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Fischkunde

Fische sind die älteste und umfangreichste ling und Namaycush sind eingeführte Sal-
Gruppe der Wirbeltiere. Es gibt sie seit rund moniden aus Nordamerika.
R139 450 Millionen Jahren. Bis heute sind über Die artenreichste Familie sind die Karpfenar-
30 000 Arten beschrieben, jedes Jahr werden tigen (Cyprinidae), die Karpfen und Schleie
es mehr. Sie haben sich angepasst an die un- sowie diverse Weissfische wie Brachsmen,
terschiedlichsten Bedingungen und Lebens- Rotauge, Alet oder Barbe und viele Kleinfische
räume. Von der düsteren Tiefsee bis in winzige umfassen. Der grösste Fisch unserer Gewässer,
Bergbächlein, von tropischen Korallenriffen der Wels, gehört zur Familie der Welsfische
bis unter das ewige Eis der Polargewässer. (Siluridae). Die Barsche (Percidae) sind in der
Aber natürlich kann kein Fisch in all diesen Schweiz mit den begehrten Arten Egli und
Umgebungen überleben. Jede einzelne Art hat Zander vertreten. Einziger, aber gewichtiger
ihre Ansprüche und Grenzen. Einige anpas- Vertreter der Hechtfamilie, ist der Hecht, wis-
sungsfähige Fische können viele verschiedene senschaftlich Esox lucius.
Gewässer und damit grosse Gebiete besie- In den Schonvorschriften tauchen die diversen
deln, andere sind durch ihre Spezialisierung Kleinfischarten, die in unseren Gewässern le-
auf wenige Gewässer beschränkt. ben höchstens bei den Köderfischbestimmun-
gen auf. Sie spielen für das Ökosystem aber
Einheimische Arten eine wichtige Rolle, nicht zuletzt als Beute für
117 Die einheimischen Fische muss jeder Sport- grössere Fische. Die meisten Kleinfischarten
fischer kennen, nicht nur der gesetzlichen in unseren Gewässern gehören zu den Karp-
Fangmindestmasse und Schonzeiten wegen. fenartigen, nämlich Elritze, Moderlieschen,
In den Gewässern der Schweiz leben ver- Schneider, Laube (Läugel), Bitterling, Strömer,
gleichsweise wenige Fischarten. Es sind Hasel und Gründling. Zur Familie der Schmer-
gegen 70 Arten, von denen einige selten len gehören die Bartgrundel und Steinbeisser
geworden oder sogar vom Aussterben be- (Dorngrundel). Die Groppe ist ein weit verbrei-
droht sind. 13 Arten kommen nur auf der teter Kleinfisch in Schweizer Fliessgewässern.
Alpensüdseite im Einzugsgebiet des Ticino Im Fischereigesetz werden neben den Fischen
vor. Durch Kraftwerksbau und Gewässerver- auch die Krebse und ihr Fang behandelt. Wer
schmutzung sind sechs Arten bereits ausge- Krebse fangen und nutzen will, muss deshalb
storben, darunter Fische wie Lachs, Meerfo- auch die einheimischen und eingeführten
L38 relle und Stör. Strikt geschützt sind derzeit Krebsarten kennen und oft ein spezielles Pa-
R115 die Marmorata-Forelle, die Nase (mit den tent lösen. Der Edelkrebs, der Dohlenkrebs und
Unterarten Sofie im Jura und Savetta im Tes- der Steinkrebs sind einheimische Arten.
sin), der Rhone-Streber (Roi du Doubs) und Für sämtliche nicht einheimischen Arten gilt
der Schlammpeitzger. Diese Fische müssen ein Lebendtransport-Verbot. Sie sind nämlich
R114 sofort schonend zurückgesetzt werden! oft Träger der Pilzerkrankung «Krebspest», die
Die fischereilich wichtigste Fischfamilie in für die europäischen Arten tödlich ist. Folgende
der Schweiz sind die Forellenartigen (Salmo- nordamerikanische und osteuropäische Krebse
nidae), die man auch Edelfische nennt. Zu kommen in der Schweiz vor: Kamberkrebs, Sig-
ihnen gehören Bach- und Seeforelle, See- nalkrebs, Galizierkrebs und der rote amerika-
saibling, Äsche und die vielfältige Gruppe nische Sumpfkrebs.
der Felchen. Regenbogenforelle, Bachsaib-

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Der Hecht ist perfekt an das
Leben als Unterwasser-
jäger angepasst.

Fische besser verstehen

Der Fisch ist perfekt an das Leben unter Was- Das beginnt bei den speziell an das Wasserle-
ser angepasst. Sein Körper ist so geformt, ben angepassten Organen und Körperteilen. L25
dass er möglichst wenig Wasserwiderstand
bietet. Der Fisch atmet Wasser, er ernährt sich Atmung und Kreislauf
im Wasser und er pflanzt sich im Wasser fort. Der Fisch atmet den im Wasser gelösten Sau-
Der entscheidende Unterschied zwischen erstoff. Ein Teil dieses Gasaustauschs geschieht R30
Fischen und Landtieren ist der Lebensraum über die dünne Haut, den grössten Teil aber R31
Wasser. Wasser unterscheidet sich in vielen nehmen die Kiemen auf. Das sind intensiv
Eigenschaften von der Luft. Wasser durchblutete Büschel aus besonders
ist in seinen chemischen und gasdurchlässigem Gewebe.
physikalischen Eigenschaf- Hier nimmt das Fischblut
ten weniger stabil als Sauerstoff auf und gibt
Luft. Zudem ist die Kohlendioxid und
Fortbewegung im Wasser Stoffwechselproduk-
Wasser dank des te ans Wasser ab.
Auftriebs mit ge- Kiemen Der Übergang der
ringerem Energie- Gase vom Wasser
bedarf verbunden. ins Blut ist 20 Mal
Im Wasser ist aber besser als von der
auch viel weniger Luft ins Blut und
Sauerstoff verfüg- umgekehrt. Die fein
bar. Bei 10 °C sind verästelten Kiemen-
Herz
nur 11 Milligramm (mg) blättchen bilden eine
Sauerstoff pro Liter Wasser grosse Oberfläche auf klei-
gelöst, pro Liter Luft sind es nem Raum. Sie sind deshalb
260 mg, also rund 25 mal mehr! Kein auch empfindlich. Ausserhalb des Was-
Wunder unterscheidet sich der Fischkörper sers trocknen sie schnell aus und bei Berüh-
deutlich von dem eines landlebenden Tiers. rung werden sie leicht beschädigt.

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Das Fischherz ist kleiner und einfacher ge- Zander. Manche Fischarten wie Groppe und
baut als das höherer Wirbeltiere. Es besteht Wels haben in Anpassung an ihre Lebensweise
aus zwei Kammern. Auch der Kreislauf ist am Grund gar keine Schuppen mehr.
einfach. Das «verbrauchte» Blut gelangt Ausserhalb des Wassers trocknet die Fischhaut
über grosse Venen ins Herz und wird von rasch aus und bei unvorsichtiger Behandlung
R29 dort in die Kiemen gepumpt, wo es wieder wird sie verletzt. Hautschäden können zu In-
Sauerstoff aufnimmt und direkt in den Kör- fektionen und Pilzerkrankungen, ja sogar zum
per weiterfliesst. Tod führen.

Haut und Schuppen Fortbewegung


Die Fischhaut ist dünn, glatt und bedeckt Die Flossen und eine starke Rumpfmuskulatur
L27 von einer Schleimschicht. Diese verrin- machen den Fisch mobil und sehr beweglich im
R26 gert den Wasserwiderstand des Fischs und Wasser. Hauptantrieb ist die Schwanzflosse, die
schützt die Haut biochemisch vor Parasiten, Brustflossen erlauben die Steuerung, Bauch-
Pilzen und Bakterien. und Rückenflosse stabilisieren den Fischkörper.
Bei den meisten Fischen wird die Haut zu- Je nach Lebensraum und Lebensweise sind die
L28 sätzlich mechanisch geschützt durch feine Flossen und der gesamte Körper unterschied-
Knochenplättchen, die Schuppen. lich geformt.
Der Körper der älteren Fischfamilien ist ent- Die Flossen sind bei manchen Fischen auch
weder mit Rundschuppen (Cycloidschuppen) wichtig für den Schutz (Stacheln), die Fortpflan-
bedeckt, so beispielsweise bei den Karp- zung oder als Sinnesorgan abgewandelt (Ge-
fenartigen und den Forellenartigen. Die schmacks- und Tastsinn).
stammesgeschichtlich «moderneren» Arten
haben Kammschuppen (Ctenoidschuppen).
Diese finden wir zum Beispiel bei Egli und

Seitenlinie 1. Rückenflosse
Kiemendeckel 2. Rückenflosse Schwanzflosse
Nasenöffnung Fettflosse

Bartfaden Schwanzstiel
(Bartel) Brustflosse
(paarig) After Afterflosse
Bauchflosse
(paarig)

Kopf Rumpf Schwanz


Gesamtlänge

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Schwimmblase Verdauung
Der Fischkörper ist schwerer als Wasser. Die Insbesondere die Raubfische haben einen
Schwimmblase ermöglicht durch das darin ge- grossen Magen, der in der Lage ist, grosse L32
speicherte Gas, das Übergewicht des Fischs aus- Beute zu verdauen. Das ist auch nötig, denn
zugleichen. So ist ein müheloses Schweben in alle unsere heimischen Raubfische müssen ihr
allen Wasserschichten möglich. Bei ausgespro- Futter ganz hinunterschlucken. Die Zähne die-
chenen Bodenfischen, die sich nicht frei im Was- nen nur zum Festhalten. Um die Beute zu zer-
ser bewegen, wie etwa bei der Groppe, fehlt die kleinern sind Fischkiefer viel zu schwach. Die L138
Schwimmblase. Wird ein Fisch rasch aus Tiefen meisten karpfenartigen Fische haben hingegen
über zehn Metern an die Oberfläche geholt, keinen eigentlichen Magen, dafür einen langen
dehnen sich die Gase im Fischkörper so stark Darm. Sie zerkleinern die Nahrung grob mit
aus, dass sie ihn schädigen. Man nennt diesen den so genannten Schlundzähnen.
tödlichen Überdruck im Fisch Trommelsucht. Der Fischdarm ist ein langer Schlauch, in
Man unterscheidet die Knochenfische anhand welchem die Nahrung zersetzt wird und die
ihres Schwimmblasentyps in zwei Gruppen: Nährstoffe ins Blut übergehen.
1. Physostomen: Die Schwimmblase ist mit dem
Darm durch einen Gang (Ductus pneumaticus] Leber und Nieren
verbunden. Zu ihnen gehören Karpfenartige, Die Leber der Fische erfüllt viele lebens-
Forellen, Saiblinge, Äschen und der Hecht. wichtige Funktionen. Sie baut giftige Produkte
2. Physoklisten: Der Verbindungsgang zwi- des Stoffwechsels ab und liefert wichtige Stoffe
schen Darm und Schwimmblase fehlt. Zu für die Verdauung, die Fortpflanzung und das
ihnen gehören die Barschfische wie Egli Immunsystem. Dieses relativ grosse Organ ist
und Zander sowie Fischarten, die gar keine stark durchblutet und empfindlich auf Druck.
Schwimmblase besitzen. Die Leber kann bei unsorgfältigem Umgang mit
dem Fisch nachhaltig geschädigt werden.

Muskulatur
Kiemen Wirbelsäule Schwimmblase
Hirn Niere Harnblase

Herz Magen Darm After Geschlechts- und


Harnleiteröffnung
Leber Gonaden
Gallenblase

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R35 Die Niere liegt bei Fischen als ein Paar langer und trübem Wasser andere Fische, Hindernis-
dunkelroter Stränge entlang der Wirbelsäule. se und Beute orten. Die Seitenlinie ist oft als
Linie auf der Flanke sowie als Poren auf dem
Gehirn und Sinne Kopf sichtbar.
Fische haben wie alle Wirbeltiere ein Gehirn. Das Ohr der Fische sieht man zwar nicht, aber
Das Fischhirn ist im Vergleich zu Vögeln oder es ist vorhanden und wichtig als Gleichge-
Säugetieren klein und primitiv. Jene Bereiche, wichtsorgan. Die meisten Fische verfügen über
R36 wo die Sinneseindrücke aus Auge, Nase und ein gutes Gehör, insbesondere die Karpfenarti-
Seitenlinie verarbeitet werden sind im Verhält- gen, wo zusätzliche Knochen die akustischen
nis aber auffällig gross. Ein gefaltetes Grosshirn Signale verstärken.
wie bei Säugetieren fehlt den Fischen.
Ein Fisch nutzt seine gut entwickelten Sinnes- Fortpflanzung
organe, um sich zu orientieren, Beute zu jagen, Die Fortpflanzung unserer einheimischen Fische
Feinden aus dem Weg zu gehen und Artgenos- erfolgt beim so genannten Laichen, wobei die
sen zu finden. Besamung der schalenlosen Eier durch das
Die Augen der meisten Fische sind hoch ent- Männchen (Milchner) erst im Augenblick der
wickelt und lichtempfindlich. Sie ermöglichen Eiablage ausserhalb des Körpers der Weibchen
auch bei wenig Licht eine relativ gute Sicht. Vie- (Rogner) stattfindet.
le Arten können auch Farben unterscheiden. Man unterscheidet nach dem Laichverhalten
Fische haben eine feine Nase. Ihre Nasenlöcher Paar- und Schwarmlaicher, nach der Jahreszeit
sind allerdings nicht mit den Atemwegen ver- Winter-, Frühjahrs- und Sommerlaicher und
bunden, sondern u-förmige Gänge, die dazu nach dem Laichplatz Freiwasser-, Kies- oder
L33 dienen, den Riechzellen Wasser zuzuführen. Der Krautlaicher.
Geruch dient nicht nur zur Beutesuche, sondern In der Schweiz gibt es Fischarten, bei denen
bei vielen Arten auch zur Orientierung. eigentlich kein Fangmindestmass notwendig
Der Lachs zum Beispiel findet dank seinem aus- wäre, da ihre Fortpflanzungsstrategie darauf
geprägten Geruchssinn sein Heimatgewässer ausgerichtet ist, bei günstigen Umweltbedin-
auch nach Jahren im Meer und einer Reise über gungen sehr grosse Nachkommenzahlen zu
Tausende von Kilometern wieder. produzieren. Während nämlich ein Bachforel-
Der Geschmackssinn beschränkt sich bei vielen lenweibchen pro Kilogramm Körpergewicht nur
Fischen nicht auf die Zunge. Sie haben auch rund 2000 kostbare Eier abgeben kann, sind
Geschmackszellen rund ums Maul, und teilwei- dies bei einem grossen Egli bis zu 300 000, bei
se sogar auf Flossen und Bauch. Fische, die den einer Trüsche sogar bis zu einer Million Eier!
L34 Geschmackssinn bei der Beutesuche besonders Das Schicksal ihrer Nachkommen ist sehr stark
stark nutzen, haben zusätzlich Barteln, eine Art von den Umweltbedingungen während ihrer
Antennen für Stoffe, so dass sie ihr Futter beim Schlupf- und Wachstumsphase abhängig.
Wühlen im Bodengrund oder im Dunkel der
Nacht finden.
Ein exklusives Sinnesorgan der Fische ist die
Seitenlinie. Es handelt sich um Sinneszellen,
die Druckveränderungen im Wasser feststel-
len. Die Fische können so auch in Dunkelheit

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Bachforelle 24

Fluss-, Wald-, Stein-, oder


Alpforelle, Ameli,
Fore oder Förndli

Die Forelle weist einen tor- Sie ist der begehrteste und
pedoförmigen Körper auf, der meistgefangene Sportfisch in
seitlich etwas zusammengedrückt unserem Land.
ist. Bei ausgewachsenen Fischen ist die
Schwanzflosse nur wenig oder gar nicht ein-
gebuchtet. Das Maul ist bis hinter die Augen
gespalten mit zahlreichen leicht gekrümmten Grösse: bis 90 cm, max. 100 cm
Zähnen darin. Auffälliges Merkmal ist wie bei Laichzeit: Oktober bis Dezember
allen Salmoniden die Fettflosse. Die Färbung Fangsaison: März bis September
ist je nach Gewässer, Untergrund und Standort Köder: Wurm, Bienenmade, Heu-
variabel. Die Bachforelle bevorzugt Bäche und schrecke, Köderfisch, Spinner,
Flüsse mit kühlem Wasser und vielfältig struk- Wobbler, künstliche Fliege
turierte Ufer mit vielen Versteckmöglichkeiten.

Seeforelle 21

Lanke, Schwebforelle

Der Körper ist torpedoförmig verlässiger Wasserführung


und seitlich zusammenge- und sauberem Kiesgrund zur
drückt. Im Alter oft deutlich hoch- Fortpflanzung.
rückiger als im Jugendstadium. Die Färbung
der Seeforelle kann je nach Standort oder
Gewässer unterschiedlich sein, die Seiten
sind silberglänzend, der Rücken blaugrün Grösse: bis 100 cm, max. 140 cm
bis braun. Die dunklen, unregelmässigen Laichzeit: Oktober bis Dezember
Tupfen erinnern an Sterne oder Sonnen. Die Fangsaison: Januar bis September
Seeforelle lebt in Seen, die auch im Sommer Köder: Löffel, System, Wobbler,
genügend kühles, sauerstoffreiches Wasser künstliche Fliege
bieten. Sie braucht Fliessgewässer mit zu-

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22 Regenbogenforelle

Regenbögler

L131 Aus Nordamerika einge- turen und beeinträchtig-


führte Forellenart, die in un- te Gewässer besser als die
seren Gewässern heimisch wur- Bachforelle.
de; aber seit dem 1. Januar 1995 nur
noch ausnahmsweise in Schweizer Gewässer
eingesetzt werden darf.
In der Regel ist sie mit schwarzen Punkten
übersät, die ebenfalls Rücken-, Fett- und Grösse: bis 90 cm, max. 110 cm
Schwanzflosse bedecken. Der Seitenlinie Laichzeit: Februar bis Mai
L126 entlang, vom Kiemendeckel bis zur Schwanz- Fangsaison: Februar bis Oktober
flosse, weist sie oft eine mehr oder weniger Köder: Bienenmade, Wurm, Spinner,
starke rötliche Färbung auf. Die Regenbo- künstliche Fliege
genforelle verträgt höhere Wassertempera-

Kanadischer Seesaibling

Namaycush,
Kanadische «Seeforelle»


Der kräftig gebaute Fisch mit
dem markanten Schädel ist eine
Saiblingsart, die aus Nordamerika
eingeführt wurde. Seit über hundert Jahren
ist der «Kanadier» in zahlreichen Alpenseen
heimisch. Er besitzt ein auffallend grosses Grösse: bis 100 cm, max. 120 cm
Maul mit starken Zähnen. Seine Grundfar- Laichzeit: Winter
be ist grün bis dunkelgrau – mit einer hellen Fangsaison: nach dem Auftauen,
Marmorierung. Der Namaycush ist an kaltes Mai bis September
Wasser angepasst und gedeiht in hoch gelege- Köder: Spinner, Löffel, Köderfisch,
nen Bergseen, in denen andere Fischarten nur künstliche Fliege
kümmerlich überleben.

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Saiblinge

Rötel

Saiblinge sind der Forellen- Seesaibling


form sehr ähnlich. Der See-
saibling hat jedoch kein so weit
nach hinten gespaltenes Maul wie die
Forelle. Sein Bauch nimmt zur Laichzeit eine L132
stark rote Farbe an. Diese Färbung verblasst
während der restlichen Jahreszeit. Die Sei-
ten weisen immer helle Punkte auf. Brust-,
Bauch- und Afterflosse sind vorne mit einem
weissen Rand gezeichnet. Der Seesaibling
gedeiht in den tieferen Regionen grosser
Voralpen- und Alpen-Seen.
Der Bachsaibling zeigt auf dem Rücken eine
hellere Marmorierung. Die Punkte an der
Flanke sind gelblich bis rot. Die Bauch-
partie kann ebenfalls eine stark
rote Färbung annehmen. Die
Brust-, Bauch- und After-
flosse sind schwarz und
weiss gesäumt.
Seine grosse Maulspal-
te reicht bis hinter das
Auge. Der Bachsaibling
bevorzugt kaltes Wasser.
Der aus Nordamerika ein-
geführte Salmonide ist bei Bachsaibling
uns in Bergbächen und Berg-
seen heimisch.

Grösse: bis 50 cm, max. 80 cm


Laichzeit: November bis Januar
Fangsaison: April bis August
Köder: Spinner, Fischchen am System,
Löffel, künstliche Fliege,
Bienenmade, Wurm

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23 Äsche

Äsch, Graue

Die Äsche besitzt einen


langgestreckten Körper mit
ovalem Querschnitt. Der kleine
L136 Kopf läuft spitz zu. Die Schwanzflos-
se ist tief eingeschnitten. Die mittelgrossen
Schuppen schimmern metallisch. An der vor-
deren Körperpartie befinden sich vereinzelte
schwarze Punkte. Charakteristisch ist die Grösse: bis 55 cm, max. 60 cm
grosse, rotschwarz geränderte Rückenflosse. Laichzeit: April, Mai
Die Äsche braucht fliessendes, kühles Was- Fangsaison: September bis Dezember
ser, sauberen Kies zum Laichen und ist als Köder: Wurm, Bienenmade,
Schwarmfisch empfindlich auf Fisch fressen- Nymphe und Trockenfliege
de Vögel.

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Felchen

Über hundert Namen wer- Formen besiedeln grosse


den für die verschiedenen Seen von der Tiefenregion
Felchenarten in unserem Land bis ins Freiwasser.
verwendet. Die häufigsten sind Bal-
chen, Blalig, Albeli, Albock, Brienzlig, Fera usw.
Das Maul ist endständig, der Körper torpedo-
förmig und seitlich zusammengedrückt. Je nach Grösse: bis 70 cm, max. 80 cm
Art sind die Kiemenreusendornen weiter oder Laichzeit: praktisch ganzjährig,
dichter zusammen. Die Seiten und der Bauch je nach Form
sind weisslich bis silbrig, die Flossen grau. Die Fangsaison: gut: Januar bis Mai und
Rückenfarbe reicht von blaugrün bis braun. September bis November
Felchen sind typische Seefische der Voralpen Köder: Hegene, Made, Wurm
und Alpen. Sie leben im Schwarm. Verschiedene

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Karpfen 9

Beim Karpfen unterscheidet Der Karpfen schätzt warmes


man Schuppen- (Wildkarpfen), und wasserpflanzenreiches Was-
Spiegel- und Lederkarpfen. Der Schup- ser in Seen und Teichen, aber auch in
penkarpfen ist voll beschuppt, der Spie- den ruhigen Zonen von Flüssen.
gelkarpfen dagegen weist wenige grosse L130
Schuppen auf, und der Lederkarpfen ist gar
schuppenlos. Der Wildkarpfen ist schlanker Grösse: bis 100 cm, max. 120 cm
als die anderen Formen. Es gibt aber so viele Laichzeit: Mai bis Juli
Zuchtrassen, dass keine Form charakteristisch Fangsaison: Mai bis November
ist. Das Maul ist vorstülpbar und die Ober- Köder: Wurm, Brot, Kartoffeln, Mais,
lippe mit vier Bartfäden versehen. Die Fär- Teig, Boilies
bung variiert von gelblich-oliv bis blaugrün.

Schleie 13

Dieser hübsche Karpfenfisch


besitzt eine kräftige, abgerundete
Schwanzflosse und in jedem Mundwinkel
eine Bartel. Die kleinen Augen sind leuch-
tend orange. In der schleimigen Haut sind
kleine Schuppen tief eingebettet. Die abge- Grösse: bis 60 cm, max. 70 cm
rundeten Flossen und die zwei Barteln im Laichzeit: Mai bis Juli
Mundwinkel gehören ebenfalls zum typi- Fangsaison: Mai bis September
schen Erscheinungsbild. Die Schleie lebt in Köder: Wurm, Mais, Kartoffeln,
Seen und Teichen und liebt dichte Wasser- Teig, Made
pflanzenbestände.

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11 Alet

Döbel, Aitel, Dickkopf

Der Alet weist einen im


Querschnitt fast runden Kör-
per auf. Sein grosser Kopf ist
stumpf und breit. Die messingfarbigen
Schuppen sind auffällig gross und am Hin-
terrand dunkel gesäumt. Der Rücken und das
Ende der Schwanzflosse sind grau. Bauch- Grösse: bis 60 cm, max. 70 cm
und Afterflosse zeigen einen rötlichen Laichzeit: April bis Juli
Schimmer. Der Alet ist ein anpassungsfähi- Fangsaison: März bis November
ger Fisch, der auch in stark beeinträchtigten Köder: Würmer, Brot, Kirsche,
Fliessgewässern überleben kann. Ebenso in Maden, Spinner, Wobbler,
Seen findet man diesen anpassungsfähigen künstliche Fliege
Allesfresser.

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Barbe

Barbel, Schnäuzer

Dieser strömungsliebende Fisch vorzugt grössere Fliess-


hat einen stromlinienförmigen, gewässer mit lockerem Kies-
kräftigen Körper mit gut sichtbaren oder Sandgrund.
L137 Schuppen. Das wulstige Maul ist unterstän-
dig und mit vier grossen Bartfäden ausge-
stattet. Der längste Rückenflossenstrahl ist
sehr kräftig. Die Färbung des Rückens reicht Grösse: bis 80 cm, max. 90 cm
von braun bis grün. Die Seiten sind heller; Laichzeit: Mai und Juni
meist schimmert die Barbe metallisch (mes- Fangsaison: April bis November
singfarbig). Brust-, Bauch- und Afterflosse Köder: Wurm, Käse, Fischchen,
sind gelblich bis rötlich getönt. Die Barbe Nymphe
ist ein grundorientierter Flussfisch und be-

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Nase 12

Zingge

Diesen Fisch erkennt man und darf nicht mehr gefan-


leicht an seiner weit vorragen- gen werden. Die Nase ist seit
den Schnauze. Das unterständige 2007 ganzjährig geschont.
Maul wirkt eckig. Die Lippenränder sind
hart und scharfkantig.
Die Flanken glänzen silbrig, während die Rü-
ckenfarben von grau bis braun reichen. Rücken-
und Schwanzflosse sind dunkel. Alle anderen
Flossen weisen eine rötliche Färbung auf. Die
Nase schätzt Fliessgewässer mit gut durch-
strömtem Kiesgrund. Sie ist in der Schweiz
innert weniger Jahrzehnte von einem der häu- Laichzeit: April bis Juni
figsten Flussfische zu einer Rarität geworden

Brachsmen 16

Brassen, Brachsen

Der Brachsmen ist erkennbar an Rotton zeigen. Der Brachsmen


seiner zusammengedrückten und aus- wird zudem einiges grösser. Beide
geprägt hochrückigen Form. Die Oberseite sei- Arten leben am Grund von Seen und schwach
nes Körpers ist dunkelgrau, während die Flanken strömenden Fliesspartien.
heller sind und metallisch schimmern. Unterstän-
dig und weit vorstülpbar ist das Maul. Die Blicke
wird leicht mit dem Brachsmen verwechselt, da Grösse: bis 70 cm, max. 80 cm
beide fast dieselbe Form aufweisen. Unterschei- Laichzeit: Mai, Juni
den kann man die beiden Karpfenartigen da- Fangsaison: Mai bis Oktober
durch, dass die Blicke vergleichsweise grössere Köder: Wurm, Teig, Made, Mais
Augen hat, und ihre Flossen einen deutlichen

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17 Rotauge

Plötze, Schwale, Winger

Das Rotauge hat eine klas- hinten liegt. Das Rotauge


sische Fischform, die im Alter ist anpassungsfähig und
hochrückiger wird. Der Körper ist bevölkert sowohl grosse Seen
seitlich zusammengedrückt und das und Flüsse als auch kleine Teiche.
Maul endständig. Die Rückenfarben variieren
von grau bis blaugrün. Bauch- und Afterflos-
se sind rötlich bis orange gefärbt. Ein wei-
teres Merkmal ist der rote Augenkreis. Der Grösse: bis 40 cm, max. 50 cm
markante Unterschied zur ähnlichen Rotfe- Laichzeit: April bis Juni
der liegt im Ansatz der Rücken- und Bauch- Fangsaison: ganzjährig
flossen, die beim Rotauge genau senkrecht Köder: Wurm, Maden, Teig,
untereinander liegen, während der Ansatz künstliche Fliege
der Rückenflosse bei der Rotfeder weiter

19
Rotfeder

Röteli, Rottele, Rotschwanz

Der Körper dieses Weissfischs


ist ziemlich hochrückig und das
Maul oberständig.
Zwischen Bauch- und Afterflosse bilden
die Schuppen eine Kante. Die Oberseite ist
bräunlich bis grün, die Flanken schimmern
silbern oder golden. Ihre Flossen sind auffäl- Grösse: bis 40 cm, max. 50 cm
lig rot, das hat auch ihren Namen geprägt. Laichzeit: April bis Juni
Die Rotfeder kommt in Seen, Teichen und Fangsaison: Mai bis November
langsam fliessenden Gewässern vor. Sie liebt Köder: Wurm, Maden, Teig,
die dicht mit Pflanzen bewachsene Uferzone künstliche Fliege
und frisst gern an der Oberfläche.

40
Aal

Sein unverwechselbarer schlangenartiger


Körper hat im vorderen Teil einen kreisförmigen
Querschnitt, hinten ist er seitlich abgeflacht Grösse: bis 100 cm, max. 130 cm
und dient als Schwimmruder. Der Kopf ist klein Laichzeit: Der Aal wandert bei Erreichen
und zugespitzt. Der Körper ist mit winzigen der Laichreife im Herbst ab, L135
Schuppen bedeckt, die sich nicht überdecken. um sich weit draussen im
Die Haut ist lederartig dick und mit einer star- Atlantik fortzupflanzen.
ken Schleimschicht bedeckt. Der Aal kommt bei Fangsaison: Mai bis Oktober
uns in Seen, Flüssen und Bächen vor und ist Köder: Toter Köderfisch, Wurm
ausgeprägt nachtaktiv.

Hecht 10

Esox, Scherenschleifer

Der Hecht ist leicht erkennbar Seen findet man


an seinem schnabelartigen ihn aber auch weit draus-
Maul und an der zurückgesetzten sen im Freiwasser. Solche
Rückenflosse, die sich auf der Höhe Exemplare können fast silbern
der Afterflosse befindet. Sein Äusseres wirken.
erinnert an einen Pfeil. Ebenfalls charakteristisch ist
das bis in die Kiemenbogen mit Zähnen gespickte
Maul, mit dem dieser Raubfisch seine Beute packt Grösse: bis 130 cm, max. 150 cm
und festhält. Die Grundfarbe des Hechts ist je nach Laichzeit: März bis Mai
Gewässer grün oder braun und deutlich marmo- Fangsaison: Mai bis Dezember
riert. Rücken-, After- und Schwanzflosse haben Köder: Lebender und toter Köderfisch,
dunkle Flecken auf rötlichem Grund. Der Hecht Löffel, Wobbler, Plastikköder,
lauert auf Beute in ruhigen, stark bewachsenen Streamer
Zonen von Flüssen, Seen und Teichen. In grösseren

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20 Egli
Flussbarsch, Chretzer, Rehlig,
Zebra

Der Egli ist hochrückig und in Flüssen und kleineren


sein Maul auffällig gross und stehenden Gewässern vor.
vorstülpbar. Das Innere ist mit
L133 kleinen Zähnchen übersät. Der Kie-
mendeckel ist zu einem Stachel ausgezogen.
Auch die vordere der beiden Rückenflossen
weist spitze Stacheln auf und ist am Ende Grösse: bis 50 cm, max. 70 cm
mit einem schwarzen Fleck versehen. Die Laichzeit: März bis Mai
Farbskala des Egli reicht von sandbraun bis Fangsaison: ganzjährig
grünlich und die Flanken werden von dunk- Köder: Köderfisch, Wurm, Maden,
len vertikalen Bändern geziert. Hegene, Löffel, Wobbler,
Grosse Eglipopulationen findet man in nähr- Weichplastikköder, Streamer
stoffreichen Seen, aber sie kommen auch

8
Zander

Dieser grosswüchsige Barsch-ar-


tige ist schlanker und in den Far-
ben weniger kontrastreich als der Egli. Im
Maul hat er neben feinen Zähnchen auch
einige grosse Fangzähne wie der Hecht. Die
Querstreifen an den Flanken verblassen mit Grösse: bis 100 cm, max. 120 cm
dem Alter. Auf Rücken- und Schwanzflosse Laichzeit: April bis Juni
befinden sich kleine dunkle Flecken. Der Fangsaison: Juni bis November
Zander schätzt trübes Wasser und harten Köder: Köderfisch, Wobbler, Spinner,
Bodengrund: Er kommt in Seen und Flüssen Löffel, Weichplastikköder
vor.

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Trüsche 15

Quappe, Rutte, Trischle

Ihr Körper ist langgestreckt,


vorne rund und hinten seitlich
zusammengedrückt. Der grosse
Kopf ist breit, das Maul leicht unterstän-
dig. Unverwechselbar ist die einzelne Bartel am
Kinn. Die fingerartig verlängerten Bauchflossen
liegen vor den Brustflossen; After- und Rücken- Grösse: bis 70 cm, max. 90 cm
flosse rundlich. Die Grundfarbe ist bräunlich bis (im Norden bis 140 cm)
oliv, der Rücken und die Flanken sind intensiv Laichzeit: Januar bis März
marmoriert, der Bauch weiss. Fangsaison: ganzjährig, speziell gut vor
Die Trüsche bevorzugt kühles Wasser und lebt der Laichzeit
in den tieferen Regionen grosser Seen und in Köder: Wurm, Köderfisch
deren Zuflüssen.

Wels
Waller

Unser grösster einheimi- Dieser mächtige L134


scher Fisch ist vorne rund Raubfisch frisst jede Beu-
und hinten seitlich abgeflacht. te, die er bewältigen kann
Auf dem Oberkiefer findet man und jagt zu jeder Tageszeit und
zwei lange Bartfäden und auf dem in allen Gewässerzonen.
Unterkiefer vier kürzere. Die dicke Haut des Wel-
ses ist schleimig und schuppenlos. Die Grund-
färbung ist variabel: blauschwarz, olivgrün oder
braunviolett, die Flanken sind marmoriert. Die Grösse: bis 220 cm, max. 250 cm
Rückenflosse ist winzig klein und die Afterflos- Laichzeit: Mai bis Juni
se lang ausgezogen. Die kleine Schwanzflosse Fangsaison: Mai bis Oktober
ist abgerundet. In der Schweiz ist der Wels ur- Köder: Köderfisch, Würmer, Wobbler,
sprünglich in den Juraseen heimisch, er kommt Spinner, Löffel
aber zunehmend auch in Mittellandflüssen vor.

43
Unsere Kleinfische
In Schweizer Gewässern leben diverse Fischarten, die kaum je grösser als 20 cm lang werden. Man
nennt sie Kleinfische und als Fischer neigt man dazu sie zu übersehen, obwohl sie in ihrem jeweiligen
Ökosystem eine wichtige Rolle spielen. Oft als Beute für grössere Fische, aber auch als Räuber von Klein-
organismen. Viele dieser Arten sind ausgesprochene Schwarmfische, die bei günstigen Bedingungen in
grosser Zahl vorkommen. Hierr einige interessante Vertreter aus verschiedenen Fischfamilien:

Laube
117 Läugel, Bläulig, Grüenlig
Die Laube gehört zu den Karp- grünlich, bläulich
fenfischen und ist in Schweizer oder braun scheinen. Die Flos-
Seen und Flüssen weit verbrei- sen sind etwas dunkler als der
tet. In grossen Seen kann sie riesige Rücken. Das oberständige Maul verrät,
Schwärme bilden und ist ein wichtiges Glied in dass die Laube mit Vorliebe an der Oberfläche
der Nahrungskette. Der schlanke silberne Fisch frisst. Läugelschwärme lassen sich oft durch
wird 15 cm bis 25 cm lang. Der Rücken kann zahlreiche Ringe an der Oberfläche erkennen.

Groppe
Gropp, Grundel, Koppe
Als ausgeprägter Grundfisch ist 10 bis 15 Zentimeter lang, sel-
ihr heller Bauch abgeflacht und ten erreicht sie 20 cm. Das gros-
ihre marmorierte Haut ist glatt und se Maul erschliesst ihr ein grosses
schleimig. Schuppen fehlen völlig und Beutespektrum vom Flohkrebs bis
die Schwimmblase ist zurückgebildet, so dass zum Jungfisch. Man findet sie in der Forellen-
sie sich nur in kurzen Sprüngen knapp über und Äschenregion sowie in kalten, sauberen
dem Gewässergrund bewegt. Die Groppe wird Seen bis in Höhen von etwa 2000 m.

Elritze

Bammeli, Butzli
Dieser kleine Karpfenfisch wird In vielen Fliessge-
selten länger als 10 cm. Seine wässern und den Mittellandseen
Grundfarbe ist messing-braun, ist sie durch Gewässerverunreini-
die Flanken sind mit dunklen Streifen gung und Verbauung verschwunden.
gemustert. Die Elritze ist ein Schwarmfisch, der Typischerweise findet man in der Schweiz die
flache Uferzonen bevorzugt. Sie benötigt klares, grössten Bestände in Bergseen bis auf über
kühles Wasser und sauberen Kies zum Laichen. 2000 Meter.

44
Schmerle
Grundeli, Steinbeisser
Schmerlen gehören zur Familie Schmerle bevorzugt langsam
der Schmerlenfische und errei- fliessende Bäche und stehende
chen eine Länge von 8 bis 12 cm. Gewässer mit klarem, sauerstoff-
Am Maul hat dieser ausgeprägte reichen Wasser. Sandiger oder steini-
Grundfische sechs Barteln. Unter den Augen ger Grund mit Versteckmöglichkeiten sagt ihr
befindet sich ein aktiv beweglicher Dorn, mit am meisten zu. Vor allem durch Lebensraumver-
dem er schmerzhafte Stiche zufügen kann. Die lust sind unsere Schmerlenbestände rückläufig.

Schneider

Der Schneider ist ein bis zu angewiesen auf lockeren, kie-


15 cm langer karpfenartiger sigen Grund. Weil dieser Un-
Schwarmfisch, der früher in ei- tergrund seltener geworden ist,
ner breiten Palette von Fliessgewäs- haben vielerorts auch die Schnei-
sern vom Mühlbach bis zum grossen Fluss dervorkommen gelitten oder sind sogar ver-
vorkam. Für die Eiablage ist dieser Fisch schwunden.

Strömer

Ischer
Der Strömer ist ein weiterer hübsch gefärbte Schwarm-
kleiner Cyprinide mit einer fisch mit den orangen Flossen
Vorliebe für sauberes Wasser selten geworden. Der bis zu
und lockeren Kiesgrund. Einst häu- 25 cm lange Kieslaicher gilt in der
fig in den Schweizer Mittellandflüssen ist der Schweiz als stark gefährdet.

45
Form und Funktion

Von der Form eines Fischs kann man auf seinen Lebensraum und seine Lebensgewohnhei-
ten schliessen . Die Vielzahl von Fischarten hat sich eine Vielfalt von Lebensräumen und
Lebensweisen erschlossen. Das führte zu Anpassungen der ursprünglichen Fischform. Hier
zeigen wir fünf der wichtigsten Grundformen, die man in unseren Gewässern findet.

Beispiel Felche Beispiel Trüsche

Die Spindel- oder Torpedoform ist die güns- Ausgeprägte Grundbewohner passen sich
tigste Form, um sich im Wasser rasch und oft durch eine Abplattung des Körpers an.
energiesparend fortzubewegen. Sie bietet Die Schwimmleistung leidet allerdings unter
den geringsten Widerstand bei der Verdrän- dieser Anpassung.
gung des Wassers. Forelle, Saibling, Lachs Am Grund lebende Fische wie Wels, Trüsche
und Felchen, also Bewohner schnell fliessen- oder Groppe haben einen abgeflachten Kör-
der Bäche und Flüsse oder der Freiwasserzo- per. Damit lässt es sich besser in Verstecke
nen von Seen zeigen diese Körperform. schlüpfen.

Beispiel Karpfen Beispiel Aal

Eine starke seitliche Abflachung ist oft ver- Auch die so genannte Schlangenform ist
bunden mit fast scheibenförmiger Umgestal- bei vorwiegend bodenlebenden Fischarten
tung des Körpers. Man findet diese Form bei anzutreffen. Typische Beispiele sind Aal und
Fischen aus stehenden oder langsam flies- Neunauge. Bei den Arten mit Schlangen-
senden Gewässern. Bekannteste Vertreter form handelt es sich in der Regel um gute
der hochrückigen Form in unseren Gewäs- Schwimmer.
sern sind Brachsme und Karpfen.

46
Eine besondere Körperform haben Raubfi-
Beispiel Hecht sche wie der Hecht entwickelt, die ihre Beu-
te jagen, indem sie aus einer Lauerstellung
blitzschnell vorstossen und zupacken. Bei
diesen «Sprints» durchs Wasser bietet die
Pfeilform – ein vorne spitz zulaufendes Maul
und weit nach hinten verschobene Rücken-
flossen – Vorteile für das Beschleunigungs-
vermögen und die Stabilität.

Was uns das Fischmaul erzählt


Die Ausprägung des Fischmauls ist eng mit
der Ernährungsweise gekoppelt. Je nach
Länge und Ausrichtung der Kiefer unter-
scheidet man grundsätzlich zwischen fol-
Barbe mit
genden Maultypen: unterständigem
• Unterständig (Unterkiefer kürzer als Ober- Maul.
kiefer): Typisch für Fische, die ihre Nah-
rung vorzugsweise am Grund suchen und
aufnehmen (z.B. Barbe, Nase).

• Endständig (Unterkiefer gleich lang wie


Oberkiefer): Vielseitige Ernährung und
Nahrungsaufnahme im Freiwasser (z.B. Forelle mit R120

Forelle, Egli, Felche, Rotauge). endständigem


Maul.
• Oberständig (Unterkiefer länger als Ober-
kiefer): Anpassung an die Nahrungsauf-
nahme von der Wasseroberfläche (z.B.
Laube, Rotfeder).

Raubfische haben generell grosse Mäuler, Laube mit


in die möglichst viel Beute passt. Die Zähne oberständigem
dienen dabei zum Festhalten und nicht zum Maul.
Zerkleinern (Haie und Piranhas sind die Aus-
nahmen). Fische, die ihre Nahrung im trüben
Wasser, in der Dunkelheit und verborgen im
Gewässerboden finden müssen, verfügen
rund um das Maul über Barteln (z.B. Barbe,
Schmerle, Trüsche, Wels), manche Arten wie
Schleie und Karpfen haben zusätzlich einen Hecht mit
grossem, stark
ausstülpbaren Saugrüssel, um Bodengrund bezahntem
aufzunehmen und dann die fressbaren Be- Räubermaul.
standteile herauszufiltern.

47
Mehr wissen, fairer fischen

Fische funktionieren als Wasserlebewesen Berührung mit trockenen Händen kann zum
in mancherlei Hinsicht ganz anders als wir. Verlust führen. Eine Verletzung der Schleim-
Diese Unterschiede zu verstehen, ist wichtig schicht, des Schuppenkleids und der Haut
für den fairen und schonenden Umgang mit darunter hat Infektionen durch Pilze oder
Fischen. Bakterien zur Folge, die im schlimmsten Fall
das Todesurteil für den Fisch bedeuten.
Achtung, Fischhaut! Fischarten mit Kammschuppen, wie Egli und
Die relativ dünne Fischhaut wird nur ge- Zander fühlen sich rau und hart an. Fische
schützt von einer Schleimschicht und den mit Rundschuppen sollten deshalb in kleinen
Schuppen. Diese dünnen, biegsamen Kno- Hältergefässen nicht zusammen mit Fischen
chenplättchen bilden einen flexiblen Panzer. mit Kammschuppen gehältert werden, es
Rundschuppen, wie sie typisch für die meis- besteht sonst Verletzungsgefahr.
ten einheimischen Fischarten (z.B. Felchen, Schuppenlose Fische mit schleimiger, leder-
Weissfische) sind, sitzen oft nur relativ locker artiger Haut wie Aal und Wels sind weniger
in der Fischhaut und schon eine unachtsame empfindlich, aber auch sie sollte man so

Schema
der Fischhaut
Die Haut der Fische muss elastisch
sein und möglichst wenig Wasserwi-
derstand bieten. Diese Aufgabe erfül-
len die Schleimzellen, die die Ober-
fläche des Fisch schlüpfrig machen
und ihn gleichzeitig vor schädlichen
Keimen schützen. Viele Fische sind
zudem mit feinen Knochenplättchen,
den Schuppen, gepanzert.
Rundschuppe Kammschuppe

Schleimschicht mit Schleimzellen Schuppen

48

Schema
schonend wie möglich behandeln. Dazu ge- gelingt Fischen mit einem Gang zwischen
hört auch, dass man die Fische nicht auf tro- Schwimmblase und Darm deutlich rascher,
ckenen, rauen oder gefrorenen Untergrund als solchen ohne. Diese Druckänderungen
legt, sie nicht fallen lässt und auch nicht sind innert kurzer Zeit nur innerhalb gewis-
lange der Sonne aussetzt. ser Grenzen zu ertragen, nämlich in einem
Bereich von etwa zehn Metern. Generell ist
Die Tücken der Schwimmblase es deshalb problematisch, wenn man Fische
Der Fischkörper ist schwerer als Was- aus grösseren Tiefen schnell an die Was-
ser. Mit 1,076 liegt seine spe- seroberfläche holt. In dieser Situ-
zifische Dichte nur knapp ation kann der nötige Druck-
über der Dichte ausgleich nicht stattfinden.
von Wasser. Durch den entstehenden
Fische wür- Überdruck in der
den daher in Schwimmblase
Ruhestellung wird der Körper
langsam zum aufgebläht. Da-
Grund absin- Die Forelle hat eine Schwimm- bei kann der Magen
blase mit Verbindung zum Ver-
ken, wenn sie nicht die dauungssystem (Physotom). aus dem Maul heraus-
gasgefüllte Schwimmblase gedrückt werden. Auch
hätten, die ihnen zusätzlich die Augen werden aus den
Auftrieb verleiht. Ein derartiger Höhlen gedrückt und diverse Ge-
Hohlraum im Körper erzeugt jedoch webe werden überdehnt, oft platzt die
auch Probleme. Der Wasserdruck Schwimmblase. Diese Erscheinung
nimmt mit zunehmender Tie- nennt man Trommelsucht. Be-
fe zu (pro Meter um troffene Tiere sind in der
0,1 Atmosphären). Regel nicht mehr überle-
Das bedeutet, dass bensfähig.
die Schwimmblase Besonders anfällig
entweder zusam- sind Egli und Zan-
mengepresst wird der oder Trüschen, da
(beim Abtauchen) Der Egli hat eine abgeschlossene bei ihnen die Schwimm-
oder sich ausdehnt Schwimmblase. Man nennet blase nicht über einen
(beim Aufsteigen). solche Fische Physoklisten. Luftgang mit dem Darm
Beim Auftauchen vermindert verbunden ist (siehe Grafik).
sich der Wasserdruck auf den Bei grösseren Tiefenunterschie-
Körper; das zusammengepresste Gas den (20 Meter und mehr), wie sie
in der Schwimmblase dehnt sich aus. Der beim Felchen- und Saiblingsfischen vorkom-
Fisch wird immer leichter und würde vom men, laufen auch jene Fischarten mit einem
entstehenden Auftrieb von allein bis an die offenen Schwimmblasengang Gefahr, durch
Wasseroberfläche steigen. Das verhindert er die sich rasch ausdehnende Gasfüllung ge-
durch die Abgabe von Gas. Dieser Austausch schädigt zu werden.

49
Fischkrankheiten
Krankheiten können in freien Gewässern enorme Nicht durch Erreger bedingt
Schäden verursachen. Erkrankte Fische können in
Fliessgewässern oder Seen nicht behandelt wer- Ererbt: • Missbildung
den. Aber jeder Fischer, der sich mit der Materie Erworben: • chemisch
auseinandergesetzt hat, kann vorbeugend zur Er- (z.B. Schadstoffe, Algentoxine)
haltung gesunder Fischbestände beitragen. • physikalisch (z.B. Sauerstoff-
mangel, Gasübersättigung,
Erkennen von Krankheiten zu hohe Wassertempera-
Der aufmerksame Sportfischer kann viele krank- turen, Verletzungen)
hafte Veränderungen bei Fischen erkennen. Das
R39 sind Veränderungen im Verhalten, wie verzögerte Durch Erreger bedingt
oder fehlende Fluchtreaktionen, Taumeln oder
gar «Rückenschwimmen». Auch die Färbung gibt • Viren
Hinweise auf krankhafte Prozesse. Dabei kann der • Pilze
ganze Fisch sowohl dunkler als auch heller erschei- • Bakterien
nen, oder es können nur Teile des Körpers betrof- • Parasiten
fen sein. Aber aufgepasst, ein Fisch kann bei bester
Gesundheit Farbveränderungen oder untypische Nicht erregerbedingte Krankheiten
Farben aufweisen (z.B. Goldforelle)! In den letzten Wenn man von natürlichen Umweltkatastro-
Jahren häuften sich die so genannten «Schwarzen phen (Austrocknung, zu hohe Wassertempe-
Forellen» in Schweizer Fliessgewässern. Sie fallen raturen oder Hochwasser) absieht, handelt
neben ihrer Färbung durch ihr apathisches Ver- es sich meist um direkte oder indirekte Fol-
halten auf. Die genauen Ursachen sind bis heute gen menschlicher Aktivitäten. Grösste Auf-
unbekannt. merksamkeit erregen Fischsterben, bei de-
Hinweise auf gesundheitliche Probleme können nen der ganze Fischbestand nach Einleitung
auch Verkrüppelungen, Augentrübung, Abspreizen starker Gifte zugrunde geht. Nicht weniger
der Kiemendeckel und vieles mehr sein. gefährlich sind aber auch die so genannten
Um die genaue Ursache der Erkrankung abzuklä- chronischen Vergiftungen. Bei diesen führen
ren, ist aber in den meisten Fällen eine Untersu- die Menge und/oder die Art der Schadstof-
chung durch spezialisierte Fischtierärzte nötig. fe nicht zum sofortigen Tod der Fische, aber
R41 Fängt oder bemerkt der Sportfischer verdächtige schädigen diese dauernd über einen länge-
L40 Fische, so sollte er dies der Fischereiaufsicht mit- ren Zeitraum. Als Folge kann es zum konti-
teilen. Diese entscheidet, ob weitere Untersuchun- nuierlichen, langsamen Aussterben einzelner
gen, z.B. durch das Zentrum für Fisch- und Wild- Arten oder ganzer Fischbestände kommen.
tiermedizin (FiWi) in Bern, durchgeführt werden Dies ist umso schlimmer, als dass solche
müssen. Prozesse meist erst spät (oft erst zu spät)
erkannt werden.
Einteilung der Krankheiten Aber nicht nur die Einleitung von Schadstof-
Krankheiten können nach verschiedensten fen kann verheerende Folgen auf die Fisch-
Merkmalen eingeteilt werden. Wir unterschei- bestände ausüben. Auch direkte Eingriffe in
den in stark vereinfachter Form nach Ursa- den Lebensraum können beim Fisch Krank-
chen. heiten auslösen. Dabei kann es sich in die-

50
Gesunde Fische zeigen
kräftige Farben, intakte
Flossen, glänzende Haut
und klare Augen.

Viren

sen Fällen um direkte Einflüsse, wie Verlet- • sehr kleine Organismen (Millionstel
zungsgefahr (z.B. durch Kraftwerkturbinen) Millimeter), nur im Elektronenmikroskop
handeln, oder aber die neue, veränderte sichtbar
Umwelt versetzt den Fisch so in Dauerstress • parasitieren in den Zellen des Wirts, wobei
(z.B. fehlende Unterschlupfmöglichkeiten), sie für ihre Vermehrung den Stoffwechsel
dass er seine Widerstandskraft verliert. Eine der befallenen Zelle benutzen
ähnliche Wirkung kann unverhältnismässi-
ger Fischbesatz haben. Bakterien

Erregerbedingte Erkrankungen • kleine, im Lichtmikroskop sichtbare


Bei dieser Gruppe handelt es sich um die so Organismen (Zehntausendstel Millimeter)
genannten «ansteckenden Krankheiten», die mit eigenem Zellkern und Zellmembrane
durch verschiedene Erreger hervorgerufen wer- • Gefährlich durch Vermehrung und/oder
den können. Giftausscheidung im Wirtsorganismus

51
Pilze deutet, ihre Wirkung auf Lebewesen ist nicht
bekannt. Für die Fischbestände stellen insbe-
• Zellen mit einem Kern und einer Membrane, sondere Stickstoffverbindungen, Insektengifte
welche von einer sog. Cuticula umgeben (Pestizide) und hormonaktive Substanzen eine
werden Gefahr dar.
• grösser als Bakterien, teilweise von Auge Immer häufiger werden bei Fischen Organ-
als weisser watteartiger Überzug erkennbar schäden aufgrund von Schadstoffeinwirkun-
gen festgestellt. Unterhalb von Kläranlagen-
Parasiten ausläufen zeigen sie oft Veränderungen der
Organe. Die Verluste hängen von der Art der
L42 • tierische Krankheitserreger Schadstoffe und der Dauer der Einwirkung ab.
• leben auf Kosten des Wirts Derart geschädigte Fische sind für eine Viel-
• viele Arten, vom Einzeller über verschiedene zahl erregerbedingter Erkrankungen beson-
Würmer bis zum Kleinkrebs ders empfindlich.

Nach dieser Auflistung der einzelnen Ursa- Proliferative Nierenkrankheit [PKD]


chen von Erkrankungen muss man unbedingt Sie wird durch den Parasiten Tetracapsula
R44 auf die gegenseitige Abhängigkeit der ein- bryosalmonae hervorgerufen. Bachforellen
zelnen Faktoren hinweisen. Tatsächlich ge- sind besonders häufig betroffen, sie kommt
lingt es der Mehrzahl der Krankheitserreger aber auch bei Äschen und Regenbogenforel-
nicht, einen Fisch zu schädigen, der in guter len vor. Bei Wassertemperaturen über 15 °C
Verfassung ist und in einer funktionierenden nimmt die gesundheitliche Schädigung befal-
Umwelt lebt. Anderseits kann aber bei einem lener Fische stark zu. Bei tieferen Temperatu-
von schlechter Wasserqualität geschwächten ren können die Tiere infiziert sein, ohne dass
Fisch schon ein relativ harmloser Erreger zu es zu einem Krankheitsausbruch kommt. Fo-
einer schweren Infektionskrankheit führen. rellen, die die Krankheit überleben oder die in-
fiziert waren, ohne einen Ausbruch zu zeigen,
Chronische Vergiftung sind im nächsten Jahr meist immun. Kranke
Seit 1955 gibt es ein Gewässerschutzgesetz in Tiere fallen durch einen dick aufgetriebenen
der Schweiz. Seither hat man überall im Land Bauch auf, gelegentlich auch durch Dunkelfär-
Kläranlagen gebaut, die einen grossen Teil der bung, hervorstehende Augen und apathisches
schädlichen Stoffe von Flüssen und Seen fern- Verhalten. Niere und Milz sind stark vergrös-
halten sollen. Doch trotz aller Anstrengungen sert und verfärbt.
gelangen eine Vielzahl von Chemikalien durch Die Sterblichkeit ist vor allem bei Sömmer-
Abschwemmungen von Feldern und Strassen lingen hoch und kann in Abhängigkeit von
sowie über die Abwasserreinigungsanlagen der Wassertemperatur und der Belastung mit
(ARA) in die Gewässer. Schadstoffen (geschwächtes Immunsystem)
Viele dieser Schadstoffe sind nicht oder nicht bei 90 Prozent liegen. Der Ausbreitungsweg
vollständig abbaubar. Von den tausenden von der Krankheit und der Wirtswechsel des Para-
Stoffen, die unsere Gewässer belasten sind siten sind erst ansatzweise bekannt.
nur wenige chemisch identifiziert und noch Der Parasit vermehrt sich in Moostierchen,
weniger toxikologisch untersucht. Das be- kleinen filtrierenden Organismen, die Kolo-

52
Aufnahme über
Haut und Kiemen
Sporen von
T. bryosalmone Hechtbandwurm
Diese Erkrankung wird durch Pa- R45
rasiten hervorgerufen, nämlich
50 µm
? den Bandwürmern Triaenopho-
Sporen rus nodulosus und T. crassus. Die
ausgewachsenen Bandwürmer
leben vorwiegend im Darm von
Hechten, wo sie auch ihre Eier ab-
350 µm
setzen. Diese werden mit dem Kot
ausgeschieden und von Copepoden
Vermehrung im Zwischenwirt (kleinen Krebstierchen im Plankton
(Bryozoen)
= Zwischenwirt 1) aufgenommen. Die
infizierten Krebstierchen werden ihrerseits
Will man die wieder von Felchen, Saiblingen, Egli usw.
Verbreitung der PKD bekämpfen, so sollte der Besatz (= Zwischenwirt 2) gefressen. In diesen Fi-
in noch unverseuchten Gewässern nur mit PKD- schen entwickelt sich dann die Larve (weisse
freien Bachforellen erfolgen, im PKD- betroffenen Beule), wobei die von T. nodulosus bevor-
Gewässern am besten im Frühherbst (Aufbau einer zugt die Leber, die von T. crassus dagegen
Immunität möglich). Der Austausch von Bachforellen die Muskulatur befällt.
zwischen nicht verbundenen Fliessgewässern sollte
unterbunden werden.
(Illustration aus der PKD-Broschüre FIBER, www.fiber.ch)
Lebenszyklus des Hechtbandwurms.
Originalzeichnungen: I. Liebmann
nien bilden (einige Zentimeter Durchmesser)
und in den meisten Gewässern vor-
kommen. Die PKD-Sporen können
die Fische innerhalb von drei
Tagen über Haut und Kiemen Adultus
infizieren. Über den Blut-
kreislauf gelangen sie in
die Nieren, wo sie ver- 2. Zwischenwirt
schiedene Stadien bilden Plerocercoid Ei
und eine heftige Entzün-
dungsreaktion hervor- 1. Zwischenwirt
rufen. Die Krankheit ist Plerocercoid
besonders im Schweizer L43
Coracidium
Mittelland weit verbreitet,
Eikapseln
wo heute rund zwei Drittel
der untersuchten Fliessgewäs-
ser PKD-befallene Bachforellen
aufweisen.

53
Intakte Gewässer sind
die beste Vorsorge gegen
Fischkrankheiten.

Massnahmen gegen Krankheiten


Die Eingriffsmöglichkeiten beim Ausbruch
von Fischkrankheiten im freien Gewässer
sind gering. Zudem sind solche Massnahmen
oft, wie im Fall des Hechtbandwurms, mit
drakonischen und für den Fischer schmerz-
Es kann bei starkem Befall zu so genannten lichen Massnahmen verbunden. Vorbeugen
Kümmerformen oder sogar zum Tod der Zwi- ist besser als heilen!
schenwirte kommen. Nebst dieser direkten
Schädigung des Zwischenwirts führt diese 1. Unbedingt darauf achten, dass keine
Krankheit auch zu bedeutenden wirtschaftli- Krankheitserreger in sein Gewässer einge-
chen Schäden. Sichtbar befallene Filets sind schleppt werden
unappetitlich und dürfen gemäss Schweizer • Nur gesunde (und diesbezüglich auch
Fleischschauverordnung nicht mehr in den untersuchte und bewilligte) Fische
Verkauf gelangen. einsetzen
Will man den Hechtbandwurm bekämpfen, • Beim Angeln mit Köderfischen sollten
so ist das nur mit einer drastischen Reduk- ausschliesslich gesunde, aus dem
L46 tion des Hechtbestands möglich. Das heisst, betreffenden Gewässer stammende
keinen Hechtbesatz vornehmen und den Fang Fische verwendet werden
der Hechte, besonders während der Monate • In besonderen Situationen (nach Kontakt
Juli bis Dezember, gezielt fördern. In dieser mit Fischseuchen) Desinfektion von
Zeit werden die Hechte nicht mehr frisch an- Stiefeln und Geräten vornehmen
gesteckt und scheiden noch keine Eier aus. • Bei Feststellung oder Verdacht einer
Massnahmen sind nur sinnvoll, wenn sie Fischseuche: Meldung an die
R47 über einen längeren Zeitraum (mindestens Aufsichtsbehörden (Fischereiaufseher)
fünf Jahre) durchgeführt werden. Für den
Fischer bedeutet dies, dass er in einem sol- 2. Sich für die Erhaltung gesunderer Lebensräu-
chen Gewässer für längere Zeit mit dürftigen me einsetzen und jeder Verschlechterung des
Hechtfängen rechnen muss. Zustands unserer Gewässer entgegentreten.

54
Krebse
In der Schweiz waren ursprünglich drei
Krebsarten heimisch: Der Edelkrebs, der
Dohlenkrebs und der Steinkrebs. In den ver-
gangenen fünfzig Jahren sind die Bestände
dieser drei Arten massiv zurückgegangen. Es
konnten sich nur noch isolierte Bestände in
den oberen Bereichen (Quellbäche) der eins- Edelkrebs
tigen Verbreitungsgebiete halten. Zunächst
verringerte die Zerstörung des Lebensraums
und schlechte Wasserqualität die Bestände,
danach immer mehr die Konkurrenz durch
vier eingeschleppte Krebsarten. Als be-
sonders verhängnisvoll haben sich die drei
amerikanischen Arten erwiesen, da sie eine
für die heimischen Arten tödliche Krankheit
übertragen: die Krebspest. Dohlenkrebs

Problem Krebspest
Erreger der Krebspest ist der Pilz Aphano-
myces astaci, der sich via Sporen rasch und
wirkungsvoll verbreiten kann. Die Krankheit
wurde 1880 vom amerikanischen Kontinent
nach Europa verschleppt und hat danach ei-
nen Grossteil der einheimischen Krebsbestän-
de in Europa zerstört, denn die europäischen
Krebsarten sterben an dieser Krankheit. Die Steinkrebs
amerikanischen Krebsarten hingegen sind
gegen die Krebspest resistent. Sie können
den Erreger jedoch mit sich tragen und die
einheimischen Arten durch ins Wasser aus-
geschiedene Sporen anstecken. Aufgrund der
bedrohlichen Situation ist der Fang der ein-
heimischen Krebsarten in den meisten Kanto-
nen stark eingeschränkt oder verboten. Auch
Hälterung und Transport der eingeschleppten
Krebse sind verboten. Signalkrebs

Der nordamerikanische Signalkrebs ist aktuell die


meist verbreitete der vier eingeschleppten Krebsarten.
Die anderen sind der rote amerikanische Sumpfkrebs,
der Kamberkrebs, alle drei aus Nordamerika und der
osteuropäische Galizierkrebs.

55