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101 Gründe

ohne Männer zu leben


Gerlis Zillgens

Scan und Korrektur Karl Napf

Erstellungsdatum 2002–08–23

http://pub115.ezboard.com/bdocgonzossprechzimmer

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1. Vorwort von Erika Berger.................................................................................... 5
1. Vorwort von Erika Berger.................................................................................... 5
1. Am Anfang war das Wort............................................................................... 8
1 Grund 1: Hängende Hosen......................................................................... 8
2. Die optischen Gründe ................................................................................... 11
1 Grund 1:Hängende Hosen........................................................................ 11
2 Grund 2:Textile Angelegenheiten ............................................................ 11
3 Grund 3: Kleine Pferdchen ...................................................................... 12
4 Grund 4:Bäuchlings voran ....................................................................... 13
5 Grund 5: Der Berühmte Griff................................................................... 14
6 Grund 6:Männer werden reif, Frauen werden alt... .................................. 14
7 Grund 7:Hüftbeuger ................................................................................. 15
8 Grund 8: Haariges .................................................................................... 16
9 Grund 9: Komm, Schatz, wir machen es uns gemütlich .......................... 16
10 Grund 10: Von der Wachtel zum Elefanten ............................................. 17
3. Kapitel 4 ....................................................................................................... 18
1 Grund 11: Pheromoone ............................................................................ 18
2 Grund 12: Smoke ..................................................................................... 18
3 Grund 13: Öffnen der Kühlschranktür ..................................................... 19
4 Grund 14: Riecht das nicht schön?........................................................... 20
5 Grund 15. Nahrungsabgabe...................................................................... 21
6 Grund 16: Gase ........................................................................................ 22
7 Grund 17: Füsse ....................................................................................... 22
8 Grund 18: Lederfetischismus ................................................................... 23
9 Grund 19: Zugempfindlichkeit................................................................. 24
10 Grund 20: Ähm, irgendwie ... streng........................................................ 24
4. Die akustischen Gründe ................................................................................ 26
1 Grund 21: La, La, La................................................................................ 26
2 Grund 22: Krächz, Säg, Prust................................................................... 26
3 Grund 23: Knirsch, Knirsch, Knirsch ...................................................... 27
4 Grund 24: Klack, Klack, Klack................................................................ 28
5 Grund 25. Tooor! Toooor! Tooooor! ....................................................... 29
6 Grund 26: Wumms, wumms, wumms...................................................... 29
7 Grund 27: Flöt, Flöt, Flöt ......................................................................... 30
8 Grund 28: Spuck, Spei, Rotz.................................................................... 31
9 Grund 29: Schlürf, Schlürf, Schlürf ......................................................... 31
10 Grund 3o: Brüll, Brüll, Brüll.................................................................... 32
5. Die oralen Gründe......................................................................................... 33
1 Grund 31: Es fehlt die Würze................................................................... 33
2 Grund 32: Der Meisterkoch ..................................................................... 33
3 Grund 33: Männer machen Forellenbäckchensalat .................................. 34
4 Grund 34: Der Weinkenner...................................................................... 34

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5 Grund 35: Küssen .................................................................................... 35
6 Grund 36: Mund faul, Mund voll............................................................. 35
7 Grund 37: Männer ziehen Fäden.............................................................. 36
8 Grund 38: Der bewegte Mund.................................................................. 36
9 Grund 39: Gar kein Mund........................................................................ 36
10 Grund 40: Schmucklos............................................................................. 37
6. Die haptischen Gründe.................................................................................. 39
1 Grund 41: Stachelig ................................................................................. 39
2 Grund 42: Arbeiter- und Bauernhaut ....................................................... 39
3 Grund 43: Mami, es kratzt ....................................................................... 40
4 Grund 44: Männer lieben’s blau .............................................................. 40
5 Grund 45: Männer lieben’s rund .............................................................. 41
6 Grund 46: Männer lieben’s handlich........................................................ 41
7 Grund 47: Streicheleinheiten ................................................................... 42
8 Grund 48: Der haptische Vater ................................................................ 42
9 Grund 49: Feinmotorische Schwäche ...................................................... 43
10 Grund 50: Grobmotorische Stärken ......................................................... 43
7. Die hygienischen Gründe.............................................................................. 45
1 Grund 51: Handtücher.............................................................................. 45
2 Grund 52: Reste ....................................................................................... 45
3 Grund 53: Vor dem Essen, nach dem Essen... ......................................... 46
4 Grund 54: Machtlose Sauger.................................................................... 46
5 Grund 55: Im Stehen ................................................................................ 46
6 Grund 56: Das Häutchen.......................................................................... 47
7 Grund 57: Nagelphobie............................................................................ 48
8 Grund 58: Schuppen................................................................................. 48
9 Grund 59: Nochmals kleine Pferdchen, diesmal weisse .......................... 48
10 Grund 60: Die Kehrseite .......................................................................... 48
8. Die horoskopalen Gründe ............................................................................. 50
1 Grund 61: Widder .................................................................................... 50
2 Grund 62: Stier......................................................................................... 50
3 Grund 63: Zwilling .................................................................................. 50
4 Grund 64: Krebs....................................................................................... 51
5 Grund 65: Löwe ....................................................................................... 51
6 Grund 66: Jungfrau .................................................................................. 52
7 Grund 67: Waage ..................................................................................... 52
8 Grund 68: Skorpion.................................................................................. 52
9 Grund 69: Schütze.................................................................................... 53
10 Grund 70: Steinbock ................................................................................ 53
9. Die ostzonalen Gründe.................................................................................. 54
1 Grund 71: Schlafzimmer .......................................................................... 54
2 Grund 72: Gebäude .................................................................................. 54
3 Grund 73: Monologe................................................................................ 55

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4 Grund 74: Ironie....................................................................................... 55
5 Grund 75: Nuss-Nougat-Creme ............................................................... 56
6 Grund 76: Die gute alte Zeit..................................................................... 57
7 Grund 77: Sandmännchen........................................................................ 58
8 Grund 78: Kurze Hosen, Socken, Sandalen ............................................. 58
9 Grund 79: Emanzipation .......................................................................... 58
10 Grund 80: Spätgebärende......................................................................... 59
10. Die sexuellen Gründe............................................................................... 61
1 Grund 81: Vorspiel, Endspiel, Nachspiel................................................. 61
2 Grund 82: Viagra ..................................................................................... 61
3 Grund 83: Ich bin schon da ...................................................................... 62
4 Grund 84: Multipel solls schon sein......................................................... 62
5 Grund 85: Klitoral, Vaginal, ach egal ...................................................... 63
6 Grund 86: Hütchen, Deckelchen, Pillchen... ............................................ 64
7 Grund 87: Eifersucht................................................................................ 66
8 Grund 88: Let’s talk about Sex, Baby...................................................... 66
9 Grund 89: 0190 ... .................................................................................... 67
10 Grund 90: Liebesfilme ............................................................................. 68
11. Die sonstigen Gründe............................................................................... 69
1 Grund 91: Das böse Y.............................................................................. 69
2 Grund 92: Der grosse und der kleine Klaus ............................................. 69
3 Grund 93: Monetäres ............................................................................... 70
4 Grund 94: Der Mann im Auto.................................................................. 71
5 Grund 95: Der kranke Mann .................................................................... 72
6 Grund 96: Altersunterschied .................................................................... 72
7 Grund 97: Spieglein, Spieglein, an der Wand .......................................... 73
8 Grund 98: Geheimnisse............................................................................ 74
9 Grund 99: Seine Mutter............................................................................ 74
10 Grund 100: Männer wissen, was abseits ist ............................................. 75
12. am Ende waren es 18 Kölsch ................................................................... 76
1 Grund 101: Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen............ 76

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1. Vorwort von Erika Berger
Als Gerlis Zillgens mich fragte, ob ich ein Vorwort zu ihrem Buch 101 Gründe
ohne Männer zu leben schreiben möchte, mußte ich zuerst unheimlich lachen, denn
diesen Titel fand ich richtig gut. Dann habe ich darüber nachgedacht, ob auch ich
Gründe haben könnte, wenigstens manchmal ohne Männer zu leben und habe
zugesagt. Männer - sie sind doch ein schier unerschöpfliches Thema! Und wer
ehrlich ist, die gibt offen zu, daß es - zumindest einige Zeit - auch ohne sie geht!
jeder kennt doch die Gespräche unter Frauen, die meist ungefähr so beginnen:
Weißt du, Gabi (oder wie immer sie auch heißen mag), versteh mich jetzt nicht
falsch, aber zur Zeit bin ich richtig happy. Ich bin nämlich alleine, mein Horst
(oder wie immer er auch heißen mag) ist gerade auf einem Lehrgang. Ich genieße
das. Es heißt aber nicht, daß ich ihn nicht liebe, verstehst du? Und bitte, erzähl’s
nicht weiter, ich möchte nicht, daß er es erfährt. Er würde das nicht verstehen.
Aha, so ist das also, werden jetzt die Männer sagen. Ich glaube, wir sollten das
Phänomen Männer einmal ein klein wenig näher betrachten: Oswald Kolle sei
dank, denn er hat das Geheimnis Mann in den 6oer Jahren gelüftet, fortan war der
Mann für uns Frauen kein unbekanntes Wesen mehr. Wir wissen jetzt, wie Männer
sind, wie sie leiden, wie sie lieben, was sie können und was nicht. Außerdem
wissen wir, daß wir ohne Männer nichts sind. Alles klar?
Herbert Grönemeyer hat sich in seinem Song Männer mit seinen
Geschlechtsgenossen auseinandersetzt. Wann ist ein Mann ein Mann? Gute Frage,
meine ich, und die Antworten sind auch nicht schlecht: Männer sind schon als
Babys blau, Männer brauchen Liebe und Männer sind auf dieser Welt einfach
unersetzlich. Sind Männer unersetzlich? Oder haben die Ärzte eher recht, wenn sie
aus vollem Halse singen: Männer sind Schweine?
Nun, Schweine erkennt man an ihrem Grunzen, ihrer rosa Hautfarbe und sie haben
vier Beine. Männer sind also eindeutig keine Schweine! Aber Schweine suhlen
sich auch gern im Dreck, haben einen unerschöpflichen Appetit und ein kleines
niedliches Ringelschwänzchen. Sind Männer vielleicht doch Schweine? Wir
wollen das an dieser Stelle nicht weiter erörtern und überlassen der Leserin das
Urteil.
Männer sind aber auf jeden Fall unersetzlich. Unersetzlich, weil sie nicht
vollkommen sind, weil sie nicht der Nabel der Welt sind und weil sie so
zauberhafte Macken haben, die wir Frauen eben liebenswert finden. Wir setzen uns
doch nur zu gern die große rosarote Brille auf die Nase und sehen in einem trägen,
grauen Hauskater einen eleganten und wilden Tiger. Wir reden uns immer wieder
gerne ein, daß wir den besten Liebhaber aller Zeiten an Land gezogen haben. Wir
sind überzeugt davon, daß er der charmanteste Mann der Welt ist und daß wir bis
an unser Lebensende mit eben diesem Mann glücklich sein werden. Und mit ein
bißchen Illusion, geben wir es doch zu, läßt sich auch gleich viel glücklicher leben.
Und geben wir auch das zu: Umgekehrt ist mit uns zu leben vielleicht nicht die
einfachste Sache der Welt. Wie hat mal ein Kollege nach einer für ihn

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unglaublichen Enttäuschung gesagt: Erika, ich sage dir eines - Frauen machen
traurig!
Wie auch immer - nüchtern betrachtet gibt es Gründe. Um genau zu sein: 101
Gründe, ohne Männer zu leben. Gerlis Zillgens hat sehr genau beobachtet und
herausgefunden, daß Liebe NICHT blind macht. Auch bei noch so großem
Wohlwollen, ein in den Knien hängender Hintern in Jeans ist abturnend. Genauso
der berühmte Griff des Mannes an die Stelle, wo seine Hose aus anatomischen
Gründen weiter geschnitten ist als unsere. Macht das ein Popstar auf der Bühne,
dann will der damit die Mädels so richtig scharf machen. Aber im ganz normalen
Leben hinterläßt der Anblick doch eher einen schalen Geschmack. Ich denke mir
manchmal, daß Männer ganz einfach nicht wissen, was sie mit ihren Händen und
Fingern anfangen sollen.
Besonders hübsch in diesem Buch ist auch die Geschichte mit dem notorisch
lügenden Volksmund, der behauptet, daß Männer reif und Frauen alt werden.
Ehrlich, darüber habe ich mich selbst schon schwärzer als schwarz geärgert und
bin nun doch sehr froh, daß die Autorin die Dinge gerade rückt.
In meiner RTL-Sendung Eine Chance für die Liebe wurde ich immer wieder
gefragt: Frau Berger, was kann ich tun, damit unsere Liebe wieder so wird wie
früher? Und ich habe oft geantwortet: Na ja, machen Sie doch öfter mal einen
gemütlichen Abend zu zweit mit allem drum und dran! Nach der Lektüre von 101
Gründen ohne Männer zu leben kommen mir nun doch Zweifel, ob das wohl
immer geholfen hat. Gerlis Zillgens beschreibt uns auf sehr humorvolle Weise, was
ein Mann wirklich meint, wenn er sagt: Komm Schatz, wir machen es uns
gemütlich! Gemeinsam mit der Autorin kann ich auf die Frage Wollen wir das? nur
aus vollem Herzen sagen: Nein danke!
Manchmal, wenn man einen auf den ersten Blick gut angezogenen Mann sieht,
freut man sich - bis der Blick auf das Ding fällt, das er sich locker und lässig um
den Hals geschnürt hat, auch Krawatte genannt. Wir erfahren in diesem Buch
näheres über des Mannes Phantasie, die in bezug auf dieses Stück Stoff wilde
Purzelbäume schlägt und der wahrlich keine Grenzen gesetzt zu scheinen.
Ein empfindliches Thema, das auch berührt wird, ist der Mann und sein Auto. Ich
selbst fahre ungern, würde aber lieber zu Fuß gehen, als neben einem fanatischen
Autofahrer zu sitzen, der wie Schumi um die Kurven prescht und alles besser weiß.
Und wenn er alles besser weiß, wieso eigentlich, frage ich mich, halten so oft
Männer an und fragen: Entschuldigung, wie komme ich denn am schnellsten von A
nach B? Das können doch nicht alles Flirtversuche sein, oder?
Jede Frau hat schon so ihre Erfahrungen gemacht mit dem kranken Mann. Er leidet
intensiv und lang und ausdauernd. Wir pflegen ihn intensiv und lang und
ausdauernd bis zum Tag seiner völligen Genesung. Und wie intensiv und lang und
ausdauernd ist seine Bereitschaft, uns zu pflegen, wenn wir darnieder liegen? Nach
der Lektüre dieses Buches wissen Sie auch darüber ein Wörtchen mehr zu sagen.
Ja, und dann noch der Mann und seine Mutter. Irgendwann stellt der Mann fest,
daß er seine Mutter weder heiraten noch mit ihr schlafen kann und entschließt sich

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schweren Herzens, ein anderes weibliches Wesen zu heiraten und mit ihr zu
schlafen. Ich glaube, das sagt alles. Die Mutter ist die Allergrößte und treibt so
manche frischgebackene oder auch schon etwas altbackenere Ehefrau in den
Wahnsinn.
101 Gründe Ohne Männer zu leben macht Spaß zu lesen. Und keine Angst, es ist
nicht etwa böse oder gemein oder männerfeindlich. Und da, wo es doch böse,
gemein oder männerfeindlich ist, ist es das auf eine so komische Art, daß ich
glaube, daß auch Männer mitlachen müssen. Dieses Buch ist eine Art Spiegel, den
Frauen den Männern vorhalten und damit sagen wollen: Mensch, lieber Mann,
mach’s doch einfach anders!
Männer sind trotz ihrer Macken liebenswerte Geschöpfe und mit Sicherheit das
Zweitschönste, was der liebe Gott erschaffen hat. Daß Männer und Frauen einfach
nicht zusammen passen, mag auf den ersten Blick schon richtig sein, aber man
kann ja daran arbeiten.
Und wenn wir Frauen gnädig sind, ab und an ein Auge zudrücken und wir ihnen
das, was Jean Anouilh geschrieben hat, immer wieder nachsehen, dann gibt es auch
eine Chance, daß es klappen könnte: Arme Männchen, arme stolze Pfauen! Sie
spreizen ihr Rad zu Eroberungen, kaum daß sie laufen können!
Bleibt nur noch zu sagen: Würden wir nicht mit Männern leben, wäre es am Ende
doch ein bißchen langweilig, und wir hätten viel weniger Freude daran, die
Macken der Männer wiederzuerkennen in 101 Gründe ohne Männer zu leben. Viel
Spaß!

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1. Am Anfang war das Wort
Eine Autorin, die hauptsächlich für das Fernsehen arbeitet, die Männer liebt, die
Männer schätzt, die gern mit Männern arbeitet, macht sich Gedanken darüber, ob
es wohl 101 Gründe gibt, ohne Männer zu leben. Sie tut das nicht ganz von sich
aus, sie hat eine Anfrage bekommen von einem Verlag aus dem Norddeutschen, so
einem jungen Verlag, so einem aufstrebenden. Die Autorin telefoniert mit ihrer
besten Freundin (Frauen haben so was) und fragt nach, was die von so einem
Projekt denn hält. Die beiden treffen sich in einer Kneipe, ein bißchen
brainstormen, ein bißchen überlegen, auch ein bißchen trinken, natürlich. Die
beiden bestellen zwei Kölsch (Autorinnen leben derzeit bevorzugt in Köln, wie
schon der junge, aufstrebende Verlagsmann aus dem Norden feststellte), und
unversehens ist er da. Er hängt am Kellner. Der erste der 101 Gründe. Er bewegt
sich jetzt Richtung Zapfhahn. Es ist die Hose. Die hängt. Hängt im Schritt. Der
Mann, der die Hose trägt, könnte attraktiv sein, jedenfalls, wenn er sich die zehn
Zentimeter gönnen würde, die Mutter Natur ihm noch geschenkt hat und deren
Annahme er konsequent durch Vornüberbeugen und Schulterbaumeln verweigert,
er könnte intelligent wirken, jedenfalls, wenn er sich eine Brille gönnen würde, die
den Fielmann-Tarif nicht gedumpt hätte, er macht etwas her, aber die Hose hängt.
Nicht so, wie es gerade bei Kids zwischen zehn und siebzehn angesagt ist, also
zwei, drei Nummern zu groß. Nein, sie paßt im Prinzip, paßt vorn herum,
einigermaßen, hat ungefähr die richtige Länge, aber hängt. Hängt über einem
unausgeprägten Flacharsch, so drei bis fünf Zentimeter tiefer, als man den Schritt
vermutet. Beim Gehen vertieft sich die Querfalte sanft mal links mal rechts, und
man erkennt deutlich, hinter der Falte befindet sich - nichts.
Die Autorin zückt den Stift, blättert ihr Notizbuch auf und hält fest:

1 Grund 1: Hängende Hosen

Wir wachen am Morgen auf, vielleicht ist das Wetter sogar gut, vielleicht sind wir
sogar gut gelaunt, vielleicht ist es gar ein Morgen nach einer befriedigenden
Liebesnacht (ja, wir gönnen uns an dieser Stelle ein wenig Utopie). Der Mann, der
mit uns das Lager der Nacht teilte, drückt uns einen feuchten Guten-Morgen-
Schmatz auf den Mund, pfeift ein kleines Liedchen und begibt sich in seine Jeans.
Von vorne können wir sie mit viel good-will noch akzeptieren, wissen wir doch
aus frischer Nachterfahrung, daß es da vom auch ein bißchen üppiger zugehen
kann. Dann dreht er sich um, geht zum Fenster und zieht die Jalousien hoch. Und
wir kommen nicht mehr drum herum. Diese Jeans hängt so tief am Arsch, diese
Hose turnt in einem solch gewaltigen Maße ab, der Anblick dieses Beinkleides gibt
so dermaßen den Rest, daß nur eins bleibt: sich zur anderen Seite drehen und den
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zögernden Entschluß negieren, der vor einigen Stunden nach dem dritten multiplen
Orgasmus getroffen wurde: Mit diesem Mann möchte ich zukünftig außer dem
Bett auch noch den Tisch teilen.
Der Kellner bringt die bestellten Kölsch, die Frauen stoßen an, auf seine Hosen.
Nun, wie soll man vorgehen? fragt die Autorin ihre Freundin, die für’s Radio
arbeitet. Fürs Radio arbeiten ist besser als für’s Fernsehen arbeiten, letztlich
scheint die Qualität des Mediums in wechselseitigem Umkehrverhältnis zur
Bezahlung zu stehen. Bei Verlagen verdient man erst mal nix, beim Radio ein
bißchen, beim Fernsehen viel. So ist das Leben. Aber das beantwortet die Frage
nicht. Immerhin, der erste Grund ist gefunden, aber das Ganze muß natürlich
systematischer sein. Es wäre gut, wenn man eine Art Übersicht hätte, wenn es
Rubriken gäbe, in denen man gezielt nachblättern könnte. Die Richtung haben die
beiden Freundinnen eben gefunden, die Sinne. Sinne gibt es fünf, da scheint viel zu
holen: optische Gründe, olfaktorische Gründe, akustische Gründe, orale Gründe
und haptische Gründe. Des weiteren lohnenswert scheinen unbedingt die
hygienischen Gründe, da sind sich die beiden Damen schnell einig.
Sag mal, hast du eigentlich auch schon mal einen Wassermann ... ähm ... näher
gekannt? will die Autorin wissen. Ohja, ohja, nickt die Freundin mit mitfühlendem
Blick, aber auch Krebse, Löwen und Jungfrauen waren nicht ohne. Das könnte eine
weitere Rubrik wert sein. Wir nennen sie mal die horoskopalen Gründe, womit wir
bei Oberbegriff sieben wären.
Dann sind auch die Rubriken acht und neun schnell gewählt, die ostzonalen
Gründe (die Autorin hielt sich drei Jahre in der ehemaligen DDR auf und die
sexuellen Gründe (die Autorin hatte drei Jahre Sex, nee, ist gelogen). Und ein
Kapitel noch für die sonstigen Gründe, da kann dann alles drunter, was sich sonst
nicht einordnen läßt, das ist gut, das ist übersichtlich. Die beiden stoßen erneut an,
zehn Rubriken mit (Ober-) Gründen, in jeder zehn (Ab)Gründe, das ist eine
Arbeitsbasis, mit der es sich leben läßt. Die Autorin notiert: Die optischen Gründe,
die olfaktorischen Gründe, die akustischen Gründe, die oralen Gründe, die
haptischen Gründe, die hygienischen Gründe, die horoskopalen Gründe, die
ostzonalen Gründe, die sexuellen Gründe, die sonstigen Gründe.
Den beiden wird schon jetzt klar, daß es zu Überschneidungen kommen wird. Der
Bart z. B. - ist er ein optischer Grund, weil der Anblick des Bartes an sich eine
Beleidigung für das weibliche Auge ist? Ist er eher ein haptischer Grund, weil wir
nach zwei Minuten Zärtlichkeit schon rotgesprenkelt um Mund und Wangen
herumlaufen, oder ist er doch eher ein hygienischer Grund, weil uns die
aufgeschäumte Milch des mit Liebe zubereiteten Capuccinos in seinen
Gesichtshaaren nicht gefällt? Das wird später zu klären sein.
0.k., beschäftigen wir uns mit den Abgründen.
Beide Frauen ziehen sich jetzt für eine Weile vom verbalen Austausch zurück, jede
kramt für sich in den Erlebnissen des bisher verbrachten weiblichen Lebens. Die
Köpfe senken sich, jetzt bewegen sich zwei Stifte über Papier, die beiden scheinen
leicht fündig zu werden. Ab und an unterbricht ein herzhafter Lacher die

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geschäftige Stille, dann und wann ist ein leichter Stöhner zu hören. Nach dem
einen oder anderen Kölsch vom Flacharsch (die Freundinnen bewundern
zwischendurch immer mal wieder Grund 1 der ersten Rubrik) beschließen sie einen
Austausch. Sie vergleichen ihre Notizen, diskutieren, korrigieren und schließlich
liest die Autorin vor:

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2. Die optischen Gründe
1 Grund 1:Hängende Hosen
Siehe oben.

2 Grund 2:Textile Angelegenheiten


Des Mannes ästhetische Vorstellungen von Mode treiben schon sonderbare Blüten.
Trägt er mit phantasieloser Vorliebe Anzüge, mit denen schon sein Ururgroßopa
zur Kaiserkrönung nicht aufgefallen wäre, scheint bei einem anderen typisch
männlichen Bekleidungsstück seine Kreativität in Bezug auf Form, Farbe und
Design schier grenzenlos zu sein.
Wir sind eingeladen. Zum Abendessen. Intimer Rahmen: der Gastgeber, seines
Zeichens Produzent einer der erfolgreichsten deutschen Comedyserien, seine junge
Geliebte, mit der er bekanntlich immer mal wieder zwischendurch über den Tisch
knutscht und fummelt, um seine Virilität trotz fortgeschrittenen Alters unter
Beweis zu stellen, der Moderator eines aufstrebenden neuen Magazins im Dritten
und ein paar ausgewählte Autoren. Es wird ungezwungen werden, man will über
ein neues Projekt reden, während man den einen oder anderen Happen zu sich
nimmt. Damit der Gastgeber nicht so allein knutschen und fummeln muß, dürfen
die Autoren mit Anhang kommen. Dürfen heißt in dem Fall natürlich müssen.
Schahatz, wir müssen los! flötet die Autorin süß vom Schlafzimmer über den Flur
ins Bad.
Schon fertig, flötet Schahatz zurück und erscheint gestriegelt und gespornt, frisch
rasiert, gut riechend, gutgelaunt. Die Autorin starrt auf das baumelnde Etwas am
Mann. Es baumelt vom Hals bis knapp unter den Bauchnabel. Es hat Kiemen,
Schuppen und glitzert in bizarren Farben.
Na, was meinst du, was es ist? Der Mann fragt das mit diesem Gesicht, das keinen
Zweifel daran aufkommen läßt, daß sein weibliches Gegenüber es niemals wird
erraten können.
Ein Fisch? kann die Frau noch murmeln, bevor ihr kurz die Sinne vor Entsetzen
schwinden.
Ein Fisch, ein Fisch! mokiert sich Schahatz. An Farbe und Struktur kann jeder
einigermaßen gebildete Mensch erkennen, daß es sich um einen Süßwasserfisch
handelt, einen eßbaren Süßwasserfisch, davon gibt es zwei wirklich schmackhafte,
die Forelle und den Lachs. Also, was ist es?
Forelle?
Lachs! triumphiert Schahatz. Wir können los.
Lachs oder ich! Die Entschlossenheit der Stimme läßt keinen Zweifel an der
Ernsthaftigkeit der Aussage aufkommen.
Schahatzens Mundwinkel verziehen sich in einer kurzen schnellen Bewegung
rechts und links Richtung hängender Süßwasserfisch, der Blick bekommt einen
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zutiefst mißverstandenen, waidwunden Ausdruck, die Stimme kaum hörbar, tonlos:
Sie gefällt dir nicht? Ein Tag Urlaub, vier Stunden im Internet, sechs weitere im
Winterschlußverkauf, alles nur für dich, für deinen Termin. Und sie gefällt dir
nicht?
Nein.
Sie gefällt dir nicht?
Nein.
Also, sie gefällt dir wirklich nicht?
Nein.
Lachs oder ich! Diesmal kommt das Ultimatum von ihm.
Die Autorin nimmt die Handtasche, greift ihren Mantel von der Garderobe und
geht zur Tür.
Schönen Abend noch, Schahatz.

3 Grund 3: Kleine Pferdchen


Die Haartracht an und für sich ist für den Mann ja nun durchaus ein heikles
Kapitel. Sicher, es gibt sie, die wallenden weißen Mähnen an fitneßgestählten
Körpern, die den sechzigsten Geburtstag schon eine ganze Weile hinter sich
gelassen haben und nicht weise geworden sind. Klar, wir kennen sie alle. Aber,
liebe Leserinnen, geben wir es zu, sie sind rar, sehr, sehr rar. üblicherweise läßt der
dreißigste Geburtstag noch eine ganze Weile auf sich warten, da erfreut uns unser
männlicher Mitbewohner schon mit denkenden, im geheimen ratsuchenden Ecken
auf dem, was sich mal Stirn nannte.
Stirn, weiß uns das Deutsche Wörterbuch zu belehren, meint den Gesichtsteil über
den Augen zwischen den Schläfen. Täglich dürfen wir sein Wachsen beobachten,
seine Entwicklung, sein Reifen. Wir halten uns zurück, wir bemerken es nicht, wir
sind diskret. Und dann überrascht uns unser Geliebter eines Tages mit einer neuen
Frisur. Er trägt nun Pony. Wir schauen uns das interessiert an, was er Pony nennt.
Wir verschwinden noch mal kurz ins Wohnzimmer zum Bücherregal und lassen
uns erneut vom Deutschen Wörterbuch beraten.
Pony (engl.), das, kleine Pferderasse.
Ah, nein, falsch, darunter finden wir:
Pony (engl.), der, Haare, die in die Stirn hineinfallen.
Nun handelt es sich ja bei dem Verb fallen zweifelsohne um eine Tätigkeit in
Bewegung, ich falle zum Beispiel hin, da ergibt sich eine Ortsveränderung, ich bin
zuerst oben, dann bin ich unten, und meist ist mein Gefühl am Ende der Tätigkeit
ein anderes als zu Beginn. Es tut zum Beispiel weh. Unser Geliebter ist uns
zwischenzeitlich mit seinem Pony gefolgt. Dieses Pony, Verzeihung, dieseR Pony
ist keineswegs in Bewegung. Keinerlei Ortsveränderung ist auszumachen. Der ist
starr, regungslos, vollkommen statisch. Kein Haar fällt in das, was mal Stirn war.
Kontemplative Ruhe zeichnet den Pony aus. Nur weh tun, das tut der Anblick
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schon, aber uns, nicht dem Pony. Wir entscheiden, es ist gar kein Pony. Es ist, hm,
das können wir nicht so genau entscheiden, vielleicht.... ja, vielleicht ist es ... ein
Brett? Wir blättern.
Brett, das, flaches Stück Holz.
Ja, das kommt hin, so sieht es aus. Wir lesen weiter:
... ein Brett vor dem Kopf haben.
Oh, das Deutsche Wörterbuch kennt die neue Frisur unseres Geliebten. Und
schließlich gibt es uns die definitive Erklärung: Das Schwarze Brett: Tafel,
Anschlag für Bekanntmachungen. Wog, das ist es. Erwartungsvoll steht unser
Geliebter mit seinem Brett vor uns.
Schahatz, da hast du dir wirklich ein schönes Brett machen lassen. Wieviel hat der
Schreiner dafür verlangt? Und was genau möchtest du mir mit diesem Anschlag
bekanntmachen?
Die Autorin gibt in diesem Fall einmalig und ausnahmsweise zu, daß das Brett an
sich unbedingt Grund ist, ohne Mann zu leben, in diesem Fall aber der Besitzer des
Brettes als erster die Konsequenzen und damit auch auszog.

4 Grund 4:Bäuchlings voran


Nun kann ja das männliche Geschlecht, so der allgemeine Glaube, nichts am
Verlust des Haarkleides ändern. Ist genetisch bedingt, die DNS befiehlt, die
Wurzel gehorcht und verkrümelt sich. In Asien, wo sich das männliche Geschlecht
arm an Körperhaaren und reich an Kopfhaaren gibt, glaubt man, daß
makrobiotische Ernährung der Schlüssel zu erwünschten und das Schloß zu
unerwünschten Haaren ist. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich mal ein Exemplar
Mann in den relevanten Jahren zwischen zwanzig und fünfzig einsperren und
konsequent makrobiotisch ernähren sollte.
Aber ich habe erst vor kurzem meine Unterschrift für eine Vereinigung gegen
Tierversuche für kosmetische Zwecke gegeben, da möchte ich schon konsequent
bleiben.
Von genetischer Vorsehung kann allerdings im Falle des sichtbar konvexen, vorn
gelegenen, unteren Teils des Rumpfes, allgemein Bauch, fetter genannt, keine
Rede sein. Mutter Natur gab dem männlichen Geschlecht den Bauch, das weiß
jedes Kind, auf daß er Waschbrett werde. Wir erwarten nicht von jedem Mann ein
so schönes, ein so perfektes, leicht gewelltes, so erotisierendes Waschbrett, wie wir
es bei Brad Pitt bewundern. Aber wir erwarten ein Waschbrett. Nicht einen
Germknödel, aufgebläht, quabbelig, der Füllung harrend. Wir wollen unter unseren
streichelnden Händen kräftige Muskeln fühlen, die Lebenskraft, Energie,
Leistungsfähigkeit verkünden, nicht wabbelndes Fett, das feist zwischen unseren
Fingern hervorquillt. Wir wollen auf unseren küssenden Lippen athletische,
herkulische Hautrundungen spüren, nicht dickliches Schmalz, das uns an
grunzende Schweine denken läßt. Alles klar?

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5 Grund 5: Der Berühmte Griff
Es ist peinlich, es ist unerfreulich, es bringt uns in Verlegenheit, aber wir müssen
darüber reden: der berühmte Griff. Der berühmte Griff des Mannes an die Stelle,
wo seine Hose aus anatomischen Gründen weiter geschnitten ist als unsere. Schon
mein werter Kollege Jens Oliver Haas, der das äußerst informative, im gleichen
Verlag erschienene Buch 101 Gründe Ohne Frauen zu leben verfaßte, kam um den
Griff nicht herum und stellte fest, daß das Phänomen zunimmt, je weiter südlich
auf dem Globus man sich befindet. Dazu muß ergänzend bemerkt werden, daß das
Phänomen ebenfalls zunimmt, je länger und enger wir mit einem Exemplar der
Spezies Mann zu tun haben, sprich, je öfter wir es beobachten können, ohne daß es
sich beobachtet fühlt. Beim spannenden Thriller zum Beispiel, beim fesselnden
UEFA-Cup-Spiel, beim mitreißenden Fight, wo Männer sich ihre Fäuste ins
Gesicht schlagen und gewonnen haben, wenn einer k. o. auf dem Boden liegt. Die
Hand des Beobachtungsobjekts bewegt sich meist zunächst etwas ratlos auf der
Stelle hin und her, der wir die erwähnten Waschbrettqualitäten wünschen, um dann
zielsicher herunterzurutschen und zuzugreifen. Hier kann man dann durchaus
Varianten unterscheiden. Beliebt ist das Kratzen, wie Herr Haas erwähnt, häufig
jedoch sieht man auch Streicheln, Kraulen, Schieben, Schubsen, Drücken, Reiben,
Wälzen, Rollen, Stoßen, Rücken und Pendeln. je nach Spannungsgrad und
Stimmungslage. Nicht, daß wir etwas gegen Streicheln, Kraulen, Schieben,
Schubsen, Drücken, Reiben, Wälzen, Rollen, Stoßen, Rücken und Pendeln haben,
aber alles hat seine Zeit, alles hat seinen Ort. Oder?

6 Grund 6:Männer werden reif, Frauen werden alt...


... sagt der Volksmund. Der ist ein notorischer Lügner, außerdem ist er männlich,
wie wir am Artikel erkennen können. Die Volksmund würde uns die Wahrheit
sagen: Männer werden nie reif, Frauen werden älter. Älter als Männer, was die
Zielgruppe für dieses Buch schmälert, weil Frauen über fünfundsiebzig gemeinhin
keine 101 Gründe mehr brauchen, ohne Männer zu leben, sie leben sowieso ohne,
was man wiederum in Altersheimen schön beobachten kann. Die allgemeine
Naivität des Mannes, der prinzipiell alles glaubt, was aus männlicher Ecke kommt,
führt ihn dazu, auch dem Volksmund zu glauben. Und so erklärt er graue Schläfen
zum reifen männlichen Schönheitsideal, wobei wir Frauen ihm insofern durchaus
zustimmen, als daß wir graue Schläfen durchaus attraktiver finden als kahle
Schläfen, aber das haben wir in Grund 3 schon ausführlich thematisiert. In einem
Alter, in dem wir Frauen so langsam von der öffentlichen und telegenen
Bildschirmfläche verschwinden und uns auf Operationsliegen und in Fitneßstudios
wiederfinden, also so ab ca. vierzig, da beginnt seine beste Zeit. Da bevölkert er
zunehmend den Bundestag, die Vorstandsetagen und die Intendantensessel. Da
bestimmt er, welche Paragraphen uns in 218 Notfällen von Bayern nach Baden-
Württemberg fahren lassen, welches Auto besonders für uns geeignet ist und
welche Sendungen wir im Fernsehen sehen dürfen. An den Paragraphen, den Autos
und den Sendungen erkennen wir deutlich die Unreife des Mannes.
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Nun, wir schauen besseren Zeiten entgegen. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht
ja bekanntlich eine (mehr oder minder unsichtbare) Frau, die ihn bekocht, ihm die
Hemden bügelt und die Anzüge zur Reinigung bringt. Da sie das nach dem
Erscheinen dieses Werkes nicht mehr tut, wird es in den nächsten Jahren spürbar
mehr erfolglose alte Männer geben, und der Bundestag, die Vorstandsetagen und
die Intendantensessel werden zunehmend von reifen Frauen bevölkert. Wir dürfen
gespannt sein.

7 Grund 7:Hüftbeuger

Die Autorin hält sich dreimal die Woche in einem Fitneßcenter auf, zum einen,
weil ihr Orthopäde sie darauf aufmerksam machte, daß ein Ausgleich für die
wirbelsäulenschädigende sitzende Schreibtischtätigkeit dringend erforderlich sei,
zum anderen, weil ihr Orthopäde ein attraktiver Mann ist. Zellulitis finden Sie im
übrigen nicht als Grund in diesem Buch, Männer haben unerfreulicherweise keine.
In besagtem Fitneßcenter trainieren so an die zwanzig bis dreißig grundspendende
Männer im Alter zwischen siebzehn und siebenundsechzig ihre Hüftbeuger. Das ist
eine Gruppe von Muskeln, die eigentlich gar nicht trainiert werden sollte, und
wenn, dann nur mit konsequenter anschließender Dehnung. Werden sie trainiert,
und das noch ohne anschließende Dehnung, erzeugen sie nach einer Weile einen
Winkel von ca. 16o° zwischen Oberkörper und unteren Extremitäten, sprich, der
Oberkörper neigt sich nach vorn, die Schultern runden sich, der Brustkorb fällt ein,
und der Gang bekommt diesen typischen Einschlag, den wir in alten Western bei
Cowboys beobachten können. Männer scheinen das unwiderstehlich zu finden,
ohne Ausnahme trainieren sie ihre Hüftbeuger bis zum Exzess. Das ist wenig
attraktiv. Genauso wenig, wie die sich aneinander reibenden Oberschenkelberge im
Himalaja-Ausmaß, die sperrigen Oberarmpakete oder die Muskelbrüste, die BH-
Größe 95 D erforderlich machen würden, so sie denn die angenehm sinnliche
weiche Flexibilität und Nachgiebigkeit unserer wunderbaren, Lebenskraft
spendenden Körperteile hätten. Haben sie nicht, sie sind stahlhart, unelastisch und
beleidigen das Auge. Ganz abgesehen von diesen roten, verzerrten Gesichtern, aus
denen die Augen quellen, und den Halsschlagadern, die beim Hantelreißen kurz
vorm Platzen stehen. Überhaupt hat es den Eindruck, daß exzessiver Muskelaufbau
zunehmend weniger Raum läßt für die Ausdehnung dessen, was wir Geist,
Intelligenz und Witz nennen. Genug damit, daß so was dreimal die Woche im
Fitneßcenter beobachtet werden muß, zu Hause soll uns davon nicht auch noch
schlecht werden.

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8 Grund 8: Haariges

Das männliche Haar hat uns in diesem Buch bereits beschäftigt und wird es auch
noch weiter tun. Wiesen wir in Grund 3 auf die optischen Mängel des sich
lichtenden Haupthaares hin, betrachten wir nun die augenscheinlichen Qualitäten
seiner Körperbehaarung. Soweit diese haptisch unbefriedigend sind, lesen Sie bitte
weiter bei Grund 41 — Wir beschäftigen uns an dieser Stelle ausschließlich mit
dem, was wir sehen, nicht mit dem, was wir spüren.
Und was wir da sehen, läßt archaische Erinnerungen an Höhlen, Bären, Urwälder,
Felle und Winkel von 160° zwischen Oberkörper und Extremitäten hochsteigen.
Nachdem der Mensch das Feuer, den Wintermantel und die Wollmütze erfunden
hatte, legte die Frau auf der Stelle Überflüssiges, also Rücken-, Brust- und
Kinnbehaarung und insbesondere herauswachsende Ohr- und
Naseninnenbehaarung ab. Wir ließen sie nur da, wo sie weiterhin sinnvoll ist, an
den Brauen, damit uns der Schweiß nicht in die Augen läuft, auf dem Kopf, damit
wir nach einem Auffahrunfall so bezaubernd wie Claudia Schiffer aus dem Citroen
Xara steigen und mit einem lässigen Schwung die Pracht nach hinten werfen
können, an den Augenrändern, damit wir nach einem Tränenausbruch
herzerweichend aufgelöst aussehen und Männer uns mit sanfter Geste die Tusche
vom Gesicht wischen.
Zugegebenermaßen sind wir bei der Ausmerzung der Achsel- und Beinbehaarung
noch ein wenig in Rückstand, aber da wird uns die Evolution schon weiterhelfen.
Irgendein X-Chromosom wird nach ständiger Achsel- und Beinhaarrasur die
Botschaft kapieren, sich durchsetzen und fortpflanzen. Wir rechnen damit,
spätestens zum ausgehenden 21. Jahrhundert diesen letzten Rest sinnloser Haare
über Bord geworfen zu haben. Wir rechnen nicht damit, daß Männer zum
ausgehenden 22. Jahrhundert auch nur damit begonnen haben werden, sich
Gedanken über das Haar und seine zunehmende Sinnlosigkeit zu machen.

9 Grund 9: Komm, Schatz, wir machen es uns gemütlich

Der Satz: Komm Schatz, wir machen es uns gemütlich sollte bei Ihnen alle
Alarmglocken zum Klingeln bringen. Er bedeutet nicht, jetzt steht ein schöner
Fernsehabend mit Chips und Schokokeksen und Ihrer Lieblingssendung Geld oder
Liebe an. Er bedeutet auch nicht, die nächsten drei Stunden sind einem heißen
Schaumbad und nachfolgendem temperaturgleichendem Liebesspiel gewidmet. Er
bedeutet: Ich ziehe jetzt einen häßlichen, blauen, fallschirmseidenen
Trainingsanzug an, trage darunter mein verschlissenstes, ausgeblichenstes,
ausgefranstestes T-Shirt und verschiebe die dringend nötige Haarwäsche auf
übermorgen. Ich fläze mich in den speckigen Ohrensessel von Opa, den du nicht
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leiden kannst, und füge ihm noch ein paar ölige Flecken hinzu, rülpse kräftig beim
letzten Schluck aus meiner sechsten Bierflasche und brülle: He, Frau, hol mir mal
’n Bier aus’m Kühli! Wollen wir das? Nö.

10 Grund 10: Von der Wachtel zum Elefanten

Liebe Leserin, wenn Ihr heterosexueller Trieb Ihnen in jungen Jahren nicht
gestattet, diesem Ratgeber zu folgen, beobachten Sie ihn sorgfältig, den Trieb.
Sobald er es Ihnen gestattet, ziehen Sie die Konsequenzen. Denn je älter der Mann
wird, je mehr sein bestes Stück schrumpft, desto unbedenklicher und schneller
durchschreitet das Wachstum der beiden ehemals niedlichen Säckchen unter
seinem besten Stück die Eiergrößen der Vogelwelt, um mit einem riesigen Sprung
plötzlich bei unseren größten Landsäugetieren zu landen: Wachteleier, Taubeneier,
Hühnereier, Enteneier, Gänseeier, Straußeneier und schwupps: Elefanteneier.

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3. Kapitel 4
1 Grund 11: Pheromoone

Verlassen wir nun das Gebiet der optischen Gründe und begeben uns eine Etage
tiefer in die olfaktorischen, also die den Geruchssinn betreffenden Gründe.
Wir Frauen haben die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft mit Spannung
verfolgt. Dachten wir früher noch, das gute Aussehen eines Mannes, seine
gesellschaftliche Position, seine schmucke Paradeuniform, sein flitzender
Sportwagen mit Spoiler brächten uns in Wallung, so mußten wir uns plötzlich
eines Besseren belehren lassen. Nein, es ist sein natürlicher Körpergeruch. Sein
Schweiß nach einem ausgiebigen Tennismatch, seine Ausdünstungen nach einem
sonnigen Unkrautjätetag im Schrebergarten. Seine Sekretionen enthalten
sogenannte Pheromone, und die hüpfen zu uns rüber und lassen unseren Blick
glasig werden, unsere Stimme hauchig und unsere Bettwäsche schmutzig. Das ist
sehr interessant.
Die Wissenschaft hat dabei nur einen Fehler gemacht. Sie hat diese Erkenntnisse
auch den Männern zur Verfügung gestellt. Männer, deren Gehirnwindungen
bekanntlich noch etwas urzuständlicher sind, haben daraus geschlossen, je mehr
Ausdünstung, desto mehr Pheromone, desto mehr hauchig, glasig, schmutzig. Und
so kommt das sonnengebräunte, oberkörperbekleidungsfreie, muskelgestählte
Männchen vom Tenniscourt oder aus dem Schrebergarten und schaut seinem
harrenden Weibchen tief in die Augen. Das setzt gerade an zu glasig, hauchig,
schmutzig, da wird es getroffen von der olfaktorischen Welle. Es scheint ganz
offenbar eine Art kritischer Masse zu geben, was die Anzahl der Pheromonpartikel
angeht. Die jedenfalls ist deutlich überschritten, und die Wucht der Welle hat
jedes, aber auch jedes Gefühl von glasig, hauchig, schmutzig restlos zerstört. Das
Weibchen schaut das Männchen an und sagt lächelnd: Liebling, geh doch mal
duschen. Ich schau inzwischen ein bißchen Lindenstraße. Unbefriedigt, aber
glücklich, dem Gestank entkommen zu sein, betrachtet das Weibchen Mutter
Beimer und freut sich, daß morgen keine Wäsche gewaschen werden muß.

2 Grund 12: Smoke

Wie wir in den schönen amerikanischen und französischen Filmen der vierziger bis
siebziger Jahre sehen konnten, war rauchen männlich, viril, kraftvoll. Eine Frau,
die rauchte, war exotisch, stand ein bißchen außerhalb der Gesellschaft und war
meist ’ne gehörige Portion verrucht. Im Zuge der fortschreitenden Erkenntnisse der
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diversen Minister, die entdeckten, daß Rauchen die Gesundheit gefährdet, verbot
man dann in den USA zuerst die Werbung für Tabakwaren, dann das Rauchen in
den meisten öffentlichen Gebäuden überhaupt, und bald nach der
Jahrtausendwende wird man Raucher foltern, teeren und federn, bevor ein
Nichtraucher sie in einem Bill-Gates-computergesteuerten Wagen zu Tode schleift.
Wir in Europa machen das dann ein paar Jahre später nach, wie wir das immer tun,
wenn die Amerikaner uns was Schönes vorgemacht haben. Doch allen
Entwicklungen zum Trotz wird natürlich in den eigenen vier Wänden
weitergeraucht. Womit wir beim eigentlichen Thema sind.
Variante A: ER raucht, SIE nicht
Er verpestet die Wohnung. Er hinterläßt Wolken aus blauem Dunst, es stinkt
fürchterlich. Sie schickt ihn auf den Balkon. Es ist ein Geschenk, Winter, eine
schöne klare Nacht. Leise rieselt der Schnee, Frau Holle winkt fröhlich aus ihrem
Fenster, gedämpft vernimmt er aus der Ferne eine Symphonie klingender
Glöckchen an zauberhaften Schlitten, die Welt, ein glitzernder Diamant. An
diesem wunderbaren Ort darf er staunend verweilen. Auf die Knie fallen sollte er
vor Dankbarkeit. Was tut er statt dessen? Nörgelnd und vor Verweichlichung
bibbernd verläßt er das Traumland unmittelbar nach dem letzten Zug an seiner
Zigarette und beschwert sich bitterlich über ihre Unmenschlichkeit.
Variante B: SIE raucht, ER nicht
Sie verzaubert die Wohnung. Sie erfreut mit wohlgeformten Ringen aus
blauschimmerndem Nebel, es duftet beispiellos. Er schickt sie auf den Balkon. Es
ist grausam. Klirrende Kälte umfaßt mit eisigem Griff ihre klammen Hände. Mit
frostklirrendem Odem peitscht ein orkanartiger Schneesturm auf sie ein. ihr
Trommelfell droht vom Kreischen zerreißenden Blechs der auf der spiegelglatten
Fahrbahn ineinander schliddernden Autos zu platzen. Tod und Verzweiflung
brechen sich Bahn. Die Welt, eine berstende Eishölle. An diesem grauenhaften Ort
muß sie entsetzt verweilen. Auf die Knie fallen sollte er vor Scham, sie diesem
Schrecken ausgesetzt zu haben. Was tut er statt dessen? Nörgelnd und uneinsichtig
beschwert er sich bitterlich über ihre gelben Fingerkuppen.
Und wir sehen mal wieder: Der Mann ist ein Trottel.

3 Grund 13: Öffnen der Kühlschranktür

Die unsensible Ausstattung des männlichen Geruchsorgans läßt uns viele Male
täglich leiden. Am schlimmsten ist es morgens. Der frisch aufgebrühte Kaffee
duftet heimelig durch Haus oder Wohnung, der erste kleine Hunger macht sich zart
in der Solar-Plexus-Gegend bemerkbar, eine kleine Scheibe knuspriger Toast, ein
Hauch Butter, das Wasser läuft Ihnen schon ein wenig im noch ungeschminkten
Mund zusammen. Sie öffnen die Tür des Kühlschrankes, und die Geruchsmelange,
die Ihnen entgegenschlägt, stoppt augenblicklich jeglichen Wunsch nach
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Nahrungsaufnahme. Kann er das wirklich nicht wahrnehmen? Die Ausdünstungen
der offenen Sardinenbüchse, deren Inhalt er gestern nacht nach der Rückkehr vom
Skatabend oder von langen Überstunden (hier sollten Sie unbedingt mißtrauisch
werden, nach Überstunden ist die nächtliche Schokoladenorgie wahrscheinlicher
als die eiweißauffüllende Fischkonserve) großteilig zu sich nahm, haben sich
munter vermischt mit denen des Tilsiters, den er sich zum Abrunden (Käse schließt
den Magen, Achtung, ebenfalls eiweißreich! ) noch gönnte, und den er unverpackt
in den Kühlschrank zurücklegte. Während Sie sich angeekelt wegdrehen, fällt Ihr
Blick auf den Deckel der Butterdose, der einsam auf der Anrichte liegt. Ach ja,
Butter, deswegen hatten Sie überhaupt den Kühlschrank geöffnet. Sie halten sich
die Nase zu, greifen schnell zur deckellosen Butter und schlagen die Tür zu.
Letzteres nützt wenig, Fisch- und Käsegeruch tummeln sich freudig gemeinsam in
Ihrer Küche und dringen mühelos durch ihre Nase an die geruchswahrnehmende
Region Ihres Gehirns. Der Toast liegt Gott sei Dank im Brotkasten. Sie öffnen ihn,
nein, da liegt er nicht. Sie hatten zwei Pakete gekauft, die kann er nicht alle gestern
nacht verdrückt haben, egal, was er in der Zeit, in der Sie ihn beim Skatabend oder
bei den Überstunden vermuteten, getrieben hat. Sie begeben sich ins Schlafzimmer
und wecken ihn unsanft. He, wo ist der Toast? Das klingt nicht überaus freundlich,
aber das nimmt er nicht wahr. Verschlafen ertönt es aus den Tiefen der Bettdecke:
Liebling, na da, wo er hingehört, im Eisfach, damit er nicht immer so schnell
schlecht wird, du weißt doch. Ach ja, Sie wissen. Sie haben sich diverse
Belehrungen darüber anhören müssen, wo der Toast hingehört, damit er nicht
immer so schnell schlecht wird. Haben Sie vergessen, vielleicht haben Sie auch
nicht zugehört. Sie gehen zurück in die Küche, diesmal gewarnt, packen sich ein
Küchentuch, drücken es fest auf Nase und Mund, öffnen den Kühlschrank wieder,
öffnen das Eisfach, drei Sterne, der Toast fällt Ihnen schon entgegen, da ist es ein
bißchen voll geworden mit zwei Paketen im Eisfach. Sie schieben eine Scheibe in
den Toaster - auf eine zweite haben Sie eh schon keine Lust mehr - und warten.
Nur kurze Zeit später wird der immer noch in der Küche wabernde Fisch-Käse-
Geruch durch dieses köstliche Aroma des langsam bräunenden Toastes überdeckt.
Es ist überstanden. Ein bißchen Butter, vielleicht noch ein Klacks Marmelade. Sie
beißen genußvoll hinein. Sie kauen, einmal, zweimal, dann schmecken Sie
deutlich: Sardine, Tilsiter. Sardinen-Tilsiter-Marmelade ist noch nicht auf dem
Markt und wird es vermutlich auch nie sein. Aber der Mann in Ihrem Bett, der
wird es bald sein, sehr bald.

4 Grund 14: Riecht das nicht schön?

Der Mann schenkt gern. Aufgrund der mangelhaften Ausstattung seines


Geruchssinnes liebt er es, sozusagen kompensatorisch, wenn es duftet, stark duftet.
Das ist die eigentliche Ursache, warum er am liebsten Blumen und Parfums
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schenkt. Duftende Blumen und duftende Parfums, stark duftende Blumen und stark
duftende Parfums. Erstere am allerliebsten, wenn die Frau seiner Träume oder die
Mutter seiner Kinder (die Kombination von beidem ist selten) sich nach einer
komplizierten Operation im Krankenhaus befindet, zweitere eher zu den Festtagen
des Jahres wie Ostern, Weihnachten oder Hochzeitstag, so er sich denn an letzteren
erinnert. Sowohl die Blumen als auch das Parfum riechen gewöhnlich grauenhaft.
Aber natürlich bringen Sie es nicht über’ s Herz, ihm die Wahrheit zu sagen, ihm
den Besuch am Krankenbett oder die Festtage zu verderben. Riecht das nicht
schön? fragt er mit treuherzigem Blick, zu dem sich eine kleine, aber
unübersehbare Portion Stolz gesellt, und er zwingt Sie wieder einmal, ihm direkt
ins Gesicht zu lügen. Hm, Liebling, ganz toll, wirklich, sehr außergewöhnlich. Sie
werden nicht lange leiden müssen, die Krankenschwester entfernt die Blumen
unmittelbar nach Abgang des Mannes, das Parfum schenken Sie am nächsten
Festtag ihrer verstorbenen Großtante, indem Sie ihren Grabstein reichlich
besprühen und den Rest ins Weihwasserbecken der Kapelle schütten. Und beim
nächsten Krankenhausaufenthalt oder Feiertag sollten Sie es geschafft haben, aus
den 101 Gründen, die Sie bis dahin gelesen haben, Ihre Konsequenzen zu ziehen.

5 Grund 15. Nahrungsabgabe

Kommen wir zu einem heiklen Thema. Natürlich, aber heikel. Der Moment, der
sich üblicherweise unmittelbar nach, manchmal auch schon während des
Frühstücks einstellt. Der Moment, in dem die aufgenommene Nahrung,
vornehmlich die des Vortages, in anderer Form wieder abgegeben wird. Die Natur
hat es unpraktisch eingerichtet, daß dieser Moment bei der überwiegenden Anzahl
der Menschen zum ungefähr gleichen Zeitpunkt stattfindet. Bis hierhin
unterscheiden sich die Bedürfnisse von Mann und Frau nicht voneinander. Der
Unterschied liegt im Danach. Eine Frau benutzt die sinnige Einrichtung der
Klobürste, wobei sie auch schon beim Kauf viel Phantasie aufweist und Bürsten
wählt, die den Zweck ihres Daseins so weit als möglich verschleiern, also solche,
die in schicken geschlossenen Alubehältern aufbewahrt werden oder solche, die in
Form von Gänsen, Enten oder Micky-Mäusen daherkommen. Sie öffnet auch
danach das Fenster, oder, so nicht vorhanden, brennt ein Streichholz ab, das der
Muffelei den Garaus macht, oder zündet ein Sandelholz-Räucherstäbchen an. Nicht
so der Mann. Er rätselt nicht einmal darüber, zu was denn der schicke geschlossene
Alubehälter gut sein könnte. Er denkt nicht darüber nach, warum wohl die
Streichholzschachtel oder die Räucherstäbchen im Bad liegen. Nach Erledigung
seines Geschäftes verläßt er ohne weitere Aktionen das Bad, schließt die Tür und
erscheint erleichtert wieder am Frühstückstisch. Sollten Sie, verehrte Leserin, trotz
der Warnungen in diesem Buch, das Zusammenleben mit einem Mann wünschen,
kann ich nur eins empfehlen: Suchen Sie sich eine Wohnung mit zwei Bädern,
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besorgen Sie sich die praktischen selbstklebenden Schilder, beschriftet mit ER und
SIE und betreten Sie den Raum, auf dessen Tür ER klebt, nie wieder.

6 Grund 16: Gase

Die Gase, über die wir hier sprechen, haben akustische und olfaktorische
Auswirkungen, Methan z. B, explodiert und stinkt. Die Überlegung, wo die
Belästigung penetranter ist, führte dann allerdings zu der Aufnahme in die
Kategorie der olfaktorischen Gründe, denn häusliche Detonationen sind selten, der
Gestank jedoch allgegenwärtig. Die Rede ist hier von furzen und rülpsen, oder
auch, wie es gern verniedlicht heißt: pupsen und Bäuerchen machen. Wenn Sie,
liebe Leserin, mal ein solches dringendes Bedürfnis überfällt, verlassen Sie Bett,
Couch oder Eßzimmer, begeben sich auf den Balkon oder zumindest in ein anderes
Zimmer und erledigen da diskret die Notwendigkeiten. In Kino, Oper oder Theater
unterdrücken Sie tapfer die luftigen Äußerungen und nehmen Bauch- und
Zwerchfellkrämpfe in Kauf, nur um die Umwelt nicht mit Dingen zu belästigen,
die sie nichts angehen. Nicht so der Mann. Hemmungslos duftet er uns ein.
Offensichtlich als eine Art Kompensation für seine sonstige Unlust, uns an seinem
Innenleben teilhaben zu lassen, teilt er hier mit uns ohne jede Scheu die
geruchsgeschwängerte Luft seines Innersten. Hier erweist sich mal wieder, daß des
Mannes Entwicklung im Kleinkindstadium steckengeblieben ist. Hat es Mama
doch damals schon ungeheuer erfreut (und tut es auch heute noch), wenn sich das
Bäuerchen unmittelbar nach dem Essen zeigte, und war der kleine Mann doch
ausnehmend stolz, wenn der süße Pupser dieses strahlende Lächeln in Mamas
Gesicht zauberte (und es auch heute noch tut).

7 Grund 17: Füsse

Kommen wir noch einmal zurück zum Phänomen des Schweißes, das wir bereits in
Grund ii ein wenig betrachteten. Männer legen einen unglaublichen Ehrgeiz daran,
an den unglaublichsten Körperteilen zu schwitzen. Sie übertreffen uns locker in
Achselhöhlen, entlang der Wirbelsäule und auf Nasenrücken. Nun macht ja das
Schwitzen, abgesehen von den zarten pheromonischen Auswirkungen, durchaus
Sinn. Es ist eine vernünftige Einrichtung des Körpers, bei der es durch
Verdunstung zu Kältewirkung kommt. Wir nehmen aber mit Erstaunen wahr, daß
der Mann auch da Schweiß erzeugt, wo es nun wirklich keinen Sinn macht, z. B.
an den Füßen. Der Schweißfuß an sich ist die absolute Domäne des Mannes. Da
kann er (was er selten tut, da es entgegen seiner Natur ist) waschen, da kann er die
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diversen Erzeugnisse der Kosmetikindustrie, als da Fußsprays, Fußpuder oder
sonstige Fußdeodorants zu benennen wären, benutzen, nützen tut das nichts. Der
männliche Fuß möchte schwitzen, der männliche Fuß möchte modern, der
männliche Fuß möchte so richtig schön abschreckend stinken. Wahrscheinlich ist
das ein Überbleibsel aus der Zeit, als er im nächtlichen Höhleneingang seine in der
Höhle befindliche Sippe bewachen mußte. Er konnte den sich nähernden Bären
nicht ausmachen, da er das Feuer noch nicht erfunden hatte, bzw. noch nicht
behauptete, er habe es erfunden, was natürlich ausgeschlossen ist, da auf eine so
sinnige Idee nur ein weibliches Wesen kommen konnte. Dieses wiederum gab ihm
aber vermutlich den Tip: Schahatz, mit dem Knüppel wirst du den Bären nicht
treffen, es ist zu dunkel, weißt du, und außerdem ist er stärker als du. Zieh einfach
deine Fellschuhe aus!

8 Grund 18: Lederfetischismus

Männer lieben Leder. Lederjacken, Lederschuhe, Lederautositze, Lederstrapse,


Lederpeitschen. Am wohlsten fühlen sie sich, wenn die ganze Wohnung den
penetranten Geruch nach Leder ausströmt. Hat die typisch männliche
Entwicklungsverzögerung ihn in Grund 16 auf dem Stand eines Kleinkindes
gehalten und in Grund 17 auf dem eines Höhlenbewachers, so zeigt sich hier ein
bemerkenswerter Fortschritt. In bezug auf Leder ist der Mann immerhin auf dem
Stand eines Erstkläßlers. Der Mann, der heute vierzig Jahre oder älter ist, war mit
dem Eintritt ins Schulalter plötzlich einer ungeheuren olfaktorischen Flut von
Lederausdünstungen ausgesetzt. Schulranzen und auch Federtaschen wurden aus
keinem anderen Material hergestellt. Nun werden Sie sagen, liebe Leserin, auch
wir, die Mädchen, hatten Lederranzen und Ledermäppchen. ja, hatten wir, aber wir
krochen nicht hinein, verbargen nicht unsere Scham, indem wir uns hinter den
Taschen und Mäppchen versteckten. Wir hatten das nicht nötig, wir lernten das
Alphabet und das Lesen schnell, Mädchen sind sprachlich begabter als Jungs, wie
uns die Wissenschaft immer wieder bestätigt. Die Jungs erlebten ihre erste
intellektuelle Frustration, und Lederranzen und Ledermäppchen halfen ihnen, das
zu verkraften. Seitdem ist der Geruch von Leder untrennbar mit Trost,
Geborgenheit und Sicherheit verbunden. Und natürlich wird dieses Phänomen von
Männergeneration zu Männergeneration weitergegeben. Auch in Zeiten der
leichten Goretex-Schultasche und des Plastikmäppchens hat der junge bei
Schuleintritt längst gelernt: Papa ist glücklich, unbeschwert und entspannt, wenn er
von Leder umgeben ist. Das prägt, das läßt auch den kleinen jungen der achtziger
und neunziger Jahre zum Lederfetischisten werden, und diese Prägung wird uns
noch durch viele Generationen legasthenischer und analphabetischer
Lebensabschnittsgefährten begleiten.

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9 Grund 19: Zugempfindlichkeit

Männer sind ja auf manchen (völlig unsinnigen) Gebieten äußerst empfindsame


Wesen. Ihr Körper reagiert sensibel und hochgradig empfindlich auf äußere
Einflüsse, wie zum Beispiel Zugluft. Die kann er ganz und gar nicht leiden, die
führt zu Mißmut, Nörgelei und Spül- oder Müllruntertrageunlust. Und weil wir
wiederum Mißmut, Nörgelei und Spül- oder Müllruntertrageunlust gar nicht leiden
können, vermeiden wir es, ihn mit Zugluft zu belästigen. Nur ist das nicht so
einfach. Während wir glauben, daß Zugluft da beginnt, wo mindestens zwei
Öffnungen nach draußen zu finden sind, sich also Luft von einer Stelle zur anderen
bewegt (daher auch die Anlehnung an die Tätigkeit der Fortbewegung im Wort
Zug), empfindet er den Zug schon da, wo ein laues Lüftchen noch zögernd vor der
Scheibe wabert und überlegt, ob es denn wohl mal reinschauen sollte und
nachgucken, was es heut so im Fernsehen gibt. Liebling, es zieht! Sie hören das
Ausrufezeichen deutlich und überlegen, welche Befehlsform sich in Liebling, es
zieht Ausrufezeichen verbergen könnte. Sie kommen schnell drauf Er meint: Mach
sofort das Fenster zu! Und er meint es ohne Kosenamen. Er meint außerdem:
Frauen sind unerträglich, Bauerntrampel und haben eine Sensibilität, die an
Schmirgelpapier ab Körnung 6o abwärts erinnert Ausrufezeichen (Falls Sie, liebe
Leserin, nicht wissen, was Körnung 6o ist, fragen Sie einen Mann). Sie begeben
sich also gefügig zum Fenster, informieren das Lüftchen traurig und mitfühlend,
daß es leider heute keine Lindenstraße gibt, und schließen die Öffnung. Atemlos
betrachten Sie dann Mutter Beimer, was weniger auf deren spannungsgeladener
Darstellung beruht als auf dem rauchenden, schwitzenden, pupsenden Rülpser auf
der Ledercouch neben Ihnen. Sie beneiden das Lüftchen jetzt doch arg um seinen
Aufenthaltsort.

10 Grund 20: Ähm, irgendwie ... streng

Sie kochen Hirsebrei für ihren jüngsten. Der Camembert für die Erwachsenen liegt
auf dem Fensterbrett, da wird er schön reif und aromatisch. Während der Brei so
vor sich hin köchelt und der Käse so vor sich hin reift, entwickelt das in beiden
Lebensmitteln in großem Maße vorhandene Eiweiß seinen spezifischen, ähm,
irgendwie ... strengen Geruch, der fatal an glasig, hauchig, schmutzig (siehe Grund
ii) erinnert. Das kann Sie in sehr unangenehme Situationen bringen. Es klingelt.
Ihre beste Freundin schaut auf eine Kaffee rein. Erstaunt bemerken Sie das frivole
Grinsen, das sich auf ihrem Gesicht breitmacht. Na, war’s schön? fragt sie mit
zweideutigem Blick und möchte in alle Details eingeweiht werden. Wo, wie lange,
war er wild? Eine enttäuschende Antwort bleibt ihr erspart, denn wieder klingelt
es. Der Kumpel Ihres pubertierenden Sohnes. Ein kurzes Schnüffeln läßt ihn
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erröten. Irren Sie sich, oder hat er Sie gerade Mrs. Robinson genannt und erinnert
Sie an den jungen Dustin Hoffman im Film Die Reifeprüfung ? Es klingelt schon
wieder. Ihre Schwiegermutter bringt die gebügelte Wäsche ihres Mannes. Soll ich
die, ähm, Bettwäsche gleich mitnehmen? fragt sie peinlich berührt. Gott hätte den
Eiweißanteil des männlichen Saatguts wirklich ein bißchen geringer ausfallen
lassen können. Sie geraten in Verruf, ein Sexmonster zu sein, nur weil es, ähm,
irgendwie . .. streng riecht.

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4. Die akustischen Gründe
1 Grund 21: La, La, La
Es singe, wem Stimme gegeben. Sie hätten ja überhaupt nichts dagegen, wenn ihr
Lebensabschnittsgefährte sein Kehlorgan dafür einsetzen würde, Millionen auf Ihr
gemeinsames Konto zu scheffeln. Er muß dafür nicht unbedingt so aussehen wie
Guildo Horn oder Luciano Pavarotti, aber finanziell gesehen wären Sie durchaus
einverstanden. Dann könnte er den ganzen Tag trällern, morgens im Bett, unter der
Dusche, beim Frühstück, Mittagessen, Abendessen, zur Not sogar beim Sex. Das
Problem ist nur, er macht keine müde Mark damit, und das noch viel größere
Problem ist, er kann auch gar nicht singen. Nur, er tut es. Morgens im Bett, unter
der Dusche, beim Frühstück, Mittagessen, Abendessen, und nicht nur zur Not
sogar beim Sex. Weil er glaubt, er erfreut Sie damit. Weil er glaubt, seine gute
Laune ist ansteckend. Nun gut, es hat Vorteile. Daß er ihnen den Appetit verdirbt,
kommt Ihrer schlanken Linie zugute. Sie wollen schließlich bleiben, wie Sie sind.
Aber Sie hatten nie vor, magersüchtig zu werden. Es hat auch Zeiten gegeben, da
fanden Sie Sex gar nicht so schlecht. Auch nicht mit musikalischer Untermalung.
Aber da kam die auch noch aus den beiden Boxen in den Schlafzimmerecken. Es
gab auch eine kurze Zeit der Hoffnung, als ihn manchmal noch die Leidenschaft so
übermannte, daß er das Singen vergaß, dabei. Danach aber nie. Denn Ihr Gefährte
gehört nicht zu der Gruppe der unsensiblen Männer, die sich danach umdrehen und
auf der Stelle einschlafen. Oh nein, er ist sensibel und liebevoll. Er singt Sie in den
Schlaf Sie müssen leider warten, bis er sich selbst in den Schlaf gesungen hat, und
dann tun Sie gut daran, auf der Stelle, im gleichen Moment, in dem der Gesang
versandet, unmittelbar nach ihrem Lebensabschnittsgefährten in Morpheus’ Arme
zu fliehen, weil, wenn nicht ... sollten Sie sofort weiterlesen.

2 Grund 22: Krächz, Säg, Prust


Bevor Sie mit ihrem Liebsten zusammengezogen sind, waren die Nächte einsam,
sehr einsam. jetzt sind sie laut, sehr laut. Neben ihnen ist die Hölle los. Der Mann
schnarcht. Er krächzt, und prustet, sägt was das Zeug hält. Und nach einem
schönen Abend mit ihnen, liebe Leserin, so einem mit einem schmackhaften Essen,
dem ein oder anderen Glas Wein, bei der einen oder anderen Zigarette, da krächzt,
sägt und prustet er noch ein- mal so gern. Nun wissen wir ja alle, daß ein Geräusch
erst dann anfängt, wirklich zu nerven, wenn die eigene Einstellung dazu eine
schwierige ist. Wir liegen also wach und versuchen, unsere Einstellung zu ändern.
Wir lieben sie doch, die Säge neben uns. Wir haben ihr doch drei Kinder geschenkt
oder kokettieren mit dem Gedanken, sie wenigstens mit einem kleinen
Fußballpartner zu beglücken. Wir bemühen uns eine geschlagene halbe Stunde um
26
die Änderung unserer Einstellung. Aber wir versagen. Lieben wir diesen Mann
vielleicht doch nicht? Kaum angedacht, verwerfen wir die Lästerung
augenblicklich. Wir müssen einfach praktischer werden. Wir beugen uns sanft zur
anderen Seite des Bettes und halten ihm die Nase zu. Der Druck zwischen Daumen
und Zeigefinger erreicht innerhalb einiger Sekunden locker die 2,2 bar, die Sie an
der Tankstelle in den hinteren Reifen Ihres Autos blasen müssen. Sie entscheiden
kurz, ob wohl der Kopf des Mannes druckaushaltetechnisch mit den Reifen Ihres
Ford Escorts vergleichbar ist, da entweicht unversehens die gesamte Luft eine
Öffnung tiefer. Es klingt wie heute morgen, als Sie die Vakuumhülle des
Kaffeepakets öffneten (leider riecht es nicht ganz so appetitlich), und vor Schreck
lassen Sie seine Nase los. Einen beunruhigenden Moment lang hören Sie gar
nichts. Ihr Angebeteter öffnet die Augen und starrt Sie an. Das heißt, er starrt Sie
gar nicht an, aber das können Sie in der Dunkelheit des Zimmers nicht so genau
ausmachen. Eigentlich starrt er an die Decke, und selbst das tut er nicht wirklich, er
starrt hindurch. Sein Blick fixiert - nichts. Und das auch nur für ca. zwei Sekunden.
Dann dreht er sich um, bietet Ihnen liebevoll seinen Rücken und seinen
Knackarsch (ja, den hat er sich erhalten) für das Löffelchen, das er so liebt. Und er
ist ganz still. Sie wissen es nun ganz genau. Sie lieben ihn, grenzenlos. Sie
kuscheln sich an, sie löffeln perfekt in sein Angebot, der erste Traum vom
glücklichen Leben zu zweit (oder zu fünft) will sich gerade einstellen, da sägt die
Säge wieder los. Mein Gott, war es schön, als die Nächte einsam waren, sehr
einsam.

3 Grund 23: Knirsch, Knirsch, Knirsch


Am Tag, nachdem ich das Geräusch zum ersten Mal hörte, bin ich in eine
Zoohandlung gegangen und habe Mausefallen verlangt. Fünf Mausefallen für zwei
Zimmer, Küche, Diele, Bad. Für die Tierliebhaber unter den Lesern: natürlich
solche Fallen, die die Maus fangen, nicht töten. Ich stellte sie am gleichen Abend
auf. Das knirschende Geräusch der vermeintlichen niedlichen Nagetiere war auch
in der kommenden Nacht deutlich wahrzunehmen. Ich weckte den Mann, der nach
einer ausgiebigen Kennenlernphase seit zwei Nächten Bett und Tisch mit mir teilte.
Ich hatte ihn tagsüber von den Mäusen in Kenntnis gesetzt. jetzt fragte ich: Mausi,
hörst du es? Der Kosename war natürlich ein unbeabsichtigter Zufall. Mausi hörte
nichts. Ich auch nicht mehr. Ich hab’ die Mäuse vielleicht erschreckt, dachte ich.
Einige Minuten später war es wieder deutlich auszumachen. Knirsch, knirsch,
knirsch. Mausi wurde erneut geweckt, diesmal ganz vorsichtig. Ich flüsterte ganz
nah an seinem Ohr: Mausi, hörst du es jetzt? Mausi hörte auch diesmal nichts. ich
auch nicht mehr. Ich stand leise auf und kontrollierte die Fallen. Nichts. Als ich
zurück ins Bett kroch, war es wieder deutlich wahrzunehmen. Mit unendlicher
Behutsamkeit näherte ich mich erneut seinem Gesicht. Das Geräusch wurde
deutlich lauter. Knirsch, knirsch, knirsch. Es gab keinen Zweifel mehr an seiner
27
Herkunft. Der Mann in meinem Bett erzeugte es durch malmende Bewegungen des
Unterkiefers, die Zähne immer schön kräftig aufeinandergepreßt. Knirsch, knirsch,
knirsch. Am nächsten Tag brachte ich die fünf Fallen mit Mausi zurück in die
Zoohandlung. Die Besitzerin des Ladens hatte viel Erfahrung mit Nagetieren und
war sehr kulant. Sie nahm die Fallen und Mausi dankbar an. Sie lud mich sogar zu
ihrer Hochzeit ein halbes Jahr später ein. Mausi sah bezaubernd aus im schwarzen
Frack, und ich wünschte den beiden ein langes und glückliches Leben. Moral von
der Geschichte: Männer, die schnarchen, knirschen nicht.

4 Grund 24: Klack, Klack, Klack

Das Wesen auf der anderen Hälfte Ihres Bettes schnarcht nicht und knirscht nicht?
Dann haben Sie ziemlich viel Glück gehabt oder sollten mal zum HNO-Arzt gehen
und einen Hörtest machen. Aber ich wette, daß Sie das kennen. Sonntag morgen,
eine harte Arbeitswoche liegt hinter Ihnen, das Schlafdefizit hat ein beachtliches
Ausmaß erreicht. Das Einzelkind, weiblich, kein Fußballpartner, schade,
übernachtet bei seiner liebsten Schulkameradin. Der gestrige Abend hat sich weit
in die Nacht hineingezogen. Aber heute morgen erwartet Sie das pure Glück. Kein
Wecker, ausschlafen, ausgiebiges Frühstück mit dem Liebsten, danach vielleicht
ein Spaziergang in der nachmittäglichen Frühlingssonne. Es ist halb acht Uhr früh.
Sie wachen auf Wachen auf durch ein Geräusch: klack, klack, klack. Stille. Klack,
klack, klack. Stille. Die andere Hälfte des Bettes gähnt sie verwaist an. Sie gähnen
solidarisch zurück. Klack, klack, klack. Stille. Klack, klack, klack. Stille. Sie
angeln sich das Kissen der leeren Betthälfte und pressen es auf das eine, ihr
eigenes Kissen auf das andere Ohr. Klack, klack, klack. Stille. Klack, klack, klack.
Stille. Das Geräusch dringt mühelos durch die garantiert allergiegetestete Füllung.
Irgendwo war doch dieses Döschen mit den kleinen wachsigen Stöpseln. Sie finden
es, drücken sich zwei kleine wachsige Stöpselchen in ihre Ohren. Klack, klack,
klack. Stille. Klack, klack, klack. Stille. Das Geräusch ist nun gedämpft, aber gut
hörbar. Fast so gut wie das Rauschen in ihrem Kopf und der Herzschlag von weiter
unten. Sie unternehmen einen allerletzten Versuch. Sie singen. Singen laut ihren
derzeitigen Lieblingshit. Die Schlafzimmertür geht auf, und der Mann, von dem
Sie sich scheiden lassen werden, steht fröhlich in der Tür. Die eine Hälfte seines
morgendlichen Gesichts ist voll mit weißem Schaum, die andere, freie, blutet an
vier Stellen leicht, an einer etwas heftiger. Schahatz, bist du schon wach? fragt er
sehr leise, für den Fall, daß der Schlager vom weiblichen Hausgeist kommen sollte.
Sie können ihn natürlich nicht hören, Ohropax, Kissen und lauter Gesang stehen
davor. Ihr zukünftiger geschiedener Mann begibt sich zurück ins Bad und an die
Naßrasur. Er nimmt den Schaber, schabt damit eine Bahn durch den restlichen
Schaum und entfernt ihn am Waschbeckenrand durch kräftiges dreimaliges
Aufschlagen. Klack, klack, klack. Stille. Es hängt noch etwas Schaum am Schaber.
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Klack, klack, klack. Stille. Sie sind ihm gefolgt. Sie heben die Schußwaffe. Drei
Schüsse in den Rücken. Klack, klack, klack. Stille. Sie wollen sicher gehen. Klack,
klack, klack. Stille. Sie schrauben den Schalldämpfer ab. Befriedigt begeben Sie
sich wieder ins Bett. Klack, klack, klack. Stille. Klack, klack, klack. Stille, kommt
unverändert aus dem Bad. Sie nehmen sich vor, einmal in ihrem Leben eine
Phantasie wirklich auszuleben. Vielleicht nächstes Mal.

5 Grund 25. Tooor! Toooor! Tooooor!


An irgendeinem Tag in seiner Schöpfung (oder vielleicht auch an irgendeinem Tag
in ihrer Schöpfung, wer weiß es genau? ) gab uns der/die/ das Gott das
Trommelfell. Auf daß wir das Zwitschern der Vögel, das Flöten des Wasserkessels
und die Durchsage der Zugverspätung am Bahnhof wahrnehmen können. Gott
hatte zu diesem Zeitpunkt den Fußball noch nicht erfunden, sonst hätte er/sie/es es
sich vermutlich anders überlegt mit dem Trommelfell. Oder vielleicht auch nicht.
Vielleicht ist er/sie/es ja auch gehässig und erschuf sofort nach der
Fußballweltmeisterschaft das Trommelfell. In diesen freudlosen Wochen alle vier
Jahre, aber nicht genug damit, nein, auch an diesen freudlosen Wochenenden, und
auch damit nicht genug, nein, auch an diesen freudlosen Mittwochen, an denen uns
die Fernseh- und Radiosender, auch wenn wir nicht an den Ort des Geschehens,
auf den Platz, gegangen sind, daran teilhaben lassen wollen, in all diesen
freudlosen Stunden, müssen wir es ertragen. Tor! Tor! Tor! Es schallt einstimmig
aus den Männerkehlen, aus allen Kneipen, aus allen Restaurants, aus allen
Wohnzimmerfenstern. Und natürlich auch durch alle Wände unserer
Dreizimmerwohnung, unseres schnuckeligen Eigenheims, unseres illustren Lofts,
wobei es bei letzterem meist leider nicht mal Wände gibt. Wir hatten eigentlich
sehr bewußt gewählt, einen intellektuellen, einen Universitätsprofessor vielleicht,
oder auch einen Gynäkologen. In der Hoffnung, er würde unser Fell nicht
beleidigen, nicht schmähen nicht demütigen. Aber er tut es. Tor! Tor! Tor! Über
alle intelligenten Windungen seines Hirns setzt er sich hinweg und gesellt sich zu
seinen Artverwandten, die selbst Sex und Fressen in solchen Stunden nicht mehr
interessiert, und stimmt ein in den allumspannenden, verbindenden Ruf der
männlichen Welt: Tor! Tor! Tor! Liebe/r/s Gott, bitte, beim nächsten Mal, schaff
das Trommelfell, schaff die Fußballweltmeisterschaft, aber laß einfach beim Mann
die Beine weg.

6 Grund 26: Wumms, wumms, wumms


Haben Sie auch diese Dinger, die die Wohnung mit der Außenwelt verbinden? Das
Wohnzimmer mit der Diele? Das Schlafzimmer mit dem Bügelzimmer? je nach
Material oder Lage nennt es sich Eingangstür, Holztür, Glastür, Terrassentür
Badezimmertür usw. Sie, liebe Leserin, benutzen diese Dinge zweckmäßig, als

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Verbindungselement zwischen zwei Bereichen. Ihr Lebensabschnittsgefährte
mitnichten. Er benutzt sie als Percussioninstrument. Ist er von der ganz harten
Sorte, beginnt er nach getaner Arbeit damit bereits an der Haustür, wummns, was
Sie, die sich in der Wohnung in der vierten Etage befinden, auf sein Kommen
vorbereitet, was wiederum in Ausnahmefällen durchaus von Nutzen sein kann.
Dann betritt er ähnlich energetisch Ihr gemeinsames Reich. Wumms. Liebste, wo
bist du? Die Liebste befindet sich am besten in der Diele, das erspart ihr das
nächste und dritte wumms. Aber, wie das Leben nun mal ist, seit Gott uns aus dem
türenlosen Paradies vertrieb nur wegen so ’nem bißchen Obst, bei dem wir schon
damals erkannten, wie gesund es ist (siehe Grund 55), befindet sie sich natürlich
nicht in der Diele. Nein, sie befindet sich ausgerechnet im Bügelzimmer. Wumms,
von der Diele ins Schlafzimmer, wumms, vom Schlafzimmer ins Bügelzimmer.
Die vierte Tür knallt mit Tatkraft ins Schloß. Er strahlt sie an. Sie schaut mißmutig
zurück. Sag mal, mußt du die Türen immer so knallen? Er strahlt nicht mehr. Sie
schaut immer noch mißmutig. Nein, muß ich nicht, schleudert er ihr entgegen und
schlägt sie auf einmal in Sachen Mißmutigkeit um Längen. Ich komme nach einem
harten Tag Arbeit zurück. ich arbeite nur für dich und die Kinder. Und du weißt
nichts mehr zu sagen, als daß ich die Türen nicht knallen soll? Er dreht sich um,
knallt die Tür ins Schloß. Wumms. Er geht durchs Schlafzimmer in die Diele.
Wumms. Von der Diele in den Hausflur. Wumms. Dann ist vier Etagen lang Ruhe.
Wumms schleudert es ihr ein letztes Mal von unten entgegen. Sie freut sich auf
einen ruhigen Abend, ...

7 Grund 27: Flöt, Flöt, Flöt


... der auch ungetrübt von jeglichen Pfeif- und Flötentönen sein wird, die Männer
ständig von sich geben. Das tun sie am liebsten nach einem heftigen Krach, so sie
nicht gerade türenknallend die Wohnung verlassen haben. Wenn niemand mehr
miteinander redet, wenn die Atmosphäre in der Wohnung zum Schneiden dick ist,
wenn keiner mehr den anderen eines Blickes würdigt. Die Situation, wenn Ihnen,
verehrte Leserin, der Appetit gründlich abhanden gekommen und die Laune
zutiefst verdorben ist. Das ist der Moment, wo der Mann es liebt, ein kleines
Pfeifkonzertlein anzustimmen. Flöt, flöt, flöt ertönt es fröhlich aus seinem
Arbeitszimmer. Ein flöt, flöt, flöt, das soviel aussagt wie: Mir macht das alles
nichts aus, mich interessiert unsere Meinungsverschiedenheit überhaupt nicht, du
glaubst doch nicht, daß du so viel wert bist, daß ich mich auch nur eine Sekunde
gräme wegen dir. Am allerschlimmsten ist es, wenn Sie dem flöt, flöt, flöt nicht
entgehen können, etwa bei einer gemeinsamen Bergwanderung in 3000 Metern
einsamer Höhe oder beim gemeinsamen Versuch, mit einem Ballon die Erde zu
umrunden oder mit einem Flog durch den Atlantik zu schippern. Lassen Sie es in
solch extremen Situationen am besten nicht auf einen Krach ankommen.

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8 Grund 28: Spuck, Spei, Rotz
Männer spucken, speien und rotzen in der Gegend rum. Wenn Sie mit einem
Exemplar dieser Gattung spazieren gehen, können Sie natürlich wegschauen. Sie
müssen den weißlich schäumenden Auswurf, der in fünfmarkstückgroßen
Flatschen auf dem Boden landet, nicht betrachten. Sie müssen sich nicht ekeln über
die Ameisen und Käfer, die sich gleich darauf stürzen, ein erfrischendes Bad
nehmen und ihren Stammesgenossen köstliche Nahrung mit nach Hause bringen
werden. Aber Sie können nicht weghören. Schon gleich, wenn er zur Sammlung
des Schleims in der Kehle ansetzt, löst dieses knarzende, glucksende Geräusch
Übelkeit aus. Und es sträubt Ihnen die Nackenhaare, wenn das Sputum dann mit
grandiosem Schwung und diesem einzigartigen, nicht beschreibbaren Ton (hier
müssen Sie leider warten, bis der Rake Verlag diese Ausgabe seiner 101-Gründe-
Reihe als Hörbuch vorlegt. Bitte nehmen Sie bis dahin Vorlieb mit dem elffach
oscargekrönten Spielfilm Titanic, in dem Leonardo seine Kate in die Geheimnisse
des Rotzens einführt) aus seinem Mund spritzt und platschend unten auftrifft.
Früher gab es übrigens in Schwimmbädern die sinnige und praktische Einrichtung
des Spucknapfes, immer ganz in der Nähe der Männerduschen natürlich.
Inzwischen sind die abgeschafft, und Männer rotzen wieder in Duschen (was nicht
schlimm ist, da sind sie unter sich) und Schwimmbecken (was schlimm ist, da sind
sie es nicht).

9 Grund 29: Schlürf, Schlürf, Schlürf


Woher mag nur dieses unbändige männliche Verlangen, ständig Geräusche zu
erzeugen, kommen? Ist es die unüberwindbare Angst des Mannes, vergessen zu
werden, wenn er nicht dauernd auf sich aufmerksam macht? Oder ist es eine
existentielle Sorge, sich aufzulösen, zu verschwinden? Muß er sich durch Lärm
machen dauernd selbst bestätigen, daß er noch da ist? Ich töne, also bin ich? Oder
ist es gar ein elementarer Ausdruck von Lebensenergie, Lebensfreude? Ich
schlürfe, also freu’ ich mich? Wir werden es nicht endgültig klären können. Wenn
das Mag der inneren Freude in Korrelation zu der Schlürfhäufigkeitsfrequenz steht,
scheint jedenfalls die Suizidgefährdung des Mannes nicht besonders hoch zu sein.
Die Autorin erfuhr zum ersten Mal in ihrer Kindheit vom Wesen des Mannes, als
ihr Papa eine Reihe Geschäftspartner zum Essen eingeladen hatte. Mama hatte
gekocht, es gab Hühnerbrühe mit Eierstich als Vorspeise, Sauerbraten mit Nudeln
und Salat zum Hauptgericht und eine Weincreme als Nachspeise. Da war was los.
Die Männer hängten ihre Gesichter über die Suppenteller und vereinigten sich in
einer Tonmeditation. Das ist eine spirituelle Übung, bei der eine Gruppe von
Menschen einen Ton erzeugt, der nie abreißen darf, sprich, man muß seinen Atem
und seine Stimme so koordinieren, daß immer irgend jemand tönt, während ein
anderer Luft holt. Die Suppen-Männer waren perfekt darin. Das Schlürfgeräusch
blieb konstant, bis der Letzte das letzte Quentchen von seinem Löffel in den Mund
gesaugt hatte. Sie schafften es sogar, einen Rhythmus zu erzeugen, eine Art
Dreivierteltakt mit Synkopeneinlage, nicht unspannend. Die Dreijährige war
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fasziniert. Sie begann mit der Suppe erst, als die Männer fertig waren. Und
versuchte das, was sie gerade von den Erwachsenen gelernt hatte, in die Tat
umzusetzen. Mama lief rot an, nahm ihr den Löffel weg und schickte sie an den
kleinen Spieltisch, sie solle gefälligst da weiteressen. Das war sehr grausam und
nicht zu verstehen, was hatte sie getan? Nachdem Mama ihr den Löffel
wiedergegeben und ihr ins Ohr geflüstert hatte: Benimm dich jetzt, bitte! ging sie
zu den Geschäftspartnern ihres Ehemannes zurück. Die machten sich gerade an die
soßentriefenden Nudeln und schlürften sie, als einige Versuche mit der Gabel
mißlungen waren, vom Suppenlöffel. Und das Geräusch beim Einsaugen der
Weincreme danach wurde nur unterbrochen durch ein paar verzückte Rufe:
Köstlich, wirklich köstlich! Die Kleine hatte gelernt. Männlich erwachsen ist es,
jegliche Nahrung, die nur entfernt flüssig genug ist, mit soviel Geräusch wie
möglich in den Mund zu saugen. Kinder und Frauen dürfen das nicht, dafür dürfen
die ja zuerst in die Rettungsboote, wenn das Schiff untergeht.

10 Grund 3o: Brüll, Brüll, Brüll


Es gab zwei Situationen, in denen die Mama der Autorin brüllte: Erstens, wenn sie
telefonierte, zweitens, wenn sie mit einem Ausländer redete, der der deutschen
Sprache nicht mächtig war. In beiden Fällen war sie überzeugt, die Lautstärke
würde dazu beitragen, verstanden zu werden. Der Erfolg war niederschmetternd,
die Leute am anderen Ende der Leitung hielten den Hörer so weit weg vom Ohr,
daß sie gar nichts mehr mitbekamen, die Ausländer kapierten ein gebrülltes
fremdes Wort auch nicht besser, aber das hielt Mama nicht davon ab, es lebenslang
weiter zu versuchen. Da sie wenig telefonierte und selten mit Ausländern sprach,
war das Ganze auch nicht weiter bemerkenswert. Bemerkenswert war, daß die
Autorin durch ihre Mama schon früh erkannte, warum Männer in Kneipen, auf
Fußballplätzen, an der Börse, im Bundestag, bei der Kindererziehung, beim Militär
immer brüllen müssen. Sie spüren, daß sie nicht in der Lage sind, miteinander zu
kommunizieren, sie fühlen sich prinzipiell unverstanden, sie möchten durchdringen
zu anderen menschlichen Wesen, sie wollen in Kommunikation treten. Aber ihnen
fehlen die Mittel. Bleibt die Frage: Warum hat Gott auch dem Mann die
Stimmbänder geschenkt?

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5. Die oralen Gründe
1 Grund 31: Es fehlt die Würze
Geschmacks- und Geruchssinn hängen bekanntlich eng zusammen. Wer nichts
riechen kann, kann auch nichts schmecken. Wie wir schon festgestellt haben, ist
das männliche Geruchsorgan nicht im mindestens mit dem eines lupus cane,
gemein Wolf, später Hund genannt, zu vergleichen. Eh der Mann was riecht,
hechelt sein Haustier bereits lebensbedroht nach Luft. So ist es auch, wenn die
(Haus-)Frau gekocht hat. Mit viel Sorgfalt hat sie gewürzt, hier noch eine Idee
Ingwer an den Gemüsereis, da noch eine kleine Prise frisch geriebene Muskatnuß
an den Kartoffelbrei, die Komposition ist gelungen. Nicht für den Mann. Bevor er
überhaupt probiert hat, greift er zum Salzfaß und gibt eine ordentliche Portion
drüber, und an der Pfeffermühle wird diverse Male gedreht. Ist das männliche
Exemplar an Ihrem Tisch schon etwas betagter, kann es auch schon mal eine
gehörige Fuhre Maggi sein. Ach ja, und Ketchup, die generationenverbindende
Allzwecksoße... Liebste, was hast du wieder wunderbar gekocht, meint Liebster
aus vollem Mund. ja, finden Sie auch, und demnächst vielleicht jemanden, der das
auch weiß, ohne mit den salz- pfeffer-maggie-ketchup-verseuchten Resten seines
Tellers lupus cane zu ermorden.

2 Grund 32: Der Meisterkoch


Zu besonderen Gelegenheiten, wie Feier der Gehaltserhöhung um 87,4o DM
brutto, Aufstieg der eigenen Altherrenfußballmannschaft in die Kreisliga oder
Abschluß der erfolgreichen 7-Wochen-Diät, die ihn von stolzen 102 auf magere
99,5 Kilo gebracht hat, übernimmt der Mann ja gerne mal das Regiment in der
Küche. Und mutiert auf der Stelle zum Meisterkoch. Plötzlich kann er alles, weiß
er alles, schmeckt er alles, Grund 31 unerbittlich ignorierend. Und die Frau muß
zugeben: es schmeckt - anders. Anders jedenfalls, als wenn sie kocht. Unter anders
versteht er besser, und das muß sie ihm auch tunlichst bestätigen. Das erwartet er,
das verlangt er, da hat er ein Recht drauf Hat sie, die Frau, jemals etwas so
Köstliches gegessen? Erfreut die Soße nicht mit einer solchen Sämigkeit, daß
einem das Wasser im Mund zusammenläuft? Die Frau erinnert sich an ca. 5.683
Mahlzeiten, die köstlicher waren, und die Sämigkeit der Soße wird bezahlt mit
diesem eigenartigen Nachgeschmack, der fatal an Mondamin Fix Soßenbinder
erinnert und alles andere tut, als die Säfte zusammenlaufen zu lassen. Aber sie
schweigt. Nickt lächelnd, während sie versucht, das nickende Lächeln auch nach
dem dritten Biß aufrecht zu erhalten. Sie schafft es tatsächlich bis zum Ende des
Nachtisches. Mousse au chocolat, selbstgemacht natürlich. An Dr. Oetker reicht es
nicht heran, aber da ist die Frau nicht kleinlich, selbstgemacht, dafür setzt sie noch
ein kräftiges lächelndes Nicken obendrauf, Das verliert sich dann allmählich in den
drei Stunden, die sie braucht, um die Küche nach dem Essen zu säubern, während
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er sich erschöpft auf der Couch entspannt und die phantastische Mahlzeit verdaut,
nicht ohne ihr noch den einen oder anderen Tip rüberzugeben, wie man
ökonomischer spült und aufräumt.

3 Grund 33: Männer machen Forellenbäckchensalat


Im März des Jahres 1999 durfte die Autorin einen besonders kreativen Vertreter
der Gattung Meisterkoch kennenlernen. Er servierte zum ersten gemeinsamen
häuslichen Dinner: Forellenbäckchensalat. Forellenbäckchen sind die Spezialität
der Forelle. Das besonders feine Fischfleisch befindet sich in kleinen Höhlen etwas
schräg versetzt unter den starrenden Augen des Tieres. Zwei Forellenbäckchen
zusammen wiegen ca. 1,5 g. Der Salat war üppig, die Anzahl der weiteren Treffen
mit dem Forellenbäckchensalatmacher verdienen dieses Adjektiv nicht.

4 Grund 34: Der Weinkenner


Männer sind zweifelsohne Experten in Sachen Wein, da kommen wir Frauen
einfach nicht mit. In diese Feinheiten des oralen Genusses können wir ihnen nicht
folgen. Wie gerne wären wir auch so wie sie, die einmal im Monat mit ihrem
besten Freund (ja, wir wissen, daß es den nicht gibt, aber Männer glauben seit
alters her fest an seine Existenz) zur Degustation schreiten. Das wird wochenlang
vorbereitet, da werden Weine gekauft, die das fünffache unseres letzten Paars
Lederstiefel gekostet haben (die Flasche, wohlgemerkt), da wird zeremoniert, was
das Zeug hält. Und ist der große Tag gekommen, dürfen wir ihn auf gar keinen Fall
stören, den Weinexperten. Schweigend sitzt er mit seinem Mitstreiter am Tisch, auf
dem die Brutto-Gehaltserhöhungen der nächsten zwanzig Jahre stehen, jede
Bewegung ist ein heiliger Akt, jedes Einschütten, Verzeihung, Einschenken, eine
sakrale Handlung. Die Zärtlichkeit, mit der das Glas gehoben wird, haben wir das
letzte Mal erlebt, als er uns bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes, das
übernächste Woche durch seine erste Führerscheinprüfung fallen wird, streichelte.
Der Geruch (oh weh, es heißt Bukett, wie peinlich) des Weines wird durch sanfte
rührende Bewegungen mit dem Glas freigesetzt, und der Gesichtsausdruck, den
sein Antlitz ziert beim Kosten, läßt verschüttete Erinnerungen hochsteigen. Hatten
wir uns nicht so immer die Verzückung des Orgasmus vorgestellt, als wir noch so
jung waren, ihn nicht zu kennen, aber alt genug, ihn uns auszumalen? Die nächsten
fünf Stunden hören wir nicht viel mehr als ein zustimmendes Raunen, ein
ablehnendes Brummen, ein unentschiedenes Murmeln. Gesprochen wird weiter
nichts. Das Ritual verlangt Ernsthaftigkeit, Würde und Stille. Wir verziehen uns in
die Küche und schütten ein großes Glas Chianti für 6,8o Mark (die Flasche,
wohlgemerkt) in einem Zug runter. Schmeckt gut, finden wir, aber sollten wir nicht
laut sagen. Oder vielleicht doch; die Chance, daß wir die nächste Degustation nicht
mehr miterleben müssen, würde jedenfalls beträchtlich steigen. Und wenn er uns
verläßt, müssen wir nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Um sicher zu gehen,
noch einen Tip. Legen Sie ordentlich Lippenstift auf, platzen Sie mitten rein in das

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Ritual, geben Sie Ihrem Liebsten einen dicken lauten Schmatz auf den Mund und
fragen Sie ihn, ob Sie vielleicht mal eben eine Flasche haben könnten, um die Soße
Bolognaise mit ’nem kräftigen Schluck abzugießen.

5 Grund 35: Küssen


Im zarten Alter von zehn bis elf Jahren fängt das Mädchen vor dem Spiegel an zu
üben: Wie küßt man richtig? Wie nähert sich der Mund dem anderen, in welchem
Winkel treffen die Lippen optimal aufeinander, wie weit müssen sie geöffnet
werden, um eine erotische Berührung der Zungen zuzulassen, ohne gleichzeitig
den Eindruck des Zubeißen- oder Verschlingenwollens zu erwecken? Das
Mädchen informiert sich weiterhin in den einschlägigen Magazinen wie Bravo
oder Girl, es fragt Freundinnen, die es bereits praktizieren, es zieht auch
Erkundigungen bei der eigenen Mama ein, die sich in diesem Alter zunehmend zur
Freundin entwickelt - oder entwickeln sollte. Und während all dieser Zeit spielt der
Junge Fußball und bestätigt sich mit seinen Kumpanen: Mädchen sind doof. Mit
dem Erfolg, daß er den Vorsprung der Mädchen auf diesem Gebiet nie wieder
einholen wird. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, wie der
Volksmund diesmal ausnahmsweise richtig zu bekunden weiß. Wenn dann das
Mädchen zum ersten Mal zur praktischen Ausführung schreitet und den Spiegel
durch ein menschliches, männliches Versuchsobjekt ersetzt, erlebt es eine herbe
Enttäuschung. Statt der erwarteten zarten erotischen Berührung rührt ein Krups-
Mixer auf Stufe drei im Mund herum, oder eine Art Duschschlauch hinterläßt
wenig Freude, aber viel Nässe. Als ich selbst, nach elf langen theoretischen
Spiegelübemonaten im Alter von zwölf zum ersten Mal die Praxis suchte, stieg ich
sogar auf eine Kombination von beidem: zuerst Duschschlauch, dann KrupsMixer
und zum Abschluß nochmal Duschschlauch. Die Ernüchterung war immens, Tage
der Verwirrung, des Entsetzens folgten. Da Mama das mit dem der-
TochterFreundin-sein noch nicht praktizierte, konnte ich mir auch dort keinen Rat
holen. Die Bravo ließ Krups-Mixer und Duschschläuche irgendwie auch aus, also
gab es nur die Möglichkeit eines neuen Versuchs. Begabungen werden nun mal
unterschiedlich verteilt, vielleicht hatte ich einfach Pech mit der Auswahl des
Objekts gehabt. Ich suchte weiter, ich suchte lange, ich stellte fest: Sie können’s
einfach nicht, die Männer.

6 Grund 36: Mund faul, Mund voll


Es existiert ein interessanter (Neben-)Widerspruch im Manne. Einerseits ist er
mundfaul, andererseits nimmt er den Mund gern voll. Reden, sich mit einer Sache
auseinandersetzen, den Dingen verbal auf den Grund gehen ist seine Sache nicht,
aber dauernd will er etwas im Mund haben: Zigaretten, Süßigkeiten,
Kugelschreiber, seine Nägel, seine Schnurrbarthaare, ihre Schamhaare.

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7 Grund 37: Männer ziehen Fäden
Wie wir alle wissen, gehört das Nähen zur weiblichen Domäne. Wir sind es, die
feinmotorisch geschickt (siehe auch Grund 79) Fäden durch Nadelöhre ziehen, wir
sind es, die die abgerissenen Knöpfe des Lieblingshemdes wieder befestigen, wir
sind es, die Nähmaschinen bedienen können. Das hält IHN nicht davon ab, die
Bedienungsanleitung der neu erworbenen Nähmaschine zu studieren, sie
aufzubauen und uns wertvolle Tips zu ihrer Handhabung zu geben. Aber wenn wir
zur praktischen Tat schreiten, ist das UEFA-Cup-Spiel dann doch wieder
spannender. Um aber auf diesem Gebiet nicht völlig zu versagen (das tut der Mann
nicht gern), hat er sich eine kleine niedliche Eigenart zugelegt, er zieht die Fäden
oral. Er nimmt dazu vorhandene Mundsekrete, er tut es zwischen Ober- und
Unterlippe, es ist immer weiß, selten appetitlich. Die Konsistenz ist eine durchaus
bemerkenswerte. Dieser Faden scheint eine Art Elastizität entwickelt zu haben, die
die handarbeitende Hausfrau aufmerksam beobachtet. Er verschwindet beim
Aufeinandertreffen der Ober- mit der Unterlippe völlig, erscheint aber in
ungekürzter Länge bei der Wiederöffnung des Mundes. Selbst bei wiederholter
Tätigkeit scheint nichts zu reißen, nichts morsch zu werden. Wirklich äußerst
interessant.

8 Grund 38: Der bewegte Mund


Die Autorin selbst und einige ihrer Mitstreiterinnen kamen irgendwann auf eine
wunderbare Idee. Hat sich der heterosexuelle Mitbewohner (der Begriff
Mitbewohner ist an dieser Stelle bewußt neutral gewählt) in bisher
siebenunddreißig und folgenden dreiundsechszig Gründen als nicht tauglich
erwiesen, wählen wir doch einfach einen homosexuellen. Die sind bekanntlich
weder hygienisch bedenklich, noch sinnlich unterbelichtet, noch mundfaul. Nur,
das ist leider das Problem. Der andere Artgenosse plaudert im Gegensatz zu
seinem nichtanderen gern, allzu gern. Eigentlich immer. Und immer geht’s um
Männer. Und unsere andere Wahl war ja eigentlich getroffen worden, um das
Thema Männer mal ein wenig weniger Thema sein zu lassen. Und dann ist es
plötzlich mehr Thema denn je. Mit nasaler, über seine sexuelle Ausrichtung keinen
Zweifel lassender Stimme fragt er uns: Hast du den Blick des DJ’s gesehen
gestern? Hast du oder hast du nicht? ja, hatten wir, und einen feuchten Traum auch
danach, nicht wissend, daß er, der Blick, unserem Mitbewohner gegolten hatte.
Und hatte er, der Blick, das wirklich? Diskussionsthema für mindestens sechs
gemütliche Frühstücke.

9 Grund 39: Gar kein Mund


Verweilen wir noch ein wenig beim homosexuellen Mann und seinen
Gewohnheiten und Eigenschaften. Die Autorin möchte sich nicht vorwerfen lassen,
in 101 Gründen nur heterosexuelle Männer feindlich zu betrachten. Während Sie
also so gemütlich beim Frühstück den Vermutungen Ihres etwas anderen
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Mitbewohners zuhören, oder auch nicht zuhören, für ihn macht das keinen großen
Unterschied, betrachten Sie ihn eingehend. Fesch ist er schon, gepflegt, wohl
duftend schon zu dieser frühen Morgenstunde, die knallenge Lederhose bringt die
ein oder andere Wölbung gut zur Geltung. Da hätten Sie im übrigen eine kleine
Chance, auch mal das Wort zu ergreifen und auf gespannte Zuhörerschaft zu
stoßen. Reden Sie über seine Wölbungen, charakterisieren Sie seinen Knackarsch,
er wird Ihnen für eine Weile sein Ohr leihen, denn in Sachen Eitelkeit schlägt der
homosexuelle Artgenosse seinen heterosexuellen um Längen. Aber das interessiert
Sie im Moment gar nicht. Sie schauen gespannt auf seinen Mund, aus dem dieser
endlose Wortschwall fliegt, und Sie fragen sich, woran erkenne ich eigentlich, daß
es sich um einen Mund handelt? Gut, es ist eine Öffnung auszumachen, darin
blitzen auch weiße, gerichtete Zähne, nur das Hauptcharakteristikum des Mundes,
die Lippen, das fehlt irgendwie. Das fehlt bei geschlossenem Mund ganz, bei
geöffnetem halb. Verdeckt wird es durch den üppigen Haarwuchs (wir kommen
hiermit zum vorletzten Mal zu diesem Thema) zwischen Mund und Nase, den
Schwule so ganz besonders lieben, ganz besonders pflegen, hätscheln,
shampoonieren, stutzen und schneiden: den Schnurrbart. Keine Frau auf der Welt
findet so was schön oder kann auch nur im mindesten Verständnis dafür
aufbringen, warum ein Mann so etwas freiwillig da sein läßt. Wenn uns Frauen die
Natur mit so etwas widerlichem ausgestattet hat, was ihr zugegebenermaßen
manchmal irrtümlich unterläuft, nehmen wir sogar Folter in Kauf, um es zu
eliminieren. Wir hauen eine dicke Portion heißen Wachs darauf, ertragen die
glühenden Höllenqualen und reißen nach Abkühlung das Ungeheuer mit einem
einzigen schmerzhaften Ruck aus uns raus. Wir lassen auch in wiederholten
Prozeduren mit martialischen Geräten Stromstöße in die Wurzeln jagen, in der
Hoffnung, dem Monster für immer den Garaus zu machen. Und der Mann, der
homosexuelle? Der läßt das schön lang wachsen, der füttert das mit Frühstücksei
und Tomatensauce, der kriegt glasige Augen, wenn er in einer Szenekneipe so’n
Ding bei ’nem anderen anschauen oder sogar küssen darf Heterosexuelle Männer
sind mit Schnurrbärten eher spärlich bewachsen. Die haben nämlich erfahren, wie
elementar ihre Chancen beim anderen Geschlecht sinken mit so ’nem Ding. Holla,
alle Zeitsoldaten, Bauarbeiter, Polizisten, Busfahrer und Müllkutscher sind
schwul? Das ist ja ’ne ganz neue Erkenntnis.

10 Grund 40: Schmucklos


Auch die schnurrbartlosen Lippen unserer heterosexuellen Männer, seien wir
ehrlich, sind etwas freudlos. Welch wunderbare Farben hat uns die
Kosmetikindustrie geschenkt, welche raffinierten Couleurs haben Chemiker in
ihren Laboren zusammengemixt, nur um unseren Augen Freude zu schenken. Von
einem zarten Rosa mit perlendem Schimmer über ein knalliges, reizvolles
Kirschrot bis hin zum geheimnisvollen Aubergine sind die verschönernden
Produkte allerorts in Kaufhäusern, Supermärkten und Parfümerien zu haben. Und
was tun Männer? Sie ignorieren sie. Sie gönnen uns einfach nichts. Wir würden es
37
so gern auch bei ihnen sehen, Münder, die glänzen, leuchten, changieren, irisieren.
Aber nein, nichts da. Dabei lieben Männer glänzende, leuchtende, changierende,
irisierende Lippen. Sie fühlen sich angeregt und aufgefordert, wenn wir uns damit
schmücken. Uns wollen sie offensichtlich nicht anregen und auffordern. Wir
müssen uns mit schnöder Natur begnügen.

38
6. Die haptischen Gründe
1 Grund 41: Stachelig
Befassen wir uns nun mit einem neuen Kapitel, mit den haptischen, also den
Tastsinn betreffenden Gründen. Wir kommen noch einmal zurück auf die
Haartracht des Mannes. Er verliert, wie wir in den Gründen 3 und 8 gesehen haben,
mit fortschreitendem Alter mehr und mehr Haupthaar, was sinnlos ist. Er verliert
sein Haar nicht da, wo es sinnvoll wäre: an Wangen, Kinn und über den Lippen.
Eine Frau, die Frauen bevorzugt, ist nach einer Liebesnacht nicht zerkratzt,
verpickelt und aufgerauht. Immer neue elektrische Rasierapparate kommen auf den
Markt, Grund 24 wird immer überflüssiger, aber Grund 41 bleibt hartnäckig. Der
besonders männliche Mann erfreut uns schon ca. eine Stunde nach der Rasur mit
spitzen, stacheligen Härchen, die das Tageslicht schätzen und nicht in ihrer Wurzel
verweilen möchten. Und selbst diese eine Stunde, liebe Leserinnen, wird Ihnen nur
geschenkt vom Philishave Cool Skin, ein Rasierapparat, den Sie Ihrem Mann, falls
Sie das noch nicht getan haben, unbedingt zum nächsten Geburtstag schenken
sollten, oder zu Weihnachten, falls das näher liegt. Das ist der, wo auf Knopfdruck
Creme rauskommt und dessen Summen und handliche Form so ganz und gar nicht
an einen Apparat für Männer erinnert. Aber selbst bei Benutzung des Philishave
Cool Skin ist es überaus mühselig, den Alltag auszurichten auf die eine stachelfreie
Stunde des Tages, in der der Austausch von Zärtlichkeiten keine entstellenden
Folgen hat, die kostspielige kosmetische Operationen nach sich ziehen. Ihr
Teddybär aus alten Kindertagen hat in der Beziehung unüberfühlbare Vorteile.

2 Grund 42: Arbeiter- und Bauernhaut


Frauen haben zarte Hände, weiche Haut, wie zum Streicheln und Liebkosen
gemacht. Katzen haben sanfte Pfoten, ein samtiges Fell, selbst Raupen schaffen es,
so etwas hautschmeichelndes wie Seide zu erzeugen. Der Mann ist nur hart Auch
wenn er beruflich nicht (mehr) dem Ideal des ehemaligen DDR-Staates nachgeht,
seine Haut hat das noch nicht wahrgenommen. Schwielen und Hornhaut zieren
nach wie vor die Endausläufer seiner Extremitäten. Wenn er uns einfühlsam den
Rücken massiert, müssen wir nachher unsere Wunden desinfizieren, wenn er
sinnlich unsere erogenen Zonen berührt, überlegen wir, ob wir beim
morgendlichen Gynäkologentermin unsere Mißhandlungen mit Treppe
runtergefallen oder doch eher mit, unglücklich gegen die offen stehende
Schranktür gelaufen erklären sollen. Sämtliche Erfindungen der Körperpflege-
Industrie scheinen angesichts der Männerhaut zur radikalen Nutzlosigkeit
verdammt. Natürlich hält dieses genetisch unabänderliche Schicksal keinen Mann
davon ab, weiche Babyhaut bei seiner Frau auch im zarten Alter von
dreiundneunzigzu erwarten.

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3 Grund 43: Mami, es kratzt
Kommen wir nun zu einer Stelle in unserer Wohnung, wo die vermeintlichen
Stärken der Frau in direkte Konfrontation geraten mit denen des Mannes, kommen
wir zur Waschmaschine. Nun handelt es sich ja bei der Tätigkeit des Waschens
zweifellos um eine Jahrhundert-Domäne der Frau. Sie hat lange geübt, sie hat in
pamperslosen Zeiten eine erkleckliche Anzahl Kinder großgezogen und deren
Stoffwindeln in wiederverwendbaren Zustand gebracht, sie hat auch, als der Mann
die Hygiene entdeckte und anfing, seine Sekretärinnen zu verführen, seine täglich
wechselnden Hemden auf Vordermann gebracht. Nur, das Reich der Maschinen an
sich, das ist ja nun mal die erklärte Jahrhundert-Domäne des Mannes. Er erfindet
sie, er benutzt sie, er zerstört sie. Oder zumindest erfindet und benutzt er gern
Maschinen, die irgendwas zerstören. Wem also gehört nun die Waschmaschine?
Wer darf sie benutzen? Man könnte zu der Meinung neigen, der Mann habe hier
nichts verloren. Es geht um Waschen und Sauberkeit, also eher fremde Dinge für
ihn. Außerdem sind Waschmaschinen heutzutage so kinderleicht zu bedienen, daß
sie auch keine Herausforderung mehr darstellen, der Mann kann nicht mehr
glänzen mit hervorragenden technischen Fähigkeiten, keine Frau braucht mehr
irgendeine Erläuterung des Mannes zur Handhabung. Und außerdem,
Hauptargument gegen eine Maschinenbenutzung des Mannes: Es gibt doch gar
nichts zu zerstören. Meinen Sie. Haben Sie schon mal die Ladung Wollpullover
nach der 6o°-Wäsche mit Turboschleudergang angefaßt? Hat das haptische
Vergnügen Ihnen nicht Schauer über den Rücken gejagt? Und würde Ihr
entzückendes Kleinkind im Alter von sieben Monaten, dem Sie Ihren
Lieblingspullover, ehemals Größe 42, nun vermacht haben, nicht lauthals brüllen:
Mami, es kratzt! , so es denn schon Worte bilden könnte? Kann es nicht, aber
brüllen, das hat es schon gelernt.

4 Grund 44: Männer lieben’s blau


Schon das Neugeborene wird mit der unwiderlegbaren Tatsache konfrontiert, daß
blau die Farbe des männlichen Geschlechts ist. Die Kolorierung des ersten
Strampelanzuges legt die Dinge fest. Fortan strebt das männliche Geschlecht mit
Heftigkeit danach. Sie wollen blau sein, blaumachen, und der Gipfel des Glücks ist
es, einen Blaumann zu tragen. Und mit den, wie wir gesehen haben, dem
männlichen Geschlecht eigenen zarten, sensiblen Händen schafft er es auch
regelmäßig, Ihnen, verehrte Leserinnen, viele blaue Stellen auf Ihrer für ihn
unerträglich unblauen Haut zuzufügen. Das macht er natürlich in den meisten
Fällen nicht bewußt (ich gehe davon aus, daß Sie zumindest so klug in der
Auswahl Ihres Mannes waren, daß Sie den Schläger und Mißhandler links liegen
ließen), aber der innere Drang des Mannes zu seiner Farbe ist einfach zu stark. Hier
liegt die wahre Triebfeder, warum Männer einander immer so heftig auf die
Schulter klopfen, Boxen so lieben und ausgesprochen gern Masseur werden. Das
Ergebnis ist immer das gleiche: Laßt blaue Flecken um mich sein! Und weil die
erste und wichtigste Aufgabe der Natur immer und überall die der Fortpflanzung
40
ist, hat sie der weiblichen Hälfte eine Haut gegeben, die unverzüglich und heftig
nach derber männlicher Berührung die Farbveränderung Richtung blau durchführt
Männer haben so schon früh in der Geschichte der Evolution erkannt, daß sie ihre
Farbvorliebe am ehesten auf weiblicher Haut erzeugen können. Das große Problem
an der Sache ist nur, daß die Natur den Frauen wiederum, wie auch wir schon kurz
nach unserer Ankunft in diesem Leben erfahren, den Drang nach der Farbe rosa
zugesellt hat. Frauen mögen blau gar nicht. Sie schätzen rosige Wangen, rosige
Münder und malen ihre Wände gern in rosa an. Das Problem hat eine recht
einfache Lösung: Suchen Sie sich einen etwas anderen Mann: Sobald Sie einen
entdecken, der in der linken oder rechten Gesäßtasche ein rosa Taschentuch trägt,
greifen Sie zu. Sie können sicher sein, er hat das Potential, Ihre beste Freundin zu
werden, und wird Ihnen niemals etwas Blaues zufügen, obwohl er Ihnen, wie wir
in Grund 38 gesehen haben, durchaus mal auf die Nerven gehen kann.

5 Grund 45: Männer lieben’s rund


Direkt nach der Vorliebe für blau kommt die für rund. Alles, was rund ist, löst im
Manne den unbedingten Drang nach Berührung aus. Bälle jeder Art, Lenkräder,
Gewehrkugeln, Biergläser, Hintern, Brüste. Der Drang ist im allgemeinen
unangenehm und im besonderen haptisch inakzeptabel. Männer grapschen an
Möpse, egal, ob die sich gerade an ihrer Sekretärin, der Kellnerin oder der
Praktikantin befinden. Die Autorin hat deswegen eine Eingabe an den
Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages gemacht und um Einrichtung von
Männerräumen in jeder Gemeinde ab 2o.ooo Einwohnern gebeten. Diese Räume
sollen ausgestattet sein mit lauter runden Sachen unterschiedlicher Festigkeit:
weich und teigig, fest und prall, monströs und federnd. Ausgiebige haptische
Manipulation darf diesen Dingen nicht schaden. jeder männliche Bewohner über
vierzehn muß mindestens zwei Stunden des Tages in diesen Räumen verbringen.
Bis dato liegt noch keine Antwort des Petitionsausschusses vor, aber die kann nicht
mehr lange auf sich warten lassen. Der Ausschuß ist vornehmlich männlich
besetzt, und die Autorin wählte einen runden Briefbogen, verschickte ihn in einem
runden Briefumschlag und lief sich die Hacken nach einer runden Briefmarke ab.

6 Grund 46: Männer lieben’s handlich


Ganz abgesehen von ihrem Bedürfnis nach rund, wollen Männer überhaupt immer
irgend etwas in der Hand haben. Sie sind unglücklich und depressiv, wenn sie
nichts fühlen. Da sie selten etwas fühlen in ihrem Inneren, wollen sie es halt
handfest spüren. Das ist der Grund, warum sie so gern handwerkeln, schwere
Sachen tragen, den Frauen in den Mantel helfen, ihnen die Türen aufhalten. Sie
spüren etwas, sie fühlen sich lebendig, sie fühlen sich eins mit ihrer Umwelt.
Lassen wir sie es also tun, liebe Leserinnen, lassen wir sie schrauben, drehen,
hämmern und nageln, lassen wir sie den Umzug alleine erledigen, nehmen wir
auch beim sommerlichen Restaurantbesuch einen leichten Mantel mit, den er uns

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beim Verlassen liebevoll von der Garderobe holt, treten wir durch keine Tür, die er
nicht fest in seinen Händen hält. (Letzteres insbesondere, wenn es sich um einen
Mann aus unseren neuen Bundesländern handelt, siehe auch Grund 79! ) Wir
machen ihm das Leben leichter, und er hat es doch schon schwer genug. Finden Sie
nicht?

7 Grund 47: Streicheleinheiten


Sehr lästig ist ja auch, daß es Männern nicht reicht, tagein, tagaus irgend etwas
manuell zu manipulieren, nein, sie erwarten auch noch, daß irgend jemand sie
tagein, tagaus begreift, im doppelten Sinn des Wortes. Kommt er gestreßt von der
Arbeit nach Hause, wünscht er eine behutsame Stirn- und Kopfmassage, liegt er
am Strand in der Sonne, will er den Rücken eingecremt haben, und schon als Baby
schreit er früher und häufiger als seine Schwester, wenn er nicht ständig den Bauch
begrabbelt bekommt. Mütter wissen das und geben ihren kleinen Jungs instinktiv
mehr Berührung - wenn sie dazu kommen, denn...

8 Grund 48: Der haptische Vater


... wenn der Mann Vater wird, kann die frischgebackene Mutter meist nur noch
staunen. Was sie da beobachtet, hat sie nicht für möglich gehalten. Nun gut, sie hat
ihn auf Plakaten und in Filmen gesehen, den neuen Vater, auf dessen makelloser
nackter Haut sich das glückliche Baby tummelt. Aber daß ihr eigener, eher
grobschlächtiger, blaue Flecken zufügender Mann zu solcher Sanftheit fähig ist,
das hätte sie nie geglaubt. Es gefällt ihr zunächst ausgesprochen. Das Baby schläft
in Papas Armen, das Baby scheint es wirklich zu genießen, das erste Lächeln im
zarten Alter von fünf Wochen wird Papa geschenkt, er ist es, der mit achtsamen
Händen den ersten aufrechten Sitz stützt, und das erste Wort, daß der Nachwuchs
ein wenig später von sich gibt, lautet: Papa.
Das ist dann ungefähr der Moment, an dem sie das ungute Gefühl, das sich seit
Monaten in der neuen Mutter breitmacht, nicht mehr ignorieren kann. Der
haptische Vater hat alle Zärtlichkeit, zu der er fähig ist, für das Baby reserviert, die
Mama kriegt davon nichts, aber auch gar nichts. Vorsichtiges Nachfragen führt nur
zu Äußerungen wie: Was hast du denn, du wolltest doch immer, daß ich mich um
den Nachwuchs kümmere. ja, wollte sie, aber nicht ausschließlich. Sie hatte sich
nicht vorgestellt, daß aus ihrem Mann und dem Baby ein symbiotisches Paar wird.
Und was meint Papa, wenn Mama sich schließlich gar nicht mehr zu helfen weiß
und mit Trennung droht: O.k., kein Problem, aber das Kind gehört mir. Beim
nächsten Mal sollten Sie sich, liebe Leserin, daran erinnern, daß die Wissenschaft
inzwischen weit fortgeschritten ist, das nächste Kind könnten Sie auch ohne Hilfe
Ihres Mannes kriegen, es gibt ja die gute Einrichtung der Samenbank. Oder
vielleicht fragen Sie mal nach bei Ihrem Freund mit dem rosa Taschentuch. Der
macht auch schon mal ’ne Ausnahme für einen guten Zweck.

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9 Grund 49: Feinmotorische Schwäche
Die Wissenschaft behauptet, daß Frauen und Männer sich im Hinblick auf ihre
motorischen Fähigkeiten unterscheiden. Die Stärke des Mannes läge im
grobmotorischen, die der Frau im feinmotorischen Bereich. Das ist äußerst
ärgerlich. Zum einen führt es zu einer Menge Glas- und Porzellanbruch beim
Spülen, Tischdecken und Abräumen, zum anderen gibt es ihm ein prima
Argument, sich nicht mehr mit so lästigen Dingen wie Knöpfe annähen oder
bügeln zu beschäftigen. Liebling, du weißt doch, daß ich das nicht so gut kann wie
du, meint er schmeichelnd und setzt sich vor den Fernseher. Dort benutzt er die
Fernbedienung ohne jegliche feinmotorische Behinderung, genau wie sein Handy,
das nicht klein genug sein kann, oder er sortiert nach dem Ikeabesuch fein
säuberlich die mitgelieferten sechshundertfünfundvierzig Nägel, Schrauben und
Muttern und läßt sie ihrem geplanten Ort zukommen. Das gibt uns zu denken.
Könnte es sein, daß die feinmotorischen Schwächen des Mannes eine Erfindung
des Mannes sind, um sich vor unliebsamen Arbeiten zu drücken? Im übrigen, liebe
Leserin, können Sie seine Argumentation leicht umdrehen: Mann sollte die Dinge,
die er nicht oder schlechter kann, besonders üben, nicht wahr?

10 Grund 50: Grobmotorische Stärken


Bezweifeln wir die behaupteten feinmotorischen Schwächen des Mannes, so
können wir die grobmotorische Überlegenheit nur bestätigen. Alles, was
Muskelkraft erfordert, gelingt ihm im allgemeinen leichter. Er ist auf eine
entsetzlich entmutigende Art stärker und schneller, sobald es um körperliche
Aktivitäten geht. Er wirft weiter, er springt höher, er spurtet schneller. Da können
Sie noch so viel trainieren, keine Chance, die Natur hat ihn dazu geschaffen, den
Mammut zu verfolgen, brachial zu erledigen und nach Hause zu schleppen.
Unbestätigte Gerüchte, daß es in Urzeit-Matriarchaten mal anders gewesen ist,
lassen wir an dieser Stelle außer acht.
Aber es gibt eine Möglichkeit, die schreckliche Überlegenheit des Mannes auf
körperlichem Gebiet zu übertreffen. Sie, verehrte Leserin, haben nämlich einen
Vorteil: Sie sind ausdauernder. Der weibliche Körper ist auf diesem Gebiet stärker.
Das kommt allerdings erst nach langer Zeit zum Tragen. Ihre Ausdauer muß
sozusagen viel Ausdauer zeigen. Fordern Sie ihn heraus! Zeigen Sie ihm, wer die
wirklich Stärkere ist! Beschämen Sie ihn! Laden Sie ihn ein zu einem besonderen
sportlichen Wettkampf, dem Ironman! Im Ironman schwimmen Sie 3,8 km, radeln
18o km und laufen anschließend noch einen kleinen Marathon von 42,195 km.
Noch liegt der Mann vorn. Aber er hat keine Chance. Sie müssen nämlich jetzt nur
noch viermal starten und jedesmal 3,8 km schwimmen, 18o km radeln und 42,195
km laufen, also insgesamt 19 km im Wasser, 900 km auf dem Rad und 210,975 km
Laufstrecke, und da kommt dann kein grobmotorischer Mann mehr mit. Wenn er
vollkommen fertig ins Ziel schleicht, haben Sie bereits nach einer ausgiebigen
Dusche den vierten Isodrink zu sich genommen und erwarten ihn lächelnd und

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ganz entspannt: Hi, Schneckchen, auch schon da? Das sollten Sie sich auf keinen
Fall entgehen lassen.

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7. Die hygienischen Gründe
1 Grund 51: Handtücher
Lassen wir nun die sinnlichen Gründe hinter uns und beschäftigen wir uns ein
wenig mit den hygienischen. Wir wissen alle, daß da beim Manne vieles im Argen
liegt. Der Hauptort seiner Arglist dürfte zweifelsohne das Badezimmer sein. Sie
lieben trockene Handtücher, liebe Leserin, wenn Sie aus Bad oder Dusche steigen?
Sie hüllen sich gern in ein großes, weiches Badetuch und umwickeln ihre frisch
gewaschenen Haare am liebsten mit einem kleineren, das sich turbanartig
zusammenstecken läßt? Sie nähern sich der perfekten äußeren Erscheinung der
Models aus der Duschgel-Werbung, die glücklich und entspannt ihre
solariumsgebräunten Schultern zeigen und unter dem vielversprechenden Ansatz
ihres Busens ein blütenweißes Stück Frottee tragen?
Vergessen Sie es! Wenn Sie mit einem Mann leben, werden Sie lebenslang auf
tropfnasse, zusammengeknüllte Tücher treffen, die Sie alles andere als
duschgelmodelmägig aussehen lassen, wenn Sie versuchen, damit Ihren Körper zu
verhüllen. Sie können noch so viele Handtücher ins Bad hängen, Sie können ihm
noch so oft erklären, welches davon ihm, welches Ihnen gehört, er kann es einfach
nicht behalten. Vermutlich findet sich hier ein von der Hirnforschung noch nicht
entdecktes genetisches Phänomen, das den Mann unfähig sein läßt, Handtücher
durch irgendein Merkmal wie Größe, Farbe, Muster oder Umrandung zu
unterscheiden. Wir warten auf den Tag der Entdeckung. Dann dauert es gemeinhin
nicht mehr lang bis zum möglichen Eingriff. Wunderbare Zeiten trockener,
weicher, hautschmeichelnder Handtücher warten auf uns.

2 Grund 52: Reste


Männer hinterlassen grundsätzlich Reste. Sie lieben Reste (Gott bedachte das im
übrigen, wie wir in Grund 20 erfahren haben, sensibel, als er/sie/es das Liebesspiel
erfand), sie möchten sich nicht von ihnen trennen. Bleiben wir im Badezimmer.
Betrachten wir die Seifenschale. Aus dem gut in der Hand liegenden, ergiebigen
Stück Reinheit ist ein kärgliches Etwas geworden. Gut in der Hand liegt es schon
lange nicht mehr, und von Ergiebigkeit kann auch seit Wochen keine Rede mehr
sein. Der größere Teil seines ehemaligen Seifenkörpers klebt mittlerweile fest in
der Schale. Verziert mit Haaren, Staub und Milben, wobei wir zugeben, daß unser
scharfes Auge letztere nicht sehen, unsere blühende Phantasie uns diese aber
bildlich vorstellen läßt. Mit dem, was nicht klebt, wäscht sich der Mann nach der
Erledigung seines Bedürfnisses die Hände, so er es denn nicht vergißt. Wir haben
den Seifenrest diverse Male moniert, die endgültige Entsorgung gefordert, aber da
beweist uns der Mann wieder einmal seinen akustischen Mangel. Und seine Liebe.
Zu Resten. Und seine verblüffende ökonomische und ökologische Orientierung.
Sollten Sie versuchen, verehrte Leserin, den Rest im Kosmetikeimer, der natürlich
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nur für Ihre Belange vorhanden ist und für den er keine Verwendung findet, zu
entsorgen, wird er Ihnen seine ökonomische und ökologische Orientierung zeigen.
Sie finden das alte Stück schmieriger Seife wieder da, wo sie es vor wenigen
Stunden entfernt haben, in der Seifenschale. Sie werden sich entscheiden müssen:
ästhetisch akzeptable Seifenschale oder Mann.

3 Grund 53: Vor dem Essen, nach dem Essen...


Die eben in Zusammenhang mit Händewaschen erfolgte beiläufige Erwähnung im
Nebensatz: so er es denn nicht vergißt, sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen,
daß er es oft vergißt. Zu oft.

4 Grund 54: Machtlose Sauger


Wir hatten schon auf die optischen Mängel des Mannes hingewiesen, der sich in
mehr oder minder fortgeschrittenem Alter seiner Haarpracht entledigt. Von einem
anderen Standpunkt aus betrachtet wird daraus ein hygienischer Grund. Seine
Haare verschwinden nicht einfach von seinem Haupt und lösen sich in nichts auf
Sie beamen nicht einfach auf einen anderen Planeten oder ins Weltall. Sie bleiben
hartnäckig bei uns. Wir finden sie in der eben erwähnten Seifenschale, wir
entdecken sie neben Hassos Fellhaaren auf dem Teppichboden (selbst der gute alte
Vorwerk, ein fähiger Sauger, mit der einen oder anderen verblüffenden Eigenschaft
begabt, erweist sich da als machtlos), sie tummeln sich auf dem Bettuch, sie fristen
ihr entwurzeltes Dasein auf der Wohnzimmercouch. Wir hatten es schon immer
vermutet, der Mann ist in Wirklichkeit ein Tier, ein Felltier. Und die haaren nun
einmal pausenlos. Aber wir können uns glücklich schätzen: im Gegensatz zum
Haustier, das diese Eigenschaft bis zu seinem Lebensende pflegt, legt der Mann sie
mit Erreichen der Vollglatze wieder ab. Das sollten Sie bedenken, liebe Leserin,
wenn Sie gerade mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund oder einen Mann
anzuschaffen.

5 Grund 55: Im Stehen


Als Gott eigentlich schon fertig war mit der Schöpfung, hatte er noch zwei
Fähigkeiten zu verteilen. Er betrat Eden durch den Westeingang und suchte seine
beiden Menschen. Eva hatte gerade wahnsinnig Lust auf Obst und wollte den
schönsten Baum des Paradieses finden. Der erwies sich als Apfelbaum, und sie
fand ihn am Ostausgang, wo sie und ihr Mann am nächsten Tag hochkant
rausgeschmissen wurden. Aber das ist eine andere Geschichte. Gott sah Adam, der
gerade in der Sonne rumlag und ein bißchen mit seinem Schwänzchen rumspielte.
He, Adam, ich hätte noch zwei schöne Geschenke.
Wow, Geschenke, Geschenke! rief Adam und schaute Gott freudig und etwas debil
an. Gott schaute gnädig zurück und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin.
Es klang ein wenig wie: Vielleicht hätte ich Adam doch ein bißchen mehr

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Sprachbegabung geben sollen, aber das konnte nicht wirklich verifiziert werden.
Sicher ist, daß er sagte:
Also, da wäre noch die Fähigkeit, im Stehen zu pinkeln, und ... Adam hielt immer
noch sein Schwänzchen in Händen und überlegte nicht lang.
Haben, haben, haben! rief er, Gott leichtfertig unterbrechend.
Na gut, meinte Gott großmütig, dann bekommt Eva den multiplen Orgasmus.
Klasse, schrie Adam, klasse, klasse! und begab sich sogleich in die aufrechte
Stellung. Was ein multipler Orgasmus sein könnte, war ihm schleierhaft und
insofern vollkommen schnuppe. Aber seine neue Fähigkeit probierte er gleich aus.
Und die machte wahnsinnig Spaß. Er pinkelte im hohen Bogen durch Garten Eden.
Gott wollte ungern getroffen werden und machte sich schleunigst von dannen,
Adam brüllte ihm noch ein begeistertes Dankeschön hinterher. Dann bepinkelte er
alle Bäume und Büsche seiner Umgebung und wünschte sich zum ersten Mal in
seinem Leben einen anderen Mann, damit er sich mit ihm im Weitpinkeln messen
könne. Eva besorgte ihm den schon bald nach ihrem Rauswurf gleich doppelt, und
auch Kain und Abel waren sehr froh, daß ihr Papa richtig gewählt hatte. Alle
Männer bepinkelten fortan durch Jahrtausende der Zivilisation alles, was sie
erwischen konnten, mit großem Vergnügen, wobei neben den Bäumen die
unübertroffenen Favoriten Toilettenbrillen, Unterführungen und U-Bahntreppen
wurden.

6 Grund 56: Das Häutchen


In aus hygienischer Sicht betrachtet interessanten Ländern dieser Erde hat man(n)
schon vor langer Zeit ein Ritual erfunden, das dem gemeinen christlichen
männlichen Europäer oder Amerikaner die Haare zu Berge stehen läßt. Kurz nach
der Geburt eines männlichen Kindes, in einigen Völkern auch kurz vor Eintritt der
Pubertät, schneidet man das kleine überflüssige Häutchen an des Mannes liebstem
Spielzeug ab. Mit fulminantem Ergebnis: Die Gebärmutterhalskrebsraten bei
Frauen dieser Länder oder Völker tendieren gen Null. Offensichtlich beinhalten die
diversen Sekrete, die sich hierzulande unter dem kleinen Häutchen sammeln,
krankheitsfördernde Bestandteile. Natürlich gibt es die Möglichkeit, diese durch
bestimmte hygienische Maßnahmen, allgemein als konsequentes Waschen
bekannt, auch ohne Beschneidung zu entfernen. Aber seien wir realistisch, welcher
Mann ist da schon konsequent? Welcher Mann begibt sich, wenn ihn die Lust
überkommt, jedesmal ins Bad, um seinen Paul-Franz-Erich-Fritz (laut Internet-
Umfrage die häufigsten Namen für IHN) zu reinigen? Und was ist, wenn die Lust
ihn beim Picknick im Wald im Großraumabteil des ICE oder in der Businessclass
des Lufthansafluges München-Köln überfällt? Wer unterbricht die eingeleitete
fleischliche Umarmung und sagt: Entschuldigung, ich muß kurz mal unter dem
Häutchen meines Paul-Franz-Erich-Fritz die Gebärmutterhalskrebs auslösenden
Sekrete entfernen?

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7 Grund 57: Nagelphobie
Männer mögen keine Nägel. Sobald sie irgendwo welche entdecken, greifen sie zu
schweren Hämmern und prügeln brutal auf deren Köpfe ein. Wenn sie an sich
selbst welche entdecken, müssen die auf der Stelle so weit als möglich eliminiert
werden, sowohl Finger- als auch Fußnägel. Ekel Alfred in der unvergessenen Serie
Ein Herz und eine Seele machte vor, wie das am besten geht. Die Männerwelt hatte
fortan ein neues Vorbild.
Frönte sie bis dato dem Schnitt der Fußnägel vornehmlich in Badezimmern, zog
die neue Generation der Männer an den Küchentisch um. Und weil der Mann gern
im Zentrum des Geschehens steht, weil er außerdem die Zusammenrottung liebt,
werden die Nägel nun gekürzt, wenn die ganze Familie beisammen sitzt: beim
Abendessen in der Woche, am Wochenende auch schon mal beim Frühstück oder
Mittagessen. Er lehnt es im übrigen ab, dabei die Nagelschere zu benutzen, bei der
das Horn im Allgemeinen unmittelbar vor den Fuß fällt und dort gut sichtbar zum
Aufheben und Entfernen auffordert. Er bevorzugt den praktischen Nagelknipser,
bei dem das Horn fein durch die Küche fliegt und auf Regalbrettern, in Kochtöpfen
und in dampfenden Suppentellern landet. Wir ersparen uns an dieser Stelle die
weitere Verfolgung der Nagelendstücke auf ihrem Weg zur Entsorgung und
schreiten unmittelbar weiter zu Grund 58.

8 Grund 58: Schuppen


Männer haben Schuppen. In dieser Hinsicht sind Fische zu bevorzugen. Und die
geben nach ihrem Ableben auch noch eine schmackhafte Mahlzeit ab.

9 Grund 59: Nochmals kleine Pferdchen, diesmal weisse


Der Vater der Autorin war Pferdenarr, vor allem weiße Pferde liebte er abgöttisch.
Er nannte sie seine besten Freunde. Es scheint, daß er in der Männerwelt nicht
allein stand mit dieser Eigenschaft. Hierin liegt ein Grund, warum Sie, verehrte
Leserin, Ihr Haus oder Ihre Wohnung nie länger als höchstens ein bis zwei Tage
verlassen und der Obhut Ihres Mannes anvertrauen sollten. Bleiben Sie länger fort,
werden Sie weiße Pferde antreffen, viele weiße Pferde. Schimmel in allen Ecken,
auf den Böden ungespülter Gläser und natürlich zuhauf dort, wo sich der Schimmel
eigentlich gar nicht gern aufhält, in Ihrem Kühlschrank. Aber Ihr Mann hat es
geschafft, auch diesen an sich unwirtlichen Ort für seine besten Freunde reizvoll zu
machen.

10 Grund 60: Die Kehrseite


Keine Regel ohne Ausnahme, nicht neun hygienische Gründe, die den Mann als
dreckliebendes Schmuddelwesen erscheinen lassen, ohne einen, der zeigt, daß es
auch ganz anders sein kann. Rein statistisch jeder zwölfte Mann ist extrem sauber
und ordentlich. Seien Sie gewarnt. Sie werden keine Freude an ihm haben.

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Zugegebenermaßen finden Sie hier weder Schimmel noch Schuppen noch Hörner
noch Sekrete noch nicht einwandfrei entfernte Bedürfniserledigungsspuren noch
Seifenreste noch nasse, zerknüllte Handtücher.
Aber Sie finden auch nicht die Spur von Gemütlichkeit. Schon an der Haustür
müssen Sie Ihre Straßenschuhe ablegen und in die in jeder Größe bereitstehenden
antistatischen Gummipantoffeln schlüpfen. Das Wohnzimmer ist steril wie die
neurochirurgische Intensivstation des Universitätskrankenhauses, alle Möbel sind
in den beim Kauf mitgelieferten Klarsichthüllen verblieben, und so Sie nicht längst
fluchtartig sein Reich verlassen haben, wird er vor Vollzug des Geschlechtsaktes
penibel ein Handtuch im unteren Drittel des Bettes positionieren. Na, das macht
Lust, oder?

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8. Die horoskopalen Gründe
1 Grund 61: Widder
Weibliche Widder sind die liebenswertesten Personen unter der Sonne. Sie sind im
genau richtigen Maße selbstbewußt, haben sympathische Führungsqualitäten,
können sich durchsetzen, ohne anderen das Gefühl zu geben, nicht beachtet zu
werden, sind interessante Gesprächspartner, die gut zuhören, aber auch äußerst
unterhaltsam erzählen können. Die Autorin möchte klarstellen, daß die Tatsache,
daß sie selbst zu dieser überaus bemerkenswerten weiblichen Gruppe der
Tierkreiszeichen gehört, ihre Objektivität der Beurteilung nicht im mindestens
einschränkt.
Aber, verehrte Leserin, versuchen Sie nicht, mit einem männlichen Widder
zusammen zu leben. Sie gehen unter, erbarmungslos. Er ist rechthaberisch,
jähzornig und strotzt nur so vor Eigendünkel. Er streicht in einer Nacht- und
Nebelaktion Ihre Wohnung dunkelgrün, weil er das gerade angesagt findet, und er
bucht einen Urlaub (natürlich für Sie mit), in dem Sie zusammen mit Rüdiger
Nehberg (dem Typ, der dauernd im TV erklärt, wie man allein im Urwald überlebt)
zwei Wochen nichts anderes zu essen kriegen als rohe Würmer und unreife Beeren.
Und in dem Sie Ihr neues, seidenes, rückenfreies Abendkleid nur den Bären und
Wölfen vorführen können, die mal vorbeischauen, um sich anzusehen, welche
Idioten denn da freiwillig zu Besuch kommen, und deren kulinarischen
Vorstellungen von einem schmackhaften Abendmenü Sie sehr nahe kommen. Vom
Widder muß also unbedingt abgeraten werden.

2 Grund 62: Stier


Was nicht heißen soll, daß Sie einen Stier nehmen sollten. Er ist ein Erdzeichen,
ganz und gar ungeeignet für eine Beziehung. Sie brauchen zwar keine
dunkelgrünen Wände oder Survival-Urlaube zu befürchten, aber Sie werden auch
keine sonstigen Überraschungen erleben. Bevor der Stier zu einer Aktion aufbricht,
hat er jahrelange Planung hinter sich, die Finanzierung restlos geklärt, die Rente
gesichert, alle notwendigen Versicherungen und Zusatzversicherungen
abgeschlossen und sein Testament gemacht. Bis dahin ist er ungefähr
dreiundachtzig geworden und nun zu alt für die Aktivität, die er mit siebzehn
begonnen hat vorzubereiten.

3 Grund 63: Zwilling


Der Zwilling-Mann wird Sie weder mit neugestrichenen Wänden noch mit der
lebenslangen Vorbereitung eines Plans beglücken. Rastlos und oberflächlich,
immer hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Möglichkeiten, die allesamt
ungemein verlockend klingen, kann er sich ein ganzes Leben lang nicht zu irgend
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etwas durchringen. Würde er das tun, müßte er alle anderen Möglichkeiten
ausschließen, und das wäre doch allzu schade. Insofern wird sich ein Zwilling auch
nie wirklich für Sie entscheiden. Aber das kommt ja eigentlich ganz günstig, oder?

4 Grund 64: Krebs


Der Krebsmann ist in erster Linie eins: langsam. Sie kommen mit einem
Krebsmann zu spät, grundsätzlich. Wenn Sie zum Abendessen geladen sind,
machen Sie sich darauf gefaßt, gerade noch den letzten Rest des Nachtisches bei
Ihrem Gastgeber zu sehen, und den auf dem Löffel, den die Frau des Gastgebers
gerade in ihren Mund schiebt, wenn Sie Ihren Mantel ablegen. Im Kino erwischen
Sie, wenn Sie Glück haben, das Happy- End oder den Showdown in einem
Actionfilm, und beim Konzert können Sie gleich in den Schlußapplaus
einstimmen, wenn Sie den Saal betreten.
Gewisse Vorteile ergeben sich natürlich beim Sex. Für einen OneNight-Stand ist
der männliche Krebs nicht unbedingt ungeeignet. Sie werden viel Zeit haben, Ihren
Höhepunkt in aller Ruhe reifen und kommen zu lassen, sie brauchen allerdings
auch’ne Menge Geduld. Es dauert noch ein bißchen, bis Sie die Zigarette danach
rauchen können.

5 Grund 65: Löwe


Napoleon Bonaparte, Kaiser Maximilian 11., Bill Clinton, Henry Ford, Robert de
Niro, Robert Redford, Alfred Hitchcock, Yves Saint Laurent. Der Löwe-Mann ist
erfolgreich, männlich, selbstbewußt. Oder auch karrierebesessen, machohaft und
egozentrisch. Er ist immer oben, auch im Bett. Wenn ein Löwe-Mann Sie
ausersehen hat als seine Gefährtin, machen Sie sich auf heftigste Belagerung
gefaßt: Einladungen, Briefe, Faxe, Emails, Telefonate, Nachrichten auf dem
Anrufbeantworter. Sie erleben keine Minute des Tages mehr, an denen er Sie nicht
in irgendeiner Weise erobert. Leider verschafft ihm die Erstürmung der Festung
mehr Genug als der letztendliche Besitz. Und so gern er erobert und kämpft, so
gern er draußen im beruflichen Leben in Konkurrenz tritt, so wenig mag er zu
Hause den Paschaplatz in Frage gestellt sehen. Er erträgt Widerspruch nur bis zu
einer sehr eng gefaßten Grenze, er mag Machtkämpfe mit Frauen gar nicht. Im
Grunde seines Herzens ist er erzkonservativ, und er glaubt den Platz seines
Weibchens da ganz richtig, wo er sich seit 5000 Jahren Patriarchat befindet. Wobei
Sie nicht mal ein bequemes Hausfrauen- und Mutterdasein führen können. Das
findet er nämlich langweilig, und er hält sich auch für den offensten, modernsten,
progressivsten Menschen unter der Sonne. Er erwartet eine faszinierend schöne
und auch kluge Frau, die es zuwege bringt, sich ihm so unbemerkt unterzuordnen,
daß es aussieht wie Emanzipation. Puh, und das ist sehr, sehr anstrengend.

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6 Grund 66: Jungfrau
Der Jungfrau-Mann ist der typische Vertreter der Spezies, die bei einem Besuch
mal kurz mit dem Finger über das Stück Holz fährt, das zwischen Büchern und
Regalrand liegt, und mit angeekeltem Gesicht ins Bad läuft, um den Schmutz von
den manikürten Händen zu entfernen. Er leidet ganz allgemein unter einer
ausgeprägten Kritiksucht, was andere betrifft. Selber reagiert er allerdings
ausgesprochen empfindlich auf jeden kleinsten Hinweis, daß mit ihm irgend etwas
nicht in Ordnung sein könnte. Er legt den höchsten Wert auf Wahrheit,
Pünktlichkeit und Konsequenz. Ein gutes hat zumindest letzteres. Bei ihm ist
vorbei, was vorbei ist. Wenn Sie ihn verlassen sollten, wird er Sie nie mehr durch
nervende Versuche, Sie zurückzugewinnen, belästigen.

7 Grund 67: Waage


Der Waage-Mann ist oberflächlich. Das ist sehr wörtlich zu nehmen. Zunächst
einmal betrachtet er die Dinge grundsätzlich von außen. Ihr Wesen interessiert ihn
wenig, ihre äußere Erscheinung um so mehr. Mit einem Waage-Mann können Sie
es sich nicht leisten, am Morgen so auszusehen, wie Sie nun mal morgens
aussehen: verknautscht, verstrubbelt, verpennt und auch schon mal verkatert. Der
distanzierte Blick seiner Augen, das leicht ekelverzerrte Gesicht verdirbt Ihnen den
Tag, kaum hat er angefangen, schon gründlich.
Wenn der Waage-Mann Ihnen von einem Erlebnis erzählt, erfahren Sie alles vom
Wetter über die Kleidung der Menschen bis hin zur Farbe der Tischdecke im
Restaurant. Er kann Ihnen bis ins Detail die Krawatte des Kellners beschreiben,
aber wenn Sie ihn fragen, was der denn wohl gefühlt haben mag, als er mit dem
vollen Tablett ausrutschte und neun Weingläser, vier Portionen Jägerschnitzel, drei
Frühlingssalate mit Putenfleisch und eine vegetarische Lasagne im Restaurant
verteilte, wird er Sie verblüfft anstarren. Gefühlt? Keine Ahnung.
Gefühle sind innen, das ist unbekanntes Terrain für den Waage-Mann. Lästig ist,
daß seine fatale Tendenz zum Außen sich selbst bei Krankheiten bemerkbar macht.
Die tummeln sich bei ihm immer auf der Haut. Wir leben mit Neurodermitis,
Ekzemen und Akne, wenn wir mit einer Waage leben. Und gern quält ihn (und in
Folge uns) ein unspezifischer Juckreiz. Sehr unangenehm.

8 Grund 68: Skorpion


Der Skorpion ist meist von mittlerem Wuchs und kräftigem, doch insofern
unproportioniertem Körperbau, als daß die Beine im Verhältnis zum Oberkörper zu
kurz sind. Das ist nicht besonders attraktiv, aber damit könnte man ja noch leben.
Er ist auch meist charmant, gesellig und von guter Gesundheit. Was einen
Skorpion inakzeptabel macht, ist seine ununterbrochene Lust. Er will einfach
immer, von morgens bis abends, tagein, tagaus, wochentags, sonntags, Frühling,
Herbst, Winter, Sommer. Ungetrübt von allen zyklischen Mißstimmungen, denen
wir Frauen unterliegen, winkt uns sein Stachel stets freudig aufrecht entgegen.
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jedes Wollen und Tun wird durch seine ungebrochene Triebkraft geleitet, die Welt
wird beurteilt durch die Brille des Sex. Seine Instinkte sind schlichtweg
übermächtig. Das ist einfach zu erschöpfend.

9 Grund 69: Schütze


Der Schütze-Mann hält sich für was Besonderes. Er denkt, er ist ein Tausendsassa,
und wehe, Sie bestätigen ihm das nicht tagein, tagaus. Er ist selten entspannt,
dauernd bedacht auf seine Wirkung, unablässig beobachtend und wahrnehmend,
wie er gerade ankommt. Er hat diese Aura des Schauspielers Klaus Maria
Brandauer, ständig hat man das Gefühl, er steht, wie seinerzeit die Lenorfrau,
neben sich, klopft sich auf die eigene Schulter und meint: Bin ich nicht
phantastisch? Wenn Sie ihn auf einer Fete suchen, finden Sie ihn sicher neben der
attraktivsten, aufregendsten Frau, und wenn Sie ihn da nicht finden, wird die
attraktivste, aufregendste Frau auch nicht mehr da sein, jedenfalls wenn sie blond
ist. Aber vergnügen Sie sich einfach mit dem Mann, der gerade strahlend und vor
Selbstbewußtsein strotzend auf Sie zukommt, der ist auch Schütze, Sie werden
einen interessanten Abend verbringen. Aber hüten Sie sich davor, ihn mit nach
Hause zu nehmen, auch wenn Sie blond sind.

10 Grund 70: Steinbock


Den Steinbock müssen Sie auf dem Fest nicht suchen. Der ist immer da, wo es sich
gehört, also neben Ihnen, wenn er Ihr Mann ist. Schatz, das tut man aber nicht!
wird einer der häufigsten Sätze sein, den Sie vom Steinbock hören. Er hat die
Vernunft gepachtet und weiß immer und zu jeder Gelegenheit, was sich gehört und
was nicht. Er ist ätzend erwachsen und der wahre Schwiegermuttertraum: fleißig,
strebsam, Sicherheit schaffend und bietend. Und Schwiegermütter haben in der
Regel auch wenig gegen seine Sparsamkeit, die wir eher Geiz nennen mögen, seine
mangelnde Risikobereitschaft und diese blaßblaue Aura von entsetzlicher
Langeweile, die er Ruhe und Gemütlichkeit nennt. Der Steinbock ist der typische
Vertreter der Missionarsstellung im Bett. Da fühlt er sich wohl, da kann er sich
ausleben und, offen gestanden, mehr Vorstellungskraft besitzt er auch nicht.
Originalität, Erfindungsgabe, Phantasie sind nicht seine Stärke. Warum
Wassermann und Fische nicht erwähnt werden Sie brauchen nicht zu überlegen, ob
Sie mit einem Wassermann leben wollen, ein Wassermann würde nicht mit Ihnen
leben wollen. Fische sind Fische. Der Rake Verlag plant eine weitere Ausgabe
dieser Buchreihe zum Thema: 101 Gründe Ohne Gräten zu leben. Die Autorin
möchte den Nachfolgenden nicht vorgreifen.

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9. Die ostzonalen Gründe
1 Grund 71: Schlafzimmer
Schauen wir uns mal ein wenig bei unseren immer noch neuen Nachbarn im Osten
um und begeben uns gleich ins Schlafzimmer. Nicht überraschend ist, daß der
ostdeutsche Mann sein Schlafzimmer, genau wie seine Kollegen aus dem Westen,
mit Betten, Kleiderschränken und Nachttischen ausstattet. Überraschend ist, daß,
nachdem wir auf der gesamten Fahrt über die A 4 durch Thüringen bis nach
Zwickau, Westsachsen, keinen einzigen Trabi oder Wartburg mehr bestaunen
durften, wir hier im Schlafzimmer noch die gesammelte Pracht sozialistischer
Vorstellung von Schlafkultur bewundern dürfen. Eine karge Vorstellung. Die
Betten sind quabbelig und durchgelegen, die Schränke mit Plastegriffen verziert
die Nachttischchen in einer Farbe gestrichen, für die wir im Westen nicht mal ein
Wort haben.
Alle Neuinvestitionen, die seit 1989 getätigt worden sind, scheinen den Einzug ins
Schlafzimmer verpaßt zu haben. Und die Temperatur überschreitet im Winter mit
1, 5° Celsius knapp die Frostgrenze. Man heizt das Schlafzimmer nicht.
Grundsätzlich nicht. Warum eigentlich nicht? Gilt doch der aufgeklärte Ossi als
sexfreudig, und er zieht sich auch gern nackt aus, FKK war schließlich Volkssport
im deutschen Osten. Bekanntlich führt doch Frieren beim Sex selten zu
gesteigertem Genuß. Aber da liegt das Problem. Die DDR hatte die bürgerliche
sexuelle Verklemmung hinter sich gelassen, man schlief sich munter durch die
Gegend, zumal das AIDS-Virus den Sprung über die Mauer nur äußerst selten
wagte. Nur das mit dem Genuß, das war (und ist) halt so eine Sache. Genuß ist
dekadent und imperialistisch, den mußte man so weit wie möglich verhindern, und
in bezug auf Sex geht das am einfachsten mit einer Schlafzimmertemperatur um
die 1,5° Celsius und nackten realexistierenden Körpern beim FKK. Klug gedacht,
hat funktioniert!

2 Grund 72: Gebäude


Bevor man sich ins Schlafzimmer begibt, hat man natürlich das Haus von außen
gesehen, die Straße, in der das Haus steht, und den Ort, in dem die Straße liegt, in
der das Haus steht. Das alles ist sehr ernüchternd. Wenn Sie, liebe Leserin, ein
ostdeutsches Exemplar der Gattung Mann wählen, das Sie auch noch dazu
überredet, in seine Heimat zu kommen, und nicht Ihnen und dem Ruf des Westens
folgt, müssen Sie Gebäude, Straße und Ort ständig betrachten. Depressive
abgeblätterte Häuserfassaden würden Sie anstarren, gäben die blinden Fenster noch
einen Blick her. Oft genug können Sie selbst die Blindheit der Fenster nicht mehr
betrachten, sondern blicken auf Zerbrochenes oder Vernageltes oder sehen gleich
nur noch ein Loch, bei dem Sie nur noch an der Form erkennen können, worum es
sich ehemals gehandelt hat. Vielleicht erwischen Sie aber auch einen renovierten
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Plattenbau. Die sind jetzt schön bunt von außen und auch innen hat ein wenig
Farbe Einzug gehalten. Und wenn Sie zum Fenster rausschauen, sehen Sie in zehn
Meter Entfernung noch einen schönen bunten Plattenbau und rechts daneben noch
einen und links daneben auch noch einen. Und wenn Sie auf der Rückseite der
Wohnung zum Fenster rausschauen, sehen Sie auch noch einen schönen bunten
Plattenbau und daneben steht dann auch noch ein nicht restaurierter unbunter
Plattenbau und daneben...

3 Grund 73: Monologe


Der ostdeutsche Mann unterhält sich im Gegensatz zu seinem westdeutschen
Kollegen gern. Nur seine Vorstellung von Unterhaltung ist sehr eigenwillig. Sie
bedeutet: ich rede, du hörst zu. Er verbringt viele, viele Stunden damit, ihnen von
früher zu erzählen. Sie erfahren, in welchem Jahr er Urlaub in der
Tschechoslowakei, in welchem Jahr er Urlaub in Polen gemacht hat und wann er
sogar die Ehre hatte, in die Hauptstadt des großen Bruders zu reisen, was
erstaunlicherweise selten erlaubt wurde. Sie erfahren auch, was er bei jeder
Mahlzeit in diesen Urlauben gegessen hat, wo er Schwarzgeld getauscht hat und
daß der Straßenbelag in Stargard Szczecinski nicht so gut war wie der in Zwickau.
Sie erfahren einfach alles, da hält er nichts zurück. Das ganze ist ungefähr so
spannend wie das Lesen des Telefonbuchs von Mexiko City, und es dauert auch
ungefähr so lang. Warum sind sie so, die Männer aus den neuen Bundesländern?
ist es, weil sie in vierzig Jahren Sozialismus gelernt haben, nie zu schweigen (es
könnte ja so aussehen, als habe man was zu verschweigen) und gleichzeitig nichts
zu sagen (man könnte ja aus Versehen ein staatsfeindliches Gefühl äußern)? ist es,
weil der Ostdeutsche ein besonderes, noch unentdecktes revolutionäres Gen
besitzt, das ihn glauben läßt, seine endlosen Anekdoten würden andere Menschen
interessieren? Oder hat er es gar am FKK-Strand gelernt, um von seinem mangels
Fitnessstudios wenig schön modelliertem Körper durch permanente sinnlose
Plauderei abzulenken?

4 Grund 74: Ironie


Verharren wir noch ein wenig beim vielschichtigen Thema Sprache. Versuchen Sie
nie, verehrte Leserin, einem ostdeutschen Mann mit Ironie zu kommen. Er versteht
sie nicht. Die viel besungene Fähigkeit der Ossis zwischen den Zeilen lesen zu
können, ist wörtlich zu nehmen. Sie tun genau das, sie lesen dazwischen, und da
steht bekanntlich nichts. In den Zeilen kann der Ossi nichts anderes lesen als was
da steht.
An einem regnerischen, naßkalten Schmuddelwettertag kommen Sie nach Hause.
Frierend, durchnäßt, schlecht gelaunt.

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Tolles Wetter heute, murmeln Sie eher für sich als für Ihren ostdeutschen Partner.
Der schaut Sie reichlich verwirrt an und fragt zögernd:
Findest du? Ich meine, das Wetter ist scheußlich.
Ja, meine ich auch, antworten Sie griesgrämig.
Aber du hast doch eben gesagt, daß du das Wetter toll findest.
Ja, Schahatz, hab’ ich gesagt, aber ich hab’ es nicht so gemeint.
Die Verwirrung Ihres Gegenüber steigert sich.
Aber warum hast du das dann gesagt?
Schahatz, ich meinte das ironisch.
Aha, meint er ohne jedes Verständnis.
Sie erinnern sich, daß man in der ehemaligen DDR Fremdwörter nicht sonderlich
schätzte und erklären es noch einmal auf deutsch.
Ich meinte das Gegenteil von dem, was ich sagte.
Ach so, nickt Schahatz unsicher, aber warum sagst du das dann nicht dabei?
Weil ... , ach, vergiß es einfach.
Auch folgende Variante droht: Ihr ostzonaler Schatz schneidet sich drei rohe
Knoblauchzehen in schmale Scheibchen und legt sie mit ein wenig Margarine
(Butter ist dekadent) auf ein Sachsenbrötchen (die besten deutschen Brötchen), er
ißt dazu eine Portion Kartoffelsalat (Kartoffeln gab es immer) mit einem halben
Pfund roher Zwiebeln, und der Saft der echten Thüringer Bratwurst (so was gutes
kann nur aus dem Osten kommen) oder des Broilers läuft ihm langsam das Kinn
herab.
Sie beobachten das Ganze, finden es ein bißchen niedlich und sind ein bißchen
angeekelt. Schahatz, ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als dich jetzt zu
küssen, meinen Sie mit dem mißglückenden Versuch eines kleinen Lächelns.
Eine Nanosekunde später schmecken Sie die Melange aus Knoblauch, Zwiebeln,
Thüringer oder Broiler, und das Fett rinnt nun auch an Ihrem Kinn.
Versuchen Sie nie, verehrte Leserin, einem ostdeutschen Mann mit Ironie zu
kommen. Er versteht sie nicht.

5 Grund 75: Nuss-Nougat-Creme


Unsere Mitbewohner aus den neuen Bundesländern sind sparsam. Das ist an und
für sich keine schlechte Angewohnheit und scheint in Verbindung mit besonders
angenehm klingenden Dialekten zu stehen. Auch auf der westlichen Seite des
Landes fällt Wohlklang des Dialekts und Sparsamkeit oft zusammen, wie wir an
den Schwaben sehen können. Die Autorin möchte damit allerdings das Vorurteil,
alle Ossis sprächen sächsisch, nicht unterstützen. Nein, nur die Sachsen sprechen
sächsisch, und die Thüringer (die behaupten allerdings, es sei thüringisch, ein
Unterschied ist nicht auszumachen), und die Sachsen-Anhaltiner, die sprechen
natürlich auch sächsisch (auch wenn sie es sächsisch- anhaltinisch nennen, ein
Unterschied ist nicht auszumachen). Und der Rest fällt nicht auf, weil wir den
Norddeutschen und Berliner Dialekt auch auf der Westseite haben. Insofern
sprechen dann doch alle Ossis sächsisch, irgendwie.
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Aber bleiben wir beim Thema, der Sparsamkeit. Sie nimmt im Osten Formen an,
die befremdlich wirken. Der ostdeutsche Mann trinkt sein Bier in einer
verräucherten, schmuddeligen, mit Alubesteck ausgestatteten Kneipe, die die
Sättigungsbeilage auf dem, was sich Speisekarte nennt, immer noch anbietet, weil
das Bier da fünf Pfennig weniger kostet, als in der hellen, gut gelüfteten, mit
bequemen Sitzen ausgestatteten Kneipe nebenan. In der Schmuddelkneipe trinkt er
acht Biere und rechnet sich stolz aus, daß er jetzt vierzig Pfennige gespart hat.
Wenn Sie es schaffen, ihn zu überreden, mit Ihnen die helle Nachbarkneipe zu
besuchen, trinkt er zwei Bier und hält Ihnen einen langen Vortrag darüber, was
man für die 10 Pfennige, die er jetzt verschwendet hat, alles hätte kaufen können.
Er bemerkt nicht, daß die sechs Bier, die er nicht getrunken hat, sein Sparschwein
ordentlich mästen würden, und wenn Sie ihn darauf aufmerksam machen, wirft er
Ihnen kapitalistische Grundgesinnung und Menschenverachtung vor. Und wagen
Sie es bloß nicht, ihre geliebte Nuß-Nougat-Creme mit den kleinen Figuren im
Deckel zu kaufen. Es ist die einzig eßbare Nußnougat-creme, aber sie kostet auch
geschlagene fünfzig Pfennige mehr als die, die er vom Einkauf mitbringt. Und
diese fünfzig Pfennige werden Ihnen das Leben schwer machen, ich schwöre es.
Denken Sie an meine Warnung, wenn Sie Single sind und das nächste Mal nach
Zwickau fahren. Es gibt hübsche Männer dort, aber Nutella werden Sie nie mehr
essen.

6 Grund 76: Die gute alte Zeit


Zweifelsohne hat es in der ehemaligen DDR eine Menge prima Dinge gegeben.
Kindergartenplätze für jeden, Arbeitsplätze für jeden, Sättigungsbeilagen für jeden.
Das wollen wir gar nicht leugnen oder irgendwie herunterspielen. Es gab keine
Penner auf den Straßen, kein Drogenproblem, und die Feiern zum 1. Mai waren
auch enthusiastischer als heutzutage. Man war nicht ständig damit beschäftigt, sich
entscheiden zu müssen zwischen vierzehn verschiedenen Nuß-Nougat-Cremes,
einundzwanzig Automarken, zweiunddreißig Fernsehkanälen und einem Haufen
Parteien zur Wahl. Man hatte viel Zeit, sich mit den wirklich wichtigen Dingen im
Leben zu beschäftigen, mit der Solidarität, mit dem Sozialismus und mit der Frage,
wie man es schaffen könnte, die Wartezeit auf einen schnittigen Trabi von zwölf
auf sieben Jahre zu verkürzen. Es war auch viel besser, daß Essen gehen in der
DDR so billig war, wir haben die Bewohner vom Westen aus schon immer
beneidet um die fünf Mark zweiunddreißig für ein komplettes Menü und die
fünfundfünfzig Pfennige für ein Bier, auch wenn der Unterschied in realer
Kaufkraft ausgedrückt nicht mehr ins Gewicht fiel. Wir waren auch eifersüchtig
auf die preiswerten Mieten und die nicht vorhandene Wohnungsnot.
Ja, alles war besser in der ehemaligen DDR. Aber wollen Sie das jeden Tag
zehnmal hören? Das müssen Sie aber jeden Tag zehnmal hören, wenn Sie mit
einem Mann aus den neuen deutschen Bundesländern zusammenkommen.

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7 Grund 77: Sandmännchen
Sie haben keine Chance, bei einem Ossi auf den ersten Platz seiner Gunst zu
gelangen. Er kann Sie lieben, ehren, schätzen, er kann Sie auf Händen tragen, er
kann Ihnen die Sterne vom Himmel holen, er wird Sandmännchen immer mehr
lieben als Sie. Sandmännchen ist der heimliche Nationalheld der ehemaligen DDR.
Kein Monolog verklingt, ohne daß Sie erfahren, wie süß, wie zauberhaft er doch
ist. Waren die Idole unserer Jugend Herr Sparbier, Lassie oder Emma Peel, also
handfeste Charaktere, die atemberaubende Abenteuer erlebten, so konnte und kann
der Ossi sich nichts Wunderbareres vorstellen als Sand in die Augen gestreut zu
bekommen und gute Nacht zu sagen. Da war die DDR-Regierung nicht besonders
firm, sie hätte die Montagsdemos in Leipzig seinerzeit einfach zu staatlichen
Demonstrationen erklären sollen und ihren Beginn zeitgleich mit dem Auftritt vom
Sandmännchen im TV stattfinden lassen. Niemand wäre gekommen, die Mauer
wäre noch, wo sie mal war, und in diesem Buch gäbe es eine Rubrik weniger.

8 Grund 78: Kurze Hosen, Socken, Sandalen


Unsere männlichen ostdeutschen Landsleute lieben den Sommer, sie lieben es
braun, auch auf der Haut, und sie glauben immer noch, daß das Ozonloch, wie
früher alles Böse, an der ehemaligen Grenze haltmacht. Kaum zeigt sich der erste
frühjährliche Sonnenstrahl, kaum überschreitet die Quecksilbersäule den Eichstrich
an der Marke 15, da springen sie in einer einzigen konzertierten Aktion aus ihren
langen Hosen, hüpfen in Windeseile in ihre kurzen und legen sie vor
Wintereinbruch nicht mehr ab. (Nein, lassen Sie mich gerecht sein, sie wechseln
sie schon noch mal zwischendurch, Unreinlichkeit kann man ihnen wirklich nicht
nachsagen. Man merkt den Wechsel nur nicht, da die Shorts alle gleich aussehen.)
Weil man auch im Osten bei kühlen Graden kalte Füße bekommt, legen die
Männer dann ihre Socken an, braune natürlich. Das kommt noch aus DDR-Zeiten,
wo man ganz hinterlistig mit dem Tragen von braunen Socken eine subtile
Protesthaltung gegen die Rote-Socken-Staatsdoktrin und gleichzeitig ein geheimes
Zeichen der inneren Gesinnung geben konnte. Aber das verstanden natürlich nur
die, die zwischen den Zeilen lesen konnten. Zu den braunen Socken kommen
Sandalen, unbedingt Sandalen, es ist ja Sommer. So ausgestattet begeben sie sich
in die geliebten Schrebergärten, zum Einkaufsbummel in die Fußgängerzone, in
Schule, Büro und zur Jugendweihe. Der einzige Ort, wo Sie dem Anblick entgehen
können, ist der schon erwähnte FKK-Strand, aber das Vergnügen am Anblick des
Mannes ohne kurze Hosen, Socken, Sandalen ist auch nicht eben größer.

9 Grund 79: Emanzipation


Die besonderen vierzig Jahre, die der Ostteil unseres Landes in einer anderen
Staats- und Gesellschaftsform verbracht hat, ließen seine Bewohner in dem
Glauben, daß bestimmte Probleme, mit denen wir uns im Westen rumschlagen
mußten, für sie erledigt seien. Dazu gehört die weibliche Emanzipation. Während
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die Frauen in den siebziger Jahren auf die westlichen Straßen gingen und für ihre
Befreiung kämpften, arbeiteten die ostdeutschen Frauen gleichberechtigt in den
LPGs, wurden Brigadeleiter oder Kombinatsdirektoren und brachten ihre Kinder in
Kindergärten unter, in denen der Nachwuchs den gesetzlich garantierten Platz fand.
Während die westlichen Männer das Treiben ihrer Frauen mit Argwohn
beobachteten, heimlich die Emma lasen und Alice Schwarzer zur frustrierten
Schickse erklärten, die nur keinen Mann will, weil sie so häßlich ist, daß sie gar
keinen kriegt, sahen die ostdeutschen Männer mit Wohlgefallen auf ihre Frauen,
die Traktor fuhren, Kühe melkten und Steine schleppten. Und weil Frauen in der
DDR immer alles mitmachten, waren sie auch immer mitgemeint. Im Arbeiter- und
Bauernstaat waren die Arbeiterinnen und Bäuerinnen selbstverständlich mit von
der Partie, das mußte man nicht extra erwähnen. Und während bei uns im Westen
sich das Bewußtsein in den Männerköpfen durch die kämpfenden Frauen so
langsam veränderte, blieb es bei unseren Brüdern im Osten beim Status quo. Mit
bizarren Auswirkungen. Östliche Männer finden es total normal, daß eine Frau
arbeitet und ihren Lebensunterhalt verdient, fallen aber vom Hocker, wenn sie die
Rechnung des Abendessens übernimmt; östliche Männer sehen einer Frau gelassen
zu, wenn sie als Bauarbeiterin Zentnersäcke Zement schleppt, kriegen aber vor
Staunen den Mund nicht zu, wenn sie ihren Kosmetikkoffer allein zum Bahnhof
trägt; östliche Männer haben keine Probleme mit einer Frau als Chef, aber sie
bleiben lieber geschlagene acht Stunden vor einer Tür stehen, wenn eine Frau sie
ihnen aufhält zum durchgehen. Und irgendwie ist es anstrengend und zeitraubend,
an jeder Tür acht Stunden zu warten.

10 Grund 80: Spätgebärende


Sollten Sie, allen Warnungen zum Trotz, einen Mann aus der Ostzone dieses
Landes wählen, liebe Leserin, tun Sie es früh. Tun Sie es am besten vor Ihrem
zwanzigsten Lebensjahr, dann haben Sie noch fünf Jahre Zeit, bevor Sie an die
sogenannte Familienplanung gehen können. Wenn Sie länger warten, kriegen Sie
’ne Menge Probleme. Am Tag Ihres fünfundzwanzigsten Geburtstages ändert sich
das Leben schlagartig. Dann sind Sie nämlich alt. Dann sind Sie Spätgebärende.
Die erste Falte in Ihrem glatten Gesicht wird noch ca. zehn Jahre auf sich warten
lassen.
Macht nichts: Spätgebärende! Auch das erste graue Haar läßt sich gemeinhin noch
das ein oder andere Jährchen Zeit mit seinem Erscheinen. Macht nichts:
Spätgebärende! Ihnen scheinen auch Gebärmutter und Eierstöcke noch recht straff
in ihren Bändern zu hängen, und die Libido setzt auch eigentlich erst gerade an,
den Berg, dessen Gipfel die Frau ja gern so jenseits der vierzig erreicht, zu
ersteigen. Macht nichts: Spätgebärende! Ihr östlicher achtundfünfzigjähriger
Gynäkologe schaut Sie mit bedenklichem Gesicht an: Tja, da haben wir uns aber
lange Zeit gelassen, man wird ja nicht jünger, nicht wahr? versucht er sensibel,
seine Bedenken in ein nettes Fragespielchen zu packen, und in das man schließt er

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sich auch keineswegs mit ein. Tja, da müssen wir jetzt schon ein paar
Vorsichtsmaßnahmen ins Auge fassen.
Mit Vorsichtsmaßnahmen meint er Fruchtwasseruntersuchung. Die Spätgebärende,
die einen unsicheren Versuch startet, diese nicht ungefährliche Prozedur in Frage
zu stellen, erntet nur ein verständnisloses Kopfschütteln. Also, das hätten Sie sich
schon früher überlegen müssen, als Sie noch jung waren. Es hat zu diesem
Zeitpunkt übrigens wenig Zweck, einen Wechsel des Gynäkologen in Erwägung zu
ziehen. Solange Sie sich auf ostdeutschem Gebiet befinden, bleiben Sie
Spätgebärende. Aber es gibt da so grenznahe Städte, wie Hof, Kassel, Westberlin...
Machen Sie da einen Termin und erkundigen Sie sich vorher, ob der Arzt nicht
zufällig doch aus dem Osten stammt. Wenn nicht, sind Sie wieder das, was Sie
sind: eine junge Frau, die noch ungefähr dreizehn Kinder bekommen kann, bevor
sie zur Spätgebärenden nach westlicher Auffassung wird.

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10. Die sexuellen Gründe
1 Grund 81: Vorspiel, Endspiel, Nachspiel
Wir haben uns lange Zeit gelassen, bevor wir zu dem wichtigen Kapitel der
sexuellen Gründe kommen. Wer bis hierhin durchgehalten hat, den kann jetzt auch
nichts mehr erschüttern, und wer vorher aufgegeben hat, der liefe Gefahr, dieses
Kapitel nur schwer zu verkraften, begeben wir uns mit der Betrachtung der
sexuellen Gründe doch auf ausgesprochen kritisches Gebiet.
Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders, und Sie haben nach Kenntnisnahme des
Inhaltsverzeichnisses gleich diese Seite aufgeschlagen, weil das Kapitel Sex Sie
besonders reizt. Ich empfehle Ihnen in dem Fall, wieder an den Anfang
zurückzublättern und sich erst ein bißchen einzustimmen auf Thema und Inhalt
dieses Buches. Wie auch immer, des Lesers freier Wille soll hier nicht beschränkt
werden, und der der Leserin ebenfalls nicht, tun Sie also, was Sie wollen, aber die
Verantwortung tragen Sie dann auch selbst. Beginnen wir beim Vorspiel.
In des Mannes Lieblingsbeschäftigung, dem Fußball, qualifizieren sich in etlichen
Vor(runden)spielen die diversen Mannschaften für die Endspiele. Wer im Vorspiel
versagt, fliegt raus. Übertragen auf unser Thema würde die Autorin sagen: gute
Idee. Das Endspiel. Die Erfolgreichsten kämpfen nun gegeneinander. Wer am
meisten Tore schießt, gewinnt. Wenn wir es wiederum übertragen auf unser
Thema, müssen wir feststellen, Frauen können entschieden mehr Tore
nacheinander schießen als Männer (siehe dazu auch Grund 55). Die sind nach dem
ersten normalerweise für eine ziemliche Weile erschöpft, und falls sie es schaffen,
ein zweites zu schießen, gelingt ihnen das am ehesten im zarten Alter zwischen
sechzehn und zweiundzwanzig, aber da kennen wir sie meist noch nicht. Wer im
Endspiel weniger Tore schießt, fliegt raus: gute Idee.
Das Nachspiel: Nach dem Endspiel schleichen sich die Verlierer mit hängenden,
ähm, Köpfen vom Platz und verschwinden, während die Sieger bejubelt werden.
Bejubelt werden wir selten, aber es wäre eine gute Idee.

2 Grund 82: Viagra


Die Forschung hat uns schon wieder mit einer Entdeckung beglückt. Viagra nennt
sie sich und hat zweifelhafte Folgen. Die Krankenkassen wird sie ruinieren, falls
irgendein (männlicher) Gesetzgeber es schafft, jene zur allgemeinen Übernahme
der Kosten zu zwingen. Die TV-Industrie wird sie durch massive Quoteneinbrüche
ruinieren, falls das Mittel tatsächlich die Wunderwirkung hat, die ihm nachgesagt
wird. Unsere empfindlichen Schleimhäute wird sie ebenfalls ruinieren. Aber
schauen wir uns das neue Medikament doch erst einmal näher an. Was tut es
eigentlich genau? Macht es Lust auf das Liebesspiel, führt es zu erwartungsvollen,
sehnsüchtigen Stunden des Mannes, der seiner geliebten Frau harrt? Nein,
mitnichten, hier greift es in keiner Weise ein.
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Nach wie vor muß die Lust beginnen, ehe Viagras Wirkung beginnt. Der Käufer
von Viagra hat aber nur noch verschwindend geringe Lust, das ist der Grund,
warum er die Wunderpille überhaupt will. Nun denn, lassen wir diesen
Widerspruch einmal unkommentiert stehen und schauen uns das an, was Viagra
aufrecht erhält, nachdem es aus eigenem Antrieb aufgestanden ist: des Knaben
Wunderhorn. So wunderbar finden wir Hörner eigentlich nicht, aber gut. Paul-
Franz-Erich-Fritz, der sich in letzter Zeit nach kurzem vorwitzigem Interesse in
null-kommanichts wieder zurückgezogen hatte, ist nun zur Aktion bereit und wird
es bleiben bis zum bitteren Ende.
Das Telefon klingelt, Schwiegermama steht vor der Tür, um auf ein kleines
Schwätzchen vorbeizuschauen, das Abendessen brennt an, der Schlauch der
Waschmaschine platzt und setzt ihre Wohnung unter Wasser, das benachbarte
Atomkraftwerk schmilzt gerade in einem Supergau, ein verrückter Diktator wirft
ein paar Bomben auf ihr Haus? Paul-Franz-Erich-Fritz kann das alles nicht
beeindrucken. Er steht aufrecht, und wenn Sie, liebe Leserin, nicht bald für das
Ende sorgen, steht Paul-Franz-Erich-Fritz auch noch morgen und übermorgen
und...

3 Grund 83: Ich bin schon da


Kommen wir zurück zu den Männern, die Viagra verschmähen, zum
durchschnittlich potenten Normalmann. Der durchschnittlich potente Normalmann
gewinnt gern, er ist gern Erster. Kennen Sie das Märchen vom Hasen und dem
Igel? Der Mann ist der Igel.

4 Grund 84: Multipel solls schon sein


Ganz früher durften Frauen keinen Spaß am Sex haben, sonst waren sie Huren,
Hexen oder krank. Etwas später durften sie dann etwas Spaß haben - mit dem
Mann, mit dem sie verheiratet waren. Mit etwas Spaß hatte die Frau nicht so viel
Migräne, mit zu viel Spaß schaute sie sich unter Umständen auch mal beim
Nachbarn um, ob der vielleicht auch gern Spaß hatte. Dann kam die Zeit, als
Frauen viel Spaß am Sex haben mußten. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt zog eine
neue Frage in die Kommunikation der Menschheit ein: Liebling, bist du
gekommen? Anfangs wußten wir nicht so genau, was er damit meinen könnte, klar
waren wir gekommen, mitgekommen, allein gekommen, evtl. sogar mit mehreren
gekommen, auf den Rücksitz des Autos, ins Haus, in die Wohnung, ins
Schlafzimmer, ins Bett oder auf den Küchentisch, je nachdem. Sonst wären wir
schließlich nicht da. Als wir erkannt hatten, daß der Mann verbal unterbemittelt
und undifferenziert ist, und endlich verstanden hatten, was er meinte, mußten wir
lernen, daß er die Frage nicht wahrheitsgemäß beantwortet wünschte. Die Frage
muß mit JA beantwortet werden, einem lauten, klaren, emphatischen JA, das
Untertöne von es war phantastisch, du bist eine Mordskerl, niemand kann’s so gut
wie du heraushören läßt. Am besten fügen Sie überhaupt diese Sätze lautstark an

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das JA. Als diese Epoche sich ihrem Ende näherte, begann schließlich die, in der
wir uns zur Zeit befinden. Der Mann hatte seine Beobachtungsgabe so weit
geschärft, daß er zum ersten Mal die Sache mit dem multiplen Orgasmus mitbekam
(siehe auch Grund 55). Aus Liebling, bist du gekommen? wurde Liebling, wie oft
bist du gekommen? Gott sei Dank wissen wir ja jetzt schon, daß er damit nicht
meint, wie oft wir ihn schon besucht haben, wir würden es vermutlich auch gar
nicht wissen, es sei denn, wir sind das erste, zweite oder dritte Mal gekommen.
Nein, wir wissen inzwischen aus der langen Bist-du-gekommen-Epoche, daß ihn
nun die Anzahl unserer Höhepunkte beschäftigt. Antworten Sie niemals unter drei.
Alles unter drei deutet auf massives Versagen des Mannes hin, und er versagt, wie
wir schon häufiger festgestellt haben, äußerst ungern. Antworten Sie aber auch
niemals über acht. Auch das deutet auf massives Versagen hin. Acht hat er selbst
im Alter von 17, an dem der Dauerbrenner diverse Male des Tages bearbeitet
werden mußte, nicht hingekriegt. Außer Klaus Kinski hat das trotz gegenteiliger
Behauptung weltweit überhaupt noch kein Mann geschafft. Am besten variieren
Sie so zwischen vier und sieben. Vier für die schnelle Nummer nach dem
Einkaufen, bevor Sie die Tiefkühlpakete ins Eisfach legen, fünf ist nicht schlecht
für den wöchentlichen Freitagabend-Geschlechtsverkehr, und sechsmal sollten Sie
vielleicht wählen, wenn Sie zum nächsten Geburtstag statt der Küchenmaschine
eine vierwöchige Reise in die Karibik mit ihrer besten Freundin geschenkt
bekommen möchten. Und mit der sieben sollten Sie sehr sparsam umgehen, er muß
Ziele vor Augen behalten, und es könnte außerdem sein, daß er mißtrauisch wird
und glaubt, Sie würden ihn anlügen und in Wirklichkeit hätten Sie nicht sieben,
sondern nur fünf Orgasmen gehabt, und das würde ihn schwer kränken. Wenn
Ihnen allerdings die ewige Fragerei auf die Nerven geht, dann inflationieren Sie
eine Weile hemmungslos, gehen Sie bis zwanzig, fünfundzwanzig, vielleicht sogar
siebenundzwanzig, reduzieren Sie auf achtzehn, neun, sechs, drei, und dann
antworten Sie auf seine Orgasmusanzahlnachfrage: Ach Schatz, es gefällt mir doch
auch ohne. Seien Sie versichert, Sie müssen sich nicht mehr lange mit
überflüssigen Fragen herumschlagen.

5 Grund 85: Klitoral, Vaginal, ach egal


Verweilen wir noch ein wenig beim Thema: Sigmund Freud überbrachte uns
seinerzeit die Nachricht vom vaginalen Orgasmus, der die reife Frau kennzeichnet.
Er unterschied ihn sorgfältig vom klitoralen, der irgendwie auf einer
mädchenhaften unfertigen Stufe stehengeblieben war. Das verstand niemand so
recht, war für die Männer aber zweckmäßig, sie brauchten nichts zu ändern an
ihren Praktiken, und wenn die Frau keinen Spaß hatte (Sigmund lebte zu der Zeit,
als Frauen schon etwas Spaß haben sollten), dann war sie halt noch nicht so weit.
Ihr Pech.
Generationen von Frauen versuchten nach Sigmunds phänomenaler Entdeckung
herauszubekommen, wie man denn nun reif und vaginal orgastisch werden könne.
Und es erschien alles sehr kompliziert: Der Orgasmus, so fanden die Frauen
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heraus, unterschied sich doch irgendwie gewaltig in seinem Auftreten. Mal ein
kurzes Zückerchen, mal eine Eruption bis hoch in die Kopfhaut und runter zum
kleinen Zeh, mal eine lange, sanfte Welle, auf der frau dahingetragen wurde, dann
wieder eine Sturmbö, die sie schlagartig wegriß und ihr kurzfristig die Sinne
raubte. Wo nur war der verdammte vaginale Orgasmus? Dann kam man
irgendwann auf die Idee, Sigmund meinte gar nicht die Stelle, an der der Orgasmus
auftrat, sondern, wie er ausgelöst wurde. Er sollte durch vaginale Manipulation,
nicht durch klitorale entstehen. Ach so, hätt er auch gleich sagen können. Für die
Männer blieb es weiterhin zweckmäßig, sie brauchten immer noch nichts zu
ändern, vaginal waren sie eh und je am liebsten tätig, rein, raus, das macht Spaß,
vaginal ist optimal, Sigmund sei Dank. Schließlich erklärten mutige Feministinnen
Sigmund für ’ne Nulpe und gaben der Klitoris ihren gebührenden Platz als
auslösendes Lustzentrum zurück. Inzwischen weiß selbst Onkel Otto aus
Pusemuckel ohne Fernseher und Radio, daß Frauen da so ’ne Art Wunderknopf
haben, an dem man tüchtig rütteln muß, dann öffnet sich die Tür. Lästig, sag’ ich
Ihnen, sehr lästig. ich meine, es kann ja mal ganz nett sein, aber nichts läuft mehr
ohne heutzutage. Die kärgliche Phantasie des Mannes beschränkt sich jetzt auf das,
was er, wie wir in Grund 5 gesehen haben, ständig an sich selbst macht: streicheln,
kraulen, schieben, schubsen, drücken, reiben, wälzen, rollen, stoßen, rücken und
pendeln. Ohne jede Sensibilität, ohne jedes Gefühl. Uns bleibt nur die Hoffnung,
daß wir irgendwann auch diese Zeit überwinden und Sex zu einem wunderbaren
Vergnügen zwischen Leuten wird, die sich um wissenschaftliche Erkenntnisse
wenig scheren und sich einfach lieben wollen.

6 Grund 86: Hütchen, Deckelchen, Pillchen...


Sehr zum Mißfallen der katholischen Kirche bleibt heterosexueller Sex immer mit
dem Thema Verhütung verbunden. Die Kirche will nicht, daß verhütet wird, und
wenn die Welt vor lauter Bewohnern aus den Angeln platzt, macht nix, Verhütung
ist schlecht. Homosexueller Sex muß sich wenig darum kümmern, doch das ist der
Kirche auch nicht recht. Da ist sie eigen.
Aber gehen wir von der überwältigenden Mehrheit der Frauen aus, die sich
kümmern muß. Das Problem schien ja Ende der 60er Jahre erledigt, man(n) hatte
ein kleines Pillchen erfunden, und fortan konnten Mann und Frau sich vergnügt
tummeln. Leider mußte die Frau das Pillchen schlucken, das war einfacher, sagte
die Forschung, weil die einen Zyklus hat, und da kann man leichter eingreifen. Als
diese Eingriffe vielen Frauen zuviel wurden und sie keine Lust mehr hatten auf
schmerzende Brüste, Zwischenblutungen und Fettwerden, und vor allem, als sie
keine Lust mehr hatten, keine Lust mehr zu haben, was das kleine Pillchen auch
gerne sinnwidrig bewirkte, schaute man sich dann doch mal im Mann um, ob da
nicht vielleicht doch was zu machen wäre.
Und siehe da, ja, es schien möglich, es schien gar nicht so schwer. Wir konnten es
in großen Blockschriften auf Titelseiten lesen: Die Pille für den Mann ist erfunden.
Die Pille war eine Spritze und sollte einmal in drei Monaten gesetzt werden.
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Gesetzt wurde sie dann ausgesprochen selten, man hörte auch in der Folgezeit
wenig davon. Männer dachten gar nicht daran, in ihre Körper dergestalt hormonell
eingreifen zu lassen.
Außerdem haben sie Angst vor Spritzen. Das Thema war also schnell vom Tisch,
das Problem bestand weiterhin. In den feministischen 70er Jahren beschäftigten
sich die Frauen viel mit ihrem Inneren, sie besuchten gynäkologische
Selbstuntersuchungskurse, in denen sie lernten, mit Hilfe dieses röhrenförmigen
Instruments, Spekulum genannt, in sich selbst zu schauen und in die Freundin
gleich mit. Sie fanden spannende Gänge, Höhlen, Münder und G-Punkte und
freundeten sich gleichzeitig mit diversen Deckelchen und Hütchen an, die sie über
Muttermünder legten und hinter Darmbeinfugen festklemmten. Damit das Ganze
einigermaßen sicher verhütete, mußte man eine ganze Menge spermientötender
Creme, also mächtig giftiges Zeug reinschmieren, und die ganze Prozedur vor dem
Sex war auch so aufwendig, daß man danach nicht mehr viel Lust hatte. Und wenn
man noch hatte, hatte man spätestens, wenn das Giftzeug einem die Schleimhäute
weggefressen hatte, keine mehr. Hin und wieder machte eine Frau auch schon mal
den Versuch, einen Mann zu überreden, ein Hütchen zu benutzen, aber mit wenig
Erfolg.
Sie sind ja nun wirklich praktisch, die Dinger, schnell drüber gezogen, kein Gift,
kein hormoneller Eingriff, und dem Ich-bin-schon-da-Igel (siehe Grund 83) wird
auch ein bißchen Einhalt geboten. Aber Männer mögen das Ding nicht gern. Er
fühlt sich damit so getrennt, es nimmt ihm das Gefühl, er kriegt keine Verbindung.
Von unerwarteter virueller Seite kam dann in den 80er Jahren Schützenhilfe und
half in erster Linie der Latex-Industrie, in zweiter aber auch den Frauen, die fortan
auf eine Menge mehr Männer stießen, die bereit waren, Franz-Paul-Erich-Fritz in
zartes Latex zu packen und keinen großen Aufstand mehr machten. Im Zuge der
AIDS-Müdigkeit und sinkenden Ansteckungszahlen läßt diese Freudigkeit aber
schon wieder nach, und die Forschung ist wieder dabei, unseren Zyklus nach
Möglichkeiten abzuklopfen. Der letzte Schrei ist die Monatsspritze, die auch nichts
anderes ist als die Pille, nur daß man nicht jeden Tag was schlucken muß, sondern
einmal im Monat eine sogenannte Depotspritze gesetzt bekommt. Aus dem Depot
holt sich der Körper dann jeden Tag ’ne kleine feine Portion von selbst raus, über
Nebenwirkungen weiß man noch nicht so viel, aber es ist nicht zu erwarten, daß sie
weniger als die Pille haben sollte. Und für die Frauen, die es natürlicher lieben,
gibt es jetzt PERSONA. PERSONA ist so eine Art Verkehrsampel. Es besteht aus
acht Teststäbchen, auf die frau an bestimmten Tagen ihres Zyklus, da brennt dann
ein gelbes Lämpchen, pinkeln muß, und es wird der Anteil an bestimmten
Hormonen gemessen. Brennt danach ein grünes Lämpchen, darf sie Sex ohne
weitere Verhütung treiben, brennt ein rotes, läßt sie das besser. jahrelange intensive
und teure Forschung hat dieses phantastische Ergebnis gebracht.
Und wieder einmal sind wir ständig damit beschäftigt, nicht zu vergessen, in einem
bestimmten Zeitraum auf das Stäbchen zu pissen, das gelbe Lämplein brennt nur
sechs Stunden täglich. Verpassen Sie die, straft PERSONA Sie durch einen ganzen

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Haufen roter Zusatztage. Immer laufen Sie mal kurz ins Bad, um nachzusehen, ist
grad gelb, grün oder rot? Und teuer ist das Ganze auch noch. 179,95 DM für das
Gerät und jeden Monat zwischen 22,95 DM und 24,95 DM (je nach
Apothekenlage) für die Teststäbchen. Lästig alles, sehr lästig.

7 Grund 87: Eifersucht


Männer entdeckten schon in grauer Vorzeit, daß sie anderen mit einem Knüppel
den Schädel einschlagen konnten. Und wenn man den Knüppel dann einsteckte,
mit in die Höhle nahm und gut versteckte, war die Chance, daß jemand anderer
einem selbst damit nicht den Schädel einschlug, beträchtlich größer. Damit war das
Eigentum erfunden. Eigentum macht Spaß. Man besitzt selbst etwas, das man
ständig anschauen und betatschen kann, und es gibt ein herrlich machtvolles
Gefühl, daß man selbst bestimmen kann, ob auch ein anderer es anschauen und
betatschen darf.
Wobei anschauen nicht schlecht ist, das erzeugt Neid und Betatschenwollen beim
anderen, das ist super. Denn dann kann man nein sagen und fühlt sich wundervoll.
Im Prinzip hat sich nicht viel verändert beim Mann seitdem. Besitzen ist sein
Hauptvergnügen, und eine schöne Frau besitzen ist überhaupt das Vergnüglichste.
Die anderen Männer stehen Schlange und wollen die Frau auch haben. Und das
natürlich vor allem sexuell, was zu dieser doppelten Wortbedeutung von
>Habenwollen< geführt hat. Das Gefühl, daß das Habenwollen der eigenen Frau
von einem anderen Mann erzeugt, ist einfach unvergleichlich. Aber wehe, wenn
eine Frau beschließt, daß das Habenwollen des anderen Mannes ihr Interesse
erregt.
Da reagiert der besitzende Mann fatal überzogen. Das, was beschönigend mit dem
Ausdruck Eifersucht beschrieben wird, ist eine Wucht von unbeherrschbaren
Emotionen im Mann, der glaubt, die Grundlage seiner Existenz, die Luft zum
Atmen werde ihm genommen. Da ist er bereit, um sich zu schlagen, zu foltern, zu
töten.
Ein Haufen kulturauslöschender Kriege wurden vom Zaun gebrochen, nur weil ein
Mann den Gedanken nicht ertragen konnte, daß ihm seine beste Trophäe, die Frau,
entrissen werden könnte. Also, liebe Leserin, wenn Sie mal Lust auf etwas
Abwechslung haben, überlegen Sie sich, wieweit Sie das offenlegen. Wollen Sie
Folter, Mord und Kriege auslösen?

8 Grund 88: Let’s talk about Sex, Baby


Die schon thematisierte Mundfaulheit des Mannes führt zu einem äußerst
kärglichen Liebesleben. ER möchte auch da nicht reden. Er ignoriert die kulturelle
Entwicklung der Sprache gänzlich und gibt sich beim Sex wie ein Fisch im
Wasser. Er tummelt sich, aber er bleibt stumm. Das ganze Gebiet des Austauschs
von Phantasien, der wunderbaren Regungen, die Worte erzeugen können, bleibt
ihm, und damit auch uns, verschlossen. Poesie, verbale Kreativität, das wahre

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Lustorgan, das irgendwo im Gehirn auf die grenzenlose Entdeckung wartet, mit
einem Mann warten Sie darauf bis an ihr sexuelles Lebensende. Frauen sind in der
Lage, ungeahnte Höhepunkte ohne jegliche körperliche Manipulation, nur durch
begabten Umgang mit Sprache zu erzeugen, Männer können das nicht
nachvollziehen. Und vielleicht ist es auch besser, wenn sie es nicht versuchen,
denn das führt geradewegs zu Grund 89.

9 Grund 89: 0190 ...


Das, was Männer an verbalen Möglichkeiten des Ausdrucks in Zusammenhang mit
Sex einfällt, wenn sie es tatsächlich wagen, sich in diese Frauendomäne zu
begeben, ist traurig und wirklich deprimierend. Besonders gut zu beobachten an
den von Männern produzierten und von Männern so gern gesehenen kleinen
Werbeeinlagen nach Mitternacht, in denen diverse schlecht bis gar nicht bekleidete
Frauen dazu auffordern, eine Telefonnummer zu wählen, die mit 0190 beginnt und
meist mit vielen sexen endet. Wobei nicht nur der verbale Ausdruck traurig und
deprimierend ist. Hier eine kleine Auswahl:
Zwei unbekleidete Frauen, die eine, besonders tumb aussehende, sitzt in der
Badewanne, fährt mit ihrer Hand mechanisch über ihre Möpse und schaut dämlich
in die Kamera. Die andere steht mit Schaum bekleckert davor und versucht ein
verführerisches Lächeln, das ihr unsagbar mißlingt: Wir sind schon ganz feucht.
Wähl 0190 sex, sex, sex, sex, sex, sex.
Eine blonde Frau mit Brüsten, die aussehen wie zu prall aufgeblasene Lustballons,
trägt irgend etwas, das Träger hat wie ein BH, ansonsten aber nur einen Streifen
Stoff unter der Brust, und sitzt aufrecht auf etwas Unsichtbarem, das sie auf- und
niedersausen läßt (vielleicht ein Boot bei heftigem Wellengang oder so): Hu-hu.
Ruf an, bevor du kommst!
Nach einem Schnitt liegt dieselbe Frau bäuchlings auf der Couch, irgend jemand
rüttelt jetzt offensichtlich besinnungslos an ihrem Unterkörper: Oh ja, oh, oh, oh.
0190 einmal die acht und sex mal die sex.
Eine blonde Frau mit einem IQ knapp unter dem einer hochbegabten Blattlaus
schubbert über ihre freihängenden Brüste und glaubt, sie sei ein Schaf. Mäh, mäh,
mäh, mäh, mäh, 0190, neun, neun, neun, sex, sex, sex, mäh.
Ein mit Strapsen bekleideter Oberschenkel wird von einer Hand hin- und
hergeschoben. Eine Stimme: 0190, sex, sex, sex, sex, sex, sex.
Dann liegen auf einmal zwei Oberschenkel auf einem Hocker und werden von
einer Hand untersucht. Die gleiche Stimme: Megaeinfach. (Die Frage, auf was
Megaeinfach sich bezieht, konnte trotz intensiver Recherche nicht geklärt werden.)
Eine unsagbar albern aussehende Blondine öffnet eine weißes Hemdchen, das
schon vorher nichts verdeckte, und betrachtet mit unverhohlenem Erstaunen ihre
Brüste, die sie offensichtlich zum ersten Mal in ihrem Leben sieht. (Mit nasaler
Stimme): 0190, sexig, sexig, Sarah Lynn, professionell und willig, jetzt.

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Eine sparsame brünette Frau mit spitzen Hüftknochen und einem Hohlkreuz, aus
dem jeden Moment eine Bandscheibe herausspringen muß: Sexy Spaß und sparen,
rund um die Uhr heiße Live-Gespräche, 0190, zwei, zwei, zwei, sex, sex, sex.
Soviel zum Thema männlicher Sprache und Phantasie. Noch Fragen?

10 Grund 90: Liebesfilme


Haben Sie Schlaflos in Seattle gesehen? Diesen wunderbaren Film, in dem die
beiden Hauptdarsteller Tom Hanks und Meg Ryan nicht mehr als drei Sätze
miteinander reden und sich erst in der allerletzten Szene auf dem Empire State
Building tief in die liebenden Augen blicken und dann Hand in Hand ins Leben
schreiten? Das ist ein Liebesfilm, der rührt das Frauenherz, der wässert die
weiblichen Augen und läßt uns nichts mehr wünschen, als in starken männlichen
Armen romantisch unterzugehen. Nach so einem Film will eine Frau nur eins:
Liebe, Liebe, Liebe. Wenn sie ihn allein gesehen hat oder mit ihrer besten
Freundin.
Mit einem Mann ist das irgendwie ... anders. Ihnen, liebe Leserin, laufen die
Tränen vor lauter Ergriffenheit, wenn Tom Hanks in einer Radioshow die Liebe zu
seiner verstorbenen Gattin beschreibt: Es war Magie, haucht er gefühlvoll. Es war
Magie, so’n Quatsch, konstatiert trocken der Mann auf der Couch neben ihnen. Ich
wußte es, als ich sie das erste Mal berührte, flüstert Tom inbrünstig. So was kann
auch nur ’n Ami-Drehbuchautor schreiben, mault Männe genervt und macht sich
noch ’n Bier auf Und dann am Schluß, als sie sich in letzter Sekunde noch drohen
zu verpassen, weil Tom mit dem Aufzug runterfährt und Meg gerade viel zu spät
rauffährt und Sie flehentlich bitten: Lieber Gott, bitte, bitte, lag sie
zusammenkommen, sie sind doch füreinander bestimmt, da erklärt der Mann vor
dem Fernseher auch noch: Bestimmung, so was gibt’s gar nicht, is’ doch alles bloß
dummer Zufall. Sagte irgend jemand, daß eine Frau nach so einem Film nur eins
will: Liebe, Liebe, Liebe?

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11. Die sonstigen Gründe
1 Grund 91: Das böse Y
Kommen wir zu den letzten zehn gewichtigen Gründen, ohne Männer zu leben.
Grund 91 ist ein genetischer. Männer haben Krankheiten, die nur sie befallen, weil
das entsprechende Merkmal auf dem kleinen Y- Chromosom sitzt. Wir Frauen
haben ja schon früh erkannt, daß das mit dem Y ein Fehler bei der Schöpfung war
und deswegen die Annahme strikt verweigert. Wir haben zwei Xe, und wir sind
glücklich und gesund damit.
Ein besonders ekliges Ding sitzt da auf dem Y rum und führt dazu, daß Männer
hemmungslos bluten. Maßlos bluten, so viel bluten, daß sie danach bezeichnet
werden: Bluter. Wie das schon klingt. Dabei hätten sie es so schön von uns lernen
können. Bluten tut mal einmal im Monat, ein paar Tage lang und äußerst maßvoll.
Das ist gut für den Teint, zeigt uns, daß wir erfolgreich verhütet haben, und
unterstützt das Bruttosozialprodukt (Binden und Tampons kosten sich ganz schön
was zusammen im Laufe eines Frauenlebens).
Der Mann blutet entweder so gut wie nie (jedenfalls, wenn er zu den
Trockenrasierern gehört), oder er hört, einmal damit angefangen, gar nicht mehr
auf Ganze Dynastien sind daran zugrundegegangen. Hätten Sie Lust, mit so
jemandem zusammenzuleben? Ständig alles vollgetropft? Wo Blut doch so schwer
rausgeht aus der Couch und dem Teppich? Nein, das kann man nicht ernsthaft
wollen.
Aber das Y hat noch anderes in petto. Farbenblind macht es die Männer auch noch.
Rot-grün-blind sind sie dann. Schon die kleinen Jungs werden vor der Einschulung
darauf geprüft. Würden wir im Matriarchat leben, gäbe es selbstverständlich ein
Gesetz, das rot-grün- blinden Männern das Autofahren und die Herstellung von
bulgarischen, italienischen, litauischen, ungarischen, portugiesischen und
weißrussischen Flaggen (um nur die europäischen zu erwähnen) verbieten würde.
Aber wir leben ja im Patriarchat. Und da dürfen Rot-Grün-Blinde natürlich Auto
fahren und bulgarische, italienische, litauische, ungarische, portugiesische und
weißrussische Flaggen herstellen. Soviel an dieser Stelle dazu. Weitere
Informationen zum Thema rot-grün und Blindheit finden Sie unter
www.kanzleramt.de.

2 Grund 92: Der grosse und der kleine Klaus


Die durchschnittliche Körpergröße eines Mannes liegt etliche Zentimeter über der
der Frau. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht ungünstig. Zunächst führt es in der
ersten zärtlichen Zeit des Zusammenlebens zu erheblichen Nackenproblemen.
jedesmal, wenn die Frau den Mann im Stehen küssen oder ihm eine kleine
Zärtlichkeit ins Ohr flüstern möchte, werden die fünf Halswirbel in eine
physiologisch ungünstige Lordose ( sozusagen eine Art Hohlkreuz im Nacken)
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gebracht, die auf Dauer eine unangebrachte und schmerzhafte Abnutzung der
Knochenmasse erzeugt. Wer möchte schon ein paar Jahre hindurch ständig
Schmerzen im oberen Wirbelsäulenbereich haben? In der Zeit der abflauenden
Verliebtheit erledigt sich das Problem zugegebenermaßen von selbst, aber u. U. ist
es bis dahin auch chronisch geworden. Dieses Risiko ist unbedingt bedenkenswert.
Weiterhin kann die Frau mit ihren Freundinnen meist mal das eine oder andere
Kleidungsstück austauschen, Zärtlichkeitsbeweise durch das Ausleihen des
Lieblingspullovers erbringen oder sich der Liebsten und Besten nah fühlen, indem
sie deren hochhackige Stöckel für einen Abend übernimmt. Männer haben erst gar
keine hochhackigen Stöckel, und selbst wenn sie welche hätten, wären die
mindestens vier Nummern zu groß, was den Tragegenuß erheblich einschränkt.
Äußerst lästig ist auch, daß der männliche Partner seinem Überheblichkeitsdünkel
frönen kann, indem er seiner Partnerin auf dem ausverkauften Konzert die
Gürtelschnalle ihres Lieblingsgitarristen beschreiben kann, während sie sich mit
ihren Augen unter Schulterhöhe ihres Vordermannes befindet und mit ihrer Nase in
seinen schwitzenden Achselhöhlen hängt.
Und ganz schlimm kommt es, wenn der Mann nicht durchschnittlich ist, sprich,
wenn er die allgemein kleinere Körperhöhe einer Frau unterschreitet. Das verdirbt
normalerweise seinen Charakter so gründlich, daß man nur davon abraten kann, ein
solches Exemplar auch nur für eine Stunde mit in die Wohnung zu nehmen. Er
wird z. B. seine Schuhe unbedingt anbehalten wollen, und sollten Sie es doch
schaffen, ihn zum Ablegen zu überreden, werden Sie feststellen, daß Sie nicht, wie
Sie glaubten, einen kleinen Mann kennengelernt haben, sondern einen Zwerg. Den
plötzlichen Verlust von sechs bis sieben Zentimetern werden Sie im Innenleben
seiner Schuhe finden können. Er wird Ihnen weiterhin für die gesamte Dauer
seines Aufenthaltes von Einstein, Charlie Chaplin und Heinz Rühmann
vorschwärmen, die ihr Wachstum allesamt erheblich unter der
Mindestgrößenanforderung für männliche Flugbegleiter von 1,72 m gestoppt
haben.
Und sollte er gar ein Fan von Günter Grass sein und den Namen Oskar Matzerath
mehr als einmal verzückt erwähnen, lassen Sie ihn seine Schuhe anbehalten,
entdecken Sie die fürchterliche Migräne, die sich gerade an ihren Schläfen
breitzumachen beginnt, und geleiten Sie ihn (ein erstes und ein letztes Mal) höflich
zur Tür.

3 Grund 93: Monetäres


Männer können mit Geld nicht umgehen. Weil sie ihre Fehler gern übersehen, den
Kollegen Sigmund Freud so schätzen und seine absurden Theorien gern bestätigen
möchten, tun sie so, als seien in Wirklichkeit wir es, die nicht mit Geld umgehen
können. Übertragung nannte Sigmund das und wurde mit diesem Unsinn noch
berühmter als mit seiner Ansicht vom reifen vaginalen Orgasmus (siehe Grund 85).
Männer geben Geld nicht für so praktische und sinnvolle Dinge wie Schuhe,
Kashmirpullover oder Kosmetikartikel aus, nein, sie werfen es für so blödsinnige
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Dinge wie Lebensversicherungen, Altersvorsorge und Bausparverträge zum
Fenster raus. Alles Dinge, die man nicht anziehen kann, die einen nicht wärmen,
die einen nicht schöner machen. Sie versichern ein Leben, in dem wir mit einem
Paar Schuhe, möglichst noch Birkenstock-Sandalen, rumlaufen sollen, sorgen für
ein Alter, wo wir uns den Kashmirpullover leisten können, der uns aber nichts
mehr nützt, weil wir auch damit frieren, und bauen ein Haus, in dem wir häßlich
und ungeschminkt herumsitzen sollen.
Wenn Sie auf einen Mann verzichten, verehrte Leserin, können Sie sich soviel
Schuhe, Kashmirpullover und Kosmetikprodukte kaufen, wie Sie wollen, so sie es
sich leisten können. Wenn Sie es sich nicht leisten können, sollten Sie vielleicht
ein Buch schreiben, etwa zum Thema 101 Gründe Ohne Lebensversicherungen,
Altersvorsorge und Bausparverträge zu leben. Mit ein bißchen Glück können Sie
sich all die oben erwähnten Dinge dann leisten und auf den Mann, der Sie Ihnen
nicht kauft, verzichten.

4 Grund 94: Der Mann im Auto


Das Auto ist insofern kein Grund, nicht mit einem Mann zu leben, als daß sich ja
normalerweise Küche, Diele, Bad und Zimmer nicht im Auto befinden. Das Auto
ist aber insofern doch ein Grund, nicht mit einem Mann zu leben, als daß Sie nach
einer Autofahrt keine Lust mehr haben, mit ihm Küche, Diele, Bad und Zimmer zu
teilen.
Variante A: ER fährt
Er (befehlend): Schatz, schau doch mal eben auf die Karte.
Sie (hastig): ja, gleich.
Er (ungeduldig): Müssen wir diese Abfahrt runter?
Sie (unsicher): Moment. Wo sind wir denn?
Er (ironisch): An der Abfahrt.
Sie (hektisch): An welcher?
Er (genervt): An der, wo wir vielleicht raus müssen.
Sie (leise): Kannst du nicht einen Moment früher fragen?
Er (resigniert): Frauen können einfach nicht Auto fahren.
Variante B: SIE fährt
Sie (unsicher): Schatz, schau doch mal eben auf die Karte.
Er (gelangweilt). ja, gleich.
Sie (gestreßt): Müssen wir diese Abfahrt runter? Er (überheblich): Moment, Wo
sind wir denn?
Sie (kopflos): An der Abfahrt.
Er (sarkastisch): An welcher?
Sie (heulend): An der, wo wir vielleicht raus müssen.
Er (brüllend): Kannst du nicht einen Moment früher fragen?
Sie (resigniert): Frauen können einfach nicht Auto fahren.

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5 Grund 95: Der kranke Mann
Bei den Recherchen, welche Gründe denn Frauen haben, nicht mit Männern zu
]eben, ergab sich immer ein seltsames Phänomen. Nachdem unterschiedliche
Gründe wie aus der Pistole geschossen kamen, trat plötzlich Stille ein, dann ein
Kopf. nicken, ein Lächeln und ein müder Blick: Na ja, und natürlich: der kranke
Mann.
Die anderen anwesenden Frauen nickten dann ebenfalls, lächelten und blickten
müde. Der kranke Mann ist schwer krank, lebensbedrohlich krank, prinzipiell,
graduelle Unterschiede der Erkrankung konsequent ignorierend. Er liegt im Bett,
angegriffen, leidend, stöhnend, arbeitsunfähig. Sein Siechtum ist unermeßlich.
37,2° Temperatur sind im wahrsten Sinne des Wortes Höllengrade, ein leichter
Kopfdruck gerät zur Migränefolter, eine Erkältung ist eine marternde Virusgrippe,
und wehe, Sie wagen es, Ihrer Freundin, die zum Kaffeeplausch vorbeischauen
wollte, nicht abzusagen.
Das hält er Ihnen die nächsten verflixten sieben Jahre vor. Sie müssen
vierundzwanzig Stunden des Tages für ihn da sein, ihn bekochen, ihm Säfte
pressen, die Kinder von ihm fernhalten, ihm Wärmflaschen machen, und Sie
müssen nachts den Notdienst-Apotheker rausklingeln, was äußerst peinlich ist,
wenn der gar kein Apotheker, sondern eine Apothekerin ist.
Ein Apotheker zeigt da gemeinhin mehr Verständnis für seinen Stammesbruder.
Ach ja, und Sie müssen natürlich den Fernseher ins Schlafzimmer tragen.
Er will ja genesen, und das kann er am besten bei den Sportnachrichten. Vor lauter
Erschöpfung nach all der aufopfernden Pflege tendieren Ihre eigenen Abwehrkräfte
gen Null, und zwei Tage später spüren Sie die ersten Anzeichen von tropfender
Nase, Halskratzen und Ohrendruck. Schatz, ich glaube, ich werde auch krank.
Er, immer noch bettlägerig, seine Temperatur hat mittlerweile wieder kühle 36,4°
erreicht, seine Augen glänzen, und seine Haut kommt rosig daher, antwortet sanft:
Ach Schatz, ich bin ja bald wieder gesund, dann kann ich mich revanchieren,
Unter bald versteht er nach ca. einer Woche, und unter revanchieren versteht er,
daß er Ihnen den Fernseher im Schlafzimmer läßt und mit Ihnen gemeinsam die
Sportnachrichten guckt. Wetten, daß Sie bald wieder gesund sind?

6 Grund 96: Altersunterschied


Schon bei den optischen Gründen bemerkten wir, daß Männer reif, Frauen dagegen
alt werden, wie der (männliche) Volksmund so gern behauptet. Männer im reifen
Alter von über fünfzig wollen deswegen keine gleichaltrigen, also alten Frauen,
sondern bevorzugen reife Frauen im Alter von unter fünfundzwanzig. Was
vollkommen absurd ist, denn alle vernunftmäßigen Gründe (und Männer
argumentieren doch gern vernunftmäßig) sprechen für eine genau umgekehrte
Verteilung. Zunächst mal liegt die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau
immer noch ca. sieben bis acht Jahre über der des Mannes, obwohl wir dank Streß,
Doppelbelastung und weiteren ungesunden Vergnügungen wie Rauchen und
Trinken in den letzten Jahrzehnten zugegebenermaßen aufholen. Wenn Sie also
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trotz 101 Gründen mit einem Mann gemeinsam alt (oder reif) werden wollen,
sollten Sie spätestens mit sechzig ein Exemplar wählen, das sieben bis acht Jahre
jünger ist als Sie. Zum zweiten liegt die sexuelle Höchstform-Zeit bei einem Mann
so im Alter von achtzehn. Danach geht es kontinuierlich bergab oder Richtung
Viagra. Sie dagegen laufen im Allgemeinen in Ihrem vierten oder fünften
Lebensjahrzehnt diesbezüglich zur Hochform auf. Da wären Sie eine Weile auf
jeden Fall kompatibler mit einem Mann, so um die zwanzig bis dreißig Jahre
jünger. Und zwischen Ihrem fünfundzwanzigsten und fünfunddreißigsten
Lebensjahr ist es vollkommen zwecklos, einen Versuch mit einer
Altersentsprechung zu starten. Männer sind da ausschließlich mit ihrer Karriere
beschäftigt und haben zu nichts sonstigem Zeit. Der junge Student dagegen wird
Ihnen manche vergnügliche Stunde schenken. Die einzige Zeit, in der die gängige
Kombination älterer Mann, jüngere Frau einen Sinn macht, ist im zarten
pubertierenden Alter von dreizehn. Ein Gleichaltriger oder jüngerer ist da noch ein
Kind und findet Mädchen doof. Das muß man ihm verzeihen, männliche Wesen
tun sich nun mal immer schwer mit der Erkenntnis der Wahrheiten des Lebens.

7 Grund 97: Spieglein, Spieglein, an der Wand


Preisrätsel:
Es gilt, das folgende Rätsel zu lösen. Eine der angeführten Antworten A, B oder C
ist richtig. Wenn Sie die richtige Lösung gefunden haben, schreiben Sie Ihre
Antwort auf eine frankierte Postkarte und schicken sie an den:
Rake Verlag
Pannkookenstraat 6
24768 Rendsburg
Unter den richtigen Einsendungen wird wahlweise ein handsigniertes Exemplar
des Buches 101 Gründe ohne Männer zu leben oder 101 Gründe ohne Frauen zu
leben verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
des Verlages dürfen an der Verlosung nicht teilnehmen.
Die Aufgabe:
Ein unbekleideter Mann steht vor einem Spiegel und betrachtet sich. Er hat seine
besten Jahre bereits eine erkleckliche Zeit hinter sich, seine skoliotische
Wirbelsäule weist unübersehbare Krümmungen im oberen Bereich nach rechts, im
unteren nach links auf. Ein ansehnlicher Bierbauch wölbt sich mit mehreren Falten
nach vorn, die Überreste seiner einstigen Haarpracht beeindrucken fettig und
hinterhältig grinsend seine glänzende Hinterkopfglatze. Seine Beine sind kurz,
schwarz behaart und krumm. Die Nägel der beiden dicken Zehen sind an den
Rändern eingewachsen, vier Hühneraugen auf den beiden mittleren und dem
rechten kleinen Zeh blicken trüben Blickes ins Nichts, sie haben ihre zahlreichen
Freunde unter dem linken Ballen schon lange nicht mehr gesehen. Das
Goldkettchen lugt nur noch an einer Stelle unter der Fettgeschwulst über dem
ehemaligen Adamsapfel hervor. Die Schultern hängen traurig nach vorn unten.
Die Frage: Was sieht der Mann im Spiegel?
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Die Lösungsvorschläge:
A: Sich selbst
B: Seine Mutter
C: Brad Pitt

8 Grund 98: Geheimnisse


Männer sind geheimnisvoll. Sie verschließen so manches in ihrem Inneren wie in
einer Festung. Sie scheinen Angst zu haben, wenn sie zuviel von sich verrieten,
würden sie durchschaubar. Und sie befürchten, das wiederum könnte ihnen
immens schaden. Womit sie nicht so ganz falsch liegen:
Sie (rufend aus dem Schlafzimmer): Schatz? Schweigen. Sie: Hallo, wo bist du
denn? Schweigen. Sie verläßt das Schlafzimmer. Er steht in der Diele unmittelbar
neben der Schlafzimmertür. Sie: Sag mal, hast du mich nicht gehört? Er
(geheimnisvoll): Hm, vielleicht. Sie: Und warum hast du nichts gesagt? Er: Also,
du mußt wirklich nicht alles wissen.
Aus gut unterrichteten Quellen erfuhr die Autorin, daß es tatsächlich einen Mann
gibt, der seiner Partnerin auch nach zweijähriger intimer Beziehung den
Aszendenten und das Geburtsdatum seiner Mutter nicht verrät, aus Angst, sie
könne zu viel über ihn erfahren.

9 Grund 99: Seine Mutter


Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Ende der 101 Gründe. Der Mensch neigt
dazu, sich seiner Ursprünge zu erinnern, wenn er sich dem Ende nähert. Schauen
wir uns seinen Ursprung mal genauer an. Bevor das Wesen Mann überhaupt
existiert, zu einem Zeitpunkt, als es als bloße Idee, als potentielle Eizelle
dahinreift, also unbedingt noch weiblich und bloßes X ist, ist es bereits im Zentrum
seiner potentiellen Mutter. Die Eizelle springt ein bißchen, ein Haufen Xe und Ys
schwirren heran, das schnellste durchbohrt die harte Schale und schwupps, nistet
sich das Wesen, das jetzt schon nicht mehr bloße Idee ist, ein. Und wo nistet es
sich ein? Nicht genug damit, daß es vorhat, die nächsten neun Monate seiner
Mutter alle lebensnotwendigen Stoffe zu entziehen, sie so an die 10 kg schwerer
und unbeweglicher zu machen, nein, es wählt innerhalb der Mutter auch noch den
einzigen Platz, der nochmals Mutter heißt, die Gebärmutter.
Doppelt bemuttert gewöhnt es sich unweigerlich an Fürsorge, Wärme, Nahrung
und Schutz, die so perfekt, so nur um es besorgt, nur von einer Mutter kommen
kann. Die erste Trennung bei der Geburt ist traumatisch. Fortan verbringt es sein
Leben damit, zurückzuwollen in den warmen Schoß mütterlicher Geborgenheit.
Nichts auf der Welt wird es fortan an der Suche hindern können. Wir weiblichen
Wesen schaffen im Laufe unserer Entwicklung die Trennung von der alles
spendenden Mutter, wir werden durch den schmerzlichen Verlust reif und
erwachsen und sind in der Lage, liebevolle, erfahrene Beziehungen zum anderen
Geschlecht aufzubauen.

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Der Mann stellt irgendwann fest, daß er seine Mutter weder heiraten noch mit ihr
schlafen kann und entschließt sich schweren Herzens, ein anderes weibliches
Wesen zu heiraten und mit ihm zu schlafen. Vorletzteres tut er ungern, letzteres
leidlich gern, aber die zweite Wahl ist ihm ständig bewußt. Und alles, was nichts
mit heiraten und miteinander schlafen zu tun hat, möchte er eigentlich auch nicht
ohne seine Mutter tun. Nichts kann die Frau, die er heiratet und mit der er schläft,
so gut wie seine Mutter. Heimlich schleicht er sich samstags mittags in die
Anliegerwohnung des Einfamilienhauses, um Mamas unübertroffene
Graupensuppe zu genießen Am Muttertag schenkt er ihr aus vollstem berührtem
Herzen den schönsten, größten, buntesten Blumenstrauß, dessen er habhaft werden
konnte, ignorierend, daß die Frau, die er geheiratet hat und mit der schläft, durch
die zwei Kinder, die die Folgen des letzteren waren, ebenfalls zu einer geworden
ist. Sie ist halt eine, aber nicht seine.
Liebe Leserin, Sie werden an dieser Tatsache nichts ändern können, und sie betrifft
Ihr vollständiges Leben, mit Ausnahme der erwähnten Heirat und dem Sex. Und
bei den Ausnahmen können Sie, wie wir in der Menschheitsgeschichte gesehen
haben, nicht mal besonders sicher sein.

10 Grund 100: Männer wissen, was abseits ist


Die schrecklichste aller Eigenschaften an Männern ist, daß sie wissen, was Abseits
ist. Spätestens im Alter von zwei, noch lange nicht sauber, der Sprache noch nicht
sonderlich mächtig, aber vereint mit Papa, erkennen sie, was los ist, wenn ein
unüberschaubarer Haufen Fußballspieler auf das Tor zuläuft und jemand den Ball
reinknallt. Sie, verehrte Leserin, möchten ihm zu Gefallen einmal solidarisch Tor,
Tor, Tor brüllen. Sie möchten es nicht nur, Sie tun es auch. Mitleidige Blicke
treffen Sie: Abseits, Schatz, Abseits.
Von dem kleinen Mann klingt es irgendwie zärtlicher: Haseis, Mama, Haseis. Aber
in Sachen mitleidiger Blick steht Ihr Sohn seinem Vater in nichts nach, und
inhaltlich geht er voll mit ihm d’accord. Sie können nicht den mindesten
Unterschied erkennen zu den ersten beiden Malen in diesem Spiel, als irgend
jemand aus dem Haufen den Ball ins Tor knallte und nicht nur Ihr Sohn und sein
Vater Tor, Tor, Tor brüllten. Aber nicht genug damit. Oft genug knallt nicht mal
jemand ein Tor rein, sondern der Haufen läuft einfach blindlings rum, irgendein
Blödian schießt den Ball zu einem anderen Deppen und empört oder
enthusiastisch, je nachdem, in welcher Hälfte des Spielfeldes die eigene
Mannschaft sich gerade befindet, ertönt es schon wieder: Abseits, Schatz, Abseits.
Oder auch: Haseis, Mama, Haseis. Will auch Haseis! brüllt jetzt die um zwei Jahre
ältere Schwester Ihres Sohnes. Will auch Haseis! Und Sie haben die Arbeit.
Fortan will sie kein Schokoladeneis mehr, ihre bisherige Lieblingssorte. Auch kein
Erdbeereis, das es zur Not auch immer noch getan hat, nein, Haseis muß es nun
sein. Sie verzweifeln schier vor der Tiefkühltruhe. Da ist kein Haseis drin, und
selbst wenn eins drin wäre, würden Sie es nicht erkennen, weil Sie nicht wissen,
was dieses verdammte Haseis ist.
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12. am Ende waren es 18 Kölsch
Die Autorin und ihre beste Freundin stoßen erneut an. Nach wie vor auf die Hosen
des Kellners und auf 100 Gründe. Fehlt noch einer, aber der ist eh beiden klar, der
Hauptgrund, der Oberobergrund sozusagen, den hat schon Loriots heller Geist
(erstaunlich, er ist doch männlich) genial formuliert, und die Autorin und die beste
Freundin schließen sich begeistert an:

1 Grund 101: Männer und Frauen passen einfach nicht


zusammen
Jetzt beugt sich die Autorin gerade zu ihrer Freundin herüber und teilt ihr etwas
offensichtlich Erheiterndes mit. Beide kugeln sich vor Lachen. Leider hat man
nicht genau verstehen können, worüber sich die beiden amüsieren. Die Kneipe ist
voll geworden. Am Nachbartisch sitzt dieser Typ, der glaubt, daß das Spiel des 1.
FC Köln vom letzten Samstag erstens niemand außer ihm gesehen hat, zweitens
aber jeder es nun mit allen Einzelheiten von ihm hören möchte. Man at auch
Probleme, dem Gespräch unserer Freundinnen weiter zu lauschen, weil am Tresen
gerade ein Mann beim Versuch, den Busen der Kellnerin zu betatschen, besoffen
vom Stuhl kippt. Und schließlich reden unsere beiden eh nicht mehr. Sie haben
vom FlachArsch-Hängejeanstyp gerade zwei weitere Kölsch bekommen.
Ausgegeben. Von zwei Männern an der Theke, die jetzt herüberprosten. Die
Männer sind ca. dreißig Jahre älter als die, die sie mit dem Kölsch beglücken, also
genau richtig -finden die Männer und setzen sich ungefragt an den Tisch der
Frauen. Damit geben sie das Zeichen zum Aufbruch, und die Protagonistinnen
unserer kleinen Szene begeben sich nach Hause. Die Autorin fällt müde ins Bett,
und ihr letzter Gedanke verschwimmt im Nebel des sie beglückenden Schlafes:
101 Gründe? Wenn man(n) damit mal auskommt.

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