahren gestanden und durchaus gleich ein Brett von der Kiste, die auf lich gefunden.› Wir konnten uns kaum
für ein gutes Werk gehalten worden dem Verdeck stand, und wir sahen ein von der Betrachtung losreißen, denn
sei. Er wünsche diese zu verkaufen, allerliebstes Köpfchen, das noch nie ein so reines, wohlerhaltenes Altertum
aber in der Stille, und frage deshalb vom Rumpfe getrennt gewesen, un- in einem leicht zu restaurierenden Zu-
an, ob nicht etwa Herr Meyer selbst ter freien Haarlocken hervorblickend, stande kam uns wohl niemals zu Ge-
oder einer seiner vertrauten Freunde und nach und nach aufgedeckt eine sicht. Doch schieden wir zuletzt mit
sich zu diesem Handel entschließen lieblich bewegte Gestalt, im anstän- Vorsatz und Zusage, baldigste Antwort
vernehmen zu lassen. Wir waren bei-
derseits in einem wahrhaften Kampf
begriffen, es schien uns in mancher
Betrachtung unrätlich, diesen Ankauf
zu machen; wir entschlossen uns da-
her, den Fall der guten Frau Angelika
zu melden, als wohl vermögend zum
Ankauf und durch ihre Verbindung
zu Restauration und sonstigen Vor-
kommenheiten hinlänglich geeignet.
Meyer übernahm die Meldung, wie
früher die wegen des Bildes von Daniel
von Volterra, und wir hofften deshalb
das beste Gelingen. Allein die umsich-
tige Frau, mehr aber noch der ökono-
mische Gemahl lehnten das Geschäft
ab, indem sie wohl auf Malereien be-
deutende Summen verwendeten, sich
aber auf Statuen einzulassen keines-
wegs den Entschluss fassen könn-
ten. Nach dieser ablehnenden Ant-
wort wurden wir nun wieder zu neuer
Überlegung aufgeregt; die Gunst des
Glückes schien ganz eigen; Meyer be-
trachtete den Schatz noch einmal und
überzeugte sich, dass das Bildwerk
nach seinen Gesamtzeichen wohl als
griechische Arbeit anzuerkennen sei,
und zwar geraume Zeit vor Augustus
Abb. 2 hinauf, vielleicht bis an Hiero II. [Hi-
Tafelabbildung
nach E. Q. Vis-
eron II.; König von Syrakus, 269–215
conti. v. Chr.] geordnet werden könnte.»

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ANTIKE WELT 5/19 ü
THEMENPANORAMA

Abb. 3 a–c Die Statue im Museo Pio-Clementino, Vatikan nach de Clarac. a) Vorderansicht; b) Seitenansicht, links; c) Rückansicht.

«Den Kredit hatte ich wohl, dieses kenntnis gelten, dass ich dieses Ereig- regten die Eifersucht der zu solchem
bedeutende Kunstwerk anzuschaffen, nis als einen Wink höherer Dämonen Geschäft herkömmlich Berechtigten.
Rega schien sogar auf Stückzahlung ansah, die mich in Rom festzuhalten Die Schwierigkeiten der Restauration
eingehen zu wollen, und es war ein und alle Gründe, die mich zum Ent- seien mannigfaltig, und es frage sich,
Augenblick, wo wir uns schon im Be- schluss der Abreise vermocht, auf das inwiefern man dabei werde billig und
sitz des Bildnisses und solches in un- tätigste niederzuschlagen gedächten. redlich bedient werden. Wenn fer-
serm großen Saal wohlbeleuchtet auf- Glücklicherweise waren wir schon in ner bei der Absendung auch alles in
gestellt zu sehen glaubten. Wie aber den Jahren, wo die Vernunft dem Ver- möglichster Ordnung gehe, so könn-
denn doch zwischen einer leiden- stand in solchen Fällen zu Hülfe zu ten doch wegen der Erlaubnis der
schaftlichen Liebesneigung und ei- kommen pflegt, und so musste denn Ausfuhr eines solchen Kunstwerkes
nem abzuschließenden Heiratskontrakt Kunstneigung, Besitzeslust und was am Schluss noch Hindernisse entste-
noch manche Gedanken sich einzu- ihnen sonst beistand, Dialektik und hen, und was alsdann noch wegen der
dringen pflegen, so war es auch hier, Aberglaube, vor den guten Gesinnun- Überfahrt und des Anlandens und An-
und wir durften ohne Rat und Zustim- gen weichen, welche die edle Freundin kommens zu Hause alles noch für Wi-
mung unsrer edlen Kunstverwandten, Angelika mit Sinn und Wohlwollen an derwärtigkeiten zu befürchten seien.
des Herrn Zucchi und seiner wohl- uns zu wenden die Geneigtheit hatte. Über solche Betrachtungen, hieß es,
meinenden Gattin, eine solche Verbin- Bei ihren Vorstellungen traten daher gehe der Handelsmann hinaus, sowohl
dung nicht unternehmen, denn eine aufs klarste die sämtlichen Schwierig- Mühe als Gefahr setze sich in einem
Verbindung war es im ideell-pygmali- keiten und Bedenklichkeiten an den großen Ganzen ins Gleichgewicht, da-
onischen Sinne, und ich leugne nicht, Tag, die sich einem solchen Unterneh- gegen sei ein einzelnes Unternehmen
dass der Gedanke, dieses Wesen zu men entgegenstellten. Ruhige, bisher dieser Art auf jede Weise bedenklich.
besitzen, bei mir tiefe Wurzel gefasst den Kunst- und Altertumstudien sich Durch solche Vorstellungen wurde
hatte. Ja, als ein Beweis, wie sehr ich widmende Männer griffen auf ein- denn nach und nach Begierde, Wunsch
mir hierin schmeichelte, mag das Be- mal in den Kunsthandel ein und er- und Vorsatz gemildert, geschwächt,

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ü
ANTIKE WELT 5/19
GOETHE UND DIE ANTIKE «TÄNZERIN» – Sein Kaufverzicht im April 1788

doch niemals ganz ausgelöscht, be- Weise erklärt und auf der dreißigs- mitteilt, kann man nachgehen: Die
sonders da sie endlich zu großen Eh- ten Tafel abbilden lassen; da denn je- Statue steht noch heute dort, wie es
ren gelangte; denn sie steht gegenwär- der Kunstfreund mit uns bedauern Goethe beschreibt, im «Kabinett der
tig im Museo Pio-Clementino in einem kann, dass es uns nicht gelungen, sie Masken» des Museo Pio-Clemen-
kleinen angebauten, aber mit dem nach Deutschland zu schaffen und sie tino im Vatikan, das nach dem Mas-
Museum in Verbindung stehenden irgendeiner vaterländischen großen kenmosaik aus der Villa des Hadrian
Kabinett, wo im Fußboden die wun- Sammlung hinzuzugesellen.» (Goe- in Tivoli benannt ist. Hier steht die
derschönen Mosaiken von Masken the, Italienische Reise [1786–1788], Mädchenfigur (Inv.-Nr. 816) noch in
und Laubgewinden eingesetzt sind. 605−609.) Nachbarschaft zu weiteren Kunst-
Die übrige Gesellschaft von Statuen in Interessant ist die Bemerkung, dass werken, von denen Goethe in seinem
jenem Kabinett besteht 1) aus der auf Goethe die Statue bereits in Neapel Text einige nennt.
der Ferse sitzenden Venus, an deren gesehen hatte. Goethe beschreibt auch, wo die
Base der Name des Bupalus eingegra- Das war am 2. März 1787 zusam- Mädchenstatue abgebildet ist: Ennio
ben steht [eine Namensfälschung, der men mit Tischbein. Sie stand dort Quirino Visconti (1751–1818), der
Typus stammt von Diodalses]; 2) ein nämlich in einer Torwegnische des Sohn des Giovanni Battista Visconti,
sehr schöner kleiner Ganymedes; 3) die Renaissance-Palastes Caraffa-Colom- hat die Arbeit seines Vaters, einen Ka-
schöne Statue eines Jünglings, dem, ich brano (heute Palazzo S. Angelo) an talog der Antikenbestände des Museo
weiß nicht ob mit Recht, der Name der Strada S. Biagio del Librai. Beide Pio-Clementino zu erstellen, fortge-
Adonis beigelegt wird; 4) ein Faun aus Reisenden bedauerten den unwürdi- setzt und in Band III des Werkes die
Rosso Antico; 5) der ruhig stehende gen Platz, an dem die Statue stand: Statue als Graphik abgebildet (Abb. 2).
Discobolus. «Wir kehrten uns um, eine weibli- Goethe hat diese Quelle wohl später in
Visconti hat im dritten, gedachtem che Statue zu bemerken, die über dem den damals noch ungedruckten Text
Museum gewidmeten Bande dieses Torwege in einer Nische stand. Sie eingefügt, denn der zitierte Katalog-
Denkmal beschrieben, nach seiner wird für die Nachbildung einer Tänze- band erschien erst 1790. Die Statue
rin schon von Winckelmann gehalten, wird in diesem Tafelwerk als «Sabina
wie denn solche Künstlerinnen in le- in forma di Venere» bezeichnet. Mit
Abb. 4 Die Venus von Frèjus (Typ Venus Gene- bendiger Bewegung auf das mannig- Sabina ist die Gemahlin Kaiser Had-
trix) im Louvre. faltigste dasjenige vorstellen, was die rians gemeint (86–136 n. Chr.), wohl
bildenden Meister uns als erstarrte nach dem (eigentlich nicht zugehöri-
Nymphen und Göttinnen aufbewah- gen) Kopf der Augusta. Ganz klar ist
ren. Sie ist sehr leicht und schön, der die Zuordnung aber nicht, da auch
Kopf war abgebrochen, ist aber gut Livia Drusilla, Gemahlin des Augus-
wieder aufgesetzt, übrigens nichts da- tus († 36 n. Chr.), als Venus für die Be-
ran versehrt, und verdiente wohl ei- zeichnung in Anspruch genommen
nen besseren Platz.» (Goethe, Italieni- wurde. Andere Fachleute bevorzugten
sche Reise [1786–1788], 214.) für die Figur einfach die Bezeichnung
Die Freundin Goethes, die bekannte Nymphe, Muse oder Tänzerin.
Malerin Angelika Kauffmann (1741– Worum handelte es sich bei dieser
1807), hatte also Goethe vom Kauf Statue? Folgen wir zunächst der Be-
der Statue mit den im Text genann- schreibung des Archäologen Wolfgang
ten Argumenten abgeraten und ihm Helbig (1839–1915):
auch keine finanzielle Hilfe gewährt. «Ein schönes kräftig gebautes Mäd-
Goethe musste schweren Herzens auf chen schreitet leicht vorwärts, beklei-
den Kauf verzichten. Kurz nach Goe- det mit einem dünnen gürtellosen
thes versuchtem Kauf ließ Papst Pius Chiton, welcher allenthalben die Kör-
VI. die Statue 1788 für den Vatikan er- performen durchscheinen lässt. Ihre
werben. Bewegung ist von der reizendsten An-
muth. Die erhobene R. zieht den über
Die «Tänzerin» den Rücken herabfallenden Mantel et-
Dem Hinweis auf den Aufenthalts- was über die Schulter empor, während
ort der Statue, den Goethe uns noch die abwärts reichende L. einen Zipfel

58
ü
ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

des gleichen Gewandes in der Gegend Goethe hielt mit Meyer die mit In Goethes Haus am Frauenplan
des Schosses gefasst hält. Der Mantel, 178 cm lebensgroße Figur für ionisch- in Weimar begegnen uns 130 antike
welcher aus stärkerem Stoffe gearbei- griechisch. Auch Helbig schließt die Plastiken in Gipsabgüssen. Ein Abguss
tet erscheint und demnach in breite- originale griechische Herkunft nicht der Statue im Museo Pio-Clementino,
ren Falten bricht als der Chiton, giebt aus, hat sich aber damit geirrt. Heute die Goethe so begeistert hat, gehört je-
für den schönen Körper einen sehr ge- betrachtet man die Figur als römi- doch nicht dazu.
eigneten Hintergrund ab. Da der Kopf sche Kopie des 1. Jhs. n. Chr. nach ei-
von einem Efeukranze und einem nem griechischen Bronzeoriginal vom
breiten Bande umgeben ist, hat man Ende des 5. Jhs. v. Chr. Denn die Sta-
Adresse des Autors
die Statue für eine Bakchantin erklärt. tue, die Goethe angeboten wurde, ist Prof. Dr. Klaus Koschel
Doch findet das kokette Lächeln, wel- kein Unikat. Es gibt mehrere Statuen Salvatorstraße 4
D-97074 Würzburg
ches wir in dem Gesichte wahrneh- dieses Typs. Beispielsweise besitzt
men, in keiner Darstellung einer Bak- auch der Louvre in Paris eine ent- Bildnachweis
chantin Analogie. Die Statue scheint sprechende Skulptur, die dort irrtüm- Abb. 1: akg-images; 2: Statue del Museo Pio-Clementino,
Rom 1790, S. 83; 3 a−c: Vatikanische Museen, Fotos: DAI
vielmehr eine Tänzerin darzustellen. lich unter dem Namen «Aphrodite von Rom D-DAI-Rom: 97Vat.222A; 97Vat.224A; 97Vat.227A;
Das schöne Mädchen tritt vor die Zu- Frèjus» geführt wird, obgleich auch 4: akg-images / Erich Lessing.

schauer, im Begriff den Tanz zu begin- sie aus Neapel stammt (Abb. 4). Die
Literatur
nen und mit dem Mantel eine jener Bedeutung des Figurentyps reicht J. W. VON GOETHE, Italienische Reise (1786‒1788), in:
graziösen Bewegungen zu machen, aber noch weiter. Er ist die «Venus Ge- Die Reisen (1978), 9‒613, 605–609.

welche in der vielseitigsten Weise netrix», die «Stammutter» des Julisch- E. Q. VISCONTI, Il Museo Pio-Clementino III: Statue del
Museo Pio-Clementino (1790) Taf. VIII.
durch bekannte Figuren und Grup- Claudischen Kaiserhauses. Sie wurde
W. HELBIG, Führer durch die öffentlichen Sammlungen
pen der campanischen Wandmalerei daher häufig kopiert und ist in vielen klassischer Altertümer in Rom I: Die Vatikanische Skulp-
turensammlung. Die kapitolinischen und das laterani-
vergegenwärtigt werden. Angesichts Museen der Welt vertreten (z. B. Ar- sche Museum Leipzig (1891) 193(177)‒194(178).
der etwas flüchtigen aber geistreichen chäologisches Museum Thessesaloniki, C. DE CLARAC, Musée de sculpture antique et moderne
ou description historique et graphique du Louvre et de
Ausführung scheint die Frage berech- Kapitolinische Museen in Rom, Here- toutes ses parties, des statues, bustes, bas-reliefs et in-
tigt, ob wir nicht in dieser Statue eine mitage in St. Petersburg, Royal Onta- scriptions du Musée royal des antiques et des Tuileries.
IV (1851) Taf. 592 Nr. 1660.
griechische Originalarbeit aus dem 3. rio Museum, Metropolitan Museum of
J. BOARDMAN, Griechische Plastik. Die klassische Zeit
oder 2. Jh. v. Chr. zu erkennen haben» Art in New York, Detroit Museum of (1987) 277 Abb. 197.

(Abb. 3 a‒c). Art u. a.).

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RHEINISCHES LANDESMUSEUM TRIER


31. August 2019 – 26. Januar 2020

59
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ANTIKE WELT 5/19
www.landesmuseum-trier.de | www.gdke-rlp.de
LESERrRderEAnItikSenEWelt Römische Donau
Exklusiv für Lese

Datum der Reise:


Foto: Carnuntum (akg-images / viennaslide / © Harald A. Jahn).

Nationalbibliothek. Von besonderem Interesse ist die


Tabula Peutingeriana, eine Kopie einer spätantiken
römischen Straßenkarte. Anschließend geht es in das
2008 eröffnete Römermuseum. Das Museum befindet
sich über den Ruinen des Legionslagers von Vindobona.
Im Untergeschoss können Teile der Tribunenhäuser des
Lagers bewundert werden. Die Exponate der Daueraus-
stellung vermitteln einen instruktiven Einblick in das
Alltagsleben der Soldaten und der Zivilbevölkerung.

5. Tag: Wien – Carnuntum – Bad Deutsch-Alten-


burg – Kastell Gerulate – Györ (F/A)
Weiterfahrt nach Carnuntum bei Bad Deutsch-Alten-
burg und Petronell. An der Schnittstelle der Bern-
steinstraße und der Donautalstraße errichteten die
Römer ein wichtiges Legionslager. In den Kriegen
gegen die Markomannen im 2. Jh. n. Chr. war Carn-
untum Hauptquartier des Kaisers Mark Aurel. Vom
Die Grenzen des Römischen Reiches orientierten sich an großen Flüssen Legionslager und der angrenzenden Zivilstadt sind
noch imposante Reste erhalten bzw. z. T. als Nachbau
und Strömen. Im Norden markierte in der Kaiserzeit die Donau den rekonstruiert. So gab es auf dem Areal zwei Amphi-
theater und Thermen. Das «Heidentor» liegt süd-
Vorposten römischer Herrschaft. Diese außergewöhnliche Reise führt lich der Zivilstadt und gibt, was seine Funktion angeht,
durch Österreich und die Slowakei bis nach Ungarn, immer entlang bis heute Anlass zu vielen Spekulationen. Weiter
geht die Fahrt Richtung Osten. Auf dem Boden der
der Donau, und präsentiert dabei die wichtigsten Siedlungen, Kastelle heutigen Slowakei liegt das Kastell Gerulata. In
der Zeit der Römer war es Bestandteil der römischen
und Militäranlagen aus der Römerzeit. Zahlreiche traditionsreiche, Provinz Pannonia Superior. Zwischen dem 2. und
aber auch neugestaltete, moderne Museen bieten die Gelegenheit, sich 4. Jh. waren in Gerulata verschiedene militärische Ein-
heiten stationiert. Ihre Aufgabe war die Kontrolle
mit dem Alltag und der bewegten Geschichte des römischen Donau- einer Furt, die an dieser Stelle die Überquerung der
Donau ermöglichte. Die Fundsituation ist sehr
limes vertraut zu machen. Vier Jahrhunderte römische Präsenz an der günstig, erhalten sind Reste des Kastells mit einer
Grenze, von den Anfängen bis zum Ende im Zuge der Völkerwande- Ofenanlage, einem Tempel und von Wohngebäuden.
Am Abend erreichen Sie in Ungarn ihr Hotel.
rung, werden eindrucksvoll vorgestellt. 2 Übernachtungen: Hotel Raba City Center Györ***.

6. Tag: Ausflug Legionslager Brigetio – Burg Tata –


Kastell Arrabona (F)
Das heutige Staatsgebiet Ungarns umfasste bei den
Römern die Provinzen Pannonia Inferior und Pannonia
Superior. Im Nordosten der „unteren Pannonia“ legten
1. Tag: München – Oberranna – Schlögen – Basilika St. Laurentius. Die Krypta der Kirche beherbergt die Römer im 1. Jh. n. Chr. das Legionslager Brigetio
Linz (A) die restaurierten Reste eines römischen Hauses aus an. Aufgrund umfangreicher Funde und Überreste ist
Am Vormittag startet Ihre Reise am Busterminal des dem 2. Jh. n. Chr. und einer frühchristlichen Basilika aus Brigetio ein Aushängeschild der provinzialrömischen
Flughafen München. Von hier geht es gemeinsam dem 5. Jh. Archäologie in Ungarn. Herausragend ist ein Heiligtum
mit Ihren Reiseleitern im Bus in Richtung Österreich. für den in der Kaiserzeit auch im Westen des Imperiums
Die spätantike Anlage von Oberranna wurde erst 2017 3. Tag: Linz – Zeiselmauer – Wien (F/A) sehr populären Gott Jupiter-Dolichenus. Nach der
vollständig freigelegt. Der dem spätantiken Typus des Kurz vor Wien erreichen Sie die kleine Gemeinde Zeisel- Besichtigung von Brigetio geht es zur Burg Tata, einer
Burgus gleichende Bau gibt einen hervorragenden mauer. Für die Römer hatte der Ort eine wichtige Funk- Festungsanlage. Die Burg beherbergt ein historisches
Einblick in die Organisation der Grenzverteidigung an tion im Rahmen des Grenz- und Verteidigungssystems Museum, das auch wichtige Funde aus der Römerzeit
der Donau. Der Römerpark Schlögen weist die an der Donau. Das mehrfach erweiterte Kastell war präsentiert. Den Abschluss bildet die Besichtigung des
Spuren eines Kastells und einer Zivilsiedlung sowie ein vorübergehende Heimat unterschiedlicher Truppenein- Kastells Arrabona. Von hier aus sicherten römische
mit großem Aufwand restauriertes Badgebäude auf. heiten. Weiterfahrt nach Wien, dem antiken Vindobona, Truppen den Limes an der mittleren Donau. Die archäo-
Nach der Besichtigung Transfer zu Ihrem Hotel in Linz. seit dem späten 1. Jh. n. Chr. Standort einer Legion logischen Überreste befinden sich auf dem Gebiet der
2 Übernachtungen: Courtyard by Marriott Linz****. und einer Zivilsiedlung. Vindobona war eine der größten modernen Stadt Györ.
römischen Städte an der Donau. Bei einem Stadtrund-
2. Tag: Ausflug Enns mit Lorch (F) gang besuchen Sie Plätze und Orte, die noch heute von 7. Tag: Györ – Arpas – Sopron – Szombathely (F/A)
Enns trug in der Römerzeit den Namen Lauriacum. In jener Zeit zeugen, als Wien von den Römern beherrscht Erster Programmpunkt ist ein Stopp bei der ungarischen
der Antike war hier ein wichtiger Umschlagplatz für wurde. 2 Übernachtungen: Ibis Wien Mariahilf***. Gemeinde Arpas. In der Antike lag hier das Areal der
Eisen und Salz. Im 2. Jh. n. Chr. wurde Lauriacum zum römischen Stadt Mursella. Der Ort hatte eine wichtige
Standort einer römischen Legion und in der Spätantike 4. Tag: Wien (F) Funktion als Straßenstation. Weiterfahrt nach Sopron.
war es Bischofssitz. Das Museum Lauriacum bietet Besuch des Ephesos-Museums. Glanzlichter des Mu- Aus einer keltischen Vorgängersiedlung ging hier zu
eine Vielzahl herausragender Exponate, die das zivile seums sind das Partherdenkmal, die Bronzestatue eines Beginn des 1. Jhs. n. Chr. die römische Stadt Scarbantia
und militärische Leben an der Donau dokumentieren. Im Athleten und der Knabe mit der Fuchsgans. Danach hervor. Erhalten oder nachgewiesen sind Forum, Amphi-
Stadtteil Lorch befindet sich die römisch-katholische treten Sie ein in den Prunksaal der Österreichischen theater, Mauerring und Nekropolen. Das Museum von

www.karawane.de / antikewelt-donaulimes
Archäologische Reise
entlang des Donaulimes

Webcode: 36337
3. 7. − 13. 7. 2020
Nicht im Reisepreis enthalten
Persönliche Ausgaben wie weitere Mahlzeiten, Getränke,
Sopron bietet eine Abteilung römischer Steindenkmäler. Reiseversicherungen, optionale Ausflüge und Trinkgelder.
Anschließend Weiterfahrt nach Szombathely, das antike
Savaria. Übernachtung: Park Hotel Pelikán****. Ihre Studienreiseleiter:
Prof. Dr. Holger Sonnabend lehrt Alte Geschichte
8. Tag: Szombathely – Balaton – Budapest (F/A) an der Universität Stuttgart. Als Autor veröffentlichte
Savaria gehörte zu den wirtschaftlich leistungskräftigs- er zahlreiche Bücher zur griechischen und römischen
ten Römerstädten an der Donau. Es fungierte als Geschichte. Er ist Herausgeber der Reihe «Der Archäo-
Verkehrszentrum und als Verwaltungsmittelpunkt. Zu logische Führer», die im Verlag Philipp von Zabern
besichtigen ist ein Teil der Bernsteinstraße. Erhalten erscheint. Darüber hinaus leitete er bereits viele au-
sind aus diesem Fundkomplex auch einige Meilensteine. ßergewöhnliche Studienreisen in Italien, Griechenland,
Im Eingangsbereich des zum Grabungsgelände gehö- Ihre Reiseinformationen Spanien, Donaulimes, Syrien, Libyen, Israel, Äthiopien
renden Archäologischen Museums ist eine Rekonstruktion und in der Türkei.
eines Tempels aufgestellt, welcher der ägyptischen Ihre Reiseinformationen
Göttin Isis geweiht war. Die Villa Romana Balaca in Ne- Reisepreis pro Person im Doppelzimmer Dr. Frauke Sonnabend
mesvámos vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck ab 20 Teilnehmern € 2790,00 Promotion in Alter Geschichte. Ihr Tätigkeitsfeld reicht
von gehobener Wohnkultur. Zwischen dem Balaton Einzelzimmerzuschlag € 440,00 von Führungen auf der Berliner Museumsinsel und
und Budapest liegt das «ungarische Pompeji» Gorsium. in Ausstellungen bis hin zur Erwachsenenbildung und
Gegründet als Militärstation zur Kontrolle der Straßen Flugzeiten (Änderungen vorbehalten) der Leitung von Studienreisen. Das Spektrum ihrer
und der Donau, entwickelte sich Gorsium zu einer 13. 7. 2020 Budapest – München 13.25 – 14.40 Uhr Zielgebiete reicht von England über Syrien, Donaulimes,
blühenden Stadt. Davon zeugen prächtige Stadtmau- Rumänien, Israel, Äthiopien, Italien und Griechenland
ern, Tore, von Kolonnaden flankierte breite Straßen, Eingeschlossene Leistungen bis in die Türkei.
Läden, Foren und Tempel. In der Spätantike kamen christ- ¢ Linienflug Budapest – München mit Lufthansa
liche Basiliken hinzu. Am Abend erreichen Sie Budapest. ¢ Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige
3 Übernachtungen: Ibis Budapest City***. Treibstoffzuschläge (Stand August 2019) BITTE BEACHTEN:
¢ Rundreise im Reisebus ab München / bis Budapest Deutsche Staatsbürger benötigen für die Reise einen noch
9. Tag: Budapest (F) ¢ Transfers, Ausflüge, Besichtigungen lt. Reisepro- über das Reiseende hinaus gültigen Personalausweis.
Aquincum war die antike Vorgängerstadt der heutigen gramm
ungarischen Hauptstadt Budapest. Ihrer Besichtigung ¢ Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm Teilnehmer
widmen wir den ganzen Tag. Seit Beginn des 2. Jhs. ¢ 10 Übernachtungen in den im Reiseprogramm Bis 8 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilneh-
n. Chr. war Aquincum Hauptstadt der Provinz Pannonia genannten Hotels o. ä. in Zimmern mit Bad oder merzahl: min. 20, max. 28 Personen.
Inferior und damit auch Sitz des römischen Statthalters. Dusche / WC
Neben der Zivilstadt gab es ein Legionslager mit einer ¢ Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Frühstück / Änderungen im Reiseverlauf oder bei den genannten
eigenen Vorstadt, auf der anderen Seite der Donau A = Abendessen) Unterkünften aufgrund von örtlichen Gegebenheiten
einen als Contra Aquincum bezeichneten militärischen ¢ 1 aktuelle Reiseliteratur sowie Preiserhöhungen oder -anpassungen aufgrund
Vorposten. Wirtschaftlicher Erfolg ermöglichte den ¢ Deutschsprechende Reisebegleitung ab München / von staatlichen Abgabeänderungen, Zuschlägen
meisten Bewohnern einen hohen Lebensstandard, der bis Budapest (z. B. Kerosin) müssen wir uns ausdrücklich vorbe-
sich in den erhaltenen Resten der öffentlichen und ¢ Studienreiseleitung ab / bis München: Dr. Frauke halten. Die Klassifizierung der Hotels entspricht der
privaten Bauten widerspiegelt. Amphitheater, Thermen, Sonnabend und Prof. Dr. Holger Sonnabend Landeskategorie.
Wasserleitungen und Kanalisation sind ebenfalls
Ausdruck dieses hohen Standards. Das sehenswerte
Museum liegt direkt auf dem Territorium der ehema-
ligen Zivilstadt Aquincum. Eine seiner Attraktionen
sind die Funde aus einem Heiligtum des Mithras.
Am Nachmittag Bootsfahrt auf der Donau. Der Abend
steht zur freien Verfügung. www.antikewelt.de – Stichwort: Donaulimes
10. Tag: Ausflug Visegrád (F/A)
Den Abschluss der Reise entlang der Donau bildet die
ungarische Stadt Visegrád, 40 km nördlich von Veranstalter
Budapest. Wahrzeichen der Stadt ist die hoch gelegene
Zitadelle aus dem 13. Jh., seit dem 14. Jh. Residenz
der ungarischen Könige. Besuch des Kleinkastells Karawane Reisen GmbH & Co. KG
Visegrád-Gizellamajor. Von hier aus bewachten in der Schorndorfer Str. 149 · D-71638 Ludwigsburg
Spätantike römische Soldaten die Reichsgrenze. Der stark
fortifikatorische Charakter der Anlage, die im 4. Jh. Ansprechpartner: Nicole Heldmann Tel. + (0) 7141 2848-13
unter der Regierung des Kaisers Constantius II. entstand, Tel. +49 (0)7141 2848-13 · Fax. +49 (0)7141 28 48-45
zeigt das Ausmaß der Bedrohung der Grenze im Zuge E-Mail: nicole.heldmann@karawane.de · Internet: www.karawane.de
der spätantiken Völkerwanderungen an. Am Abend
Gerne senden wir Ihnen unser ausführliches Programm zu.
nehmen Sie ein letztes gemeinsames Abendessen ein.
Es gelten die Reisebedingungen des Veranstalters Karawane Reisen GmbH & Co. KG
11. Tag: Budapest – München (F)
Im Laufe des Vormittages Transfer zum Flughafen
für Ihren Rückflug nach München. Dort Ankunft gegen
14.30 Uhr und individuelle Heimreise.
In Kooperation mit dem Verlag Philipp von Zabern und der Zeitschrift ANTIKE WELT
ENDE DER REISE

ü
EIN MUSEUM IM UMBRUCH
Neue Perspektiven für die Antikensammlung der Universität Würzburg

Im Herbst 2018 wurde die Gemäldegalerie des Martin von Wagner Museums nach einer
umfassenden Sanierung und Neueinrichtung wiedereröffnet. Auslöser für diese Maß­
nahmen bildete die ein Jahr zuvor veranstaltete Sonderausstellung «Julius Echter – Patron
der Künste», die dem Würzburger Fürstbischof und Gründer der Universität zu seinem
400. Todestag gewidmet war. Eine derart groß angelegte Schau hatte das Museum in seiner
langen Geschichte noch nie erlebt. So sind auch in der Antikensammlung die Ambitionen
gewachsen, der eigenen Dauerausstellung ein neues Gesicht zu verleihen.

von Jochen Griesbach, Carolin Goll den renommierten, nur wenig älteren Ägypten bis zur Moderne» ihren ers-
und Marc Wahl Häuser jenseits des Ärmelkanals bil- ten programmatischen Niederschlag
det einen wichtigen Ansporn, seitdem gefunden hat.

D as 1858 aus einer Schenkung sei-


nes Namenspatrons hervorgegan-
gene Martin von Wagner Museum ist
die Leitungsfunktionen des Museums
2014 vom Institut für Kunstgeschichte
und dem Lehrstuhl für Klassische Ar-
Die Antikensammlung hat sich seit
ihrer Einrichtung in den frühen 1960er
Jahren, als das Museum nach dem Krieg
mit gut 2000 m2 Ausstellungsfläche chäologie entkoppelt wurden. Da- in die Würzburger Residenz umzog,
eine der größten Universitätssamm- durch ist eine neue Intensität der Zu- kaum verändert. Erst 2005 beschritt
lungen Europas auf dem Gebiet der sammenarbeit zwischen den beiden man mit der Einrichtung eines eigenen
Kunst. Lediglich das Fitzwilliam Mu- Museumsabteilungen in Gang gekom- Ägyptensaals, der vor allem einer sub-
seum in Cambridge und das Ashmo- men, die 2015 in der gemeinsamen stanziellen Schenkung (Sammlung A. Ki-
lean Museum in Oxford ragen deutlich Ausstellung «Augen & Blicke. Das Se- seleff) verdankt wird, neue Wege.
darüber hinaus. Der Blick auf die bei- hen in der bildenden Kunst von Alt-
Von der Lehranstalt zur
Lernumgebung
Die Anforderungen an Universitäts-
Abb. 1 Das neu eingerichtete Münzkabinett der Würzburger Antikensammlung. sammlungen sind indessen gewachsen:
Sie sollen nicht mehr nur der Lehre die-
nen, sondern zugleich Schnittstelle zwi-
schen Universität und Öffentlichkeit
sein. Folglich rückt das Laienpublikum
mehr in den Fokus der Museumsarbeit.
Für die Antikensammlung steht dabei
der Nachwuchs in den Schulen an ers-
ter Stelle, der heute nur noch geringfü-
gig mit der Geschichte des Altertums in
Berührung kommt. So steigt aber auch
der Bedarf an Vermittlungswegen, die
ohne die Voraussetzung erheblichen
Vorwissens auskommen. Gemeinsam
mit dem Fachbereich Kommunikations-
design der FH Würzburg-Schweinfurt
wird daher aktuell an einer neuen Prä-
sentation der Antiken gefeilt. Ziel ist es,

62
ü
ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

die Exponate in thematischen Konstel- versität Würzburg, um in erster Linie


lationen der Erfahrungswelt der Mu- dem Künstlernachwuchs in Unter-
seumsbesucher näherzubringen, sie franken eine Stätte der Ausbildung
anschaulicher und lebendiger zu in- vor Originalen zu schaffen (Abb. 2).
szenieren. So sehr war er selbst in der Mitte des
Um künftig für das Publikum mit 19. Jhs. noch überzeugt, dass die an-
vielfältigeren Angeboten aufwarten zu tike Kunst zwingend Maßstab und In-
können, sollen dem Museum ferner spiration für jedwede neue Kunst sein
neue Räumlichkeiten für Sonderaus- müsse. Die Nachwirkungen einer viel-
stellungen erschlossen werden. Zu- stimmigen Debatte über Ästhetik und
dem gehen die aktuellen Pläne dahin, ihre Einflüsse auf den Menschen um
Gemäldegalerie und Antikensammlung die Wende zum 19. Jh. klingen hier
über eine eigene Treppe miteinander noch nach. Diesen Faden möchten wir
zu verbinden, um die verschiedenen in Zukunft aufgreifen. Dabei soll es je-
Epochen der Kunstgeschichte in ei- doch nicht so sehr um die Frage nach
nem durchgehenden Parcours als zu- dem «absolut Schönen», sondern um
sammenhängende Bilderwelt erfahr- das Verhältnis zwischen Kunst und
bar zu machen. Wahrnehmung sowie um die Sprache
Abb. 2 Carl Gotthelf Küchler, Porträt
der Bilder gehen. Martin von Wagners, 1836.
Mäzene sind gefragt, damals
wie heute Ein Würzburger Künstler blickt
Wieder war es eine Stiftung, die der auf die Antike
Antikensammlung im Mai 2019 die Zeichnen, zeichnen, zeichnen – vor- ners Zeichnungen im Rahmen des
Eröffnung eines neuen Teiles sei- zugsweise antike Themen. Das scheint Verbundprojekts INSIGHT. Signaturen
ner Dauerausstellung ermöglicht hat ein Motto Martin von Wagners (1777– des Blicks – Facetten des Sehens mög-
(Abb. 1). Der Würzburger Unterneh- 1858) gewesen zu sein. Denn er hin- lich. In dem vom Bundesministerium
mer Herbert Wellhöfer hat der Uni- terließ der Universität Würzburg kurz für Bildung und Forschung geförder-
versität 2016 seine exquisite Samm- vor seinem Tod zusammen mit seiner ten Projekt nähern sich vier unter-
lung griechischer Münzen übereignet Kunstsammlung auch etwa 3300 ei- schiedliche Sammlungen der Univer-
und zugleich auch finanziell dafür gene Handzeichnungen. Der gebür- sität Würzburg dem Thema Sehen:
Sorge getragen, dass diese möglichst tige Würzburger ist in erster Linie Objekte zur Ästhetik, Ethik und Er-
rasch einem breiten Publikum präsen- als Kunstagent des bayerischen Kron- ziehung des Blicks werden digitali-
tiert werden kann. Leitgedanke ist, die prinzen Ludwig I. bekannt. Für ihn siert, erschlossen und zueinander in
Münzbilder als eigenwertige Kunst- erwarb er in Rom zahlreiche antike Beziehung gesetzt. Die Forschungser-
werke, als Reliefplastik en miniature, Kunstwerke wie die «Ägineten», die gebnisse werden im Frühjahr 2020 in
aufzufassen und sichtbar zu machen. heute zu den Highlights der Münche- einer Ausstellung im Martin von Wag-
Die digitale Vergrößerung der Klein- ner Glyptothek gehören. Trotz dieser ner Museum zusammengeführt.
ode eröffnet dabei ganz neue Möglich- zeitintensiven Tätigkeit – die ihn letzt- Das Teilprojekt des Martin von
keiten. lich zwang, die Malerei aufzugeben – Wagner Museums widmet sich der
Schließlich führt der Weg in die Zu- zeichnete Wagner beinahe obsessiv Frage nach Wagners Blick auf die An-
kunft aber auch über eine stärkere ein Leben lang. Das umfassende zeich- tike. Die Zeichnungen in der Graphi-
Reflexion der eigenen Wurzeln. Am nerische Œuvre wurde bisher aller- schen Sammlung des Museums wur-
Anfang stand das «Naturalien- und dings wenig beachtet. Dabei bietet es den dafür vollständig digitalisiert
mosaische Kunstkabinet» (1803) des tiefe Einblicke in die Antikenrezeption und vorläufig in einer Datenbank er-
gelehrten Minoriten-Paters Bonavita eines Künstlers in der ersten Hälfte schlossen. Sie reichen von ersten An-
Blank, das 1832 nach den Vorbildern des 19. Jhs. Wagner erlebte die Blüte tikenstudien nach Gipsabgüssen über
in Göttingen und Bonn zum «Ästheti- des Klassizismus ebenso wie den Auf- Skizzenbücher, gefüllt mit Wagners
schen Attribut» ausgebaut wurde. Der stieg der Klassischen Archäologie als Seherfahrungen in den römischen An-
entscheidende Schritt zum Museum Wissenschaft. tikensammlungen, bis hin zu eigenen
folgte aber erst 1857: Martin von Wag- Erstmals ist seit Mitte 2017 eine Kompositionen mythologischer Su-
ner stiftete sein Vermögen an die Uni- eingehende Beschäftigung mit Wag- jets. Eine einzigartige Werkgruppe ist

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ANTIKE WELT 5/19
EIN MUSEUM IM UMbrUCH – Neue Perspektiven für die Antikensammlung der Universität Würzburg

Abb. 3 Martin von Wagner, Odysseus schützt den verwundeten Diomedes. Unten notiert Wagner den entsprechenden Vers der Szene aus
dem 11. Gesang der «Ilias».

Abb. 4 Martin von Wagner, Kaineus von zwei Kentauren unter Felsblöcken begraben (Reliefplatte des Bassae-Frieses), 1812. Wagner gibt
Fehl- und Bruchstellen mit Symbolen an und notiert unten: «Der Centaur soll um so viel als gezeichnet besser hinauf gerückt werden».

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ü ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

besonders hervorzuheben: Es handelt


sich um ca. 700 Zeichnungen zu Ho-
mers Ilias, die Wagner über einen
Zeitraum von fast 50 Jahren beschäf-
tigten – ein echtes Lebenswerk! Die
anfänglich flüchtigen Skizzen entwi-
ckelte er zu reinen Umrisszeichnun-
gen der homerischen Welt (Abb. 3).

Antikenrezeption zwischen Kunst


und Wissenschaft
Wagners Zeichnungen weisen ein der-
art breites Spektrum auf, dass man
nicht von einer rein künstlerischen
Aneignung antiker Kunst sprechen Abb. 5
Dupondius des
kann. Denn er war zugleich auch Ar- Philippus Arabs
chäologe und Antiquar. Aus genau (244–249 n. Chr.).
dieser Spannung zwischen schöpferi- Das Stück ge-
riet im Zwei-
schem und wissenschaftlichem Blick ten Weltkrieg in
geht nicht zuletzt der besondere Reiz Brand und ver-
schmolz mit wei-
seiner Werke hervor. Ein anschauli- teren Buntmetall-
ches Beispiel sind die Zeichnungen des münzen.
Frieses vom Apollontempel in Bassae.
Wagner war einer der ersten, der die
1812 ausgegrabenen Reliefplatten in Aeginetischen Bildwerke. Auch im stil- bibliothekars Anton Ruland. Die weni-
Griechenland zu Gesicht bekam und len Kämmerlein schrieb er wie ein Be- gen kümmerlichen Reste geben nur
abzeichnen konnte (Abb. 4). Präzise sessener. Davon zeugt sein immen- noch ein schales Bild von dem ab, was
Angaben von Maßen und Bruchstel- ser schriftlicher Nachlass, in dem sich das Museum einmal an numismati-
len scheinen einen archäologischen Manuskripte ganzer Lexika zur grie- schen Objekten besaß (Abb. 5). Resi-
Anspruch zu erheben. Doch dieser chischen Kunst befinden. Ein wahrer gniert vermerkte Heinrich Bulle, der
wird immer wieder durch «Verbes- Schatz für die Wissenschaftsgeschichte, langjährige Leiter des Museums, in
serungen» ganz im Sinne der ästheti- der nun erstmals gehoben wird. seinem Tagebuch: «Würzburg ist ge-
schen Ideale des Klassizismus gebro- wesen. Mein Leben ist auch zu Ende.»
chen. Auferstanden aus ruinen: Wenige Tage später verstarb er.
Diesem spannenden Wechselspiel das neue Münzkabinett? Dabei konnte das Münzkabinett auf
von Kunst und Wissenschaft widmet Um die Geschichte des Münzkabinetts eine reiche Vergangenheit zurückbli-
sich ein laufendes Promotionsvor- am Martin von Wagner Museum ein- cken: Bereits 1834 richtete die Uni-
haben, das Wagners Zeichnungen, zuordnen, beginnt man am besten versität Würzburg für die Münzen und
Schriften und Korrespondenzen aus- in der Mitte: Wie die übrige Altstadt Medaillen ein Kabinett als sog. Uni-
wertet. In seiner Person selbst kommt Würzburgs wurde auch das Museum versitätsattribut mit eigenem Konser-
die angesprochene Vielseitigkeit zum im Zweiten Weltkrieg beim britischen vator und Mitteln für Erwerbungen
Ausdruck: Wagner war in Rom in Künst- Luftangriff am 16. März 1945 stark in ein. Das Münzkabinett stand so auf ei-
ler- wie in Gelehrtenkreisen verwurzelt. Mitleidenschaft gezogen. Im Unter- ner Stufe mit dem «Ästhetischen Attri-
Er wird von Zeitgenossen als großer schied zu anderen Sammlungsteilen but», das für die Antiken, die Gemälde
Kenner des Altertums beschrieben, konnte das Münzkabinett im Vorfeld und die Kupferstiche angelegt wurde,
der sich in seiner groben Art aber auch nicht in Sicherheit gebracht werden. und den Naturhistorischen Kabinet-
gerne mit den «Antiquariern» anlegte, Zehntausende Münzen, Medaillen und ten. Im Laufe der darauffolgenden
wie er die Archäologen abschätzig Münzreplikate gingen im Flammen- Jahrzehnte wuchs das Kabinett be-
nannte. Dabei war er selbst fast ei- inferno unwiederbringlich verloren, trächtlich und erreichte eine respek-
ner von ihnen und verfasste 1817 ei- so z. B. die reiche Sammlung neuzeit- table Größe – bis zu jenem schicksals-
nen wegweisenden Bericht über die licher Würzburger Gepräge des Ober- haften Tag 1945.

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ANTIKE WELT 5/19
EIN MUSEUM IM UMbrUCH – Neue Perspektiven für die Antikensammlung der Universität Würzburg

Geldkulturerbe Aber auch das klassische Tätig-


Münzen sind nicht leicht auszustellen: keitsfeld eines Museums, die Ausstel-
Schnell übergeht der Museumsbesu- lung, kommt nicht zu kurz. Multime-
cher die kleinen, hinter Glas gebann- dial begleitete Tischvitrinen erlauben
ten Metallstücke, die oft nur mühsam es, sich mit den Münzen näher ausein-
erkennbar sind. Die Würzburger An- anderzusetzen. Das Konzept setzt da-
tikensammlung lässt in ihrer Neuprä- rauf, eine konzentrierte Atmosphäre
sentation des Münzkabinetts vor allem zu schaffen: Der abgedunkelte Raum
die Bilder sprechen (vgl. Abb. 1). Dabei lenkt das Augenmerk auf die Objekte
spielen attraktive Vergrößerungen der selbst. Die halbjährlich wechselnden
Abb. 6 Stater aus Herakleia in Bithynien
(ca. 380–360 v. Chr.), eines der wenigen Stücke eine entscheidende Rolle: So Themen widmen sich dabei der Frage,
erhaltenen Exemplare des Münztyps aus nimmt das Museum die Tradition be- wie sich die Motivwahl auf antiken Ge-
der Sammlung Wellhöfer.
liebter Werke wie P. R. Frankes und M. prägen erklären lässt: vor allem Auf-
Hirmers Die Griechische Münze auf, die merksamkeit erregen und die eigenen
das Münzbild in seiner vollsten Pracht Stärken in den Vordergrund stellen –
zur Wirkung kommen lassen. griechische Münzen erweisen sich als
In der Nachkriegszeit kam das Die Neuaufstellung ruht auf zwei ein antikes Massenmedium!
Münzkabinett vor allem auf Betreiben Säulen: Erstmals wurden die Be-
einzelner großzügiger Donatoren wie- stände des Münzkabinetts vollstän-
der langsam zu Kräften. Unter ihnen dig publiziert. Im Rahmen des Pro-
nimmt sicherlich Herbert Wellhöfer jekts NUMiD (Netzwerk universitärer Adresse der Autoren
Prof. Dr. Jochen Griesbach
den ersten Rang ein, der dem Museum Münzsammlungen in Deutschland) Carolin Goll M.A.
vor wenigen Jahren ein reichhaltiges besteht nun mit www.nomisma.mu- Dr. Marc Philipp Wahl
Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg
Konvolut griechischer Münzen stif- seum.uni-wuerzburg.de eine Online- residenzplatz 2 a
D­97070 Würzburg
tete. Qualität schlägt hier Quantität! Datenbank, die vollen Zugriff auf die
Es sind die Glanzstücke, die den Kern Münzen gestattet. Aus einer öffent- Bildnachweis
des neuen Münzkabinetts bilden. Und lich nahezu unsichtbaren Sammlung Abb. 1. 6: C. Kiefer; 2: b. Wörz; 3–4: © Martin von
Wagner Museum der Universität Würzburg; 5: M. Wahl.
die kleinen Meisterwerke der anti- wird so ein digitales Münzkabinett.
ken Graveurskunst enthalten eine Eine Besonderheit stellt die ikono-
Links
Vielzahl reizvoller Motive. Besonders graphische Suche dar – nach vorde- Website des Projekts INSIGHT:
hervorzuheben ist ein Stück aus Hera- finierten Kategorien lässt sich hier https://www.uni­wuerzburg.de/einrichtungen/museen/
insight/startseite/
kleia, auf dem Nike höchstpersönlich die Vielfalt der Bilderwelt filtern. Die
Website der Münzdatenbank:
die Legende ins Münzrund einschreibt Datenbank lädt so zum Stöbern und https://www.nomisma.museum.uni­wuerzburg.de/

(Abb. 6). Entdecken ein.

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ANTIKE WELT 5/19
«IN HÜLLE UND FÜLLE, ABER ZU
HÖCHSTPREISEN»
Licht und Schatten einer römischen Metropole

Von einst etwa 2000 Städten im Römischen Reich dürften nur einige die Bezeichnung Me­
tropole verdient haben. Was macht eine Stadt zur Metropole? Es sind vervielfachte
städtische Eigenschaften wie hohe Einwohnerzahl, Monumentalbauten, florierende Wirt­
schaft, politisches und religiöses Zentrum, üppiges Unterhaltungsangebot, attraktives
Reiseziel, aber auch Schmutz, Lärm, Enge … Das antike Trier besaß alle Facetten einer dama­
ligen Weltstadt.

von Korana Deppmeyer Abb. 1 Das Mosaik zeigt Anaximander von Milet, einen griechischen Philosophen des 6. Jhs. v. Chr. 


Er hält eine Sonnenuhr und gilt auch als deren Erfinder. Das Bild war Teil eines Fußbodens einer 

S
Trierer Stadtvilla. Die Darstellung dürfte als bewusster Hinweis auf die Bildung des Hausherrn zu
tädte bilden das Fundament der verstehen sein; L 2,09 m. – 3. Jh. n. Chr., Fundort: Trier.
römischen Reichsverwaltung. Das
«hippodamische System», rechtwink­
lig angelegte Städte mit Straßenraster,
entsteht nicht nur im gesamten Mittel­
meerraum, sondern wird auch in die
neuen Provinzen exportiert.
Der Autor Vitruv bringt die Grün­
dung auf den Punkt: «Nachdem die
Nebenstraßen eingeteilt und die Haupt­
straßen festgelegt sind, muss die
Bürgerschaft die Bauplätze für Heilig­
tümer, Forum und die übrigen öffent­
lichen Bauten festlegen» (Über die Ar-
chitektur 1,7,1).
Der erste römische Kaiser Augustus
gründet um 18/17 v. Chr. an der Mo­
sel Augusta Treverorum, das heutige
Trier. Der erste Brückenbau ist Teil ei­
ner größeren Verkehrsplanung, zu der
die Fernstraße vom Mittelmeer an den
Rhein gehört, und der Startschuss für
das neue Zentrum an der Mosel, das
schnell zur äußerst wohlhabenden
Stadt wird (Pomponius Mela, Länder-
beschreibung 3,20).
Trier entwickelt sich im 2. Jh. n. Chr.
zur Metropole und wird Verwaltungs­
sitz der Provinz Gallia Belgica. Mit
dem Status Kolonie erhält sie auch das
höchste Stadtrecht inklusive Selbst­

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ü ANTIKE WELT 5/19
«IN HÜLLE UND FÜLLE, ABER ZU HÖCHSTPREISEN» – Licht und Schatten einer römischen Metropole

verwaltung. Mit bis zu 40 000 Einwoh­ Mietwohnungen, Einzimmerapartments Wasser für die Stadt


nern ist Trier nun ein Wirtschaftszen­ und einfache Schlafstätten in Wirts­ Aquädukte, Fernwasserleitungen aus
trum von überregionaler Bedeutung. häusern. Stein und Kanalisationssysteme gelten
Um 170 n. Chr. wird Trier mit ei­ Bewohner einfacher Zimmer ohne damals wie heute als Meisterleistung
ner gewaltigen Befestigung versehen. Feuerstelle und Wasserversorgung es­ römischer Ingenieurskunst. So versor­
Mit etwa 50 Rundtürmen und fünf sen street food und nutzen öffentliche gen auch mehrere Wasserleitungen das
Stadttoren umgibt sie eine Fläche von Toiletten und Badeanstalten für ihre römische Trier: eine leitet über 13 km
285 ha – mehr als antikes Köln, Mainz Hygiene. täglich ca. 25 Mio. l Wasser in die Stadt.
und Metz zusammen. Die Höhe der Wohnblocks ist durch Die Aquädukte speisen öffentliche
Verordnungen beschränkt. Im Erdge­ Brunnen, Thermen und private Bäder.
Großstadtleben schoss befinden sich oft Geschäfte. Im  Thermen sind wichtiger Bestandteil
Römische Großstädte sind melting pots ersten Stock folgen geräumige und mit des städtischen Lebens und werden
mit sozialer Vielfalt. Balkonen, fließendem Wasser und To­ häufig  besucht.  Neben  Schwimmbe­
Viele Vorschriften regulieren das iletten ausgestattete Wohnungen. Mit cken, Schwitzräumen und Sportplätzen
geschäftige Treiben und den Verkehr. jeder weiteren Etage werden diese klei­ reicht das Angebot von kosmetischen
Handwerkerzünfte organisieren sich zur ner, weniger komfortabel, dafür aber und medizinischen Behandlungen bis
Brandbekämpfung, ähnlich der heutigen auch günstiger. zur musischen Unterhaltung und kuli­
freiwilligen Feuerwehr. Erlasse und Ver­ Gutsituierte leisten sich repräsen­ narischen Versorgung. Bei einem ge­
bote kämpfen gegen die Verschmutzung tative Immobilien. Mosaiken, Malerei, meinsamen Latrinenbesuch wird der
des öffentlichen Raumes, denn Haus­ Buntsteinplatten oder Stuckgesimse neueste Klatsch auf dem «stillen Ört­
haltsmüll entsorgt man über die offenen schmücken die Zimmer (Abb. 1). Zum chen» ausgetauscht, in der Antike ein
Kanalrinnen am Straßenrand. gehobenen Standard zählen auch be­ Ort mit sozialer Funktion.
Charakteristisch ist die Bandbreite heizte Bäder und Fußbodenheizun­ Besonders große Badeanlagen wie
der Wohnbauten: Häuser mit Gärten, gen. die sog. Barbarathermen aus dem 2. Jh.

Abb. 2 In der Hauptachse des symmetrisch angelegten Badetraktes befinden sich das Kaltbad («frigidarium»), das lauwarme Bad («tepidarium») und 
das Warmbad («caldarium»). Umkleideräume und diverse Säle zum Aufenthalt gruppieren sich darum. Den Badegast erwartet eine verschwenderische
Ausstattung in der weitläufigen Anlage. 

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

n. Chr. verbrauchen Unmengen an Was­


ser. Mit 42 000 m² und mehr als 15 Was­
serbecken handelt es sich um den
zweitgrößten Thermenkomplex die­
ser Zeit im Römischen Reich (Abb. 2).
Eine Kuppel überdeckt die zentrale
Halle in 30 m Höhe und verglaste Fens­
ter sorgen für lichtdurchflutete Räume. 
Das Wasser wird in riesigen Kesseln
vorgeheizt und durch Bleirohre in die
Becken geführt. Unterirdisch verläuft
das nur für Dienstpersonal begehbare
Kanalisationssystem. Sämtliche Abwäs­
ser werden in die Mosel geleitet.
Abb. 3 Die Etiketten dienen zur Markierung von importierter Ware, die Verkäufer am Zielort an­
bringen. Sie geben Auskunft über Produkt, Gewicht und Preis. Zu den heimischen Spezialitäten
Spektakel für die Massen gehören fette Spatzen – «passer(es) ping(ues)», wie auf dem Etikett vermerkt ist; Blei. L 2,9 cm. –
2.–3. Jh. n. Chr., Fundort: Trier.
Das römische Unterhaltungsangebot
ist üppig. Städtische Events locken
nicht nur Einheimische, sondern auch
Besucher aus dem Umland. Große Ver­ mit Gladiatorenkämpfen seinen Höhe­ gen wie heutigen Spitzenlagen. Wein­
anstaltungen in Vergnügungsbauten punkt. Gladiatoren und Tiere warten anbau im größeren Umfang ist hier für
wie Amphitheater, Circus und Thea­ in Kammern in der Arenamauer auf das 3. bis 5. Jh. n. Chr. archäologisch
ter werden vom Kaiser oder städti­ ihren Einsatz oder werden mittels He­ belegt. Die Kelteranlagen sind mit je­
schen  Würdenträgern  finanziert.  Alle  bebühne aus dem Keller in die Spiel­ weils einem Maische­, Press­ und
Gesellschaftsschichten kommen dort stätte gefahren. Jeder Gladiator tritt Mostbecken auf drei Ebenen verse­
zusammen: der Besuch ist kostenlos, in spezieller Ausrüstung gegen seinen hen. Anbauten können als Rauchkam­
aber Eintrittskarten regeln die Platz­ Gegner an und wird von einem Kom­ mern gedeutet werden. Man bedient
verteilung. So sind die unteren Sitz­ mentator dem Publikum mit Namen, sich unterschiedlicher Tricks, um den
reihen der Oberschicht vorbehalten, Waffengattung  und  Kampfbilanz  vor­ Rebensaft zu optimieren: so dienen die
während die Freigelassenen und Skla­ gestellt. Rauchkammern zur vorzeitigen Reifung
ven im oberen Umlauf mit Stehplät­ oder die Zugabe von Kalk zum Entsäu­
zen vorliebnehmen müssen. Im 2. Jh. Viele Handelswege führen ern des Weines.
n. Chr. wird auch in Trier ein Amphi­ nach Trier Doch überlieferte Klagen über Wein­
theater gebaut. Mit einer Kapazität für Die Moselmetropole liegt an zwei fälschungen aus der «Panscherhoch­
etwa 18 000 Zuschauer zählt der Bau  großen Fernstraßen vom Mittelmeer burg» Gallien sind wohl nicht auf den
zu den besonders großen Kampfstät­ zum Rhein und besitzt einen Stadt­ Moselwein zu beziehen.
ten. hafen. Dank ihrer verkehrsgünstigen Mit dem Aufstieg zur Kaiserresi­
Vor einer Veranstaltung startet am Lage ist sie nicht nur Umschlagplatz denz fördern die neuen Versorgungs­
Morgen im Stadtzentrum eine festli­ für Waren in alle Teile der römischen ansprüche zwar das Land, doch die
che Prozession von Würdenträgern Welt, sondern auch ein gewinnbrin­ nun an herrschaftlichen Bedürfnis­
und Teilnehmern der Spiele, die ge­ gender Standort für die Händler­ sen ausgerichtete Produktion führt
meinsam zum Spielort ziehen. Blutige branche. Exportartikel sind haupt­ auch zu Preissteigerungen. In der an­
Tierhetzen eröffnen die Veranstaltung: sächlich Keramik, Tuch und Wein, onymen Beschreibung von Städten in
Exotische Tiere werden darauf abge­ während Töpferwaren, Glas, Lampen Gallien (Expositio totius mundi) heißt
richtet ihre menschlichen Gegner an­ sowie teure kulinarische Köstlichkei­ es: «… weil da (in Trier) der Kaiser ist,
zugreifen.  In  der  Mittagszeit  finden  ten aus aller Welt importiert werden gibt es alles in Hülle und Fülle, aber zu
Hinrichtungen zum Tode Verurteil­ (Abb. 3). Höchstpreisen».
ter  statt.  Häufig  erfolgt  die  «Verur­ Die Gutshöfe im Umland sind auf
teilung zu den Bestien»: ein waffen­ agrarische Erzeugnisse, Holzwirtschaft Rom geht – Trier kommt
loser Kampf gegen wilde Tiere. Am oder Weinanbau spezialisiert. Römi­ Mit Beginn der Vierkaiserherrschaft
Nachmittag erreicht das Programm sche Keltereien finden sich an damali­ Ende des 3. Jhs. n. Chr. verliert Rom

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ANTIKE WELT 5/19
«IN HÜLLE UND FÜLLE, ABER ZU HÖCHSTPREISEN» – Licht und Schatten einer römischen Metropole

Abb. 4
Blick in die Basilika.
In der Apsis der
Audienzhalle emp­
fängt der thronende
Kaiser höchstper­
sönlich Gesandtschaf­
ten und Gäste. Wände
und Böden dieses von
außen recht schlichten
Prunkbaus sind mit
buntem Marmor aus
allen Teilen des
Römischen Reiches
verkleidet.

an Bedeutung und andere Machtzen­ regelmäßig in Trier und finanziert die  Weitere Informationen unter:


tren etablieren sich. Kaiser Maximian Umfunktionierung der Bauten zur Un­ www.landesmuseum­trier.de
macht Trier zur Residenz. Die Stadt ist terkunft für die Palastgarde.
nun zentraler Verwaltungsort der gal­ In kaiserlichem Besitz befinden sich 
lischen Präfektur – die von Schottland ebenfalls palastartige Landsitze, we­
bis Marokko reicht – und hat ihre ei­ nige Kilometer vor den Toren der Adresse der Autorin
gene Münzstätte. Für neun römische Stadt. Für die Villa von Konz ist schrift­ Dr. Korana Deppmeyer
Rheinisches Landesmuseum Trier
Kaiser sind teils mehrjährige Aufent­ lich bezeugt, dass Kaiser Valentinian I. Weimarer Allee 1
D­54290 Trier
halte bezeugt, insbesondere für Valen­ diverse Erlasse im Sommer des Jahres
tinian I. und Gratian. 371 n. Chr. dort unterzeichnet. Bildnachweis
Beamte, Bischöfe, berühmte Auto­ Die neue Residenz Trier samt Um­ Abb. 1: Thomas Zühmer, Rheinisches Landesmuseum
Trier – GDKE; 2: Dießenbacher Informationsmedien,
ren und Philosophen zieht es nun an land kommt allerdings nicht bei allen Xanten; 3: Thomas Zühmer, Rheinisches Landesmuseum
den Kaiserhof. Inschriften lassen auf gut weg. Anlässlich des Thronjubilä­ Trier – GDKE; 4: Dießenbacher Informationsmedien,
Xanten.
ein buntes Bevölkerungsgemisch schlie­ ums von Valentinian I. am 25. Februar
ßen: Etwa ein Viertel der Bewohner ist 369 n. Chr. hält der junge römische Se­ Literatur
fremder Herkunft. nator Symmachus in Trier eine Lob­ G.BREITNER, Öffentliche Repräsentationsbauten Triers,
in: Ein Traum vom Rom. Stadtleben im römischen
Für die neue Kaiserresidenz Trier, rede auf ihn. Es heißt darin: «Fünf Deutschland. Ausstellungskatalog Trier (2014) 112−123.
nun Treveris genannt, wird ein kom­ Jahre Deiner Regierung verbringst M. DODT, Marmorluxus in den großen Thermen der
Stadt Trier, in: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier
plettes Stadtviertel einplaniert. So Du schon dort, wo Klima und Land­ 46 (2014) 52−67.
entsteht eine kaiserliche Audienz­ schaft gleich schrecklich sind, unter T. FONTAINE, Das Trierer Umland im 4. Jahrhundert, in:
Konstantin der Große. Ausstellungskatalog Trier (2007)
halle – die Basilika, mit Boden­ und einer dichten Wolkendecke, in stän­ 333−341.
Wandheizung sowie mit edelstem diger Kälte, mitten unter wilden Fein­ P. HOFFMANN / J. HUPE / K. GOETHERT, Katalog der rö­
farbigem Stein ausgestattet (Abb. 4). den, weit und breit nur wüste Öde …»  mischen Mosaike aus Trier und dem Umland. Trierer
Grabungen und Forschungen 16 (1999).
Den östlichen Abschluss des Palast­ (Symmachus, Rede 1,16).
J.HUPE, Topographie und Stadtentwicklung der colonia
areals bildet der Circus, eine Pferde­ Das hielt aber offensichtlich nie­ Augusta Treverorum, in: Ein Traum vom Rom. Stadtleben
im römischen Deutschland (2014) 94−111.
rennbahn, die Kaiser Konstantin I. manden davon ab, sich im römischen
H.­P. KUHNEN (Hrsg.), Amphitheater Trier I. Ausgrabungen
im 4. Jh. n. Chr. aufwändig ausbauen Trier dennoch sehr wohl zu fühlen. und Forschungen 1816−1996; mit Auszügen aus Skizzen­
büchern und Grabungsakten der Jahre 1816−1996 (2017).
lässt. Nahe der Basilika werden die Zum Thema gibt es die passende
T. LEWIT, Oil and wine press technology in its economic
Kaiserthermen in Angriff genommen, Ausstellung:  vom  31. 8. 2019  bis  context. Screw presses, the rural economy and trade
doch  kommt  es  hier  um  316  n.  Chr.  26. 1. 2020  ist  «Spot  an!  Szenen  ei­ in Late Antiquity, in: Antiquité tardive 20 (2012) 137−149.
L. SCHWINDEN, Vom Ganges an den Rhein. Wareneti­
zu einem Baustopp. Allerdings sind ner römischen Stadt» im Rheinischen ketten und Bleiplomben im Fernhandel, in: CH. EGER
Bauruinen in der Antike nicht unge­ Landesmuseum Trier zu sehen. Da­ (Hrsg.), Warenwege – Warenflüsse. Handel, Logistik und
Transport am römischen Niederrhein (2018) 423−441.
wöhnlich; sie gehören ebenfalls zum nach steht die Wanderausstellung für
F. UNRUH, Trier. Biographie einer römischen Stadt. Von
gewohnten Stadtbild. Erst Valenti­ interessierte Museen zur kostenfreien Augusta Treverorum zu Treveris (2017).
nian I. residiert ab 367 n. Chr. wieder  Ausleihe zur Verfügung.

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ANTIKE WELT 5/19
HEISSE QUELLEN, SALZ UND DAT TELPALMEN
Das Tote Meer auf der Mosaikkarte von Madaba

Die Mosaikkarte von Madaba diente einst Pilgern zur Orientierung im Heiligen Land. Diese
Aufgabe muss sie heute nicht mehr erfüllen. Stattdessen ist sie zu einer historisch-
naturräumlichen Quelle par excellence für das Heilige Land und damit auch für die Region
des Toten Meeres geworden. Die hier aufgezeigten Merkmale waren Inspiration für
die Ausstellung «Leben am Toten Meer» und werden dort präsentiert.

von Martin Peilstöcker und Sabine Wolfram den etwa zwei Millionen Steine benö- der Bevölkerung die Stadt und sie ge-
tigt. Sie entstand in der Mitte des 6. Jhs. riet langsam in Vergessenheit.
um ersten Mal überhaupt ist die und zeigt die Region vom Libanon über
Z Kulturgeschichte des Toten Mee-
res Thema einer archäologischen Aus-
Palästina bis zum Nildelta in Ägypten
mit Jerusalem im Zentrum, gleichsam
Kein Leben im Salzmeer
Das Tote Meer ist auf der Mosaikkarte
stellung. Vom 27. September 2019 bis als Nabel der Welt. Die Mosaikkarte fast noch präsenter als Jerusalem und
zum 29. März 2020 werden unter dem folgt zum großen Teil dem Onomas- zentral platziert. Dies erklärt sich aus
Titel «Leben am Toten Meer» zahlrei- tikon des Eusebios von Caesarea, ein der realen und mythischen Verortung
che Originale von Ausgrabungen aus Ortsnamenverzeichnis mit kurzen Er- wichtiger biblischer Orte wie Sodom
den verschiedenen Orten rund um das läuterungen zur Bibel auf Griechisch, und Gomorrha oder der Taufstelle an
Tote Meer im smac in Chemnitz zu se- und zeigt neben Orten auch Landschaf- seinen Gestaden bzw. in unmittelba-
hen sein. ten, Gebirge, Flüsse, Tiere und Pflan- rer Nähe (Abb. 2). Wer sich allerdings
Viele dieser Orte sind zum ersten zen. Die Karte nutzt wiederkehrende heute mit der Archäologie und Kultur-
Mal auf der Mosaikkarte von Madaba Symbole, die für die Bedeutung der geschichte der Region befasst, erfreut
aus dem 6. Jh. zu sehen, die als äl- Orte stehen, nicht aber deren dama-
teste Landkarte des Heiligen Landes lige Bauwerke realistisch zeigen. Sie
gilt (Abb. 1). Madaba liegt etwa 30 km diente frühen Pilgern zur Orientierung,
östlich des Toten Meeres und 30 km daher werden nicht die politischen Ge-
südlich von Amman am antiken Kö- gebenheiten der Zeit gezeigt, sondern Kopie der Madaba-Karte in Göttingen –
Von Jordanien nach Göttingen
nigsweg. In dieser Region, östlich des die Orte von religiöser Bedeutung. Sie Die Mosaikkarte in der St. Georgskriche von
Toten Meeres im heutigen Jordanien ist geostet, nicht, wie moderne Karten, Madaba war Mitte der 1960er Jahre in
entstand in byzantinischer Zeit ein genordet. Sie zeigt einen Raum vom Li- einem sehr schlechten Zustand, insbeson-
dere hatten sich Teile vom Untergrund ge-
Zentrum christlichen Lebens. Davon banon im Norden bis zum Nildelta im löst. Auf Initiative von Professor Herbert
zeugen die Taufstelle am Jordan, die Süden sowie vom Mittelmeer im Wes- Donner (Göttingen) gab der Deutsche Pa-
Mose-Kirche auf dem Berg Nebo und ten bis nach Madaba selbst im Osten, lästinaverein 1965 die Restaurierung in
Auftrag, wobei die Volkswagenstiftung die
zahlreiche Kirchenbauten, z. B. in Ma- wobei letztere Darstellung sich nicht Mittel bereitstellte. Dr. Heinz Cüppers vom
daba, zu dieser Zeit auch Bischofssitz. erhalten hat. Landesmuseum Trier oblagen die Arbeiten
Beim Bau der griechisch-orthodo- Trotz islamischer Hoheit konnte die vor Ort. Im Zuge der Restaurierung wurde
eine Kopie angefertigt, die sich seit 1977 in
xen Georgskirche Ende des 19. Jhs. Kirche bis in das 10. Jh. weiter genutzt der Gipsabguss-Sammlung des Archäolo-
wurden die Überreste eines Vorgän- werden, allerdings mussten im 8. Jh. gischen Instituts der Universität Göttingen
gerbaus entdeckt. Den Boden die- die figürlichen Darstellungen aus der befindet. Die Nachbildung entspricht der er-
haltenen Mosaikfläche von 15,70 x 5,60 m,
ser Kirche zierte eine ursprünglich Karte entfernt werden und die mensch- die ursprünglich wohl 22 x 7 m maß. Sie
22 x 7 m große Mosaikkarte, von der lichen Gesichter mit weißen Mosaik- ist sie eine wichtige Arbeitsgrundlage für
ca. 15,70 x 5,60 m noch erhalten sind, steinen unkenntlich gemacht werden. alle, die sich mit der Region des Toten Mee-
res beschäftigen. Alle hier gezeigten Fotos
was etwa einem Viertel des Originals Nach einem starken Erdbeben im Jahr zeigen die Göttinger Madaba-Karte.
entspricht. Für die Darstellung wur- 749 verließ allerdings der größte Teil

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ANTIKE WELT 5/19
H�ISS� QU�LL�N, SALZ UND DAT T�LPALM�N – Das Tote Meer auf der Mosaikkarte von Madaba

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

sich an den vielen Hinweisen in der


Karte auf die naturräumlichen Eigen-
heiten der Region und des Sees, die
Grundlagen menschlichen Lebens, der
Gesundheit, der Mobilität, Macht und
Ohnmacht und schließlich Kult und
Religion. Themen, die die Sonderaus-
stellung «Leben am Toten Meer» auf-
greift und sich dabei punktuell auf die
älteste bildliche Darstellung der Re-
gion bezieht. Die wichtigsten Darstel-
lungen auf dem Mosaik sollen im Fol-
genden kurz vorgestellt werden.
Deutlich sind der Jordan und seine
Mündung in das Tote Meer zu sehen
(vgl. Abb. 2). Im Jordan sind schwim-
mende Fische zu erkennen, allerdings
scheint der direkt an der Mündung ge-
zeigte Fisch sich vom Toten Meer ab-
zuwenden. Aufgrund des hohen Salz-
gehalts (ca. 30 %) können im Toten
Meer keine Pflanzen und Tiere leben.
Dies beschreiben bereits antike Au-
toren wie der berühmte Arzt Galen
(2. Jh. n. Chr.) und es wird den Mosaik-
Handwerkern von Madaba auch be-
kannt gewesen sein.
Beeindruckend und ein wichtiges
Merkmal des Naturraums ist die Dar-
stellung des jordanischen Hochlands
und der schmalen Wadis, die vom To-
ten Meer hinaufführen (vgl. Abb. 1,
oberer Bildrand). Aufgrund der steilen
Klippen insbesondere am östlichen
Ufer, war eine Fortbewegung entlang
der Ufer in der Vergangenheit schwie-
rig. Wadis garantierten den Zugang
zum See, während sich eine Fortbe-
wegung von Nord nach Süd per Boot
empfahl. Auch aus dem judäischen
Hochland führten Wadis hinunter ans

Abb. 1
Die Göttinger Kopie der Mosaikkarte von
Madaba (siehe Kasten). Mosaike zieren an für
sich Fußböden.

73
ü
ANTIKE WELT 5/19
H�ISS� QU�LL�N, SALZ UND DAT T�LPALM�N – Das Tote Meer auf der Mosaikkarte von Madaba

Tote Meer beispielsweise in die Oase nung ist eine Übersetzung des griechi- Etwas oberhalb, also nördlich, wird
En Gedi. Darüber hinaus tragen Wa- schen Namens Kallirrhöe und tatsäch- das «Heiligtum des Lot» markiert. Tat-
dis, ob nur im Winter oder ganzjährig lich ist auf der Madabakarte zu lesen sächlich wird hier der Ort tradiert, an
Wasser führend, zur Trinkwasserver- «Therma Kallirrhöe», denn in der Oase dem Lot nach der Zerstörung von So-
sorgung der Menschen bei. Die Höh- entspringen mehrere Quellen, deren dom und Gomorrah laut biblischer
len in den Wadis des judäischen Berg- heißes Wasser heilende Wirkung hat. Überlieferung Zuflucht suchte.
landes dienten beispielsweise in der Daneben ist ein rundes Becken, ein
Kupferzeit zur Aufbewahrung eines quadratisches Gebäude mit Apsis, ein Mit dem Schiff über das Meer
Hortfundes (Cave of the Treasure) und Wasserbecken und zwei Palmen zu Folgen wir dem Ufer des Toten Mee-
während des Bar Kochba Aufstandes sehen. In Kallirrhöe suchte schon der res und umfahren es südlich, um
im 2. Jh. n. Chr. als Zufluchtsorte. schwerkranke König Herodes Heilung dann wieder nach Norden zu gelan-
Heute führen bequeme, gut ausge- und bis heute werden sie von den Be- gen, so sind auf Grund von Zerstörun-
baute Straßen entlang der Ufer des wohnern der Region genutzt. Auf der gen kaum Hinweise auf der Karte zu
Toten Meeres. Startet man von der weiteren Fahrt Richtung Süden ist es finden. Die beiden Schiffe, die in der
Jordan-Mündung entlang des Ost- dann wieder die karge Landschaft, die Mitte des Toten Meeres zu sehen sind
ufers Richtung Süden, so gelangt man einen begleitet. Auf dem Mosaik lesen (Abb. 5), legen jedoch nahe, dass es
schnell in eine Gegend, in der die nur wir «Salzsee, Asphalt-See, also Totes Anlegestellen oder Häfen gegeben ha-
vereinzelt mit Gestrüpp bewachsenen Meer» (Abb. 3). ben muss, wie beispielsweise in der
Berghänge steil in den See abfallen. Angekommen am Südende des To- Gegend von En Gedi, wo bei Oberflä-
Hier und da sind die Felswände von ei- ten Meeres erreicht man Ghor as-Safi chenuntersuchungen immer wieder
nem Wadi durchschnitten. Nach dem bzw. as-Safi. Ein Blick auf die Mosaik- Anker in Ufernähe gefunden wurden.
Wadi Zerqa Main wird die Wüsten- darstellung zeigt uns hier eine Oase Bei näherer Betrachtung der bei-
landschaft für kurze Zeit von einem mit Gebäuden Dattelpalmen und dem den Schiffe zeigt sich, dass leider ei-
Bereich üppiger, grüner Vegetation Namen Zoara (Abb. 4). Die Pilgerin nige Bereiche den Zerstörungen zum
abgelöst, die ihren Ursprung in den Egeria erwähnt einen Bischof von Zo- Opfer gefallen sind, aber ein Detail
Quellen der Oase von Ein ez-Zara (die ara der sie auf ihrer Reise Ende des auffällig ist: Obwohl im Stil zeitgenös-
blühende Quelle) hat. Die Bezeich- 4. Jhs. n. Chr. in der Gegend begleitete. sischer Boote dargestellt, zeigt zumin-

Abb. 2
Fische schwimmen im
Jordan, an dessen öst-
lichen Ufer, also oberhalb,
die Ainon und unterhalb
ein Kloster des Johannes
des Täufers markiert sind.
Beide Orte werden heute
als Taufstelle verehrt.
Balsamsträucher und Nu-
bischer Steinbock sind
ebenfalls abgebildet.

74
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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

dest das eine Boot ein um den Mast


gewickeltes Segel. Dies wäre eine Si-
tuation, die die Fahrt auf dem See un-
möglich machen würde und scheint
darauf hinzuweisen, dass der Herstel-
ler des Mosaiks mit Schifffahrt nicht
vertraut war. Diese Nachlässigkeit im
Detail steht im Widerspruch zur Dar-
stellung von Jerusalem, die nahelegt,
dass der Künstler eine sehr genaue
Vorlage hatte. Die Boote auf der Ma-
daba-Karte sind nicht der älteste Hin-
weis auf die Seefahrt. Im Nordpalast
auf Masada wurden in den Putz ge-
ritzte Darstellungen von zwei Schiffen,
wahrscheinlich ägyptischer Bauart ge-
funden. Diese Darstellung datiert wohl
Abb. 3 Drei Quellen nahe des Ufers des Toten Meeres markieren die Therma Kallirhöe, die
in das 2. oder 1. Jh. v. Chr. Die Schiffe Oase wird durch Dattelplamen dargestellt. Zu beiden Seiten wird Kallirhöe von Wadis flankiert,
auf der Madaba-Karte entsprechen die ins Bergland führen.
ansonsten zwar anderen Bootsdar-
stellungen römischer Schiffe, es bleibt
aber unklar, was sie transportierten:
Sind es Haufen von Salz oder doch Ge- über den Anbau, die Kultivierung, Be- aus können aus der Dattel Honig ge-
treide bzw. andere Güter? fruchtung, Arten, das Eigentum an wonnen oder alkoholische Getränke
Nördlich des Toten Meeres, also Plantagen, Qualität und Verwendung gebraut werden. Dass die Dattelpalme
auf der Karte links, ist Jericho gut zu der Dattelpalme und ihrer Frucht ge- noch mehr zu bieten hatte, zeigt ein
erkennen. Hier zeigt die Mosaikkarte, schrieben. Ihre Frucht, die zu 85 % Zitat aus dem Midrasch Bamidbar
wie an mehreren Orten im Jordantal aus Zucker bestehende Dattel, kann Rabba 3, 1 aus dem 3. bis 5. Jh. n. Chr.:
und am Toten Meer Dattelpalmen, frisch oder getrocknet gegessen wer- «Kein Teil der Palme verdirbt: (…), die
beispielsweise außerhalb der Stadt- den. Die besten Datteln werden seit Lulavzweige zum Schwenken in Jubel
mauern von Jericho (Abb. 6). Die Dat- der Antike exportiert. Darüber hin- beim Laubhüttenfest, die trockenen
telpalmen sind zwar als Symbole für
Oasen mehrfach auf der Karte zu se-
hen, aber tatsächlich spielt die Dat- Abb. 4 Zoara. In byzantinischer Zeit war es ein administratives Zentrum und Bischofsitz und das
tel bis heute eine große Rolle in der ist mit dem Symbol für eine mittelgroße Stadt mit zwei Kirchen gekennzeichnet.
Gegend. Wie berühmt die Datteln
aus Jericho schon in der Antike wa-
ren, zeigt ein Zitat von Plinius (Na-
turgeschichte 13, 44): «…aber wie
sie [Dattelpalmen] dort in Menge
und Fruchtbarkeit gedeihen, so edel
sind sie in Judäa, und zwar nicht ein-
mal im ganzen Land, sondern vor al-
lem in Jericho …». Die Dattelpalme ist
eine typische Oasenpflanze, da hier
für ihren Anbau genügend Wasser
zur Verfügung steht. Am Toten Meer
gedeiht sie deswegen so ausgezeich-
net, da sie salzhaltige Böden gut ver-
trägt. Bereits in biblischen und ge-
lehrten Schriften des Altertums wird

75
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ANTIKE WELT 5/19
H�ISS� QU�LL�N, SALZ UND DAT T�LPALM�N – Das Tote Meer auf der Mosaikkarte von Madaba

Abb. 5 Schiffe waren in der Antike ein bedeutendes Verkehrsmittel am Toten Meer. Steile Klippen entlang der Ufer behinderten zu vielen Zeiten die
Fortbewegung zu Fuß.

Zweige zum Dachdecken, die Fasern Für die frühen Juden war die Pflanze Symbol für Rechtschaffenheit, Liebe
für Seile, die Blätter für Siebe und der heilig und stand für Frieden und Har- und gute Ernten und den Muslimen
Stamm zum Hausbau.» monie, den frühen Christen galt sie als als Lebensbaum.
Erstmals tauchen Dattelkerne in ar-
chäologischen Befunden der Kupfer-
Abb. 6 Jericho: nicht die älteste Stadt und nicht durch Posaunen zerstört, aber in der Antike be- zeit auf, ihre Domestikation begann
rühmt für seine Datteln. sicher früher. In Mamelukischer Zeit
verliert der Dattelpalmenanbau an
Bedeutung. Erst mit dem Britischen
Mandat Palästina ändert sich dies,
und so finden sich heute in den Oa-
sen im Westjordanland und am israe-
lischen Ufer des Toten Meeres wieder
ausgedehnte Plantagen.

Balsam für die Seele


Eine zweite Pflanze, deren Identifizie-
rung nicht einfach ist, die aber mehr-
mals auf der Karte zu sehen ist, ist der
Balsamstrauch (vgl. Abb. 2). Plinius
der Ältere beschreibt seine Einzigar-
tigkeit: «Aber allen wohlriechenden
Spezereien wird der Balsambaum vor-
gezogen, der nur allein dem jüdischen

76
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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

Lande verliehen ist» (Naturgeschichte römische En Boqeq am Toten Meer ar-


12,54). Sein Harz liefert die Basis für chäologisch belegen. Adresse der Autoren
Dr. Sabine Wolfram
Öle, die im Tempel in Jerusalem Ver- Auch eine Reihe von Tieren sind in Direktorin smac – Staatliches Museum für
wendung fanden. Blätter, Früchte, der unmittelbaren Umgebung des To- Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1
Zweige und Triebe lieferten die Basis ten Meeres zu erkennen. In der Vergan- D-09111 Chemnitz
Dr. Martin Peilstöcker
für entzündungshemmende Medika- genheit waren in der Region Wildziege/ Humboldt-Universität zu Berlin
mente. Das wichtigste Produkt aber Wildschaf, Wildschwein, Nilpferd (!), Lehrstuhl für �xegese und Literaturgeschichte des
Alten Testaments
war das aus dem Harz gewonnene Gazelle, Großkatzen und der Steinbock Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
gleichnamige Parfüm, das schon in heimisch. Die vermutlich kultische Be-
Kleinstmengen ein Luxusprodukt dar- deutung des Steinbocks manifestiert Bildnachweis
stellte. Balsam war für die Region zeit- sich in einem kunstvoll verzierten Keu- Alle Abb. © Archäologisches Institut der Universität
Göttingen, Foto: Stephen �ckardt.
weise ökonomisch wohl noch wich- lenkopf oder Zepter aus Nahal Misch-
tiger als die Dattel und wurde so zu mar, Cave of the Treasure (ca. 4000 Literatur
einem politischen Spielball beispiels- v. Chr.). Die Mosaikkarte von Madaba H. DONN�R, The Mosaic Map of Madaba: an Introduc-
tory Guide (1992).
weise zwischen Herodes und Cleopa- wiederum zeigt wie eine Großkatze ei- Z. FRI�DMAN, Sailing the Dead Sea: Madaba Map Mosaic,
tra im Ringen um die Vorherrschaft nen Steinbock jagt (vgl. Abb. 2). Leider in: L. D. Chrupcala (Hrsg.), Christ is here! Studies in
Biblical and Christian Archaeology in Memory of Michele
in der südlichen Levante respektive ist das Mosaik an dieser Stelle zerstört, Piccirillo (2012) 341–354.
am Toten Meer. Auch wenn das Ge- so dass sich nur vermuten lässt, dass F. N. H�PP�R / J. �. TAYLOR, Date Palms and Opobalsam
in the Madabamosaic Map, in: Palestine �xploration
wächs seit dem 7. Jh. ausgestorben ist, es sich um einen Leoparden handelt, Quarterly, 136/1 (2004) 35–44.
so lässt sich die Balsamproduktion für der wiederum gemeinsam mit einem R. WARLAND, die Mosaikkarte von Madaba und ihre Ko-
pie in der Sammlung des Archäologischen Instituts der
Orte wie beispielsweise das eisenzeit- Steinbock auf einem Öllampchen aus Universität Göttingen. Georgia Augusta 71, 1999, 41–48.
liche Tell Goren bei En Gedi und das En Gedi dargestellt ist.

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ANTIKE WELT 5/19
IM DIENSTE DES KROKODILS
Der Kultbetrieb im Tempel von Dimê

Ein internationales Team erforscht in verschiedenen Teilprojekten das Leben in Dimê, einem
antiken Ort in der ägyptischen Wüste. So gräbt dort eine Mission der Università del
Salento (Lecce) den Tempelbezirk aus. Die Entzifferung und Erschließung der Papyri aus
dieser Grabung liegen in den Händen von Würzburger Ägyptologen, die außerdem Hand-
schriften aus Altgrabungen in Dimê bearbeiten. Neuerdings beschäftigt sich ein deutsch-
französisches Forschungsprojekt an den Universitäten von Würzburg und Bordeaux
mit der Tempelbuchhaltung, die uns auch die ökonomischen Dimensionen des Kults besser
verstehen lassen.

von Maren Schentuleit und zu finden, gar an Orten berühmter an-


Abb. 1 Martin Andreas Stadler tiker Monumente, wo sich Touristen
In jährlichen Grabungskampagnen erforscht
ein Team der Università del Salento in Lecce neben denen tummeln, die den Touris-
die Ruinen des Soknopaiostempels von Dimê;
links ist das Grabungszelt der Missione
Archeologica dell’Università del Salento Lecce
zu sehen.
W egen der Bevölkerungsexplosion
in Ägypten wird es zunehmend
schwerer, die Einsamkeit in Ägypten
ten Souvenirs verkaufen wollen. Doch
es gibt sie noch, die Oasen abseits des
Trubels. Eine davon ist Dimê.

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

Die «Insel des Soknopaios»: ein Wahrnehmung führen –, sondern we- eben auch ökonomischen Prägekraft
verlassener Ort in der Wüste gen der unglaublich reichen Papyrus- der Institution für den gesamten Ort.
Diese antike Siedlung liegt gut 2 km funde, die vor allem aus Raubgrabun-
nördlich des Fayumsees heute ein- gen stammen und Ende des 19. Jhs. Das Soknopaiosritual:
sam in der Wüste. Ein ehemals großer in europäische Sammlungen kamen. ein Text in der «bösesten»
Tempel dominierte diesen Ort, den Hier sind an erster Stelle das Ägyp- ägyptischen Schrift
die Griechen Soknopaiu Nesos nann- tische Museum Berlin und die Öster- Zu den Ritualen, die wie in jedem ägyp-
ten – die «Insel des Soknopaios». So- reichische Nationalbibliothek in Wien tischen Tempel täglich durchgeführt
knopaios, seinerseits die griechische zu nennen. Diese Papyri sind eine wurden, gehörten das Opferritual und
Form des ägyptischen Sobek neb Pai, Schatzkiste, weil wir aus ihnen reich- ein Ritual, bei dem das Kultbild neu
war als «Sobek, der Herr von Pai» haltige Informationen sowohl zum eingekleidet wurde. Die Texte, die
eine Lokalform des krokodilköpfigen Alltagsleben als auch – häufig eng da- Priester zu den Kulthandlungen des
Gottes. Von dem Tempel dieses Sobek mit verknüpft – zu Religion und Kult Täglichen Rituals rezitierten, sind aus
sind noch beeindruckende Ruinen er- in Dimê erhalten. Der Hauptanteil dem Soknopaios-Tempel in einer Reihe
halten, die die Reste eines vermut- der Texte datiert in die Zeit von etwa demotischer Handschriften des 1. und
lich zwischen 100 v. Chr. und ca. 50 50 v. bis 250 n. Chr. Seit über zwan- 2. Jhs. n. Chr. überliefert (Abb. 2). Ihre
n. Chr. errichteten Baus sind (Abb. 1). zig Jahren erforschen Ägyptologinnen Edition steht nun nach fast 20 Jahren
Doch nicht wegen seiner Architektur und Ägyptologen der Julius-Maximili- Arbeit daran kurz vor dem Abschluss.
ist das Heiligtum in der Ägyptologie ans-Universität Würzburg die unter- Das ab der Mitte des 7. Jhs. v. Chr. in Ge-
berühmt – auch wenn hier die Aus- schiedlichsten Aspekte, die sich aus brauch gekommene Demotische gilt
grabungen eines Teams unter Lei- dem Quellenmaterial ergeben. Dem- ohnehin als «von allen bösen ägypti-
tung von Mario Capasso und Paola nach entspricht die architektonische schen Schriftarten die böseste», wie es
Davoli von der Università del Sa- Dominanz des Soknopaios-Tempels einmal der Ägyptologe Hermann Gra-
lento (Lecce) zu einem Wandel in der in Dimê der kultisch-religiösen, aber pow ausdrückte. Erschwerend kommt

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ANTIKE WELT 5/19
IM DIENSTE DES KrOKODILS – Der Kultbetrieb im Tempel von Dimê

hinzu, dass der Text in einer eigen- Wänden anderer ägyptischer Tempel Aussagen zu dem Gott, für den es
artigen Weise, nämlich «unetymolo- überwunden werden. Doch die Dimê- zelebriert wurde. Die Krokodilsköp-
gisch» notiert wurde. Einerseits wollte Fassung des Täglichen Rituals ist über figkeit spielt genausowenig eine Rolle
der Schreiber dadurch zusätzliche Be- die Demotistik hinaus von allgemei- wie spezifische Eigenschaften und
deutungsebenen einschreiben, indem nem ägyptologischen Interesse, weil Zuständigkeiten des Sobek oder sei-
das Schriftbild weitere Assoziatio- hier die letzten Handschriften für diese ner Lokalform Soknopaios. Seine Ver-
nen beim Leser weckt, andererseits Zeremonien vorliegen, die Redak- bindung zu Isis, die in Dimê eine pro-
den Klang des Textes festhalten. Dem tions-, Kompositions- und Texttradie- minente Verehrung genoss, genauso
Klang wurde nämlich eine besondere rungsfragen und den Umgang mit dem wie seine physische Stärke, Aggres-
kultische Wirksamkeit zugesprochen. altägyptischen Ritualtextkorpus be- sivität und sexuelle Potenz, wie wir
Diese unetymologischen Schreibungen leuchten. Dimê lag auch in der Antike sie aus anderen Quellen kennen, wer-
stellen indes – neben dem teils schlech- an der Peripherie Ägyptens, doch er- den an keiner Stelle erwähnt. Das ist
ten Erhaltungszustand der Papyri – weisen die Ritualhandschriften diesen letztlich auch kein Wunder, denn der
enorme Herausforderungen für die Ort als einen, der durchaus gute Ver- Text ist mindestens 1400 Jahre älter
Entzifferung dar, weil der Entziffe- bindungen zu den großen religiösen als die konkreten Papyrushandschrif-
rer sich nicht sicher sein kann, ob er und damit intellektuellen Zentren des ten, wurde ebenso in Tempeln ande-
es mit einzelnen Wörtern zu tun hat Landes hatte. Und nicht zuletzt finden rer Gottheiten verwendet und musste
oder ob sich die Wörter als Silben zu sich in den Handschriften Texte, die für deshalb allgemein genug sein, um
einem ganz anderen Begriff zusam- das Tägliche Ritual sonst nirgends er- auch dort zu funktionieren. Es kommt
menfügen. Die Schwierigkeiten kön- halten geblieben sind, wodurch sich noch etwas hinzu: Sobek ist nicht «für
nen nur durch Parallelen in anderen das Spruchkorpus noch erweitert. genau dieses oder jenes zuständig»,
ägyptischen Schriften (Hieroglyphen wie das gerne für Gottheiten in poly-
und Hieratisch) und Ritualszenen, Wer war eigentlich Soknopaios? theistischen Systemen abgefragt wird,
d. h. bildliche Darstellungen des Kults Worüber sich jedoch das Tägliche sondern er hat ein ausgesprochen uni-
in Verbindung mit Inschriften, auf den Ritual aus Dimê ausschweigt, sind versales Wesen. Er ist eine Form des

Abb. 2 Irgendwann im Verlauf des 2. Jhs. n. Chr. hat ein unbekannter Schreiber auf der Rückseite des Papyrus Berlin P. 8043 Texte zum
«Täglichen Ritual» niedergeschrieben (hier ein Ausschnitt).

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

Sonnengottes, ja solarer Urgott, der


aus dem Urwasser hervorkam und die
Welt erschuf. Darauf verweist auch die
Ikonographie einer Gottheit, wie sie
auf einer in Dimê ausgegrabenen Stele
zu sehen ist (Abb. 3). Obwohl die grie-
chische Inschrift nicht vollständig er-
halten geblieben und damit der Name
des Gottes verlorengegangen ist, so
wird man hier doch ziemlich sicher Abb. 3
Die kaiserzeitli-
Soknopaios erkennen dürfen. Mit ih- che Stele, die
ren drei Köpfen – Mensch, Falke, Kro- 2010 in Dimê aus-
gegraben wurde
kodil – verweist diese Darstellung auf (ST10/731/3533),
Sobek als höchsten Allgott. zeigt Soknopaios
als Gottheit mit drei
Köpfen, die seine
Kult kostet Geld mögliche Vielgestal-
Die religiöse und die ökonomische tigkeit als Ur-
und Schöpfergott
Sphäre kommen sich nicht nur deswe- zum Ausdruck brin-
gen nahe, weil schon in Ägypten galt gen.
«money makes the world go round»,
sondern sie berühren sich auch mate-
riell wie Papyrus Berlin P. 8043 zeigt:
Auf der Vorderseite findet sich eine dem «Schreiber der Priester» an der Priester, Hirten, Schwertträger:
listenförmige Abrechnung, eine Art Spitze die Einnahmen und Ausgaben der Tempel als Arbeitgeber
Kassenbuch des Tempels (Abb. 4). der Tempelkasse detailliert und in Der Soknopaios-Tempel spielte eine
Ein anderer Schreiber hat die Rück- mehreren Stufen dokumentierte: Auf wichtige Rolle im lokalen und regio-
seite genutzt, um dort Texte zum Täg- Tonscherben (Ostraka) notierten die nalen ökonomischen System als Ver-
lichen Ritual aufzuschreiben. Heute ist Schreiber täglich die Namen der an- pächter von Betrieben, Filialheilig-
dies der längste erhaltene Zeuge jener wesenden Priester und den Ein- und tümern und Berufslizenzen sowie als
Spruchsammlung. Schon die Vertei- Ausgang von Geld und verschiedenen vermittelnde Institution zwischen Hand-
lung auf dem Papyrus ist bemerkens- Waren wie Weizen und Brot. Die Emp- werkern und Gewerbetreibenden einer-
wert: das Kassenbuch auf der schö- fänger bzw. Einzahler erhielten da- seits und der staatlichen Administra-
nen Vorderseite, der religiöse Text für Quittungen auf Papyrus. Die Ost- tion andererseits. Die dokumentari-
aber später auf der für Schrift we- raka mit den Anwesenheitslisten und schen Zeugnisse geben zudem einen
gen der senkrechten Papyrusfasern Abrechnungen hingegen wurden im Einblick in den realen Kultbetrieb: Sie
eher schlecht geeigneten Rückseite, Buchhaltungsbüro gesammelt und dokumentieren die für den Unterhalt
als die Abrechnungsrolle schon zu nach einer gewissen Zeit nach Datum des Heiligtums und für die Kulthand-
Altpapyrus geworden war! Aber der oder Verwendungszweck sortiert auf lungen benötigten Naturalien, deren
Kult kostet natürlich auch etwas und Papyrusrollen in Listenform übertra- Kosten, Herkunft und Menge sowie
hatte damit eine handfeste finanzielle gen (Abb. 4). Auf diese Weise behielt die Bezahlung des Tempelpersonals in
Dimension. die Priesterschaft den Überblick über Geld und Lebensmittel für den norma-
Ägyptische Tempel waren schon den Kassenstand und konnte die kor- len Tempeldienst nebst Bonuszahlun-
deshalb nicht nur religiöse Kristalli- rekte Buchführung des Schreibers gen zu besonderen Anlässen. Als au-
sationspunkte, sondern auch Wirt- kontrollieren, die diesem regelmäßig ßerordentlich ergiebig erweisen sich
schaftszentren, und Dimê bietet wie mittels sog. Entlastungsquittungen die weitestgehend unpublizierten lis-
kaum ein anderer Ort eine reichhal- schriftlich bescheinigt wurde. Zudem tenförmigen Abrechnungen.
tige Materialbasis für das Studium der dienten die mehrere Meter langen Die zahlenmäßig größte Gruppe, die
hellenistisch-kaiserzeitlichen Tempel- Papyri als Grundlage für die obliga- auf der Lohnliste des Heiligtums steht,
wirtschaft. Dies liegt nicht zuletzt da- torischen, auf Griechisch abzufassen- bestand aus Mitgliedern des Kultper-
rin begründet, dass die Finanz- und den Finanzberichte an die römische sonals, allen voran die in fünf Mann-
Naturalbuchhaltung des Heiligtums mit Staatsverwaltung. schaften (Phylen) organisierten Wab-

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ANTIKE WELT 5/19
IM DIENSTE DES KrOKODILS – Der Kultbetrieb im Tempel von Dimê

Abb. 4 Ausschnitt aus der Vorderseite des Papyrus Berlin P. 8043 mit listenförmigen Abrechnungen: Charakteristisch für diese Dokumente ist das
zweispaltige Layout mit dem Texteintrag wie Personennamen, Amtstitel oder Produkte sowie Abgaben in der einen und einem Geldbetrag in der zwei-
ten Spalte. Hier sind also sechs Kolumnen zu je zwei Spalten zu sehen.

Priester. Jede Phyle bestand aus ca. Bier, Brot und Öl bezahlten Fütterer, Oliven zur Verköstigung sowie Reise-
30 Männern, die abwechselnd für je die sich um die Aufzucht und Haltung proviant vom Tempel erhielt. Ob das im
einen Mondmonat Dienst im Tempel der lebenden Krokodile kümmerten. Jahr 2006 gefundene frührömerzeitli-
taten und für einen Großteil der kul- Die Krokodile galten als die sog. hei- che Schwert aus Eisen, das von der ita-
tischen und kultorganisatorischen ligen Tiere, die in enger Assoziation lienischen Grabungsmission innerhalb
Aufgaben zuständig waren. Dazu ge- zum Gott Soknopaios standen und ei- des Tempelbezirks entdeckt wurde,
hörte etwa der Opferdienst und damit nen Teil des Tempelinventars darstell- ein Utensil der in den Dokumenten er-
verbunden der Transport des Weizens ten. Die für den Kult benötigten Opfer- wähnten Schwertträger gewesen sein
für das Opferbrot für Soknopaios. Das tiere, zumeist Rinder, wurden von den könnte, müssen weitere Forschungen
Getreide wurde aus dem Magazin zur sog. Hirten des Gottes versorgt, die erweisen.
Bäckerei des Tempels und die fertigen dafür Brot und Geld erhielten. Einige der in den Listen verzeich-
Brote dann zum Heiligtum gebracht. Sehr häufig sind in den Listen neten Naturalien fanden in religiösen
Neben Geldzahlungen erhielten diese Schwertträger erwähnt, denen ver- Ritualen Verwendung, wurden für die
Priester Bier und Wein sowie Öl. An mutlich die Bewachung des Tempels Instandhaltung der Gebäude oder die
besonderen Festtagen wurde ihnen oblag, die aber auch als Leibwäch- Herstellung von Tempelinventar be-
zudem Weizen ausgeteilt. Unmittelbar ter offizieller Funktionäre wie etwa nötigt. Zu Letzterem gehörten Lam-
am Götterkult beteiligt waren auch des königlichen Schreibers (basilikos pen und Lampendochte für die Be-
die entlohnten Sänger und Tänzer, die grammateus) auftraten. Dieser war leuchtung sowie verschiedene Gefäße,
aber vermutlich keine Priesterausbil- selbstverständlich nicht in Dimê sta- Schalen und Kisten aus Metall und
dung absolvieren mussten. tioniert, sondern kam möglicherweise Holz. Die genaue Verwendung der Ge-
Der Kult konnte nur ausgeführt während Inspektionsreisen dort vor- genstände geben die Abrechnungen
werden, da das Heiligtum über tech- bei. Der Eintrag in den Abrechnungs- nicht an, aber griechische und demo-
nisches Personal mit vielfältigen Auf- listen lässt darauf schließen, dass sein tische Listen über Tempelinventar, die
gaben verfügte. Dazu gehören die mit Bodyguard Brot und in Öl eingelegte bereits publiziert sind, werden für die

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ANTIKE WELT 5/19
THEMENPANORAMA

Interpretation der Gegenstände sehr für Ernährung, Kleidung und Wohnung


hilfreich sein. wird auf ca. 1100 Drachmen pro Jahr Adressen der Autoren
geschätzt! Für das häufig genannte PD Dr. Maren Schentuleit und
Prof. Martin Andreas Stadler
Ein halbes Jahreseinkommen neheh-Öl ist der Zweck in den Abrech- Lehrstuhl für Ägyptologie
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
für räucherwerk nungen fallweise angegeben, wenn es residenzplatz 2
D-97090 Würzburg
Als regelmäßige Ausgabe ist jene für heißt: «neheh-Öl (für) die Türen der
Myrrhen-Harz, Kyphi und neheh-Öl Kapelle der Isis». In Abmachungen
verzeichnet. Ähnlich wie Weihrauch aus Dimê, die die Regeln für den Un- Bildnachweis
Abb. 1: Foto: M. Stadler; 2. 4: © Staatliche Museen zu
war Myrrhe ein Bestandteil des Duft- terhalt und die Reinigung von Gebäu- Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung,
balsams, mit dem ein Offiziant das den verzeichnen, wird näher ausge- Foto: S. Steiß; 3: © M. Capasso, P. Davoli – Missione Ar-
cheologica dell’Università del Salento Lecce.
Kultbild im Täglichen Ritual salbte. führt, dass die Türen, in dem Fall des
Die Harz-Klümpchen konnten jedoch Großen Tores und des westlichen und
Literatur
auch verbrannt und zur Räucherung nördlichen Einganges, mit dem Öl «ge- Ein virtuelles Modell des Tempels in rekonstruktion
vor Götterstatuen verwendet wer- salbt» werden sollten. findet sich auf: https://www.museopapirologico.eu/
sok_sito.htm
den. Myrrhe war darüber hinaus eine Der heute so einsam in der Wüste
M. CAPASSO/P. DAVOLI (Hrsg.), Soknopaiou Nesos
Hauptzutat von Kyphi, einer weiteren liegende Tempelbezirk des Sokno- Project I (2003–2009), 2012.
Räuchermischung, die für guten Duft paios war also einst ein geschäftiger
H. KOCKELMANN, Der Herr der Seen, Sümpfe und Fluß-
und damit rituelle Reinheit sorgte. Die Ort: Jeden Tag aufs neue fanden die Ri- läufe: Untersuchungen zum Gott Sobek und den ägyp-
tischen Krokodilgötter-Kulten von den Anfängen bis zur
Schreibung des Wortes in den Abrech- tuale an den Götterstatuen im verbor- römerzeit (2017).
nungen mit dem Zeichen «Mast mit genen Allerheiligsten und unter Mit- S. L. LIPPErT/M. SCHENTULEIT, Quittungen (2006).
Segel», das auch Wörter wie «Wohl- wirkung nur weniger Eingeweihter
DIES., Die Tempelökonomie nach den demotischen Texten
geruch» und «Rauch/Qualm/Dampf» statt. An den nicht seltenen Festtagen aus Soknopaiu Nesos, in: DIES. (Hrsg.), Tebtynis und
Soknopaiu Nesos – Leben im römerzeitlichen Fajum. Akten
einschließt, verdeutlicht die Anwen- wurden die Kultbilder im Beisein von des internationalen Symposions vom 11.–13. Dezember
dung dieses Kyphi. größeren Mengen Gläubiger aus dem 2003 in Sommerhausen (2005) 71–78.

Die Listen verraten nichts über den Inneren herausgetragen, während ein M. SCHENTULEIT, Keeping Track of Accounts: The Editing
Platform DimeData, in: C. römer (Hrsg.), Acts of the
Empfänger der Räucherungen, aber umfangreicher Mitarbeiterstab tag- 7th International Fayoum Symposion, 29 October – 3 No-
vember (in Vorbereitung).
die griechischen Finanzberichte er- täglich rege damit beschäftigt war, die
läutern, dass Kyphi und andere Aro- administrativen und wirtschaftlichen M. A. STADLEr, Théologie et culte au temple de So-
knopaios: Études sur la religion d’un village égyptien
mata der Statue des Soknopaios und Grundlagen für den Kult und den Er- pendant l’époque romaine (2017).
des Harpokrates zugutekamen und halt des Heiligtums zu schaffen. Der
den Tempel im Jahr fast 600 Drach- Begriff «Kultbetrieb» passt insofern in
men kosteten. Zum Vergleich: Der Be- doppelter Hinsicht.
darf eines sechsköpfigen Haushaltes

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ARCHÆOLOGISCHES
MUSEUM FRANKFURT
Karmelitergasse 1, Frankfurt am Main
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Kelten an der mittleren Donau


Archäologische Neuentdeckungen
9.5. – 1.12.2019 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava

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Abb. 1 Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum wurde zwischen 2016 und 2019 saniert und erhielt eine neue Dauerausstellung.

SCHÄTZE AUS DER ERDE


Archäologie im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum

D er Bergbau ist in Deutschland mitt-


lerweile Geschichte: Mit der Schlie-
ßung des Bergwerks in Ibbenbüren zum
in die Jahre gekommene, denkmal-
geschützte Gebäude bedurfte einer
grundlegenden Sanierung. Überdies
vier Rundgänge bei einem Besuch. Es
gibt ja schließlich auch noch das ein-
drucksvolle Schaubergwerk mit einer
Ende des vergangenen Jahres gibt es sollte der Museumsbetrieb, wenn fiktiven Seilfahrt und die Turmfahrt …
keine aktive Zeche mehr. Doch im auch eingeschränkt, weiterlaufen. Und Die vier Rundgänge präsentieren
Deutschen Bergbau-Museum Bochum über allem schwebte eine Zahl: 34 Mil- über 3000 Objekte – und damit deut-
bleiben Bergbau und «Kumpel» wei- lionen Euro standen insgesamt zur lich weniger als in der früheren Dauer-
terhin präsent: Vier neue thematische Verfügung. Aus dem Museum war An- ausstellung zu sehen waren. Weniger
Rundgänge führen seit Mitte Juli durch fang Juli zu hören: Alle Ziele sind er- ist mehr, haben sich die Ausstellungs-
die Dauerausstellung (Abb. 1). reicht worden! macher gesagt und haben in der Tat
Gut drei Jahre wurde im Haus gear- Die vier neuen Themen-Rundgänge Recht, denn die imponierende Zahl
beitet – eine wahre Herkulesaufgabe decken alle Bereiche und Formen des der Exponate und die zahllosen Vitri-
war zu stemmen: Rund 350 000 Ob- Bergbaus ab – und geben dem Besu- nen sorgten bei so manchem Besucher
jekte mussten das Museum verlassen cher die Möglichkeit, sich selbst seine dafür, dass die «geistige» Aufnahme-
und eingelagert werden, dazu musste Schwerpunkte aus dem reichen Ob- fähigkeit relativ rasch erlahmte. Zu-
die neue Dauerausstellung konzipiert jektbestand herauszusuchen. Nicht dem werden jetzt bekannte Objekte
und realisiert werden. Aber auch das jeder Museumsbesucher schafft alle neu präsentiert, so etwa der beeindru-

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ANTIKE WELT 5/19
M U S E E N I N A L L E R W E LT

ckende Stammrest eines Schuppen-


baumes aus dem Karbonzeitalter, der
etwa 306 Millionen Jahre alt ist.
Die Exponate – darunter Objekte
des Montanhistorischen Dokumenta-
tionszentrums des Deutschen Bergbau-
Museums Bochum, Neuanschafungen,
Leihgaben und Schenkungen – werden
in den vier Rundgängen in neuem Licht
präsentiert. Die Vielfalt ist beeindru-
ckend und spiegelt die einzigartige
Bandbreite der Sammlungen des Muse-
ums wider: Von der Großmaschine im
Original bis zur Grubenlampe und dem
sog. Gezähe reicht der Bogen. Plakate,
Urkunden und Fotografien findet der
Besucher ebenso wie Mineralien, Edel-
steine, Fossilien und archäologische
Funde, schließlich auch eine höchst se-
henswerte Porzellansammlung. Abb. 2 Etliche Fundstücke dokumentieren die Steinzeit.

Abb. 3 Ein Modell erläutert die spätbronzezeitlichen Handelsbeziehungen anhand des wohl am Ende des 14. Jhs. v. Chr. vor der heutigen türkischen 
Südküste gesunkenen Schiffes von Uluburun.

89
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ANTIKE WELT 5/19
SchäTZE AUS DER ERDE – Archäologie im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum

Steinzeit mit Zukunft tung und Nutzung dieser Rohstofe 1150 Exponate beleuchten auf dem
Der Rundgang 2 ist überschrieben haben sich im Laufe der Jahrhunderte Rundgang die Geschichte des Berg-
mit «Bergbau. Steinzeit mit Zukunft» selbstredend stark verändert. Die Er- baus von der Stein- und Bronzezeit
(Abb. 2). Schon in der Frühgeschichte forschung dieser Themen ist eine wich- über die Antike bis in das Mittelalter,
machte sich der Mensch auf die Su- tige Aufgabe des Deutschen Bergbau- in die Frühe Neuzeit und über die Epo-
che nach Rohstofen, zunächst mit Museums Bochum, das im Jahr 1977 che der Industrialisierung schließlich
einfachsten Werkzeugen, dann immer zum Forschungsmuseum der Leibniz- bis in die Gegenwart. Dabei stehen
effizienter. Die Gewinnung, Verarbei- Gemeinschaft wurde. Insgesamt gut die langjährigen archäologischen und
archäometallurgischen Forschungen
des Deutschen Bergbau-Museums Bo-
chum im Mittelpunkt.
Abb. 4 a.b a) Experimentell hergestellte Ochsenhaut-Barren bringen den Besuchern die schwers-
ten Stücke aus der Ladung des Schiffes von Uluburun nahe; b) Bernstein von der Ostsee war im öst- Am Beispiel des Schifes von Uluburun
lichen Mittelmeer sehr begehrt. erläutert die Ausstellung spätbronze-
zeitliche handelsströme (Abb. 3). Das
etwa 15 m lange Schif sank wohl am
Ende des 14. Jhs. v. chr. vor der heuti-
gen türkischen Südküste. Die Gründe
dafür sind nicht bekannt, aber der Un-
tergang ist ein wahrer Glücksfall für
die Archäologie, war das Schif doch
voll beladen mit den unterschiedlichs-
ten Waren und ofenbar auf dem Weg
von einem hafen der Levante in Rich-
tung Ägäis – vielleicht zu einem my-
kenischen Palast. 2005/2006 präsen-
tierte das Deutsche Bergbau-Museum
in einer großen Sonderausstellung die
umfangreiche Ladung.
Man muss sich die damalige politi-
sche «Großwetterlage» vergegenwär-
tigen: Im westlichen Bereich des öst-
a lichen Mittelmeeres fand sich noch
die mykenische Palastkultur, in Anato-
lien führten die Hethiter das Regiment
und in ägypten expandierte das Neue
Reich – was um das Jahr 1275 v. chr. in
der Schlacht von Kadesch kulminierte
und zum ersten erhaltenen Friedens-
vertrag der Weltgeschichte zwischen
hethitern und ägyptern führte.
Der «schwerste» Brocken der gela-
denen handelsgüter waren 10 t (!)
Kupfer und 1 t Zinn, was in etwa dem
Mischungsverhältnis entspricht, um
aus Kupfer und Zinn Bronze herzustel-
len. Darüber hinaus hatte das Schif
aber nahezu alle wichtigen Rohstofe
und Luxusgüter der Bronzezeit gela-
den, so Glas, Gold, Silber und Elfen-
bein, aber auch Straußeneier, Pista-
zienharz, Ebenholz, Keramik, Wafen,
b
90
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ANTIKE WELT 5/19
M U S E E N I N A L L E R W E LT

Bergkristall und sogar Bernstein von


der Ostsee (Abb. 4 a.b).
Die meisten der Kupferbarren besa-
ßen die Form einer Ochsenhaut. Diese
Form ist in der späten Bronzezeit im ge-
samten Mittelmeergebiet anzutrefen.
Die Zinnbarren des Schifes von Ulubu-
run sind die bislang ältesten sicher da-
tierbaren Barren. So ist es keineswegs
übertrieben, jenes Schifswrack zu
den wichtigsten archäologischen Ent-
deckungen des 20. Jhs. zu zählen.
Nicht unerwähnt bleiben darf ein
weiterer herausragender Fund, näm-
lich ein goldener Skarabäus der ägyp-
tischen Königin Nofretete (Frau des
Echnaton) – was zweifellos belegt,
dass sich das Schif erst während (oder
sogar erst nach) der Amarna-Zeit auf
Abb. 5 Der Schacht am Altenberg verweist auf mittelalterlichen Erzabbau im Siegerland.
den Weg gemacht hat. Etliche Repro-
duktionen (wie auch ein Ochsenhaut-
Barren) dokumentieren eindrucksvoll,
dass bereits in der späten Bronzezeit gefördert worden sind, eine wahrhaft der erhielten je 10 Denare. Nur we-
in gewisser Weise von einer Globali- imposante Zahl! nige solcher Wachstafeln mit Arbeits-
sierung des Handels im östlichen Mit- Über den bestens dokumentierten verträgen sind auf uns gekommen.
telmeer zu sprechen ist. Und der Be- und sich über Jahrhunderte erstre- Auch die Bergwerksordnungen von
sucher nimmt die Erkenntnis mit: Der ckenden Salzabbau in hallstatt und Vipasca (Portugal) haben (als Kopie)
handel mit Rohstofen stand nicht erst am Dürrnberg führt der Rundweg zur ihren Platz in der neuen Bochumer
seit der Bronzezeit im vitalen Inter- antiken Eisenerzverarbeitung im Sie- Dauerausstellung gefunden. Sie lesen
esse der Menschen. gerland in Rennöfen. Ein Modell des sich durchaus modern – und hätten
Einige Modelle erläutern verschie- Schachtes der Grube Stahlberg am ohne weiteres auch in die Frühzeit des
dene Formen vor- und frühgeschicht- Altenberg bei Müsen (Stadt Hilchen- Ruhrbergbaus gepasst.
lichen Bergbaus: So erbrachten ar- bach) verweist dann bereits auf den
chäologische Ausgrabungen in Bad mittelalterlichen Erzabbau in dieser
Sulzburg (Südschwarzwald) den Beleg, Bergbausiedlung, die zu Anfang des
dass hier schon in der Jungsteinzeit 14. Jhs. aufblühte, dann aber zerstört
vor ca. 7000 Jahren Bergbau auf Rot- und verlassen wurde. Adresse des Autors
Dr. Peter Kracht
eisenerze stattfand. Das aus dem hä- Abgerundet wird die der archäolo- Handwerkstraße 3
matit gewonnene blutrote sog. Rötel gische Bereich mit mehreren Expona- D-59427 Unna

diente als ritueller Farbstof. ten und Repliken aus dem römischen
Bildnachweis
Feuerstein war nicht nur gesucht, Bergbau. Zu nennen ist hier insbe- Alle Abb.: Foto Karlheinz Jardner.
um Feuer zu machen, sondern fand sondere die Reproduktion eines Ar-
auch Verwendung als Beil und Dolch, beitsvertrages, der vom 19. Mai 164 Informationen zum Museum
als Sichel, Messer oder als Speerspitze n. chr. datiert und aus Roșia Montană Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Am Bergbaumuseum 31
(vgl. Abb. 2). (Rumänien) stammt. Zu diesem Da- D-44791 Bochum
Schließlich zeigt eine nachgestellte tum verpflichtete sich der Bergmann Tel. 0234-5877126
www.bergbaumuseum.de
Szene den Kupferbergbau am Mitter- Memmius Asclepius, gemeinsam mit
berg, einer der mächtigsten Kupfererz- seinen Kindern, bis zum 13. Novem- Öffnungszeiten
Sa, So und feiertags 10.00–17.00 Uhr
lagerstätten der Ostalpen. Schätzun- ber jenes Jahres für Aurelius Adi- letzte Grubenfahrt: 15.30 Uhr
gen gehen davon aus, dass hier in der utor zu arbeiten. Als Lohn werden letzte Turmfahrt: 16.30 Uhr

Urzeit mindestens 20 000 t Rohkupfer ihm 70 Denare zugesichert, die Kin-

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ANTIKE WELT 5/19
Rezensionen und Empfehlungen

EIN PERSÖNLICHER von Prof. Michael Squire, London


BLICK
Nur wenige antike Herrscher kommen Die Gewichtung ist leicht unausge­
John Boardman, Alexander the Great.
der historischen Bedeutung Alexanders wogen. Die zwei aufschlussreichsten
From His Death to the Present Day,
176 S., £ 24,00 (GB), Princeton Univer­ des Großen nahe. Wohl kein britischer Kapitel sind: «Alexander Romances»
sity Press, Princeton, NJ 2019. klassischer Archäologe wiederum kann des Mittelalters und «The Alexander
mit dem wissenschaftlichen Scharfsinn story in the Renaissance down to the
und der internationalen Anerkennung present day» – zugleich die längsten
von Sir John Boardman mithalten. In der Kapitel. Weniger überzeugend ist
vorliegenden Monographie untersucht die Diskussion von Alexander in Film
Boardman Alexanders Vermächtnis von und Fernsehen (vgl. 140, Anm. 2,
der Antike bis heute. Sie beginnt mit der mit dem Verweis «siehe Wikipedia,
Warnung, dass der reale Alexander nur Cultural Depictions of Alexander the
eine Nebenrolle spielt (S. 1): Vor allem Great»). Obwohl es Boardman um
untersucht dieses Buch, was Alexan­ «Mythen» und nicht um «Fakten»
derbilder über verschiedene kulturelle geht, gibt es doch immer wieder frag­
Horizonte aussagen – über mehr als würdige Behauptungen – etwa, wenn
zwei Jahrtausende und ein weites geo­ er die angeblichen diametralen Gegen­
graphisches Spektrum hinweg. sätze in den Erscheinungen Alexanders
Boardman gliedert sein Werk in und Nektanebos II. kritiklos hinnimmt.
neun Kapitel. Es ist grob chronologisch Das Buch ist höchst selektiv, wie Board­
strukturiert, beginnt bei den zeitge­ man selbst hervorhebt. Für manche
nössischen Biographen und endet bei Leser mag dies den Charme des Buches
«Alexander, star of film, stage, and vergrößern. Alexander the Great
novel». Zugleich berücksichtigt das bietet einen persönlichen Rückblick
Buch die geographische Vielfalt und nicht nur auf das eigentliche Thema,
enthält Kapitel wie «The Persian sondern auch auf Themen, die den Autor
Alexander/Iksander» oder «The Indian während seiner langen und hervor­
Alexander». ragenden Laufbahn beschäftigt haben.

AKZEPTANZ DURCH von Dr. des. Philipp Deeg, Stuttgart


KOMMUNIKATION
Jahrzehntelang war, wer sich mit Anto­ stützte. Wie Michels aufzeigt, gelang
Christoph Michels, Antoninus Pius und
ninus Pius beschäftigen wollte, auf es Pius, den mit dieser Herrschaftsform
die Rollenbilder des römischen Prin­
ceps. Herrscherliches Handeln und seine Willy Hüttls zweibändiges Werk aus den verbundenen enormen Kommunika­
Repräsentation in der Hohen Kaiserzeit, Dreißigerjahren angewiesen. Die stief­ tionsaufwand zu meistern – und zwar
427 S., € 99,95 (D), de Gruyter, Berlin 2018. mütterliche Behandlung eines Kaisers, von Beginn an. Denn anfänglich war
der immerhin über zwei Jahrzehnte seine Akzeptanz kaum gesichert, was
herrschte, erklärt sich mit den nur spär­ sich nicht zuletzt in Usurpationen zeigte.
lich fließenden literarischen Quellen, Pius aber setzte sich durch – durch die
die obendrein ein eher langweiliges Bild Darstellung herrscherlicher Zivilität
eines Friedenskaisers zeichnen. Die For­ einerseits, kaiserlicher Sieghaftigkeit
schung folgte diesem Bild lange (oder andererseits. Zwar bleibt das Bild des
sollte man sagen: saß ihm auf?). Pius in den Provinzen ausgespart, doch
Nachdem Michels zusammen mit liegt dies an der Konzentration auf die
Peter Franz Mittag einen auf einer genannten Gruppen. Wiewohl Hüttls
Tagung basierenden Sammelband zu Arbeit nach wie vor kaum verzicht­
Pius herausgegeben hat, liegt nun seine bar ist, kommt Christoph Michels das
Habilitationsschrift zum Thema vor. Die Verdienst zu, Pius in den Fokus der
Analyse darin fußt auf dem von Egon Forschung gerückt zu haben. Er gewinnt
Flaig erarbeiteten Akzeptanzsystem, Pius einige bislang unterbelichtete As­
wonach der Kaiser sich auf die zentralen pekte ab und leistet einen wertvollen,
gesellschaftlichen Gruppen Heer, anregenden Beitrag zur Prinzipatsfor­
Senat und stadtrömische Bevölkerung schung.

Zusätzliche Buchbesprechungen 92
finden Sie online auf unserem ü ANTIKE WELT 5/19
Leserportal. www.antikewelt.de
BÜCHERSPIEGEL

von Prof. Dr. Nikolai Grube, Bonn «SLOW COLLAPSE»


Rebecca Storey / Glenn R. Storey, Rome
Die Beschäftigung mit dem Untergang «slow collapse» einzuführen und an and the Classic Maya – Comparing
alter Kulturen hat Konjunktur, wie den beiden Zivilisationen exemplarisch the Slow Collapse of Civilizations, 280 S.,
man an den zahlreichen Publikationen zu zeigen, dass es in «großen und £ 135,00 (GB), Routledge, London /
erkennen kann, die in den vergangenen komplexen kulturellen Systemen» eine New York 2017.
Jahren zu diesem Thema erschienen inhärente Trägheit gebe, so dass sich
sind. Das Buch «Rome and the Classic der Zusammenbruch über mehrere Jahr­
Maya» von Rebecca und Glenn R. hunderte erstrecke. Der Zusammen­
Storey unterscheidet sich von ande­ bruch des weströmischen Reiches habe
ren Veröffentlichungen zum Thema mit ökonomischen Problemen im
aufgrund seiner explizit kulturverglei­ 2. Jh. n. Chr. begonnen, der politische
chenden Perspektive. Die Autoren Zusammenbruch sei 476 n. Chr. gefolgt,
vergleichen den Untergang des weströ­ während sich der demographische
mischen Reiches ab dem 4. Jh. n. Chr. Kollaps bis ins 8. Jh. erstreckte. Auch
mit dem Untergang der Klassischen der Kollaps der klassischen Maya­Kultur
Mayakultur, der im 9. Jh. begann. Die habe sich über mehrere Jahrhunderte
zentralen Kapitel des Buches sind hingezogen und sei eher eine langsame
deshalb zweigeteilt und behandeln die Transformation als eine plötzliche
ökonomischen, politischen, sozialen Katastrophe gewesen. Die Chronologie
und ökologischen Dimensionen des Un­ des Maya­Kollapses wird jedoch aktuell
tergangs jeweils für das weströmische intensiv diskutiert; wahrscheinlich hat
Reich und für die Maya. Sie argumen­ sich der Zusammenbruch des politischen
tieren, dass beide Kulturen trotz ihrer Systems viel schneller vollzogen, als mit
Unterschiede vergleichbar seien, weil dem «slow collapse»­Modell der Storeys
sie auf landwirtschaftlich geprägten vereinbar wäre. Dennoch ist das Buch
Ökonomien beruhten, stark hierarchi­ eine willkommene Ergänzung zur Dis­
sierte Gesellschaften hatten und ihre kussion über den Untergang antiker Ge­
politische Stabilität durch Kriege und sellschaften und bietet durch den sehr
interne Konflikte bedroht gewesen sei. detaillierten Kulturvergleich eine höchst
Das Hauptanliegen ist, das Konzept des innovative und anregende Perspektive.

von Vanessa Zetzmann, Würzburg STOICUS, FURENS UND


COMICUS
Keine Figur des griechischen Sagenkrei­ blendende Verortung des Herakles
Silvio Bär, Herakles im griechischen Epos.
ses ist so populär und gleichzeitig so in die Binnenerzählung gelingen den
Studien zur Narrativität und Poetizität
ambivalent und wandelbar wie die des epischen Dichtern aussagekräftige eines Helden, 184 S., € 44,00 (D), Franz
Herakles: Findet Herakles in verschie­ Charakterisierungen der Hauptfiguren Steiner Verlag, Stuttgart 2018.
densten Werken seit der Archaik Er­ sowie Selbstpositionierungen zu ihren
wähnung, erfolgte eine Kanonisierung Vorgängern.Diese Dynamik zwischen
der zwölf Aufgaben etwa erst durch Nähe und Distanz des Herakles wird
die Darstellung auf dem olympischen also für die erzählte Zeit fruchtbar
Zeustempel im 5. Jh. v. Chr. Auch in gemacht. Dabei ist die Analyse keines­
den nacharchaischen Werken zeigt sich falls theorielastig, sondern geht mit der
die Variation der Heraklesfigur an den methodischen Terminologie sinnvoll
Prototypen des Heracles Stoicus, Furens und pragmatisch um.
und Comicus. In seiner kapitelweisen Behandlung
Silvio Bär arbeitet diese Besonder­ epischer Texte von Homer und Hesiod
heit in seiner konzisen Untersuchung über Apollonios Rhodios bis hin zu
mit fruchtbarer Anwendung der Quintus Smyrnaeus und Nonnos von
narratologischen Methodik heraus: Er Panopolis illuminiert Silvio Bär deutlich
interpretiert Herakles’ häufige Nen­ autorentypische Besonderheiten struk­
nung in den Epen, welche ihm aber tureller und sprachlicher Art. In seinem
keine handelnde Rolle in der Erzählung klaren und anschaulichen Stil belebt
zugestehen, nicht als reines mythisches Silvio Bärs Buch die Eposforschung und
exemplum, sondern als Instrument schärft den Blick für narratologische
des Dichters. Denn durch die rück­ Aspekte der antiken Literatur.

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ANTIKE
ü WELT 5/19
Bitte beachten Sie, dass sich die Ausstellungsdaten und Öffnungszeiten der einzelnen Museen kurzfristig ändern können.

BELGIEN Sumner sowie mit Repliken von Schilden oder IPHOFEN


Rüstungen veranschaulicht. Knauf-Museum Iphofen
Geöffnet: Mo–So 10–18 Uhr Klänge Altamerikas – Musikinstrumente in
TREIGNES Venner Straße 69 Kunst und Kult
Musée du Malgré-Tout www.kalkriese-varusschlacht.de bis 10. November 2019
Des dieux au Dieu. Aux origines des monothéismes Die kleine Kabinettausstellung zeigt eine Aus-
bis 3. November 2019 wahl an Objekten aus der Sammlung Ulrich Hoff-
Die Ausstellung «Von den Göttern zum Gott. Die Ur- CHEMNITZ mann (Stuttgart).
sprünge des Monotheismus» zeigt die Entstehungs- Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz Geöffnet: Di–Sa 10–17 Uhr, So 11–17 Uhr
geschichte der drei großen monotheistischen Religio- Leben am Toten Meer Am Marktplatz
nen Judentum, Christentum und Islam und stellt 27. September 2019 bis 29. März 2020 www.knauf-museum.de
sie in ihren historischen Kontext, wobei Gemeinsam- Geöffnet: Di, Mi, Fr 9–17 Uhr, Do 9–19 Uhr,
keiten und Unterschiede zu den Kulten der Antike Sa, So, Feiertag 11–18 Uhr
aufgezeigt werden. Europaplatz 1 KELHEIM
Geöffnet: Mo–Fr 9.30–17.30 Uhr, www.smac.sachsen.de Archäologisches Museum der Stadt Kelheim
Sa+So 10.30–18 Uhr Superstars mit Todesmut – Die Gladiatoren Roms
Rue de la Gare 28 bis 3. November 2019
www.museedumalgretout.be FRANKFURT AM MAIN Immer wieder interessant sind die Fragen nach dem
Archäologisches Museum Ursprung der Gladiatorenspiele, nach den Gla-
BIATEC. NONNOS. Kelten an der mittleren diatoren selbst, ihrem Leben und ihrer Bedeutung
Donau – Archäologische Neuentdeckungen in der im Alltag.
DÄNEMARK slowakischen Hauptstadt Bratislava Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
bis 1. Dezember 2019 Lederergasse 11
Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf dem Burgberg www.archaeologisches-museum-kelheim.de
KOPENHAGEN der slowakischen Hauptstadt Bratislava von
Ny Carlsberg Glyptotek 2008 bis 2014 und bisher noch nicht außerhalb der
The Road to Palmyra Slowakei gezeigte Funde geben neue Einblicke KOBLENZ
20. September 2019 bis 1. März 2020 in die Beziehungen zwischen Kelten und Römern. Landesmuseum Koblenz / Haus der Kulturgeschichte
Die Glyptothek beherbergt die größte Sammlung Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr High Tech Römer
palmyrenischer Porträtskulpturen außerhalb Karmelitergasse 1 bis 3. November 2019
Syriens. Dies führte zu dem «Palmyra Portrait Project» www.archaeologisches-museum.frankfurt.de Geöffnet: Mo–So 9.30–17 Uhr
an der Universität Aarhus. Die Sammlungsge- Festung Ehrenbreitstein
schichte, neue Erkenntnisse zu den Porträts und http://tor-zum-welterbe.de/festung-ehrenbreitstein
neue Ergebnisse der Polychromieforschung «BIATEC.
werden vorgestellt. NONNOS»:
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr Goldarmring von KONSTANZ
Dantes Plads 7 Zohor, Grab Nr. 5, Archäologisches Landesmuseum Baden-Würt-
1.– 2. Jh. n. Chr.
www.glyptoteket.dk (© Slowakisches temberg
Nationalmuse- Stadt – Land – Fluss. Römer am Bodensee
um – Archäologi- ab Oktober 2019
sches Museum). Funde aus Bregenz, Eschenz sowie vielen anderen
DEUTSCHLAND Fundorten rund um den Bodensee zeigen das
Entstehen größerer und kleinerer Siedlungen in
römischer Zeit: Gebäude aus Steinmauern
ALTENBURG FREIBURG und Ziegeldächern, Wasserleitungen, Mosaike
Lindenau Museum Archäologisches Museum Colombischlössle und Bodenheizungen sowie ein dichtes Netz von
Mit den Waffen einer Frau. Furchtlose Frauen­ Der römische Legionär – weit mehr als ein Krieger Verkehrswegen zu Wasser und zu Land.
gestalten der Antike 13. Oktober 2019 bis 29. November 2020 Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr
bis 1. Januar 2020 Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr Benediktinerplatz 5
Geöffnet: Di–Fr 12–18 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr Rotteckring 5 www.konstanz.alm-bw.de
Gabelentzstraße 5 www.freiburg.de/museen
www.lindenau-museum.de
MÜNCHEN
HALLE AN DER SAALE Antikensammlungen
BERLIN Archäologisches Museum der Martin-Luther- Black is beautiful. Griechische Glanztonkeramik
Altes Museum Universität Halle-Wittenberg / Robertinum bis 6. Januar 2020
Starke Typen. Griechische Porträts der Antike Im Angesicht der Gottheit. Kultbilder in der Mit vielen Objekten aus den eigenen Beständen und
bis 2. Februar 2020 antiken Religion einigen hochkarätigen Leihgaben wird die Ent-
Marmorporträts aus München und rekonstruierende bis 12. Dezember 2019 stehung, Verbreitung und Weiterentwicklung der
Nachgüsse der Bronzen von Riace aus dem Lie- Mit Gipsabgüssen, Vasen und Münzen aus den schwarzen Glanztonkeramik vorgestellt. Diese
bieghaus in Frankfurt am Main sowie Objekte aus eigenen Beständen zeigt die von Studenten mitge- Verzierung wurde nicht nur für Geschirr und Vasen,
den eigenen, sonst magazinierten Beständen staltete kleine Schau besondere Kultbilder. Diese sondern auch für Tier- und Kopfgefäße verwendet.
der Antikensammlung geben ein umfassendes Bild werden ergänzt durch kolorierte Rekonstruktions- Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
zur Porträtkunst der Antike. Dabei werden ver- zeichnungen von Gold- und Elfenbeinstatuen des Königsplatz 1 und 3
schiedene Aspekte wie Idealvorstellungen, Anlass Kunstgelehrten Antoine Chrysostôme Quatremère www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de
und Ort der Aufstellung, die unterschiedlichen de Quincy (1755–1849).
Bildträger (Statue, Relief, Vase) sowie die program- Geöffnet: Do 15–17 Uhr (und auf Anfrage)
matischen Absichten berücksichtigt. Universitätsplatz 12
Geöffnet: Mo–Mi 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, https://archaeology.altertum.uni-halle.de
Fr–So 10–18 Uhr
Am Lustgarten
www.smb.museum.de HERNE
LWL-Museum für Archäologie
PEST!
BRAMSCHE-KALKRIESE 20. September 2019 bis 10. Mai 2020
Museum und Park Kalkriese Präsentiert wird die Geschichte der Pest von der «Griechische Glanz-
Roms Legionen. Kleine Römer erobern Kalkriese Steinzeit über die Spätantike und das Mittel- tonkeramik»:
(zurück)! alter bis zur heutigen Zeit sowie ihre globalen Aus- Attische Schnabel-
bis 3. November 2019 wirkungen. kanne, 4. Jh. v. Chr.
(© Staatliche
Das Leben im römischen Heer wird mittels Dioramen Geöffnet: Di, Mi, Fr 9–17 Uhr, Do 9–19 Uhr, Antikensammlungen
mit tausenden handbemalten Zinnlegionären, Sa, So, Feiertag 11–18 Uhr und Glyptothek
lebensgroßen Illustrationen römischer Legionäre Europaplatz 1 München, Renate
des bekannten britischen Zeichners Graham www.lwl-landesmuseum-herne.de Kühling).

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ANTIKE WELT 5/19
AUSSTELLUNGSKALENDER

TRIER Die Schau ermöglicht dem Besucher einen ungewöhn- rungsantritt von Kaiser Hadrianus 117 n. Chr. und
Rheinisches Landesmuseum lichen Blick auf den Weg, den archäologische sie markierten den Beginn des Europäischen
Spot an! Szenen einer römischen Stadt Fundstücke von der Ausgrabung über die Reinigung Jahres des Kulturerbes im Jahr 2018. Zahlreiche
bis 26. Januar 2020 und eventuelle Restaurierung und Datierung bis Porträts des Kaisers Hadrian stehen neben
Die Bedeutung von Augusta Treverorum wird anhand hin in die Vitrine oder in das Magazin zurücklegen. Figuren von griechischen Dichtern, Denkern und
bislang noch nicht gezeigter archäologischer Geöffnet: Mo, Mi, Do, Fr 12–18 Uhr, Politikern.
Funde verdeutlicht. Wandmalereien, Mosaike, Skulp- Sa+So 10–18 Uhr
turenfunde, Goldmünzen und andere Objekte Place du Château 2 Geöffnet: Mo 13–20 Uhr, Di–So 9–16 Uhr
veranschaulichen sowohl das Luxus- als auch das www.musees.strasbourg.eu Patission Straße 44
Alltagsleben im römischen Trier. www.namuseum.gr
Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr
Weimarer Allee 1
www.landesmuseum-trier.de GROSSBRITANNIEN IRAKLIO
Archäologisches Museum
Δαίδαλος. Στα ίχνη του μυθικού τεχνίτη
ULM OXFORD bis 1. März 2020
Museum Ulm / Studio Archäologie The Ashmolean Museum Die Ausstellung «Daidalos, auf den Spuren des mythi-
Tod im Tal des Löwenmenschen – Knochen­ Last supper in Pompeii schen Handwerkers» ist dem genialen Handwerker
geschichten aus 100 000 Jahren bis 12. Januar 2020 und Erfinder, dem Erbauer des Labyrinthes auf Kreta,
bis 24. November 2019 Im Mittelpunkt dieser Pompeii-Ausstellung stehen gewidmet. Gezeigt werden technische Innovatio-
Die Höhlen im Lonetal bei Ulm wurden über Tausende Essen und Trinken: Die Themen reichen von nen der minoischen Zeit wie z. B. die Verwendung
von Jahren immer wieder als Bestattungsplatz, Anbau und Ernte, über Produktion von Olivenöl, der Töpferscheibe, die Entwicklung von Handwerks-
als Kultstätte oder Opferplatz genutzt. Die Entdeckung Wein und Fisch-Sauce bis hin zu Zubereitung geräten oder Neuerungen beim Schiffsbau.
und Bergung der menschlichen Skelettreste sowie die und Verzehr von Speisen. Etwa 300 Leihgaben aus Geöffnet: Mo, Mi–So 8–20 Uhr, Di 10–20 Uhr
neuen Erkenntnisse aus naturwissenschaftlichen Neapel und Pompeii zeigen die reiche Ausstat- Xanthoudidou & Hatzidaki Straße
Untersuchungen werden zusammenfassend vorgestellt. tung der Speiseräume (Wandmalerei, Mosaike, Möbel, http://heraklionmuseum.gr
Geöffnet: Di–So 11–17 Uhr Statuen), Geschirr aus wertvollen Metallen,
Marktplatz 9 Küchengeräte und tönerne Transportamphoren für
www.museum.ulm.de Wein, Oliven und Fisch-Sauce. Auch ein Nachbau
von Räumen der «Casa del bracciale d‘oro» ist zu sehen. ITALIEN
Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr
VÖLKLINGEN Beaumont Street
Weltkulturerbe Völklinger Hütte www.ashmolean.org AQUILEIA
PharaonenGold – 3000 Jahre altägyptische Museo Archeologico Nazionale di Aquileia
Hochkultur Magnifici ritorni: tesori aquileiesi dal Kunsthisto­
bis 24. November 2019 risches Museum di Vienna
Die 150 goldenen Exponate aus Pharaonengräbern bis 20. Oktober 2019
stammen aus der Zeit von ca. 2680 bis 1320 v. Chr. Aus Anlass des 2200-jährigen Gründungsjubiläums
und geben einen Einblick in die Welt der Pharaonen von Aquileia kehren in der Ausstellung «Wunder-
und ihrer besonderen Beziehung zu Gold. bare Rückkehr – Schätze Aquileias aus dem Wiener
Geöffnet: Mo–So 10–18 Uhr Kunsthistorischem Museum» etwa 100 Exponate
Rathausstraße 75–79 aus Wien an ihren Fundort zurück. Aquileia stand
www.voelklinger-huette.org bis Anfang des 19. Jhs. unter habsburgischer
Herrschaft, österreichische Archäologen führten
dort wichtige Ausgrabungen durch, und so ge-
langten die Funde nach Wien.
FRANKREICH Geöffnet: Di–So 10–19 Uhr
via Roma 1
www.museoarcheologicoaquileia.beniculturali.it
LYON
Lugdunum
LVDIQVE – Jouer dans l‘Antiquité ROM
bis 1. Dezember 2019 Ara Pacis
Die Ausstellung «Spielerisch – Spielen in der Antike» Claudio Imperatore. Messalina, Agrippina
beschäftigt sich mit der Spielkultur und Spiel- e le ombre di una dinastia
sachen der griechischen und römischen Antike. bis 27. Oktober 2019
Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr «Last supper in Pompeji»: Wandmalerei aus Pompeji, Die Ausstellung «Kaiser Claudius. Messalina, Agrippina
Rue Cléberg 17 Haus des Bäckers, 40–79 n. Chr. Nationalmuseum und die Schatten einer Dynastie» beabsichtigt,
https://lugdunum.grandlyon.com Neapel (© Museo Archeologico Nazionale di Napoli). das negative Bild dieses römischen Kaisers zu revidie-
ren und ihn auch als umsichtigen und fähigen
Herrscher zu würdigen. Mit Statuen, Reliefs, Kameen
NÎMES und Münzen, Objekten des täglichen Lebens
Musée de la Romanité GRIECHENLAND sowie Historienmalerei werden das Leben und die
Pompéi, un récit oublié Herrschaft nachgezeichnet. Die zuvor in Lyon
bis 6. Oktober 2019 gezeigte Ausstellung ist hier um die Ehefrauen
In «Pompeji, ein vergessener Bericht» – Bezug neh- ATHEN des Claudius erweitert worden.
mend auf einen durchaus nicht vergessenen Brief Archäologisches Nationalmuseum Geöffnet: Mo–So 9.30–19.30 Uhr
des älteren Plinius – geht es um den Vesuvausbruch Via di Ripetta 190
im Jahr 79 n. Chr. und die erste dokumentierte Οι αμέτρητες όψεις του Ωραίου www.arapacis.it
Rettung von Zivilisten durch das Militär. Zu sehen verlängert bis 31. Dezember 2019
sind 250 archäologische Objekte aus Pompeji, «Die unzähligen Aspekte des Schönen» ist die dritte
Herculaneum und anderen wichtigen Orten Kam- und letzte Ausstellung anlässlich des 150-jährigen ROM
paniens. Jubiläums des Museums. Die archäologischen Funde Centrale Montemartini
Geöffnet: Mi–Mo 10–18 Uhr zeigen Darstellungen antiker Mythen von Aphro- Colori degli Etruschi. Tesori di terracotta
Boulevard des Arènes 16 dite oder Adonis, die Schönheit des menschlichen bis 2. Februar 2020
https://museedelaromanite.fr Körpers und besondere Objekte zum Schönsein Die Ausstellung «Die Farben der Etrusker. Schätze aus
wie Kleidung, Frisuren, Schmuck, Parfümfläschchen. Terrakotta» ist wieder einmal den Carabinieri
Tutela Patrimonio Culturale zu verdanken, die 2016
STRASSBURG Αδριανός και Αθήνα. Συνομιλώντας με έναν in Genf eine große Anzahl aus Italien gestohlener
Archäologisches Museum ιδεατό κόσμο Kunstwerke aufspürten, darunter auch zahlreiche
Bedienungsanleitung: Das bewegte Leben verlängert bis 29. November 2019 bemalte Platten und Reliefs aus dem Gebiet von
der archäologischen Sammlung «Hadrian und Athen. Im Gespräch mit einer fiktiven Cerveteri. Diese sind nun nach sorgfältiger Untersu-
bis 31. Dezember 2019 Welt» – diese kleine Schau erinnert an den Regie- chung und Restaurierung zu sehen.

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ANTIKE WELT 5/19
AUSSTELLUNGEN-
EXTRA
TONGEREN

Gallo-Römisches Museum
Dacia Felix. Die ruhmreiche
Vergangenheit Rumäniens
19. Oktober 2019 bis 26. April 2020
Geöffnet: Di–Fr 9–17 Uhr,
Sa+So 10–18 Uhr
Kielenstraat 15
www.galloromeinsmuseum.be

Abb. 1
Ein Armreif aus massi-
vem Gold, ca. 1 kg, aus
einem Ensemble aus
24 Exemplaren. Die
äußeren Enden zieren
schlangenartige Fabel-
wesen. 100–50 v. Chr.
Sarmizegetusa Regia,
Orăștioara de Sus (RO;
Nationalmuseum
für die Landesgeschichte
Rumäniens, Bukarest).

DACIA FELIX
von Linda Bogaert und Stéphanie Derwael mer das Land eroberten, versuchten
bereits verschiedene Völker – die ein-

I m Sommer des Jahres 106 n. Chr. er-


obern die Römer das Königreich
der Daker und beenden mit einem ih-
heimischen Daker und Geten, aber
auch die Griechen, Skythen und Kel-
ten – jahrhundertelang die Region zu
rer größten Siege einen langen Kon- kontrollieren. Sie hatten intensiven
flikt. Die Römer geben der neuen Kontakt miteinander, der von freund-
Abb. 2 Getisches Stierkopfrhyton aus Silber Provinz den Namen des besiegten schaftlichen Beziehungen bis hin zu
und Gold, mit in der getischen Kunst seltenen
Darstellung von Frauen. 400–300 v. Chr.
Volkes und nennen sie Dacia. «Felix» kriegerischen Auseinandersetzungen
Poroina Mare (RO; Nationalmuseum für die bedeutet «glücklich», «wohlhabend» reichte.
Landesgeschichte Rumäniens, Bukarest).
und «fruchtbar». Die Ausstellung enthüllt die Identi-
Die Bezeichnung «Dacia Felix» ist tät dieser Völker anhand beeindru-
auch auf römischen Münzen aus ckender archäologischer Objekte aus
der Mitte des 3. Jhs. n. Chr. zu finden. rund 20 rumänischen Museen. Zu
In dieser Zeit wehrt Kaiser Traianus den absoluten Spitzenstücken gehö-
Decius (249–251 n. Chr.) erfolgreich ren die Gold- und Silberschätze der
einen Angriff der Goten in dem Ge- Daker und Geten. Einzigartig ist auch
biet ab, in dem auch Dacia liegt. Die der keltische Helm bekrönt mit
Münzen dienen als Propagandamittel. einem Vogel aus Bronze. Diese Ex-
Der Kaiser prahlt damit, Dacia nach ponate verlassen für die Ausstellung
seinem Sieg wieder felix gemacht und ausnahmsweise die Schatzkammer
den Frieden in die Provinz und das des Nationalmuseums für die Landes-
Reich zurückgebracht zu haben. geschichte Rumäniens in Bukarest.
Dacia hat seinen Wohlstand u. a. Außerdem werden prächtige Objekte
seiner günstigen Lage zu verdanken. der Römer, Griechen und Skythen
Durch die Donau verfügt die Provinz ausgestellt. Imposante, speziell für
über einen Handelsweg und eine gute diese Ausstellung gedrehte Filmauf-
Abb. 3 Einzigartiger eiserner Helm bekrönt
mit einem Falken aus Bronze aus einem Verbindung zu den Küsten des Schwar- nahmen von archäologischen Stätten
keltischen Kriegergrab. 250–175 v. Chr. Ciumești zen Meeres (Provinz Moesia Inferior). und Naturlandschaften bieten einen
(RO; Nationalmuseum für die Landesge-
schichte Rumäniens, Bukarest). Außerdem gibt es in Dacia fruchtbaren Einblick in die damalige Lebenswelt.
Ackerboden und eine Menge Boden- Das Gallo-Römische Museum
schätze wie Gold und Salz. nimmt mit dieser Ausstellung am
Die Region ist seit eh und je eine EUROPALIA ARTS FESTIVAL 2019
Drehscheibe zwischen Ost und West, teil, das in diesem Jahr Rumänien
Bildnachweis: Abb. 1–3: © Nationalmuseum
für die Landesgeschichte Rumäniens, Bukarest.
Nord und Süd. Lange bevor die Rö- gewidmet ist.

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ANTIKE WELT 5/19
Advertorial / Entgeltliche Einschaltung
Geöffnet: Di–So 9–19 Uhr Dokumentarische Ausstellung zur 150-jährigen
Via Ostiense 106 Geschichte des Fachs Klassische Archäologie an der
www.centralemontemartini.org Universität Wien.
Geöffnet: Mo–Fr 9–19 Uhr
Franz-Klein-Gasse 1
TARENT https://klass-archaeologie.univie.ac.at
Museo Archeologico Nazionale di Taranto
MitoMania. Storie ritrovate di uomini ed eroi
bis 10. November 2019 WIEN
Die Ausstellung «MythoMania. Wiederaufgefundene Papyrusmuseum der Österreichischen National-
Geschichten von Menschen und Heroen» zeigt bibliothek
unteritalische rotfigurige Vasen, die aus Raubgra- In vino veritas. Wein im alten Ägypten
bungen in Apulien stammen. Sie wurden von bis 12. Januar 2020
dem Comando Carabinieri Tutela Patrimonio Cultu- Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr
rale in überseeischen Museen aufgespürt, nach Neue Burg, Heldenplatz
Italien zurückgebracht und stehen nun der For- www.onb.ac.at/museen/papyrusmuseum
schung zur Verfügung. s. a. den Beitrag in AW 4/2019, S. 96.
Geöffnet: Mo–Sa 8.30–19.30 Uhr, So 9–13 Uhr
und 15.30–19.30 Uhr
via Cavour 10 Voodoo
www.museotaranto.beniculturali.it SCHWEIZ
im Roemer- und Pelizaeus-
TURIN BASEL Museum Hildesheim
Museo Egizio Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
Archeologia invisibile Gladiator. Die wahre Geschichte
bis 6. Januar 2020 24. September 2019 bis 22. März 2020 19. Oktober 2019 bis
Der Titel «Unsichtbare Archäologie» stellt die Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr 17. Mai 2020
Ergebnisse der Archäometrie in den Fokus: Mit den St. Alban-Graben 5
neuesten Methoden verschiedener naturwissen- www.antikenmuseumbasel.ch
schaftlicher Disziplinen können bei der Rekonstruk- s. a. die Beiträge ab S. 8.
tion der archäologischen Objekte weitere wert- Voodoo ist eine 2000 Jahre alte Reli-
volle Informationen gegeben werden, so dass das gion, die ursprünglich aus Westafrika
Unsichtbare sichtbar gemacht werden kann. RIGGISBERG stammt und deren Wurzeln wahr-
Geöffnet: Mo 9–14 Uhr, Di–So 9–18.30 Uhr Abegg-Stiftung scheinlich bis in die nordostafrikani-
Via Accademia delle Scienze 6 Luxus am Nil. Spätantike Kleidung aus Ägypten
www.museoegizio.it bis 10. November 2019 sche Antike reichen. Durch den Skla-
Geöffnet: Mo–So 14–17.30 Uhr venhandel gelangte sie nach Amerika
Werner Abeggstraße 67 und in die Karibik, wo sich durch den
www.abegg-stiftung.ch Einfluss der dortigen Ursprungsreli-
NIEDERLANDE s. a. den Beitrag in AW 3/2019, S. 96. gionen und des Christentums neue
Varianten entwickelt haben.
LEIDEN
Rijksmuseum van Oudheden USA Voodoo hat heute weltweit ca.
Cyprus. Eiland in beweging 60 Mio. Anhänger. Dennoch ist die
11. Oktober 2019 bis 15. März 2020 Wahrnehmung in der westlichen
Die Ausstellung «Zypern. Eine Insel in Bewegung» ANN ARBOR Welt sehr von negativen Klischees
erzählt mit ca. 400 Kunstwerken – 300 davon Kelsey Museum of Archaeology geprägt. Tatsächlich ist Voodoo eine
aus zyprischen Museen – die besondere Geschichte Graffiti as devotion along the Nile
der Insel. Zu sehen sind Skulpturen und Porträts bis 5. Januar 2020
sehr friedfertige Religion mit Fokus
aus Marmor und Terrakotta, Vasen, Waffen, Mosaike Im Mittelpunkt der Schau stehen Hunderte von auf einen Hauptgott, der sich den
sowie Gold- und Silberschmuck. meroitischen Graffiti, die vor einigen Jahren Gläubigen mit Hilfe von «Geistwe-
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr in einem Felsentempel bei El Kurru im Nordsudan sen» offenbart.
Rapenburg 28 von der Kelsey-Expedition entdeckt wurden.
www.rmo.nl Geöffnet: Di–Fr 9–16 Uhr, Sa+So 13–16 Uhr Die Ausstellung wird die Voodoo-
434 South State Street
www.lsa.umich.edu/kelsey
Religionen in Afrika und Amerika
zum ersten Mal in ihrer
ÖSTERREICH Gesamtheit präsen-
MALIBU tieren und dabei
The J. Paul Getty Museum / Getty Villa auch die gängigen
GRAZ Buried by Vesuvius: Treasures from the Villa Klischees hinterfra-
Archäologiemuseum, Schloss Eggenberg dei Papiri gen. Die Besucher
Erde – Wasser – Feuer. Lebensquellen und bis 28. Oktober 2019
Wissensspeicher Zahlreiche Leihgaben aus dem Nationalmuseum erwartet auf zwei
bis 31. Oktober 2019 Neapel – hauptsächlich aus der Villa dei Papiri – Etagen eine hoch-
Neue Ergebnisse zur bronzezeitlichen Besiedlung sind in der Getty Villa (einem Nachbau ebendieser gradig inszenierte
der Steiermark liefert das EU-Projekt «Palaeo- Villa) zu sehen. Besonders hervorzuheben sind Erlebniswelt
DiversiStyria», vor allem von den Untersuchungen diesmal die Restaurierung bzw. die neuen Analysen mit einzigarti-
des kürzlich gefundenen hölzernen Brunnen- der radiologischen und endoskopischen Unter- gen Expona-
kastens aus der Bronzezeit und der darin befind- suchungen des betrunkenen Satyrn, der bereits im
lichen Pflanzen- und Tierreste. 18. Jh. gefunden wurde. Außerdem einige der ten, die sie tief
Geöffnet: Mi–So 10–17 Uhr verkohlten Papyrusrollen und die verschiedenen eintauchen
Eggenberger Allee 90 Methoden ihrer Entrollung und Entzifferung lässt in diese
www.museum-joanneum.at sowie die allerneusten Funde der letzten Grabungen. faszinieren-
Geöffnet: Mi–Mo 10–17 Uhr den Religio-
17985 Pacific Coast Highway nen und ihre
WIEN www.getty.edu
Institut für Klassische Archäologie Herkunftskul-
1869–2019. 150 Jahre Klassische Archäologie Hinweise auf Sonderausstellungen turen.
an der Universität Wien können Sie gerne an diese Adresse schicken:
bis 31. Oktober 2019 ak@wbg-wissenverbindet.de

97 www.rpmuseum.de
ü
ANTIKE WELT 5/19
VERANSTALTUNGEN UNSERER ZEITSCHRIFTEN

AiD-Studientag AW-Exkursion
am 18. Oktober 2019 23. bis 26. April 2020

MONREPOS «MUSEUMSLANDSCHAFT WIEN»


Archäologisches Forschungszentrum und Museum mit unserem Autor Dr. Peter Kracht
für menschliche Verhaltensevolution in Neuwied

PROGRAMM VORLÄUFIGES PROGRAMM


10.00 Uhr Donnerstag, 23. April 2020
Begrüßung durch Dr. Frank Moseler Bis 14.30 Uhr
Individuelle Anreise der Exkursions-Teilnehmerinnen
10.15 Uhr und -Teilnehmer nach Wien, Treffen im Hotel
Vortrag »Archäologie der Menschwerdung« 15.30 Uhr
Dr. Olaf Jöris Führung im Römermuseum Wien
17.30 Uhr
11.00 Uhr Besuch im Institut für Numismatik der Universität Wien
Führung TraCEr-Labor (Prof. Dr. Reinhard Wolters)
Dr. Joao Marreiros, Dr. Ivan Calandra 20.00 Uhr
oder Walter Gneisinger B.sc. Abendessen und Rückkehr zum Hotel
12.00 Uhr Freitag, 24. April 2020
Mittagspause zur freien Verfügung 10.00 Uhr
im MonAppétit Führung im Weltmuseum in der Hofburg
14.00 Uhr
13.30 Uhr Führung im Kunsthistorischen Museum
Führung »Knochenboden« mit der 19.30 Uhr
Vergleichssammlung Abendessen beim Heurigen
Dr. Lutz Kindler
Samstag, 25. April 2020
14.30 Uhr
9.00 Uhr
Kaffeepause Tagesexkursion nach Carnuntum
Kaffee, Tee, Kekse/Kuchen 19.30 Uhr
Abendessen in einem Wiener Lokal
15.15 Uhr
Kuratoren-Führung durch die Ausstellung Sonntag, 26. April 2020
»MenschlICHes VERSTEHEN« 10.00 Uhr
Dr. Olaf Jöris und Dr. Frank Moseler Führung durch die Ephesos-Sammlung des
Kunsthistorischen Museums
16.30 Uhr
gegen 13.00 Uhr
Ende der Veranstaltung Ende der Exkursion, anschließend individuelle Heimreise

Teilnahmegebühr: € 80,– | Abonnenten der Exkursionsgebühr: € 725,– (Doppelzimmer) | € 770,– (Einzelzimmer) |


Archäologie in Deutschland wbg-Mitglieder: Darin enthalten: drei Übernachtungen mit Frühstück in einem
€ 40,– | Studierende: € 10,– 4-Sterne-Hotel in Wien, drei Abendessen, sämtliche Eintritte und
Führungsentgelte sowie die Wien-Karte zur Nutzung des öffent-
Um Anmeldung wird gebeten:
lichen Nahverkehrs während der Exkursion
wbg − Archäologie in Deutschland
Hindenburgstraße 40, D-64295 Darmstadt Weitere Informationen:
Tel.: 0 61 51 | 33 08 741, Fax 0 61 51 | 33 08 212 Dr. Peter Kracht, Handwerkstraße 3, 59427 Unna, Tel.: 0 23 03 | 53 503,
ü
E-Mail redaktion@wbg-wissenverbindet.de E-Mail: pitkracht@t-online.de
ZITATE AUS DER ALTEN WELT – WOHER SIE KOMMEN UND WAS SIE BEDEUTEN

ZÓON POLITIKÓN
Der Mensch ein «staatenbildendes Wesen» von Klaus Bartels

in Kunstmythos, den Platon in seinem Protagoras dem Star-Sophisten in den Mund gelegt hat,
E gibt der Erzählung vom Feuerdiebstahl des Prometheus eine brandaktuelle Fortsetzung.
Nicht die Rüstungs-Künste des Schmiedegotts Hephaistos, lautet da die Botschaft, hätten den
Die Zitate
Platon, Protagoras 320 c ff.,
das Zitat 322 c – Aristoteles,
Politische Schriften 1, 2.
Homo Faber vor den wilden Tieren und vor seinesgleichen schützen können; erst die von 1252 b 27 ff., 1253 a 1 ff.,
Zeus gestiftete «politische Kunst» habe das Menschengeschlecht überleben lassen: «Da kam in a 15 ff., a 29 ff. – Ausführ-
lichere Zitate in: Jahrtau-
Zeus Furcht auf um unser Geschlecht, es könne noch ganz zugrundegehen, und er entsandte sendworte – in die Gegen-
wart gesprochen, ausge-
Hermes, Ehrfurcht – aidós – und Recht – díke – zu den Menschen zu bringen, dass es unter ihnen wählt, übersetzt und vorge-
stellt von Klaus Bartels,
Staatsordnungen gebe und einigende Freundschaftsbande.» 2. Auflage, Reihe Paradeig-
Protagoras spricht da von einer «politischen Kunst» in Gestalt des Rechts und der Scheu, es zu mata 50, Rombach
Verlag, Freiburg i. Br. 2019,
brechen; Schiller besingt in seinem Lied von der Glocke die «Heilge Ordnung, segenreiche / Seite 45 f. und 49 f.

Himmelstochter, … die herein von den Gefilden / rief den ungesellgen Wilden …»; Aristoteles nennt
den Menschen ein «von Natur staatenbildendes Wesen – physei politikón zóon». Am Anfang
eines politologischen Kollegs leitet er die Staatsgemeinschaft aus der Haus- und der Dorfgemeinschaft
her; aus dem Zusammenschluss dieser offenkundig natürlichen Gemeinschaften gehe aufs
Natürlichste die schließlich vollends autarke, «sich selbst genügende» und auf gemeinsame Werte
gegründete Staatsgemeinschaft hervor:

Wie das höchste von allen, so das niedrigste von allen


«Die aus mehreren Dörfern gebildete vollkommene Gemeinschaft ist der Staat, der nunmehr sozu-
sagen das Limit der vollen Autarkie erreicht, entstanden anfangs um des bloßen Überlebens
willen, bestehend aber um des guten, menschengemäßen Lebens willen. … Daraus geht klar hervor,
dass der Staat zu den von Natur gegebenen Dingen gehört und dass der Mensch von Natur
ein staatenbildendes (Lebe-)Wesen ist; wer aufgrund seiner natürlichen Veranlagung und nicht
aufgrund zufälliger Umstände außerhalb der Staatsgemeinschaft steht, der ist entweder
missraten oder stärker als ein Mensch, wie der von Homer getadelte ‹ohne Bruder, ohne Gesetz,
ohne Herd› ... Denn gegenüber den anderen Lebewesen ist den Menschen das eigentümlich,
dass einzig sie ein Empfinden für Gut und Schlecht, Gerecht und Ungerecht und die übrigen solchen
Werte besitzen. Die Gemeinsamkeit dieser Werte aber begründet die Haus- und die Staats-
gemeinschaft.»
Ein schaudernder Blick streift hier noch den nicht nur zu vielem, sondern auch, wie wir sagen,
«zu allem» fähigen Menschen, und da schließt sich der Kreis zurück zu jenem Platonisch-
Protagoreischen Kunstmythos: «Von Natur nun ist der Trieb zu einer solchen Staatsgemeinschaft
in allen Menschen vorhanden; doch der sie als erster eingerichtet hat, ist damit zum Urheber
höchster Güter geworden. Denn wie der Mensch, zu seiner Vollendung gebracht, das höchste von
allen Lebewesen ist, so ist er auch, geschieden von Gesetz und Recht, das niedrigste von allen.
Denn am fürchterlichsten ist das Unrecht, das über Waffen verfügt; der Mensch aber verfügt in seiner
Intelligenz und seiner sonstigen Fähigkeit von Natur über Waffen, die sich sehr leicht zu ent-
gegengesetzten Zwecken missbrauchen lassen. Darum ist der Mensch ohne Gesetz und Recht das
frevelhafteste und gewalttätigste Lebewesen und, was den Liebes- und Nahrungsgenuss angeht,
das niedrigste.»

99
ü
ANTIKE WELT 5/19
VORSCHAU

DAS NÄCHSTE HEFT ERSCHEINT


LEBEN AM TOTEN MEER
AM 15.11.2019
6.19
Zeitschrift für
TITELTHEMA
Archäologie und
Kulturgeschichte

SALZMEER – TOTES MEER – von Martin Peilstöcker


LOTS MEER. DIE DREI ABRAHA-
MISCHEN RELIGIONEN UND DAS
TOTE MEER

HERODES UND DAS TOTE MEER von Yvonne Schmuhl

DEUTSCHE FORSCHUNGEN AM von Martin Peilstöcker


TOTEN MEER, EIN FORSCHUNGS-
GESCHICHTLICHER ABRISS
Leben am (ALLTAGS-) LEBEN AM
Toten Meer
von Christina Michel
TOTEN MEER
€ 12,80 (D)
€ 14,– (A) / sFr 25,–
www.antikewelt.de

ITALIEN DEUTSCHLAND GRIECHENLAND


Das archaische Archäologe und
Elfenbeinkästchen von Gentleman – Georg Karo
Bedeutung der
kykladischen
VORBEREITUNGEN UND KONZEPT von Sabine Wolfram und Martin Peilstöcker
Belmonte Piceno in den Zwanziger Jahren Skulpturen von Keros DER AUSSTELLUNG

IMPRESSUM

Chefredaktion: Holger Kieburg Abo- und

Weitere Inhalte und


Redaktion: Eva Pasch, Gabriele Lebek (Titelthema), Leserservice: IPS Datenservice GmbH
Dr. Anemone Zschätzsch (Ausstellungskalender). Postfach 13 31
D-53335 Meckenheim
Korrespondentin in Rom: Dr. Maria-Aurora v. Hase Salto

Infos finden Sie unter


Tel.: 0 22 25 / 70 85-361; Fax: 0 22 25 / 70 85-399
Endlektorat: Walter Wöstheinrich e-mail: aw@aboteam.de
Vertrieb: IPS Pressevertrieb GmbH

www.antikewelt.de
Gestaltung und Herstellung: Postfach 12 11
Melanie Jungels, TYPOREICH – Layout- und Satzwerkstatt, Nierstein D-53334 Meckenheim
Gesamtverantwortung: Dr. Beate Varnhorn Tel.: 0 22 25 / 88 01-0; Fax: 0 22 25 / 88 01-199

und auf Facebook. Wissenschaftlicher Beirat:


Prof. Dr. Werner Eck, Köln (Alte Geschichte, römische Kaiserzeit),
Abonnementpreis (6 Hefte jährlich und zwei zusätzliche
Sonderthemenhefte):
€ 86,– (D) / € 92,– (EU) / € 96,– (Welt) inkl. Porto
Prof. Dr. Thomas Fischer, Köln (Provinzialrömische Archäologie),
Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Freiburg (Alte Geschichte), Ermäßigtes Studentenabonnement:
Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase, Mannheim (Italische Vor- € 70,– (D) / € 76,– (EU) / € 80,– (Welt) inkl. Porto
und Frühgeschichte, Etruskologie), Prof. Dr. Henner von Hesberg, (nur mit Bescheinigung)
Rom (Klassische Archäologie), Prof. Dr. Thomas O. Höllmann, Preis der Einzelnummer: € 12,80 (D) zzgl. Porto. *ggf. zzgl. MwSt.
München (Ferner Osten), Prof. Dr. Hartmut Leppin, Frankfurt a. M.
(Alte Geschichte, Spätantike), Prof. Dr. Joseph Maran, Heidelberg Bankverbindung:
(Ur- und Frühgeschichte), Dr. Ralf-B. Wartke, Berlin (Archäologie Sparkasse Darmstadt
im Vorderen Orient). IBAN: DE80 5085 0150 0000 7496 80 (Kto.-Nr. 749680),
BIC: HELADEF1DAS (BLZ 508 501 50)
Manuskripte senden Sie bitte an die Redaktionsadresse. In der Gesamtauflage finden Sie eine Beilage des Antikenmuseum
Für unverlangt eingesandte Manuskripte kann der Verlag keine Basel und Sammlung Ludwig sowie die Beilage «Mosaik».
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Redaktion ANTIKE WELT
Wissenschaftliche Buchgesellschaft © WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt
Hindenburgstr. 40
D-64295 Darmstadt Die WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) ist ein wirtschaft-
Tel.: 0 61 51 / 33 08-741; Fax: 0 61 51 / 33 08-212 licher Verein gemäß § 22 BGB durch staatliche Verleihung des
Landes Hessen und wird im Register der Stadt Darmstadt geführt.
ANTIKE WELT erscheint sechsmal jährlich bei der WBG
(Wissenschaftliche Buchgesellschaft). Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen,
vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlages.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge erscheinen in Verantwor-
Anzeigenverwaltung: tung der Autoren und stellen nicht unbedingt die Meinung der
Agentur Hanne Knickmann Redaktion dar.
Buch | Literatur | Wissenschaft
Römerstraße 45 Die Herausgabe des Werkes wurde durch die Vereinsmitglieder
D-69115 Heidelberg der WBG ermöglicht.
Tel. 0 62 21 / 673 42 50 Lithos: Layout l Satz l Bild, Gensingen
Fax 0 62 21 / 673 42 51 Druck: Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm
e-mail: hk@hanne-knickmann.de
www.hanne-knickmann.de
Zulassungsnummer im Postzeitungsdienst: 1 Y 9316 F;
Zurzeit gelten die Mediadaten 2019, gültig seit September 2018. ISSN: 0003-570-X; ISBN: 978-3-8053-5195-9; -5121-7 (PDF)

100
ü ANTIKE WELT 5/19
Die faszinierende
Geschichte einer Seuche
Was ist die Pest? Wo liegen die ältesten Nach-
weise? Mit diesen Fragen beginnt die Reise durch
die faszinierende Geschichte dieser ikonischen
Seuche. Sie führt über die frühesten archäogeneti-
schen Nachweise in der Steinzeit über die Spätan-
tike bis zum berüchtigten ‚Schwarzen Tod‘ des
Spätmittelalters. Welche Folgen hatte die Seuche
für vormoderne Gesellschaften? Das tödliche
Potenzial der Pest ist noch immer vorhanden -
doch wie würde man heute auf einen erneuten
Ausbruch reagieren?

Katalog zur
Ausstellung
in Herne.
Hrsg. vom LWL-Museum für Archäologie, Über 700 Seiten und
Westfälisches Landesmuseum, Herne; rund 300
archäologische und
Stefan Leenen, Alexander Berner, Sandra Maus kulturhistorische
Pest! Objekte!
2019. Etwa 720 S. mit etwa 700 farb. Abb.,
geb. mit SU. wbg Theiss, Darmstadt.
40,– € • ISBN 978-3-8062-3996-6

wbg-wissenverbindet.de
ü
Ein Opus Magnum, das
neue Maßstäbe setzt
Angelos Chaniotis erzählt die spannende Geschichte
der Griechen in einem wahrhaft kosmopolitischen
Zeitalter. Von Alexander dem Großen (334 v. Chr.)
bis zu dem römischen Kaiser Hadrian (138 n. Chr.).
Inwiefern prägte die Kultur der Griechen das
Römische Reich und darüber Europa bis heute?
Globalisierung und die Entstehung von Metropolen,
technologische Innovationen und neue Religionen,
aber auch soziale Konflikte und Kriege gehören zu
den Signaturen dieser Welt, die überraschend viele
Parallelen zu unserer Gegenwart aufweist.

Internationaler
Bestseller: Bereits
in 5 Sprachen
übersetzt
Angelos Chaniotis
Die Öffnung der Welt
Eine Globalgeschichte des Hellenismus
2019. 544 S. mit 38 s/w-Abb. und 8 Kt., Zeittafel, Bibliogr. und Reg.,
geb. mit SU. wbg Theiss, Darmstadt.
35,– € • ISBN 978-3-8062-3993-5

wbg-wissenverbindet.de
ü
1.17
Zeitschrift für
ANTIKE WELT · 47. Jahrgang · Heft 1/2017
Rückblick in die 2010er Jahre: Einen erneuten
Relaunch durchlief die ANTIKE WELT Archäologie und
Kulturgeschichte
zum Jahresbeginn 2017. Heft 1 erscheint nun
zum ersten Mal in unserem heute noch
aktuellen Look: Vor schwarzem Hintergrund
kommen zum Titelthema passende Fund­
stücke eindrucksvoll zur Geltung, wie wir
finden. Dass die AW auch vor dem Relaunch,
etwa im Jahr 2014, schon ganz nah dran
war an aktuellen Themen, zeigt das Cover
von Heft 3/2014. Ihre Relevanz zu betonen
und zwischen Wissenschaft und Öffent­
lichkeit Brücken zu schlagen, ist seit 50 Jahren
das Anliegen der AW. Unser Autor Jens
Notroff erklärt, warum die altertumswissen­
schaftlichen Disziplinen sich dem noch
mehr öffnen sollten. Die Betreiberinnen
und Betreiber der Plattform «Anarchaeolo­
gie» entwerfen angesichts unseres
Jubiläums eine Archäologie der Zukunft
und blicken 50 Jahre voraus.

Philipp
Philipp von
von Zabern
Zabern 1/2010
3/2014 €€ 12,80
12,80(D)
(D)//€€14,–
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(A)//sFr 25,– www.
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Karthago € 12,80 (D)
€ 14,– (A) / sFr 25,–
www.antikewelt.de

ÄGYPTEN ROM DEUTSCHLAND


KARTHAGO

Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte


Das Wissen vom Die neuesten Frühe
Mond Forschungen auf archäologische
dem Palatin Fotografien

Gern können Sie uns in einem Brief an die Redaktion oder in einer E­Mail
ÄGYPTEN DEUTSCHLAND FRANKREICH (redaktion@wbg­wissenverbindet.de) Ihre Geschichten, die Sie mit der
Alexander der Große Das Staatliche Museum für Archäo- Dolmen und Menhire
als neuer Pharao logie Chemnitz stellt sich vor in den Cevennen AW verbinden, schildern. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Blick in die
Geschichte.

ü
Einst machte sich eine Gruppe von Anarchaeolog*innen auf den Rund um die Erde, neben all dem Weltraumschrott, befinden sich
Weg, die Welt der Archäologie(n) in 50 Jahren zu entdecken. tausende von Satelliten und Raumstationen, die überwachen,
forschen und dem neuen Zweig, der Satellitenarchäologie, Daten
liefern.

Gegraben wird zwar noch, aber mit Hilfe von Hyperdrohnen. Die privatwirtschaftliche Unterwasserarchäologie stellt den größ-
Diese fotografieren nicht nur im 360° Winkel, sondern scannen ten Wirtschaftszweig innerhalb der Archäologie(n) da –, nachdem
gleichzeitig den Boden und können Höhenmessungen vornehmen. der Meeresspiegel um mehrere Meter angestiegen ist.

ü
2
Anarchaeologie.de ist eine von Studierenden verschiedener archäologischer Disziplin gegründete Plattform. Unsere Themen um­
fassen die Zugänglichkeit von Methoden, Konzepten und Theorien der Archäologie(n) für Studienanfänger*innen und die inte­
ressierte Öffentlichkeit. Wir positionieren uns klar gegen jegliche Vereinnahmung von Vergangenheit durch rechte Narrative und
setzen uns für die Gleichberechtigung aller Geschlechter und prekär situierter Personen in den Archäologien ein.
www.anarchaeologie.de

Was 2019 noch häufig als archäologisch zu «jung» oder zu un- Nach einem großen länderübergreifenden Projekt wurden 2021
bedeutend galt, ist spätestens jetzt eindeutig Vergangenheit und jegliche Literatur- und Funddatenbanken generalüberholt,
wird systematisch aufgenommen. mithilfe von Künstlicher Intelligenz neu geordnet und verbunden.
Alle Daten sind für interessierte Laien und Wissenschaftler*innen
frei zugänglich verfügbar.

Museen gibt es nach wie vor. Diese sind kostenlos, arbeiten mit Das Archäologiestudium wurde umbenannt in «Prähistorische und
allen körperlichen Sinnen und setzen auf Emotionalisierung durch Historische Kulturwissenschaften» (PhHKuWi). Spezialisierte höhere
«persönliche» Begegnungen auf Holodecks. Vollständig inklusiv Abschlüsse können in Archäoinformatik/geomatik, Archäohand-
sind sie leider noch nicht. werk und Grabungstechnik sowie einem stärker theoriebezogenen
Studium absolviert werden.

ü
3
doch dann ...

Wir wissen natürlich nicht, wie die Welt der Archäologie(n) in 50 Jahren aus­
sieht. So oder so ähnlich könnte sie aber tatsächlich aussehen, da sich einige
Phänomene bereits jetzt andeuten. Wir haben einige für uns wichtige Punkte
ausgelassen, wie die Überwindung des Prekariats, die Einbindung von Ehrenamt­
lichen, politische Vereinnahmung von Archäologie und Geschichtswissenschaft.
Warum? Genauso wie die hier aufgeführten Ideen liegt der Aushandlungsprozess
der weiteren genannten Bereiche in unserer Hand und hängt davon ab, wie wir
uns – als Altertumswissenschaftler*innen – positionieren und agieren.

Wir wünschen der ANTIKEN WELT alles Gute zum 50. Geburtstag und freuen
uns, dass wir einen kleinen Beitrag zum Jubiläum leisten dürfen.


Wir müssen reden
Wissenschaftskommunikation in der Archäologie

Jens Notroff
Uralte Ruinen, vergessene Kulturen, verborgene Schätze – ar­
chäologische Sensationen erfreuen sich, das zeigen zahlreiche
populäre TV­Formate, Magazine und Bücher, ungebrochener
Beliebtheit. Oft allerdings sind eben dies auch genau jene stark
romantisierten Pole, zwischen denen sich die öffentliche Wahr­
nehmung von Archäologie bewegt: verwegenes Abenteuer und
draufgängerische Schatzsuche. Was zwar spannender klingt als jene
Herausforderungen, mit denen moderne Archäologen üblicherweise zu tun
haben – aber auch kaum weiter entfernt sein könnte von der wissenschaftlichen Jens Notroff
(Foto: Urs Kuckertz, DAI).
Auseinandersetzung mit den materiellen Überresten vergangenen menschlichen
Lebens und Wirkens und jenen Fragen, die das Fach tatsächlich beschäftigen.
Dazu gehört eben gerade nicht die Schatzjagd auf Einzelobjekte, seien sie nun aus
Gold oder nicht, sondern die oft aufwändige Dokumentation deren exakten Fund­
kontextes, der mehr preisgibt, als nur einen hübschen Gegenstand für die Vitrine.
Bewahrung, Erhalt und Schutz von Denkmälern und des universellen kulturellen
Erbes sind heute ebenso wesentlicher Bestandteil archäologischer Auseinander­
setzung mit der Vergangenheit wie Ausgrabung, Analyse und Auswertung.
Doch ist diese öffentliche Aufmerksamkeit für unsere Arbeit etwas, über das
wir uns glücklich schätzen und von dem wir Gebrauch machen sollten. Dessen Be­
achtung und Beantwortung nämlich ist mehr als gefällige Aufmerksamkeit oder
lästige Pflicht. Sie ist Verpflichtung, unser Teil der Abmachung. Nicht nur, aber ins­
besondere in den Geisteswissenschaften wird Forschung oft genug aus öffentli­
chen Mitteln finanziert. Die Öffentlichkeit hat also durchaus guten Grund und ein
berechtigtes Interesse mehr über diese Arbeit zu erfahren. Wissenschaft hat also
durchaus auch die Pflicht zur Kommunikation. Als Altertumswissenschaft spiegelt
die Archäologie in all ihren Disziplinen zu einem gewissen Grad selbstverständ­
lich auch aktuelle Debatten wider – die Frage nach gesellschaftlichem Einfluss von
Klimawandel und Migration z. B. ist nicht zufällig in den letzten Jahren auch wie­
derholt aus archäologischer Langfristperspektive diskutiert worden. Als Gesell­
schaftswissenschaftler sollten wir also in der Tat in der Lage sein, am öffentlichen
Diskurs teilzuhaben – und diesem ggf. gar vorzugreifen. Das jedenfalls ist der An­
spruch, den das Fach selbst formuliert, wenn es darum geht gesellschaftliche Re­
levanz (und gute Gründe für eine notwendige finanzielle Förderung) gegenüber
der Öffentlichkeit geltend zu machen.
Aber stimmt das auch? Wenn archäologische Daten und Interpretationen in öf­
fentlichen Debatten und Berichten herangezogen werden, dann i.d.R. zur Illustra­
tion oft monokausaler Erklärungen, die komplexe Zusammenhänge auf einzelne
Phänomene zurückführen – die Abhängigkeit und das Zusammenwirken unter­
schiedlichster Elemente, die solchen Entwicklungen viel öfter zugrunde liegen, fin­
den eher wenig Niederschlag. Trotz – und auch das muss betont werden – deut­

5 ü
lich gesteigerter Bemühungen in Sachen Wissenschaftskommunikation ist die
Vielfalt tatsächlicher archäologischer Forschung in der öffentlichen Wahrnehmung
nicht bzw. nicht immer in relevantem Umfang präsent. Wir glauben vielleicht an
gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen, sind aber allenfalls Stichwortgeber.
Und das liegt zu einem nicht unwesentlichen Teil durchaus auch an den Kommuni­
kationsstrategien in unserem Fach. An der Bereitschaft, (eigene) Forschung einzu­
ordnen und zu kommunizieren – oder wenigstens so zugänglich zu machen, dass
andere, Journalisten beispielsweise, sie kommunizieren könnten. Machte man es
sich leicht, könnte man sich auf die Position zurückziehen, dass die Gestaltung öf­
fentlicher Diskurse nicht vorrangig Aufgabe von Wissenschaft und Forschung sei.
Freilich würde man damit den selbst behaupteten Anspruch gesellschaftlicher Re­
levanz untergaben – und einem gefährlichen Trugschluss aufsitzen: Denn selbst­
verständlich sind Präsentation und Kommunikation von Forschung wesentlicher
Teil wissenschaftlichen Arbeitens. Gefährlich ist ein solcher Rückzug aber auch
deshalb, weil er Leerstellen hinterlässt. Leerstellen, die natürlich nicht leer blei­
ben. Unterbleibt ein Kommunikationsangebot von wissenschaftlicher Seite, wird
das davon unabhängig bestehende Interesse eben von anderer Seite beantwor­
tet. Dann füllen aktivere Quellen diese Lücke und gestalten und dominieren die
Wahrnehmung archäologischer Forschung jenseits von Fachpublikationen und Ta­
gungen. So können im ungünstigsten Falle Verschwörungstheorien und verzerrte,
im schlimmsten Falle extrem verfälschende Darstellungen entstehen, wenn da­
mit nämlich ganz eigene Ziele verfolgt werden. Die können, gerade auch in Bezug
auf gesellschaftspolitisch kontrovers diskutierte Ereignisse (wie z. B., eingangs
erwähnt, Klimawandel und Migration) bis zu politisch­extremistischen und natio­
nalistischen Motiven reichen, indigenen Völkern eigene Kulturleistungen abspre­
chen, kolonialistische und rassistische Weltbilder verbreiten. Dem können wir mit
einer offeneren Gestaltung von Wissenschaftskommunikation entgegenwirken,
in der Forschung und deren Resultate transparent dargestellt werden – unter Ein­
beziehung der an diesen Dingen ja eben gerade interessierten Öffentlichkeit.
Und viele Kollegen, Wissenschaftler und Journalisten, tun dies bereits engagiert
und erfolgreich – u. a. beispielsweise auch an dieser Stelle, seit inzwischen
50 Jahren. Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind allerdings
zu oft noch nebenher zu erledigende Pflichten, werden in der Planung von For­
schungsprojekten erst nach und nach als eigenständige Tätigkeitsfelder wahrgenom­
men und berücksichtigt und finden erst allmählich Eingang auch in die Ausbildung
von Wissenschaftlern.

Forschung meint mehr als das Erheben von Daten. Deren Diskussion und Einord­
nung sind ebenso notwendig wie wichtig: Wissenschaft ist auch Wissenschafts­
kommunikation. Gesellschaftswissenschaft ist auch gesellschaftliche Verantwor­
tung.

ü
6
Wann ist ein Fach ein kleines Fach?

Kleine Fächer
Für die Abgrenzung kleiner Fächer von großen und mittelgroßen Fächern wird ein
quantitatives Kriterium herangezogen, welches sich auf die Zahl der Professuren
je Standort bezieht. Diesem zufolge besitzt ein kleines Fach je Universitätsstand­
ort nicht mehr als drei unbefristete Professuren, wobei es deutschlandweit bis zu
zwei Ausnahmen geben darf.

Altorientalistik

Professuren Standorte

15 11
Entwicklung Professuren

1997 2007 2017 2019


21 16 14 15

Entwicklung Standorte

1997 2007 2017 2019


14 13 11 11

• Freie Universität Berlin


• Georg­August­Universität Göttingen Die Arbeitsstelle Kleine Fächer
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Wie Archäologinnen und Archäologen zum Traumjob finden
Berichte aus der Praxis

Friedrich Loré – Der Grabungsleiter


Er solle bloß etwas Gescheites lernen, riet ihm damals sein Ge­
schichtslehrer. Friedrich Loré beherzigte den Rat und begann in
Saarbrücken BWL zu studieren – und wechselte doch bald zu Vor­
und Frühgeschichte, Vorderasiatischer Archäologie und Geologie.
«Das habe ich bis heute nicht bereut», erklärt der 59­Jährige, für den
Beruf viel mit Berufung zu tun hat. Er ist Geschäftsführer seiner eige­
nen Grabungsfirma ADILO im oberpfälzischen Parsberg, die etwa 45 Mit­
arbeiterinnen und Mitarbeiter hat und seit 15 Jahren tätig ist. «Das Grabungs­
Friedrich Loré wesen hat sich etabliert, da ist es nicht unlogisch sich selbstständig zu machen.
(Foto: Dr. Hamid Fahimi).
Wenn viel gebaut wird, wird auch viel archäologische Substanz zerstört», erklärt der
Archäologe und ergänzt: «Hier in Bayern gibt es inzwischen rund 50 Firmen.»
Friedrich Loré hat schon als Student viel gegraben, war nach dem Magisterab­
schluss selbst als Grabungsleiter angestellt, oft mit Zeitverträgen. Inzwischen
ist er derjenige, der die Jobs vergibt. «Das ist ein Kampf um die besten Köpfe. Bei
uns werden aber nicht nur Erfahrene gesucht, wir stellen auch Be­
rufsanfänger ein und coachen sie, denn selbst promovierte Stu­
«Ich bin nun mal Archäologe denten haben oft zu wenig Grabungserfahrung und meist keine
mit Herz und Seele.» Ahnung von der Grabungsleitung – als Unternehmen müssen wir
anders agieren als in der Wissenschaft. Wir müssen aufs Geld
schauen, schnell auf den Punkt kommen, Leistung bringen», er­
läutert der Firmenchef. Mit dem glamourösen, romantisierten Bild von Indiana Jones
und Co. haben die Ausgrabungen meist wenig gemein.
Für ihn ist auch der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch entscheidend.
«Wir haben Mitarbeiter aus vielen Nationen, mit unterschiedlichen Glaubensvor­
stellungen – da muss jemand auch menschlich gut ins Team passen. Diskriminierung
dulden wir nicht!» Sollten Bewerberinnen und Bewerber auch Software­Kenntnisse
mitbringen, sich also mit Computer Aided Design­Programmen (wie AutoCAD) oder
Geographischen Informationssystemen (GIS) auskennen? «Software­Skills sind
inzwischen eine wichtige Voraussetzung, jede Grabung erfolgt mit technischem Ein­
satz. CAD ist bei uns Standard, GIS wird kommen», so der Unternehmer.
Zu Friedrich Lorés Arbeitsalltag gehört es, mit Bauherren zu verhandeln, zu einer
Lösung zu kommen, die von beiden Seiten – von Investoren und dem Denkmalamt –
akzeptiert wird. Zu finden ist er aber meistens auf einer seiner Baustellen, sehr
Die Arbeitsgemeinschaft «Wissen zum Leidwesen seiner Assistenz. «Ich bin nun mal Archäologe mit Herz und Seele.
schafft Karriere» des Deutschen Gerade bei großen Projekten unterstütze ich die Projektleiter als Mentor.» Er brennt
Archäologen­Verbandes (DArV)
informiert über das breite Spek­ für die Archäologie und ist überzeugt, dass man Neugier und Freude an den mensch­
trum an potenziellen Berufsfeldern lichen Aktivitäten der letzten Jahrtausende braucht, um erfolgreich graben zu
(‹fachlich – fachnah – fachfern›):
können. «Wir tragen große Verantwortung, denn wir zerstören bei jeder Grabung
https://darv.de/arbeits-gemein-
schaften/wissen-schafft-karriere/. Geschichte. Daher müssen wir alles sehr sorgfältig dokumentieren. Anschließend
ist nichts mehr vom Fundort übrig, stattdessen steht dann da eine Tiefgarage.»
von Annika Voßen, Bonn

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