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Achtsamkeit

Ist es nützlich, Soziale Arbeit als anspruchsvoller


als Psychotherapie zu bezeichnen?
Reflexionen zur professionellen Identität der Sozialen Arbeit
Jürgen Beushausen

Einleitung gruppe des Helfers. Im Mittelpunkt des


Artikels stehen sieben Thesen von Her-
Zusammenfassung Vor 15 Jahren hätte ich ausgeführt, dass wig-Lempp und Kühling (2012), die von
Psychotherapie anspruchsvoller als Sozi- mir durch sechs weitere Thesen ergänzt
J. Herwig-Lempp und L. Kühling (2012) ale Arbeit ist. Begründet hätte ich dies in werden, mit denen begründet wird, dass
stellen sieben Thesen vor, in denen sie Zeiten der „Therapeutisierung“ (Geißler- Soziale Arbeit anspruchsvoller als Psy-
darlegen, weshalb Soziale Arbeit an- Piltz et al. 2005, S. 144) der Sozialen Ar- chotherapie ist. Bevor abschließend die
spruchsvoller als Psychotherapie ist. beit mit der Absolvierung langer und teu- Titelfrage beantwortet wird, werden
Diese Thesen, die durch sechs weitere rer Zusatzausbildungen und der Beschäf- Schwächen und Stärken der Profession
Thesen ergänzt werden, stehen im Mittel- tigung mit tiefgehenden psychischen Soziale Arbeit zusammengefasst. Bilan-
punkt des Beitrages. An Hand der Wirk- Problemen und der Aufarbeitung der Le- zierend wird die Notwendigkeit eines
faktoren psychosozialer Hilfen wird ver- bensgeschichte des Klienten. Heute stellt „Sprunges“, einer Veränderung zweiter
deutlicht, dass die Art der professionellen sich mir die Frage der Bedeutung der Ordnung, in der Kultur der Zusammen-
Haltungen und Interventionen entschei- Sozialarbeit im Verhältnis zur Psycho- arbeit gefordert. Dieser Artikel kann An-
dend ist und nicht welcher Berufsgruppe therapie in der Auseinandersetzung über sprüche an eine grundlegende wissen-
ein Helfer angehört. Im Weiteren werden die Identität und Profession der Sozialen schaftliche Auseinandersetzung hier an-
Attribute sozialer Arbeit, ihre Schwächen Arbeit neu. Das Anliegen dieses Artikels gesprochener Aspekte (Wirkfaktoren,
und Stärken zusammengefasst. Abschlie- ist die Bedeutung Sozialer Arbeit hervor- Identität und Professionalität der Sozial-
ßend wird gefragt, ob es nützlich ist, So- zuheben und die Diskussion hierüber an- arbeit, Psychotherapieverständnis, Trans-
ziale Arbeit als anspruchsvoller als The- zustoßen. Um die Konkurrenzproblema- versalität) nicht leisten. Im Mittelpunkt
rapie zu konstruieren. Bilanzierend wird tik zwischen den Berufsgruppen zu be- des Artikels steht das Anliegen, kontro-
die Notwendigkeit eines „Sprunges“, ei- schreiben, wird einführend ein Praxisbei- verse Diskussionen über diese Thesen
ner Veränderung zweiter Ordnung, in der spiel misslungener Kooperation geschil- und die Identität Sozialer Arbeit anzure-
Kultur der Zusammenarbeit gefordert. dert. Anschließend wird erläutert, dass gen, denn gleichberechtigte Zusammen-
Mit den hier vorgestellten Thesen soll die aus Sicht der Systemtheorie der jeweili- arbeit setzt „ein Bewusstsein des eigenen
Diskussion über die Identität Sozialer Ar- ge Kontext für die Form der getroffenen Wissens und Könnens, eine professionel-
beit erneut angestoßen werden. Unterscheidungen prägend ist. Dies ist le Identität und die Anerkennung dieser
wichtig, wenn bewertet wird, ob es sich Qualitäten durch das Gegenüber voraus.“
bei einer bestimmten Handlung um So- (Geißler-Piltz et al. 2005, S. 13).
ziale Arbeit oder Psychotherapie handelt.
Im Folgenden werden Wirkfaktoren psy- Zur Einführung in die Fragestellung soll
chosozialer Hilfen zusammengefasst, um eine kleine Szene geschildert werden:
aufzuzeigen, dass für die Wirksamkeit ei- Diskutiert wird über die Weiterentwick-
ner Hilfe die Beziehungsgestaltung und lung der Konzeption von Fachstellen im
die Qualität der Intervention entschei- Bereich der Suchtkrankenhilfe. Die Leiter
dend ist und nicht die jeweilige Berufs- der Fachstellen (Sozialarbeiter) und der

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Gesamtleiter, ein Arzt, diskutieren über ge die Qualifikation beinhalten solle. Arzt eine ärztliche Leistung, vergütet
die Rangfolge, in der die Berufsgruppen Der Arzt und der Psychologe seien durch die Krankenkasse. Es handelt sich
in der neuen Konzeption genannt werden am besten für diese Arbeit qualifiziert. also um Unterscheidungen des Kontex-
sollen. Diese sind in der alten Konzeption Hier wird außer Acht gelassen, dass es tes. Einer Intervention liegt immer eine
folgendermaßen aufgeführt: um die Tätigkeit einer Fachstelle geht, Bewertung zugrunde, sie leitet die indi-
1.  Arzt in der neben der ambulanten Rehabili- viduelle und soziale Selektion des Ver-
2.  Psychologe tation, Beratung, Vermittlung, Präven- haltens. Dabei spiegelt diese Unterschei-
3.  Sozialarbeiter/Sozialpädagogen tion und der Betreuung von Nichtsess- dung einen sozialen Einigungsprozess
Zwei Sozialarbeiter sprechen an, dass die haften um wichtige Aufgaben geht, wieder, in dem eine bestimmte Erklärung
Rangfolge zu ändern sei in: die originär sozialarbeiterisch sind. als allgemein gültig betrachtet wird. Die
1.  Sozialpädagogen Die vielfältigen Aufgaben der Mitar- beschriebenen Phänomene sind stets für
2.  Psychologe beiter mit den dazu gehörigen Quali- alternative „Bewertungen“ (Konstrukti-
3.  Arzt fikationen werden nicht gesehen, bzw. onen) offen, denn alle Phänomene, mit
Begründet wird dies mit der Stunden- geringer wertgeschätzt. denen ein Beobachter konfrontiert wird,
verpflichtung, die bei Sozialpädagogen yy Als letztes Argument wird seitens des werden von ihm nach unterschiedlichen
ca. 100 Wochenstunden je Fachstelle be- Chefarztes genannt, diese Rangfolge Kriterien (ästhetische, politische, morali-
trägt, bei den Psychologen 20 Stunden würde eben deutlich machen, wer am sche etc.) bewertet.
und beim Arzt 3 Wochenstunden. meisten Geld verdient.
Auf verschiedenen Ebenen wird gegen
Wirkfaktoren
diesen Neuentwurf argumentiert. Hiermit wird die Diskussion seitens des
yy Auch im Krankenhaus würden zu- Chefs für beendet erklärt. Was wird an Bei der Beantwortung der Frage, ob The-
nächst die Ärzte genannt und nicht die diesem Beispiel deutlich? Auf der Macht­ rapie oder Soziale Arbeit anspruchsvoller
größte Berufsgruppe, die der Pflege- ebene wird entschieden, und die schlech- ist, macht es Sinn, die Wirkfaktoren ei-
kräfte. Hier zeigt sich, wie stark be- tere Bezahlung der Tätigkeit der Sozialar- ner Intervention zu beschreiben. Insbe-
absichtigt ist, Strukturen von Kran- beiter im Verhältnis zu den Psychologen sondere Klaus Grawe (1994) untersuchte
kenhäusern auch auf die Fachstellen wird argumentativ gegen den Berufsstand allgemeine Wirkfaktoren, die m. E. auch
Sucht zu übertragen. der Sozialarbeiter genutzt. Zudem haben allgemein für psychosoziale Interventio-
yy Die ca. 25 Jahre alte Empfehlungsver- nicht mal die Sozialarbeiter eine einheitli- nen bedeutsam sind. Er benennt vier the-
einbarung, in der die Qualitätsstan- che Position. Letztlich geht es um mone- rapeutische Wirkprinzipien:
dards der Suchtberatungsstellen for- tär geprägte Territiorialkämpfe, bei denen 1. Empirisch abgesicherte Befunde wei-
muliert wurden, würde ebenfalls die es um die jeweils herrschenden Interessen sen auf die Bedeutung der Ressourcen-
Rangfolge Arzt, Psychologe, Sozial- der Berufsgruppen geht. Eine kooperative aktivierung hin. Fokussiert werden die
pädagoge beinhalten. Hier wird argu- Lösung wird nicht gefunden. Ressourcen, Möglichkeiten, Eigenarten,
mentiert, mit dem „es war schon im- Fähigkeiten und Motivationen. Wichtige
mer so und so soll es auch bleiben“. Wie kann aus einer systemtheoretischen Ressourcen sind die zwischenmensch-
yy Seitens der Sozialpädagogen wird ar- Perspektive die unterschiedliche Bewer- lichen Beziehungen des Patienten, dies
gumentiert, dass die Leiter der Fach- tung des sozialarbeiterischen und thera- schließt die neuen, während der Bera-
stellen Sozialarbeiter seien und sie da- peutischen Handels beschrieben werden? tung entstehenden Beziehungen ein.
her zuerst zu nennen seien. Die Ant- Dieses Beispiel zeigt, dass es sich um Eine wichtige Rolle spielt, in welchem
wort lautet: Das sei aktuell noch so. Beschreibungen und Unterscheidungen Ausmaß der Therapeut als einer der be-
yy Um die etwas hitzige Diskussion ab- von Beobachtern handelt, die jeweils in- deutsamen Bezugspersonen als unter-
zukühlen, wird von einer anderen So- dividuell nach subjektiv sinnvollen Un- stützend, aufbauend und selbstwertstär-
zialpädagogin eingeworfen, die Rei- terscheidungskriterien getroffen werden. kend erlebt wird. In der Praxis würde,
henfolge sei doch wohl beliebig. Dies Ein weiteres Beispiel soll dies verdeutli- so Grawe, die Ressourcenperspektive in
ist möglicherweise ein Hinweis auf chen: Ein Sozialarbeiter, ein Psychothe- den wenigsten Therapieprozessen einge-
eine geringe Konfliktbereitschaft oder rapeut und ein Arzt geben einem Klien- nommen, da Therapeuten nur selten die
auf ein mangelndes politisches Be- ten die Adresse einer Selbsthilfegruppe. Gelegenheit wahrnehmen würden, den
wusstsein. Diese Handlung ist einmal eine sozialar- „Patienten oder Familien oder Paare sich
yy Die nächste Argumentationsebene des beiterische Handlung, einmal eine thera- in seinen oder ihren positiven Seiten erle-
Gesamtleiters ist, dass die Reihenfol- peutisch abrechenbare Leistung und beim ben zu lassen.“ (Grawe 1994, S. 2)

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Ist es nützlich, Soziale Arbeit als anspruchsvoller als Psychotherapie zu bezeichnen?

2. Problemaktualisierung meint das Prin- yy Professionelles Handeln, das Prozess- stimmt. Erwartungs- und Pla-
zip der realen Erfahrung. „Was verändert haftigkeit, Komplexität, Vernetztheit, ceboeffekte würden sich mit
werden soll, muss real erlebt werden. begrenzte Vorhersagbarkeit und Steu- 15 % auswirken (Pauls 2004). Wirksam
Oder: „Reden ist Silber, real erfahren erbarkeit und widersprüchliche Ziel- werden somit eher allgemeine psychoso-
ist Gold“ (ebda S. 2). Dies geschieht im zustände berücksichtigt, ziale Faktoren, die nicht einer bestimm-
beraterisch/therpeutischen Prozess z.B. yy einen multilateral anschlussfähigen ten Berufgruppe zuzuordnen sind.
durch den Einbezug der Familienmitglie- Kommunikationsstil, Petzold (2002) hat aus den Ergebnissen
der oder durch Rollenspiele, in denen die yy die Fähigkeit subjektive Krankheits- der Wirksamkeitsforschung vierzehn
Probleme im Hier und Jetzt erlebt und theorien- und Störungstheorien des Heilfaktoren extrahiert, die ebenfalls ge-
bearbeitet werden. Klienten mit wissenschaftlichen Fak- nannt werden sollen, da hier das weite
3. Aktive Hilfe zur Problembewältigung toren sowie Erklärungsmodelle mit Spektrum notwendiger hilfreicher Inter-
meint, dass der Behandler den Patien- einem Veränderungsfokus zu verbin- ventionen deutlich wird:
ten aktiv unterstützt, mit einem Problem den, Die „Vierzehn Heilfaktoren“ der Integra-
besser fertig zu werden. Grawe fordert, yy die Bereitschaft Verantwortung für die tiven Therapie:
die Hilfe darauf auszurichten, dem Pa- initiierten Prozesse zu übernehmen, 1. Einfühlendes Verstehen [protektiv],
tienten aktiv zu helfen, die Zustände, yy die Fähigkeit unter Spannungen ko- Empathie [supportiv]
Schwierigkeiten, Probleme, die den un- operative Beziehungen zu stiften und 2. Emotionale Annahme [protektiv] und
mittelbaren Gegenstand des Leidens aufrechtzuerhalten und Stütze [supportiv]
ausmachen, besser zu bewältigen. Bei- yy einen gelungenen Umgang mit ge- 3. Hilfen bei der realitätsgerechten, prak-
spiele sind ein Selbstsicherheitstraining, mischter Motivation, einer Fremd- tischen Lebensbewältigung
Entspannungsverfahren, Hypnose bei und Eigenmotivation, die Reaktanz 4. Förderung emotionalen Ausdrucks und
Schmerzzuständen, Kommunikations- berücksichtigt. volitiver Entscheidungskraft
und Problemlösungstraining bei Paaren, yy das Angebot eines professionellen 5. Förderung von Einsicht [supportiv,
familientherapeutische Interventionen u. Settings, das kompetente Hilfe erwar- konfrontativ], Sinnerleben, Evidenzer-
a. Hilfreich sei es, die Problematik des ten lässt, fahrung
Patienten unter der Perspektive des Kön- yy ein plausibles Erklärungsmodell des 6. Förderung kommunikativer Kompe-
nens versus Nichtkönnen zu betrachten. vorgebrachten Problems mit einer tenz und Beziehungsfähigkeit
4. In der Klärungsperspektive geht es dazu konsistenten Behandlungsme- 7. Förderung leiblicher Bewusstheit,
darum, dem Patienten zu helfen, sich thode, Selbstregulation und psychophysischer
über die Bedeutungen seines Erlebens yy eine sichere Beziehung als zentralen Entspannung
und Verhaltens im Hinblick auf seine Aspekt mit einer empathischen Reso- 8. Förderung von Lernmöglichkeiten,
bewussten und unbewussten Ziele und nanz, Authentizität, Echtheit und ge- Lernprozessen und Interessen
Werte klarer zu werden. Im Mittelpunkt genseitiger Bestätigung, 9. Förderung kreativer Erlebnismöglich-
steht der motivationale Aspekt. (Warum yy ein kooperierendes soziales Netzwerk keiten und Gestaltungskräfte
empfindet und warum verhält sich der und eine konsolidierte Lebenslage, 10. Erarbeitung positiver Zukunftspers-
Patient so?) yy eine angemessene Balance von al- pektiven und Erwartungshorizonte
Diese von Grawe empirisch ermittelten ten und gegenwärtigen Themen, eine 11. Förderung positiver persönlicher
Wirkfaktoren überschneiden sich wesent- ausgewogene Verteilung von aktiver Wertebezüge, Konsolidierung der exis-
lich mit den Grundkonzepten der Sozial- und passiver therapeutischer Haltung, tentiellen Dimension
arbeit, die im Bereich der interpersonalen also Kompetenzen einer aktiv-direk- 12. Förderung eines prägnanten Selbst-
und sozialen Problembewältigung und tiver und aufnehmend rezeptiver the- und Identitätserlebens und positiver
der Ressourcenaktivierung liegen (vgl. rapeutischen Haltung, einem flexib- selbstreferentieller Gefühle und Kogni-
Pauls 2004, Deloie 2011). Ressourceno- len Wechsel zwischen einem begeg- tionen, d.h. von „persönlicher Souverä-
rientierung bezeichnet Staub-Bernasconi nungs-, einsichts- und zielorientierten nität“
(2007) als älteste Arbeitsweise der Sozi- Fokus. 13. Förderung tragfähiger, sozialer Netz-
alarbeit. werke
In der Literatur werden weitere Wirk- Die Wirksamkeit der Intervention sei ins- 14. Ermöglichung von Empowerment-
faktoren genannt. Liechti (2008), Deloie gesamt zu 40 - 50 % durch den Klienten, und Solidaritätserfahrungen.
(2011) und Pauls (2004) nennen folgen- insbesondere seine Motivation und Of- Bei einigen Heilfaktoren (Nr. 3, 6, 7, 8, 9,
de Faktoren: fenheit und durch äußere Einflüsse be- 10, 13, 14) werden insbesondere Kom-

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petenzen im sozialen und pädagogischen plexer als in der klassischen Einzelthe- arbeiter ist jeweils Gast in der Welt der
Bereich, d.h. im originären Handlungs- rapie. Das obige Beispiel weist auf die Klienten. Sich als Gast in der Außenwelt
feld der Sozialarbeit und Sozialpädago- vielfältigen Personen und Institutionen richtig zu benehmen, ist anspruchsvoller,
gik, benötigt. Die aufgeführten Wirk- hin, die kontaktiert und einbezogen wer- als ein als guter Gastgeber zu sein“ (Her-
faktoren und Heilfaktoren zeigen zudem den müssen. Die Sozialabeiter haben al- wig-Lempp u. Kühling 2012, S. 53).
auf, dass klassische psychologisch-psy- len Beteiligten die Möglichkeit zu geben, 6.  Ablenkungen sind vielfältiger
chotherapeutische Handlungskonzep- sich über die verschiedenen Denk- und Soziale Arbeit ist hinsichtlich der zu be-
te den häufig anzutreffenden schweren Handlungsweisen auszutauschen und arbeitenden Probleme potentiell sehr of-
psychosozialen mehrdimensionalen Stö- wertzuschätzen. fen. Alles, was die Klienten beschäftigt,
rungen allein nicht gerecht werden und 3.  Allparteilichkeit ist schwieriger zu kann zum Thema werden, während es
Interventionen multiperspektivisch, d.h. praktizieren in der Therapie meist um Probleme mit
insbesondere auch auf soziale Faktoren Hinter den unterschiedlichen Aufträgen Krankheitswert geht, die entsprechend
auszurichten sind. Wirksamkeit kann nur und Interessen stehen verschiedene sub- im ICD verschlüsselbar sind. In der So-
unter Angabe bestimmter Kontext- und jektive Beschreibungen und Interessen. zialen Arbeit ist es oftmals schwieriger
Prozessbedingungen beantwortet werden Diese sind in der Sozialen Arbeit alle zu beim jeweiligen Thema zu bleiben, denn
und sie ist wenig davon bestimmt, wel- würdigen. Bei diesen diversen und oft diese Klienten sind häufig wenig zielori-
cher Berufsgruppe ein Helfer angehört. widersprüchlichen Aufträgen und Inte- entiert, da es immer wieder aktuelles zu
Dies zeigen nach Petzold (2011) eindeu- ressen ist Allparteilichkeit, und dies oft- klären gibt. Sozialarbeiter sind in einem
tig auch amerikanische Studien, nach de- mals sogar im Wechsel mit einer zeitlich weit höheren Maße mit diesen Ablenkun-
nen Klinische Sozialarbeiter (Master of begrenzten Parteilichkeit, schwer zu er- gen konfrontiert als Therapeuten.
Social Work) oder Erziehungswissen- reichen. 7.  Außenweltprobleme sind drängen-
schaftler genauso erfolgreich sind wie 4.  Ambivalenzen bezüglich ange- der
andere Berufgruppen. strebter Ziele und Problemlösungen Nicht nur die Ablenkungen, sondern auch
Aus den vielfältigen Auftragslagen er- die Außenweltprobleme sind bei vielen
geben sich in einer postmodernen Welt Klienten oftmals existentieller, d.h. es
Soziale Arbeit ist anspruchsvoller
Ambivalenzen. Typischerweise ist dies geht z.B. darum, ob Wohnung, Geld oder
als Therapie
die Ambivalenz der Hilfs- und Kontroll- Arbeit vorhanden sind. Diese existenziel-
Johannes Herwig-Lempp und Ludger funktion, dem doppelten Mandat, in der len Probleme belasten den Sozialarbeiter
Kühling stellten auf der dritten Mersebur- die Sozialarbeit zwischen den Interessen möglicherweise mehr als einen Psycho-
ger Tagung zur Systemischen Sozialarbeit des Klienten und der gesellschaftlichen therapeuten, dem andere Probleme vor-
sieben Thesen vor, nach denen Soziale Ar- Erwartung der Kontrolle von Menschen getragen werden.
beit anspruchsvoller als Therapie ist (Her- steht. Weitere Ambivalenzen können
wig-Lempp & Kühling 2012, S. 52 f): sich darauf beziehen, dass Hilfe im Ein- Ergänzt werden sollen sechs weitere The-
1.  Auftragslagen sind komplexer zelfall den Menschen abhängiger und sen:
Die Auftragslage ist in der Sozialen Ar- hilfloser machen kann oder dass Integ- 8.  Aushalten der Situation
beit komplexer als in der Psychotherapie, ration in soziale Gemeinschaften Desin- Die oben dargestellten Außenweltproble-
denn es gibt meistens mehrere Auftragge- tegration verfestigen kann (siehe Kleve me beinhalteten oftmals ein besonderes
ber, die oftmals widersprüchliche Erwar- 2007). „Aushalten“, wenn z.B. in der Wohnung
tungen haben. Im Jugendamt können dies 5.  Anerkennung von fremden Umge- des Klienten der Dreck, die Verwahrlo-
beispielsweise die Aufträge der Eltern, bungen ist anspruchsvoller sung, die Gerüche ertragen werden müs-
der Pflegeeltern, des Gerichts, des Haus- Anders als in der Psychotherapie ist es sen. Ein Kollege aus der Straßensozial-
arztes, der Schule und des Dienstgebers schwieriger die Situation der Klienten zu arbeit berichtete beispielhaft von einem
sein. Hierdurch ist es schwierig, gemein- würdigen, denn sie ist bei dieser Klientel Einsatz im Ganzkörperschutzanzug, in
same Ziele zu formulieren. Sozialarbeiter meist maroder und desolater. Soziale Ar- dem die „Platte eines Obdachlosen“ auf-
haben sich in dieser komplexen Situation beit findet oftmals an den Orten statt, an geräumt wurde. Ausgehalten werden
zu positionieren und zu vermitteln. denen sich die Klienten aufhalten (Woh- muss, dass sich Klienten oftmals in sehr
2.  Austauschkonstellationen sind nungen, Marktplatz...) „Für den Sozial- schwierige Lagen bringen, in denen wir
vielfältiger arbeiter sind diese Orte nicht seine Orte, ihnen wenig schnelle Hilfe anbieten kön-
Der Austausch mit den anderen beteilig- sie müssen von ihm aufgesucht werden, nen. Hierzu ein weiteres Beispiel: Ein
ten Personen und Institutionen ist kom- sie sind ihm häufig fremd. Der Sozial- depressiv strukturierter Automatenspie-

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Ist es nützlich, Soziale Arbeit als anspruchsvoller als Psychotherapie zu bezeichnen?

ler hatte das Arbeitslosengeld und das 12.  Vielfältigkeit werden dieselben Interventi-
Geld für die Kindererstausstattung ver- Wie anspruchsvoll Soziale Arbeit ist, onen, wenn sie von anderen
spielt und mochte aus Scham nicht mehr drückt sich in ihrer Vielfältigkeit aus. Die Berufsgruppen (z.B. in der Psychothe-
nach Hause gehen. Den Hinweis, einen wichtigsten Handlungsarten der Sozialen rapie) durchgeführt werden, als Behand-
Geldgutschein bei der Arge erhalten zu Arbeit sollen kurz benannt werden: Be- lung bezeichnet. Pauls (2004) kennzeich-
können und eine Behandlung wegen der raten, trainieren, verhandeln, eingreifen, net dieses Handeln daher folgerichtig als
Spielproblematik beantragen zu können, behandeln, kontrollieren, beschaffen, „psycho-soziale Behandlung“, während
hinterließ in der konkreten Situation das begleiten, verwalten, einmischen, infor- Deloie (2011) von „Sozialer Psychothe-
Gefühl wenig hilfreich zu sein. Sozial- mieren, übersetzen (z.B. beim Arzt), ko- rapie als Klinische Sozialarbeit“ spricht.
arbeiter sind der schwierigen desolaten ordinieren, kooperieren, motivieren, be- Die Soziale Psychotherapie hat (vgl. De-
Lage dieser Klienten direkter und mas- fähigen, fördern, begutachten, vertreten, loie 2011) einen zusätzlichen Anspruch
siver ausgesetzt als der Therapeut in sei- vermitteln, betreuen, erziehen, beschüt- zu erfüllen, denn sie fokussiert zusätzlich
nem Behandlungszimmer. zen, sanktionieren, unterrichten. Diese zu den psychischen Faktoren ausführlich
9.  Ambiguitätstoleranz (vgl. Kleve Vielfältigkeit zeigt, dass Sozialarbeiter den situativen und sozioökonomischen
2007) sich selbstbewusst als Zehnkämpfer be- Kontext der Klientel. Bei ihrer oftmals
Öfter als Therapeuten sind Sozialar- trachten können. In der Leichtathletik schwer zu erreichenden Klientel (hard
beiter in Situationen, in denen sie tole- gilt der Zehnkampf als die Königsdiszi- to reach) haben soziale Faktoren bei der
rieren müssen, dass Klienten mit ihrer plin (Herwig-Lempp & Kühling 2012, Problemgenese (z.B. langjährige Arbeits-
Autonomie Entscheidungen treffen, die S. 55). (Auf die Problematik, die mit dem losigkeit) eine besondere Bedeutung.
aus Sicht der Berater „schädlich“ sind. Begriff „Königsdisziplin“ verbunden ist, Gerade für diese Klientel weisen Sozi-
Beispiele sind die Entscheidung eines gehe ich in meiner abschließenden Stel- alarbeiter, wenn sie eine therapeutische
Nichtsesshaften ein Wohnungsangebot lungnahme ein.) Zusatzausbildung absolviert haben, mit
nicht anzunehmen oder eines Betreuten 13.  Behandlung ist ein Tätigkeitsfeld ihrer Fokussierung auf soziale Probleme
sich nicht ärztlich versorgen lassen zu Behandlung ist, auch wenn diese Hand- eine besondere Qualifikation auf.
wollen. lung manchmal anders bezeichnet wird,
10.  Verhältnisveränderungen eines der Tätigkeitsfelder der Sozialen
Attribute der Profession Soziale
Therapie strebt eine Veränderung des Arbeit. Besonders deutlich wird dies in
Arbeit und Zusammenfassung
Verhaltens der Klienten an. Soziale Ar- der Suchtkrankenhilfe, in der Sozialar-
beit hat ebenfalls diese Perspektive im beiter mit einer Zusatzausbildung, wie Abschließend werden die Schwächen
Blick, strebt jedoch zudem eine Verände- die Angehörigen anderer Berufsgruppen, und Stärken der Profession Soziale Ar-
rung der Verhältnisse an. Sie interveniert ambulante oder stationäre medizinische beit zusammengefasst und die aufgewor-
nicht nur auf der Mikroebene, sondern Rehabilitationsmaßnahmen durchfüh- fene Titelfrage beantwortet.
auch auf der Makroebene, z.B. im Ge- ren. Diese Tätigkeit wird allerdings dann, Staub-Bernasconi (2007) fordert die So-
meinwesen. wenn sie von der Rentenversicherung ver- zialarbeit auf, auch im Wissen um die un-
11.  Eingriff in die Autonomie gütet wird, als Rehabilitationsmaßnahme übersehbaren Schwächen der Professi-
Therapeuten können sich in der Regel bezeichnet. Werden dieselben Interventi- on, mit „erhobenen Kopf statt mit einem
allparteilich verhalten und Empfehlun- onen in einem anderen Kontext durchge- Bückling“ den Herausforderungen der
gen aussprechen. Sozialarbeiter müssen führt, z.B. von einem Psychotherapeuten, heutigen Zeit standzuhalten. Deutlich ist,
oftmals auf dem Hintergrund des Kon­ wird diese Behandlung als Psychothera- die Sozialarbeit ist von dem Anspruch mit
trollmandats Entscheidungen treffen, pie gekennzeichnet. Ein weiterer großer ihrem psychosozialen Paradigma gleich-
die in das Leben anderer direkt eingrei- Bereich der Behandlung durch Sozialar- berechtigt neben dem medizinischen zu
fen, wenn beispielhaft Jugendamtsmit- beiter bezieht sich auf die Erziehungs- stehen, noch weit entfernt (Geißler-Piltz
arbeiter mitentscheiden, ein Kind aus und Lebensberatungsstellen, in denen u.a. 2005). Sozialarbeiter sind oft zu un-
einer Familie herauszunehmen oder ein seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche und politisch und es fehlt oftmals Konfliktfä-
Betreuer den Aufenthaltsort oder die Erwachsene mit den vielfältigsten Symp- higkeit und –bereitschaft. Gegenüber den
Verwendung von Geld bestimmt. Die- tomen (kindliche Verhaltensstörungen, anderen Professionen besitzen Sozialar-
se Eingriffe sind oftmals für die Helfer Depressionen, Ängste, Selbstverletzun- beiter oftmals ein unzureichendes Selbst-
belastend, weil sie verantwortet werden gen, Essstörungen…) betreut werden. bewusstsein, häufig in Verbindung mit
müssen und in die Autonomie eingrei- Auch bei diesen Tätigkeiten handelt es einer Selbstabwertung. (Zum Teil zeigt
fen. sich um Behandlungen, denn auch hier sich dieses Problem bereits bei Sozial-

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arbeitsstudenten. Wenn ich z.B. Sozial- und Lebenswelt ersetzend (Tho- lungskonzepten der humanistischen The-
arbeitsstudenten frage: „Was müssen Sie le 2002 in Kleve 2003) tätig wird. rapien, der Familientherapie, der Ver-
beachten, wenn ein Klient suizidal ist?“, Grundkonzeption ist, sich auf die haltenstherapie u.a. lernen können und
lautete die Antwort mehrfach: „Den schi- Lebenswelt der Klienten einzulas- hat diese andererseits durch die Einbe-
cken wir zum Psychologen“.) Konflikt- sen und von dessen Erfahrungen ziehung sozialer Gegebenheiten erwei-
bereitschaft ist zudem notwendig, um die auszugehen. tern können. Auf dem Hintergrund hu-
materielle Anerkennung zu erreichen, die –– Die Lebenslauf- und -zyklusper- manistischer Konzepte gehen wir davon
sich in einer Einstufung nach TVÖD 11, spektive erweitert die klassische aus, dass eine empathische, respektvolle
bzw. 12 und für Master in die Gruppe 13 analytische Phasenlehre, sie orien- Haltung mit einem hohen Grad an Kon-
manifestieren würde. Um dies zu errei- tiert sich an der empirischen Ent- gruenz, Authentizität und liebevoller Zu-
chen, dürfen Sozialarbeiter nicht in ver- wicklungspsychologie und betrach- neigung eine hilfreiche Beziehung ist.
schiedenen Sozialarbeiter-Standesvertre- tet im Lebenslauf Risikofaktoren Auf dem Hintergrund dieser und ande-
tungen und Berufsverbänden engagiert und protektive Faktoren (lifespan rer Erkenntnisse wurden Konzepte einer
sein, die in der öffentlichen Wahrneh- development, vgl. Petzold 2002). Sozialtherapie, einer psycho-sozialen
mung schwach sind. Diese sollten sich –– Soziale Arbeit nutzt das Konzept Behandlung im Kontext der Klinischen
zusammenschließen, damit sie mehr Ein- der Sozialen Unterstützung, dass Sozialarbeit (Pauls 2004), einer Sozialen
fluss nehmen können. gewährte oder verweigerte Unter- Psychotherapie als Klinische Sozialar-
stützung und ihre Wirkung auf die beit (Deloie 2011) oder die Soziotherapie
Die Stärken der Profession können in Befindlichkeit des Menschen fo- entwickelt. Klinische Sozialarbeit ver-
diesem Beitrag nur kurz summarisch auf- kussiert (Netzwerkarbeit). steht sich als eine praxeologische Wis-
gelistet werden: –– Sozialarbeit integriert Konzepte der senschaft der psychosozialen Beratung,
yy Sozialepidemiologische Befunde wei- Gesundheitsförderung, die saluto- Behandlung und Unterstützung.
sen eindeutig auf die Zusammenhän- genetisch ansetzen und Lebenswei- yy Die Soziale Arbeit hat keine einzigarti-
ge zwischen sozialen Faktoren und sen in ihrer Verflechtung zwischen ge, eindeutige Identität als Profession,
der Entstehung von Krankheiten hin, individuellen, sozialen, kulturellen, sondern eine postmoderne, d.h. wider-
z.B. auf die Korrespondenzen zwi- ökonomischen und ökologischen sprüchliche, ambivalente, dynamische
schen Arbeitslosigkeit und Gesund- Faktoren betrachten. Identität. Dies macht die besondere
heit oder zwischen sozialer Benach- –– Sozialarbeit nützt das Empower- Identität der Sozialarbeit aus. Meta-
teiligung und Gesundheit. Belegbar mentkonzept mit dem Konzept der phorisch wird es in dem angesproche-
ist damit die Notwendigkeit der stär- Selbstermächtigung und betrachtet nen Bild des Zehnkämpfers deutlich.
keren Einbeziehung sozialer Faktoren die Ressourcen der Klienten und Kleve (2007) fasst diese Dialektik tref-
bei der Benennung von Hintergrün- ihrer Netzwerke. fend mit dem Begriff des spezialisier-
den bio-psycho-sozialer Phänomene –– Systemische Konzepte sind inzwi- ten Generalismus zusammen. Weil es
und bei dem Einsatz notwendiger In- schen auch für die Sozialarbeite- in der Sozialen Arbeit nicht eine ein-
terventionen. rische Praxis entwickelt worden, zige eindeutige Identität gibt, bildet
yy Psychosoziale Interventionen können wie z.B. das Systemische Casema- sich diese in konkreten Handlungsbe-
inzwischen auf fundierte Konzepte nagement. Grundlage systemischer reichen, z.B. für das Jugendamt oder
zurückgreifen. Hierzu gehören: Konzepte ist das Modell der Auto- die Schulsozialarbeit, aus. Diese Iden-
–– Das biopychosoziale Modell (von poieses, nachdem wir nie bere- titäten sind in ihrer Verschiedenheit zu
Uexküll u.a.), das Problemlagen chenbar beeinflussen können und akzeptieren und zu würdigen.
physiologischen, psychischen und trotzdem nach ethisch nützlichen yy Die Sozialarbeitswissenschaft hat mit
sozialen Problemlagen zuordnet, Kriterien handeln müssen. Dieses den Masterstudiengängen eine Ant-
die miteinander kommunizieren Modell setzt voraus, dass wir die wort auf Fragen nach der Wissen-
und untrennbar biopsychosozial autopoietische Autonomie des Kli- schaftlichkeit der Profession, z.B. mit
verwoben sind. enten respektieren. Menschen als Studiengängen der Klinischen Sozia-
–– Das Lebenslagenkonzept und das lebende Systeme können wir nur len Arbeit und der Systemischen So-
Konzept der Lebensweltorientie- „stören“, wir wissen nie, was unse- zialarbeit, gefunden. Dies ist ein wei-
rung nach Thiersch u. a., mit dem re Intervention bewirkt. terer Schritt zur Fachwissenschaft.
Soziale Arbeit Lebenswelt ergän- – Soziale Arbeit hat einerseits aus klini- Hierbei bilden Praxis, Wissenschaft,
zend, Lebenswelt unterstützend schen Verstehensmodellen und Hand- Forschung, Lehre und Ausbildung

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Ist es nützlich, Soziale Arbeit als anspruchsvoller als Psychotherapie zu bezeichnen?

aufeinander bezogen die Profession nung geht es um einen „Sprung“, einen ken und zum Aushalten von
Soziale Arbeit. Qualitätssprung, um eine neue Kultur in Konflikten ermutigen. Ander-
yy Sozialarbeit ist die Disziplin, die Pro- der Zusammenarbeit. Diese Veränderun- seits wird mit der Metapher der Königs-
fession, die ganzheitlich orientiert gen beziehen sich auf die System­ebenen disziplin eine Höherstellung impliziert,
ist und transversal, also quer, zu den Person, Kommunikationssysteme und die meinem Anliegen eines partnerschaft-
klassischen Professionen tätig wird. auf das organisationale System (vgl. Or- lichen gleichberechtigten Umganges der
Sie integriert jeweils Perspektiven der they 2008). Es geht dann nicht um ein Berufsgruppen miteinander widerspricht.
verschiedenen anderen Wissenschaf- mehr, sondern um ein miteinander in ei- Keine neuen Rangreihen der Bedeutung
ten. Diese umfassende Perspektive ist ner anderen Qualität, in der einzelne Be- zu konstruieren, geht von der Hoffnung
immer dann nötig, wenn etwas sehr rufsgruppen durchaus ihre Schwerpunk- aus, dass ohne diese Zuspitzung Verän-
komplex wird und die Perspektiven te haben. Solch ein Sprung benötigt je- derung zu erzielen ist. Sozialarbeiter soll-
anderer Wissenschaften z.B. der Me- doch gegenseitige Wertschätzung und ten sich meines Erachtens als spezialisier-
dizin, der Psychologie oder des Rechts dies drückt sich auch finanziell aus. Um te Generalisten (Kleve 2007) betrachten,
nicht ausreichen. Diese transversale diesen Sprung zu erreichen, hat die So- die in ihrem speziellen Berufsgebiet ver-
Perspektive ist noch näher zu begrün- zialarbeit ihren Anteil in einer besseren schiedene Tätigkeitsschwerpunkte ha-
den und auszuarbeiten. Petzold (2011) Professionalität, mehr Selbstbewusstsein ben. Dies schließt auch die Tätigkeit ei-
hat zu dieser Thematik wichtige Ar- und mehr Konfliktbereitschaft zu leis- ner Behandlung ein. Die Titelfrage „Ist es
beiten geleistet. Er hat Grundlagen ten. Gefordert sind Transdiziplinarität nützlich, Soziale Arbeit anspruchsvoller
einer transdisziplinären Wissenschaft und respektvolle Zusammenarbeit und als Therapie zu bezeichnen?“ kann somit
entwickelt, die in Ko-respondenz kein Schulen- und Berufsgruppenstreit, mit einem „sowohl als auch“ beantwortet
(Petzold) zu anderen Wissenschaften jedoch flexible klinische Orientierungen werden.
steht, durch Ko-respondieren in Be- und differentielle Vergehensweisen. Fo-
gegnung, Respekt und Auseinander- kussiert werden soll, was wirkt und im
setzung Kooperation ermöglicht und speziellen Fall „passt“. Dies wird im Re-
den Boden für eine evidenzbasierte gelfall ein Bündel von psychischen und
Psychosoziale Arbeit bildet. sozialen Interventionen sein. Abstract
Zurzeit ist noch damit zu rechnen, dass
Für Herwig-Lempp und Kühling (2012), Auseinandersetzungen um die Bedeu- The above article primarily deals with,
deren Thesen hier ergänzt wurden, ist die tung der Sozialen Arbeit, wie ich diese and describes aspects of the current so-
Soziale Arbeit anspruchsvoller als Thera- in meinem Eingangsbeispiel geschildert cial work situation and the differences
pie. Dies ist ein nützliches Konstrukt, da habe, nicht durch Kooperation entschie- within, as viewed from the System-Theo-
es die Situation zuspitzt, um aufzurütteln den werden. Ein Erfolg wäre es, wenn in ry perspective. Additionally the impact of
und anzustoßen, wie dies in der Vergan- dem neu zu formulierenden beispielhaf- Psycho-Social help is briefly summarized.
genheit auch andere Bewegungen, z.B. ten Suchthilfekonzept angemerkt werden As the focus of my article and at the cen-
die Frauenbewegung, getan haben. Auch könnte, dass mit der Nennung der Be- tre of the discussion, I am presenting and
die Klinischen Sozialarbeiter der USA rufsgruppen keine Rangfolge impliziert completing theses from J. Herwig-Lempp
treten selbstbewusster auf, wenn sie ihre werden soll. Bis solche Konflikte anders and L. Kuehling, in which they suggest
Dienste als „Therapy plus“ (Geißler-Piltz entschieden werden können, müssen So- that Social Work is more demanding than
u.a. 2005, 140) bezeichnen. Für mich ist zialarbeiter sich eindeutiger positionieren Psycho-Therapy. The article concludes
die Frage „wer ist anspruchsvoller“ im und über eine bessere Interessenvertre- by answering the title question and com-
Kontext einer ernst genommenen Inter- tung verfügen. menting on what today’s Social Work of-
disziplinarität und eines bio-psycho-so- Um die Bedeutung der Sozialen Arbeit fers and needs. Weighing the arguments
zialen Konzeptes nicht eine Frage von hervorzuheben, ist es einerseits für die zu- I have concluded that it is necessary to
„wer ist mehr oder weniger anspruchs- künftigen Auseinandersetzungen nützlich, change into a culture of cooperation bet-
voll“. Dies wäre nach Bateson (vgl. Or- diese Vielfältigkeit als „Zehnkampf“ und ween the differing factions of social work.
they 2008) eine Antwort auf der Ebene als „Königsdisziplin“ (Herwig-Lempp Is social work more demanding than the-
der Veränderung erster Ordnung, in der & Kühling 2012, S. 55) zu bezeichnen. rapy?
es in diesem Fall um eine Änderung von Diese Bezeichnungen können provokant
Rangfolgen oder Hierarchien geht. Auf Auseinandersetzungen anstoßen, Sozial-
der Ebene der Veränderung zweiter Ord- arbeiter in ihrem Selbstwertgefühl bestär-

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Jürgen Beushausen: Ist es nützlich, Soziale Arbeit als anspruchsvoller als Psychotherapie zu bezeichnen?

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Pauls, H. (2004). Klinische Sozialarbeit.
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Petzold, H. G. (2002). Zentrale Modelle und
sel: Ernst Reinhardt. Dr. rer. pol. Jürgen Beushausen, geb. 1955, Stu-
Kernkonzepte der „Integrativen Therapie“.
Grawe, K. (1994). Was sind die wirklich Polyloge. http://www.fpi-publikation.de/po- dium der Sozialarbeit und der Erziehungswissen-
wirksamen Ingredienzien der Psychotherapie? lyloge/alle-ausgaben/02-2002-2002b-petzold- schaft, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der
www.psychotherapie.org/klaus/ref-grawe-2ht- h-g-zentrale-modelle-und-kernkonzepte-der- Hochschule Emden, Fachbereich Soziale Arbeit
ml. [Zugriff 08.06.2009.] integrativen-therapie.html [Zugriff 1.5.2012] und Gesundheit, Supervisor, Sozialarbeiter an
einer Fachstelle Sucht, Zusatzausbildungen in
Herwig-Lempp, J. & Kühling, L. (2012) So- Petzold, H. (2011). Psychotherapie der Zu- Familientherapie, Psychodrama, Integrativer Ge-
zialarbeit ist anspruchsvoller als Therapie, kunft – Reflexionen zur Zukunft und Kultur stalttherapie und Traumatherapie, juergen.beus-
ZSTB 30(2), 51-56. einer korrespondierenden und evidenzbasier- hausen@hs-emden-leer.de

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Kommentar / Feedback

Kommentar/Feedback zum Artikel von Johannes


Herwig-Lempp und Ludger Kühling: Sozialarbeit
ist anspruchsvoller als Therapie

Hut ab. Als Therapeut, der sich als Super- Ja, es ist eine Königsdisziplin, unbedingt. sexuellen Missbrauch und die drohen-
visor im Feld der Sozialarbeit tummelt, Ich mache aber die Erfahrung, dass we- de Herausnahme eines Kindes? Klar, es
kann ich den Grundtenor des Artikels nur der Berufsanfänger noch gestandene Kol- werden gesetzliche Vorschriften vermit-
bestätigen. legInnen, das selbst so sehen. Da heißt es telt, manchmal gibt es sogar Ablaufplä-
dann schon eher: „Ich bin nur Sozialar- ne. Aber wie das, was da manchmal ge-
Ehrlich begeistert bin ich, weil mir die beiter.“ Selbstbewusst ist anders. Die von tan werden muss (weil das Gesetz es ver-
sieben A‘s und die sechs Tätigkeiten eine Herwig-Lempp/Kühling im Artikel be- langt, und Therapeuten es nicht tun) in
solide Matrix für die Supervision von So- nannten sechs Tätigkeiten werden so gar der passenden Form und auf angemesse-
zialarbeit liefern. Eine Matrix, die ich, so nicht unterschieden. Das hört sich eher ne Weise getan werden kann, wird kaum
klar und bewusst, vorher nicht zur Ver- so an: „Wir machen Beziehungsarbeit.“ systematisch entwickelt, trainiert, reflek-
fügung hatte. Das wird die Zusammen- Wer aber gar nicht genau benennen kann, tiert, entwickelt.
arbeit in der Supervision verändern und was er tut, kann auch nicht systematisch
verbessern. trainieren, was er macht!! Er kann sich Wie gehen Sozialarbeiter mit den star-
selbst in der jeweiligen Disziplin und ken, häufig ambivalenten, Gefühlen, die
Natürlich könnte es Leute geben, die die die Disziplinen selbst nicht systematisch in einigen Situationen auftauchen kön-
Bewertung, die in dem Wort anspruchs- weiterentwickeln. nen, angemessen um? Und wie bleiben
voller steckt, bemängeln. Tatsächlich sie dabei körperlich, geistig und seelisch
kann man ja darüber nachdenken, ob Das ist genau die Erfahrung, die ich in gesund und munter? In welchem Curri-
eine andere Form der Beschreibung nicht sehr vielen Supervisionen mache. So­ culum für Sozialarbeiter oder Sozialpäd-
systemisch korrekter wäre: etwa, dass es zialarbeiter kämpfen im Sechs-Kampf, agogen ist das Pflichtfach?
in Beratung/Therapie einerseits und So- der Königsdisziplin, sie engagieren sich
zialarbeit andererseits um ganz unter- und rackern bis an die Grenzen der Er- Beim Beobachter kann der Eindruck
schiedliche, jeweils spezifische Ansprü- schöpfung. Aber viele sind in den ge- entstehen, dass die Profession als Gan-
che und Herausforderungen geht. Aber nannten Disziplinen kaum ausgebildet zes sich mit den schwierigen Seiten der
was wäre dann mit der schönen (!) Pro- oder gut trainiert (natürlich gibt es Aus- Berufsausübung, den A’s, nicht wirklich
vokation? nahmen). Der Mangel erscheint eklatant! intensiv beschäftigen möchte. Das wäre
Ich würde mir wünschen, dass die Pro- In der Königsdisziplin. Wo und wann aber notwendig, um in der Königsdiszip-
vokation vor allem unter Sozialarbeitern wird Verhandeln systematisch und ganz lin richtig gut zu werden.
wirksam wird. Im Licht der Definition praktisch trainiert? Das Führen von Hil-
als Königsdisziplin könnte die Profession feplangesprächen? Die Herausnahme ei- An Engagement und Potenzial herrscht
erkennen, dass sie bisher mit allzu diffu- nes Kindes? kein Mangel. Obwohl kaum Zeit und
sen und verwaschenen Theorien und Ei- Geld gewährt wird, bilden sich KollegIn-
gendefinitionen zum unsicheren und we- Für den Beobachter scheint es so zu sein, nen fort und versuchen alles, sich gegen-
nig profilierten Auftreten in der Öffent- dass Sozialarbeiter traditionellerweise seitig zu unterstützen. Es gibt Praktiker,
lichkeit beiträgt. Wer nicht weiß, wer er Sozialarbeit lernen, indem sie in die raue die könnten die Fortbildungen, die ei-
eigentlich ist und nicht genau benennen Wirklichkeit geworfen werden. Die Kon- gentlich notwendig wären, gut anbieten.
kann, was er tut, bekommt vielleicht von frontation eines Elternteils mit der Tatsa- Weil sie in irgendeiner Nische ziemlich
ein paar postmodernen Philosophen Ap- che, dass Gutachter die Erziehungsfähig- tolle Sachen erfunden und entwickelt ha-
plaus. Aber für eine angemessene Aner- keit eingeschränkt sehen und das Kind ben. Das bewundere ich. Gerade deshalb
kennung und eine anständige Bezahlung aus der Familie genommen werden soll? empört es mich, wenn dieses Erfahrungs-
wird es nicht reichen. Die Konfrontation mit dem Verdacht auf wissen nicht systematisch weitergegeben

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Kommentar / Feedback

und weiterentwickelt wird. Denn das hat sie tun. Deshalb erscheint mir der Artikel rufslang vertieft trainiert werden, wenn
Konsequenzen. Wenn ich in einer Kö- von Johannes Herwig-Lempp und Lud- Sozialarbeiter wie Anwälte bezahlt wer-
nigsdisziplin nicht gut trainiert bin, kann ger Kühling so wichtig. den – dann wird man diesen Artikel als
ich an den Herausforderungen zerbrechen Meilenstein feiern.
oder unter ihnen zusammenbrechen. Am Ende des Jahrhunderts, wenn an vie-
len deutschen Hochschulen die besten Vorher gibt es allerdings noch eine Men-
All das kann besser besprochen werden, Professoren die Begabtesten in der Kö- ge zu tun.
wenn Sozialarbeiter lernen, selbststän- nigsdisziplin ausbilden, wenn die sechs Jan Bleckwedel
dig und selbstbewusst zu benennen was Disziplinen wie selbstverständlich be- bleckwedel@fehrfeld.de

Leserbrief zum Beitrag von Johannes Herwig-Lempp


und Ludger Kühling in ZSTB 2/2012:
Sozialarbeit ist anspruchsvoller als Therapie

Lieber Johannes Herwig-Lempp, Dass ein  Familiensystem aufzulösen Dass es oft um „aushalten“ einer schwie-
und mit den Beteiligten in konstrukti- rigen familiären Situation geht, um Ent-
was für ein Artikel! Soziale Arbeit in der vem Kontakt zu bleiben keine Selbstver- wicklung zu ermöglichen, ohne eine Ga-
Kinder- und Jugendhilfe (Allgemeiner ständlichkeit, sondern eine professionelle rantie für dieses Risiko geben zu kön-
Sozialer Dienst) ist doch ein bürokratisch Höchstleistung voraussetzt. nen!
organisiertes, mechanisches Verfahren
zur Verhinderung von „Kindeswohlge- Dass es ebenfalls eine große sozialpä­ Welche Berufsgruppe im psychsozialen
fährdung“, das hier in Hamburg compu- dagogische Leistung ist, die unterschied- Bereich wird vor vergleichbare Anforde-
tergesteuert mit „Ankreuzbögen“ und so- lichen Systeme mit unterschiedlichen rungen gestellt?
gar „Genogrammerstellung“ nach einer Interessen und Sichtweisen, die aufein-
„Diagnostikschulung“ passgenaue Hilfen andertreffen, in den Hilfeprozess zu inte- Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg
ermöglichen soll! Und dann kommen Sie grieren, um eine „ Hilfe“ zu einer „gelin-
mit so einem ketzerischen Beitrag, der genden Hilfe“ werden zu lassen! Uwe Hilschmann
darauf hinzuweisen scheint, dass bereits uwe-hilschmann@t-online.de
die Einleitung des Hilfeprozesses eine Dass auch die Konfliktfähigkeit im ge-
besondere individuelle sozialpädagogi- richtlichen Verfahren nicht die menschli-
sche Leistung darstellt! chen Zugangswege verschütten sollte.

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