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BYZANZ UND DIE ARMENIER NACH DEM TODE

KAISER MANUELS I
-
(1180 1196)

Die theologisch-politische Auseinandersetzung mit den


monophys і tischen Armeniern machte seit den Tagen Kon
stantins des Grossen ein wichtiges Kapitel in der byzantini
--
schen Geschichte aus. Nach mancherlei Gegensä tzen und
Gemeinsamkeiten im Laufe von acht Jahrhunderten erhiel -
ten die beiderseitigen Beziehungen in der Mitte der Komnenen
epoche neue Akzente P), etwa zur gleichen Zeit, als der Amts
--
sitz des armenischen Katholikos von Zovk nach Rom Gla an
den westlichsten Punkt des grossen Euphratbogens verlegt
-
wurde. Wä hrend damals auf der einen Seite Kaiser Manuel 1
mit den gleichen universalistischen Motiven, die auch sonst
seine Politik lei teten, das Gespräch mit den Armeniern suchte,
bestimmte der rasch ansteigende mohammedanische Druck

Neffen und Nachfolger Gregor IV Dhega (1173-1193), Anleh


-
den Katholikos Nerses IV Chenorhali (1166 1173) und seinen
-
nung bei Kreuzfahrern und vor allem den Griechen zu su-
chen. Den Verhandlungen der Armenier nach der griechischen
Seite hin war schon beinahe voller Erfolg heschieden , als im
September 1180 Kaiser Manuel starb. Noch 1179 hatten
Gregor Dhega und seine Anhä nger in Rom-Gla Synodalbe-
schl ü sse durchgesetzt, die den Vorstellungen des Basileus
weitgehend entsprachen . Der Tod des grossen Komnenen
verhinderte jedoch den Vollzug der greifbar nahen Kirchen -
(1 ) YgL A , TéR-MIKELIAN, Die armenische Kirche in ihren Bezie
hungen zur byzantinischen , Leipzig 1392 , S, 37 ff . \ H. F. TOURNE-
-
BizE, Histoire politique et religieuse de VArménie , Paris 1910 , p . 239
sqq. ; P. TEKEYAN, Controverses ehristologiques en Arméno-Ç ilicie
dans la seconde moitié du X I I 6 siècle { 1165-1198 ) ( = Ortentatia Christia -
na Ana ìecta, 124), Roma 1939.
BYZANZ UND DIE ARMENIER 67

union , und es kam statt dessen ги einem tiefen Bruch * Erst


Alexios Ill Angelos machte
gemeinen (*) — —
so glaubte man bisher im all-
einen Versuch zur Wiederaufnahme der grie-
-
chisch armenischen Kontakte Sie f ü hrten am Palmsonntag
*

1196 unter Katholikos Gregor VI Abirad (1194-119S) zu


einem neuen , gemeinsamen Konzil zu Tarsus, ohne freilich
die Intensitä t der frü heren Verbindungen erreichen zu kön
nen (*).
-
Auf Grund verschiedener, bisher nicht entsprechend ausge
werteter Zeugnisse zu zeigen, dass seit 1180 und noch unter
-
Isaak Angelos in der Entwicklung des byzantinisch armeni-
schen Verhältnisses kein Stillstand eintratesoli hier unsere Auf
- -
gabe sein. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei mit Philip-
popel einer der wichtigsten Armeniergemeinden im Rhomäer -
reich gelten ; (Iber sie geben die Quellen im Gegensatz zu
den zahlreichen anderen Kolonien der Armenier in byzantini
schen Stä dten reichlich Auskunft,
-
Ü ber die Haltung des offiziellen Byzanz gegen ü ber den
Armeniern in der Regierungszeit des minderj ä hrigen Alexios
II (1180-1183), f ü r den sein gleichnamiger VetteT die Regent -
schaft f ü hrte, fehlen jegliche Hinweise. Immerhin vertraute
der Regent bei den schweren Strassenkä mpfen , die im Mai
1181 zwischen Anhä ngern und Gegnern seines Regimes bei
der Hagia Sophia tobten* den Oberbefehl ü ber die regierungs
treuen Einheiten dem Armenier Sabbatios an f3) Das legt *
-
den Schluss nahe, dass man am Goldenen Horn bestrebt war,
in der Атте ni erfrage weiter in der entgegenkommenden Art
des verstorbenen Manuel zu verfahren . Andererseits f ä nde
man in solchem Sachverhalt auch eine Erklä rung daf ü r, dass
Andronikos nach seiner Macht ü bernahme im Sommer des
Jahres 1182 die Armenier als Verb ü ndete des gest ü rzten
Protosebastos betrachtete und darauf auch in diesem Bereich
eine Neuorientierung der byzantinischen Politik vornahm ,
-
Kaiser Andronikos (1183 1185) scheint den Armeniern nicht

( 1 ) * ... les conversations interrompues à la mort de Manuel en 1180,


reprenaient de nouveau avec les Grecs en 1196 * (P, TEKEYAN , O.C.¡
p* 5&)+

<2) Vgl. P. TEKEYAN, O.C ., p 59 sqq*


,

(3) NIKETAS CHONIATES, ed . Bonn, p* 307 , 16 .


68 W . HECHT

Bemerkungen gegen ü ber dem Patriarchen Theodosios Bora-


diotes von Konstantinopel, dem man nachsagte, er stamme
vä terlicherseits aus armenischer Familie (*) Der letzte Kom-
nenenherrseher hat es den Armeniern wohl nie verziehen , dass
er gleich zweimal in seiner Laufbahn an seinen armenischen
Gegnern in Kilikien scheiterte (*). Aber das sind nicht mehr
als naheliegende Vermutungen I Als feststehend darf in-
dessen angenommen werden, dass unter der Regierung des
Andrò nikos Massnahmen gegen die Armenier getroffen wurden ,
dass ferner bei sonst nicht bekannten Gesprächen zwischen
der Kurie und Vertretern des Basileus von griechischer Seite
unfreundliche Bemerkungen ü ber die Monophysiten fielen {*).
Beides d ü rfte den Katholikos Gregor IV veranlasst haben ,
einen bis dahin nicht alltäglichen Schritt zu unternehmen :
Er sandte den armenischen Bischof Gregor von Philippope]
-
zu Papst Lucius 111 (1181 1185) und Hess bei ihm um Unter
st ü tzung f ü r seine Kirche nachsuchen.
-
Wir sind ü ber diese Gesandtschaft, die in der zweiten Hälfte
des Jahres 1184 zum Papst nach Verona gelangte, recht gut
unterrichtet, ist doch der Antwortbrief des Heiligen Vaters
vom 3. Dezember 1184 in armenischer Fassung erhalten (*).
ü ber diesen Text hinaus besitzen wir auch die zugehörigen
Erlä uterungen des Ü bersetzers Nerses von Lampron (*),

. ,
(1) NIK . CHON . , J .C. , p. 329, 15 $qq . ; EUSTATHIOS, De These * cap í ,
ed. Bonn, p . 400 , 5 sqq.
{2} Vgl . F . CHAIXANDON, Les Comn è ncs II , Paris 1912, p , 426 sqq.
bzw , p. 529 sq.
>
( 3 YARTAN üç R GROSSE, U n i v e r s a F r c u eí f des historiens
des croisades . Historiens arm éniens , I, Paris 1869 ( im folgenden abgek. :
RHC HARt 1) , p 438 ; vgL P. TEKEYAN , O X . , p . 52/ p . 53.
+

(4) Ed . M. TCHAMTCHIAN , Histoire d' Arménie III , Venise 17 Ä7 ,



p . 144 . - Lateinische Ü bersetzung u . a. bel Mans. A s GIAN , Let sania
sede e la nazione armena XX 1 IL II patriarca Gregorio Degha* Bes-
sarione anno VII, 1902, p . 190 sq .
(5) NERSES VON LAMPRON , Meknouihiun Pataragi (Commentaire
de la messe et méditation surla hiérarchie), Venise 1847 . Die mit einer
Übersetzung versehene Teilausgabe dieses Traktats im RHG H A H , I,
enthält die betreffende Stelle nicht. Daf ür bietet eine Schrift des
Nerses Lampronatzi zum Verlauf des 3. Kreuzzuges einleitend einige
Nachrichten zur Mission des Bischofs von Phlllppopel (vgl. P . VETTER ,
Nerses @>? Lamprotts Bericht über den Tod Kaiser Friedrichs I 3 ln
Hist , Jahrb, , II, Ш1, S. 289).
BYZANZ UND DIE ARMENIER 69

sehr gewogen gewesen zu sein , kennen wir doch seine abf ä lligen
des Erzbischofs von Tarsus und f ü hrenden Kopfes im arme-
nischen Geistesleben seiner Zeit, und haben schliesslich den
Bericht des Geschichtsschreibers Vartan des Grossen vorlie^
gen (J ). Nach diesen Quellen fand das in Verona ü berreichte
Glaubensbekenntnis der Armenier die Billigung des Papstes,
der an den Katholikos ü beraus freundlich antworten liess,
seine Hilfe zusicherte und Bischof Gregor wertvolle Geschenke
f ü r das Oberhaupt der armenischen Christenheit ü bergab (*).
Bischof Gregor gelangte nach so erfolgreicher Erledigung
seines Auftrages im Oktober 1185 wieder nach Kilikien (s).
Wenn ihn der R ückweg in sein Bistum und nach Philip-
popel f ü hrte, dann muss er schlimme Nachrichten f ü r Gregor
Dhega nach Rom-Gla mitgebracht haben. Die bl ü hende Ge-
meinde, die mit dem Atman-Kloster — Bischof Gregor war
zugleich Abt dieser Mönchsgemcinschaft —zu Lebzeiten
Kaiser Manuels ein Zentrum f ü r die griechisch-armenischen
Unionsbestrebungen war (4), hatte schwer zu leiden* Der

Konstantin Pantechnes (s) — —


neue griechische Bischof der Stadt wahrscheinlich war es
erwies sich f ü r die Monophy -
siten als unnachgiebiger Gegner und wurde in seiner Haltung
wohl vom Mitkaiser und Sohn des Androni kos, Johannes,
bestä rkt (e). Der Komnene musste den Armeniern sicherlich
ankreiden , dass ihr Bischof zu einem Zeitpunkt beim höch -
sten Kirchenf ü rsten der Lateiner weilte, zu dem man jeden
Tag mit dem Angriff der gleichen Lateiner auf das Rhomäer -
( 1 ) VARTAN DER GROSSE, Universalgeschichte, RH Ç HARt I , p .
438-— Ohne genauere Quellenangabe bringt E . DULAURIER ( RHC
HAR , l , p* 270) eine erweiterte Fassung dieser Passage aus dem Werk
Vartans, die vor allem auf den Aufenthalt der armenischen Gesandt -
schaft in Verona Bezug nimmt und teilweise auch bel A . TER -MIKE-
<
LIAN o*c. , S . 108) wiedergegeben 1st .
(2) Vgl . M. ASSIAN , C .C. , p . 191 .
(3) Vgl . P. VETTER , O .C.3 S . 289 .
( 4) YgL F* CHALANPON , Les Comnè nes li , pT 55tì .
( 5) Siehe unten Anmerkung 2, 5* 70.
(6) Nach NIKETAS CHöNIATES (ed . Bonn , p* 412 , 8 sq. bzw . p.
466, 8 sqq. ) hielt sich Johannes Koírmenos 1185 bis zu seiner Ermor*
düng nach dem Sturz seines Vaters in Philippopd und den kaiserlichen
Forsten der Umgebung auf *
70 W. HECHT

reich rechnen musste. Dass die Armenier sich dann tatsäch


lich aber nach den jü ngsten Vorf ä llen verstä ndlicherweise
-
— im Normannenkrieg eindeutig auf die Seite der Sizilianer
schlugen, sei nach Eustathios von Thessalon î ke 0) hier nur
am Rande erwä hnt.
Was ging im einzelnen in Philippopel vor Ÿ Aus dem ins
Jahr 1189 datierten Fragment der Rede des Niketas Chô m â
tes an den Bischof der Stadt (a) erfahren wir, dass unter dem
-
Vorgä nger des Angesprochenen , möglicherweise dem noch
1170 erwä hnten Metropoliten Bastidos II (*), der nach Niketas
< engelgleich » (á) in seiner Wesensart war, sich die armenischen
Christen in hellen Scharen ausbreiteten und mehrere Stadt-
viertel beherrschten , ja dass die Monophysiten sogar « den
ihrigen den Titel Bischof zulegten fr (s). Zweifellos beziehen
sich diese Angaben auf die Zeit vor 1183, und der armenische
Bischof Gregor d ü rfte nach Kaiser Manuels Vertrauensmann
in der Monophysitenangelegenheit, Johannes Atman, dem
Abt des nach ihm benannten Armenierklosters in der Stadt an
-
der Maritza , bereits der zweite armenische Oberhirte Philippo
pels gewesen sein. In der sich anschliessenden, lä ngeren Va-
-
(1 ) EUSTATHIOS, De Thess . capt .s ed. Bonn , p . 480 , 16 —
p. 481 ,21.
(2) J , van Di et en wird diese noch nicht edierte Rede eus dem Codex
Marclanus XL 22 ff , 123r- l 25T in seiner Niketas Choniates-Gesamt-
ausgabe demnächst herausgeben, deren Text mir freundlicherweise
Dr. F. Grabler (Wiener Neustadt ) zugänglich machte, Über die

·
Zuschreibung der Rede an Niketas, ihre Datierung und die Identifi-
zierung des Adressaten vgl vorläufig F . GRABLER , Jfafseriaien und
Menschenschkksaie im Spiegel der schönen Rede ( =» Byzantinische
Geschichtsschreiber XI, hrsg. von E. v . IYä NKA ), Graz-Wien-K öln ,
1966 , S . 315, wobei nur hinzuzuf ügen ist , dass ein Bischof Konstantin
|m Range eines Hyp erti mos f ür 1190 und 1192 in Philippopel auch
urkundlich gesichert ist , — Die Familie Pantechnes gehörte im
Übrigen während des 12 . Jahrhunderts zur Intelligenz der byzanti -
nischen Hauptstadt, wo sie verschiedene angesehene Ärtze, Theolo -
gen und Richter hervdrbrachte.
(3) VgL F. CHALANOON, Les Comunes II, p. 651, η , 6 +

( 4) * м άγγελιχός μίν γάρ τόν τρόπον χαί τον βίον άΕιοθαύμαστος хш


*

ύ ôt émïte ταντηνί πρότ £ ρο% ... * ( Ντκ . CHON . , Rede an den Bischof von
Phi tippopel , t . 123Γ ).
(5) « ... έπισχόπων έαντοίς έπιψημίζειν òro ματ a t ( NlK . CHON . ,
Rede on den Bischof iron Philippopel , f. 124Γ).
BYZANZ UND DTE ARMENIER 71

kanz des griechisch-orthodoxen Bischofssitzes (') nach dem


Tod des Vorgä ngers von Metropolit Konstantin haben die
Armenier in der Stadt offenbar noch an Einfluss gewonnen. Als
nä mlich der « Freund & (*) des Niketas n es nicht ertrug, diesen
Ubelstand ungebessert zu sehen È (s), stiess er mit seinen radi
kalen Vorstellungen in seiner Bischofsstadt urspr ü nglich
-
auf wenig Gegenliebe (4), Zielbewusst ging er trotzdem da -
ran , die Hä retiker zunächst in einer Disputation zu ü berwin
den. Da wir aus der zeitgen össischen Vita des heiligen Kyril-
-
los Phileotes wissen (fi), wie ln jenen Jahren zwisehen Ortho -
doxen und Monophysiten auf unterer Ebene diskutiert wurde,
können wir uns ein Bild davon machen , was geschah, als
Konstantin Pantechnes, von der staatlichen Obrigkeit ohne
Zweifel gedeckt, « die Glaubenssä tze der Gegenseite durch
hechelte und ihre Fälschungen l ächerlich machte # (e). Man
-
bekommt den Eindruck, dass d ì e rein theologischen Argumen
te nicht ausreichten, « Zehn tau sende der Menschen aus der
-
Gefangenschaft der Seelen loszukaufen » (7), denn nach den
Ausf ü hrungen des Niketas musste der eifrige Seelenhirte
« Gewalt mit der Ü berredung & (B) verbinden. Was das be-
deutete, berichtet uns aus der Sicht der Armenier wieder
deren bedeutendster Geschichtsschreiber im 13* Jahrhundert*

< 1 > * wHv Ó r* τοδ φωταγωγόν ποιμένας ή Φίλιππον α&τη πόλις èanà-
яІ

νιζϋ ... {Νίκ CHON., Hede an den Bischof von PiiiUppopeIt 1 12 )


* , >,
( 2) Zum zweifelhaften Verh ältnis des Niketas Choniates zu Bischof
Konstantin : Nut. CHON . , Rede an den Bischof von Phltippapel ,
f . 124T sqq.
(3) < ... μή φέρων δ* όράν ri HUX òV Δδιόρθωτον ... t ( Nut, CHON . ,
Hede ал den Bischof von Phi tippopel , f. I24r ).
(4) * ... МАЛ' ήσαν of καί κατά σαν ... μΐμελετήχασιν *· . » ( . CHON. ,
Rede ал den Bischof von Phitippopel , f , 123*).
(5) NIKOLAOS KATASXAPENO J > 1>$ des hL KyrWos Phileotes c 28 , .
ed . E. SAHOOLOGOS , Subsidia H ù g ì ograph ì ca , 39 . Bmxellts 1964, p .
123-p 127.
+

(6) « ... rd τών δογμάτων αύχών διαΰνρων xaI Μωμφδώνπαρέγγραητον** § +

( Νικ . CHON . , Rede an den Bischof von PhilippopeIt f . I24f ).


(7 ) * μυριάδας ανθρώπων ... τής τών φυχώμ αίχμαλωσίας άπελντρώ-
г.

σω ... * ( Νικ . CHON., Rede an den. Bischof von Philippopel , f . 1241).


.
(ft ) * + παραμίξας βίαν πειθοΐ . . * ( NIK . CHON , , Rede an den Bischof
h

t rt Phi tippopel , f . 124*}.


72 W. HECHT

Vartan der Groase. Nach seinen Worten f1) kam es ги Zwangs


bekehrungen , ги Vertreibungen von Armeniern um ihres Glau-
-
bens willen und ги Gewaltanwendung gegen 1600 armenische
Geistliche in drei Bistü mern , bei denen es sich sicherlich auch
um Philippopel handelte. Der Satz des Niketas von den
Armeniern, die « in die Beige und Einöden verirrt von schäd
lichem Gras kosteten und tr ü bes Wasser tranken » (a) d ü rfte
-
daher auch eine wirklichkeitsnahe Darstellung des Geschehe
nen und nicht bloss die kunstvolle Figur zur Beschreibung der
-
« Irrgl ä ubigen * im Munde eines gebildeten Rhetoren sein.
Wir wollen nicht mit Nachdruck behaupten, die genannten
Vorgä nge h ä tten sich insgesamt noch unter Andronikos I
abgespielt. Nach den Quellen sieht es vielmehr danach aus,
als hä tte die Revolution des Isaak Angelos vom September
1185 in der byzantinischen Einstellung gegen ü ber den Ar-
meniern keinen wirklichen Einschnitt bedeutet, sodass die
Verfolgungen von Philippopel nicht mit dem Namen eines
bestimmten Kaisers verbunden werden sollten. Immerhin
scheint aber der neue Herrscher anf ä nglich gegen eine weitere
Verschä rfung der Politik in der Monophysiten Frage gewesen -
ги sein. Dies bewirkte vielleicht ein in arabischer und arme-
nischer Sprache verfasstes Schreiben (a ), mit dem der ar -

VARTAN DER GROSSE, Universalgeschichte , RHC HAR, I , p . 438 .


il )
(2) ... είς γάρ όρη xal έρημίας άτιοπλανωμένα vóGCQ ài È yBv ùrTO πόας
και ΰολεροϋ μέτοχον ΰδατος .. . + ( Νικ , CHON . , Rede ΰίΐ den Bischof
von PhtUppapelt f. 124V ).
( 3) Im Antwortschreiben Isaaks II Angelos auf diesen Brief
(ed . A. PAPADOPULOS-KERAMEUS , Μανρογαρδάτειος Είβλιοβήχη * Ελλη- ,

νικά Άνέχόοτα , Konstanttnopel 1884 , p. 59


den beiden Ausfertigungen « .. . ίν μέν της
— к
p. 63) ist die Rede von
яτών ' Αρμενίων χτιρός ,
έτεροί δέ τής ’ Αραβικής . .. * ( í . c. , p. 60 , col. 1 * 29 sqq. ). Vom Brief
Gregor Dhegas wissen wir im übrigen auch aus einer Passage bei
VARTAN DEM GROSSEN ( Un ÙJmft /ÿeschitfWe , RHC HAR , I, p . 438).
Da Vartun das Schreiben des Patriarchen Ins armenische Jahr 635
( 11S6 / 11S7) legt , da aus dem Πιττάκιοψ des Basileus hervorgeht, dass
bisher kein Briefwechsel zwischen dem Kaiser und dem armenischen
Patriarchen stattgefunden hat (* ... xai x äv μήπω πεπειράμ&θα ταύτης
[ T îJ ï σής τιμιότητας ] , μηό> о4толф<ннйкй> £ ότι ¿ντΐτνχήχαμεν ... * ( f.C. ,
ρ 60 , col . 1 , 21 sq. )) und weil schliesslich die umfangreichen Aus-
,

f ührungen des Angelus über seine Machtübernahme { l .c . , p . 60, col.



2 , 20 p. 61 , col . 1 , 3 3) ab 1187 anachronistisch gewesen wären , sind
BYZANZ UND DIF ARMENIER 73

menische Patriarch dem neuen Kaiser ZUT Thronbesteigung


Gl ück w ü nschte, seine grundsä tzliche Bereitschaft zu Giau-
bensgesprä chen ausdr ü ckte und f ü r die Kolonie seiner mono
physitischen Landsleute in Ph ì hppopel ein gutes Wort dn
--
legte P). In seiner erhaltenen Antwort an Gregor Dhega lud
der Kaiser zwar den Katholikos zu Un ionsVerhandlungen in
seine Hauptstadt (*), spielte aber das Problem der gegenseiti-
gen Spannungen auf rein theologisches Gebiet hin ü ber, wo
sich der Kaiser ü ber den Festkalender p) und genau wie
Bischof Konstantin bei der Disputation in Philippopel (*)
ü ber die Frage auslässt, ob ο ανγχρααις » oder « σύγχνεπς ъ

die adaequaten Bezeichnungen zur Darstellung des Verhältnis^
ses der beiden Naturen Christi sind (5). Nur nebenbei* aber
doch mit auffallender Schroffheit, wird dem Oberhaupt der
armenischen Kirche eröffnet* seine Beschwerde wegen Be
lästigung seiner Glaubensgenossen durch den Metropoliten
-
von Philippopel beruhe auf einer Falsch informati on (*)* denn
nur der Heilige Geist habe die Konversion einzelner Armenier
zur Orthodoxie bewirkt ( 7) * Dass davon wirklich nicht die

wir ü berzeugt , dass die von Papadopulos- Kerameus f ür das Stück


vorgeschlagene Datierung ( f .c , p . 5& ) auf 1185 / 1186 zutreffend ist .
+

(1 ) Dass Gregor Dhega dem Kaiser zur Thronbesteigung Glü ck


w ü nschte , ergibt sich aus A , PAPADOPULOS- KBRAWEUS , O .C. , p . 60,
col . 2, 20 sqq . bzw, p . 61 , col. 1 , 33 sqq .— Ü ber die kirchenpolitische
Einstellung des Patriarchen erfuhr der Kaiser aus dem Schreiben,
* ώς начетах ¿v aol ή xaçÔ ta τφ τής μτθ' ήμών ενώσεως ερωπ . + . *
( ί . ί. , ρ. 60 , col . 1 * 32-33). — Zum Punkt Philippopel heisst es in der
kaiserlichen Antwort * " Εγραψα ή αή τιμιότης , ώς τούς леді τήν ΦιλίΛ-

(4) * Ò t Òàoxot »t
* *
·
7B>WVO>/^ ’ Αρμένιον* 6 έχεϊαε άρχιερεύς eí f ίτέραν λατρείαν με%έλχει ούχ
ixortaq + * ( Ге. p . 63 col 1 20-22 ),
*
(2) Vgl , A . PAPADöPULGS-KEHAMEUS, Q .C . p, 63, col. 2 , 11 sqq.
(3) Vgl. A. PAPADOPULOS-KERAMEUS , ü ,C* З p. 61, col. 2 , 3S sqq .
ούχ άλλον όέ xai άλλον оієавси αύτάν
— та y àç άμφά -

j
+*

Tega iv Tjf χράαει , θεού μέν ένανύροίπήααντος , ανθρώπου òè


μηΑέ ανγχέειν τάς φύσεις ... 9 ( NIK . CHON, , Rede an deft Bischof Poti

·
Philippopel , f , I 24r) .
(5) Vgl A , PAPADOPULOS- KEHAMEUS, O. C , , p . 62 * col , 1 , І 7 sqq*
(6) « . .. ούό' άλη$&ς άνηγ? έλη г j} ajj τίμίότητι .. , * ( A. PAPADOPULOS-
KERAMEUS , p. e . , p . 63* col . 1 , 24 sqO - Von einer « Beeinträchtigung
der Mönche des Klosters Atman & (F . D üLOEH , Regesten I , 2, Nr. 1621 ,
S. 102) ist im Kaiserbrief freilich kein Wort zu lesen .
(7 ) * · Tfl tot?
4 L

PULOS- KEHAMEUS o. c t p , 63, col 1 33),


* +

· ήμίν Λροσχωροναιν .. . * ( A. PAPADO-


*
74 W. HECHT

Hede sein konnte, wird deutlich, wenn wir die Aussagen des
Byzantiners Niketas zur Ü berprüfung des Sachverhaltes heran -
ziehen ,
Gregor Dhega hat anscheinend nach diesem Bescheid je -
den weiteren Briefwechsel mit dem Rhomäerkaiser f ü r ü ber -
fl üssig gehalten. In Byzanz verhä rtete sich
— —
noch einmal
nach Vartan dem Grossen 0) in der Folgezeit der Kurs
gegen ü ber den Monophysiten erneut. Das war nicht zuletzt
darauf zurückzuf ü hren, dass das Armeniertum, welches in
diesen Jahren zur Vollendung seiner staatlichen Organisa
tion fand , dem Kreuzzug Friedrich Barbarossas mit grössten
-
Erwartungen entgegensah (*), wä hrend man in Konstanti -
nopel f ü r den neuerlichen Zug der Lateiner durch die byzan-
tinischen Lä nder nur unverhohlenes Misstrauen aufbrachte.
Erst nach dem Tod Gregor Dhegas (1193) kam es daher zu
wenig wirkungsvollen griechischen Vorstössen beim Katholi
kos und dem ersten armenischen König Leon, wobei nicht
-
zu verhindern war, dass die mit der Gesandtschaft von 1184
eingeleitete Annä herung der Armenier an das lateinische
Europa und damit seine Abkehr von Byzanz immer deutli
chere Formen annahm.
-
W ürzburg, Winfried HECHT,

.
(1) VASTAN DER GROSSE, Un i versa Ige$chichtet RHC HAR, 1, p 43S,
( 2) Zum Verhalten der Armenier von Philippopel beim Herannahen
Barbarossas : NIK . CHON,, ed . Bonn, p* 527, 13 sqq, bzw, p* 534,5
sqq —
Ü ber die Ankunft der Kreuzfahrer in Armenien : NIK* CHON*,
-
*

ed* Bonn , p. 544, 21 und Nerses von Lampron's Bericht zum 3. Kreuz
zug ( vgl. P, VETTER, Nerse$ тол Lamprons Bericht über den Tod Kaiser
Friedrichs 11 in HisL Jahrb. П , 1881, 5. 289 ff .).