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Albanien

Archäologische Rundreise durch das kleine Balkanland

AiD
LESERREISE
Exklusiv für Leser der
and
Archäologie in Deutschl

 9 Tage Archäologie-Reise
ab/bis Frankfurt
| n Deutschland 05 2019
Oktober – November

aid-magazin.de
 Die UNESCO-Weltkultur-
erbestätten Apollonia, Butrint, Berat
und Gjiorkastër
 Besichtigung der Hauptstadt Tirana
@ Karawane
 Studienreiseleitung Dr. Wolfram Letzner

09.06. – 15.06.2020
Ihr Reiseprogramm (Änderungen vorbehalten) 6. Tag: Sarandë – Phoinike – Mesopotam –
Sofratikë – Gjirokastër (F/M/A)
1. Tag: Frankfurt – Tirana – Durrës (M/A) Besuch der Ausgrabung des Klosters der 40 Heiligen und
Flug nach Tirana. Empfang durch den lokalen Reiselei- weiter nach Phoinike, mit seinem eindrucksvollen Thea-
ter und Fahrt nach Durrës, wo Sie das Amphitheater ter. Das Kloster Mesopotam ist das nächste Ziel. Nach
und das Forum besichtigen sowie einen Rundgang der Mittagspause geht es nach Sofratikë, das frühere
durch die Stadt unternehmen. Anschließend Transfer ins Hadrianopolis. Ein römisches Theater und die Reste einer
Hotel und Check-In. 2 Übernachtungen: Albanian Star Thermenanlage erwarten Sie hier. Im Laufe des Nachmit-
Hotel****. tags erreichen Sie die Stadt Gjirokastër, wo Sie noch die
Altstadt besichtigen. Übernachtung: Hotel Argjiro****.
2. Tag: Ausflug Tirana (F/M/A)
Fahrt nach Tirana und Besuch des Historischen und des 7. Tag: Gjirokastër – Antigonea –
Archäologischen Nationalmuseums. Nach der Mittags- Tepelenë – Ardenicë – Durrës (F/M/A)
Reisepreis pro Person in EUR
pause Besichtigung des ersten privaten Museums Alba- Besichtigung der Zitadelle von Gjirokastër. In Antigonea Im Doppelzimmer 1.895,--
niens, das Mezuraj-Museum, mit archäologischen Fun- besichtigen Sie das Gelände mit Agora, Wohnhäusern Einzelzimmerzuschlag 180,--
den und kunstgeschichtlichen Objekten. und anderen Bauten. Tepelenë und seine Umgebung
gelten als Geburtsort und spätere Residenz Ali Paschas. Eingeschlossene Leistungen
3. Tag: Durrës – Berat – Apollonia – Vlorë (F/M/A) Weiterfahrt nach Ardenicë zum orthodoxen Kloster mit  Linienflüge ab/bis Frankfurt mit Lufthansa (Economy Class)

Besuch des Archäologischen Museums von Durrës. der Kirche, in welcher der Nationalheld Skanderbeg  Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige Treibstoff-

Anschließend Fahrt nach Berat. Besichtigung der Fes- heiratete. Anschließend geht es zurück nach Durrës. zuschläge (Stand Juli 2019)
 Transfers im Reisebus
tung und Spaziergang durch die Altstadt. Auf einem 2 Übernachtungen: Albanian Star Hotel****.
 Fahrten Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
Weingut unternehmen Sie eine Führung mit Weinprobe.
 Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm
Weiterfahrt nach Apollonia. Neben dem Stadtzentrum 8. Tag: Ausflug Krujë, Lezhë, Shkodër (F/M/A)
 8 Übernachtungen in den im Reiseprogramm genannten
besuchen Sie auch das Nymphäum und das Archäologi- Der Stammsitz Skanderbegs in Krujë ist das erste Ziel.
Hotels o.ä. in Zimmern mit Bad oder Dusche/WC
sche Museum. Am späten Nachmittag erreichen Sie Gang durch den historischen Basar hinauf zur Festung.

Bollwerke, Bastionen
 Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Frühstück /
das Hotel in Vlorë. 2 Übernachtungen: Hotel Regina In Lezhë besichtigen Sie die Festung mit archäologi-
M = Mittagessen / A = Abendessen)
City****. schen Funden und der Skanderbeg-Gedenkstätte. Nach  1 aktueller Reiseführer pro Zimmer
der Mittagspause Fahrt nach Shkodër. Besichtigung der  Studienreiseleitung ab/bis Frankfurt: Dr. Wolfram Letzner
4. Tag: Ausflug Kaninë, Amantia, Byllis (F/M/A) Festung Rozafa.
Das erste Tagesziel ist Kaninë, mit der weitläufigen

und Bombarden
Nicht eingeschlossen: Persönliche Ausgaben wie weitere
Burganlage. Weiter geht es zum Archäologischen Park 9. Tag: Durrës – Tirana – Frankfurt (F) Mahlzeiten, Getränke, Reiseversicherungen, optionale Aus-
Amantia. Neben der eindrucksvollen Landschaft erwar- Am Vormittag Transfer zum Flughafen und Rückflug. flüge und Trinkgelder.
AiD  05 2019  |  Bollwerke, Bastionen und Bombarden

tet Sie eine Ausgrabungsstätte mit bedeutenden Rui-


nen. Das nächste Ziel ist der Archäologische Park Byllis, Ihre Reiseleitung: Herr Dr. Wolfram Letzner Teilnehmer
eine von Illyrern gegründete Stadt mit Stadtmauern, Dr. Wolfram Letzner ist als freiberuflicher Archäologe Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilnehmer-
zahl: min. 15 Personen, max. 25 Personen.
Zisternen und Ruinen früherer Kirchen. tätig. Als Autor veröffentlichte er zahlreiche Bücher zur
Geschichte und Archäologie, darunter Weitere Informationen unter
5. Tag: Vlorë – Orikum – mehrere Titel zum Westbalkan. Für die www.karawane.de
Butrint – Sarandë (F/M/A) internationale Frontinus- € (D) 11,95
Es geht zum Archäologischen Park Orikum und weiter Gesellschaft e.V. ist er als Mitherausgeber Webcode: 35769 So zechten Die ErschlieSSung Piraten im
in Richtung Süden nach Butrint. Eindrucksvolle Ruinen von Tagungsbänden und weiteren Publi- die Kelten Ozeaniens Mittelalter
05

aus griechischer, römischer und byzantinischer Zeit kationen tätig. Darüber hinaus leitete er bereits eine Reiseveranstalter
können Sie hier bestaunen. Weiterfahrt nach Sarandë. Reihe von Studienreisen in der Türkei, Kroatien und Karawane Reisen GmbH & Co. KG, Ludwigsburg Wein und Bier – mediterrane Salomonen-Inseln – ein Johann Hollemann – vom
511959

Übernachtung: Hotel Andon Lapa****. Albanien. Reisevereinbarungen: www.karawane.de/agb und mitteleuropäische Sprungbrett in den östlichen ehrbaren Bremer Kaufmann
Trinksitten ➔ Seite 8 Pazifik ➔ Seite 14 zum Seeräuber ➔ Seite 46
190842

Karawane Reisen GmbH & Co. KG in Kooperation mit


ü
Schorndorfer Str. 149 · 71638 Ludwigsburg · Ansprechpartner: Nicole Heldmann
4

Tel + 49 (0) 7141 2848-13 · nicole.heldmann@karawane.de · www.karawane.de


Die KulturCard für  Abonnenten!
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Sie erhalten mit der KulturCard vergünstigten Eintritt
in die Museen unserer Partner! Dies kann eine Ermä-
ßigung von 40-50 % auf den regulären Eintrittspreis
oder 2 Karten zum Preis von einer sein.
VORSCHAU
3
35
27
AiD 6 | 2019 erscheint
12 Antikenmuseum Basel und
Sammlung Ludwig
am 14. November 2019
16 9
20 17 St. Alban-Graben 5
21 13
29 6  26 4010 Basel
7 www.antikenmuseumbasel.ch
11 30 8
4 2 Öffnungszeiten: Di - Do, Sa, So 11 -17 Uhr; Fr 11 - 22 Uhr
19
Der Rabatt gilt nur für die Sonderausstellung
Virtuelle Vergangenheit
15 14 10
Gladiator. Die wahre Geschichte
28 22. September 2019 - 22. März 2020
18 Digitale Technologien drängen mit Macht in
 23
31
die Archäologie. Eine besondere Chance bietet
 25
Ostpreußisches Landesmuseum
34 die Virtualisierung: Virtuelle Rekonstruktionen
36
mit Deutschbaltischer Abteilung
Heiligengeiststraße 38 von Objekten oder gar ganzer Lebenswelten
 1 Bremerhaven Deutsches Auswandererhaus 21335 Lüneburg schlagen eine Brücke von der Wissenschaft
 2 Darmstadt, Institut Mathildenhöhe – Künstlerkolonie Tel. +49 (0) 4131 759950; info@ol-lg.de zur Öffentlichkeit, wecken Interesse und
 3 Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese www.ostpreussisches-landesmuseum.de
Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr
Verständnis für das kulturelle Erbe. Apps
 4 Darmstadt, Schlossmuseum
holen Funde aus dem Archiv und tragen sie
 5 Hamburg, Archäologisches Museum
 6 Geisa, Gedenkstätte Point Alpha Fondation Rilke in die Landschaft, bringen Ausgrabungs-
 7 Bad Homburg, Römerkastell Saalburg 30, rue du Bourg befunde ins Museum oder gleich alles auf
CH-3960 Sierre
 8 Glauberg, Keltenwelt am Glauberg einmal ins heimatliche Wohnzimmer. Im
www.fondationrilke.ch
 9 Halle (Saale), Landesmuseum für Vorgeschichte info@fondationrilke.ch Thema zeigen Fachleute exemplarisch die
10 Wittelshofen, Römerpark und Limeseum Öffnungszeiten: Di - So, 14- 18 Uhr schier grenzenlosen Möglichkeiten.
11 Manderscheid, Maarmuseum
12 Schöningen, Paläon
Steinzeitpark Dithmarschen
13 Chemnitz, smac- Staatl. Museum für Archäologie
mit Steinzeitdorf Kiesgruben –
14 Mannheim, TECHNOSEUM Süderstr. 47 Verluste und Chancen
15 Perl-Borg, Archäologiepark Römische Villa Borg 25767 Albersdorf Die Bauwirtschaft braucht große
16 Essen, Ruhr-Museum UNESCO-Welterbe Zollverein Tel. 04835-971097 • info@aoeza.de Mengen Kies und Sand, Abbaugruben
17 Nebra, Arche Nebra www.steinzeitpark-dithmarschen.de
greifen tief in die Landschaft ein und
18 Manching, kelten römer museum Öffnungszeiten des Steinzeitdorfes im AÖZA:
zerstören archäologische Denkmäler
von Ende März bis Anfang November von Di bis Sa: 11- 17Uhr
19 Rothenburg o.d.T., Mittelalterl. Kriminalmuseum auf immer. Am Niederrhein sind
20 Kassel, Museum für Sepulkralkultur aktuell 100 km2 Fläche betroffen, und
21 Neanderthal Museum Mettmann
Bayerisches Armeemuseum es ist kein Ende abzusehen. Denkmal-
Neues Schloss, Paradeplatz 4
22 Neustrelitz, Kulturquartier pfleger versuchen im Wettlauf mit der
85049 Ingolstadt
23 Blaubeuren, urmu - Urgeschichtliches Museum Zeit dem unaufhörlich voranschreiten-
Museum des Ersten Weltkriegs den Bagger zuvorzukommen.
24 Hamburg, Auswanderermuseum BallinStadt Außenstelle Reduit Tilly im Klenzepark,
25 Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen Bayerisches Polizeimuseum
26 Memleben, Kloster und Kaiserpfalz Ebenfalls im Klenzepark, im Turm Triva.
50 Jahre Woodstock Gonur-Depe:
27 Brandenburg, Archäologisches Landesmuseum Paulikloster Tel: 0841-9377-222, info@armeemuseum.de
www.armeemuseum.de
1969 fand das Woodstock-Festi- Hochkultur in Turkmenistan
28 Weißenburg, RömerMuseum, Römische Thermen, val statt. Außer Legenden und Zeitgleich mit den Zivilisationen Meso-
ReichsstadtMuseum Öffnungszeiten:
Di - Fr 9 - 17:30 Uhr / Sa, So, Feiertage: 10 - 17:30 Uhr Erinnerungen zeugen auch mate- potamiens und Ägyptens entwickelte
29 Neuwied, MONREPOS rielle Überreste von dem Event. sich vor 4000 Jahren im Osten Turkme-
30 Frankfurt, Archäologisches Museum Frankfurt
Europäisches Hansemuseum Lübeck Archäologen der Universität nistans eine faszinierende Hochkultur.
31 Ingolstadt, Bayerisches Armeemuseum, Museum des An der Untertrave 1 Binghamton stellen sich der Mitten darin die bronzezeitliche Königs-
Ersten Weltkriegs, Bayerisches Polizeimuseum
23552 Lübeck außergewöhnlichen Herausfor- stadt Gonur-Depe: Seit 2010 gräbt das
32 Albersdorf, Steinzeitpark Dithmarschen Tel: 0451 - 80 90 99 - 0 • info@hansemuseum.eu derung, diese Reste im Jubilä- Deutsche Archäologische Institut auf
33 Lübeck, Europäisches Hansemuseum Öffnungszeiten: Täglich 10 - 18 Uhr umsjahr 2019 aus kulturhistori- dem Fundplatz am Südrand der Kara-
34 Basel, Antikenmuseum NEU scher Sicht zu erforschen. kum-Wüste.
35 Lüneburg, Ostpreußisches Landesmuseum NEU
AiD 5 | 2019
36 Sierre, Fondation Rilke NEU
Editorial

Wo geht's hier zum


Welterbe? Legionäre
im Limesmuseum Aalen
weisen den Weg.
➔ Seite 70

Kelten, Koggen und Kurtinen


Liebe Leserinnen und Leser,
regelmäßig präsentieren renommierte Archäologen in der AiD neue wissenschaftliche Erkenntnisse – oft aus
Projekten, die mehrere Jahre dauerten und häufig durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt
wurden. So gibt es in jedem Heft ein Thema, das von allen Seiten beleuchtet wird: Dieses Mal stehen neuzeitli‐
che Festungsbauten im Mittelpunkt. Damals kamen Feuerwaffen auf, die mittelalterlichen Stadtmauern und
Burgen verloren ihre schützende Funktion. Auf die neue Bedrohung reagierten die Baumeister, indem sie ge‐
waltige Festungsanlagen konzipierten. Archäologen legen heute bei innerstädtischen Maßnahmen die impo‐
santen Reste dieser Bauten frei: eine große Herausforderung für die staatliche Denkmalpflege.
Schon lange vermutete man, dass die Kelten bei ihren Gelagen mediterrane Trinksitten nachahmten. In der
Rubrik »Forschung« werden die Ergebnisse eines aktuellen Projekts zu dieser Frage vorgestellt. Gleichzeitig
sehen wir, wie wichtig naturwissenschaftliche Analysen für die archäologische Forschung geworden sind.
Die Rubrik »Sehenswert« ist dem Limesmuseum in Aalen gewidmet, das im Mai neu eröffnet wurde. Das be‐
reits 1964 gegründete Limesmuseum ist immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepasst worden. Seit der
Anerkennung des Obergermanisch‐Raetischen‐Limes zum UNESCO‐Welterbe 2005 dient es als zentrale Ein‐
richtung zur Vermittlung der historischen Bedeutung dieses Kulturdenkmals. Das erforderte eine neue Kon‐
zeption, die in den vergangenen Jahren erarbeitet wurde. In der Ausstellung werden herausragende Funde von
Limes und Hinterland präsentiert. Fundamente von Gebäuden des Kastells Aalen
und Teilrekonstruktionen vermitteln anschaulich die Rolle des römischen Militärs in
Südwestdeutschland. In unmittelbarer Nachbarschaft ist es möglich, den Limes in
Rainau‐Buch und das einmalige Limestor bei Dalkingen zu besichtigen. So wird dem
interessierten Besucher ein sehr guter Eindruck von Aussehen und Funktion der
Limesbauten vermittelt.
Die Rubriken »Weltweit« und »Europa« informieren über archäologische Funde au‐
ßerhalb Deutschlands. Ganz weit weg führt uns der Beitrag zu den Salomonen‐Inseln,
wo Forscher des DAI die Besiedlung Ozeaniens in die Steinzeit zurückverfolgen. Die
Nuraghen Sardiniens dagegen sind ein europäisches Phänomen. Diese bronzezeitli‐
chen Steintürme sind bei der nächsten Urlaubsreise auf jeden Fall einen Besuch wert.
Möge Sie, liebe Leserinnen und Leser, der spannende Inhalt anregen, sich weiter
mit der Archäologie zu beschäftigen. Die AiD wird Sie stets aus erster Hand unter‐
richten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr Dieter Planck, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege


Baden‐Württemberg a. D. und Herausgeber

AiD 5 | 2019 1
INHALT 20
Schießpulver und Feuerwaffen brachten die mittelalterlichen
AiD 5 | 2019 Stadtbefestigungen ab dem 15. Jh. an ihre Grenzen. Auf
die Bedrohung reagierten die Baumeister mit einem neuen
Konzept für Festungsbauten. Die imposanten Reste der An-
lagen prägten während der gesamten Neuzeit unsere Städte.
Heute sind sie vielerorts verschwunden, und Archäologen
versuchen zu retten, was zu retten ist.

THEMA
20 Bollwerke, Bastionen
und Bombarden
24 Erste bastionäre Befestigungen
in Deutschland – Dresden und Leipzig

26 Ausgebaut, umkämpft, geschleift – Hanau

28 Wesel – zwischen allen Stühlen

32 Die Schanz – Ingolstadt

34 Bollwerk der Christenheit – Wien

36 Festungen in 3D – Köln, Düsseldorf, Bonn

46
Störtebeker war nicht der einzige Seeräuber vor
den deutschen Küsten. Ausgrabungen in Bremen
bringen immer wieder Funde zutage, die das
Piratenunwesen im Mittelalter beleuchten. Der
Autor nimmt dies zum Anlass, das Schicksal des
ursprünglich angesehenen Bremer Kaufmanns
und Ratsherrensohns Johann Hollemann bis zu
seinem unrühmlichen Tod nachzuzeichnen.

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www.aid-magazin.de!

2 AiD 5 | 2019
8
Schalen aus Attika, Bronzekessel aus
INHALT
Etrurien, Amphoren aus Massila, dem AiD 5 | 2019
heutigen Marseille – für ihre Gelage war
den Kelten nichts zu kostbar. Doch wie
sahen die Trinksitten tatsächlich aus?
Analysen von Rückständen in den 1 Editorial
importieren Gefäßen verraten mehr.
4 Im Blickpunkt

8 Forschung

40
Während der Bronzezeit prägten
14
Bier und Wein bei
den frühen Kelten
Weltweit
Tausende urtümlicher Turmbauten aus Im Himmel auf Erden –
Bruchstein Sardinien: die Nuraghen. die Salomonen
Mit 22 Türmen ist Arrubiu der größte
Nuraghen-Komplex der Insel. Die Auto- 20 Thema: Bollwerke, Bas-
ren haben dort wiederholt gegraben tionen und Bombarden
und stellen nun die Ergebnisse aus
Europa
alten und neuen Untersuchungen vor.
40 Die steinernen Wohn-
türme von Arrubiu
44 Die Entdeckungen des

14 William Frankfurth

Report
Die Salomonen sind das Sprungbrett in die Welt 46 Johann Hollemann –
des östlichen Pazifiks. Handel, Wandel und Migra- Pirat aus Bremen
tion, alles musste die Inselgruppe vor Neuguinea 50 Aktuelles aus der
passieren. Ein Team des Deutschen Archäologi- Landesarchäologie
schen Instituts erforscht seit einigen Jahren die
Besiedlung des Archipels und ist im Begriff, einen
weißen Fleck auf der Landkarte der Archäologie
66 Alles auf Anfang – SEHENS
zu tilgen.
Das neue Limes- WERT
museum Aalen
70 Wellness für Körper

66 Drei Jahre war das Limesmuseum


Aalen geschlossen. Nach Investitio-
nen in Millionenhöhe ist die völlig
und Geist – Römische
Thermen in Bonn

neu konzipierte Ausstellung im Mai


72 Wissenswert
eröffnet worden.

75 Autoren dieses Heftes


Abo-Service AiD 75 Impressum
Für alle Fragen zum Bezug der »AiD«
erreichen Sie uns unter:
76 Bücher und Medien
Telefon 02225 7085-361 78 Ausstellungen
aid@aboteam.de
80 Bildnachweis
Fax 02225 7085-399
Bei inhaltlichen Fragen erreichen Sie 81 Rätsel
die Redaktion unter:
redaktion@aid-magazin.de
Im Blickpunkt
Gravierungen in Frankreich
Das letzte Kunstwerk in
paläolithischer Tradition?
Wie Anfang Juni mitgeteilt wurde, barg ein
Team der französischen Inrap (Instiut na-
tional de recherche archéologique pré-
ventives) in Angoulême eine Sandstein-
platte mit Gravierungen aus dem Ende
des Spätpaläolithikums.
Angoulême liegt in Westfrankreich im
Großraum Bordeaux etwa 40 km östlich
vom berühmten Cognac. Die Archäolo-
gen untersuchten schon seit einigen Mo-
naten im Bereich des Bahnhofs der Stadt
spätpaläolithische und mesolithische Sied-
lungsplätze. Drei Tage vor dem offiziellen
Ende der Ausgrabung stießen sie auf ei-
ne Sandsteinplatte von 25 cm Länge, In Westfrankreich bar-
18 cm Breite und 3 cm Dicke mit Gravie- gen Archäologen eine
rungen auf beiden Seiten. Am besten er- Sandsteinplatte mit
Gravierungen aus der
kennbar ist der Umriss eines Pferdes oh-
Zeit vor 12 000 Jahren –
ne Kopf, dessen Hufe bemerkenswert rea- die jüngste figürliche
listisch ausgeführt sind. Zudem erkennt Kunst in paläolithischer
man vier weitere Tierleiber – möglicher- Tradition?

4 AiD 5 | 2019
werkzeuge; Letztere stammen aus der Zeit
vor 2,58 bis 2,55 Millionen Jahren.
Christopher Campisano, Geologe an
der Arizona State University, entdeckte am
Fundort des Fossils scharfkantige Stein-
abschläge. Nach langwierigen Ausgra-
bungen gelang es, eine Schicht mit Tier-
knochen und Hunderten dieser Abschlä-
ge freizulegen: die ältesten Werkzeuge,
die unsere direkten Vorfahren aus Stein
herstellten. Die Funde waren bei einem
Gewässer in den Boden gelangt und des-
halb rasch von Sediment bedeckt worden,
was zur guten Erhaltung über mehrere
Millionen Jahre beitrug.
Die Abschläge sind nicht nur die ältes-
ten Steinwerkzeuge des »Oldowan-Tech-
nokomplexes«: Gleichzeitig unterschei-
den sie sich von Werkzeugen, wie sie
Schimpansen und andere Affen (vgl. dazu
AiD 3/ 2019, S. 74) oder auch frühere Ver-
treter der Gattung Homo herstellten. Un-
sere Vorfahren vor etwa 2,6 Millionen Jah-
ren konnten Steine viel geschickter zu
scharfkantigen Werkzeugen zurechtschla-
gen: die ältesten Werkzeuge der Mensch-
heit. | AiD

weise ein Auerochse und Hirsche. Auf der die Tradition der paläolithischen Kunst Bokol Dora in Äthiopien Ältestes Wrack der Niederlande
Rückseite sind ebenfalls schwache Linien durchaus im Mesolithikum fortlebt. während Grabungen im Kupferplatten der Fugger
Jahr 2015: Hier wurden
erhalten, vielleicht die hintere Hälfte eines | AiD/Inrap geborgen
die ältesten Steinwerk-
Pferdes. zeuge der Gattung Homo Im April wurde das bisher älteste Schiffs-
Erste Datierungen des Platzes spre- Die ältesten Steinwerkzeuge gefunden. wrack gemeldet, das je vor der niederlän-
chen für das späte Azilien bzw. 12 000 Jah- Neue Funde in Äthiopien dischen Nordseeküste gefunden wurde.
re vor heute. Das Azilien beginnt vor In der Region Afar im Nordosten Äthio- Geladen hatte es tonnenweise Kupfer der
14 000 Jahren und steht am Übergang piens bargen Forscher 2013 ein Fossil, das Kaufmannsfamilie Fugger, wie Stempel
vom Spätpaläolithikum zum Mesolithi- als das älteste der Gattung Homo ange- beweisen.
kum. In Deutschland entspricht dem die sehen wird, die sich schließlich zum mo- Auf die Überreste des Wracks war man
Kultur der Federmessergruppen. In dieser dernen Menschen entwickelte. Der Kie- bei der Bergung von Containern gestoßen,
Zeit sind Darstellungen von Tieren und ferknochen aus der Zeit vor etwa 2,78 Mil- die das Frachtschiff MSC Zoe am 1. und
Menschen häufig abstrakter gehalten. Der lionen Jahren ist etwa 200 000 Jahre älter 2. Januar 2019 bei einer Havarie in der
Fund von Angoulême zeigt jedoch, dass als die bislang bekannten ältesten Stein- stürmischen Nordsee verloren hatte. Außer

Kelten an der mittleren Donau


Archäologische Neuentdeckungen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava

AiD 5 | 2019 5
AiD-Studientag am 18. Oktober 2019

PROGRAMM
10.00 Uhr
Begrüßung durch Dr. Frank Moseler

10.15 Uhr
Vortrag »Archäologie der
Menschwerdung«
Dr. Olaf Jöris

11.00 Uhr
Führung TraCEr-Labor
Dr. Joao Marreiros, Dr. Ivan Calandra
oder Walter Gneisinger B.sc.
MONREPOS
12.00 Uhr
Archäologisches Forschungszentrum und Museum
DŝƩĂŐƐƉĂƵƐĞnjƵƌĨƌĞŝĞŶ
sĞƌĨƺŐƵŶŐ für menschliche Verhaltensevolution in Neuwied
ŝŵDŽŶƉƉĠƟƚ

13.30 Uhr ARCHÄOLOGIE DER MENSCHWERDUNG


Führung »Knochenboden«
MONREPOS ist als archäolo-
mit der Vergleichssammlung
gisches Forschungszentrum
Dr. Lutz Kindler
für menschliche Verhaltens-
evolution international einzig-
14.30 Uhr
artig. Archäologische Spitzen-
<ĂīĞĞƉĂƵƐĞ forschung, ihre Vermittlung
<ĂīĞĞ͕dĞĞ͕<ĞŬƐĞͬ<ƵĐŚĞŶ und ihr gesellschaftspoliti-
scher Diskurs sind hier un-
15.15 Uhr
trennbar miteinander verwo-
Kuratoren-Führung durch ben. Der Studientag bietet die
die Ausstellung »MenschlICHes Gelegenheit, einen Blick hin-
VERSTEHEN« ter die Kulissen zu werfen.
ƌ͘KůĂĨ:ƂƌŝƐƵŶĚƌ͘&ƌĂŶŬDŽƐĞůĞƌ

16.30 Uhr
Ende der Veranstaltung

Teilnahmegebühr: € 80,– | Abonnenten der


Archäologie in Deutschland wbg-Mitglieder:
€ 40,– | Studierende: € 10,–
Um Anmeldung wird gebeten:
™„‰Ϋ”…Š¡‘Ž‘‰‹‡‹‡—–•…ŠŽƒ†
Hindenburgstraße 40, D-64295 Darmstadt
Tel.: 0 61 51 | 33 08 741, Fax 0 61 51 | 33 08 212
E-Mail redaktion@wbg-wissenverbindet.de
09.11.2019–19.01.2020

Der Münzschatz
von Ellwangen
Alamannenmuseum
modernen Containern fand man hölzer- Fugger besaßen Kupferminen in der Slo- Kupferplatten, geborgen
Ellwangen
ne Spanten und Planken von einem Wrack wakei und hatten Anfang des 16. Jh. eine aus einem Wrack vor der
niederländischen Küste,
und Kupferplatten der Ladung. Daraufhin monopolartige Stellung im Handel mit
das tonnenweise Metall
wurde der niederländische Reichsdienst dem Metall. | AiD geladen hatte.
für das kulturelle Erbe benachrichtigt
(Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed). Neues Welterbe in Sachsen
Die Spezialisten des Dienstes konnten aus Bergbaulandschaft
den geborgenen Überresten die Bauwei- Dippoldiswalde
se des Wracks rekonstruieren: Das etwa Anfang Juli erklärte die UNESCO in Baku
Haller Straße 9 Öffnungszeiten
30 m lange Schiff hatte eine Kraweelbe- in Aserbeidschan die Montanregion Erz- 73479 Ellwangen Di-Fr 14-17 Uhr
plankung, d. h. die Planken waren nicht gebirge zum Weltkulturerbe. Auf deut- Telefon +49 7961 969 747 Sa und So 13-17 Uhr
wie im Mittelalter üblich überlappend, scher Seite des Gebirges sind unter den
Eine Sonderausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege
sondern auf Stoß angebracht. Dieses De- 17 aufgenommenen Stätten drei archäo- im Regierungspräsidium Stuttgart in Kooperation mit dem
tail deutet auf einen Bau in den nördlichen logische Denkmäler: die Dippoldiswalder Alamannenmuseum Ellwangen

Niederlanden im 16. Jh., als man dazu Bergwerke, die mittelalterliche Bergbau- www.alamannenmuseum-ellwangen.de
überging, größere Schiffe bei gleichzei- wüstung Fürstenberg im Hohen Forst und
Hölzerne Ausbauten mit
tig geringerem Holzverbrauch zu kon- die frühneuzeitlichen Zinnseifen von Ei- Arbeitsbühne des 13. Jh.
struieren. Als Fälldatum für das Holz konn- benstock. in 20 m Tiefe: Gut erhal-
te das Jahr 1536/37 bestimmt werden; das Vor elf Jahren begann das Landesamt tene außergewöhnliche
Funde und Befunde sind
Schiff dürfte also um 1540 gebaut wor- für Archäologie Sachsen seine Untersu-
eine Besonderheit der
den sein. Von der Fracht wurden Kupfer- chungen in Dippoldiswalde. Die Grabun- hochmittelalterlichen
platten mit einem Gewicht von 4,7 t ge- gen unter Tage sorgten weit über Sachsen Silberbergwerke von
borgen, teils mit Stempeln der Fugger. Die hinaus für Gesprächsstoff, besonders we- Dippoldiswalde. gen der gut erhaltenen und einzigartigen
Funde – komplette Leitern, hölzerne Gru-
beneinbauten, Haspeln und Gerätschaf-
ten des 12. bis 14. Jh. 2012 folgte das säch-
sisch-tschechische Projekt ArchaeoMon-
tan, dann die Wanderausstellung »Silber-
rausch und Berggeschrey«, Konferenzen
fanden statt, Publikationen erschienen.
Vergangenes Jahr öffnete in Dippoldis-
walde das Museum für mittelalterlichen
Bergbau »MiBERZ«. Eine Zusammenfas-
sung der langjährigen Forschungen fin-
det man in AiD 5/ 2018, S. 8.
Keiner der Beteiligten hätte sich an-
fangs erträumen können, dass die inten-
sive Arbeit einmal wesentlicher Baustein
für die Bewerbung als Weltkulturerbe sein
würde. Der Titel ist ohne Zweifel die Krö-
nung der wissenschaftlichen Forschungen
des Landesamtes und der anstrengen-
den Arbeit unter Tage. Dementsprechend
zufrieden zeigt sich Projektleiterin Chris-
tiane Hemker vom Landesamt: »Das macht
mich stolz und glücklich … Es gibt keine
bessere Bestätigung für die Arbeit der Kol-
leginnen und Kollegen und unserer Pro-
jektpartner«. | AiD/LfA Sachsen

AiD 5 | 2019 7
Forschung Trinkgelage nördlich der Alpen

Bier und Wein bei den frühen Kelten von vier Partnern geleitet wurde, nämlich
Philipp W. Stockhammer von der Ludwig‐
Maximilians‐Universität München, Cyn‐
thianne Spiteri von der Eberhard‐Karls‐
Importierte Trinkgefäße ließen schon lange vermuten: Die Kelten liebten es, Universität Tübingen, Thomas Hoppe vom
mediterranen Trinksitten nachzueifern. Analysen von Rückständen an den Landesmuseum Württemberg in Stuttgart
und Dirk Krausse vom Landesamt für
Innenseiten dieser Gefäße bringen nun an den Tag, wie ihre Ess- und Trink- Denkmalpflege am Regierungspräsidium
sitten tatsächlich aussahen. Stuttgart des Landes Baden‐Württemberg.
Zusammen mit ihren Mitarbeitern und in‐
ternationalen Partnern von den Universi‐
Von Philipp W. Stockhammer täten Leiden und Basel sowie der Univer‐
sität von Burgund untersuchte BEFIM, ob

O
scar Fraas traute wohl kaum seinen tische Stimmen zu dieser These mehrten, die frühen Kelten mit ihren Gelagen wirk‐
Augen, als er im Jahr 1879 bei der war es doch bislang nicht möglich, sie zu lich mediterrane Trinksitten nachahmen
Ausgrabung des Großgrabhügels bestätigen oder zu widerlegen. wollten, oder ob sie die importierte Kera‐
»Kleinaspergle« nördlich von Stuttgart auf Hier setzten wir 2015 mit unserem For‐ mik möglicherweise für ganz andere, eige‐
eine ungewöhnlich reiche frühkeltische schungsprojekt BEFIM an. BEFIM steht ne Zwecke nutzten. Inspiriert war BEFIM
Bestattung stieß. Das Grab barg neben an‐ für »Bedeutungen und Funktionen medi‐ hierbei von der aktuellen Theoriediskus‐
deren kostbaren Funden zwei elegante terraner Importe im früheisenzeitlichen sion in den Kulturwissenschaften. Diese
griechische Schalen des 5. Jh. v. Chr., beide Mitteleuropa« und wurde bis 2018 vom betont das kreative Potenzial von Begeg‐
aus Werkstätten Athens, die sorgfältig mit Bundesministerium für Bildung und For‐ nungen zwischen den Kulturen und dass
keltischen Goldblecharbeiten dekoriert schung gefördert. Das Projekt umfasst ei‐ bei der Aneignung neuer bzw. fremder Ob‐
waren. Was hatten diese Gefäße nördlich nen ebenso interdisziplinären wie auch in‐ jekte oft deren Funktion und Bedeutung
der Alpen verloren? Warum wollten die ternationalen Forschungsverbund, der verändert wird.
frühen Kelten diese Schalen?
Der Grabfund im Kleinaspergle ist kein
Einzelfall. Seit dem 19. Jh. kam in Süd‐
westdeutschland, der Schweiz und Ost‐
frankreich immer wieder mediterranes
Trinkgeschirr in Prunkgräbern und Sied‐
lungen zum Vorschein. Darunter waren
ungewöhnlich große Bronzegefäße – allen
voran der berühmte Krater von Vix, das
größte aus der Antike überlieferte Bron‐
zegefäß – aber auch zahlreiche Keramik‐
gefäße, deren Scherben insbesondere aus
Siedlungen des Westhallstattkreises von
Frankreich bis Bayern stammen, der heu‐
te mit den frühen Kelten des 7. bis 5. Jh. v.
Chr. verbunden wird. Neben sogenannter
attischer Keramik, d. h. Gefäßen aus den
Werkstätten Athens, die vor allem durch
ihre sogenannte schwarz‐ und rotfigurige
Keramik berühmt waren, gelangten auch
Amphoren als Transportbehälter aus Un‐
teritalien und der griechischen Kolonie
Massalia, dem heutigen Marseille, in die
Region nördlich der Alpen.
Die Forschung war sich früh relativ ei‐
nig über den Grund für das mediterrane
Importgeschirr: Die Kelten hätten die Trink‐
sitten des »hochkulturellen Südens«, so Funde aus dem Groß-
grabhügel »Klein-
der deutsche Prähistoriker Wolfgang Kim‐
aspergle« nördlich von
mig, nachahmen wollen – sie wollten die
Stuttgart. Die kostbare
gleichen Gelage wie die Griechen feiern. Ausstattung dreht sich
Auch wenn sich in den letzten Jahren kri‐ vor allem ums Trinken.

8 AiD 5 | 2019
Wollen und Können: Möglichkeiten dass eine genaue Bestimmung der Form Importierte rotfigurige sche Abfolge der Siedlungsschichten er‐
und Grenzen chemischer Methoden möglich war. Darüber hinaus sollte zu‐ Schale aus dem »Klein- laubte hier auch, Entwicklungen im Laufe
aspergle«: Die Griechen
Um ebendiese Bedeutungen und Funktio‐ gleich möglichst Wandung im Bereich des der Zeit zu untersuchen: Ausgewählt wur‐
verwendeten die Scha-
nen der importierten Keramik in Mittel‐ Bodens/ Unterkörpers für die invasive Be‐ len bei ihren Gelagen de Keramik aus der Zeit um 600 v. Chr., al‐
europa verstehen zu können, führte der probung vorhanden sein. Für die Analysen als Trinkgefäß. so unmittelbar vor der Errichtung der be‐
Forschungsverbund umfangreiche Analy‐ musste nämlich eine ca. 2 bis 3 cm2 große rühmten Lehmziegelmauer, aus der Zeit
sen durch, mit deren Hilfe Nahrungsrück‐ Fläche auf der Innenseite eines Gefäßes ihres Bestehens im Verlauf des 6. Jh., als die
stände in den Gefäßen nachgewiesen wer‐ mit einem Bohrer gut 3 mm tief abgenom‐ große Außensiedlung existierte, aber noch
den. Ausgewählt wurde hierfür vor allem men werden, damit das auf diese Weise ge‐ keine attische Keramik importiert wurde,
Keramik aus den zwei wichtigsten Sied‐ wonnene Keramikpulver im Anschluss auf und aus der Zeit nach dem Ende der Lehm‐
lungen des Westhallstattkreises, der Heu‐ Nahrungsrückstände hin untersucht wer‐ ziegelmauer ab ca. 540/30 v. Chr., als erst‐
neburg an der oberen Donau und vom Mont den konnte. mals attische Keramik auf der Heuneburg
Lassois an der Seine in Burgund. Wir zo‐ Abgesehen von der Auswahl der Gefä‐ genutzt wurde.
gen sowohl einheimische als auch impor‐ ße war es uns wichtig, an beiden Fundor‐
tierte Keramik für die naturwissenschaft‐ ten Keramik aus Siedlungsbereichen ganz
Projektbeteiligte und Partner
lichen Analysen heran. Es war uns wichtig, unterschiedlicher Natur auszuwerten. So
mögliche funktionale Gegenstücke (z. B. untersuchten wir beim Mont Lassois Ke‐ Projektbeteiligte: Janine Fries-Knoblach,
Thomas Hoppe, Dirk Krausse, Angela Mötsch,
importierte Trinkschalen vs. Heuneburg‐ ramik vom Plateau selbst, dem Handwer‐
Maxime Rageot, Birgit Schorer, Stefan Schrei-
Pokale und Becherformen, Bauch‐ und kerviertel »Les Renards«, dem Torbereich
ber, Cynthianne Spiteri, Philipp W. Stock-
Halshenkelamphoren vs. scheibengedreh‐ »Champ Fossé« und dem Areal »Le Breuil«
hammer; Partner: David Bardel, Bruno Chau-
te Flaschen und Kegelhalsamphoren usw.) in der Nähe des Grabhügelfelds mit dem me, Philippe Della Casa, Martin Guggisberg,
in unterschiedlichen Macharten (Import, Heiligtum. Im Fall der Heuneburg haben Andreas Gutekunst, Leif Hansen, Brigitte
handaufgebaut, scheibengedreht) auszu‐ wir nicht nur Keramik vom Plateaubereich, Röder, Federica Saccetti, Roberto Tarpini,
wählen. Relevant waren vor allem Gefäß‐ sondern auch aus der Vorburg und der Au‐ Annelou van Gijn, Alexandra Winkler.
bruchstücke, die so gut erhalten waren, ßensiedlung ausgewählt. Die stratigrafi‐

AiD 5 | 2019 9
Forschung Trinkgelage nördlich der Alpen

Die chemischen Analysen von Nahrungs‐ Krater von Vix im Museum weise auf fermentierte Nahrungsmittel nachgewiesener Inhalt einmal oder mehr‐
rückstand wurden mittels Gaschromato‐ von Châtillon-sur-Seine usw. Allerdings lassen sich viele andere fach in einem Gefäß war und ob zwei oder
im Norden von Burgund.
grafie‐Massenspektrometrie (GC‐MS) und Nahrungsmittel gegenwärtig nicht über mehr unterschiedliche Substanzen sich
Das größte aus der Antike
Gaschromatografie‐Verbrennung‐Isotopen‐ überlieferte Bronzegefäß Rückstandsanalysen nachweisen. Hierzu zeitgleich und/ oder nacheinander in ei‐
verhältnis‐Massenspektrometrie (GC‐c‐ wurde im griechischen zählen beispielsweise diverse Gemüse und nem Gefäß befanden.
IRMS) durchgeführt, mithilfe derer die Raum hergestellt und Getreidesorten. Und so ist letztlich das Oft muss man bei der Interpretation da‐
ehemaligen Inhaltsstoffe eines Gefäßes fasste 1100 l. Spektrum, das wir nachweisen können, vor rauf zurückgreifen, ob etwas plausibel er‐
identifiziert werden können. Wird bei‐ allem auch ein Bild dessen, was überhaupt scheint: Traubenwein, Traubensaft und
spielsweise Milch oder Wein in einem Ge‐ nachweisbar ist. Hinzu kommt, dass ge‐ Traubenessig sind allein auf Basis von Wein‐
fäß aufbewahrt, so dringen Teile dieser wisse Rückstände nicht eindeutig einem säure als Rückstand nicht zu unterschei‐
Substanzen in die poröse Keramikwan‐ bestimmten Lebensmittel zuzuweisen den. Aus archäologischer Perspektive wür‐
dung ein und Zerfallsprodukte dieser Sub‐ sind. Deshalb lassen sich u.a. Honig, Bie‐ de man argumentieren, dass ungekühlter
stanzen – hierzu zählen bestimmte Fett‐ nenwachs und Met auf Basis der Rück‐ Traubensaft in einem Tongefäß nach rela‐
säuren oder Weinsäure – sind dann noch stände nicht mehr voneinander unter‐ tiv kurzer Zeit wegen der auf den Früchten
nach Jahrtausenden nachweisbar. scheiden! In einem Trinkgefäß macht es lebenden Hefen von selbst fermentiert und
Die beschriebenen Untersuchungsme‐ aber nun einen großen Unterschied, ob ein zugleich der Konsum von Traubenessig
thoden können dabei helfen, eine Vielzahl mit Honig gesüßtes Getränk, eine mit Bie‐ aus Trinkgefäßen eher unwahrscheinlich
möglicher Gefäßinhalte aufzuspüren – u. a. nenwachs auf der Innenseite versiegelte ist. Trotz all dieser Einschränkungen war
Traubenwein, verschiedene Pflanzenöle, Oberfläche oder der Konsum von Met hin‐ es uns aber möglich, ganz neuartige, span‐
tierische Körperfette, Milch, Bienenpro‐ ter dem Rückstand steht. Des Weiteren ist nende Einblicke in frühkeltische Konsum‐
dukte wie Honig und Wachs, Hirse, Hin‐ es nicht möglich zu bestimmen, ob ein praktiken zu gewinnen.

10 AiD 5 | 2019
Bier aus attischen Schalen sich in gut der Hälfte der Importkeramik; einstigen Inhalt, die in Form von Bier oder
Die von uns analysierte Keramik vom Mont mindestens in einem Fall handelte es sich Brei konsumiert worden sein dürfte. Im
Lassois und dessen Umgebung stammt aus höchstwahrscheinlich um Olivenöl. Was Areal »Le Breuil« nahe der Grabhügel konn‐
der Siedlung des späten 6. und 5. Jh. v. Chr. hatten die frühen Kelten auf dem Plateau ten wir Traubenwein in vier von fünf ana‐
Insgesamt konnten 83 einheimische Gefä‐ mit den Importen gemacht? Sicher hatten lysierten lokalen Schalen und in einer ein‐
ße und 16 Importe – letztere ausschließ‐ sie aus zumindest einigen der Gefäße auch heimischen Flaschenform nachweisen.
lich vom Plateau der Siedlung mit den gro‐ einmal importierten Wein getrunken, Wurde der Wein hier vielleicht für beson‐
ßen Apsidenhäusern der Elite – untersucht höchstwahrscheinlich aber tranken sie da‐ dere Rituale genutzt? In keinem anderen
werden. Insbesondere das Bild der medi‐ raus Bier. Welche Rolle das Pflanzenöl in Areal konnten wir ansonsten Wein in vor
terranen Importe zeigte sich sehr viel kom‐ den Trinkgefäßen spielte, muss hingegen Ort hergestellten Trinkgefäßen nachwei‐
plexer als erwartet. Wie vermutet stießen offenbleiben. Ohne jeden Zweifel zeigen sen.
wir auf Traubenwein, der nach allem, was die Importe aber den kreativen Prozess Völlig unerwartet war der Nachweis
wir wissen, in dieser frühen Zeit aus dem der Aneignung und den damit verbunde‐ von Traubenwein in drei von fünf großen,
Mittelmeerraum importiert wurde – aller‐ nen Wandel von Bedeutungen und Funk‐ grobkeramischen Gefäßen aus dem Hand‐
dings nur in zwei der fünf Kratere und tionen der Keramik. werkerareal »Les Renards«. Die Keramik‐
zwei der fünf Amphoren. Dahingegen wies Anders gelagert waren unsere Ergebnis‐ behälter wurden vermutlich zur Lagerung
keine der sechs Trinkschalen Spuren von se zu den Rückständen in der lokal herge‐ und/ oder zum Kochen von Nahrung ver‐
wendet, und sie enthielten neben dem Trau‐
benwein ein buntes Spektrum an Rück‐
ständen – Pflanzenwachse, Milchfette,
Bienenprodukte, Hirse, Fruchtprodukte,
Fermentationsmarker –, die auf eine viel‐
seitige, komplexe Nutzung hinweisen, wie
man es vor allem bei Kochgefäßen vermu‐
tet. Wurde hier in der Nähe des Seine‐Ha‐
fens der Wein gelagert, bevor er aufs Pla‐
teau gebracht wurde? Oder haben die
Handwerker am Fuße des Mont Lassois
den importierten Traubenwein verkocht,
Probenentnahme an der auf dem Plateau von Angehörigen der
einem Siebgefäß zur Elite getrunken wurde? War dann gar nicht
Analyse von Rückstän-
der Wein, sondern nur dessen zur Schau
den: Möglichst aus dem
gestellter Konsum in importierten Trink‐
unteren Bereich des
Gefäßes wird Keramik- gefäßen ein Unterscheidungsmerkmal der
pulver entnommen. ansässigen Elite?

Traubenwein auf, was vielleicht erhal‐ stellten Feinkeramik vom Plateau, die eben‐
tungsbedingt sein kann. In den Schalen be‐ so bei Gelagen zum Einsatz gekommen sein
fand sich der Wein wohl nicht allzu lange, dürfte. In keinem dieser Gefäße konnten
bevor er getrunken wurde – im Gegensatz wir Traubenwein nachweisen. Sehr häufig
zur langen Verweildauer in den Amphoren stießen wir auf das Harz eines Kiefernge‐
und Krateren. Entsprechende Rückstände wächses und auf unseren Biermarker –
konnten deshalb vielleicht nicht so stark oft auch miteinander kombiniert – und im‐
in die Gefäßwandung eindringen, sodass mer wieder auch auf Pflanzenöle und
wir sie heute noch nachweisen können. In ‐wachse. Der dominierende Rückstand in
fast allen importierten Trinkgefäßen stie‐ den einheimischen Schalen war ein Bie‐
ßen wir jedoch auf den sogenannten Bak‐ nenprodukt, von dem wir nun leider nicht
teriohopanoid‐Marker, der höchstwahr‐ sagen können, ob es Honig, Met oder die
scheinlich den Konsum von Bier anzeigt – Versiegelung der Gefäßoberfläche mit
vermutlich Gersten‐ oder Weizenbier. Die‐ Wachs anzeigt. Auffällig ist das Fehlen von
ser Rückstand war fast regelhaft mit dem Bienenprodukten in den Importgefäßen. Gefäße mit Probenmate- Gewohnheitstrinker
Harz einer Pflanze aus der Familie der Kie‐ Interessanterweise unterschieden sich rial vom Mont Lassois. auf der Heuneburg
ferngewächse (Kiefer, Fichte, Tanne usw.) die Rückstände in den Trinkgefäßen in Hatten schon unsere Untersuchungen zum
vergesellschaftet. Vielleicht hatte man das deutlicher Abhängigkeit vom Grabungs‐ Mont Lassois gezeigt, dass der Umgang der
Bier in entsprechenden Holzfässern gela‐ areal: Im Torbereich »Champ Fossé« zeig‐ frühen Kelten mit Keramik sehr vielseitig
gert, sodass deren Harz in das Bier ein‐ ten besonders viele Gefäße den Rückstand war, so erlaubte uns die Heuneburg einen
dringen konnte. Auch Pflanzenöle fanden Miliacin. Dieser verweist klar auf Hirse als noch viel komplexeren Einblick, da wir auch
Forschung Trinkgelage nördlich der Alpen

Wallbereiche Les Renards Plateau-Bereich Mont St. Marcel


und Champ Fossé lokale Ware

0 500m Vix/Mont Lassois

Plateau Mont St. Marcel Les Renards


und oberer Abhang

Plateau-Bereich Mont St. Marcel


Externes Areal Le Breuil Importware
Champ Fossé Le Breuil
Prunkgrab

Grabstätte
Heiligtum
Ausgrabungsbereiche

den Wandel des Umgangs mit der Keramik Siedlung auf und um Außensiedlung enthielt Traubenwein – gelangten, änderte sich auch die Nutzung
im Laufe der Zeit beobachten konnten. den Mont Lassois. Ge- häufig kombiniert mit dem Biermarker der einheimischen Keramik. In lokaler,
fäße aus ganz unter-
Unter den 133 von uns bislang ausge‐ und/ oder einem Bienenprodukt. Selbst in handgemachter Keramik dieser Zeit ist
schiedlichen Arealen
werteten Analysen an Keramikgefäßen wurden für die Bepro-
großen Kegelhalsgefäßen und anderen plötzlich kein Traubenwein mehr nachzu‐
waren nur sieben Importe – allesamt aus bung ausgewählt. Es Großgefäßen dieser Phase konnten wir weisen; einige Male fanden wir Trauben‐
der Zeit nach dem Ende der Lehmziegel‐ zeigte sich anhand der Wein nachweisen. Auch wenn zur Zeit der wein in den jetzt neuen Formen der vor Ort
mauer. Die von uns ausgewählte einhei‐ Rückstände, dass die Lehmziegelmauer höchstwahrscheinlich produzierten scheibengedrehten Keramik.
Gefäße in den verschie-
mische Keramik stammte aus dem Plateau, noch keine mediterranen Importgefäße In beiden lokalen Keramikwaren stießen
denen Arealen zum Teil
der Vorburg und der Außensiedlung und sehr unterschiedlich auf die Heuneburg gelangten, so impor‐ wir jedoch sehr häufig auf Rückstände,
aus den Siedlungsphasen zwischen etwa genutzt wurden. tierte man offensichtlich in größerem Um‐ die auf ein Fruchtprodukt verweisen, bei
600 und dem frühen 5. Jh. v. Chr. Im Hin‐ fang mediterranen Traubenwein, der in dem es sich nicht um ein Erzeugnis aus
Bienenprodukte
blick auf die Importe zeigte sich, dass sie ganz verschiedenen Kontexten und ver‐ Weintrauben handelt. Leider ließen sich
Pflanzenwachs
tatsächlich für Gelage mit Traubenwein mutlich von einem größeren Teil der Be‐ diese Frucht bzw. Früchte anhand ihrer
eingesetzt wurden – in allen Fällen wohl Kiefernharz völkerung konsumiert wurde. Rückstände nicht so klar identifizieren.
aber auch zum Konsum von Bier, worauf Tierfett Als dann im späten 6. Jh. v. Chr. die me‐ Wir gehen davon aus, dass es sich hier um
wiederum der »Bakteriohopanoid‐Marker« pflanzliches Öl diterranen Trinkgefäße auf die Heuneburg einen Obstwein handelte, vielleicht – so
verweist. Die Schale und die beiden Kan‐ Gärungsanzeiger
nen enthielten auch einmal ein Pflanzenöl. (Hopanoide)

Da alle von uns beprobten Importe vom Hirse


Plateaubereich stammten, könnte man zu‐ Birkenprodukt
nächst vermuten, dass ebenso wie auf dem Traubenwein
Mont Lassois auch auf der Heuneburg vor
allem die Plateaubewohner Wein und Bier
aus importierten Gefäßen tranken. Die
Analyse der lokalen Keramik zeigte aber,
dass das Bild viel differenzierter war: Un‐
ter den wenigen von uns analysierten Ge‐
fäßen aus der Zeit vor der Lehmziegelmau‐
er konnten wir bereits in einem Gefäß klar
Traubenwein nachweisen; während der
Lehmziegelmauerphase wurde dann im‐
portierter Traubenwein ganz offensicht‐
lich aus einer Vielzahl einheimischer Ge‐
fäße konsumiert und zwar im gesamten
Auswahl eines lokal
Areal der Siedlung: Über ein Drittel der
gefertigten Gefäßes
lokalen feinkeramischen Gefäße aus der vom Mont Lassois für
Ha D1‐zeitlichen (ca. 600– 540/ 530 v. Chr.) die Beprobung.

12 AiD 5 | 2019
könnte man spekulieren – aus Äpfeln und/
oder Beeren. Die Verfügbarkeit mediter‐
raner Importkeramik führte nun dazu,
dass man fast nur noch diese zum Trau‐
benweinkonsum nutzte, was (vielleicht
auch aufgrund des sehr viel kleineren Sied‐
lungsareals) jetzt nur noch auf dem Pla‐
teau stattfand – ganz ähnlich dem zeitglei‐
chen Befund vom Mont Lassois. Hatten
die frühen Kelten nach Jahrzehnten des
vielseitigen und umfangreichen Genusses
importierten Weins plötzlich Gefallen da‐
ran gefunden, bei ihren Gelagen mediter‐
rane Sitten nachzuahmen? Man könnte
den chemischen Befund zumindest ent‐
sprechend deuten. Die Rückstände von
Obstwein, Bier und Pflanzenöl in der me‐
diterranen Importkeramik zeigen jeden‐
falls, dass die Kelten keineswegs die im‐
portieren Trinkgefäße dem Konsum von
Traubenwein vorbehielten. schiedlichen Kontexten und aus ganz ver‐ Blick von der Heuneburg nicht der Wein an sich, sondern sein Kon‐
schiedenen Gefäßen konsumiertes Ge‐ entlang der rekonstru- sum in mediterraner Importkeramik, mit
ierten Lehmziegelmauer.
Ergebnis – »ja, auch« tränk auf sich festzulegen. Der übrigen dem sich die Elite abzugrenzen versuchte –
Lange hatte die Forschung angenommen, Bevölkerung blieb nur noch der Konsum eine Elite, die zugleich völlig unproblema‐
dass die keltische Elite die eingeführte Ke‐ eines Obstweins aus einer anderen Frucht tisch aus attischen Schalen auch gerne mal
ramik zum exklusiven Genuss importier‐ als der Traube, der nun in Trinkgefäßen ein Bier trank.
ten Traubenweins nutzte. Eine der zen‐ serviert wurde, die aus einheimischer Ke‐
tralen Anliegen von BEFIM war es, diese ramik gefertigt waren.
Literatur zum Weiterlesen
These zu hinterfragen. Was bleibt nun nach Die Lust am Traubenweinkonsum hat‐
bislang 232 ausgewerteten Rückstands‐ ten die frühen Kelten auf der Heuneburg P. W. Stockhammer/ J. Fries-Knoblach (Hrsg.),
Was tranken die frühen Kelten? Bedeutun-
analysen dazu zu sagen? Vielleicht trifft es aber sogar schon vor der Errichtung der
gen und Funktionen mediterraner Importe
ein »ja, auch« am besten? Ja, die Plateau‐ Lehmziegelmauer entdeckt. Als die Mau‐
im früheisenzeitlichen Mitteleuropa. Inter-
bewohner der Heuneburg und des Mont er bestand, die so offensichtlich auf den en‐
nationale Konferenz Weltenburg 28. 04.–
Lassois drückten im späten 6. und frühen gen Kontakt mit dem Mittelmeerraum ver‐ 1. 05. 2017. (BEFIM Bd. 1.) Leiden 2019.
5. Jh. v. Chr. offenbar ihre hohe Statuspo‐ weist, kam Traubenwein in nicht gerin‐ P. W. Stockhammer/ J. Fries-Knoblach (Hrsg.),
sition ebenso in der Architektur als auch gen Mengen zur Heuneburg und erfreute In die Töpfe geschaut. Biochemische und
durch den Konsum von Traubenwein mit‐ sich großer Beliebtheit – bis die Umbrüche kulturgeschichtliche Studien zum frühei-
tels importierter Keramik aus dem Mittel‐ am Ende der Lehmziegelphase vermut‐ senzeitlichen Essen und Trinken. (BEFIM
meerraum aus. Im Fall der Heuneburg lich auch zu einer Neubewertung von Trau‐ Bd. 2.) Leiden 2019.

scheint es ihnen gelungen zu sein, ein zu‐ benwein führten. Wie die Ergebnisse vom www.befim.gwi.uni-muenchen.de
vor von vielen Bewohnern in ganz unter‐ Mont Lassois zeigen, war es aber wohl

ü AiD 5 | 2019 13
Weltweit Südsee-Archäologie

Im Himmel auf Erden – die Salomonen


Kannibalismus, Tsunamis und Motive für die Fototapete: Die Südsee-
Zeittafel
rezeption des 20. und 21. Jh. lebt von Klischees. Auch archäologisch 60 000 bis 50 000 Besiedlung Sahuls mit
gesehen sind die Salomonen noch immer ein weißer Fleck. Aktuelle Australien und Papua Neuguinea.
35 000 vor heute Besiedlung des Bismarck-
Forschungen der Autoren inmitten des unzugänglichen Urwalds liefern
archipels.
endlich neue Erkenntnisse zur Besiedlung der Inseln. 8000 vor heute Erstbesiedlung der Salomo-
nen-Inseln.
3500 vor heute Ankunft der Lapita-Leute
auf den Salomonen.
Von Johannes Moser und Julia Gresky 1568 »Entdeckung« der Inselgruppe durch
den spanischen Seefahrer Álvaro de Men-
daña de Neyra.

A
uf den Salomonen‐Inseln gibt es kei‐ schon zu den Salomonen zählen, von Pa‐
ne Monumentalarchitektur, wie sie pua sprechenden Einwohnern Neuguine‐ 1767 werden die Salomonen von Philipp de
Carteret zum zweiten Mal entdeckt.
etwa Mikronesien mit seiner sa‐ as besiedelt.
genhaften Ruinenstadt Nan Madol zu bie‐ Ab etwa 1500 v. Chr. erreichten in einer
ten hat. Imposante Zeremonialplattfor‐ zweiten Einwanderungswelle die »Lapita‐
men, vergleichbar der Marea und Ahu aus Leute« die Salomonen. Der Ursprung der Zwischen den Kulturen
polynesischen Kulturen, sucht man ge‐ Lapita dürfte im südlichen China oder Tai‐ Die Salomonen bilden die Kontaktzone
nauso vergeblich wie vorzeigbare Kolos‐ wan gelegen haben. Die Neuankömmlinge zwischen den kulturell unterschiedlich ge‐
salstatuen, ähnlich der weltberühmten verfügen über hervorragende navigatori‐ prägten Regionen Australien, Neuguinea,
Moai auf der Osterinsel. sche Fähigkeiten und hochseetaugliche, für dem Bismarck‐Archipel und der östlichen
pazifischen Inselwelt. Der ozeanische Raum
stellt mit seiner extremen Konstellation
von Land und Wasser eine herausfordern‐
de Sondersituation dar. In der Geschichte
der Salomonen haben inter‐ und intrain‐
sulare Kontakte und funktionierende Be‐
ziehungsgeflechte eine lange und notwen‐
dige Tradition. So manifestieren sich in der
Archäologie der Salomonen überregiona‐
ler Tauschhandel, Warenkreisläufe und
daraus resultierende Abhängigkeiten.
Das von der Kommission für Archäolo‐
gie Außereuropäischer Kulturen (KAAK)
des Deutschen Archäologischen Instituts
(DAI) im Jahr 2010 gestartete Forschungs‐
projekt »Vorgeschichte der Salomonen«
Die Ausgrabungen auf
beschäftigt sich mit den frühen archäolo‐
Malaita werden gemein-
gischen Zeugnissen auf der Insel Malaita.
sam mit den Archäologen
des Nationalmuseums der Fragen zur Besiedlungsgeschichte, zum
Salomonen durchgeführt. Subsistenz‐ und Mobilitätsverhalten, zur
Ressourcennutzung und zur materiellen
Aus Lexikoneinträgen erfährt der neu‐ große Distanzen ausgelegte Wasserfahr‐ Kultur des prähistorischen Menschen ste‐
gierige Leser: Geografisch bilden die Salo‐ zeuge. Sie bringen tiefstichverzierte Kera‐ hen im Fokus der Forschungen. Inbegrif‐
monen eine Kette von 991 Inseln, die das mik mit und sind reine Küstenbewohner fen sind auch Überlegungen zum weite‐
Bismarck‐Archipel fortsetzen. Geologisch (zu den Lapita AiD 4/ 2017, S. 14). ren Migrationsweg der frühen Besiedler
sind sie vulkanischen Ursprungs und Be‐ 1568 entdeckt der Spanier Álvaro de Melanesiens nach ihrer ersten Landung auf
standteil des zirkumpazifischen Feuer‐ Mendaña de Neyra die Inselgruppe schließ‐ dem Bismarck‐Archipel in der jüngeren
rings; kulturell handelt es sich um einen lich für die Europäer. Mendaña glaubte sei‐ Altsteinzeit vor etwa 35 000 Jahren. Wäh‐
Mehrvölkerstaat. Seit 35 000 Jahren vor nerzeit, das legendäre biblische Goldland rend dieser Zeit waren infolge des pha‐
heute werden die östlichen Inseln des Bis‐ Ophir des Königs Salomo aus dem 10. Jh. senweise um bis zu 150 m niedrigeren
marck‐Archipels sowie die Inseln Bou‐ v. Chr. gefunden zu haben, und gab da‐ Meeresspiegels und der damit verbunde‐
gainville und Buka, die beide geografisch raufhin der Inselgruppe ihren Namen. nen erweiterten Landmasse die Entfer‐

14 AiD 5 | 2019 ü
Der ozeanische Raum mit seiner extremen
Konstellation von Land und Wasser stellte
für die frühen Besiedler eine große Heraus-
forderung dar.

nungen zwischen den Inseln geringer und Insel Malaita. Dabei wurden Höhlen und Für die Enträtselung der Made in Apunirereha –
Besiedlungsgeschichte
somit wohl auch mit einfachen Wasser‐ Felsüberhänge sowie einige Schlagplätze Manufaktur für Steinbeile
Ozeaniens dienen heute
fahrzeugen leichter zu überwinden. Auf für die Herstellung von Steingeräten ent‐ vermehrt genetische und Bei Apunirereha handelt sich um einen un‐
den Salomonen dagegen wurden bis heu‐ deckt. Als vielversprechend im Hinblick anthropologische Unter- geschützten Freilandfundplatz auf mehre‐
te noch keine altsteinzeitlichen Fundplät‐ auf eine eingehende Untersuchung erwie‐ suchungen am Menschen. ren 100 m2 mit außerordentlich umfang‐
Neuere Erkenntnisse las-
ze entdeckt. sen sich das Steingeräteatelier Apunire‐ reichem Materialaufkommen an geschla‐
sen deutlich werden, dass
Die archäologischen Aktivitäten der reha bei der Ortschaft Maniaha sowie das genen Steingerätschaften. Lokale leicht
sie weitaus komplexer ab-
KAAK auf den Salomonen nahmen ihren Felsdach von Ria wenige Kilometer östlich gelaufen sein muss als zugängliche Feuersteinvorkommen prä‐
Anfang mit einem Geländesurvey auf der dieser Siedlung. bisher bekannt. destinierten Apunirereha in besonderem

Einwanderung
paläolithischer Bevölkerung aus P A Z I F I K
Südostasien in Ria Felsschutzdach
Hawaii
Australien ab 60000 BP
Apunirereha
und Melanesien ab 30000 BP

Taiwan
2. Einwanderung
„LAPITA“ Bevölkerung
um 3500 BP
Bismarck-Archipel
Lapitakeramik
Salo
mon
en
Maramasike-
Migration in den Passage
ostpolynesischen Raum
um 2800 BP Rapa Nui
Abschluss der Besiedlung Australien
Fidschi
um 800 BP

Rückläufige Migration
in den westpolynesischen und
melanesischen Raum ab 2800 BP Neuseeland

ü AiD 5 | 2019 15
Die Inseln der Salomonen sind vulkani-
schen Ursprungs. Noch herrscht primärer,
ursprünglicher Regenwald vor.

Links: Altes Steinbeil


modern geschäftet. Her-
kunft und Alter dieser
bei Gartenarbeiten in
den Tarofeldern gefun-
denen Steinbeilklingen
sind unbekannt. Noch
vor wenigen Jahren wur-
den derartige Funde
wieder mit einem Schaft
versehen und verwen-
det. Zum Schäften nutz-
te man Klebstoff, den
man aus der Parinarium-
frucht gewann.

Maße für die Herstellung von Steinwerk‐ Rechts: In Apunirereha senheit des Menschen bereits im mittle‐ und an Varianten reichen schaberartigen
zeugen. Die Ausgrabung im Zentrum des finden sich Steinbeile ren Holozän. Das entspricht in Europa der Werkzeugen wandelte, die in den obersten
in großer Typenvielfalt.
Schlagplatzes lieferte große Mengen an Zeit der späten mesolithischen Jäger und Schichten ab etwa 1300 n. Chr. auftreten.
Seit dem Kontakt mit
Abschlagmaterial, Dutzende Kern‐ und den Europäern ab dem Sammler. Mit diesem Alter ist Apunirere‐ Mit diesen Innovationen im Werkzeugbe‐
Scheibenbeile sowie Schaber und Kratzer Ende des 16. Jh. und der ha jetzt der älteste Fundplatz auf den zen‐ stand, der mit einer immensen Zunahme
in großer Typenvielfalt. Verfügbarkeit von Me- tralen Salomonen und löst damit den auf der Fundmenge sowie der gleichzeitigen
Die stratigrafische Sequenz und eine tallwerkzeugen scheint der Insel Guadalcanal gelegenen Fundplatz Erschließung neuer und entfernter Roh‐
die Steinschlagtradition
Serie von 14C‐Daten, gewonnen aus Holz‐ Vatuluma Posovi ab, der in die Zeit um materialquellen und Feuersteinlagerstät‐
schließlich auszulaufen.
kohlestücken von Feuerstellen, sprechen 4500 v. Chr. datiert wird. ten einhergeht, wird der Höhepunkt in der
für eine lange Nutzung des Platzes in ei‐ Aufschlussreich ist die Entwicklung des Geschichte Apunirerehas markiert.
nem zeitlichen Rahmen zwischen 6500 Artefaktspektrums, das sich von einem Am TraceoLab der Universität Lüttich
v. Chr. und 1600 n. Chr. Die ältesten Daten reinen Abschlaginventar in den unteren in Belgien analysierte Sonja Tomasso Ge‐
um 6500 v. Chr. belegen somit die Anwe‐ Schichten bis zu entwickelten Steinbeilen brauchsspuren an ausgewählten Stein‐

16 AiD 5 | 2019 ü
beilen und Schabern. Ihre Untersuchungen
ergaben, dass alle gefundenen Werkzeuge
unbenutzt blieben. Dies bekräftigt die
Annahme, dass die hier angefertigten Pro‐
dukte »Made in Apunirereha« als Handels‐
oder Tauschware zumindest regional in
Umlauf gebracht worden sein mussten. Im
Gegensatz dazu stehen die Steinwerkzeu‐
ge vom Felsdach in Ria, auf das unten näher
eingegangen wird. Dort weisen die Arte‐
fakte an ihren Arbeitskanten Gebrauchs‐
retuschen und Aussplitterungen sowie
vereinzelte Partien mit Glanz auf, die von
einer Bearbeitung pflanzlichen Materials
herrühren. Mit dem Kontakt mit den Euro‐
päern ab dem Ende des 16. Jh. und der Ver‐
fügbarkeit von Metallwerkzeugen scheint
die Steinschlagtradition schließlich aus‐
zulaufen.
Erstaunlicherweise zeigen die Stein‐
geräteinventare aus beiden Fundplätzen
Ähnlichkeit zu Gerätschaften aus dem nörd‐
lichen Mitteleuropa. Morphologisch und
steinschlagtechnisch erinnern die Kern‐ prähistorische Lebenswelt erlaubt und Das Felsdach von Ria, ein Aus den Kulturschichten konnten ver‐
und Scheibenbeile und Meißel von den Hinweise zur Deutung des archäologi‐ 1600 Jahre alter Lager- schiedene Steingeräte – darunter Beile –,
platz. Die Bestattungen
Salomonen an Werkzeuge des ausgehen‐ schen Fundmaterials liefert. Reste von Kleinfauna sowie Schalen von
unter dem Felsüberhang
den Meso‐ und frühen Neolithikums. Die Aus dem Saft der Parinariumfrucht (Fa‐ datieren zwischen 500 Schnecken und Muscheln geborgen wer‐
jeweiligen Hersteller dieser Werkzeuge sa‐ milie der Rosaceagewächse) etwa wird ei‐ und 700 Jahre vor heute. den. Als Schmuckelemente sind ein aus
ßen also nicht nur 15 000 km voneinander ne hocheffiziente wasserfeste und mit Ver‐ Perlmutt gefertigtes und nur als Fragment
entfernt in unterschiedlichen Klimazonen zögerung aushärtende Klebmasse raffi‐ erhaltenes Pektoral, ein Amulett, herge‐
in ihren Steinschlagateliers, sondern fa‐ niert, die für Schäftungen von Steinbeilen, stellt aus einer marinen Kegelschnecke,
brizierten ihre Ware auch in einem zeitli‐ Umwicklungen von Bögen und zum Ab‐ sowie perforierte rundgeschliffene Mu‐
chen Abstand von einigen Tausend Jahren. dichten von Kanus verwendet wird. Lange schelscheibchen zu deuten. Die Scheibchen
Die europäischen Inventare datieren zwi‐ glaubte man beim Auffinden der in hölzer‐ waren vermutlich Bestandteil einer Kette.
schen 7000 und 4000 v. Chr.; die äußerlich nen Schäftungen montierten Steinbeile ein Auch heute noch werden auf den Salomo‐
vergleichbaren Produkte von den Salomo‐ Beweisstück für ein Fortdauern der Stein‐ nen derartige Ketten hergestellt, die als
nen wurden zwischen 1250 und 1600 n. zeit bis in die Gegenwart in Händen zu hal‐ sogenanntes Muschelgeld ein gültiges Zah‐
Chr. hergestellt. An beiden Orten, Europa ten. Heute weiß man, dass es sich um alte, lungsmittel bzw. einen Wertgegenstand
und Salomonen, entwickelte sich völlig un‐ aber modern geschäftete Beile handelt. darstellen. Im Verlauf der weiteren Aus‐
abhängig voneinander eine Steinschlag‐ grabungen ergab es sich, dass das Felsdach
technologie, die zu den gleichen Formen Leben und Tod – nicht nur als schützende Lagerstätte dien‐
führte. Tabuzone unter dem Felsdach te, sondern zu bestimmten Zeiten auch
Am zweiten Fundplatz, dem Felsdach von mehrfach als Bestattungsplatz.
Lebendige Traditionen Ria, einem etwa 20 m langen und bis zu 3 m Im melanesischen Raum sind Bestat‐
Eine Auseinandersetzung mit der Archäo‐ auskragenden Felsüberhang, konnten tungsplätze in der Regel mit einem schüt‐
logie der Salomonen kommt nicht ohne während einer ersten Begehung Hinwei‐ zenden Tabu belegt – die Einheimischen
Seitenblick auf ethnologische Forschungen se auf eine Anwesenheit des Menschen an sprechen von »tambu«. Als heilige Plätze
aus. Die Traditionen, die von den Einhei‐ diesem Ort festgestellt werden. An der verbieten sich an diesen Orten Besichti‐
mischen nach wie vor gelebt werden, und Oberfläche liegende Steinartefakte ermu‐ gungen oder archäologische Eingriffe.
ihre mündlichen Überlieferungen, die auf tigten dazu, dort eine kleine Sondage vor‐ Obgleich sich in unmittelbarer Nähe zum
disziplinierte Weise ihre Geschichte über zunehmen. Stratifizierbare Kulturschich‐ Fundplatz Ria solche mit Tabu belegten
viele Generationen weitergibt, schließlich ten mit unterschiedlichen Befundstruktu‐ Orte befinden, war der Felsüberhang selbst
die Betrachtung deren materieller Kultu‐ ren wie Feuerstellen und Steinpflasterun‐ frei von Restriktionen. Dies änderte sich
ren und des Handwerks – all das erscheint gen sowie umfangreiches Fundmaterial auch nicht mit der durch die Ausgrabun‐
wie eine Rückspiegelung aus vergangenen bestätigten die Nutzung des Felsdaches als gen neu erlangten Erkenntnis, dass es sich
Zeiten. Für die Archäologie ist dies ein un‐ einen vom Menschen frequentierten Wohn‐ um einen prähistorischen Bestattungs‐
schätzbarer Glücksfall, der Einblicke in die platz in der Vergangenheit. platz handelt. Eine nachträgliche Um‐ oder

ü AiD 5 | 2019 17
Weltweit Südsee-Archäologie

Neudeklarierung der Stätte als Tabu bleibt Doch kein Paradies? Am Skelett der jungen Frau konnten
ausgeschlossen, weshalb die archäologi‐ Mit der Kombination unterschiedlicher weder Knochenbrüche noch Gelenkver‐
schen Arbeiten fortgeführt werden durften. naturwissenschaftlicher Methoden lassen schleiß, Entzündungserkrankungen, oder
Im rückwärtigen Bereich des Felsüber‐ sich viele Fragen zu den Skeletten beant‐ Hinweise auf Stoffwechselstörung gefun‐
hangs wurden unter einer Steinpflaste‐ worten. Die Frage nach der Herkunft, die den werden – pathologische Veränderun‐
rung zunächst zwei Bestattungen entdeckt für die Erklärung der Besiedlungsgeschich‐ gen fehlen, sie war offenbar zunächst bei
und freigelegt. Die Toten waren dabei ne‐ te des pazifischen Raums von Interesse ist, guter Gesundheit. Das frühe Sterbealter
beneinander in ausgestreckter Lage, aber kann am besten mithilfe genetischer Un‐ trug sicherlich dazu bei, dass keine we‐
entgegengesetzt positioniert beerdigt wor‐ tersuchungen geklärt werden. Ein erster sentlichen Krankheitszeichen am Skelett
den. Die so unerwartet entdeckten Bestat‐ Hinweis auf einen asiatischen Ursprung erkennbar sind. Allerdings konnte an ih‐
tungen werfen viele Fragen auf: Wer wa‐ der Skelette ist allerdings schon bei der ren Zähnen eine unregelmäßige Abnut‐
ren die Menschen, die hier am Felsdach be‐ makroskopischen Untersuchung sichtbar: zung nachgewiesen werden, die nicht al‐
stattet wurden? Waren es Fremde oder Die oberen Schneidezähne der zwei älte‐ lein durch den Vorgang des Kauens zu er‐
Einheimische? Waren sie miteinander ver‐ ren Individuen zeigen eine schaufelartige klären ist. Wahrscheinlich waren es eher
wandt? Verraten ihre Knochen etwas über Vertiefung der Zahnrückflächen, ein Merk‐ spezifische Arbeiten, die mithilfe der Zäh‐
ihre Lebensbedingungen und Tätigkeiten?
Sind sie aufgrund einer natürlichen Todes‐
ursache gestorben oder waren sie Opfer
von Gewalt?
Die Bergung der Skelette gestaltete sich
sehr schwierig, da die Knochen zum Teil
von Pflanzenwurzeln zerstört worden wa‐
ren und aus der stark anhaftenden Erde
nur mit Mühe befreit werden konnten.
Nach dem Waschen und Trocknen der
Knochen konnten sie näher untersucht
werden. Abgesehen von den zwei einzeln
liegenden Individuen, einer direkt an der
Felswand bestatteten etwa 25 bis 30 Jah‐
re alten Frau und einem 11 bis 13 Jahre al‐
ten Mädchen, konnte dabei noch ein drit‐
tes Individuum identifiziert werden: Dicht
an der Höhlenwand fanden sich verein‐
zelte aus dem Verband gerissene Knochen
eines etwa 3 bis 4 Jahre alten Kindes. Alle
drei Bestattungen sind mittels Radiokar‐
bonmethode datiert: Danach lebten die er‐
wachsene Frau und das 11 bis 13 Jahre al‐
te Mädchen im Zeitraum zwischen 1450 Doppelbestattung unter mal, das gehäuft im asiatischen Raum vor‐ ne erledigt wurden und durch ständige
und 1500 n. Chr. Das Kleinkind wurde dort dem Felsdach von Ria. kommt. Die aDNA‐Analysen bestätigten Wiederholung Spuren hinterließen. Korb‐
Eine Frau und ein Mäd-
deutlich früher in der Zeit um 1300 n. Chr. diesen Befund an den Knochen des Mäd‐ flechten wäre eine mögliche Erklärung,
chen lagen dicht bei-
bestattet. einander und in identi- chens; die aDNA der Frau dagegen war zu wie es auch heute noch auf der Insel aus‐
Während der jüngsten Ausgrabungen schem stratigrafischem schlecht erhalten. geübt wird. Viele kleine Absprengungen
konnten Fragmente zweier Schädel weite‐ Kontext – sie wurden wohl Die Bestattung von Mädchen und Frau des Zahnschmelzes deuten auf eine be‐
rer Individuen geborgen werden, die zu gleichzeitig bestattet. nebeneinander im stratigrafisch identi‐ sondere Belastung hin. Das Beißen harter
einer vierten und fünften Bestattung ge‐ schen Kontext könnte darauf hinweisen, Substanzen oder das Knacken von Nüssen
hören müssen. Es ist daher davon auszu‐ dass es sich um eine gleichzeitige Doppel‐ mit den Zähnen kann zu diesen Abspren‐
gehen, dass sich unter dem Felsdach noch bestattung handelt. Sind die beiden Per‐ gungen führen. Bei der Zubereitung von
mehr menschliche Skelette befinden. Die sonen nur zufällig gleichzeitig verstorben, Nahrung kommt es schnell zu derartigen
anthropologisch‐paläopathologischen Un‐ oder waren sie miteinander verwandt? Veränderungen.
tersuchungen an den Menschenresten Eine zusätzliche Zahnanlage (Hyperdon‐ Eine deutliche Rotverfärbung der Zäh‐
führt Julia Gresky von der prähistorischen tie), ein sogenannter Gaumenzahn, ist so‐ ne gibt weitere Rätsel auf. Handelt es sich
Anthropologie Referat Naturwissenschaf‐ wohl bei der erwachsenen Frau als auch um den ersten Nachweis des heutzutage
ten am DAI durch. Weitere genetische Un‐ bei dem Mädchen vorhanden. Dieses epi‐ sehr häufigen Konsums der Betelnuss?
tersuchungen erfolgen am Max‐Planck‐In‐ genetische, d.h. komplex vererbte Merk‐ Kann sich die Farbe so lange an den Zäh‐
stitut für Menschheitsgeschichte in Jena mal könnte auf eine Verwandschaft der nen halten oder handelt es sich um zufäl‐
unter der Leitung von Johannes Krause. beiden hindeuten. lige Verfärbung durch die Lagerungsbe‐

18 AiD 5 | 2019 ü
knochen, um an das Knochenmark zu kom‐
men, oder Einwirkung von Hitze durch
die Zubereitung sind nicht zu finden. Viel‐
leicht sind die Individuen an einer anste‐
ckenden Erkrankung gestorben, aber auch
unnatürliche Todesarten, die keine Spuren
am Knochen hinterlassen, sind nicht aus‐
zuschließen. Allerdings weist die Art der
Bestattung auf einen regulären Totenri‐
dingungen im Boden? Diese Fragen wer‐ tus hin. Derartige Bestattungen wie die vor
den hoffentlich demnächst durch chemi‐ 500 bis 700 Jahren sind heute immer noch
sche Analysen geklärt werden können. in derselben Art und Weise in entlegenen
Das 11 bis 13 Jahre alte Mädchen zeigt Regionen der Inseln üblich.
an den Zähnen leichte rinnenartige Ver‐ Das Leben in der Südsee war zu allen
tiefungen im Zahnschmelz, sogenannte Zeiten kein Zuckerschlecken – auch heute
transversale Schmelzhypoplasien, die auf noch. Die Bestreitung des Lebensunter‐
einen Wachstumsstillstand während der halts, tödliche Krankheiten, kriegerische
Entwicklung hinweisen. Solche Wachs‐ Auseinandersetzungen, Reisen ins unbe‐
tumsstillstände können durch Krankheit kannte Nichts stellten die Bewohner der
oder Mangelernährung in der Kindheit Salomonen‐Inseln tagtäglich vor große He‐
verursacht werden. Sie traten bei dem rausforderungen. Auch die archäologische
Mädchen im Säuglingsalter zwischen 6 und Forschung kommt hier, nicht nur logis‐
12 Monaten auf sowie später noch einmal tisch, an ihre Grenzen.
im Alter von ungefähr sechs Jahren. Ähnliche Veränderungen sind auch an Oben: Zähne des Ober-
Bei dem Kind fällt weiterhin die sieb‐ dem Schädel des 4 bis 5 Jahre alten Kindes kiefers vom 11 bis 13 Jah-
re alten Mädchen. Dar- Das Projekt
artige Struktur der Augenhöhlendächer zu beobachten. Dass die Veränderungen an
über liegt der zusätz-
auf: Cribra orbitalia. Hinzu kommt eine den Schädeln der Kinder zu sehen sind, Infos zum Projekt unter:
liche Zahn im Gaumen.
www.dainst.org/ projekt/-/ project-display/
ähnlich poröse Oberfläche der äußeren deutet darauf hin, dass der Krankheits‐ Unten: Das Dach der
rechten Augenhöhle 60920
Schädeldecke. Beide Veränderungen kön‐ prozess über einen längeren Zeitraum
des Mädchens mit stark Vor Ort wird das Vorhaben betreut vom Na-
nen durch eine Erweiterung der Knochen‐ bestand und die Kinder wahrscheinlich
poröser Oberfläche tionalmuseum der Salomonen, Direktor
marksräume entstehen. Grund dafür ist die schwächte. Ein zusätzlicher Infekt könnte (links). Rechts daneben
Tony Heorake und seinem Vertreter Law-
Kompensation einer Blutarmut, die durch die Todesursache gewesen sein, was aber der Schneidezahn der
rence Kiko, sowie dem Ministerium für Kul-
chronischen Blutverlust, Eisenmangel und an den Knochen nicht nachweisbar ist. Zei‐ jungen Frau mit deutlich
rötlicher Färbung und tur und Tourismus, Direktor Dennis Marita.
viele andere Gründe entstehen kann. Als chen von Gewalteinwirkung sind an den
Zahnstein. Die Kante des Logistische Hilfestellung leistet der deut-
eine mögliche Ursache könnte Parasiten‐ Skeletten nicht festzustellen. Auch Hin‐
Zahnes ist unregelmäßig sche Honorarkonsul Gerald Stenzel in Ho-
befall, etwa durch Würmer, oder aber auch weise auf Kannibalismus wie Schnittspu‐ abgenutzt (unten). niara.
Malaria in Betracht kommen. ren, absichtliches Zerbrechen von Lang‐

RHEINISCHES LANDESMUSEUM TRIER


31. August 2019 – 26. Januar 2020

www.landesmuseum-trier.de | www.gdke-rlp.de

ü AiD 5 | 2019 19
THEMA
Bollwerke, Bastionen und Bombarden
Lange Zeit genügten einfache Ringmauern, um die
mittelalterlichen Städte und Burgen zu schützen. Doch spätes‐
tens ab dem 15. Jh. stellten Schießpulver und Feuerwaffen
neue Herausforderungen an das Befestigungswesen. Es ent‐
standen völlig neue Festungsanlagen, die auf die Anforderungen
der modernen Waffentechnik abgestimmt waren.

ü
Von Andreas Kupka durch diese Wehrbauten allein nicht mehr Unser Titelbild zeigt den nen« beruhten auf einer Umsetzung bal-
aus, um der verbesserten Belagerungsar- Eingang zur sächsischen listischer Beobachtungen in geometrische
Festung Königstein.

B
edingt durch den vermehrten Ein- tillerie mit ihren großkalibrigen Geschüt- Grundrisse der Wehranlagen. Sie gewähr-
satz von Schwarzpulver und der da- zen (Breschiergeschützen), die jetzt statt leisteten genügend Schutz vor der Wir-
durch ermöglichten Feuerwaffen mit Stein- mit Eisenkugeln feuerten, zu wi- kung der Artillerie des Angreifers. Sie
zu Beginn der Neuzeit, verloren die mit- derstehen. Neue Lösungen waren gefragt. bestanden zum einen aus bis zu 40 m brei-
telalterlichen Befestigungen ihren Sinn. ten Erdwällen, die feldseitig durch mäch-
Denn den bis zu 200 kg schweren Kugeln Antwort der Baumeister tige, bis zu 20 m hohe, geböschte (dos-
der tonnenschweren Geschütze (Bombar- Zahlreiche bekannte Architekten und sierte) Mauern aus Ziegeln oder Natur-
den) wie der Mons Meg in Edinburgh konn- Künstler der Renaissance wie Leonardo da steinen gestützt wurden (Kurtinen). Die-
ten die hohen, aber schmalen Natur- und Vinci, Michelangelo oder Albrecht Dürer se Konstruktion hemmte die Wirkung der
Ziegelsteinmauern nicht standhalten. hatten sich seit dem 15. Jh. zumindest Belagerungsgeschosse und machte sie für
Dies zeigte sich erstmalig 1489 im Italien- theoretisch mit einer Verbesserung der die Sturmleitern der Angreifer unüber-
feldzug des französischen Königs Karl VIII., Befestigungstechnik auseinandergesetzt. windbar. An ausgesuchten Stellen schlos-
der dank seiner modernen Artillerie zahl- Im 16. Jh. erschien, auch dank der raschen sen zum anderen Bauwerke mit pfeilför-
reiche Burgen und Befestigungen ein- Verbreitung durch den Buchdruck, eine migem Grundriss (Bastionen), an die Kur-
nehmen konnte. Die Baumeister reagier- Fülle festungstheoretischer Traktate – tinen an und ersetzten die mittelalterli-
ten auf diese neue Bedrohung durch Ge- zuerst in Italien, später in ganz Europa. In chen Türme und Bollwerke. Man berück-
schützfeuer, indem sie ab dem 15. Jh. mit Italien entwickelten u. a. die Brüder San- sichtige bei der Anlage Schusslinien und
zahlreichen Möglichkeiten experimen-
tierten, um die bestehenden Befestigun-
gen der neuen Waffentechnik anzupassen.
Die schmalen Ringmauern wurden durch
Erdwälle verbreitert und mit Schießschar-
ten für Musketenschützen ertüchtigt, be-
stehende Tore und Türme zur Aufstellung
von Geschützen angepasst (s. S. 26).
Allerdings zeigten diese eher improvi-
sierten Maßnahmen gegen einen Angriff
oder eine Belagerung mit Bombarden und
»Mauerbrechern« nicht den gewünsch-
ten Erfolg. Finanzstarke Städte wie Köln,
das seit dem 12. Jh. ein Befestigungsring
mit mächtigen Torburgen und Türmen
schützte, investierten deshalb ab der
Mitte des 15. Jh. in neue Wehrbauten, die
schon für den Gebrauch von und den
Schutz vor Feuerwaffen ausgelegt waren.
Zu nennen ist hier u. a. das äußerlich noch
mittelalterlich anmutende Artillerieboll-
werk, das um 1468 zur Verstärkung vor der
Severinstorburg im Kölner Süden ange-
legt wurde. Seine Funktion war schon ganz gallo (1445–1516 bzw. 1455–1534) und Mi- Der Autor neben der Reichweiten von Musketen und Kanonen
für den Einsatz von Feuerwaffen ausge- chele Sanmicheli (1484–1559) ein moder- Mons Meg, einem wuch- und ermöglichte so eine vollständige, ge-
tigen Stabringgeschütz
legt: In den starken Außenmauern fanden nes Konzept, das »bastionäre Befesti- genseitige Deckung der Befestigung im
des 15. Jh., Edinburgh
sich Schießscharten mit den zum Ge- gungssystem«, das Anfang des 16. Jh. in Castle. Nahbereich. Tote Winkel, in die sich Angrei-
brauch von Feuerwaffen unerlässlichen Italien (Verona 1530) und ab Mitte des fer vor Beschuss flüchten konnten, wur-
Öffnungen, die den raschen Abzug der Jahrhunderts auch nördlich der Alpen Ver- den vermieden.
dichten Pulverdämpfe gewährleisteten. breitung fand. Vor allem italienische In- Zudem boten die breiten Kurtinen und
Das offene Obergeschoss bot die Mög- genieure wurden in der Folge europaweit Bastionen den Verteidigern genügend
lichkeit zur Aufstellung schwerer Geschüt- zu gefragten und hochbezahlten Exper- Raum, um mit ihren eigenen Geschützen
ze. Ähnliche Bollwerke sind charakteris- ten. Sie konzipierten polygonale, raum- zu manövrieren und sowohl den Nahbe-
tisch für die Übergangsphase im Fes- greifende Stadtbefestigungen, die ganz reich als auch den im weiten Festungs-
tungsbau im 15. und 16. Jh. und entstan- auf die Anforderungen der neuen Waf- vorfeld (Glacis) ungeschützten Angreifer
den auch in vielen anderen Städten, so fentechnik abgestimmt waren. unter Feuer zu nehmen. Ein bis zu 40 m
z. B. in Dresden und Leipzig (s. S. 24). Doch Diese nach geometrischen Prinzipien breiter vorgelagerter Graben, der, wenn
bereits im 16. Jh. reichte die Verstärkung konstruierten »bastionären Fortifikatio- möglich, geflutet wurde, erschwerte die

ü AiD 5 | 2019 21
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Das bastionäre Fortifikationssystem


Bastion St. Johannes der
Zitadelle Jülich aus dem blieb über vier Jahrhunderte im Festungs-
16. Jh. bau in Europa und, im Zuge des Kolonia-
lismus, auch in Übersee bestimmend. Erst
im 19. Jh. führten Fortschritte in Strategie
und Waffenentwicklung mit der Einfüh-
rung gezogener Hinterladergeschütze
und Brisanzgranaten zu ihrer endgültigen
Aufgabe. Preußen entwickelte ein neues
System mit Festungsgürteln aus einzel-
nen bewaffneten Forts, der Deutsche Bund
schuf Festungen mit einer ganz eigenen
Konzeption wie z.B. in Ingolstadt (s. S. 32).
Ab dem Ende des 19. Jh. dominierten
schließlich Stahl und Beton den Festungs-
bau, es entstanden im Rahmen nationa-
ler Konflikte neue Wehrbauten und Grenz-
festungen wie die Panzerforts von Metz
und Verdun oder im 20. Jh. die Maginot-
Linie und der Westwall.
Annäherung des Feindes. Nur wenige Brü- des bebauten Stadtgebiets beanspruch-
cken, die im Gefahrfall zerstört wurden, ten (s. S. 34). Dieses Konzept erreichte sei- Festungsbau – System aus Architektur,
führten in die Befestigung. nen Höhepunkt Anfang des 18. Jh. unter Technik und Mensch
Theoretisch sollte dieses bastionäre Sébastien Le Pestre de Vauban (1633– Obwohl viele bastionäre Festungsanlagen
Befestigungssystem einen umfassenden 1707), dem begabtesten Festungsplaner am Ende des 19. Jh. geschleift wurden, le-
Schutz vor der Belagerungsartillerie bei und -bauer seiner Zeit. Für seinen König, gen Archäologen im Zuge von innerstädti-
gleichzeitigem optimalem Einsatz der ei- Ludwig XIV., schuf er 50 neue Festungen, schen Baumaßnahmen immer wieder im-
Westkurtine der Zitadel-
genen Verteidigungsgeschütze gewähr- von denen heute zwölf Teil des UNESCO- posante Reste dieser bedeutenden Wehr-
le Jülich und Festungs-
leisten. In der Praxis hing der Bau einer Welterbes sind. In Deutschland doku- graben. Im Hintergrund
bauten frei und dokumentieren die heute
solchen Wehranlage jedoch von lokalen mentiert die Idealstadt und -festung Saar- rechts die Bastion St. Jo- geschützten Bau- und Bodendenkmäler.
und topografischen Gegebenheiten ab, louis das ausgefeilte Konzept Vaubans. hannes. Privater und öffentlicher Wohnungsbau,
die in vielen Fällen eine Umsetzung der
Idealvorstellung einschränkten. Hinzu
kamen auch die hohen für Bau und Un-
terhalt erforderlichen finanziellen Mittel.
Nicht in jedem Fall wurden Kurtinen und
Bastionen mit Steinen verkleidet, oftmals
bestanden sie aus Erde. Nur in seltenen
Fällen, z. B. bei Fürstenresidenzen, ver-
fügten Stadtbefestigungen zusätzlich
über eine Zitadelle (»kleine Stadt«, italie-
nisch), einen besonders stark befestigten
Rückzugsort. Besonders in diesen Fällen
spielten die Befestigungen als Herrschafts-
architektur auch eine repräsentative Rol-
le. Ein frühes Beispiel ist die renaissance-
zeitliche Stadtbefestigung mit Zitadelle
und Schloss in Jülich, die der Bologneser
Architekt und Festungsbaumeister Ales-
sandro Pasqualini (1493–1559) ab 1547 für
den Herzog von Jülich-Kleve-Berg konzi-
pierte und baute.

Rüstungsspirale im 17. Jh.


In der Folgezeit entstanden gewaltige
Stadtbefestigungen mit 20 oder mehr
Bastionen, die mitunter das Mehrfache

22 AiD 5 | 2019 ü
Kanalsanierungen, stadtplanerische Ein- Glossar fortifikations-
Literatur und Infos
griffe und Infrastrukturmaßnahmen wie
Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung
technischer Begriffe
der Bau von Straßen oder U-Bahnen wer-
(Hrsg.), Festungsbaukunst in Europas Mitte,
den archäologisch begleitet und tangie- Bastion
Regensburg 2011.
ren oftmals die geschleiften Befestigun- Pfeilförmige, in den Graben vorge-
G. von Büren/A. Kupka, Schloß und Zitadel-
gen aus dem Mittelalter und der Neuzeit, schobene Geschützplattform mit
le Jülich, Regensburg 2005.
Facen und Flanken zur Deckung der
deren Reste meist noch im Boden erhal- www.festungsforschung.de benachbarten Werke und des Glacis.
ten sind.
www.internationalfortresscouncil.org
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand Bastionäre Fortifikation
(englisch)
Befestigung, polygonales Festungswerk
nach einer Phase der Gleichgültigkeit ge-
aus Erde oder Stein des 16. bis 19. Jh.
genüber den – zunächst als »Kriegsbau-
ten« negativ konnotierten – fortifikatori- Spandau und Wesel sind bauarchäologi- Bollwerk/ Rondell
Halbkreis- oder kreisförmiger Wehrbau
schen Bauwerken langsam ein Bewusst- sche Untersuchungen heute selbstver-
mit schussfesten Außenmauern und
sein für ihre große Bedeutung bei der Ent- ständlich (s. S. 28). Dabei gelingt es gele-
Schießscharten für Feuerwaffen und
wicklung der frühneuzeitlichen Städte: gentlich, interessante Funde aus dem mi- Geschütze.
Grundsätzlich funktionieren Befestigun- litärhistorischen Kontext zu bergen, so
Dossierung
gen nur als System bestehend aus den das Rohr eines preußischen Vorderlader-
Neigung einer Festungsmauer oder
Faktoren Architektur, Technik und Mensch. geschützes aus der Mitte des 19. Jh. in Jülich. eines Walls.
Eskarpe
Innere Grabenböschung, Schildmauer
eines Befestigungswerks.
Face
Auch Gesichtslinie, dem Vorfeld feind-
seits zugekehrte Seite eines Befesti-
gungswerks.
Flanke
Dem Vorfeld abgewandte Seite eines
Befestigungswerks.
Glacis
Gelände vor dem äußeren Grabenrand
einer Festung frei von Bebauung und
Bewuchs als freies Schussfeld.
Kaponniere
Grabenwehr, schusssicherer Hohlbau
im Graben zur Grabensicherung.
Kontereskarpe
Äußere Grabenböschung, erdgeböscht
oder mit einer Mauer verkleidet.
Kontergarde
Ein zur Deckung der Frontlinien einer
Bastion bestimmtes Werk, zur Vertei-
digung mit Geschützen ausgelegt.
Kurtine
Geradliniger Hauptwall zwischen
Aufgrund der Komplexität des Phäno- Neben der primären Aufgabe, Festungs- »Sarre Louis«, aquarel- Bastionen.
mens »Befestigung« mit Implikationen für befunde in situ zu erhalten oder zumin- lierte Tuschzeichnung,
Ravelin
vermutlich Senneton de
die Bereiche Architektur, Geschichte, So- dest zu dokumentieren, sind Archäologen Festungswerk in Form eines Dreiecks,
Chermont, 1725.
ziologie, Geografie und Technikgeschich- heute über ihre eigentliche Aufgabe hi- welches meist vor der Mitte einer Kur-
te gilt heute ein interdisziplinärer For- naus auch bei Projekten der Inwertset- tine liegt und den Bereich zwischen
schungsansatz. So nahmen sich seit den zung, Vermittlung und Präsentation ge- zwei Bastionen mit Artillerie schützt.
1990er Jahren auch die Mittelalter- und fragt. Dies geschieht – leider in den sel- Reduit
Frühneuzeitarchäologen im Kontext der tensten Fällen – durch Erhaltung der Ob- Inneres Kernwerk einer Festungs-
Städteforschung des Themas »Stadtbe- jekte, indem Gebäude an anderer Stelle anlage.
festigung« an. Bei Sanierungs- und Res- originalgetreu wiederaufebaut werden, Rondell s. Bollwerk
taurierungsarbeiten an herausragenden oder die Darstellung der Grabungsergeb- Tenaille
Bau- und Bodendenkmälern des Fes- nisse mithilfe moderner Medien, z. B. als Grabenschere, scherenartiges Verteidi-
tungsbaus wie den Zitadellen in Jülich, filmische 3D-Rekonstruktion (s. S. 36). gungssystem.

ü AiD 5 | 2019 23
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Erste bastionäre Befestigungen in Deutschland –


Dresden und Leipzig
In Dresden und Leipzig entstanden seinerzeit nach ser Aufenthalte in Antwerpen und Gent ziger Pleißenburg mit dem niederländi-
niederländischem Vorbild die modernsten Vertei- modernste Bastionen und wahrscheinlich schen Fort Rammekens in Ritthem bei
digungsanlagen Deutschlands. Erhalten sind nur deren Gesamtplanungen genau betrach- Vlissing an der Scheldemündung auffal-
ten. Möglicherweise lernten sie sogar den len. Dieses besteht aus einer wasserseiti-
noch Rudimente der Gebäude – vor allem die
Architekten Donato de Boni persönlich gen Spitzbastion und zwei landseitigen
Archäologie kann uns deshalb eine zuverlässige kennen, der ihnen vielleicht auch schon Halbbastionen, womit es in seiner Grund-
Vorstellung von den Festungsbauten vermitteln. seine Planungen für eine seiner späteren form deutlich an den Grundriss der Leip-
Anlagen zeigte. Das lassen zumindest die ziger Pleißenburg erinnert, die ebenfalls
sehr interessanten Ähnlichkeiten vermu- eine Spitzbastion und zwei rückwärtige
Von Eberhardt Kettlitz ten, die beim Vergleich zwischen der Leip- Halbbastionen aufwies. Aus diesem Grund
fällt es aufgrund der Kenntnisse seiner

D
ie Quellen der Festungsforschung Bauwerke leicht, mit aller gebotenen Vor-
sind sehr vielfältig: von den erhal- sicht, Donato de Boni als den hauptsäch-
tenen Überresten der Anlagen über lichen Lehrmeister von Herzog Moritz und
bauzeitliche Pläne und spätere Kartie- Caspar Vogt zu bezeichnen.
rungen bis hin zu literarischen Verarbei-
tungen. Nicht nur in Sachsen spielt die Ar- Unter dem Rathaus Leipzigs:
chäologie aufgrund der mannigfaltigen die Pleißenburg
Bodeneingriffe der letzten 30 Jahre eine Die Pleißenburg war ein besonderer Be-
wichtige Rolle im Quellencorpus. Auch die standteil der bastionären Umwallung Leip-
beiden ersten vollständigen bastionären zigs, eine gesondert gegenüber der Stadt
Stadtbefestigungen im heutigen Deutsch- befestigte Zitadelle. Der Baukörper stand
land wurden und werden zum Teil ar- auf dem Grundriss eines gleichschenklig-
chäologisch untersucht: die Städte Leip- rechtwinkligen Dreiecks und hatte einen
zig und Dresden. mehrgeschossigen, runden Geschützturm
1543 hatte Herzog Moritz von Sachsen in der Ecke mit dem rechten Winkel. Feld-
die damals modernste Befestigungswei-
se, das altitalienische Bastionärsystem, Dresden: Eine durch
persönlich in Antwerpen und Gent in Au- starke Fugen geliederte
(rustizierte) Schieß-
genschein genommen. Die Entwürfe hier-
scharte in der nörd-
für stammten von Donato De Boni Pelle- lichen Flankenmauer
zuoli aus Bergamo, dem Architekten des der Bastion Saturn.
Bauherren Kaiser Karl V. Sehr wahrschein-
lich wurde Moritz auf dieser Reise von sei-
nem Zeug- und Baumeister Caspar Vogt
von Wierandt begleitet, der anschließend
auch maßgeblich am Leipziger und Dresd-
ner Festungsbau beteiligt war. Im Baube-
fehl vom 21. Juli 1547 verwies Moritz auf
ebendiese Besichtigung: Dresden und
Leipzig sollen auf die »Anthorffer unnd
Genther Artt« befestigt werden »Wye Wy-
er dan selbst zw Antthorff und Genth Per-
sonlich gesehen haben« nach »dem na-
wen Strich« durch »unsern Ober Zeug-
meyster und lieben getreuenn Caspar
Vogtn, der umb solche gelegenheyt gut-
Leipzig: Die Zitadelle
henn bescheyt weyß«. Pleißenburg um 1650
Herzog Moritz und Baumeister Vogt mit dem Trotzer im
von Wierandt konnten also während die- Vordergrund.

24 AiD 5 | 2019 ü
seitig befand sich vor dem Schloss eine aus wiederverwendeten Bausteinen (Spo- Dresden: Luftbild der Altstadt. Genannt seien hier insbesonde-
Spitzbastion mit eingezogenen Flanken lien) spätgotischer Gebäude. Diese Ab- Ausgrabungen auf re Bauteile der Bastion Saturn aus gut
dem Postplatz. Oben
und Flankenhöfen für jeweils zwei Ge- schlusssteine der Mauer zur Toröffnung gearbeiteten Elbsandsteinquadern. Nur
die Zwingermauer mit
schützstände. Die Stadtseite wurde durch stammten ursprünglich entweder vom Schalenturm 1427, unten durch die Ausgrabungen konnte eine für
zwei Halbbastionen geschützt. Der Zu- Vorgängerbau, der alten Pleißenburg, der Zugang zur Bastion Dresden bisher einzigartige Schießschar-
gang erfolgte von der Stadt durch das oder von der Georgenkirche. Es ist aus den Saturn. tenform nachgewiesen werden: eine rus-
mächtige Torhaus »Trotzer«. Halbbastio- Schriftquellen bekannt, dass die Georgen- tizierte (durch starke Fugen gegliederte)
nen und Trotzer verbanden jeweils einge- kirche für den Festungsbau abgetragen Rechteckscharte in der Bastionsflanke.
schossige Seitenflügel. wurde. Die alte Pleißenburg wurde bei der Die Rustizierung war ein beliebtes und
Neue, grundlegende Erkenntnisse zur Belagerung 1547 z.T. zerstört. Heute ist der typisches Stilmittel der Renaissance, bei
Bauweise und zum Aussehen der nur noch Grundriss des Trotzers im Pflaster des der die Steinoberflächen deutlich über die
in Rudimenten vorhanden Pleißenburg Platzes nachgezeichnet. breiten Fugen der Mauer ragte. Von hier
erbrachten die archäologischen Ausgra- aus wurde die nördlich an die Bastion an-
bungen 1995/96 auf dem stadtseitigen Festungsbauten über dem schließende Kurtine bestrichen. Im Be-
Burgplatz. Demnach hatte der Zitadelle Elbufer Dresdens reich Wallstraße und Postplatz wurden bei
und Stadt trennende Wassergraben eine Ebenso wie in Leipzig finden sich auch in mehreren Ausgrabungen Relikte der Dres-
Breite von ca. 9 m. Seine Konterescarpe- Dresden bei bauvorbereitenden Ausgra- dener Stadtbefestigung von der Stadt-
mauer, die Grabenmauer auf der Feldsei- bungen immer wieder originäre Zeugnis- mauer um 1200 bis zur Bastionärsbefes-
te, bestand aus sorgfältig gesetztem Zy- se der Festungsgeschichte. Dresden be- tigung ab der Mitte des 16. Jh. dokumen-
klopmauerwerk. Dazu wurden die großen saß eine Stadtbefestigung mit sechs Bas- tiert.
Natursteine unförmig und unbearbeitet tionen und der bis heute erhaltenen Piatta Allerdings reichen die Anstrengungen
belassen und auch nicht in horizontalen Forma, einer Geschützstellung an der Um- der Denkmalpflege und der Politik noch
Lagen vermauert. Diese Grabenmauer be- fassungsmauer auf rechteckigem Grund- nicht aus, um die im Bodenarchiv lagern-
saß Auslassöffnungen für das städtische riss, am Elbufer. Wichtige Erkenntnisse den Überreste der bedeutenden Fes-
Abwasser. Auch die Erdgeschossebene des aus verschiedenen Phasen der Stadtbe- tungsgeschichte zu erhalten. So ist vor
Torhauses »Trotzer« konnte ergraben wer- festigung ab ca. 1200 erbrachten zuletzt allem ein sichtbarer, zumindest exempla-
den. Es fanden sich Mauerreste aus Bruch- die seit 2015 stattfindenden Ausgrabun- rischer Erhalt vor Ort wünschenswert,
steinen und die Laibungen des Hoftores gen unter dem Postplatz in der Dresdener aber oft nicht realisierbar.

ü AiD 5 | 2019 25
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Ausgebaut, umkämpft, geschleift – Hanau


Im Dreißigjährigen Krieg spielte das befestigte tigungsmanier ist hier das Voranschreiten bot sich mit dem Neubau des Einkaufs-
Hanau eine wichtige Rolle – so wichtig, dass die der Entwicklung deutlich ablesbar. zentrums »Forum Hanau« am Freiheits-
Stadt in Grimmelshausens Simplicissimus litera- 1597 entstand südlich der Anlage die platz. Die Ausgrabungen zwischen 2012
Hanauer Neustadt. Diese hatte man auf und 2014 legten auf einer Fläche von
risch verewigt wurde. Die Anlagen ließ Napoleon
dem Reißbrett entworfen: So wurde sie 300 m Länge und 100 m Breite den zen-
1806 schleifen: Heute zeugen nur noch Boden- zur ersten Planstadt Deutschlands und tralen Bereich der renaissancezeitlichen
befunde von der Festung. Vorbild für spätere Gründungen wie z. B. Verteidigungsanlage frei. Neben dem mitt-
Mannheim oder Neu-Isenburg. Die Befes- leren Rondell mit einem Durchmesser von
tigung dieser neuen Stadt entwarf Nico- über 80 m konnten auch die beiden an-
Von Hans Szédeli las Gillet nach den modernsten Erkennt- schließenden Kurtinen auf einer Länge
nissen der Festungsbaukunst im Tenail- von 110 m bzw. 129 m dokumentiert wer-

D
ie Befestigung von Burg und Stadt lensystem. Nachdem im November 1631 den, ohne dass dabei die Anschlüsse an
Hanau entwickelte sich vom 13. bis schwedische Truppen die kaiserliche Gar- die benachbarten Rondelle erreicht wor-
zum 17. Jh. in mehreren Phasen. nison überrumpeln und so die Festung für den wären. Die östlich weiterführende Kur-
Südlich vor der 1234 zum ersten Mal er- sich gewinnen konnten, begannen sie um- tine knickt hierbei in ihrem Verlauf stark ab.
wähnten Burg entstand eine Siedlung, die
bis 1470 nach und nach eine Erweiterung
nach Westen und Süden mit dem gleich-
zeitigen Ausbau der Stadtmauer erfuhr. Da
die mittelalterlichen Stadtmauern den
aufkommenden Feuerwaffen im 16. Jh.
nicht mehr gewachsen waren, wurden
nach italienischen Vorbildern nun auch
nördlich der Alpen neue Verteidigungs-
Farbiger Plan mit den Aus-
systeme geschaffen. baustufen, nach dem
Unter der Regierung des Grafen Philipp »Handstreichplan«, 1638.
II. von Hanau-Münzenberg begann der Fes- Grün: Burg 1234
tungsbaumeister Reinhard von Solms ab Blau: Stadtmauer bis 1470
1528 mit dem Bau einer modernen Anla- Lila: Festung ab 1528 bis
1615
ge und veränderte vor allem die am meis-
Orange: Neustadt ab 1597
ten gefährdete südliche Front. Diese war Gelb: ab 1631 durch
nicht wie die übrigen Seiten von der Kin- Schweden
zig umflossen und somit ein natürlicher
Schwachpunkt der Stadtverteidigung. gehend die erkennbaren Schwächen der Deutlich erkennbar ist das Rondell von
Vor die mittelalterliche Stadtmauer Anlage zu beseitigen und errichteten in den Kurtinen abgesetzt, ebenso gibt es
wurden drei Rondelle und zwei Eckbas- den einspringenden Winkeln der Tenail- keine Verbindung zwischen der Kapon-
tionen gesetzt sowie als weitere Befesti- len Vorwerke. Die im Westen Richtung Kin- niere und dem an dieser Stelle halbrund
gung rund um die Stadt herum ein nasser zig gelegene neue zweite Vorstadt wurde ausgeschnittenen Rondell, das somit voll-
Graben angelegt. Hinter dem mittleren ebenfalls befestigt und durch einen Brü- ständig von Wasser umgeben wird. Die
Rondell errichtete man ein Zeughaus, von ckenkopf jenseits der Kinzig samt der an anderer Stelle ermittelte Breite des
dem aus auch die Kaponniere zwischen Flussbrücke abgesichert. nassen Grabens betrug rund 30 m. Das
Kurtine und Rondell erreicht werden 1767 wurden die Befestigungen zwi- Zeughaus mit einer Innenfläche von
konnte. Die Arbeiten an der neuen Fes- schen Alt- und Neustadt beseitigt, ab 1806 26,5 × 27,2 m ist an Stelle des spätmittel-
tungsanlage dauerten bis etwa 1550 und ließ Napoleon die verfallenden Reste der alterlichen Tores bis auf eine Linie mit
wurden eingestellt, ohne Stadt und Burg Befestigungen größtenteils niederlegen der Westkurtine vorgebaut und ermög-
vollständig zu umfassen. Die Verlänge- und die Stadt somit völlig entfestigen. licht über eine Zugbrücke den Zugang
rung der Festungsbereiche östlich und zum Rondell sowie über eine Treppe zur
westliche der Altstadt und nördlich um Letzte Chance: die Archäologie Kaponniere. Hier ist vor allem die nach
das Stadtschloss herum, wurde erst gegen Da nach der Beseitigung der Anlagen kei- Osten gerichtete, gut erhaltene Doppel-
1614/15 errichtet, womit die Erneuerung ne obertägigen Bauteile mehr vorhanden maulscharte bemerkenswert.
der Befestigung abgeschlossen war. Durch sind, bieten archäologische Ausgrabun- Die Lage und Bauausführung zeigt
die Mischung der Bauweise von Rondellen gen eine letzte Chance, neue Erkenntnisse deutlich, dass dieses Gebäude Teil der
mit der moderneren, bastionären Befes- zu gewinnen. Eine derartige Gelegenheit Befestigung ist und nicht nur ein Lager-

26 AiD 5 | 2019 ü
gebäude. Auf dem sogenannten Metzger- Grabungsbild Übersicht: ne Reihe von unterschiedlichen Karten gang von der mittelalterlichen Befesti-
plan von 1665 ist rechts unten ein Flach- Am rechten unteren zeigt wie z. B. der Plan von Merian aus der gung zu moderneren Systemen in vielen
Bildrand ist blau mar-
dach mit umlaufender Mauer erkennbar, Topographia Hassiae von 1646. Auf den kleineren Schritten erfolgte, wobei ältere
kiert ein Turm des Stadt-
das möglicherweise mit Kanonen bestückt tores von 1470 zu sehen. Karten werden eine breite Erdbrücke und und neuere Bauformen auch zeitgleich er-
werden konnte. Der hierfür notwendige Darüber das Zeughaus nur geringe seitliche Einschnitte zwischen richtet wurden. Die Rondelle der in einem
stabile Unterbau spiegelt sich in den bei- sowie das frei vor der Kurtine und Rondell dargestellt, die bei- Zug errichteten Südfront unterscheiden
den Seitenmauern wider, bei denen jeweils Kaponniere stehende den Türme des spätmittelalterlichen Tors sich von älteren Anlagen durch ihre Los-
Zentrale Rondell (Lila).
drei Pfeiler auf der Innen- wie Außenseite sind noch vorhanden. Dass möglicher- lösung von der Kurtine und Verwendung
Ein Abwasserkanal aus
versetzt zueinander nachgewiesen wer- dem 18. Jh. zieht sich von weise ein älterer Bauzustand des Rondells einer Kaponniere und stellen somit be-
den konnten. links unten parallel zur zugrunde liegt, kann bezweifelt werden, reits eine deutliche Weiterentwicklung
Kurtine in Richtung Ron- die Ausgrabungsergebnisse geben keine dar. Ihre Eckbastionen sind bereits nach
dell.
Ausgrabung korrigiert Merian Hinweise auf Umbauten. neuester Form errichtet und bedeuten
Überraschenderweise zeigte sich, dass das Die Befestigung von Burg und Stadt einen weiteren Entwicklungssprung im
zentrale Rondell nicht wie auf den An- Hanau zeigt exemplarisch, wie der Über- Wehrbau der Stadt Hanau.
sichten dargestellt rund ausgeführt war,
sondern sich aus geraden, unterschiedlich
langen Teilabschnitten zusammensetzte,
somit also polygonal gebaut war. Die Län-
ge der Teilabschnitte schwankte zwischen
3 und 28 m. Die äußere als Sichtmauer-
werk ausgebildete Schale war zumindest
teilweise verputzt und zeigte möglicher-
weise Bänder im Wechsel von naturbe-
lassenen Bruchsteinen und verputzten
Bereichen. Die bossierten Basaltquader
hatten dabei die Maße 100 × 40 × 30 cm.
Während die Ausgrabungen den Plan
von J. Rumpf aus dem Jahr 1632 in allen er- Bossierte Basaltquader
kennbaren Details bestätigen, weichen ih- an der östlichen Rondell-
re Ergebnisse deutlich von dem ab, was ei- ecke.

ü
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Wesel – zwischen allen Stühlen


Im Gegensatz zu vielen anderen Städten sind bau erfolgte zwischen 1278 und 1370. Die zwischen 1688 und 1722 nach Plänen und
die Festungsanlagen von Wesel vielerorts Befestigung besaß sechs Tore, 16 Türme unter der Leitung von Charles du Puy
noch sichtbar. Leichter ist die archäologische und war rund 2,7 km lang. Im Westen der l‘Espinasse, S. R. Johann de Corbin und
Stadt bildete der Rhein die nasse Grenze. Jean de Bodt errichtet wurde. Auf Befehl
Erforschung deshalb trotzdem nicht.
In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde We- König Friedrich Wilhelm I. (1688– 1740)
sel zu einem strategischen Punkt heraus- wurde Wesel 1714 zur Festung ersten Ran-
ragender Bedeutung. Zwischen 1580 und ges. Den eigentlichen Befestigungsbau-
Von Thorsten Quenders und Claus Weber 1919 war die Stadt eine wichtige Festung ten wurde ein tief gestaffeltes System aus
mit Garnison für insgesamt acht Besat- Vorwerken vorgelagert. Die Fläche, die von

W
esel, seit dem Mittelalter bedeu- zungen und sechs verschiedene Staaten. den Wehrbauten eingenommen wurde,
tendes Handels- und Wirtschafts- Spanier, Niederländer, Franzosen und Preu- war etwa fünfmal größer als die mittel-
zentrum am Unteren Niederrhein, ßen waren am Ausbau, an Erweiterungen alterliche Stadt selbst.
war für rund 340 Jahre auch Festungs- und an der Instandhaltung beteiligt.
stadt. Dies bezeugen bis heute umfang- Vor allem während des Achtzigjährigen Mal Front gen Westen, mal gen Osten
reiche Befestigungsanlagen, die überall Krieges von 1568 bis 1648, dem spanisch- 1740 war die größte Ausdehnung der
im Stadtbild präsent sind. Die Stadt liegt niederländischen Religions- und Unab- Festungsanlagen erreicht. In diesem Jahr
zwischen Duisburg und Arnhem am rech- hängigkeitskrieg, wurde Wesel mehrfach wurde auf Befehl des preußischen Königs
ten Rheinufer. Hier kreuzen sich Wege besetzt. Die jeweiligen Besatzer bauten an Friedrich II. (1712– 1786) der weitere Aus-
nach Flandern, in die Niederlande, an die den Festungswerken und erweiterten so bau untersagt, woraufhin nur noch Maß-
Nordsee und nach Britannien, Fernwege, die Anlagen kontinuierlich. nahmen zur Erhaltung des Vorhandenen
die bis nach Russland, Frankreich, Süd- Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. stattfanden.
deutschland und über die Alpen bis nach (1620–1688) hatte den großzügigen Aus- 1806 zogen französische Truppen in
Italien reichen. Außenwerk der Zitadelle bau der Festung befohlen. Im Jahr 1681 be- die zuvor geräumte Festung ein. Sie wur-
Der Ort ist spätestens seit karolingi- mit Durchgangs- und gannen die Arbeiten nach den Systemen de nun als rechtsrheinischer Brückenkopf
Brückensituation (im
scher Zeit besiedelt. Die Landesherren, die der Festungsbaumeister Sébastien le Pres- zur Sicherung der Nordostgrenze des
Vordergrund) sowie Gra-
Klever Grafen, verliehen 1241 das Stadt- ben mit Eskarpe (links)
tre de Vauban (1633–1707) und Menno von französischen Reiches und des Rhein-
privileg. In der Folgezeit erhielt die Stadt und Kontereskarpe Coehoorn (1641–1704). Kurz darauf (1687) übergangs ausgebaut. Dazu wurde auf der
eine Befestigung. Ihr umfangreicher Aus- (niedrige Mauer rechts). wurde der Bau der Zitadelle befohlen, die Büdericher Insel die »Citadelle Bonapar-
te« errichtet. Auf dem linken Rheinufer
baute man die »Citadelle Napoléon«. Die-
ser Anlage mit vier Bastionen musste die
mittelalterliche Stadt Büderich weichen,
die seitdem in großen Teilen ungestört im
Boden erhalten geblieben ist. Wenig spä-
ter (1811) errichtete man in der Zitadelle
eine Garnisonsbäckerei, das einzige er-
haltene militärische Gebäude aus der
napoleonischen Zeit.
Mit der Übergabe der Festung am
6. Mai 1814 an preußische und russische
Truppen wurde Wesel schließlich wieder
preußisch. Die »Citadelle Napoléon« wur-
de in Fort Blücher umbenannt, die Aus-
richtung nach Westen gen Frankreich ge-
dreht und erweitert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. spiel-
te das Aufkommen der Eisenbahn eine
entscheidende militärische Rolle. Auch die
Festung Wesel wurde an das neu ge-
schaffene Bahnnetz angeschlossen und
erlangte so weitere Bedeutung als Garni-
sonsstandort und Militärdepot. Im Jahr
1856 war die Strecke von Oberhausen nach

28 AiD 5 | 2019 ü
Zitadelle

Berliner Tor

Altstadt

Willibrordi-Dom

Arnhem eröffnet worden, die südliche und sind vor allem abhängig von den Bau- Wesel im Jahr 1814. (heute Technische Hochschule Köln), Fach-
Strecke schützte das Fort Flam bzw. Lip- tätigkeiten in der Stadt und den Reaktio- Urheber des Plans bereich Architektur Denkmalpflege unter
anonym.
pefort. 1874 hatte man für die Bahnstre- nen seitens der Rheinischen Bodendenk- Professor Dr. Ing. Jürgen Eberhardt. In die
cke von Paris nach Hamburg die Rhein- malpflege, immer in Abhängigkeit von Deutsche Grundkarte passte man geore-
brücke nördlich der Stadt errichtet. Links- den Interessenlagen einzelner Mitarbeiter ferenziert historische Pläne von 1760 bzw.
rheinisch schützte das Fort I diesen Über- des Amtes. 1880 ein und ergänzte dies um die bis da-
gang. Weitere Forts sicherten die Strecken Nach Erlass des Denkmalschutzgeset- hin bekannten Grabungsergebnisse. Die-
nach Norden, das Fort Fusternberg die zes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1980 se Karten stellen ein wertvolles Instru-
Strecke nach Haltern und Hamburg. wurde zügig die Unterschutzstellung der ment für die Bewertung anstehender Vor-
1886 fasste die Reichsregierung den Festung als Bodendenkmal vorbereitet. Es haben dar.
Beschluss, die Festung Wesel aufzuheben. waren jedoch hauptsächlich Baustellen- Beispielhaft für die archäologischen
Es folgte die Schleifung zwischen 1889 beobachtungen, die zur Aufdeckung von Tätigkeiten seien vier Maßnahmen ge-
und 1895. Mit dem Vertrag von Versailles Mauerstücken und Grabenabschnitten der nannt: 1988 wurden im Zuge des Neubaus
1919 endete schließlich die Geschichte der diversen Festungswerke führten. Diese eines Altersheims am Willibrordi-Platz Ab-
Weseler Festung. Anschließend beseitig- wurden – mehr oder weniger – gründlich schnitte von Kurtine, Flanke und Farce der
te man die letzten noch erhaltenen Reste. dokumentiert. Schnell ergab sich die Er- Bastion Pommern aufgedeckt. In diesen
kenntnis, dass die Festungsanlagen im Mauern waren teilweise Stücke der mit-
Puzzle für Archäologen Untergrund in einem hervorragenden Zu- telalterlichen Stadtmauer verbaut. Die
Bislang wurden keine systematischen ar- stand erhalten waren. Fundamente integrierte man dergestalt
chäologischen Forschungen in den Fes- Die umfangreichste Zusammenstel- in den Neubau, dass die Außenseite der
tungsanlagen von Wesel vorgenommen. lung der archäologischen Untersuchun- Kurtine im Gebäude zu sehen ist, während
Die durchgeführten Maßnahmen waren gen erstellte die Fachhochschule Köln die übrigen Fundamente zugedeckt wur-

ü AiD 5 | 2019 29
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

legt ist. Die stratigrafischen Verhältnisse


geben einen Einblick in die Abläufe der Zi-
tadellengroßbaustelle. Eine Schicht, die
über etwa zwei Drittel der Gesamtunter-
suchungsfläche reichte, konnte als Vor-
bereitung des Baugrunds für die Außen-
werkerrichtung sowie Abdeckung des
Hornwerkgrabens angesprochen werden.
Es wurde zudem eine Vielzahl von Fahr-
spuren freigelegt, die eine Rekonstrukti-
on der Transportwege bei der Errichtung
des Außenwerks ermöglichen. Außerdem
konnte eine stufenweise Errichtung, Ver-
teilung der Erdmassen und Gestaltung
des Areals hinter der Eskarpe bzw. vor der
Kontereskarpe in den angelegten Plana
und Profilen deutlich nachvollzogen wer-
den. So lief an der Kreuzstraße der Aufbau
bzw. der Materialverteilungsprozess vor
dem Bau der Grabenmauern ab. Nach ei-
ner anzunehmenden Materialentnahme
und Lagerung vor Ort wurde der ausge-
den und nicht sichtbar erhalten blieben. zum Ausbauzustand im ersten Viertel des Der Torbau der Zitadelle baute Boden zunächst wieder herange-
Beim Bau eines weiteren Altersheims in 18. Jh. gehörte. Die Grabenmauern, Eskar- vom zentralen Waffen- schafft, aufgebaut und verdichtet. Erst
platz aus gesehen. Das
der Magermannstraße 1991 fanden sich pe und Kontereskarpe, konnten im Be- Berliner Tor (unten) ist dann errichtete man die Mauern, wobei
Reste eines Ravelins der Zitadelle. Die ge- reich der Bodeneingriffe bis auf Höhe der Teil der Festungsanlage. die Eskarpe in mehreren Etappen aufge-
samte Breite des Grabens inklusive der für das Vorhaben notwendigen Bausohle
Kontergarde konnte untersucht werden. freigestellt werden. Die unteren Bereiche
Auch hier gelang es, einige Mauerstücke – bei diesen massiv gemauerten Befesti-
nicht öffentlich sichtbar – zu erhalten. gungsteilen wurden nicht ergraben und
Die Rheinbrücke, die nach dem Zwei- sind als Bodendenkmal im Areal unterhalb
ten Weltkrieg als Provisorium errichtet der Tiefgarage verblieben. Eine Besonder-
worden war, musste Mitte der 2000er Jah- heit stellt eine freigelegte Durchgangssi-
re neu gebaut werden. In diesem Zusam- tuation dar, durch die man ehemals durch
menhang waren auch neue Zufahrtsstra- den vorgelagerten Befestigungsring zum
ßen erforderlich, die u. a. über das Fort Haupttor der Zitadelle gelangte.
Blücher auf der linken Rheinseite verlau- Dieser Weg war die Hauptverbindung
fen sollten. Zugleich waren die Deichan- der Zitadelle zur Stadt Wesel. Durch eine
lagen in diesem Bereich zu verlegen und einziehbare Holzbrücke, deren Auflager
zu erhöhen. Trotz des frühzeitigen Ein- Unterbrechungen in den Grabenmauern
satzes der Rheinischen Bodendenkmal- bildeten, wurde diese Verbindung in die
pflege konnten Eingriffe in Teile des Forts Stadt kontrolliert. An der Ost- und Süd-
nicht verhindert werden. So kamen bei grenze des Bauvorhabens ließ sich diese
den Bauarbeiten umfangreiche und gut Wegeführung in der Fortsetzung der Brü-
erhaltene Überreste von Mauern und Grä- cke auch archäologisch dokumentieren.
ben zutage. Die Dokumentation und teil- Zur Interpretation und Identifizierung die-
weise Umplanung hatte zusätzliche Kos- ser Befundlage konnte ein Plan herange-
ten zur Folge und erforderte einen er- zogen werden, in dem das Vorwerk mit der
heblichen Zeitaufwand. Letztlich sind Nummer 66 als »Contregarde de la Lu-
noch große Teile des Forts erhalten. nette 65« ausgewiesen ist.
Ein Bauvorhaben mit Tiefgarage wur- Neben den Befunden, die zur Zitadel-
de Ende 2018/ Anfang 2019 durch die le gehörten, wurde eine ältere Graben-
Archäologen Linnemann, Quenders und struktur der Weseler Stadtbefestigung an-
Partner baubegleitend betreut (Abb. S. 28). geschnitten. Es handelt sich um den Gra-
Die Baubefunde waren Teil der vorgela- ben eines Hornwerks, das auf der Südsei-
gerten Fortifikation der Zitadelle, ein Vor- te der Weseler Stadtbefestigung ansetzte
werk mit ausgemauertem Graben, das und seit dem zweiten Viertel des 17. Jh. be-

30 AiD 5 | 2019 ü
mauert wurde. Parallel zur Kontereskar- raum, umgeben weitere Gebäude, u. a. die Die Zitadelle mit Torbau
pe verlaufende Pfostenstellungen sind Garnisonsbäckerei aus napoleonischer von der Stadtseite aus

einer doppelten Palisadenreihe zuzu- Zeit. In einem Flügel des Gebäudes befin-
gesehen. Museum Vechta
VON DER BURG ZUR FESTUNG
rechnen, die ehemals im Vorfeld der Kon- det sich das LVR-Niederrheinmuseum, in
tereskarpe verlief. Sehr wahrscheinlich dem die Geschichte der Festung präsen-
existierten die beiden Palisaden zeitgleich tiert wird. Weitere Abschnitte der Außen-
Castrum Vechtense

und gehörten zu einem gedeckten Gang. werke der Zitadelle findet man am Da-
Die hier nur schlaglichtartig vorge- maschkeweg.
stellten Grabungsergebnisse sind nicht Von den Außenwerken gibt es vor al-
nur für die Stadt und Zitadelle Wesel von lem die Friedenskapelle »Zu den Heiligen
Bedeutung, sondern bieten auch darüber Engeln« von 1959 in der Fusternberger
Zitadellenpark

hinaus einen nicht zu unterschätzenden Straße, die noch erhalten ist. Der schiffs-
Beitrag zur Rekonstruktion und zum Ver- bugförmige Umriss der Kapelle ruht auf
ständnis neuzeitlichen Festungsbaus. den Fundamenten des ehemaligen Re-
duits des Forts Fusternberg. Das Lippe-
Museum im Zeughaus

Prägend: die preußische Zeit schlösschen in der Dinslakener Landstra-


Zu den in Wesel zu sehenden Festungs- ße steht auf den Fundamenten des Lippe-
anlagen gehört das Berliner Tor, das 1718– fort bzw. des Forts Flam. Im Bereich der
1722 nach Plänen des Berliner Hochbau- Eisenbahnbrücke sind weitere Teile der
meisters Jean de Bodt errichtet wurde. Es Umwehrung sichtbar, wenn auch schwer
bildet noch heute den Zugang zur Stadt zugänglich. Zitadelle 15, 49377 Vechta
vom Bahnhof aus. Das Fort Blücher auf der linken Rhein- Telefon: 04441 - 93090
Email: info@museum-vechta.de
Von der Zitadelle ist vor allem die seite ist trotz der erheblichen Einwirkun-
Öffnungszeiten:
stadtseitige Toranlage erhalten, erbaut gen noch immer mit Graben, Glacis und Museum im Zeughaus
1713 nach Plänen von Jean de Bodt. Sie wur- mehreren Kasernenbauten im Gelände Di. - So. 14.00 - 18.00 Uhr
Caféteria: So. 14.30 - 17.30 Uhr
de im Jahr 1823 erneuert. Rekonstruiert sichtbar. Das Fort I an der Eisenbahnbrü-
Castrum Vechtense
sind die Brückenzufahrt, Grabenanlage cke lässt in seiner nahezu vollständigen Sa. - So. 14.00 - 18.00 Uhr
sowie zwei Bastionen. Den zentralen Innen- Erhaltung die einstigen Dimensionen der www.museum-vechta.de
raum, heute ein vielbefahrener Verkehrs- Festungsanlagen erahnen.

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THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Die Schanz – Ingolstadt


Ingolstadt wurde, ausgebaut zur bayerischen tentum Bayern der einzige Ort von Be- reichen, nachvollziehen lässt. Nur noch
Landesfestung, einfach »Schanz« genannt – deutung, der nicht von feindlichen Trup- drei gemauerte und eine aus Erde errich-
Alteingesessene bezeichnen sich noch heute als pen eingenommen wurde. tete Bastei sind im Kern erhalten und im
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wur- heutigen Stadtbild sichtbar geblieben.
»Schanzer«. Was hat es mit der Schanz auf sich?
de die Festung unter Kurfürst Ferdinand Schon 1806, nur wenige Jahre nach der
Maria ausgebaut (1654–1662). Im archäo- Zerstörung, beschloss die Königlich Baye-
logischen Befund auf dem Gießereige- rische Staatsregierung, Ingolstadt wie-
Von Ruth Sandner und Gerd Riedel lände konnten hervorragend erhaltene der zur Hauptfestung auszubauen. Be-
hölzerne Substruktionen der Festungs- eindruckende Zeugnisse dieser Ausbau-

1
537 begannen die bayerischen Her- mauern, Gräben der erweiterten Festung phase lassen sich heute allenthalben im
zöge, die Stadt Ingolstadt wegen ih- und Reste der darüber spannenden Brü- modernen Stadtbild ablesen. Der Brü-
rer strategisch günstigen Lage an der ckenkonstruktionen dokumentiert wer- ckenkopf wurde zu einem eigenständigen
Donau zur stärksten Festung ihres Terri- den. Dazu gehören auch hölzerne Ein- Festungsteil ausgebaut, mit einem zen-
toriums auszubauen. Mit einer zirkularen bauten, die ehemals wohl zur Wasserhal- tralen Reduit und flankierenden Geschütz-
Form lehnte sich die Festung an die spät- tung der Festungsgräben der erweiter- türmen. Auf dem gegenüberliegenden
mittelalterliche Stadtbefestigung an. Die ten Bastionen dienten. Donauufer, im Bereich des Gießereige-
Ausgestaltung der Festung folgte den 1799 fiel die Festung kampflos in die ländes, blieben die Festungswerke des
Idealen der Fortifikationstheorie der ita- Hand französischer Truppen. In den Win- 19. Jh. teilweise noch obertägig erhalten.
lienischen Renaissance. Der Baumeister termonaten 1800/ 1801 wurden die Werke Doch bauvorgreifende archäologische Un-
Reinhard Graf Solms von Münzenberg ließ demoliert, was sich auch am archäologi- tersuchungen brachten auch dort unter-
einen Niederwall vor die spätmittelalter- schen Befund durch Planierungsschichten tägig noch im Aufgehenden bis zu 1,50 m
liche Stadtmauer legen. An strategisch oder Breschen im Mauerwerk, die bis in die hoch erhaltene Festungsreste mit zahl-
wichtigen Stellen positionierte er Bastio- untersten Fundamentbereiche hinunter- reichen baulichen Details zutage.
nen, die sich aus dem Wall in einen zwei-
ten vorgelagerten Graben erstreckten. Im Das Stadtmodell Jakob
Osten wurden die Donau-, später Esel- Sandtners von 1572 im
Stadtmuseum Ingol-
bastei, vor dem Neuen Schloss am Do-
stadt. Eselbastei und
nauufer und die Feldkirchner-Tor-Bastei Neues Schloss am
vor dem dortigen Stadtausgang errichtet. rechten Bild-
rand am Do-
Standhaft gegen Schweden, nauufer.

kampflos an die Franzosen


Die intensive Bautätigkeit in Ingolstadt
bringt es mit sich, dass bei bauvorgrei-
fenden archäologischen Untersuchungen
auch die in großen Teilen heute nur noch
untertägig erhaltenen Festungswerke un-
tersucht werden. Zu den genannten Bas-
teien zählen Ausgrabungen in der soge-
nannten Wunderlkasematte sowie in der
Kugel- und der Harderbastei. Am um-
fangreichsten sind die Ausgrabungen auf
einem ehemals industriell genutzten
Areal, dem sogenannten Gießereigelände
im Bereich der Eselbastei. Der Vergleich
mit dem Stadtmodell des Straubinger
Drechslermeisters Jakob Sandtner von
1572/73 erlaubt eine zweifelsfreie Identi-
fizierung dieses Bereichs. Im Jahr 1632
wurden von dort aus die schwedischen
Angreifer unter König Gustav II. Adolf be-
schossen. Ingolstadt hielt dem Angriff
stand und blieb im damaligen Kurfürs-

32 AiD 5 | 2019 ü
Bei den angetroffenen Bodendenk- Befund nachvollziehen: ergänzende Bau- Fundamente der Esel- war gezwungen, zur Friedensproduktion
mälern handelt es sich nicht immer um ten, der Einbau von Rampen oder der bastei und jüngerer An- überzugehen. Allerdings war die Gießerei
bauten der Barockzeit.
massive bauliche Strukturen. Zu den An- Durchbruch von Eingängen. leicht auf Spinnereimaschinen umzustel-
lagen des 19. Jh. zählen auch Erdbefunde, Besonders markant sind die archäolo- len, sodass 1922 schon eine Erweiterung
darunter Pflanzlöcher für Bäume zur Mas- gisch untersuchten Gebäudereste im ehe- von Fertigung und Gebäuden geplant
kierung der Stellungen. 1866 errichtete maligen Festungsgraben nahe der 1913 er- werden konnte. 1938 wurde die Festung
man einen Vorwerksgürtel in Holz-Erde- richteten Füllwerkstätte, in der Geschos- Ingolstadt zur offenen Stadt erklärt. Die
Bauweise. Der Bau der permanenten Forts se mit Pulver befüllt wurden. Dorthin war Stadt hat jedoch große Teile ihrer militä-
fand 1868 bis 1872 statt. Zwischen 1874 und im selben Jahr die Bleikugelwerkstätte rischen Infrastruktur bis heute behalten
1889 folgte die Errichtung des äußeren verlegt worden. Vom Schmelzhaus ist der und nutzt sie vor allem für Kultureinrich-
Gürtels mit weiteren neun Forts. Doch ab 9. Januar 1916 als Baubeginn überliefert. tungen und Behörden. In den weitläufigen
den 1880er Jahren ließ sich eine Verstär- Der Rüstungsproduktion zuzuordnen sind Anlagen siedelten sich zahlreiche Betrie-
Bei den Ausgrabungen
kung der Hauptumwallung nicht mehr die hier ausgegrabenen zahlreichen Blei- be an, allen voran der Autobauer Audi. So
auf dem Gießereigelän-
realisieren. Stattdessen baute man den kugeln mit 13 mm Durchmesser. Es wäre de geborgene Munition, wurde die Festung zur Grundlage der heu-
Fortgürtel aus und schloss mit Zwischen- naheliegend, aber noch abschließend zu darunter Schrapnell- tigen modernen Industriestadt.
werken die Lücken. klären, dass sie im als Steinbau errichte- kugeln aus der Produk-
tion während des Ersten
ten Schmelzhaus bei der Herstellung von
Weltkriegs, in der Aus-
Von der Landesfestung zum Schrapnellmunition entstanden. stellung »Die Schanz«
Industriestandort Die Verteidigungswerke konnten mit 2019 im Stadtmuseum
Die Festung Ingolstadt entwickelte sich ab den militärischen Entwicklungen nicht Ingolstadt.
1875 zum zentralen Produktionsort der mehr Schritt halten, die Bayerische Lan-
militäreigenen Rüstungsindustrie. Die desfestung verlor zunehmend an militä-
bayernweit verstreut liegenden Produk- rischer Bedeutung. Das Kriegsende 1918
tionen wurden im Festungsgürtel kon- betraf Ingolstadt sehr stark. Die
zentriert. Durch die veränderte Nutzung »Schanz« als bayerische
mancher Festungswerke, die im Armie- »Soldaten- und Rüs-
rungsfall der Militärverwaltung hätten zu- tungsmetro-
rückgegeben werden müssen, wurden pole«
bauliche Anpassungen durchgeführt. Im
Bereich der Fronte Raglovich lassen sich
die Veränderungen im archäologischen

ü
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Bollwerk der Christenheit – Wien


Fast 200 Jahre verlief die Grenze zwischen 17. Jh. ging man dazu über, zahlreiche Befestigung vermehrt in Angriff genom-
Habsburgern und Osmanen nur 150 km östlich Vorwerke (Ravelins) zu errichten. Das Pro- men. Sogenannte Rapportspläne des Ge-
von Wien. Modernste Befestigungen waren eine jekt war schließlich 1670 weitgehend niestabs aus den Jahren 1753 bis 1778 do-
abgeschlossen. Zusätzlich widmete man kumentieren das Bemühen. Demgegen-
Überlebensfrage – hohe Kosten und eklatante
sich dem Ausbau des äußeren Graben- über wurde das Glacis im Laufe des 18. Jh.
Raumnot der Preis. randes. Die Zickzack-Führung der Konte- fast zur Gänze der Öffentlichkeit zugäng-
reskarpe hatte einerseits eine verteidi- lich gemacht. Genutzt wurde der Bereich
gungstechnische Komponente und an- als Lagerstätte für Bauholz oder als Markt-
Von Ingrid Mader derseits wurde die Beengtheit im Graben platz.
beseitigt. Als Napoleon vor den Toren Wiens

A
m Ende des 12. Jh. wurde der Bau der Ab 1661 wurde die Donauseite mit zwei stand, spielten die Verteidigungswerke in
sogenannte Ringmauer um die neuen Bastionen gesichert. Mit entspre- Anbetracht der fortgeschrittenen Artille-
Stadt Wien veranlasst. Der Verlauf chendem Nachdruck forderte der Obrist rietechnik keine Rolle mehr. Deshalb wur-
ist im Großen und Ganzen aufgrund der der Stadtguardia, Annibale Gonzaga (1602– de im November 1805 die Stadt kampflos
Schriftquellen und der archäologischen 1668), dieses Projekt und setzte es auch übergeben; ein paar Jahre später (1809)
Nachweise rekonstruierbar. Die meisten um: Nach ihm sind die Kleine und Große zog er erneut in die Stadt ein. Als der Im-
Türme standen an der Donauseite, da der Gonzagabastion benannt. Damit war der perator Wien nach einigen Monaten wie-
Fluss ein wichtiger Transport- und Han- Ausbau zunächst abgeschlossen. Wien der verließ, ordnete er die Sprengung
delsweg war. Dies spiegelt sich auch in den konnte 1683 der Belagerung durch die mehrerer Teile der Befestigung an. In der
spätmittelalterlichen Bildquellen wieder, Osmanen standhalten. Eine wichtige Kon- Folge wurde unter Franz I. der Festungs-
die Wien zumeist vom Fluss her zeigen. sequenz aus jenen Kriegsgeschehnissen status der Stadt aufgehoben.
Die Erste Türkenbelagerung Wiens 1529 war das Einrichten von sprengbereiten Mi- Die eklatante Raumnot innerhalb der
war ein einschneidendes Ereignis, vor al- Die Befestigungen
nen unter dem Glacis. Stadtbefestigung bewirkte, dass man sich
lem in Hinblick auf die Stadtmauer. Wenig Wiens in der zweiten Erst nach der Mitte des 18. Jh. wurde die schon im frühen 19. Jh. über Stadterwei-
später wurde mit dem Bau einer neuen Be- Hälfte des 18. Jh. Modernisierung und Instandhaltung der terung, zunächst mit Belassen der Befes-
festigung begonnen, vorerst allerdings
hauptsächlich einige geböschte Bollwer-
ke vor die mittelalterliche Stadtmauer ge-
setzt. Eine Ausnahme bildet der soge-
nannte Spanier, der schon 1531 eine Zie-
gelverkleidung um den Erdkörper hatte.
Im Laufe des 16. Jh. entstand nach und
nach ein modernes bastionäres Befesti-
gungssystem. Kurz nach der Mitte des
Jahrhunderts wurden die meisten verbin-
denden Kurtinen gebaut, allerdings blie-
ben weiterhin Teile der mittelalterlichen
Stadtmauer bestehen.
Im Schriftverkehr zwischen Kaiser und
Stadträten spiegelt sich die prekäre fi-
nanzielle Situation wider. Wiederholt bit-
ten der Statthalter, die Kammerräte, die
Kriegsräte oder der Bausuperintendent
um Geldzuwendungen. Dieser immer-
währende Geldmangel bedingte, dass die
Baumaßnahmen mit dem Tod Kaiser Fer-
dinands I. (1564) weitgehend zum Still-
stand kamen.

Zickzack und Minen gegen den Feind


Entwicklungen in der Kriegstechnik be-
wirkten in der Folge beständig Ausbauar-
beiten an den Verteidigungswerken. Im

34 AiD 5 | 2019
ü
tigungswerke, Gedanken machte. Viele tiell besser zu dokumentieren. Seit dem Stammbaum der Baben- tionsface mit Resten von sechs Strebe-
namhafte Architekten der Zeit, z. B. Alois Beginn des 21. Jh. erfolgt die systemati- berger im Stift Kloster- mauern, Teile der rechten Geschützkase-
neuburg in Niederöster-
Pichl (1782– 1856) oder Ludwig Christian sierte archäologische Dokumentation der matte sowie infrastrukturelle Elemente
reich. Tafelbild mit
Förster (1797–1863), legten entsprechen- Befestigungsreste, vorwiegend von Seiten 27 Medaillons. Im Vor- der Eingangsebene in die Bastion. Noch
de Entwürfe vor. Diese Pläne kamen zum der Stadtarchäologie Wien. dergrund Friedrich II., heute sind dankenswerterweise unterhalb
Stillstand durch die Revolution im Jahr Einige Ausgrabungen in den letzten im Hintergrund Wien der Tiefgarage des Hauses der Europäi-
1848, vielmehr wurden weitere militäri- Jahren ermöglichten es, anhand der Be- von der Donauseite aus schen Union in der Wipplingerstraße 35
gesehen (1489– 1492).
sche Gebäude errichtet, um dem Feind funde und Funde Entwicklung und Ausbau Mauerreste der Elendbastion erhalten ge-
Antonio Bonfini (1427–
im Inneren entgegenwirken zu können. der Befestigungen eingehend zu studie- 1505), Hofchronist von blieben.
Schließlich ordnete Kaiser Franz Joseph I. ren, was sich in mehreren Aufsätzen und Matthias Corvinus, be- In der Neutorgasse, ebenfalls im ers-
im Dezember 1857 den Abbruch der Stadt- zwei Monografien niederschlug. schreibt die Schönheit, ten Bezirk, wurden 2008 bedeutende Res-
Größe der Stadt Wien
befestigung an. Im Zentrum Wiens, dem ersten Bezirk, te der benachbarten östlich von der Elend-
und lobt die Wehrhaftig-
wurden bei Grabungen in der Wipplin- keit der Stadt durch ihre
bastion gelegenen Neutorbastion doku-
Schwierige Spurensuche unter gerstraße 2005 und 2008 Reste der mit- bestehende Befesti- mentiert. Bauhistorische Untersuchungen
der Metropole telalterlichen Ringmauer und der vorge- gungsanlage. gaben Einsichten über die örtlich beding-
Baubeobachtungen und archäologische lagerten Zwingermauer dokumentiert. te Bauweise der Strebepfeiler und Basti-
Ausgrabungen in Bereichen, wo Reste der Zahlreiche außerhalb der Mauern gefun- onsmauern. Die Bastion lag zum Teil am
mittelalterlichen und neuzeitlichen Wie- den Hornzapfen sind zudem ein Indiz für Abhang des Geländes sowie in der Tal-
ner Stadtbefestigung anzutreffen waren, einen möglichen Gewerbebetrieb vor der sohle der Donau.
beginnen bereits knapp nach ihrer De- Stadt. Keramik und andere Funde aus Pla- Eine Besonderheit ist zweifelsohne das
molierung. In den meisten Fällen sind sie nierschichten bestätigen, dass das Areal Auffinden von Gräbchen mit partiellen
leider unzureichend dokumentiert. Im nach der Ersten Türkenbelagerung zer- Holzresten in der linken Flankenkase-
Laufe des 20. Jh. boten diverse Tiefbau- stört wurde und einige Zeit verwaist lag. matte. Die parallel laufenden Strukturen
projekte, z. B. der Einbau von Tiefgara- Etliche Jahrzehnte später wurde in diesem konnten als Holzbohlen einer Unterkon-
gen, der Stationsbau der U3 Stubentor so- Gebiet eine Bastion errichtet. Auf beiden struktion rekonstruiert werden, die zu ei-
wie die Beobachtung von Kanalkünetten Grundstücken sind Baustrukturen der nem Holzboden gehörte: Das erleichterte
Anlass, Abschnitte der mittelalterlichen Elendbastion (1558– 1561 erbaut) doku- in der Kasematte das Manövrieren des Ge-
und neuzeitlichen Stadtbefestigung par- mentiert worden: ein Teil der rechten Bas- schützes beim Laden.

ü AiD 5 | 2019 35
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

Festungen in 3D – Köln, Düsseldorf, Bonn


Archäologische Befunde frühneuzeitlicher führten, die Severinstorburg und den an- werden, das auf den Einsatz von mit
Festungen sind nicht leicht zu verstehen. schließenden Bereich der Stadtmauer in Schwarzpulver betriebenen Legerohren
Eine dreidimensionale Visualisierung am Richtung Rhein mehrfach zu modernisie- ausgerichtet war. Das genaue Aufmaß des
ren. Um 1468 errichtete man vor der Tor- im Sockelbereich erhaltenen Bollwerks
Computer ermöglicht anschauliche Rekons-
burg ein Bollwerk, das mit einem Zwinger ließ sich gut mit einer Bestandsdoku-
truktionen und hilft bei der Interpretation an die hochmittelalterliche Bausubstanz mentation aus der Zeit vor der Niederle-
der Grabungsergebnisse. angebunden war. Im 17. Jh. wurde diesem gung 1881 parallelisieren.
noch eine Bastion vorgelagert. Beim Bau Auf dieser Grundlage wurde am Com-
der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn konnten puter ein dreidimensionales Modell der
Von Guido von Büren und Andreas Kupka erhebliche Reste des Bollwerks freigelegt Gesamtsituation entwickelt, wobei in ei-

D
ass die rheinischen Großstädte
Köln, Bonn und Düsseldorf auch ei-
ne bewegte Geschichte als Fes-
tungsstädte im Spätmittelalter und in der
Frühen Neuzeit haben, fällt im Stadtbild
auf den ersten Blick kaum mehr auf. Düs-
seldorf verlor seinen tief gestaffelten Fes-
tungsring bereits durch eine planmäßige
Schleifung im Jahr 1801, in Bonn vollzog
3D-Rekonstruktion der
sich die Niederlegung der Wälle im 18. und
Situation der Kölner
19. Jh. als ein schleichender Prozess, wäh-
Stadtbefestigung an
rend Köln seinen inneren Verteidigungs- der Severinstorburg im
wall und den mittelalterlichen Bering 16. Jh.
weitgehend ab 1881 einbüßte. In allen drei
Fällen wurden in den vergangenen Jah-
ren infolge von Baumaßnahmen im Boden
erhaltene Überreste der Befestigungs-
anlagen angetroffen. Auf der Grundlage
einer fachgerechten Dokumentation
konnte mithilfe historischen Materials –
bestehend aus Plänen und schriftlichen
Quellen – jeweils eine Rekonstruktion als
virtuelles 3D-Modell in Zusammenarbeit
mit Architectura Virtualis, dem Koopera-
tionspartner der Technischen Universität
Darmstadt, entwickelt werden.

Reprästentativ:
Severinstorburg in Köln
Die erhaltene doppeltürmige Severins-
torburg ist ein beeindruckendes Zeugnis
der hochmittelalterlichen Stadtmauer von
Köln. Das Tor markiert den wichtigen süd-
lichen Zugang in die freie Reichsstadt
Köln. Denn durch eben dieses Tor musste
der Erzbischof und Kurfürst von Köln, der
selber nicht in der Stadt residieren durfte,
in das Zentrum seiner kirchlichen Herr-
Die bastionäre Nord-
schaft einziehen.
front der Stadt Bonn in
Neben dem Wunsch nach städtischer der zweiten Hälfte des
Repräsentation gegenüber dem Bischof 17. Jh. in der 3D-Rekons-
waren es strategische Gründe, die dazu truktion.

36 AiD 5 | 2019 ü
nem nächsten Schritt die verschiedenen deren wechselnde Verbündete: der Kai- Blick über die Maximilian- schleift worden waren, freigelegt. Die um-
Bauzustände vom späten 15. bis ins 17. Jh. ser und der König von Frankreich. bastion der barocken fassende Befunddokumentation erfolgte
Bonner Stadtbefestigung
hinein rekonstruiert wurden. Damit kann Die strategische Bedeutung Bonns war unter anderem mit einem 3D-Scan des
in der 3D-Rekonstruktion.
auch dem interessierten Laien die Ent- davon geprägt, dass die Stadt am Über- Mauerzuges. Ein kleiner Teil des Mauer-
wicklung der Stadtbefestigung Kölns vom gang von der hügeligen Mittelgebirgszone werks konnte in der Tiefgarage des Neu-
Mittelalter über erste Anpassungen an den des Mittelrheins zum weitgehend flachen baus erhalten werden.
Einsatz von Feuerwaffen am Ende des Niederrhein liegt. Sie bildete damit ein Um nun diesen Befund nachvollzieh-
15. Jh., weitere bauliche Überarbeitungen Scharnier zwischen zwei Regionen, die auf bar zu machen, wurde eine virtuelle Re-
an Bollwerk und Stadtmauer im 16. Jh. und eine durchaus unterschiedliche Befesti- konstruktion des nördlichen Abschnitts
schließlich die Anlage einer vorgelagerten gungstradition zurückblicken konnten. der Bonner Stadtbefestigung der Frühen
bastionären Befestigung erläutert werden. Das Ende der Festung Bonn wurde be- Neuzeit vorgenommen. Der archäologi-
reits mit der Beendigung des Spanischen sche Befund wurde dafür in einen histori-
Lavieren zwischen deutschem Kaiser Erbfolgekrieges 1714 eingeläutet. Tat- schen Plan eingehängt. Mithilfe eines zeit-
und Frankreich: Heinrichbastion in Bonn sächlich aber zog sich der Abriss der ein- genössischen Schnittes durch den Wall
Die Stadt Bonn war seit dem Hochmittel- zelnen Wallabschnitte bis weit ins 20. Jh. wurde das Profil rekonstruiert. Aus dem
alter eine wichtige Residenzstadt der Kur- hin und blieb letztlich unvollständig. Das historischen Planmaterial heraus ergaben
fürsten und Erzbischöfe von Köln. Nach gilt vor allem für die Nordfront, wo Teile sich bei der 3D-Rekonstruktion auch De-
ersten Ansätzen zu einer Modernisierung des Walls bis heute erhalten blieben. Wäh- tailfragen im Hinblick etwa auf historische
des mittelalterlichen Stadtmauerberings rend der westliche Teil der Heinrichbasti- Wegeführungen. So stößt beispielsweise
im 16. Jh., erfolgte erst im Laufe des 17. Jh. on im geziegelten, mit Trachyt durchsetz- der Wall der an der nordwestlichen Ecke
ein schrittweiser Ausbau der Verteidi- ten unteren Bereich obertägig noch vor- der Stadtbefestigung liegenden ehema-
gungsanlagen mit Wällen und Bastionen, handen ist – es fehlt heute der aus Erde ligen Bastion Maximilian unmittelbar an
wobei die mittelalterliche Stadtmauer aufgeschüttete Oberwall – wurde der öst- die Eskarpenmauer des mittelalterlichen
weitgehend erhalten blieb. Die Nordfront liche Teil der Bastion im 19. und 20. Jh. Stadtgrabens. Diese Situation war eigent-
der Stadt wurde dabei mit drei Bastionen überbaut. Als man um das Jahr 2010 mit lich nur mit einem gemauerten Wall-
und vorgelagerten Verteidigungswerken der Errichtung eines Neubaus an dieser durchgang zu lösen. In der virtuellen Re-
ab 1665 verstärkt. Treibende Kraft hierbei Stelle begann, wurden entsprechende konstruktion wurde dies dann so umge-
waren weniger die Stadtherren selbst als Reste der Bastionsmauer, die nicht ge- setzt. Von der Maximilian-Bastion gibt es

ü AiD 5 | 2019 37
THEMA Bollwerke, Bastionen und Bombarden

aus der Zeit um 1725 eine skizzenhafte An-


sicht. In der Überblendung mit der virtu-
ellen Rekonstruktion zeigte sich, dass hier,
was auf den ersten Blick nicht auffällt,
ein solcher Walldurchgang wiedergege-
ben ist. Insoweit ist die 3D-Rekonstrukti-
on bauhistorischer Details tatsächlich ge-
eignet, komplexe Situationen zu erklären.
Das gilt auch für den Befund einer kleinen
Kammer mit Ausgang zum Graben vor der
Bastion Heinrich, der bei den archäologi-
schen Untersuchungen des östlichen Wall-
abschnitts gemacht wurde. Mithilfe schrift-
licher Quellen ließ sich hier eine Ausfall-
pforte der Verteidiger rekonstruieren, die
im Schutz eines Walles im Graben – einer
sogenannten Grabenschere (Tenaille) – an
dieser Stelle unbeobachtet vom Angreifer
einen Ausfall vorbereiten konnten.

Auferstanden im ArcheoPoint:
Düsseldorf
Ein archäologischer Schauraum im neu
entstandenen U-Bahnhof Heinrich-Heine- Rekonstruktion der belassen konnte, beschloss man, Ab- Entwicklung der bastionären Stadtbefes-
Allee der Landeshauptstadt Düsseldorf frühneuzeitlichen Stadt- schnitte der Flinger Bastion aus dem 16. Jh. tigung von 1538 bis 1801 eine 3D-Film-Ani-
befestigung von Bonn
informiert über die Festungsvergangen- und der Flinger Kontergarde aus dem mation, welche die Befunde der im Rah-
im Bereich der Heinich-
heit der ehemaligen Festungs- und Resi- bastion mit Überblen- 18. Jh. zu bergen und als Originalexpona- men der beiden Großbauprojekte gewon-
denzstadt. Im sogenannten »Archeo- dung des archäologi- te im »ArcheoPoint« wiederaufzubauen. nenen archäologischen Ergebnisse be-
Point« werden die Ergebnisse der archäo- schen Befundes im Herkunft und Funktion der allein in ihrer rücksichtigt. Der Film basiert auf histo-
logischen Untersuchungen erlebbar, die 3D-Scan. Massigkeit schon beeindruckenden Fes- rischen Abbildungen (Plänen, Zeichnun-
im Rahmen des Baus der neuen Stadt- tungselemente werden durch einen 3D- gen, Gemälden), archäologischen Ergeb-
bahnlinie »Wehrhahn-Linie« und einer Animationsfilm und instruktive Schrift- nissen und dem aktuellen, historischen
umfassenden städtebaulichen Neuord- tafeln vermittelt. Die Präsentation infor- (Rest-)Baubestand in Düsseldorf.
nung des »Kö-Bogen« durchgeführt wur- miert den Besucher, der von einer ver-
den. Das Hauptaugenmerk der Boden- glasten Empore auf das Szenario des
denkmalpflege galt dabei den bedeuten- »ArcheoPoint« blicken kann, über die ar-
den Befestigungsanlagen des 16. bis 18. Jh. chäologischen Maßnahmen im denkmal-
Die erste Stadtbefestigung Düsseldorfs geschützten Bereich der Landeshaupt-
mit einer Steinmauer stammt aus dem stadt. Im Mittelpunkt des »ArcheoPoint«
13. Jh. Die umfangreichsten Arbeiten zum stehen Originalteile der massiven Fes-
Neubau einer modernen Wehranlage fan- tungsanlagen, deren Bergung und Trans-
den seit dem 16. Jh. statt. Die Düsseldor- lozierung von Beginn an vorgesehen war.
fer Stadtbefestigung erfuhr einen damals Ab 2007 wurden dann die beginnen-
modernen »bastionären« Ausbau, der in den Erdarbeiten in enger Zusammenar-
den folgenden Jahrhunderten in mehre- beit zwischen Stadtverwaltung, LVR-Amt
ren Phasen fortgesetzt wurde und das für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Stadtgebiet erheblich vergrößerte. und Mitarbeitern der archäologischen
Angesichts der geplanten Errichtung Fachfirmen durch die entsprechende Un-
unterirdischer Bahnhöfe, mehrerer Stra- tersuchung und Dokumentation der auf-
ßentunnels und eines 90 000 m2 großen tretenden Festungsreste vorbereitet bzw.
Gebäudekomplexes mit bis zu 30 m tiefen begleitet. Für die Ausgestaltung des »Ar-
Baugruben war klar, dass Reste der Stadt- cheoPoint« wurden dabei Blausteinblöcke
befestigung trotz ihrer Bedeutung kaum der Flinger Bastion sowie massive Mauer-
zu erhalten sein würden. Da man die Bo- segmente der Flinger Kontergarde ge-
dendenkmäler nicht – dem Ziel des nord- borgen und zwischengelagert. In Zusam-
rhein-westfälischen Denkmalschutzge- menarbeit mit der Firma Architectura
setzes entsprechend – an Ort und Stelle Virtualis entstand zur Visualisierung der

38 AiD 5 | 2019 ü
Der vollständige, etwa zehn Minuten Von der Rekonstruktion zum Film
Virtuelle Festungen im Netz
dauernde Film wird dort auf einem Bild- Die aufwendig erarbeiteten Virtualisie-
Unter www.architectura-virtualis.de findet
schirm in einer Dauerschleife gezeigt. Er rungen von Teilen der frühneuzeitlichen
man im Reiter »3D Rekonstruktionen« ne-
ist gezielt auf den einzelnen Besucher Stadtbefestigungen von Köln, Bonn und ben vielen anderen bedeutenden Bauwer-
konzipiert worden, der für kurze Zeit im Düsseldorf bildeten die Grundlage für kur- ken auch die besprochenen Festungen ein-
»ArcheoPoint« verweilt. Durch die Vogel- ze didaktische Filme. Diese sind bisher vor schließlich der im Beitrag erwähnten Film-
ausschnitte.
perspektive werden die Entwicklungssta- allem im musealen Kontext zum Einsatz
dien der Düsseldorfer Stadtbefestigung gekommen, z. B. in Sonderausstellungen
von 1538 bis 1801 deutlich. Die wichtigs- im LVR-LandesMuseum Bonn oder im Rö- alisierungen basieren. Zudem wird nicht
ten Grundlagen und Begriffe der bastio- misch-Germanischen Museum Köln. In nur die baugeschichtliche Entwicklung er-
nären Befestigung werden erläutert und den Filmen, von denen Ausschnitte online läutert, sondern auch die Funktionsweise
helfen dem Besucher so, in Ergänzung zu abrufbar sind (s. Kasten), werden die Re- der Verteidigungsanlagen im Hinblick auf
den Schrifttafeln, den historischen Kon- konstruktionen vorgestellt und erläutert. Angriff und Verteidigung dargestellt. Die
text der gezeigten Großexponate besser Dabei werden jeweils auch die Quellen Gestaltung der Modelle ist dabei bewusst
zu verstehen. transparent gemacht, auf denen die Visu- nicht hyperrealistisch, wie es mit ent-
sprechenden Computerprogrammen leicht
Ostseite der Düsseldor- möglich gewesen wäre, um den wissen-
fer Stadtbefestigung im schaftlichen Hintergrund und Anspruch
18. Jh., Screenshot aus
der Rekonstruktionen zu unterstreichen.
dem 3D-Film.
Die didaktische Aufbereitung arbeitet mit
Überblendungen und kurzen textlichen
Erläuterungen, vermeidet aber den Ein-
satz von Effekten, die den Betrachter über-
wältigen. Auch wenn sie mit den moder-
nen Möglichkeiten der Computersimula-
tion geschaffen sind, wirken die Rekon-
struktionen und Visualisierungen damit
ein Stück weit zeitlos.

Digitales Geländemodell
des Hauptfeldwerks Nr. 132
im Süden von Ingolstadt

DIE SCHANZ
NEUES AUS DER ALTEN FESTUNG
9. APRIL BIS 6. OKTOBER 2019
AUSSTELLUNG IM
STADTMUSEUM INGOLSTADT
Auf der Schanz 45, 85049 Ingolstadt
Di-Fr 9-17 Uhr • Sa/So 10-17 Uhr
Digitale Rekonstruktion
der Brücke zwischen
Flinger Ravelin und Ost-
kurtine der Düsseldorfer
Stadtbefestigung mit
Enblendung des archäo-
logischen Befundes
(grau).

ü AiD 5 | 2019 39
Europa Sardinien in der Bronzezeit

Die steinernen Wohntürme von Arrubiu


Während der Bronzezeit entstanden auf Sardinien charakteristische
Steinbauten: Nuraghen. Bis heute wird die Insel von den turmartigen
Anlagen geprägt; man schätzt die Anzahl auf 8000 bis 10 000. Unsere
O
Autoren berichten über ihre Ausgrabungen in Arrubiu, dem größten
Nuraghen-Komplex Sardiniens.

P X2
G
Von Fulvia Lo Schiavo und Mario Perra
F
X1 N

N
uraghen sind typische Bauten aus mit neuen Ausgrabungen, die bis heute an‐ A
Stein, die in der Bronzezeit auf Sar‐ dauern und über die im Folgenden be‐ K2
dinien errichtet wurden. Dabei un‐ richtet wird. C
terscheidet man die ältere Bonannaro‐Kul‐ B
E
tur (2200– 1600 v. Chr.) und die jüngere Bronzezeitlicher Bergfried H U
Nuraghen‐Kultur (1600– 400 v. Chr.). Die mit Wasserversorgung
D K1
Gebäude sind trocken aufgemauert und Der fünfeckige Innenhof im Zentrum misst
haben eine begehbare Plattform – eine von Osten nach Westen 9,9 m und von Nor‐ M
Y
Art Dachterrasse. Häufig wird das höchs‐ den nach Süden 6,8 m. Ein Durchgang in I
te zentrale Gebäude von kleineren Eck‐ der Vormauer führt zum Hauptturm. Nach L
türmen umgeben. Unter tholosartigen Ge‐ rechts öffnet sich der monumentale Trep‐
wölben mit Nischen, Gängen und spiral‐ penaufgang, über den man auf die Mauer‐ T
förmigen Treppen erstrecken sich hinter krone der Befestigung gelangt. Es folgen
dicken Mauern die Innenräume. die Eingänge zum Turm E und zu einem
Q
V S
Arrubiu ist der größte Nuraghen‐Kom‐ Korridor, der zu Turm F führt. Nach links
R
plex Sardiniens und liegt bei Orroli in der geht es zu den Türmen D und C. Der In‐
Provinz »Sud Sardegna«. Um einen zen‐ nenhof war mit Versturz verfüllt, auf dem
tralen Turm (A) gruppieren sich fünf klei‐ in ca. 9 m Höhe in römischer Zeit die er‐
nere (C–G), die durch mächtige Mauern wähnte Weinkelter betrieben wurde. Kern der Anlage mit Der gesamte Innenhof wurde von ei‐
verbunden sind und einen Innenhof (B) Turm A im Zentrum und nem künstlichen Kanal durchzogen, der
den fünf kleineren Tür-
bilden. An diesen Kern schließt eine Mau‐ 1,5 m tief und 25 bis 60 cm breit war: Man
men C bis G, Zugang
er mit sieben Türmen an (E–P), während über Innenhof B. Um den hatte hier natürliche Spalten im Basalt
besonders sehenswerte
die Südseite durch eine weitere Reihe von Nuraghen Albucciu Kern ein zweiter Ring künstlich erweitert und vertieft, um das
vier Türmen (Q–T) und dazwischenlie‐ Cabu mit sieben Türmen, an Regenwasser auffangen zu können. Über
La Prisgiona
Abbas den Ecken L und U. Auf
genden Mauern verstärkt wird: Insgesamt Izzana dem Kanal wurde in der rechten Hälfte des
Olbia der Südseite eine weite-
zählt die Anlage 22 Türme. Westlich des Hofs ein Brunnen errichtet, in der sich das
Sassari
re Befestigung mit Tür-
Komplexes befanden sich drei Hütten: ei‐ men: Q bis T. Wasser aus dem Kanal sammelte. Kanal
Front’e Mola
ne zentrale mit rechteckigem und zwei mit Alghero
und Brunnen sind gleichzeitig mit dem Ge‐
Santu Antine
kreisförmigem Grundriss. samtkomplex am Ende des 14. Jh. v. Chr.
Arrubiu stürzte am Ende der Bronzezeit Seneghe Nuoro angelegt worden.
Madrone
im 10./ 9. Jh. v. Chr. ein und blieb lange Zeit Die Mauer des zentralen Hauptturms
Losa
eine Ruine. Doch in der römischen Epo‐ ist nicht ganz so mächtig und regelmäßi‐
Tortoli
che wurde die Anlage vom 2. Jh. v. Chr bis Oristano Friarosu ger als jene der umliegenden Befestigung
Ardasai
zum 5. Jh. n. Chr. wieder benutzt: Über dem Brunku Madagui mit den übrigen Türmen. Der Durchgang
Su Nuraxi Is Paras
Versturz im Innenhof richtete man damals Genna Maria Arrubiu ist 3,4 m lang und 1 m breit und erweitert
einen Raum ein, in dem Wein gekeltert Guspini Su Mulinu sich auf der rechten Seite zu einer ge‐
wurde, das Gleiche geschah vor dem Ein‐ pflasterten Nische. Eine Seite der Außen‐
Iglesias Asoru
gang zum Kerngebäude im östlichen Hof K. mauer stürzte ein. Trotz dieser Zerstörung
Carbonia Cagliari
Die erste Grabung führten Fulvia Lo ist nach wie vor der Tholos bzw. das fal‐
Antigori Sehenswerte Nuraghen
Schiavo und Mario Sanges 1981/82 durch. 0 10 20 30 40 50 km auf Sardinien. Arrubiu
sche Gewölbe des Turms vollständig er‐
In den folgenden Jahren wurde der Bau liegt im Süden der Insel halten. Das Gewölbe reicht fast 11 m in die
restauriert. 2012 begannen die Autoren bei Orroli. Höhe und ist etwa 5 m breit. Drei Nischen

40 AiD 5 | 2019 ü
öffnen sich jeweils zu beiden Seiten. Die Den Hauptturm hatte man gleichzeitig Arrubiu ist die größte Vier Öffnungen auf der linken Seite sind
Ausgrabung enthüllte Einzelheiten der mit der gesamten Befestigung im späten Nuraghe Sardiniens und mit kleinen Steinen und tonhaltiger Erde
noch bis zu 14 m hoch er-
Bautechnik: Alles wurde trocken gemau‐ 14. Jh. v. Chr. errichtet. Am Ende der Bron‐ verschlossen. Nach oben verjüngt sich der
halten. Insgesamt hatte
ert, Schnitte im Felsen sind Spuren, die zezeit bzw. Beginn der Eisenzeit wurde die der Bau einst 22 Türme. Raum zu einem falschen Gewölbe und nur
zurückblieben, als vor Ort Blöcke für den Anlage verlassen (10.–9. Jh. v. Chr.). Der der oberste Bereich ist eingestürzt. Die Hö‐
Bau herausgearbeitet wurden. Mit Steinen, Hauptturm war wahrscheinlich – wie alle he beträgt innen noch etwa 6 m. Vor den
auf denen eine Schicht Tonerde aufgetra‐ komplexer gebauten Nuraghen – viel höher schießschartenartigen Öffnungen erstreckt
gen wurde, hatte man eine ebene Oberflä‐ als die übrige Befestigung, vermutlich bis sich ein 3 m langes und 1 m breites Pflas‐
che hergestellt. Auf diesem Boden spielte zu 27 m. Heute erreicht er immerhin 14 m ter aus Steinplatten.
sich das tägliche Leben ab. Zwischen der Höhe – im ersten Stock ist noch ein Teil der Die Grabungen erlauben eine Datierung
zentralen und der rechtseitigen Nische Kammer von 4 m Durchmesser erhalten, des Turms C in die mittlere Bronzezeit (En‐
lag eine große Feuerstelle, deren Asche über der wohl noch eine weitere Kammer de 15. bis erste Hälfte 14. Jh. v. Chr.) bis in
von der Wand bis zur Mitte der Kammer im zweiten Stock und schließlich auf dem die späte Bronzezeit (13. Jh. v. Chr.). Im
reichte. Dach eine Terrasse kam. Ein kleiner über‐ Turm wurde gebacken und gekocht, wie
Irgendwann wurde ein Loch genau in kuppelter Raum öffnet sich in ca. 8 m Hö‐ Mahlsteine für Getreide in verschiedenen
der Mitte der Kammer gegraben und ein he, scheinbar um das Mauerwerk am Punkt Größen, Töpfe mit Nahrungsresten und
Tongefäß hineingestellt. Möglicherweise der größten Mächtigkeit zu entlasten. verbranntes Fladenbrot bezeugen.
war es mit Flüssigkeit gefüllt, die durch Auf der linken Seite des Hofs öffnet sich Turm D diente in der späten Bronzezeit
Risse langsam in das Erdreich eindrang – der Zugang zum Turm C der Befestigung. ebenfalls als Küche. Es fanden sich Mahl‐
wahrscheinlich als versöhnende Opferga‐ Sein Innenraum ist kreisförmig mit zwei steine und Stößel, ein Dolch, eine Goldper‐
be an die Gottheiten. Wenig später wurden großen rechteckigen Nischen beidseits des le, Weizen, Gerste, Eicheln, Kerne von Oli‐
die Kammer und der gesamte Komplex Eingangs. Das Mauerwerk hat zehn schieß‐ ven, Trauben und Pflaumen, verkohltes
verlassen und unter eingestürztem Mate‐ schartenartige Öffnungen, die mithilfe ko‐ Brot sowie Knochen von Schwein, Rind,
rial begraben. lossaler Steinblöcke ausgespart wurden. Ziege, Schaf, wildem Eber und Hirsch. Ka‐

ü AiD 5 | 2019 41
Europa Sardinien in der Bronzezeit

librierte 14C‐Daten fallen in die Zeit von Vom zentralen Innen- Münzen aus der Zeit des 5. Jh. n. Chr., als Grundriss schwer zu rekonstruieren ist.
1132 bis 1003 v. Chr. In einer älteren Schicht hof gelangt man in die Wandalen kamen. Zum Beispiel sind Fragmente von Krag‐
den Hauptturm und
des 13. Jh. v. Chr. wurden eine Sichel aus Von einer weiteren runden Hütte mit steinen zur Errichtung einer niedrigen
über Gänge in den
Obsidian, Tafelgeschirr und das Fragment dicken Mauern zu den
8 m Durchmesser und etwas über 1 m di‐ Bank benutzt wurden, die sowohl die In‐
eines ägäischen Gefäßes gefunden, mögli‐ fünf kleineren Türmen. cken Mauern ist nicht viel übrig geblie‐ nen‐ als auch die Außenwand der Mauer
cherweise auch nur eines einheimischen ben. Eine dritte Hütte hatte einen unre‐ rechts vom Eingang säumen. Hier wurde
Imitats. gelmäßigen Umriss mit Seitenlängen von eine frühchristliche Öllampe aus Ton ge‐
10,5 m bzw. 10,75 m. Der Eingang lag ge‐ funden. In der nordwestlichen Ecke des
Leben vor dem Turm genüber der Vormauer der Nuraghe. Das Raumes, auf der Ebene des Felsgesteins,
Auf der Westseite der Nuraghe lag eine Innere war durch zwei kurze Quermau‐ hatte man auf einer Steinplatte von ca.
runde Hütte von 10 m Durchmesser, deren ern und eine Längsmauer unterteilt; Letz‐ 85 cm Durchmesser eine Feuerstelle be‐
Mauern zwischen 1,1 m und 1,75 m dick tere bildete einen schmalen Raum von trieben. Das gesamte Gebäude wird res‐
waren. Diese Dimensionen und die expo‐ 10,75 m Länge und 1,1 m Breite. Die Mau‐ tauriert. Es datiert in spätrömische Zeit.
nierte Lage sprechen für eine hervorge‐ ern sind schlecht gesetzt und bestehen aus Etwa 200 m von der Nuraghe entfernt
hobene Funktion, wahrscheinlich die eines unterschiedlichem Material, weshalb der wurde das sogenannte Schwertgrab ent‐
Versammlungsraumes analog zu ähnli‐
chen Strukturen bei anderen Nuraghen.
Außer dem Fundament und wenigen Blö‐
cken des Mauerwerks, die vielleicht Teile
einer kreisförmigen niedrigen Bank längs
der Innenwände waren, ist jedoch nichts
von dem antiken Gebäude übrig geblieben.
In spätrömischer Zeit und im Frühmittel‐
alter wurde der Raum wieder benutzt: Zu
dieser zweiten Nutzungsphase gehört eine
erhöhte Bank aus abgerundeten Basalt‐
blöcken, Grauschieferplatten und großen
Flachziegeln. Einer dieser Ziegel hat eine
mit Tremololinien verzierte Oberfläche.
Links davon findet sich eine Zone mit ge‐
brannter Tonerde, wahrscheinlich der
Rest einer Feuerstelle. In diesem Teil der
Der Turm im Zentrum
Hütte sind Dachziegel gefunden worden der Nuraghe war ur-
sowie Fragmente vieler Gefäße, ein Web‐ sprünglich etwa 27 m
stuhlgewicht und ein kleiner »Schatz« von hoch.

42 AiD 5 | 2019 ü
34 Jahre Archäologie & Reisen
Reisen Herbst 2019

© J. Apel-geokulturzeit

Vom Taunus in den Vogelsberg


Auf den Spuren der Kelten und Römer
Reiseleitung: Heidi Rüppel
Reisetermin: 09.10. - 13.10.2019
ab EUR 1.180,-- webcode 22466

Die Guanchen von Gran Canaria


Archäologisch-geografische Reise
Reiseleitung: Götz Dietrich Knosp
Reisetermin: 25.10. – 01.11.2019
ab EUR 2.260,-- webcode 33440

Ausstellungsreise Magdeburg,
Quedlinburg und Pömmelte –
Archäologisches Wochenende
deckt, das von der römischen Zeit bis in die Eine rechteckige Wanne aus Kalkstein Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
Reisetermine:
1950er‐Jahre wiederholt beraubt wurde. mit einem großen Kanal für den Abfluss lag
Antikes Modell einer 07.11. – 10.11.19 + 21.11. – 24.11.19
Es ist aus gleichförmigen Quadern gemau‐ über einer zweiten, kleineren, zum Teil ab EUR 775,-- webcode 31695
Nuraghe aus Bronze,
ert mit einem 1 m breiten Korridor und Ba‐ vergrabenen Wanne: Hier wurden wahr‐
gefunden im bronzezeit-
saltboden. Im Grab wurden spätbronze‐ scheinlich Weintrauben gepresst. Daneben lichen heiligen Brunnen Vorschau 2020
zeitliche Keramik, Fragmente eines Votiv‐ finden sich ein Gegengewicht und die Un‐ von Camposanto, Olme- Archäologischer Frühling auf
schwertes, Hirschgeweih, Bronzeblech‐ terlage der Traubenpresse aus Basalt so‐ do, Sassari. Unten Kanä- Menorca: Taula, Talayot und Naveta
le und Trichter vom Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
fragmente, etwa 300 Perlen aus Glas, wie mehrere Steinbehälter verschiedener
Guss – das Modell wurde Termin: 04.04. – 11.04.20
Knochen und Fayence und menschliche Formen und Dimensionen. In einer Ecke, auf dem Kopf stehend
Knochen gefunden, die von mehreren In‐ zwischen Trennmauer und Turmwand, be‐ gegossen. Insel Archäologie auf Rügen
dividuen beider Geschlechter stammen. findet sich eine unregelmäßig kreisför‐ Reiseleitung: Petra Härtl
Untersuchungen an einer Schale und einer mige Steinplatte für eine Feuerstelle. Auch Termin: 26.04. – 02.05.20
Olla ergaben Spuren von Weißwein, der Keramikgefäße, die während der Ausgra‐ Eiszeithöhlen in Baden-Württemberg
vermutlich als Opfergabe diente. bung gefunden wurden, wie Weinampho‐ Unesco-Weltkulturerbe
ren für den Transport, Gefäße mit Kanü‐ Reiseleitung: Petra Härtl
Römische Winzer in der Nuraghe? len und Ausgüssen und Trinkgläser, be‐ Termin: 15.05. – 21.05.20
Über den verstürzten Massen des Haupt‐ zeugen Aktivitäten, die mit Wein in Ver‐ Von Lindisfarne zum Wheeldale
turms, die fast vollständig den zentralen bindung zu bringen sind. Moor: Archäologische Reise in die
Hof verschüttet hatten, und unter einer Nach Ausgrabung, Vermessung und fo‐ südschottischen Borders und ins
nördliche England
50 bis 100 cm dicken Schicht jüngeren Ma‐ tografischen Aufnahmen wurde der ge‐
Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
terials wurden 1982 die Reste eines Rau‐ samte Bau, der die weiteren Ausgrabun‐ Termin: 19.07. – 31.07.20
mes aus römischer Zeit zutage gebracht. In gen im Bereich des prähistorischen Kom‐
Weitere Informationen und Buchung:
dieser Periode, nach dem 2. Jh. v. Chr., hat plexes behinderte, abgetragen und au‐
wahrscheinlich die romanisierte Lokalbe‐ ßerhalb bei der modernen Einzäunung Archäologie
völkerung die Ruine für ihre Zwecke um‐ wieder aufgebaut. & Reisen
gebaut. Aus gestampftem Ton wurde eine Im Winkel 10 · 37136 Ebergötzen
ebene Fläche hergestellt und mit Schie‐ Telefon 05507 915416
Besuch in Arrubiu www.archaeologie-und-reisen.de
ferplatten gepflastert. Der Raum war durch
eine Mauer begrenzt, die das verstürzte Besuchszeiten: täglich zwischen 9.30 Uhr
und Sonnenuntergang. Führungen in meh-
Material abstützte. Eine weitere Mauer un‐
reren Sprachen werden von der Genossen-
terteilte wahrscheinlich den Grundriss
schaft »Is Janas« organisiert. Auf dem Gelän-
oder diente als Stützmauer für ein Stroh‐ de der archäologischen Stätte gibt es Er-
dach. Der Platz wurde mindestens bis zum Karawane Reisen GmbH & Co. KG · Schorndorfer Str. 149
klärungsschilder und ein Modell der Anlage. 71638 Ludwigsburg · Tel +49 (0) 7141 2848-20
Ende des 5. Jh. n. Chr. benutzt und diente studienreisen@karawane.de · www.karawane.de
www.nuraghearrubiu.it
landwirtschaftlichen Zwecken.

ü AiD 5 | 2019 43
Europa Von Bozen nach Wisconsin und zurück

Die Entdeckungen des William Frankfurth


Vor nahezu 130 Jahren entdeckte der Deutschamerikaner Wilhelm bzw. serbühl skizzenhaft beschreibt, gibt es kei‐
William Frankfurth im heutigen Südtirol mehrere Fundstellen und führte nen ausführlichen Bericht über Frank‐
furths Untersuchungen. Die Funde, ur‐
dort kleine Grabungen durch. Die Früchte seiner Arbeit gingen zunächst sprünglich mit ziemlicher Wahrschein‐
verloren, bis die Autorin mit ihren Studierenden den Nachlass aufarbeitete. lichkeit nach Fundorten getrennt, wurden
Die frühen Forschungen des Auswanderers werden derzeit in Bozen in von den Museumsangestellten nach Ma‐
terialien geordnet, wobei der Kontext lei‐
einer großen Sonderausstellung präsentiert. der verloren ging.
Obwohl die Sammlung (Kennzeichen
MPM Accession 213) eine der ältesten und
Von Bettina Arnold umfangreichsten frühen Eingänge des Mu‐
seums darstellt, wusste man dort bis vor

W
isconsin war im Jahr 1849 eben acht Jahren praktisch nichts über den
erst von der Regierung in Washing‐ Spender und den Ursprung der Funde. Erst
ton als Bundestaat anerkannt wor‐ eine Umstrukturierung gab 2007 den An‐
den, als der 19‐jährige Wilhelm Frankfurth lass für erste Recherchen an den umfang‐
(1829– 1891) aus seiner Heimatstadt Gu‐ reichen römischen Keramikfunden. Da‐
densberg in Hessen in die Vereinigten Staa‐ mals begannen Magisterstudierende von
ten aufbrach. Nach seiner Ankunft in der der »University of Wisconsin‐Milwaukee«
schnell wachsenden Stadt am Lake Michi‐ unter der Leitung Bettina Arnolds gezielt
gan arbeitete er zuerst in einer Gerberei damit, die Reise Frankfurths und seine ar‐
und einer Eisenwarenhandlung, bevor er chäologischen Untersuchungen zu rekon‐
sich dann zwölf Jahre später selbstständig struieren und zu publizieren. Zwei Magis‐
machen konnte und die William Frank‐ terarbeiten und ein Artikel sind bereits er‐
furth Hardware Company gründete. schienen, weitere Magisterarbeiten stehen
Der mittlerweile 38 Jahre alte Freiden‐ noch aus.
ker hatte aber nicht nur den Aufbau eines Wir wissen nun einiges mehr über die
Privatvermögens als Lebensziel. Er nahm Aufenthalte und Routen der Familie in der
aktiv am politischen und kulturellen Leben Innsbrucker und Meraner Gegend wie
seiner neuen Heimatstadt teil, wobei sein auch in Kassel, wo sie sich danach aufge‐
Interesse auch der Vor‐ und Frühgeschich‐ halten hatte: Der Zeitraum erstreckt sich
te galt. In diesem Zusammenhang war er ter Sinichkopf und Grumserbühl oder der William Frankfurth, 1829 über zwei Jahre, von November 1889, als
an Ausgrabungen in und um Milwaukee Tartscher Bühl bei Mals. Die drei Forscher bis 1891. Seite aus dem Frankfurth vor der Reise in Milwaukee sein
in Sütterlin verfassten
herum beteiligt, so in Aztalan, einer Sied‐ führten auch kleinere Ausgrabungen durch, Testament machte, bis Dezember 1891, als
Tagebuch Frankfurths.
lung der Mississippi‐Kultur. Diese wurde über die in den Meraner und Innsbrucker er unerwartet an Magen‐ oder Darmbe‐
damals von Increase Lapham vermessen Zeitungen berichtet wurde. Am Tartscher schwerden in Wien starb. Ebenso kennen
und kartiert, den Frankfurth durch ihre ge‐ Bühl erinnert heute eine Tafel an diese frü‐ wir inzwischen den Inhalt der Kisten we‐
meinsame Mitwirkung bei der Gründung hen Aktivitäten. sentlich besser: So gibt es mehrere Bron‐
des »Milwaukee Public Museum« kannte, zefunde, die offenbar von Brandopferplät‐
das bis heute besteht. Früher Tod und späte Aufarbeitung zen stammen. Auch kann nun ein Teil der
Als Frankfurth fast 40 Jahre später als Wäre es nach William Frankfurth gegan‐ provinzialrömischen Funde – und hier vor
nun 60 Jahre alter Mann mit Familie zur gen, hätte er gerne die vielen Funde nach allem die Reliefsigillaten einer Militär‐
Kur in Tirol weilte, brachte er einen ge‐ seiner Rückkehr in die Staaten bearbeitet siedlung – in der Innsbrucker Gegend zu‐
schärften Blick für kulturelle Landschafts‐ und publiziert. Leider wurde dies durch geordnet werden.
formen in die Umgebung von Meran und seinen frühzeitigen Tod am 1. Dezember
Innsbruck mit. Endlich auch von seinen ge‐ 1891 in Wien vereitelt. Der archäologische Zurück zu den Ursprüngen
schäftlichen Verantwortungen befreit, konn‐ Nachlass, Holzkisten mit über 3000 Ob‐ Unsere Beschäftigung mit William Frank‐
te er sich hier ganz seiner Begeisterung für jekten und Funden, Büchern, Landkarten furth weckte dann zufällig auch die Auf‐
Vor‐ und Frühgeschichte widmen. Mit sei‐ und mehr, wurde dem »Milwaukee Public merksamkeit des Südtiroler Archäologie‐
nen jungen Söhnen Hans und Lorenz ge‐ Museum« vermacht, traf dort allerdings museums. Es konzipierte anlässlich der
langen ihm so von Februar bis Oktober erst 1910 ein. Mit Ausnahme einiger Seiten hundertjährigen Wiederkehr des Vertra‐
1890 Entdeckungen mehrerer bedeuten‐ aus einem Tagebuch von 1890, in dem er ges von St. Germain und damit der Zuge‐
der prähistorischer Fundstellen – darun‐ die Grabungen am Sinichkopf und Grum‐ hörigkeit Südtirols zu Italien eine Ausstel‐

44 AiD 5 | 2019 ü
Der Tartscher Bühl. Frankfurth vermutete allein aufgrund der Form und
Lage des Hügels eine vorgeschichtliche Besiedlung. Seine kleine Ausgra-
bung 1890 hat ihn bestätigt.

lung zur Forschungsgeschichte »Lost & furth. Zum ersten Mal seit dem späten teren Objekten, darunter teils bislang ver‐
Found – Archäologie in Südtirol vor 1919«. 19. Jh. ist ein Teil der von ihm geborgenen schollenen, teils auch völlig unbekannten
Hierfür durchforsteten die beiden Bo‐ Funde nun während der Sonderausstel‐ Harald Stadler 2014 im Funden.
Museum von Milwaukee
zener Kuratoren Günther Kaufmann und lung wieder in ihrem Ursprungsland zu Die Forschungen und Veröffentlichun‐
während der Vorberei-
Andreas Putzer Sammlungen, Archive und sehen und bereichert das Wissen um die gen zu William Frankfurth und seinem um‐
tungen zum gemeinsa-
Depots in Europa und Übersee und stießen Vor‐ und Frühgeschichte des heutigen Süd‐ men Artikel über die fangreichen Nachlass sind damit noch nicht
auf unsere Publikationen zu William Frank‐ tirol. Dies zusammen mit über 1000 wei‐ Sammlung Frankfurths. zu Ende, vieles harrt noch der Aufarbei‐
tung und Zuweisung: Briefe und sonstige
Dokumente aus seinem Nachlass wurden
zeitgemäß in Sütterlin verfasst und müs‐
sen erst transkribiert werden. Allmählich
schälen sich nun seine kulturellen Ver‐
dienste als erfolgreicher Geschäftsmann,
passionierter Antiquar und engagierter
Staatsbürger in Wisconsin heraus – nicht
zuletzt seine archäologischen Unterneh‐
mungen im Tirol des 19. Jh., ja selbst im
Großherzogtum Hessen: Dort gilt er als
Entdecker des wenige Kilometer südlich
von Kassel‐Bad Wilhelmshöhe gelegenen
keltischen Baunsberg.

Infos zur Sonderausstellung


Lost & Found
Archäologie in Südtirol vor 1919
bis 17. November 2019
Südtiroler Archäologiemuseum
Museumstraße 43, 39100 Bozen
Südtirol – Italien
www.iceman.it/ en/ lost-found/

ü AiD 5 | 2019 45
Report Seeräuber im Mittelalter

Johann Hollemann – Pirat aus Bremen


Piraten und Hanse – da denkt man an Klaus Störtebeker und seine Handelsboykotts von Flandern, bleibt un‐
Vitalienbrüder. Doch Störtebeker war bei Weitem nicht der Einzige. geklärt. Als die Zwangsfestsetzung des Hol‐
lemanschen Frachters auch durch instän‐
Mitten in Bremen wurde das Haus des Piraten Johann Hollemann diges Bitten nicht aufgehoben wurde, be‐
ausgegraben. Archäologische Zeugnisse machen die historisch gann die bemerkenswerte Metamorpho‐
bekannten Fakten anschaulich. se vom ehrbaren Bürger und Kaufmann
zum skrupellosen Freibeuter.
Zunächst nur darauf bedacht, die ihm
angetane Schmach zu rächen, brachte Jo‐
Von Dieter Bischop hann Hollemann in den Jahren ab 1350
Hamburger Handelsschiffe in Elb‐ und We‐

S
eeraub an den Küsten Deutschlands Die 80 Mann starke Besatzung wurde in die sermündung auf und raubte die Fracht.
war ein vielfältiges Phänomen. Die Stadt gebracht und nach kurzem Prozess Schon nach kurzer Zeit beklagte sich der
friesischen Bauern des Streifens zwi‐ enthauptet. Hamburger Rat zutiefst verärgert in Bre‐
schen Zuidersee und Wesermündung sahen men darüber, dass die Kaufleute der Elb‐
sich von jeher als unabhängig von jeglicher Vom Kaufmann zum Freibeuter stadt wegen Hollemann und seinen Man‐
feudaler bzw. landfremder Herrschaft. Ih‐ Nicht nur von der Gesellschaft Ausgegrenz‐ nen durch Raub und Entführung großen
nen galt Seeraub über Jahrhunderte hin‐ te, auch Bremer Honoratioren betätigten Schaden erlitten hätten. Sie forderten das
weg als eine Art legitimer Nebenerwerb. sich als Seeräuber. Erst vor Kurzem rückte Beutegut zurück und harte Konsequen‐
Es war ein kurzer Weg vom herkömmli‐ der ursprünglich angesehene Bremer Bür‐ zen für den Bremer Seeräuber.

chen Strandrecht, d. h. dem Anrecht, das je‐ ger und Ratsherrensohn Johann Hollemann Koggen des 14. Jh. im Immerhin scheint der Bremer Rat auf
der an angeschwemmten Gütern hatte, ins Rampenlicht, der als Kaufmann zu an‐ Kampf: Angriff von den den erbosten Brief aus Hamburg reagiert
erhöhten Aufbauten am
über Strandraub, d.h. die Manipulation von sehnlichem Reichtum gekommen war. zu haben. Man nahm wohl offiziell Abstand
Bug und vom Achter-
Seezeichen, um Handelsschiffe stranden zu Ausschlaggebend für die Wandlung kastell. vom räuberischen Treiben des einst an‐
lassen, bis hin zur aktiven Piraterie. Gera‐ zum Piraten soll eine Episode im Ham‐ gesehenen Bürgers: In einem Schreiben
de die Hansestädte waren durch die ver‐ burger Hafen gewesen sein. Johann Holle‐ wird er zumindest als ehemaliger Bürger
lockenden kostbaren Handelsgüter auf den mann wurde aus nicht näher bekannten Bremens bezeichnet. Doch seines Bürger‐
Koggen besonders gefährdet. Gründen daran gehindert, sein voll bela‐ rechts entledigt, brauchte Hollemann kei‐
Noch im 16. Jh. waren die Seeräuber des denes Schiff im Hafen zu löschen. Ob die‐ nerlei Rücksicht mehr auf Handelsschiffe
ostfriesischen Häuptlings Balthasar von se langwierige und somit kostenintensive seiner Heimatstadt zu nehmen: Nun griff
Esens eine ständige Bedrohung für den Behinderung durch die damals ungeklär‐ er auch noch Bremer Schiffe an. Zeitweise
Handel der Hansestadt Bremen. Nahe der te Zollpflicht Bremer Kaufleute in Ham‐ machte er mit den Rüstringern aus Butja‐
Wesermündung ging den Bremern 1539 je‐ burg begründet war oder eine Reaktion auf dingen – schon immer eine Plage für die
doch eines seiner Piratenschiffe ins Netz. den Bruch des von der Hanse verfügten Bremer Seefahrt – gemeinsame Sache.

46 AiD 5 | 2019 ü
Hollemann hatte wohl schon vor seiner Ausschlaggebend für Piratenschiffe war Pirat inmitten der Hansestadt:
Eiserner Boots- oder En-
»Ausbürgerung« das 20 km nordwestlich terhaken aus der Umge- das erweiterte Achterkastell, teils ergänzt die Hollemannsburg
Bremens an der Hamme gelegene Ritter‐ bung der Hollemanns- um ein Bugkastell. Von den Aufbauten Das Beutegut aus den Überfällen der Män‐
hude als Raubnest auserkoren. Welche burg. Der Taurest ist aus konnte die Besatzung mit Bogen und Arm‐ ner Hollemanns wurde wie selbstver‐
Schiffe er einsetzte, ist aus den Chroniken Frauenhaarmoos ge- brust die zahlenmäßig geringe Mannschaft ständlich vom Seeräubernest Ritterhude
flochten.
nicht zu entnehmen. Wie sein Piratenschiff der wehrlosen Handelsfahrer attackieren, nach Bremen gebracht, wo die Hehlerwa‐
aussah, können wir nur vermuten. Wahr‐ bevor man sie mit Bootshaken enterte. Zu‐ re guten Ertrag brachte. Die Familie Hol‐
scheinlich nutzte er seine eigenen Han‐ dem waren Schnelligkeit und gute Manö‐ lemann hatte hier zwischen Bremer Schlach‐
delsschiffe, die sich nicht großartig von der vrierfähigkeit unabdingbar. Unweit von te und Langenstraße ihren Stammwohn‐
1962 in der Weser bei Bremen entdeckten Ritterhude wurde 1909 aus der Weser bei sitz, die sogenannte Hollemannsburg.
Kogge unterschieden haben dürften. Die‐ Lemwerder ein ehemals drehbares Schiffs‐ Jüngst konnte der Standort des Anwe‐
ses heute im Deutschen Schiffahrtsmuse‐ geschütz aus Eisen geborgen. Es datiert sens durch Recherchen in Lassungsbü‐
um in Bremerhaven konservierte und aus‐ vermutlich in die zweite Hälfte des 15. Jh. chern und Testamenten an der »Letzten
gestellte Frachtschiff sank 1380, nur 14 und ist somit zu jung, um vom Piratenschiff Schlachtpforte« lokalisiert werden. Eine
Mittelalterlicher Gold-
Jahre nach Hollemanns Tod. Kaum fertig‐ Hollemanns zu stammen. Hausecke der Hollemannsburg wurde
ring mit Amethyst aus
gestellt, war es bei einem Hochwasser vom Den bedrängten Hamburgern reichte 2004 bei Ausgrabungen anlässlich eines
der Weser nahe der Gro-
Baugerüst auf dem Bremer Teerhof fort‐ ßen Weserbrücke. Raub- das zaghafte Eingreifen Bremens gegen Neubaus für das Hotel Überfluss freigelegt.
gerissen worden. gut, ins Wasser gefallen? den Piraten aus den eigenen Reihen nicht Es handelte sich um einen von offenbar
aus. Und so versuchte Hamburg sogar, mehreren steinwerkartigen Türmen, die
Bremen auf dem Lübecker Hansetag im hier nebeneinander an der mit Holzpfäh‐
Sommer 1358 ganz von der Hanse auszu‐ len befestigten Weserfront standen. Die
schließen. Daraufhin ging Bremen dann Hollemannsburg lag, von den westlichen
doch die Verpflichtung ein, sich an der Nachbarhäusern durch einen schmalen
Seeräuberjagd zumindest in der Elbmün‐ Gang getrennt, etwas zurückgesetzt. Die
dung zu beteiligen. Der Elbstadt kam der Burg war wohl größer als die übliche Be‐
Kaiser selbst moralisch zu Hilfe. Karl IV. bauung, Parzellengröße und Verkaufs‐
verlieh 1359 Hamburg das Recht, zu Was‐ urkunden deuten daraufhin.
ser und zu Lande Wegelagerern und Pira‐ Die Nachbarn waren den Funden nach
ten ohne Rücksicht auf die landesherrli‐ ebenfalls Fernhandelskaufleute. Es fanden
chen Gerichtsrechte nachzustellen und die sich ein Schreibgriffel, der bei der Abrech‐
Übeltäter an Reiches statt abzuurteilen. nung gedient haben mag, eine tönerne Pil‐
Hollemann erwischte man nicht. ger‐ oder Reiseflasche und ein goldener

ü AiD 5 | 2019 47
Report Seeräuber im Mittelalter

Vom Räuber zum Verräter de besonders gesichert und die Holle‐


Die von Flut und einem verheerenden mannsburg als Schaltzentrale des Auf‐
Brand ohnehin stark malträtierte Hanse‐ ruhrs befestigt.
stadt Bremen wurde um die Mitte des Die Gewaltherrschaft sollte nicht lan‐
14. Jh. von der Pest schwer heimgesucht. ge währen. Die geflohenen Ratsmitglieder
Wenige Jahre nachdem 1358 bei einem Ge‐ baten Graf Konrad II. von Oldenburg um
fecht an der Aller im Rahmen der Hoyaer Hilfe. Am 27. Juni 1366 fielen Kriegs‐
Fehde 150 Bürger in Gefangenschaft ge‐ knechte Konrads in der besetzten Hanse‐
rieten, darunter acht Ratsherren, war Bre‐ stadt ein. Die Aufständischen des Erzbi‐
men wegen des Bruchs des Flandernboy‐ schofs wurden nach kurzem Kampf über‐
kotts durch den Bremer Kaufmann Tide‐ wältigt. In dem Tumult hatte sich der An‐
mann Nanning aus der Hanse ausgeschlos‐ führer Hollemann in seinem Steinhaus an
sen worden. Die Stadt an der Weser litt der Langenstraße verbarrikadiert. Den
spürbaren wirtschaftlichen Schaden, ja, sie Rest des Geschehens erfahren wir aus dem
verarmte. Es folgten Unruhen, die sich ge‐ Bremer Nequamsbuch:
gen den Rat richteten.
»[Sie]hieben die Tür in Stücken und
Erzbischof Albert II. wollte dies zur
schlugen ihn zu Tode. Hingen drauf
Wiederherstellung seiner alten stadtherr‐
den verblichenen Körper zum Fens-
lichen Machtbefugnisse nutzen. Gefolgs‐
ter nach der Gaßen hinaus und
männer des Erzbischofs drangen am
ließen ihn allda zu jedermanns
29. Mai 1366 gewaltsam ein, indem sie teils
Spectacel eine Zeitlang hangen,
über die Weser auf »Eken« (Binnenlast‐
worüber seine grobschwangere Frau
Fingerring mit Smaragd. Ein Zeitgenosse Unmittelbar an der Weser kähnen) die Stadtmauer umgingen und so
vor Schrecken und Entsetzen mit ei-
Hollemanns, Konrad von Megenberg (1309– gelegen. Rechts die Holle- über die Schlachte nach Bremen gelangen
mannsburg, links dane- ner unzeithigen Geburth befiel und
1374), wusste vom Smaragd in seinem konnten. Es gab Tote, einige vermögende
ben die Häuser der Nach- ihr Leben einbüßete. Dessen Dienst-
»Buch der Natur« zu berichten: »er mert barn des Piraten, rekon- Bürger wurden gefangen. Andere, unter
knechte wurden theils auf der
reichtum und gibt gnad in allem geschäft«. struiert aus Grabungsbe- ihnen einige Ratsherren, konnten fliehen.
Gaßen erschlagen, fünfe derselben
Einige Funde aus dem Uferbereich vor funden. Die Rolle des Haupträdelsführers dieser
aber zum Gerichtsplatz hinausge-
den Steinhäusern Hollemanns und seiner brandschatzenden und plündernden Um‐
führt und allda geköpft. Andere […]
Nachbarn sind außergewöhnlich: Zwei stürzler übernahm der in diesen Dingen
knüpfte man den Pferden mit Stri-
Osnabrücker Silberpfennige des Konrad mittlerweile erfahrene Johann Hollemann.
cken an den Schwänzen feste und
von Rietberg († 1297) hafteten noch anei‐ Nierendolch des 14./ Unter seiner Führung wurde das Rathaus
schleifte sie die Gaßen in der Stadt
nander. Bootshaken, Messer und Gürtel‐ 15. Jh., gefunden einige gewaltsam eingenommen und die Trese‐
Meter neben der Holle- auf und nieder, bis sie ihren Geist
schnallen des 14. Jh., die aus dem Umfeld kammer aufgebrochen, das städtische Ar‐
mannsburg (links). Dreh- jämmerlich aufgaben.«
Hollemanns stammen mögen, waren im bares Schiffsgeschütz chiv mitsamt den wichtigsten Urkunden
Flussschlamm versunken. Ein mittelalter‐ des Spätmittelalters aus und Siegeln. Gnadenlos wurde der Rat aus
licher Goldring mit Amethyst fand sich et‐ Eisen, gefunden in der der Stadt gejagt und neu aufgestellt. Hol‐
was flussaufwärts im Wesersand. Weser bei Lemwerder lemann hielt lautstarke Reden auf dem
(Mitte). Lederschuh
Marktplatz und kündigte ein baldiges Ge‐
des 13./ 14. Jh. aus dem
Weserschlick östlich richt des Erzbischofs an. Das Ostertor wur‐
der Hollemannsburg
(rechts).

48 AiD 5 | 2019 ü
Die öffentliche Zurschaustellung der wenige Jahre nach der Hinrichtung Johann Wurde hier der Leichnam diesem Zeitpunkt, als ein Umbau anstand,
bestraften Übeltäter in Bremen ähnelt dem Hollemanns, werden der Sohn Heinrich, von Johann Hollemann wurde der Balken entfernt, an dem einst
zur Schau gestellt? Fens-
Vorgehen bei Klaus Störtebeker, der 45 seine Mutter Adelheid sowie sein Bruder Johann Hollemann aus dem Fenster hing.
tergewände der Back-
Jahre später in Hamburg geköpft wurde. Arnold bei einem Grundstücksverkauf steingotik aus dem Schutt Vom berüchtigten Seeräuber zeugt
Ähnlich behandelte man die Wiedertäufer, selbstverständlich als Bürger der Hanse‐ nahe der Hollemanns- heute nichts mehr. Im Schutt am Weser‐
die 1536 am Turm von St. Lamberti zu stadt Bremen erwähnt. Angehörige der Fa‐ burg, Rekonstruktion ufer wurden bei den Ausgrabungen un‐
Münster zur Schau gestellt wurden. milie Hollemann finden sich weiterhin im (oben) und Funde. mittelbar westlich von Hollemanns Haus
ältesten Bürgerbuch der Stadt. Wie man Reste eines Fenstergewändes der Back‐
»Für die ganze Stadt das Beste zu tun« die Seeräuberei des Johann Hollemann in steingotik entdeckt. Ob es sich bei diesem
Die alte Ordnung konnte im Herbst 1366 der Familie beurteilte – vielleicht als Aus‐ Fenster um das Fenster handelte, aus dem
wiederhergestellt werden. Der Erzbischof rutscher eines schwarzen Schafs – bleibt einst der Körper des hünenhaften Seeräu‐
war in seine Schranken verwiesen worden. unbekannt. bers baumelte?
Um zukünftigen sozialen Unruhen entge‐ Die Steinhäuser an der Schlachte, da‐
genzutreten, verpflichtete sich der größ‐ runter auch die Hollemannsburg, sind zu‐
tenteils wieder eingesetzte alte Rat durch mindest im unteren Bereich aus größeren
einen Eid »… für die ganze Stadt das Bes‐ Findlingen erbaut und dominierten meh‐ Info
te zu tun.« rere Jahrhunderte die Weserfront. Noch im Vom 27. September 2019 bis 19. April
Wirklich schnell waren die Untaten des 14. Jh. wurde eine Stadtmauer vor die Häu‐ 2020 ist die Ausstellung »Störtebeker &
Bremer Seeräubers jedoch nicht verges‐ serfront gesetzt. In späterer Zeit residier‐ Konsorten. Piraten der Hansezeit?« im
sen. Noch zwei Jahre nach seinem gewalt‐ ten andere Familien in der Hollemanns‐ Europäischen Hansemuseum in Lübeck
samen Tod wurde Hollemanns Familie mit burg. Um 1415 war das Steinhaus in der zu sehen. Dort werden auch die Untaten
Schadensersatzforderungen aus dem Raum Langenstraße im Besitz derer von Weyhe. des Bremer Seeräubers Johann Holle-
Emden konfrontiert. Doch lastete man der Das Haus »dat geheten is Hollemanns‐ mann thematisiert. Infos unter:
Familie offenbar keine Kollektivschuld an, borch« wurde im Jahre 1534 von der Fa‐ www.hansemuseum.eu oder in sozialen
weder wurde die Familie enteignet noch milie von Weyhe an den Bürgermeister Medien unter #störtebekerundko.
die Hollemannsburg gepfändet. 1372, nur Marten van Heymborg verkauft. Erst zu

ü AiD 5 | 2019 49
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Walldorf. Bronzeeimer Grube konnte eine spätrömische bronze-


Baden-Württemberg aus römischem Kanal.
Regierungspräsidium Stuttgart ne Armbrustfibel geborgen werden.
Landesamt für Denkmalpflege Weitere Bronzefunde wurden in der
Berliner Straße 12 Verfüllung eines römischen Kanals ent-
73728 Esslingen
Tel. 0711 90445-151, Fax 0711 90445-444 deckt: Der Kanal war bereits bei den frü-
AiD-Korrespondentin: Dr. Andrea Bräuning heren Ausgrabungen entlang der östli-
andrea.braeuning@rps.bwl.de chen Außenmauer des Gutshofs erfasst
worden und verläuft durch die gesamte
Bronzgefäße im Kanal untersuchte Fläche im Neubaugebiet. Ein
In Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis wurden Walldorf. Römisches Seitenkanal zweigt rechtwinklig zu einem
2018 und 2019 mehrere Hektar eines Neu- Weinsieb aus Bronze. Bach ab. Aus den obersten Verfüllschich-
baugebiets untersucht, das an einen be-
reits teilweise ausgegrabenen römischen Eine unbekannte Wasserburg
Gutshof angrenzt: Bei umfangreichen Un- Im Juni 2018 kamen bei Baumaßnahmen
tersuchungen 1995, 2001 und 2002 wa- in der Ortsmitte von Kernen-Stetten im
ren Gebäude einer Holz- und einer Stein- Rems-Murr-Kreis massive Bauhölzer zu-
bauphase zutage getreten. Das repräsen- tage. Die daraufhin eingeleitete Rettungs-
tative Hauptgebäude sowie zwei Maga- grabung erfasste eine bis dahin unbe-
zinbauten von außergewöhnlicher Größe kannte Wasserburg.
mit Fundamenten aus mächtigen Sand- Die Fundamente des Hauptgebäudes
steinblöcken sprechen für einen Gutshof bestanden aus zwei 0,7 m breiten Eichen-
in staatlichem Besitz. balken, auf denen eine Zweischalenmau-
Die aktuellen Untersuchungen erfass- er gründete; die Seitenlänge konnte mit
ten in den teilweise durch moderne Ein- etwa 8 m rekonstruiert werden. Dendro-
griffe und Ackerbau stark gestörten aus- chronologische Untersuchungen an den
gegrabenen Flächen die letzten Überres- Eichenhölzern ergaben eine Bauzeit um
te einer Nutzung in römischer Kaiserzeit 1230 n. Chr. Im noch ungestörten Teil der
und Spätantike (3.– 4. Jh. n. Chr.). Neben Baugrube konnten Reste einer Umfas-
kleineren Gebäuden in Holzbauweise, ei- sungsmauer mit einer Ecke und einer Brü-
nem Grubenhaus sowie Abfallgruben und cke über den Graben festgestellt werden.
einer Herdstelle wurde ein Brunnen in Die Mauer war zur Stabilisierung des Un-
Blockbauweise freigelegt. Die leicht un- tergrunds auf eine künstlich eingebrach-
regelmäßige Einfassung bestand aus wohl te, feste Lehmpackung gesetzt und nur
von außen mit Lehm verstrichenen Stei- noch zwei bis drei Lagen hoch. Zum Gra-
nen. Mehrere Gruben enthielten überwie- ben hin wurde sie zusätzlich von zwei Bal-
gend Keramik und Tierknochen; aus einer ken gestützt, die wiederum durch senk-
recht eingeschlagene Pfähle gesichert wa-
ten, die entstanden, als die Kanäle bereits ren.
weitgehend verlandet waren, wurden Der Graben vor der Mauer war 12 m breit
zahlreiche römische Funde geborgen. Ne- und mindestens 1,5 m tief. Schwemm-
ben Überresten von Schüsseln, Krügen, schichten und Funde von Süßwassermu-
Reibschalen, Vorratsgefäßen und einem scheln sprechen dafür, dass er mit Was-
Glasgefäß traten Tierknochen und ein ser gefüllt war, das wohl vom heute ver-
menschlicher Schädel zutage. Außerge- dolten Ortsbach in nur 30 m Entfernung
wöhnlich sind drei Bronzegefäße: Ein Sieb in den Graben geleitet wurde. Von der Brü-
wurde ursprünglich wohl zum Dekantie- cke waren im feuchten Boden noch zahl-
ren von Wein verwendet; ein kleiner Eimer reiche Holzelemente erhalten. Auf stei-
dürfte wie das Sieb Bestandteil des Tafel- nernen Querriegeln lagen zunächst in
geschirrs gewesen sein. Stark beschädigt Längsrichtung und darauf quer Eichen-
war ein in mehrere Teile zerbrochener Öst- balken. Durch die Doppelung der Quer-
landkessel. | I. Kretschmer, D. Langhauser, riegel, einmal mit Verblattung, einmal mit
F. Krämer verzapften Verbindungen, waren zwei Pha-
sen erkennbar, wobei eine dritte älteste
Walldorf. Von Steinen eingefasster Phase nur noch durch wenige Hölzer direkt
Brunnen mit rechteckigem Holzschacht. an der Umfassungsmauer zu fassen war.

50 AiD 5 | 2019 ü
Neben dem Versturz der Mauer konn- Bayern
ten aus der Verfüllung des Grabens Fun- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
de des 13. bis 16. Jh. geborgen werden. Die Abt. Bodendenkmalpflege
überaus zahlreichen Metallobjekte deuten Hofgraben 4
80539 München
auf ein gehobenes soziales Milieu, wie Tel. 089 2114-358, Fax 089 2114-401
man es auf Burgen erwartet. Das Spek- AiD-Korrespondentin: Dr. Doris Ebner
trum reicht von Waffen, wie Armbrust- doris.ebner@blfd.bayern.de

bolzen und eine Hellebarde, über Reitzu-


behör, wie ein feuervergoldeter Steigbü-
gel und ein wohl dazugehöriger Sporn, bis Brunnen aus bajuwarischer
hin zu Haushaltsgegenständen – z. B. ein Frühzeit
kleines Futteral aus vergoldetem Silber In Unterschleißheim im Landkreis Mün-
mit einer Aufschrift in gotischen Minus- chen wurden bei bauvorgreifenden Aus-
keln, das wohl als Nadelbüchse diente. Ein grabungen Siedlungsspuren des Früh-
seltener Fund ist eine aus grünem Wald- mittelalters freigelegt. Obwohl mehr als
glas gefertigte Pilgerflasche mit der Dar- 90 % der Befunde Pfostengruben waren,
stellung des gekreuzigten Christus, eine Kernen-Stetten. Nadel- ergaben drei Brunnen die besten Einblicke
sogenannte Corpus-Christi-Flasche. futteral aus Silber, ver- in die Chronologie der Fundstelle und au-
goldet, mit Inschrift in
Die unerwartete Entdeckung bietet ßerdem Erkenntnisse zum Brunnenbau.
gotischer Minuskel. Sie
neue Erkenntnisse zur Geschichte des Or- lautet: »Maria in s«. Bei einem Brunnen mit quadratischem
tes Stetten, wo es mindestens seit dem Kasten von etwa 1,15 m Seitenlänge han-
frühen 16. Jh. eine weitere Wasserburg delte es sich um eine Schlitzpfostenkon-
gibt, nämlich das heutige Schloss. struktion. Die Eckpfosten – 60- bis 70-
| D. Brenner jährige Eichenrundhölzer – waren unten
angespitzt und als Pfähle in den Schotter
getrieben worden. Seitliche Nuten dien-
ten der Aufnahme von übereinander an-
Kernen-Stetten. Pilgerflasche aus
grünem Glas – eine »Corpus-Christi- gebrachten Wandbohlen. Schlitzpfosten-
Flasche«. konstruktionen sind eine nicht nur auf
Brunnen beschränkte Methode im Holz-
bau seit der späten Bronzezeit. Die besten
Kernen-Stetten. Funde aus der Wasserburg: Entsprechungen finden sich in Brunnen-
Steigbügel und Sporn, feuervergoldet. bauten der Merowinger- und Salierzeit,
allerdings sind diese zweischalig – und
nicht nur einschalig wie in Unterschleiß-
heim – aufgebaut.
Die Fälldaten der Hölzer müssen aus-
gehend von einem Splintansatz im Jahr
495 zwischen 507 und 516 mit einem
Schwerpunkt um das Jahr 511 n. Chr. gele-
gen haben. Damit handelt es sich aktuell
um den frühesten dendrochronologisch
datierten Siedlungsbefund aus der Epo-
che der ostgotischen Herrschaft nach dem
Ende der Römerzeit in Rätien. Offensicht-
lich bediente man sich dafür erneut einer
althergebrachten Technik im Brunnenbau,
denn aus der römischen Kaiserzeit stam-
men zwar zahlreiche und gut erhaltene
Zeugnisse hölzernen Brunnenbaus, aller-
dings niemals in Form von Schlitzpfos-
tenkonstruktionen.
Zwei Proben für 14C-Datierungen wur-
den aus den exakt bestimmten Jahrringen
eines Eichenpfahles entnommen und ana-

ü AiD 5 | 2019 51
Aktuelles aus der Landesarchäologie

lysiert. Dabei gelang es, die dendrochro- Einzelgräbern, die sich über eine oft be-
nologischen Untersuchungsergebnisse trächtliche Fläche verteilen, lässt es im
zu bestätigen. Beide Jahrringe lagen in der seltensten Fall zu, die Ränder der Nekro-
richtigen Reihenfolge innerhalb der er- polen klar zu fassen. So deutet auch in
mittelten Zwei-Sigma-Bereiche zwischen Langengeisling eine bereits 1985 ent-
400 und 540 n. Chr. Da spätantike bzw. deckte Bestattung etwa 40 m abseits der
völkerwanderungszeitliche Datierungen anderen Gräber an, dass sich der Fried-
selten und oft nicht ohne Zweifel sind, war hof noch weiter nach Süden erstreckt ha-
diese Bestätigung umso bedeutender. Der ben dürfte. Zuwächse sind somit auch dort
Brunnenbau im ersten Viertel des 6. Jh. fiel zu erwarten. | H. Krause, Ch. Later
in eine Zeit relativ stabiler politischer Ver-
hältnisse, in denen sich bis Mitte des Jahr-
hunderts schließlich die Bajuwaren aus
Langengeisling. Bronze-
verschiedenen Bevölkerungsgruppen kon- fibeln aus latènezeit-
solidierten. lichem Frauengrab.
| F. Herzig, U. Schlitzer, F. Wiegel Länge der Fibeln 4 cm.

ner- und zwei gut ausgestattete Frauen-


gräber. Besonders die bronzenen Arm-
und Fußringe sowie die Fibeln der im Alter
von etwa 20 bis 30 Jahren verstorbenen
Frauen besitzen derart ähnliche Gegen-
stücke in den Altfunden, dass an eine Her-
stellung in derselben Werkstatt zu den-
ken ist. Sie sind sichtbare Zeichen der Zu-
sammengehörigkeit der hier bestatten-
den Gemeinschaft noch Jahrtausende
nach ihrem Tod.
Zugleich zeigen die Neufunde von Lan-
gengeisling, dass die wenigsten der alt-
bekannten, häufig zufällig entdeckten
Fundstellen mit latènezeitlichen Gräbern
in Südbayern erschöpfend untersucht
sein dürften. Denn die für diese Region
typische Struktur der Bestattungsplätze
Keltischer Friedhof – lockere Unterschleißheim. Oben: aus kleinen, teils mehrere Dutzend Meter
Belegung, enge Gemeinschaft Schnitt durch den Brun- voneinander entfernt liegenden Grab-
nenkasten. Unten: Qua-
Zwischen 1924 und 1931 waren im Süden gruppen und dazwischen eingestreuten
dratischer Brunnenkas-
von Langengeisling, Stadt und Landkreis ten in Schlitzpfosten-
Erding, beim Kiesabbau 15 Körpergräber technik mit freigelegten
des späten 4. und frühen 3. Jh. v. Chr. auf- Wandbohlen und Eck-
gedeckt worden. Sie verteilten sich auf pfosten.

zwei Gruppen, die etwa 30 m in Nord-Süd-


Richtung voneinander entfernt waren.
Weitere Bestattungen dürften damals un-
beobachtet zerstört worden sein. Damit
liegt einer der größten latènezeitlichen
Friedhöfe in Südbayern vor.
2018 stellten sich am Westrand der
ehemaligen Kiesgrube, etwa 10 bis 15 m
nördlich der bekannten Gräber, überra-
Langengeisling. Zeichne-
schend neue Gräber ein. Bei bauvorgrei-
rische Dokumentation
fenden Untersuchungen konnten vier wei- und Bronzeschmuck ei-
tere Bestattungen der Zeit um 300 v. Chr. nes Frauengrabes um
dokumentiert werden, darunter zwei Män- 300 v. Chr.

52 AiD 5 | 2019 ü
Brandenburg tenstellung spricht. Der Verlauf der Grä-
Brandenburgisches ben – im Süden von Südwesten nach Nord-
Landesamt für Denkmalpflege osten und im Norden von Nordwesten
und Archäologisches Landesmuseum nach Südosten – lässt vermuten, dass sich
Wünsdorfer Platz 4–5
15806 Zossen der Grabenkreis nicht weit östlich der bis-
Tel. 033702 211-1200, Fax 033702 211-1601 her untersuchten Fläche schließt und dort
www.BLDAM-brandenburg.de die Grenze der Siedlung zu finden ist.
poststelle@BLDAM-Brandenburg.de
AiD-Korrespondentin: Petra Woidt | S. Döbel

Gebrochene Mühlentradition
Siedeln an den Ufern der Oder Einen länger als gedacht ins Mittelalter zu-
Eine von der Oder umflossene, bei Sied- rückreichenden Mühlenstandort deckten
lern sehr beliebte Sandinsel lag beim heu- jüngst Grabungen am Dorfanger von Groß-
tigen Rathsdorf im Landkreis Märkisch- koschen im Landkreis Oberspreewald-
Oderland – bis man im 18. Jh. die Oder be- Lausitz auf. Der Platz liegt an einem Alt-
gradigte und das Oderbruch trockenlegte. arm der Schwarzen Elster, dessen Ufer
In drei parallelen, die einstige Insel von während des mittelalterlichen Landes-
Süden nach Norden querenden Trassen ausbaus in der ersten Hälfte des 13. Jh.
offenbarte sich die Siedlungsgunst un- begradigt wurde. Ein zerbrochener Mühl-
längst eindrucksvoll: Die Befunde reichen stein aus den ältesten Schichten lässt zur
vom Neolithikum bis ins slawische Mittel- selben Zeit den Bau der ersten Mühle ver-
alter. Ein Grabenwerk ist hervorzuheben. muten, die nur wenige Jahrzehnte stand.
Es umgab eine Siedlung der späten Bron- Ihr folgte eine neue Mühle, deren hölzer-
ze- und frühen Eisenzeit. Luftbilder zeigen
zudem mehrere Gräben, die die Siedlung Großkoschen. Mühlstein der ersten zu Beginn des
zusätzlich im Inneren strukturierten. Die 13. Jh. errichteten Mühle.

zwei parallelen Umfassungsgräben, die


sich im Norden und Süden entlang des ner Unterzug erhalten blieb. Auf einer tor-
ehemaligen Ufers erstreckten, wurden auf figen Unterlage mit einer Bettung aus
einer Länge von 120 m dokumentiert. Der Feldsteinen lagen parallele Balken, einige
äußere mehrphasig verfüllte Sohlgraben Pfosten reichten in die Tiefe. Dendroda-
hatte einen wannenförmigen Querschnitt ten von den Bauhölzern weisen in die Jah-
und war in mehrere Abschnitte unterteilt; re um 1280. Darüber schloss eine Schicht
an manchen Stellen traten begleitende aus der Abrisszeit des Gebäudes an. Nach
Pfostenstellungen auf. Der innere schma- der Keramik lag diese zwischen 1380 und
lere Palisadengraben erschien im Quer- 1410.
schnitt trichter- bis wannenförmig, was Ein Zinsbrief des Lausitzer Landvogts
für eine teils ein-, teils zweireihige Pfos- Hans von Polenz überliefert für 1408 die
erneute Errichtung einer Mühle am glei-
Großkoschen. Gefäß- chen Platz, was zugleich als die erste ur-
scherben aus der Zeit kundliche Erwähnung von Großkoschen
um 1400 blieben zurück,
gilt. Der archäologische Nachweis der bei-
als eine spätere Mühle
abgerissen wurde. den Vorgängermühlen zeigt nun, dass die
Geschichte der Ansiedlung etwa 200 Jah-
re weiter zurückreicht, und zwar bis in die
Phase der Lausitzer Dorfgründungen im
ersten Drittel des 13. Jh.
Alte Karten belegen eine durchgehen-
de Nutzung des Geländes für die Dorf-
mühle bis zum jähen Ende der Tradition,
das mit dem Tagebau Niemtsch kam. Der
Rathsdorf. Ein doppelter
Absenkung des Grundwasserspiegels Mit-
Graben begrenzte die
Siedlung der späten
te des 20. Jh. fielen viele alte Wassermüh-
Bronze- und frühen Ei- len in der Umgebung Senftenbergs zum
senzeit zum Fluss hin. Opfer. | T. Trebeß, T. Geue, J. Ludwig

ü AiD 5 | 2019 53
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Bremerhaven-Lehe.
Bremen Hessen
Germanische Keramik
Freie Hansestadt Bremen hessenArchäologie
des 1. bis 3. Jh. n. Chr.
Landesarchäologie Schloss Biebrich/Ostflügel
verziert mit plastischen
An der Weide 50a 65203 Wiesbaden
28195 Bremen Auflagen und Abdrücken Tel. 0611 6906-131, Fax 0611 6906-137
Tel. 0421 361-3267, Fax 0421 361-3168 einer Fibelspirale. AiD-Korrespondentin: Dr. Beate Leinthaler
AiD-Korrespondent: Dr. Dieter Bischop beate.leinthaler@lfd-hessen.de
dieter.bischop@landesarchaeologie.
bremen.de

Bandkeramisches Idol
Germanische Siedlung unter in Menschengestalt
dem Kalkofen Im Rahmen einer Neubaumaßnahme im
In Bremerhaven-Lehe steht ein denkmal- Frankfurter Ortsteil Niedereschbach wur-
geschützter Kalkofen. Der birnenförmige den 2019 zahlreiche Befunde einer alt-
Ofen endet oben in einem kurzen Schorn- neolithischen Fundstelle erfasst. Es han-
stein und wurde 1850 aus Ziegeln erbaut. delt sich um eine Siedlung der Linien-
Unmittelbar neben dem Denkmal sollen bandkeramik, die bereits seit 1987 durch
demnächst zwei Häuser für acht Familien Oberflächenfunde bekannt war.
gebaut werden. Nachdem der ehrenamt- noch 1,5 m tiefen Brunnengrube stammt Unter der örtlichen Grabungsleitung
liche Beauftragte der Landesarchäologie wenig Keramik, darunter Reste eines Ge- von Michael Obst fand sich in einer Gru-
Heiko Ricken erste Funde von der abge- fäßes mit plastischen Auflagen, die mit be das Bruchstück eines Idoles aus Ton.
schobenen Fläche gemeldet hatte, zeigte den Abdrücken einer Fibelspirale verziert Das unvollständige Objekt hat noch eine
die nun notwendig gewordene Grabung, worden sind. Diese fibelspiralverzierte Ke- Länge von 6,3 cm. Während der obere Ab-
dass etwa 1,2 m unterhalb des Niveaus mit ramik deutet auf einen kaiserzeitlichen schnitt walzenförmig ist mit einem Durch-
dem obertägigen Kulturdenkmal die Res- Kontext der Fundstelle. Aus zwei weite- messer von 2,0 bis 2,4 cm, bilden sich nach
te sehr viel älterer archäologischer Be- ren Gruben, die ansonsten teils dicht mit unten zwei »Beine« aus. Dort nimmt der
funde im Boden schlummern. kleineren Feldsteinen verfüllt waren, Querschnitt die Form einer »8« an, wobei
Im alten lehmigen Schwemmboden stammen neben anderen Funden geraute ein Bein leicht nach vorne gestellt zu sein
zeichneten sich die Gruben von 28 Pfos- Wandungsscherben und Reste von situ- scheint. Hier ist die Figur abgebrochen,
ten ab. Sie sind Teil eines wohl zwei- laartigen Gefäßen. Ob das Haus mit Grä- vermutlich war sie stehend dargestellt.
schiffigen Pfostenbaues, der zu einem ben, Brunnen und Gruben zu einem ein-
großen Teil jedoch gestört war: Ursache der zelnen Gehöft gehörte oder den Rand ei-
Störungen ist eine Sauna samt Schwimm- nes größeren Siedlungsareals anzeigt,
becken, die zuletzt hier stand. Teilweise lässt sich aufgrund des kleinen Grabungs-
überschnitten diese Pfosten einen fla- ausschnitts derzeit leider noch nicht sa-
chen, offenbar älteren Graben. Aus einer gen. | F. Baak, D. Bischop

Bremerhaven-Lehe.
Grabungen »Am Kalk-
ofen« legten eine ger-
manische Siedlung frei.
Links im Hintergrund
der historische Kalkofen
von 1850.

54 AiD 5 | 2019 ü
werden. Mittig verläuft ein Gürtel aus zwei Münzumlauf von der Spätantike zum
parallelen Linien mit Punkten um die Fi- Frühmittelalter stark abnimmt.
gur. Unterhalb könnte ein hosenartiges Auf der Vorderseite ist ein stark stili-
Kleidungsstück angedeutet sein. Strich- sierter Kopf zu erkennen – auf dem by-
führung und Punkte sind nicht eindeutig zantinischen Vorbild war dort das Porträt
anzusprechen. Oben ist die Figur vermut- eines Herrschers abgebildet. Die Rücksei-
lich nackt: Auf der Rückseite sind neben te ziert ein christliches Kreuzsymbol. Die
der Wirbelsäule auch die Rippen erkenn- Umschrift AVNARIVS verweist vermutlich
bar. Diese Darstellung ist vergleichsweise auf einen merowingerzeitlichen Münz-
häufig auf menschengestaltigen Figuri- meister, der für die Herstellung verant-
nen anzutreffen und wird als »Tannen- wortlich war. Dass die unvollständige Um-
zweigmuster« beschrieben. Auf der Vor- schrift auf der Vorderseite den Prägeort
derseite bilden zwei einfache Striche ge- angab, ist unwahrscheinlich, da dies zu-
kreuzte Arme, die in klauenartigen Hän- mindest im Merowingerreich unüblich war.
den mit nur zwei Fingern münden. Als Reaktion des abebbenden Münz-
Anthropomorphe Figuren aus Ton sind umlaufes werden ab 660 im Merowinger-
mehrfach in bandkeramischem Zusam- reich Silbermünzen geprägt, die schritt-
menhang nachgewiesen; in der Regel sind weise die goldenen Tremisses ersetzten.
sie unvollständig. Frauenfiguren über- Eine Datierung zwischen dem Ende des
Das Fundstück ist flächig mit Punkten Frankfurter-Niederesch- wiegen, nur einmal konnte zweifelsfrei ein
und Ritzlinien verziert. Am oberen Ende bach. Auf der Abwick- Mann erkannt werden. Im vorliegenden
lung sind Details auf
deutet eine umlaufende Linie einen Hals- Fall dürfte es sich deshalb ebenfalls um
dem bandkeramischen
schmuck oder Kragen an. Hier befindet Tonidol eingeritzten eine Frau handeln. Durch die Beifunde, die
sich mittig im Querschnitt ein Loch von Darstellungen zu erken- bisher ausschließlich in die Stufe Flom-
4 mm Durchmesser. Möglicherweise ist die nen. born eingeordnet werden können, ergibt
Figur an dieser Stelle nicht abgebrochen, sich eine Datierung des Funds ab etwa
sondern hatte einen separaten »Kopf«. Die 5300 v. Chr. In der gleichen Grube fanden
übrige Verzierung kann als Darstellung sich außer Keramik auch Fragmente von
von Kleidung bzw. des Skeletts gewertet Steingeräten und insgesamt sechs Ton-
perlen sowie ein verziertes Miniaturgefäß.
| A. Hampel

Rechts: Rüsselsheim- »Barbar« im Kleingarten


Königstädten. Goldener Aus Rüsselsheim-Königstädten im Kreis
Tremissis der Merowin-
Groß-Gerau wurde im Herbst 2018 bei der
gerzeit, gefunden un-
weit des Mains. Bewirtschaftung eines Kartoffelbeetes in
einem Kleingarten unweit des ehemaligen
Mainbettes zufällig eine Goldmünze ent-
deckt. Bei der Münze handelt es sich um
einen sogenannten Tremissis, eine Drit-
telmünze der spätrömischen Standard-
goldmünze Solidus. Mit nur 1,3 g und
10 mm Durchmesser ist sie kleiner als heu-
te unsere Münzen im Wert von 1 Cent. 6. und der Mitte des 7. Jh. erscheint für
Tremisses wurden ab dem Beginn des das vorliegende Stück daher am wahr-
5. Jh. in großer Menge durch die kaiserli- scheinlichsten. Derartige Münzen finden
chen Münzstätten des Byzantinischen Rei- sich meist als Grabbeigabe, so fünf ver-
ches geprägt. Sie etablierten sich während gleichbare Nachprägungen in drei süd-
Frankfurter-Niederesch- des 5. und 6. Jh. in ganz Europa und dem hessischen Gräberfeldern. Hinweise für
bach. Bandkeramisches Mittelmeerraum als gängiges Zahlungs- Gräber oder Siedlungen fehlen allerdings
Idol aus Ton in Gestalt mittel. Bei dem vorliegenden Stück han- im Umfeld des Fundortes der Münze. Die
eines Menschen. Punkte
delt es sich jedoch um eine »barbarische vereinzelte Lage unweit eines Gewässers
und Ritzlinien deuten
Kleidung und Skelett an.
Nachprägung«, die als Rarität gelten darf: spricht daher entweder für einen zufälli-
Links Vorderseite, rechts Meist sind diese auch Pseudo-Imperial ge- gen Verlust oder eine gezielte Deponie-
Rückseite. nannten Prägungen Einzelstücke, da der rung als Opfer. | P. Steffens

ü AiD 5 | 2019 55
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Mecklenburg- kingerzeitlichen Bautraditionen zum nor- Niedersachsen


Vorpommern dischen Klinkerschiffbau des Mittelalters. Niedersächsisches Landesamt
Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Durch die Bordwand geführte Balken, spä- für Denkmalpflege
Mecklenburg-Vorpommern ter ein übliches Baumerkmal, tauchen an Scharnhorststraße 1
Landesarchäologie 30175 Hannover
den Schiffen von Wismar und Bergen erst- Tel. 0511 925-5300 oder 925-5309,
Domhof 4/5
19055 Schwerin malig auf. Fax 0511 925-5296
Tel. 0385 58879-643, Fax 0385 58879-344 Das »Große Schiff von Wismar« war archaeologie@nld.niedersachsen.de
AiD-Korrespondent: Dr. Detlef Jantzen AiD-Korrespondent:
etwa 24 bis 26 m lang, 8 m breit und konn- Friedrich-Wilhelm Wulf M. A.
d.jantzen@kulturerbe-mv.de
te bei 3 m Seitenhöhe etwa 50 bis 60 t Last friedhelm.wulf@nld.niedersachsen.de
tragen. Der Bau solch großer seegehender
Handelsschiffe verbrauchte enorme Res-
Ein mächtiges Schiff sourcen. Sie werden deshalb als Indikato- Auf den Spuren der
Zwischen 1184 und 1190 wurden im heuti- ren für professionalisierten Seehandel mit »Schwarzen Schar«?
gen Westschweden Eichen und Kiefern für Massengütern verstanden. Als Eigentü- Am Rand der Altstadt von Braunschweig
den Bau eines großen Handelsschiffs ge- mer werden reiche Kaufleute, Mitglieder wurde durch die Arcontor Projekt GmbH
schlagen. Erfahrene Schiffbauer schufen des Adels oder des Klerus vermutet. der Bau eines Neubaus überwacht. Dabei
daraus mit handwerklicher Präzision ein Auch das »Große Schiff von Wismar« konnte ein Teil des ehemaligen Kloster-
großes klinkergebautes Fahrzeug, das muss in diesem Kontext gesehen werden. friedhofs St. Crucis dokumentiert werden.
schon wenige Jahre später seine letzte Rei- Die Bau- und Nutzungsphase des Schiffs Die teilweise dicht gedrängte Bele-
se an die südliche Ostseeküste antrat, wo fällt in die Zeit des florierenden dänischen gung mit Individuen aller Altersklassen
es in der Wismarbucht versank. Im sandi- Seehandels unter der Herrschaft Knuts VI. reichte vom Spätmittelalter bis in das frü-
gen Schlick blieb fast die gesamte Back- und Valdemars II. Der Fund des Wracks an he 19. Jh. Ungewöhnlich war ein Massen-
bordseite erhalten, teilweise bis über das der südlichen Ostseeküste, zu dieser Zeit grab mit acht Männern aus der Zeit zwi-
Deck hinaus. Ende 2017 wurde das Wrack Teil des dänischen Herrschaftsbereichs, ist schen 1780 und 1840. Spuren schwerer Ge-
unter Wasser dokumentiert, anschließend daher wenig überraschend. Interessant walteinwirkung an den Skeletten der Ver-
geborgen und an Land weiter untersucht. sind jedoch die Rückschlüsse, die sich für storbenen deuten auf ein kriegerisches
Es handelt sich um den bislang am die Geschichte der Stadt Wismar ergeben. Ereignis hin. Aufgrund des zeitlichen Zu-
besten erhaltenen und vollständigsten Offensichtlich gab es mit dem 1209 er- sammenhangs kommt dafür der Feldzug
Fund eines Schiffstyps, der in wenigen wähnten »portus Wissemer« bereits vor von Herzog Friedrich Wilhelm I. von
Exemplaren aus dem Ostseeraum und von der Stadtgründung einen Hafen, der be- Braunschweig-Lüneburg-Oels (1771–1815)
der norwegischen Westküste (»Großes deutend genug war, um von einem großen mit seinem Herzoglich Braunschweigi-
Schiff von Bergen«) bekannt ist. Der Typ skandinavischen Handelsschiff angelau- schen Korps infrage. Das Korps war be-
kennzeichnet die Übergangsphase von wi- fen zu werden. | J. Auer kannt als »Schwarze Schar«. Der Herzog
kämpfte mit einer 1800 bis 2000 Solda-
ten umfassenden Streitmacht an der Sei-
te Österreichs 1809 im Fünften Koaliti-
onskrieg gegen Napoleon I. Nach der
Niederlage Österreichs versuchte er, die
Nordseeküste zu erreichen. Am 1. August
kam es mit einer westfälischen Armee
bei dem nordwestlich von Braunschweig
gelegenen Dorf Ölper zu einem siegrei-
chen Gefecht. Zurück blieben vermutlich
etwa 200 bis 500 Gefallene und Sterben-
de, deren Bestattung den Mönchen im
Kloster St. Crucis oblag.
Die Toten des Massengrabes waren im
Alter von 20 und 45 Jahren umgekommen
und ihre Knochen wiesen eine Reihe von
Traumata durch scharfe und stumpfe Ge-
walt auf. Besonders an Köpfen und Ober-
körpern waren Verletzungen festzustel-
Wismar. Wrack des großen Handels-
schiffes nach der Freilegung in 3 bis
len, die auf Stich- und Hiebwaffen zu-
4 m Wassertiefe. Der Bug zeigt nach rückgehen. Weiterhin lagen vereinzelte
rechts. Verletzungen durch Projektile wie Metall-

56 AiD 5 | 2019 ü
splitter und Bleikugeln vor. Diese Verlet- Braunschweig. Massen- als Fund nicht nur lokalhistorisch von Be- Eine seltene Wikingerfibel wurde kürz-
zungen entsprechen der Waffentechnik grab mit acht Soldaten deutung, sondern geben auch Hinweise lich durch unseren ehrenamtlichen Mit-
der napoleonischen
der napoleonischen Kriege. Allerdings zum Lebensbild von Soldaten während arbeiter Torben Schuback im Rahmen ge-
Kriege auf dem Kloster-
wird es wohl nicht mehr möglich sein, die friedhof St. Crucis. der napoleonischen Epoche. zielter Begehungen mit Metalldetekto-
Gefallenen einer der Kriegsparteien zu- | O. Beykirch, R. Brosch ren bei Horneburg entdeckt. Die Fund-
Horneburg. Vergoldete
zuordnen, denn es lagen keine Funde von Wikingerfibel im Borre-
stelle liegt in der Nähe einer ausgedehn-
Resten der Ausrüstung oder Uniformen stil, Durchmesser etwa Angreifenden Wikingern ten früh- und hochmittelalterlichen Sied-
vor. Die Skelette dieses Massengrabes sind 2,5 cm. auf der Spur lung am Fluss Aue.
Im Frühmittelalter waren große Teile Die Fibel ist leider am Rand ziemlich be-
Europas von wiederkehrenden Angriffen schädigt. Das Schmuckstück besteht aus
der Wikinger betroffen. So auch das Ge- einer feuervergoldeten Kupferlegierung
biet der unteren Elbe: im Jahr 845 fuhren und zeigt drei nach innen blickende Tier-
angeblich 600 Wikingerschiffe gen Ham- köpfe, die durch ein dreiarmiges Orna-
burg, wo die Hammaburg ihr Ziel war. Im ment voneinander getrennt sind. Dies
Juni 994 ist ein weiterer Überfall durch ei- sind charakteristische Merkmale des Bor-
ne Flotte überliefert, dem Stade seine ers- restils. Die Fibeln gehörten zur Frauen-
te Erwähnung vor 1025 Jahren verdankt. tracht und sind in der ersten Hälfte des
Auch archäologische Spuren haben die 10. Jh. hergestellt worden. Schwerpunkte
Wikinger in unserem Gebiet hinterlassen. der Verbreitung dieses Typs liegen in
Einige Waffen aus den Flüssen Schwinge Skandinavien, hier insbesondere in Birka,
und Elbe könnten mit ihren Überfällen zu- in Ostengland (Danelaw) und in Haithabu.
sammenhängen. In der Stader Altstadt Daneben wurden einige Exemplare in
wurde außerdem ein wikingerzeitlicher Russland und nun bereits die dritte Fibel
Silberarmreif gefunden und bei der Aus- in und um Hamburg entdeckt (vgl. AiD 3/
grabung der Grablege der Udonen in Har- 1993, 45). Diese Funde belegen die Einbe-
sefeld hat man möglicherweise eine von ziehung des Niederelbegebiets in die
den Wikingern verstümmelte Geisel des Kommunikationsnetzwerke der Wikinger.
Jahres 994 identifiziert. | D. Nösler

ü AiD 5 | 2019 57
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Essen. Mittelalterlicher ten. Im Inneren der Häuser bilden bis zu


Nordrhein-Westfalen bis neuzeitlicher Weg
LVR-Amt für Bodendenkmal- drei Pfostenpaare einen Korridor und glie-
mit Wagenspuren auf
pflege im Rheinland dem Gelände der Fried-
dern die Gebäude in vier Schiffe bzw. ei-
Endenicher Straße 133 nen kleineren und einen größeren Haus-
rich-Krupp-Gussstahl-
53115 Bonn
Tel. 0228 9834-0, Fax 0228 9834-119 fabrik. teil in Querrichtung. Zudem kam eine
AiD-Korrespondentin: Dr. Michaela Aufleger Ecksituation mit sich überschneidenden
Michaela.Aufleger@lvr.de Wandgräbchen zutage, wie man sie bei
LWL-Archäologie für Westfalen Schwellbalken- oder Blockbauten erwar-
An den Speichern 7
48157 Münster ten würde. Die Befunde enthielten Kera-
Tel. 0251 591-8921, Fax 0251 591-8805 mikscherben, Lavabasalt, kalzinierte Kno-
AiD-Korrespondent: Nils Wolpert M.A.
chenreste und Rotlehm. Die Keramik ist
nils.wolpert@lwl.org
in die Mittel- bis Spätlatènezeit einzuord-
Köln: Römisch-Germanisches Museum/
Archäologische Bodendenkmalpflege nen; dazu passt die AMS-Datierung drei-
Roncalliplatz 4 er Getreidekörner in das 4. bis 1. Jh. v. Chr.
50667 Köln
Anhand der hier dokumentierten Merk-
Tel. 0221 22124-543, Fax 0221 22124-030
AiD-Korrespondent: Dr. Marcus Trier male ist es möglich, Befunde von Altgra-
Marcus.Trier@Stadt-Koeln.de bungen neu zu beurteilen. So zeigt eine
erste Recherche in den Datenbeständen
des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege
Häufiger als gedacht: im Rheinland, dass metallzeitliche Wand- fanden sich allesamt unter dem etwa
große Häuser mit Wandgräbchen gräbchenhäuser deutlich häufiger waren, 215 × 285 m messenden Walzwerk 2 der Fa-
Auf der Rheinischen Lössbörde galten als bislang angenommen. | R. Peters brik, das im Ersten Weltkrieg errichtet und
Pfosten-Kleinbauten lange Zeit als die typi- in den 1960er Jahren abgerissen wurde.
schen metallzeitlichen Wohnhäuser. In den Unter dem Walzwerk Bislang gab es nur wenige ältere Spu-
letzten Jahren hat sich gezeigt, dass in Bei der archäologischen Begleitung um- ren, die in die Zeit vor der Werksgründung
der späten Eisenzeit auch von Wandgräb- fangreicher Bauarbeiten auf dem Gelän- an der Altendorfer Straße im Jahr 1818
chen eingefasste Großbauten existierten. de der ehemaligen Friedrich-Krupp-Guss- zurückreichen, obwohl es besonders in
Im Frühsommer 2018 konnte im Er- stahlfabrik gelang es gegen alle Erwar- den letzten beiden Jahrzehnten zu um-
weiterungsareal einer nordwestlich von tungen, ältere Befunde aufzudecken. Da- fangreichen Baumaßnahmen auf dem
Erftstadt-Blessem gelegenen Kiesgrube zu zählen nicht nur zwei unbekannte ehemals mehrere hundert Hektar großen
ein neues späteisenzeitliches Wandgräb- Bunkeranlagen, sondern auch Reste eines Gelände kam. Dies steht mit der allmäh-
chenhaus dokumentiert werden. Typisch Erftstadt-Blessem. mittelalterlichen bis neuzeitlichen We- lichen Ausdehnung der Stahlfabrik im Zu-
für diese etwa 15 m langen und 8 m brei- Schrägaufnahme des ges mit Wagenspuren, der von der Innen- sammenhang: Riesige Flächen wurden
Profiles vom Wand-
ten Gebäude vom »Typ Pommenich« sind stadt zu einer 1375 urkundlich erwähnten eingeebnet und nach Bedarf Bodenma-
gräbchenhaus Richtung
der umlaufende Wandgraben mit vorge- Südosten mit Markie-
Mühle führte, die bis 1740 in Betrieb war. terial dort ab- oder aufgetragen, wo es das
lagerten Stützpfosten sowie zwei gegen- rung der Umrisse des Auch einige wohl vorgeschichtliche Be- stetig wachsende Werk erforderte. So ent-
überliegende Eingänge an den Langsei- Befunds. funde wurden entdeckt. Die Strukturen stand westlich der Essener Innenstadt im
Laufe von 200 Jahren eine nahezu ebene
Fläche, auf der sich die Fabrik ausdehnte.
Es war ein Glücksfall, dass man nun nä-
here Erkenntnisse zur Nutzung des Ge-
ländes vor dem Bau der Fabrik gewinnen
konnte. | D. Hopp

Goldenes Unikat aus dem


Rheinland
Ein besonders seltenes Objekt konnte ein
lizensierter Sondengänger im Umfeld ei-
ner römischen Siedlungsstelle auf der öst-
lichen Jülicher Lössbörde von der Ober-
fläche auflesen: eine goldene Fibel. Er
meldete den Fund umgehend der zustän-
digen Gebietsaußenstelle Nideggen des
LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im
Rheinland.

58 AiD 5 | 2019 ü
Jülicher Lössbörde. Retuscheur im Acker »Fragment mit Gesicht« –
Von der Oberfläche auf- Gilbert Schmelter spürt nun schon seit Augen schauen dich an!
gelesen: zweigliedrige
Jahren erfolgreich den steinzeitlichen Be- Eine Überraschung verbarg sich in einem
Fibel mit Rollenkappe
aus Gold, mittleres bis siedlungsspuren im südlichen Sauerland Buntmetallkonvolut aus Salzkotten-Schar-
spätes 1. Jh. n. Chr. (Westfalen) nach. So gelang ihm der Fund mede im Kreis Paderborn, das der lizen-
eines neandertalerzeitlichen Levallois- zierte Sondengänger Viktor Langolf ge-
Kerns, der die Besiedlungsgeschichte des sammelt hatte. Auf einem flachen, mas-
Kreises Olpe gleich um einige Jahrzehn- siven und feuervergoldeten Buntmetall-
tausende tiefer in die Vergangenheit hi- fragment ist das Gesicht eines Mannes mit
nein verlängerte. mandelförmigen Augen, knolliger Nase
2018 konnte Schmelter unweit seiner und herabhängendem Schnurbart zu er-
Heimatstadt Attendorn eine neue Fund- kennen. Oberhalb der Stirn folgt der Haar-
stelle der letzten Jäger und Sammler, al- ansatz oder eine Kopfbedeckung. Zudem
so des Mesolithikums (9500–5300 v. Chr.), ist der Kopf eines Tieres mit hochgezo-
lokalisieren. Neben einigen Steinwerk- genem Mundwinkel, mandelförmigem
zeugen, darunter Kratzer und typische Auge und spitzovalem, angelegtem Ohr
frühmesolithische Pfeilspitzen (Mikroli- dargestellt, an den ein Vorderlauf an-
then) aus dem heimischen Kieselschiefer schließt. Dieser befindet sich auf einem
sowie dem ortsfremden Nordischen Feu-
Es handelt sich um eine aus zwei Tei- erstein glückte ihm im vergangenen Spät-
len hergestellte zweigliedrige Fibel mit winter ein ganz besonderer Fund. Das vom
Rollenkappe. Sie ist nahezu vollständig er- Pflug nur relativ wenig beschädigte,
halten, nur die zugehörige Spirale mit- 9,4 cm lange und 116 g schwere, ovale Ge-
samt der Nadel und ein Granulatkügel- röll trägt zahllose feine Kratzer und weist
chen fehlen heute. Die Fibel ist 32 mm lang deutlich abgestoßene Kanten auf sowie
und maximal 15 mm breit, ihr Gewicht be- vier ausgesprochen markante Narbenfel-
trägt 4,1 g. Der Bügel ist durch eine Draht- der – zwei auf jeder Seite – an den Enden
umwicklung durchgehend quergerippt auf. Es handelt sich um ein klassisches
und schließt mit einem profiliert gear- Werkzeug zum Retuschieren. Das Gerät
beiteten Fuß mit aufgesetztem Endknopf besteht aus einem Tonschiefermaterial
ab. Um den Halsansatz des Bügels verläuft
ein feines Band aus kleinen Kügelchen, die Salzkotten-Scharmede. Figürlich ver-
in Granulattechnik einzeln aufgesetzt ziertes Fragment, 2,4 cm lang, 1,7 cm
breit und 0,5 cm dick.
wurden. Der Feingehalt des Goldes be-
trägt etwa 22 Karat. Im Bereich der Gra-
nulation konnte ein Kupfergehalt von 5 % horizontalen Motiv, das an das Gesicht des
gemessen werden, der auf Lötungen oder Mannes anstößt. Schwache Bildreste zwi-
Schweißungen hindeutet. Fibeln aus Gold schen Tierkopf und Gesicht sind nicht
sind im Römischen Reich extrem selten. mehr zu deuten. Die untere Kante ist mit
Die Fertigungstechnik und der profilierte floralen Ornamenten verziert.
Endknopf des Fibelfußes erlauben eine Erinnert die Abbildung zunächst an
Datierung in das mittlere bis späte 1. Jh. Maskendarstellungen auf latènezeitlichen
n. Chr. Formelemente verweisen in den Objekten, ergab eine Röntgenfluoreszenz-
ostalpin-rätischen Raum. Die sofortige analyse, dass in der Kupferlegierung Zink
Meldung des Fundes und das Verständ- enthalten ist – eine Materialzusammen-
nis für die Einordnung als Fund von be- setzung, die typischerweise in die Völker-
sonderer wissenschaftlicher Bedeutung wanderungszeit bis ins Frühmittelalter zu
im Sinne des Denkmalschutzgesetzes von Attendorn. Retuscheur und diente der Feinbearbeitung von Si- datieren ist. Gerade aus dieser Zeit sind
Nordrhein-Westfalen zeigt einmal mehr aus feinkörnigem Ton- lexgeräten. Zusammen mit dem reichlich auch maskenartige Motive bekannt. Das
schiefergeröll: Das spitz-
die gute Zusammenarbeit, die sich mitt- vorhandenen Schlagabfall belegt der Re- genaue Alter des Stückes ist bisher eben-
ovale Gerät diente nach-
lerweile zwischen den Heimatforschern eiszeitlichen Jägern und tuscheur, dass Mitglieder einer frühnach- so unklar wie sein funktionaler Zusam-
mit Erlaubnis zur Benutzung von Metall- Sammlern zur Bearbei- eiszeitlichen Gruppe von Jägern und menhang und seine Herkunft. Nun als
sonden und der hauptamtlichen Boden- tung ihrer Steinwerk- Sammlern am nördlichen Biggeufer in- Schatzregal-Objekt in Landeseigentum
denkmalpflege im Rheinland etabliert hat. zeuge. tensiv Steingeräte bearbeiteten. wartet der Fund darauf, weiter entschlüs-
| E. Deschler-Erb, R. Vogel, P. Tutlies | M. Baales selt zu werden. | J. Hallenkamp-Lumpe

ü AiD 5 | 2019 59
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Heek-Nienborg. Reich
Rheinland-Pfalz
ausgestattetes Flach-
Generaldirektion Kulturelles Erbe
grab der Trichterbecher-
Rheinland-Pfalz
kultur. Fünf von insge-
Direktion Landesarchäologie
samt sieben Beigefäßen Festung Ehrenbreitstein
schauen gerade so aus 56077 Koblenz
der Fläche heraus. Tel. 0261 6675-3000, Fax 0261 6675-3010
AiD-Korrespondent: Dr. Cliff A. Jost
cliff.jost@gdke.rlp.de

Ahnherrin von Metternich?


Spärliche Hinweise auf ein frühmittelal-
terliches Gräberfeld im Nordosten von
Metternich, Stadt Koblenz, gibt es schon
seit Beginn des 20. Jh., als einzelne beim
Abbau von Bims zutage getretene fränki-
sche Grabfunde ins damalige Koblenzer
Schlossmuseum gelangten. Fortschrei-
tender Bimsabbau und speziell in den
1970er Jahren die Errichtung des Neu-
baugebiets »Im Bienenstück« führte dann
ohne jede archäologische Dokumentation
zur großflächigen Zerstörung des Grä-
Reich ausgestattete Gräber Grabgrube deponierten Gefäße sind sehr berfelds. Zu den wenigen Personen, de-
der Trichterbecherkultur fragil und mussten »im Block« geborgen nen die kulturhistorische Bedeutung des
Die LWL-Archäologie für Westfalen hat werden. Sie müssen noch in der Restau- Ortes damals überhaupt bewusst war, ge-
im Juni 2018 in Zusammenarbeit mit der rierungswerkstatt freigelegt und stabili- hörte der Metternicher Bürger Philipp Nick.
Gemeinde Heek und dem Investor damit siert werden, erst danach wird eine ge- Aus den Baugruben für die Neubauten si-
begonnen, in Heek-Nienborg ein etwa 2,5 ha naue Datierung möglich sein. cherte er zahlreiche Funde und bewahrte
großes Gelände zu untersuchen. Wie Die Entdeckung eines jungsteinzeitli- sie auf.
durch Prospektionsschnitte bereits ver- chen Gräberfeldes kann als Glücksfall be- Die ungewöhnlichen Stücke wurden
mutet, verbirgt sich auf dem Gelände ei- zeichnet werden. Es zeigt uns, dass immer erst dieses Frühjahr der Landesarchäolo-
ne eisenzeitliche Siedlung. Bisher konn- noch viele Zeugnisse unserer Vorfahren gie gemeldet und übergeben. Herausra-
ten drei Wohnstallhäuser und über 20 unerkannt im Boden versteckt sind. gende Stücke konnten zeitnah für eine
Vier-, Sechs- und Achtpfostenspeicher so- | I. Pfeffer, L. Pak Ausstellung restauriert werden. Sie lassen
wie einige Gruben nachgewiesen werden. nun ein ausgedehntes Gräberfeld erken-
Überraschend wurden nun – erstma- nen, das von der zweiten Hälfte des 5. bis
lig seit den 1990er Jahren im Münster- Heek-Nienborg. Bereits in der Restaurierungs-
ins 9. Jh. n. Chr. hinein belegt wurde.
land – etwa zwei Dutzend Flachgräber der werkstatt freigelegt: aufwendig verziertes Gefäß Einige der auffälligsten Fundstücke
jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur aus einem Grab der Trichterbecherkultur. stammen offenbar aus einem besonders
freigelegt. Im Gegensatz zu den sonst in reich ausgestatteten Frauengrab des frü-
dieser Kultur üblichen Großstein- hen 6. Jh.: ein Goldohrring mit Polyeder-
gräbern bzw. Kollektivgräbern kapsel und Schmucksteineinlagen, eine
bestattete man hier die Toten prächtige vergoldete Siebenknopf-Bügel-
in Einzelgräbern mit reichen fibel mit Kerbschnittdekor und roten Al-
Beigaben. Erhalten haben mandineinlagen, eine Amulettkugel aus
sich Tongefäße und Beilklin- durchscheinendem reinem Bergkristall,
gen sowie Pfeilschneiden die an einem mit Goldplättchen bestück-
aus Feuerstein. Diese All- ten Lederband getragen wurde, Teile ei-
tagsgegenstände ermögli- nes silbernen Essbestecks und ein silber-
chen einen Einblick ins Leben ner Hakenschlüssel für ein mit bronze-
und Sterben in der Mitte des nen Pressblechen verkleidetes Holzkäst-
4. Jt. v. Chr. Bedingt durch die Bo- chen. Die Eisenbeschläge eines hölzernen
denverhältnisse haben sich leider Schankeimers und ein bronzenes Perl-
keine Knochen der bestatteten Men- randbecken gehörten zum Tafelgeschirr.
schen erhalten. Die sorgfältig in der Alles das kennzeichnet die so ausgestat-

60 AiD 5 | 2019 ü
Koblenz-Metternich. Bei Metalldetektorprospektionen in-
Auswahl an Funden der nerhalb eines Grabgartens fanden die li-
Sammlung Nick aus dem
zensierten Sondengänger Waldemar Hei-
fränkischen Gräberfeld.
Länge der vergoldeten debrecht und Christoph Winkels ein grö-
Bügelfibel 10,8 cm. ßeres Bronzeobjekt, das dann durch die
Mitarbeiter der Landesarchäologie zu-
sammen mit den Findern untersucht und
geborgen wurde. Dabei kam eine Asche-
grube zutage, die mit stark verbrannten
Gefäßen aus Metall, Glas und Keramik ver-
füllt war. Solche Aschegruben stehen in
Zusammenhang mit Gedenkfeiern an die
Toten. In der Grube fanden sich zahlreiche
Terra-Sigillata-Gefäße aus La Graufesen-
que in Südfrankreich. Von Zentral- oder
Südgallien wurde ein bleiglasierter Krug
in den Hunsrück importiert. Der bronze-
ne Einhenkelkrug mit Deckel und ge-
schmolzene Reste von Glasgefäßen ver-
vollständigen das sehr exklusive Trink-
und Ess-Service. Dieses besteht aus drei
in der Region sehr seltenen reliefverzier-
ten Trinkbechern der Form Dragendorff 30,
drei Tellern Dragendorff 18 und einer meist
durch drei teilbaren Anzahl an weiteren
Schälchen aus Terra Sigillata.
Inwiefern man hieraus eine Mindest-
zahl von drei Teilnehmern an den Feier-
lichkeiten schlussfolgern kann, müssen
Heyweiler. Metall- weitere Studien zeigen. Die Grube ist in
und Keramikfunde aus den Zeitraum von 60 bis 80 n. Chr. zu da-
Aschegrube in Grab-
tieren. Die während der Gedenkfeierlich-
garten.
keiten in der Aschegrube vergrabenen
Ess- und Trinkgefäße belegen auf jeden
Fall eindrucksvoll die intensiven Kontak-
te der Bewohner des Hunsrücks nach Süd-
gallien. | P. Henrich, J. Astorg

tete verstorbene Dame als Herrin und


Gastgeberin eines größeren Hofes. Die-
ser lag vermutlich rund 300 m südwestlich
vom Begräbnisplatz entfernt im mittel-
alterlichen Ortskern von Metternich und
war somit letztlich auch der Ursprung des
heutigen Koblenzer Stadtteils.
| C. A. Jost

Aus Südgallien in den Hunsrück –


aber nicht zurück!
Bei geomagnetischen Untersuchungen
wurden bei Heyweiler im Rhein-Hunsrück-
Kreis große Grabgärten entdeckt. Diese
charakteristischen Bauten dienten im
Hunsrück vom 2. Jh. v. Chr. bis ins 3. Jh.
n. Chr. als Bestattungsplätze.

ü AiD 5 | 2019 61
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Sachsen unter der heutigen Geländeoberfläche.


Landesamt für Damit lagen die Sohlen der Gruben und
Archäologie Sachsen ihre Verfüllung im unteren Bereich un-
Zur Wetterwarte 7 mittelbar über der Sohle auf der Höhe
01109 Dresden
Tel. 0351 8926-199, Fax 0351 8926-666 Grundwasser führender Sedimente, was
www.archaeologie.sachsen.de vereinzelt zur Erhaltung organischer Ma-
info@lfa.sachsen.de terialien führte. Den tiefen Gruben ist au-
AiD-Korrespondent: Dr. Hans-Peter Hock
ßerdem eine gebänderte Verfüllung ge-
meinsam, in deren unteren Bereichen mit-
unter größere Gefäßteile oder vollstän-
Tiefe Gruben der Schnurkeramik dige Gefäße zutage traten. Allgemein sind
Bei Ausgrabungen vor der Zerstörung durch die Befunde jedoch als fundarm anzu-
die Erweiterung des Braunkohletagebaus sprechen: Nur neun Gruben führten Ke-
Peres wurde ein Areal entdeckt, auf dem ramik, vier weitere enthielten Holz- oder
sich zahlreiche Gruben der Schnurkera- Knochenfunde. Eine der Befundkonzen-
mischen Kultur aus der Zeit von 2800 bis trationen wird von 14 Schlitzgruben um-
2200/ 2100 v. Chr. befanden. Die Fundstel- geben, die bogenförmig den Abschnitt mit
le am Rand einer leichten Geländeerhe- den Gruben umschließen. Das zeitliche
bung in Droßdorf (Lkr. Leipzig) bestand Verhältnis zu den schnurkeramischen Gru-
aus drei Konzentrationen mit Befunden, ben ist noch zu klären, ebenso die Funk-
die alle in einer flachen Senke angelegt tion der tiefen Befunde. | H. Gärtner stelle bis 1970 bewohnt. Anhand vorhan-
worden waren. Kieritzsch. Kurfürstliche dener Mauern, Fundamente und Fußbö-
Annähernd 260 Gruben konnten frei- Kurfürstliche Kachel Insignien weisen auf den konnte ein Ensemble aus Wohnhaus,
eine Entstehungszeit
gelegt werden, von denen 30 aufgrund ih- In den Jahren 2018 und 2019 wurde der Stallgebäude, mehreren Scheunen, Kel-
der Kachel nach 1656
rer Bauweise hervorzuheben sind. Diese ehemalige Müllerhof des Dorfes Kieritzsch hin – dem Jahr, in dem lern, Brunnen und Backöfen sowie Wege-
Gruben erscheinen im Planum rund bis im Vorfeld des Braunkohletagebaus Peres Johann Georg II. die Kur- strukturen nachgewiesen werden. Um-
oval, besitzen ein Profil in Form eines archäologisch untersucht. Während die fürstenwürde erlangte. bauphasen im Wohnhaus lassen sich
Schachts oder eines Trichters und errei- Mühle bereits in den 1920er Jahren abge- durch übereinanderliegende Fußböden
chen regelmäßig Tiefen von 1,5 bis 2,5 m rissen worden war, blieb die kleine Hof- belegen. Auf den Unterseiten der Boden-
fliesen des Waschhauses hatten sich als
Abdruck der Druckerschwärze Seiten von
Zeitschriften bzw. Katalogen erhalten, die
unter den Fliesen zur Entfeuchtung aus-
gelegt waren. Leserbriefe datieren die
Verlegung des letzten Fußbodens in die
Zeit kurz vor 1900. Neben modernen Erd-
befunden waren Erdmieten, Gruben, Grä-
ben und Keller älteren Datums im und
um die Gebäude herum fassbar. Das Fund-
material erlaubt, die Anfänge des Müller-
wesens von Kieritzsch in die zweite Hälfte
des 17. Jh., jedoch spätestens an den Be-
ginn des 18. Jh. zu datieren. Unter den
Fundstücken hervorzuheben ist eine
Medaillonkachel mit dem Porträt eines
Herrschers im Lorbeerkranz. Dass es sich
um den sächsischen Kurfürsten Johann
Georg II. (1613–1680) handeln dürfte, ver-
rät nicht nur das kurfürstliche Ornat aus
Hermelinmantel und Kurhut mit Reichs-
apfel links neben ihm, sondern auch die
Droßdorf. Profil einer
Inschrift »H.I.G.C.F.Z.S. I.C.V.B.«, die wohl
tiefen Grube, deren
gebänderte Verfüllung
zu »Herzog Johann Georg Churfürst zu
auf stehendes Wasser Sachsen, Jülich, Cleve und Berg« aufgelöst
hindeutet. werden darf. | P. Viol

62 AiD 5 | 2019
ü
Sachsen-Anhalt kleinen Lössinsel auf dem exponierten,
Landesamt für Denkmalpflege und nahezu spornartigen Hochufer in Verbin-
Archäologie Sachsen-Anhalt – dung stehen, das sich an dieser Stelle nach
Landesmuseum für Vorgeschichte Westen zur Flussaue der Elbe hin aus-
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale) buchtet. Auf historischen Karten erkenn-
Tel. 0345 5247-30, Fax 0345 5247-351 bare Altarme verlaufen unmittelbar am
www.lda-lsa.de Fuß des Hochufers, sodass ehemals mög-
poststelle@lda.stk.sachsen-anhalt.de
AiD-Korrespondentin: Manuela Schwarz M.A. licherweise eine Halbinsellage direkt über
dem Flusslauf gegeben war.
Vereinzelte Fundpunkte außerhalb der
Erste Bauern östlich der Elbe mitteldeutschen Schwarzerdeböden sind
In einem schmalen Grabungsschnitt im westlich der Elbe bereits bekannt. Auf
Vorfeld einer Deichsanierung am Auen- dem Siedlungsplatz bei Niegripp gelang
rand östlich der Elbe nördlich von Nie- nun der Nachweis der bislang nördlichs-
gripp im Landkreis Jerichower Land konn- ten linienbandkeramischen Hausgrund-
ten auf einer Länge von etwa 200 m jung- risse östlich der Elbe.
steinzeitliche und bronzezeitliche Befun- | T. Küntzel, D. Paddenberg
de dokumentiert werden. Darunter gab es
auch Ausschnitte von Hausgrundrissen. Glockenbecherzeitliches Grab
Der Großteil der Strukturen – Y-förmige mit Kupferdolch
Pfostenstellungen und Siedlungsgruben – Im Randbereich der durch eine linien-
gehört nach Ausweis des keramischen bandkeramische Siedlung mit zugehöri-
Fundmaterials der linienbandkerami- gem Gräberfeld geprägten Fundstelle
schen Kultur an, etliche zylindrische Gru- Halberstadt-Sonntagsfeld im Landkreis
ben datieren in die jüngere Bronzezeit. Es Harz befand sich auf einer heute kaum
wurden mindestens zwei, wahrscheinlich noch erkennbaren Kuppe ein Gräberfeld,
aber mehr linienbandkeramische Häuser das während der Glockenbecherzeit und
erfasst, da von Überlagerungen auszuge- frühen Aunjetitzer Kultur belegt worden
hen ist. Silexmaterial, darunter Klingen war. Bislang wurden im Zuge der Auswei- Halberstadt. Bestattung häuser die damals schon mehr als 2000
und Kernsteine, ein Dechsel aus Felsge- tung eines Wohngebietes sechs endneo- eines wohl glockenbe- Jahre alten Befunde zerstört.
cherzeitlichen Mannes.
stein und ein halbes Miniaturgefäß zäh- lithische und sieben frühbronzezeitliche In einer Tiefe, in der bereits der tonige
Vor dem Oberkörper
len zum Fundspektrum. Weiterhin wurde Bestattungen erkannt. Einige Niederle- liegt ein Dolch aus Boden ansteht, kam dunkle Erde von auf-
Keramik der Stichbandkeramik und der gungen befanden sich unmittelbar un- Kupfer. fallend lockerer Konsistenz zum Vor-
Rössener Kultur geborgen. terhalb der Grasnarbe, andere waren er- schein. Es kann auf eine Grabkammer aus
Der Platz zog offensichtlich über Jahr- heblich tiefer in den Untergrund einge- Holzstämmen oder Holzbohlen geschlos-
hunderte jungsteinzeitliche Siedlungsge- bracht worden; teils hatten während der sen werden, die zudem mit größeren Feld-
meinschaften an. Dies dürfte mit einer römischen Kaiserzeit errichtete Gruben- und Kalksteinen verkeilt war. 1,4 m unter-
halb der rezenten Oberfläche wurde ein
menschliches Skelett gefunden. Trotz des
schlechten Erhaltungszustandes war zu
erkennen, dass der Tote von Norden nach
Süden orientiert auf der linken Seite und
in Hockerstellung beigesetzt worden war.
Sein Blick ging nach Osten. Ausrichtung
und Stellung des Skeletts sowie ein fla-
cher Kupferdolch von 8 cm Länge, der im
Brustbereich lag, sprechen für die Be-
stattung eines glockenbecherzeitlichen
Mannes. Vor den Knien des Toten stan-
den zwei Gefäße. Die Bestattung wurde
Niegripp. Blick über die in einem Block von 2,2 m Länge, 1,6 m Brei-
Grabungsfläche in Rich-
te und 0,48 m Tiefe geborgen, der die Soh-
tung Elbaue. Im Vorder-
grund sind zwei linien-
le der Grabkammer mit massiven Holz-
bandkeramische Gruben brettern großzügig umfasste und unter-
erkennbar. fasste. | M. Sopp

ü AiD 5 | 2019 63
Aktuelles aus der Landesarchäologie

Schleswig-Holstein ner Schöpfvorrichtung und stammte von chens ist 9,5 cm lang, 4,0 cm breit, 2,0 cm
Archäologisches Landesamt einer im Jahr 1085 n. Chr. gefällten Eiche. hoch und aus Quarzit gearbeitet. Auf der
Schleswig-Holstein Neben Tierknochen und bearbeiteten kürzeren Oberseite sind mittig Spuren
Schloss Annettenhöh Hölzern wurde wenig Keramik gefunden, vom Benutzen erkennbar. Der aufgelese-
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24837 Schleswig darunter eine Wandscherbe mit pings- ne Stein hat eine gleichmäßig gepickte,
Tel. 04621 387-34 dorfartiger Bemalung und Kugeltopfscher- umlaufende Rille und kann in das 4. bis
AiD-Korrespondentin: Birte Anspach M.A. ben aus grob gemagerter Irdenware. Nach 6. Jh. n. Chr. datiert werden.
birte.anspach@alsh.landsh.de
der Keramik wurde die Warft von der zwei- Der Begriff Feuerschlagstein ist ei-
Lübeck: Hansestadt Lübeck
Der Bürgermeister ten Hälfte des 11. bis ins 13. Jh. genutzt. Ei- gentlich irreführend, denn im Gegensatz
Bereich Archäologie und Denkmalpflege ne ovale Konstruktion ist vermutlich als zu anderen Feuerschlägern wurde hier
Meesenring 8
Zisterne zu bewerten, die durch eine Quer- weder der Stein noch der Stahl zum Schla-
23566 Lübeck
Tel. 0451 122-7154 mauer in zwei gleich große Kammern un- gen verwendet. Vielmehr setzte man die
archaeologie@luebeck.de terteilt war. Sie war aus drei Reihen So- Spitze eines Feuerstahls in spitzem Win-
AiD-Korrespondent: Dr. Manfred Schneider
den aufgesetzt. In der westlichen Kammer kel auf den Stein und ritzte an seiner Ober-
war ein (späterer?) Sodenbrunnen einge- fläche entlang. Dabei entstanden Funken,
baut, die östliche Kammer war mit Klei mit denen man getrockneten Zunder-
Zisterne unter der Warft und Mist verfüllt. Die Höhe betrug noch schwamm entzünden konnte. Die umlau-
In Klanxbüll im Kreis Nordfriesland sollte 1,8 m, das Volumen der östlichen Kam- fende Rille ermöglichte es, den Stein z. B.
der südliche Teil einer bekannten Warft mer lässt sich auf 15,8 m3 bestimmen. Der mit einem Lederband am Gürtel zu be-
mit einem Reihenhaus überbaut werden. Einbau des Brunnens in der westlichen festigen – zusammen mit einer Gürtel-
Die bis zu 2 m tiefe Baugrube ermöglich- Kammer könnte auf eine Umnutzung der dose, die Zunder und Feuerstahl enthielt.
te, den Aufbau der Warft archäologisch zweiten Zisternenkammer hindeuten. Die Feuerschlagsteine dieser Art kommen
näher zu untersuchen. Überschneidung der Brunnenbaugruben vor allem in Skandinavien vor, aber auch
In den Profilen konnte eine ältere lässt auf eine längere Nutzungszeit schlie- an den Küsten Mecklenburg-Vorpom-
hochmittelalterliche Aufschüttung von ßen sowie auf eine wenig veränderte merns, Polens und des Baltikums sowie
einer jüngeren unterschieden werden. oberirdische Anordnung der Einbauten: in den nordseenahen Bereichen Nieder-
Nach Süden lag eine sanft abfallende, Drei Sodenbrunnen liegen konzentriert im sachsens und der Niederlande. Sie sind als
mächtige Schicht aus Stallmist auf dem Nordwesten der untersuchten Fläche. In Hinweise auf skandinavische Beziehungen
Randbereich des Warftkörpers. Daraus keinem konnten hölzerne Bauelemente gedeutet worden. Wenige Beispiele kennt
stammen die meisten Funde, darunter or- nachgewiesen werden, sie bestanden aus- man aus Gräbern, die meisten sind Einzel-
ganisches Material wie Leder, Holz, Woll- schließlich aus Soden. | D. Köther oder Siedlungsfunde. Sie kommen auch in
reste. Auf der Sohle der Baugrube, die be- dänischen Opfermooren wie Nydam,
reits in den anstehenden Klei reichte, wur- Feuermachen auf Ejsbøl oder Illerup vor, wo sie als persön-
den drei Gräben festgestellt, die bereits skandinavische Art liche Ausrüstungsgegenstände von Krie-
vor dem Aufschütten der Warft verfüllt Bei der Begehung eines Ackers in Schuby gern niedergelegt wurden. | L. Riskowski
worden waren. Des Weiteren fanden sich im Kreis Schleswig-Flensburg wurde ein
eine Zisterne und vier Brunnen. Ein ein- eisenzeitlicher Feuerschlagstein gefun- Kontinuierlich bebaut seit
zelner Pfosten war möglicherweise Teil ei- den. Das Stück in Form eines Webschiff- der Frühzeit Lübecks
Auf dem Gelände des Marienkrankenhau-
ses in Lübeck fanden im Frühjahr 2019
anlässlich des Baus einer Energiezentra-
Schuby. Stein zum Feu- le archäologische Untersuchungen statt.
ermachen. Die Rille Dabei wurden Strukturen erfasst, die in
diente zum Befestigen
die Frühphase der Stadt datieren. Eine ge-
am Gürtel.
naue Sichtung steht noch aus, doch auf
den ersten Blick gehört das Fundmateri-
al in die Zeit Ende 12. Jh./ Anfang 13. Jh.
Zu den ältesten Befunden zählen drei-
eckige Spaten- oder Hackspuren, die im
Norden des Areals in den gewachsenen
Boden einschneiden. Die älteste Kultur-
schicht besteht aus Sand, der mit Holz-
Klanxbüll. Zisterne, in
der westlichen Kammer
kohle durchsetzt ist und das gesamte
(rechts) ein Sodenbrun- Areal bedeckt. In der Fläche fanden sich
nen. zahlreiche Pfostenlöcher. In der Südhälfte

ü
Thüringen Beigaben im Grab deponierte, deuten auf
Thüringisches Landesamt für die herausgehobene soziale Stellung hin.
Denkmalpflege und Archäologie Das zweite Grab war unmittelbar an der
Humboldtstraße 11 Ostseite des Pfostengrundrisses angelegt
99423 Weimar
Tel. 0361 57 3223-327, Fax 0361 57 3223-390 worden. Auch hier lag der Tote auf der
www.thueringen.de/denkmalpflege rechten Seite mit dem Kopf im Westen.
post.weimar@tlda.thueringen.de Es fanden sich ein steinerner Keulenkopf
AiD-Korrespondentin: Julia Raasch-Bertram M.A.
und ein Keramikgefäß.
Bei dem Pfostengrundriss handelt es
Grabbezirk mit Blick über sich nicht um eine Gebäude, sondern um
ganz Westthüringen die Abgrenzung eines Grabbezirks, wie es
Bei den vorbereitenden Arbeiten für den für das Spätneolithikum, wenngleich in
Rückbau einer Erdgassonde wurde auf dem anderer Form, nicht unüblich ist. Die ex-
Hoppenberg südlich des Dorfes Klein- ponierte Lage der aufwendig gestalteten
welsbach im Unstrut-Hainich-Kreis eine Grabanlage auf den Heilinger Höhen, von
Grabanlage der Schnurkeramik (2800– denen das gesamte westliche Thüringer
2200 v. Chr.) freigelegt. Zwei sehr schlecht Becken überblickt werden kann, unter-
erhaltene Bestattungen lagen in einem streicht ebenso wie die Qualität der Grab-
von Osten nach Westen gerichteten tra- beigaben die soziale Stellung der hier be-
pezförmigen Grundriss, der von 24 Pfos- statteten Personen. | Ch. Tannhäuser
tengruben gebildet wurde. Ein Schenkel
im Osten des Grundrisses war 7,3 m lang,
einer im Westen 5,7 m, die nordsüdliche
Ausdehnung betrug 10,6 m. Die Pfosten-
gruben folgten in sehr regelmäßigen Ab-
ständen von 1,5 m aufeinander. Ihre Durch-
messer betrugen etwa 0,4 m und sie wa-
ren durchschnittlich 0,3 m tief erhalten.
Circa 3 m von der östlichen Schmalsei-
te entfernt befand sich eine nur noch
10 cm tief erhaltene Grabgrube. Vom Ske-
lett des Bestatteten waren lediglich eini-
ge Zähne und die Langknochen der Beine
wurden außerdem neun nordsüdlich ver- Hansestadt Lübeck. erhalten. Der Tote war in Hockerstellung
laufende Gräben erfasst, die im Norden Siedlungsbefunde im auf der rechten Seite liegend und mit dem
Süden der Altstadtinsel:
ein erkennbares Ende hatten, das manch- Kopf im Westen beerdigt worden. Eine fa-
Eine Glintmauer im Nor-
mal durch ein Pfostenloch markiert wur- den der Fläche und ein cettierte Hammeraxt, ein Beil mit Rand-
de, und deren Funktion noch unklar ist. Backsteinring im Süden, facette und eine Silexklinge, die man als
Ein kleiner Graben von Westen nach der sowohl ältere Grä-
Osten markiert die Grenze zur Parzelle ben als auch eine große
Grube schneidet. In der
Mühlenstraße. In diesem Bereich zeigt
Fläche verteilt zahlrei-
sich eine bis heute andauernde Kontinui- che Pfostenlöcher.
tät, denn darüber wurden später eine
backsteinerne Begrenzungsmauer sowie
ein moderner Aufbau gesetzt.
Zu den jüngeren Spuren gehören spär- Ganz rechts: Kleinwels-
bach. Facettierte Ham-
liche Backsteinbefunde. Neben der par-
meraxt und Beil aus der
zellenbegrenzenden Glintmauer entlang zentralen Bestattung
dem gesamten Areal konnten kleinere des schnurkeramischen
Mauerfragmente erfasst werden, deren Grabbezirks.
Funktion unklar ist. Außerdem wurden
zwei Backsteinschächte erfasst, die ver-
Kleinwelsbach. Gräber
mutlich als Brunnen dienten. Dies ist nicht der Schnurkeramik in ei-
überraschend, da sie sich im hinteren Teil nem durch Pfosten ab-
der Parzelle befinden. | L. Renn gegrenzten Friedhof.

ü AiD 5 | 2019 65
ü
Alles auf Anfang Von Annine Fuchs

Das neue Limesmuseum Aalen


Vom 2. Jh. n.Chr. bis in die Gegenwart: Nach dreijähriger Umbau-
phase öffnet das Limesmuseum Aalen wieder seine Türen und
Tore. Es lädt dazu ein, das militärische und zivile Leben der Römer
und Germanen am Limes neu zu entdecken und sich dem Thema
Grenzen auf vielfältige Weise zu nähern.

Dort, wo vor 1800 Jahren das ehemals ländes mit den baulichen Überresten des Funde aus der Umge-
größte römische Reiterkastell nördlich der römischen Reiterkastells. Mit der Aus- bung Aalens: Lebens-
große Protagonisten,
Alpen lag, befindet sich heute etwa 70 km zeichnung des 550 km langen Oberger- Limesmuseum Aalen
bauliche Rekonstruk-
östlich von Stuttgart das zentrale Muse- manisch-Raetischen-Limes zum UNESCO- St. Johann-Straße 5, 73430 Aalen
tionen und an auser-
www.limesmuseum.de
um am UNESCO-Welterbe »Obergerma- Welterbe 2005 kam schließlich die Teilre- wählten Tagen sogar
nisch-Raetischer Limes«. Nicht weniger als konstruktion einer römischen Reiterka- »echte« Römer er- Das größte Museum am UNESCO-Welterbe
wecken den Alltag in Obergermanisch-Raetischer Limes gibt einen
1000 Soldaten fanden hier mitsamt ihrer serne hinzu, und auch die Rolle des
der Grenzregion zum einzigartigen Überblick über die spannende
Pferde Platz und es entstanden Zivilsied- Hauses veränderte sich vom regionalen Geschichte der Römer entlang des Grenz-
Leben.
lungen im Osten und Süden des Kastells. Spezialmuseum hin zu dem zentralen In- walls.
Darüber, wie diese Menschen lebten, wa- formationszentrum des Welterbes in Ba-
rum sie überhaupt erst hierherkamen und den-Württemberg. Nun, nach fast drei- Deutsche Limes-Straße
www.limesstrasse.de
wie vielseitig die Funktionen und Wirkun- jähriger Umbauzeit und Gesamtkosten
Von reizvollen Landschaften über römische
gen von Grenzen bis in die Gegenwart hi- von ca. 8,5 Mio. Euro ist das gesamte mu-
Denkmäler bis hin zu Sehenswürdigkeiten
nein sind, berichtet das Limesmuseum Aa- seale Konzept laut seinen Machern wieder anderer Eopchen: Entlang der Limes-Straße,
len mit seiner auf zwei Stockwerken ver- »auf Anfang gesetzt«. die eine der erfolgreichsten Ferienstraßen
Deutschlands ist, lässt sich viel entdecken.

Limes-Thermen
Osterbucher Platz 3, 73431 Aalen,
www.limes-thermen.de
Das mit Wasser aus der letzten Eiszeit ge-
speiste Thermalbad wurde im römischen
Stil erbaut und umfasst einen Saunakom-
plex. Von hier aus hat man eine gute Sicht
auf die Stadt sowie ins Remstal und in die
Ellwanger Berge.

Aalbäumle Aussichtsturm
www.aalbäumle.de
Dieser 26 m hohe Aussichtsturm ist ein be-
Seit Kurzem setzen liebtes Wanderziel. Bei gutem Wetter hat man
große beeindrucken- von hier aus Sicht über Aalen und die Aalener
de Wandbilder die Bucht, den Rosenstein und Ellwangen. Vom
Einzelfunde in Szene. Waldparkplatz der Limes-Thermen aus ist der
Turm in ca. 20 min zu Fuß zu erreichen.
teilten, 1500 m2 großen und gänzlich neu Facetten des Lebens im Grenzgebiet
Urweltmuseum Aalen
konzipierten Dauerausstellung und dem Wer heute den Weg hierher gefunden hat,
Reichstädter Straße 1, 73430 Aalen,
angrenzenden Freigelände. spaziert über den neu gestalteten Vor- www.urweltmuseum-aalen.de
Seit der Gründung des Museums im platz, vorbei an den rekonstruierten Mau- In dem am Aalener Marktplatz gelegenen
Jahr 1964 hat sich hier vieles verändert. ern des linken Seitentors des einstigen Museum lässt sich auf drei Stockwerken die
Und so folgte 1986 auf eine erste Erwei- Reiterkastells bis hin zu einem Foyer, das Entstehungsgeschichte der Ostalb ergründen:
terung um die Ergebnisse der archäolo- Zutritt in alle Bereiche des Museums ge- angefangen beim Fischsaurier über Tinten-
fische und Korallen bis hin zur tropischen
gischen Grabungen entlang des Limes in währt.
Vergangenheit vor 4 Mio. Jahren.
den späten 1970er und frühen 80er Jah- Im unteren eher dunkel gehaltenen
ren der Ausbau des umliegenden Freige- Stockwerk führt der Weg durch das Leben

ü AiD 5 | 2019 67
Explorhino
Beethovenstraße 12, 73430 Aalen,
www.explorhino.de Deutsche Limes-Straße
7
Dieser außerschulische Lernort lädt dazu ein,
RAINAU
an Exponaten selbst zu Forschen, und weckt
nicht nur bei jungen Menschen das Interesse
für naturwissenschaftliche Phänomene und
Limespark
Rainau
Technik. Ein Spaß für die ganze Familie.

Besucherbergwerk »Tiefer Stollen« LIMES


Erzhäusle 1, 73433 Aalen
www.bergwerk-aalen.de/ tiefer-stollen.249.htm

Härtsfeld-Museumsbahn
Dischinger Straße 1, 73450 Neresheim Besucherbergwerk »Tiefer Stollen«
www.hmb-ev.de oder www.neresheim.de
Limesmuseum Aalen AALEN
Von Mai bis Oktober an jedem 1. Sonntag
im Monat sowie an verschiedenen Feiertagen Urweltmuseum Aalen
Explorhino
auf Anfrage.

Limespark Rainau
Limes-Thermen Aalbäumle Aussichtsturm
www.limestor-dalkingen.de
Oberhalb des Parkplatzes »Limestor« von
Schwabsberg kommend, 73492 Rainau
In diesem archäologischen Freigelände liegen
die Reste eines Kastells sowie eines Römer-
bades und eines Gästehauses. Hier ist die
raetische Mauer als etwa 1 m hoher und 3 m 7

breiter Schuttwall sehr gut sichtbar. Auch ein N


begehbarer Nachbau eines Wachturms und NERESHEIM
das Limestor Dalkingen sind hier zu finden. S Härtsfeld-Museumsbahn

am Limes im 2. und 3. Jh. n. Chr. Große be- Eine weitere Neuheit im Museum ist
eindruckende Wandbilder setzen die prä- der eigens für Sonderausstellungen kon-
sentierten Einzelfunde in Szene, mithilfe zipierte Bereich im Obergeschoss, in dem
derer die Entwicklung und Dimension des fortan immer mal wieder kleine Schauen
Römischen Reiches, seine Herrschafts- gezeigt werden sollen. Den Startschuss
ideologie und das Verständnis von Gren- gibt hier seit der Wiedereröffnung und bis
zen sowie das Verhältnis und die Unter- einschließlich 29. September 2019 die
schiede zu den benachbarten Germanen Sonderausstellung »Zwischen Kastell und
vermittelt werden. Lebensgroße Protago- Stadt – Aalen nach den Römern«. Hierauf
nisten – insgesamt sieben an der Zahl – wird voraussichtlich im Frühjahr 2020 die
sind hier neben den Vitrinen aufgestellt. nächste Ausstellung folgen.
Sie alle sind namenhaft überliefert und
ihre Geschichten erzählen vom militäri- Über den Tellerrand hinaus
schen wie auch dem zivilen Alltag im rö- Nach diesem Gang durch die Römerzeit
mischen Aalen vor 1800 Jahren. Neu hin- führt der zweite Teil der Ausstellung zu-
zugekommen sind in diesem Zusammen- rück ins Hier und Jetzt. Denn der Limes
hang auch die zahlreichen Funde, die im erstreckte sich im heutigen Baden-Würt-
vergangenen Jahrzehnt im Bereich des Aa- temberg einst über 164 km und seine Spu-
lener Kastelldorfs geborgen und seither ren sind vielerorts noch immer sichtbar.
restauriert werden konnten. Einen ganz Anders als im unteren Stockwerk führt
besonderen Stellenwert in der Ausstel- hier der Weg nicht mehr durchs Dunkel,
lung erfährt selbstverständlich die römi- sondern das Obergeschoss erwartet die
sche Reiterei – repräsentiert durch eine Besucher lichtdurchflutet und mit viel
breite Sammlung, angefangen von Ein- Raum. Nicht ohne Grund, denn um das
zelteilen des Pferdegeschirrs bis hin zu Ausmaß wie auch die außergewöhnliche
den beeindruckenden Paradehelmen der Bedeutung des Welterbes zu veranschau-
Soldaten. lichen, finden hier die baulichen Überres-

68 AiD 5 | 2019 ü
te 14 ausgewählter Orte in großformati-
gen Foto-Kollagen und Rekonstruktions-
zeichnungen an den Wänden ihren Platz.
Gezeigt wird hauptsächlich die letzte Aus-
baustufe des Limes und die Vielfältigkeit
seiner Funktion, denn neben dem rein mi-
litärischen Zweck diente er u. a. auch dem
kontrollierten Warenaustausch.
Doch der Blick reicht noch weiter als
das: Der Limes wird hier nicht nur seiner
selbst wegen betrachtet, sondern auch
anderen Grenzformen gegenübergestellt,
die bis in die Gegenwart hineinreichen.
Und so ermöglicht sich dem Besucher die
Auseinandersetzung mit den verschie-
densten Aspekten von Grenzen – ange-
fangen von ihrem Zweck über ihre Funk-
tion bis hin zu ihrer Wirkung.

Lebendiges Museum
Um möglichst allen Altersklassen und Be-
völkerungsgruppen einen Mehrwert bie-
ten zu können, fehlt es in Aalen nicht an Etwa alle zwei Jahre wird gische Park, der sich über dem mittleren tellgelände stattfinden. Dort kommen
Mitmachaktionen. Zu nennen sind hier z.B. an den Römertagen die Teil des ehemaligen Kastells erstreckt, Legionäre und Reiter, Handwerker und
Wiederauferstehung der
ein Prospektionsflug entlang des Limes, gibt die Möglichkeit, so manchen freige- Händler, Gladiatoren und Musiker zusam-
Antike gefeiert: Römi-
aber auch andere Forscheraktivitäten wie sches Leben vom Alltag legten baulichen Überrest in situ zu be- men, um den römischen Alltag wieder auf-
die Lesung lateinischer Inschriften, De- bis zum Gladiatoren- staunen. Zudem warten dort die Teilre- leben zu lassen. Neben Demonstrationen
tailansichten von Reliefs oder auch ein vir- spektakel. konstruktionen des ehemaligen Stabsge- von Kampftechniken und verschiedensten
tueller Rundgang durch das Stabsgebäu- bäudes sowie einer Mannschaftsbaracke, handwerklichen Vorführungen gibt es an
de des Aalener Kastells. die auf Grundlage der Ausgrabungen im diesen Tagen ebenfalls Marktstände und
Darüber hinaus gibt es viel Gelegen- Kastell Heidenheim basiert, darauf, ent- Tabernen mit exklusiven römischen Spei-
heit dazu, sich mit dem Leben in der deckt zu werden. Und es gibt einen höl- sen und ein umfangreiches Aktionsange-
antiken Welt auseinanderzusetzen. So zernen römischen Baukran sowie eine Rei- bot für alle Altersklassen.
können u.a. verschiedenste römische Klei- he von Nachbildungen bedeutender
dungsstücke – angefangen von der Tuni- Weihreliefs und Statuen, die entlang des In den Fußstapfen der Römer
ka bis hin zum Reiterhelm – und so man- Rundwegs aufgestellt sind. und darüber hinaus
Erholung in den Limes-
ches römische Spiel an- bzw. ausprobiert Eine besondere Rolle nehmen in die- Doch das Leben der Römer lässt sich in
Thermen (links) oder
werden. Und auch für jene, die sich lieber doch lieber Spaß und
sem Zusammenhang auch die Internatio- Aalen längst nicht nur im Museum er-
im Freien aufhalten, gibt es einiges zu ent- Spannung im Explorhino- nalen Römertage ein, die im Regelfall al- gründen. Wer ohnehin schon hier ist, soll-
decken. Denn der umliegende Archäolo- Science Center (rechts)? le zwei Jahre auf dem historischen Kas- te sich auf gar keinen Fall die Deutsche

ü AiD 5 | 2019 69
Limes-Straße oder den dazu fast parallel Wer es hingegen lieber etwas ent-
verlaufenden Limes-Radweg entgehen spannter mag, findet Erholung in den ört-
lassen. Denn diese führen beide von Bad lichen Limes-Thermen oder in den lufti-
Hönningen am Rhein aus kommend bis gen Höhen des Aalbäumle Aussichts-
hin nach Passau an der Donau an unzäh- turms, auf dessen Plattform man mit ei-
ligen bedeutenden römischen Denkma- nem Panoramablick belohnt wird. Und
len, wie auch dem Limesmuseum selbst, selbst auf Dinosaurier oder Technik muss
vorbei. In unmittelbarer Nähe liegen hier man in Aalen nicht verzichten, warten
beispielsweise der Limespark Rainau am doch im Urweltmuseum und dem Explor-
Stausee Rainau-Buch oder das Römer- hino Science Center Spaß und Spannung
kastell Böbingen. für Groß und Klein.

Wellness für Körper und Geist


Römische Thermen in Bonn Von Helmut Luley

Obwohl in Bonn eines der am besten erhalte- ßen Thermen des vicus beim Bonner Le- die weit über die üblichen Schritte der
nen Legionslager nördlich der Alpen liegt, ist gionslager. Nach 10 Jahren baulicher und Konservierung und Restaurierung eines
der römische Ursprung der Stadt kaum zu restauratorischer Meisterleistungen wer- Gebäudes hinausgehen. So erfolgte die
den sie in angemessener Weise als ar- Umsetzung (Translozierung) der bauli-
fassen. Welches Potenzial an Orientierung chäologisches Denkmal präsentiert. chen Überreste, die zuvor mithilfe einer
und Erinnerung römerzeitlichen Denkmälern Voraus ging die seinerzeit größte in Diamantseilsäge in fünf Teile zerlegt wor-
innewohnt, wird erst an einem geschichts- Nordrhein-Westfalen durchgeführte ar- den waren, vom ursprünglichen Ort zum
chäologische Grabung in einem inner- vorgesehenen Wellnessbereich des Lu-
trächtigen Ort – dem ehemaligen Bundes-
städtischen Bereich, bei der ein etwa 4 ha xushotels. Im weiteren Verlauf wurde ver-
viertel im Ortsteil Gronau – deutlich. großes Areal der südlich des Legionsla- sucht, die Wirkungs- und Aussagekraft der
gers gelegenen Zivilsiedlung »vicus bon- archäologischen Reste bestmöglich mit
nensis« untersucht und die eindrucksvol- der Moderne zu kombinieren. Das Resul-
Überreste historischer Bauten müssen len Reste der Thermen zutage kamen. tat: Ein offen einsehbarer Befund, den auf
meist moderner Architektur weichen, ins- Nach Xanten und Zülpich ist dies das drit- der einen Seite das natürliche Licht durch
besondere in dicht besiedelten Städten. te in Nordrhein-Westfalen ausgegrabene eine großflächig verglaste Deckenaus-
Glücklicherweise gibt es Ausnahmen. Ei- öffentliche Bad der Römerzeit. Um die sparung durchflutet und der auf der an-
ne davon befindet sich im Wellnessbe- Ruine trotz des modernen Hotelbaus an deren Seite durch farbliche Illuminationen
reich des »Bonn Marriott Hotel«: Hier lie- Spuren der Römer in Ort und Stelle erhalten zu können, wur- in Szene gesetzt wird, wodurch die Ele-
gen die Fundamente der einst 200 m2 gro- modernem Ambiente. den umfangreiche Maßnahmen ergriffen, mente antiker und moderner Baukultur zu

70 AiD 5 | 2019 ü
BEUEL
BEUEL

Rhein
Rhein
Römische Thermenanlage Haus der Geschichte der
vom Bonner Vicus Bundesrepublik Deutschland
Bonn Marriott World Conference Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn
Hotel-Sportpark Visiolife, www.hdg.de
Platz der Vereinten Nationen 4, Sehenswert ist der beim Bau des Museums
53113 Bonn gefundene Keller eines römischen Gebäudes BEUEL-MIT
BEUEL-MITTETE
www.roemerbad-bonner-vicus.de aus dem 2. Jh. n. Chr. Eine Präsentation mit
LVR-Landesmuseum
LVR-Landesmuseum
Bonn
Bonn
hochwertigen Fundmaterialien, Götterstatu-
LVR-Landesmuseum Bonn en und verzierten Säulen bietet Einblick in
Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn den Alltag und Lebensstandard der Bonner
Arithmeum
Arithmeum
BONN
BONN
www.landesmuseum-bonn.lvr.de Zivilsiedlung, die sich hier erstreckte.
Die Sammlung römischer Altertümer gehört
zu den größten und bedeutendsten in Restaurant Konrad’s Botanischer
BotanischerGarten
Garten
RhRh
Deutschland. Neben dem Grabstein des Platz der Vereinten Nationen 4, einein
Hauptmanns Marcus Caelius, gestorben im 53113 Bonn, www.wccbhotel.com
Jahre 9 n. Chr., in einer der bekanntesten POPPELSDORF
POPPELSDORF Römische
Römische
Thermenanlage
Thermenanlage
Aus dem 17. Stock des »Bonn Marriott Hotel« vom
vom
Bonner
BonnerVicus
Vicus Restaurant
Restaurant
Konrad’s
Konrad’s
Schlachten des Altertums, der Schlacht im erwartet die Besucher im Restaurant Konrad’s Haus
Hausder
derGeschichte
Geschichte
Teutoburger Wald oder – nach dem römi- bei kulinarischem »Hoch«genuss ein gran-
schen Feldherrn benannt – der Varusschlacht, dioser Blick auf die Hinterlassenschaften des Römische
Römische
Kunstmuseum
KunstmuseumBonn
Bonn Gräberstraße
Gräberstraße
laden herausragende Funde aus den Militär- römischen Legionslagers castra Bonnensia,
lagern und Zivilsiedlungen im Rheinland zum NN Bundeskunsthalle
Bundeskunsthalle
die sich im Straßenplan der Bonner Nord- KESSENICH
KESSENICH
Museumsbesuch ein. stadt abzeichnen. GRONAU
GRONAU
SS 562562

einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. zur Inszenierung der technischen Einrich- Virtuelle Idealrekons- ler Galenos von Pergamon, anschaulich zu
Auf diese Weise besteht über den Lounge- tung wie der Hypokaustanlagen und des truktion der römischen vermitteln. Seine Informationen zum Ab-
Badeanlage vom Bonner
Bereich mit begehbarem Glasboden ein Heizkanals notwendig. Und so lässt nun lauf sind zudem Grundlage für den virtu-
Rheinufer aus gesehen
barrierefreier »hautnaher« Kontakt mit ein mit virtuellen Rekonstruktionen und (links) und filmische Ver- ell gestalteten Badeparcours und die in
der Antike, der den Besuchern der Anlage realen Einspielungen gestalteter Film von mittlung der archäologi- den einzelnen Räumen stattfindenden
einen tiefgehenden Einblick in die römi- 13 Minuten Länge die Überreste der eins- schen Befundszene aus Körperpflege.
dem Heizraum (rechts).
sche Badearchitektur und -technik ge- tigen Architektur geradezu wiedererste- Mit dem abschließenden Blick aus der
währt. Zu sehen ist der in der zweiten Hälf- hen. Kamerafahrten begleiten durch die Vogelperspektive auf die Bebauung des
te des 1. Jh. n.Chr. erbaute Kernbau vom so- originalen Befundlagen und bahnen ei- Rheinufers und den »Business District«
genannten Reihentypus, mit der dafür üb- nen virtuellen Weg durch Mauerverläufe, der heutigen Zeit wird deutlich, wie prä-
lichen hintereinander gestaffelten Heizkanäle und Badewannen bis hin zur sent sich der römische Ursprung noch
Raumanordnung aus einem Kaltbad (fri- architektonisch-bautechnischen Rekon- heute im Bonner Stadtbild widerspiegelt.
gidarium), einem Warmbad (tepidarium), struktion des einstigen Gebäudes. Das veranschaulicht ebenfalls, wie wich-
einem Heißbad (caldarium) und einem Darüber hinaus schildert der römische tig es ist, übergreifende Vermittlungsin-
Heizraum (praefurnium). Architekt und Ingenieur Marcus Vitruvius strumente anzubieten, die die umfängli-
Pollio seine Erfahrungen hinsichtlich der che Geschichte dieses Ortes, die zeitlich
Virtuelle Zeitreise inklusive Optimierung der Energieausnutzung und vom Niedergermanischen Limes bis zu
Um die Geschichte der Badeanlage an- Heizqualität einer römischen Therme. Den den Hinterlassenschaften des ehemaligen
schaulich vermitteln bzw. erschließen zu eigentlichen Badebetrieb weiß hingegen Regierungsviertels reichen, ins rechte
können, waren aufwendige Maßnahmen sein Kollege, der Arzt und Wissenschaft- Licht stellen.

ü AiD 5 | 2019 71
Wissenswert
ist den Völkern Amerikas darin sehr ähn-
lich: der erste Nachweis außerhalb der
USA, der so eng mit dem Ursprung der
Ureinwohner Amerikas verbunden ist.
»Dieses Individuum ist der Missing Link,
um die genetische Abstammung der in-
digenen Völker Amerikas zu verstehen«,
so Eske Willerslev, Direktor des Lundbeck
Foundation Centre for GeoGenetics an der
Universität Kopenhagen. | AiD

Der erste moderne Mensch


in Europa
Ein deutsch-griechisches Team unter Lei-
tung von Katerina Harvati vom Sencken-
berg Centre for Human Evolution and Pa-
laeoenvironment an der Universität Tü-
bingen datierte einen Schädel vom Fund-
ort Apidima in Südgriechenland auf ein
Alter von rund 210 000 Jahren und ordne-
te ihn dem frühen modernen Menschen
zu. Die Studie wurde Anfang Juli im Fach-
magazin Nature veröffentlicht. Danach
handelt es sich um den ältesten moder-
nen Mensch, der außerhalb Afrikas gefun-
Palast am Ufer des Tigris und Alalach an der Peripherie des Reiches. Palast von Kemune über den wurde. Der Homo sapiens hat Europa
Ein deutsch-kurdisches Team untersucht Die Entdeckung in Kemune ist deshalb dem Tigris: Der Mosul- somit schon 150 000 Jahre früher erreicht
Stausee gab die antiken
in Kemune im Nordirak einen Palast aus von unschätzbarer Bedeutung. | AiD als gedacht.
Bauten im vergangenen
der Zeit des Mittani-Reichs. Das Gebäude Herbst frei. Drohnenauf- Der menschliche Schädel Apidima 1
tauchte unerwartet am Ostufer des Tigris Sibirien und Amerika nahme von Westen. wurde bereits in den 1970er Jahren in Süd-
auf, als im vergangenen Herbst der Wasser- Im Juni wurde in der Zeitschrift Nature ei- griechenland zusammen mit einem wei-
spiegel des Mosul-Stausees wegen aus- ne Studie zu 34 Proben von menschlichen »Yana Rhinoceros Horn teren Exemplar, Apidima 2, bei Untersu-
bleibendem Regen stark sank. An den Ret- Genomen aus archäologischen Fundplät- Site« am Fluss Jana in chungen des Museums für Anthropologie
tungsgrabungen beteiligen sich die Uni- zen in Nordsibirien und Zentralrussland Russland, entdeckt der Universität Athen entdeckt. Nun hat
2001. Seitdem wurden
versität Tübingen und die »Kurdistan publiziert. Zwei 31 000 Jahre alte Milch- man die Fossilien erneut untersucht und
mehr als 2500 Funde
Archaeology Organization« in Zusammen- zähne vom »Yana Rhinoceros Horn Site« geborgen, darunter Tier-
virtuell beschädigte Partien rekonstruiert.
arbeit mit der Antikendirektion Duhok. gehörten zu Individuen einer bisher un- knochen, Elfenbein und Der zweite Schädel, Apidima 2, ist unge-
Der Palast thronte über dem Tigristal, als bekannten Gruppe, die von den Forschern Steinwerkzeuge. fähr 170 000 Jahre alt und konnte den
das Mittani-Reich im 15./ 14. Jh. v. Chr. wei- als »Alt-Nordsibirier« bezeichnet werden.
te Teile Nordmesopotamiens und Syriens Laurent Excoffier, Institut für Ökologie
beherrschte. Die massiven Mauern aus und Evolution der Universität Bern: »Be-
Lehmziegeln zeigen innen Reste von Putz merkenswert ist, dass das alte nordsibiri-
und Wandmalereien in leuchtenden Rot- sche Volk enger mit den Europäern als den
und Blautönen. Das Gebäude ist mindes- Asiaten verwandt ist.« Die mosaikartige
tens 7 m hoch erhalten. Es wurden zehn genetische Zusammensetzung der heuti-
Keilschrifttafeln aus Ton geborgen; eine gen Sibirier entspringt diesen Alt-Nord-
deutet darauf hin, dass der Fundort Ke- sibirern, die ein riesiges Gebiet im Norden
mune dem alten »Zachiku« entspricht: Der Eurasiens und Amerikas bewohnten.
Ortsname wird in einer altorientalischen Zudem konnte eine genetische Ver-
Quelle aus der Zeit um 1800 v. Chr. ge- bindung der Alt-Sibirer zu den indigenen
nannt. Begehungen sprechen dafür, dass Völkern Amerikas gefunden werden. Das
sich in nördlicher Richtung tatsächlich 10 000 Jahre alte Erbgut eines Mannes aus
eine größere Stadt anschloss. der Nähe des Kolyma-Flusses in Sibirien
Paläste der Mittani-Zeit kennt man bis- entsprach einer Mischung aus alt-nord-
her nur aus Tell Brak in Syrien sowie Nuzi sibirischer und ostasiatischer DNA und

72 AiD 5 | 2019 ü
hatte die geologische Strontium-Signatur
in der Umgebung des Grabes von Egtved,
die man als Referenz für das mittlere Jüt-
land herangezogen hatte, so stark verän-
dert, dass sie sich deutlich von der in Kno-
chen und Zähnen der Mumie unterschied.
Neue Untersuchungen in landwirtschaft-
lich nicht genutzten Gegenden um Egtved
herum ergaben im Kontrast dazu eine
Strontium-Signatur, die ziemlich genau den
Werten des Mädchens entspricht – es kann
Neandertalern zugeordnet werden. Kate- lokale Wildpopulationen ihre genetischen Apidima 1 aus Griechen- sich also durchaus um eine waschechte
rina Harvati: »Überraschenderweise ist Spuren im Hausrind hinterließen. »Wir ge- land. Rechts die erhalte- Jütländerin handeln.
nen Reste des Schädels,
Apidima 1 noch älter, etwa 210 000 Jahre, hen davon aus, dass sich die Wildrinder Dieser Befund demonstriert, dass die
links die Rekonstruktion
weist aber keine Neandertalermerkmale der Levante und Europas mit den vom von hinten und von der Archäologie naturwissenschaftliche Un-
auf.« Vielmehr habe die Untersuchung Menschen importierten Hausrindherden Seite. Die runde Form ist tersuchungsmethoden nicht kritiklos als
eine Mischung aus Merkmalen des mo- vermischt haben«, erklärt Amelie Scheu ein Merkmal des moder- Wundermittel übernehmen sollte und
dernen Menschen und solchen älterer Ar- von der Universität Mainz. »Diese Ein- nen Menschen und un- noch viel Grundlagenforschung notwen-
terscheidet sich deutlich
ten gezeigt, was auf einen frühen Homo kreuzungen blieben vormals unentdeckt, dig ist, um solche Probleme ausschließen
vom Neandertaler.
sapiens hindeute – ein weiterer Mosaik- da sie durch Auerochsenbullen gescha- zu können. | Matthias S. Toplak
stein in der komplexen Abstammungs- hen, bisherige Studien jedoch hauptsäch-
geschichte des Menschen. | AiD lich allein mütterlicherseits weitergege- Römische Wasserleitung versetzt
benes Erbgut untersuchten. Erst der tech- In einer aufwendigen Aktion wurden sechs
Die Abstammung unserer nische Fortschritt hat uns über die Mög- Teilstücke der römischen Eifelwasser-
Hausrinder lichkeit, ganze Genome entschlüsseln zu leitung nach Hürth-Hermülheim zurück-
Ein internationales Team unter Beteili- können, zu dieser Erkenntnis verholfen.« gebracht. Das Denkmal musste vorrüber-
gung der Johannes Gutenberg-Universität | AiD gehend dem Straßenbau weichen. Per
Mainz untersuchte die Herkunft der frü- Schwertransport und Kran sind nun die bis
hen Rinder. Analysiert wurde das Erbgut Neues zum Mädchen von Egtved zu 11 t schweren Abschnitte des alten
von 67 Tieren aus acht Jahrtausenden. Wie Die Analyse der Strontiumisotopen aus Römerkanals wieder an ihren originalen
erwartet, zeigte sich eine große geneti- der bronzezeitlichen Mumie, die als »Mäd- Platz an der neuen Bundesstraße 256 ver-
sche Ähnlichkeit zwischen dem anatoli- chen von Egtved« bekannt ist, führte 2015 setzt worden.
schen Auerochsen und den ersten Haus- zu einem unerwarteten Ergebnis: Die jun- Bereits bei der Planung der Umge-
rindern. Letztere wurden ab der Zeit vor ge Frau soll erst kurz vor ihrem Tod um hungstraße war klar, dass die antike Was-
etwa 10 500 Jahren in Randgebieten des 1400 v. Chr. nach Jütland gekommen sein, serleitung betroffen sein würde. Das 95 km
Fruchtbaren Halbmonds um die Täler von aufgewachsen aber sei sie im Schwarzwald. lange Bauwerk ist eines der bedeutends-
Euphrat und Tigris domestiziert. Seit dem Kürzlich wurde dieser Befund erneut ten Bodendenkmäler des Rheinlandes.
17. Jh. ist die wilde Form ausgestorben. analysiert, und man gelangt nun zu gänz- Es versorgte vor rund 1800 Jahren das rö-
Die Studie macht jedoch auch deutlich, lich anderen Aussagen. Die Verwendung mische Köln mit frischem Wasser aus der
dass im Laufe der Zeit unterschiedliche von kalkhaltigem Dünger in moderner Zeit Eifel. Vor dem Bau der Straße legte man

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ü AiD 5 | 2019 73
Wissenswert
In Hürth-Hermülheim Tuberkulose wohl aufgrund der Lebens-
musste die römische bedingungen in der Einrichtung. Fälle von
Eifelwasserleitung dem
Skorbut und Osteomalazie können auf
Straßenbau weichen: Ein
Abschnitt mit Gewölbe Armut, Alkoholismus, psychische Erkran-
und Einstiegsschacht kungen oder den Anstaltsaufenthalt selbst
wurde an der Fußgän- zurückzuführen sein. Die Frakturraten wa-
gerbrücke über die neue ren extrem hoch. Ein großer Teil dieser
B 256 wieder aufgestellt.
Knochenbrüche verheilte nur unvollstän-
dig und zeugt wahrscheinlich von Gewalt
in der Anstalt. | AiD

100 000 Euro für


»Iuppiter Dolichenus«
Seit 2001 gräbt die Forschungsstelle Asia
Minor der Westfälischen Wilhelms-Uni-
versität Münster in Doliche, dem Ursprung
des römischen »Iuppiter Dolichenus« (zu-
deshalb den betroffenen Abschnitt von Stephan Bender hat aber auch die Er- letzt AiD 3/ 2019, S. 14). Aktuell hat die
55 m Länge frei (AiD 3/ 2017, S. 50). In der forschung des Welterbelimes und seiner Gerda Henkel Stiftung für dieses Projekt
gesamten Baugrube war die Rinne aus Vorläufer aktiv vorangetrieben. Ihm sind rund 100 000 Euro zur Verfügung gestellt,
Gussmauerwerk erhalten, an manchen viele Neuentdeckungen gelungen. Die na- mit denen in den kommenden zwei Jah-
Stellen auch der Einstiegsschacht. Das tionale und internationale Limesforschung ren Konservierung und Präsentation des
Denkmal wurde Stück für Stück gebor- wie die Landesdenkmalpflege verlieren Grabungsareals am Rande der Großstadt
gen und zwischengelagert. Als Ausgleich mit Stephan Bender nicht nur einen aus- Gaziantep im Südosten der Türkei finan-
für die Beseitigung der Wasserleitung ei- gezeichneten Wissenschaftler, sondern ziert werden.
nigten sich Fa. Straßen.NRW und LVR-Amt auch einen stets hilfsbereiten Kollegen. Zentraler Bestandteil des Projekts ist
für Bodendenkmalpflege im Rheinland, | Klaus Kortüm die Einbindung syrischer Archäologen, Ar-
sechs Teilabschnitte zu konservieren und chitekten und Denkmalpfleger, die wegen
Rechts: Teil des Welt-
wieder aufzustellen. | AiD Liederlich, arbeitsscheu und irre erbes in Augsburg: des Krieges in ihrer Heimat zurzeit in der
Vor dem Neubau der Justizvollzugsanstalt der Augustusbrunnen. Türkei leben. Grabungsleiter Engelbert
Großer Verlust für die Cazis Tignez etwa 20 km südlich von Chur Winter: »Das Projekt dient der Integration
Limesforschung untersuchte der Archäologische Dienst Menschen am Rande der sowie der Qualifizierung der syrischen
Gesellschaft bestattet
Doktor Stephan Bender, Leiter des Limes- Graubünden 2016 den historischen An- Projektteilnehmer, um diese in die Lage
auf dem Friedhof der
Informationszentrums Baden-Württem- staltsfriedhof. Geborgen wurden 103 Be- »Korrektionsanstalt
zu versetzen, sich in Zukunft selbststän-
berg und des im Landesamt für Denk- stattungen von Menschen, die von 1858 Cazis-Realta« bei Chur in dig und kompetent beim Wiederaufbau
malpflege erst vor Kurzem neu geschaf- bis in die 1910er Jahre in der »Korrektions- Graubünden, Schweiz. und der Bewahrung ihres eigenen Kultur-
fenen Fachbereichs Welterbe Archäologie, anstalt Cazis-Realta« verstarben. Im Mai
ist am 20. Juni nach längerer Krankheit wurden in »Plos One« Untersuchungen
im Alter von 54 Jahren gestorben. publiziert zu Lebensbedingungen und ge-
Schon im Jahr 2000 war Stephan Ben- sundheitlichem Zustand dieser zwangs-
der an der Vorbereitung des Welterbean- weise verwahrten Menschen am Rande
trags für den Obergermanisch-Raetischen der Gesellschaft.
Limes am Landesamt für Denkmalpflege Als Reaktion auf die weit verbreitete
Hessen beteiligt und bereitete in einem Armut entwickelte sich in der Schweiz im
Team um Professor Dieter Planck die An- 19. Jh. ein System der Zwangshilfe. Man
erkennung als Welterbe im Jahr 2005 vor. nahm an, Armut sei auf das Fehlverhal-
2007 kam er nach Baden-Württem- ten des Einzelnen zurückzuführen. In
berg, um die Leitung des Limes-Informa- Quellen werden sie gerne als »liederlich«,
tionszentrums in Aalen zu übernehmen. »arbeitsscheu« oder auch »irre« bezeich-
Unter ihm entwickelte sich die Einrichtung net. Bei der Untersuchung der Knochen
zu einer Anlaufstelle für alle Fragen rund zeigten sich mögliche Fälle von Stickler-
um den Limes. Stets war ihm der Kontakt Syndrom, Mikrozephalie, angeborener Sy-
zum Kreis der interessierten Laien wich- philis, endemischer Hypothyreose und
tig. Mit den Limes-Cicerones war er eng traumatisch bedingter Behinderungen.
verbunden. Markant erhöht war die Häufigkeit von

74 AiD 5 | 2019 ü
erbes zu engagieren und damit eine wich- Autoren dieses Heftes Impressum
tige Rolle beim zukünftigen Aufbau ihres Herausgeber
Forschung Verband der Landesarchäologen in der Bundes-
Landes zu spielen«. Langfristig strebt das republik Deutschland: Prof. Dr. Michael Rind,
internationale Team die Eröffnung eines Prof. Dr. Philipp W. Stockhammer, Ludwig-Maximilians- Prof. Dr. Franz Schopper, Dr. Regina Smolnik,
Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Prof. Dr. Claus Wolf
Archäologischen Parks an diesem für die Universität München; Max-Planck-Institut für Menschheits- und wbg: Dr. Beate Varnhorn, Prof. Dr. Dieter Planck.

Religionsgeschichte des Vorderen Orients geschichte, Jena. Wissenschaftlicher Beirat


Prof. Dr. Nicholas Conard, Prof. Dr. Heinz Günter
wichtigen Ort an. | AiD Horn, Prof. Dr. Matthias Knaut, Prof. Dr. Dirk Krausse,
Prof. Dr. Hauke Jöns, Prof. Dr. Jürgen Kunow,
Weltweit Prof. Dr. Harald Meller, Prof. Dr. Carola Metzner-
Nebelsick, Prof. Dr. Matthias Wemhoff.
Dr. Johannes Moser Kommission für Archäologie Außer-
Redaktion
europäischer Kulturen, Deutsches Archäologisches Institut; Verantwortlicher Redakteur: Dr. Martin Kempa,
E-Mail: kempa@wais-und-partner.de. Allgemeiner
Dr. Julia Gresky Referat Naturwissenschaften, Teil: Dr. Erwin Keefer, Dr. Martin Kempa, Annine
Fuchs M.A., André Wais. Anschrift der Redaktion:
Deutsches Archäologisches Institut. Verlagsbüro Wais & Partner, Reinsburgstraße 104,
70197 Stuttgart, Telefon 0711 621803, Fax 0711
6150340, E-Mail: fuchs@wais-und-partner.de.
Aktuelles aus der Landesarchäologie: Dr. Martin
Thema Kempa für den Verband der Landesarchäologen in
der Bundesrepublik Deutschland c/o Verlagsbüro
Andreas Kupka M. A., Deutsche Gesellschaft für Festungs- Wais & Partner, Stuttgart.
forschung e.V.; International Fortress Council; Auslandskorrespondenten
Italien: Dr. Alessandra Giumlia-Mair, Meran; Frank-
Dr. Eberhardt Kettlitz, praeHistoria® Archäologie & Geschichte; reich: Dr. Gilles Pierrevelcin, Strasbourg; Russland,
Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechien, Slowakei,
Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung e. V.; Moldawien, Ukraine, Bulgarien, Albanien, Makedo-
nien: Dr. Alexandru Popa, Frankfurt/M.; Irland, Groß-
Hans Szédeli, M. A., hessenArchäologie,Wiesbaden; britannien, Niederlande, USA: Dr. David G. Wigg-
Wolf, Frankfurt/M.; Österreich, Schweiz, Liechten-
stein, Slowenien, Kroatien: Dr. Erwin Keefer, Stutt-
Dr. Claus Weber, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege gart; Nordeuropa und Baltikum: Dr. Natascha Meh-
ler, Bremerhaven.
im Rheinland, Bonn;
Verlag
wbg, Hindenburgstraße 40, 64295 Darmstadt.
Thorsten Quenders M. A., Archäologen Linnemann, Die wbg (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
Quenders und Partner, Waltrop; ist ein wirtschaftlicher Verein gem. § 22 BGB durch
staatliche Verleihung des Landes Hessen und wird
im Register der Stadt Darmstadt geführt.
Dr. Gerd Riedel, Stadtmuseum Ingolstadt; Chefredaktion Zeitschriften: Holger Kieburg, Marke-
ting / Vertrieb Zeitschriften: Alexandra Swart.
Dr. Ruth Sandner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Anzeigenverwaltung
Thierhaupten; Agentur Hanne Knickmann, Büro für Branchen-
kommunikation, Römerstraße 45, 69115 Heidelberg,
Telefon 06221 67342-50, Fax 06221 67342-51,
Augsburger Wasser wird Welterbe Dr. Ingrid Mader, Stadtarchäologie Wien; hk@hanne-knickmann.de
Am 6. Juli hat die UNESCO-Kommission bei www.hanne- knickmann.de
Guido von Büren, Museum Zitadelle Jülich. Gestaltung und Herstellung
ihrer Tagung in Aserbaidschan das jahr-
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die Welterbeliste aufgenommen: Das Augs- Europa 1
Neue Süddeutsche Verlagsdruckerei Ulm
burger Wassermanagement-System, wie Dr. Fulvia Lo Schiavo, vormals Superintendentin der Region Reproduktionen
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die offizielle Bezeichnung lautet, wurde Sardinia;
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über mehr als 800 Jahre ausgebaut und Jahresabonnement, sechs Hefte und zwei Sonder-
Dr. Mauro Perra, Direktor des Archäologischen Museums
dient nach wie vor dem Wohl der Bevöl- hefte 89,95 Euro (D) inkl. Porto. Für Schüler und
von Villanovafranca, Cagliari. Studenten (gegen Nachweis): Jahresabonnement,
kerung. Zum Welterbe zählen 22 einzelne sechs Hefte und zwei Sonderhefte 59,95 Euro (D)
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Elemente: das Kanalnetz in der Stadt, die des Sonderheftes 14,95 Euro, zuzüglich Versandspe-
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gen auf Abonnements sind schriftlich möglich un-
Norden reichende Lechkanal mit der Ka- Prof. Dr. Bettina Arnold, Department of Anthropology, ter Einhaltung einer Frist von vier Wochen vor dem
Ende des Jahresabonnements. Bei Lieferausfall in-
nustrecke, ferner der Hochablass am Lech, University of Wisconsin-Milwaukee, USA. folge höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf
die ehemaligen Wasserwerke, zehn Kraft- Nachlieferung oder Rückzahlung.

werke mit ihren historischen Turbinen und ISSN 0176-8522


Report
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfäl-
Generatoren sowie drei Prachtbrunnen.
Dr. Dieter Bischop, Landesarchäologie Bremen. tigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung
Bis heute versorgt das System die Kom- des Verlages. Der Verlag haftet nicht für unverlangt
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mune mit Trinkwasser und dient zudem
Sehenswert 1 © wbg (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),
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ü AiD 5 | 2019 75
Bücher und Medien

Auferstehung der Antike Limes und Römerschatz – Spiel des Lebens Alltag im Mittelalter
Archäologische Stätten RömerMuseum Weißenburg Wie der Mensch die Natur Natürliches Umfeld und
digital rekonstruiert Ausstellungskataloge der Archäo- und sich selbst zähmte menschliches Miteinander
ANTIKE WELT (Hrsg.) logischen Staatssammlung 41 Alice Roberts Ernst Schubert
Darmstadt: wbg Philipp von Zabern Bernd Steidl Darmstadt: wbg THEISS 2019, 374 S., Darmstadt: wbg THEISS 2019,
2019, 132 S., ca. 100 Abb., 40 Euro Friedberg: Likias Verlag 2019, 160 S., 24 Euro Jubiläumsausgabe, 456 S., 28 Euro
194 großteils farb. Abb., 2 Karten in
Wer einmal ein Panorama Yadegar Asi- den Umschlagklappen, 19,80 Euro Roman und wissenschaftliche Ansätze Das Werk des renommierten Mittelal-
sis bestaunt hat, den Klängen gelauscht in einem – genau das erwartet die Le- terhistorikers, 2002 erstmals erschienen
und ein ums andere Mal Abenddäm- Das mittelfränkische Weißenburg wur- ser im Buch über den Menschen und und nun in einer erweiterten Neuaufla-
merung und Morgengrauen in sich auf- de 1979 mit der zufälligen Entdeckung seine Umwelt im Neolithikum. Ein Blick ge vorgelegt, beleuchtet den Alltag im
gesogen hat, der wird auch diesen opu- des größten römerzeitlichen Schatz- auf das Inhaltsverzeichnis lässt zuerst Mittelalter aus zwei unterschiedlichen
lent bebilderten Band lieben. Die Zeit- fundes in Deutschland, der auch zu den ein rein wissenschaftliches Werk ver- Perspektiven. Es zeigt einmal den Um-
schrift Antike Welt hat sich hier zu ih- bedeutendsten Depotfunden im ge- muten, da die Kapitel recht nüchtern in gang der Menschen mit den naturge-
rem 50-jährigen Bestehen mit einem samten Imperium Romanum gehört, die unterschiedlichen Tier- und Pflan- gebenen Umweltbedingungen, zum
Thema auseinandergesetzt, das Ar- bekannt. In den folgenden Jahren er- zenarten unterteilt sind, welche der anderen die Konditionen der sozialen
chäologieinteressierte seit jeher um- folgten die Errichtung eines Museums, Mensch im Laufe der Zeit domestizier- Umwelt in ihrem Umgang miteinander.
treibt: Wie hat man sich eine »tote« ar- das seit 2005 der zentrale Anlaufpunkt te und kultivierte. Im ersten Teil werden auch heute zen-
chäologische Stätte vor x Jahren vor- für den Rätischen Limes in Bayern im Doch so trocken das Verzeichnis im trale Themen der Interaktion zwischen
zustellen? Und wie veränderte sie sich Rahmen des UNESCO-Welterbes »Gren- ersten Moment auch wirken mag, umso Mensch und Umwelt abgehandelt: Was-
einst während der Nutzungszeit? »Dür- zen des Römischen Reichs« ist, sowie spannender ist der Inhalt des Buches. ser als Lebensgrundlage und Bedro-
fen« wir einer Rekonstruktion »ver- die Einrichtung eines Archäologischen Alice Roberts, britische Anthropolgin, hung, Flüsse als Verkehrsadern oder die
trauen«? Was war wirklich so, was ist Parks mit Kastellgelände und Thermen. Paläoanthropologin und Autorin, fes- Wasserver- und entsorgung in der Stadt.
Spekulation? Der Grat ist schmal. Und 2015 bis 2017 wurde das Museum neu selt mit Erzählungen aus dem Leben Besonders interessant sind die Ergeb-
doch versuchen sich Wissenschaftler gestaltet. Der nun erschienene Muse- der Jäger und Sammler. Besonders nisse zur Entwicklung eines Natur- und
scheinbar mehr denn je an Rekonstruk- umsführer vereint und erweitert Texte schön ist dabei der Bogen, den sie hier- Umweltbewusstseins in dieser Epoche
tionen, wie die beeindruckenden Fall- und Grafiken der Neupräsentation. Da- bei zu unserem heutigen Dasein spannt, und damit auch zu den Anfängen eines
beispiele in diesem Band zeigen. Auf bei werden drei große Themenkom- mit einigen sehr interessanten Frage- Umweltschutzgedankens.
je einer Doppelseite werden die Pro- plexe behandelt: die Provinz Rätien stellungen und Ansätzen. Der zweite Teil widmet sich u. a. den
jekte vorgestellt. Mal geht es um ein und das Leben beiderseits des Limes, Unterwegs bekommt der Leser Themen Freundschaft und Nachbar-
einzelnes Gebäude, mal um eine gan- das Kastell Weißenburg und das römi- stets das Gefühl, in eine wahre Bege- schaft, Familienleben, Liebe und Sexu-
ze Siedlung inmitten der umgeben- sche Leben vor Ort sowie abschließend benheit einzutauchen, doch wie es die alität. Aber auch ungewohnte Perspek-
den Landschaft. Der Leser startet im Al- der Schatzfund aus der Mitte des 3. Jh. Autorin selbst beschreibt, sind dies nur tiven im Blick auf den Umgang der Men-
ten Orient und springt dann nach Ägyp- Dabei werden die Sakralobjekte aus öf- fiktionale Geschichten, basierend auf schen miteinander werden themati-
ten, zu den Kelten, Griechen, Römern fentlichen und privaten Heiligtümern Erkenntnissen, zu denen die Archäolo- siert, wie Jähzorn und spontane Gewalt,
… und sogar in die Mongolei. Deutsch- sowie die vier bekannten Gesichtshel- gie und ihre Nachbarwissenschaften Flüche und Segen oder Vertrauen und
land ist stark vertreten – mit der Heu- me detailliert mit neu erstellten Farb- kamen. Die Forschung hinter ebendie- Misstrauen.
neburg, Ladenburg, Köln und Xanten! fotos ins rechte Licht gerückt. Über- sen Geschichten wird in einem popu- Zahlreiche Abbildungen lockern den
Aber natürlich dürfen auch die großen haupt ist der Katalog großzügig mit lärwissenschaftlichen Rahmen vorge- Text auf. Ein umfangreicher Anhang
Metropolen nicht fehlen. In jedem Bei- Farbaufnahmen ausgestattet, die kur- stellt, sodass sowohl Archäologieinte- mit dem Anmerkungsapparat, einem
trag ordnen die Wissenschaftler »ihre« zen Texte sind lesbar und gut ver- ressierte als auch gelernte Archäolo- ausführlichen Literaturverzeichnis und
Stätte ein, beleuchten die Geschichte ständlich, die eingängigen Grafiken ginnen und Archäologen mit Sicherheit dem Personen-, Orts- und Sachregister
und Grabungsgeschichte, den Aufbau, vermitteln allgemeine Aussagen zu Vergnügen daran finden werden. runden das Werk ab. Insgesamt wird da-
und erzählen dann vom langen Weg den Römern. Das Weißenburger Muse- Zudem findet der Leser am Ende mit eine umfassende, anschauliche und
von der Dokumentation zur digitalen um wird seinem Anspruch als zentrale des Buches Hinweise auf weiterfüh- empfehlenswerte Darstellung der All-
Rekonstruktion. Dazwischen werden in Vermittlungsstätte zum Thema »Rö- rende Literatur, die zum Vertiefen und tagswelt des Mittelalters mit ihren na-
mehrseitigen Artikeln die Hintergrün- mer in Bayern« mit dieser Neupubli- Weiterlesen anregen. türlichen und sozialen Voraussetzun-
de, u. a. die technischen Aspekte, er- kation mehr als gerecht. | Johanna Plath gen vorgelegt.
klärt. | Melanie Kattanek | Ellen Riemer | Barbara Scholkmann

76 AiD 5 | 2019
ü
Bei der Redaktion eingetroffen

Templerburgen
Thomas Biller
Darmstadt: wbg THEISS 2019,
Jubiläumsausgabe, 172 S., zahlr. Abb.,
28 Euro
Thomas Biller zählt zu den profiliertes-
ten Burgenforschern Deutschlands. In
diesem Werk gibt er einen detaillierten
Einblick in die Geschichte des legen-
dären Templerordens, räumt mit My-
then und Spekulationen auf und be-
fasst sich darüber hinaus eingehend
mit Burgen, die sich nachweislich im
Steinzeit im Parkhaus Heiliger Zorn Webtipp Besitz des Ordens befanden. Der erst-
Moderne Archäologie und Wie die frühen Christen www.kuladig.de mals 2014 erschienene Band wurde an-
das unsichtbare Welterbe die Antike zerstörten Kultur. Landschaft. Digital lässlich des 70. Jubiläums der wbg mit
der Pfahlbauten Catherine Nixey neuen Fotografien und neu ausgewer-
Niels Bleicher München: Deutsche Verlagsanstalt Was prägt unsere heutige Kulturland- teten mittelalterlichen Schriftquellen
Zürich: NZ Libro 2018, 186 S., 34 Euro 2019, 397 S., 33 farb. Abb., 25 Euro schaft? Wie hat sie sich verändert? Und ergänzt.
welche Orte sind von Bedeutung, um
In insgesamt zehn Kapiteln nimmt Niels Allgemein herrscht die Ansicht vor, dass vage Begriffe wie Heimat, Identität und Krise und Untergang
Bleicher, wissenschaftlicher Leiter der die frühen Christen der Antike fried- regionale Geschichte zu umschreiben? der römischen Republik
Ausgrabungen des steinzeitlichen Fund- fertige Menschen waren, die vom römi- Diesen und vielen weiteren Fragen Karl Christ
platzes »Parkhauses Opéra« (Zürich), schen Staat aufgrund des Infragestel- kann der Nutzer bei KuLaDig nachge- Darmstadt: wbg Academic 2019,
seine Leser mit in die Welt der archäo- lens der Göttlichkeit des Kaisers ver- hen, von Objekt zu Objekt springen Jubiläumsausgabe, 565 S., 20 Euro
logischen Pfahlbau-Forschung und des folgt wurden und zu Tausenden als Lö- und sich darin geradezu verlieren. Die große Monografie des bekannten
Lebens in der Steinzeit. Jedes Kapitel wenfutter in den Arenen starben, um Das fach- und ämterübergreifende Althistorikers Karl Christ gilt als Klassi-
eröffnet dabei neue Themen und As- dann als Märtyrer für Ihren Glauben ver- Portal dient als digitales Informati- ker. Mit der Auswahl als Teil des Jubilä-
pekte und die geschickt gewählten ehrt zu werden. Wie die deutsche Über- onssystem und erfasst die Kulturland- umsprogramms der wbg zeichnet der
Überschriften wecken die Neugier auf setzung des großartigen Buches der schaft und ihre Objekte in Text, Ton und Verlag den Titel als herausragendes
den Inhalt. Beim Lesen hat man das Ge- Londoner Althistorikerin und Journalis- Bild. Es verknüpft bedeutende Orte Werk aus, das es verdient, neu entdeckt
fühl, sich in einem Gespräch mit ei- tin Catherine Nixey in zahlreichen, sorg- miteinander und hierarchisiert sie. zu werden. Zu Recht, ist es doch mit sei-
nem guten Freund zu befinden, der fältig recherchierten und eingängig ge- Über Verweise und Links können the- ner erzählerischen Kraft eine wahrhaft
Archäologe ist und einen mit seiner Be- schriebenen Beispielen belegt, ist aber matische und räumliche Bezüge her- zeitlose Gesamtdarstellung der histori-
geisterung ansteckt. In seinen Ausfüh- auch für diesen weit verbreiteten My- gestellt werden. Die Landschaftsge- schen Prozesse zwischen 200 und 30
rungen schafft es Niels Bleicher – aus- thos, wie in vielen anderen Fällen der schichte wird anhand ihrer Einzelteile, v. Chr. vor dem Hintergrund der gesell-
gehend vom Fundplatz »Parkhaus Geschichte, Vorsicht geboten. Denn auf z. B. einer Burg, einem Grenzstein oder schaftlichen, wirtschaftlichen und geis-
Opéra« – komplexe archäologische For- das Konto gewaltbereiter christlicher Ei- einem Grabhügel, und in ihrer thema- tigen Entwicklung.
schungsfragen und Zusammenhänge ferer geht neben aggressiven Metho- tischen Breite vermittelt. So kann der
sowie die mit unterschiedlichsten Me- den der Bekehrung von Andersgläubi- Nutzer vom Kleinen ins Große und um- Lese-Tipp in eigener Sache –
thoden gewonnen Erkenntnisse ver- gen auch ein nicht unwesentlicher An- gekehrt seine Region kennenlernen. neues AiD-Sonderheft erschienen
ständlich und spannend zu erläutern teil an der Zerstörung von Bau- und Die Zugänglichkeit, Weiterentwick-
und zu einem Gesamtbild zusammen- Kunstwerken sowie vor allem die Ver- lung und auch die Datensicherheit wer- Löwenmenschen
zusetzen. Dabei setzt er sich immer nichtung des intellektuellen, schriftli- den von öffentlicher Hand, dem Land- und Schamanen
wieder kritisch mit den Möglichkeiten chen und geistigen Wissens der Antike, schaftsverband Rheinland (LVR), nach- Magie in der Vorgeschichte
und Grenzen der Archäologie ausei- die ihren Teil zu den »dunklen Jahrhun- haltig sichergestellt. Zudem werden Andrea Zeeb-Lanz/Andy Reymann
nander, schafft Bezüge zur Gegenwart derten« des nachfolgenden Frühmit- die Inhalte redaktionell und fachlich Darmstadt: wbg THEISS 2019, 112 S.,
und stellt – zum Teil bisher ungelöste – telalters beitrug. Der vermeintlich fried- vom LVR und beteiligten Partnern ge- 120 farb. Abb., 28 Euro
Forschungsfragen, bei denen er die Le- fertige »Siegeszug des Christentums« prüft, wodurch die Richtigkeit und Ak- Die Welt des Übernatürlichen hat vie-
ser den Prozess der Suche nach Ant- besaß eine hässliche, militante Seite, tualität aller Beiträge gewährleistet le Facetten und war in vorgeschichtli-
worten erleben lässt. Zahlreiche infor- dem sich Nixey aber sehr differenziert wird. Bislang ist KuLaDig in Nordrhein- chen Zeiten ein bedeutsamer Teil des
mative Grafiken begleiten den Text widmet, sodass das Buch sich entgegen Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz Lebens. Davon zeugen die vielfältigen
und machen das Erläuterte unmittel- seines plakativen Titels auch nicht als und Schleswig-Holstein in Nutzung. Hinterlassenschaften, deren heute nicht
bar sichtbar und vorstellbar. Generalabrechnung mit den Verbre- Alle Objekte sind über ein Geoinfor- mehr lesbare Botschaften die Forschung
Mit großem Respekt vor den Leis- chen der spätantiken Christenheit liest. mationssystem räumlich erfasst. Dies häufig vor so manches Rätsel stellen.
tungen und dem Leben in der damali- Im weiteren Sinne stellt es auch einen ist vor allem für Planer und Touristiker Dieses Buch diskutiert den problema-
gen Zeit bietet er so faszinierende und wichtigen Beitrag zur Erforschung des interessant. Aber auch für die »Citizen tischen Begriff der »Magie« in der For-
detaillierte Einblicke in das Leben der ideologischen Extremismus dar, mit Science« bietet KuLaDig neue Formen schung und wendet sich jenen Über-
Menschen der Steinzeit am Standort dessen mannigfachen aktuellen Er- der Speicherung und Vermittlung von resten der Vorgeschichte zu, die uns
des heutigen Parkhauses. scheinungsformen und Auswirkungen regionalem und tradiertem Wissen. heute in verschiedensten Formen und
Ein rundum gelungenes, sehr zu sich auch die moderne Welt vielerorts Mitmachen ist daher erwünscht! auf vielfältigste Weise als magische
empfehlendes Buch! | Katja Thode konfrontiert sieht. | Niklot Krohn | Christian Weltecke Spuren begegnen.

ü AiD 5 | 2019 77
Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Wittelshofen

zwinkern. Ein kulturhistorischer großartigen architektonischen Geschichte – aber auch nicht mehr. und verbargen Schätze in den um-
Bitte vergewissern Sie sich, wenn Spaziergang besonderer Art vor- Schatz hinterlassen. Weitere Sta- Der Mythos entpuppte sich nicht gebenden Höhlen. Orte wie Jericho,
Sie einen Ausstellungsbesuch pla- bei an antiken Entsorgungslösun- tionen sind Leptis Magna (Libyen), nur als romantisch verklärt, son- Teleilat Ghassul, Bab edh-Drah,
nen, ob die hier gemachten Anga-
gen, ausgeklügelten Kanalsyste- das von den Phöniziern gegrün- dern auch als politisch gewollt – Qumran und Masada sind weltbe-
ben noch stimmen. Ausstellungs-
men, römischer Feinware und ir- dete »afrikanische Rom«, und Pal- und wurde bereits im frühen Mit- rühmt.
daten ändern sich oft sehr kurz-
fristig. Deshalb kann die Redakti- denem Nachtgeschirr auf mittelal- myra (Syrien), die legendäre grie- telalter genutzt, um Herrschafts- 27. September 2019
on leider keine Gewähr terlichen Burgen, bis hin zum heu- chisch-römische »Perle des Ori- ansprüche zu rechtfertigen. Die bis 29. März 2020
übernehmen. te geschätzten Wasserklosett. ents«. große Landesausstellung spür t smac – Staatliches Museum
12. April bis 20. Oktober 2019 30. August bis 3. November 2019 dem Mythos über die »alten Sach- für Archäologie Chemnitz
Als Abonnent erhalten
Sie mit der KulturCard Römerkastell Saalburg Kunst- und Ausstellungshalle sen« nach und hilft mit jüngsten Stefan-Heym-Platz 1
vergünstigten Eintritt Am Römerkastell 1 der Bundesrepublik Deutschland Forschungsergebnissen, Fakten 09111 Chemnitz
in die Museen unserer Partner! 61350 Bad Homburg Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn und Meinungen neu zu sortieren. Di bis So, feiertags 10–18,
Dies kann eine Ermäßigung von täglich 9–18 Uhr Di, Mi 10–21, Begleitpublikation: 35,–Euro Do 10–20 Uhr
40–50 % auf den regulären Ein- www.saalburgmuseum.de Do bis So, feiertags 10–19 Uhr 22. September 2019 www.smac.sachsen.de
trittspreis oder zwei Karten zum www.bundeskunsthalle.de bis 2. Februar 2020
Preis von einer sein. Bitte achten Braunschweigisches
Sie auf dieses Symbol! Basel Landesmuseum Ellwangen
Bramsche Burgplatz 1, 38100 Braunschweig
Gladiator Di bis So 10–17, Der Münzschatz von
Die wahre Geschichte Roms Legionen jeden 1. Di im Monat 10–20 Uhr Ellwangen
Asparn an der Zaya Gladiatorenkämpfe gehörten zur Seine überaus erfolgreiche Expan- www.3landesmuseen.de 2018 wurde der Fund eines der
Kultur des alten Roms und anders sionsgeschichte verdankt Rom sei- größten spätmittelalterlichen Sil-
Reiterbögen als die gängigen Klischees Glauben nen Legionen. Deren Organisati- bermünzschätze in Baden-Würt-
Archäologie. Rekonstruktion. machen, waren die Gladiatoren onsstruktur, hochwertige und Bregenz temberg bekannt. Zwei Militaria-
Experiment. nicht nur Sklaven, die in der Arena standardisierte Ausstattung sowie Sammler hatten diesen während
Die Reiterkrieger der Skythen, Hun- blutig ihr Leben ließen, sondern eiserne Disziplin machten die rö- Alfred Seiland: eines illegalen Sondenganges zu-
nen, Awaren und Ungarn waren Teil der römischen Identifikation. mische Armee (nahezu) unbesieg- Imperium Romanum fällig in einem Waldstück auf der
wegen ihrer Kampftechnik mit Die Gladiatoren kommen ab Sep- bar. Zehntausende Mann standen Was genau blieb vom einst mäch- Gemarkung Ellwangen entdeckt
Pfeil und Bogen gefürchtet. Die Bö- tember ins Antikenmuseum Basel. im Sold – marschierten jeden Tag tigen Römischen Imperium? Mit und zunächst unter sich aufgeteilt.
gen waren aus Holz, Horn und Kno- Interaktiv präsentiert und spekta- mit schwerem Gepäck, schliefen dieser Frage befasst sich der öster- Einer der Finder hat den Münz-
chen zusammengesetzt, was ihnen kulär inszeniert werden spannen- in Zelten oder Lagern, kümmerten reichische Fotokünstler Alfred Sei- schatz jedoch später dem Landes-
eine enorme Kraft verlieh. Unga- de Fakten rund um die tapferen sich selbst um ihr Essen ... oder wie land in seinem groß angelegten fo- amt für Denkmalpflege gemeldet.
rische Bogenbauer haben die ar- Männer, die sich durch harte Arbeit war das genau? Zahlreiche Mit- tografischen Projekt. Seit 2006 do- Mit über 9200 Prägungen stellt
chäologischen Überreste von Bö- einen Platz in der römischen Ge- machstationen, an denen große kumentiert er architektonische diese Entdeckung den größten
gen, Pfeilen und Köchern der Rei- sellschaft erkämpfen konnten. He- und kleine Legionäre eine origi- und landschaftliche Spuren der rö- Münzschatzfund der Epoche von
terkrieger aus der Zeit 500 v. Chr. rausragende Leihgaben vorwie- nalgetreu gefertigte Rüstung an- mischen Antike rund um das Mit- 1260 bis 1330 in Baden-Württem-
bis 1600 n.Chr. genauer betrachtet: gend aus Italien und der Schweiz ziehen, am Pfahl trainieren oder ih- telmeer. Im Zentrum steht dabei, berg dar. Er wird jetzt der Öffent-
Die Ausstellung präsentiert ihre und neueste wissenschaftliche Er- re eigene Getreideration mahlen wie die Menschen der Gegenwart lichkeit erstmals präsentiert.
Versuchsergebnisse zu Wirkung kenntnisse werfen ein verblüffend können, geben Antwort. Anfassen mit den historischen Stätten um- 9. November 2019
und Durchschlagskraft dieser Waf- neues Licht auf das Leben eines und Mitmachen erwünscht! Zu ent- gehen, was die moderne Zivilisati- bis 19. Januar 2020
fen. Experimentell vergrabene Re- Gladiators. decken gibt es auch jede Menge on, was Alterungs- und Verwitte- Alamannenmuseum Ellwangen
konstruktionen liefern Erkenntnis- 22. September 2019 Details bei den lebensgroßen Il- rungsprozesse aus den Überresten Haller Straße 9, 73479 Ellwangen
se zur Vergänglichkeit der verwen- bis 22. März 2020 lustrationen des bekannten briti- der Antike machen. In seinen Fo- Di bis Fr 14–17, Sa, So 13–17 Uhr
deten Materialien – und erlauben Antikenmuseum Basel schen Zeichners Graham Sumner toarbeiten thematisiert Seiland www.alamannenmuseum-
so genauere Rückschlüsse auf ge- St. Alban-Graben 5 und den Tausenden originalgetreu Spannungsfelder zwischen histori- ellwangen.de
borgene Artefakte; z. B. Original- CH-4010 Basel bemalten Zinnlegionären, die ein schem Kapital und zeitgenössi-
funde aus Österreich und Ungarn, Di, Mi, Sa, So 11– 17, lebendiges Bild des Alltags römi- scher Vermarktung, musealer Pfle-
die ebenfalls zu sehen sind. Do, Fr 11– 22 Uhr scher Legionäre in den ersten Jahr- ge und touristischer (Ab-)Nutzung, Frankfurt a. Main
13. April bis 24. November 2019 www.antikenmuseumbasel.ch hunderten nach Christus zeigen. zwischen Erhaltung und Zerstö-
MAMUT – Schloss Ansparn/Zaya 30. März bis 3. November 2019 rung des antiken Erbes. BIATEC. NONNOS
Schlossgasse 1 VARUSSCHLACHT 7. Dezember 2019 bis Februar 2020 Kelten an der mittleren Donau
A-2151 Asparn an der Zaya Bonn Museum und Park Kalkriese vorarlberg museum Der Burgberg der slowakischen
Di bis So 10–17 Uhr Venner Straße 69 Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz Hauptstadt Bratislava war im zwei-
www.mamuz.at Von Mossul nach Palmyra 49565 Bramsche-Kalkriese Di bis So 10–18, Do 10–20 Uhr ten Drittel des 1. Jh. v.Chr. die Akro-
Eine virtuelle Reise durch das Mo bis So 10–18 Uhr www.vorarlbergmuseum.at polis eines keltischen Oppidums
Weltkulturerbe www.kalkriese-varusschlacht.de und mit römischer Architektur
Bad Homburg Mossul, Aleppo, Palmyra, Leptis bebaut. Er liegt an einem Kreu-
Magna – diese Städte sind Symbo- Chemnitz zungspunkt zwischen Donauweg
Drauf geschissen! le für das sagenumwobene Welt- Braunschweig und Bernsteinroute. Neuste Aus-
Ein kleine Kulturgeschichte kulturerbe vergangener Zivilisa- Leben am Toten Meer grabungen auf dem Burgberg führ-
des Stillen Örtchens tionen, aber auch für die Zerstö- Saxones Es ist eine Weltpremiere: Noch nie ten zu sensationellen Entdeckun-
Ein allzu alltägliches Thema für ei- rung ihrer Denkmäler durch Fana- Sturmfest und erdverwachsen? Ar- gab es in Deutschland, Europa gen, die ein neues Bild der Bezie-
ne Ausstellung? Aber warum – tismus und Kriege. Mithilfe virtu- chäologen und Historiker haben oder darüber hinaus eine Ausstel- hungen zwischen Kelten und Rö-
blickt das »Stille Örtchen« doch auf eller Rekonstruktionen und spek- die Geschichte des 1. bis 10. Jh. im lung über die Archäologie und Ge- mern vor der römischen Besetzung
eine lange Geschichte zurück und takulärer Animationen erweckt heutigen Niedersachsen, aber auch schichte rund um das Tote Meer. zeichnen. In Frankfurt werden nun
bietet neben zivilisatorischen Fak- die Ausstellung diese legendären in Westfalen grundlegend revi- Dieses ist nicht nur der niedrigste die Ergebnisse dieser international
ten auch Stoff für Witze, Anekdo- und heute zerstörten Stätten zu diert. Die bekannte Erzählung von Punkt der Erde sondern konfron- vielbeachteten Forschungen zur
ten und Beschimpfungen! Auch neuem Leben. Die Reiseroute ver- der Eroberung dieser Gebiete tiert Menschen auch mit einer ein- Spätzeit der keltischen Besiedlung
wenn der derbe Titel aufmerken läuft vom antiken Ninive, das heu- durch den germanischen Stamm maligen und lebensfeindlichen in der Südwestslowakei gezeigt.
lässt, widmet sich die Präsentation te innerhalb von Mossul (Irak) liegt, der »alten Sachsen« und die an- Umgebung. Und dennoch – über Darüber hinaus erhalten die Besu-
dem Thema Toilette und ihrem nach Aleppo (Syrien). Hier haben geblich dort praktizierte frühe De- viele Jahrtausende hinweg ließen cher Einblicke in die historische
Drumherum mit Seriosität, aber muslimische Reiche von den Omai- mokratie wurden kritisch hinter- sich Menschen hier nieder, bauten Situation in der Region Frankfurt
auch mit einem leichten Augen- jaden bis zu den Osmanen einen fragt. Das Ergebnis: eine schöne Siedlungen, Städte und Tempel zur gleichen Zeit.

78 AiD 5 | 2019 ü
9. Mai bis Colombischlössle Groß Raden eine Seuche, die die Menschheit Koblenz
1. Dezember 2019 Rotteckring 5 durch alle Epochen ihrer Geschich-
Archäolog. Museum Frankfurt 79098 Freiburg im Breisgau Blutiges Gold – Macht und te begleitet hat. Rund um den Glo- High Tech Römer
Karmelitergasse 1 Di bis So 10–17 Uhr Gewalt in der Bronzezeit bus forderte sie Millionen von Op- Fußbodenheizung, Lastkräne, Well-
60311 Frankfurt am Main www.freiburg.de Bis vor wenigen Jahren erschien die fern und führte dadurch zu tief- nessbäder oder Kaugummi – noch
Di bis So 10–18, Mi 10–20 Uhr Bronzezeit als eine Periode tiefen greifenden Veränderungen in der heute begegnen uns im täglichen
www.archaeologisches-museum- Friedens. Dann wurden im Tal der Gesellschaft. Die Ausstellung will Leben zahlreiche Techniken, Gerä-
frankfurt.de Glauburg Tollense die Reste eines Schlacht- die Geschichte der Pest in ihren te oder Alltagsphänomene, die auf
felds aus der Zeit um 1250 v. Chr. globalen Auswirkungen erörtern. überragende Entwicklungen aus
Das Geheimnis der Kelten- entdeckt. Hier standen sich Hun- Dabei werden der deutschsprachi- der Römerzeit zurückgehen. Die
Freiburg im Breigau fürstin von der Heuneburg derte Männer feindlich gegenüber. ge Raum und weitere betroffene Familien-Mitmachausstellung lädt
Die Heuneburg an der Donau zählt Am Ende waren viele von ihnen tot. Regionen Europas und der Welt auch dazu ein, die genialen Erfin-
Am anderen Ufer zu den bedeutendsten keltischen Neue Fragen drängen sich auf: Wer dargestellt. dungen der römische Antike an 33
Die Spätantike beiderseits Siedlungen in Europa. Archäologen hatte damals die Macht, Kriege zu 20. September 2019 Mitmachstationen selbst auszu-
des südlichen Oberrheins stießen unweit dieses Fürstensit- führen? Mit vielleicht sogar tau- bis 10. Mai 2020 probieren.
369 besuchte der römische Kaiser zes auf die mit wertvollen Beiga- senden Beteiligten? Und wie ist LWL-Museum für Archäologie 14. April bis 3. November 2019
Valentinian I. auf einer Inspekti- ben versehene Grabkammer einer dieses Ausmaß von Gewalt zu er- Europaplatz 1, 44623 Herne Haus der Archäologie
onsreise zu den neu errichteten frühkeltischen Frau. Die 583 v. Chr. klären? Die Entdeckungen aus dem Di, Mi, Fr 9–17, Do 9–19, Festung Ehrenbreitstein
Befestigungsanlagen entlang des angelegte Begräbnisstätte wurde Tollensetal und andere spektaku- Sa, So, feiertags 11–18 Uhr 56077 Koblenz
Rheins das spätantike Kastell auf Aufsehen erregend als 80 Tonnen läre Funde aus Mecklenburg-Vor- www.pest-ausstellung.lwl.org täglich 10–18 Uhr
dem heutigen Breisacher Münster- schwerer Block geborgen und in pommern öffnen den Blick in eine tor-zum-welterbe.de
berg. Es ist der einzige sicher be- der Restaurierungswerkstatt unter Welt, die von der Ostsee bis an das
zeugte Aufenthalt eines römischen großem Aufwand freigelegt. Die Mittelmeer vernetzt war. Goldge- Ingelheim
Kaisers der Spätantike im Gebiet vielen wertvollen Grabbeigaben schmückte Männer und Frauen mit Mannheim
des heutigen Baden-Württemberg. aus Gold, Bernstein und Bronze be- kiloschwerer Bronzetracht treten Der charismatische Ort
In dieser Zeit begegneten sich legen, dass die 30 bis 40 Jahre al- auf. Wie gelangten sie an diesen Stationen der reisenden Könige Javagold
Römer und Alamannen am südli- te Frau einst zur privilegierten Eli- Reichtum und welche Rolle spiel- im Mittelalter Pracht und Schönheit
chen Oberrhein friedlich – die neu- te der keltischen Gesellschaft ge- ten sie in der Gesellschaft? Könige und Kaiser waren im Mit- Indonesiens
en Nachbarn »am anderen Ufer« hörte. Die Ausstellung greift die bis 13. Oktober 2019 telalter ständig auf Achse. Sie reis- Java – tiefe Regenwälder, gefährli-
wurden als Partner gesehen. Das Fragen der Wissenschaft auf und Archäologisches ten durch Ihr Reich, oder wie Karl che Vulkane und geheimnisvolle
Alamannen-Museum Vörstetten präsentiert originalgetreue Nach- Freilichtmuseum Groß Raden der Große von Pfalz zu Pfalz. An Tempel. Über 1000 Jahre lang war
widmet dieser Zeit eine grenz- bildungen der Fundstücke. Die Kastanienallee strategisch günstigen Orten ließen die indonesische Inselwelt Heimat
überschreitende Ausstellung mit erstklassige Goldschmiedetechnik 19406 Groß Raden sie prachtvolle Residenzen errich- mächtiger hinduistischer und bud-
einer Bestandsaufnahme zur Er- der Kelten und die erfolgreiche Re- Mo bis So 10–17:30 Uhr ten. Die von der Forschungsstelle dhistischer Königreiche. Zeitlos
forschung des südlichen Ober- konstruktion des Goldschmucks www.freilichtmuseum- Kaiserpfalz organisierte Ausstel- schöne Schmuck- und Kultgegen-
rheins im 4. und 5. Jh. n.Chr. Prä- sind daher ein weiteres spannen- gross-raden.de lung wirft zum ersten Mal einen stände künden heute von ihrer
sentiert werden neben bekannten des Thema. Blick auf das Phänomen des Reise- längst vergangenen Pracht und
auch jüngst gewonnene Grabungs- 22. März bis 13. Oktober 2019 königtums. Zahlreiche Exponate Kunstfertigkeit. Gefertigt sind sie
ergebnisse aus dem Elsass sowie Keltenwelt am Glauberg Herbertingen vermitteln das Charisma mittel- aus jenem Material, das die Men-
aus Mittel- und Südbaden. Am Glauberg 1, 63695 Glauburg alterlicher Inszenierungen, politi- schen seit Jahrtausenden in den
15. Oktober bis 5. November 2019 Di bis So 10–18 Uhr Steinzeitdorf und Keltengold scher Versammlungen und Macht- Bann zieht – Gold. Die Ausstellung
Meckelhalle der Sparkasse www.keltenwelt-glauberg.de Archäologische Entdeckungen symbole und entführen in die Epo- präsentiert rund 400 einzigartige
Freiburg-Nördlicher Breisgau zwischen Alb und Neckar chen der Karolinger bis hin zu den Schätze als faszinierendes Kalei-
Kaiser-Joseph-Straße 186 In Kirchheim unter Teck wurde eine Staufern. doskop der hinduistischen und bud-
79098 Freiburg im Breisgau Graz Siedlung der Linearbandkeramik 20. August bis 20. November 2019 dhistischen Handwerkskunst. Sie
Mo bis Fr 9–18, Sa 10–14 Uhr untersucht; der ältesten jungstein- Kunstforum Ingelheim erzählen von einer Gesellschaft, in
www.sparkasse-freiburg.de Erde – Wasser – Feuer zeitlichen Kulturgruppe in Süd- François-Lachenal-Platz 1 der Macht, religiöse Ansprüche und
Lebensquellen und Wissens- westdeutschland. Neben über 20 55218 Ingelheim Schönheit durch Goldobjekte aus-
Anschließend ist die zweisprachi- speicher Langhäusern aus der zweiten Hälf- Di bis So 10–17 Uhr gedrückt wurden. Stets haben die
ge Ausstellung auch im franzö- Zwei uralte Holzbrunnenschächte te des 6. Jt. v. Chr. konnten dort www.ingelheim-erleben.de filigran verzierten Kleinodien auch
sischen Biesheim (8. 11. bis und ihre erstaunlichen Inhalte er- auch unerwartet jüngere Befunde rituelle oder soziale Bedeutung.
20. 12. 2019) und in Weil am Rhein zählen vom Leben der Menschen nachgewiesen werden. Die Ergeb- Ein Großteil der Kostbarkeiten ist
(5. 01. bis 8. 03. 2020) zu sehen. vor 3500 Jahren: Die im Rahme des nisse und Funde der Ausgrabun- Kelheim erstmals öffentlich zu sehen.
Projekts PalaeoDiversiStyria ge- gen werden jetzt gezeigt – ergänzt 15. September 2019
Der römische Legionär borgenen achäobotanischen Res- um wichtige Vergleichsobjekte aus Superstars mit Todesmut bis 13. April 2020
Weit mehr als ein Krieger te vieler Kulturpflanzen liefern zwei weiteren reich ausgestatteten Die Gladiatoren Roms Reiss-Engelhorn-Museen
200 Jahre lang prägten römische spannende Informationen über frühkeltischen Frauengräbern der Immer wieder spannend sind die Museum im Zeughaus, C5
Legionäre das Leben am Oberrhein. Landwirtschaft und Ernährungs- Region. Fragen nach den Gladiatoren der 68159 Mannheim
Ihre Hauptaufgabe war es, die gewohnheiten der Menschen in der 10. Mai bis 31. Oktober 2019 römischen Geschichte. Wer waren Di bis So, feiertags 11–18 Uhr
Grenzen des Imperiums zu sichern. Steiermark und im nördlichen Slo- Keltenmuseum Heuneburg diese Männer – und womöglich www.rem-mannheim.de
Doch wie lebten die Soldaten ab- wenien zur Bronzezeit. Der Nach- Binzwanger Straße 14 auch Frauen? Wie und wo erlernten
seits des Krieges? Welche gesell- bau eines Brunnenschachts lässt 88518 Herbertingen sie ihr blutiges, aber hoch profes-
schaftlichen Aufgaben nahmen sie die Bauweise eines historischen Di bis So, feiertags 10–16 Uhr sionelles Handwerk? Warum waren Mettmann
wahr und welche Neuerungen brach- Brunnenkastens erkennen und er- www.heuneburg.de die Zuschauern von diesen Kampf-
ten sie in die Region? Diese Fragen klärt zugleich die Arbeitsweise der spektakeln so begeistert und wann Einfach tierisch!
beantwortet diese Ausstellung an- Forscher. gewährten sie Gnade, wann nicht? Fotospaß mit Dino, Mammut
hand von Funden aus dem Militär- 10. Mai bis 31. Oktober 2019 Herne bis 3. November 2019 und Co.
lager von Dangstetten und weite- Archäologiemuseum Archäologisches Museum Nicht wirklich archäologisch oder
ren hochwertigen Originalen aus Schloss Eggenberg PEST! der Stadt Kelheim paläologisch – aber mit viel Liebe
dem Oberrheingraben. Eggenberger Allee 90 Von der Steinzeit über die Spätan- Lederergasse 11, 93309 Kelheim zum Detail und ganz sicher ein gro-
24. Oktober 2019 A-8020 Graz tike und vom »Schwarzen Tod« des Di bis So 10–17 Uhr ßer Spaß für die ganze Familie:
bis 29. November 2020 Di bis So, feiertags 10–17 Uhr Mittelalters bis zum jüngsten Aus- www.archaeologisches-museum- Zum ersten Mal seit der Eröffnung
Archäologisches Museum www.archaeologiemuseum.at bruch auf Madagaskar: Die Pest ist kelheim.de des Neanderthal Museums halten

ü AiD 5 | 2019 79
Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Wittelshofen

die Dinos Einzug ins Tal! In Koope- durch die Kostbarkeit der verwen- Licht der Öffentlichkeit, andere
Stade
Die Ausstellung erzählt spannen- Bildnachweis
ration mit den Reiss-Engelhorn- deten Farben und Materialien aus. landen erst mal im Depot oder di- de Geschichten rund um Entde-
U1, S20 picture alliance/ ZB-Fotoreport / Mat-
Museen Mannheim präsentiert das 28. April bis 10. November 2019 rekt vor den neugierigen Augen ckung und Bergung, berichtet von thias Hiekel; S1o, S66ol / mlu, S67u, S70o Limes-
Haus eine familienfreundliche Aus- Abegg-Stiftung der Forscher. Die Ausstellung schil- Irrungen und Wirrungen der Wis- museum Aalen; S1u Dieter Planck; S2–S3u bei
den entsprechenden Beiträgen; S3o Victor S. Bri-
stellung, bei der farbenfrohe und Werner Abeggstrasse 67 dert die Etappen im Leben solcher senschaft – und zeigt die neuesten gola; S3l, S42 / 43o M. Mereu; S3r, S14, S15o–S18,
actionreiche Szenen auf riesigen CH-3132 Riggisberg Artefakte außerhalb des Erdreichs, Erkenntnisse zur Altersbestim- S81u Moser, DAI-KAAK; S4o / u Denis Gliksman,
Inrap; S5 David Feary, License: CC-BY-SA 2.0; S7o /
interaktiven 3D-Bildern aus der Mo bis So 14–17.30 Uhr wo sie Jahrhunderte oder Jahrtau- mung, zur Anthropologie und zur u Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed; S8–S9
Urzeit die Besucher erwarten. Die www.abegg-stiftung.ch sende schlummerten. Sie erzählt Archäogenetik auf. Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein/
großen und kleinen Gäste können deren Geschichte und ihren aben- 10. Mai bis 24. November 2019 H. Zwietasch; S10–S11o / u, S12u, S13o / u Victor
S. Brigola; S12o Jelena Radosavljevic; S15u Kar-
auf abenteuerliche Fotosafari los- teuerlichen Weg, aber auch von Museum Ulm, Studio Archäologie tendarstellungen basierend auf Google Maps
ziehen und z. B. mit einem T-Rex Schöningen den Menschen, die sie geschaffen, Marktplatz 9, 89073 Ulm und Google Earth, Anpassung J. Moser, DAI-KAAK;
S19o / u J. Gresky, DAI-Naturwissenschaften; S21
Tauziehen spielen oder ein Mam- benutzt, weggeworfen oder bis ins Di bis So 11–17, Do 11–20 Uhr B. Rinn-Kupka; S22o / u Museum Zitadelle Jülich;
mut retten. Uunvergessliche Fo- Zeitreise Niedersachsen Grab mitgenommen haben. Wer www.museumulm.de S23 Städtisches; S24o Gerd Döge; S24u nach
tos fürs Familienalbum – on- und Playmobil-Sammlung schon immer mehr über das oft Unbehaun, Lutz. 1989. Hieronymus Lotter. Kur-
fürstlich-sächsischer Baumeister und Bürger-
offline! Oliver Schaffer ereignisreiche Leben archäologi- meister zu Leipzig. Leipzig: E.A. Seemann Verlag
bis 3. November 2019 Mit Figuren aus der größten deut- scher Fundstücke wissen und ei- Völklingen Museum Saarlouis; S25 Landesamt für Archäo-
logie Sachsen; S26 Hans Szédeli; S27o / u AAFL,
Neanderthal Museum schen Playmobil-Sammlung hat nen Blick hinter die Kulissen eines F. Lorscheider; S28 Th. Quenders, Archäologen
Talstr. 300, 40822 Mettmann Oliver Schaffer eine so noch nie ge- archäologischen Museums werfen PharaonenGold Linnemann, Quenders und Partner; S29 Foto
LVR-Niederrheinmuseum Wesel; S30o picture
Di bis So 10–18 Uhr zeigte Ausstellung entwickelt und wollte, ist hier genau richtig. 3000 Jahre altägyptische
alliance / blickwinkel / S. Ziese; S30u, S67o picture
www.neanderthal.de nimmt die Besucher mit auf eine 27. April 2019 bis Hochkultur alliance / imageBROKER; S31 Horst Ossinger /
spannende Zeitreise durch Nie- 31. Dezember 2020 Goldglänzende Entführung in die dpa; S32 Stadtarchiv Ingolstadt; S33o Pro Arch
Prospektion und Archäologie GmbH, Ingolstadt;
dersachsen. Spektakuläre archäo- Archäologisches Museum Welt des Alten Ägyptens. Im Zen- S33u U. Rössle. Stadtarchiv Ingolstadt; S34 Stadt-
Morbach-Wederath logische Funde stehen neben elf 2 place du Château trum seiner Kultur standen die archäologie Wien, Chr. Ranseder; S35 Peter Bött-
cher, Institut für Realienkunde der Universität
eigens für das Paläon entworfenen F-67076 Straßburg Pharaonen, jene Könige, die nach Salzburg; S36o Stadt Köln / Architectura Virtua-
Was aßen Kelten und Römer? Playmobil-Schaukästen. Spielen Mo, Mi bis So 10–18 Uhr altägyptischer Vorstellung von den lis, Darmstadt; S36u–38o Sparkasse KölnBonn /
Landwirtschaft, Ernährung und erwünscht! de.musees.strasbourg.eu Göttern abstammten. Als Gott auf Architectura Virtualis, Darmstadt; S38/39u, S39o
Landeshauptstadt Düsseldorf / Architectura Vir-
Umwelt westlich des Rheins 6. April bis 20. Oktober 2019 Erden sorgten sie für die Ordnung tualis, Darmstadt; S40o A. u. R. Pitzalis, G. Tod-
Die archäobotanische Forschung Forschungs- und Erlebnis- und Ausgewogenheit der Welt. Ge- de; S40u Peter Palm; S41 FT Studio 1996; 42u
G. Todde; S43u akg-images / De Agostini Picture
entspinnt die spannende Entwick- zentrum Trier zeigt werden herausragende alt- Lib./ A. De Gregorio; S44ol Bettina Arnold / Franz
lungsgeschichte einer Landschaft Paläon 1 ägyptische Goldschätze aus mehr Frankfurth; S44or–45o / u, S81o Bettina Arnold;
und ihrer Nutzung für den mensch- 38364 Schöningen Spot an! als 3000 Jahren. Die 150 einzigar- S46 Bridgeman Library; S47o J. Kötzle, Staats-
archiv Bremen; S47u N. Pamperin, Studio-Bind-
lichen Bedarf: Lebensräume, Nah- Di bis So 10–18 Uhr Szenen einer römischen Stadt tigen magischen Goldexponate seil Hamburg; S48o Engram; S48ul G. Klonk,
rung, Rohstoffe – wer hat was in www.palaeon.de Die älteste Stadt Deutschlands sind in dieser Form erstmals zu se- Landesarchäologie Bremen S48m Focke Muse-
um, M. Luther; S48ur Landesarchäologie Bremen;
welchem Jahrhundert angebaut? wurde 17 v. Chr. gegründet und hen und stammen aus Pharaonen- S49 Landesarchäologie Bremen, Bischop; S50o/u
Was war heimisch, was wurde im- wuchs schon bald zur blühenden gräbern der Zeit zwischen 2680 Südwest-Archäologie; S50m, S51o/m/u RPS-LAD
Stuttgart; S52o/ml Planateam Archäologie; S52mr
portiert? Es geht um Inhalte von Stade Handelsmetropole heran. Später und 1310 v.Chr.
Albert, Bayerisches Landesamt für Denkmal-
Töpfen und Kannen, aber auch um regierten dann Kaiser wie Kon- Begleitpublikation: 27,50 Euro pflege; S52u H. Krause, Museum Erding; S53o / m
die Tisch-, Ess- und Trinksitten der Fleisch! stantin der Große das Imperium 18. Mai bis 24. November 2019 pmp architekten, Brandenburg an der Havel;
S53u S. Döbel, Brandenburgisches Landesamt
Kelten und Römer. Der Faden Jäger, Fischer, Fallensteller von Trier aus. Die enorme Bedeu- Weltkulturerbe Völklinger Hütte für Denkmalpflege und Archäologisches Lan-
spannt sich weiter zum lokalen und in der Steinzeit tung des antiken Augusta Treve- Rathausstraße 75–79 desmuseum; S54o / ul Landesamt für Denkmal-
pflege Bremen; S54ur, S55o / ul E. Sichert, Denk-
überregionalen Handel. Gezeigt Fleisch gilt als ein Motor unserer rorum kann noch heute anhand von 66333 Völklingen
malamt; S55o ; S55m P. Odvody, hessenArchäo-
werden einheimische Güter und Evolution. Unseren Vorfahren war archäologischen Funden und den täglich 10–19 Uhr logie; S56 Landesamt für Kultur und Denkmal-
Importgüter aus dem Römischen es ein wichtiger Energielieferant imposanten römischen UNESCO- www.voelklinger-huette.org pflege Mecklenburg-Vorpommern, Landes-
archäologie; S57o P. Nikoloudis, Arcontor Pro-
Reich. Der Focus liegt auf der Pro- für ein größer werdendes Gehirn. Welterbestätten in der Stadt erlebt jekt GmbH; S57u Ch. Kohnen, Köln; S58o H. Hopp,
vinz Gallia Belgica und der Kultur- So war die Jagd unverzichtbarer werden. Die Ausstellung zeigt den Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege
Essen; S58u R. Peters, LVR-Amt für Bodendenk-
landschaft des mittleren Huns- Bestandteil menschlichen Lebens. Prunk der einst größten römischen Wittelshofen malpflege im Rheinland; S59o LVR-Landes-
rücks zur Eisen- und Römerzeit. Materialgetreue und funktions- Metropole nördlich der Alpen. Museum Bonn; S59m, S60o / u LWL-Archäologie
12. Mai bis 3. November 2019 tüchtige Rekonstruktionen und 31. August 2019 Römer. Macht. Umwelt für Westfalen; S59u LWL-Archäologie für West-
falen, Außenstelle Olpe; S61o / u Generaldirek-
Archäologiepark Belginum Modelle zeigen den technischen bis 26. Januar 2020 Landschaftsnutzung rund um tion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion
Keltenstraße 2 Erfindungsreichtum der steinzeit- Rheinisches Landesmuseum Trier das Römische Ruffenhofen Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz; S62o/u
Landesamt für Archäologie Sachsen; S63o / u
54497 Morbach-Wederath lichen Jäger, Fischer und Fallen- Weimarer Allee 1 Vier großformatige Idealrekons- Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Di bis So 10–17 Uhr steller. Ein wichtiger Aspekt sind 54290 Trier truktionen verdeutlichen die Land- Sachsen-Anhalt; S64o Hermannsen, Archäologi-
www.belginum.de zudem die Mensch-Umwelt-Bezie- Di bis So 10–17 Uhr schaftsveränderung um das römi- sches Landesamt Schleswig-Holstein; S64u Ar-
chäologisches Landesamt Schleswig-Holstein;
hungen der damaligen Lebensge- www.landesmuseum- sche Ruffenhofen. Die Darstellun- S65o Archäologisches Landesamt Schleswig-
meinschaften. trier.de/de/home.html gen spannen den Bogen vor der Holstein; S65m S. Jahn, Landesamt für Denk-
malpflege und Archäologie Thüringen; S64u
Riggisberg 22. Juni bis 20. Oktober 2019 Römerzeit bis ins frühe Mittelalter. H. Arnold, Landesamt für Denkmalpflege und
Schwedenspeicher Die Ausstellung zeigt, wie die Rö- Archäologie Thüringen; S66or / ul / ur Erwin Kee-
fer; S66mlo picture alliance / Stefan Puchner /
Luxus am Nil Wasser West 39 Ulm mer ihre Umwelt beeinflussten
dpa; S66m dpa; S68u dpa / Report / Stefan Puch-
Spätantike Kleidung 21682 Stade und woran Archäologen das heute ner; S69o picture alliance / dpa / Jan-Philipp Stro-
aus Ägypten Di bis Fr 10–17, Sa, So 10–18 Uhr Tod im Tal des Löwenmenschen nachweisen können. bel; S69ul picture alliance / DUMONT Bildarchiv /
Reinhard Schmid; S69ur explorhino Science
Schon in der Spätantike, vor mehr www.museen-stade.de Knochengeschichten aus 23. Mai 2019 bis Center / Kai Binning; S70ul / ur A. Thünker, DGPh,
als 1500 Jahren, spielten teure, 100 000 Jahren 20. Oktober 2019 Bonn; S71l/r Medienagentur Monumedia GmbH,
Erfurt; S72o Universität Tübingen, eScience
reich verzierte Gewänder eine Diese Ausstellung richtet den Blick LIMESEUM Center; S72u Universität Tübingen; S73 Katerina
wichtige Rolle im Leben derer, die Straßburg auf die im Schatten des Löwenmen- Römerpark Ruffenhofen 1 Harvati, Iniversität Tübingen; S74o Marcel Zan-
sich einen aufwendigen Lebensstil schen stehenden weniger beach- 91749 Wittelshofen jani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rhein-
land; S74u Archäologischer Dienst Graubünden;
leisten konnten. Erhalten haben Bedienungsanleitung teten Funde aus den UNESCO-Welt- Di bis Fr 10–16, Sa, So, S75 M. Forstner; U3o Beyond the Screen HS
sich solche wertvollen Kleidungs- Das bewegte Leben der erbe-Höhlen des Lonetals: Mensch- feiertags 11–17 Uhr Mainz, F. Lotz / RGZM;U3ul J. Weiner, LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege im Rheinland; U3um akg-
stücke vor allem in Ägypten, wo sie Archäologischen Sammlung liche Skelettreste von der Zeit des www.limeseum.de images; U3ur N. Boroffka, DAI Eurasien-Abtei-
im trockenen Wüstensand die Jahr- Damit archäologische Funde aus Neandertalers bis in das Mittelal- lung.
hunderte überdauern konnten. Die dem Erdreich ins Museum gelan- ter belegen, dass die Höhlen über Leider ist es uns nicht immer möglich, den Rechts-
Sonderausstellung zeigt herausra- gen, legen sie oft weite Wege zu- Jahrzehntausende wiederholt als Informationen zu weiteren inhaber ausfindig zu machen. Berechtigte An-
sprüche werden selbstverständlich im Rahmen
gende Zeugnisse dieses spätanti- rück. Manche schaffen es bis in die Bestattungsplatz, als Kultstätte Ausstellungen finden Sie unter
der üblichen Vereinbarungen abgegolten.
ken Kleiderluxus. Sie zeichnen sich Schaukästen und sonnen sich im oder Opferplatz genutzt wurden. www.aid-magazin.de

80 AiD 5 | 2019 ü
Rätsel

starke Reitereinheit Ala Secunda Flavia pia fide-


lis milliaria stationiert.

10 L

Frage 10: Der vom Kaufmann zum Freibeuter und


Piraten mutierte Johannes Hollemann wählte die-
sen Ort an der Hamme zu seinem »Seeräuber-
nest«.

R E 11 E

Frage 11: Bereits 3000 Jahre vor den westlichen


Entdeckern der Salomonen besiedelten Menschen
der nach dieser Fundstelle auf Grand Terre, Neu-
kaledonien, benannten Kultur Melanesien und
Frage 1: In Kemune gefundene Keilschrifttafeln sançon, Neubreisach, Arras) des berühmten Fes- große Teile Polynesiens.
deuten darauf hin, dass der Fundort im Nordirak tungsbaumeisters.
dieser alten Stadt entspricht, die in einer altori- A 12 A
S 6 L S
entalischen Quelle um 1800 v. Chr. genannt wird.
Frage 12: Hier manifestierte sich Preußen am
Z C H 1
Frage 6: Sie findet Anwendung in der Architektur, Rhein in ganz besonderem Maße: Die von König
wenn Fassaden aus Sichtmauerwerk stark gefugt Friedrich Wilhelm I. initiierte »Festung ersten Ran-
Frage 2: Dieser Hügel war ein hallstattzeitlicher oder gebändert sind. In der Festung Dresden wur- ges« war nach ihrer Fertigstellung fünfmal größer
keltischer Fürstensitz im nördlichen Burgund. In den durch eine solche optische Hervorhebung als die mittelalterliche Stadt am unteren Nieder-
einem Fürstinnengrab an seinem Fuße fand sich selbst Schießscharten »verziert«. rhein.
mediterrane Keramik. Vergleichende Untersu-
R U I I 7 R U S
chungen mit Funden aus der süddeutschen Heu- 13

neburg ergaben, dass an der Donau aus attischem Fragen von Udo Jansen
Trinkgeschirr eher Wein getrunken wurde, wäh- Frage 7: Gesucht wird der Fachbegriff eines mit
rend man im Burgund durchaus auch Bier aus einem »falschen Gewölbe« errichteten Rundbaus.
der wertvollen Importware trank. Diese Bauform ist sowohl aus mykenischen Grab-
stätten bekannt als auch durch seine tausend-
2 3 T S S S fache Umsetzung beim Bau der sardischen Nu-
raghen.
Frage 3: Sie verbindet Bastionen – zumindest in der
O O 8
Terminologie der Festungsbauer seit dem 16. Jh.

U 4 I Frage 8: Mediterranes Trinkgeschirr kam seit dem


19. Jh. immer wieder in Südwestdeutschland, der
Frage 4: Im Festungsgraben einer Zitadelle an- Schweiz und Ostfrankreich zum Vorschein. Da-
gelegtes Bollwerk, um Angreifer bereits auf der runter auch dieses größte aus der Antike überlie-
Sohle der Anlage unter Feuer nehmen zu können. ferte Bronzegefäß, das 1100 l. fasste.

A N N 5 9 T N V I

Frage 5: Die Stadt wurde von Sébastian Le Pestre Frage 9: Ein neu eröffnetes Limesmuseum be-
de Vauban im Auftrag von Ludwig XIV. als Festung leuchtet die Geschichte der römischen Besatzung
geplant und errichtet und liegt heute in Deutsch- im größten Reiterkastell nördlich der Alpen. Fast
land. Sie ist eine von 50 Fortifikationen (u. a. Be- hundert Jahre lang war hier die tausend Mann

Auflösung aus AiD 4 | 2019: Mitraten und Mitgewinnen Verlagsbüro Wais & Partner
Lösungswort: Goldblattkreuze Schicken Sie das Lösungswort Redaktion AiD, Kennwort: AiD-Rätsel
Reinsburgstraße 104, 70197 Stuttgart
Die Gewinner des Rätsels aus Heft 4 | 2019: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Unter den richtigen Einsendungen werden drei
Je ein Exemplar »Der römische Legionär« aus
Exemplare »Archäologischer Kalender 2020«
dem Programm der wbg erhalten Uwe Feiert, unter Angabe ihres Absenders per E-Mail an
von wbg Theiss ausgelost.
32825 Blomberg; Hermann Koehler, 36304 Als- redaktion@wais-und partner.de
feld; Heike Lasch, 61130 Nidderau. oder auf einer Postkarte bis spätestens Die Auflösung erscheint in der übernächsten
Wir gratulieren! 2. November 2019 (Poststempel) an: AiD. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnahme am Gewinnspiel beinhaltet im Gewinnfall das Einverständnis zur Nennung des Namens und des Wohnortes. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten
ü
von Teilnehmern erhoben, verarbeitet und genutzt werden, werden diese von der wbg ausschließlich zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels erhoben, verarbeitet und genutzt. AiD 5 | 2019 81
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ßigung von 40-50 % auf den regulären Eintrittspreis
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VORSCHAU
3
35
27
AiD 6 | 2019 erscheint
12 Antikenmuseum Basel und
Sammlung Ludwig
am 14. November 2019
16 9
20 17 St. Alban-Graben 5
21 13
29 6  26 4010 Basel
7 www.antikenmuseumbasel.ch
11 30 8
4 2 Öffnungszeiten: Di - Do, Sa, So 11 -17 Uhr; Fr 11 - 22 Uhr
19
Der Rabatt gilt nur für die Sonderausstellung
Virtuelle Vergangenheit
15 14 10
Gladiator. Die wahre Geschichte
28 22. September 2019 - 22. März 2020
18 Digitale Technologien drängen mit Macht in
 23
31
die Archäologie. Eine besondere Chance bietet
 25
Ostpreußisches Landesmuseum
34 die Virtualisierung: Virtuelle Rekonstruktionen
36
mit Deutschbaltischer Abteilung
Heiligengeiststraße 38 von Objekten oder gar ganzer Lebenswelten
 1 Bremerhaven Deutsches Auswandererhaus 21335 Lüneburg schlagen eine Brücke von der Wissenschaft
 2 Darmstadt, Institut Mathildenhöhe – Künstlerkolonie Tel. +49 (0) 4131 759950; info@ol-lg.de zur Öffentlichkeit, wecken Interesse und
 3 Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese www.ostpreussisches-landesmuseum.de
Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr
Verständnis für das kulturelle Erbe. Apps
 4 Darmstadt, Schlossmuseum
holen Funde aus dem Archiv und tragen sie
 5 Hamburg, Archäologisches Museum
 6 Geisa, Gedenkstätte Point Alpha Fondation Rilke in die Landschaft, bringen Ausgrabungs-
 7 Bad Homburg, Römerkastell Saalburg 30, rue du Bourg befunde ins Museum oder gleich alles auf
CH-3960 Sierre
 8 Glauberg, Keltenwelt am Glauberg einmal ins heimatliche Wohnzimmer. Im
www.fondationrilke.ch
 9 Halle (Saale), Landesmuseum für Vorgeschichte info@fondationrilke.ch Thema zeigen Fachleute exemplarisch die
10 Wittelshofen, Römerpark und Limeseum Öffnungszeiten: Di - So, 14- 18 Uhr schier grenzenlosen Möglichkeiten.
11 Manderscheid, Maarmuseum
12 Schöningen, Paläon
Steinzeitpark Dithmarschen
13 Chemnitz, smac- Staatl. Museum für Archäologie
mit Steinzeitdorf Kiesgruben –
14 Mannheim, TECHNOSEUM Süderstr. 47 Verluste und Chancen
15 Perl-Borg, Archäologiepark Römische Villa Borg 25767 Albersdorf Die Bauwirtschaft braucht große
16 Essen, Ruhr-Museum UNESCO-Welterbe Zollverein Tel. 04835-971097 • info@aoeza.de Mengen Kies und Sand, Abbaugruben
17 Nebra, Arche Nebra www.steinzeitpark-dithmarschen.de
greifen tief in die Landschaft ein und
18 Manching, kelten römer museum Öffnungszeiten des Steinzeitdorfes im AÖZA:
zerstören archäologische Denkmäler
von Ende März bis Anfang November von Di bis Sa: 11- 17Uhr
19 Rothenburg o.d.T., Mittelalterl. Kriminalmuseum auf immer. Am Niederrhein sind
20 Kassel, Museum für Sepulkralkultur aktuell 100 km2 Fläche betroffen, und
21 Neanderthal Museum Mettmann
Bayerisches Armeemuseum es ist kein Ende abzusehen. Denkmal-
Neues Schloss, Paradeplatz 4
22 Neustrelitz, Kulturquartier pfleger versuchen im Wettlauf mit der
85049 Ingolstadt
23 Blaubeuren, urmu - Urgeschichtliches Museum Zeit dem unaufhörlich voranschreiten-
Museum des Ersten Weltkriegs den Bagger zuvorzukommen.
24 Hamburg, Auswanderermuseum BallinStadt Außenstelle Reduit Tilly im Klenzepark,
25 Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen Bayerisches Polizeimuseum
26 Memleben, Kloster und Kaiserpfalz Ebenfalls im Klenzepark, im Turm Triva.
50 Jahre Woodstock Gonur-Depe:
27 Brandenburg, Archäologisches Landesmuseum Paulikloster Tel: 0841-9377-222, info@armeemuseum.de
www.armeemuseum.de
1969 fand das Woodstock-Festi- Hochkultur in Turkmenistan
28 Weißenburg, RömerMuseum, Römische Thermen, val statt. Außer Legenden und Zeitgleich mit den Zivilisationen Meso-
ReichsstadtMuseum Öffnungszeiten:
Di - Fr 9 - 17:30 Uhr / Sa, So, Feiertage: 10 - 17:30 Uhr Erinnerungen zeugen auch mate- potamiens und Ägyptens entwickelte
29 Neuwied, MONREPOS rielle Überreste von dem Event. sich vor 4000 Jahren im Osten Turkme-
30 Frankfurt, Archäologisches Museum Frankfurt
Europäisches Hansemuseum Lübeck Archäologen der Universität nistans eine faszinierende Hochkultur.
31 Ingolstadt, Bayerisches Armeemuseum, Museum des An der Untertrave 1 Binghamton stellen sich der Mitten darin die bronzezeitliche Königs-
Ersten Weltkriegs, Bayerisches Polizeimuseum
23552 Lübeck außergewöhnlichen Herausfor- stadt Gonur-Depe: Seit 2010 gräbt das
32 Albersdorf, Steinzeitpark Dithmarschen Tel: 0451 - 80 90 99 - 0 • info@hansemuseum.eu derung, diese Reste im Jubilä- Deutsche Archäologische Institut auf
33 Lübeck, Europäisches Hansemuseum Öffnungszeiten: Täglich 10 - 18 Uhr umsjahr 2019 aus kulturhistori- dem Fundplatz am Südrand der Kara-
34 Basel, Antikenmuseum NEU scher Sicht zu erforschen. kum-Wüste.
35 Lüneburg, Ostpreußisches Landesmuseum NEU
ü AiD 5 | 2019
36 Sierre, Fondation Rilke NEU
Albanien
Archäologische Rundreise durch das kleine Balkanland

AiD
LESERREISE
Exklusiv für Leser der
and
Archäologie in Deutschl

 9 Tage Archäologie-Reise
ab/bis Frankfurt
| n Deutschland 05 2019
Oktober – November

aid-magazin.de
 Die UNESCO-Weltkultur-
erbestätten Apollonia, Butrint, Berat
und Gjiorkastër
 Besichtigung der Hauptstadt Tirana
@ Karawane
 Studienreiseleitung Dr. Wolfram Letzner

09.06. – 15.06.2020
Ihr Reiseprogramm (Änderungen vorbehalten) 6. Tag: Sarandë – Phoinike – Mesopotam –
Sofratikë – Gjirokastër (F/M/A)
1. Tag: Frankfurt – Tirana – Durrës (M/A) Besuch der Ausgrabung des Klosters der 40 Heiligen und
Flug nach Tirana. Empfang durch den lokalen Reiselei- weiter nach Phoinike, mit seinem eindrucksvollen Thea-
ter und Fahrt nach Durrës, wo Sie das Amphitheater ter. Das Kloster Mesopotam ist das nächste Ziel. Nach
und das Forum besichtigen sowie einen Rundgang der Mittagspause geht es nach Sofratikë, das frühere
durch die Stadt unternehmen. Anschließend Transfer ins Hadrianopolis. Ein römisches Theater und die Reste einer
Hotel und Check-In. 2 Übernachtungen: Albanian Star Thermenanlage erwarten Sie hier. Im Laufe des Nachmit-
Hotel****. tags erreichen Sie die Stadt Gjirokastër, wo Sie noch die
Altstadt besichtigen. Übernachtung: Hotel Argjiro****.
2. Tag: Ausflug Tirana (F/M/A)
Fahrt nach Tirana und Besuch des Historischen und des 7. Tag: Gjirokastër – Antigonea –
Archäologischen Nationalmuseums. Nach der Mittags- Tepelenë – Ardenicë – Durrës (F/M/A)
Reisepreis pro Person in EUR
pause Besichtigung des ersten privaten Museums Alba- Besichtigung der Zitadelle von Gjirokastër. In Antigonea Im Doppelzimmer 1.895,--
niens, das Mezuraj-Museum, mit archäologischen Fun- besichtigen Sie das Gelände mit Agora, Wohnhäusern Einzelzimmerzuschlag 180,--
den und kunstgeschichtlichen Objekten. und anderen Bauten. Tepelenë und seine Umgebung
gelten als Geburtsort und spätere Residenz Ali Paschas. Eingeschlossene Leistungen
3. Tag: Durrës – Berat – Apollonia – Vlorë (F/M/A) Weiterfahrt nach Ardenicë zum orthodoxen Kloster mit  Linienflüge ab/bis Frankfurt mit Lufthansa (Economy Class)

Besuch des Archäologischen Museums von Durrës. der Kirche, in welcher der Nationalheld Skanderbeg  Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige Treibstoff-

Anschließend Fahrt nach Berat. Besichtigung der Fes- heiratete. Anschließend geht es zurück nach Durrës. zuschläge (Stand Juli 2019)
 Transfers im Reisebus
tung und Spaziergang durch die Altstadt. Auf einem 2 Übernachtungen: Albanian Star Hotel****.
 Fahrten Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
Weingut unternehmen Sie eine Führung mit Weinprobe.
 Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm
Weiterfahrt nach Apollonia. Neben dem Stadtzentrum 8. Tag: Ausflug Krujë, Lezhë, Shkodër (F/M/A)
 8 Übernachtungen in den im Reiseprogramm genannten
besuchen Sie auch das Nymphäum und das Archäologi- Der Stammsitz Skanderbegs in Krujë ist das erste Ziel.
Hotels o.ä. in Zimmern mit Bad oder Dusche/WC
sche Museum. Am späten Nachmittag erreichen Sie Gang durch den historischen Basar hinauf zur Festung.

Bollwerke, Bastionen
 Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Frühstück /
das Hotel in Vlorë. 2 Übernachtungen: Hotel Regina In Lezhë besichtigen Sie die Festung mit archäologi-
M = Mittagessen / A = Abendessen)
City****. schen Funden und der Skanderbeg-Gedenkstätte. Nach  1 aktueller Reiseführer pro Zimmer
der Mittagspause Fahrt nach Shkodër. Besichtigung der  Studienreiseleitung ab/bis Frankfurt: Dr. Wolfram Letzner
4. Tag: Ausflug Kaninë, Amantia, Byllis (F/M/A) Festung Rozafa.
Das erste Tagesziel ist Kaninë, mit der weitläufigen

und Bombarden
Nicht eingeschlossen: Persönliche Ausgaben wie weitere
Burganlage. Weiter geht es zum Archäologischen Park 9. Tag: Durrës – Tirana – Frankfurt (F) Mahlzeiten, Getränke, Reiseversicherungen, optionale Aus-
Amantia. Neben der eindrucksvollen Landschaft erwar- Am Vormittag Transfer zum Flughafen und Rückflug. flüge und Trinkgelder.
AiD  05 2019  |  Bollwerke, Bastionen und Bombarden

tet Sie eine Ausgrabungsstätte mit bedeutenden Rui-


nen. Das nächste Ziel ist der Archäologische Park Byllis, Ihre Reiseleitung: Herr Dr. Wolfram Letzner Teilnehmer
eine von Illyrern gegründete Stadt mit Stadtmauern, Dr. Wolfram Letzner ist als freiberuflicher Archäologe Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilnehmer-
zahl: min. 15 Personen, max. 25 Personen.
Zisternen und Ruinen früherer Kirchen. tätig. Als Autor veröffentlichte er zahlreiche Bücher zur
Geschichte und Archäologie, darunter Weitere Informationen unter
5. Tag: Vlorë – Orikum – mehrere Titel zum Westbalkan. Für die www.karawane.de
Butrint – Sarandë (F/M/A) internationale Frontinus- € (D) 11,95
Es geht zum Archäologischen Park Orikum und weiter Gesellschaft e.V. ist er als Mitherausgeber Webcode: 35769 So zechten Die ErschlieSSung Piraten im
in Richtung Süden nach Butrint. Eindrucksvolle Ruinen von Tagungsbänden und weiteren Publi- die Kelten Ozeaniens Mittelalter
05

aus griechischer, römischer und byzantinischer Zeit kationen tätig. Darüber hinaus leitete er bereits eine Reiseveranstalter
können Sie hier bestaunen. Weiterfahrt nach Sarandë. Reihe von Studienreisen in der Türkei, Kroatien und Karawane Reisen GmbH & Co. KG, Ludwigsburg Wein und Bier – mediterrane Salomonen-Inseln – ein Johann Hollemann – vom
511959

Übernachtung: Hotel Andon Lapa****. Albanien. Reisevereinbarungen: www.karawane.de/agb und mitteleuropäische Sprungbrett in den östlichen ehrbaren Bremer Kaufmann
Trinksitten ➔ Seite 8 Pazifik ➔ Seite 14 zum Seeräuber ➔ Seite 46
190842

Karawane Reisen GmbH & Co. KG in Kooperation mit


ü
Schorndorfer Str. 149 · 71638 Ludwigsburg · Ansprechpartner: Nicole Heldmann
4

Tel + 49 (0) 7141 2848-13 · nicole.heldmann@karawane.de · www.karawane.de