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Der römische Limes in Osterreich


Ein Führer
Unter Mitarbeit zahlreicher Fachkollegen an läßlich des
14. Internationalen Limeskongresses 1986 in Carnuntum
herausgegeben von

Manfred Kandler und Hermann Vetters

Wien 1986
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Vorgelegt von Vizepräsident Hermann Vetters in der Sitzung am 5. 3.1986

Gedruckt mit Unterstützung durch die Stadt Linz.

Alle Rechte vorbehalten


ISBN 3-7001-0785-4
Copyright© 1986 by Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien
Fotosatz und Druck: R. Spies & Co., 1050 Wien
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Gerhard Dobesch, Das Keltenturn des Donauraums und
der Ostalpen in vorrömischer Zeit . . . . . . . . . . . . 11
Hermann Vetters, Zur Geschichte der Ostalpenländer in der
Römerzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Robert Göbl, Der römische Geldverkehr im Limesbereich 33
Manfred Kandler, Die Erforschung des Österreichischen
Limesabschnittes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Noricum
Weis - Ovilava . . . . . . . . . . . . . . . . 61
St. Marienkirchen bei Schärding - Abaoco? . 69
Engelhartszell . . . . . . 71
Oberranna - Stanacum 72
Schlägen - loviacum . . 74
Roßgraben/Kobling .. . 78
Aschach . . . . . . . . . 80
Eferding - Ad Mauros? . 81
Wilhering . . . . . . . . 82
Hirschleitenbach . . . . 84
Linz - Lentia . . . . . . 86
LorchfEnns - Lauriacum . 92
Albing . . . . . . . . . . 105
St. Pantaleon . . . . . . 110
Au/Engelbachmühle .. 112
WRIIsee- Ad luvense?. 113
Mauer a.d. Url - Locus Felicis? 117
Ybbs . . . . . . . . . . . . . . 122
Neumarkt a. d. Ybbs - Ad pontem lses? . 123
Sarling . . . . . . . 124
Pöchlarn - Arelape . . . 124
Melk/ Spielberg . . . . . 128
Bacharnsdorf . . . . . . 130
Rossatz/Windstallgraben 133
Mautern - Favianis . . . 134
Hollenburg . . . . . . . 140
Traismauer- Augustianis 142
Maria Pansee . . . . . . 146
Zwentendorf - Asturis? 148
Tulln - Comagena . . . 153
Nietzing . . . . . . . . . 159
leiseimauer - Cannabiaca? 160

7
Pannonia Superior

Greifenstein .. 166
Gugging . . . . . . 166
Klosterneuburg . . 167
Wien I Heiligenstadt 173
Wien/Döbling .. . 175
Wien/Hernals .. . 176
Wien/Innere Stadt- Vindobona 177
Wien/Landstraße - Vindobona. .. 184
Schwechat - Ala nova . . . . 187
Fischamend - Aequinoctium . 192
Maria Eilend . 195
Regelsbrunn . . . . . . . . . 197
Höflein . . . . . . . . . . . . 199
Petronell - Carnuntum . . . . 202
Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum 213

Barbaricum

Fels am Wagram 231


Wien I Leopoldau 232
Engelhartstetten . 234
Stopfenreuth . 234
Plank am Kamp 236
Oberleis .. 238
Kollnbrunn . 241
Stilltried . . . 241
Bern hardsthal 244

Literaturverzeichnis ... 248

Abkü rzu ngsverzeich nis 259

Abbildungsnachweis .. 261

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Vorwort

Mehr als vier Jahrhunderte bildete die Donau die Nordgrenze des römi-
schen Reiches. Die Spuren der römischen Siedlungstätigkeit haben sich
auch im Österreichischen Abschnitt landschaftsprägend niedergeschla-
gen: viele moderne Orte liegen an der Stelle einstiger römischer Kastelle.
Seit mehr als hundert Jahren wird der Österreichische Limesabschnitt
archäologisch erforscht. Die Ergebnisse wurden erstmals nach dem zwei-
ten Weltkrieg in zwei Standardwerken veröffentlicht: G. Pascher bearbei-
tete den Raum Niederösterreich, R. Noll Oberösterreich, die Bände
erschienen in der Reihe "Der römische Limes in Österreich". Bis heute
fehlte allerdings ein handlicher Führer, der in kurz gefaßter Form, unter-
stützt von Karten und Plänen, das Kennenlernen der römischen Limes-
plätze vor Ort ermöglichte.
So war der im September 1986 in Carnuntum stattfindende 14. internatio-
nale Limeskongreß ein willkommener Anlaß, einen solchen Führer zusam-
menzustellen, in dem auch zahlreiche neueste z.T. sonst noch nirgends
publizierte Forschungsergebnisse durch die Bereitwilligkeit der Mitarbeiter
vorgelegt werden können. Wer sich detaillierter mit diesem Thema
beschäftigen will, sei auf das zum gleichen Zeitpunkt erscheinende Werk
von K. Genser, Der Österreichische Donaulimes in der Römerzeit Ein For-
sch ungsbericht, verwiesen.
Zu danken haben die Herausgeber den Mitgliedern des vorbereitenden
Arbeitsausschusses und anderen in der Limesforschung tätigen Fachkol-
legen, die bereitwillig die Abfassung von Beiträgen übernahmen. Beson-
dere Hilfe ließ uns das Institut für Kartographie der Österreichischen Aka-
demie der Wissenschaften angedeihen, das die Herstellung der Pläne und
Kartenausschnitte besorgte. Unser Dank gilt hier dem wirklichen Mitglied
Erik Arnberger und dem geschäftsführenden Direktor, Herrn Univ.-Prof.
Dr. Fritz Kelnhofer. Die Arbeiten wurden von Herrn Mag. Dieter Heise
sorgfältig ausgeführt. Die Vorlagen hiezu wurden in der Limeskommission
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften von Dr. Christine
Ertel unter der Mitarbeit von Eva Salzmann, Dr. Verena Gassner und Chri-
stine Zöchmann hergestellt. Bei der Redaktion wurden die Herausgeber
von Dr. Eva Regina Sedlacek-Stain, Danica Beyll und Wolfgang Pietsch
unterstützt. Verlegerisch wurde der Band von Frau Dr. Eva-Maria Czerny
betreut. Ihnen allen gebührt unser Dank.
Wir hoffen, daß der Führer nicht nur bei den Fachleuten, sondern auch bei
den historisch interessierten Laien Anklang finden wird.

Hermann Vetters Manfred Kandler

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Mitarbeiter

Oberrat Dr. Horst Adler, Bundesdenkmalamt Wien, Abteilung für Boden-


denkmale (H. A.)
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Dobesch, Institut für Alte Geschichte der Universi-
tät Wien, w. M. der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Univ.-Prof. Dr. Herwig Friesinger, Institut für Ur- und Frühgeschichte der
Universität Wien, k. M. der Österreichischen Akademie der Wissenschaf-
ten (H. F.)
Univ.-Prof. Dr. Robert Göbl, Institut für Numismatik der Universität Wien,
w. M. der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ortolf Harl, Historisches Museum der Stadt Wien (0. H.)
Oberrat Dr. Manfred Kandler, Österreichisches Archäologisches Institut
Wien (M. K.)
Dr. Renate Miglbauer, Stadtmuseum Weis (R. M.)
Hon.-Prof. Dr. Rudolf Noll, w. M. der Österreichischen Akademie der Wis-
senschaften (R. N.)
Univ.-Doz. Dr. Erwin M. Ruprechtsberger, Stadtmuseum Linz (E. M. R.)
Rat Dr. Christine Schwanzar, Oberösterreichisches Landesmuseum Linz
(Ch. Sch.)
Hofrat Dr. Herma Stiglitz, Österreichisches Archäologisches Institut Wien
(H. St.)
Oberschulrat Elmar Tscholl, Wallsee (E. T.)
Univ.-Doz. Oberrat Dr. Hannsjörg Ubl, Bundesdenkmalamt Wien, Abtei-
lung für Bodendenkmale (H. U.)
em. Univ.-Prof. Dr. Hermann Vetters, w. M. der Österreichischen Akade-
mie der Wissenschaften (H. V.)
Rat Dr. Heinrich Zabehlicky, Österreichisches Archäologisches Institut
Wien (H. Z.)

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GERHARD DOBESCH

Das Keltenturn des Donauraums und der Ostalpen


in vorrömischer Zeit

Die wichtigste Fundstelle Österreichs für die früheste Geschichte der Kel-
ten ist der Dürrnberg bei Hallein, von dem es sogar möglich ist, daß er
noch zum altkeltischen Raum gehört. Neuere Funde lassen es als ·Sicher
erscheinen, daß auch im östlichen Alpenvorland und im Donaugebiet sehr
früh Kelten nachweisbar sind, vielleicht schon gegen Ende der Hallstatt-
zeit. Keltisches Gebiet dürfte sich bereits in das Wiener Becken und zur
selben Zeit oder bald danach noch darüber hinaus bis Ödenburg/Sopran
und ins westliche Ungarn erstreckt haben. Ob dann der neu entstandene
LatEmestil spontan übernommen wurde oder ob dabei - zumindest auch
- Zuwanderungen im Spiel waren, läßt sich derzeit nicht sagen.
Auch Böhmen scheint bereits zu früher Zeit keltisch gewesen zu sein.
Spätere Nachrichten lassen das Keltenturn hier vor allem von dem Groß-
stamm der Boier repräsentiert werden, der dem Land bis heute seinen
Namen gab, Boiohaemum. Wahrscheinlich war er aus Südwestdeutsch-
land oder dem Rheingebiet gekommen; ein anderer Teil dieses Volkes
hatte sich etwa um 400 v. Chr. über den Poeninus (den Großen St. Bern-
hard) nach Italien gewandt, wo wir die Boier als einen starken Stamm süd-
lich des Po im Gebiet um Bononia/Bologna finden. Nach Beziehungen im
archäologischen Fundgut zu schließen, scheinen der böhmische und der
oberitalienische Zweig des geteilten Volkes miteinander in Verbindung
geblieben zu sein, was nach dem, was wir einerseits über die Weiträumig-
keit der Beziehungen im urgeschichtlichen Europa und andererseits über
die Verhältnisse zwischen getrennten Stämmen und Stammesteilen der
germanischen Völkerwanderung wissen, durchaus plausibel ist. Hingegen
ist Strabons Nachricht von einer Auswanderung der oberitalienischen
Boier in den Donauraum nach ihrer endgültigen Niederlage gegen die
Römer in den Achtzigerjahren des 2. Jh.s v. Chr. ein Irrtum.
Im Jahre 335 v. Chr. sind uns in der literarischen Überlieferung bereits
Kelten im Gebiet Sloweniens nahe der Adria bezeugt, die von dort aus
Kontakt mit Alexander dem Großen aufnahmen. Wahrscheinlich waren sie
aus dem Donauraum - etwa den südlichen Teil der Bernsteinstraße ent-
lang - hierhergekommen; ihre Heimat kann noch weiter westlich gelegen
gewesen sein. Eine Route über das Salzachtal und die Tauern ist freilich
nicht undenkbar; eine Herkunft aus Oberitalien, quer durch das Gebiet der
stets erfolgreich keltenfeindlichen Veneter, scheint ausgeschlossen. Ob
diese Kelten von 335 v. Chr. bereits siedelten oder sich im Wanderungs-
zustand befanden, ist unsicher, ebenso inwieweit etwa bereits (zu Raub-

11
zwecken?) Vorstöße in den reichen Vorzugsraum des Klagenfurter Bek-
kens erfolgten.
Die großen, tief einschneidenden Keltenwanderungen, die im ersten Teil
des 3. Jh.s v. Chr. den Balkan erreichten, Thrakien, Makedonien und Grie-
chenland erschütterten und schließlich bis nach Kleinasien führten, dürf-
ten von der Champagne, von Burgund und dem Rheingebiet, vielleicht
auch vom südlichen Frankreich ausgegangen sein. Sie führten mächtige,
höchst kriegerische Raubscharen durch den Österreichischen Donaube-
reich und die Ungarische Tiefebene nach Südosten. Es ist anzunehmen,
daß sie dabei auch einen Teil der einheimischen Kriegerschaft mit sich
fortrissen, doch können wir uns vom Ausmaß der damaligen Umstellun-
gen kein Bild machen. Spätestens seit dieser Zeit reichte das keltische
Siedlungsgebiet bis an das Donauknie (Eravisker um Ofen); vor allem
wurde eine teilweise, aber dauernde Keltisierung für weite Gebiete bis hin
nach Belgrad erreicht, wo die Skordisker als besonders großer und kriege-
rischer Stamm hausten. Westlich von ihnen finden wir im slowenischen
Save-Drau-Bereich neben kleineren Stämmen als wichtigsten die Tauris-
ker, von denen es jetzt so gut wie sicher ist, daß sie nicht bis in heute
österreichisches Gebiet siedelten. Im übrigen reichten die keltischen
Kräfte, die sich bis Kleinasien hin verströmten, nicht zu einer lückenlosen
Besetzung Transdanubiens oder gar der ganzen Ungarischen Tiefebene;
auch jene Völker, bei deren Ethnogenese- das keltische Element die füh-
rende Rolle spielte, trugen zum Teil einen gemischten Charakter. Es läßt
sich auch bei den Japoden ein Einfluß keltischen Volkstums feststellen.
Die archäologische Forschungslage zur Lat?mezeit Österreichs, die noch
keineswegs befriedigend ist, gestattet derzeit keine Antwort auf die Frage,
wann und in welchen Schüben der östliche Teil der Alpen von Kelten
besetzt wurde und ob die Keltisierung der innersten Alpentäler je gelang.
ln Tirol vermochte sich die rätische Bevölkerung überhaupt erfolgreich zu
behaupten. Für den Südosten Österreichs (Kärnten und Grazer Bucht)
reichen die Latenefunde derzeit - vielleicht mit Ausnahme des Wildoner
Schloßberges - kaum über den Beginn des 2. Jh.s zurück, was zumin-
dest für Kärnten als reichlich spät erscheint. Sicher ist nur, daß die Kelti-
sierung hier später als im Donauraum erfolgte, vielleicht zumeist im Verlauf
des 3.Jh.s.
Es steht außer Zweifel, daß die Kelten an der Donau und in den Ostalpen
an der Oppida-Kultur Mittel- und Westeuropas vollen Anteil hatten, wenn
auch leider bisher kein einziges österreichisches oppidum der Latenezeit
ausgegraben ist. Selbst die so aufschlußreichen Grabungen auf dem Mag-
dalensberg haben bisher vor allem den italisch-römischen Bereich der
Siedlung erfaßt. Literarisch aber ist bezeugt, daß die 186 v. Chr. aus Kärn-
ten nach Friaul einwandernden Kelten (s. u.) dort sogleich ein oppidum zu
bauen begannen, das offenbar mehr als nur eine Fluchtburg war. Also war

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ihnen diese Siedlungsform schon aus der Heimat her vertraut, was zumin-
dest für das Gebiet südlich des Alpenhauptkammes den Beginn der
oppida wenigstens an den Anfang des 2. Jh.s v. Chr. hinaufzurücken
scheint. Für deren Entstehung entfallen hier die Einflüsse von Massi!ia her,
wie sie in Frankreich wirksam waren, vielmehr ist an das Vorbild der
Poebene und Italiens zu denken (wobei enge Verbindungen zu den Vene-
tern ohnehin gegeben waren). Dies fügt sich gut dazu, daß nach W. Dehn
erst jüngst 0.-H. Frey die Bedeutung der Gal!ia Cisalpina für die Entste-
hung der Oppida-Kultur nachdrücklich in den Vordergrund gestel.lt hat.
Neben den Verbindungswegen über die zentralen Alpenpässe ist dabei
auch das südöstliche Österreich als Kontaktzone zwischen Keltenturn und
Oberitalien in Rechnung zu stellen, Verbindungen können von den Ostal-
pen weit in die keltische Weit hinein gewirkt haben. Im 1.Jh. v. Chr. sehen
wir die Noriker Kärntens in politischem Zusammenhang mit dem Elsaß,
und die Reichweite von Handel und fürstlichen Kontakten mag eineinhalb
Jahrhunderte früher nicht kleiner gewesen sein. Seit wann es oppida im
Donaubereich gab, werden uns erst künftige Grabungen zeigen können;
zu rechnen ist hier im 1.Jh. v. Chr. etwa mit einem bescheidenen Vorgän-
ger des römischen Vindobona auf dem Leopoldsberg und einem Vorgän-
ger Garnunturns an der Bernsteinstraße im Gebiet von Hainburg, vielleicht
auf dem Braunsberg.
An Stammesnamen kennen wir an der Donau westlich des lnn etwa die
Vinde!icorum gentes quattuor (die Vierzahl spielt auch sonst bei keltischen
Völkereinteilungen eine Rolle), östlich des lnn im Alpenvorland um den
Chiernsee die Alouni (A!aunoi bei Ptolemaios), stromabwärts dann die
Saevakes. Jenseits der Donau sind die Kampi im Waldviertel (Kamp) zu
lokalisieren, östlich von ihnen die Rakaten. Schon für das 2. Jh. v. Chr. ist
uns im Süden Österreichs der keltische Stamm der Noriker bezeugt (der
Name ist aus einer nichtkeltischen Wurzel gebildet), die im zentralen Kärn-
ten und in der westlichen Steiermark saßen. Als Lieferanten - zum Teil
vielleicht nur im Zwischenhandel -des hochgeschätzten ferrum Noricum
hatten sie für Italien besondere Bedeutung, die im 1. Jh., in dem sie immer
ausschließlicher als Herren im Ostalpenraum auftraten, noch zunahm.
Mit der literarischen Überlieferung, die für die näher bei Italien liegenden
Gebiete ja wesentlich früher einsetzt, haben wir wenigstens strecken-
weise etwas festeren Boden unter den Füßen. So erfahren wir, daß auf
Grund von Landnot und erbitterten inneren Streitigkeiten im Jahr 186
v. Chr. ein bedeutender Teil der Noriker sich zur Abwanderung nach
neuen Wohnsitzen im Süden entschloß und im Gebiet des späteren Aqui-
leia ein oppidum zu bauen begann. Sie hatten dieses Land für herrenlos
gehalten, Rom aber, das einen alten Hoheitsanspruch darüber vertrat,
machte ihrer Illusion schon 183 ein Ende und zwang sie zur Rückkehr in
die alte Heimat. Die nächste größere Gelegenheit, von den Kelten der

13
Südostalpen zu berichten, ergab sich, als auf Grund einer eigenmächtigen
militärischen Grenzverletzung eines der Konsuln des Jahres 171 v. Chr.
dann 170 eine Beschwerdegesandtschaft des norischen Königs Cincibi-
l(i)us und seines Bruders (ein Fall von Doppelkönigtum) in Rom erschien
und vom Senat sehr ehrenvoll behandelt wurde. Während die Kelten von
186/183 von einem Adelsrat geleitet wurden, also das für die frühere
Wanderungszeit anzunehmende Königtum beseitigt worden war, sehen
wir uns nun einer in der Zwischenzeit neuentstandenen, sehr aktiven
Königsherrschaft gegenüber; für beide Phänomene gibt es reichlich Paral-
lelen aus der keltischen Verfassungsgeschichte. Diese Königsherrschaft
hat sich in außenpolitischem Ausgreifen schon abhängige Verbündete,
Klienten, in kleinen Alpenstämmen südlich der Kamwanken gewonnen,
wobei auch an einen oder mehrere Gaue der Taurisker zu denken ist. Die
neue, nun in sich gefestigte Macht regelte 170 ihre Beziehungen zu Rom
in grundsätzlicher Weise, und zwar nicht durch ein Bündnis (foedus), son-
dern durch eine staatliche Gastfreundschaft (hospitium publicum); diese
Vertragsform vermied jede militärische Verpflichtung, stiftete aber ein
freundschaftliches Verhältnis, das nicht nur den diplomatischen Verkehr,
sondern auch den gegenseitigen Handel schützte. Mit dem Königtum, der
Schirmherrschaft über andere Stämme und dem hospitium pub/icum mit
Rom formten sich also in jenen Jahren die Konstituenten, die das politi-
sche Leben des regnum Noricum bis zuletzt bestimmen sollten. Das Kel-
tenturn der südlichen Ostalpen hat sich damit endgültig konsolidiert.
Von römischer Seite aus gesehen, zeigt sich in den Jahren von 186 bis
170 (mit einem ergänzenden Nachspiel im Jahr 169) deutlich, wie die
römische Politik bis zu jener Linie, die sie sich als Grenze ihrer Machtaus-
weitung festgesetzt hat (damals der Südrand der Alpen) kompromißlos
ihren Herrschaftsanspruch verficht, jenseits davon aber bestrebt ist,
freundschaftliche Beziehungen zu den lokalen Mächten herzustellen und
so die Grenze zu sichern, dabei aber militärische Verpflichtungen zu ver-
meiden und tunliehst nicht mit Waffengewalt zu intervenieren. Das ist im
Prinzip bereits jene Politik, die Rom in der Kaiserzeit am Limes, an der bis
zur Donau vorgeschobenen Grenze der Expansion, mit der Einrichtung
einer Sicherheitszone befreundeter Klientelstaaten jenseits des Stromes
- in verschiedenen Graden der Abhängigkeit - praktizierte. Dabei ist es
keineswegs nötig, schon 170 das norische Königreich in aller Schärfe als
Klientelreich einzustufen.
Auch hier trat zur politischen Durchdringung und von ihr gefördert die
durch den Handel, die das Land mit römischem Einfluß und römischen
Kaufleuten durchsetzte. ln den Ostalpen besorgte dies das 181 v. Chr.
gegründete Aquileia, auf freundlichem Wege und mit bestem Erfolg, auch
wenn es gelegentlich einmal wegen allzu einträglicher Goldfunde zu
einem lokalen Streit kam.

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Im 2.Jh. v. Chr. dürfte das regnum Noricum kaum mehr als regionale
Bedeutung erlangt haben. Seine Expansion wird wohl bis tief in das 1. Jh.
auf die Bereiche südlich des Alpenhauptkammes beschränkt gewesen
sein, eventuell schon mit Einschluß des verkehrstechnisch eng mit dem
Süden verbundenen Gebietes von luvavum.
Das letzte Viertel des 2. Jh.s sah dann den Durchzug der aus Jütland kom-
menden Kimbern durch Mähren zur Donau und weiter in den Südosten,
wohl mit den Ägäisländern als ursprünglichem Ziel. Bei den Skordiskern
jedoch machten sie kehrt und wandten sich nach Westen, nach. Süd-
deutschland und Gallien. Auf dem Weg dorthin unternahmen die Kimbern
im Jahr 113 v. Chr. zu Plünderungszwecken einen Abstecher in das reiche
Land der Noriker. Der zum Schutz Italiens an dessen Grenze aufgestellte
Konsul Cn. Papirius Carbo zog nun mit seinem Heer ohne militärische
Notwendigkeit und ohne Senatsauftrag gegen die Kimbern, die er im
Raum von Noreia überfiel, dabei aber einen Mißerfolg erlitt. Dieses oppi-
dum Noreia kann bis heute nicht mit Sicherheit lokalisiert wer<;Jen; zu
suchen ist es im Territorium des norischen Stammes, also in Kärnten oder
der Weststeiermark. Die Kimbern marschierten darauf durch das Donautal
nach Westeuropa, kehrten aber, gemeinsam mit den helvetischen Tiguri-
nern, 102 zurück, um nach Italien zu ziehen. Unklar bleibt, ob sie die Ga/lia
Cisalpina auf dem Weg über das lnntal und Südtirol oder, die Ostalpen
umrundend, über die Okra erreichten.
Der Kimbernzug war nur das tumultuöse Vorspiel zu einem sehr viel wirk-
sameren Aufbruch germanischer Aktivitäten, die vor allem von den Sue-
ben getragen wurden. Etwa um 100 v. Chr. wurden die Helvetier aus Süd-
deutschland in die Schweiz abgedrängt, während die Boier von dieser Zeit
an vor dem Druck der Sueben immer mehr nach Südböhmen auswichen.
Hier hielten sich dann sogar Reste des Keltenturns im äußersten Süden
noch bis in augusteische Zeit (oppidum Trisov bei Böhmisch Budweis), im
Waldviertel sogar noch länger. Die Hauptmasse der Boier aber verlagerte
ihren Sitz schließl.ich weit nach Südosten, in die westliche Slowakei (dort
wo sich später dasregnum Vannianum erstreckte), ins Marchfeld und wohl
auch ins Weinviertel, rechts der Donau ins Wiener Becken und im Süden
noch über das Leithagebirge bis in das spätere Gebiet von Scarabantia
und Savaria, so daß sie .also die Bernsteinstraße beiderseits der Donau
kontrollierten. Ihr wic~tigstes oppidum war Preßburg. Dabei richteten sie
ihre Blicke noch weiter nach Süden, auf das wohlhabende, lockende
Gebiet der Noriker (und dam.it zugleich auch auf die Hegemonie in den
südlichen Ostalpen), sei es daß sie dieses ursprünglich als neuen Wohn-
sitz geplant hatten, oder sei~s. daß sie bloß ein machtmäßiges Ausgreifen
bis nach Kärnten beabsichtigten. Doch war dieses Unternehmen ein Fehl-
schlag, ihr Angriff auf Nore/a mißglückte, die Noriker verteidigten sich
erfolgreich. Dieser Angriff gehört wohl in die Siebziger- oder die Sechzi-

15
gerjahre (irgendwann vor 58 v. Chr.). Bei den tiefgehenden Umstellungen,
denen der Boierstamm ausgesetzt war, löste sich ein Teil von dem Haupt-
verband und wandte sich westwärts, wo er dann an dem Auswanderungs-
unternehmen der Helvetier im Jahre 58 v. Chr. teilnahm, mit ihnen bei
Bibracte von Cäsar besiegt wurde und danach bei den Haeduern in Zen-
tralgallien blieb. Auch hier sehen wir wieder, welch weite Räume gelegent-
lich von Stämmen oder Stammesteilen überbrückt wurden.
Die Festsetzung in einem neuen, wichtigen Land, ursprünglich eine
Fluchtbewegung, bedeutete für die Boier in einem oft zu beobachtenden,
fast charakteristischen Vorgang den Aufbruch neuer Kräfte und· Energien.
Sie errichteten ein bedeutendes Reich im Donaugebiet, das im Westen
vielleicht bis zur lnnmündung reichte, nach Osten tief in die Ungarische
Tiefebene ausgriff, möglicherweise bis zur Theiß, womit sie die Herrschaft
über früher dakisches Gebiet ergriffen. Im Süden arbeiteten sie mit dem
großen Stamm der Taurisker zusammen, vielleicht schon seit dem Angriff
auf die Noriker. Die Noriker ihrerseits suchten in dieser Bedrohung Kon-
takte mit den Sueben, den Feinden der Boier. Der wichtigste politische
Exponent der Sueben war damals Ariovist, der als im ganzen germani-
schen Raum angesehener Gefolgschaftsführer in Gallien weilte. Ihm
sandte der Norikerkönig Voccio seine Schwester nach Gallien als Ehefrau
zu, ein schönes Beispiel internationaler Heiratspolitik im urgeschichtlichen
Europa. Sie war Ausdruck weitgespannter politischer Konstellationen: von
den Boiern gingen freundschaftliche Beziehungen einerseits wohl zu den
Helvetiern, andererseits zu den Tauriskern, während sie mit den Norikern
in der Mitte verfeindet waren; Ariovist aber war Feind der Helvetier und der
Boier, daraus ergab sich eine Verbindung zwischen den Norikern und den
Germanen Ariovists.
Diese Kreuz- und Querbeziehungen wurden freilich nicht mehr wirksam,
da die Politik im kontinentalen Europa durch die caesarische Eroberung
Galliens und das Entstehen der dakischen Großmacht eine völlige Um-
orientierung erfuhr. Es kam nun zu dem, was man den Kampf der Kelten
um den Donauraum nennen könnte. Denn das weitverbreitete, in viele
Stämme zerfallende Volk der Daker, dessen Siedlungskern in Siebenbür-
gen lag, erlebte - vor allem wohl in den Fünfzigerjahren - eine Periode
der politischen Zusammenfassung und konstituierte sich als Machtfaktor
ersten Ranges, vielleicht gerade auch unter dem Eindruck der boischen
Bedrohung. Wie stets bei den Dakern, so war auch dieses Mal der politi-
sche Aufstieg eng an das Wirken einer großen Persönlichkeit gebunden:
Burebista spielte damals jene Rolle, die 150 Jahre später Decebalus zufal-
len sollte. An seiner Seite wirkte Dekaineos als religiöser und geistiger
Führer, so daß hier zur politischen Einigung die religiöse trat.
Um 50 v. Chr. oder bald danach kam es zum Zusammenstoß zwischen
den Dakern Burebistas und den von Kritasiros geführten Boiern, an deren

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Seite die Taurisker kämpften. Der dritte große Keltenstamm des Donau-
raumes, die Skordisker, waren schon in den Achtzigerjahren von den
Römern entscheidend geschwächt und noch vor dem Krieg mit den Boi-
ern von Burebista unterworfen worden. Die Noriker hielten sich offenbar
neutral, ohne auf einer der Seiten in den Krieg einzugreifen.
Der Kampf endete mit einer vernichtenden Niederlage der Boi er. Nicht nur
ihr Ausgreifen und ihre Machtstellung im Osten fanden ein Ende, sondern
der dakische Gegenstoß traf das Zentrum der Boier selbst. Ihr oppidum
Preßburg wurde erobert. Die Daker scheinen diese so gefährlichen Feinde
systematisch ausgerottet zu haben und sandten nun ihrerseits dakische
Siedler nach Westen. Die antiken Berichte, die von einer Vernichtung der
Boier sprechen, scheinen im wesentlichen recht zu haben. Jedenfalls
wurde nicht nur etwa die traditionstragende Schicht des Volkes von den
Dakern getroffen, sondern der Großstamm der Boier ist von jetzt an ver-
schwunden. Im Leithagebirge ist zur Römerzeit eine armselige civitas
Boiorum bezeugt, ein sprechendes Zeichen dafür, was aus dem einst so
mächtigen und zahlreichen Volk geworden war. Ein großer Teil seines
ehemaligen Gebietes war nun als die nur von einer spärlichen Restbevöl-
kerung besiedelte "Boierwüste" praktisch herrenloses Land. Vielleicht
verfuhren die Daker mit ihrem zweiten großen keltischen Feind so ähnlich.
Jedenfalls war auch die Rolle der Taurisker als eines Großstammes und
Machtfaktors im Save-Drau-Gebiet ausgespielt, das zeigen der pannoni-
sche Feldzug Octavians 35-33 v. Chr. und die späteren Zeugnisse aus
römischer Zeit.
in seiner Blütezeit reichte das Imperium des Burebista vom Wiener Bek-
ken - und vielleicht noch von weiter westlichen Gebieten an der Öster-
reichischen Donau - bis an das Schwarze Meer. Diese Macht war bedeu-
tend genug, daß Caesar es für notwendig hielt, persönlich gegen sie zu
Felde zu ziehen. Der römische Herrscher wurde im März 44 v. Chr. ermor-
det, Burebista starb zwischen 44 und 40 v. Chr. Mit seinem Tod brach das
von ihm geschaffene Großreich ebenso auseinander wie die dakische
Einigkeit. Damit entstand ein Machtvakuum (G. Alföldy), das natürlich in
den westlichsten Bereichen der ehemaligen Expansion am fühlbarsten
war.
in dieses Machtvakuum scheinen nun die Noriker eingetreten zu sein.
Jetzt erst - denn zuvor war dies ja nach den herrschenden Machtverhält-
nissen unmöglich gewesen - schlossen sie die Bernsteinstraße bis zur
Donau, das Wiener Becken und einen Teil Westungarns an ihren Herr-
schaftsbereich an. Wahrscheinlich erst damals wurde auch das Donautal
zwischen lnnmündung und Wiener Becken norisch. Dabei dürfte hier
überall ihr Einfluß jeweils noch ein Stück über die Donau hinausgereicht
haben. So scheint auch das ehemalige Siedlungsgebiet der Boier weitest-
gehend unter norische Vorherrschaft gekommen zu sein. Mit all dem

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ergab sich ganz unerwartet eine Nachblüte keltischer Macht in diesem
Raum, begünstigt durch die augenblickliche weltpolitische Lage. Die
Daker und Boier waren hier von der Bühne ab-, die Germanen und Römer
noch nicht aufgetreten. Damit gelang den Norikern nichts Geringeres als
die letzte überregionale Machtbildung des festländischen Keltentums. Das
regnum Noricum beschließt die politische Geschichte der Kelten des
europäischen Kontinents.
Dieses "norische Königreich" war natürlich kein einheitlicher Staat, viel-
mehr dürfen wir uns seine Struktur so vorstellen, wie wir sie schon, noch
in kleinerem Umfang, 171/170 v. Chr. kennengelernt haben, nämlich als
Hegemonie der Noriker und ihres Königs über gefolgschaftleistende socii
und clientes von verschiedener, gestufter Abhängigkeit. So entspricht es
den aus den sonstigen keltischen Bereichen, besonders gut auch aus
Gallien, bekannten Formen des politischen Lebens der Kelten. Die von
R. Göbl vorbildlich analysierte Münzprägung der ostalpinen Kelten lehrt
uns in der Tat eine Mehrzahl von gleichzeitig und gemeinsam prägenden
Fürsten kennen. Die Schlußfolgerung, daß es sich also um einen Königs-
bund, eine Allianz gleichberechtigter Könige, gehandelt habe, möchte ich
aber nicht mitmachen. Sie verträgt sich übrigens auch schlecht mit der
dominierenden Rolle, die der Name des Stammes der Noriker in unserer
Überlieferung spielt.
Es war wohl kein Zufall, daß das erweiterte regnum Noricum starken Anteil
an zwei der wichtigsten Handelsrouten Alteuropas hatte, an der Bernstein-
straße sowie an der West-Ost-Verbindung entlang der Donau; beide
Wege kreuzten sich im Raum Carnuntum. Offenbar waren die norischen
Fürsten aufgeschlossen für die Vorteile des Handelsverkehrs; wie eng der
diesbezügliche Zusammenhang mit dem römischen Italien im 1. Jh. v. Chr.
war, zeigt der am Magdalensberg ergrabene Großhandelsplatz (der wohl
Virunum hieß) mit seinen so intensiven südlichen Einflüssen und der zahl-
reichen Präsenz südlicher Wirtschaftstreibender. Es ist symptomatisch,
daß Kaufleute aus der Handelsmetropole Aqui!eia in das dortige Höhen-
heiligtum die berühmte Statue des "Jünglings vom Magdalensberg"
weihten.
Vom Jahre 15 v. Chr. an ging Augustus an die schrittweise Verwirklichung
eines weitgespannten Eroberungskonzeptes in Europa, das - im Gegen-
satz zur Politik der republikanischen Zeit - eine Beherrschung der Alpen
und ihrer Verkehrswege unumgänglich nötig machte. So wurde denn 15
v. Chr. Raetien erobert und auch das Alpenvorland bis zum Donauur-
sprung unter römische Kontrolle gebracht. So viel um Tatsache und Zeit-
punkt auch diskutiert wird, es ist das Wahrscheinlichste, daß im selben
Jahr auch das regnum Noricum mitsamt den von ihm beherrschten wichti-
gen Handelsstraßen annektiert wurde. Die Annexion erfolgte fast ganz
ohne Kampf, sie bedeutete zunächst auch nicht die Einführung einer

18
festen Form von römischer Verwaltung - zu der ja alle Substrukturen fehl-
ten -, sondern nicht mehr als die Machtübernahme durch Rom, d. h. die
lokalen Instanzen erkannten Roms Oberhoheit und Befehlsgewalt an und
standen, nach Abschluß entsprechender Verträge, nunmehr sub imperio
populi Romani.
Damit erstreckte sich die römische Verfügungsgewalt über die Ostalpen
bis nach Ungarn hinein und über das Donautal noch bis über den Strom
hinaus. Ab 12 v. Chr. wurde Pannonien erobert, damit wohl auch der
Bereich nördlich der Drau, dieser in ebenso relativ loser Form wi.e das
norische Reich. Von diesen Räumen aus agierten in den folgenden Jahren
nacheinander L. Domitius Ahenobarbus, M. Vinicius und Tiberius, Sohn
der Livia. Diese über Jahre verteilten Aktionen sind zusammenzusehen,
als einzelne Schritte in dem Bestreben, das östliche Mitteleuropa und den
mittleren Donauraum in römischem Sinne zu ordnen. Die ehrgeizigste
dieser Unternehmungen war der Zug des Tiberius gegen das Markoman-
nenreich Marbods in Böhmen 6 n. Chr. Der große illyrisch-pannonische
Aufstand ließ diesen Angriff mißlingen und stellte sicherlich auch manche
der bisherigen Erfolge, so die Wirkungen des Zuges des Vinicius über die
ungarische Donau nach Osten, in Frage.
Der Landstreifen nördlich der Donau verblieb wohl theoretisch unter der
römischen Macht, war aber seit den Rückschlägen der Jahre 6 n. Chr.
(Aufgabe der Eroberung Böhmens) und 9 n. Chr. (Aufgabe des rechtsrhei-
nischen Germanien) angesichts der weit zurückgesteckten Eroberungs-
ziele für Rom ebenso uninteressant geworden, wie es zunächst bei Süd-
westdeutschland der Fall war. So ließ man hier die Zustände in der
Schwebe und verfügte bei Bedarf über das Land zur Einrichtung römi-
scher Klientelstaaten. Das geschah jenseits der Donau bei Garnunturn
anläßlich der Konstituierung des regnum Vannianum. ln das Donau-Theiß-
Gebiet ließ Rom dann die Jazygen einrücken. Das Dekumatland nahm das
Reich schließlich doch noch selber in Besitz. Im Waldviertel und wohl auch
in anderen Bereichen Österreichs nördlich der Donau hielt sich eine kelti-
sche Restbevölkerung noch lange über die markomannisch-quadische
Landnahme in Böhmen und Mähren hinaus, wohl unter römischem
Schutz. Doch wurden auch diese Gebiete schließlich langsam, aber
unaufhaltsam germanisiert, bis auch hier an der Donau Germanenturn und
Imperium Romanum einander unmittelbar gegenüberstanden. Die Rolle
der Kelten, zuletzt auf winzige Abschnitte einer Pufferzone reduziert, war
ausgespielt.

19
HERMANN VETTERS

Zur Geschichte der Ostalpenländer in der Römerzeit


Das Gebiet der heutigen Republik Österreich umfaßte in der Römerzeit
die Provinz Noricum zur Gänze, im Osten große Teilevon Pannonien und
im Westen Gebiete der Provinz Raetia. Die Einteilung in Provinzen erfolgte
nicht sofort nach der Besetzung des freien regnum Noricum (15 v. Chr.),
sondern die Reichsregierung ging langsam, schrittweise vor. Pie ältesten
schriftlichen Nachrichten über das Ostalpengebiet finden wir bei dem
Historiker Livius, nach welchem im Jahre 186 v. Chr. Ga/li transalpiniüber
die Alpen gekommen waren und im Gebiet der späteren latinischen Kolo-
nie Aquileia begannen, ein oppidum, also eine befestigte Stadt, zu bauen.
Die Reaktion der römischen Großmacht läßt deutlich erkennen, daß schon
zu dieser Zeit - modern gesprochen - diplomatische Beziehungen
bestanden. Es mag ein Hospitalvertrag geschlossen worden sein. Die
Ursache für diese Beziehungen ist wohl im Handel mit den hochwertigen
Stahlwaren zu suchen. Rom schickt Gesandte - letzten Endes werden
die Kelten entwaffnet, erhalten aber nach einer Entscheidung des Sena-
tes, der ihre Gesandten empfangen hatte, ihre Habe zurück und ziehen in
ihre Heimat (183/182 v. Chr.). Fast durch die gesamte spätrepublikanische
Epoche dauern diese guten Beziehungen an. Die einzige Ausnahme bil-
dete der tollkühne Balkanfeldzug des Konsuls C. Cassius im Jahre 171
v. Chr., der von Aquileia aus versuchte, in den Krieg gegen König Perseus
von Makedonien einzugreifen. Auf Meldung der Aquileienser Bürger wird
Cassius vom Senat zurückgepfiffen. Ein Jahr später führt der Gallierkönig
Cincibilus im Namen der Ostalpenvölker und ihrer Verbündeten durch
eine Gesandtschaft Klage über die Plünderungen der römischen Solda-
ten. Die Gesandtschaft wird vom Senat empfangen, reich beschenkt und
erhält sogar das Recht, Zuchtpferde einzukaufen und dieselben auch aus-
zuführen. Weiters schickt Rom eine der hochrangigsten Delegationen
zum Stammvolk. Sie bestand aus Marcus Aemilius Lepidus, der zweimal
die Zensur und das Konsulat innegehabt hatte, und dem Prokonsul C.
Laelius. Die Alpenvölker hatten bisher in der Literatur den Namen Ga/li
transa/pini. Am Ende des 2. Jh.s v. Chr. war es vermutlich dem Stamm der
Norici gelungen, die keltischen Stämme des Ostalpengebietes im regnum
Noricum zu einigen. Auf alle Fälle bestand dieses Königreich, von dem wir
nicht wissen, ob es nicht nur ein loser Stammesbund gewesen ist, zu dem
Zeitpunkt, als der Kimberneinfall erfolgte. Damals reagierte Rom sofort.
Bei Noreia wird der Konsul Cn. Papirius Carbo vernichtend geschlagen.
Wo dieses Noreia lag, wissen wir noch nicht. Sicher ist es nicht die Post-
station Noreia an der Straße Virunum-Lauriacum, die bei Wildbad Einöd
gefunden worden ist.

20
Die Namen der keltischen Stämme nennt uns der Geograph Ptolemaeus
in seinem Werk. Manche von ihnen nennen uns Ehreninschriften für die
domus Augusta, die in dem großen oppidum auf dem Magdalensberg
gehoben wurden. Der Hauptstamm der Norici steht an der Spitze. Es fol-
gen die Ambilini, die vielleicht mit den Ambilici des Ptolemaeus im Gailtal
identisch sind, beiderseits der Drau in Oberkärnten sind die Ambidravi
zuhause. Im Gebirge werden die Uperaci gewohnt haben, wenn die Ablei-
tung von super (urtEQ) richtig ist. Die Saevates und Laianci sind in Osttirol
zu lokalisieren, die Ambisontes siedeln im Pinzgau. Die auf der Tafel
genannten Helvetii sind nach der Schlacht von Vercellae helvetische Tigu-
riner, die zwischen Wörther- und Ossiach er See um "Tigring" hausten.
Festzuhalten ist die Tatsache, daß bei den Inschriften ein rex fehlt, weiters
daß der Stammname der Latobiker, welcher vom Gotte Mars Latobius
nicht zu trennen ist, auf den Ehrentafeln fehlt. Dieser Gott wurde auf dem
Magdalensberg und in Kärnten verehrt. Einst mag dieser bei Ptolemaeus
genannte Stamm im Grenzgebiet von Kärnten und der Steiermark
gehaust haben. Wir wissen nicht, wann dieser Stamm nach Süden zwi-
schen Save und Gurk abgewandert ist, wo die Orte Praetorium Latobi-
corum und Municipium Latobicorum liegen, die nach ihnen benannt wur-
den. Der lnn bildete die Grenze zwischen Raetien und Noricum. Bis zum
Chiernsee wohnten die Alauni, in Oberösterreich hatten die bei Ptolemae-
us genannten Sevaces ihre Sitze. Nicht in Noricum hat der hier wiederholt
fälschlich lokalisierte Stamm der Taurisker gewohnt. Im Osten von Nieder-
österreich bis nach Westungarn hinein waren die nach Süden abgedräng-
ten Boier eingewandert. Ein Grabstein nennt uns einen Caupianus prin-
ceps civitatis Boiorum. An sie schlossen im Osten die Azali an. Vindobona
und Camuntum gehörten ursprünglich zum norischen Königreich, Quelle
dafür ist Velleius Paterculus (II, 11 0). Nach dem gleichen Autor reichte das
norische Königreich auch im Norden - etwa der heutigen Grenze ent-
sprechend- bis zur Thaya (II, 109). Hier wohnten die Stämme der Kam-
per und Rakaten. Nach der Gründung der Provinz Pannonia lief die
Grenze zu Noricum westlich von Klosterneuburg. Im Westen, in Nordtirol,
das zur Provinz Raetia gehörte, wohnte der Stamm der Breuni. Auf ihn
dürfte der Name des Brennerpasses zurückgehen. Auch der Name Breoni
kommt für den gleichen Stamm vor. Im heutigen Vorarlberg, das zu Rae-
tien gehörte, wohnte der Stamm der Brigantii, von ihnen hat das heutige
Bregenz seinen Namen erhalten. Ebenso hieß der Bodensee Lacus Bri-
gantinus. Die Besetzung des freien, mit Rom vertraglich verbündeten
Königreiches erfolgte im Jahre 15 v. Chr., wie ein Münzschatzfund im
Kanal des späteren praetorium (Händlerviertel) auf dem Magdalensberg
vermuten läßt. Damals wurde das Territorium von Noricum nur bis zur
Donau besetzt. Das nördlich davon gelegene Gebiet des Mühl-, Wald-
und Weinviertels blieb frei, bzw. wurde von den nach Böhmen eingewan-

21
derten Markomannen und östlich davon von den Quaden besetzt. Die Ein-
verleibung Noricums in das römische Weltreich war Teil eines Erobe-
rungsprogramms, das Kaiser Augustus aus geopolitischen Notwendigkei-
ten in Angriff nahm. Dadurch sollte das Gebiet zwischen dem Rhein einer-
seits, der seit der Eroberung Galliens durch Caesar die Ostgrenze bildete,
durch Gewinnung der Donau als Nordgrenze anderseits - durch die
Besetzung von Raetien, Norikum, Pannonien und Moesien - eine konso-
lidierte Grenze erreicht werden. Ja noch mehr, die Grenze sollte im Nor-
den durch die Eroberung von Böhmen und Mähren, wo der Markoman-
nenkönig Marbod eine beachtliche Machtstellung sich erworben hatte,
weiters durch die Einbeziehung des freien Germanien bis zur Eibe
wesentlich verkürzt werden. Der Plan war weit gediehen; im Jahre 6
n. Chr. marschierte C. Sentius Saturninus von Mogontiacum (Mainz) aus,
den Main entlang, nach Osten. Von Camuntum (Deutsch-Aitenburg) in
Noricum zog Tiberius mit der Hauptmacht zunächst der Bernsteinstraße
im Marchtal folgend nach Norden, um in Böhmen, nach Westen marschie-
rend, sich mit C. Sentius Saturninus zu vereinigen. Nur zwei Tagesmär-
sche waren die Heersäulen voneinander entfernt. Der Feldzug mußte
abgebrochen werden, da im Rücken des pannonischen Heeres im Süden
der Provinz der gefährliche pannonische Aufstand ausbrach, der Tiberius
bis zum Jahre 9 n. Chr. in Atem hielt. Im gleichen Jahre erfolgte die Nie-
derlage des Ouinctilius Varus im Teutoburger Wald. Die Angriffspolitik des
Kaisers Augustus war zusammengebrochen. Unter Tiberius (14-37) ope-
rierte zwar noch bis 16 n. Chr. Germanicus, der Sohn des Drusus, auf dem
rheinischen Kriegsschauplatz, wurde aber schließlich vom Kaiser unver-
richteter Dinge abberufen. Rhein und Donau bildeten die vorläufige
Reichsgrenze.
Diese historische Tatsache ist im Grunde genommen die Ursache für die
Schaffung der befestigten Grenzen, die wir limites nennen. Rhein und
Donaustram wurden in Kürze echte Völkergrenzen, die sie vorher nicht
gewesen waren. Im Süden bzw. Westen verstärkte sich die Romanisie-
rung der einheimischen Bevölkerungselemente. Unter Kaiser Claudius
(41-54) erhielt Noricum den Rang einer Provinz, ebenso war es in Rae-
tien. Statthalter wurden römische Ritter, procuratores, die im Namen des
Kaisers die oberste militärische, zivile und richterliche Gewalt ausübten. ln
Pannonien dagegen regierten senatorische /egati augusti pro praetore, die
zunächst über ein im Süden garnisonierendes Dreilegionenheer verfüg-
ten. Dazu kamen mindestens ebensoviele Auxiliareinheiten, also Truppen,
die aus nichtrömischen Bürgern ausgehoben wurden. Die Legaten besa-
ßen wie die Prokuratoren die militärische, zivile und richterliche Gewalt.
Unter Claudius wurde das freie norische Königreich zur Provinz umge-
wandelt, gleichzeitig erhielten die einst einheimischen Orte, die manchmal
ihren Sitz vom Berg in die Ebene verlegten, Munizipalrecht Es sind dies

22
Virunum (Magdalensberg-Zollfeld), Teurnia (St. Peter in Holz), Aguntum
(Dölsach bei Lienz), /uvavum (Salzburg), Ce/eia (Cilli = Celje). Zur glei-
chen Zeit erlangte in Vorarlberg Brigantium (Bregenz) das Stadtrecht.
Nordtirol blieb ohne Stadt, der größte Ort war der vicus Veldidena (Wilten
bei lnnsbruck). Unter den Flaviern erhielt in der Steiermark F/avia So/va
(Leibnitz) Stadtrecht. Gleichzeitig wurden in Pannonien Siscia (Sisak), Sir-
mium (Sremska Mitrovica), Neviodunum (Drnovo), Andautonia (bei Agram
= Zagreb) und Scarabantia (Ödenburg = Sopran) Städte mit Stadtrecht.
Im Donaugebiet erfolgte in Noricum die Romanisierung etwas langs,amer;
unter Hadrian (117 -138) erhalten Ovilava (Weis), Aelium Cetium (St. Pöl-
ten), in der Pannonia Garnunturn (Petronell), Aquincum (Budapest),
Mogentiana (Sümeg), Cibalae (Vinkovci) und Murse/la (Kisarpas) den
Rang eines Munizipiums. Vindobona und Lauriacum sind die zuletzt
gegründeten Städte in Österreich. Vermutlich erhielten Wien und Lorch
zur gleichen Zeit unter Kaiser Caracalla 212 das Stadtrecht. ln Lorch sind
uns Fragmente des Stadtrechtes in Bronzetafeln erhalten. Auch Brigetio
wurde Stadt.
Der intensiven Romanisierung südlich der Donau entsprach eine relativ
starke Germanisierung im Mühl-, Wald- und WeinvierteL Doch nicht nur
der breite Strom mit seinen weiten Auwäldern und der allmählich ausge-
baute Festungsgürtel am Südufer der Donau schützten die Grenze. Dafür
sorgte auch Roms Diplomatie, die entlang der Grenzen im Westen, im
Süden und Osten nach dem Ende der Expansionspolitik einen dichten
Kranz von Satellitenstaaten schuf, deren Fürsten von Rom eingesetzt wur-
den und die scharf Ordre zu parieren hatten. Die nie deutlich ausgeprägte
Nordgrenze dieser Staaten bildete die unsichtbare Grenze des römischen
Imperiums. Diese unabhängigen Staaten entbehrten des Koalitionsrech-
tes untereinander und waren außerdem zur Truppenstellung für das Impe-
rium verpflichtet. Der offizielle Titel für diese Vertragsverhältnisse war foe-
dus, die Bewohner nannte man foederati. Alle waren sie ein sogenanntes
foedus iniquum, d. h. die vertragschließenden Partner hatten nicht glei-
chen Rang, der Satellitenstaat erhielt seinen Herrscher durch das Impe-
rium eingesetzt. Münzen mit der Aufschriftrex Quadis datus zeigen dies
deutlich. ln unserem Bereich an der Donau lag nördlich von Raetien das
Staatsgebiet der Hermunduren und Naristen. An beide schloß der Staat
der Markomannen, dessen König Marbod dem diplomatischen Geschick
seines Gegenspielers Drusus (Tiberius' Sohn) unterlag. 19 n. Chr. kam er,
vom Gotenfürsten Chattaualda vertrieben, als Flüchtling über die Donau
nach Noricum. Aber auch Chattaualda regierte nicht lang, ihn vertrieb -
über Auftrag Roms - der Hermundurenfürst Vibilius. Beide Herrscher
starben als "Pensionäre Roms" im Exil: Marbod in Ravenna, Chattaualda
in Forum lulii. Die Gefolgschaft der beiden muß groß gewesen sein, denn
sie wurde unter dem Quaden Vannius nördlich der Donau und östlich der

23
March, also in der heutigen Slowakei, angesiedelt. Nichts zeigt deutlicher,
wie groß der Einfluß Roms gewesen sein muß, daß Rom ein neues
regnum Vannianum nördlich der Donau gründen konnte. Als Vannius nicht
mehr fügsam war - rund 30 Jahre später - wurde er samt seinem
Gefolge von seinen Schwestersöhnen Vangio und Sido vertrieben, beide
erhielten von Claudius die Königswürde (etwa 50 n. Ghr.). Das Gefolge
des Vannius siedelte Rom in Pannonien im Gebiet des Leithagebirges
(Burgenland) an. Grabsteine nennen uns diese Germanen. Die fortschrei-
tende Erforschung der befestigten Grenze an der Donau in den letzten
Jahren zeigte das erstaunliche Ergebnis, daß in Noricum der Ausbau der
Fortifikationslinie erst in flavischer Zeit in Angriff genommen wurde. Dies
ist nicht so auffällig, da die eben geschilderten historischen Vorgänge sehr
deutlich zeigen, daß auch nach Aufgabe der Expansionspolitik Roms Ein-
fluß so bedeutend war, daß die Nordgrenze ohne wesentliche Befestigun-
gen als gesichert angesehen wurde. Gefährlich wurde die Lage erst unter
Mark Aurel, als es 167 zur gefürchteten Koalition der Satellitenstaaten
längs der Donau kam.
Der militärische Schutz im rätischen Bereich war längst vom praefectus
Raetis, Vindo/icis, val/is Poeninae et /evis armaturae auf den procurator
Raetiae übergegangen. Wie seinem norischen Kollegen unterstanden ihm
nur Auxiliarformationen, also Hilfstruppen, die levis armatura. Eine Kastell-
kette von Bregenz, entlang dem Alpenfuß, bis gegen München, sicherte
die Provinz. Erst in claudischer Zeit erfolgte eine erste Verlegung an die
Donau, es entstanden die Kastelle von Hüfingen bis Passau. ln flavischer
Zeit wurde dann der Limes nördlich der Donau errichtet. ln Noricum hat
es kaum einen praefectus civitatium gegeben, war das Gebiet doch nicht
speer-erobertes Land. Kaum kam es zur Ansiedlung von Südländern. Ein-
zig im Salzburgischen wurde bei den Ambisontes Land an Italiker gege-
ben. Diese romani tributa!es treten uns noch in der notitia Arnonis entge-
gen. Unter Claudius wurde die Provinz errichtet, dem procurator unter-
standen Auxiliarverbände. Längs der Donau verlief die via iuxta amnem
Danubium. Aus den Wirren des Vierkaiserjahres 69 n. Chr. berichtet Taci-
tus (111 5, 2), daß der procurator Norikums, Sextilius Felix, mit der a/a
Auriana, 8 Cohorten und der iuventus Noricorum (Provinzialmiliz bzw. die
Mitglieder der collegia iuvenum) am lnn aufmarschierte, da der procurator
Raetiens, Porcius Septimius, dem Kaiser Vitellius die Treue hielt. Sein Vor-
gänger Petronius Urbicus hatte gegen die Vitellianer Stellung genommen
und für Otho sogar seine Truppen gegen die Vitellianer aufgeboten.
Im ehemals zu Noricum gehörigen Territorium von Carnuntum führte der
alte Handelsweg, der als Bernsteinstraße bekannt ist, über die Donau.
Dieser Übergang sicherte einst die keltische Befestigung auf dem Brauns-
berg, die schon Carnuntum geheißen hat. Den gleichen Namen erhielt das
römische Legionslager, das schon in tiberianischer Zeit entstanden ist, wie

24
Grabsteine der legio XV Apol!inaris zeigen. Wo sich dieses Lager befun-
den hat, wissen wir noch nicht. Es war wohl ein Holz-Erde-Bau. Grabun-
gen im Nordostquadranten des seinerzeit von Oberst von Groller freige-
legten Lagers haben ergeben, daß die älteste faßbare Holzbauperiode die-
ses Lagers erst in claudischer Zeit (41 -54) entstanden ist. Von 62 bis 71
war die XV. Legion im Orientkrieg. ln Carnuntum stationierte bis 68 die
legio X gemina, an ihre Stelle trat die VII gemina, die im Jahre 69, im Vier-
kaiserjahr, bei Cremona aufgerieben wurde. Ihr folgte die legio XXII rapax.
71 kam dann die Apo!linaris wieder zurück. Unter Trajan oder HadriC?-n ent-
stand, nach den Grabungen M. Kandlers zu schließen, der erste Steinbau.
Welche Bedeutung der Carnuntiner Raum in militärischer Hinsicht besaß,
erhärtet die Tatsache, daß etwa 1 km westlich des Legionslagers am Ost-
rand von Petronell H. Stiglitz das Lager einer ala quingenaria feststellte.
Das Kastell wurde als Holz-Erde-Lager schon um die Mitte des 1.Jh.s,
also unter Claudius, angelegt. Es mag im Zusammenhang mit dem Vor-
dringen ins Barbarikum - Beseitigung des Vannius - errichtet worden
sein. Entlang des Limes entstanden ungefähr zur gleichen Zeit die weite-
ren Kastelle, die fast alle zunächst als Holz-Erde-Bauten errichtet wurden.
Meist sicherten sie die Mündung der Seitenflüsse der Donau. So gehört
in diese Phase das Schwechater Lager- Ala Nova und das Auxiliarkastell
von Vindobona mit der ala Flavia Brittanica mil!iaria als Besatzung. Abge-
löst wurde die ala um 100 n. Chr. von der im Zuge des Limesausbaues
hierher verlegten legio XIII gemina, die aus Poetovio kam. Poetovio (Pet-
tau) erhält das Stadtrecht. Schon 103 zieht die legio XIII in den Dakerkrieg
des Kaisers Trajan, die legio XIV Martia victrix kam nach Wien, später nach
Carnuntum, wo sie bis zum Ende der Römerzeit blieb. Einschneidend war
die Maßnahme des Kaisers Trajan, den großen Provinzialraum von Panno-
nien in die Provinzen Pannonia superior und Pannonia inferior zu teilen.
Westlichstes Lager in Pannonien war Klosterneuburg. Die Grabungen von
Hanns-Jörg Ubl haben erwiesen, daß sich hier ein Kastell befunden hat,
das bis in die Spätphase bestand. Auf ein Holz-Erde-Lager flavischer Zeit
folgte ein Steinkastell aus der 1. Hälfte des 2. Jh.s. Der antike Name des
Lagers ist nicht bekannt. Die bisherige Annahme, daß Astura in Kloster-
neuburg zu suchen sei, hat sich nicht bewährt. ln Noricum folgt als näch-
stes Lager Zeiselmauer, das ebenfalls eine flavische Gründung sein mag;
vermutlich ist hier doch Cannabiaca zu suchen. An der Tullnmündung lag
das antike Kastell Commagenis, das nach der ala I Commagenorum
benannt wurde. Weiter westlich liegt das von H. Stiglitz ausgegrabene
Kastell Zwentendorf. Der Holz-Erde-Bau ist flavisch, der Steinbau traja-
nisch, in konstantinischer Zeit erfolgte der Anbau von Fächertürmen. Auf-
grund von Ziegelstempeln ist die cohors V Breucorum und später die
cohors I Asturum als Besatzung bezeugt. An der Mündung der Traisen -
Tragisamus in der Antike genannt - erhob sich das Lager der ala I Augu-

25
sta Thracum, der Name war Augustiana, wohl nach der ala benannt. Am
Ostende der Wachau schützte das Lager Favianae den Donauübergang,
die Besatzung bildete die cohors II Batavorum, später die cohors I Aelia
Brittonum. Der Holz-Erde-Bau ist flavisch, der Steinbau gehört dem 2.Jh.
an. Noch in der Spätzeit hat Mautern als Sitz des heiligen Severin eine
besondere Rolle gespielt. An der Erlauf vermutet man das Kastell Arlapa,
in Mauer an der Urllokalisiert man das Lager Loco felicis, während Wallsee
mit Adiuvense geglichen wird. Auch hier ist der Holz-Erde-Bau flavisch
datiert. Die Erbauungszeit des Steinkastells ist nicht sicher (2. ~h. ?) ; in der
Südostecke des Lagers entstand ein Kleinkastell, eine Anlage, wie wir sie
vor allem aus Ungarn kennen. Das Kastell von Lauriacum (Lorch), das sei-
nerzeit P. Karnitsch publizierte, wird in der letzten Zeit als nicht existent
bezeichnet, doch sollte hier eine fachmännische Nachgrabung Klarheit
schaffen. Die Annahme eines Lagers unter dem Legionslager ist nach
Ubls Nachgrabungen zwischen den principia des Lagers und dem als
fabrica gedeuteten Bau nicht nachweisbar. in Linz bestand ebenfalls ein
Holz-Erde-Lager, das nach dem Ausgräber P. Karnitsch bereits in augu-
steischer Zeit bestanden haben soll. Sicher ist eine flavische Phase nach-
zuweisen, in der Mitte des 2. Jh.s entstand das Stein Iager. Inschriftlich
nachgewiesen ist die ala I Thracum victrix bzw. die ala I Tampiana. Auch
hier wären Nachuntersuchungen erwünscht. Im anschließenden Teil des
Oberösterreichischen Limes ist die Lokalisierung der einzelnen Auxiliarla-
ger vielfach unklar. in Eferding will man das LagerAd Mauras ansiedeln,
doch haben sich bisher keine echten Anzeichen für antike Besiedlung ein-
gestellt. in Schlägen haben die Grabungen L. Eckharts ein trapezförmiges
Kastell mit nach innen abfallenden Ecktürmen ergeben. Die zwei Stein-
bauperioden wurden als hadrianisch und spätrömisch bestimmt. Aufgrund
von Ziegelstempeln lagen hier Teile der cohors V Breucorum oder solche
der legio II ltalica. Ich halte nach wie vor die Gleichung mit dem loviacum
der Notitia dignitatum für vertretbar. Die Gleichung Aschach-loviacum ist
archäologisch nicht beweisbar. ln Oberranna ist das Kleinkastell Stanaco
festgestellt worden. Schließlich endet der norische Limesabschnitt mit
dem Kastell Boiodurum.
So präsentiert sich etwa im frühen 3. Jh. - also nach den Markomannen-
kriegen - die befestigte Grenze. Dazu kamen im Laufe der Zeit eine
Reihe von burgi und einzelnen Wachttürmen. Vor allem in der Wachau
sind solche noch sichtbar.
Das oben beschriebene Klientelstaatensystem hat bis zur Regierung der
Kaiser Mark Aurel und Lucius Verus funktioniert. Unter dem Vorgänger der
beiden, Antoninus Pius (138-161 ), herrschte weithin im Reiche Ruhe.
Nichts gibt über den Zeitgeist besser Auskunft als die Preisrede des grie-
chischen Philosophen Aelius Aristides (117 -178) auf Rom.
Im System der abhängigen Staaten aber begannen sich schon unter der

26
Regierung des Antoninus Pius Unruhen abzuzeichnen. Auf ihnen lastete
der Druck der nach Süden drängenden Germanen (Langobarden, Ubier,
Vandalen). Alle diese Staaten verlangten die Aufnahme ins Reich! Es
bahnte sich die von Rom lange verhinderte große Koalition der Völker jen-
seits der Donau an. Die Reichsregierung hatte sicher Kenntnis von den
Vorgängen im Barbarikum, sie bot ihr ganzes diplomatisches Geschick
auf, den Friedenszustand so lange zu erhalten, bis man die Truppen wie-
der auf Sollstärke gebracht hatte. Waren doch zahlreiche Vexillationen der
Donautruppen zum Partherfeldzug des Lucius Verus abkommandiert wor-
den (162-166). Die Bevölkerung allerdings ahnte kaum etwas davon,
daher war der Schock umso größer, als 167 die Germanen die Donau
querten und im ersten Schwung bis nach Oberitalien durchbrachen.
Erschwert wurde die Situation im Donauraum durch die von den Truppen
aus dem Orient eingeschleppte Pest, die bei Militär und Zivilbevölkerung
gleichermaßen wütete. Schon 166 hatte die Reichsregierung angeordnet,
daß Marcus Claudius Fronto in Oberitalien zwei neue Legionen -//und 111
ltalica - ausheben sollte. Die Regierung richtete außerdem eine Reihe
von Spezialkommandos ein, so die praetentura ltaliae et A/pium; ein wei-
terer Kommandobereich umfaßte Obermoesien und die drei dakischen
Provinzen. Damals ist ein Teil der Festungsanlagen zerstört worden, doch
haben die neuen Grabungen M. Kandlers in Garnunturn gezeigt, daß das
Legionslager damals nicht zerstört wurde. Dagegen ging Vindobona, wie
A. Neumann darlegte, in Flammen auf. Ebenso zeigten die Grabungen von
H. Stiglitz in Favianae (Mautern) und Zwentendorf, daß die Lager zerstört
wurden. Auch im Hinterland wurden Städte wie F/avia Solva und /uvavum
durch den Einfall beschädigt. Auf dem Pfaffenberg zeigen von W. Jobst
gefundene Inschriften, daß der Tag des bekannten Blitz- und Regenwun-
ders auf den 11. Juni des Jahres 172 zu datieren ist und als "Regiments-
feiertag" der Carnuntiner Truppe bis in die Spätantike gefeiert wurde.
Diese Inschriften standen im Bergheiligtum des luppiter Optimus Maximus
K(arnuntinus) auf dem Pfaffenberg, das als zentrales Hauptheiligtum für
die Pannonia superiorseit etwa 100 n. Chr. errichtet worden war. Hier kon-
zentrierte sich natürlich auch der Kaiserkult Mit den Markomannenkriegen
endete die lange Friedensperiode der Donauländer.
Die Verlegung der legio 11/ta/ica an die Ennsmündung und die der /egio /II
ltalica nach Castra Regina in Raetien brachte für beide Provinzen auch
eine Änderung des Provinzialstatuts. An die Stelle der procuratores Augu-
sti trat je ein /egatus Augusti pro praetore aus dem Senatorenstand.
Virunum im Süden verlor die Stellung einer Provinzialhauptstadt, nur das
Amt des Finanzprokurators blieb in Virunum. Neuer Hauptort wurde Ovi-
/ava, das den Titel einer colonia Romana erhielt. Beim Legionslager von
Lauriacum (Lorch) entstand auch neben den castra eine zivile Siedlung mit
dem Statut eines municipium, wie wir aus den in das Jahr 212 n. Chr. zu

27
datierenden Fragmenten des Stadtrechtes wissen. Das dazugehörige
städtische Territorium erhielt die Stadt von Ovilava und Ae/iurn Getiurn.
Im benachbarten Pannonien, das schon Trajan in eine obere und untere
Provinz geteilt hatte, zeigte der Markomannenkrieg wie in Raetien und
Noricurn erst recht die Schwäche des längs der Donau stehenden Trup-
penbelages, auch wenn vier Legionslager und 33 Auxiliarkastelle bestan-
den. Der fast zwanzigjährige Krieg hat, wie die neuen ungarischen For-
schungen zeigen, in fast allen Lagern eine große Zerstörungsschicht hin-
terlassen. Der nach der ersten Offensive sicher sofort wieder b~gonnene
Aufbau hat wohl bis zum Ende des 2. Jh.s gedauert. Neu war die Anlage
von Kleinkastellen (praesidia) und Wachttürmen (burgi). Wie uns die
Inschriften lehren, ist ein Teil derselben bereits unter Kaiser Commodus
(180-192) errichtet worden. ln Garnunturn wurde am 9. April 193 der
Statthalter Oberpannoniens, Septimius Severus, von seinen Truppen zum
Kaiser ausgerufen. Mit Ausnahme der Garnison von Vindobona (legio X
gernina) wurde dieser nicht nur vom gesamten Donauheer, sondern auch
von der Rheinarmee sofort anerkannt. Garnunturn wurde 194 zur co/onia
erhoben. Trotz der zahlreichen Kriege sorgte der neu ernannte Kaiser für
die Donauprovinzen ganz besonders. Im archäologischen Befund zeigen
Städte und Siedlungen einen gewissen Reichtum, wobei sicher auch die
Tatsache, daß der Nachersatz an Soldaten für auxilia und Legionen aus
der einheimischen Bevölkerung genommen wurde, eine Rolle gespielt
haben mag. Dadurch kam in Form von Sold und Donativ Geld ins Land.
Der Verzichtfriede des Commodus hat nach dem Markomannenkrieg der
Grenze nur eine verhältnismäßig kurze Friedenszeit beschert. Der stän-
dige Druck auf die Satellitenstaaten durch die Germanen im Norden hielt
an. Dazu traten auch innerpolitische Schwierigkeiten, die an den unfähi-
gen Kaisern der syrischen Dynastie lagen. Die illyrischen Truppen - 11/yri-
ciani genannt - griffen in der Zeit der sogenannten Soldatenkaiser wie-
derholt zur Selbsthilfe, indem sie ihre Truppenkommandanten zum Kaiser
ausriefen. Die schwierigste Periode ist die Regierung des Kaisers P. Lici-
nius Valerianus (253-259) und des Publius Licinius Egnatius Gallienus
(254-268). Valerian war 253 von der rätischen Truppe zum Kaiser ausge-
rufen worden. 254 wurde sein Sohn Mitherrscher. Der Zusammenbruch
des Limes im Osten brachte erstmals eine Art Teilung der Herrschaft: Gal-
lienus übernahm 254 den Westen, während Valerian zum Perserkrieg
gegen Sapor I. auszog. Beim Entsatz der belagerten Stadt Ernesa nahm
ihn Sapor gefangen (259), wie es auch in der Siegesinschrift in Naq-s i
Rustam bildlich dargestellt worden ist.
Im Westen kam die Grenze nicht zur Ruhe. 260 erfolgte der Einfall der
Goten, Quaden und Sarmaten in Pannonien. ln Raetien drangen die Ala-
mannen ein, die bis Oberitalien kamen. Nacheinander werden die Kom-
mandanten lngenuus und Regalianus in Garnunturn zu Kaisern ausgeru-

28
fen. Auch am Rhein drohte Gefahr: die Franken fielen in das Reich ein und
drangen bis Spanien vor, die Alamannen mußten niedergeschlagen wer-
den. Die Münzen feiern Gallienus als restitutor Galliarum. Neuerlich fallen
die Alamannen in Raetien ein (258/259). Gallienus schlägt sie bei Mailand.
Schließlich gründet Marcus Gassianus Latinus Postumus ein Sonderreich
in Gallien. Im Osten regierte seit 260 Odaenathus von Palmyra als correc-
tor totius Asiae. Im gleichen Jahr fallen Goten, Quaden und Sarmaten ein.
263 wird eine große Heeresreform durchgeführt. Neugeschaffen werden
selbständige Reiterverbände, die als Reserve - comitatenses - gedacht
waren. Gleichzeitig wurden Senatoren von den hohen Militärposten aus-
geschlossen. Vor dem Kampf gegen Postumus wird Gallienus durch eine
Verschwörung der 11/yriciani (Ciaudius Gothicus, Aurelianus) beseitigt. 2
Jahre später kommt es zum neuerlichen Einfall von Vandalen, Sueben und
Sarmaten, die bis Kleinasien, Moesien und Griechenland vordringen.
Auch in Ephesos wurde 262 das berühmte Artemision von Goten geplün-
dert. Diese Einfälle erfolgten am gesamten Donaulimes bis zur Mündung
des Stroms. Die Grabungen in der Zivilstadt von Lauriacum haben diese
wiederholten Zerstörungen im Schichtbild deutlich erkennbar gemacht.
Manches Lager wurde auch nicht mehr aufgebaut, in Pannonien z. B. das
von Albertfalva (antiker Name?). Die illyrischen Kaiser Claudius Goticus
(268-270) und Lucius Domitius Aurelianus (270-275) wurden endlich
der Germanengefahr Herr. Claudius besiegte am Gardasee die Alaman-
nen und im Jahr darauf bei Naissus die Goten und Heruler. Aurelian siegte
an der Donau über die Juthungen, schlug die Sarmaten zurück. Im Herbst
270 hatte er neuerlich mit Vandalen in Pannonien zu kämpfen. 271 brach
die Verteidigung des Limes neuerlich zusammen, bei Placentia besiegten
Juthungen und Alanen den Kaiser, der sie aber trotzdem nach Norden
abdrängen konnte. Damals erhielt Rom seinen schützenden Mauerring.
Ein Jahr später, 271, drangen die Goten in Moesien über die Donau ein.
Erst die Aufgabe der von Trajan eroberten dakischen Länder jenseits der
Donau schuf eine Erleichterung. Neugeschaffen wurde die Provinz Dacia
ripensis in Nordbulgarien. Letzten Endes gelang es Aurelian auch, das pal-
myrenische Sonderreich der Zenobia und des Vaballathus zu zerschla-
gen. Auch das gallische Sonderreich fand durch Aurelian 273 sein Ende.
275 rüstete Aurelian zu einem Perserfeldzug und fiel auf dem Anmarsch
im Dezember einem Komplott zum Opfer. Mit Recht feiern ihn die Münzen
als restitutor orbis. Nach dem Zwischenspiel der Kaiser Probus
(276-282), der in Sirmium beseitigt wurde und des Carus (282), der nur
10 Monate regierte, und seines Sohnes Numerian (282-284), kam der
Dalmatiner Diocletianus zur Macht. An der Morava schlug er den älteren
Sohn des Carus, Carinus (285), und wurde daraufhin auch vom Senat als
Augustus anerkannt. Ihm ist die endgültige Konsolidierung der Rhein- und
Donaugrenze zu verdanken. Er war es, der im Reich zwei große Regie-

29
rungsgebiete schuf und seinen Kameraden Marcus Aurelius Valerius
Maximianus, zunächst unter dem Titel eines Cäsars, im Westen zum Mit-
herrscher berief.
Ein Jahr später wurde Maximian Augustus, Diokletian nahm den Namen
lovius an, während sich Maximian Herculius nannte. Am 1. März 293
erhob jeder der augusti seinen praefectus praetorio zum Caesar. Diokle-
tian den Galerius Maximianus, Maximian den Constantius. Beide caesares
heirateten die Töchter ihrer Kaiser und wurden adoptiert. Constantius
erhielt Gallien und Britannien als Regierungsbezirk, Galeriu$ /1/yricum.
Unter den beiden augusti erfolgte die Neuorganisation der Befestigungs-
anlagen am gesamten Limes von Britannien bis Afrika.
Die Sollstärke der Legion verritlgerten die Kaiser auf 1000 Mann, die Zahl
der Legionen wurde erhöht. in Noricum wurde in Favianae die !egio I Nori-
corum stationiert. Es ist klar, daß die verminderte Sollstärke der Legionen
es schwierig machte, die großen castra zu verteidigen; daher wurden
mehrere Einheiten in einem Lager stationiert. Außerdem berichtet die
Tafel von Brigetio, daß die Familien der Soldaten im Lager Quartier neh-
men durften. Auch der Nachfolger Diokletians, Konstantin (306-337),
setzte die Aufbauarbeit fort. Neben den Lagern entstanden Kleinfestun-
gen, Schiffslandeplätze und im Barbarikum an Stromübergängen Gegen-
lager (z. B. Contra Aquincum, Contra Bononia). Nach Sopronis Erkenntnis-
sen geht auf Konstantin die Errichtung .der großen Erdwälle im ungari-
schen Alföld, im Norden zwischen Donau und Theiss bzw. östlich am
Gebirgsrand, zurück. in der Zeit zwischen 322-332 sollen sie errichtet
worden sein. Diese Wälle schirmten das Siedlungsgebiet der Sarmaten ab
und sollten den Druck der Germanen vermindern. Von Constantia am
Donauknie mit Contra Constantia bis in den Süden nach Constantia und
Bononia und Contra Bononia (Banostor) und Viminacium erstreckte sich
dieses System. in konstantinische Zeit datiert man auch die Errichtung von
Fächertürmen.
ln die gleiche Ausbauphase gehören auch die im Inneren der Provinzen
angelegten Festungen. Diese sind vor allem von Soproni im lnnern von
Pannonien festgestellt worden. Pannonien selbst war schon unter Diokle-
tian in vier Provinzen geteilt: Pannonia prima, die Valeria, zwischen Drau
und Save die Provinz Savia, die Pannonia secunda schloß östlich bis zum
Zusammenfluß von Donau und Save an. Möglich, daß die in der Notitia
dignitatum angeführten Einheiten der Marscharmee hier garnisonierten.
Auf alle Fälle hatten diese Anlagen reichlich Platz, um der Bevölkerung in
Zeiten der Gefahr Zuflucht zu gewähren. Im rätischen Bereich kann etwa
das Kastell von Veldidena (Wilten) diesem Typus angehören. Die letzte
große Ausbauphase des Limes fand unter Kaiser Valentinian (364-375)
statt. Er wurde von seinem Bruder Valens (364-378) zum Mitkaiser beru-
fen. Damals war der Druck auf den Limes an der unteren Donau beson-

30
ders stark, wurden doch die Goten 376 durch Valens in das Reich aufge-
nommen. Diese hatten, von den Hunnen vertrieben, die untere Donau
überquert. 378 schlugen die Goten bei Adrianopel den Kaiser Valens. Die
Folgen waren für den Limes verheerend, sah sich doch der Nachfolger
des Valens, Kaiser Theodosius I. (379-395), gezwungen, eine große Zahl
von Goten, Alanen und Hunnen, die von Alatheus und Safrax geführt wur-
den, in der Pannonia anzusiedeln. Der Limes war zusammengebrochen,
vor allem scheint die Va/eria als Siedlungsgebiet dieser Völkergruppen
gedient zu haben. ln Zusammenhang damit bringt man das plötzlich~ Auf-
treten der eingeglätteten Keramik. Diese taucht in einigen der unter Va-
lentinian errichteten Kastellen auf, so daß die Annahme Sopronis, daß die
germanischen Neuansiedler diese Keramik mitbrachten, viel für sich hat.
ln Pannonien fand man im Kastell Pilismarot - Malompatak zwei Töpfer-
öfen für diese Ware. Auch im norischen Favianae (Mautern) ist ein Töpfer-
ofen für diese Keramik gefunden worden. Auch die Zivilbevölkerung ist in
aufgegebene Kastelle eingezogen, so in Visegrad - Sibrik, das 380 auf-
gegeben wurde.
Vielfach hat man bis jetzt das Jahr 395 als das Endjahr von Garnunturn an-
gesehen. Damals fielen die Markomannen über die Donau ein. Ein Großteil
von ihnen wurde unter einem tribunus gentis Marcornannorurn angesie-
delt, wie in der Notitia dignitaturn zu lesen ist. Leider fehlt eine genauere
Gebietsangabe. Vielfach waren die Lagerfestungen zu groß geworden, vor
allem wenn man den geringen Sollstand der Truppen berücksichtigt. So
wurde im Bereich von Garnunturn an der Westfront ein Kleinkastell erbaut.
Da es sich um die Interpretation alter Grabungsberichte von Oberst v. Grol-
ler handelt, ist eine eindeutige Datierung schwierig. Seinerzeit dachte ich
an das Kommando des cornes Generidus (409), das nach Zosimus angeb-
lich Dalmatien, Pannonien, Norikum und Raetien umfaßte. Auch die Gra-
bungen M. Kandlers im Nordostquadranten des Carnuntiner Lagers zeig-
ten, daß an der Wende vom 4. zum 5. Jh. bereits Einbauten der Zivilbevöl-
kerung nachzuweisen sind. Diese Ansicht habe ich auf Grund der Interpre-
tation der alten Grabungsberichte für wahrscheinlich gehalten. Jedenfalls
ist im Carnuntiner Lager eine Besiedlung bis in das frühe Mittelalter festzu-
stellen. Das Gleiche gilt auch für den Raum von Lauriacurn und für die
Städte Wels und Salzburg. Die Hunnengefahr unter Attila hat Aetius inso-
fern gebannt, als er die pannonischen Provinzen 433 den Hunnen als
Föderatenland zugestanden hat und 434 Attila zum rnagister utriusque rnili-
tiae ernennen ließ. Wie lange Garnunturn bestanden hat, zeigt die Nach-
richt, daß unter Karl dem Großen der Awarenfürst Capeanus Wohnsitze
zwischen Garnunturn und Savaria erbat und auch erhielt. Der pannonische
Limes ist also nicht durch einen kriegerischen Einfall beseitigt worden, er
ist, wie auch in Norikum und Raetien, langsam verfallen. Er löste sich auf,
da der Nachschub und der Truppenersatz fehlten.

31
Für den norischen Limes bietet die Vita Sancti Severini eine unschätzbare
Quelle. Sie zeigt die dortigen Verhältnisse nach dem Tode des Königs
Attila. Nördlich der Donau, gegenüber von Favianae (Mautern), lag das
Gebiet der rugischen Föderaten, die eine Schutzherrschaft über die
Romanen ausübten. Die romanische Bevölkerung wohnte in den alten
Militärlagern, nur hier und da werden Soldaten erwähnt. Von einem ech-
ten Limes - einer befestigten Grenze - kann nicht mehr gesprochen
werden. Der archäologische Befund zeigt, daß im 5. Jh. und darüber hin-
aus die Orte weiter bestanden haben. Bis zum raetischen. Ouintannis
(Künzing) reichte der Einfluß des heiligen Severin. Langsam wird ein Ort
nach dem anderen von Severin geräumt, wobei allerdings sicher ist, daß
nie die gesamte Bevölkerung abzog. Nach Lauriacum, der Bischofsstadt,
wurde Favianae der Sammelpunkt der flüchtigen Romanen. Nach dem
Tode Severins (482) zogen auf Befehl Odoakers die Romanen nach Italien
(488), nachdem Odoaker vorher die Rugen besiegt hatte. Daß Romanen
auch dann noch in ihrer Heimat geblieben sind, zeigen die Grabungen und
beweist die Ortsnamenforschung. Westlich der Enns behalten einige Orte
ihre alten Namen, auch in Raetien blieb ein Teil der romanitas erhalten. ln
Binnennorikum entstanden in dieser Zeit die Fluchtburgen, die einheimi-
sche Bevölkerung hielt sich bis zum Einfall der Awaren und Slawen.

32
ROBERT GÖBL

Der römische Geldverkehr im Limesbereich


Oie Abhaltung eines Limes-Kongressesam Österreichischen Donaulimes
legt nahe, nicht nur über den römischen Geldverkehr daselbst1, sondern
überhaupt allgemein über die Grundlagen der Geldwirtschaft am Limes zu
sprechen. Daß wirklich Spezielles schon aus der Zielsetzung dieser kur-
zen Zeilen ausgeklammert bleiben muß, ist dabei selbstverständlich.
Unser ganzes Wissen um den römischen Geldverkehr überhaupt stammt
allein aus dem Studium der gefundenen Münzen 2 . Die Römer selbst
erzählen uns dazu nichts3. Daher gehört zu den Grundbedingungen des
Verständnisses und der Möglichkeit, in die komplexe Materie einzudrin-
gen, in erster Linie eine saubere Terminologie zu den Funden. Bekanntlich
kann man etwa fünf, strukturell selbst stark differenzierte, Hauptgattungen
unterscheiden, nämlich 4 :

I. Schatzfunde (Horte): das sind die eigentlichen "Münzfunde" (alle


anderen sollten besser unter dem Begriff "Fundmünzen" laufen 5), die
sowohl Privatgeld (Spargeld, Notgroschen, Geschäftslosung, Tagesbar-
schaft) sein oder auch dem militärischen Bereich (Militärkasse, Soldanteil)
entstammen können. Nicht alle Schatzfunde müssen aber Notbergungen
in Kriegszeiten sein;
2. Sied I u n g s f und e: sie stellen die Summe von dauernden Einzelverlu-
sten aus Gewand oder Börse über die ganze Zeitspanne der Besiedlung
eines Platzes dar, mithin ein erst mit der Zeit entstandenes Ensemble.
Indessen haben neuere Erfahrungen gezeigt, daß mitunter nicht entdeckte
bzw. als solche erkannte Schatzfunde vom Pflug mit der Zeit über ein
bestimmtes Areal verschleppt werden und so den Befund der echten Ein-
zelfundsummen stören können;
3. Streufunde: das sind Einzelfunde außerhalb des geschlossenen
Siedlungsbereiches. Ergeben sie aber etwa Hinweise auf ständig began-
gene Wege, so sind sie in gewissem Sinne wieder den Siedlungsfunden
zuzurechnen;
4. G ra bf und e: gemeint sind die als Totenbeigabe (Charonsgeld)
bekannten Münzen. Da man dem Toten nicht immer das beste oder neue-
ste Geld mitgegeben hat, ergeben sie einzeln nicht viel, wohl aber können
sie als Summe eines Friedhofes über Belegungsdauer und -gewohnhei-
ten etwas aussagen;
5. Weihefunde: hierher gehören Opfergaben an Quellen oder Furten
(Daueropfer) oder einmalige Deposite wie z. B. Bauopfer. Sie sind also
mitunter ganz individuell.

33
Nun ist das Münzgeld der römischen Zeit nicht nur Bezugsform der
gesamten übrigen Geldwirtschaft, sondern auch ihr vorzüglichstes Aus-
drucksmitteL Seine Gattungen und die Bedingungen seiner Verteilung
und seines Umlaufes unterliegen Gesetzen, die wiederum von den Not-
wendigkeiten der Versorgungsräume stark abhängig sind.
Ist die Münze nun einerseits ökonomisches Mittel zur Bezahlung von
Gütern und Leistungen, so ist sie andererseits das erste Massenkommu-
nikationsmittel der Geschichte6 . Münzen tragen das Bildnis jedes neuen
Kaisers mit der Zeit in die fernsten Winkel des Reiches, also ~uch an den
Limes. Die Rückseiten verkündigen die Regierungsprogramme und die
offizielle Lesart der Politik, die dieses Nachrichtenmittel sehr genau
benützt. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wahrheit in der Praxis
des Alltags war damals so erregend wie heute. Fehlendes wird am mei-
sten verkündet; neben echten gibt es nie eingetroffene Siege, wird der
Friede gerade beschworen, wenn er ferner ist denn je, ist überhaupt der
Wunsch der Vater des Gedankens, ermüden die Durchhalteparolen aller
Arten die Zeitgenossen. Freilich darf man nicht simplifizieren: viel Wahres
hat nur über die Münzen zu uns gefunden, und die Forschung hat es
gerade hier besonders schwer. Das Bild- und Schriftprogramm ist in der
zunächst vorsichtigen Lösung aus dem republikanischen Mantel bis zur
später unverhüllten Herrschaft nur in den rund 150 Jahren der pax
Romana lebendig bis behäbig, schließlich auch langweilig reichhaltig. Der
Druck der Kriegszwänge formuliert Aktuelles härter, manipuliert Tatsächli-
ches. Formenreichtum und Ausdrucksfreudigkeit nehmen ab. Der Schluß
der Prinzipatsepoche leitet über zur drastischen Typenreduktion des
Dominats.
Nun ist der Limes ein wirtschaftliches Sondergebiet (vgl. dazu etwa den
inhaltlich davon weit differierenden modernen Begriff des Zollgrenzbe-
zirks) mit anderer Wirtschaftsstruktur als das Reichsinnere. Weder als
Begriff noch auch hinsichtlich seiner Geldwirtschaft ist er etwa einfach ein
Faden am Strom (den die Straßen übrigens bisweilen verlassen 7 ), son-
dern eine verschieden breite bzw. tiefe Trasse sehr verschiedener Infra-
struktur nach Ballung, Staffelung und Geldbewegung, voran der Geldzu-
fuhr überhaupt.
Die Grundbedingungen des römischen Lebensam Limes und seine Ent-
wicklung sind natürlich längst bekannt. Alles nimmt da seinen Ausgang
von der Präsenz und den Bedürfnissen des Militärs. Aus den Lagern erst
fließen die in ihnen über Soldzahlungen und Sonderzuwendungen einlau-
fenden Geldmengen hinaus in das Zivilleben des Landes, nur das Erz geht
- jedenfalls zeitweise - vorwiegend von vornherein den Zivilweg. Unter-
suchungens haben hinlänglich gezeigt, daß sich das umlaufende Geldvo-
lumen in den Verlusten so niederschlägt, daß Belegungsdauer und Trup-
penbewegungen im Fundbestand ablesbar sind. Die Errichtung größerer

34
Militärlager (am Österreichischen Donau-Limes Carnuntum, Vindobona
und Lauriacum) läßt hinter den canabae, den Lagerdörfern der Marketen-
der und Kaufleute, in denen bald Konkubinen, Frauen und Kinder der Sol-
daten, seit Septimius Severus auch sie selbst in ihrer dienstfreien Zeit
wohnen durften, in weniger räumlicher als vor allem rechtlicher Trennung
die Zivilstädte entstehen9. Die Soldaten setzen ihr Geld in Trunk, Spiel und
allerlei Vergnügen um; die Offiziere versuchen, das ferne Rom zu imitie-
ren und es sich so bequem wie möglich zu machen. Die Versorgung der
Truppe mit dem Lebensnotwendigen ermunterte zu Handel und Verkehr
nicht allein mit dem Hinterland und im Limesverlauf, sondern auch über
den Strom hinüber zu den Germanen, die im Zusammenstoß mit der
hochentwickelten römischen Industrie angesteckt und motiviert wurden.
Vor allem die lokal und terminisiert festen und kontrollierten Märkte an der
Donau bildeten weit über die Militärgrenze hinaus orientierte und mit dem
Reichsinneren kaum vergleichbare Verhältnisse heraus. Aus Provisorien
wurde Dauer.
Die für die Soldzahlungen und die Donative nötigen Quantitäten an Sil-
bergeld sind zunächst wohl in größeren Transporten direkt an den Limes
gelangt. Der normale Zustrom neuer Münzen, etwa mit dem Bild des
neuen Kaisers, unterliegt nicht nur bis zur Erreichung seiner Ziele dem
sogenannten Verzögerungsfaktor, sondern es bedarf auch einer gewissen
Zeit, bis das neue Geld seinen Umlaufhöhepunkt und dann seine größte
Siedlungsfundhäufigkeit erreicht 1o. Hierin unterscheiden sich Schatzfunde
bisweilen krass von Siedlungsfunden, die Ereignisse der Geldversorgung
stetig registrieren11.
Das Kurant am Limes ist natürlich hauptsächlich Reichsprägung, bis in den
Anfang des 3. Jahrhunderts fast ausschließlich in Rom hergestellt, von wo
es auf den genannten Wegen in den Geldumlauf kam. Der Soldat erhält
sein Geld zunächst im Denar. Natürlich gelangen praktisch alle Metalle
und Nominalien in das Limesgebiet, doch dominiert das Silber bis ins
zweite Drittel des dritten Jahrhunderts. Einen Bruch im Gesamtsystem der
von Augustus geschaffenen Reform 12 bringt die Zeit des Septimius
Severus. Er verschlechtert die Legierung des Denars und gibt ihn in Mas-
sen aus; den nach Antoninus 111. Caracalla so benannten, von ihm 215
n. Chr. eingeführten Doppeldenar, den Antoninian, trifft dann die große Sil-
bergeldinflation des 3. Jahrhunderts, in der das Nominale schließlich prak-
tisch in Kupfer mit geringem Silberzusatz endet. Das Erzgeld kommt dabei
schrittweise mit zu Sturz.
ln der Reichskrise des 3.Jahrhunderts versagt auch das alte Versorgungs-
system, das parallel zur zunehmenden Militarisierung von Monarchie und
Reich ganz auf die soldatischen Bedürfnisse ausgerichtet war. Die Kriegs-
läufte erzwangen zunächst die Errichtung von beweglichen Münzstätten
(monetae comitatenses), bald von ortsfesten Ämtern im unmittelbaren

35
Hinterland der an den Grenzen operierenden Truppen. Die neuen Münz-
stätten (für die Donaugrenze wichtig zuerst Viminacium, das Gallienus
bald nach Köln mitnimmt, dann vor allem Siscia; aus dem Bereich Oberita-
lien Medio/anumwegen der von Gallienus dort gegründeten Reiterarmee;
schließlich auch andere, dauernde bis kurzfristige) waren nicht nur für
Rom (auch als Leitmünzstätte am Anfang) ein organisatorisches Problem,
sondern sind es vielfach noch heute für die moderne Münzstättenfor-
schung in Fragen ihrer Lokalisierung, Organisation (Programmgestaltung,
Offizinsarbeit, Emissionen), ihrer Beziehungen untereinander und zur
Zentrale, sowie ihrer Versorgungsräume. Aus diesen de-facto-Ämtern der
Reichskrise des 3. Jahrhunderts macht dann die Reform des Diokletian
293/294 richtige Reichsmünzämter de iure mit uniformem Programm,
neuen Ämtern, neuen Gliederungen und neuen Nominalien, unter denen
Follis, später Maiorina, Centenionalis und Halbcentenionalis das Bild der
spätrömischen Fundmassen auch im Limesbereich bestimmen.
Neben der Reichsprägung begegnen Provinzialgepräge verschiedener
Herkunft, die zuerst auch als einfache Andenken mit den Soldaten wan-
dern. Da aber die Antike keine echte Außerkurssetzung von Münzen
kennt, überläßt die Finanzverwaltung die umlaufenden Geldsorten dem
Schicksal der natürlichen Auslese, bei der in erster Linie das überlebt, was
ins Reichssystem paßt. Während die Edelmetallprägung mit geringen Aus-
nahmen (z. B. Caesarea Cappadociae oder die Cistophoren) bereits unter
den ersten Kaisern unterdrückt wird, stützt die Buntmetallprägung (vor-
nehmlich griechischer Zunge) zunächst den Verfall des Reichsgeldes in
Erz etwas ab. Die Erze der Provinz Dacia (246-256/257) und der Provinz
Moesia superior (in Viminacium; 239-254/255) zeigen das Bemühen, die
Buntmetallversorgung aufrechtzuerhalten, die Ereignisse unterlaufen aber
den Versuch.
Fragt man nach den besonderen Zügen des Geldverkehrs am Limes, so
stellt man allerlei Disparates fest. Gold ist am Limes nach traditionellem
Befund selten. Bis Severus Alexander wurden Beamte, bisweilen auch
Offiziere, jedenfalls bei Donativen, in Gold bezahlt. Die nicht zahlreichen,
aber interessanten Goldschätze am Limes 13 gehören stets Händlern oder
Wechslern bzw. kleineren Bankiers. Vorneronische Denare sind am Limes
selten, die oft verschliffenen republikanischen Denare kommen hingegen
vor. Besonders lang liefen die schlechten Legionsdenare des Mark Anton
um. Das Vorkommen von Silberquinaren ist mit Eimer zu Recht als Zeug-
nis für die Intensität des Geldverkehrs zu werten14. Das einfache und
weniger kritische Publikum des Geldverkehrs am Limes läßt sich weiters
zu allen Zeiten auch Falschgeld andrehen, daher finden sich viele subärate
Geprägels, dazu nicht wenige Weißbronzegüsse. Kleingeldmangel bringt
vor allem im 1. Jahrhundert halbierte und geviertelte Erzmünzen, also
eigentlich Hackgeld. Im 3.Jahrhundert, seit Septimius Severus bis

36
Severus Alexander, kommt es zu behördlich sicher geduldeten Selbsthil-
femaßnahmen der Bevölkerung, die sich in den sogenannten Limesfäl-
schungen (Nachgüssen echter Erzmünzen) das nötige Kleingeld
beschafft. Neuere Funde und Forschungen zeigen eine beträchtliche Tie-
fenstaffelung und Fabrikationspalette des Phänomens, wenn z. B. aus der
Steiermark und aus Kärnten, aber auch am Limes selbst, teils Güsse aus
eigenen (also nicht von echten Münzen abgenommenen) Modeln, teils
auch Prägungen von Münzen mit Eisenkern und Messing- bzw. Bronze-
haut aufgetaucht sind. Ähnliches wiederholt sich in der Spätanti~e mit
geprägten Imitationen des Antoninians, nach der Strahlenkrone des Kai-
sers radiati genannt, und mit den sogenannten Minimi, die gleichfalls Guß-
verwandte haben, und mit vielerlei Sorten sonstiger barbarisierter
Gepräge 16 .
Von einer immer wieder verlangten "Auswertung" der Funde, die diesen
Namen wirklich verdient, läßt sich heute eigentlich noch weniger sprechen
als noch zwischen den beiden Kriegen. Nicht allein hat sich das Material
unglaublich vermehrt und überfordert alle Bearbeiter längst. Zwar konnte
an das deutsche Fundunternehmen FMRD 17 das anschließende Unter-
nehmen FMRÖ begründet werden1s, in dem bisher als große Limeskom-
plexe die Bände für Garnunturn und Vindobona sowie - besonders wich-
tig für einen Teil des Limeshinterlandes - für das Burgenland19 erschie-
nen sind, und die schon seit langem bestehenden Fundberichte aus
Österreich in den einschlägigen Teilen berichten. Doch gibt das alles kein
wirklich tragfähiges Bild. Die Schatzfunde sind teilweise leichter zu analy-
sieren2o, aber die Siedlungsfunde geben wohl einen Unverfälschteren
Ausschnitt des tatsächlichen Geldumlaufes im Kleinverkehr als die
Schätze 21 , die natürlich auch für sich interessant sind2 2. Von den Fragen
der verfügbaren Bearbeiter und Grundlagen- und Koordinationsfragen
abgesehen läßt sich eine "Auswertung "23 des Geldverkehrs am Öster-
reichischen Donaulimes zunächst nicht geben, solange nicht FMRÖ Nie-
derästerreich und Oberösterreich komplett vorliegen. Nicht nur der Ver-
gleich mit dem FMRD im Westen, sondern auch mit dem Anschlußmaterial
im Osten wäre wichtig 24 . Weit schlimmer als der Mangel an Bearbeitern
und die Crux der ewigen Nachträge sind andere Dinge: zunächst wenn
entgegen allen Appellen und Maßnahmen der Denkmalpflege immer grö-
ßere Mengen von Münzen, mit Suchgeräten gefördert, in Privatsammlun-
gen und oft genug ins Ausland wandern, von wo ihre Kenntnis nur durch
wenige verständige Sammler zur Kenntnis der Wissenschaft kommt. Der
reine Numerus ist dabei, auf der einen Seite durch ungemessen wach-
sende Fülle, auf der anderen durch immer größere Dauerverluste über-
haupt der Berechnung die Glaubhaftigkeit der Zahl zu entziehen. Hält man
die immer stärker auf Schönheit und Seltenheit des Objektes und der
Typologie gerichteten Selektionsbestrebungen der Sucher und Sammler

37
dazu, so kann vermutlich künftig alle Hoffnung auf die verläßliche Beurtei-
lung des römischen Geldverkehrs am Donaulimes gar nicht mehr von der
Idee der schrittweisen, sozusagen abhakenden Mengenbewältigung aus-
gehen, sondern allenfalls von einer noch zu erarbeitenden neuen Metho-
dik, die Abwanderung von Massen durch Analogieschlüsse wenigstens
teilweise auszugleichen2s.

Anmerkungen
1 Die erste umfassendere Abhandlung dazu, die es auch jetzt noch verdient, nicht
vergessen zu werden, stammt von K. Pink: Der Geldverkehr am Österreichi-
schen Donaulimes in der Römerzeit, in: Jahrbuch für Landeskunde von Nieder-
österreich 25 (1932), 49-88 (mit I Karte); Ein Jahr später folgte G. Eimer: Der
römische Geldverkehr in Carnuntum (Auf Grund der Neuordnung der Sammlun-
gen in Petronell und Deutsch-Aitenburg) in: NZ 66 (NF 22) (1932), 55-67;
schließlich habe ich selbst für die Landesausstellung "Die Römer an der Donau"
1973 (Katalog, 79-84) einen kurzen Überblick gegeben, der den allgemeinen
Interessen an der Sache dienen sollte; vgl. weiters G. Dembski, Münzprägung
und Geldumlauf im Donauraum des S.Jahrhunderts, in: Severin. Zwischen
Römerzeit und Völkerwanderung. Katalog der Ausstellung des Landes Ober-
österreich im Stadtmuseum Enns 1982 (Linz 1982), 201 ff.; weitere einschlägige
Literatur s. weiter unten Anm. 24.
2 Für allgemeine Fragen des römischen Geldverkehrs und seiner Grundlagen ist
fundamental und unumgänglich wichtig die unter der hauptsächlichen Federfüh-
rung von Konrad Kraft im Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 1956
(op.cit. 9-71) von H. Gebhart, K. Kraft, H. Küthmann, P. R. Franke und K. Christ
erschienene Arbeit: Bemerkungen zur kritischen Neuaufnahme der Fundmün-
zen in Deutschland ("Antiker Münzfundkatalog"). Die Literatur zum Gesamt-
thema ist bereits abundant und kann an dieser Stelle nicht aufgeführt werden,
doch siehe weiter unten einzelne Hinweise in Anm. 20. Für Allgemeines zur
Geldwirtschaft und vornehmlich am römischen Beispiel vgl. R. Göbl, Antike
Numismatik (München 1978), I, 175ff. (§31 ).
3 Für den Limes gilt, daß die wenigen Anhaltspunkte aus der zeitgenössischen
Literatur sich entweder nicht direkt auf ihn beziehen oder dann jedenfalls nicht
auf die dortigen Geldverhältnisse.
4 Vgl. R. Göbl, Antike Numismatik (München 1978), I, 224 ff. (§35/3bE).
5 Hier ist leider in erster Linie die deutschsprachige Literatur sehr oft ungenau. Die
Fremdsprachen verwenden für die Schatzfunde insgesamt kaum verwechsel-
bare eigene Vokabel.
6 Vgl. R. Göbl, Antike Numismatik (München 1978), I, 29 (§5).
7 K. Pink, op.cit. (siehe Anm. 1), 51.
8 Wie die sogenannten Lagervergleiche erweisen; für sie vgl. K. Kraft, Zum Endda-
tum des Legionslagers Haltern, in: B,Jb 155/156 (1956), 95-111, im Vergleich
mit Oberhausen neu vorgeführt in: K.Kraft 1956 (vgl. oben Anm.2), 55f.; wei-
ters: K. Kraft, Zum Legionslager Augsburg-Oberhausen, in: Bayerns Frühzeit
62 (1962), 141 ff.

38
9 Vgl. die wohl anschaulichste und präzise Darstellung bei E. Swoboda, Carnuntum
und seine Denkmäler (mir vorliegend die 2. Aufl. Wien 1953), 82ff.
10 Vgl. K. Kraft 1956 (oben Anm. 2), 47ff.
11 Vgl. K. Kraft 1956 (oben Anm. 2), 39f.
12 Sie ist, obwohl kaum so apostrophiert und auch bezeichnenderweise nicht im
Tatenbericht des Kaisers erwähnt, schon in ihrer genialen Umstrukturierung der
republikanischen in eine monarchische Geldverfassung, und als Summe der im
neuen Imperium zusammengelaufenen Erfahrung der hellenistischen Weit mit
dem Münzgeld eine der bedeutendsten und folgenreichsten der gesamten
Geldgeschichte.
13 Z.B. der beim Bau des Wiener Neustädter Kanals gemachte Rennweger Fund
von 1799, vgl. FMRÖ IX Wien (F. Dick), 85 (dort weitere Literatur); dazu vgl.
auch H. Jungwirth, Der Münzschatzfund von Erla, in: NZ 82 (1967), 26ff. (1966
gehoben).
14 G. Eimer, Der römische Geldverkehr in Carnuntum (siehe oben Anm. 2), 57.
1s Im Zuge der Silberinflation des 3. Jahrhunderts gibt es möglicherweise auch offi-
ziell plattierte Stücke, was noch näher zu prüfen wäre.
16 Alles nicht von vornherein als regulär deklarierte Münzgeld wird auch in der For-
schung mitunter recht unterschätzt und verdiente besondere Sammlung und
Sonderbehandlung. Von auch geldgeschichtlich interessanten Phänomenen
besonders herausgehoben sind die grundsätzlich aus Denaren geschlagenen
Antoniniane des Carnuntiner Eintagskaisers Regalianus und seiner Frau Dryan-
tilla, offenbar aus der Privatschatulle des Paares, vgl. R. Göbl, Regalianus und
Dryantilla, Dokumentation: Münzen, Texte, Epigraphisches. Wien 1970.
17 Seit 1953; vgl. K. Kraft 1956 (siehe oben Anm. 2).
18 Seit 1967/1969, vgl. FMRÖ 111/Niederösterreich/1 Carnuntum (W. Hahn), Wien

1976, Vorwort (R. Göbl), 7.


19 ln der Reihenfolge: FMRÖ 111/Niederösterreich/1 Carnuntum (W. Hahn), Wien

1976; FMRÖ IX/Wien (F. Dick), Wien 1978; FMRÖ 1/2 Burgenland (F. Dick),
Wien 1984.
2o Vgl. auch den derzeit allgemeinen Trend, sich großer Funde anzunehmen; ein
auch methodisch vorzügliches Beispielliefern neuerdings E. Besly und R. Bland,
The Cunetio Treasure. Roman Coinage of the third Century A. D., London 1983,
der mit 54.000 Stück in mehrfacher Hinsicht für die hier ungemein angewachse-
nen Aktivitäten stehen kann; vorwiegend mit Schatzfunden (Horten) befassen
sich auch die besonders wichtigen Studien zu Fundmünzen der Antike (Hrsg.
Maria R.-Aiföldi), bisher erschienen: 1. Ergebnisse des FMRD-Colloquiums vom
8.-13. Februar 1976 in Frankfurt am Main und Bad Homburg, zusammengestellt
von Maria R.-Aiföldi, Berlin 1979; 2. Aufsätze, Berlin 1984; 3. Aufsätze, Berlin
1985.
21 K. Kraft 1956 (siehe Anm. 1), 39.

22 So hat etwa der Tullner Fund 1966 (R. Göbl, Römischer Münzhort Tulln 1966),
in: NZ 83 (1969), 7-57 und 48ff. eine ganze Gruppe von Antoninianen der
Münzstätte Antiochia erbracht, die zeigt, daß gegen die Mitte des 3.Jahrhunderts
nach Philippus Arabs eine kleinere Einheit rasch aus dem Osten an die Donau
verlegt worden sein muß und ihre Barschaft, vermutlich eine Militärkasse, mitge-
nommen hat.

39
23 Mit diesem Begriff wird überhaupt ganz allgemein ziemlich gesündigt. Für
Grundsatzfragen ist, auch was die intentioneile Abstinenz in FMRD und FMRÖ
betrifft, wieder Kraft 1956 (siehe oben Anm. 2), 35ft. zu vergleichen. Ein Negativ-
beispiel hat vor über zwei Dezennien K. Christ, Antike Münzfunde Südwest-
deutschlands, in: Vestigia 3/1 und II geliefert, das damals deshalb mehrfach
(auch von K. Kraft) angegriffen worden war, vgl. auch meine Rez. in den MÖNG
1963/2, 15f. mit den Nachweisen daselbst, wie oft Christ selbst zugegebener-
maßen mit viel zu wenig umfangreichem Fundmaterial operiert.
24 Daraus ist klar, daß es nicht allein am jetzt anfallenden oder erhältlichen und
durch allerlei Unverständnis der Sammler und Sucher arg gestörten Material,
sondern auch an der Verifizierung des bisher Bekannten und der Redigierung
auf einheitlicher Grundlage liegt, also nicht an den neuen, sondern an den älte-
ren Funden auch. Für Neueres vgl. außer FMRÖ die Arbeiten von G. Dembski,
z. B. Die antiken Münzschatzfunde aus Österreich, in: NZ 91 (1977), 3ft.; Eine
römerzeitliche Münzrolle aus Tulln, in: NZ 95 (1981) 25ft.; Numismatische
Besonderheiten aus dem Lauriacenser Bereich, in: Mitteilungen des Musealver-
eines Lauriacum, Enns (laufend), sowie in den Fundberichten aus Österreich
(laufend).
25 Erschwerend kommen teils tatsächlich notwendige, teils als notwendig empfun-
dene Veränderungen in der Zitierliteratur dazu, so wenn neuerdings RIC I in
zweiter Auflage von C. H. V. Sutherland und R. A. G. Carson 1984 herausgebracht
eine andere Nu merierung fürs Zitat hat als die erste, aber keine Konkordanz gibt.
ln LNV 3 wird eine solche von F. Schmidt-Dick erscheinen. Besly und Bland
(siehe oben Anm. 20) verlassen für den Cunetio Treasure mit der Mitte des
3. Jahrhunderts weitgehend bis ganz den dafür untauglichen RIC V/1 oder
benützen ihn allenfalls als Begleitzählung ganz unverbindlicher Art. Umgekehrt
ist- gemessen an unseren Wiener Erfahrungen und den für FMRÖ (und TNRB)
in jahrelangem Ringen erarbeiteten Zitierregeln schlechthin unbegreiflich, wie
sich bei den meisten Autoren stets glatte und komplikationslose RIC-Zitate erge-
ben, was einfach der Realität nicht entspricht und auf seine Weise die Befunde
zu fälschen vermag. Um tatsächliche Sicherheit für die "Auswertung" ist daher
an vielen Fronten noch hart zu ringen.

40
MANFRED KANDLER

Die Erforschung des Österreichischen Limesabschnittes


Das Alpenvorland und das Viertel unter dem Wiener Wald mit seiner sich
gegen das Leithagebirge hin dehnenden Ebene gehörten in römischer
Zeit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Österreichs. Nicht unähn-
lich den heutigen Verhältnissen - viele moderne Siedlungen liegen ja
noch an der gleichen Stelle wie ihre römischen Vorgänger - überzogen
zahlreiche Bauerngehöfte und kleine Dörfer das Land, an den Brennpunk-
ten der gut ausgebauten Verkehrswege entwickelten sich städtische
Gemeinwesen. Eine besondere Kristallisationslinie stellte die Donau dar:
An der entlang des Stromes verlaufenden Grenze des römischen Impe-
riums wurden Kastelle und Legionslager zur Sicherung des Reiches
errichtet, in deren Schutz sich mit Vorliebe die zivile Bevölkerung nieder-
ließ. Zudem bildete das in den Lagern stationierte Militär einen nicht zu
unterschätzenden Wirtschaftspartner, der in seiner Umgebung für mate-
riellen Wohlstand, was auch eine rege Bautätigkeit bedeutete, sorgte.
Im Mittelalter müssen von den römischen Siedlungen noch zahlreiche gut
erhaltene Überreste vorhanden gewesen sein. Flurnamen wie Burgstall,
Burgfeld oder Heidenstatt geben Hinweise auf das Vorhandensein solcher
Ruinen. So wird z. B. die Stelle des spätantiken burgus von Hollenburg
östlich Mautern in Urkunden des 14. Jh.s als Purchsta/1 genannt. ln Urkun-
den finden sich aber auch zahlreiche direkte Erwähnungen von römerzeit-
lichen Bauresten, deren älteste (Mautern) sich bis in das 11. Jh. zurück-
verfolgen lassen. Im Jahr 1277 berichtet eine Urkunde des Bischofs Kon-
rad von Freising, daß der Freisinger Hof in Wien ab extremitate muri, iuxta
turrim antiquam läge (der Turm wurde im Jahre 1619 abgerissen). Der
noch heute im Gelände aufrecht stehende Meilenstein von Nietzing wird
erstmals um 1324 als marchstain = Grenzstein genannt. Als im Gelände
auffällig sichtbare Denkmäler hatten sie oftmals die Funktion eines Grenz-
steines zu erfüllen.
Früher als anderswo sind die Überreste der römischen Siedlungstätigkeit
im Limesgebiet auch auf historisches Interesse gestoßen. So berichtet um
das Jahr 1300 der Mönch Berchtold (Bernardus Noricus) von Kremsmün-
ster, daß anläßlich einer Renovierung der Loreher Kirche an deren Ost-
seite Steine mit Bildern und Inschriften sichtbar geworden waren. Eine der
Inschriften wurde von ihm kopiert, da er der Meinung war, es handle sich
um die Bauinschrift der Kirche. Tatsächlich aber war es ein Grabstein
eines Veteranen der legio 1/lta/ica, des Lauriacenser Hausregiments (CIL
111 5671 = 11814). Der Irrtum des Mönches bescherte uns so die erste
Abschrift einer römischen Inschrift auf österreichischem Boden. Die aus
der Kirche entfernte Inschrift hat einige Irrwege mitgemacht, ehe sie zu

41
Anfang unseres Jahrhunderts in das Ennser Museum gelangte (lnv.Nr. R
X 1). Gelegentlich wurden auch spektakuläre Bodenfunde von den Chro-
nisten aufgezeichnet: so berichtet die erste Überlieferung eines solchen
Ereignisses ebenfalls über einen Fund aus dem Limesgebiet Im Jahre
1297 wurde in Steyr, wie die Annalen von St. Florian überliefern, ein
Schatzfund von römischen Goldmünzen geborgen, der, da er an den Lan-
desherrn abgeliefert werden mußte, für entsprechendes Aufsehen sorgte.
Um antike Baudenkmäler rankten sich manche Sagen, wenn der Verstand
allein nicht ausreichte, ihren Zweck zu ergründen. Ein Geistlicher aus Kal-
mar hat eine solche Sage überliefert, die ein monumentales Bauwerk in
der Umgebung Wiens zum Inhalt hat. Wie R. Noll gezeigt hat, kann es sich
dabei nur um das berühmte Heidentor bei Petronell handeln, von dem der
Volksmund glaubte, es handle sich um das Grabmal eines Riesen namens
Theuto.
Erst der im 15. Jh. einsetzende Humanismus brachte so etwas wie eine
wissenschaftliche Würdigung der antiken Überreste mit sich. Die Erschlie-
ßung neuer Quellen, allen voran die von K. Celtis aufgefundene Tabu Ia
Peutingeriana, ermöglichte eine Reihe neuer Einsichten. Sammlungen
wurden angelegt: ln erster Linie sammelte man Inschriften, die auch in
Editionen der Öffentlichkeit vorgelegt wurden, und Münzen. Kaiser Maxi-
milian I. umgab sich mit einer Reihe von Gelehrten. Die ihnen zuteil wer-
dende Förderung war allerdings nicht ganz uneigennützig, da sich der Kai-
ser von der Altertumswissenschaft eine Stützung seiner Theorien über die
Herkunft seiner Vorfahren erhoffte. Auf diese Weise wurden bedeutende
Gelehrte wie J.Fuchsmagen (1469-1510), J.Cuspinian (1473-1529),
J. Stabius (1450-1522), K. Peutinger (1465-1547) und der schon
genannte K. Celtis (1459-1508) an den kaiserlichen Hof gebunden.
Fuchsmagen ließ zahlreiche Inschriften nach Wien bringen, u.a. die leider
wieder verloren gegangene Bauinschrift eines spätantiken burgus aus
Ybbs (CIL 111 5670a). Seine Sammlung ging nach seinem Tod in den
Besitz des Kaisers über.
Unter den Wiener Sammlungen des 16. Jh.s ist jene des Wolfgang Lazius
(1514-1565) die bekannteste. Lazius war von Kaiser Ferdinand I. mit der
Leitung der kaiserlichen Bibliothek betraut worden. Zu ihr gehörten auch
die Sammlungen, für die Lazius manches Stück erwerben konnte. ln
einem Brief an Beatus Rhenanus (1485-1547) berichtete er, daß er eine
Wagenladung voll Antiken von Carnuntum habe nach Wien bringen las-
sen. ln seinem Haus, dem Lazenhof, in der Wiener Judengasse, trug er
ein beachtliches Lapidarium zusammen. Sein Onkel, der Wiener Bürger-
meister Hermes Schallauezer (1503-1561 ), besaß ebenfalls eine kleine
Sammlung von Inschriften, die er selbst bei Festungsarbeiten - er war
Festungsbaumeister - gefunden hatte. Sie wurden von Lazius ediert
(Exemp!a aliquot S. vetustatis Romanae in saxis quibusdam . . . Wien

42
1560). Nach dem Tod des Schallauezer kamen sie in die Sammlung des
Hieronymus Beck von Leopoldsdorf nach Schloß Ebreichsdorf bei Wien,
wo sich auch Steine aus Garnunturn befanden. Einige davon haben sich
dort bis heute erhalten.
An Hand der neu gefundenen Itinerarien wurde nun der Donaubereich in
seiner Bedeutung als Limeszone erstmals erkannt und entsprechend
gewürdigt: J.Aventin (1477-1534) beschrieb im zweiten Buch seiner
Bayerischen Chronik zahlreiche Überreste des Limes (Burgställe),
Inschriften und Münzen. Auf Grund der Tabula Peutingeriana wurd.e u.a.
das bei Petronell liegende Ruinenfeld richtig als Garnunturn identifiziert.
Erstmals wurde diese Ansicht von Cuspinian schriftlich formuliert: Varva
est autern hodie distantia Sabariae a Garnunti si, ut plerique docti conten-
dunt, Garnunturn fuit, ubi hodie Petrone!!a oppidurn ostenditur. Cuspinian
verdanken wir in seiner Austriae regionis descriptio u.a. auch die erste
Nachricht von römerzeitlichen Funden in Schwechat. Auf einem ihm
gehörigen Grundstück wurde von einem Knecht ein Weinkeller ausgeho-
ben und dabei ein Ziegelgrab entdeckt. Alle diese Nachrichten aber bezie-
hen sich immer noch nur auf einzelne Denkmäler, vor allem Inschriften
oder Münzen, oder Einzelfunde, topographische Beschreibungen fehlen.
Erst Lazius hat uns zum ersten Mal in seinem Werk Vienna Austriae (1546)
eine Beschreibung von Ruinen, nämlich jener von Garnunturn, hinterlas-
sen.
1599 wurden in Garnunturn auch Ausgrabungen durchgeführt. Sicher hat
es schon vorher solche Unternehmungen gegeben - die in die verschie-
denen Sammlungen gelangten Funde können nicht nur Zufallsprodukte
gewesen sein -,doch ist uns davon nichts überliefert. Die genannte Gra-
bung, die auf Veranlassung von Erzherzog Maximilian 111. unter der Leitung
von W. Unverzagt vorgenommen wurde, verfolgte den Zweck, Raritäten zu
suchen, um damit die Schatzkammer des Erzherzogs in Wiener Neustadt
mit Antiken aufzubessern. Das antiquarische Interesse ist also wieder
etwas ins Hintertreffen geraten. Diese Haltung ist für die nächsten Jahr-
zehnte bestimmend, wofür sicher auch die Gegenreformation mit ihrer
neuen religiös-symbolistischen Wertung der antiken Relikte (Vergänglich-
keitsvorstellungen) mitbestimmend war. Zu den Ausnahmen gehört
P. Lambeck (1626-1680), aus Hamburg gebürtig, der 1663 zum Präfekt
der Hofbibliothek ernannt wurde. Er beschäftigte sich intensiv vor allem mit
den Ruinen Carnunturns, die er 1668 zweimal besuchte. Die Ergebnisse
seiner Forschungen wollte er in einer groß angelegten Monographie Gar-
nunturn redivivurn vorlegen, leider ist es aber nie dazu gekommen. Ledig-
lich in den 1669 verfaßten Gornrnentarii finden sich einige auf Garnunturn
bezügliche Angaben. Viele Ruinen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ver-
schwunden, die Mauerzüge schon von Gras überwachsen, dennoch aber
waren sie im Gelände deutlich zu erkennen. So hat sie C. Beuttler auf sei-

43
Schloß und Herrschaft Petronell. Kupferstich von C. Beuttler. 1665. Im unteren Bild-
streifen römische Denkmäler (von links nach rechts) : Grabstein CIL 111 11234, ein
Öllämpchen, das Heidentor und eine ausgegrabene Bodenheizung

nen Stichen, die als Anhang zu M. Zeillers Topographia provinciarum Au-


striacarum unter dem Titel Absonderliche Beschreibung der Herrschaften,
Stätte und Schlösser Windhaag, Reichenau, Horn, Drosendorf und Petro-
ne/1 in der Merianschen Offizin in Frankfurt/Main (1656) herausgegeben
wurden , dargestellt. Und so schilderte sie auch der Engländer E. Browne
(1644-1708) in seiner Reisebeschreibung A Brie( Account of some Tra-
vels in Hungaria ... (London 1673, deutsche Ubersetzung Nürnberg
1680): Through grass now groweth where old Carnuntum stood, yet by
observing eye, the foundations of their Hauses and their Streets are still
discoverable. Etliche Jahrzehnte später besuchten zwei andere Englän-
der, R. Pococke (1704-1765) und J. Milles (1714- 1784), auf ihren Euro-
pareisen u.a. auch Carnuntum und gaben davon in ihrem Bericht A Oe-
scription of the East and some other Countries (London 1745) eine
anschauliche Schilderung. Besonders wertvoll sind die Wiedergaben
überraschend genauer Lagergrundrisse in dem Werk Oanubius-Panno-

44
-.
~

...

. so 700 l.OO
IHII\\\1\III!I\\111111 llßiii!I!!Midlll!l llßrniUIDIIIO\IIIIIIIII!IIIUIIII!Uß!

Das Legionslager Carnuntum.


Kupferstich aus L. F. Marsigli, Danubius-Pannonico-mysicus (Amsterdam 1726)

nico-mysicus (Amsterdam 1726ff.), das gegen Ende des 17.Jh.s von dem
in Österreichischen Militärdiensten stehenden Grafen L. F. Marsigli verfaßt
worden ist.
Im Jahre 1755 erließ Kaiser Franz I. ein Dekret, in dem die Erhaltung des

45
IAuiua~. ~ so'

AD MVROS

Das Kastell Mauer an der Url. Kupferstich, 1787.


Aus J. Schaukegel, Exercitationes Historico-Diplomatico-Genealogicae de Norico.
1787

Heidentores befohlen wurde. Mit dieser einmaligen denkmalpflegerischen


Maßnahme bewahrte er die Ruine vor der weiteren Zerstörung, die ihr
durch die Bevölkerung aus der Umgebung, welche sich hier mit billigem
Baumaterial eindeckte, drohte.
ln der zweiten Hälfte des 18. Jh.s nahm das Interesse an den antiken Hin-
terlassenschaften ganz allgemein wieder etwas zu, wenn auch manche
mit Sicherheit anzunehmenden Entdeckungen (wie etwa bei den Neubau-
ten im dritten Wiener Gemeindebezirk) in der Literatur keinen Nieder-
schlag gefunden haben. Immerhin hat aber Ph. J. Lambacher (um

46
1700-1774) über die Auftindung römischer Gräber in Wien berichtet:
Beschreibung und Erklärung der im Jahre 1759 auf dem alten Fleisch-
markte zu Wien ausgegrabenen zwei alten römischen Särge (1o.J.,
21765). Auch von den Limeskastellen gab es Neuigkeiten. Aus Zeisel-
mauer gibt es Berichte über römerzeitliche Funde, wichtig aber sind vor
allem die Beobachtungen des Seitenstettner Paters J. Schaukegel
(1721-1798) über das Kastell Mauer an der Url, die er in seinem hand-
schriftlichen Manuskript Exercitationes Historico-Oiplomatico-Genealogi-
cae (1787) mit einem Grundriß der Ruinen niedergelegt hat. .
Die Ausgrabungen in Garnunturn und Lauriacum, von denen wiederholt
berichtet wird, hatten auch jetzt noch in erster Linie den Zweck, Schau-
stücke für diverse Sammlungen ans Tageslicht zu fördern. ln Lauriacum,
wo während des dreißigjährigen Krieges durch Schanzarbeiten starke Zer-
störungen erfolgt waren, wurden im Garten der Fürsten Auersperg - im
Bereich des Legionslagers - römische Fundstücke geborgen, von denen
allerdings nur einige Stücke erhalten geblieben sind und jetzt im Ennser
Museum verwahrt werden. Der größere Teil der Funde kam nach Böhmen
und ist dort verloren gegangen.
Zu Beginn des 19. Jh.s kam es in der Folge der Romantik und der sieg-
reich abgeschlossenen Kriege gegen Napoleon zu einer neuen Bewer-
tung der Bodendenkmäler, die nun als Bestandteil der vaterländischen
Geschichte verstanden wurden. Die Rückbesinnung auf die eigene Ver-
gangenheit, das neue Geschichtsgefühl, machten die Funde zu mehr als
nur zu Sammelobjekten Einzelner, sondern zu historischen Quellen und
zum Gemeingut aller an der Geschichte interessierten Menschen. Auch
den Fundstätten selbst wurde nun eine wesentlich größere Aufmerksam-
keit geschenkt. Die Wandlung zu dieser neuen Gesinnung läßt sich aus
den Worten von F. Kurz in der Vorrede zum 3. Band der Beyträge zur
Geschichte des Landes Österreich ob der Enns (Linz 1808) ablesen: Es
wäre zu wünschen, daß man allenthalben den Uiberbleibseln der Vorwelt
eine größere Aufmerksamkeit schenkte, und die Auftindung derselben
bekannt machte, wodurch die Lage manches alten Ortes genauer
bestimmt, und so auch verschiedene Stellen der alten vaterländischen
Geschichte näher beleuchtet werden könnten. Überall bildeten sich histo-
rische und vaterländische Vereine, in der Folge kam es zur Gründung von
regionalen Museen. Diese regionalen Interessen kamen allerdings bald in
Konflikt mit den Wiener Zentralstellen, nach deren Vorstellungen alle
Funde in das Münz- und Antikenkabinett kommen sollten. Erst ein im
Jahre 1846 erlassenes Dekret befreite die Landesstellen von der Einsen-
depflicht der Funde.
Die betonte Eigenständigkeit machte sich vor allem in Oberösterreich
bemerkbar, während Niederösterreich naturgemäß - der Sitz der For-
schungseinrichtungen war ja in Wien - von der Hauptstadt dominiert

47
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Schlägen. Situation und Grabungspläne. Farblithographie. 1839


Aus J. Gaisberg~r. Bericht über die Ausgrabung römischer Alterthümer zu Schlä-
gen . . . Linz 1840

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Lauriacum, Funde. Lithographie. 1845


Aus J. Gaisberger, Lauriacums römische Alterthümer. Linz 1846

48
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Lauriacum. Legionslager. Grundriß vor der Freilegung. Lithographie. 1856


Aus J. C. von Arneth, Ueber das im Jahr 1851 entdeckte Hypocaustum (JbZK 1,
1856, Taf.l)

49
wurde. Schon 1833 kam es zur Gründung des Oberösterreichischen Lan-
desmuseums. Einer der Mitbegründer, J. Gaisberger (1792-1871 ), wird
als "Vater der Oberösterreichischen Altertumskunde" bezeichnet. Er war
der Verfasser der ersten Monographie über Lauriacum (Lauriacum und
seine römischen Alterthümer, Linz 1846). ln Schlägen veranstaltete ein
eigens gegründeter Verein Ausgrabungen, es war dies die erste planmä-
ßig durchgeführte Ausgrabung Oberösterreichs. Obgleich keine außerge-
wöhnlichen Funde zutage kamen, wurde das Ergebnis der Grabung, auch
mit einem Plan versehen, von Gaisberger ausführlich publiziert (Bericht
über die Ausgrabung römischer Alterthümer zu Schlägen . .. Linz 1840).
Etwas später kam es auch zu Grabungen in Oberranna, denen Anfang der
fünfzigerJahrewelche in Lauriacum folgten. Bei diesen wurden Teile der
Lagerthermen angeschnitten. Die Grabungen erweckten die Aufmerk-
samkeit des Dichters Adalbert Stifter, der zu diesem Zeitpunkt dienstlich
in Enns weilte. ln einer Eingabe an den Statthalter wies er auf die Bedeu-
tung der freigelegten Ruinen hin, bemerkte aber gleichzeitig, daß die Aus-
grabungen (leider) nicht in wissenschaftlichem und alterthümlichem Sinne
zu geschehen scheinen. Nachdem er 1853 zum amtlichen Konservator
der Denkmalpflege für Oberösterreich ernannt worden war, setzte er sich
mit Vehemenz für die Ausgrabungen ein. Ein aufwendiger Grabungsbe-
richt erschien im ersten Band des Jahrbuches der Centrai-Commission
zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, die 1853 gegründet
worden war. Damit war man noch einen Schritt weiter gegangen. Es ging
nun nicht mehr allein um die Erforschung der Bodendenkmäler, sondern
darüber hinaus auch um die Erhaltung dieser historischen Quellen, worauf
im Statut der Centrai-Commission deutlich Bezug genommen wurde: Bei
dem Aufsuchen oder der zufälligen Aufdeckung bisher unbekannter Über-
reste alter Baudenkmale, Gräber, antiker Straßen usw. ist den Zerstörun-
gen und Verschleppungen möglichst entgegen zu wirken. Der Verfasser
des Lauriacenser Grabungsberichtes, J. C. von Arneth (1791-1863), war
ab 1840 Leiter des Münz- und Antikenkabinettes, aber auch Mitglied der
1847 gegründeten Akademie der Wissenschaften, der auch alle anderen
zu dieser Zeit in Wien tätigen namhaften Altertumsforscher (wie z. B.
F. Kenner, E. v. Sacken) angehörten. Die Akademie griff zunächst vor allem
im Rahmen ihrer Publikationstätigkeit aktiv in die Limesforschung ein. Eine
Reihe wichtiger wissenschaftlicher Beiträge ist in den Veröffentlichungen
der Akademie erschienen, wie etwa die von E. v. Sacken (1825-1883)
verfaßte Monographie über Garnunturn (Oie römische Stadt Carnuntum,
ihre Geschichte, Überreste und die an ihrer Stelle stehenden Baudenk-
male des Mittelalters. 1852). Von Sacken kommt auch das Verdienst zu,
seine umfangreichen Kenntnisse didaktisch verwertet zu haben. 1865
erschien sein Leitfaden zur Kunde des heidnischen Alterthumes mit
einem Anhang Ueber den Vorgang beim Ausgraben und die Behandlung

50
von Alterthümern. Das Buch ist ein Aufruf an alle, mit den im Boden lie-
genden Überresten vergangener Kulturen sorgsam umzugehen, sie nicht
materiell zu bewerten, sondern den ideellen Wert in den Vordergrund zu
stellen.
Die Wiener Universität wurde relativ spät in der Bodenforschung tätig. Erst
1869 wurde die archäologische Lehrkanzel eingerichtet und mit A. Conze
(1831 -1914) besetzt. Sieben Jahre später folgte die Lehrkanzel für römi-
sche Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik, an die 0. Hirschfeld
(1843-1922) berufen wurde. Seide Lehrkanzeln wurden zum Arch.äolo-
gisch-epigraphischen Seminar zusammengeschlossen. Mit der Person
Hirschfelds ist der Beginn der systematischen Erforschung Garnunturns
untrennbar verbunden. Über seine Initiative wurde 1877 mit der Freile-
gung des Legionslagers begonnen. Mit den wissenschaftlichen Intentio-
nen konnten allerdings die öffentlichen Geldgeber nicht Schritt halten:
Immer wieder kamen die Grabungen aus Geldmangel ins Stocken. So
kam es zur Bildung privater Vereine, die sich die Förderung archäologi-
scher Forschungen zum Ziel setzten. 1885 entstand der Verein Garnun-
turn unter der Patronanz des Kronprinzen Rudolf, 1892 der Musealverein
von Enns und Umgebung, die in Eigenregie Ausgrabungen organisierten

Carnuntum, Legionslager. Raum C der principia nach der Freilegung. Ölgemälde


um 1886 von C. Haunold (1832 - 1911)

51
Carnuntum , Militäramphitheater nach dem Abschluß der Ausgrabungen 1889.
Heliogravüre nach A. Hauser 1890 (Jahresgabe des Vereins Garn unturn für seine
Mitglieder)

und in weiterer Folge auch die bedeutendsten lokalen Museen im Öster-


reichischen Limesbereich einrichteten.
Mit der Kommission zur Erforschung des römischen Limes in Ober- und
Niederösterreich (1897) und dem Österreichischen Archäologischen Insti-
tut (1898) wurden schließlich am Ende des vergangenen Jahrhunderts
zwei Institutionen geschaffen, die die österreichsehe Limesforschung bis
in die Gegenwart weitgehend entweder allein oder in Verbindung mit
anderen Einrichtungen getragen haben. ln Garnunturn kam es zu einer
fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Verein Carnuntum, die eine konti-
nuierliche Entwicklung der Forschungstätigkeit garantierte. Von den bei-
den Grabungsleitern M. von Groller-Mildensee (1838-1920) und E. No-
wotny (1862-1935) wurden große Teile des Legionslagers und der cana-
bae untersucht. Darüber hinaus wurde aber der gesamte Limesbereich bis
nach Schwechat in die Forschungen miteinbezogen. Auch in Enns wurde
die Limeskommission ab 1904 in Zusammenarbeit mit dem dortigen
Musealverein tätig. Grabungsleiter war auch hier M. von Groller, der die
Aufdeckung des Legionslagers vorantrieb. Das Umland wurde ebenfalls

52
Lauriacum, Legionslager. Grabungen in den Thermen 1892/93

nicht außer Acht gelassen : M. Nistler untersuchte das Lager in Albing


sowie das Kastell in' Mauer an der Url. Auch im übrigen Teil des nieder-
österreichischen Limesabschnittes wurden wichtige Forschungen durch-
geführt: W. Kubitschek (1858-1936) und G. Kaschnitz-Weinberg (1890
-1958) bemühten sich um Zeiselmauer, in Mautern wurden durch
A. Dungl (1842 - 1923), Abt von Göttweig, und L. Karner (1841 - 1909)
Grabungen vorgenommen , durch die das Kastell in seinen Umrissen fest-
gelegt werden konnte.
Bemerkenswert ist, daß die Gemeinde Wien zwar zu den potenten Förde-
rern des Vereins Garnunturn zählte, in ihrem eigenen Bereich aber nicht
besonders aktiv war. Erst im Jahre 1901 wurde vom Gemeinderat ein
Ausschuß zur Förderung der archäologischen Erforschung Wiens einge-
setzt. ln der Folge kam es zwei Jahre später zur Einrichtung des Museums
Vindobonense, in dem die römerzeitlichen Funde gesammelt wurden. Daß
jedoch die während der intensiven Bautätigkeit in den Gründerzeitjahren
der zweiten Hälfte des 19.Jh.s aufgedeckten Überreste des römischen
Wien dennoch nicht verloren gingen, ist allein das Verdienst von F. von
Kenner (1834 - 1922), der am Münz- und Antikenkabinett tätig war und

53
1883 auch dessen Leiter wurde. Auf seine Initiative geht übrigens auch die
Gründung der Limeskommission zurück. ln Verbindung mit seinem Mitar-
beiter J. Nowalski de Lilia (1854-1928) wurden die zahlreichen archäolo- .
gischen Befunde aufgenommen und in einer Reihe von Abhandlungen
publiziert. Schon 1866 hatte er einen grundlegenden Forschungsbericht
vorgelegt (Vindobona, eine archäologische Untersuchung über den
Zustand Wiens unter der Herrschaft der Römer), dessen wichtigstes
Ergebnis die Lokalisierung des Legionslagers im Bereich der Inneren
Stadt (Umgebung des Hohen Marktes) war. Im Jahre 1897 .erschien der
erste Band der Geschichte der Stadt Wien; der Abschnitt zur Römerzeit
hatte wieder Kenner zum Verfasser, der nun auf Grund der bis dahin
gemachten Beobachtungen eine schöne Bestätigung seiner dreißig Jahre
zuvor durchgeführten Interpretation vorlegen konnte.
So gehören die wenigen Jahrzehnte vom Ausgang des 19. Jh.s bis zum
Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu den fruchtbarsten Jahren in der
Österreichischen Limesforschung, an welche die Zeit nach dem Krieg
kaum anschließen konnte. Die triste finanzielle Situation vor allem der drei-

Carnuntum, Tempelbezirk auf dem Pfaffenberg. Tempel C während der Freilegung


im Jahre 1898

54
ßiger Jahre bedeutete für die Archäologie einen argen Rückschlag. Das
Bundesdenkmalamt - als Nachfolgeinstitution der Zentralkommission
eingerichtet - wurde 1934 aufgelöst und fristete als kleine Abteilung
innerhalb des Unterrichtsministeriums ein Schattendasein, die ebenfalls
drohende Auflösung des Österreichischen Archäologischen Instituts
konnte nur dadurch verhindert werden, daß die philosophische Fakultät
das Institut unter ihre Fittiche nahm. Unter diesen Umständen war an eine
ausgedehnte Grabungstätigkeit, wie sie vor dem Krieg geherrscht hatte,
nicht zu denken. Lediglich in Lauriacum konnte dank des Einsatzes b~gei­
sterter Idealisten wie A. Gaheis (1869-1942) und J. Schicker
(1878-1949) in der Feldforschung einigermaßen die Kontinuität gewahrt
werden. Es grenzte an ein Wunder, daß es möglich war, den 1937 in
Mauer an der Url zufällig aufgefundenen außergewöhnlichen Dolichenus-
fund für die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums zu erwer-
ben und so für die Allgemeinheit zu retten.
Nach dem Anschluß an das Dritte Reich 1938 hätte vor allen die Car-
nuntumforschung einen großen Aufschwung nehmen sollen: Die von
der nunmehrigen Zweigstelle Wien des Deutschen Archäologischen
Instituts von E. Swoboda (1896-1964) betreute Grabung wurde mit
einem außerordentlichen Budget ausgestattet und technisch bestens

VJCus um das CCISI!U m Carnunfun7 . jjäder be1m jl{ühlgat l!!n

Carnuntum, Thermen in den canabae legionis östlich des Legionsragers nach den
Ausgrabungen 1906. Postkarte 191 0.

55
Carnuntum, Legionslager. Lagermauer an der Westseite der praetentura mit
Abwasserkanal während der Grabungen 1908- 1912

56
eingerichtet. Der Zweite Weltkrieg brachte aber diesen Höhenflug jäh zum
Stillstand.
Trotz der schwierigen Situation nach Ende des Krieges wurden auch im
Limesbereich bald wieder die Forschungen aufgenommen. Schon 1946/
47 kam es in Garnunturn zu Nachuntersuchungen im Militäramphitheater
durch L. Klima und H. Vetters, an die sich 1948 die systematischen Freile-
gungsarbeiten unter E. Swoboda anschlossen. Swoboda verlegte aller-
dings den Forschungsschwerpunkt in den Bereich der Zivilstadt, wo er
zunächst das Händlerviertel im ehemaligen Spaziergarten des Schlosses
Petronell untersuchte und sich anschließend wieder der "Palastruine", mit
deren Aufdeckung 1938 begonnen worden war, zuwandte. Seine Nach-
folgerin, H. Stiglitz, betreute weiter die Grabungen in der Zivilstadt, in
erster Linie die "Palastruine", die sie schließlich endgültig als Thermenan-
lage identifizieren konnte. Seit 1977 wird von ihr das am östlichen Orts-
rand von Petronell liegende Alenkastell untersucht. Die Limeskommission
wurde ab 1968 wieder mit Grabungen aktiv, zunächst im Legionslager,
anschließend in den canabae (M. Kandler). Schließlich folgte auch wieder
die Universität, die die Lehrgrabung der Lehrkanzel Vetters gemeinsam
mit dem Österreichischen Archäologischen Institut ab 1970 auf dem Pfaf-
fenberg und anschließend im Alenkastell organisierte (H. Vetters,
W.Jobst).
ln Wien war es möglich, beim Neubau kriegszerstörter Häuser (z. B. Hoher
Markt) archäologische Untersuchungen durchzuführen (A. Neumann), die
die Kenntnisse über das Legionslager sehr bereicherten. Wichtig vor allem
für die Frage der Siedlungskontinuität waren die Untersuchungen von
H. Ladenbauer-Orel im Bereich Sterngasse-Ruprechtsplatz. Größere flä-
chenmäßige Untersuchungen sind ja in dem dichtverbauten Stadtgebiet
kaum durchzuführen, es ist daher ein großer Glücksfall, daß auch in jüng-
ster Vergangenheit im Bereich des Bauernmarktes/Wildpretmarktes in
unmittelbarer Nähe der von F. von Kenner untersuchten Baureste des
Legionslagers neuerlich Grabungen im größeren Umfange möglich wur-
den (0. Harl).
Auch in Lauriacum verlagerte sich die nach dem Krieg wieder aufgenom-
mene Grabungstätigkeit aufdas Gelände außerhalb des Lagers. ln mehre-
ren Kampagnen wurde in den fünfziger Jahren das Areal der Zivilstadt
erschlossen (W. Jenny - H. Vetters). Es folgten Grabungen in der Lau-
rentiuskirche (L. Eckhart) und südöstlich des Lagers, wo ebenfalls Sied-
lungsgebiet festgestellt wurde (H. Ubl). Auch die Gräberfelder (Ä. Kloiber)
konnten systematisch durchforscht werden.
Neben den militärischen Zentren des Limes, den Legionslagern, machte
aber auch die Erforschung der Kastelle große Fortschritte. ln Oberöster-
reich wurde in den Jahren 1957-1959 durch L. Eckhart Schlägen unter-
sucht, in Linz sind vor allem die verdienstvollen Forschungen von P. Kar-

57
nitsch zu nennen. Im niederösterreichischen Raum wurden die Arbeiten
in Mautern durch H. Stiglitz kontinuierlich vorangetrieben. Von ihr wurde
auch in Zusammenarbeit mit dem Niederösterreichischen Landesmuseum
von 1953-1962 das Kastell Zwentendorf untersucht. ln Wallsee verdan-
ken wir E. Tscholl wertvolle Beobachtungen. Aus den letzten Jahren sind
die Grabungen des Bundesdenkmalamtes (H. Ubl) zu nennen, durch wel-
che unsere Kenntnisse von den Kastellen Traismauer, Tulln, Zeiselmauer
und Klosterneuburg (nach Untersuchungen in den fünfziger Jahren)
bereichert und z. T. auch korrigiert worden sind.

Ausgewählte Literatur:

L. Eckhart, Das römische Donaukastell Schlägen in Oberösterreich. RLÖ 25 (1969)


5ff.
L. Franz - A. Neumann, Lexikon ur- und frühgeschichtlicher Fundstätten Öster-
reichs, Wien- Bonn (1965).
K. Genser, Der Österreichische Donaulimes in der Römerzeit RLÖ 33 (1986).
0. Harl, 25 Jahre archäologische Forschung in Wien, MUAG 26 (1976) 1ff.
M. Kandler, Vom Verein Carnuntum zur Gesellschaft der Freunde Carnuntums -
hundert Jahre Vereinsgeschichte. MGFC 1984/4, 89ff.
H. Kenner - G. Dobesch - E. Kirsten, Hundert Jahre Institut für Alte Geschichte,
Archäologie und Epigraphik der Universität Wien 1876-1976. Wien (1977).
H. Kneife!, Museum und Museumsverein Lauriacum. Ausst Katalog: Severin. Zwi-
schen Römerzeit und Völkerwanderung. Linz (1982), 423ff.
W. Kubitschek, Das Lapidarium des Hieronymus Beck von Leopoldsdorf. JbAK 6
(1912) 103ff.
W. Kubitschek, Ältere Berichte über den römischen Limes in Pannonien. SbAW
209/1 (1929) 1ff.
W. Kubitschek - F. Dick, Carnuntum im 18. Jahrhundert. Ein archäologisch-numis-
matischer Bericht des Obersten von Below. SbAW 349 (1979).
A. Neumann, Vindobona. Die römische Vergangenheit Wiens. Wien-Köln-Graz
(21980).
M. A. Niegl, Die archäologische Erforschung der Römerzeit in Österreich. Denkschr.
AW 141 (1980).
R. Noll, Das "Heidentor" von Carnuntum im Mittelalter. Unsere Heimat 21 (1950)
147ff.
R. Noll, Römische Siedlungen und Straßen im Limesgebiet zwischen lnn und Enns
(Oberösterreich). RLÖ 21 (1958).
R. Noll, Das Inventar des Dolichenusheiligtumes von Mauer an der Url (Noricum).
RLÖ 30 (1980) 9ff.
G. Pascher, Römische Siedlungen und Straßen im Limesgebiet zwischen Enns und
Leitha. RLÖ 19 (1949).
H. Ubl, Österreichische Limesforschung seit 1945. MUAG 25/26 (1974/76) 145ft.
H. Ubl, Der Österreichische Abschnitt des Donaulimes. Ein Forschungsbericht
(1970-1979). BAR int ser. 71 (1980) 587ft.

58
P. Uiblein, Geschichte der Altertumsforschung in Österreich vor Wolfgang Lazius.
Ungedr. phil. Diss. Wien (1950).
P. Uiblein, Die Anfänge der Erforschung Carnuntums. MIÖG 59 (1951) 95ff.
H. Vetters, 75 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut. Wien (1973).
M. Wagner, 80 Jahre Museumsverein. MMVLaur 10 (1972) 11ff.
G. Winkler, Österreichs ältester Römerstein. MMVLaur 11 (1973) 19ft.
G. Winkler, Römerzeitliche Forschung in Oberösterreich. Oberösterreich 22 (1972/
73) 28ff.
E. Zöllner, Auf Besuch in Carnuntum. Die Römersiedlung in Berichten und Notizen
der Jahre um 1800. Lebendige Altertumswissenschaft, Festgabe zur Volle,ndung
des 70. Lebensjahres von Hermann Vetters. Wien (1985) 376ft.

59
Legende zu den Kartenausschnitten

Legions- und Hilfstruppenlager

........
.•..•..•..•..•.
.......
•.
•.•.•.•.•.•.•
Zivilsiedlung

D Umfassungsmauer

I Wachtturm

Gräberfeld
1111111111

---- Straße

0 Einzelfund
NORICUM
WELS- OVILAVA

1.STADT,2.GRÄBERFELDER
Name, Quellen
Der Name Ovilava (oder Ovilavis) wird im Itinerarium Antonini mehrmals
genannt und scheint auf der Tabu Ia Peutingeriana (Segment IV/2) auf. Der
römische Name ist von einer illyrischen Wurzel abzuleiten, die als "Sied-
lung an den Traunwindungen" interpretiert wird.
Als municipium Aelium Ovilavis, kurz Aelia Ovilavis genannt, wird es auf
Grabsteinen aus Gunskirchen, aus Trivento in Mittelitalien und aus Rom
erwähnt.
Zu den Inschriften, auf denen die Stadt bereits als colonia Aurelia Antoni-
niana bezeichnet wird, gehört der Grabstein der Familie des L. Saplius
Agrippa aus Köppach bei Schwanenstadt, der Grabstein des P. Aelius Fla-
vus aus Lambach und ein Inschriftenfragment aus dem Gräberfeld Ost.
Für das spätrömische Wels gibt es bislang keine schriftlichen Zeugnisse.
Erst 776 wird Wels als castrum uueles in einer Schenkungsurkunde des
baierischen Grafen Macheim an das Bistum Freising wieder erwähnt.
Militär
Im römischen Wels konnte keine ständig stationierte Militäreinheit nachge-
wiesen werden. Lediglich während der Markomannenkriege war in Weis
kurzfristig eine Abteilung der /egio II ltalica stationiert. Dies geht aus der
Inschrift auf dem Grabstein des P. Florius Praenestinus, 2. Hälfte
2. Jh. n. Chr., hervor. Möglicherweise erhielt die Stadt in spätrömischer Zeit
eine kleine Garnison, der archäologische Nachweis blieb bisher aus. Zu
den weiteren militärischen Funden zählen der Grabstein des Chartius,
2. Hälfte 2. Jh. n. Chr., der Grabstein des T. Flavius Campestrinus,
3.Jh. n. Chr., zwei Bruchstücke von Militärdiplomen, das Wangenblech
eines Prunkhelmes und ein Signalhorn.
Im Stadtgebiet wurden Ziegel mit Stempel der legio 11/talica, numeri-und
a/ae-Stempel gefunden.
Lage
Im Itinerarium Antonini wird Ovilava auf mehreren Reisewegen genannt:
1 von Sirmium nach Trier
2 von Taurunum nach Xanten
3 von Lauriacum nach Veldidena
4 von Lauriacum nach Brigantia
5 von Aquileia nach Lauriacum.

61
Gräberfelder:

Ost 5 Aschet
2 Marktgelände 6 Nordwest
3 West 7 Nord
4 Mitte
Weis - Ovilava. Topographie der römischen Stadt. 1 :12500
(nach Trathnigg 1969, Abb. 50)

62
Auf der Tabula Peutingeriana ist es zwischen Tergolape und 8/aboriciaco
eingezeichnet.
Das römische Weis entwickelte sich an dem Kreuzungspunktzweier wich-
tiger Verkehrswege. Ovilava lag zugleich an der in Ost-West-Richtung ver-
laufenden Fernstraße vom Wiener Becken über Salzburg und Augsburg
nach Südfrankreich und der unter Claudius (41-54 n. Chr.) ausgebauten
Nord-Südverbindung von Aquileia bis zur Donau.
Forschungsgeschichte
ln der Mitte des 19. Jh.s veröffentlichte J. Gaisberger archäologische
Untersuchungen über Ovilava. E. Nowotny berichtete gegen Ende des
19. Jh.s in Zusammenarbeit mit dem Stadtrat F. v. Benak über Grabungen
beim Bau der Lokalbahn, des Gerichtsgebäudes und in der Dr. F.-Groß-
Straße. Unter Benak wurde das städtische Museum in Wels gegründet.
Mit Hilfe von F. Wiesinger baute er die archäologische Schausammlung
auf. Wiesinger gab in seinen Arbeiten über die Topographie von Ovilava
eine Auswertung der Ergebnisse der unter seiner Leitung durchgeführten
Grabungen zur Erforschung der römischen Stadtmauer und des Stadtge-
bietes. Diese Untersuchungen führte der 1954 zum Museumsdirektor
bestellte G. Trathnigg weiter. Mit Hilfe der freigelegten Gräberfelder doku-
mentierte er die Entwicklung der römischen Stadt. ln den Jahren 1970-72
wurde im Bereich des ehemaligen Weiser Friedhofes ein weiteres Gräber-
feld freigelegt. Unter Trathniggs Nachfolger W. RieB wurde die archäologi-
sche Schausammlung neu gestaltet. Bald nach der Eröffnung im Jahre
1976 erschien der zugehörige Katalog.
Archäologischer Befund
Die frührömische Siedlung dürfte im südlichen Teil von Wels gelegen sein.
Der archäologische Nachweis fehlt bisher, doch wurde dieses Gebiet, die
heutige Altstadt, seit dem Mittelalter immer wieder überbaut. Eine im
Bereich der Burg Wels durchgeführte Grabung 1981 erbrachte keine
Bestätigung dieser Vermutung.
Nördlich der Linie Dragonerstraße-Kaiser-Josef-Piatz breitete sich das
Gräberfeld Mitte mit älteren Gräbern aus. Die Grabung Marktgelände
ergab Gräber, die noch in die Zeit vor den Markomannenkriegen zu setzen
sind. Darüber lag eine mächtige sterile Schotterschicht, die von einer
Traunüberschwemmung stammte. Auf dieser Schicht wurden Siedlungs-
reste aus dem späten 2. bis Mitte 3. Jh. n. Chr. freigelegt (H. Ubl, unveröf-
fentlichtes Grabungstagebuch). Die Gräberfelder Marktgelände und Mitte
wurden im Zuge der Stadterweiterung nach Norden und Westen aufgege-
ben. Über dem Gräberfeld Mitte wurden Mauerreste angeschnitten, die
auf eine Verbauung in spätrömischer Zeit hinweisen. Die Gräberfelder Ost
und West lagen außerhalb des vergrößerten Stadtgebietes. Ihre Hauptbe-

63
• Stadtmauer mit Turm
Stadtmauer mit Toranlage(?)
*f größere Hausreste, Mauerwerk
.A.. Rieselmauern
- - - - - - Gräberfeld Ost bzw. West tr Töpferei
- - - - - - - Gräberfeld Mitte (Südgrenze) • Bronzegießerei
- - - - - - - - Gebiet des Kreisgerichtes X X Gräber Estermannfabrik
·- - ---- - -· · Straßen

Weis - Ovilava. Topographie der römischen Stadt. 1:12500


(nach Trathnigg 1969, Abb. 50)

64
legung lag in der Zeit nach Commodus. Weitere Gräbergruppen wurden
im Norden der Stadt, in Aschet und im Bereich Albert-Schweitzer-Straße
angeschnitten. Diese Gräbergruppe Nordwest fällt in spätrömische Zeit
(5./6. Jh. n. Chr.). Um das erweiterte Stadtgebiet wurde im 3. Jh. n. Chr.
eine Befestigungsanlage gebaut. Sie bestand aus einer ca. 1 ,4 m breiten
Mauer mit vorspringenden Türmen und bis zu vier vorgel~gten Gräben.
Die Stadtmauer umschloß eine Fläche von etwa 90 ha. Ost-, Nord- und
Westseite der Befestigung konnten archäologisch nachgewiesen werden,
nicht aber die Südseite. Es gibt keinen Hinweis auf eine gewaltsame Zer-
störung der Stadtmauer. Sie wurde vor der Aufschüttung des sogenann-
ten Römerwalles abgetragen.
Innerhalb der Stadt wurden folgende römerzeitliche Straßenzüge nachge-
wiesen: zwei Ost-West Straßen, wovon sich die nördliche auch außerhalb
der Stadtmauern entlang der Gräberfelder Ost und West fortsetzte, und
vier Nord-Südverbindungen im nördlichen Teil der Stadt. Die Lage der
römischen Traunbrücke entsprach etwa der heutigen Straßenbrücke im
Stadtzentrum. Südlich der Traun in Aschet wurde eine römerzeitliche
Wasserleitung angeschnitten, die zwei Bauphasen aufweist: eine Holz-
konstruktion aus der Mitte des 2. Jh.s und der Steinbau der ersten Hälfte
des 3.Jh.s.
Im Stadtgebiet wurden mehrfach Reste von größeren Bauten angetroffen.
Die öffentlichen Anlagen wie Forum und Kapitol konnten bislang nicht
lokalisiert werden. Auf die Existenz eines Amphitheaters weist der Weihe-
stein für Diana Nemesis hin. Funde im Nordostteil der Stadt lassen auf
rege Handwerkstätigkeit von Töpfern, Fleischern, Metall- und Bauhand-
werkern schließen.
Das religiöse Leben belegen verschiedene Weihesteine und Statuetten
für römische, orientalische, ägyptische und einheimische Gottheiten.
Zu den spärlichen Zeugnissen des frühen Christentums zählt der Grab-
stein der Ursa (Ende 4./5. Jh.) aus dem Gräberfeld Ost, ein Pilasterkapitel I,
Ende 4./erste Hälfte 5.Jh., und nach jüngsten Forschungen die Ritzin-
schrift auf einem Plattenziegel aus dem Gräberfeld Ost (spätes 5. bzw.
6. Jh.).

Geschichte, Datierung
ln der Regierungszeit des Augustus (27 v. -14. n. Chr.) stießen die Römer
bis an die Donau vor, wobei die Eingliederung des norischen Königreiches
relativ friedlich vor sich ging. Unter Claudius (41-54 n. Chr.) wurde dieses
Gebiet in eine römische Provinz umgewandelt.
Hadrian (117 -138 n. Chr.) verlieh Ovilava das Stadtrecht. Der zugehörige
Stadtbezirk wurde im Norden durch die Donau, im Westen durch den lnn
aufwärts bis zur Mündung der Mattig, Kobernaußerwald und Hausruck-

65
Wels - Ovilava. Rechte Seitenfläche des Grabsteins für T. Flavius lngenuus mit
Darstellung eines Reiters einer Auxiliareinheit (Linz, Oberösterreichisches Landes-
museum)

66
Wels - Ovilava. Rechte Wangenklappe eines Paradehelmes mit Adlerdarstellung
(Wels, Stadtmuseum)

67
~

kamm, im Süden durch die Alpen und im Osten durch das Ennstal
begrenzt.
Von den Einfällen der Markomannen und Quaden in der 2. Hälfte des
2. Jh.s n. Chr. war Wels nicht unmittelbar betroffen. Zum Schutz der Gren-
ze wurde die legio II ltalica nach Noricum verlegt. Der Legionskomman-
dant war zugleich Statthalter und hatte seinen Sitz in Lauriacum. Teile der
zivilen Verwaltung wurden von Virunum nach Ovilava verlegt. Caracalla
erhob die Stadt (211-217 n. Chr.) in den Rang einer colonia. Die vermehr-
ten Einfälle der Germanen waren vermutlich der Grund für die Errichtung
einer Befestigungsanlage um Ovilava. Der in Wels gefundene Meilenstein
des Maximinus Thrax datiert in das Jahr 236 n. Chr. Die in ·der Inschrift
erwähnten Instandsetzungsarbeiten an Straßen und Brücken dürften in
Zusammenhang mit den Alamanneneinfällen stehen. Unter Diokletian
(284-305 n. Chr.) wurde die Provinz Noricum geteilt und Ovilava zur
Hauptstadt von Ufernorikum, Noricum ripense. Die politische Verwaltung
wurde vom Militärkommando getrennt. Der Statthalter, ein praeses, hatte
seinen Amtssitz in Ovilava, während das Militär einem dux unterstand.
ln spätrömischer Zeit dürfte die Bedeutung Ovilavas gegenüber jener Lau-
riacums gesunken sein. Das Grenzgebiet wurde durch vom Osten und
Norden vordringende Völkerscharen immer wieder verwüstet. ln der

Wels - Ovilava. Grabstein der Ursa, gestiftet von dem Soldaten Fl.lanuarius (Wels,
Stadtmuseum)

68
Traun wurden Teile eines großen bronzenen Reiterstandbildes gefunden,
welches vermutlich zu Ehren Caracallas errichtet wurde. Als Standort wer-
den das Forum oder die Traunbrücke für wahrscheinlich gehalten. Das
Standbild dürfte beim Hunnenzug 451 n. Chr. zerstört worden sein. ln der
Lebensbeschreibung des hl. Severin wird Ovilava nicht mehr erwähnt. Da
die Donaugrenze nicht mehr zu halten war, befahl Odoaker 488 n. Chr.
den Abzug der romanischen Bevölkerung aus Ufernorikum. Dies bedeu-
tete aber nicht eine völlige Entvölkerung des Gebietes, vielmehr darf eine
Siedlungskontinuität bis in das Mittelalter angenommen werden.

Sichtbare Überreste
Römisches Grabrelief in der Fassade des Hauses Stadtplatz 18 einge-
mauert. Dargestellt ein Ehepaar, der Mann hält eine Schriftrolle in der Lin-
ken, die Frau in norischer Tracht hält die Linke auf die Schulter des Man-
nes. Qualitätvolle Arbeit vermutlich aus einer binnennorischen Werkstätte,
spätes 2. Jh. n. Chr.
Römischer Turm, Schubertstraße 37. Reste eines Turmes an der Nord-
seite der römischen Stadtmauer.

Literatur
Wiesinger 1924, 345ff. - Betz 1954, 19ff. - Betz 1955, 98ft. - Noll 1958, 60f. u.
77ff. - Ho!ter-Trathnigg 1964, 16ft. - Reitinger 196'8 - Reitinger 1969 - Trathnigg
1969, Beibl. 109ff. - Winkler 1972, 365ff. - Vetters 1979, 89ff. - Holter-Rieß-
Zabehlicky-Scheffenegger 1980 - Eckhart 1981 (1) - RieB 1983, 2ff. - Gallistl
1983, 19ff. - Jahrbücher des Musealvereines Weis.
R.M.

ST. MARlENKIRCHEN BEl SCHÄRDING - ABAOCO?

MILITÄRZIEGELEI
Quellen
Keine.
Lage
Am Ufer eines zum lnn fließenden Gerinnes, 625 m vom lnnufer.
Forschungsgeschichte
Bei Flußregulierungsarbeiten wurden 1961 die Reste von 2 Ziegelöfen
angeschnitten und teilweise zerstört.

69
Archäologischer Befund
Der besser erhaltene wies mindestens 4 Heizschläuche (u. Mauern) auf
und war mindestens 5 m lang. Der Boden des Brennraumes hatte Löcher
von 12 cm Durchmesser.
Von der Produktion kamen !ateres, tegu/ae, imbrices und tubuli zutage.
Die Stempel nennen an Truppen überwiegend numer(us), einmal alae. Ein
Kreisstempel gibt den Namen eines Werkmeisters an: ... ] us. mi/es.
co(hortis) V(?) Sa . . ./ .. . ] Magister/ . . . ] A (?) BAOCO./ . in den letzten
Buchstaben könnte sich die antike Ortsbezeichnung verbergen.
Datierung
Spätantik.

~
(
(
I
I
I
I
I
I
I
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I
I
I
I
I
\
I
\
\
\
\
\
\
\

.r·

-- -- - - -- -
St. Marienkirchen - Abaoco? ZiegelstempeL
(nach Egger 1969, 235 Abb. 2)

70
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Noll 1958, 69 - Eckhart 1962 - Egger 1969, 233ff.
H.Z.

ENGELHARTSZELL

MEILENSTEIN
Quellen
Keine.
Lage
Er stand am rechten Donauufer etwas unterhalb des Jochensteins, heute
ist er verschollen. Der Text ist nur durch Abschriften bekannt.
Archäologischer Befund
Der Text besagt, daß Caracalla, vermutlich i.J. 213 im Zuge der Vorberei-
tung des Alamannenkrieges, von Boiodurum aus eine Straße entlang der
Donau errichten ließ. Ihr Endpunkt ist auf dem Meilenstein nicht mehr klar
lesbar. Die Angabe von 15 Meilen von Boiodurum entspricht dem Standort
des Meilensteines.
Lesung nach G. Winkler:
lmp(erator) Caesar M(arcus) Aurelius Antoninus Pius Felix Aug(ustus)
Part(hicus) maximus Britt(anicus) maximus tr(ibunicia) p(otestate) - viam
iuxta amnem Danuvium fieri iussit a Boiiodur(o) in (es folgen ungedeutete
Buchstaben) m(ilia) p(assuum) XV.
Geschichte, Datierung
Caracalla (211-217 n. Chr.).
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
CIL 111 5755 = 11846 ~ IBR 484- Jandaurek 1958, 294- Noll1958, 33 u. 95f.-
Winkler 1971 (2), 3ff. - Winkler 1975, 69f.
Ch. Sch.

71
OBERRANNA- STANACUM

KLEINKASTELL

-..••
•••

Oberranna- Stanacum. 1 : 25000


(nach ÖK BI. 30)

Name, Quellen
Die Bezeichnung ist nicht völlig gesichert. Nach den Meilenangaben im Iti-
nerarium Antonini 249,1 stimmt die Entfernung zu Boiodurum mit 20 Mei-
len, doch ist die mit 18 Meilen angegebene Distanz nach loviacum zu weit,
falls man Schlägen für loviacum hält (dazu s. unten Schlägen).
Militär
Die Besatzung ist unbekannt.
Lage
Das Kleinkastell lag direkt an der Limesstraße, die hier mit dem Verlauf der
Bundesstraße 130 übereinstimmt, und sollte das Tal der am gegenüberlie-
genden Ufer in die Donau mündenden Ranna kontrollieren.

72
Forschungsgeschichte
Das Lager wurde 1840 vom Grabungsverein Schlägen erstmals teilweise
ausgegraben. Es sind nur Kurzberichte erhalten (OÖ. Landesarchiv). Die
Pläne in Form von aquarellierten Federzeichnungen befinden sich im OÖ.
Landesmuseum. 1960 wurde bei Baggerarbeiten die SW-Mauer ange-
schnitten und anschließend durch L. Eckhart freigelegt. 1977 stieß man bei
Baggerarbeiten in nächster Nähe des Lagers auf ein ungedeutetes
Grubenobjekt. in welches ein vermutlich spätmittelalterliches Grab einge-
tieft war. Kleinfunde sind fast keine erhalten.
Archäologischer Befund
Rechteckiges Kleinkastell mit runden Ecktürmen, dessen lichte Maße
12,5 x 17 m betragen. Möglicherweise gibt es zwei Bauperioden, die SW-
Front mit den 1 ,6 m hoch erhaltenen Mauern ist spätantik, hier befand sich
eine Nische, die wahrscheinlich als Standort eines Götter- oder Kaiserbil-
des diente. Der Westturm ist größer als die übrigen und durch eine Mittel-
mauer getrennt. Hier war im südwestlichen Raum ein kleines Bad einge-
baut, das Präfurnium lag außerhalb.

0 5 10m
I I I I I I I I I I I

Oberanna - Stanacum. KleinkastelL 1 : 400


(nach Moosbrugger-Leu 1974, 364 Abb. 11)

73
Geschichte, Datierung
Vielleicht zwei Bauperioden, die jetzt sichtbaren Mauern sind aber spät-
antik.
Sichtbare Überreste
Nordturm im runden Keller des darüber errichteten Wirtshauses erhalten.
Die Südfront des Lagers ist konserviert.
Literatur
Noll 1958, 33f. - Eckhart 1960 (2), 26ff. - Pfeffer 1960, 92f. - Eckhart 1960 (1 ),
115 - Eckhart 1961, 24 - Winkler 1971 (2), 1Off. - Moosbrugger-Leu 1974, 364
Abb. 11 - Alföldy 1974, 147 - Winkler 1975, 70f. - Ubl 1975 (1), 157 - Pertlwie-
ser-Tovornik 1977, 557 - Ubl 1980, 589 - Eckhart 1983, 37.

SCHLÖGEN - IOVIACUM

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG

.--

Schlägen - loviacum. 1:25000


(nach ÖK BI. 31)

74
Name, Quellen
Die Bezeichnung ist auf Grund der Meilenangaben umstritten. Auch
Aschach und Eferding wurden als loviacum gedeutet. Der Ortsname ist
keltischen Ursprungs und scheint in der Notitia Dignitatum Occ. XXXIV 37
als Sitz eines Legionspräfekten der Liburnarier der 2. italischen Legion auf.
Im Itinerarium Antonini 249,1 heißt es, daß Lauriaco-Ovilatus 16, Ovilatus-
/oviaco 27, loviaco-Stanaco 18 und Stanaco-Boioduro 20 Meilen vonein-
ander entfernt sind. Auch Eugippius in der Vita S. Severini 24.1 berichtet
von einem oppidum /oviacum mehr als 20 Meilen von Batavis entfernt.
Hier wurde der Presbyter Maximianus bei einem Überfall der Heruler
erhängt.

Militär
Der Truppenbelag ist für das 2. Jh. n. Chr. völlig unsicher. Mehrere Ziegel-
stempel der 2. italischen Legion wurden gefunden und einer der cohors V
Breucorum in der Siedlung. Eckhart vermutet auf Grund der geringen
Größe des Lagers (ca. 100-150 Mann), dem relativ groß ausgebauten
sacel/um (Fahnenheiligtum) sowie den Schiffsanlegeplätzen und einer
fabrica für Schiffsreparaturen, daß hier im 4. und 5. Jh. eine Vexillation
einer in Boiodurum/Boiotro - Passau/lnnstadt stationierten Kohorte
Dienst tat. Dabei handelte es sich aber nicht um die oben erwähnten
Liburnarier der Notitia, da nach Eckhart das Lager für eine so große Truppe
zu klein gewesen ist. Die Soldaten wohnten während der 2. Periode in der
Siedlung und kamen nur zu bestimmten Dienstverrichtungen ins Lager.

Lage
Das Kleinkastell und die Siedlung lagen am Beginn einer gefährlichen
Engstelle der Donau, deren heutiges Erscheinungsbild durch den Rück-
stau des Donaukraftwerkes Aschach entschärft ist. Östlich des Lagers
mündet der Mühlbach, westlich der Andlersbach in die Donau. Sowohl die
Donau als auch der Andlersbach flossen ursprünglich näher am Kastell
vorbei. Die Limesstraße führte, von Haibach kommend, im Süden am
Lager vorbei, mit einer Abzweigung zur porta praetoria. Ihr weiterer Verlauf
stimmt mit dem heute vom Gasthof aus auf den Hochgupf führenden Weg
überein, der in die Bundesstraße 130 mündet, welche zur Römerzeit den
Verlauf des decumanus der Siedlung bildete. Das Lagerdorf liegt 10 m
höher als das Kastell und war nicht so stark hochwassergefährdet

Forschungsgeschichte
Durch einen örtlichen Grabungsverein wurden 1838 im Kastellgelände
und am Hochgupf die ersten Grabungen durchgeführt, die unter der Auf-
sicht des OÖ. Landesmuseums standen. Funde, Pläne und Aufzeichnun-

75
gen befinden sich im OÖ. Landesmuseum und im Landesarchiv. 1937
grub E. Swoboda erneut in der Siedlung und im Lager, wobei es ihm
gelang, die Kasteii-Ostmauer anzuschneiden. 1952 und 1954 wurden im
Kastellbereich bei Bauarbeiten zufällig einzelne Mauern angeschnitten.
1957-1959 Notgrabungen im Kastellbereich und in der Siedlung durch
L. Eckhart 1959 und 1974 Konservierung des Lager..Westtores mit Mitteln
des Bundesdenkmalamtes. 1972 wurden bei Baggerarbeiten zwischen
dem erhaltenen Tor und dem Hallenbad des Gasthofes vermutlich schon
bekannte Mauern zerstört. 1984 fand im Bereich der Siedlung am Hoch-
gupf erneut eine Notgrabung statt, durchgeführt von Ch. Schwanzar,
anschließend wurde dieses Areal, das durch Bautätigkeiten gefährdet war,
vom Bundesdenkmalamt unter Schutz gestellt.
Archäologischer Befund
1. Unregelmäßige trapezförmige Anlage (0,65 ha) mit abgestumpften
Ecken. Zwei Perioden, wobei die jüngere Lagermauer auf der älteren auf-
sitzt. Von den vermutlich vier Toranlagen wurde nur eine, nämlich die
westliche, ergraben, sie zeigt nach innen gezogene quadratische Tor-
türme, die als Aufgang zum hölzernen Wehrgang dienten. Wegen der
Überschwemmungsgefahr fehlt der Spitzgraben. Zwischen- und Eck-
türme konnten nicht nachgewiesen werden. lnnenbauten: principia mit
einem ziemlich großen sacellum gehören der 2. Bauperiode an, ebenso
der sogenannte Nordbau, der vermutlich eine fabrica für Schiffsreparatu-
ren war. Südlich der principia Reste eines Hauses, mehrräumiger Holzbau
mit zwei Bauperioden, der die Unterkunft des Truppenkommandanten
gewesen sein könnte. Auch in der Prätentur sind Mauerreste vorhanden,

D 0
rn L
I
I
0 50m

Schlägen - loviacum. 1:2000


(nach Eckhart 1969, Beilage 1)

76
-
deren Zusammenhang und Funktion nicht geklärt sind. Der quadratische
Bau in der NO-Ecke ist vielleicht erst entstanden, als die Ostmauer nicht
mehr intakt war.
Es konnten auch Kaimauern und Vertäuungssteine ergraben werden . Der
eigentliche Hafen lag aber nur wenige Meter donauaufwärts, wo eine
Schotterinsel einen Seitenarm der Donau mit fast ruhigem Gewässer bil-
dete.
2. Westlich vom Kastell und etwas höher gelegen als dieses. Mehrere
Hausgrundrisse sowie ein zweiapsidales Gebäude ergraben, wel~hes
man als Bad deutete. Auch hier ließen sich zwei Bauperioden feststellen .
Die Häuser bestanden aus Holz und Flechtwerk und hatten Fundamente
aus Geschiebeschotter. Beide Bauperioden wurden durch Brand zerstört.
An Kleinfunden kamen Münzen, Keramik und Metallgegenstände, auch
einige neolithische Schaber, Flachbeile und ein bronzezeitlicher Topf
zutage. Die römerzeitlichen Funde sind noch nicht publiziert.
Geschichte, Datierung
Die erste Bauperiode des Lagers ist nur umfangmäßig bekannt. Es wurde
frühestens in späthadrianischer Zeit und spätestens während der Marko-
mannenkriege erbaut. Es ging um 300 n. Chr. durch Brand zugrunde. Man

Schlägen - loviacum . Westtor nach der Konservierung

77
baute es vermutlich erst im fortgeschrittenen 4. Jh. n. Chr. im gleichen
Umfang wieder auf, vermutlich hat es noch bis ins 5. Jh. n. Chr. bestanden.
Sichtbare Überreste
Die westliche Toranlage wurde konserviert.
Literatur
Gaisberger 1840, 11 ff. - Trampier 1905 - Swoboda 1938, 274 - Jandaurek 1951,
231 ff. - Stroh 1952 (1 ), 105f. - Stroh 1952 (2), 44 f. - Stroh 1953, 28f.•- Stroh
1954, 27 - Noll 1958, 43f. u. 95ff. - Eckhart 1958, 3ff. - Eckha·rt 1959, 7ff. -
Eckhart 1960 (1 ), 119 - Eckhart 1960 (2). 11 f. - Pfeffer 1960, 85ff. (bes. 91 ), 169ft.
- Eckhart 1969- Winkler 1971 (2), 1Off. - Alföldy 1974, 147- Winkler 1975, 92ff.
- Ubl 1975 (1 ), 156 - Ubl 1980, 589 - Ubl 1982 (1 ), 80 - Eckhart 1983, 35ft. -
Schwanzar 1984 (im Druck).
Ch. Sch.

ROSSGRABEN I KOBLING

.
I
Roßgraben/Kobling. 1:25000
(nach ÖK BI. 31)

78
BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.

Lage
Gegenüber von Obermühl am Donauufer.
Forschungsgeschichte
1840 wurden vom Grabungsverein Schlägen Grabungen durchgeführt.
1962 fiel das römische Bauwerk Baggerarbeiten zum Opfer.
Archäologischer Befund
Quadratisches Gebäude von 8 m Seitenlänge mit 1 ,26 m starken und
1,58 m tiefen Mauern. ln einem Raum befand sich eine 0,95 m starke
Schicht aus Kohle und Asche. Neben Ziegelbruchstücken wurden auch
Keramik und Terra Sigillata gefunden.

Roßgraben/Kobling. Burgus während der Zerstörung

79
Außerhalb des Gebäudes eine Stelle mit viel Asche, verbrannten Knochen
und Terra Sigllata-Fragmenten: Grab oder Abfallgrube?
Geschichte, Datierung
Wachtturm zur Sicherung des Mühltales. Datierung ungewiß.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Trampier 1905, 14 f. - No II 1958, 39f. - Eckhart 1963, 29 - Eckhart 1965, 11 0 -
Eckhart 1969, 59 Anm.136 - Eckhart 1983, 37f.
Ch.Sch.

ASCHACH

KASTELL?
Name, Quellen
Wird auch manchmal als das loviacum des Itinerarium Antonini 249,1, der
Notitia Dignitatum Occ. XXXIV 37 und der Vita S. Severini des Eugippius
24,1 bezeichnet.
Militär
Hier sollen die Liburnarier der 2. italischen Legion mit ihrem Präfekten sta-
tioniert gewesen sein (vgl. jedoch Schlögen).
Lage
Am östlichen Ausgang des gewundenen Verlaufes des Donautales, der
bei Schlögen beginnt.
Forschungsgeschichte, archäologischer Befund
Bis jetzt sind nur wenige Funde der Römerzeit aus Aschach bekannt. Zwei .
Münzen, Granitblöcke mit Geleisespuren und ein Kanal, letztere könnten
auch mittelalterlich sein. Eine Quadraflur konnte nachgewiesen werden.
Das Laurentius-Patrozinium der Friedhofskirche soll sehr alt sein. Jüngste
Ausgrabungen erbrachten aber keinen Beweis für einen römischen Vor-
gängerbau.
Auch Landshaag wird als möglicher Standort des Kastells angesehen, hier
kamen einzelne Münzen als Streufunde zutage.
Geschichte, Datierung
Ungewiß.

80
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Kenner 1878, 582 - Egger 1950, 135 - Noll 1958, 24 - Eckhart 1960 (3), 17f. -
Eckhart 1967, 37f. - Eckhart 1969, 69f. - Winkler 1971 (2) - Wirikler 1975, 62f.
- Ubl 1982 (1 ), 80- Eckhart 1983, 36.
Ch.Sch.

EFERDING - AD MAUROS

1. KASTELL, 2. GRÄBER
Name, Quellen
Wird jetzt allgemein mit dem in der Notitia Oignitatum Occ. XXXIV 3
erwähnten Ad Mauras gleichgesetzt. Man hat aber früher auch hier lovia-
cum vermutet oder das Marinianio der Tabu Ia Peutingeriana.
Militär
Equites promoti in der Spätantike.
Lage
Das Kastell lag im Eferdinger Becken und schützte die Straße nach Wels-
Ovi/ava.
Forschungsgeschichte, archäologischer Befund
1. Ursprünglich suchte man das Kastell im alten Stadtkern: W-Front: alter
Stadtgraben, 0: Stadtplatz, W-Seite, N: Keplergasse, S: Schmiedgasse.
Da Ausgrabungen an einzelnen Stellen in diesem Bereich keine Funde
erbrachten, neigt man nun eher zu der Ansicht, daß sich das Lager viel-
leicht im NO-Teil des Stadtkerns befunden hat, da man hier auf eine starke
gemörtelte Mauer gestoßen ist. Die andere Vermutung geht dahin, es
unter dem Starhembergischen Schloß zu suchen.
Zahlreiche Kleinfunde, Terra Sigillata, andere Keramik und Münzen sind
bekannt, ein Grabrelief, Rohre aus Kalkstein.
2. An der Ostseite des Stadtplatzes fand man spätantike Gräber.
Geschichte, Datierung
Die Terra-Sigillata-Funde weisen auf eine Besiedlung des Platzes ab der
zweiten Hälfte des 1.Jh.s n. Chr. hin.

81
Literatur
Kenner 1878, 586 - Nowotny 1896, 4 Anm .1 - Nowotny 1925, 89 - Nowotny
1934, 125f. - Nowotny 1938, 265 - Nowotny 1939, 70 - Wutzel 1948, 289ft. -
Ortmayr 1957, 143 - Noll 1958, 31 f. - Eckhart 1960 (1 ), 115 - Eckhart 1969, 70
- Eckhart 1974, 121 - Winkler 1975, 68f. - Ubl1975 (1 ), 156 - Ubl1980, 589 -
Eckhart 1981 , 1Of., 37 Nr. 35 Taf. 27 - Eckhart 1983, 36.
Ch. Sch.

WILHERING

I. MILITÄRZIEGELEI , 2. GRAB

Wilhering. 1 : 25000
(nach OK BI. 32)

Quellen
Keine.
Militär
Nach den Ziegelstempeln /egio II ltalica.

82
Wilhering. Ziegelofen während der Grabung

Lage
Westlich der heutigen Bundesstraße auf den Parzellen 731 und 732, KG
Schönering, heute teilweise durch ein Wohnhaus überbaut. Die römische
Straße entlang der Donau führte bis hierher und bog hier nach Süden, wo
sie bei Thaiharn in die sog. Ochsenstraße mündete. Auf diese Weise
wurde die unwegsame Aulandschaft umgangen.
Forschungsgeschichte
Grabungen 1934 und 1935 durch den Wilheringer Pater G. Rath , Vermes-
sung von A. Gaheis, ein Modell der Anlage befindet sich im OÖ. Landes-
museum .
Archäologischer Befund
1. ln den anstehenden Lehm eingetieft lagen nebeneinander zwei spätan-
tike Ziegelöfen, das Mauerwerk bestand aus Bruchsteinen und Ziegeln mit
Mörtelbindung. Die Abmessung des ersten Ofens betrug: 8,50 x 9,30 x
8,30 x 9,40 m. Die Stärke der Mauern betrug außer im Norden durch-
schnittlich 1,50 m. Das Innere des Ofens war zweigeteilt durch eine N-S-
Iaufende Mauer, beide Kammern wurden durch Ziegelbögen überspannt.
Unter dem antiken Niveau befand sich hier im Boden eingetieft ein ver-

83
mutlieh baiernzeitlicher Backofen. 4 m westlich dieser Anlage lag ein zwei-
ter, ebenso gebauter Ziegelofen von 7 m Länge und 4,50 m Breite. An
Funden Münzen, bronzene Schlüssel, Messerfragmente, Reibschalen,
eine Fibel und zahlreiche Ziegel mit den Stempeln der 2. italischen Legion
und des dux Ursicinus, auch zwei Ziegel mit längeren kursiv geschriebe-
nen Texten stammen von hier.
2. 42 m südwestlich dieser Öfen wurde ein Körpergrab aufgedeckt.
Geschichte, Datierung
Spätantik. Die Anlage wurde von Soldaten der 2. italischen Legion betrie-
ben, und die Ziegel vermutlich donauabwärts verschifft.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Rath 1937, 467ft. - Rath 1938, 42f., 97, 98 - Jenny 1949, 58 u. Anm. 19 - Egger
1950, 160 - Egger 1954, Nr. 5, 107 - Reitinger 1968 (2), 4 74 - Bender 1969, 21
u. 43 - Eckhart 1983, 41.
Ch.Sch.

HIRSCHLEITENBACH

WACHTTURM
Quellen
Keine.
Militär
Vermutlich kleine Einheit der 2. italischen Legion.

0 5 10m Hirschleitenbach. Wachtturm. 1 :400


I I I I I I (nach Fietz 1973, 71 Abb. 6)

84
Hirschleitenbach. 1 :25000
(nach ÖK BI. 32)

Lage
Im Kürnbergerwald an der Einmündung des Hirschleitenbaches in die
Donau, an der rechten Talseite, ca. 40 m über dem Strom.
Forschungsgeschichte
1936-1937 Ausgrabungen , die von E. Fietz durchgeführt wurden, 1938
Grabung von G. Rath .
Archäologischer Befund
Fundamente eines vermutlich zweistöckigen, viereckigen Wachtturmes,
der 9,20 x 9,63 x 9,25 x 8,80 m mißt. Die Mauern bestehen aus Bruch-
stein mit reichlich Mörtel, auch einzelne Ziegel sind eingemauert. Die Fun-
damentstärke beträgt 1 ,35-1 ,85 m, die Mauerstärke 0,80 - 1 m. Der
Wachtturm war von doppelten Palisadenwällen umgeben, wobei der
äußere Wall an der Südseite in einen Graben übergeht. Funde: Zahlreiche
Ziegelbruchstücke, eines mit einem AL-Stempel, etwas Keramik, Eisen-
nägel und andere Kleinfunde.

85
Südlich führt parallel zur Donau der "Altweg" vom Hainzenbachtal zum
Hirschleitenbach und setzt sich hier im Prinzensteig nach Wilhering fort.
Diese Verbindung geht vermutlich in die Römerzeit zurück.
Datierung
Vermutlich spätantik, worauf der AL-Stempel hindeutet.
Sichtbare Überreste
Grundmauern noch sichtbar.
Literatur
Fietz 1938, 162, 269 - Noll 1958, 53 - Aspernig 1967, 41 ff. - Fietz 1967, 41ff. -
Eckhart 1969, 59 - Fietz 1973, 73 - Fietz 1975, Heft 1/2, 60 - Winkler 1975, 104
- Ubl 1975 (1 ), 157 - Eckhart 1977, 29f. - Ubl 1980, 589 - Bender 1982 - Eck-
hart 1983, 41 .
Ch.Sch.

LINZ - LENTIA

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELD


Name
Erschlossen aus dem keltischen * Ientos = biegsam, gekrümmt (vgl. lat.
lentus 3). Substantivbildung Lentia (aus Lnt und dem Suffix -ia) = Krüm-
mung, Biegung. Namengebend war die Windung des Flusses, an dem
gesiedelt wurde. 799 urkundlich als Unze erwähnt (Urkunde vermutlich
jedoch erst später aufgezeichnet).
Quellen
Notitia dignitatum Occ. XXXIV 32. XXXIV 38.
Militär
A/a I Pannoniorum Tampiana victrix, deren Anwesenheit an der Wende 2./
3. Jh. durch die Widmung eines Weihealtars an den Genius eines ihrer
Präfekten naheliegend wäre.
Für die Spätantike nennt die Notitia dignitatum einen praefectus /egionis
secundae ltalicae partis inferioris und weiters equites sagittarii.
Lage
Innerhalb des heutigen Stadtkerns, von der Altstadt über Tummelplatz,
Martinsfeld am Römerberg im Norden bis etwa Steingasse und Baum-
bachstraße im Süden. Die Nord-Süd-Achse ist durch den Verlauf der Her-

86
Linz - Lentia. 1 : 25 000
(nach ÖK BI. 32)

renstraBe und Stockhofstraße (dort das Brandgräberfeld des 1./2. Jh.s)


annähernd gekennzeichnet.
Forschungsgeschichte
Funde aus der Stadt und deren Umgebung erwähnt 1824 8. Pillwein, der
später (1846) auch über die einstige Topographie reflektiert. Zwischen
1835 und 1841 Aufdeckung von Funden zwischen Altstadt und Stein-

87
Linz- Lentia. Antike Baureste in der Innenstadt. 1 :5000

gasse, wissenschaftlich ausgewertet von J. Gaisberger. 1926/27 Entdek-


kung und Freilegung des römerzeitlichen Brandgräberfeldes bei der
"Kreuzschwesternschule" zwischen Stockhofstraße und Wurmstraße.
Von 1937 bis 1940 Ausgrabung von Gebäuderesten zwischen Prome-
nade und Steingasse. Nach Kriegsende Restaurierung und Grabung in
der Martinskirche am Römerberg, von 1950 bis 1964 im Zuge des Wieder-
aufbaus bodenkundliehe Sondierungen und Schürfungen in der Altstadt
und am Tummelplatz, dem "Zivilbereich" von Lentia, bei der Martinskirche
und "Kastellgrabungen" zwischen Promenade, Lessingstraße, Hirsch-,
Schlossergasse und Klammstraße. 1966-1967 partielle Kontrolluntersu-
chungen und Ausgrabungen im "Kastellbereich". Im Zuge der Notgra-
bungen im heutigen VÖEST-Gelände Bergung nicht nur baiernzeitlicher,
sondern auch einzelner spätantiker Grabfunde. 1976 bis 1978 systemati-
sche Flächengrabungen inner- und außerhalb der Martinskirche am
Römerberg. Zwischen 1979 und 1983 einzelne Sondierungen und Kon-

88
! Geschoßspitzen
I Schwerter
~ Ortband
~ Schwertscheidenbeschlag
• Bestandteile der Rüstung bzw. der Militärtracht

Linz - Lentia. Funde militärischen Charakters

89
Linz - Lentia. Reliefdarstellung eines römischen Soldaten (Linz, Oberösterreichi-
sches Landesmuseum)

trolluntersuchungen. 1983-1985 archäologische Untersuchungen eines


spätantiken/frühvölkerwanderungszeitlichen Gräberfeldes zwischen Tie-
fem Graben und Flügelhofgasse am Ostabhang des Römerberges.
Archäologischer Befund
1. Existenz durch schriftliche Hinweise und auch durch Funde eindeutig
militärischen Charakters innerhalb eines bestimmten Terrains (etwa zwi-

90
sehen Promenade, Spittelwiese/Landstraße und Steingasse) erwiesen,
die topographische Fixierung und der befundmäßig versuchte Nachweis
zwei er Kastelle aus dem 1. und 2. Jh. in einem von Promenade, Lessing-
straße, Schlosser- und Hirschgasse umschriebenen Bereich, der ehemali-
gen kaiserlichen "Reithschul", durch P. Karnitsch sind jedoch fragwürdig.
Ein gewichtiges militärisches Element des spätantiken Lentia stellen in
Gräbern beigelegte, verzierte Gürtelgarnituren dar. Die Lage des unter-
suchten spätantiken/frühvölkerwanderungszeitlichen Gräberfeldes am
Ostabhang des Römerberges liefert der Annahme, das aus der Notitia
dignitatum erschließbare Kastell habe sich im Martinsfeld, in der eng'eren
Umgebung der Martinskirche, befunden, eine neue Diskussionsbasis.
2. Reste von Fundamentmauern, Räumen mit Hypokausten und der Keller
einer Wohnanlage zwischen Promenade und Steingasse bzw. in der Alt-
stadt. Mehrphasige Hüttengrundrisse und teils massive Mauerfundamente
unter- und außerhalb der Martinskirche. Spuren von Holzbauten am Ost-
abhang des Römerberges. Von den von P. Karnitsch festgestellten Sakral-
bauten ist das Mithräum am Tummelplatz glaubhaft nachgewiesen. Pro-

Linz - Lentia. Spätantike Gürtelbestandteile aus Grab 16/1985, Tiefer Graben 4/


Flügelhofgasse (Linz, Stadtmuseum)

91
blematisch ist dagegen das zu einem Umgangstempel von galle-römi-
schem Typus ergänzte Mauerwerk in der Hahnengasse.
Konkrete Hinweise auf eisen- und bronzeverarbeitende Werkstätten, auf
das Handwerkerviertel, liegen neuerdings vom Martinsfeld und von der
Lessingstraße vor, wohin auch die frühesten Spuren römerzeitlichen Sied-
lungsniederschlages führen.
Die Siedlung war der Verwaltung von Ovilava - Wels (und nicht, wie
unlängst behauptet, der von Lauriacum - Lorch) unterstellt.
3. Zur Siedlung gehörte auch ein Gräberfeld, das ca. 800m entfernt an der
Ausfallstraße nach Süden lag. ·
Geschichte, Datierung
Die verkehrsgeographisch seit jeher geschätzte Lage von Linz war sicher-
lich dafür entscheidend, daß der Einfluß römischer Kultur frühestens
schon im 2. Jahrzehnt des 1. Jh.s n. Chr. seine materiellen Spuren hinter-
lassen hat, von einzelnen Münzen des 1. Jh.s v. Chr. und einem Relief-
sigillata-Bruchstück aus augusteischer Zeit abgesehen. Die zeitliche Ent-
wicklung der Siedlung vom mittleren 1. bis zum mittleren 3.Jh. n. Chr. läßt
sich an den Grabinventaren des Urnengräberfeldes bei den "Kreuz-
schwestern" und anderen Fundkomplexen ablesen. Neuerdings kann
auch für die Spätantike eindrucksvolles Quellenmaterial beigebracht wer-
den, dem die nicht unwesentliche Stellung Lentias an der Schwelle zum
Frühmittelalter entnehmbar wird. ·
Sichtbare Überreste
Mauern, Spolien und ein Ofen - letzterer aus dem 1. Jh. n. Chr. - in der
Martinskirche am Römerberg. Funde im OÖ. Landesmuseum-Schloßmu-
seum und im Stadtmuseum Linz.
Literatur
Karnitsch 1927 - Stroh 1947, 199ft. - Noll 1958, SOff. - Kloiber 1965, 179ft. -
Kux-Jülg-Winkler 1972, 75ft. - Kux-Jülg 1977, 21 ff. - Ruprechtsberger 1982 (1)
- Ruprechtsberger 1984 (1 ), 26ff. - Ruprechtsberger 1985 (1) - Linzer Archäolo-
gische Forschungen (Sonderhefte): 1 (1962), 11 (1982), 12 (1984), Sonderheft 1
(1964), 1. Ergänzungsheft (1965), 2 (1966), 3 (1968), 4/1 (1970), 4/2 (1972), 5
(1983).
E.M.R.

LORCHfENNS - LAURIACUM

1. LEGIONSLAGER, 2. ZIVILSTADT, 3. GRÄBERFELDER


Name
Der heutige Name Lorch (bei Enns) ist auf das keltische Lauriacum

92
2

0 50 100m
I I I I I I

1 principia 5 Wirtschaftsbau
2 Kasernen 6 Unterkünfte für immunes
3 Thermen 7 Lazarett
4 Kasernen für die 1. Kohorte

LorchfEnns - Lauriacum. Legionslager. 1 :4 000

94
zurückzuführen, bestehend aus dem Personennamen * Laurios und dem
(u.a. in Oberösterreich mehrmals bezeugten) Suffix -akom ( -acum), nach
Meinung der Sprachforscher bedeutet dies: "Bei den Leuten des Lau-
rios". Über Lorahha, urkundlich 791 erwähnt, wird Lauriacum durch Laut-
verschiebung und Monophthongierung eingedeutscht. 791 Loriaca,
899-902 Lahoria, 977 Loracho, 1282 Lorich, Lorch. Der im !'Namen ange-
sprochene lat€mezeitliche ("keltische") Ursprung der Siedlung wurde
archäologisch bis jetzt nicht bestätigt.
Quellen
Literarisch: Itinerarium Antonini 231, 241, 256, 258, 276; Tabula Peutinge-
riana (Segment 4/2; verschrieben als Blaboriciaco); Ammianus Marcelli-
nus 31, 10, 20; Notitia dignitatum Occ. 34, 39 und 43. 5,109 = 259. 7,58,
9,21; Codex Theodosianus 8, 2, 1 vgl. 12,1 ,31; Codex lustinianus 10, 71
(69) 1. Eugippius, Vita S. Severini 18, 1. 27,2. 28, 1. 30, 1. 31,1 ,6. Martyrolo-
gium Hieronymianum s. v. 4. Mai (vgl. auch das Martyrologium Roman um
s. v. IV Nonas Maji Luna); Passio Floriani (ed. W. Neumüller) 26 (kürzere
Fassung) bzw. 29 (längere Fassung).
Epigraphisch: CIL 111 5670a: Milites auxiliares Lauriacenses und danach
die von R. Egger vorgeschlagene Auflösung der auf Ziegeln vermerkten
Abkürzungen AL und ALAR in A(uxiliares) L(auriacenses) bzw. A(uxilia-
res) La(u)r(iacenses).
Militär
Legio 1/ltalica pia fidelis. Der Beiname ltalica weist auf das Rekrutierungs-
gebiet der unter Kaiser Mark Aurel erstmals ausgehobenen Legion hin.
Das Epitheton ornans pia ist auf dem Weihestein aus dem Jahr 191 (CIL
111 15 208) überliefert, das Beiwort fidelis hat der Legion vielleicht Kaiser
L. Septimius Severus verliehen. Für die Spätantike notiert die Notitia digni-
tatum außer der Legion eine classis Lauriacensis und lanciarii Lauriacen-
ses. Die Inschrift CIL 111 5670a nennt milites Lauriacenses. Fahnenbild: Die
Romulus und Remus säugende Wölfin.

1. Legionslager
Lage
Auf der zwischen Enns und Donau liegenden Schotterterrasse. Jenseits
des Stromes mündet die seit urdenklichen Zeiten benutzte Verkehrsver-
bindung vom Norden (Böhmen) entlang der Aist ein. Die von der Natur
vorgezeichneten Gegebenheiten werden in erster Linie als maßgeblich für
die Ausrichtung der (nicht im rechten Winkel sich kreuzenden, NO-SW
und NW-SO orientierten) Achsen der Lagerfestung betrachtet werden
müssen.

95
LorchfEnns - Lauriacum. Legionslager. Lagergraben im Bereich der Nordostecke

Forschungsgeschichte
1765 wurde erstmals von der Auftindung eines Mosaikbodens nahe der
Laurenzikirche berichtet. 1851 stieß man zufällig auf Hypokaustgewölbe
der Thermen des Legionslagers, die teilweise freigelegt wurden. Dies war
der eigentliche Beginn der Ausgrabungstätigkeit auf dem Boden des
römerzeitlichen Lauriacum. 1904-'- 1919 wurde der Großteil des einstigen
Legionslagers durch M. v. Groller-Mildensee ausgegraben . Spätere Son-
dierungen und Schürfungen von Alexander Gaheis 1923, 1929- 1933
und Josef Schicker (bis 1939) trugen zur Ergänzung bzw. Korrektur des
von Groller veröffentlichten Planes des Legionslagers bei. Innerhalb der
Mauern des Legionslazaretts legte E. Swoboda 1935 die Fundamente
einer frühchristlichen Kirche frei. Archäologische Maßnahmen der letzten
Jahre beschränkten sich hauptsächlich auf das Bergen des anläßlich ver-
schiedener Bauarbeiten zutage geförderten Fundmaterials.
Archäologischer Befund
Unter Berücksichtigung der Nachmessungen und Sondierungen J. Schik-
kers wurde im Auftrag des Österreichischen Archäologischen Instituts in
Wien eine Neufassung des korrekturbedürftig gewordenen Grollersehen
Planes des Legionslagers erstellt und diese durch von Petrikovits (1975)

96

LorchfEnns - Lauriacum . Legionslager. Bronzestatuette eines Genius (Enns,


Museum)

und Vetters (1977) veröffentlicht. Der Grundriß der Festung zeigt die Form
eines Parallelogramms, für die Abweichung der Lag~rachsen vom rechten
Winkel gibt es keine Erklärung, doch können gleichartige Verhältnisse
sowohl in Zivilsiedlungen als auch in Militäranlagen römischer Zeit namhaft
gemacht werden. Maße : Länge= 539 m, Breite= 398m, Verhältnis Län-

97
-
ge: Breite wie etwa 5:4. Fläche ca. 21 ha. Der von insgesamt 30 Türmen
Ue ein Turm an den Ecken, dazwischen an den Längsseiten je 7 und an
den Schmalseiten je 6 Türme) gesicherten, im Fundament ca. 2,10 m brei-
ten Umfassungsmauer war ein 15 m breiter und 4 m tiefer, heute noch
streckenweise sichtbarer Graben vorgelagert. Von den vier Toren wurde
die porta principalis dextra vollständig, die übrigen teilweise oder nicht er-
faßt. Breite der via principalis 9 m, der via praetoria 6, 7 m. Grientation der
Lagerachsen: NO-SW und NW-SO.
Innenbauten der Legionsfestung (nach H. v. Petrikovits): 1 .. principia mit
Lagerforum (42 x 48 m), Fahnenheiligtum (aedes) und Kammern beider-
seits der aedes. Im Bereich der groma, des Kreuzungspunktes der Lager-
achsen, Fundamente einer Halle (wohl kaum eines Torbogens). 2. Zen -
turienkasernen für 10 Kohorten, deren erste ihre Quartiere rechts neben
den principia hatte (siehe 4.). 3 . Thermen (aus mindestens drei Bauperio-

LorchfEnns - Lauriacum . Zivilstadt Eisernes Prunkschwert mit Darstellungen von


Mars und Victoria in lnkrustationsstechnik (Linz, Oberösterreichisches Landesmu-
seum)

98
den). 4. Kasernen der 1. Kohorte. 5. Wirtschaftsbau vom sogenannten
Basartyp. Darin möglicherweise metallverarbeitende Betriebe. 6. Unter-
künfte von immunes (Spezialisten: Handwerker, Sanitäter, Verwaltungs-
soldaten). 7. Lazarett (va/etudinarium). Teile des Mauerwerks wurden in
frühchristlicher Zeit für eine Saalkirche weiterverwendet Offiziersunter-
künfte wären im ursprünglichen Verbauungsplan des Legionslagers vor-
gesehen gewesen, man hat jedoch auf deren Errichtung verzichtet und die
vorhandenen freien Flächen durch Objekte anderer Funktionen teilweise
gefüllt. Basierend auf der Vorlage der Fundmünzen durch F. v. Kenner
können folgende Bauperioden versuchsweise erstellt werden: 1. Erbau-
ung der Legionsfestung Ende des 2. Jh.s, 2. Zerstörungen durch den
Juthungeneinfall 270/71, 3. Aufbau unter Aurelian und Probus, 4. Ver-
stärkte Bautätigkeit unter Diokletian, Konstantin und dessen Nachfolgern
bis Valentinian, 5. Zerstörung durch die Hunnen um die Mitte des 5.Jh.s,
6. Aufbau in bescheidenem Ausmaß, Bau einer Kirche im Lazarett. Mün-
zen und Kleinfunde (z. B. Keramik) aus dem Legionslager sichern jeden-
falls einen Belegungszeitraum vom Ende des 2. bis zum Ende des 4. Jh.s,
literarische Nachrichten bis zur zweiten Hälfte des 5. Jh.s.
Geschichte, Datierung
Aushebung der legio II ltalica und deren Schwesterlegion /// ltalica unter
Kaiser Mark Aurel um 165 in Oberitalien in der Absicht, sie gegen germa-
nische Stämme an der nördlichen Reichsgrenze einzusetzen. Vermuteter
Aufenthalt zunächst im Raum von Aquileia, 170 Beteiligung von Legions-
vexillationen am Mauerbau von Salona. Erstes Standlager in Locica bei
Celeia. Verlegung an die Donau (zusammen mit der /egio 11/lta/ica) wahr-
scheinlich zwischen 172-175. Errichtung eines Legionslagers in Albing,
5 km östlich von Lauriacum jenseits der Enns, dann in Lauriacum. Einen
chronologischen Anhaltspunkt in der Geschichte des Lagerbaus der legio
II !talica stellt der dem Genius der Legion am 18. September des Jahres
191 n. Chr. geweihte Altar dar, der sicherlich für ein bedeutendes Ereignis,
wie es die Gründung einer Legionsfestung sein mochte, beansprucht wer-
den kann. Ein in Zweitverwendung in einer Kaserne entdecktes Inschrift-
fragment überliefert nach E. Bormann die Kaisertitulatur des Septimius
Severus und wird seiner ursprünglichen Funktion nach auf ein wichtiges
Bauwerk innerhalb der Legionsfestung zu beziehen sein. Die beiden
zitierten Inschriften markieren vielleicht jene Zeitspanne, innerhalb der die
legio 1/lta/ica mit der Erbauung ihrer Festung in Lauriacum beschäftigt war.
Die Frage, ob das (provisorische) Lager in Albing bis mindestens um 200
bezogen war, könnte durch archäologische Ermittlungen einer (klärenden)
Überprüfung unterzogen werden. Die wenigen uns bekannten Aktivitäten
der Legion im 3. (z.B. Teilnahme am Dakerkrieg des MaximinusThrax und
am Zug Auretians gegen Pafmyra) und 4.Jh. (z.B. in Köln/Deutz-Divitia)

99
verzeichnen E. Ritterling und ihm folgend G. Winkler und H. Ubl. Unter Dio-
kletian militärische Reformen und Aufteilung des früheren Kommandobe-
reiches auf zwei Legionen: Die (reduzierte) legio II ltalica und die neuauf-
gestellte legio I Noricorum. ln der Spätantike waren Abteilungen der
Legion in Schlägen - loviacum und Linz- Lentia stationiert. Im Stammla-
ger befanden sich außerdem Lanzenreiter (lanciarii Lauriacenses). Das
Vorhandensein einer Schildfabrik (fabrica scutaria) ist in der Notitia digni-
tatum erwähnt. Im Hafen von Lauriacum lag die c/assis Lauriacensis. Unter
Kaiser Valentinian übten milites auxiliares Lauriacenses ihrefl Dienst aus.
Eugippius berichtet von Mauern und Toren in Lauriacum, unter dessen
Einwohnern noch Späher (exploratores) und Wachmannschaften (vigilan-
tes) Verteidigungsfunktionen übernommen hatten. Mauern und Tore müs-
sen wohl zur Legionsfestung gehört haben, da solche für die Zivilstadt
nicht nachgewiesen sind.
Sichtbare Überreste
Umfassungsgraben im Bereich der Nord- und Ostflanke des Legionsla-
gers in ursprünglicher Breite und Tiefe auf eine längere Strecke hin vor-
handen, entlang der Straßen "Römergraben" auf der Nordseite und
"Teichweg" an der Südflanke des Legionslagers abschnittweise im
Gelände wahrnehmbar.
Funde im OÖ. Landesmuseum in Linz und im Museum Lauriacum in
Enns.

LorchfEnns - Lauriacum. Bronzener Schwertriemenbeschlag (Enns, Museum)

100
Literatur
Groller 1906, 5ft. - Greller 1907, 119ft. - Greller 1908, 87ft. - Greller 1909, 79ft.
- Groll er 1910, 1 ff. - Bormann 1910, 127ft. - Greller 1919, 1ft., 117ft. - Groll er
1924, 1 ff., 121 ff. - Ritterling 1924, 1300f. - Ritterling 1925, 1468ft. - Groller
1925, 1 ff., 175ft. - Gaheis 1937, 13ft. - Swobeda 1937 (1 ), 253ft. - Sweboda
1937 (2), 439ft. = 1981, 72ft. - Vetters 1953, 49ft. - Egger 1954, 101ft. - Noll
1958, 46ft. - Amstler 1968, 121 - v. Petrikevits 1970, 227ft. = 1976, 519ft. -
Winkler 1971 (1 ), 85ft. - Ubl 1974 (1 ), 28f. - v. Petrikovits 1975, passim - Vetters
1977, 362ft. - Ruprechtsberger 1980 (1 ), 4f. - Ruprechtsberger 1981, 18, 24,
Abb. 37-40- Winkler 1981, 11ft. - Winkler 1982, 135ft. - Eckhart 1983, 17ft. -
Ubl 1983, 16ft.
E.M.R.

2. Zivilstadt
Lage
Westlich des Legionslagers bis gegen Kristein und südöstlich im Bereich
der Stadelgasse (Piochbergergründe).
Forschungsgeschichte
Erste Funde bereits im 18. Jh. (Mosaikboden), das Hauptinteresse kon-
zentrierte sich lange Zeit aber nur auf das Legionslager. Erst nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde die systematische Erforschung des Stadtareals
in Angriff genommen:
Grabungen 1951-1959 durch das ÖAI und das OÖ. Landesmuseum
(W.Jenny, H. Vetters, L. Eckhart, Ä. Kloiber) auf dem Areal westlich des
Lagers und 1960-1966 durch das OÖ. Landesmuseum (L. Eckhart) in der
St. Laurentius-Basilika. Ab den siebziger Jahren kontinuierliche Grabungs-
tätigkeit des BOA in Verbindung mit dem Museumsverein Lauriacum
(H. Ubl) vor allem südöstlich des Lagers, zuletzt im Bereich des Georgen-
berges.
Archäologischer Befund
Der westlich des Legionslagers sich erstreckende Teil der Zivilstadt wird
von zwei spitzwinkelig auf die porta decumana des Lagers zulaufenden
Straßen als Längsachsen durchzogen, die durch einige cardines miteinan-
der verbunden sind. Die südliche ist die jüngere der beiden Dekumanstra-
ßen, sie ist vermutlich erst in konstantinischer Zeit angelegt worden.
ln unmittelbarer Nachbarschaft zum Legionslager liegen einige öffentliche
Gebäude. ln der centuria I erstreckte sich das forum venale, ein 57 x 64 m
großer Marktplatz, der aus einem von Hallen umschlossenen Hof gebildet
wurde. An seiner Westseite erhob sich eine einschiffige basilica. Funden
nach zu schließen war das Forum Aufstellungsort einer bronzenen Kaiser-
statue. Neben dem Forum stand ein mit der Front gegen die Straße

101
gerichteter kleiner Tempel, dessen Gottheit nicht bekannt ist. Auf der
gegenüberliegenden Seite dieser Straße wurde in der centuria II in kon-
stantinischer Zeit über älteren zerstörten Geschäftshäusern aus Fachwerk
ein großer Verwaltungsbau errichtet (60 x 40,3 m). Er bestand aus gro-
ßen, z. T. beheizbaren Sälen. Im Nordtrakt befand sich ein tribunal. Am
südlichen Rand des verbauten Gebietes lag eine öffentliche Thermenan-
lage, ein an sie anschließender Bau mit Apsiden wird als Versammlungslo-
kal eines Jugendbundes gedeutet. Weiter nach Westen dehnten sich
Wohnhäuser, Magazine und kleinere Gewerbebetriebe, u.a. Töpfereien, in
denen Gebrauchskeramik produziert wurde, aus. Wie ein unlängst aufge-
deckter Brennofen vermuten läßt, lagen Gewerbebetriebe auch nördlich
des Legfonslagers. Die Häuser im Bereich der Stadelgasse scheinen
einer gehobeneren Bevölkerungsschrchte gehört zu haben, da sie mit
einem größeren Aufwand ausgestattet sind: es fanden sich hier Reste der
Stuckdekoration der Innenräume und zahlreiche Fragmente eines Dek-
kenfreskos, auf dem Amor und Psyche sowie die Jahreszeiten dargestel-lt
sind.
Geschichte, Datierung
Bereits im 1. Jh. n. Chr. bestand vermutlich in der Gegend der Mauthause.-
ner Straße eine kleine Siedlung (Keramikfunde). Bei den Grabungen
westlich davon im Bereich Stadelgasse konnte ein Siedlungshorizont aus
der Mitte des 2.Jh.s festgestellt werden. Dazu gehört auch der Bau mit

L.orch/Enns- Lauri.acum. Bruchstück des Stadtrechtes (Enns, Museum)

102
dem Oeckenfresko. Die Entwicklung der städtischen Siedlung verläuft
parallel mit jener des Legionslagers. Insgesamt konnten hier sieben Bau-
perioden festgestellt werden, die vom Ende des 2. Jh.s bis in das 5. Jh. rei-
chen. Schon bald nach der Gründung hat Lauriacum unter Caracalla das
Stadtrecht erhalten. Eine erste Brandzerstörung, vielleicht in Zusammen-
hang mit einem Einfall der Juthungen, ist in die Jahre zwischen 214-234
n. Chr. zu datieren. Abermalige Zerstörungen hängen mit den kriegeri-
schen Auseinandersetzungen mit den Alamannen zusammen. Unter
Aurelian begann ein genereller Wiederaufbau, der sich wohl über einen
längeren Zeitraum hinzog, da das forum venale und die Thermen erst
unter Diokletian errichtet wurden. Am 4. Mai 304 erlitt der später heilig
gesprochene Florian, ehemaliger Vorsteher der Statthalterkanzlei, in Lau-
riacum den Märtyrertod. Unter der Regierung Kaiser Konstantins erlebte
die Stadt einen neuerlichen Höhepunkt. Konstantins Sohn Constantius
weilte am 24. Juni 341 in Lauriacum; aus diesem Anlaß ist vielleicht ein
Ehrenmal errichtet worden, von dem das Marmorportrait eines kaiserli-
chen Prinzen erhalten geblieben ist. Einer weiteren Brandzerstörung um
die Mitte dieses Jahrhunderts folgte in der Zeit Valentinians ein neuerlicher
Wiederaufbau. ln dieser Zeit entstanden auch die zwei bisher archäolo-
gisch nachgewiesenen frühchristlichen Kirchen, eine davon unter der
St. Laurentius-Basilika auf dem Gelände der Zivilstadt (die zweite im
Legionslager). Die um die Mitte des 5. Jh.s zunächst nach Westen ziehen-
den und nach der Niederlage 451 auf den katalaunischen Feldern wieder
nach Osten zurückflutenden Heerscharen des Hunnenkönigs Attila fügten
der Stadt schweren Schaden zu. Nur mehr an wenigen Stellen kam es zu
einfachen Neubauten aus Holz, die schließlich um 700 endgültig zerstört
wurden.
Sichtbare Überreste
Unter der St. Laurentius-Basilika Baureste, die, nicht unwidersprochen, als
Tempelanlage gedeutet worden sind, über welcher in der Spätantike eine
frühchristliche Kirche errichtet wurde.
Literatur
Swoboda 1937 (1) - Swoboda 1937 (2) - Jenny-Vetters 1953 - Jenny-Vetters
1954 - Noll 1958, 48 - Vetters 1960 - Vetters 1962, 9ff. - Cüppers 1965, 43ft.
- Ubl 1972, 109ff. - Ubl 1973 (1 ), 15ff. - Ubl 1973 (2), 15ff. - Ubl 1973 (3),
112ff. - Ubl 1974 (2), 8ff. - Ubl 1976, 9ff. - Vetters 1977, 367ft. - Eckhart 1981
(2) - Ruprechtsberg er 1981, 15ff. - Winkler 1981, 11 ff. - Weber 1981, 37ff. -
Kneife! 1983, 24 - Ruprechtsberger 1984, 9ff.

103
'

3. Gräberfelder
Lage
An zahlreichen Stellen inner- und außerhalb des Siedlungsgebietes wur-
den Begräbnisplätze festgestellt. Ausgedehnte Gräberfelder liegen vor
allem westlich der Zivilstadt an den beiden antiken Straßen (Kristein, Mit-
terweg), südlich (Espelmayrfeld), südöstlich (Ziegelfeld) und nordöstlich
des Legionslagers (Steinpaß).
Forschungsgeschichte
Kleinere Untersuchungen und Einzelfunde seit der Mitte des 19. Jh.s, erst
ab 1951 systematische Erforschung. Ab diesem Zeitpunkt wurden vor
allem die Gräberfelder Espelmayrfeld, Ziegelfeld und Steinpaß durch
Ä. Kloiber untersucht. Insgesamt wurden über 20 Begräbnisplätze zumin-
dest teilweise erforscht, zuletzt fanden 1978 Untersuchungen durch das
BOA und den Museumsverein Lauriacum (H. Ubl) auf dem Georgenberg
statt.
Archäologischer Befund
ln den Gräberfeldern sind alle römischen Bestattungsarten vertreten.
Brandgräber finden sich vor allem im Bereich Stadelgasse und Georgen-
berg, wo auch schon Körpergräber auftr.eten. An Beigaben reich sind die
Körpergräber des Espelmayrfeldes (Giasgefäße). Im Ziegelfeld, in dem
273 Gräber aufgedeckt wurden, kommen viele Steinkistengräber mit
reichlich Spolien aus einem älteren Gräberfeld vor.
Datierung
Die frühesten Gräber liegen im Bereich der Stadelgasse. Gleichzeitig oder
etwas später sind jene des Georgenberges. Die Belegung des Espelmayr-
feldes beginnt am Ende des 3. Jh.s, jene des Ziegelfeldes in der 2. Hälfte
des 4. Jh.s und reicht bis ins 5. Jh.
Sichtbare Überreste
Im Museum Enns wurden einige Gräber nach Originalbefunden wieder-
aufgebaut, im Gelände keine sichtbaren Überreste.
Literatur
Kloiber 1957 - Noll 1958, 48 - Kloiber 1962 (1 ), 101 ff. - Kloiber 1962 (2) - Tho-
mas 1962, 97ft. - Pichelmayer 1972 - Ubl 1973 (3), 112ft. - Ubl 1974 (2), 8ff. -
Christlein 1978, 148ft. - Sydow 1982, 187ft. - Ruprechtsberger 1982 (2), 36ff.
M.K.

104
ALBING

LEGIONSLAGER
Name
Der antike Name ist nicht bekannt, die alte Gleichsetzung mit dem Marinia-
nio der Tabula Peutingeriana wurde mit Recht auf einen Ort westlich von
Lauriacum festgelegt, ein neuer Vorschlag, das E!egio der selben Quelle
mit dem Legionslager in Verbindung zu bringen, paßt nicht zu der Meilen-
angabe (13 von Lauriacum). ·
Quellen
Keine.
Militär
Legio 1/ltalica pia fidelis gemeinsam mit a/a Antoniniana.
Lage
Östlich der Ennsmündung auf der Niederterrasse der Donau. Der Standort
des Lagers ist ein Plateau, das auch im Süden durch eine sumpfige Niede-
rung abgesetzt ist. Die Limesstraße ist hier nicht vorbeigezogen.
Forschungsgeschichte
1904 wurde auf Grund von Beobachtungen der ortsansässigen Bevölke-
rung mit Versuchsgrabungen im Bereich der Ortschaft Albing begonnen,
wobei die porta decumana aufgedeckt wurde. Diese Grabungen der
Limeskommission der Akademie der Wissenschaften wurden nur noch im
folgenden Jahr mit weiteren Freilegungen fortgesetzt. Seither beschränkt
sich die Bodenforschung auf Fundbeobachtungen.
Archäologischer Befund
Das 568 x 412 m messende, NO-SW-ausgerichtete Lager zeichnet sich
mit 23,3 ha durch seine ungewöhnliche Größe aus. Ergraben bzw. son-
diert sind nur die Umfassung und wenige Mauern des Zentralgebäudes.
Die (rekonstruierte) Nordecke liegt auf einer 6 bis 7 m tieferen Gelände-
stufe und wurde nach Ansicht des Ausgräbers von der Donau weggeris-
sen, was in jüngster Zeit in Frage gestellt worden ist.
Die Lagermauer ist an der Prätorialfront (NO) bis 3,15 m stark, an der
Dekumanfront 1,80 m. Die Maße der Mauern der Prinzipalfronten liegen
dazwischen und nehmen von hinten nach vorne allmählich zu. Wall und
Graben konnten bis jetzt nicht nachgewiesen werden. An den geraden
Strecken der Dekumanfront fanden sich beiderseits der Tore je drei Innen-
türme, an der erhaltenen rechten Prinzipalfront je 4 in ziemlich regelmäßi-

105
-· -..-........

rthor 0 ...........

Stiigen
~ rfl..
Albing, St. Pantaleon. 1 : 25000
(nach ÖK BI. 51)

106
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0 50 100m
I I I I I I I I I I I

Albing. Legionslager. 1:4000


(nach Groller 1907, Tat. III)

107
gen Abständen. Es sind insgesamt 28 Innentürme an den geraden Mauer-
stücken anzunehmen. Die ergrabenen Ecken im Westen und Süden sind
abgerundet, in der Westecke ist innen ein Turm angebaut, die übrigen sind
nicht näher untersucht. Von den Toren ist die porta praetoria mit 3 Durch-
fahrten zwischen 2 vorspringenden Türmen und 2 Mittelpfeilern ausge-
stattet. Die porta principalis dextra (und wahrscheinlich auch das nicht
erhaltene Tor der linken Langseite) besitzt 2 Durchfahrten, die porta decu-
mana nur eine. Von der porta praetoria in das Lagerinnere wurde die via
praetoria auf eine Länge von 80 m mit 4,50 m Breite festgestE?IIt.
Die Innentürme haben eine Mauerstärke von 1,80 m und messen im Lich-
ten des Innenraumes bei etwa quadratischem Grundriß zwischen 3,55
und 4,20 m. Bei Turm XII und bei der porta principa!is dextra wurde eine
Festigung des Untergrundes durch eingegrabene Piloten festgestellt.
Ziegel mit Stempeln der !egio 1/lta!ica wurden bei der porta principa!is dex-
tra gefunden, aus Gräbern westlich des Lagers stammen Ziegel mit Stem-
peln des Ursicinus.
Geschichte, Datierung
Die Fragen der Errichtungszeit und Benützungsdauer des Albinger Lagers
sind eng mit der Geschichte der !egio II !ta!ica und dem Lager Lauriacum
verknüpft. Die Legion wurde 165/66 im Hinblick auf die drohenden Marko-
mannenkriege ausgehoben und garnisonierte zunächst gemeinsam mit
der a/a Antoniniana in Locica nahe Cilli/Celje. Ihre Verlegung an den
Donaulimes dürfte in die Jahre um 173 fallen. Nach allgemeiner Ansicht
baute sie zunächst das Lager Albing, gab dieses aber nach relativ kurzer
Zeit zugunsten von Lauriacum auf. Sowohl Zeitpunkt als auch Ursache der
Verlegung sind reichlich diskutiert worden. Zwei Bauinschriften aus dem
Lager Lauriacum, die allerdings sehr fragmentarisch erhalten sind, lassen
den Bauabschluß dort - und damit die endgültige Aufgabe von Albing -
auf die Jahre 201 oder eher 205 festlegen. Ein kleiner Altar für den Genius
der Legion, gestiftet vom primuspilus M. Gavius Firmus aus dem Jahr 191,
wurde wohl in Lauriacum in der Laurentiuskirche gefunden, kann aber von
Albing her mitgebracht sein.
Nach einer neueren Behandlung dieser Fragen hätten die Lager Albing
und Lauriacum nebeneinander bestanden, wobei Albing während der
Bauzeit (175-192) von Lauriacum als Provisorium gedient hätte.
Als Ursache für die Verlegung wird, auf den Ausgräber zurückgehend,
angenommen, daß Bedrohung durch Hochwässer, steigendes Grundwas-
ser und der Rückstau der Enns die Aufgabe des Lagers Albing erzwungen
hätten. Für die Erkenntnis dieser Gefahren auf dem inselartigen Plateau
schon durch die Bauleute der Errichtungszeit spricht die erwähnte Pilotie-
rung bei Turm XII und bei der porta principa!is dextra. Der Einwand, daß
den erfahrenen castrametatores diese falsche Platzwahl nicht zuzutrauen

108
Albing. Legionslager. Porta principalis dextra

sei, wird durch die jüngste Feststellung einer deutlichen Klimaverschlech-


terung gerade in der fraglichen Zeit entkräftet, da eine solche sicher nicht
abschätzbar oder vorhersehbar war. Die Ursicinus-Ziegel, die in nahe
gelegenen Gräbern sekundär verbaut waren, sprechen für eine spätantike
(valentinianische) militärische Bautätigkeit, die sich in dem geringen doku-
mentierten Befund allerdings nicht näher erkennen läßt.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Groller 1906, 41 - Groller 1907, 157 - Pascher 1949, 7 - Hampl 1960, 111 s .v.
St. Pantaleon - Stiglitz 1965, 7 4 - Winkler 1971 (1 ), 85 - Ubl 1975 (1 ), 145 -
Vetters 1977, 355 - Winkler 1981, 11 - Ubl 1983, 16 - Eckhart 1984, 17 -
Ruprechtsberger 1985 (2) , 13.
H.V.

109
''
''
''
''
'' '
' '

0 5m St. Pantaleon. Ziegelofen. 1 : 100


(nach Stiglitz 1969, 71 Abb. 1)

ST. PANTALEON
MILITÄRZIEGELEI
Lage
Am Westufer der Erla in der Uferböschung auf der Flur Ziegelfeld.
Forschungsgeschichte
Nach reichen, schon früher gemachten Ziegelfunden wurde 1964 im Zuge
einer Notgrabung anläßlich einer Flußregulierung ein Ziegelofen freigelegt.
Archäologischer Befund
Der Heizschlauch war Y -förmig gegabelt. Die Ziegel trugen einerseits Pri-
vatstempel FIG SAß, andererseits auch Stempel der Lauriacenser Legion:

110
0
• I J I

St. Pantaleon. Ziegelstempel


(nach Stiglitz 1969, 73 Abb. 2)

111
LEG 11/TALAI[TE]MP VR[S . . .] VP[ . .. doch auch Kombinationen: [F/G]
LEG II/TAL SAß. Diese kombinierten Stempel und auch der gelegentliche
Zusatzstempel VEN geben Anlaß zu Überlegungen bezüglich der Über-
nahme bzw. Beschlagnahme einer ursprünglich privaten Ziegelei durch
das Militär.
Datierung
Spätantik.
Literatur
Pascher 1949, 158f. s. v. Wagram-Stegen - Stiglitz 1969. H.Z.

AU/ENGELBACHMÜHLE

BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Nach den Ziegelstempeln legio 11/talica.
Lage
An der Mündung eines Baches aus dem Hügelland südlich der Donau in
diese.
Forschungsgeschichte
Ältere Nachrichten über Baureste waren nicht ganz klar, 1979 wurde ein
burgus festgestellt.
Archäologischer Befund
Der Grundriß ist vermutlich quadratisch. An Ziegelstempeln sind solche
der /egio 11/talica mit dem Zusatz Ursicinus zu nennen.
Datierung
Spätantik.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Pascher 1949, 32 - Stiglitz 1965, 111 s. v. Strengberg - Ubl 1980, 590.
H.Z.

112
WALLSEE- AD IUVENSE?

KASTELL

· Wallsee- Ad luvense? 1:25000


(nach ÖK BI. 52)

Name
Zwischen den beiden lokalisierten und namentlich fixierten Lagern Lauria-
cum (Lorch/Enns) und Aretape (Pöchlarn) führt die Notitia dignitatum zwei
Kastelle, Locus Felicis und Ad luvense, an. Neben dem bekannten Kastell
in Mauer an der Url wurde lange Ybbs für das zweite Kastell in Anspruch
genommen, obgleich dort keinerlei Funde darauf hinwiesen. Seit der Auf-
findung des Kastells in Wallsee im Jahre 1966 sind nun beide Kastelle ein-
wandfrei festgestellt, wenn auch über die antiken Namen die Diskussion
noch nicht abgeschlossen ist. Wenn man von der offensichtlich richtigen
Annahme ausgeht, daß sowohl die Aufzählung der Kastelle als auch die
der Einheiten innerhalb der Truppenkörper von Westen nach Osten
erfolgt, müßte das westlicher liegende das zuerst genannte an der Heer-
straße errichtete Locus Felicis sein. Eine Hilfe bei der Zuordnung der
Kastelle zu den modernen Orten könnte auch aus den in der Notitia digni-

113
tatum angeführten Truppen, equites sagittarii in Locus Felicis bzw. eine
Abteilung liburnarii der legio I Noricorum in Ad luvense gewonnen werden,
wenn man berücksichtigt, wo diese sehr verschiedenen Truppengattun-
gen am zweckmäßigsten eingesetzt waren. Vielleicht kann hier auch der
etymologische Deutungsversuch des Namens Ad luvense = "das auf
dem Berg (-Joch) Gelegene" von R. Egger herangezogen werden, da er
für die Lage Wallsees genau zutrifft.

Quellen
Da aus der antiken Literatur keine eindeutige Zuweisung erfolgen kann,
wären die aufgefundenen Truppenstempel zu berücksichtigen:
Kohortenstempel: 5 C!AB (cohors I Aelia Brittonum)
Legionsstempel: 1 [L] EG X GPF, 2 frühe LEG II I[T], 12 LEG 11/T, verbun-
den mit Ursicinus dux, davon 1 Stempel mit Zusatz ALA . .. , ein weiterer
mit dem Zusatz PET.

Militär
Nach den häufigen Stempelfunden ist die cohors I Aelia Brittonum mil!iaria
als Garnison von Wallsee anzunehmen. Nach den Markomannenkriegen,
gleichzeitig bzw. nach der Gründung der Legionslager Albing und Lauria-
cum hat die legio II !ta!ica Ziegel nach Wallsee geliefert.

Lage
Auf einer aus dem Hügelland gegen die Donau vorspringenden Terrasse
liegt eine im Süden von der Pfarrkirche Sindelburg, im Norden vom
Schloß begrenzte fast ebene rechteckige Fläche. Sie fällt gegen Osten
und Westen zunächst etwa 3 m, dann ca. 45 m steil zum Schwemmland
der Donau ab. Die alte Postgasse, die Schulgasse und der Donauberg
markieren den Lagergraben. Nach Süden zu wurde das Kastell durch zwei
Annäherungshindernisse geschützt: das eine liegt am Tiefenweg, das
zweite, ein aufgeschütteter Wall, am Mitterweg.

Forschungsgeschichte
Bis 1966 wurde Wallsee zwar als Platz eines Kastells für möglich gehalten,
die Bestätigung dieser Vermutung gelang aber erst durch die ab 1966
erfolgte schrittweise Entdeckung des Lagers durch E. TschoH. 1967 San-
dlergrabung auf Schloßgrund (H. Stiglitz), 1971 Grabung an der Ostmauer
des Kastens (H. Stiglitz), 1972 Grabung im Schulhof (H. Stiglitz), 1978 Gra-
bung an läßlich des Neubaues der Raiffeisenkasse (H. Ubt), im gleichen
Jahr Entdeckung eines milchverarbeitenden Betriebes durch E. Tscholl auf
Parz. 35/2, 1985 Bergung von Funden in einem Abfallgraben auf Parz.
222/3.

114
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0 50m

Wallsee- Ad luvense? Kastell. 1:2000


(nach Tscholl 1978, 114 Abb. 1)

Archäologischer Befund
Die NO-Ecke des Kastells liegt im Bereich der St. Anna-Kapelle. Der Ver-
lauf der Umfassungsmauern wird angedeutet durch die Schulgasse, deren
Knick nach Westen im Bereich der alten Schule die SO-Ecke des Kastells
einschließt. Jenseits des Marktplatzes markiert die alte Postgasse den
weiteren Verlauf der Kastellmauer. Bei den verschiedenen Untersuchun-
gen konnten mehrere Bauperioden festgestellt werden: 1. Holz-Erde-
Kastell (Grabung 1978), 2. 0,90 m breite Steinmauer im Bereich der
Schulgasse (Grabungen 1967, 1971 ), 3. Kastellmauer mit einer Breite von
2,20 m. Die an verschiedenen Stellen angeschnittene Mauer erlaubt eine
Rekonstruktion der Lagerfläche von 200 x 160 m. Im Bereich des Markt-
platzes wurden Teile der principia angeschnitten. Deren Fundamentmau-
erwerk hat Stärken von 1,80 und 2,50 m. 4. Bei den Grabungen 1972 im

115
Wallsee - Ad luvense? Marmortorso eines Genius (Sig . E. Tscholl, Wallsee)

Schulhof in der Südostecke des Kastells wurde als letzte Bauperiode ein
Kleinkastell festgestellt. Die neu errichteten Mauern weisen eine Stärke
von 2,20 m auf. Davor wurden in einem Bereich von 40-60 m alle Bau-
werke geschleift. Im Bereich des Kastells hat sich im Laufe der Zeit eine
bis zu 1 ,20 m starke Abraumschichte entwickelt, außerhalb des Kastells
ist sie nur 0,60-0,80 m stark.
Geschichte, Datierung
Nach den Sigillata-Funden und den im Schloß aufbewahrten Fundmünzen

116
wie auch nach den Ziegelstempeln verschiedener Truppenkörper läßt sich
eine Belegung des Kastells vom letzten Drittel des 1. Jh.s n. Chr. bis in die
Spätantike erschließen.
Sichtbare Überreste
Grabsteine im Schloß und im Stiegenhaus des Rathauses. Kleinfunde als
Leihgabe im Schaukasten des Gemeindeamtes. Funde in der Slg. Tscholl.
Literatur
Schabes 1966 - Moßler-Stiglitz 1970, 81 - Stiglitz 1970 (2), 140 - Stiglitz 1971,
87, 149 - Stiglitz 1973 (1 ), 45ft. - Eckhart 1976 - Habsburg-Lothringen 1976 -
Habsburg-Lothringen 1977 - Egger 1977, 268ft. - Tscholl 1978, 109ff. - Ubl
1978 - Tscholl 1979, 111 ff. - Ruprechtsberger 1980 (2) - Ubl 1983, 16ft. -
Tscholl 1986 (im Druck).
E. T.

MAUER AN DER URL- LOCUS FELICIS?

1. KASTELL, 2. DOLICHENUSHEILIGTUM, 3. GRÄBERFELD


Name, Quellen
Antiker Name in Diskussion, vielleicht das Locus Fe!icis der Notitia digni-
tatum (vgl. bei Wallsee).
Militär
Nach Notitia dignitatum Occ. XXXIV 33 equites sagittarii.
Lage
An der die Munizipien Wien- Vindobona - St.Pölten-Cetium - Lorch/
Enns- Lauriacum verbindenden Hauptstraße, jedoch rund 10 km südlich
des Donaulimes am rechten Ufer des Urlflusses.
Forschungsgeschichte
Grabungen der Limeskommission 1907-1910, 1937 Bergung des
Dolichenusfundes, Baubeobachtungen 1971.
Archäologischer Befund
1. Holz-Erde-Kastell: Bei Kanalisierungsarbeiten auf der Hauptstraße wur-
den 1971 in der Nähe des Steinkastells zwei Spitz- bzw. Palisadengräben
angetroffen. Steinkastell: Grundriß eines schiefwinkeligen Parallelogram-
mes mit abgerundeten Ecken von rund 200 x 160 m Seitenlänge. Der

117
Mauer an der Url - Locus Felicis? 1:25000
(nach ÖK BI. 52)

Großteil des Nordwestquadranten von der Url weggerissen. An der West-


und Ostseite je ein Tor, flankiert von je zwei nach innen einspringenden
Türmen quadratischen Grundrisses. An der südlichen Kastellmauer vier
rechteckige, beidseitig vorspringende Türme. Funktion und Periodisierung
der aufgedeckten Innenbauten ist unklar. Der vorliegende Plan ist offen-
sichtlich spätzeitliehen Charakters.
Im Fundgut überwiegt das 4. Jh. (besonders Münzen und Ziegel), doch
fehlt es keineswegs an Material aus früheren Jahrhunderten.
2. Etwa 40 m von der südlichen Kastellmauer entfernt wurde in einer Ber-
gegrube das aus der ersten Hälfte des 3. Jh.s stammende Inventar eines
Dolichenusheiligtumes entdeckt.
3. Ein ausgedehntes Gräberfeld (wenige Brandgräber, überwiegend Kör-
perbestattungen) liegt südlich des Kastells.
Geschichte, Datierung
Die zeitliche Stellung des Holz-Erde-Kastells ist ungewiß. Das Steinkastell
muß spätestens seit dem 3. Jh. bestanden haben. Seine defensivstrategi-
sche Aufgabe bestand in der Sicherung des Hinterlandes zwischen Enns-

118
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Mauer an der Url - Locus Felicis? Kastell . 1 : 2 000


(nach Noll 1980)

und Ybbsmündung. Die Lage der vorauszusetzenden Zivilsiedlung ist


mangels entsprechender Bodenaufschlüsse unbekannt.
Sichtbare Überrreste
Keine.
Literatur
Stiglitz 1971, 71 - Noll 1980, 9ff.
R. N.

119
Mauer an der Url - Locus Felicis? Bronzestatuette des Jupiter Dolichenus (Wien,
Kunsthistorisches Museum, Antikensammlung)

120
Mauer an der Url - Locus Felicis? Dreieckige Bronzetafel aus dem Dolichenus-
fund, gestiftet vom decurio Postumius Celer (Wien, Kunsthistorisches Museum,
Antikensammlung)

121
YBBS

BURGUS
Quellen
CIL 111 5670a.
Militär
Als bauausführende Truppe des burgus sind milites auxiliares Lauriacen-
ses genannt. Die legio I Noricorum ist durch einen Ziegelstempel vertre-
ten.
D·D·D ·N • N · N ·VALENTINIANI·VALENTI
S·ET·GRATIANI • PERENNIVM·AVGVSTOR
VM • SAL VBERRIMA · IVSSIONEM · HVNC
.tic BVRGVM A EVNDAMENT!S·ORDINANTE
:, VIRO • CLARISSIMO ·EQYITIO:COMITE·E1
VTRIVSQYAE • MILITIAE • MAGISTRO • I
NS!STENTE • ETIAM • LEONTIO · P·P·MIU
TES · AVXILIARES · LAVRIACENSES • CV
RE · E!VS - CONMISSI •. CONSVLATVS p. C. 370
10 EORVNDEM · DOMINORVM • PRIN
CIPVMQYE • NOSTRORVM • TERT!I · AD
SVMMAM • MANVM · PERDVXSERVNT
PERFECT!ONES

Ybbs. Burgus. Bauinschrift aus dem Jahr 370 n. Chr.

Lage
An der Mündung des Ybbs-Fiusses in die Donau, die hier eine Schlinge
bildet.
Forschungsgeschichte
Die Bauinschrift eines burgus wurde 1508 gefunden, nach Wien gebracht
und ist heute verschollen.
Archäologischer Befund
Inschrift und Ziegel sind Streufunde, systematische Grabungen wurden
nicht durchgeführt. Die Inschrift wurde auch für römerzeitliche Baureste in
Neumarkt a. d. Ybbs in Anspruch genommen, deren Charakter als burgus
allerdings unbewiesen ist.

122
Datierung
Die Bauinschrift ist auf 370 n. Chr. zu datieren, die Ziegel gehören der
Spätantike an.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
CIL 111 5670a - Pascher 1949, 182f. - Stiglitz 1965, 116 - Ubl 1975 (1 ), 1.57 -
Melzer 1965, 99 s. v. Neumarkt
H.Z.

NEUMARKT AN DER YBBS - AD PONTEM ISES?

WACHTTURM
Name, Quellen
Tabula Peutingeriana IV 6: Ad pontem lses. Der Name wird verschrieben
für Pans lvesis angenommen.
Lage
Am Übergang der Limesstraße über die Ybbs. Die Entfernungsangabe der
Tabula Peutingeriana mit 8 Meilen von Arelape (Pöchlarn) paßt auf diese
Stelle.
Forschungsgeschichte
Ergraben 1961 bei einer Notgrabung aus Anlaß der Anlage einer Schotter-
grube.
Archäologischer Befund
Rechteckiger Bau mit Stiegenabgang und den Innenmaßen 4,30 x 2,90 m,
wahrscheinlich ein Wachtturm. Ein 35 m entfernter Grabenrest wird eben-
falls in römische Zeit gesetzt. Gegen einen Zusammenhang mit der aus
Ybbs überlieferten burgus-Bauinschrift (CIL 5670 a) spricht die geringe
Größe des ergrabenen Gebäudes.
Datierung
Keine engere Eingrenzung möglich.
Literatur
Stiglitz 1965,99- Melzer 1965,99- Friesinger 1974, Taf.41 - Ubl1975 (1), 157.
H.Z.

123
SARLING

WACHTIURM (?)
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Unter der Pfarrkirche St. Veit außerhalb der Ortschaft.
Forschungsgeschichte
Drei schriftlose Altäre als Zufallsfunde. Grabungen in der Kirche 1961,
1962, 1965 und 1969.
Archäologischer Befund
Fragmentarischer Grundriß eines rechteckigen Gebäudes mit 2,60 m
innerer Breite. Als Deutung wird vom Ausgräber "Sakralbau oder Wacht-
turm" vorgeschlagen, die Altäre sprechen vielleicht eher für die erstge-
nannte.
Geschichte, Datierung
Genauere Hinweise fehlen.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Stiglitz 1965, 106 - Melzer 1975.
H.Z.

PÖCHLARN - ARELAPE

1. KASTELL, 2. DONAUHAFEN, 3. MILITÄRZIEGELEI, 4. SIEDLUNG,


5. GRÄBERFELD
Name
Der in den antiken Quellen mehrfach, wenn auch nicht einheitlich, überlie-
ferte Ortsname ist bisher unbestritten auf Pöchlarn bezogen worden. Der
vorrömische Flußname hat sich an der knapp westlich von Pöchlarn in die

124
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Pöchlarn - Arelape. 1 : 25 000
(nach ÖK BI. 54)

Donau mündenden Erlauf erhalten, er wurde bereits relativ früh in das Bai-
rische übernommen ·

Quellen
Nahezu alle geographischen Quellen nennen den Ort: Ptolemaios 2, 13, 3
CAQEA<i tE); Tabu Ia Peutingeriana IV, 5 (Arelate); Itinerarium Antonini 234,
3; 248, 5 (Arelape); Notitia dignitatum Occ. XXXIV 34 (equites Dalmatae
Arelape) und XXXIV, 42 (praefectus classis Arlapensis).
Militär
1. Nach den ältesten Funden fällt die Errichtung des Lagers in die 2. Hälfte
des 1. Jh .s n. Chr. Inschriftlich ist durch den Grabstein des Pom[p]eius
Celer die cohors I Flavia Brittonum belegt, die ab etwa 130 n. Chr. hier gar-
nisoniert hat. Für die Spätantike ist eine Reitertruppe (equites Dalmatae)
bezeugt.
2. Ebenfalls für das 4./5. Jh. n. Chr. wird der Kommandant einer Flottenein-
heit (praefectus classis Arlapensis) überliefert.
3. Die auf spätantiken Ziegelstempeln donauabwärts von Pöchlarn häufige

125
Werkstattangabe OF AR beziehungsweise OF ARN wurde als officina
Arlapensis (nova) aufgelöst und auf einen militärischen Ziegeleibetrieb
valentinianischer Zeit am Ort bezogen.
Lage
1. Der Platz ist durch die Mündung der Erlauf in die Donau markant, es
entspricht ihm aber kein Handels- oder Einfallsweg am linken Donauufer.
Für das heutige Stadtgebiet, auf dem auch die Reste der römischen Befe-
stigungsanlagen liegen, wird bis in die frühgeschichtliche Zeit eine Insel-
lage zwischen dem Hauptstrom und einem südlichen Nebenarm der
Donau angenommen. Das alte Donauufer (Wagram) liegt etwa 1,5 km
südlich der Stadt.
2. Der Donauhafen wird in dem südlich der Stadt tief liegenden und einen
ehemaligen Donauarm darstellenden Gebiet vermutet. Er lag damit zwi-
schen der Zivilsiedlung und dem "Inselkastell" unter der Stadt.

Pöchlarn - Arelape. Grabstein des mi/es


Pompeius Celer der cohors I Brittonum
(Pöchlarn, Heimatmuseum)

126
3. Die aus den Ziegelstempeln erschlossene Ziegelei ist nicht lokalisiert.
Es gibt auch keinen Hinweis dafür, sie mit dem "Töpferofen" südöstlich
der Stadt in Verbindung zu bringen.
4. Die Zivilsiedlung wird nach reichlicheren Funden im Raum Harlanden -
Erlauf, 3 bis 4 km südwestlich des Kastells, angesetzt.
5. Die Grabfunde konzentrieren sich im Ostteil der Stadt bis zum Friedhof.
Ein einzelner Grabbauteil kam auch westlich des Kastells, im Bereich von
Brunn, zutage.

Forschungsgeschichte
Die Identifizierung von Pöchlarn mit Aretape geht bereits auf den Humani-
sten W. Lazius zurück. Die Stadt und ihre Umgebung waren schon früh
Schauplatz auch umfangreicher Grabungen, deren Dokumentation und
Publikation allerdings nur wenig brauchbar sind: 1856 Teil eines Bades bei
Harlanden, um 1900 "Kalt- und Warmbad" knapp östlich des Kastellberei-
ches und Töpferofen 2 km südöstlich der Stadt. Zu den Befestigunganla-
gen liegen nur einzelne Aufschlüsse, die 1927 und 1982/83 bei Kanalver-
legungen beobachtet wurden, vor. Im Anschluß an die älteren Beobach-
tungen hat Nowotny versucht, 2 einander ablösende Kastelle zu rekon-
struieren, das Ergebnis ist z. T. auch in den Baualterplan A. Klaars und in
die moderne topographische Literatur eingeflossen. Die jüngeren Beob-
achtungen, die allerdings erst als Fundmeldurigen vorliegen, lassen eine
Klärung der verschiedenen Kastellbauten und -phasen erhoffen.

Archäologischer Befund
1. Reste römerzeitlicher Verteidigungsbauwerke, Spitzgräben und Mau-
ern, wurden im Westen der Stadt (Jubiläumsstraße), im mittelalterlichen
Zentrum (Thörringplatz, Kirchenplatz) und im Süden (0. Kokoschkastraße)
festgestellt. Als gesichert kann gelten, daß verschiedene Kastellbauten
einander zeitlich folgen und daß mit Beschädigungen an ihrer Nordseite
durch die Donau zu rechnen ist, die auch zu den Neubauten Anlaß gege-
ben haben können.
2. Ob "schwere eiserne Ringe an der felsigen Begrenzung des einstigen
Donaulandes" 1,6 km südlich der Pfarrkirche von Pöchlarn, die 1905
schon verschwunden waren, als römerzeitliche Anlegesteile gedeutet
werden können, muß dahingestellt bleiben.
3. S. Lage.
4. Auf einer Wiese bei Harlanden wurden 1856 Teile eines Bades, "einige
hundert Schritt südwestlich von Erlauf" 1877 ein nicht deutbares Gebäude
ausgegraben. Für Relief- und Inschriftsteine ist Harlanden oft als Fundort
angegeben. Die über dem überschwemmungsgefährdeten Gelände gele-
genen Fundorte lassen auch den Verlauf der Limesstraße hier vermuten.

127
5. Vereinzelte Brandgräberreste kamen als Zufallsfunde zutage, über 20
Körpergräber konnten systematisch gehoben werden.
Geschichte, Datierung
Nach den Funden fällt die Errichtung des Lagers in die 2. Hälfte des 1. Jh.s
wie bei den meisten Kastellen des norischen Donaulimes. Da der Befund
die Feststellung gesicherter Umbauphasen nicht erlaubt, kann nur auf die
erwähnten Truppenkörper verwiesen werden. ln Übereinstimmung mit der
Nennung in der Notitia dignitatum reicht die Belegungszeit e.ines ausge-
grabenen Gräberfeldteiles bis in die 1. Hälfte des 5. Jh.s n. Chr. Aus der
Nichterwähnung von Aretape in der Vita S. Severini kann nicht der Schluß
auf die Zerstörung um die Mitte des 5. Jh.s gezogen werden.
Sichtbare Reste
Im Gelände keine, an der Kirche sind Reliefsteine eingemauert.
Literatur
Gärtner-Weigelsperger 1857 - Dung! 1880, XCIV - Kubitschek 1906 (2), 34f.
Anm. 2 - Nowotny 1928, 36ff. - Pascher 1949, 47 s. v. Harlanden, 111 s. v. Pöch-
larn- Egger 1954- Wais 1961-65, 100- Stiglitz 1965, 86f. s.v. Harlanden, 102
s. v. Pöchlarn - Wais 1966-70, 81 - Eheim 1967, bes. 8f. und 215ff. (K. Wais) -
Stiglitz 1967 - Klaar 1972 (Baualterplan) - Ubl 1975 (1 ), 154 - Ubl 1979 (3) pas-
sim - Melzer 1982, 291 f. - Melzer 1983, 301.
H.Z.

MELK/SPIELBERG

BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
An der donauseitigen Kante eines spornartig vorspringenden Plateaus
unter der Zufahrt zur Donaubrücke.

128
,j .D.

Melk/Spielberg. 1:25000
(nach ÖK BI. 55)

Forschungsgeschichte
1969 bei Notgrabungen vor dem Bau der Zufahrtsstraßen zur Donau-
brücke erfaßt. Das Material wird derzeit im Rahmen einer Diplomarbeit von
S. Leeb am Institut f. Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien ausge-
wertet.
Archäologischer Befund
Kreisförmiger Bau mit einem Außendurchmesser von 15m bei einer Mau-
erstärke von ca. 0,80 m. Das Mauerwerk ist stark ausgerissen. Zugehörig
sind eine Abfallgrube und wahrscheinlich drei Backöfen, in denen auch
Ziegel aus der Zeit des valentinianischen Limesausbaues angetroffen wur-
den.
Datierung
An Hand von Münzen in die zweite Hälfte des 4.Jh .s.
Sichtbare Überreste
Keine, da beim Straßenbau zerstört:

129
0 5 10m
I I I I I I Melk/Spielberg. Burgus. 1:400

Literatur
Adler 1970 - Offenberg er 1970, 171 - Ubl 1975 (1 ), 157 - Ubl 1980, 591.
H.Z.

BACHARNSDORF

BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
An der Einmündung des Kupfertales in die Wachau. Im Kupfertal sind
Geleise einer Altstraße erhalten, der burgus sollte diesen Zugang zum
Dunkelsteiner Wald kontrollieren.
Forschungsgeschichte
Der stets sichtbare Bau wurde in den frühen sechziger Jahren als römer-
zeitlich erkannt und 1985 durch das BOA restauriert.

130
Bacharnsdorf. 1 : 25 000
(nach ÖK BI. 37)

Archäologischer Befund
Die Außenmaße betragen 12,2 x 12,2 m, die Mauern sind ca. 1 ,50 m
stark, im dritten Geschoß ist eine Fensteröffnung sichtbar. Die Unterkelle-
rung ist nicht antik.
Datierung
Spätantik.
Sichtbare Überreste
Mitten im Ort, zwischen Bundesstraße und Donau, ist der Bau, angelehnt
an ein mittelalterliches Gehöft (Nr. 7), bis in das dritte Geschoß erhalten.
Literatur
Stiglitz 1965, 75 - Stiglitz 1970 (2), 283 - Ubl 1975 (1 ), 157 - Ubl 1980, 591.
H. Z.

131
INN~NANSICHT SÜDMAUER

-.------- ..... ---:---- ..... --....---- ......................... --------------------------------

GiSAMTGRUNDRISS HORIZONTALSCHNITT V
GESCHNITTEN lm ÜBER REZENTEM NIVEAU
DRAUfSICHT AUf DAS ERGRABE:NE fUNOAI•IENT

Bacharnsdorf. Burgus. 1 : 200

132
I

Rossatz/Windstallgraben. 1:25000
(nach ÖK BI. 37)

ROSSATZ/WINDSTALLGRABEN

BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Am Ausgang des Windstallgrabens zur Wachau.
Forschungsgeschichte
Ein Miltärbau war an dieser Stelle schon lange vermutet worden . Die
Bedeutung der Mauern wurde in den frühen 60er-Jahren erkannt.

133
Archäologischer Befund
Der Bau mißt 12,40 x 12,40 m, seine Mauern sind bis zu 1 ,50 m stark.
Datierung
Spätantik.
Sichtbare Überreste
Die Mauern sind östlich der Ortschaft Rossatzbach neben der Straßen-
brücke über den aus dem Windstallgraben fließenden Bach sichtbar.
Literatur
Pascher 1949, 123 - Kainz 1965 - Ubl 1975 (1 ), 157 - Ubl 1980, 591.
H.Z.

MAUTERN - FAVIANIS

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELDER


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Mautern - Favianis. 1:25000


(nach ÖK BI. 37)

134
j
0 50m
1/
Mautern - Favianis. Kastell. 1:2000

135
Name, Quellen
Der Name Favianis (Fafianae) ist in den spätantiken Quellen der Notitia
dignitatum und der Vita S. Severini des Eugippius überliefert.

Militär
Die militärischen Einheiten sind aus Ziegelstempeln bzw. aus den Anga-
ben der Tabula Peutingeriana zu erschließen. Die Stammeinheit bildete
die cohors I Aelia Brittonum milliaria. Der Zeitpunkt ihrer Verlegung nach
Mautern ist unbekannt, vielleicht lag sie vorher im Kastell von Wallsee, wo
mehrere entsprechende Ziegelstempel gefunden wurden. Ihre Vorgänge-
rin in Mautern, die das Steinlager erbaut haben wird, könnte die cohors I
Batavorum milliaria gewesen sein, die 98 n. Chr. noch in Pannonien belegt
ist, von wo sie an einen nicht bekannten Garnisonsort in Norikum transfe-
riert wurde. Der Aufenthalt dieser Truppe in Mautern läßt sich aus einem
Militärdiplom und einem nicht eindeutigen Ziegelstempel nur vermuten.
Die Garnisanierung der in der Notitia dignitatum genannten legio I Nori-
corum in Mautern ist durch Ziegelstempel bewiesen.

Lage
Abseits der römischen Hauptstraße am Ende der Wachau an einem vorrö-
mischen Donauübergang. Das moderne Mautern entwickelte sich inner-
halb des ehemaligen Kastells. ·

Forschungsgeschichte
1825 wurden die ersten Funde aus Mautern (Gräber) vermerkt. Grabun-
gen setzten aber erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts durch
A. Dungl, Abt von Göttweig, und L. Karner ein, durch welche die Umrisse
des Kastells festgelegt werden konnten. ln der Zwischenkriegszeit kam es
zu einer Reihe von Untersuchungen (Gräber, Töpferofen, Badeanlage,
villa rustica mit Keller). Nach dem zweiten Weltkrieg Arbeiten durch das
ÖAI, dabei vor allem Feststellung des Severinklosters und zahlreiche
Beobachtungen zum Kastell.

Archäologischer Befund
1. Holzerdekastell: Nur den Kleinfunden nach zu erschließen, keine Bau-
befunde.
Steinkastell: Die faßbare, zu einem Großteil sogar noch im Aufgehenden
erhaltene Befestigungsmauer des Steinkastells umschließt ein Areal von
180 x 240 m, das in der Spätantike um die Hälfte verringert wurde. Eine
Grabung innerhalb des Nordabschnittes hat allerdings statt der erwarteten
Kasernenreste nur eine starke Brandschichte ergeben. Der Kastellumbau
zeigt sich auch in einem gut erhaltenen Fächerturm, der dieNW-Ecke des

136
(
\

Mautern - Favianis. Kastellfront an der Nordwestseite mit Turm

neuen, verkleinerten Kastells darstellt. Ein Hufeisenturm in der Westmauer


des Kastells ist vermutlich ebenfalls im Zuge dieses Kastellumbaues als
Teil einer neuen Toranlage entstanden. Die alte porta praetoria an der
Nordseite (unter dem Nordtrakt des Schlosses liegend) dürfte in der Spät-
antike in eine selbständige kleine Befestigung umgewandelt worden sein,
aus der die 985/91 urkundlich genannte Eparesburch hervorgegangen ist.
Von der porta decumana wurde bei einem Kelleraushub die Basis eines
Eckpfeilers gefunden. Die porta principa/is dextra liegt im Bereich des
Nikolaihofes, unter dessen Nordtrakt das Untergeschoß eines hufeisen-
förmigen aus der Kastellmauer vorkragenden Turmes liegt, der vermutlich
zur Toranlage gehörte.
Weiter östlich ist der Verlauf der antiken Straße, die auf das Areal des
Nikolaihofes zuläuft, gesichert.
2. Im Osten, Süden und z. T. auch im Westen des Kastells nachgewiesen.
Häufig liegen unter den Häusern Kellerräume mit Wandnischen. Ein klei-
ner keltisch-römischer Tempelbezirk mit einem Vierecktempel und meh-
reren kleinen Tempelehen wurde an der Grenze des Militärareals ange-
schnitten, aber noch nicht vollständig ergraben .

137
Mautern - Favianis. Militärdiplom

3. Das größte liegt östlich der Stadt im Bereich der modernen Kaserne
und besteht zum überwiegenden Teil aus Körperbestattungen . Innerhalb
dieses Gräberfeldes stand ein kleines Heiligtum für die Unterweltsgötter,
in dem eine Fluchtafel geborgen worden ist. Ein zweites Gräberfeld, in
dem auch Brandbestattungen angetroffen wurden , liegt südöstlich der
Stadt in der Baumgartnerstraße.
Geschichte, Datierung
Holzerdekastell: Nach den Kleinfunden (Keramik, Münzen) in der 2. Hälfte
des 1.Jh.s n.Chr. errichtet.
Steinkastell: Analog zu den benachbarten Kastellen ist mit einem Umbau
unter Trajan zu rechnen.
ln der späten Kaiserzeit wurde ein grundlegender Umbau geplant, aber
offenbar nur zum Teil ausgeführt. Vermutlich infolge der Truppenreduzie-
rung wurde das Kastell um die Hälfte verkleinert und blieb nur in seinem
südlichen Teil bestehen. Die nördliche Hälfte diente als Fluchtburg.

138
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-
Mautern - Favianis. Halsschmuck aus Gräbern

Mautern - Favianis. Glasgefäße aus Gräbern

139
Frühes Christentum: Die Vita S. Severini nennt Favianis mehrmals als ein
Zentrum des Wirkens des Heiligen. Hier gründete er ein Kloster, in dem
er auch starb und vorübergehend beigesetzt wurde. Dieses Kloster,
bestehend aus einem von einer Mauer umschlossenen Bezirk, in dem
zwei Gebäude standen, wurde zwischen dem Kastell und dem östlich
davon liegenden Gräberfeld gefunden. Eines der Gebäude diente als
Wohnhaus, das zweite, aus zwei Räumen bestehend, ist auf Grund der
Priesterbank und eines zur Aufstellung eines Altares dienenden Funda-
mentes als Kirche zu deuten. Ungeklärt ist die Lage der spätantiken
Bischofskirche, die innerhalb der Befestigungsanlage zu suchen ist. Sie ist
im Bereich der Nikolaikapelle zu vermuten, die wahrscheinlich die Nach-
folgerin der 985 urkundlich genannten Agapitkapelle ist. Die beigabenlo-
sen Gräber innerhalb des Stadtgebietes sind auf die Nikolaikapelle ausge-
richtet und legen die Vermutung nahe, daß sich hier die ursprüngliche
Pfarrkirche befunden hat. Die Gräber dürften nach den Fundumständen
aus vorkarolingischer Zeit stammen.
Sichtbare Überreste
Westmauer des Kastells mit Hufeisen- und Fächerturm. Römisch ist auch
die Südmauer der Margaretenkapelle (Museum).
Literatur
Stiglitz 1948, Beibl. 184ft. - Pascher 1949, s. v. Mautern - Stiglitz 1950, Beibl.
146ft. - Stiglitz 1952, Beibl. 87ft. - Stiglitz 1953, Beibl. 191ft. - Stiglitz 1958,
Beibl. 143ft. - Stiglitz 1963 (1 ), Beibl. 169ft. - Stiglitz 1963 (2) - Stiglitz, Der
Hl. Severin in Favianis. Ein wissenschaftliches Gespräch, abgehalten am 18. Okto-
ber 1980 in Mautern/Donau - Stiglitz 1977 (2), 247ft.
H.St.

HOLLENBURG

BURGUS
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Auf einem Felsvorsprung gegen die Donau hin neben der vermuteten

140
.......... -

Hollenburg . 1 :25000
(nach ÖK BI. 38)

Trasse der antiken Straße, an einem aus dem Hügelland herausziehenden


Graben .
Forschungsgeschichte
Schon in einer Notiz aus dem 18. Jh. wird ein burgus an dieser Stelle ver-
mutet. Untersuchungen wurden anläßlich des Baues der Schnellstraße
S33 im Jahr 1981 durchgeführt.
Archäologischer Befund
Unter den Mauern einer mittelalterlichen Befestigung wurden auch antike
Mauerreste festgestellt. Sie werden einem burgus zugeschrieben .
Datierung
Eine nähere zeitliche Eingrenzung ist nicht möglich.
Literatur
Pascher 1949, 52f. - Stiglitz 1965, 88 - Neugebauer- Gattringer 1981 , 159f.
- Offenberger 1983, Karte zur Römerzeit
H.Z.

141
Traismauer- Augustianis. 1:25000
(nach ÖK BI. 38)

TRAISMAUER - AUGUSTIANIS

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELDER


Name
Nach der durch Inschrift- und Ziegelstempelfunde in Traismauer nachge-
wiesenen ala I Augusta Thracum mit dem Augustianis der Notitia digni-
tatum identifiziert.
Quellen
Notitia dignitatum Occ. XXXIV 35. Neben dieser einzigen antiken Literatur-
quelle mehrere Steininschriften und Ziegelstempel, archäologische
Befunde, Münz- und Kleinfunde.
Militär
Ala I Augusta Thracum seit dem ausgehenden 1. Jh. ln der Spätantike
nach Notitia dignitatum equites Oalmatae.

142
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D D

0
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D
Traismauer - Augustianis. Kastell. 1 : 2 000
(nach Offenberger 1983, Abb. 12)

Lage
Auf einer niederen Geländestufe im Flußtal der Traisen, dem römischen
Tragisamus, am rechten Donauufer, östlich der Traisenmündung gelegen.
Vom mittelalterlichen Markt vollständig überbaut.
Forschungsgeschichte
Im 18. und 19. Jahrhundert, ja gelegentlich bis heute mit der Straßensta-
tion Tragisamum der Tabula Peutingeriana verwechselt. Bereits von
Th. Mommsen im CIL und hernach von W. Kubitschek mit Augustianis
überzeugend gleichgesetzt. Seit dem Eisenbahnbau 1884/85 Fundbeob-
achtungen und Aufsammlungen in Kastellbereich und Siedlung. Während
des 2. Weltkrieges durch Bauarbeiten erneut Beobachtungen südlich des

143
Lagers. Planmäßige Grabungstätigkeit seit den 60erJahren durch das ÖAI
in der Siedlung östlich des Lagers. Hernach dauernde Fundbergungen
durch A. Gattringer im Auftrage des BOA. Planmäßige Grabungen im Lager-
areal selbst seit 1971 durch das BOA (H. Ubl und J. Offenberger). Beob-
achtung erster geschlossener Gräberfelder schon während des 2. Welt-
krieges und 1965 durch H. Friesinger südlich des Kastells. Gräberfeldgra-
bung östlich der Siedlung durch Ch. Farka und A. Gattringer seit 1976.

Archäologischer Befund
1. Querrechteckiger Grundriß, ca. 3,75 ha. Die Lagerbreitseite zur Donau
hin orientiert. Cardo maximus und damit die via principalis bilden die län-
gere Lagerachse. Kasernenbauten des Holz-Erde-Lagers mehrfach bei
Kanalbauarbeiten angeschnitten und unter den princfpia während der Kir-
chengrabung beobachtet. Im 2. Jh. Umbau in Stein mit Innentürmen (an
der Südflanke durch Grabung beobachtet).
Zu einem späteren Zeitpunkt Ausstattung des Lagers mit Hufeisen- und
Fächertürmen; gleichzeitig dürfte das Kastell nach Westen vergrößert wor-
den sein, wofür verschiedene Anomalien der Turmachsabstände zum
decumanus maximus sprechen.
Im Norden, Osten und Westen jeweils nur kurze Stücke der Grabenanlage
untersucht, dabei Überbauung der älteren Grabenanlage des Steinkastells
durch den südwestlichen Fächerturm nachgewiesen. Zerstörung der Kai-
serbilder, darunter einer Reiterstatue, auf dem Lagerforum vermutlich im
späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert während eines Schadensfeuers
nachgewiesen. Hernach Anlage kleiner Rutengeflechthütten auf dem
Forum. Kein Fundmaterial aus der Zeit nach dem 5. Jh. Adaptierung ver-
schiedener Mauerzüge der principia in karolingischer Zeit; ab dann konti-
nuierliche Entwicklung zur bestehenden Pfarrkirche.
2. Sie beginnt knapp östlich der Lagergräben mit massiven Steinbauten,
darunter einer Badeanlage, und reicht von hier über einen Kilometer nach
Osten. Die Kleinfunde bezeugen eine dem Lager entsprechende Entwick-
lung.
3. Sie begrenzen das Siedlungsareal im Süden und Osten.

Geschichte, Datierung
Erster Lagerbau als Holz-Erde-Kastell im späten 1. Jh., jedoch nicht mit
Sicherheit der ala I Augusta Thracum zuschreibbar, die inschriftlich erst für
das 2. Jh. nachweisbar wird. Ankunft dieser Truppe und Beginn der
Umbauarbeiten zum Steinkastell könnten ursächlich zusammenhängen.
Das Steinkastell richtet sich nicht nach der Kastrametation des Holz-Erde-
Lagers: die principia überlagern ältere Kasernenbaracken. Auch die älte-
ren Steinbauten erfahren mehrfache Umgestaltungen. ln den principia

144
Traismauer - Augustianis. Porta principalis dextra. Abschließendes Ziegelmauer-
werk der seitlichen Türme und Mittelt\Jrm nicht antik.

verschiedentliehe Umbauten der Hypokausten in den das Lagerheiligtum


flankierenden Räumen und späterer Einbau eines unterirdischen aerarium.
Wie ein Aufschluß an der Südfront des Lagers deutlich macht, wurden zu
einem nicht näher erkennbaren Zeitpunkt die kleinen Innentürme durch
Hufeisentürme ersetzt. Gleichzeitig erhielten wohl auch die Lagertore flan-
kierende Hufeisentürme, und an den Lagerecken wurden große Fächer-
türme angebaut.
Um die Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert kam es zumindest im Bereich
der principia zu einer Brandkatastrophe, während der die Kaiserstatue auf
dem Lagerforum, ein Reiterstandbild, zerstört und zerschlagen wurde. ln
den planierten Brandschutt wurden kleine rutenputzverschmierte Wohn-
hütten gesetzt - die letzte antike Siedlungsschicht im Lager von Augu-
stianis, das in der Vita S. Severini des Eugippius nicht genannt ist. Keramik
und andere Kleinfunde bezeugen trotzdem einen dünnen Siedlungshori-
zont noch für die Spätzeit des 5. Jh.s.
Erste gesicherte Besetzung der Lagerruine erst wieder für das 9. Jh. nach-
weisbar.
Sichtbare Überreste
Das Ortsbild wird dominiert vom sogen. "Wienertor" mit seinen beiden

145
halbrund vorspringenden Türmen, der ehemaligen porta principalis dextra
des Lagers, und von einem noch bis zur Trauflinie erhaltenen Hufeisen-
turm der Nordfront des Lagers, in dem heute das Heimatmuseum unter-
gebracht ist. An der SW-Ecke des Lagers, in der heutigen Venusberg-
straße, hat sich einer der Fächertürme erhalten, der auch die Konfiguration
der sich an ihn schmiegenden Häusergruppen bestimmt. Von einer kryp-
taartig angelegten Kapelle der Pfarrkirche, die selbst vom antiken Mauer-
werk des aerarium umschlossen wird, lassen sich die in Form eines Gra-
bungskellers konservierten Nebenräume des Fahnenheiligtu.ms besichti-
gen.
An der Außenmauer des Schlosses und im Schloßhof sowie an der
Außenmauer des im Hufeisenturm untergebrachten Heimatmuseums fin-
den sich eingemauerte lnschriftsteine, im Heimatmuseum selbst werden
Skulpturen, Ziegelstempel und verschiedene Kleinfunde verwahrt.
Literatur
Kenner 1869, 204, 213 - Nowotny 1925, 116f. - Polaschek-Ladenbauer-Orel
1948, 199ft. - Pascher 1949, 150ff. - Ubl 1975 (1 ), 153ff. - Ubl 1975 (2), 17 -
Offenberger 1977, 215ff. - Ubl 1980, 591 f. - Farka 1980, 545ft. - Ubl 1982 (1 ),
534 - Offenberger 1983, 133ft.
H.U.

MARIA PONSEE

WACHTIURM
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
1 km westlich des Ortes, in offenem Gelände auf der Niederterrasse der
Donau.
Forschungsgeschichte
1972 wurden bei Kommassierungsarbeiten zwei Wachttürme angeschnit-
ten und untersucht.

146
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Scheibenfeld


Maria Ponsee. 1:25000


(nach ÖK BI. 38)

Archäologischer Befund
Die Türme folgen einander zeitlich. Der ältere wurde wahrscheinlich durch
ein Hochwasser der Donau zerstört, der jüngere steht in etwa 50 m Entfer-
nung. Er mißt 6 x 6 m. Die beiden Türme waren mit kreisförmigen Vertei-
digungsgräben und Palisaden geschützt.
Datierung
Eine nähere zeitliche Eingrenzung der beiden Türme wird nicht gegeben.
Sichtbare Überreste
Keine, da bei den Kommassierungsarbeiten zerstört.
Literatur
Offenberger 1972, 97ft. - Ubl 1975 (1 ), 156 - Ubl 1980, 592 - Offenberger 1983,
Karte zur Römerzeit
H.Z.

147
Zwentendorf - Asturis? 1 : 25 000
(nach ÖK BI. 39)

ZWENTENDORF - ASTURIS?

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG
Name
Unbekannt. Die Fundstätte wurde mit dem auf der Tabula Peutingeriana
eingezeichneten Piro Torto identifiziert, weil die Meilenangaben mit den
Entfernungen zu Tulln und Traismauer ungefähr übereinstimmen. Die
dabei erfolgte Gleichsetzung von Traismauer mit Trigisamum ist aber
falsch , dieses ist südlich von Traismauer zu suchen (vielleicht Patten-
brunn). Auf Grund von Überlegungen, die durch Ziegelstempel gestützt
werden, wurde der Name Asturis zur Diskussion gestellt.

Quellen
Notitia dignitatum Occ. XXXIV 45 ; Vita S. Severini 1 .
Militär
Der Truppenbelag des Kastells ist nur aus Ziegelstempeln zu erschließen:

148
COHVB (cohors V Breucorum civium Rarnanorum equitata), COHIAST
(cohors I Asturum), Stempel der legio II ltalica, legio I Noricorum und der
OFARN- Gruppe aus der Spätantike.
Lage
Das Kastell liegt in einem "Remise" genannten Wäldchen ca. 1,5 km
westlich von Zwentendorf unmittelbar an der alten Uferlinie der Donau,
durch die ein Teil des Kastells abgetragen worden ist.
Forschungsgeschichte
Die Ruinen in der Remise und ihrer näheren Umgebung wurden schon
lange wegen Ziegel- und Münzfunden, allerdings nicht widerspruchslos,
mit der Antike in Verbindung gebracht, obgleich die Mauern bis zu ihrer
Sprengung im vorigen Jahrhundert (aus Gründen der Bodenverbesse-
rung) noch in beträchtlichem Ausmaß erhalten gewesen sein müssen.
Ausgrabungen durch das ÖAI und das NÖLM 1953-1962.
Archäologischer Befund
Die Grabungen erbrachten ein Auxiliarkastell mit drei Bauperioden und
einer spätantiken Zivilsiedlung innerhalb der Kastellmauern. Der Ostteil
des Kastells ist durch ein Gräberfeld des 10./11. Jh.s und einen Tabor zer-
stört. Im Gegensatz zu den anderen Kastellen am Limes, aus denen sich

---

J
I
0 50m

Zwentendorf- Asturis? Graben des Holz-Erde-Kastells. 1 :2000


(nach Stiglitz 1975, Beilage 12)

149
J
I
0 50m

Zwentendorf - Asturis? Kastell, Steinperiode 1. 1:2000


(nach Stiglitz 1975, Beilage 12)

11111111111

11111111111

J
0 50m
I
Zwentendorf - Asturis? Kastell, Steinperiode 2. 1 : 2 000
(nach Stiglitz 1975, Beilage 13)

150
mittelalterliche Siedlungen entwickelten, blieb das Zwentendorfer Lager
unverbaut.
1. Holz-Erde-Kastell: Der Grundriß der Anlage ist unregelmäßig, durch die
Grabung aber an allen Seiten nachgewiesen. Die Abmessungen ein-
schließlich des Grabens betragen NS 100 m, OW 154 m. Die Graben-
breite variiert zwischen 5 und 7 m, die Grabentiefe beläuft sich auf 1, 7 m,
das entspricht dem Grundwasserspiegel und dem ehemaligen Donauufer.
Der Graben führte also Wasser. Der Graben der Süd-Seite ist in der Mitte
unterbrochen. Hier wurden Reste eines zur Toranlage gehörigen Holztur-
mes ergraben. Prinzipaltore konnten nicht nachgewiesen werden. Von der
Wallbefestigung fanden sich in einer Entfernung von 2,50 - 3 m vom Gra-
ben Pfostenlöcher. Innerhalb des Kastells fanden sich Verfärbungen von
Holzbauten, doch konnten keine zusammenhängenden Grundrisse ergra-
ben werden. Nur unter den principia der späteren Perioden wurde ein mit
Holz ausgekleideter Keller vollständig aufgedeckt. ln der Verfüllung fanden
sich Reste eines Kettenpanzers, eine Fibel des 1. Jh.s und eine Münze
Trajans, die mit der Einplanierung hierher gelangten. Der Keller selbst war
vor der Verschüttung sorgfältig ausgeräumt worden.
Steinkastell 1: Größer als das ErdkastelL Regelmäßige Anlage unter Bei-
behaltung der Südfront Abmessungen 160m Länge, + 131 m Breite, Flä-
che ca. 2 ha. Breite der Umfassungsmauer 1,10 m, Fundamenttiefe durch-
schnittlich 0,60 m. Es hat sich herausgestellt, daß beim Bau des Kastells
nicht der übliche römische Fuß von 29,6 cm, sondern der illyrisch-make-
donische von 27,2 cm verwendet wurde. ln den abgerundeten Ecken
lnnentürme. An der Westseite wurde ein rechteckiger Zwischenturm
nachgewiesen, die korrespondierende Stelle an der Ostfront ist zerstört.
An der Südfront wurde kein Turm gefunden, wohl auch infolge Störungen
bzw. Umbauten. An der Süd- und Ostfront des Kastells je zwei Gräben,
z. T. unter Weiterverwendung des Grabens des Holz-Erde-Kastells. Die
innere Lichte des Tores beträgt 8 m, ein Mittelpfeiler ist durch einen späte-
ren Umbau nicht mehr nachweisbar, von der Straße war noch die Kies-
schüttung vorhanden. Das Tor wurde von zwei nicht vorspringenden Tür-
men flankiert (4 x 3 m). An der Westfront wurde kein Tor gefunden. Von
den Innenbauten fanden sich nur mehr geringe Spuren, u.a. noch gut
erhaltene Estrichböden in den principia, in deren Hauptraum sich im
Boden eine Ausnehmung für einen Altar fand.
Steinkastell 2: Umfang gleich wie Steinkastell 1. Umbauten im Inneren
und an den Verteidigungsanlagen. An den Ecken Errichtung von Fächer-
türmen, dazwischen vorspringende Hufeisentürme. Die porta decumana
wurde durch einen turmartigen Vorbau geschlossen, der nur durch eine
kleine Pforte passierbar war. Ein weiterer Eingang durchbrach den westli-
chen Hufeisenturm. Im Inneren erfolgte ein Neubau der Kasernen, die
principia wurden erweitert.

151
2. Innerhalb des Kastells. Die Befestigungsanlage wurde verändert: Die
vorspringenden Türme mit Ausnahme des Torturmes und des südöstli-
chen Fächerturmes wurden abgetragen und an ihrer Stelle wieder ein
Befestigungsgraben angelegt. Ein Zugang muß an der Ostseite bestanden
haben , wo der Graben von einer Holzbrücke (verbrannte Holzbalken fan-
den sich unter dem Mauersturz) überspannt wurde. Im Inneren Umbau
der Kasernen und der principia.

Zwentendorf - Asturis? Kastell, Bruchstück einer bronzenen Kaiserstatue mit


figürlicher Einlegearbeit, einen Genius darstellend (Wien, Niederösterreichisches
Landesmuseum)

152
Geschichte, Datierung
Das Holz-Erde-Lager ist nach den Funden ungefähr in frühflavischer Zeit
errichtet worden. Die Einfüllung des Kellers ergibt einen terminus post
quem für die Anlage des Steinkastells 1 (Trajan). Ziegelstempel der /egio
II ltalica, die von einem eingestürzten Dach stammen , geben einen Hin-
weis darauf, daß in nachmarkomannischer Zeit Ausbesserungen an den
Kasernen stattgefunden haben. Später erfolgte ein vollständiger Neubau
der Kasernen . Die endgültige Zerstörung muß im 5. Jh. stattgefunden
haben .
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Stiglitz 1975.
H. St.

TULLN - COMAGENA

II

11,

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TULLN \'

Tulln - Comagena. 1 :25000


(nach ÖK BI. 39)

153
1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELDER
Name
Nach allgemein anerkannter Meinung Comagena.
Quellen
Tabula Peutingeriana IV, 1; Itinerarium Antonini 234/1 und 248/3; Notitia
dignitatum Occ. XXXIV 36 und 42; Vita S. Severini 1, 3, 33. Neben den
antiken Quellen wenig epigraphisches Quellenmaterial, darunter ein Zie-
gelstempel, archäologische Befunde, Münz- und Münzschatzfunde und
Klei nfu ndmaterial.
Militär
Ala I Commagenorum (Militärdiplome, Inschriften und Ziegelstempel A/C)
1. bis 3. Jh. ln der Spätantike equites promoti (Notitia dignitatum Occ.
XXXIV 36) und classis (Co)maginensis (Notitia dignitatum Occ. XXXIV 42).
Forschungsgeschichte
Im 19. Jh. Beobachtung von Kleinfunden, Inschriften und Münzen; Gleich-
setzung des Fundortes Tulln mit dem Comagena der Quellen. Noch 1949
nur Vermutungen über die Lage des Kastells. Nach 1950 verschiedene
Fundbeobachtungen durch Heimatmuseum Tulln und ÖAI an der Lager-
südflanke. 1978 Beobachtung der Spitzgrabenanlage an der Lagerwest-
flanke, südlich des sogen. "Salzturmes" durch das Heimatmuseum.
1980/81 Freilegung der porta principa/is dextra und des frühen Lagerval-
Iums an der Ostflanke und 1984 Untersuchung des "Salzturmes" durch
das BOA. Bis .1970 verschiedene Fundbergungen westlich und südlich
des Lagers in der Siedlung und den Gräberfeldern, 1971 und 1974 syste-
matische Grabungen im südlichen Bereich der Siedlung und 1979 in der
Pfarrkirche durch BOA.
Lage
Auf einer flachen Niederterrasse des Tullnerfeldes, am rechten Donau-
ufer, zwischen den Mündungen der Großen und der Kleinen Tulln in den
Strom. Die Prätentur, ursprünglich vermutlich direkt am Flußufer gelegen,
ist von der Donau etwa zur Hälfte abgetragen. Die Lagerruinen wurden im
frühen Mittelalter durch Anlage einer Burg, die später in ein Kloster ver-
wandelt wurde, überbaut. Die Siedlung entwickelte sich südlich des
Lagers, die frühen Gräberfelder wuchsen im Westen über die Siedlung
hinaus, späte Gräber finden sich auch im Süden.
Archäologischer Befund
1. Rechteckiger Grundriß mit Schmalseite zum Donaustram orientiert, ca.
4,2-4,5 ha.

154
~================~o

0 50m

Tulln - Comagena. Kastell. 1:2000

155
Vom Holz-Erde-Lager des 1. Jh.s Teile des östlichen val/um mit Verblen-
dungsmauer aus luftgetrockneten Lehmziegeln und Pfostenlöchern der
Palisadenbekrönung, einigen Pfostengruben des Holztores und der Gra-
benanlage mit li/iae festgestellt.
Vom älteren Steinlager ein kurzes Stück der südlichen Kurtine, die voll-
ständige porta principalis dextra mit der Ausrißgrube der von dieser nach
Nord abstreichenden Kurtine und ein kurzes Stück des westlichen Spitz-
grabens freigelegt. Von den Verteidigungsbauten der jüngeren Steinbau-
phase des Lagers ist ein Fächerturm an der SW-Ecke des Lag~rs bekannt
und ein Hufeisenturm der Westflanke erhalten ("Salzturm").
Von den Innenbauten ist nichts bekannt.
2. Ihre Ausdehnung ist nur aus Fundbergungen zu erschließen. Zusam-
menhängende Grundrisse wurden nur unter der Kirche ergraben. Das
Fundmaterial aus der Siedlung zeigt, daß diese dieselbe Entwicklung wie
das Lager genommen hat.
3. Hier konnten bisher keine systematischen Grabungen durchgeführt
werden, sodaß Erkenntnisse über Ausdehnung und Belegdauer fehlen.

l
I
0 5 10m Tulln - Comagena. Kastell, porta principalis dextra. 1 : 400
I I I I I I I (nach Ubl 1981, 32)

156
Tulln - Comagena. Kastell, Geldrolle

Geschichte, Datierung
Das Lager wurde unter Domitian auf brandgerodeten Boden gesetzt.
Bereits unter Trajan begann der Umbau des Holz-Erde-Kastells in Stein.
Im 3. Jh. wurde das Lager mehrfach von Zerstörungen und Brandkatastro-
phen heimgesucht, von denen zwei sich durch Münzschatzfunde in die
Jahre knapp nach 258 und 283 datieren lassen. Diese Zerstörungen
scheinen eher auf Usurpation und Bürgerkrieg, denn auf auswärtige
Feindeinwirkung zurückzuführen zu sein.
Eine weitere schwere Zerstörung erlitt das Lager in der zweiten Hälfte des
4. Jh.s, als das mit Ursicinus-Ziegeln der legio 11/talica eingedeckte Osttor
abbrannte. ln den sofort einsetzenden Wiederaufbauarbeiten wurde die
Südpassage des Doppeltores durch Abmauerung blockiert. Keramikfunde
lassen annehmen, daß dies erst im 5. Jh. geschah, und deuten auf eine
barbarische Föderatenwache im südlichen Lagerturm hin. Dieser Befund
ergänzt ausgezeichnet die Nachricht des Eugippius im Kapitel 1, 3, 33 der
Vita S. Severini, daß die Tore des oppidum Comagenis beim Eintreffen
Severins im Jahre 456 von barbarischen Föderaten bewacht waren.

157
a

Tulln - Comagena.
Kastell , sog. Salzturm

Die Fundumstände am östlichen Lagertor zusammen mit dem Fundmate-


rial aus Siedlung und Gräberfeldern lassen eine Weiterbesiedlung von
Comagena über den Abzugsbefehl Odoakers des Jahres 488 hinaus nicht
erkennen.
Eine Wiederbesiedlung der Ruinen scheint erst im späten 8. Jh. im
Zusammenhang mit dem Awarenfeldzug Karls d. Gr. gegeben, als auch
der antike Ortsname wieder auftaucht: ... in monte Cumeoberg, iuxta
Gornagenos civitatem. Für die Wiederbesiedlung des Ortes scheint es
bedeutsam, daß die Lagerruine zur Burg wurde und sich die neue Sied-
lung außerhalb des alten Kastells ausbreiten mußte.

Sichtbare Überreste
Die freigelegte und konservierte Ruine der porta principa/is dextra liegt im
Garten des NÖ. Landeskrankenhauses, und der bis zur Trauflinie hin in
größten Teilen in seiner antiken Bausubstanz erhaltene Hufeisenturm der
Westflanke des Lagers, der sogenannte "Salzturm ", steht heute direkt am
Donauufer.
Ein römischer Grablöwe ist im Südturm der Tu IIner Stadtpfarrkirche sicht-
bar eingemauert.
Steinreliefs und Kleinfunde sind im Tullner Heimatmuseum ausgestellt.

158
Literatur
Kenner 1869, 213f. - Polaschek 1932, 38ft. u. 41ft.- Pascher 1949, 153ft. -
Polaschek 1952, Beibl. 75f. - Stiglitz 1968, 15f. - Göbl1969, 7ft. - Ubl 1975 (1 ),
152f. - Ubl 1980, 587ft. - Ubl 1981, 24ft. - Dembski 1981, 25ft. - Ubl 1982 (1 ),
75f.
H.U .

Nietzing. Meilenstein

NIETZING

MEILENSTEIN
Lage
An der Limesstraße knapp südöstlich des Lagers Tulln- Comagena.

159
Forschungsgeschichte
Gefunden 1894.
Archäologischer Befund
Meilenstein, die Entfernungsangabe nennt a C[etio] m. p. XXVI, was zum
Fundort paßt.
Datierung
217/218 n. Chr.

Sichtbare Überreste
Der Stein steht am Fundort, 1 ,8 km vom Tullner Bahnhof, an der Straße
nach Königstetten.

Literatur
CIL 111 13534- Pascher 1949, 102- Deringer 1953, Nr. 39- Stiglitz 1965, 100.
H.Z.

ZEISELMAUER- CANNABIACA?

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELDER

Name
Antiker Name fraglich. Nach Lage in der Provinz Noricum (östlichstes
Limeslager gegen Pannonien) möglicherweise Asturis (Notitia dignitatum
Occ. XXXIV 45) oder Cannabiaca (Occ. XXXIV 46).
Quellen
Keine antiken literarischen Quellen. Epigraphisches Quellenmaterial
(Steininschriften und Ziegelstempel), archäologische Befunde, Münz- und
Münzschatzfunde und Kleinfundmaterial.

Militär
Cohors II Thracum equitata pia fidelis (Inschrift und Ziegelstempel) im
2. Jh. Spätantike Truppen nicht überliefert. Nach den Identifizierungsüber-
legungen auf Basis der Notitia dignitatum vermutlich Auxiliarkohorte.

Lage
Auf einer Terrasse des rechten Donauufers, am Ostrand des Tullnerfel-
des. Vollständig vom mittelalterlichen Dorf überbaut, das sich mit seinem
Kern innerhalb der antiken Lagermauern hält.

160
leiseimauer - Cannabiaca? 1 : 25 000
(nach ÖK BI. 40)

Forschungsgeschichte
Erste Beschäftigung ·mit den sichtbaren Ruinen bereits im 18. und 19.
Jahrhundert. Archäologische Untersuchungen beginnen im ersten Jahr-
zehnt des 20. Jh.s durch G. v. Kaschnitz und W. Kubitschek. Zwischen
1925 und 1927 Beobachtungen in der Siedlung und im angrenzenden
Gräberfeld, zuletzt durch das NÖ. Landesmuseum. Seit 1969 kontinu-
ierlich archäologisch-konservatorische Bearbeitung durch das BOA .
.Archäologischer Befund
1. Annähernd quadratischer Grundriß, ca. 2,1 ha.
Vom Holz-Erde-Lager nahe der Westflanke Teile mehrerer Kasernenbau-
ten angeschnitten und Partien der principia untersucht. Etappenweiser
Umbau der Innenbauten in Steinmauerwerk nachgewiesen. An der Nord-
flanke kurzes Stück der Steinkurtine mit Doppelspitzgraben angeschnit-
ten . Die übrigen Fluchten der Umfassungsmauern im Gelände und vom
modernen Katasterplan gut ablesbar. Der cardo maximuszum Teil durch
den Verlauf der modernen Bundesstraße und die Mittelachse des sog.
"Körnerkastens" im Ortsbild erhalten. Torbauten und Türme erst aus der

161
0 50m

Zeiselmauer - Cannabiaca? Kastell. 1 : 2 000

späten Ausbauphase des Lagers bekannt und zum Teil erhalten: drei
Fächertürme (NO, SO, SW-Ecktürme); Kastentor im 0 (porta principa/is
dextra). Unter der Kirche mehrphasiger Principiabau mit Südapsis ergra-
ben.
2. Im Süden des Lagers. Anlage und Ausdehnung nicht genauer bekannt.
3. Vor allem aus der Spätzeit im Süden des Lagers, an der Straße gegen
den Abfall des Wienerwaldes.
Geschichte, Datierung
Erster Lagerbau als Holz-Erde-Kastell in spätflavischer Zeit. Frühe Besat-
zungstruppe unbekannt. Im 2. Jahrhundert etappenweise Umgestaltung in
Steinanlage. Ziegelstempel und eine Ehreninschrift für Kaiser L. Verus
bezeugen die bisher einzig bekannte Truppe, eine cohors II Thracum
equitata. Im 2. und 3. Jh. Ziegellieferungen sowohl von der Vindobonenser
/egio X gemina der Nachbarprovinz als auch von der norischen legio II lta-
lica. Verbreitete Bautätigkeit während des späteren 4. Jahrhunderts; in die-

162
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leiseimauer - Cannabiaca? Weihung für Kaiser Lucius Verus durch die cohors II
Thracum equitata
(nach Ubl 1978 (2) 234)

163
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0 5 10m
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Zeiselmauer - Cannabiaca? Burgus. 1 :400


(nach Ubl 1977, 254 Abb. 2)

Zeiselmauer - Cannabiaca? Burgus in der Nordwestecke des Kastells

164
ser Zeit Anlage eines burgusartigen Kleinkastells mit Innenhof über qua-
dratischem Grundriß an der NO-Ecke des Lagers. Dabei intensive Ver-
wendung von Ziegeln der spätantiken OFARN-Gruppe. Jüngere Adaptie-
rungsarbeiten im Kleinkastell nicht mehr näher datierbar; vermutlich 5. Jh.,
gleichzeitig mit Umgestaltung in den südlichen Principiaräumen. Benüt-
zung des Lagers und der Siedlung noch für die 2. Hälfte des 5. Jh.s durch
Funde belegt: ln der Siedlung Münzfund der Zeit Valentinians II I., im Lager
Keramikfunde, die eine Besiedlung durch eine romanisch-barbarische
Mischbevölkerung glaubhaft machen. Gegen Ende des 5. Jh.s scheint das
Lager verlassen. Eine Wiederbesiedlung der Ruinen läßt sich erst für die
Zeit des ausgehenden 8. Jh.s erkennen.

Sichtbare ü berreste
Im Ortsbild haben sich an verschiedensten Stellen erhalten und wurden
denkmalpflegerisch zum Teil restauriert: An der NW-Ecke das spätrömi-
sche Kleinkastell mit Innenhof, an der NO-Ecke ein Fächerturm, von dem
nach Süd noch die von barocken Häusern überlagerte Kurtine abstreicht.
An der Ostflanke das späte Kastentor der porta principalis dextra mit dem
noch erhaltenen Torbogen. An der Südflanke, am Durchbruch der moder-
nen Bundesstraße, Reste der Kurtine und Teile des von einem barocken
Gebäude überlagerten südwestlichen Fächerturms.
Unter der Pfarrkirche Mauerzüge der südlichen Raumgruppen der prin-
cipia.
Literatur
Kaschnitz 1907, 144ff.- Kaschnitz 1910, 111aff.- Kubitschek 1910, 115aff.-
Kaschnitz 1911, 28 a ff. - Pittioni 1946, Beibl. 85ff. - Pascher 1949, 184 ff. - Göbl
1950, 133ff. - Ubl1975 (1), 152ff.- Ubl 1977, 251 ff.- Ubl1978 (2), 231 ff.-
Ubl 1980, 587ff.- Ubl1982 (1), 74.
H.U.

165
PANNONIA SUPERIOR
GREIFENSTEIN

WACHTIURM
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Auf einem kleinen Plateau unterhalb der mittelalterlichen Burg.
Forschungsgeschichte
1969 wurden bei Fundamentierungsarbeiten unter anderem auch römi-
sche Funde gemacht.
Archäologischer Befund
Baubefunde wurden nicht festgestellt, doch macht die Lage einen kleinen
Wachtposten wahrscheinlich.
Datierung
Eine nähere Eingrenzung ist nicht möglich.
Literatur
Neugebauer 1970, 182 - Ubl 1975 (1 ), 156.
H.Z.

GUGGING

WACHTIURM oder STRASSENPOSTEN


Lage
An der Limesstraße, die hier das Donauknie abschneidet, im Wienerwald.
Forschungsgeschichte
1909 gefunden.
Archäologischer Befund
Gefunden wurden zwei Altäre, deren einer von einem Soldaten der X.

166
Legion gestiftet worden ist. Es wird vermutet, daß die Altäre aus dem
sacellum eines Wachtturmes an der Provinzgrenze stammen. Ein solcher
ist hier nicht unwahrscheinlich, doch fehlt jeglicher Baubefund.
Datierung
2. Jh. n. Chr.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Kubitschek 1909 - Münsterberg 1909 - Pascher 1949, 43 - Stiglitz 1965, 91.
H.Z.

KLOSTERNEUBURG

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBERFELDER


Name
Antiker Name noch unbekannt. Nach Lage in der Provinz Pannonia supe-
rior, später Pannonia I - westliches Flankenlager zu Vindobona - in der
Liste des dux Pannoniae primae der Notitia dignitatum eventuell Arrianis
(Occ. XXXIV 29).
Quellen
Keine antiken literarischen Quellen. Epigraphisches Quellenmaterial (Mili-
tärdiplom, Steininschriften, Ziegelstempel), archäologische Befunde,
Münzfunde, Kleinfunde.
Militär
Cohors Montanorum prima (Diplom CIL XVI 26), cohors II Batavorum
(Inschrift, Ziegelstempel), cohors I Aelia sagittariorum (Inschriften und Zie-
gelstempel). Als Bauvexillationen und Ziegellieferanten: legio XIIII gemina
Martia victrix und legio X gemina. Spätantike Truppe nicht überliefert. Nach
Notitia dignitatum kommen in Frage: Equites promoti (Occ. XXXIV 16),
gens Marcomannorum (Occ. XXXIV 24) oder cohors (Occ. XXXIV 29).
Lage
Auf der Felsterrasse über dem rechten Donauufer, zwischen den Mün-
dungen des Kierling- und des Weidlingbaches, am Fuße des Buchberges.
Heute überbaut durch die mittelalterliche und barocke Klosteranlage des

167
Klosterneuburg. 1:25000
(nach ÖK BI. 40)

Augustiner Chorherrenstiftes und seiner sakralen und profanen Nebenge-


bäude.
Forschungsgeschichte
Erste Beobachtungen von Münz- und Kleinfunden bereits im Barock. Bei
Um- und Renovierungsbauten an der Stiftskirche und dem Kloster im
19. Jahrhundert starker Fundanfall; darunter bedeutende epigraphische
Funde. Danach intensive Beschäftigung mit der römischen Vergangenheit
des Ortes durch Wiener Archäologen und Althistoriker (F. v. Kenner,
W. Kubitschek und E. Polaschek). Erster Versuch einer Bestimmung des
Lagerareals 1925 durch E. Nowotny. Erste planmäßige Grabungen durch
das BOA (A. Schmeller) und das ÖAI (R. Egger) in den Jahren 1953/54.
Hernach Fundbeobachtungen in der Siedlung durch J.-W. Neugebauer.
Seit 1976 regelmäßige Forschungstätigkeit durch die Abteilung für Boden-
denkmale des BOA im Lager (H. Ubl) sowie in der Siedlung und dem Grä-
berfeld (J.-W. Neugebauer).
Archäologischer Befund
1. Langgestreckter Rechteckgrundriß, ca. 2,2 ha. Im Nordteil mehrphasig~

168
0 50m

Klosterneuburg. Kastell. I: 2000


(nach Ubl 1979, Abb. 17)

169
0 5 10m

Klosterneuburg. Kastellbad und Hufeisenturm. 1 : 400


(nach Ubl 1979, Abb. 15.)

Holzbauperiode festgestellt. Steinbauperiode mit mehreren Bauphasen


der Befestigungsanlagen und lnnenbauten. Doppelspitzgraben entlang
der Ostflanke nachgewiesen. Im Westen Steilabfall des Geländes zum Tal
des Kierlingbaches, im Norden sanftes Abgleiten mit Terrassierungen zur
Donau. Unter dem romanischen Kloster Holzbaracken (mehrfach durch
Brand gestört). Ab dem frühen 2. Jh. Steinbautätigkeit (NS-orientierter
Kasernenbau mit Pfeilerportikus). An der Ostflanke Teilstück der Kurtine
mit "Hufeisen"-Turm über älterem lnnenturm. Westlich davon, im Lagera-
real, dreiapsidales, mehrphasiges Lagerbad. Weitgestreute Bautätigkeit in
der 1. Hälfte des 3. Jh.s und verbreitete Renovierungsarbeiten im späteren
4. Jh. anhand der Ziegelstempelverteilung nachweisbar (Stempel der coh.
I Aelia sagittariorum mit Kaiserbeinamen Antoniniana und Severiana und
Stempel der OFARN-Gruppe). Während des 5. Jh.s, nach Zerstörung und
Verfall, Adaptierung schadhafter Bauten mit Trockenmauern und Neuan-
lage von Hütten in Flechtwerktechnik. Keine Besiedlung ab dem Ende des
5.Jh.s.
2. Im Osten und Süden des Lagers. Keine zusammenhängenden Gebäu-
degrundrisse bekannt. Verbreitet Anfall von gestempelten Ziegeln aus
verschiedenen Militärziegeleien vom 2. bis 4. Jh.
3. Vom ausgehenden 1. bis frühen 5. Jh. südlich des Lagers, entlang des
Fußes des Buchberges und der sich hier hinziehenden Straßenverbin-
dung von Vindobona zur pannonisch-norischen Provinzgrenze westlich
des Dorfes Gugging (lnschriftenfund). Spätantike Bestattungen auch
innerhalb des Lagerareals beobachtet.
Geschichte, Datierung
Erster Lagerbau als Holz-Erde-Kastell 1n spätflavischer Zeit vermutlich

170
Klosterneuburg. Kastell, Weihung des tribunus S.lulius Longinus der cohors I Aelia
sagittariorum an Jupiter
(nach Ubl 1979, I 04 Abb. 7)

durch die cohors Montanorum prima (Diplom vom 13. Juni 80, gefunden
in der Lagerprätentur). Älteren Berichten nach gefundene Ziegel der legio
XIII gem. sind heute verschollen. Ausbau des Lagers mit ersten Steinbau-
ten und Ziegeldächern durch die cohors II Batavorum zwischen 100 n. Chr.
und ihrer Verlegung nach Noricum (Diplom von Mautern, CIL XVI 174).
Lieferung von Ziegeln durch die Vindobonenser legio XIIII gem. M. v.;
Anwesenheit einer Bauvexillation nicht beweisbar. Hernach cohors I Aelia
sagittariorum, zu deren Bauten die Vindobonenser legio X gemina Ziegel
lieferte. Ein Abzug der aelischen Kohorte ist ebensowenig nachweisbar,
wie eine spätrömische Truppe erkennbar wird. Verlust des Lagernamens
vielleicht durch Doppelschreibung von Arrabona in der Notitia dignitatum
Occ. XXXIV 16. Im 5. Jh. Anwesenheit nichtromanisch-barbarischer Ele-
mente - foederati- durch Keramikfunde erwiesen. Zuletzt Wandlung des

171
Klosterneuburg. Kastell, Grabstein für den veteranus M. Ulpius Avitus der cohors I
Aelia sagittariorum und seine Familie (Kiosterneuburg, Stift)
(nach Ubl 1985, 133)

172
Lagers zur zivilen Hüttensiedlung, die am Ende des 5. Jh.s verlassen wird.
Neubesiedlung der Lagerruine erst für das I 0. Jh. erkennbar.
Sichtbare Überreste
Konservierte Grabung unter dem Nordflügel des Kreuzganges im mittelal-
terlichen Kloster des Stiftes Klosterneuburg. Inschriftsteine und Klein-
funde sind im Chorherrenstift Klosterneuburg, Stiftsmuseum und Stiftsla-
pidarium sowie im Stadtmuseum Klosterneuburg zu besichtigen.
Literatur
Kenner 1869, 130ff. - Drexler 1904, 235ff. - Nowotny 1925, 118ff. Fig. 6 -
Pascher 1949, 63- Schmeller-Egger-Polaschek-Hofmann-Mitscha-Märheim
1961, 291 ff. - Neugebauer-Grünewald 1974, 19ff. - Neugebauer-Grünewald
1975, 143ff. - Neugebauer-Grünewald 1976, 163ff. - Neugebauer-Grünewald
1978, 4 7ff. - Ubl1979 (2), 99ff. - Ubl1980, 592ft. - Ubl1982 (2), 314 f. - Grüne-
wald 1983, 95ff. - Neugebauer-Maresch-Neugebauer 1983, 294ft. - Neuge-
bauer 1985.
H.U.

WIEN/HEILIGENSTADT

I. MILITÄRBAU, 2. GRÄBER
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Wien 19., im Bereich des Pfarrplatzes.
Forschungsgeschichte
I. Der Militärbau wurde nach Renovierungsarbeiten in der Kirche in den
Jahren 1952 und 1953 durch das Historische Museum der Stadt Wien
ausgegraben.
2. Zwei Gräber wurden zugleich mit dem Militärbau, drei 1966 und ein
weiteres 1985 entdeckt.
Archäologischer Befund
I. Zum Teil unterhalb, zum Teil an der Nordseite der Kirche lag ein römi-
sches Gebäude, das Nord-Süd orientiert und ungefähr I 0,5 x 5,5 m groß
war. Von außen waren 15 Stützpfeiler an seine Mauern angesetzt, wes-
halb der Ausgräber einen Speicherbau vermutete.

173
Nach seiner Zerstörung wurde auf den Mauerresten ein gleich großes
Gebäude, aber ohne Stützmauern und mit zwei Innenräumen, errichtet.
Seine Mauern bestanden aus Steinen in Lehmbettung und waren an der
Innenseite verputzt.

0 5 10m
Wien/Heiligenstadt Militärbau. 1 :400
I I I I I I I I I I I (nach Neumann 1968, 79 Abb. 40)

2. Im Schutt des südlichen Raumes des Militärbaues (Bauperiode 2) wur-


den zwei leere römische Gräber entdeckt, zu denen durch die - noch
unveröffentlichten - Grabungen von 1985 im Pfarrgarten noch ein weite-
res leeres Grab zu rechnen ist. Die Bestattungen dieser drei Gräber dürf-
ten beim Bau der Kirche exhumiert worden sein. Diese Grabanlagen dürf-
ten gleichzeitig mit den spätantiken Körpergräbern sein, die 1966 in der
Eroicagasse 7 aufgedeckt wurden. Es ist anzunehmen, daß beide Grab-
gruppen zu einem kleinen Gräberfeld gehörten, das sich im Bereich des
Pfarrplatzes zu beiden Seiten der hier vorbeiführenden Limesstraße aus-
dehnte.
Geschichte, Datierung
1. Die Datierung des älteren Bauwerks in die Zeit vor den Markomannen-
kriegen müßte überprüft werden; der jüngere Bau ist nach Aussage der
Ziegelstempel valentinianisch.
2. Spätantik.
Sichtbare Überreste
Die unter der Jakobskirche freigelegten Mauerzüge und Gräber sind zu
einem kleinen Museum ausgestaltet.
Literatur
Neumann i 962 (2), 480ff. - Aign 1963, 5ff. - Aign 1965, 9ff. - Haberl 1977 -
Harl 1979 (1) - Harl- Lohrmann 1978, 20ff.
O.H.

174
Wien/Heiligenstadt und Wien/Döbling . 1:25000
(nach ÖK BI. 41 , 59)

WIEN/DÖBLING

WACHTIURM
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Wien 19., Heiligenstädterstraße 69, knapp vor dem Steilhang zum
Donauufer.
Forschungsgeschichte
1872 beim Pflanzen von Obstbäumen entdeckt und durch " Sprengen mit
Schießpulver" beseitigt.

175
Archäologischer Befund
Eine Mauerecke, von der die eine Mauer noch 2,6 m und die andere noch
3,6 m lang und in einer Breite von 1,26 m erhalten war. Das Mauerwerk
erhob sich noch etwa 1,1 m über einem römischen Boden.
Geschichte, Datierung
Datierung in valentinianische Zeit durch drei Ziegelstempel des Ursicinus.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Kenner1872, 100ft.- Kenner1896, 104.
O.H.

WIEN/HERNALS

MILITÄRZIEGELEI
Quellen
Keine.
Militär
Die gestempelten Ziegel nennen neben der lange in Wien garnisonieren-
den X. Legion auch die XXX., XIII., XIV. und XV.
Lage
Im Bereich Steinergasse - Hernalser Hauptstraße - Bartholomäusplatz,
etwa 2 km westlich des Legionslagers, lagen die Ziegeleien im Bereich
von Lehmlagerstätten.
Forschungsgeschichte
Nach diversen Funden seit dem 18. Jahrhundert waren Hinweise gege-
ben, daß hier militärische Ziegeleien lagen. 1953 konnten modernere
Fundbeobachtungen gemacht werden, und 1975 wurde ein Ziegelofen
untersucht.
Archäologischer Befund
Der untersuchte Ofen hatte zwei parallele, überwölbte Heizräume und war

176
mit sekundär verbranntem Lehm verkleidet. Auf dem geschlitzten Brenn-
raumbaden fand sich der Schutt der kuppelförmigen Brennkammer.

Datierung
Die Ziegeleien arbeiteten vom späten 1. bis in das 4. Jh. n. Chr.

Sichtbare Überreste
Keine.

Literatur
Pascher 1949, 174- Neumann 1968, ?Off.- Lörincz 1977, 144ft.- Harl1977,
161.
H.Z.

WIEN/INNERE STADT - VINDOBONA

1. KASTELL, 2. LEGIONSLAGER, 3. CANABAE LEGIONIS,


4. GRÄBERFELDER

Name, Quellen
Der antike Name ist durch die Tabula Peutingeriana und durch das Itinera-
rium Antonini in der vollen Form, durch Meilensteine, einen Grabstein und
Ziegelstempel in der abgekürzten Form Vindob I Vind gesichert.

Militär
1. a/a I Flavia mil!iaria (Aienkastell)
2. legio X gemina (Legionslager)

Lage
1. Unbekannt.
2. Im Ersten Wiener Gemeindebezirk zwischen Rotenturmstraße, Graben,
Naglergasse, Tiefem Graben, am Steilrand ca. 15 m über dem Donau-
kanal, einem in der Antike bis an die Stadtterrasse heranfließenden
Nebenarm der Donau.
3. Zwischen linkem und hinterem Lagertor; Ausdehnung bis zur Votivkir-
che?
4. Kranzförmig um Rück- und Nebenseiten des Lagers gruppiert.

177

Wien - Vindobona. Grabstein des Reiters T. Flavius Oraccus (Wien, Historisches


Museum der Stadt)

Forschungsgeschichte
Die ersten römischen Funde, vor allem Grabsteine, wurden in der 2. Hälfte
des 16. Jh.s gemacht, als die Stadtbefestigung zur Abwehr der Türken
ausgebaut wurde. Die damals entdeckten Steine sind fast vollständig ver-
loren. Erst mit der Bauwelle der Gründerzeit (ab 1870) setzt eine intensive
Erforschung des Lagers ein, die bis 1914 andauert. Die vielen Baustellen
der Innenstadt wurden von Josef Nowalski de Lilia überwacht, dessen

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1 Tribunenhäuser 3 Kasernen
2 Thermen 4 Lazarett ?

Wien/Innere Stadt - Vindobona. Legionslager. 1 : 4000

180
-
Fundberichte Friedrich v. Kenner veröffentlichte. ln der Zwischenkriegs-
zeit gab es kaum Umbauten und daher auch kaum archäologische Feldfor-
schung. Die zweite große Forschungsperiode fällt in die Jahre des Wie-
deraufbaus nach dem zweiten Weltkrieg. Sie wird von dem Archäologen
Alfred R. Neumann und dem Grabungstechniker Gustav Mazanetz
geprägt. Seit Ende der siebziger Jahre bringen U-Bahnbau und einige
Hausumbauten gewisse Forschungsmöglichkeiten.
Archäolog ischer Befund
1 . Du rch drei Grabsteine von Reitern der ala I Flavia milliaria ist die Exi-
stenz eines für 1000 Reiter bestimmten Lagers für die spätere flavische
Zeit gesichert. Die Reste dieses Lagers sind bisher an keiner Stelle ge-
funden worden; nach den bisherigen Erdaufschlüssen innerhalb des
Legionslagers sieht es nicht so aus, als würde das Lager der Legion über
jenem der Hilfstruppe gelegen sein.
2. Der Verlauf der Lagermauer ist an der West-, Süd- und Ostseite relativ
gut bekannt, unbekannt dagegen an der zur Donau liegenden Nordseite,
wo sie vielleicht einer Unterspülung durch die Donau oder aber erst der
intensiven Bautätigkeit des Mittelalters zum Opfer gefallen ist. An der am

Wien - Vindobona. Legionslager, Säulenkapitell von der via principa/is (Wien,


Historisches Museum der Stadt)

181
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Wien - Vindobona. Legionslager. Kanalabdeckung von der via principalis (Wien,


Historisches Museum der Stadt)

Wien - Vindobona. Legionslager, Stirnziegel mit Adlerdarstellung (Wien, Histori-


sches Museum der Stadt)

182
besten erforschten Stelle (in der Naglergasse) ist die Mauer 3,20 m breit.
Die Position der Tore ist an der linken und an der hinteren Lagerseite
durch jeweils einen ergrabenen Turm gesichert. Die Lage des rechten
Lagertores und der porta praetoria ist durch den Verlauf von via principa/is
bzw. via praetoria zu vermuten. An der linken und hinteren Mauer wurden
Türme aufgedeckt, die einheitlich von innen an die Mauer gesetzt waren,
während die Tortürme um ihre Hälfte nach außen vorsprangen. Einer nicht
veröffentlichten Notiz zufolge scheint das linke Lagertor auch einen halb-
rund vorspringenden Torturm besessen zu haben. Die Gesamtzahl. der
Zwischentürme läßt sich rekonstruieren. Vor der Südseite des Lagers
scheinen sich mehrere Gräben befunden zu haben, die jedoch durch den
hochmittelalterlichen Stadtgraben gestört sind. Vor der Ostseite befanden
sich zwei relativ seichte Spitzgräben. An mehreren Stellen wurden vor den
Gräben noch Annäherungshindernisse in Form von Fallgruben und Palisa-
den festgestellt.
Von den Innenbauten ist gerade genug bekannt, um den Grundriß des
Lagers in groben Zügen rekonstruieren zu können. Am wichtigsten war
wohl die Freilegung eines Seitenkanals der via principalis durch Erich
Polaschek im Jahre 1937, wodurch bewiesen wurde, daß das Lager nach
einem rechtwinkeligen Raster errichtet war. Tribunenhäuser (1) unter dem
Hohen Markt, Thermen (2) zwischen Hohem Markt und Ruprechtskirche
und Unterkünfte der ersten Legionskohorte unter dem Wildpretmarkt (3)
sind die wichtigsten der erkennbaren Grundrisse, während für das von
Neumann links der via praetoria vermutete valetudinarium (4) noch bes-
sere Befunde nötig sind.
3. Von den canabae ist kaum etwas bekannt. Sehr mächtiges Mauerwerk
wurde von v. Kenner vor der Westfront des Lagers, jenseits des Tiefen
Grabens, beobachtet und als eine Art Vorfestung gedeutet, doch wären
hier auch Gebäude der canabae möglich. Fundbeobachtungen verschie-
dener Zeiten deuten darauf hin, daß sich eine Siedlung mit teilweise
beheizten Gebäuden in einem großen Bogen zwischen dem linken und
dem hinteren Lagertor ausdehnte. Spuren eines Mosaiks fanden sich vor
der Votivkirche. Wie in der Zivilstadt ist auch in den canabae trotzdes dürf-
tigen Befundes eine Häufung von Töpferöfen auffällig. Beim U-Bahnbau
wurde auf dem Stephansplatz ein Gebäude des 3. Jh.s ausgegraben, das
den zugeschütteten äußeren Spitzgraben überlagerte.
4. Die bisher entdeckten Gräber legen sich wie ein Kranz fast vollständig
um Rück- und Nebenseiten des Lagers, reichen aber kaum über die Süd-
seite der Limesstraße hinaus. Charakteristisch für Vindobona sind große,
bisweilen sehr tiefe Gruben, in denen Schutt von offensichtlich beseitigten
Gräbern geborgen worden war. Nach den Funden und den Grabdenkmä-
lern zu urteilen muß es in Vindobona recht aufwendig gestaltete und reich
ausgestattete Grabanlagen gegeben haben. Leider ist bisher kein einziges

183
Grab und schon gar nicht ein Gräberfeld nach wissenschaftlichen Kriterien
ausgegraben worden.
Geschichte, Datierung
1. Durch die Grabsteine von Reitern der ala I Flavia milliaria ist die Datie-
rung in spätere flavische Zeit gesichert.
2. Die Errichtung des Legionslagers wird durch die Anwesenheit der /egio
XIII gemina, die noch vor dem ersten Dakerkrieg in Vindobona gewesen
sein muß, und die Bauinschrift CIL 111 14.35932 in die frühen Regierungs-
jahre des Trajan datiert. Die Inschrift stammt wahrscheinlich von der porta
principalis dextra.
3. Gleichzeitig mit dem Legionslager.
4. Datierung entsprechend dem Legionslager und den canabae.
Sichtbare Überreste
Tribunenhäuser: Wien 1., Hoher Markt 3 (Römische Ruinen unter dem
Hohen Markt);
Kanal der via sagularis: Wien 1., Am Hof 9 (Römische Baureste Am Hof 9),
im Keller der Feuerwehrzentrale.
Literatur
Kenner1896,42ft.- Kenner1900- Kenner1S04, 103ft.- Kenner1905, 137ft.
- Kenner 1909, Beibl. 35ff. - Kenner 1911, Beibl. 1O?ft. - Polaschek 1935, 1 ff.
- Neumann 1962 (1 ), 7ff. - Neumann 1964, 7ff. = Nachtrag zu 1962 (1) - Neu-
mann 1967 (1) - Neumann 1967 (2) - Neumann 1967 (3) - Neumann 1972 -
Neumann 1973 - Neumann 1977, 141 ff. - Vindobona. Die Römer im Wiener
Raum. Katalog der 52. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt
Wien (1977) - Dick 1978 - Harl 1979 - Harl, Die Ausgrabung auf dem Wildpret-
markt, im Druck.
O.H.

WIEN/LANDSTRASSE - VINDOBONA

1. KASTELL, 2. ZIVILSTADT
Quellen
1. Keine.
2. Meilenstein CIL 111 4647 Ostgrenze der Zivilstadt? Weihealtar CIL 111
4557 mit Nennung eines decurio municipii Vindobonae (verschollen).

184
Militär
1. Unbekannt.

Lage
1. Wien 3., Hohlweggasse und Klimschgasse.
2. Im dritten Wiener Gemeindebezirk zwischen Rennweg, LandstraBer
Hauptstraße und Schlachthausgasse.

Forschungsgeschichte
1. Bei Errichtung von Neubauten 1903 in der Hohlweggasse und 1908 in
der Klimschgasse entdeckt.
2. Das Wenige, das über die Zivilstadt bekanntgeworden ist, beruht auf
Fundbeobachtungen und Notbergungen fast ausschließlich aus der Zeit
vor dem ersten Weltkrieg. Forschungs- oder Plangrabungen fanden nie
statt.

Archäologischer Befund
1. ln der Klimschgasse wurde ein Spitzgraben auf eine Länge von 24 m
mit einer oberen Breite von 3,5 m und einem Böschungswinkel von 45
Grad freigelegt. Er war an einer Seite von einer Mauer begleitet, deren auf-
gehende Partien als Füllung in den Graben gestürzt worden waren. Ein im
Jahre 1903 in der Hohlweggasse entdeckter Spitzgraben konnte auf eine
Länge von 56 Metern verfolgt werden. Da beide Gräben in einem Abstand
von etwa 350 Metern parallel zueinander verlaufen, muß sich hier ein
Lager von beträchtlicher Größe mit einer steinernen Umfassungsmauer
befunden haben. Leider ist die Breitenausdehnung dieses Lagers bisher
durch keinen Aufschluß abzuschätzen. Es fällt auf, daß die Limesstraße,
die rnit dem heutigen Rennweg identisch ist, nicht nur durch dieses Lager
hindurchzieht, sondern sogar dessen via principalis entsprochen haben
könnte.
2. Die Zivilstadt ist wohl mit Sicherheit nicht nach einem Rasterprinzip
angelegt, sondern dürfte ein vicus gewesen sein, der sich im Zwickel
zweiergroßer Straßen entwickelte. Möglicherweise hängen ihre Lage und
Entstehung mit dem großen steinernen Lager zusammen, dessen Gräben
zu beiden Seiten des Rennweges, der mit der Limesstraße identisch ist,
festgestellt wurden (s. unter 1.). Wenn zu beweisen wäre, daß sich die
Zivilstadt aus den canabae dieses Lagers entwickelt hat, dann wäre auch
der eigenartige Verlauf der römischen Straßen in Vindobona zu erklären.
Wie sich die Bauten der Zivilstadt zu den vielen im dritten Bezirk entdeck-
ten Gräbern verhielten, ist ungeklärt, jedenfalls scheint sich die Siedlung
nicht über die Schlachthausgasse nach Osten hinaus ausgedehnt zu
haben. Die Ostgrenze der Zivilstadt könnte durch den Meilenstein

185
CIL 111 4647, der die zweite Meile von Vindobona angibt, markiert gewesen
sein. Eine Ummauerung ist nicht nachgewiesen und bei dem anscheinend
organisch gewachsenen Siedlungsgrundriß nicht anzunehmen. Die Bau-
ten der Siedlung dürften relativ einfach gewesen sein, weil kein einziges
Architekturstück gefunden wurde. Das gleiche gilt wegen des Fehlens von
Grabsteinen auch flir die Gräber.
Der Boden der Zivilstadt hat einige sehr interessante und qualitätvolle
Skulpturen freigegeben, allen voran die Statue des ägyptischen Tempel-
beamten Chai-Hapi vom Ende der 20. Dynastie, die, weil sie. schon im
Jahre 1800 gefunden wurde, sicher in der Antike nach Vindobona
gebracht worden war.
An Bauwerken sind nur zwei Häuser (Rennweg 12-14) und eine Badean-
lage (Oberzellergasse, eine Seitengasse des Rennweges) aufgedeckt
worden. Trotz der wenig intensiven Fundbeobachtungen sind in der Zivil-
stadt nicht weniger als 10 Töpferöfen entdeckt worden, die ein gutes
Schlaglicht auf die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt werfen.
Ob die Stadt jemals zum municipium erhoben wurde, ist trotz des 1544
gefundenen, aber wieder verschollenen Weihealtars CIL 111 4557, der
einen decurio municipii Vindobonae nennt, fraglich.
Geschichte, Datierung
1. Ungewiß.
2. ln Ermangelung eines anderen Datierungskriteriums mag das wahr-
scheinliche Zusammenfallen der via principalis mit der Limesstraße ein
Hinweis auf eine recht frühe Entstehungszeit des Lagers sein. Dieser Ver-
mutung würde auch entsprechen, daß sich im Bereich der für dieses
Lager zu erwartenden canabae die zwei spätkeltisch-frührömischen Töp-
feröfen befanden, die 1926 entdeckt und ausgegraben worden sind.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
1. Kenner 1903, 45 - Kenner 1911, 145ff. - Pittioni 1929, 1 ff. (Töpferöfen) - Harl
1979 (2), Plan 1 auf Seite 40/41.
2. Kenner 1900, 82ff. - Kenner 1904, 165ff. - Kenner 1905, 201 ff. - Kenner
1909, 71 ff. - Kenner 1911, 134 ff.
O.H.

186
SCHWECHAT- ALA NOVA

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, 3. GRÄBER, 4. MÜNZSCHATZFUND,


5. MEILENSTEINE
Quellen
Itinerarium Antonini 248, 1; Notitia dignitatum Occ. XXXIV 7, 18.
Militär
Im 2.Jh. vielleicht ala I Thracum victrix. ln der Spätantike equites Dalmatae
(vgl. Fischamend).
Lage
1 a. Holz-Erde-Kastell am SW-Rand des modernen Ortes am linken Ufer
der Schwechat (Giadbeckstraße - Brauhausstraße).
1 b. Steinkastell im Ortsbereich sw. der Wiener Straße im Bereich Ala-
Nova-Piatz - Friedhof. Die Längsfronten des Kastells liegen unter den
Häusern Ala-Nova-Piatz 7 (früher 4) und 13, die Prätorialfront unter der
zwischen Wiener Straße und Ala-Nova-Piatz liegenden Häuserzeile, die
Dekumanfront ca. 155 m sw. des Platzes.
2. Unbekannt, am rechten Ufer der Schwechat vermutet. Möglicherweise
ist die in der Sendnergasse festgestellte Ofenanlage ein Hinweis darauf.
Nicht weit davon entfernt wurde 1953 in der Sandgrube Werl ein Depot-
fund von Metallgefäßen und -geräten, der Anfang des 4. Jh.s in die Erde
gekommen sein dürfte, geborgen.
3a. Ried Frauenfeld, westl. des Holz-Erde-Kastells.
3 b. Hauptplatz und Pfarrkirche St. Jakob.
3c. im Bereich des Kastells (Friedhof) bzw. 400 m westlich davon.
3d. Brauereigelände.
4. Im Bereich der Brauerei in der Nähe des Kastells.
5. ln einem ausgemauerten Brunnenschacht am westlichen Ortsrand von
Kleinschwechat, 7,60 m von der Preßburger Straße bzw. 110 m von der
Dreher- (ehem. Ebersdorfer) Straße.
Forschungsgeschichte
1 a. 1979 bei einer Rettungsgrabung des Bundesdenkmalamtes ange-
schnitten (H. Ubl).
1b. Nach Zufallsfunden beim Bau eines Bierkanals 1909 (Wallgraben,
Umfassungsmauer: Deutung J. Nowalski de Lilia) Grabung 1910 durch die
Limeskommission (E. Nowotny): Feststellung der linken Langseite und der
Dekumanfront des Kastells; bei Kanalgrabungen 1937 die rechte Längs-
front angeschnitten, die Prätorialfront bei der Verlegung einer Wasserlei-
tung von J. Ableidinger beobachtet.

187
Schwechat - Ala Nova. 1 : 25 000 (nach ÖK BI. 59)

3a. Grabung 1930 (Aufdeckung eines langobardischen Gräberfeldes).


3 b. Zufallsfunde aus verschiedenen Jahren ab 1920.
3 c. Vor 1902.
3d. Kanalarbeiten 1958.
5. 1843/44 geborgen, heute im Kunsthistorischen Museum Wien.
Archäologischer Befund
1 a. Spitzgräben, Gesamtausdehnung unbekannt.
1 b. Leicht verschobenes Rechteck mit den Außenmaßen 206 x 170 m.
1 m starke Umfassungsmauer, davor ein älterer ca. 6 m breiter Graben ,
der von einem jüngeren etwa 9,60 m breiten Graben überlagert wurde .
Die porta principalis sinistra war eine 19 m breite Anlage, von zwei leicht
vorspringenden Türmen flankiert. Sie wies zwei 2,25 m bzw. 2,53 m
breite, von einem Pfeiler getrennte Durchfahrten auf. Der im Bereich der
retentura festgestellte Zwischenturm war nach dem Grundriß ebenfalls
leicht vorspringend, der Eckturm hingegen nur nach innen angebaut. Die
via principalis hatte eine Breite von 17,23 m, sie wurde auf jeder Seite von
einer 0,60 m breiten Mauer begleitet. Die via sagularis war 9,95 m breit.
Innenbauten konnten nicht erforscht werden.

188
0

\
\
0 SOm

Schwechat - Ala Nova. Kastell. 1 :2000

3a. Brandgrab mit Resten von Bronzegefäßen und -beschlägen e1ner


Holzkassette.
3b. Körperbestattungen teilweise in Sarkophagen bzw. Steinkisten mit
Spolien (Grabstein der Aurelia Verina). An Beigaben z. B. Goldohrgehänge
und Silbernadel (Frauengrab Hauptplatz 21) oder tordierte Goldohrringe
(Kindergrab Hauptplatz 3).
3c. Körperbestattungen, darunter zwei Reitergräber. Beigaben nicht be-
kannt.
3d. Körpergrab mit follis Constantius Chlorus.
4. Ca. 12000 versil berte Kupfermünzen des 4.Jh.s, Schlußmünzen um
325.
5. Gefunden wurden 5 Steine in einer Tiefe von 3,8-7,6 m. Alle Steine
weisen eine Meilenzäh lung von Garnunturn (21) auf.

189
Schwechat - Ala Nova. Kastell, Umfassungsmauer
(nach Ableidinger 1929, VII)

190
Schwechat - Ala nova. Kastell , Schnitt durch den Spitzgraben
(nach Ableidinger 1929, VI)

Geschichte, Datierung
1 a. Flavisch?
1 b. Trajanisch?
3a. 1./2. Jh. n. Chr.
3b. 3.-5. Jh . n. Chr.
3c. Eines der Reitergräber ist im Bereich des Kastells zu lokalisieren,
daher wohl kaum noch spätantik, sondern eher völkerwanderungszeitlich
oder noch später. Auch die westlich davon liegenden Gräber eher nachan-
tik. Die Identifikation als Militärfriedhof (Groller, Pascher, Stiglitz) eher
unwahrscheinlich, vgl. zwei awarenzeitliche Gräber nicht weit davon an
der Kreuzung Klederinger Straße - Wiener Straße.
3d. 4. Jh. n. Chr.
4. Gegen Mitte des 4 . Jh.s.
5. Antoninus Pius - Decius.

Sichtbare Überreste
Keine.

191
Literatur
1 a. Ubl 1979 (1 ), 464 - Ubl 1980, 593 - b. Groller 1904, 1Of. - Groller 1910,
164 - Nowotny 1911, 44 ff. - Groller 1913, 6 - Polaschek 1928, 38 - Ableidinger
1929, 32ff. - Ableidinger 1937, 259f., 296 - Pascher 1949, 137f. - Stiglitz 1965,
107 - Harl 1978, 107f. - Kandler 1980 (1 ), 3ff. - Dietz 1984, 266.
2. Hetzer 1933, 181 - Pascher 1949, 138 - Franz-Neumann 1965, 107 (Stiglitz)
- Neumann 1971, Beibl. 299ft. - Gschwantler 1978, 254 f.
3 a. Wimmer 1933, 59 - Seracsin 1936, 533 - b. Ableidinger 1933, 238 - Müller
1933, 59- Wimmer 1933, 59- Polaschek-Seracsin 1937, 109 Nr. 30- Pascher
1949, 138 - Neumann 1950, 135 - Neumann 1955 (1 ), 100 - Neumann 1955
(2), 24- Stiglitz 1965, 107 - Moßler 1965, 24- Daim 1977, 97- Groller 1904,
10f.- Kubitschek 1912, 147 Nr. V- Pascher 1949, 138- Stiglitz 1965, 107- d.
Walter 1960, 229.
4. Trau 1880, XLII oder XLVII - Pink 1932, 60f. - Dembski 1977, 42.
5. CIL 111 4641-4646- Kenner 1877, 279- Groller 1904, 9- Ableidinger 1929,
21 f., Taf. VII, VIII - Weber 1971, 126f. Nr. 4-9.
M.K.

FISCHAMEND MARKT - AEQUINOCTIUM

1. KASTELL, 2. SIEDLUNG, GRÄBER, 3. WACHTIÜRME


Quellen
Tabula Peutingeriana IV 2; Itinerarium Antonini 248, 1; Notitia dignitatum
Occ. XXXIV 8 und XXXIV 19.
Militär
ln der Spätantike equites Oa/matae, frühere Besatzungen nicht bekannt,
möglicherweise Abteilungen der beiden benachbarten Legionen. J. Fitz
vermutet hier oder in Schwechat die a/a I Thracum victrix.
Lage
1. Nicht bekannt, vermutet am rechten Ufer der Fischa entweder über dem
heutigen Markt, wo aber bislang nur Türme (s. u.) festgestellt worden sind,
oder nördlich des Ortes, wo etwa 400 m von der Kirche entfernt im Jahre
1823 Reste eines viell. römischen Walles beobachtet worden sind. Dieser
Platz ist in der heutigen Au zu suchen, da die Fischa bei der Donauregulie-
rung unmittelbar hinter dem Ort nach 0 abgeleitet worden ist, während sie
ursprünglich im rechten Winkel in die Donau mündete. Von diesem Platz

192
·'
s·'c·-h.~ü
.)

Fischamend - Aequinoctium. 1 :25000


(nach ÖK BI. 60)

aus wäre eine Überwachung der auch für die Antike anzunehmenden Furt
über die Donau, welche.für das Mittelalter belegt ist, gut möglich gewesen.
2. Reste der Siedlung im Bereich des heutigen Marktes: Getreideplatz,
Enzersdorferstraße, Hainburger Straße. Gräberfeld östlich der Siedlung
von der Abzweigung der Brucker Straße bis auf die Höhe der Kuppe.
Reste der antiken Straße auf der Fischainsel.
3a. Östlich des Ortes über dem Steilufer.
3b. 94 m östlich von Turm a, näher an der Donau.
3c. Westlich von Fischamend Dorf unter dem Einfahrtstor der heute nicht
mehr existierenden Mastanstalt zwischen der aufgelassenen Bushalte-
stelle Fischamend-Reichsstraße und der jetzigen Bundesstraße.

Forsch u ngsg esch ichte


2. Kleinere Grabungen durch M. v. Groller 1901, sonst nur gelegentliche
Beobachtungen bei modernen Bauvorhaben, intensivere Bemühungen in
den vergangenen Jahren durch den örtlichen Museumsverein, zuletzt
1984 und 1985 (Enzersdorferstr. 5) .
3. Grabung 1901 (M . v. Groller).

193
Archäologischer Befund
1. Keiner.
2. Die Siedlung wird durch eine Reihe von baulichen Überresten
bestimmt: Getreideplatz (Reste von zwei Gebäuden), Enzersdorferstraße
3, 5 (Siedlungsgruben, Zisternen mit Keramik, Silvanusaltar), Hainburger-
str. 16 = ehem. 1 (Gebäudereste u.a. Ziegelboden mit Stempeln der !egio
X), Hainburgerstr. 18 = ehem. 2 (Mauerreste), vor Hainburgerstr. 16-18
(Ziegelgosse), zwischen Bahnhof und Bundesstraße (Kochgruben mit
Keramik und Speiseresten).
Auf der Kuppe östl. des Marktes zu beiden Seiten der Bundesstraße
Brandgräber (Groller Nr. 5a, c, e, f: bustum-Bestattungen), nach W gegen
die Siedlung zu spätantike Körperbestattungen (Hainburgerstr. 20 =
Konskr. Nr. 119, 22 = Konskr. Nr. 143, 49-51 und östl. des Friedhofes).
Im Flußbett der Fischa Holzpfähle, die vermutlich zu einer römischen
Brücke gehört haben.
3a. Holzturm mit fast quadratischem Grundriß (4,50 x 4,30 m). Von der
Holzkonstruktion waren noch die nur teilweise verkohlten Reste der unter-
sten Balkenlage (quadr. Querschnitt mit einer Seitenlänge von 0,15 m)
erhalten. ln der NW-Ecke des Turmes verschmolzene Metallreste, darun-
ter ein Sesterz des Nerva. Der Turm wurde von einer kreisförmig (Durch-
messer 15m) geführten 0,80 m breiten Mauer umschlossen. Der Hof wies
teilweise Estrichbelag auf.
3b. Steinturm. Vom Mauerwerk das Fundament und teilweise das Aufge-
hende bis zu 0, 70 m Höhe erhalten. Mauerstärke nicht bekannt. Der mit
Ziegeln gedeckte Turm war von einer bis zu 6 m breiten Estrichfläche
umgeben.
3c. Rechteckiger gemauerter Turm, von dem die S-, W- und Teile der 0-
und N-Seite aufgedeckt wurden. Maße 6,38 x 6,68 m. Breite der Mauern
0,80-0,90 m, noch erhaltene Höhe bis 1,75 m. Innen 0,30 m starker
Estrichboden. Hart an der westlichen Außenseite ein Körpergrab (keine
Beigaben, Sohlennägel).

Datierung
1. Über die Entstehung mangels archäologischer Befunde nur Hypothe-
sen möglich.
2. 2.-4.Jh ..
3a. 1. Jh. n. Chr.; nach Nerva durch Brand zerstört.
3b. Vermutlich später als Turm a.
3c. Römisch.

Sichtbare Überreste
Keine.

194
a b c

0 5 10m

Fischamend- Aequinoctium. Wachttürme. 1 :400


(nach Groller 1903, 24 Fig. 10 und 28 Fig. 11)

Literatur
1. Groller 1903, 15ff. - Kubitschek 1906, 117 - Polaschek 1928, 39 - Pascher
1949, 33f. - Fitz 1962, 39f. - Becker 1953, 83, 99.
2. Groller 1903, 15ff. - Kubitschek 1906, 118 - Bortlik 1908, 43 - Franz-Pöch
1933, 51 - Polaschek 1945, 65 - Neumann 1955 (1.), 93 - Hampl 1960, 170 -
Mörk 1971, 63 - Zentrale Fundstellenkartei des BOA (unpubl.).
3a. Groller 1903, 23ft., Textfig. 10. - b. Groller 1903, 27f., Textfig. 10. - c. Groller
1903, 28ff., Textfig . 11 .
M.K.

MARIA ELLEND

1. WACHTTÜRME, 2. MEILENSTEIN

Militär
Unbekannt.
Lage
1 a. An der Limesstraße, nahe einer nach Südosten (Höflein) führenden
Abzweigung, etwa 3 km südwestlich des Ortes bei den "Ellender Wein-
gärten" .
1 b. An der Limesstraße, ca. 1 km südlich des Ortes.
2. Wie 1 a.

195
0 1

Elle

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Maria Eilend. 1:25000
(nach ÖK BI. 60)

Forschungsgeschichte
1. Im Zuge der Straßenforschung der Limeskommission 1901 aufgedeckt.
2. Die Fundumstände des Meilensteines sind unbekannt, er ist als Teil der
Sammlung des Hieronymus Beck von Leopoldsdorf im Schloß Ebreichs-
dorf durch eine Zeichnung von Bartholomäus Jupp aus dem Jahr 1588
überliefert.
Archäologischer Befund .
1 a. ln geringer Entfernung von anderen Bauten wurde ein Gebäude frei-
gelegt, das aus einem viereckigen Kern mit starken Mauern (außen 4 x
4,80 m) in einem ummauerten Hof (außen ca. 12 x 12,75 m) besteht.
Groller sprach von einem ummauerten Straßenturm. Die kleineren
Abmessungen und die nur 0,60 m starken Außenmauern sprechen gegen
den Vergleich mit dem sonst ähnlichen Schema des spätantiken burgus
im Kastell von Zeiselmauer.
1 b. Unter fünf Bauten wurden zwei als zusammengehörig und als
Straßentürme bezeichnet. Das eine Bauwerk besteht aus einem Viereck

196
a
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a
I ~
b
0 5 10m
I I I I I I I I I I

Maria Eilend. Wachttürme. 1 :400


(nach Groller 1903, 10 Fig. 4 und 14 Fig. 6)

von 0,95-1 ,30 m starken Mauern mit den Ausmaßen 4,35 x 4,30 m in
einem 9, 70 x 8,20 m großen, von 0,50-0,60 m starken Mauern eingefaS-
ten Hof. Knapp vor der NO-Seite liegt der zweite Bau, ein 3,50 x 3,20 m
messendes Geviert aus wiederum sehr starken Mauern.
2. Keiner. - Die Meilenangabe des Steines von m(ilia) p(assuum) XII
ergibt, von Garnunturn aus gerechnet, die Stelle dieser Straßengabelung.

Datierung
1. Keine nähere zeitliche Eingrenzung möglich.
2. 201 n. Chr.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
1 a. Groller 1903 - Pascher 1949, 79, 224 - b. Groller 1903, 9ff., Taf. I 25 -
Pascher 1949, 79.
2. CIL III 4640- Weber 1971, Nr. 3.
H.Z.

REGELSBRUNN
1. BURGUS, 2. MEILENSTEIN (?), 3. WACHTIURM

Militär
Unbekannt.

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Regelsbrunn. 1:25000
(nach ÖK BI. 60)

Lage
1. und 2. An der Limesstraße, zwischen der heutigen Bundesstraße und
der Nordostecke des Rohrauer Waldes.
3. An der Straße Vindobona- Carnuntum, 600 m südöstlich von Regels-
brunn.

Forschungsgeschichte
1. Im Zuge der Straßenforschung der Limeskommission im Jahre 1900
angeschnitten.
2. 1899 gefunden , ein Jahr später aber schon wieder verbaut und nicht
mehr sichtbar.
3. 1900 bei den Straßenforschungen der Limeskommission aufgedeckt.

Archäologischer Befund
1. Neben einem größeren Gebäude wurde ein unregelmäßig viereckiges
(etwa 10 x 11 m) freigelegt. Dieses wird vorsichtig als Straßenturm ange-
sprochen, doch sind die Maße dafür eher zu groß. Die Ausdehnung ent-

198
spräche etwa einem burgus, gegen den aber die geringe Mauerstärke
(0,60 m) spricht.
2. "Annähernd zylindrisch behauener Stein", den Grollernach der Entfer-
nung vom Lager Garnunturn (7 Meilen) und nach einer bankettförmigen
Ausweitung der hier angetroffenen Straße für den Rest eines Meilenstei-
nes hielt.
Datierung
1. Römische Zeitstellung anzunehmen, nähere Zeitbestimmung nicht
möglich.
2. Ungewiß.
3. Durch Münzfunde aus den Fundamentgruben ab ca. 300 n. Chr. datier-
bar.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
I. und 2. Groller 1902, 12f., 16f., Taf. I, II 5, 7 - Pascher 1949, 121.
3. Groller 1902, 13f., Taf. 116- Pascher 1949,121.
H.Z.

J
I
0 5 10m Regelsbrunn. Wachtturm. I :400
I I I I I I (nach Groller 1902, Taf.ll, 7)

HÖFLEIN

1. KLEINKASTELL, 2. SIEDLUNG
Name
Nicht überliefert.
Quellen
Keine.

199
Höflein. 1:25000
(nach ÖK BI. 60)

Militär
Nicht bekannt, nach Ziegelstempeln vielleicht ein Detachement der legio
XIIII oder Benefiziarier.

Lage
Ca. 5 km südlich der Donau bzw. 5 km nördlich von Bruck/Leitha am öst-
lichen Ende eines Höhenrückens, heute von der Kirche Hl. Ulrich über-
baut, ca. 300 m nw. der römischen Straße Carnuntum-Scarbantia. Das
Kastellareal deckt sich ungefähr mit dem die Kirche umgebenden Fried-
hof.

Forschungsgeschichte
Einzelfunde schon um die Mitte des 19. Jh.s. 1896 entdeckte W. Kubi-
tschek Spuren römischer Gebäude nahe dem Friedhof, erste Grabung
durch Kubitschek und Nowalski de Lilia 1898 (Turm nördlich Kastell), wei-
tere Grabung 1902 durch M. v. Groller (Umfassungsmauer und Graben).

200
Archäologischer Befund
1. Anlage in Form eines unregelmäßigen Parallelogrammes mit abgerun-
deten Ecken, Maße nach dem Grabungsplan 61 ,85-64,50 x 52,50-
54,75 (?) m (die Maßangaben bei Grollerbeziehen sich nur auf die gerade
verlaufenden Teile der Umfassungsmauer!). Einfacher 4-5 m breiter
Spitzgraben, 1 ,20-1 ,40 m tief. Die Breite der Berme schwankt zwischen
0,80-1 ,20 m. Von der Umfassungsmauer wurden nur Fundamentreste in
einer Höhe von 30-60 cm angetroffen, die aus Bruchsteinen bestanden,
ihre Breite schwankte zwischen 1 ,05-1,15 m. Das Mauerwerk war nur
noch an der 0-Seite bzw. an der NW-Ecke vorhanden, die W-Front war
zur Gänze ausgerissen, N- und S-Seite wurden nicht ergraben. Das Auf-
gehende war, wie die Spolien zeigen, aus großen Quaderblöcken errich-
tet. Ein Wall wurde nicht festgestellt. Tore bzw. mit der Umfassungsmauer
in Verbindung stehende Türme wurden nicht festgestellt. Ein Tor muß aber
wenigstens an der S-Seite gegen die in der Nähe vorbeiführende Straße
vorhanden gewesen sein. Der nördl. des Friedhofes fragmentarisch fest-
gestellte Turm (Kubitschek) liegt um einiges von der von Groller rekon-
struierten N-Front des Kastells entfernt, weshalb ein Zusammenhang wohl
auszuschließen ist.

0 25m

Höflein. KleinkastelL 1 : 1 000


(nach Groller 1902, Taf.lll, 5)

201
2. Westlich des Kastells wurden in Richtung Göttlesbrunn an verschiede-
nen Stellen Baureste angetroffen.
Geschichte, Datierung
Errichtung vermutlich im 2. Jh. n. Chr. Eine in der untersten Verfüllung des
Lagergrabens gefundene Münze des Valens macht wahrscheinlich, daß
das Kastell in dieser Zeit noch bestanden hat. Da zur Donau keine Sicht-
verbindung besteht, wohl aber auf die Straße Garnunturn-Scarbantia,
liegt der Schluß nahe, daß das Kastell in erster Linie zur Überwachung der
Straße gedient hat.
Sichtbare Überreste
Von der Kastellanlage selbst nichts mehr zu sehen, wohl aber zahlreiche
antike Quaderblöcke in der Kirche und der Friedhofsmauer. ln letzterer
waren um 1900 noch vier Bruchstücke von Inschriften vermauert, heute
sind nur mehr zwei vorhanden: CIL 111 14359 15 an der Südseite (Weihung
eines beneficiarius consularis) und CIL III 14359 16 ; heute an der Nordseite
westlich des Friedhofeinganges (custos arrnorurn).
Literatur
Kubitschek 1899, 156ff. - Groller 1902, 19ff. - Bormann 1902, 127f. - Setz 1935
(1 ), Beibl. 317 Nr. 371, 326 Nr. 488- Pascher 1949, 51 - Saria 1951, 30f. Nr. 1 -
Bark6czi 1964, 335 Nr. 75.2 - Stiglitz 1965, 88f. - Dob6 1968, 164 Nr. 248.
M.K.

PETRONELL - CARNUNTUM

1. ZIVILSTADT, 2. GRÄBERFELDER, 3. KASTELL,


4. HOLZ-ERDE-LAGER?

1 . Zivilstadt
Name
Übernommen von der vorrömischen Siedlung, deren ursprüngliche Lage
noch nicht gesichert ist. Allgemein wurde die Siedlung auf dem Brauns-
berg, die durch Brand zerstört wurde, mit Garnunturn gleichgesetzt. Der
Überlieferung nach war Garnunturn eine Stadt des norischen Königrei-
ches.
Quellen
Ammianus Marcellinus XXX 5.1-2, 5.11; Eutropius Vlll13.1; Hieronymos

202
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Petroneii/Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum . I : 25000
(nach ÖK BI. 6·1)
Chronikon paschale 289; Itinerarium Antonini 247.4, 262.8; Marcus Aure-
lius I Subscription; Orosius VII 15.6; Ptolemaios II 14.3; Scriptores Histo-
riae Augustae, Severus 5; Tabula Peutingeriana IV/2; Zosimos II 10.
Lage
Im westlichen Teil des Marktes Petronell, hauptsächlich in dem zum
Schloß Petronell gehörigen Areal des sogenannten Tier- und Spaziergar-
tens. Die östliche Begrenzung ist etwa mit der Langen Gasse, die südliche
mit der Bundesstraße und die westliche mit dem Ende des Tiergartens
gegeben. Auf den als "Gstettenbreiten" bezeichneten, westlich davon lie-
genden Äckern zeichnet sich zu beiden Seiten der Limesstraße im Luftbild
eine Vorstadt ab, die von der Hauptsiedlung durch einen unbebauten
Landstrich, in dem Gräber gefunden worden sind, getrennt war. Der
inschriftlich genannte pagus Eleni könnte eine der Vorstädte Garnunturns
gewesen sein.
Forschungsgeschichte
Zu Grabungen im Bereich der Zivilstadt kam es relativ spät, da sich das

Petronell - Carnuntum. Zivilstadt, große Thermen

204
Petronell - Carnuntum. Zivilstadt, unterirdische Wasserleitung auf der Gstetten-
breite

Hauptinteresse vor allem in der Frühzeit der archäologischen Erforschung


Garnunturns auf die militärischen Anlagen konzentrierte. Erst 1892 fanden
im Tiergarten des Schlosses Petronell flächenmäßige Grabungen statt
(dabei auch Freilegung eines Heiligtumes für Silvanus und die Ouadri-
viae), ein Jahr später folgten erste Grabungen im Bereich der großen
Thermen. 1894 wurde das dritte Mithräum in der Langen Gasse ausgegra-
ben. Alle diese Grabungen wurden von J. Deli durchgeführt. 1923 bis
1930 Ausgrabung und Restaurierung des Amphitheaters (R. Egger, F. Milt-
ner) , 1938/39 Thermen (E. Swoboda), 1948 bis 1956 Händlerviertel
(E. Swoboda), ab 1959 große Thermen (bis 1964 E. Swoboda, ab 1967
H. Stiglitz).

205
Archäologischer Befund
Von der Stadt sind durch Ausgrabungen bisher nur geringe Teile bekannt
geworden, zwei Abschnitte wurden zu Freilichtmuseen ausgestaltet. Im
Spaziergarten wurde ein Teil eines Händlerviertels aufgedeckt. Die Lang-
parzellen liegen im rechten Winkel zu den mit Steinplatten gepflasterten
Straßen. Auf die Straße öffnen sich die Geschäftslokafe, dahinter schlie-
ßen die Wohnräume an. Westlich des Schlosses Petronellliegt eine große
Thermenanlage (früher als Palastruine bezeichnet). Die Baderäume liegen
im nördlichen Teil des großen Baukomplexes, wobei vor der Errichtung
der Räume starke Aufschüttungen bzw. Substruktionen nötig waren, um
ein ebenes Baugelände herzustellen. Das Bad wurde nach den Marko-
mannenkriegen erbaut, Sondierungen im Hof haben die Reste der vor-
markomannischen Siedlung, die hier vorwiegend aus Fachwerkbauten
bestanden hatte, erbracht. Diese Siedlung war in der zweiten Hälfte des
2. Jh.s n. Chr. durch Brand zerstört worden. Um 300 n. Chr. wurde die
Badeanlage als Repräsentationsbau adaptiert. Die letzten Umbauten wur-
den Ende des 4. oder 5. Jh.s durchgeführt. Der Südteil der Anlage zeigt
einen Hof mit zwei Oktogonen und einem Rundbau, der auf drei Seiten
von kleinen rechteckigen Räumen umschlossen wird. Nach Süden zu ist
der gesamten Anlage eine Wandelhalle vorgelagert, die sich auf einen
Platz oder eine Straße öffnete. Eine allgemein anerkannte Deutung dieses
Raumkomplexes ist bislang noch nicht gelungen, eine Geniusstatue und
der Weihealtar des Faustinianus für das collegium tabrum belegen den
offiziellen Charakter dieser Räume. Tempel der Staatsreligion wurden im
Bereich der Zivilstadt bis jetzt nicht gefunden. Bekanntgeworden sind
lediglich Kultbauten des Mithras (Lange Gasse und Tiergarten) und Heilig-
tümer privater Natur.
Der Kern der Stadt wurde im 3. Jh. mit einer Stadtmauer, die an drei Seiten
angeschnitten worden ist, umgürtet. Die Mauer an der Südseite schneidet
im Bereich des sogenannten Schwarzen Tores, das ist die Abzweigung
des Zufahrtsweges zur großen Therme von der Bundesstraße, dieselbe.
Innerhalb des Tiergartens bildet sie im Bereich eines Fischteiches eine
Ecke nach Norden. Teile des Fundamentes dieser Westmauer mit einer
kleinen Toranlage konnten aufgedeckt werden.
Außerhalb der Stadt lag das Amphitheater mit seinen Nebengebäuden in
unmittelbarer Nähe des großen Gräberfeldes. Sein Fassungsraum betrug
etwa 13000 Personen. Inschriftlich ist ein Amphitheater bereits für das
municipium Aelium überliefert, der sichtbare Bau dürfte aber auf einen
Umbau des 3. Jh.s zurückgehen. Im Südtor des Theaters ist als bisher ein-
ziges nachweisbares christliches Baudenkmal ein Baptisterium aufge-
deckt worden.
Weiter südlich liegt das sogenannte Heidentor. Von dem zweigeschoßi-

206
gen Vierpfeilerbau, in dessen Mitte eine runde (Statuen-) Basis gefunden
wurde, haben die beiden westlichen Pfeiler die Jahrhunderte überdauert.
Auf Grund der in seinem Mauerwerk verbauten Spolien ist der Bau in die
Spätantike zu datieren. Sein Zweck ist ungeklärt. Mehrheitlich hat man das
Monument als Grabanlage gedeutet, doch dürfte es sich eher um einen
der unter Constantius II errichteten Triumphbögen handeln. Der offizielle
Charakter des Baues zeigt sich vielleicht auch darin, daß die direkte Ver-
bindungslinie vom Auxiliarkastell (s. 3.) zum Kleinkastell in Höflein an ihm
vorbeiführt. .
Die Wasserversorgung der Stadt erfolgte durch Brunnen und durch
gemauerte, begehbare Wasserleitungen, von denen heute noch zwei
Wasser führen. Sie waren zugänglich über rechteckige, senkrechte Ein-
stiegschächte. Die aus Bruchsteinen gemauerten Seitenwände der Lei-
tungen zeigen Ausnehmungen für Sperrvorrichtungen. Ihre Höhe
schwankt zwischen 1,20 und 1 ,80 m, die Breite liegt zwischen 0,60 und
0,80 m. Eine der bekannten Wasserleitungen kommt aus Richtung
Regelsbrunn und läuft über die "Gstettenbreite" auf die Stadt zu. Eine
zweite wurde in der Langen Gasse angeschnitten, sie endet als soge-
nanntes "Pfaffenbründl" am Donauabbruch. Eine dritte Leitung dürfte von
Süden Wasser in die Stadt gebracht haben.
Geschichte, Datierung
Die Anfänge der Stadt gehen auf die Mitte des 1. Jh.s n. Chr. zurück. Bis-
her gibt es keinen Hinweis auf eine größere vorrömische Siedlung an die-
sem Platz. Unter Trajan wurde Garnunturn Hauptstadt der Provinz Panno-
nia superiorund damit der Sitz des Statthalters. Unter Hadrian wurde Gar-
nunturn zum Municipiurn Aeliurn Garnunturn (CIL 111 4554) und der tribus
Sergia zugeordnet (CIL III 4495, 11019, VIII 2675). Als Hauptstadt erlebte
Garnunturn einen raschen Aufschwung. Während der Markomannen-
kriege scheint die Zivilstadt, wie Brandschichten vermuten lassen, in Mit-
leidenschaft gezogen worden zu sein. Eine neue Blüte erlebte die Stadt
unter den Severern. Von Septimius Severus wurde Garnunturn in den
Rang einer co/onia erhoben (Golonia Septirnia Aurelia Antoniniana). Im
Jahre 307 oder 308 fand in Garnunturn das Treffen zwischen Diokletian,
Maximian, Galerius und Licinius statt. ln der zweiten Hälfte des 4. Jh.s
erfolgte auf Grund wirtschaftlicher und militärischer Krisen ein allmählicher
Niedergang. Es ist auch nicht auszuschließen, daß das im Legionslager,
im Auxiliarkastell und in den canabae nachgewiesene Erdbeben in der
Mitte des 4. Jh.s auch in der Zivilstadt zu Zerstörungen geführt hat.
Folgende Ämter sind inschriftlich nachgewiesen: //// viri iure dicundo (CIL
111 11253, 4554), decuriones (CIL 111 4495, 4236, 4554, 4567, 14359,
Egger 1926, 117ff., Betz 1960, 29), aediles (Barmann 1904, 127ft.), quae-
stores (Egger 1926, 117f., Polaschek 1937, 121 ), augustales (CIL 1114447,

207
11139, XI 6358, Miltner 1933, 226), VI viri (CIL 111 4539), augures (CIL 111
4495), curatores thermarum (CIL 111 4447). An Vereinen sind überliefert
ein col!egium veteranorum centonariorum (CIL 11111097) und ein colle-
giumtabrum (CIL 11111255, 13452, Betz 1960, 29ft.), ferner Kultkollegien.
Sichtbare Überreste
a. Spaziergarten (Händlerviertel)
b. große Thermen (Palastruine)
c. Amphitheater
d. Heidentor
e. sog. "Pfaffenbründl" am Donauabbruch östlich der Kirche.
Literatur
Swoboda 1964 - Stiglitz 1970 (1) - Stiglitz 1977 (1 ), 585ft. - Jobst 1983, 124 ff.
- Kandler 1986, 143ff.

2. Gräberfelder
Lage
Um die Stadt verteilt: Im Bereich des heutigen Friedhofes, auf der soge-
nannten "Johannesbreite" (bei der Rundkapelle), das größte südlich des
Amphitheaters.
Archäologischer Befund
Im Bereich des heutigen Friedhofes vorwiegend Sarkophage, bei der
Rundkapelle Grabädikulen und Körperbestattungen, südlich des Amphi-
theaters Brandgräber und BustumbestaUungen sowie Körperbestattungen
in Holzkisten, Sarkophagen, unter Ziegel- oder Steinabdeckungen oder
auch in bloßer Erde. Zum Teil wurden die Toten in kleinen Grabhäusern
oder in einzelnen Grabbezirken, die entlang von Wegen lagen, bestattet.
Datierung
1. -4. Jh. n. Chr.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Deli 1893, 193ft. - Swoboda 1964, 85, 91, 270 - Stiglitz 1977 (1 ), 602ff. - Jobst
1983, 182ff.

3. Kastell
Quellen
Keine.

208
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Petronell - Carnuntum. Kastell. 1 :2 000

209
Petronell - Carnuntum. Kastell, Gesichtsheim

Militär
Durch Ziegelstempel bisher die a/a I Thracum als neue Truppe nachgewie-
sen, alle übrigen Stempel nennen die für Garnunturn bekannten Militärein-
heiten, vor allem die /egio XV Apollinaris und die legio XIIII gemina.

Lage
Am östlichen Ortsende von Petronell südlich der Bundesstraße, alte Parz.
325-331 Flur Petroneller Burg.

210
Forschungsgeschichte
Im Zuge von Rettungsgrabungen geortet. Systematische Freilegung in
den noch nicht modern verbauten Bereichen ab 1977.

Archäologischer Befund
a. Holz-Erde-Kastell. Länge einschließlich der Gräben 195 m, Breite (mit
einer möglichen Fehlerquelle von 7 m) 178 m. Die Maße ergeben sich aus
Gräben, von denen je zwei an der Nord-, West- und Südfront ergra.ben
sind, während an der Ostseite bislang nur einer angeschnitten worden ist.
Die Innenbauten sind durchwegs in Holz errichtet. Im nördlichen Teil des
Kastells wurden Verfärbungen von 4 m breiten, Nord-Süd streichenden
Kasernenbaracken angetroffen. Von den principia wurden ein Teil mit dem
Innenhof ergraben, woraus sich eine Breite von 22-23 m für das
Gebäude errechnen läßt. Auch im südlichen Teil des Kastells wurden Ver-
bauungsspuren gefunden.
b. SteinkastelL An der gleichen Stelle wie a., diesem gegenüber jedoch
um ca. 1oo nach Nordost gedreht. Maße ohne Gräben 207 x 177,60 m.
Zu unterscheiden sind 2 Bauperioden und mehrere kleinere Umbauten. ln
der ersten Periode waren Kasernen und auch andere Gebäude noch in
Fachwerktechnik errichtet. Im Mauerwerk der zweiten Periode sind auffal-
lend viele Spolien enthalten.
Das Kastell ist im Osten, Norden und Westen von einem, an der Südseite
von zwei Gräben geschützt. Die Kastellmauer hat eine Stärke von 1,10 m.
An der Nord- und korrespondierend dazu auch an der Südseite wurde in
der Mitte zwischen den Lagertoren und der Lagerecke je ein rechteckiger
Innenturm ergraben. Daraus ist auf das Vorhandensein von acht Innentür-
men zu schließen. Von den Lagertoren waren die porta praetoria und die
porta principalis sinistra bereits modern überbaut, die porta decumana
wurde untersucht. Die Torbreite beträgt 8 m, die Durchfahrten werden von
einem 1 m breiten Mittelpfeiler getrennt. Das Tor wird flankiert von zwei
rechteckigen, 1 ,20 m vor die Kastellflucht vorspringenden Türmen (6,40
x 7,20 m). Nachträglich eingezogene Holzstützen weisen auf Beschädi-
gungen während eines Erdbebens hin. Die porta principalis dextra ist noch
nicht untersucht.
Von den Innenbauten wurden im nördlichen Teil des Kastells fünf Kaser-
nen ergraben oder zumindest angeschnitten. Insgesamt sind hier 8 Dop-
pelkasernen anzunehmen. ln der retentura wurden die principia, ein hor-
reum, ein Bad, Werkstätten (Schmieden) und ein vorläufig als valetudina-
rium bezeichnetes Gebäude festgestellt. Daneben fanden sich einfach
gestaltete größere Objekte, die wohl in die Spätzeit zu datieren sind, deren
Deutung aber beim derzeitigen Forschungsstand noch unsicher ist (Stal-
lungen, Veterinärspital?). Auch etliche Straßen wurden ergraben. Gemau-

211
erte Abwasserkanäle entlang der via sagularis, der via praetoria sowie hin-
ter den principia entsorgten das Kastell. Der Hauptkanal trat an der Ost-
front aus dem Kastell, wo er mit einer Sperre gegen Rückstau knapp süd-
lich der heutigen Bundesstraße endete. Der Wasserversorgung scheinen
verschiedene Brunnen gedient zu haben, von denen einer im Hof der
principia aufgedeckt worden ist. Nördlich des Kastells zieht eine Wasser-
leitung in Richtung nach Osten und kreuzt den Abwasserkanal, der sie
überlagert. Zur Kontrolle des Trinkwassers wurde hier ein 7 m langes
Stück der Wasserleitung überwölbt und begehbar gemacht.
Geschichte, Datierung
a. Errichtung in den sechzig er Jahren des 1. Jh.s n. Chr.
b. ln trajanischer Zeit beginnender Umbau. Ziegel der /egio XV vor allem
im Bad. Nach dem derzeitigen Forschungsstand hat das Kastell zumindest
in reduzierter Form noch am Ende des 4.Jh.s bestanden. Eine Zerstörung
durch Feindeinwirkung ist nicht nachzuweisen, wohl aber gibt es Nach-
weise schwerster Schäden infolge eines Erdbebens. Die Grabungen des
Jahres 1985 haben Hinweise geliefert, daß das Kastellareal vor der Errich-
tung des Holz-Erde-Lagers nicht freies Gelände darstellte, sondern für
Werkstätten genützt wurde.
Sichtbare Überreste
Vom Kastell keine, erhalten und zugänglich jedoch in einem Hauskeller
der Kreuzungspunkt zwischen Abwasserkanal und Wasserleitung.
Literatur
Stiglitz 1978, 3ff. - Stiglitz 1980, 12ff. - Stiglitz 1982, 24 ff. - Stiglitz 1983, 9ff. -
Stiglitz 1984, 19ff.
H.St.

4. Holz-Erde-Lager
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Am östlichen Ortsrand von Petronell zwischen der Bundesstraße B 9 und
dem Donauabbruch auf der Parzelle 288/2.
Forschungsgeschichte
Grabungen 1971 und 1972 durch H. Ubl.

212
Archäologischer Befund
Angeschnitten wurde ein bis zu 1,50 m in den gewachsenen Boden ein-
geschnittener und ca. 6 m breiter doppelter Spitzgraben, dem vom Aus-
gräber östlich anschließende Schwellbalkengräbchen zugeordnet werden.
Ausdehnung unbekannt.
Datierung
Verfüllung der Gräben ohne datierende Funde, auf Grund der Stratigraphie
jedoch nur 1. Jh. n. Chr. möglich.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Ubl 1971, 72ff. - Ubl 1972, 1OOf. - Ubl 1975 (1 ), 147 - Kandler 1977, 689.
M.K.

BAD DEUTSCH-ALTENBURG - CARNUNTUM

1. LEGIONSLAGER, 2. MILITÄRISCHER ÜBUNGSGRABEN?


3. KASTELL? 4. WACHTIÜRME? 5. CANABAE LEGIONIS

1. Legionslager
Quellen
Velleius Paterculus II 109, 5 und 110, 1-2; Plinius naturalis historia IV 80;
Ptolemaios 1114, 3; Tabula Peutingeriana IV/2; Itinerarium Antonini; Notitia
dignitatum Occ. XXXIV 28.
Militär
Im 1. Jh. n. Chr. mit einer kurzen Unterbrechung (62-71, in dieser Zeit die
Iegiones VII gemina, X gemina und XXII primigenia) die legio XV Apollina-
ris, welche am Ende der Regierungszeit des Trajan von der legio XIV
gemina Martia victrix abgelöst wurde. Diese blieb bis zum Ende der
Römerherrschaft Stationierungsort der Donauflottille Classis Flavia Pan-
nonica; verschiedene Hilfstruppen.
Lage
Etwa in der Mitte zwischen Petronell und Bad Deutsch-Aitenburg auf dem
sich als flaches Plateau von der Umgebung abhebenden "Burgfeld". Es
wird von der modernen Straße durchschnitten, welche sich mit der antiken
via principalis deckt.

213
Forschungsgeschichte
Die baulichen Überreste vor allem der Lagerumfassung wurden bereits
von A. Marsigli, Danubius pannonico-mysicus (1726), festgehalten. Der
Beginn der archäologischen Forschungstätigkeit fällt in das Jahr 1877. Bis
zum ersten Weltkrieg kontinuierliche Grabungstätigkeit, durch welche
ca.4/5 des Lagers untersucht worden sind. Diese Forschungen sind ver-
bunden mit den Namen A. Hauser, C. Tragau, M. v. Groller-Mildensee und
E. Nowotny als Grabungsleiter. Gemeinsam mit Novaesium (Neuss am
Rhein) und Lambaesis in Nordafrika gehörte C. zu den ersten· systema-
tisch erforschten Legionslagern, das für die nachfolgende Limesforschung
wichtige Impulse lieferte. Eine Wiederaufnahme der Grabungen erfolgte
erst nach dem zweiten Weltkrieg, zunächst im kleineren Rahmen im Jahre
1956/57 durch R. Swoboda-Milenovic und schließlich von 1968-1977 im
NO-Quadranten des Lagers im Auftrag der Limeskommission durch
M. Kandler.

Archäologischer Befund
Das Lager bildet ein unregelmäßiges Vieleck. Maße: Länge noch 490 m,
die Breite schwankt zwischen 334-391 m. Die W-Front (Himmelsrichtun-
gen generalisiert!) ist gegen die porta principa/is sinistra leicht eingezogen,
die 0-Front weist zu beiden Seiten des Tores starke Ausbuchtungen auf,
deren Zweck und Datierung unterschiedlich diskutiert worden sind. Die
südliche Dekumanfront verläuft gerade, die Front gegen die Donau ist in
ihrem ursprünglichen Verlauf nicht bekannt, da sie vom Fluß abgerissen
worden ist. Die festgestellten Mauerreste gehören vermutlich zu einer
durch die Erosionstätigkeit der Donau notwendig gewordenen Korrektur
der Umfassung, die der Linie des Uferabbruches folgte. Die Mauerstärke
schwanktinfolge verschiedener Bauperioden zwischen 1,20m und I ,80 m.
Von den Lagertoren wurden die porta principa/is sinistra und dextra
sowie die porta decumana ergraben. Die mit Pfeilern unterteilten Durch-
fahrten werden von leicht vorkragenden rechteckigen Türmen flankiert.
Von der porta praetoria wurden keine Spuren mehr gefunden, ihr Vorhan-
densein ist jedoch ziemlich wahrscheinlich. Ecktürme wurden an der
Dekumanfront teilweise ergraben, Zwischentürme fanden sich an allen
drei erforschten Lagerfronten. Sie zeigen verschiedene Ausmaße, was
wohl ebenfalls mit zeitlich unterschiedlichen Baumaßnahmen zusammen-
hängt. Eck- und Zwischentürme schließen an der Innenseite der Lager-
mauer an, die für die Spätantike charakteristischen vorkragenden Türme
fehlen. Die Bautätigkeit dieser Zeit folgt, wie die Grabungen an der 0-
Front der Prätentur gezeigt haben, dem traditionellen Schema. Das Lager
wird von einem doppelten Graben eingefaßt, lediglich südlich des 0-Tores
ist nur ein Graben vorhanden. Die Innenbebauung entspricht bis auf das

214
/
/
0 SO 100m
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1 principia 3 Tribunenhäuser 5 Lazarett


2 praetorium 4 Kasernen 6 Magazine und Werkstätten

Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum. Legionslager. 1:4000

215
-
Fehlen eines Bades (dieses liegt außerhalb des Lagers in den canabae)
dem üblichen Lagerschema. Südl. des Schnittpunktes der von Lauben
gesäumten via principalis mit der via praetoria liegen die principia, ein
ursprünglich 90 x 60 m großer Bau. Ihr zentraler Hof wird von den Pfeiler-
hallen eingerahmt, an der Südseite schließt eine Basilika mit Versamm-
lungsräumen und dem Lagerheiligtum an. Hinter diesem Bau liegt das
praetorium mit ungefähr den gleichen Ausmaßen. Westlich davon sind in
diesem scamnum das valetudinarium (zwei große Bauperioden, die jün-
gere und größere mit den Maßen 76,80-79,50 x 82,20-83,50 m), _östlich
zwei Werkstatt- oder Magazingebäude angeordnet. Nördlich der via princi-
palis liegen die Tribunenhäuser, vom Grundriß her kleine etwa quadrati-
sche Peristylanlagen, nur das westlichste zeigt einen längsrechteckigen
Grundriß, es diente vielleicht als scho/a. Die Kasernen sind in den äußer-
sten Abschnitten des Lagers an der N- und S-Front sowie zu beiden Sei-
ten der principia, wo die erste Kohorte ihre Unterkünfte hatte, angeordnet.
Außerhalb der via sagularis liegt südlich der porta principalis dextra ein als
horreum interpretiertes Gebäude. Zahlreiche Um- und Einbauten sowie
die zum Teil mehr als 2 m starken Kulturschichten sind beredte Zeichen
für die ständige Erneuerung bzw. Veränderung der Lagerbauten. Insge-
samt konnten sieben Bauperioden festgestellt werden.

Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum . Legionslager, Bauinschrift aus valentiniani-


scher Zeit (Bad Deutsch-Aitenburg, Museum Carnuntinum)

216
Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum. Legionslager, Torso einer Kaiserstatue aus
den principia (Bad Deutsch-Aitenburg, Museum Carnuntinum)

217
Geschichte, Datierung
Ein erstes Lager wird bereits bei Velleius Paterculus genannt. Es diente als
Basislager für den Krieg gegen Marbod. Dieses Lager ist archäologisch
noch nicht faßbar. Die ältesten Schichten des Legionslagers reichen nicht
vor die Zeit des Claudius (41 -54 n. Chr.) zurück, in der zunächst ein
Erde-Holz-Lager errichtet wurde. Im Bereich des NO-üuadranten sowie
an der Westseite der Prätentur wurden davon Kasernengrundrisse und
der Erdwall festgestellt. Noch unter Claudius hat möglicherweise der
Umbau in Stein (heute verschollene Bauinschrift CIL III 4591. aus dem
Jahre 53 oder 54) begonnen. Zu welchem Gebäude diese Inschrift gehört
hat, muß allerdings offen bleiben. Weitere Umbauten sind durch die
Inschriften CIL 111 11194-96, 11198 zwischen 73 und 76 belegt. Auch hier
ist nicht bekannt, was gebaut worden ist. Nach den Ergebnissen der Gra-
bungen im NO-Quadranten dürften diese Arbeiten erst in trajanischer Zeit
abgeschlossen worden sein, vgl. dazu auch die Bauinschriften CIL 111
11199 (1 07 n. Chr.) und Vorbeck 337. Diese beiden ersten Bauperioden
zeigen gegenüber den späteren Anlagen eine abweichende Orientierung,
die parallel zur Umfassungsmauer der Prätentur verläuft. Ein Neubau
erfolgte um 200 n. Chr. (CIL III 11204 u. 13451, 211-213 n. Chr.), viel-
leicht war bereits zu diesem Zeitpunkt, ähnlich wie in Brigetio, eine
Zurücknahme des Lagers von der Donau notwendig geworden, was die
veränderte Orientierung der Retentur erklären könnte. Ein weiterer Umbau
muß etwa ein Jahrhundert später stattgefunden haben. Baumaßnahmen
unter Valentinian I. sind einerseits durch die Bauinschrift CIL 111 14358 1 '
1

(375 n. Chr.) bezeugt, andererseits aber auch archäologisch nachgewie-


sen. Der Grund hiefür scheint eine etwa in die Mitte des 4. Jh.s zu datie-
rende Zerstörung durch ein Erdbeben gewesen zu sein, deren Spuren
zum ersten Mal im Lager nachgewiesen werden konnten. Eine Reihe von
Kinderbestattungen zeigt die geänderten Verhältnisse innerhalb des
Lagers, in dem nun auch die Familien der Soldaten untergebracht waren.
An vielen Stellen des Lagers läßt sich auch noch eine nach 380 anzuset-
zende Bautätigkeit feststellen, so vor allem ein Kleinkastell an der W-Front
der Retentur und Wohnbauten in der Prätentur. Die späteste Bautätigkeit
ist in das Frühmittelalter zu datieren. Dies ist ein Zeugnis dafür, daß das
Lager die Völkerwanderungszeit ziemlich unbeschadet überdauert hatte.
Sichtbare Überreste
Das Lager zeichnet sich noch heute deutlich im Gelände ab. Die ehemali-
gen Lagergräben markieren als flache Mulden seinen Umriß. Von den frei-
gelegten Mauerresten ist allerdings nur das Fundament des Südturmes
der porta principa!is dextra sowie ein Stück der Lagermauer konserviert
worden und heute sichtbar. Alles übrige wurde nach den Grabungen wie-
derzugeschüttet

218
Literatur
Hirschfeld 1877, 130ft. - Hirschfeld 1878, 176ft. - Hauser 1884, 55ft. - Hauser
1886, 32ft. - Hauser 1887, 1ft. - Hauser 1888, 147ft. - Tragau 1897, 173ft. -
Groller 1900, 19ft. - Groller 1901, 15ft. - Groller 1902, 31 ff. - Groller 1903, 53ft.
- Groller 1904, 33ft. - Groller 1905, 63ft. - Groller 1906, 47ft. - Groller 1908,

Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum. Canabae /egionis, Militärdolch aus der Ein-


fü llu ng eines Übungsgrabens (?)

219
'

3ff. - Groller 1909, 7ff. - Nowotny 1914 - Pascher 1949, 21f. - Swoboda- Mile-
novi6 1956, 45ff. - Swoboda- Milenovi6 1957, 21 ff. - M6csy 1962, 633 - Vetters
1963, 157ft. - Krüger 1967 - Hild 1968 - Krüger 1970 - Stiglitz 1970 (1 ), 1576ff.
-Vetters 1970, 48ft. - Krüger 1972- Kandler 1974- Petrikovits 1975- Kandler
1976, 250ft. - Kandler 1977, 626ft. - Kandler 1978, 335ft. - Grünewald 1979 -
Kandler 1980 (2), 83ft. - Vorbeck 1980 (1) - Vorbeck 1980 (2) - Grünewald 1981
- Jobst 1983, 45ft.

2. Militärischer Übungsgraben?
Lage
Am westlichen Ortsrand von Bad Deutsch-Aitenburg, Flur Mühläcker,
Parz. 683/18-20, 32, 33.
Forschungsgeschichte
Grabungen 1983-85.
Archäologischer Befund
Einfacher Spitzgraben bis zu 1,80 m in den gewachsenen Boden einge-
tieft und bis zu 5 m breit. Im westlichen Teil in NW/SO-Richtung verlau-
fend und im Bereich der Parz. 683/19 in stumpfem Winkel nach S knik-
kend. Sowohl hier als auch im W über das Grabungsgelände hinaus lau-
fend.
Datierung
ln der dunklen Humuseinfüllung nur ein Fundstück: Ein eiserner Militär-
dolch mit tauschierter und emaillierter Scheide aus der Mitte des 1. Jh.s
n. Chr., der Graben ist daher älter oder gleichzeitig.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Kandler-Zabehlicky 1985, 8.

3. Kastell?
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Östlich von Bad Deutsch-Aitenburg auf einem ursprünglich bis an die

220
Donau reichenden und gegen den Fluß steil abfallenden Plateau mit dem
Namen "Am Stein".
Forschungsgeschichte
Grabungen 1874 (M. Much), später einige Fundbergungen.
Archäologischer Befund
Ziegelstempel der /egio X, Inschriften CIL 111 11204 (legio XIV), 11245c
(legio XIV), 11245a, b (legio X), Architekturbruchstücke, die angeblich zu
einem dreitorigen Bogen gehört haben sollen. Sonst ist von römerzeitli-
chen Bauresten nicht die Rede.
Datierung
Keine.
Sichtbare Überreste
Der Geländesporn wurde bis nahe an die mittelalterliche Kirche durch
einen Steinbruch abgebaut, sodaß heute von dem Areal des angeblichen
Kastells nichts mehr erhalten ist.
Literatur
Die römerzeitlichen Überreste mit Ausnahme der Inschriften unpubl., zusammen-
fassend vgl. Kandler 1977, 689ft.

4. Wachttürme?
Lage
a. Ca. 350 m östl. des Legionslagers auf der Parz. 687 auf dem zum
Altenburger Bach abfallenden Hang.
b. Etwa 400 m von der SO-Ecke des Lagers entfernt auf Parz. 691 eben-
falls auf dem zum Altenburger Bach abfallenden Hang westl. der Thermen.
c. 600 m sw. des Legionslagers auf dem Mattle-Acker. Genaue Lokalisie-
rung nicht möglich.
d. An einem Weg auf der "Deutsch-Altenburger Viehtrift" (südlich des
Legionslagers).
Forschungsgeschichte
a. und b. Grabung 1905 (M. v. Groller- Mildensee).
c. Grabung 1885 (A. Hauser).
d. Nicht gegraben.
Archäologischer Befund
a. Rechteckiger Bau, ca. 5 x 6 m (Maße aus dem Grabungsplan entnom-
men), seine Mauern sind doppelt so stark wie jene des darüber liegenden
Baues (Maße nicht angegeben), ein Graben wurde nicht festgestellt.

221
b. Quadratischer Bau mit einer Seitenlänge von ca. 5,50 m (Maße aus
dem Plan). Quadermauerwerk. Eingebunden in ein vermutlich späteres
Bauwerk, das zu der hier anzunehmenden Palästra der Thermen gehörte.
An der NO-Seite führt ein gewölbter Kanal vorbei. Außer der auffälligen
Mauerkonstruktion, die auch zu einem Turm anderer Zweckbestimmung
gehören könnte (Wasserturm?), fanden sich keine Hinweise, die die mili-
tärische Interpretation stützen würden.
Datierung
a. Römisch, älter als das darüber liegende Gebäude.
b. Römisch.
c. Römisch? (Von Kubitschek bezweifelt: mittelalterlich).
d. Römisch?, mittelalterlich?
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
a. Groller 1907, 46f., Fig. 24.
b. Groll er 1907, 84 ff., Fig. 39.
c. Hauser 1886, 35f., Taf.IV- Tragau 1897, Abb.1 - Kubitschek 1912, 202b.
d. Tragau 1897, 175f.

5. Canabae legionis
Lage
Zwischen Petronell und Bad Deutsch-Aitenburg. Im Westen bilden das am
Ostrand von Petronell gelegene Auxiliarkastell sowie der heilige Bezirk
des Jupiter Dolichenus den Abschluß, an welchen nach W zu Gräber im
unverbauten Gebiet anschließen. Gegen Süden bzw. Südost reicht die
dichte Verbauung bis etwa zu jener Linie, die durch die Bahntrasse gebil-
det wird. An der 0-Seite folgt der Siedlungsrand zunächst dem westlichen
Teil der Roseggergasse in Bad Deutsch-Aitenburg. Noch vor dem Ortsbe-
reich knickt die Siedlungsgrenze gegen die Donau, die sie nördlich der
Bundesstraße unter dem Areal der sog. Windmühlsiedlung erreicht. Zu
den canabae sind, wenn auch schon außerhalb des dicht verbauten
Gebietes liegend, das Mithräum I, das in der Flur "Am Stein" festgestellt
worden ist, sowie der Tempelbezirk der kapitolinischen Trias und des Kai-
serkultes auf dem Pfaffenberg zu zählen. Im Zentrum der canabae ist das
Legionslager angeordnet. Es wird von einem unterschiedlich breiten Gla-
cis (1 00-180 m) umschlossen. Der nördliche Teil der canabae zu beiden
Seiten des Legionslagers ist der Erosion der Donau zum Opfer gefallen,
so daß sich die ursprüngliche Ausdehnung in diese Richtung nicht mehr
feststellen läßt. Die noch rekonstruierbare antike Siedlungsfläche beträgt

222
130 ha. Nach SO setzt sich die dichte Verbauung entlang der Limesstraße
nach Geru/ata noch über mehrere hundert Meter in Form einer Straßen-
siedlung fort.
Forschungsgeschichte
Schon sehr früh wurde festgestellt, daß das um das Legionslager liegende
Areal in der Antike verbaut gewesen ist. So berichtet schon Sacken von
einem Badegebäude, das in der Nähe des Palffy-Gartens im Jahre 1848
ausgegraben worden war - die Räume gehören, wie M. v. Grolle.r zu
Beginn des 20. Jh.s nach einer (mit großen Unterbrechungen) sich über
ein halbes Jahrhundert hinziehenden und nicht sehr systematischen Gra-
bungstätigkeit feststellen konnte, alle zu einem großen, zusammenhän-
genden Thermenkomplex (Grabungen 1875, 1886/87, 1904/05, 1907).
1872 erfolgte eine nicht publizierte Grabung am Ostrand der canabae. Die
dabei aufgedeckten Ruinen gehörten - wie bei der Neuentdeckung 1981
festgestellt wurde - zum Badegebäude eines Tempelbezirkes für orienta-
lische Götter. Parallel zur 1877 beginnenden systematischen Erforschung
des Legionslagers wurde auch dessen Umland archäologisch untersucht,
allerdings mit wenigen Ausnahmen nicht regelmäßig und an verschiede-
nen Punkten, sodaß ein archäologischer "Fleckerlteppich" entstand. ln
erster Linie waren es die großen, offiziellen Aufgaben dienenden
Gebäude, die das Interesse der Ausgräber erweckten. Thermen, Forum
und Amphitheater sind deshalb die am vollständigsten untersuchten
Gebäude der canabae. Auch der sog. Gräberstraße, dem frühesten Fried-
hof des Lagers und der canabae, der entlang der Straße nach Scarbantia
entstand, wurde auf Grund der zahlreichen epigraphischen Funde schon
früh ein besonderes Augenmerk gewidmet. Mit Ausbruch des ersten
Weltkrieges wurde diese intensive Forschungsperiode unterbrochen, in
der Zwischenkriegszeit konnten lediglich kleinere Untersuchungen im
Bereich der Gräberstraße durchgeführt werden. Nach dem zweiten Weit-
krieg war der archäologische Neubeginn in Garnunturn wieder einem
Denkmal der canabae gewidmet, dem Militäramphitheater. ln den Jahren
danach konzentrierte sich das Augenmerk der Ausgräber mit wenigen
Ausnahmen aber mehr auf die Zivilstadt, erst ab der zweiten Hälfte der
siebziger Jahre wurden auf Grund moderner Bauvorhaben großflächige
Rettungsgrabungen im Bereich der canabae notwendig.
Grabungstätigkeit in den canabae /egionis:
1. Siedlungsareal östlich des Lagers: 1895, 1905, 1978/79, 1983-.
2. Thermen: 1848, 1875, 1886/87, 1904-07.
3. Amphitheater: 1888-1890, 1894, 1946/47.
4. Siedlungsareal westl. des Lagers: 1891, 1897, 1900, 1903/04, 1954,
1971/72.
5. Forum: 1902-1904.

223
Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum. Canabae /egionis, Bauinschrift eines Heilig-
tums für Sarapis und lsis (Privatbesitz)

6. Prätori um: 1902/03.


7. Tempelbezirk: 1978-1984.
8. Gebäude südl. des Lagers: 1976/77, 1984-.
9. Wasserleitung: 1892, 1897, 1901.
10. Gräberstraße: 1885/86, 1901/02, 1913/14, 1933/34, 1957/58, 1961.
11. Sonstige Gräber: 1895, 1898, 1905, 1982.
12. Pfaffenberg: 1898, 1970-.
Archäologischer Befund
Bei den Ausgrabungen wurden zahlreiche private und öffentliche
Gebäude, Straßen und Gräber aufgedeckt, sodaß sich in Verbindung mit
den durch die Luftbildarchäologie gewonnenen Erkenntnissen in den gra-
bungsmäßig noch nicht erforschten Gebieten ein relativ geschlossenes
Bild dieser Siedlung gewinnen läßt. Unter den Baulichkeiten sind an erster
Stelle die öffentlichen Anlagen zu nennen. Nordöstlich des Legionslagers
fand sich in einer Geländemulde eingebettet das Amphitheater mit Ach -
senlängen von 97,55 x 76,38 m. ln der Mitte der Südseite wurde eine
Loge für den Legionskommandanten, über dem Arenazugang an der
Nordseite die Sitze für die 111/viri errichtet. Dem Westeingang sind einige
Baulichkeiten vorgelegt: An der Nordseite liegt ein Tierzwinger, ihm
gegenüber ein Heiligtum für die Diana Nemesis, in dem das Kultinventar
(Statue und Weihungen durchwegs militärischer Dedikanten) noch voll-
ständig erhalten war. Vor dem Steinbau stand an der gleichen Stelle eine
gleiche Anlage aus Holz. Am Südostabhang, ca. 400 m vom Legionslager

224
Petronell - Carnuntum. Canabae legionis, Grabstein des mi/es Rufus Lucilius der
legio XV Apollinaris (Bad Deutsch-Aitenburg , Museum Carnuntinum)

entfernt, wurde eine große Thermenanlage aufgedeckt. Die unvollständig


ausgegrabene Anlage bildet einen dreieckigen Grundriß (11 0 x 100 m).
Ein Abschluß ist nur an der Südostseite gegeben, nach Westen war dem
komplizierten Komplex noch ein von einer Wandelhalle umschlossener
großer Hof (Palästra) vorgelegt (140 x 40 m), der sich auf Luftbildern

225
deutlich abzeichnet. Nur 100 Meter von der südl. Lagerecke entfernt
erstreckte sich eine ausgedehnte Forumsanlage, in der zweiten (vollstän-
dig erhaltenen) Bauperiode in zwei Höfe geteilt, umschlossen von Wan-
delgängen und Tabernen mit den Maßen 182 x 225,60 m. Die mehr als 2
Meter starken Mauerfundamente lassen darauf schließen, daß die Anlage
zumindest zweigeschossig war. An den südlichen kleineren Hof schloß
sich noch eine Basilika an. Das Gebäude war nach NW orientiert, wo ihm
an der Front eine Pfeilerhalle als Schmuck vorgeblendet war. Westlich des
Lagers am Donauabbruch fanden sich Reste eines großen Gebäudes,
dessen Front (37 m Länge) gegen die Limesstraße gerichtet war. Saalar-
tige Räume prägen das erhaltene Innere, in einem dieser Räume fand sich
ein Altar mit der Nennung des Statthalters T. Pomponius Protomachus, der
die Deutung des Gebäudes als Amtssitz des Statthalters bewirkte. Zwi-
schen diesen Gebäudeanlagen wurden sowohl nordöstlich als auch süd-
westlich des Lagers eine Reihe von privaten Gebäuden ergraben, die mei-
sten allerdings nur mit unvollständigen Grundrissen, da sich die seinerzei-
tigen Grabungen nach den modernen Parzellengrenzen richten mußten.
Einen geschlossenen Eindruck vermittelt die insulaartige Verbauung zwi-
schen Forum und Prätorium, in dieser Form frühestens am Ende des
zweiten Jh.s entstanden. Weniger übersichtlich sind die Gebäudereste nö.
des Lagers, Luftbilder zeigen aber auch hier eine dichte Verbauung. An
der 0-Seite der canabae wird seit 1978 an der Freilegung eines Tempel-
bezirkes für Mithras und die heliopolitanischen Götter gearbeitet. Südlich
des Lagers werden Gebäude an der Straße nach Gerulata untersucht, sw.
wohl ebenfalls schon am Rand der canabae konnte vor einigen Jahren
eine vil/a rustica teilweise untersucht werden.
Bei den verschiedenen Grabungen wurden auch immer wieder Straßen
angeschnitten, so die eben genannte nach Gerulata, die das Legionslager
an der Rückfront verläßt sowie auch die das Lager quer durchschneidende
Donauuferstraße. Im Nahbereich des Legionslagers ist vor allem auch die
Straße nach Scarbantia untersucht worden, auch wurde eine das Lager an
der Rückfront umfahrende Straße festgestellt. An der Straße nach Scar-
bantia liegen die frühesten Bestattungen, vorwiegend des Militärs aus dem
1. und 2. Jh. Spätere Gräberfelder (Ziegelgräber, Steinkisten und Sarko-
phage wie auch reine Erdbestattungen) fanden sich nahe der S-Ecke des
Lagers wie auch südöstlich und östlich davon. Allerdings wurde keines
dieser Gräberfelder systematisch bzw. zur Gänze untersucht. Die meisten
der Gräber sind bereits geplündert (alt, aber auch modern), viele weisen
keine Beigaben mehr auf. Ihre zeitliche Einordnung ist daher nicht leicht,
sie werden der ausgehenden Antike (Ende 4., Anfang 5. Jh.) oder einem
noch späteren Zeitraum angehören.
Das Gebiet der Stadt wird im Osten von einem etwas über 300 m hohen
Höhenzug begrenzt, dem sog. Pfaffenberg, einem Ausläufer des noch

226
/
/

0 50 m

1 Tempel 4 Bad
2 Mithräum 5 Tempelhof
3 Kultsaal
Bad Deutsch-Aitenburg - Carnuntum. Canabae /egionis, Tempelbezirk für orienta-
lische Götter. 1 :2 000

227
höher ansteigenden Hundsheimer Berges. Auf der Kuppe des Pfaffenber-
ges wurde in der 1. Hälfte des 2. Jh.s n. Chr. ein Tempelbezirk errichtet,
der dem römischen Staatskult diente und vermutlich als Kapitol der cana-
bae legionis anzusprechen ist. Verschiedene Heiligtümer, darunter ein
Tempel für die kapitolinische Trias, Denkmäler für den Kaiserkult (u.a. für
Hadrian und Mark Aurel) und ein Kulttheater, an dessen Bau auch ein dem
Dolichenus geweihter Jugendverein (iuventus colens Iovern Dolichenurn)
beteiligt war, sind archäologisch festgestellt. Zahlreiche größere und klei-
nere Fundamente lassen erkennen, daß in dem von den genannten Bau-
ten umschlossenen und sich nach Westen gegen die Stadt zu öffnenden
Areal Altäre und Kultstatuen aufgestellt gewesen sind. Davon und von der
Architekturdekoration sind allerdings nur Bruchstücke erhalten geblieben,
da die Anlage in der Spätantike einer gewaltsamen Zerstörung (durch
Christen?) anheimgefallen ist. Unter den Inschriften sind Weihungen an
Jupiter optimus maximus K(arnuntinus?) vorherrschend, mehrere Male
versehen mit dem Datum 11. Juni, an welchem Tag zu Ehren des Gottes
im Tempelbezirk Festlichkeiten begangen wurden. Die früheste Datierung
fällt in das Jahr 172 n. Chr. und wird vom Ausgräber überzeugend mit dem
Blitz- und Regenwunder während der Markomannenkriege in Verbindung
gebracht.
Geschichte, Datierung
Nach den jüngsten Grabungsergebnissen hat die Entwicklung der Car-
nuntiner canabae vielleicht noch gleichzeitig, jedenfalls aber unmittelbar
nach Errichtung des Standlagers der leg XV Apollinaris unter Claudius um
die Mitte des 1. Jh.s n. Chr. eingesetzt. Bereits in der zweiten Hälfte dieses
Jahrhunderts ist eine regelmäßige Verbauung zu beobachten. Sie ist auf
jeden Fall in dem einen untersuchten Abschnitt am Ostrand der canabae
planmäßig angelegt, was wohl auch auf die übrigen Teile und die Straßen
zutreffen wird. Schon für die Frühzeit kann also in Garnunturn nicht von
einer willkürlichen Anhäufung von Gebäuden die Rede sein. ln den Anfän-
gen dürfte das vorwiegend verwendete Baumaterial Holz gewesen sein,
im 2. Jh. wurde es durch Stein ersetzt. Spätestens in diesem Jahrhundert
weisen die Carnuntiner canabae auch alle notwendigen öffentlichen
Gebäude (Forum, Thermen, Amphitheater) auf. Genauer datierbar ist aller-
dings nur der Steinbau des Amphitheaters: Die Bauinschrift nennt Gar-
nunturn noch als rnunicipiurn (also vor 193). Der früheste datierte Altar im
Nemeseum fällt in das Jahr 184. So ist die Errichtung des Bauwerkes in
die Zeit knapp nach Beendigung der Markomannenkriege zu setzen. ln
den Thermen sind Umbauten aus dem 3. Jh. nachgewiesen, was den Bau
bereits voraussetzt, auch die erste Periode des Forums wird wohl noch in
das 2. Jh. zu datieren sein. Das zweite und dritte Jahrhundert sind die Blü-
tezeit der Carnuntiner canabae. ln dieser Zeit haben sie ihre größte Aus-

228
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Hainburg - Carnuntum. Tempelbezirk auf dem Pfaffenberg, Weihinschrift für


Jupiter, gestiftet von den consistentes Karnunti
(nach Jobst 1983 (1 ), 5 Abb . 1)

229
1

4~ ~ J.Jq
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1 I.f •
I

~ ~ ·::· ·:
' 0

•.
50m

1 Tempel 3 Altar- und Statuenfundamente


2 Kulttheater 4 Wächterhaus

Hainburg - Carnuntum. Canabae legionis, Tempelbezirk auf dem Pfaffenberg.


1:2000

dehnung erreicht. Das um die Mitte des 4. Jh.s anzusetzende Erdbeben


hat auf die canabae folgenschwere Auswirkungen gehabt. Die Randge-
biete wurden als Siedlungsareal aufgegeben, über bzw. in den Ruinen
wurden Gräberfelder angelegt, von denen wir zwei (eines sw. des Lagers,
eines sö. davon) kennen. Ihre Belegung reicht von der 2. Hälfte des 4. Jh.s
bis in das 5. Jh., wenn auch auf Grund der zahlreichen beigabenlosen
bzw. geplünderten Gräber eine genaue Datierung schwierig ist.
Sichtbare Überreste
Amphitheater I, Tempelbezirk orientalischer Götter.
Der Tempelbezirk auf dem Pfaffenberg ist zerstört.
Literatur
Groller 1900, 65ff. - Betz 1935, 28ff. - Klima- Vetters 1953 - Jobst 1977, 301 ff.
- Jobst 1978 (I) - Jobst 1978 (2), 1Off. - Jobst 1980, 22ff. - Jobst 1982, 2ff. -
Jobst 1983 (1 ), 4 ff. - Jobst 1983 (2), 185ff. - Jobst 1984, 2ff. - Kandler 1977,
660ff. - Kandler 1979, 5ff. - Kandler-Zabehlicky 1979, 11 ff. - Kandler-Zabeh-
licky 1980, 7ff. - Kandler-'-Zabehlicky 1981, 29ff. - Kandler-Zabehlicky 1982,
37ff. - Kandler 1982, 12ff. - Kandler 1983 (1 ), 20ff. - Kandler 1983 (2), 191 ff. -
Kandler 1984, 11 ff. - Kandler-Zabehlicky 1984, 20ff. - Kandler-Zabehlicky
1985, 7ff., 23ff.
M.K.

230
BARBARICUM

FELS AM WAGRAM

KASTELL
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Am Wagram, südwestlich der Ortschaft Fels.
Forschungsgeschichte
Fundbeobachtungen wurden 1929 durchgeführt, eine Luftbildauswertung
erfolgte 1984.
Archäologischer Befund
An Funden sind 3 Ziegelstempel des Ursicinus von Bedeutung. Auf dem
Luftbild zeichnet sich eine 160 x 120 m große Grabenanlage ab, die an
der Nord- und an der Südseite jeweils Unterbrechungen für Toranlagen
aufweist.

l
I
0 50 100m
I I I I I I I I I I I

Fels am Wagram. Marsch Iager. 1 : 4000

231
Datierung
Die Ziegelstempel erlauben eine Datierung in das späte 4. Jh.
Literatur
Pascher 1949, 159 s. v. Wagram am Wagram - Stiglitz 1965, 113 s. v. Wagram am
Wagram - Friesinger 1985.
H.Z.

WIEN/LEOPOLDAU

KONTRA-LAGER?
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Am Ufer eines verlandeten Altarmes der Donau, gegenüber dem Legions-
lager Vindobona.
Forschungsgeschichte
Fundaufsammlungen und Beobachtungen in hier während der 30er Jahre
bestehenden Sandgruben.
Archäologischer Befund
Unter anderem wurde eine massive Ziegelschichte beobachtet, die eine
vorsichtige Deutung als Militärbau zuläßt, der als Kontra-Lager zum
Legionslager Vindobona anzusehen wäre.
Datierung
Ab 2.Jh.
Literatur
Pascher 1949, 174f.- Neumann 1965,205- Friesinger 1984, 129.
H.Z.

232
ENGELHARTSTETTEN
MARSCHLAGER
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Nordwestlich von Engelhartstetten, nördlich des Russbaches an der
Gemeindegrenze gegen Lassee.
Forsch u ngsg esch ichte
Durch Luftaufnahmen (H. Friesinger) geortet.

Archäologischer Befund
Viereckige Grabenanlage mit abgerundeten Ecken. Mit ca. 700 m Seiten-
länge das bisher größte der nördlich der Donau in den letzten Jahren ent-
deckten Lager.
Geschichte, Datierung
Unbestimmt.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
Unpubliziert.
M.K.

STOPFENREUTH
BRÜCKENKOPF
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.

234
' .

Stopfenreuth. Mauerreste des Brückenkopfes (Aufnahme aus dem Jahr 1908)

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Stopfenreuth. Brückenkopf. 1 : 1 000


(nach Groller 1900, Taf. XII)

235
Lage
Heute am linken Donauufer der Stopfenreuther Au, nahe der Mündung
des Roßkopfarmes in den Hauptfluß, schräg gegenüber dem Plateau "Am
Stein". Die Diskussion, ob das Bauwerk in der Antike links oder rechts der
Donau lag, ist bis heute nicht entschieden.
Forschungsgeschichte
Um die Mitte des 19. Jh.s erste Beobachtungen durch E. v. Sacken, der die
damals noch gut sichtbaren Mauerzüge als Reste eines römerzeitlichen
Brückenkopfes interpretierte. 1896 Untersuchungen durch die Zentral-
kommission (W. Kubitschek), 1898 durch die Limeskommission
(M. v. Groller-Mildensee).
Archäologischer Befund
Abgerundete NW-Ecke einer mauerumfaßten (rechteckigen?) Anlage,
deren größerer Teil von der Donau zerstört worden ist. Die Umfassungs-
mauer ist im geraden Abschnitt 1 ,20 bzw. 1 ,40 m stark (nur Fundament
erhalten?), in der hochliegenden Krümmung 0,90 m (Aufgehendes?). Die
noch erhaltene Länge der NW-Seite betrug 34,60 m, die der NO-Seite
66,70 m. Außen wurde die Mauer von einer grabenförmigen Mulde beglei-
tet, innen sind an die geraden Abschnitte der Umfassungsmauer Räume
angebaut, z. T. mit Estrichböden. ,
Datierung
Im allgemeinen als römisch, aber auch als mittelalterlich angesehen.
Sichtbare Überreste
Bei Niederwasser sind Reste der Umfassungsmauer erkennbar.
Literatur
Sacken 1853, 337f. - Groller 1900, 87ff., Taf.l und XII - Nowotny 1914, 163f. -
Nowotny 1918, 36f. - Pascher 1949, 22 - Swoboda 1964, 253 - Walter 1957, 1
- Kandler 1977, 690f. - Brauneis 1981, 24 f.
M.K.

PLANK AM KAMP

MARSCHLAGER
Lage
ln einer Schlinge des Kamplaufes, am Ostende der Ortschaft auf einer
annähernd ebenen Hochterrasse.

236
l
I
0 50 100m
I I I I I I I I I I I

Plankam Kamp. Marsch Iager.. 1 :4000

Forschungsgeschichte
Luftbildauswertung und Geländebegehung 1983, Grabungen wurden
1985 begonnen.
Archäologischer Befund
Auf dem Luftbild ist eine annähernd rechteckige Anlage von 130 x 120 m
erfaßt. Die bei den Grabungen festgestellte Grabenbreite betrug 140-150
cm, die größte erhaltene Tiefe 60 cm, der Querschnitt ergab die Form
eines Spitzgrabens.
Datierung, Geschichte
Eine Deutung als Marschlager aus den Markomannenkriegen wird vorge-
schlagen.
Literatur
Friesinger 1985.
H. F.- H.Z.

237
OBERLEIS

KASTELL?
Quellen
Keine.
Militär
Das lange Zeit angenommene Kastell des römischen Militärs ist durch
neuere Forschungen widerlegt.
Lage
Höhensiedlung mit Umwallung, Siedlungsreste vieler urgeschichtlicher
Epochen an einer Kreuzung von Handelswegen.
Forschungsgeschichte
Seit dem 19.Jh. sind Funde bekannt. 1925 bis 1931 und wieder seit 1976
wurden systematische Grabungen durchgeführt.
Archäologischer Befund
Ein 35 x 17 m messender, mehrräumiger und zum Teil beheizbarer Bau
- ursprünglich als "Kommandanten haus" angesehen -wird jetzt als ger-
manischer Fürstensitz angesprochen. Die Ummauerung wäre, jedenfalls
in der ersten Bauphase, für fortifikatorische Aufgaben zu schwach. Die
Funde von Ziegeln, auch mit Militärstempeln (X. Legion, Ursicinus) sind
erklärlich, wenn angenommen wird, daß ein Klientelfürst durch das Impe-
rium unterstützt bzw. sein Wohnsitz durch römische Militärhandwerker
ausgestattet wurde. Nach den Funden sind wichtige Bauphasen in die
2. Hälfte des 2. Jh.s und in das späte 4. Jh. zu datieren. Ein Bau mit ähnli-
chen Zügen (gestempelte Ziegel, Steinbauweise) wurde auch in Nieder-
leis angetroffen. Diese Talsiedlung stand sicher in Zusammenhang mit der
vorbeiführenden Handelsstraße.
Nordöstlich des Steinbaues wurden die Pfostengruben von mindestens 5
Holzbauten, Ausmaß ca. 8 x 8 m, freigelegt. Sie sind regelmäßig ange-
ordnet und bilden mit dem Bau eine Einheit. Nach den Funden und Befun-
den sind sie in das 4. bzw. 5. Jahrhundert zu datieren.
Geschichte, Datierung
Die Ausbauphasen (Markomannenkriege, Valentinian) fallen in die Zeiten,
in denen die Unterstützung von Klientelfürsten für das Imperium von größ-
ter Bedeutung war, um deren Loyalität zu erreichen oder zu fördern. Auch
der Sitz des tribunus gentis Marcomannorum (Notitia dignitatum Occ.
XXXIV, 24) wurde hier vermutet. Die Funde reichen bis in das 5. Jh.

238
t
0 50 100m
I I I I I I

1 Sog. Kommandantenhaus 3 spätröm. Heizanlage


2 Wachtturm 4 Wall

Oberleis. 1 : 4 000
(nach Kern 1981, Abb. 641)

239
~
-----:-::::: 0 5 10m
I I I I I I I I I I

Oberleis. Sog. Kommandanten haus. 1 :400


(nach Kern 1981, Abb. 642)

Sichtbare Überreste
Die Mauern des Steinbaues sind am Fuß der Aussichtswarte, die einen
Teil des Befundes überdeckt, im Gelände konserviert. ln der Aussichts-
warte ist eine Grabungsdokumentation eingerichtet.

Literatur
Pascher 1949, 104 - Mitscha-Märheim 1965, 91 s. v. Klement - Adler 1977, 33,
47- Friesinger 1977, 423f.- Kern 1981, 513ff.- Windl1981, 25f.
H. F.- H.Z.

240
KOLLNBRUNN

MARSCHLAGER
Que.llen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Am Südwestrand von Kollnbrunn.
Forschungsgeschichte
Luftbildauswertung und Kontrollgrabung 1984.
Archäologischer Befund
Im Luftbild zeigt sich eine rechteckige Grabenverfärbung von 590 x 395m.
Ein Kontrollschnitt ergab einen 1,80 m tiefen und 3 m breiten Spitzgraben,
allerdings ohne datierende Funde.
Datierung, Geschichte
Eine Deutung als Marschlager der Markomannenkriege wird vorgeschla-
gen.
Literatur
Friesinger 1985.
H. F.- H.Z.

STILLFRIED AN DER MARCH

MILITÄRSTATION, KASTELL(?)
Quellen
Keine.
Militär
Ziegelstempel der X. Legion und des Ursicinus.
Lage
An der March und damit an der wichtigsten Handelsverbindung der" Bern-

241
50 100m
I I I I I I I I I I I

Kollnbrunn. Marschlager. 1:4000

242
l
I
0 150m
I I I I I

Stillfried. 1:4000
(nach Felgenhauer 1985, Abb. 2)
steinstraBe" liegt 30 km nördlich der Donau diese bedeutende Siedlungs-
stelle (Wallburg).
Forschungsgeschichte
Besonders die urgeschichtliche Forschung hat sich seit 1874 intensiv mit
diesem Platz beschäftigt. Im Rahmen umfangreicher Grabungen nach
1969 wurden auch römische Anlagen aufgedeckt, die jedoch nicht eindeu-
tig als das lange vermutete Kleinkastell gedeutet werden können.

243
Archäologischer Befund
Eine Grabenanlage läuft um 2 Hügel des Plateaus. Nach den Funden sind
hier zwei Phasen römischer Präsenz anzunehmen. Neben Einzelfunden
sind gestempelte Ziegel (X. Legion, Ursicinus) und Militärfunde (Helm-
und Panzerteile sowie ein Ortband) hervorzuheben.
Datierung, Geschichte
Als römische Militärstation in der Zeit der Markomannenkriege in Verwen-
dung und im späten 4. und 5. Jh. eine Station von Föderaten.
Sichtbare Überreste
Die große urgeschichtliche Anlage zeichnet sich im Gelände deutlich ab.
Literatur
Pascher 1949, 145f. - Stiglitz 1965, 109f. - Stiglitz 1973 (2), 109 - Adler 1977,
37, 47 - Windl 1981, 25 - Urban 1985.
H.Z.

BERNHARDSTHAL
1. GERMANISCHE SIEDLUNG, 2. RÖMISCHES MARSCHLAGER
Quellen
Keine.
Militär
Unbekannt.
Lage
Etwa 3,2 km im OSO des Ortes liegt am rechten Ufer der Thaya die kleine,
heute von Baumbestand umgebene Flur "Aulüssen". Sie deckt sich im
wesentlichen mit dem Areal einer mittelkaiserzeitlichen germanischen
Siedlung und eines römischen Marschlagers.
Forschungsgeschichte
Die Siedlung war durch Oberflächenfunde schon längere Zeit bekannt.
Wegen des geplanten Baues eines Hochwasser-Schutzdammes entlang
der Thaya wurde zwischen 1974 und 1980 von der Abt. f. Bodendenkmale
des BOA eine Notgrabung durchgeführt.
Archäologischer Befund
1. Im Zuge der archäologischen Untersuchungen wurden verschiedene

244
Bautypen der germanischen Siedlung, besser: des Gehöftes, nachgewie-
sen: Ein 8 x 8 m großer Wohnbau mit einem 3,4 x 2,0 m großen Keller
·im SW-Teil, rechteck-ige Bauten mit ·0;3 -rn tiefen Fundamentgräben ·zur
Aufnahme hölzerner Grundschwellen, ein 10,7 x 5,8 m großer Speicher-
bau in Ständertechnik, zahlreiche kleinere, rechteckige, bis zu 0,9 m ein-
getiefte Wirtschaftsbauten, die zumindest in einem Fall nachgewiesener-
maßen als Webhütten gedient haben, unregelmäßige, seicht eingetiefte
Arbeitsplätze und Speichergruben.

Bernhardsthal. Marschlager, Schnitt durch den Graben an der Nordseite

2. Überraschend war die Auftindung eines römischen Marschlagers. War


die Funktion des rund 1 ,8 m und ursprünglich etwa 3,0 m breiten Spitz-
grabens vorerst unklar, so blieb nach der Feststellung der NW-Ecke so-
wie des in einem Winkel von 75 Grad abzweigenden Westgrabens mit
Torwangen und einem 2,4 m breiten Durchlaß kaum mehr eine andere
Interpretation übrig. Es konnten 100 m der Nordfront und 95 m der West-
front des Lagers erfaßt werden. Eine Weiterverfolgung des Grabens nach
Süden war wegen der wesentlich tieferen Lage des dortigen Gelän-
des unmöglich. Zwischen einem Altarm der Thaya und der Thaya selbst
wurde versucht, den nördlichen Spitzgraben noch weiter im Osten nach-
zuweisen. Dies erwies sich ebenfalls als unmöglich, da Hochwasser-
Schwemmaterial bis in fast 2 m Tiefe reichte. Ergraben werden konnte

246
jedoch an dieser Stelle eine gegen Ende des 13. Jh.s errichtete Wasser-
mühle, die mit der Wüstung Geresdorf in Verbindung gebracht werden
kann.
Geschichte, Datierung
1. Auf Grund zahlreicher stratigraphischer Beobachtungen konnte eine
Zweiphasigkeit des Gehöftes festgestellt werden. Es war während der
älteren Phase unbefestigt, wurde aber gegen Ende des 2. Jh.s von einem
Wall umgeben, dem an keiner einzigen Stelle ein Graben vorgelagert. war;
es kann sich daher nur um einen Hochwasser-Schutzdamm gehandelt
haben. Zahlreiche Detailbeobachtungen lassen an eine geringfügige Kli-
maverschlechterung während des 2. Jh.s denken, die einen Anstieg des
Grundwasserspiegels und die Gefahr von Hochwässern zur Folge hatte.
Um die Mitte des 3.Jh.s dürften die Schutzmaßnahmen nicht mehr ausge-
reicht haben, das Siedlungsgelände wurde von den Germanen aufgege-
ben.
2. Das römische Marschlager ist ohne Rücksichtnahme auf das beste-
hende germanische Gehöft errichtet worden. Aus stratigraphischen Erwä-
gungen kommt nur eine Datierung in die 2. Hälfte des 2. Jh.s in Frage, stört
doch der Graben Siedlungsobjekte der älteren Phase, wird aber umge-
kehrt von solchen der jüngeren Phase wie auch vom germanischen Hoch""
wasserdamm überlagert.
Das Lager dürfte sofort nach Abzug des römischen Militärs geschleift wor-
den sein, wie dies die verhältnismäßig einheitliche Grabenfüllung und die
Lage des später aufgeschütteten Dammes beweisen. Für die Kurzfristig-
keit der Benützung spricht wiederum das Fehlen entsprechender römi-
scher Funde, wie dies auch bei Probegrabungen in den Lagern von Plank
am Kamp und Kollnbrunn der Fall gewesen ist (siehe dazu H. Friesinger
1985, 258). Das in Bernhardsthal entdeckte Marschlager kann somit ohne
weiteres mit den Kriegszügen Kaiser Mark Aurels gegen die Markoman-
nen in Zusammenhang gebracht werden.
Sichtbare Überreste
Keine.
Literatur
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Kubitschek 1899: Wilhelm Kubitschek, MZK N.F. 25 (1899) 156ff.
Kubitschek 1906 (1): ders., JbZK 4/1 (1906) 117f.
Kubitschek 1906 (2): ders., MZK 3.F. 5 (1906) 27ff.
Kubitschek 1909: ders., JbAK 3 (1909) 188ff.
Kubitschek 191 0: ders., JbAK 4 (191 0) l15aff.
Kubitschek 1912: ders., JbAK 6 (1912) 147 Nr. V, 202b
Kux-Jülg-
Winkler 1972: Renate Kux-Jülg - Gerhard Winkler, Kunstjahrbuch Linz
1972, 75ff.
Kux-Jülg 1977: Renate Kux-·Jülg, Österreichische Kunsttopographie 42/1
(1977) 21 ff.
Lörincz 1977: Barnabas Lörincz, in: Vindobona. Die Römer im Wiener
Raum (1977) 144 ff. (s. unter Vindobona)
Melzer 1965: Gustav Melzer, FÖ 8 (1961 /65) 99
Melzer 1975: ders., FÖ 14 (1975) 27ff.
Melzer 1982: ders., FÖ 21 (1982) 291 f.
Melzer 1983: ders., FÖ 22 (1983) 301
Miltner 1933: Franz Miltner, RLÖ 17 (1933) 226
Mitscha-
Märheim 1965: Herbert Mitscha-Märheim, in: Franz-Neumann 1965
(s. dort)

253
M6csy 1962: Andras M6csy, RE Suppl. Band IX (1962) 633
Mörk 1971: Peter Mörk, FÖ 10 (1971) 63
Moosbrugger-
Leu 1974: Rudqlf Moosbrugger- Leu,, Sasler. Zeitschrift für Geschichte
und Altertumskunde 74 (1974) 364
Moßler 1965: Gertrud Moßler, MUAG 16 (1965) 24
Moßler-Stiglitz 1970: Gertrud Moßler- Herma Stiglitz, FÖ 9 (1966/70) 81
Müllner 1933: M. Müllner, FÖ 1 (1920/33) 59
Münsterberg 1909: Rudolf Münsterberg, JbAK 3 (1909) 186f.
Neugebauer 1970: Johannes-Wolfgang Neugebauer, FÖ 6 (1966/70) 182
Neugebauer-
Grünewald 1974: Johannes-Wolfgang Neugebauer - Mathilde Grünewald,
RÖ 2 (1974) 19ff.
Neugebauer-
Grünewald 1975: diess., RÖ 3 (1975) 143ft.
Neugebauer-
Grünewald 1976: diess., RÖ 4 (1976) 163ft.
Neugebauer-
Grünewald 1978: diess., RÖ 5/6 (1977 /78) 47ft.
Neugebauer-
Gattringer 1981: Johannes-Wolfgang Neugebauer - Alois Gattringer, FÖ
20 (1981) 157ft.
Neugebauer-Maresch-
Neugebauer 1983: Christine Neugebauer-Maresch - Johannes-Wolfgang
Neugebauer, FÖ 22 (1983) 294ft.
Neugebauer 1985: Johannes-Wolfgang Neugebauer, Festschrift 100 Jahre
Männer-Turnverein Klosterneuburg (1985)
Neumann 1950: Altred Richard Neumann, FÖ 5 (1946/50) 135
Neumann 1955 (1 ): ders., FÖ 6 (1951 /55) 100
Neumann 1955 (2): ders., Ausgrabungen und Funde 111 (1955) 24
Neumann 1962 (1 ): ders., Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien
17/18 (1961 /62) 7ff.
Neumann 1962 (2): ders., BJb 162 (1962) 480ft.
Neumann 1964: ders., Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien
19/20 (1963/64) 7ft.
Neumann 1965: ders., in: Franz-Neumann 1965 (s. dort)
Neumann 1967 (1 ): ders., Lampen und andere Beleuchtungsgeräte aus Vindo-
bona = RLÖ 22 (1967)
Neumann 1967 (2): ders., Forschungen in Vindobona 1948-1967, I, Lager und
Lagerterritorium = RLÖ 23 (1967)
Neumann 1967 (3): ders., Die Skulpturen des Stadtgebietes von Vindobona =
CSIR Österreich 1/1 (1967)
Neumann 1968: ders., Forschungen in Vindobona 1948-1967, II. Zivilstadt
und Landbezirk = RLÖ 24 (1968)
Neumann 1971 : ders., ÖJh 49 (1968/71) Beibl. 299ft.
Neumann 1972: ders., Vindobona. Die römische Vergangenheit Wiens
(1972)
Neumann 1973: ders., Ziegel aus Vindobona = RLÖ 27 (1973)

254
Neumann 1977: ders., ÖJh 51 (1976/77), 141 ff.
Neumüller 1971 : Willibrord Neumüller, Mitteilungen des Oberösterreichi-
schen Landesarchivs 10 (1971) 26, 29
Noll'1958: Rudolf Noll, Römische Siedlungen und Straßen im Limes-
gebiet zwischen lnn und Enns (Oberösterreich) = RLÖ 21
(1958)
Noll1980: ders., RLÖ 30 (1980) 9ft.
Nowotny 1896: Eduard Nowotny, MZK 22 (1896) 4 Anm.1
Nowotny 1911 : ders., AnzWien 48 (1911) 44ft.
Nowotny 1914: ders., RLÖ 12 (1914) 163f.
Nowotny 1918: ders., SbAW 187/2 (1918) 36f.
Nowotny 1925: ders., AnzWien 62 (1925) 89f., 116f., 118ft.
Nowotny 1928: ders., AnzWien 65 (1928) 36ft.
Nowotny 1933: ders., FÖ 1 (1920/33) 125f.
Nowotny 1938: ders., FÖ 2 (1935/38) 265
Nowotny 1939: ders., FÖ 3 (1938/39) 70
Offenberger 1970: Johann Offenberger, FÖ 9 (1966/70) 171
Offenberger 1972: ders., FÖ 11 (1972) 97ft.
Offenberger 1977: ders., FÖ 16 (1977) 215ft.
Offenberger 1983: ders., FÖ 22 (1983) 133ft.
Ortmayr 1957: Petrus Ortmayr, OÖHB111 (1957) 143
Pascher 1949: Gertrud Pascher, Römische Siedlungen und Straßen im
Limesgebiet zwischen Enns und Leitha = RLÖ 19 (1949)
Pertlwieser-
Tovornik 1977: Manfred Pertlwieser- Vlasta Tovornik, FÖ 16 (1977) 557
Petrikovits 1970
(1976): Harald von Petrikovits, in: Legio VII Gemina (1970) 227ff.
= BJb Beih. 36 (1976) 519ft.
Petrikovits 1975: ders., Die Innenbauten römischer Legionslager während
·der Prinzipatszeit = AbhRWAkW 56 (1975)
Petrikovits 1982: ders., 150 Jahre Deutsches Archäologisches Institut
(1982) 163ft.
Pfeffer 1960: Franz Pfeffer, OÖHBI 14 (1960) 85ft., 92ff., 169ft.
Pichelmayer 1972: 0. E. Pichelmayer, Historisch-anthropologische Untersu-
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Pink 1932: Karl Pink, JbLKNO N.F. 25 (1932) 60f.
Pittioni 1929: Richard Pittioni, JbLKNÖ 28 (1929) 1 ff.
Pittioni 1946: ders., ÖJh 36 (1946) Beibl. 85ft.
Polaschek 1928: Erich Polaschek, JbLKNÖ 21 (1928) 38f.
Polaschek 1932: ders., Der Tullner Gau. Zeitschrift für Heimatforschung 7
(1932) 38ft., 41 ff.
Polaschek 1935: ders., Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt
Wien 15 (1935) 1 ff.
Polaschek 1937: ders., RLÖ 18 (1937) 121
Polaschek-
Seracsin 1937: Erich Polaschek- Alexander Seracsin, RLÖ 18 (1937) 109
Nr.30

255
Polaschek 1945: Erich Polaschek, FÖ 4 (1940/45) 65
Polaschek-
Ladenbauer-Orel1948: Erich Polaschek - Hertha Ladenbauer-Orel, ÖJh 37
(1948) Beibl. 199ff.
Polaschek 1952: Erich Polaschek, ÖJh 39 (1952) Beibl. 75ff.
Rath 1937: Gebhart Rath, JbOÖMV 87 (1937) 467ff.
Rath 1938: ders., FÖ 2 (1935/38) 42f., 97f.
Reitinger 1968 (a): Josef Reitinger, Die ur- und frühgeschichtlichen Fundstät-
ten in Oberösterreich = Schriftenreihe des OÖMV 3 (1968)
Reitinger 1968 (b): ders., Katalog der ur- und frühgeschichtlichen Fundstätten
in Oberösterreich (1968) 474
Reitinger 1969: ders., Oberösterreich in ur- und frühgeschichtlicher Zeit
(1969)
RieB 1983: Wilhelm RieB, Oberösterreichische Kulturzeitschrift 33.1
(1983) 2ff.
Ritterling 1924: Ernst Ritterling, RE 12/1 (1924) 1300 f.
Ritterling 1925: ders., RE 12/2 (1925) 1468ff.
Ruprechtsberg er
1980 (1): Erwin Maria Ruprechtsberger, PAR 30 (1980) 4 f.
Ruprechtsberger
1980 (2): ders., Terra Sigillata aus dem Ennser Museum II. Beiträge
zur Landeskunde von Oberösterreich, historische Reihe
1/7 (1980)
Ruprechtsberg er
1980 (3): ders., RÖ 8 (1980) 81ff.
Ruprechtsberg er
1981: MMVLaur 19 (1981) 15ff.
Ruprechtsberger
1982 (1 ): ders., Römerzeit in Linz. Bilddokumentation. Linzer
Archäologische Forschungen 11 (1982)
Ruprechtsberg er
1982 (2): ders., JbOÖMV 127 /I (1982) 36ff. ·
Ruprechtsberg er
1984 (1): ders., PAR 34 (1984) 26ff.
Ruprechtsberg er
1984 (2): ders., MMVLaur 22 (1984) 9ff.
Ruprechtsberg er
1985 (1): ders., Zeugnisse des spätantiken Lentia. Sonderdruck
(1985) .
Ruprechtsberg er
1985 (2): ders., PAR 35 (1985) 13ff.
Sacken 1853: Eduard von Sacken, SbAW 11 (1853) 337f.
Saria 1951: Balduin Saria, Bgi.Forsch.13 (1951) 30f., Nr.1
Schabes 1966: Alois Schabes, Die Römerzeit im Bezirk Amstetten. Ver-
kehrswege und militärische Einrichtungen am Limes (1966).

256
Schmeller-Egger-
Polaschek-Hofmann-
Mitscha-Märheim 1961 : Alfred Schmeller, Rudolf Egger, Ernst Polaschek, Elise
Hofmann und Herbert Mitscha-Märheim, Beiträge zur
Kunstgeschichte und Archäologie des Frühmittelalters.
Akten zum VII. Internationalen Kongreß für Frühmittelalter·-
forschung, 21.-28.9.1958 (1961) 291 ff.
Schwanzar 1984: Christine Schwanzar, FÖ 23 (1984) (im Druck)
Seracsin 1936: Alexander Seracsin, Mannus 28 (1936) 533
Stiglitz 1948: Herma Stiglitz (Thaller), ÖJh 37 (1948) Beibl. 184 ff.
Stiglitz 1950: dies., ÖJh 38 (1950) Beibl. 146ft.
Stiglitz 1952: dies., ÖJh 39 (1952) Beibl. 87ff.
Stiglitz 1953: dies., ÖJh 40 (1953) Beibl. 191 ff.
Stiglitz 1958: dies., ÖJh 43 (1956/58) Beibl. 143ft.
Stiglitz 1962: dies., RE Suppl. Bd. 9 (1962) 1575ff.
Stiglitz 1963 (1): dies., ÖJh 46 (1961 /63) Beibl. 169ft.
Stiglitz 1963 (2): dies., Führer durch Mautern (1963)
Stiglitz 1965: dies., in: Franz-Neumann 1965 (s. dort)
Stiglitz 1967: dies., in: Festschrift für Fritz Eiehier (1967) 132ff.
Stiglitz 1968: dies., PAR 18 (1968) 15f.
Stiglitz 1969: dies., JbOÖMV 114/1 (1969) 69
Stiglitz 1970 (1 ): dies., RE Suppl. Bd. 12 (1970) 1576ff.
Stiglitz 1970 (2): dies., FÖ 9 (1966/70) 140, 283
Stiglitz 1971 : dies., FÖ 10 (1971) 71, 87, ·149
Stiglitz 1973 (1): dies., in: Katalog zur Niederösterreichischen Landesaus-
stellung: Die Römer an der Donau, Petronell (1973) 45ft.
Stiglitz 1973 (2): dies., FÖ 12 (1973) 109
Stiglitz 1975: . dies., Das römische Donaukastell Zwentendorf in Nieder-
österreich = RLÖ 26 (1975)
Stiglitz 1977 (1): dies., ANRW 11/6 (1977) 608ft.
Stiglitz 1977 (2): dies., in: Studien zu den Militärgrenzen Roms II (1977)
247ft.
Stiglitz 1978: dies., MGFC 1978 Heft 4, 3ft.
Stiglitz 1980 (1): dies., ÖJh 52 (1978/80) Grabungen 26
Stiglitz 1980 (2): dies., MGFC 1980 Heft 4, 23ft.
Stiglitz 1982 (1): dies., MG FC 1982 Heft 1 , 24 ff.
Stiglitz 1982 (2): dies., ÖJh 53 (1981 /82) Grabungen 32f.
Stiglitz 1983 (1): dies., MGFC 1983 Heft 1, 9ff., 31 f.
Stiglitz 1983 (2): dies., ÖJh 54 (1983) Grabungen 45ft.
Stiglitz 1984: dies., MGFC 1984 Heft 1, 19ft.
Stroh 1944: Franz Stroh, JbOÖMV 98 (1953) 28f.
Stroh 1952 (1): ders., FÖ 6 (1951 /52) 105f.
Stroh 1952 (2): ders., PAR 2 (1952) 44f.
Stroh 1953: ders., JbOÖMV 98 (1953) 28f.
Stroh 1954: ders., PAR 4 (1954) 27

257
Swoboda 1937 (1)
(1981 ): Erich Swoboda, JbOÖMV 87 (1937) 439ft., Neudruck in:
Lorch in der Geschichte. (1981) 72ft.
Swoboda 1937 (2): ders., ÖJh 30 (1937) Beibl. 253ft.
Swoboda 1938: ders., FÖ 2 (1935/38) 274
Swoboda 1964: ders., Carnuntum. Seine Geschichte und seine Denkmäler
(Römische Forschungen in Niederösterreich) 4. Auflage
1964
Swoboda-
Milenovi6 1956: Roksanda Swoboda-Milenovi6, Carn.Jb. 1956 (1956) 45ft.
Swoboda-
Milenovi6 1957: dies., Carn.Jb. 1957 (1957) 21ft.
Sydow 1982: Wolfgang Sydow, FÖ 21 (1982) 187ft.
Thomas 1962: Edit B. Thomas, FiL 8 (1962) 97ff.
Tragau 1897: Carl Tragau, AEM 20 (1897) 173ft., 175f.
Trampier 1905: Richard Trampler, Joviacum, das heutige Schlägen und
seine Umgebung (1905)
Trathnigg 1969: Gilbert Trathnigg, ÖJh 48 (1966/69) Beibl. 109ft.
Trau 1880: Franz Trau, MZK N.F. 6 (1880) XLII oder XLVII
Tscholl 1978: Elmar Tscholl, RÖ 5/6 (1977 /78) 109ft.
Tscholl 1979: ders., RÖ 7 (1979) 111ft.
Tscholl 1986: ders., RÖ 13/14 (1985/86) (im Druck)
Ubl1971: Hanns-Jörg Ubl, FÖ 10 (1971) 72ft.
Ubl1972: ders., FÖ 11 (1972), 1OOf.,. 109ft.
Ubl 1973 (1 ): ders., JbOÖMV 118/1 (1973) 15ff.
Ubl 1973 (2): ders., MMVLaur 11 (1973) 15ff.
Ubl1973 (3): ders., FÖ 12 (1973) 112ft.
Ubl1974 (1): ders., PAR 24 (1974) 28f.
Ubl1974 (2): ders., MMVLaur 12 (1974) 8ff.
Ubl1975 (1): ders., MUAG 25.2 (197 4/75) 156ft.
Ubl1975 (2): ders., PAR 25 (1975) 17
Ubl1976: ders., MMVLaur 14 (1976) 9ff.
Ubl1977: ders., in: Studien zu den Militärgrenzen Roms II (1977)
251ft.
Ubl1978 (1 ): ders., FÖ 17 (1978) 376
Ubl 1978 (2): ders., RÖ 5/6 (1977 /78) 231ft.
Ubl1979 (1): ders., FÖ 18 (1979) 464
Ubl 1979 (2): ders., Jb. des Stiftes Klosterneuburg 11 (1979) 99ff.
Ubl 1979 (3): ders., Die Skulpturen von Aelium Cetium = CSIR Öster-
reich 1/6 (1979)
Ubl1980: ders., Roman Frontier Studies 1979 (British Archaeological
Reports, International Series 71) (1980) 588ft.
Ubl1981: ders., MGFC 1981 Heft 2, 24ft.
Ubl1982 (1): ders., in: Severin. Zwischen Römerzeit und Völkerwande-
rung. Ausstellungskatalog des Landes Oberösterreich
(1982)
Ubl 1982 (2): ders., FÖ 21 (1982) 314 f.

258
Ubl1983: ders., MMVLaur 21 (1983) 16ff.
Urban 1985: Otto H. Urban, in: Kelten, Römer und Germanen. Ausgra-
bungen in Stillfried. Stratigraphie von der Eiszeit bis zur
Gegenwart. Katalog des Niederösterreichischen Landes-
museums N.F. 158 (1985) 49ft.
Vetters 1953: Hermann Vetters, FiL 1 (1953) 49ft.
Vetters 1960: ders., FiL 6/7 (1960)
Vetters 1962: ders., Lauriacum und seine Grabungsgeschichte. Enns-
Lorch-Lauriacum. (1962) 9ff.
Vetters 1963: ders., ÖZKD 17 (1963) 157ft.
Vetters 1970: ders., JbLKNÖ 38 (1968/70) 48ff.
Vetters 1977: ders., ANRW 11/6 (1977) 355ft.
Vetters 1979: ders., Schild von Steier 15/16 (1978/79) 899f.
Vindobona: Die Römer im Wiener Raum. Katalog der 52. Sonderaus-
stellung des Historischen Museums der Stadt Wien 1977
(1977)
Vorbeck 1980 (1): Eduard Vorbeck, Militärinschriften aus Carnuntum, 2. Auf-
lage (1980)
Vorbeck 1980 (2): ders., Zivilinschriften aus Carnuntum (1980)
Wais 1965: Karl Wais, FÖ 8 (1961 /65) 100
Wais 1970: ders., FÖ 9 (1966/70) 81
Walter 1957: Hans Walter, BDA-Fundmeldedienst April1957, 1
Walter 1960: ders., FÖ 7 (1956/60) 229
Weber 1971: Ekkehard Weber, ÖJh 49 (1969/71) 121 ff.
Weber 1981: ders., Zur Rechtsstellung der Zivilstadt von Lauriacum.
Lorch in der Geschichte (1981) 37ff.
Wiesinger 1924: Ferdinand Wiesinger, ÖJh 21/22 (1922/24) Beibl. 345ff.
Wiesinger 1980: Peter Wiesinger, Schriften des OÖMV 10 (1980) 153
Wimmer 1933: E. Wimmer, FÖ 1 (1920/33) 59
Windl1981: Helmut Wind!, Niederösterreich nördlich der Donau in der
römischen Periode (Wissenschaftliche Schriftenreihe Nie-
derästerreich 52) (1981)
Winkler 1971 (1): Gerhard Winkler, JbOÖMV 116 (1971) 85ff.
Wi nkler 1971 (2): ders., OÖHBI 25 (1971) 3ff., 1Off.
Winkler 1972: ders., RE Suppi.Bd.14 (1972) 365ff.
Winkler 1975: ders., Die Römer in Oberösterreich (1975)
Winkler 1981: ders., in: Lorch in der Geschichte (Linzer Philosophisch-
Theologische Reihe, Bd. 15) (1981) 11 ff.
Winkler 1982: ders., in: Severin [s. oben unter Ubl 1982 (1 )] 135ff.
Wutze! 1948: Otto Wutze!, OÖHBI 2 (1948) 289ff. zu Eferding

Abkürzungsverzeichnis
AArchHung = Acta archaeologica Academiae scientiarum Hungaricae
AbhRWAkW = Abhandlungen der Rheinisch-Westfälischen Akademie der
Wissenschaften
AEM = Archaeologisch-Epigraphische Mittheilungen

259
ANRW= Aufstieg und Niedergang der römischen Weit, hg. von Hildegard
Temporini. Berlin-New York
AnzWien = Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
BOA = Bundesdenkmalamt
BerRGK = Bericht der Römisch-Germanischen Kommission
Bgi.Forsch. = Burgenländische Forschungen
BJb = Banner Jahrbücher
BMAV Wien = Berichte und Mittheilungen des Alterthum-Vereines zu Wien
BMFC = Bericht des Museums Francisco-Carolinum
Car.l = Carinthia. Mitteilungen des Geschichtsvereines für Kärnten.
Carn.Jb. = Carnuntum Jahrbuch
CIL = Corpus lnscriptionum Latinarum
CSIR = Corpus Signarum lmperii Romani
DenkschrAW = Denkschriften der Akademie der Wissenschaften Wien
Fil = Forschungen in Lauriacum
FÖ = Fundberichte aus Österreich
FMRD = Die Fundmünzen römischer Zeit aus Deutschland
FMRÖ = Die Fundmünzen römischer Zeit aus Österreich
IBR = lnscriptiones Bavariae Romanae
Jb. = Jahrbuch
JbAK = Jahrbuch für Altertumskunde
JMVWels = Jahrbuch des Musealvereines Weis
JbLKNÖ = Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich
JbOÖMV = Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines
JbZK = Jahrbuch der Zentralkommission
LNV = Litterae Numismaticae Vindobonenses
MGFC = Mitteilungen der Gesellschaft der Freunde Carnuntums
MMVLaur = Mitteilungen des Museumsvereines "Lauriacum"
MÖNG = Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft
MUAG = Mitteilungen der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ur- und
Frühgeschichte
MZK = Mitteilungen der Zentralkommission (bzw. Mitteilungen der
k. k. Centrai-Commission)
N.F. = Neue Folge
NZ = Numismatische Zeitschrift
NÖLM = Niederösterreichisches Landesmuseum
ÖAI = Österreichisches Archäologisches Institut
ÖAW= Österreichische Akademie der Wissenschaften
ÖJh = Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes
OÖHBI = Oberösterreichische Heimatblätter
OÖLM = Oberösterreichisches Landesmuseum
ÖZKD = Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege
PAR= Pro Austria Romana
RE= Pauly-Wissowa's Realenzyklopädie der Klassischen Altertums-
wissenschaften
RIC = Roman Imperial Goinage
RLÖ = Der römische Limes in Österreich

260
RÖ= Römisches Österreich
SbAW= Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissen-
schaften, philosophisch-historische Klasse
TNRB = Thesaurus Nummorum Romanorum et Byzantinorum
TrZ = Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes

Abbildungsnachweis
Die Ausschnitte aus der Österreichkarte 25 V wurden mit Genehmigung des Bun-
desamtes für Eich- und Vermessungswesen vervielfältigt. ·
Originalvorlagen wurden von folgenden Institutionen und Personen dankenswerter-
weise zur Verfügung gestellt:
Bundesdenkmalamt Wien S. 130, 132, 245, 246
Günther Dembski S. 157
G. Gärtner S. 100
Institut f. Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien S. 231, 233, 237, 242
Manfred Kandler S. 145, 158, 159, 164
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung S. 120, 121
Limeskommission S. 52, 55, 155, 162, 189, 204, 215, 227, 230
Museumsverein "Lauriacum" Enns S. 97
Oberösterreichisches Landesmuseum Linz S. 66, 77, 79, 83
Österreichisches Archäologisches Institut Wien S. 44, 45, 46, 51, 53, 54, 56, 90,
94, 98, 102, 135, 139, 178, 181' 182, 216, 217, 219, 225, 235
Österreichische Nationalbibliothek S. 48, 49
Erwin M. Ruprechtsberger S. 88, 89, 96
Stadtmuseum Linz (F. Michalek) S. 91
Stadtmuseum Wels (H. Födisch) S. 67, 68
Herma Stiglitz S. 109, 126, 137, 138, 152, 205, 209, 21 0
Elmar Tscholl S. 116
Ekkehard Weber S. 224

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