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Landtagsklub.

Tirol, den 28. Jänner 2020.

Schriftliche Anfrage:

Kriterien für Anerkennung in Wissenschaftsgemeinde.

Frau Dr. Esther Happacher wurde in Presseaussendungen des Landes Süd-Tirol als
„anerkannte Wissenschaftlerin“ bezeichnet, und ihre Berufung in die
Sechserkommission wurde mit ihrer hohen wissenschaftlichen Reputation
gerechtfertigt.

Frau Dr. Happacher wurde bekanntlich im Jahr 2010 für „Italienisches


Verfassungsrecht“ an der Universität Innsbruck habilitiert, und sie wurde 2017 für
dieses Fach an der Universität Innsbruck zur Universitätsprofessorin ernannt:
https://www.uibk.ac.at/italienisches-recht/ueber-uns/personen/team/happacher/index.html.de.

Die „Anerkennung“ in einer Wissenschaftsgemeinde (scientific community) misst


sich erfahrungsgemäß an den Kriterien, die in jenem Land gelten, das zum
Forschungsgegenstand des Wissenschaftlers / der Wissenschaftlerin gehört.
Deshalb ist im gegenständlichen Fall auf die in Italien geltenden Voraussetzungen
für Habilitationen („abilitazione di seconda fascia“) und Berufungen („abilitazione
di prima fascia“) Bezug zu nehmen.

Die für die Zulassung zu den betreffenden Habilitationsverfahren erforderlichen


Mindestschwellenwerte sind aktuell im Ministerialdekret DM Nr. 589 vom 8. August
2018 geregelt. Bei einer „anerkannten Professorin“ ist davon auszugehen, dass sie
diese Mindestschwellenwerte nicht nur erreicht, sondern bei Weitem überschreitet
– da sie ansonsten in Italien nicht einmal zu den Auswahlverfahren zugelassen
worden wäre.

Das DM 589/2018 verlangt für eine Habilitation für das Fach „Diritto costituzionale“
(SC/SSD 12/C1) als Zulassungsvoraussetzung für die zweite Ebene mindestens vier
Artikel in anerkannten Fachzeitschriften („fascia A“, zu finden in ANVUR – Elenco
delle riviste Scientifiche di Classe A dell'Area 12); für eine Habilitation für die „erste
Ebene“ (also für die Zulassung zu einem Wettbewerb für eine Professur, wie sie Frau
Dr. Happacher innehat) acht solcher Publikationen.

Süd-Tiroler Freiheit – Freies Bündnis für Tirol


Landtagsklub | Süd-Tiroler Straße Nr. 13 | 39100 Bozen
Telephon +39 0471 981064 | landtag@suedtiroler-freiheit.com
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Die Gefertigten stellen folgende Fragen an die Landesregierung:

1. Über wie viele Artikel der 1. Klasse („fascia A“) verfügte Frau Dr. Happacher im
Jahr 2010, also im Jahr ihrer Habilitation? Wir bitten um genaue Auflistung.

2. Über wie viele Artikel der 1. Klasse („fascia A“) verfügte Frau Dr. Happacher im
Jahr 2017, also im Jahr ihrer Berufung auf eine Professur für Italienisches
Verfassungsrecht an der Universität Innsbruck? Wir bitten um genaue
Auflistung.

3. Entsprechen die im Rahmen der genannten Fachzeitschriften vorzuweisenden


Publikationsleistungen von Frau Dr. Happacher den Mindestkriterien für die
Zulassung zur Habilitation zweiter Ebene (im Jahr 2010) sowie zur Habilitation
erster Ebene (im Jahr 2017) nach italienischem Recht?

4. Sollte Frau Dr. Happacher die Mindestvoraussetzung für die Habilitation der
ersten bzw. der zweiten Ebene zum Zeitpunkt ihrer Habilitation bzw. Berufung
nach italienischem Recht nicht erfüllt haben, kann sie dann in Italien dennoch
jene Funktionen wahrnehmen, für welche im Normalfall eine Habilitation bzw.
eine Professur der ersten Ebene Voraussetzung ist (beispielsweise Mitwirkung in
staatlichen Prüfungskommissionen, Gutacherfunktionen)?

L.-Abg. Sven Knoll. L.-Abg. Myriam Atz-Tammerle.

Wir bitten um Übermittlung der Antwort an die Adresse: anfragen@suedtiroler-freiheit.com.

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