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Inhaltliche Planung des Unterrichts

Es können an dieser Stelle nur Wege skizziert werden, wie Portfolioarbeit inhaltlich
geplant wird. Ein Talentportfolio verlangt andere Arbeitsschritte als ein Lern- oder
Bewertungsportfolio. Es wurde versucht die Grundzüge der jeweiligen Portfoliotypen
herauszuarbeiten.

1. Bei der Einführung des Talentportfolios gilt es folgendes zu beachten:

Das Talentportfolio verlangt über einen längeren Zeitraum hinweg das


Dokumentieren gelungener Schülerleistungen. Dazu müssen vorab Kriterien
festgelegt werden, was als gelungene Schülerleistung bezeichnet werden soll.
Neben den Dokumenten kommen aber beim Talentportfolio auch noch schulische
und außerschulische Nachweise und Zertifikate hinzu: Die Durchführung von
Projekten, die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, diverse außerschulische
Qualifikationen, geleistete Praktika, Sprachkurse und noch vieles andere mehr.
Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass Schüler über einen längeren
Zeitraum hinweg selbstständig Dokumente sammeln, auswählen und bewerten, ist
Anleitung in der Schule unabdingbar. Zum Talentportfolio gehört auch die
Werbung in eigener Sache, das erworbene Kompetenzprofil, die eigenen
Fähigkeiten und Fertigkeiten besonders herauszustellen, ist sozusagen das
Grundmuster dieses Portfoliotypus. Geeignet hierzu sind Übungen zur Selbst- und
Fremdeinschätzung, zur Ermittlung eigener Stärken und Interessen. All dies
erfordert Unterstützung durch die Lehrperson, aber auch durch die Eltern und den
Klassenverband und alle anderen Berater und Experten.
Das Talentportfolio läuft in der Regel parallel zum Unterricht, kann aber als
Zukunftsplanung und Berufsorientierung immer wieder im Unterricht selbst
verankert werden. Das ergibt sich aus den einschlägigen Fachcurricula, vor allem in
den Wirtschaftsfächern, aber auch im Fach Deutsch und anderen Fächern.
Ausführlicher nachzulesen auf dieser Seite unter „Lehrplananbindung“.

Auf dieser Internetseite findet sich unter den Schülermaterialien alles Notwendige
zur Anlage eines Talentportfolios.

In Anlehnung an Endres 1 schlagen wir im einzelnen folgende Arbeitsschritte vor:

• Einführung in das Konzept


• Kriterienvereinbarung
• Arbeitsrahmen festlegen
• Talentsuche (Schüler)
• Beratung (Mitschüler)
• Individuelle Talenteinschätzung
• Fremdeinschätzung
• Überprüfung durch einen Außenstehenden
• Stärken-Schwächen-Profil
• Vorstellung der eigenen Talente in einem Kurzvortrag
• Reflexion der eigenen „Talentsuche“
• Selbstständige Fortführung der Arbeit und Weiterentwicklung des
• Talentportfolios als Basis eines Bewerbungsportfolios

1
Wolfgang Endres: Das Portfolio in der Unterrichtspraxis, 2008, Weinheim und Basel, Beilageposter
2. Lern- und Bewertungsportfolios sind integrativer Bestandteil des jeweiligen
Fachunterrichts.

Das ist ein ganz wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Talentportfolio. Von


daher wird eine andere inhaltliche Planung vorgeschlagen.

Zunächst muss wie bei jedem Unterrichtsvorhaben der Lehrplanbezug genau


hergestellt werden. Meist bietet sich ein fächerübergreifendes Vorgehen an. Daher
sollte man auch den Bezug zu den übergreifenden Bildungsaufgaben überprüfen.
Ziener 2 schlägt vor, das, was durch die Portfolioarbeit erreicht werden soll, vom Ziel
her zu definieren. Was soll der Schüler am Ende dieses Unterrichtsvorhabens
können? Welche Kompetenzen soll er erwerben? Welche Inhalte soll er sich
aneignen, welche Methoden soll er beherrschen?
So kommen Bildungsziele sozusagen vom Kopf auf die Füße und sind dadurch
auch überprüfbar.

Dieser kompetenzorientierte Unterricht und die Ausrichtung an


Bildungsstandards lässt sich hervorragend mit dem Portfolio verknüpfen, denn
das individuelle Portfolio dokumentiert den Prozess oder das Ergebnis des
geplanten Kompetenzerwerbs.

Wie geht die Lehrkraft jetzt am besten bei der Einführung vor?

Die Inhalte des Unterrichts muss die Lehrkraft in Übereinstimmung mit dem
Lehrplan so auswählen, dass am Ende der Arbeit die vorher festgelegten
Bildungsziele erreicht werden können und zwar als Mindeststandard von jedem
Schüler und von jeder Schülerin. In der Literatur bei Ziener ist nachzulesen, wie der
geplante Kompetenzerwerb auch noch in Kompetenzstufen und Kategorien zur
besseren Handhabung unterteilt werden kann. 3
(Kompetenzorientierte Erwartungen an Unterrichtserträge in drei Stufen)

Ein weiteres Ziel der Portfolioarbeit sollte sein, dass die Schüler ihre Sach- und
Methodenkompetenz vertiefen sowie den Umgang mit verschiedenen Medien zur
Informationsbeschaffung einüben. Daneben sollen auch die sozialen
Kompetenzen, wie Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen, gefördert
werden.

Wichtigstes Ziel für die Lehrkraft muss sein, die individuellen Lernwege und -
strategien bestmöglichst zu fördern. Indem sie Methoden der Planung, der
Organisation und Reflexion anwenden, sollen die Jugendlichen befähigt werden in
Zukunft immer mehr selbstgesteuert zu arbeiten. 4

All diese Ziele sollte sich die Lehrkraft vor der Einführung klar machen und in Form
eines Strukturplans dann ganz konkret für das geplante Unterrichtsvorhaben
festlegen. Aus diesem Strukturplan der Portfolio- Einheit zu einem bestimmten
Thema ergibt sich dann der zeitliche Ablauf des Unterrichts. Wiedenhorn schlägt
vor, den Plan auf zwei Ebenen zu realisieren: zum einen die methodische
Umsetzung, zum anderen die inhaltlichen Realisierung, wie sie sich beide aus den
Bildungsinhalten und dem geplanten Kompetenzerwerb ergeben. Am Beispiel einer
Portfolio Einheit zu Sachtexten im Deutschunterricht ist ein solcher Strukturplan

2
Gerhard Ziener: Bildungsstandards in der Praxis, 2006, Seelze, S.66
3
Ziener, Bildungsstandards, 2006, S. 56 ff
4
Thomas Wiedenhorn: Das Portfoliokonzept in der Sekundarstufe, 2006, Mülheim S. 34 f
detailliert nachzulesen. 5 Ist diese Strukturplan erstellt, lässt er sich leicht in eine
Zeitschiene bringen und kein Inhalt wurde vergessen.

Die Lehrkraft muss auch vorher entscheiden, ob es Pflicht- und Küraufgaben


geben soll.
Werden Arbeitsaufträge für alle verbindlich definiert oder nicht? Wie hoch ist der
Anteil des freien Arbeitsteils? Zu viel Freiheit kann auch in Überforderung ausarten,
die Schüler verzetteln sich möglicherweise. Am besten ist von der Planung her wohl
eine gut durchdachte Mischung beider Formen, wobei natürlich dem Alter und der
Erfahrung der Schüler Rechnung getragen werden muss.
Gibt der Lehrer Pflichtaufgaben vor, schränkt er zwar die Freiräume der Schüler
ein, stellt aber sicher, dass ein Mindestmaß an Bildungszielen von allen erreicht
wird. Wichtig ist der Freiraum bei der Forscherfrage oder Themafrage, wie sie auch
in der Literatur genannt wird. Die Lehrkraft steckt nur den thematischen Rahmen ab,
was genau untersucht werden soll, legen die Schüler fest, z.B. beim Thema
„Globales Lernen“ die „Auswirkungen des Klimawandels“.
6
In Anlehnung an Wiedenhorn lassen sich folgende Arbeitsschritte unterscheiden:

• Festlegen der Lernziele durch den Lehrer


• Formulierung der Forscherfrage durch den Schüler
• Festlegen von Kriterien und Aufgabenformen
• Sammel- und Arbeitsphase
• Auswahl
• Reflexion und Beratung
• Präsentation
• Beurteilung und oder Bewertung

Fazit: Portfolios bedürfen der Anleitung der Schüler und der Festlegung der
angestrebten Ziele durch die Lehrkraft. Der Unterricht bekommt Struktur, an der sich
alle orientieren können.

5
Wiedenhorn, Portfoliokonzept , 2006, S. 38
6
Wiedenhorn, Portfoliokonzept, 2006, S.16