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#1, 3. Januar 2020 – CHF 4.

90

Leihmutter
Bauch-Mama
Elissa aus den
USA zu Besuch
bei Tochter Gaia
in der Schweiz
Bluthochdruck
10 Dinge, die Sie
über die tückische
Volkskrankheit
wissen müssen

MISSION «POLARSTERN»

Schweizer Forscher
bei den Eisbären
Die grösste Arktis-Expedition aller Zeiten –
mit Teams aus Birmensdorf ZH, Davos GR und Villigen AG
E D I TO R I A L

Die Stunde der


Polar-Forscher
WERNER DE SCHEPPER,
C O - C H E F R E DA K TO R

Glauben Sie an den Klimawandel? Diese Frage ist so falsch


wie hinterhältig. Der Klimawandel ist keine Frage des Glau-
bens, sondern des Wissens, also der wissenschaftlichen Ver-
gewisserung. Ich glaube an Gott, an ein Leben nach dem Tod
und an die Liebe, aber an den Klimawandel glaube ich nicht.
Da will ich wissen, was Sache ist. Und dazu braucht es Wis-
senschaftler, die dieser Sache auf den Grund gehen. Dass
das Klima sich wandelt, ist ja ohnehin unbestritten. Aber
warum es passiert, wie schnell es vorangeht und wie gross
diese woche. der Einfluss des Menschen ist, das müssen jetzt die Wissen-
schaftler herausfinden.
Genau das ist der Auftrag der grössten und teuersten Ark-
tis-Expedition aller Zeiten. So paradox es klingt, aber genau
dort, wo es am kältesten ist, im Packeis des arktischen Oze-
ans, kann man am besten die Folgen der Klimaerwärmung
studieren. Auf dem Forscherboot «Polarstern» suchen ein
Jahr lang insgesamt 600 Wissenschaftler aus 20 Ländern
Puppendoktor Meinrad ­ nach Antworten auf die Klimafrage.
Röösli aus Zürich zeigt SI-
Reporterin Michelle Schwar-
Was uns stolz macht: Mitten unter diesen besten Klima-
zenbach, wie er kaputten forschern der Welt sind drei Teams aus der Schweiz. Das In-
Bääbis Leben einhaucht. stitut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos sägt
bei minus 40 Grad Schneeblöcke. Die Forschungsanstalt für

3 Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf ZH be-


misst im Polarmeer das Eis, und das Paul Scherrer Institut
in Villigen AG fängt mit Apparaten – ähnlich wie Staubsau-
Wochen dauert es, bis die
Schweizer Forscher aus gern – die Partikel in den Wolken über dem Packeis auf.
Villigen, Birmensdorf und SI-Reporterin Silvana Degonda besuchte mit Fotograf Geri
Davos ihren Arbeitsplatz im
Born die drei Teams vor dem Abflug in den hohen Norden.
Arktischen Ozean erreichen.
Und diese zeigten uns exklusiv, was sie alles für die Expedi-
tion einpacken. «Aufbruch in die Arktis» – ab Seite 12

Guy Parmelin ist als Forschungsminister übrigens auch


oberster WSL-Chef. Im Interview mit SI und «L’illustré» ou-
Titel Esther Horvath / MOSAiC;

tet sich der frühere Rebbauer als «Grüner» der ersten Stunde.
Fotos Kurt Reichenbach (2)

Er geht nun nach Deutschland, um zu schauen, wie dort mit


Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen experimen-
Swiss Food First! Landwirt- tiert wird. Vielleicht werden auch unsere Bauern bald Ener-
schaftsminister Guy Parmelin giepioniere. «Ich kaufe in der Schweiz ein» – ab Seite 22
(l.) isst mit SI und L’illustré
im «Zimmermania» in Bern
natürlich Schweizer Fleisch. Viel Entdeckergeist mit der Schweizer Illustrierten!

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 3
I N H A LT

30
Leihmutter Elissa
aus den USA zu

54
Besuch bei Toch-
ter Gaia in der
Schweiz. «Glaubt
mir, ich hätte
das auch ohne Puppendoktor
Geld gemacht.» Meinrad Röösli
erweckt die
Einzelteile eines
alten Bääbis zu
neuem Leben.
Die etwas an-
dere Arztvisite.

62
Comeback der
Kelly Family! In
Zürich kreischen
13 000 Fans. Hin-
ter den Kulissen

48
verraten die Ge-
schwister, wie es
ihnen heute geht.
Er protzt und klotzt:
Selfmade-Millio-
när Peter Buser
sponsert neu den
Hockeyclub Davos
und zeigt sein
privates Lustreich.

STARTER 42 Y
 outh Olympic Games Diese sechs 78 Bluthochdruck Zehn wichtige
3 Editorial von Werner De Schepper Jugendlichen entzünden das Punkte über die Volkskrankheit
olympische Feuer in der Schweiz 80 Neurodermitis Die Bedeutung von
6 Diese Woche Michelle Hunziker,
Annina Frey, Prinz William, Mike 48 Peter Buser Schrill! Privatbesuch Vitamin D für die gesunde Haut
Müller, Chiara Castelli, Urs Kryen- beim Provokateur der Nation 82 A
 uto So tickt Porsche in Solothurn.
bühl, Gabi Schenkel, Remo Käser, 52 Kathrin Hönegger Die SRF-Mode- Und: BMW X6 – der SUV-König
ratorin im persönlichen Interview:
Fotos Fabienne Bühler, Kurt Reichenbach, Pascal Mora, Thomas Buchwalder

Peter Pfändler, Stefan Roos,


Aline Trede, Tonia Maria Zindel Worauf sie allergisch reagiert
SONSTIGES
9 Simonetta Sommaruga Peter 54 Meinrad Röösli Der Puppendoktor
84 Rätsel Spass mit den Klassikern!
Rothenbühler macht der neuen heilt kaputte Bääbi und Bären
87 Horoskop von Elizabeth Teissier
Bundespräsidentin Komplimente 62 Kelly Family 25 Jahre später: die
Musik-Familie backstage in Zürich 88 
Community & Impressum
89 Senkrecht von Natascha Knecht
STORYS
SERVICE 90 S
 o machen wir das ... Sandro
12 Mission «Polarstern» Die grösste Huber und Conny leben in einem
Expedition ins Packeis der Arktis. 66 «Palace Gstaad» Ikone: auch nach Mini-Haus von 25 Quadratmetern!
Und: die Forscher aus der Schweiz 106 Jahren noch im Familienbesitz
22 
Guy Parmelin Der Bauernbundes- 68 Abu Dhabi Chillen & schlemmen
rat will Solaranlagen auf den im Anantara Desert Islands Resort
Feldern prüfen. Grosses Interview 70 S
 alate Vitaminkick für kalte Tage.
26 N
 oel & Mike von Grünigen Heute Und: «Brauwerk» in St. Gallen
ABO-SERVICE
fährt der Sohn dem Vater davon 73 GaultMillau Heros De Agostinis 0848 820 920
30 Leihmutter-Report «Bauch-Mami» punktet im «Carlton» in St. Moritz Redaktion: Flurstrasse 55, 8048 Zürich,
Elissa besucht Tochter Gaia in der 74 Style weekly Grosser Auftritt von Tel. 058 269 26 26, info@schweizer-illustrierte.ch,
Schweiz. Die schwulen Väter freuts Uma Thurman und Gela Wesh www.schweizer-illustrierte.ch

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 5
MI C H E L L E H U N Z I KE R

Weisse
Pracht,
buntes
Treiben
Sie findet offensichtlich Gefallen am
Fliegen: Michelle Hunziker, 42. Hier
fliegt die italienische Star-Moderatorin
mit Schweizer Wurzeln gerade vom
Schlitten in den Schnee – zusammen
mit Töchterchen Celeste, 4. Das sieht ja
noch ganz lustig aus und schadet auch
keinem. Tatort dieser «coolen» Landung:
Sankt Kassian. In die winterlichen Fami-
lienferien mit Ehemann Tomaso Trus-
sardi, 36, den Kindern Celeste und Sole,
6, sowie Mama Ineke ist «La Hunziker»
ins Südtiroler Dörfchen ebenfalls ein-
geflogen – und zwar im Helikopter. Das
mag lustig geschwind gehen, ist aber
nicht gerade sehr umwelt- und klima-
freundlich. Aber vielleicht hat ja unser
schönster weiblicher Export seit Ursula
Andres ihren Flug auch brav kompen-
siert und somit eine so weisse Weste
wie die weisse Pracht, in der sie sich rä-
kelt. Wobei: Ihre Weste entpuppt sich
beim genauen Hinsehen als eine braune
Jacke. Bleibt nur zu hoffen, dass die
nicht aus Pelz ist. R H

kuschel & tuschel.

Babyglück Babygeschrei Liebesgeigen


BVB-Kicker Manuel Akanji, 24, Er wird wieder Papi: Eishockey-Nati- Rockt es bei Chris von Rohr, 68, nach
und Ehefrau Melanie erwarten Nach- coach Patrick Fischer, 44, und seine vier Jahren Singledasein wieder?
wuchs. «Wir sind dankbar, im neuen Mädy werden Eltern. Im Juni soll Die Neue ist eine alte Ex: Beatrice.
Jahr neues Leben in der Familie be- der Nachwuchs kommen. Fischer hat Er: «Ein paar Liebesgeigen höre ich.»
grüssen zu dürfen», so der Schweizer. schon einen 18-jährigen Sohn. Für Liebesglocken sei es noch zu früh.

6 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
rose.

F R IT Z
ERNI
Was für ein Weihnachts-
geschenk! Die Angestell-
ten des Luzerner Hotels
Montana freuen sich über
einen grossen Batzen: Sie
erhielten einen 14. Mo-
natslohn. «Weil die Mitar-
beiter wesentlich zum
Jahreserfolg beitragen,
lassen wir sie teilhaben»,
sagt Hoteldirektor Fritz
Erni. Dieses Jahr machte
das Hotel einen Rekord-
umsatz von 15 Millionen
Franken – dank Schweizer
und US-Touristen. Die
94 Festangestellten und
27 Stundenlöhner erfuh-
ren am Weihnachtsapéro
von ihrem Glück. Auch
wir zeigen uns Ende Jahr
grosszügig – und schicken
ausnahmsweise 14 Rosen!

kaktus.

C HR I S TIAN
WO HLWE N D
Was für ein Eigengoal!
Erst verlieren die Hockey-
aner des HC Davos am
Spengler-Cup gegen das
A NNINA FR E Y Team Canada. Cheftrainer
Christian Wohlwend
Ihr Kleiner ist hatte hoch gepokert und
eine Rumpfmannschaft
ganz der Daddy aufs Eis geschickt. Dann
geht auch noch das Spiel
Seit einem Monat ist Annina Frey, 39, gegen Turku in die Hosen:
Mami. Zurzeit macht sie mit Part- Schon im Viertelfinal
ner Armon Joos, 34, im Engadin fliegt der HCD aus seinem
Ferien. «Die ersten mit unserem prestigeträchtigen Heim-
Kleinen», sagt die Ex-«G&G»-Mode- turnier. Doch Wohlwend
ratorin. Sie geniesst lange Spazier- legt noch einen drauf: Er
gänge und die Zeit als Familie. Frey: kritisiert die mangelnde
Fotos HGM-Press, HO (4)

«Wir sind noch dabei, uns kennenzu- Unterstützungen der Fans


lernen, und finden langsam einen – ein absolutes No-Go.
Alltagsrhythmus.» Doch grundsätz- Schlechter Verlierer,
lich sei ihr Sohn ziemlich «pachific» finden wir. Und so kommt
(Rumantsch für chillig). «Das hat er unser Kaktus schneller
von seinem Daddy.» K E M als ein HCD-Puck.
fake oder news.

Wel che di e s e r Au ss age n


de s S cha u s pi el e r s un d S ati r iker s

MIKE
MÜLLE R
i s t w i r k l i ch wa hr ?

1
«Vorm Schau-
spielern verdiente
ich mein Geld mit
Taxifahren»

P RI N Z W I L L I A M , LO U I S , C H A R LOT T E & G EOR G E


2
«In den 80er-Jahren
absolvierte ich ein
Ein Prinz zeigt Knie Diplom als Aerobic-
Ursprünglich war dieses Foto als Instagram- und Twitter-Weihnachtsgruss
Instructor»
gedacht. Nun steht schon wieder eher Ostern vor der Tür. Aber der Fami-
lienschnappschuss, den Herzogin Kate, 37, von Gatte Prinz William, 37,
und den Kindern George, 6, Charlotte, 4, und Louis, 1, festgehalten hat,
ist so schön, dass wir ihn nicht vorenthalten wollen. Zumal das Bild
3
zeitlos ist. Erstens achtet Kate darauf, dass keine Weihnachtsdeko zu «Als Kind beerdigte
sehen ist – und zweitens könnte es auch im Frühjahr auf Sandringham ich meine fünf
entstanden sein. Wie wir auf so eine wilde Idee kommen? Wer genau Meersäuli und drei
hinschaut, siehts. George trägt kurze Hosen – und das im Winter! R H Hasen selbst»
Zürich düste ich mit dem Taxi durch Thun.
Neben dem Philosophiestudium an der Uni

entdeckt.
URS KRY E NBÜHL

F ES TGE FAHRE N ? «Dann


VON W EGE N ! merkte ich,
«Sticky Situation» heisst die erste Sin-
gle von Chiara Castelli, 20. Ein Lied
dass ich ja
über eine vertrackte Liebe. Die Liebe
zur Musik ist gewiss nicht gemeint. Mit
noch jubeln
elf steht die Luzernerin bei «Kampf der
Chöre» auf SRF erstmals im Rampen-
sollte. Es ist
licht, später trumpft sie bei «The Voice
Kids». Am meisten Fans aber erreicht
wirklich
Castelli mit ihren Popsong-Covers auf
Instagram (über eine halbe Million
cool»
Abonnenten!). Nun folgt der erste Plat- Der 25-jährige Schwyzer Abfahrts-
tenvertrag – «perfect situation», oder? rennläufer, nachdem er in Bormio
auf den zweiten Platz gerast ist.
rothenbühler.

L I E B E S I MON E T TA SOMMARUGA
Darf man als Mann heute einer Präsiden­ Show an der Wahlfeier auf dem Gurten war
tin noch ein Kompliment machen, ohne einfach ein Hit. Nach dem Auftritt der
gleich als Macho verschrien zu werden? exzellenten Bundeshausband haben Sie es
Sie wissen es selbst: Als Frau werden Sie gewagt, das Festpublikum im Duo mit der
in einem exponierten Amt viel genauer Berner Rapperin Steff la Cheffe mit einer
betrachtet als ein Mann, das ist einfach Beatbox-Nummer zu überraschen.
so, Gendergestürm hin oder her. Also, ich Für Leserinnen und Leser, die noch nicht
wage es. Sie sehen zurzeit wissen, was Beatboxen ist,
blendend aus. Machen ei­ «Was mich nur so viel: das ist Schlag­
nen viel lockereren Ein­ zeug-Imitieren mit dem
auch freut an
druck als vor fünf Jahren, Mund, einfach sehr schnell fakt.
als Sie zum ersten Mal
Ihnen: Sie «Miezekatze» und «Pöhse
zur Bundespräsidentin ge­ brachten Musik Katze» ins Mikrofon brül­ Die Berner SP-Poli­tikerin
wählt wurden. in die Politik» len, dann tönts richtig. Simonetta Sommaruga, 59,
Alles stimmt, richtig auf­ Cédric Wermuth, Kandidat hat am 1. Januar das Amt
geblüht sind Sie, wir haben eine frische für das SP-Co-Präsidium, jubelte nach Ih­ der Bundespräsidentin
Simonetta. Das ist nicht unwichtig für die rem Versuch: «Krasseste Bundespräsiden­ zum zweiten Mal über-
nommen. Zum Auftakt
Schweiz. Nach dem netten, aber doch eher tin ever.» Sollte er tatsächlich Co-Präsident kündigt die Umwelt-
graumäusigen Ueli Maurer repräsentiert der SP Schweiz werden, wird er, der Kapi­ und Energieministerin
nun eine grosse, elegante Dame mit bestens talismusüberwinder, sicher noch mehr gleich ein Milliarden-
abgestimmter Garderobe unser Land, das Gelegenheiten haben, mit Ihnen, der pragma- programm für die Infra-
sich in Sachen Mode nicht zu verbergen tischen Sozialdemokratin, krasse Momente struktur der Bahn an. Die
diplomierte Pianistin ist
braucht. Ich sehe schon jetzt, was für eine zu erleben. Oder musikalisch ausgedrückt:
mit Schriftsteller Lukas
gute Figur Sie neben Frau Merkel, Frau von Es wird sicher ein paar schöne Dissonan­ Hartmann verheiratet.
der Leyen oder Frau Macron in diesem Jahr zen absetzen. In diesem Sinn, viel Glück! An der Präsidentenfeier
machen werden. Was mich auch freut an auf dem Gurten über-
Ihnen: Sie brachten Musik in die Politik. Mit freundlichen Grüssen, raschte sie das hoch­
Ihre Reden tönen wie gesungen, und die Peter Rothenbühler karätige Publikum im
Duo mit Rapperin
Steff la Cheffe.

gabis rudertagebuch.
«AN WE I HN AC HTE N WAR I C H WE HMÜTIG »
Das Wetter beeinflusst meinen Dann frühstücke ich – Por- oder einem Tänzchen um die
Fotos Getty Images, HO (2), Gaetan Bally / Keystone

Tagesablauf hier auf dem ridge mit Mandeln und Zimt, Muskeln, besonders die Hüft-
Atlantik zwischen Kanaren streiche Sonnencreme ein, beuger. Ich rudere weiter, bis
und Karibik. In der Regel rudere drei Stunden. Nach ich um 20 Uhr fast einschlafe.
schellt der Wecker in meiner dem Zmittag weitere drei Pro Tag komme ich auf zwölf
zwei Quadratmeter grossen Stunden rudern. In kurzen Stunden Rudern, es ist eine
Kabine um 4 Uhr. Dann ru- Pausen bereite ich das Trink- Art Meditation. Die ganze Zeit
dere ich zwei Stunden, es ist wasser auf, wasche Kleider, bin ich angegurtet. Jeden
Gabi Schenkel, 42, berichtet noch Nacht, begleitet von übermittle Bilder und Videos. zweiten Tag fragt jemand vom
vom här­testen Ruderrennen chilliger klassischer Musik. Um 16.30 Uhr wirds dunkel, OK nach. Weihnachten war
der Welt. Seit dem 12. Dezem- Bei Sonnenaufgang habe ich ich esse wieder, meist Ge- ich wehmütig. Nun ist die
ber ist die Zürcherin unter- über Satellitentelefon Kon- friergetrocknetes, kümmere Moral wieder tipptopp, denn
wegs – als einzige Frau solo. takt mit dem Wetterdienst. mich mit Stretching (Bild) ich komme zügig voran.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 9
«Eine Rose für meinen
blühenden Kaktus»
Wer hat sie letzte Woche genervt? Und über wen haben sie sich besonders
gefreut? Welcher Song hing ihnen im Ohr, und was haben sie entdeckt?
Fünf monatlich wechselnde Schweizer Persönlichkeiten und ihr Wochenrückblick.

DAS BIN ICH SO GEHT ES MIR MEIN KAKTUS

KOMIKER & An alle Pseudo-Klima-


bewussten, die über die
FAMILIENMENSCH Festtage an die Wärme
Als Comedian seit
einem Jahr solo unter- motiviert geflogen sind und mit
einem Kompensations-
wegs. Zu Hause happy PETER Batzen ihr schlechtes
mit Frau und zwei Kids. P FÄ N D L E R , 5 8 Gewissen beruhigt haben.

SCHAUSPIELERIN & Den schenke ich dem


Rosenverkäufer, dessen
MAMA Rosenstrauss schon nach
Voller Tatendrang und
Liebe! Vor allem für lebensverliebt einem Tag auf meiner
Fensterbank schlapp-
meine drei Kinder, die gemacht hat. Wahrlich
TO N I A M A R I A
ich täglich abknutsche! eine Schande!
ZINDEL, 47

SCHWINGER & Den Hintern voller Sta-


cheln soll die Person
SPIELER kassieren, die ihren Ab-
Im Lieblingsspiel «Wer
bin ich?» war ich zuletzt gut genährt fall auf unserem Firmen-
parkplatz entsorgt hat.
Miss Piggy und Rudolph, Gehts noch? Müll gehört
REMO
das Rentier – passt! in den Kehricht!
KÄSER, 23

POLITFRAU & An unsere Asylpolitik, für


den negativen Asylent-
UNTERNEHMERIN scheid an meine alleiner-
Klima- und Frauenjahr
2019 erfolgreich abge- optimistisch ziehende eritreische
Freundin und ihre beiden
schlossen. Jetzt gebe ich Töchter. Zugestellt an
ALINE
für 2020 mein Bestes. Weihnachten!
TREDE, 36

SÄNGER & Der geht an den notori-


schen Linksfahrer, der
TÖFFLIBUAB vor Kurzem eine gefühlte
Vögaliwohl ist es mir
bei einem Cervelat mit startbereit halbe Stunde lang mit
100 km/h vor mir auf der
der Familie zu Hause Autobahn rumdümpelte.
S T E FA N
im Heidiland. Was soll das?
ROOS, 47

10 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE Fotos Geri Born (2), Joseph Khakshouri, Remo Nägeli, Jürgen Freund
MEINE ROSE M E I N H A N DY B I L D MEIN SONG MEINE ENTDECKUNG

An meine Frau, die ALTE HOLZTIERLI, DIE


neben Haushalt, Kin- E N KH E R D E N E IN DER WINDE VER-
dern, Katze und Firma AM AR I L LO STECKT WAREN.
BY M O R NI NG
noch Zeit fand, mir JETZT SPIELEN MEINE
ein Hoodie zu nähen. KINDER DAMIT.

An meinen Kaktus, IMMER WIEDER KINO!


der kürzlich nach FR A N K S I N ATR A AKTUELL DER FILM
Jahren endlich wie- F LY M E TO «ALS HITLER DAS
THE MOON
der mal geblüht hat. ROSA KANINCHEN
Ich bin bezaubert! STAHL».

Eine Rose an Jolanda EINE WOCHE LANG


Neff und ein Red Bull VÖLLEREI ERGIBT AUF
A R MI N VA N BUUR E N
an Marco Odermatt B L AH B L AH B L AH DER WAAGE MEHR KI-
mit den besten Gene- LOS ALS EINE WOCHE
sungswünschen. HARTES TRAINING ...

Für Familie Günter- ES TUT NICHT WEH,


Bachmann, dank MIT TRADITIONEN ZU
MA R K FO RSTE R
deren Bleigiess- S OW I E S O BRECHEN. MAN KANN
künsten es an Silves- AN SILVESTER AUCH
ter immer «fägt». MAL ANDERES ESSEN.

An mein Jugendidol SKIFAHREN VERLERNT


Vreni Schneider, die MAN WIRKLICH NICHT.
MI CH A E L BUB L É
ich wieder mal ge- HOME NACH EWIGER ZEIT
troffen habe. Und die WIEDER AUF BRET-
noch die Gleiche ist. TERN – FANTASTISCH!

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 11
E XPED IT ION INS E WIGE E IS:
MISSION « P O L ARS TE RN»

Aufbruch in
die Arktis
Die Erde wird wärmer, das Eis schmilzt! Warum,
ist unklar. Für die grösste Polarexpedition aller Zeiten
trotzen 600 Wissenschaftler aus der ganzen Welt
Dunkelheit und Kälte und forschen ein Jahr lang am
Nordpol. Mit dabei: drei Schweizer Teams.
Der Eisbrecher «Polarstern»
startete am 28. September im
norwegischen Tromsø und
brachte die Forscher in einer
dreiwöchigen Fahrt durchs Eis
zum Nordpol.

Fotos Stefan Hendricks / Alfred-Wegener-Institut

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 13
T E X T S I LVA N A D E G O N D A

Lange galt der Nordpol als unerreich-


bares Ziel. Dutzende Abenteurer ver-
suchten ihr Glück, scheiterten jedoch
an Eis und Kälte. Bis der norwegische
Polarforscher Fridtjof Nansen mit sei-
nem Segelschiff 1893 als Erster den
82. Breitengrad überquerte. Mit Polka
und einer warmen Ochsenschwanz-
suppe feierte er diesen Erfolg.
Auf der Forschungslandkarte ist die
zentrale Arktis aber ein weitgehend
weisser Fleck geblieben. Das soll sich
nun mit der Expedition Mosaic än-
dern – der grössten Arktisexpedition
aller Zeiten. Im September 2019 ist der
Eisbrecher «Polarstern» vom norwe­
gischen Tromsø aufgebrochen. Ein
ganzes Jahr lang wird das deutsche For-
schungsschiff festgefroren am Eis quer
durch das Nordpolarmeer driften – auf
Fridtjof Nansens Spuren.

Welches Leben tummelt sich unter


dem ewigen Eis? Wie dringt die Wärme
durch die Ritzen des Packeises? Warum
erwärmt sich die Arktis doppelt so
schnell wie der Rest der Welt? Die Ex-
pedition soll Antworten auf all diese
Fragen liefern. 600 Forschende aus
Das Eis verändert sich ständig, immer wieder entste- 20 Ländern arbeiten und leben in je-
hen neue Risse, manchmal über 100 Meter breit. weils zwei Monate dauernden Schich-
ten auf dem Eisbrecher. Eine Flotte
von Schiffen, Helikoptern und Flug-
zeugen versorgt sie. Schneestürme,
Risse im Eis, Temperaturen bis minus
50 Grad – und die Dunkelheit der Po-
larnacht: Von Anfang an arbeiten die

Schneestürme, Männer und Frauen unter harschen


Bedingungen.

Risse im Eis,
Um an ihre Daten zu kommen, er-
richten die Wissenschaftler auf dem
Eis Forschungsstationen – sogenannte

Tempe­raturen bis «Citys». In der «Ocean City» etwa ent-


nehmen sie dem Meereis Wasser­

minus 50 Grad: proben. In der «Rov City» lassen sie


Fotos Alfred-Wegener-Institut, Esther Horvat /
Alfred-Wegener-Institut (2), Marcel Nicolaus

Tauchroboter ins Polarmeer. Und in der

600 Männer und


«Ice City» untersuchen sie das ganze
Jahr über in einem Gefrierlaborcontai-

Frauen arbeiten
ner Schnee- und Meereisproben.
Die Eisdrift wird das Forschungs-
schiff langsam westwärts durchs Polar-

unter harten meer tragen. Im Sommer dann wird das


schmelzende Packeis die «Polarstern»

Bedingungen zwischen Grönland und Spitzbergen


freigeben.
Zwei Experten vom
Biogeochemie-Team
nehmen unweit
des Forschungs-
schiffs «Polarstern»
Meereisproben.

Links: Beim For-


schungszentrum
«Rov City» lassen
die Forscher fern-
gesteuerte Tauch-
roboter ins Meer.
Rechts: Ein Polar-
bär beschnuppert
minutenlang eine
Forschungsstation.
Bereits mehrere
Male zeigten sich
neugierige Bären.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 15
E XPED IT ION INS E WIGE E IS:
DI E SCHW EIZE R TE AMS

Bereit fürs
Abenteuer
Auf dem Forschungsschiff «Polarstern» arbeiten auch drei
Teams aus der Schweiz: Amy Macfarlane aus Davos zeigt vor
dem Start, was sie im Packeis unbedingt dabeihaben muss.
T E X T S I LVA N A D E G O N D A F O T O S G E R I B O R N

DAVOS GR

Die Schneestecher
aus Graubünden
Winterwunderland in Davos: Im Dorf liegt Schnee, und der
umliegende Wald ist wie mit Puderzucker bestäubt. «Ich lie-
be den Winter in der Schweiz», sagt Amy Macfarlane, 25.
Sie ist in Manchester aufgewachsen. «Da schneit es nicht Amy Macfarlane mit ihren Kollegen Matthias Jaggi (l.)
oft», sagt die Engländerin und lacht. «Vielleicht bin ich und Martin Schneebeli vor dem Start im Davoser Labor.
darum fasziniert von Schnee.» Seit einem Jahr lebt die
Physikerin in den Bündner Bergen und arbeitet am WSL- ten des Schnees mit grosser Exaktheit. «Noch nie konnte
Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. man den Schnee in der Arktis so genau untersuchen. Wir
hoffen, dass wir verstehen, warum das Eis am Nordpol im-
Im Februar reist sie für drei Monate in die Arktis. Dort mer schneller schmilzt.»
löst sie ihre Kollegen Martin Schneebeli, 61, und Matthias Amy Macfarlane wird mit 60 anderen Wissenschaftlern
Jaggi, 36, ab. Sie untersuchen den Schnee, der auf dem aus 20 Nationen auf der «Polarstern» sein. «Ich kenne die
Meereis liegt. «Wir wollen herausfinden, wie sich der Kli- anderen noch nicht. Aber ich bin sicher, wir werden uns
mawandel auf die Arktis auswirkt.» Das Team hat unter gut verstehen. Wir haben ja alle die gleiche Mission.»
anderem einen SnowMicroPen mit an Bord des For- Bis zu minus 40 Grad erwartet die Forscherin aus
schungsschiffs «Polarstern» gebracht. Dieser sieht aus wie Graubünden. Und Dunkelheit. «Im März fängt es zum
ein überdimensionaler Kugelschreiber, dessen innere Glück an, heller zu werden», sagt sie. «Egal, wie kalt
Spitze in den Schnee eindringt – so bestimmen die For- oder dunkel es sein mag, für mich wird auf jeden Fall ein
schenden den Widerstand und die verschiedenen Schich- Traum wahr.»

16 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
3

DIE AUSRÜSTUNG VON AMY MACFARLANE


1 Mit dem SnowMicroPen messen die Forscher
die einzelnen Schichten der Schneedecke.
2 Die grosse Schneesäge dient zum Freilegen
von Schneeblöcken, um sie zu untersuchen.
3 In den Plastikröhrchen sammeln die Forscher
Schnee­proben, um im Labor etwa den
Russgehalt zu messen.
Derek Houtz, Reza Naderpour und Mike Schwank (v. l.) 3
tüfteln in ihrem Büro an einem Mikrowellen-Messgerät.

BIRMENSDORF ZH

Die Eismesser
aus Zürich
Reza Naderpour, 31, sitzt vor seinem Computer. Er klickt
ein Bild an, auf dem zwei Eisbären eine Markierungsfahne
im Eis beschnuppern. «Schau mal, wie nah die waren»,
sagt er fasziniert. Das Bild haben Wissenschaftler gepos-
tet, die bereits auf dem Forschungsschiff «Polarstern» sind.
«Wir mussten während eines eintägigen Kurses lernen,
was zu tun ist, wenn Eisbären auftauchen», sagt Nader-
pour. Rund um das Schiff sind Stolperdrähte gespannt.
Wenn ein Bär diese berührt, wird er mit Leuchtraketen ver-
scheucht, und die Wissenschaftler können sich zurückzie-
hen und in Sicherheit bringen. «Wir sind in der Heimat der
Bären. Darum wollen wir sie so wenig wie möglich stören.»

Reza Naderpour arbeitet seit drei Jahren in der For-


schungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in
Birmensdorf ZH. Zusammen mit dem Amerikaner Derek
Houtz, 30, und dem Schweizer Mike Schwank, 53, tüftelt
der gebürtige Iraner an einem Messgerät, das die Mikro-
wellen erfasst, die das Meereis ausstrahlt. Reza Naderpour
soll für das Team die Apparatur in der Arktis einsetzen. Die
Ergebnisse vergleichen die Zürcher dann mit Satelliten-
messungen aus dem All. «So können wir das arktische
Meereis trotz langer und dunkler Winter beobachten», sagt
Naderpour. «Ich freue mich unglaublich, dass wir diese Da-
ten bald erfassen können.»
Mindestens acht Sunden täglich arbeiten die Wissen-
schaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Eis unter har-
schen Bedingungen. Dafür werden besondere Anlässe wie
Silvester oder der Valentinstag mit Partys auf dem Schiff
gefeiert. «Darauf freue ich mich ebenfalls», sagt Naderpour
und grinst. «Nicht nur auf die Polarbären und die Daten.»

18 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Die grösste
Arktis-Expedition

7
in Zahlen

1,5
METER K ILOMETER
dick muss das arktische pro Tag driftet
Eis mindestens sein, das Eis, an dem
damit die Forscher es die «Polarstern»
betreten dürfen. festgefroren ist.

3MAL
390
in der Woche werden
2 Drinks an der Schiffs- TAGE
1 bar ausgeschenkt. ist das Forschungs-
schiff unterwegs –
von September 2019
bis Oktober 2020.

4000
METER
unter der Oberfläche
werden die tiefsten Messungen

6
der Expedition durchgeführt.

150 TAGE
dauert die Polar-
nacht. Während
dieser Zeit bleibt
P ERSONEN es dunkel.
Quelle: Mosaic Expedition / Alfred-Wegener-Institut

sind als Eisbärenwache


im Einsatz, um die
Sicherheit der Forscher
zu gewährleisten.
DAS NIMMT REZA NADERPOUR
MIT AUFS SCHIFF
1 Die Gletschersonnenbrille schützt vor
dem kalten Wind und dunkelt stark ab. 220 000
2 Mit dem Netzwerkanalysator werden FRANKEN
Resonatorsensoren betrieben. kostet die Expedition pro Tag –
3 Die Sensoren messen die elektrischen und das ohne die Instrumente
Eigenschaften von Schnee und Eis. der Wissenschaftler.
VILLIGEN AG

Die Wolkensauger
aus dem Aargau Julia Schmale und Ivo Beck nehmen in ihrem Labor
kleinste Luftpartikel unter die Lupe.

Die Reise aus der Schweiz zum Eisbrecher in der Arktis klärt Julia Schmale. Die Messgeräte bleiben während der
dauert fast drei Wochen. Erst fliegt Julia Schmale, 38, nach Expedition im Container – die Forscher müssen deshalb
Tromsø in Norwegen. Weiter gehts mit einem russischen selten selber aufs Eis. Mit Apparaten, ähnlich einem Staub­
Eisbrecher – dieser kämpft sich durchs Eis so nah wie sauger, zieht Schmale Luft ein und untersucht die Partikel
möglich an das Forschungsschiff heran. «Ich kann nur sehr darin. «Der Feinstaub, den wir in Europa, Asien und Nord­
wenig Russisch. Es ist sicher sinnvoll, ein bisschen mehr amerika produzieren, beeinflusst den Klimawandel in der
Small Talk zu lernen», sagt Julia Schmale, Professorin Arktis», sagt sie. «Wie genau, müssen wir noch heraus­
an der Technischen Hochschule Lausanne EPFL und For­ finden, damit wir wissen, was wir dagegen tun können.»
scherin am Paul Scherrer Institut in Villigen AG.
Auf dem Schiff steht ein ganzer Container mit Mess­ Kontakt mit der Schweiz ist während der zwei Monate auf
geräten für die Wissenschaftlerin und ihren Mitarbeiter dem Forschungsschiff kaum möglich. «Ich kann höchstens
Ivo Beck, 33, bereit. Die zwei untersuchen mit einem Team meinem Team ein paar Mails schicken. Mehr nicht», sagt
aus Finnland Aerosole. Das sind kleine Schwebepartikel Julia Schmale. «Umso schöner ist es aber, Familie und
in der Luft, die zur Wolkenbildung beitragen. «Wolken wir­ Freunden von diesem einmaligen Abenteuer zu erzählen,
ken wie eine Decke über dem Eis. Es ist dann wärmer», er­ wenn ich wieder zu Hause bin.»
1

JULIA SCHMALE UND IHR EQUIPMENT


1 Ein Lehrbuch, um für die Reise zum Eisbrecher
«Polarstern» noch etwas Russisch zu lernen.
2 Ein Heizkabel, damit das Rohr, durch das die Luft
in den Container gesaugt wird, nicht vereist.
3 Spezielle Öffner, um die Filter für die Luftröhre
zum Forschungscontainer auszutauschen.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 21
«Ich kaufe in
der Schweiz ein»
Bundesrat Guy Parmelin will, dass wir mehr einheimische
Produkte konsumieren. Im Interview zum neuen Jahr
outet sich der gelernte Bauer als Ökologe der ersten Stunde:
«Ich heize mit Pellets und fahre privat kaum Auto.»

TEXT WERNER DE SCHEPPER UND MICHEL JEANNERET


F OTO S KU RT R E I C H E N B AC H

Bundesrat Guy Parmelin braucht keine Menu- Ich habe die Grossverteiler zusammen mit der
karte. «Ich empfehle euch wärmstens die Saucis- Branchenorganisation an einen Tisch gebeten,
son vaudois mit Lauchgemüse», sagt der Waadt- damit sie mehr Promotionen mit Schweizer Wein
länder und bestellt für sich eine Zwiebelsuppe machen. Aktionen mit dem Schweizerkreuz etwa.
und ein Wienerschnitzel. «Mit Fleisch aus der Für solche Werbemassnahmen sprechen wir auch
Schweiz!» Das «Zimmermania» in der Brunn- Geld, wenn die Branche mitzieht und alle recht-
gasse ist eine seiner Lieblingsbeizen in Bern. «Es lichen Bestimmungen erfüllt sind.
ist schnörkellos bodenständig.» Zum Essen be- Und daheim keine ausländischen Tropfen?
stellt er einen Waadtländer Chasselas-Weisswein Doch! Ich habe schon sehr früh Bordeaux-Weine
aus Yvorne und einen Pinot noir aus St-Saphorin. gekauft, ich schätze sie sehr. Nun sind die Preise
explodiert. Für mich muss das Preis-Leistungs-
Herr Bundesrat, Sie trinken Schweizer Wein Verhältnis stimmen, auch beim Schweizer Wein.
und essen Schweizer Fleisch. Ist das nicht Es gibt so viele gute Schweizer Weine zu fairen
langweilig? Preisen, dass ich nur selten auf
(Lacht.) Nein, ich esse doch ein ausländische zurückgreifen muss.
Wienerschnitzel, also eine öster- Wäre es nicht super, wenn die
reichische Spezialität. Aber im Pestizidverbots-Initiative beim
Ernst: Natürlich ist mir das wich- Volk durchkäme oder die Trink-
tig. Als Konsument wie als Land- wasser-Initiative – dann wäre
wirtschaftsminister. Wenn es geht, jeder Wein und jedes Gemüse
sollte man Produkte aus der Re- pestizidfrei!
gion essen und trinken. Das ist Nein, das wäre eben nicht gut.
ökologisch sinnvoll und gut für Denn dann gäbe es nur noch Bio-
unsere Bauern. Es stört mich, dass wein, den ich zwar sehr schätze,
es zum Beispiel in Zürich und in der aber für viele Schweizer zu
der Ostschweiz viele Restaurants teuer wäre. Ich prophezeie Ihnen,
gibt, in denen man alles, aber kei- dass die Schweizer massenhaft im
nen Schweizer Wein trinken kann. Der Bundesrat empfiehlt: benachbarten Ausland ihren Wein
Saucisson vaudois
Und was tun Sie als Landwirt- auf Lauchgemüse mit einkaufen gehen. Das ist doch
schaftsminister dagegen? Salzkartoffeln.

22 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
das ist.
GUY PARMELIN
Der 60-jährige
SVP-Bundesrat
begann 2016 im
VBS, wechselte
Anfang 2019 in
das Wirtschafts-
departement.
Der gelernte Bauer
lebt mit seiner
Frau Caroline in
Bursins VD und
Bern. SI-Leserin-
nen kennen ihn
von der 1.-August-
Wanderung.

Überbackene Zwiebelsuppe:
Mit seinem Mitarbeiter
Urs Wiedmer (r.) bespricht
Parmelin beim Mittagessen,
was ansteht.
keine Lösung. Ja, das ist tatsächlich interessant. In der Schweiz
Was ist dann die Lösung? gibt es natürlich sofort viele Aber. Widerstände
Um im Weinbau weniger Pflanzenschutzmittel zu etwa wegen Landschaftsschutz sind program-
brauchen, müssen wir resistente Sorten züchten. miert. Trotzdem lohnt es sich, diese Idee zu prü-
Damit reduzieren wir den Einsatz von Kupfer, das fen. Darum werde ich dieses Jahr an die «Grüne
auch im Biolandbau eingesetzt wird. Agroscope Woche» in Berlin gehen und mich dort zum
ist weltweit führend in der Züchtung von pilzre- Thema Freiflächenanlagen genau umhören. Mein
sistenten Sorten. Auch die Trinkwasser-Initiative Motto für 2020 ist: Wagen wir einen neuen Blick
ist nicht der richtige Weg. Viele Gemüsebauern auch auf Dinge, die unverrückbar erscheinen.
würden freiwillig auf die Direktzahlungen ver- Wir haben den Eindruck, dass man Ihnen
zichten, um weiter Pflanzenschutzmittel einset- neues Denken nicht zutraut, weil Sie ja –
zen zu können. Direktzahlungen sind dort nur ein entschuldigen Sie, es ist nicht meine persön-
kleiner Teil des Einkommens. Dank Direktzah- liche Meinung – nur ein Bauer sind.
lungen haben wir eine Kontrolle, welche und wie Ja, ich glaube, Sie haben recht. Ich habe in eini-
viel Pflanzenschutzmittel sie einsetzen. Vergessen gen Kreisen drei Nachteile: Ich bin Bauer, ich bin
Sie nicht: Konsumenten wollen mehrheitlich Romand, und ich bin Parteimitglied der SVP.
schöne Früchte und schönes Gemüse kaufen. Und wie gehen Sie damit um?
Aber einige Winzerfamilien Parmelin produ- Als ich das Amt als Wirtschaftsminister antrat,
zieren doch hervorragenden Biowein. Sie habe ich mit Vertretern der Schweizer Wirtschaft
selber haben schon sehr früh darauf geachtet, das Gespräch gesucht: Ich habe viele Leute getrof-
möglichst ohne Pestizide auszukommen. fen, alle Sozialpartner und viele Unternehmun-
Das stimmt. Wir benützen keine Insektizide mehr. gen besucht. Aktionen hinter meinem Rücken
Und in unserer Region geht das auch. Aber ich schätze ich nicht.
möchte nicht, dass wir in der Schweiz nur noch Und haben Sie Vertrauen schaffen können?
teure landwirtschaftliche Produkte herstellen und Ich denke schon. Auf der Reise nach Japan und
alles andere dann aus dem Ausland kommt. Vietnam habe ich den Wirtschaftsvertretern ge-
Trotzdem: 2019 war das Jahr der grünen Welle. zeigt, dass ich ihre Interessen vorbringen kann.
Hat Sie das ökologische Feuer nicht erfasst? Auch mein Vorstoss zur Abschaffung der Indus­
Ich habe nicht darauf gewartet. Ich war stets triezölle hat ihnen gezeigt, dass es mir ernst ist,
sehr ökologisch. Als wir 1971 unser Haus gebaut den Wettbewerb zu fördern, das Preisniveau zu
haben, wurde noch mit Öl geheizt – was für eine senken und die Bürokratie abzubauen.
Energieverschleuderung! Wir erneuerten alle Sie sagen es selber, Sie werden zum Teil nicht
Fenster, isolierten Dach und Fassaden, installier- ernst genommen, weil sie nur ein Bauer sind,
ten Photovoltaik und heizen mit also nicht studiert haben.
Pellets. Ich betone gern, dass Trotzdem propa­gieren Sie die
meine Frau und ich all unsere Berufslehre. Warum?
Einkäufe in der Schweiz ma- das sagt. Ich war an der Nobelpreisverlei-
chen – und zwar möglichst im hung in Schweden. Dort sagte
Dorf oder in der näheren Umge- mir die zuständige Ministerin,
bung. Mein Privatauto brauche bei ihnen habe die Lehre fast
ich kaum. Wer mir eine Lektion keine Bedeutung mehr. Diese
erteilen will, muss es erst besser Entwicklung wäre für uns fatal.
machen. Ich esse auch nicht täg- Wir brauchen die besten Leute
lich Fleisch. Alles mit Mass ist auch in der Lehre. Wer gut ist,
das Beste. kann jederzeit weiter studieren.
In Baden-Württemberg, Bay- Auch Ihre Eltern, Bauern,
ALAIN BERSET
ern und Österreich stellt man haben Ihnen geraten,
SP-Bundesrat
jetzt auf landwirtschaftliche das Gymnasium zu besuchen.
«Guy Parmelin ist um-
Freiflächen Photovoltaik- gänglich und verlässlich, Aber nachher liessen sie mich
Anlagen. Dort gibt es schon im Bundesratszimmer eine landwirtschaftliche Lehre
Hecken aus Solarpanels. genauso wie ausserhalb. machen. Und zwar in der
Würde man vier Prozent der Und was ich an ihm Deutschschweiz. Meine Lehr-
Agrarfläche der Schweiz da- besonders schätze: Guy meisterfamilie war so nett, dass
hat Humor und kann
mit bebauen, könnten wir sie extra mit mir Hochdeutsch
geniessen. Er ist ein
ohne AKW autark Strom pro- begeisterungsfähiger geredet hat, wovon ich heute
duzieren. Die Bauern könnten Kollege und gleichzeitig noch profitiere.
dafür Bodenzins kassieren. bodenständig.» Sie haben mit dem Mercosur-

24 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
«Meine Lehrmeister- Zuversicht. Das «Zimmer-
mania» in der Altstadt
von Bern ist bodenständig

familie war so nett, wie der Bundesrat.

dass sie extra mit mir


Hochdeutsch geredet
hat, wovon ich heute nen und Konsumenten in der Schweiz nachge-

noch profitiere» fragt wird.


Und wie stehts mit dem anvisierten Freihan-
delsabkommen mit den USA?
Wir führen immer noch Vorbereitungsgespräche.
Ich hoffe, wir können sie bald beenden und rich-
tig einsteigen – vielleicht am WEF.
Sie hoffen auf Trump in Davos?
Ja, im persönlichen Gespräch kann man immer
am besten etwas rausholen.
Wir stehen am Jahreswechsel. Was haben Sie
Freihandel auch eine bittere Pille schlucken sich persönlich für 2020 vorgenommen?
müssen: Die Schweiz muss 3000 Tonnen mehr Im Januar und Februar trinke ich etwa 20 Tage
Rindfleisch aus Südamerika importieren. lang keinen Alkohol. Damit verliere ich rund drei
Es trifft nicht zu, dass wir 3000 Tonnen mehr Kilo. Allgemein wollen meine Frau und ich in Zu-
Rindfleisch importieren müssen. Diese Mengen kunft die Schweiz mehr geniessen. Und zwar im
Rindfleisch werden bereits heute aus den Merco- Studio, das wir in Villars-sur-Ollon gekauft haben.
sur-Staaten, vor allem aus Uruguay, importiert. Fahren Sie dort Ski?
Diese Importe haben wir mit dem Abkommen nur Ich bin 60 Jahre alt, also kein Verbissener mehr.
bestätigt. Ein Freihandelsabkommen bestimmt Und diesen Winter werde ich ganz darauf verzich-
ohnehin nie, wie viel zusätzlich importiert wird. ten, damit ich nicht auf Krücken in Davos herum-
Importiert wird nur, was von den Konsumentin- humpeln muss.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 25
«Ahifahre» vor
dem Höhepunkt
Der ehemalige Skistar Mike von Grünigen zieht in Gstaad
mit Sohn Noel Spuren in den Schnee. Der 24-Jährige
empfindet den grossen Namen des Vaters nicht als Last
und treibt seine eigene Karriere Schritt für Schritt voran.

26 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
TEXT CHRISTIAN BÜRGE
F OTO S KU RT R E I C H E N B AC H

Im Porsche zu viert auf die Skipiste. Die


Familie von Grünigen lehnt sich zu-
rück in die Ledersitze, geniesst die Aus-
sicht. Nur heult hier weit und breit kein
Bolide. Und keiner rudert wie verrückt
an den Gängen, um für die nächste
Kurve runterzuschalten. Es ist ein laut-
loses Dahingleiten, ein Emporschwe-
ben. Nicht in den PS-Himmel, sondern
aufs Eggli. Denn der Porsche ist zwar
das neueste Prunkstück von Gstaad,
aber kein Auto, sondern eine 10er-Gon-
del im Porsche-Design.
Mike von Grünigen grinst. Der
50-jährige Schönrieder, zweifacher
Riesenslalom-Weltmeister, vierterfolg-
reichster Riesenslalom-Fahrer der Ge-
schichte nach Ingemar Stenmark, Mar-
cel Hirscher und Ted Ligety, wirkt ein
klein wenig stolz. «Jetzt haben wir
auch wieder gute Bahnen», sagt er.

Zwar ist einer mit seinem Können hier


ELEGANT UND in seiner Heimat punkto Skifahren
SCHNELL nicht gerade am Limit, aber «ahi-
Fast so schnell wie fahre», also runterfahren, ist hier in
die neue Gondel Gstaad doppeldeutig zu verstehen. Ent-
auf dem Eggli ist
schleunigen ist hier mindestens so an-
(4 Minuten 53), sind
Vater und Sohn gesagt wie beschleunigen. «Die Land-
auch wieder unten schaft ist lieblich, die Pisten nicht ult-
(oben). In der raschwierig. Aber es hat Charme. Ich
Porsche-­Design- bin hier verwurzelt. Immer wenn ich
Gondel haben Mike weg war und beim Heimkommen die
von Grünigen,
Bergkette von Schönried sehe, ist es et-
Noel, Raphaela
Suter und Anna von was vom Schönsten.»
Grünigen einen per- Zwischen Weihnachten und Neu-
fekten Rundblick. jahr haben drei von fünf Familienmit-
«AHIFAHRE» AM
PISTENRAND
Mike von Grünigen,
Frau Anna, Rapha-
ela Suter und Noel
von Grünigen (v.l.)
prosten sich auf
dem Eggli ob Gstaad
zu: «Ich schätze es
heute, den Tag auch
mal so ausklingen
zu lassen», sagt
Mike von Grünigen.

gliedern Zeit für ein inzwischen äus-


serst seltenes Ereignis, einen gemein-
samen Skitag. Noel von Grünigen ist
dabei. Der 24-jährige Sohn von Mike
und Anna steht im B-Kader von Swiss
Ski und kämpft auch in diesem Winter
im Europacup um den Anschluss an die
Slalom-Weltspitze. «Heute ist meine
Saisonpremiere in dieser Region», sagt
Noel, «ich war in Schweden, Norwegen
und Italien unterwegs.» Er hat seine
Freundin Raphaela Suter im Wind-
schatten. Wobei: Die Innerschweizerin
vom Stoos hat aerodynamische Vor-
teile gar nicht nötig. Bis im vergange-
nen Frühling fuhr die Speedfahrerin
selber auf Europacup-Niveau, ehe die
nun 23-Jährige die professionellen Am-
bitionen einstellte. «Ich muss wirklich
nie auf sie warten. Sie ist so schnell»,
sagt Noel, der älteste der drei Von-
Grünigen-Brüder neben Elio, 21, und
Lian, 18.

Seit er zwei Jahre alt war, steht Noel


auf Ski. «Zuerst übte er im Haus drin»,
sagt Mutter Anna. Er stieg im Pyjama
in seine Skischuhe mit Schuhgrösse 18
– winzige Dinger. Und im Sommer fuhr
er einfach die Wiese runter. Ihm war es
egal, ob es Schnee hatte oder nicht.»
«Für mich war das normal,
Jetzt mäht er mit seinen Ski keine Wei-
den mehr, sondern saust perfekt präpa- dass einer Skirennen fährt.
Ich dachte, alle können das»
rierte Pisten hinunter. Die Ziele sind
hoch. «Ich will im Europacup in die
Top 7 im Slalom und mich für Welt-
cup-Einsätze empfehlen.» Zuletzt gab GSTAAD-BOTSCHAFTER NOEL VON GRÜNIGEN

28 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
es in Italien nach mühsamem Saison- der Sohn von Erika Hess, kennen das Winter über unterwegs. Daneben leitet
start einen 17. Platz. «Ich fühle mich auch. Es ist schon so: Wenn er als er mit Anna auch noch den örtlichen
jetzt körperlich und technisch top. Das Knirps irgendein Rennen fuhr, wuss- Ski-Nachwuchs in der JO-Gruppe an.
Gefühl stimmt. Jetzt müssen nur noch ten nachher alle sein Resultat. Bei ei- Und wenn es die Zeit erlaubt, schaut
die Resultate kommen.» nem Hansli Meier interessiert das nie- er auch einmal bei einem Fis-Rennen
Mit dem bekannten Nachnamen manden. Aber er hat das auch später von Lian vorbei, dem zweiten ambitio-
lernte Noel umzugehen. «Als ich klein gut weggesteckt.» nierten Nachwuchsfahrer im Haus.
war, begriff ich sowieso nicht, wie Nach ein paar Fahrten lassen sich «Sechs von sieben Tagen steht er im-
gross die Welt ist. Ich verstand auch die vier bei der Bergstation der mer noch auf den Ski», sagt Anna. Fürs
nicht, was mein Vater erreichte. Für Eggli-Bahn in einen Liegestuhl fallen Schlitteln, Schneeschuhwandern und
mich war es normal, dass einer Skiren- und bestellen Kaffee im Glas. «Ich andere Be- und Entschleunigung rund
nen fährt. Ich dachte, alle können das. gehe oft zum Vater und höre mir seine um Gstaad bleibt ihnen kaum Zeit.
Auch später war es nie eine Belastung, Ratschläge an», sagt Noel. «Wenn Dafür fiebern jetzt alle den High-
ihn als Vater zu haben. Sie liessen mir ich das aus falschem Stolz nicht ma- lights des Schweizer Ski-Winters in
immer die Wahl.» chen würde, wäre ich selber schuld. Adelboden und Wengen entgegen.
Vieles dreht sich um den Kopf. Manch- Noel hofft wie 2019 auf eine Start-
Noel sei ja bei Weitem nicht der ein- mal ist es der letzte Dreh, den ich chance. «Ich will noch einen Zacken
zige Nachwuchsfahrer mit einem Ruck- brauche.» Mike ist für die Skifirma Fi- zulegen», sagt er. Nur allzu gern
sack, sagt Mike von Grünigen. «Elia scher, wo er in der Entwicklung und im würde er im Berner Oberland damit
Zurbriggen etwa oder Marco Reymond, Marketingbereich arbeitet, den ganzen beginnen.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 29
Alle Augen auf ­Principessa!
Gaia treibt Schabernack
mit Leihmutter Elissa und
ihren Vätern Ciccio (l.)
und Raphael. Kater Brocco
Hellboy schmollt.

30 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Zwei Väter und
ein Bauch-Mami Vor drei Jahren hat die
Amerikanerin Elissa für
Raphael und Ciccio eine
Tochter ausgetragen.
Nun ist die Leihmutter zu
Besuch in Bern – und be-
weist: Liebe kann genauso
stark sein wie Gene.

T E X T M I C H E L L E S C H WA R Z E N B AC H
F O T O S FA B I E N N E B Ü H L E R

«Buuuch-Mami, los mau», ruft Gaia


und streckt Elissa, 40, ihre pinken
Kopfhörer entgegen. Elissa setzt sie auf
und beginnt mit dem Kopf zu wippen.
Gaia gigelet.
«Buuuch-Mami» zählt zu den weni-
gen berndeutschen Wörtern, die Elissa
versteht. Sie ist Amerikanerin, spricht
nur Englisch. Aber das ist egal – Elissa
spürt, was Gaia, 3, will. Weil sie auf
das Engste mit ihr verbunden war:
Neun Monate trug sie Gaia in ihrem
Bauch.
Elissa ist Gaias Leihmutter. Sie hat
das Mädchen für die beiden Väter Ra-
phael, 39, und Ciccio, 40, ausgetragen.
Genetisch ist sie nicht mit ihr ver-
GEFRAGTES PAAR wandt. Die leibliche Mutter ist eine
Nach der SI-Geschichte
(2017) bekamen die Väter
ano­nyme Eizellenspenderin, die Sper-
zahlreiche Medienanfragen. mien stammen von Ciccio.
Ab 3. Januar sind sie bei Zweieinhalb Jahre ist es her, seit die
«SRF bi de Lüt» Schweizer Illustrierte die beiden Väter
zu sehen (SRF 1). besucht hat. «Gaia ist ein Anfänger-
baby», sagten sie. Die Kleine schlief
nach einem Monat bereits durch, nahm
ohne Murren das Fläschchen.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 31
Säuli basteln mit
Daddy Raphael.
Er ist nicht Gaias
leiblicher Vater,
darum hat er die
Stiefkindadoption
beantragt.

Bild unten:
Für die Frisur ist
Papa Ciccio zu-
ständig. «Ich bin
der Geduldigere
von uns beiden.»

Bild rechts:
Zum dritten
Geburtstag gabs
vom «Bauch-
Mami» was
auf die Ohren!
Gaia testet
mit Elissa die
neuen Kopfhörer.

«Heute ist sie ein richtiges Luusmeit­


schi», sagt Ciccio und steckt ihr Haar
mit einem Klämmerchen zurück. «Du
hast eine Sturmfrisur, Principes­ sa.»
Gaia lacht und will noch mehr Kläm­
merchen.
Elissa beobachtet die beiden vom
Sofa aus. «Gaia ist in den besten Hän­
den», sagt sie dann. Seit einer Woche
ist sie auf Besuch in der Schweiz. Mor­
gen reist sie zurück in die USA. «Ich
vermisse die drei schon jetzt.»

Bei Elissa zu Hause in Minnesota


hängt in jedem Zimmer ein Bild von
Gaia und ihren Vätern: «Sie gehören zu
meiner Familie.» Elissa hat selbst zwei
Söhne. «Ich sage immer: Gaia ist die
Tochter, die ich nie hatte.»
Für Raphael und Ciccio ist Gaia die
«Eine Adoption In der Schweiz ist die Leihmutter­
schaft verboten. Weil sie viele ethische
Tochter, die sie sich immer gewünscht war nicht möglich. Fragen aufwirft: von den gesundheit­
hatten. Als schwules Paar durften sie in lichen Risiken für die Leihmutter über
der Schweiz keine Kinder adoptieren. Mir wäre das die Kommerzialisierung und die Ge-
«Mir wäre das lieber gewesen», sagt
Raphael, der einer Leihmutterschaft
­lieber gewesen» fahr der Ausbeutung von Frauen in
Notsituationen. Dennoch wird der Ruf
zuerst skeptisch gegenüberstand. RAPHAEL, VATER nach einer Legalisierung immer lauter.

32 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Elissa ist im Internet auf das Thema alles», sagt sie. «Es macht mich traurig, ist adoptiert. «Darum weiss ich, dass
Leihmutterschaft gestossen. «Je mehr wenn ich Paare sehe, deren Kinder­ nicht die Gene entscheiden, wie eng
ich darüber las, desto mehr wollte ich wunsch unerfüllt bleibt.» Als gesunde, eine Bindung ist.» Ihr sei von Anfang
das selbst erleben.» Warum will eine gebärfähige Frau habe sie die Mög­ an klar gewesen: «Gaia gehört mir
Frau ein fremdes Baby austragen, das lichkeit gehabt, Leben in eine Familie nicht, ich bin nur Teil ihrer Entste­
sie nach der Geburt nicht mal behalten zu bringen. «Ich sah keinen Grund, hung.» Sie respektiere Frauen, die sich
kann? Elissa muss nicht lange nach­ das nicht zu tun, auch weil ich sehr darauf nie einlassen würden. «Aber ich
denken. «Meine Kinder bedeuten mir gerne schwanger bin.» Elissa selbst möchte auch respektiert werden.»

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 33
«Ich sehe mich am
ehesten als Tante.»
Gaia ist das erste und
einzige Kind, das
Elissa für ein fremdes
Paar ausgetragen hat.
­ rbeiten beide Teilzeit – Raphael als
a
Flight-­Attendant, Ciccio als Informa­
tiker. Zwei Tage pro Woche geht Gaia
in die Kita. Dort realisierte sie auch,
dass es neben Vätern Mütter gibt. Mit
zwei fragt sie zum ersten Mal: «Wo ist
mein Mami?» – «In Amerika», antwor­
ten Raphael und Ciccio, «weil du hier
ja einen Papa und einen Daddy hast.»
Das habe ihr eingeleuchtet. Manchmal
holen die Väter auch Bilder von Elissa
hervor, von Gaias «Bauch-Mami». «Es
ist Karma, dass wir uns mit ihr so gut
­verstehen.»
«Daddyyy», ruft Gaia aus dem Ess­
zimmer, «ich muss ganz alleine spielen,
weil ihr so viel redet.» Raphael und
Ciccio schauen sich vielsagend an.
­
«Normalerweise dreht sich alles um
sie.» Nun – nicht mehr lange.

Nächsten Sommer bekommt Gaia ein


Geschwisterchen. Diesmal ist Raphael
der genetische Vater, die Eizellen stam­
men von der gleichen anonymen Spen­
derin wie bei Gaia. Die Leihmutter
kommt erneut aus Amerika, aber es ist
nicht Elissa. Die durfte aus gesund­
heitlichen Gründen nicht nochmals
schwanger werden.
Sind die beiden Väter nun schon
richtig routiniert? Ciccio winkt ab:
«Im Gegenteil!» Der erste Versuch mit
der neuen Leihmutter sei gescheitert –
sie wurde nicht schwanger. Und die
­Väter mussten einmal mehr merken:
Weit über 100 000 Franken haben Niemand kann garantieren, dass aus
­Raphael und Ciccio für die Leihmutter­ ­einem Kinderwunsch ein Kind wird.
schaft bezahlt. Ein Fünftel bekam Auch eine Leihmutter nicht.
Elissa. «Viele denken, eine Leihmutter Raphael und Ciccio können damit
sei nur am Geld interessiert», sagt die leben, dass manche ihren Lebens­
gelernte Pflegefachfrau. «Aber glaubt
mir, ich hätte das auch ohne Geld «Mir war immer entwurf verurteilen. «Aber wir erklä­
ren auch gerne, dass es nicht nur eine
gemacht.» Bei Elissa klingt dieser
­
Satz wahrhaftig. Weil sie den Raum
klar: Gaia ist nicht Definition von Familie gibt.» Und
Gaia? Die reagiert auf Fragen unbe­
mit der Gelassenheit einer Frau füllt, mein Baby, ich kümmert. Als sie kürzlich mit Ciccio
die sich ihrer sicher ist. Und so wirkt auf dem Spielplatz war, sagte eine
auch Gaia. Für eine Dreijährige wählt bin nur Teil ihrer ­ältere Frau: «So schön, bist du mit dem
sie ihre Worte sehr sorgfältig, ver­
handelt, wenn ihr etwas nicht passt,
Entstehung» Papa unterwegs, dann hat Mama jetzt
ein bisschen frei.» Gaia antwortete:
geht offen auf Fremde zu. Ihre Väter ELISSA, LEIHMUTTER «Nein, Daddy wartet daheim.»

34 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Auf dem Weg
zum Olymp
72 Jahre nach den Winterspielen in St. Moritz
brennt das olympische Feuer in der Schweiz
erneut. Die Youth Olympic Games bieten
jungen Sportlern eine heraus­ragende Plattform.
Wir stellen die Hoffnungsträger vor.

TEXT THOMAS RENGGLI


F OTO S P H I L I P P M Ü L L E R

Es war ein wenig wie Weihnachten und Geburts­


tag zusammen – und vielleicht noch Ostern dazu.
Am 20. und 23. Dezember konnten die 112 Athle­
tinnen und Athleten der Schweizer Delegation am
Hauptsitz von Rivella in Rothrist AG ihre Aus­
rüstung abholen. «Ein grosser Moment für die
jungen Sportler», sagte Michel Bonny, Verbands­
manager Leistungssport von Swiss Olympic und
Headcoach der olympischen Jugendmission. Zwar
haben einige der selektionierten Sportler schon
Erfahrungen von internationalen Titelkämpfen,
doch das Aufeinandertreffen mit Athletinnen und
Athleten aus anderen Sportarten ist etwas ganz
Olympischer Zusam-
Spezielles. «Von diesem Austausch können wir
menhalt: Jan Iseli,
alle profitieren», sagt die Zürcher Curlingspiele­ Malin Da Ros, Delia
rin Xenia Schwaller. Durrer, Nick Pünter,
Xenia Schwaller und
Maximilian Winz (v. l.)
Als wichtigste Ziele der Veranstaltung bezeich­ starten mit guten
nete Bonny, dass Kinder zum Wintersport ge­ Medaillenchancen
bracht werden, die Nachwuchsförderung gestärkt an die Youth Games.
Doch noch wichtiger
wird, die Randsportarten gefördert werden und als der unmittelbare
die Romandie besser in die nationale Sportförde­ Erfolg ist die Gelegen-
rung eingebunden wird. Last but not least gehe heit, Erfahrungen zu
es darum, olympische Werte zu vermitteln und sammeln. «Dies ist
meine Premiere an
das Gemeinschaftsgefühl im ganzen Land zu einem Gross­anlass»,
fördern. «Die Schweiz braucht Visionen.» sagt Delia Durrer.

42 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
ski alpin.

Die nächste
Schneekönigin
Ihr Lachen ist ansteckend, ihre Lebens-
freude spürbar, ihre Lust am Skifahren bei-
nahe grenzenlos: «Bin ich auf der Piste,
fühle ich mich glücklich.» Die 17-jährige
Nidwaldnerin Delia Durrer gehört zu den Lausanne 2020.
grossen Skitalenten des Landes. Wozu sie
fähig ist, deutete sie im vergangenen Januar WINTER YOUTH
in Zinal VS an: In ihrem ersten FIS-Super-G OLYMPIC GAMES
düpierte sie mit Startnummer 72 fast die Die Youth Olympic Games
ganze Konkurrenz und fuhr sensationell auf sprengen allein von den Dimen­
sionen her das helvetische
den zweiten Platz. Zehn Monate später
Mittelmass: Insgesamt werden
gewann sie in Arosa ihr erstes FIS-Rennen 1880 Sportlerinnen und Sportler
(einen Riesenslalom). Dies macht sie auch aus über 70 Ländern im Alter
zu einer Favoritin an den Youth Games: von 14 bis 18 Jahren erwartet. In
«Das ist mein erster Grossanlass und eine 8 Sport­arten und 16 Disziplinen
gehts um 81 Medaillensätze.
wichtige Standortbestimmung.»
Um die Kapazitäten optimal aus­
Die Absolventin der Sportmittelschule zulasten, reisen die Teilnehmer
Engelberg orientiert sich schon jetzt an der in zwei «Wellen» an. Das Budget
grössten Skifahrerin der Gegenwart: «Mein beträgt stattliche 37 Millionen
Vorbild ist Mikaela Shiffrin. So wie sie fährt, Franken – grösstenteils auf­
möchte ich auch einmal fahren.» Auch ne- gebracht durch die öffentliche
Hand.
ben der Piste eifert Delia der Amerikanerin
nach – als passionierte Klavierspielerin.
Seit sechs Jahren nimmt sie Unterricht: «Die
Musik ist ein guter Ausgleich zum Spitzen-
sport.» Ihr anderes Hobby erfordert eben-
falls Fingerspitzengefühl: Jassen. «Am liebs-
ten spiele ich mit meinen Grosseltern», er- VALLÉE DE JOUX
LAUSANNE
zählt Delia – und lacht herzlich. Es ist das LEYSIN
Lachen einer Siegerin. LES DIABLERETS
LES TUFFES
GENEVA AIRPORT VILLARS
CHAMPÉRY

44 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
DELIA
DURRER, 17
STÄRKEN
Delia bezeichnet sich
als «begeisterungs­
fähig, willensstark
und neugierig». Ihre
Vielseitigkeit macht
sie zur grossen Zu-
kunftshoffnung von
Swiss-Ski.

SCHWÄCHEN
Will man Schwächen
finden, muss man
lange suchen. Gele-
gentlich fehlt ihr noch
die Geduld, und Ent-
scheidungen zu fällen,
ist nicht ihre Stärke.

CHANCEN
Delia Durrer hat das
Talent, um eine
schöne Karriere zu
machen. Die YOG sind
ein wichtiger Schritt
in diesem Prozess.

snowboard freestyle.

Der Freestyler NICK PÜNTER, 17

vom Zürichsee STÄRKEN


Jugendlich, un­be-
kümmert, draufgänge-
risch. Müsste man
einen Free­styler er-
Geduld ist nicht seine Stärke. Als Nick Pün- «Er sagte sich, stellen wir Nick mal auf ein finden, Nick wäre die
­perfekte Vorlage.
ter am Kick-off-Tag der Youth Games am Ri- Board.» Es war eine sehr gute Idee. Dank
vella-Hauptsitz in Rothrist AG einen Kaffee seiner Körperbeherrschung, dem Gleich­ SCHWÄCHEN
herauslassen möchte, klemmt die Maschine. gewichtsgefühl und seiner Beweglichkeit Das Temperament
«Blödes Ding», sagt Nick lachend – und gehörte Pünter auf allen Altersstufen stets treibt ihn zu Grossta-
drückt alle Knöpfe. Mit mehr Gefühl geht zu den Besten. «Ich will immer gewinnen», ten an. Doch Vorsicht:
der 17-jährige Zürcher aus Stäfa auf dem sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Im Freestyle-Sport
ist gelegentlich auch
Snowboard zur Sache. In den Disziplinen Das Training absolviert er schon auch
Kalkül gefragt.
Slopestyle und Big Air zählt er zu den gröss- mal auf spielerische Weise – mit dem Skate-
ten Talenten – weltweit. Im vergangenen Fe- board: «Zürich ist eine sehr gute Stadt für CHANCEN
bruar fuhr und sprang er die Konkurrenz am diesen Sport. Aber manchmal gibt es Stress Nick Pünter hat alle
Olympischen Jugendfestival in Sarajevo in mit der Polizei.» An den Youth Games wird Veranlagungen und
Grund und Boden und gewann zweimal Nick Pünter mit dem Gesetz nicht in Kon- Rahmen­be­dingungen,
um der nächste
Gold: «Diese Wettkämpfe waren in jeder Be- flikt kommen. Dort gibt es für gewagte Ka­
Snowboard-Olympia-
ziehung ganz wichtige Erfahrungen.» Zum priolen und Sprünge keine Bussen – son- medaillen-Gewinner
Snowboarden kam Nick durch seinen Vater: dern Medaillen. zu werden – bereits
2022 in Peking?

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 45
XENIA SCHWALLER, 17

curling.

Harmonie
auf Glatteis
Die Schweiz sucht die Curlingstars! So trägt den berühmtesten Namen des Teams.
könnte man das Programm nennen, mit Ihr Vater Andreas Schwaller war selber Spit-
dem die Mitglieder des Mixed-Teams im zencurler und gewann diverse EM- und
Hinblick auf die Youth Olympic Games ge- WM-Medaillen sowie 2002 in Salt Lake City
sucht wurden. Es war quasi ein Winter- Olympia-Bronze. Nun gleitet die Tochter
sport-Casting mit hoher Wischfrequenz. übers Eis – mit bemerkenswertem Erfolg.
Aus allen Bewerbern wählte Swiss Curling Im vergangenen Februar musste sich das
im Sommer 2018 70 Kandidatinnen und Schweizer Quartett am Europäischen Olym-
Kandidaten aus. Je acht Curler und Curlerin- pischen Jugendfestival in Sarajevo erst im
nen konnten sich danach in zwei Camps be- Final Grossbritannien geschlagen geben.
währen. Letztlich setzten sich die Zürcherin Für Skip Jan Iseli, dessen Vater ebenfalls
Xenia Schwaller, die St. Gallerin Malin Da mehrmals an WM- und EM-Turnieren teil-
Ros sowie die beiden Solothurner Jan Iseli genommen hat, war dieser Wettkampf ein
und Maximilian Winz durch. wichtiger Anhaltspunkt im Hinblick auf die
«Wir harmonieren hervorragend und er- YOG: «Wir wollen eine Medaille.» Damit
gänzen uns perfekt», sagt Schwaller über die würde eine schöne Tradition fortgesetzt:
interkantonale und geschlechterübergrei- Seit der Wiederaufnahme des Curlings ins
fende Zusammenarbeit auf Glatteis. Die olympische Programm (1998) gehört die
Absolventin der United School in Zürich Schweiz zu den führenden Nationen.

46 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
«WAS WIR DANK DEN YOUTH
GAMES ERLEBEN DÜRFEN,
WIRD UNS ALLE PRÄGEN»
XENIA SCHWALLER

MALIN DA ROS, 16

JAN ISELI, 17

STÄRKEN
Das gemeinsame Ziel
und der Ehrgeiz treiben
das Quartett an. Durch
die lange Qualifikations‑
phase hat sich eine
ausgeprägte Gruppen‑
dynamik gebildet.

MAXIMILIAN WINZ, 17 SCHWÄCHEN


Xenia Schwaller
sagt dazu: «Der Hang
zum Perfektionismus
kann uns manchmal
auch im Weg stehen.»

CHANCEN
Der Prozess von der
Selektion über die
Teambildung bis zum
Wettkampf vermittelt
den jungen Sportlern
ganz neue Perspektiven.
Verspielt: Multimillionär
Peter Buser im Bad seines
von aussen unscheinbaren
Reihenhauses in Liech-
tenstein. Ein Gang samt
Treppe führt versteckt
direkt ins Schlafgemach.

Schwarzer Peter,
bunter Vogel
48 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Spielfreude: Buser versunken am Flügel im Estrich.
Der Ex-Lehrer mag Schumann. Notenblätter des Kom-
ponisten stapeln sich auf der Couch.

TEXT RENÉ HAENIG


F O T O S PA S C A L M O R A

Seine Millionen verdiente er leise, ohne Aufsehen


zu erregen. «Ich besitze 60 Millionen», sagt Peter
Buser, 82. In der «Bilanz»-Liste der 300 Reichs-
ten sucht man ihn aber vergeblich. «Was soll ich
da?», sagt der Vermögensverwalter. Sein Name ist
trotzdem bekannt. Spätestens seit er im Dezember
Still verläuft sein Aufstieg zum Multimillionär. 2019 als Sponsor beim Eishockeyclub HC Davos
Schrill tritt der Solothurner als Sponsor in einstieg, zerreisst man sich das Maul. Vor allem
über einen Auftritt im SRF-«Sportpanorama». Da
Davos auf. Peter Buser kokettiert, provoziert
spielt der Exzentriker am Flügel – eine dunkel-
und bekommt so, was er will: Aufmerksamkeit! häutige Schönheit zu Füssen. Buser sagt in die Ka-
Dem 82-jährigen Junggesellen und Lebemann mera: «Sie muss in einer untertänigen Stellung
gehts um seine Stiftung – und um seinen Ruf sein. Weil ich bin der Herr ... Früher war sie eine
und Ruhm in der Nachwelt. Sklavin, jetzt ist sie eine untergebene Frau ...»
Spielwiese: Exzent-
risch eingerichtet ist
Busers Schlafzimmer:
plüschrotes Bett,
verspiegelte Wände.

«Ich gebe zu: Ich bin bezaubert


von diesem Dichter ... Er spielt,
bis er, was er spielt, glaubt»
SCHRIFTSTELLER MARTIN WALSER ÜBER SEINEN FREUND PETER BUSER

Buser liebt Rollenspiele. Sein Auftreten ist nichts


anderes. Triesen (FL), letzte Woche. Buser bittet
zur exklusiven Audienz ins unauffällige Reihen-
haus. Die Tür öffnet Ramona, 36, «eine Be-
kannte». Der Hausherr thront am Schreibtisch im Blumig: Buser schreibt
Entrée. Bilder halb nackter Mädchen ringsum an Gedichte. «Ich fühle
den Wänden. Buser ist aufgebracht, er schimpft mich als ‹Angstblüte›.»
über die Schlagzeile «Steueramt Zürich rückt Mil- So bezeichnen Botani-
ker Pflanzen, die vorm
lionär Buser auf die Pelle». Von drohendem Steu- Eingehen nochmals
erstreit ist die Rede. «Blödsinn!», ereifert er sich. ihre Pracht entfalten.
Neben dem Domizil im «Ländle» hat Buser Woh-
nungen in Zürich, Marbella, Südamerika. Er
weiss, wo er wie lange sein darf, notiert penibel, Busers Outfit (am Opernball gilt Frackzwang) ist
wie viele Tage er sich wo aufhält. «Hier bin ich ein geliehen. Seine Alltagsuniform: weite, schwarze
halbes Jahr, in Zürich 90 Tage, in Paraguay zahle Hosen, fette Gürtelschnalle, Sneakers – und ein
ich als Ausländer nur Grundstücksteuer.» Ihn är- bis zum Bauchnabel offenes Hemd. «Alte Frauen
gern die Vorwürfe. «Ich bin 82, das belastet meine findens albern, junge sagen: Du bist cool! Und ich
Gesundheit.» mache, was mir junge Frauen sagen», sagt Buser
schalkhaft. Sein Credo: «Ich war nie wie die an-
Belustigt reagiert Buser, wenn er als «Playboy» deren, wollte nie wie die anderen sein.» Obwohl
und «Lebemann» betitelt wird. «‹Bizarr-Buser› millionenschwer, trägt er eine 200-fränkige Lu-
amüsiert mich köstlich.» Erstmals ins Rampen- minox-Uhr, fährt VW Beetle. Das Aston-Martin-
licht drängt er 2015 am legendären Wiener Opern- Cabrio (360 000 CHF) dient nur dazu, Frauen zu
ball. Da taucht der Schweizer mit sechs Girls in beeindrucken. Ebenso das Interieur seines Hau-
blonden Perücken im Arm sowie Kultstar und ses – ein Mix aus Fantasieschloss des bayerischen
Skandalnudel Helmut Berger, 75, an der Seite auf. Märchenkönigs Ludwig II. und Verlies des Porno-

50 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
wohlhabender Kunden, erzielt Jahresumsätze bis
800 Millionen Franken. «Es gibt in der Laufbahn
des Peter Buser mehrere Momente, in denen er am
Rande der Legalität operierte», schrieb die «Welt-
woche». Bis heute vermehrt er Kundenvermögen
– und seines dazu. «Täglich bin ich bis zu vier
Stunden an der Börse aktiv.»
Aufgewachsen ist Buser mit zwei jüngeren Ge-
schwistern in einer Arbeiterfamilie in Trimbach
SO. Vater Julius ist Maurer, Mutter Luise verdient
als Zeitungsverträgerin dazu. Peter zeigt früh Ge-
schäftssinn, verlangt fürs Kasperletheater Ein-
tritt, verleiht Geld an Mitschüler und Nachbarn.
Kredite samt Zins notiert er säuberlich in ein Kas-
senbuch. Er fährt Milchkannen in die Dorfmolki,
kassiert vom Bauern 50 Rappen pro Fuhre. Er ist
ein Lausbub, aber ein guter Schüler (spricht 14 Spra-
chen), erhält ein Stipendium fürs Lehrerseminar
in Solothurn. Als Pauker unterrichtet er kurz in
Wisen und Derendingen SO, ehe er in Bern Ro-
manistik studiert und doktoriert. Einer Karriere
als Professor gewinnt er nichts ab, «weil man da
nix verdient – und keine Frauen bekommt».
Buser ist kinderlos, hat nie geheiratet. «Ich bin
ein freier Schmetterling», kokettiert er, prahlt,
«Tausende Frauen» gehabt zu haben. Bis 27 hat er
angeblich keinen Sex, praktiziert höchstens Pet-
ting. Im streng katholischen Elternhaus gilt Sex
vor der Ehe als Todsünde. Buser wird Agnostiker,
lässts krachen – auch bei Sadomasospielen.

Der Grund, weshalb Buser provoziert, mag über-


raschen. «Ich fühle mich wie eine ‹Angstblüte›.»
So heisst ein Roman von Martin Walser: Protago-
nist ist ein alternder Investmentbanker. Buser hat
in Brasilien gelebt, wo er Opfer einer Entführung
wird, sich freikauft. Als Angstblüte bezeichnen es
Botaniker auch, wenn Pflanzen kurz vorm Einge-
hen letztmals ihre Pracht entfalten. So ergehts
Buser. «Mit 75 merkte ich, dass ich etwas für die
Gesellschaft tun möchte.» Er schreibt Gedichte,
veranstaltet Klassik-Konzerte, überreicht bei ei-
nem seiner Events Königin Silvia von Schweden
Grafen Marquis de Sade. Überall Sextoys, Lack- 100 000 Euro für deren World Childhood Foun-
und Lederdessous – in einer Vitrine glitzern über dation – und gründet 2018 seine Stiftung Res Ubi-
ein Dutzend strassbesetzte Highheels. que. Um das Engagement bekannt zu machen,
greift Buser zur Provokation. Für Staranwalt Va-
Seine erste Million hat er verdient, da ist er noch lentin Landmann ist Buser «ein Schweizer Ban-
keine 30. Als Student findet Buser einen Weg, aus kier, der mitunter auftritt wie ein Hollywood-Star
dem Handel mit WIR-Schecks ordentlich Kapital und nicht viel von Political Correctness hält. Ob
zu schlagen. Beliebt macht er sich damit bei der Opernball-Besuch, Kaufinteresse an Schloss Eu-
WIR-Bank nicht. Zudem verkauft er Kommilito- gensberg TG und die dort heimlich geschossenen
nen Zigaretten, Ski und Schulbücher – billiger als Erotikbilder einer Freundin oder sein jüngster
im Laden. 1974 erhält Buser eine Konzession als SRF-Auftritt – Peter Buser reizt gern. Es machte
Wertpapierhändler. Seine vor drei Jahren erschie- ihm schon als Bub Freude. «Ich war das schwarze
nene Biografie trägt den Titel «Ich war eine Bank. Schaf der Familie», lacht er. Böses schwarzes
Und Schlimmeres». Buser managt Portfolios Schaf? Sicher ein verrückter Vogel!

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 51
«Ich habe Bleistift
im Finger»
Im Spukschloss übernachten oder mit den Ellbogen das Rollbrett
bremsen: Kathrin Hönegger wagt ­«bimeid» viel. Für «Einstein»
berichtet die SRF-Moderatorin aus Tansania über eine Malaria-­Impfung.
Privat lebte sie eine Weile in Kuba, wo sie auch geheiratet hat.

TEX T AURELIA ROBLES

Wovon träumen Sie schon lange,


Die 36-jährige
­getrauen sich aber nicht, es zu tun? St. Gallerin
Ich würde gern mal für ein paar Monate lebt mit ihrem
mit der Familie im Ausland leben. Mir Mann und ih-
rem einjährigen
fehlt wohl das letzte Stück Mut.
Sohn in Zürich.
Bei welchem Thema haben Sie Ihre
Meinung fundamental geändert?
Als Dreijährige wurde ich Vegetarierin
und blieb dabei. Aber ich wurde tole-
ranter gegenüber Fleischkonsum, da
mein Mann – wenn auch bewusst und
auf biologischer Basis – Fleisch isst. Ich
musste mich daran gewöhnen, dass auf
einmal Poulet im Kühlschrank liegt.
Ihre peinlichste Modesünde?
Vor ein paar Monaten dachte ich: «Ich
habe meinen Modestil verloren» –
mich langweilen Kleider gerade. Ich
sehe aber nichts als peinlich an, son-
dern trage es – und zwar mit Fassung.
Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Ich wollte nicht in den Chindsgi und
war so hässig, dass ich mich in den Tep-
pich eingerollt habe. Ich war ein Wrap!
Haben Sie nachts einen Traum,
der immer wiederkommt?
Früher. Als Kind träumte ich immer
von einem Indianer, der in unseren
Garten reitet. Bestimmt ist irgendein
Globi-Märli daran schuld!
Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Das Rollbrett! Es war rosarot und grün.
Ich fuhr damit sofort die Strasse runter
und habe mit den Ellbogen und dem
Gesicht gebremst. Ein harter Start.

52 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Als Sie Kind waren: Was haben Die beste Idee Ihres Lebens?
Ihre Mutter und Ihr Vater da immer Vermutlich, dass ich mich relativ spon-
meine welt.
zu Ihnen gesagt? tan für die Prüfung an der Schauspiel-
(Verstellte Stimme.) «Passisch uf, gell?!» schule angemeldet und mich beim
Welchen Vornamen hätten Sie als Radio blind beworben habe – und an-
Bub gehabt? genommen wurde. Daraus wurden
Balthasar, obwohl ich nicht weiss, ob zwei «grosse Lieben» meines Lebens:
mein Mami dies als Scherz gesagt hat. das Theater und der Journalismus.
Ihr Lieblingsbild im Fotoalbum aus Welches Geräusch lieben Sie?
Kindertagen? Das Meer und den Wind in den ­Bäumen. MEIN HANDY-
Ich schlafe auf dem Teppich, von dem Welches hassen Sie? HINTERGRUND
Zeigt die portu­giesische
ich vorher gesprochen habe, und um- Schreien. Das fängt beim Schreien eines
Küste bei Sagres, wo ich
arme unsere Katze Maus. Schlachttiers an, geht über das Schreien oft surfen war.
Als Sie 16 waren: Wie sah Ihr Zimmer eines Kindes – weil es alle Hormone in
aus? meinem Körper gleichzeitig ausschüt-
Lava-Lampe, Poster von The Fugees, tet – und hört bei Heavy Metal auf.
und ich hatte eine alte Box, in der Für welche Eigenschaften erhalten
­Liebesbriefe waren. Ich habe sehr vie- Sie immer wieder Komplimente?
­le Liebesbriefli an Freundinnen und Für meine frohe Art. Erstaunlicher- DAS SCHAUE ICH
Schulschätze geschrieben. weise auch jetzt noch, obwohl ich seit «Fleabag» und «Einstein».
einem Jahr fast ohne Schlaf bin (lacht). In der nächsten Sendung
Was war der unangenehmste Job, (16. 1., SRF 1, 22.20 Uhr)
den Sie je verrichtet haben? ­berichte ich aus Tansania
Sie wären für einen Tag über die erste wirksame
Die «Einstein»-Sendung über Angst,
ein Mann. Was tun Sie? als ich in einem Spukschloss übernach-
Malaria-Impfung.
Bei einer Dragqueen- tete, ich fühlte mich «füdliblutt».
Show mitmachen, Bonnie Was an Ihnen ist ungewöhnlich?
Tyler performen und Von einem Unfall als Kind habe ich ein
so den Kreis schliessen Stückchen Bleistift in meinem Finger.
Was können Sie alkoholisiert besser
als in nüchternem Zustand?
Dann erinnern Sie sich an Ihren Ich kann nicht stehlen, aber als an­
­ersten Schulschatz? getrunkener Teenager klaute ich mal
Pietro, ein Sizilianer. Er hatte mega einen «Verkehrstöggel».
grosse Ohren. Engagieren Sie sich ehrenamtlich? DAS LESE ICH GERADE
«Wunderbare Jahre» von
Was hatten Sie als Kind für einen Gelegentlich koche ich mit Flücht­
Sibylle Berg ist Reise-­
Spitznamen? lingen und Migranten in einem Verein Heimweh-Mittel und
Käde. Und Radiokollege Tom Gisler in Zürich. ewige Bergliebe in einem.
sagt mir Höni. Womit belohnen Sie sich selbst?
Ihr träfstes oder ulkigstes Mundart- Einen Abend lang mit meinem Mann
wort? tanzen und einen Rum trinken.
DAS HÖRE ICH …
Zu Rosalía und Celia Cruz
Ich sage noch oft «bimeid» am Radio Angenommen, Sie könnten Wunder will ich tanzen. Sonst
und «wellewäg». vollbringen (Superkräfte inklusive): höre ich mit meinem
Welche Musik hat Ihr Leben massiv Was sind Ihre ersten drei Taten? Sohn «Det äne am Bergli».
beeinflusst? Spontan würde ich schlechten Men-
Bei meinen Eltern habe ich Elton John, schen gute Vibes einflössen, der Natur
Tina Turner und Bob Marley kennen- viel Raum zurückgeben und allen Kin-
gelernt. Sehr prägend war das Album dern das, was ihnen zusteht.
von Frank Ocean. Wenn ich seine Mu- Welchen Tag möchten Sie noch
sik höre, kann ich Zeitreisen machen. ­einmal erleben?
Haben Sie Allergien? Ich durfte in Kuba, der Heimat meines
Ich habe eine Gluten-Unverträglichkeit Mannes, am Meer und in der Schweiz
und reagiere allergisch auf Unfreund- am See heiraten. MEINE TALISMANE
Der erste Ring meiner
lichkeit. Sie erhalten einen Preis für Ihr Le-
Mutter, den sie sich
Das Kitschigste, das Sie jemals benswerk. Wer hält die Hommage? in ­Paris gekauft hat. Das
Fotos HO

­gemacht haben? Reeto von Gunten, weil ich ihm so gern Armband aus Sri Lanka be-
Ich habe geheiratet, und zwar in Weiss. zuhöre. schützt mich beim Surfen.
54 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Nur einer ist echt!
Der Zürcher Pup-
pendoktor Meinrad
Röösli, 72, zwischen
Hunderten von
selbst gebrannten
Porzellanköpfen.

Dr. Röösli
flickt Lieblinge
Sie überdauern Liebschaften, Krankheiten und sogar den Tod.
Aber was, wenn Bääbi und Bären kaputtgehen? Dann hilft
Meinrad Röösli! In seiner Werkstatt in Zürich konserviert er
plüschige Erinnerungen und erweckt staubige Gefährten.
56 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Augen auf! Mein-
rad Röösli besitzt
Glasaugen in allen
Grössen und Far-
ben – aufwendig
zusammengesucht.

«Kinder sind die


pingeligsten Kun-
den, sie kennen
ihre Stofftiere bis
ins kleinste Detail»,
sagt Röösli.

Sein Ruf reicht so


weit, dass ihn sogar
Pakete aus den USA
und Singapur errei-
chen – oft bestückt
mit Einzelteilen.

«Mich interessiert an
Puppen und Bären nur
das Technische»

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 57
Chirurgischer Die Schweizer Pup-
Eingriff: Wenn penmacher-Szene
die Schlafaugen ist verschwindend
klemmen, ersetzt klein. «Ich kenne
Röösli sie (ca. sonst niemanden»,
80 Franken). sagt Röösli.

58 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
T E X T M I C H E L L E S C H WA R Z E N B AC H
F OTO S KU RT R E I C H E N B AC H

Rööslis Werkstatt Im Wartezimmer von Doktor Röösli reckt ein fach zum Schweizer Meister. Als ihn Rücken­
ist auch eine Sam- Teddybär seine starren Glieder aus einer Plastik- probleme plagen, beginnt er eine kaufmännische
melstube – mit
Puppen-Originalen, tüte, schaut mit melancholischen Glasaugen – Ausbildung und arbeitet später als Bankkassier
die in den 90ern und man könnte explodieren vor Zuneigung, weil am Flughafen Zürich. «Die Schichtarbeit war per-
so viel kosteten wie aus diesem Tier so viel Seele spricht. «Riss im fekt für mich, so hatte ich genug Zeit für meine
ein Auto.
Bauchfell und fehlendes Bein», sagt Dr. Röösli Puppen.»
und tönt dabei wie ein Gerichtsmediziner, der
eine Leiche seziert. Er nimmt einen Schluck Kaf- Das Menschliche. Puppen sind dem Menschen
fee – viel mehr wird er heute nicht herunterbrin- nachempfunden – das macht sie für uns so faszi-
gen. Zu viel zu tun. Seit über 20 Jahren flickt Mein- nierend. Mit ihren grossen Augen und dem seide-
rad Röösli, 72, in seiner Werkstatt im Zürcher nen Haar verkörpern sie den Traum eines voll­
Kreis 7 allerlei Stofftiere und Puppen. Sammler- endeten Wesens. Und Kinder lernen im Rollen-
stücke wie die berühmten ­Sa­sha-Puppen, aber spiel mit ihnen, über sich selbst und andere nach-
auch billigen Plunder. Alles, woran das Herz sei- zudenken.
ner Kundschaft hängt.
Meinrad Röösli interessiert nur das Handwerk.
Bären und Puppen begleiten Menschen oft ein Auch als Erwachsener entwirft und näht er fleis-
Leben lang. Sie überdauern Liebschaften, Krank- sig Puppenkleider – mit Spitzen, Schleifchen und
heiten und den Tod. Aber warum eigentlich? Was Bordüren. Und er erlernt die Reproduktion an­tiker
machts, dass wir auch noch als Erwachsene an Porzellanpuppen: giesst Köpfe, setzt Augen ein,
den plüschigen Fetzen unserer Kindheit hängen? bemalt Gesichter, knüpft Perücken. Seine Kopien
gleichen der Originalpuppe aufs Haar. R ­ öösli ge-
Die Erinnerung. Manchen Stofftieren riecht man winnt Preise an internationalen Wettbewerben.
die vielen Jahre an – im schlimmsten Fall gibt Mit 40 macht er sein Hobby zum Beruf. Am Kreuz-
Röösli sie vor dem Flicken in die Waschmaschine. platz in Zürich richtet er in einem kleinen Häus-
«Wissen Sie, in einem Bären können so viele Vie- chen eine Werkstatt mit Verkaufsraum ein. Später
cher stecken!», sagt er und fügt fast entschuldi- zügelt er einen Kreis weiter, an die Klosbach-
gend hinzu, «vielleicht bin ich auch etwas pinge- strasse – dort ist er heute noch.
lig.» Aber oft komme das mit dem Waschen nicht Als sich Röösli selbstständig macht, merkt er
vor. Ein alter Teddy riecht nun mal nach Leben: rasch, dass nicht nur seine Puppen gefragt sind.
nach eingetrockneten Tränen, Estrichstaub und Er bekommt auch immer mehr Reparaturanfra-
muffiger Bettwäsche. Aber eben auch nach Trost, gen – bis heute machen sie einen grossen Teil sei-
Freude und Zärtlichkeit. Er erinnert uns an den nes Geschäfts aus. Röösli ersetzt Lederpfoten und
unschuldigen Kokon der Kindheit, an den Geruch Glasaugen, stopft Bären- oder Puppenkörper mit
des Heimkommens, den man meist erst wahr- Holzwolle oder Acrylwatte, er stickt Mund und
nimmt, wenn man lange weg war. Nasen und bringt sogar eine Brummstimme wie-
Meinrad Röösli ist in Luzern aufgewachsen, der zum Laufen. Manche Kunden wünschen sich
seine Mutter war Damenschneiderin und arbeitete auch eine neue Ausstattung: einen Anzug für den
in einem Kostümverleih. Als Bub sitzt er oft auf Bären, eine Echthaar-Perücke für die Puppe.
der Ofenbank, schaut ihr beim Nähen zu und jam-
mert, er wolle ein Bääbi. Nicht wegen dem Bääbi, Die Perfektion. Röösli ist ein Genauer – «sonst
sondern wegen der Kleider. Schnittmuster und kann ich es ebenso sein lassen». Das Schlimmste,
Stoffe interessieren ihn mehr als Bubenzeugs. was ihm passieren könne, sei, dass ein Kunde sei-
Nach der Schule macht er eine Lehre als Dekora- nen Liebling nicht wiedererkenne. «Wenn ich bei
teur bei Globus. Daneben trainiert er Eis- und Roll- einem Plüschtier die Schnittform nicht mehr
kunstlauf, bringt es in beiden Disziplinen mehr- sehe, lasse ich die Finger davon.» Ungeduldigen

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 59
«Die Liebe für Bären
und Puppen kann man
nicht lernen»

Kunden macht er unmissverständlich klar: «Lu- Nun, dieser «Kolleg», ein ehemaliger Blumen- Meinrad Röösli (r.)
get, mini Lüütli, kommt in drei Mo­naten wieder, einkäufer, arbeitet eng mit ihm zusammen. Am mit seinem Partner
Heinz Friedrich vor
dann habe ich vielleicht Lust auf diese Chnübli- Neumarkt im Niederdorf führt Friedrich seit über ihrem Laden im
arbeit» – tönt etwas mürrisch, ist aber nicht so ge- 20 Jahren das «Maison de la Poupée». Dort ver- Zürcher Niederdorf:
meint. Röösli ist keiner, der sofort einen auf gut kauft er Rööslis Puppen, aber auch ersteigerte «Wir werden oft für
Zwillinge gehalten.»
Freund macht. Man muss sich zuerst eine Weile Ware, Plüschtiere, Puppenstuben und alte Spiel-
zu ihm setzen, einen Kaffee trinken – und zuhö- sachen. «Heinz hat ein wahnsinniges Feeling da-
ren. Dann kommt er ins Erzählen. Bis das Telefon für, was bei den Leuten ankommt», sagt Röösli.
klingelt. Und das tut es oft. Manchmal komme er in seine Werkstatt und sage:
«Kannst aufhören, das ist nichts für den Verkauf.»
Die Konstante. Die Nachfrage nach Reparaturen Das wurme ihn dann schon, vor allem wenn er
ist so gross, weil Plüschtiere oder Puppen nicht lange an einer Puppe gearbeitet habe. «Aber der
einfach austauschbar sind. Sie verändern sich mit Kolleg hat ja recht.»
ihren Besitzern, tragen Spuren von Erlebtem. Hel-
fen Babys beim Einschlafen, trösten Jugendliche Die Zuneigung. Heinz nimmt in seinem Laden
bei Liebeskummer, leisten alten Menschen Gesell- auch oft Reparaturen für Meinrad entgegen. So
schaft. Auf sie ist Verlass. Sie sitzen einfach da. kommt es, dass dieser seine Kunden nicht immer
Und sie werden einen auch nicht sitzen lassen. persönlich kennenlernt. «Das ist mir egal», sagt
Röösli, «mir geht es nur um das Technische. Was
Der Puppenmacher mag Konstanz im Leben. Seit die Leute mit ihren Stofftieren verbindet, interes-
43 Jahren ist er mit Heinz Friedrich zusammen. siert mich hinten und vorne nicht.» Wieder so ein
Röösli spricht immer vom «Kolleg». abgebrühter Satz – der aber nicht darüber hinweg-
täuschen darf, dass Röösli unter seinem T-Shirt
ein grosses Herz versteckt.
Man merkt das etwa, wenn er von den kleinen
Kindern erzählt, die ihre Stofftiere bei ihm abho-
len: «Die kommen herein und strahlen, das ist
wunderbar!» Oder wenn er vom Bären Seppli
spricht. Heinz und er haben ihn an einer Spielwa-
fakt. renmesse in Nürnberg (D) gekauft. Doch in ihrem
eigenen Laden kam er nicht weg. Seppli schielt.
VOM SAMMLERSTÜCK
ZUM GEFÄHRTEN Darum haben ihn die beiden zu sich nach Hause
Im 15. Jahrhundert stellen Kunsthand- genommen. Eine grosse Ehre! Neben Seppli leben
werker in Deutschland, Frankreich und nur noch die Bären Frederik und Ginger dort.
Grossbritannien erstmals professio- Keine einzige Puppe.
nell Puppen her – aus Holz und Stoff. Dafür sind die Werkstatt und der Laden umso
Mitte des 19. Jahrhunderts folgt die
voller. Was passiert mit all den Stofftieren und
industrielle Produktion. In Frankreich
kommen die ersten Modepuppen auf Puppen, wenn Meinrad Röösli und Heinz Fried-
den Markt: Mini-Erwachsene mit Por- rich einst nicht mehr sind? «Dann kann man eine
zellangesicht und pompösen Kleidern. Mulde bestellen und alles entsorgen», sagt Röösli,
Keine Spielzeuge im heutigen Sinn, «wenn fertig ist, ist fertig.» Man kennt seine
sondern Idealbilder der Ehefrau und nüchternen Antworten mittlerweile. Und ist
Mutter. Im 20. Jahrhundert, mit Plastik
umso überraschter, als er auf die Frage, ob er denn
als neuer Allzweckwaffe, wird die
Puppe zum günstigen Massenprodukt – nicht einen Nachfolger einarbeiten könne, sagt:
mit Charakterköpfen, die das ganze «Die Liebe für Bären und Puppen kann man nicht
Spektrum der Kindermimik zeigen. lernen, man hat sie oder hat sie nicht.»

60 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 61
Auf Tuchfühlung
mit den Kellys
Sie waren die Superstars der Neunziger. Jetzt ist die Kelly Family
zurück – erwachsener, aber nicht weniger erfolgreich. Ein Blick hinter
die Kulissen der berühmtesten musizierenden Grossfamilie der Welt.

TEXT SANDRA CASALINI


F OTO S T H O M A S B U C H WA L D E R

Einatmen, ausatmen, versuchen, die zitternden


Hände unter Kontrolle zu bringen. Nervös tänzelt
Sabrina von einem Fuss auf den anderen. Für die
übrigen Leute in dem kargen, kühlen Gang im
Backstage-Bereich des Zürcher Hallenstadions
hat sie keinen Blick übrig. Das «Meet & Greet»
mit der Kelly Family habe sie bei einem Wettbe-
werb auf Facebook gewonnen, erzählt die St. Gal-
lerin. «Ich bin ein Riesenfan. Ihre Musik hat mich
durch meine Kindheit und Jugend begleitet. Da-
für möchte ich ihnen einfach mal Dank sagen.»
Dann kommen sie endlich durch die Tür. Einer
nach der anderen: Kathy, 56, Paul, 55, John, 52,
Patricia, 50, Jimmy, 48, Joey, 47, und Angelo, 38.
Als Angelo Kelly auf Sabrinas Shirt unterschreibt,
glitzern ihre Augen bereits. Als Patricia sie dann
in den Arm nimmt, kann Sabrina ihre Freuden-
tränen nicht mehr zurückhalten.

So wie Sabrina erging es vor 25 Jahren Millionen


von Teenagern. Wo auch immer die Familie iri-
scher Abstammung auftauchte, löste sie Kreisch-
alarm und Massenhysterie aus. Bis heute hat
die Kelly Family über 20 Millionen Tonträger

62 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
verkauft, ihr grösstes Konzert spielte die Musik-
familie vor 25 000 Menschen. «Schuld» an all
dem war das Album «Over the Hump», dessen
25-Jahr-Jubiläum die Kelly Family mit der ak-
tuellen Tour feiert.
«Der totale Wendepunkt in unserem Leben»,
erzählt Angelo Kelly und lässt sich auf ein Sofa in
Joeys Garderobe sinken. Zuvor zogen die neun
Kelly-Kinder mit ihrem Vater Dan als Strassen-
musiker durch Europa. «Wir hatten eine tolle
Kindheit», ergänzt Joey. «Wir hatten einander
und die Musik. Die Schule oder Schulfreunde ha-
ben wir nicht vermisst – wir kannten das ja nicht.»
Auch Angelo, der zehn Monate alt war, als seine
Mutter Barbara-Ann an Krebs starb, sagt, ihm
habe nichts gefehlt: «Meine Geschwister haben
Links: John Kelly Oben: Ritual: Ganz oben:
backstage im Hal- Hinter der Bühne Angelo Kelly sig- mich sehr liebevoll mit aufgezogen und be-
lenstadion Zürich, klatschen sich alle niert das Fan- schützt.»
kurz bevor er auf Musiker der Kelly Shirt von Sabrina.
die Bühne geht und Family vor ihrem Sie ist extra aus
seine Fans begrüsst. Auftritt noch mal ab. St. Gallen angereist. Langsam steigt die Nervosität. Bevor es auf die
Bühne geht, muss noch unbedingt eine kurze Vi-
deobotschaft für die Fans auf Social Media her.
Also alle noch mal raus aus den Garderoben und
im Gang aufreihen. «Hallo, wir sind die Kelly

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 63
Family, und wir sind – wo sind wir?» Grosses Ge-
lächter, Augenrollen. «Jetzt kommt schon, reisst
euch mal zusammen!» Im dritten Anlauf klappts.
Das Verhältnis zwischen den Geschwistern ist
nach wie vor eng, auch wenn sie inzwischen alle
an verschiedenen Orten leben, ihre Familien ha-
ben und ihr eigenes Ding machen. Als Dan Kelly
2002 starb, verschwand die Kelly Family in der
Versenkung. «Wir waren eigentlich alle über-
rascht, dass das nicht schon früher geschah», sagt
Angelo. Das Leben fernab vom Rummel habe ih-
nen gut getan. Viele der Geschwister Kelly blie-
ben bei der Musik – Familienvater Angelo geht
nächstes Jahr mit seiner eigenen siebenköpfigen
Familie auf Tour, Patricias Soloalbum «One More
Year» erscheint im März.
Ganz oben: Oben: Rechts:
Andere beschritten ganz neue Wege. So machte Kathy Kelly wirft Vor dem Sound- Patricia Kelly auf
sich Joey Kelly einen Namen als Extremsportler. sich in ihr Bühnen- check ruft der vier- dem Weg zur Bühne.
Durch Zufall: «Ich schloss eine Wette ab, dass ich outfit. Sie tritt fache Familienvater Sie hat sich beim
trotz angeschlage- Joey Kelly noch letzten Konzert das
es schaffe, einen Marathon zu laufen. Im Ziel bin ner Stimme auf. kurz zu Hause an. Knie verknackst.
ich fast krepiert und habe geschworen, das nie
wieder zu machen. Aber es ist anders gekom-
men.» Inzwischen ist er zum Beispiel schon zwei-
mal den Zürich Marathon gelaufen.

64 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
«Over the Hump»
1994. Nur zwei sind
heute nicht mehr
dabei: Maite und
Paddy alias Michael
Patrick Kelly.

13 000 singen mit im


ausverkauften Hal-
lenstadion in Zürich.
Für das Konzert am
7. Februar in Basel
gibts noch Tickets.

Jetzt ist es aber Zeit für den Sprint auf die Bühne.
18 Minuten hat es gedauert, bis das erste Come-
back-Konzert nach 15-jähriger Pause ausverkauft
war. «Wir waren geschockt», gesteht Patricia.
«Wir dachten, da kommen vielleicht noch ein
paar Tausend Leute.» Falsch gedacht. Die Kelly
Family spielt wieder in komplett ausverkauften
grossen Hallen und verlängert die aktuelle Tour
bis Ende Februar.
Schön sei, dass inzwischen trotz erneutem Er-
folg nicht mehr jeder einen Bodyguard brauche,
wenn er rausgehe, sagt Patricia. «Nicht nur wir,
sondern auch unsere Fans sind erwachsen gewor-
den.» In den Hotels checken sie allerdings nach
wie vor unter falschen Namen ein. «Sonst werden
wir immer noch belagert.»

Endlich ist es so weit, die ersten Töne des


Hits «Why Why Why» erklingen, 13 000 Kehlen
singen in Zürich ab dem ersten Ton mit. Natür-
lich auch Sabrina aus St. Gallen, die inzwischen
vor der Bühne steht und ihr grosses Fan-Glück
kaum fassen kann. «Das ist der schönste Tag
meines Lebens!»

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 65
«PALACE», GSTAAD BE

Kaviar à discrétion
Das «Palace Gstaad» ist 106 Jahre alt und noch immer in Familien-
besitz. Andrea Scherz sorgt dafür, dass der Glanz nicht bröckelt.
Die Gäste danken es mit ewiger Treue, holen teure Roben aus dem
Schrank und glitzernden Schmuck aus dem Schliessfach.

Festtage im «Palace»: Am Weihnachtsabend Tischen. Das hat Tradition im Haus. Der Boss
schieben Executive Chef Franz Faeh und seine schaut schmunzelnd zu: «Das ‹Palace› lebt. Die
40 Köche 48 riesige Alpstein-Truthähne in schönste Zeit im Jahr.» Die einträglichste auch.
die Öfen. An Silvester («La Nuit des Stars», Andrea Scherz stapelt tief: «In anderen Ho-
CHF 1300.– pro Person) spielen vier Orchester tels ist der Wow-Effekt grösser, gibt es mehr Gold
und zwei DJs auf, huschen zehn Mimen durchs und Marmor als bei uns. Aber wir haben eine
Haus und wird beim Diner wirklich nicht ge- gute DNA. Das Blut ist gut, meine Mitarbeiter
spart. Den Kaviar Osciètre «Réserve du Palace» sind mit Herz und Seele dabei, zeigen Durchhalte-
gibts à discrétion. «Auf grosse Tische stellen wir willen, streben nach Perfektion.» Die Gäste, nie
Fotos Roberto Bonardi (2), HO (3)

einfachheitshalber gleich eine ganze Dose», sagt mehr als zehn Prozent aus einer Nation, danken
Andrea Scherz, Besitzer des 106 Jahre alten es mit Treue: Sie werden Stammgäste, checken
Palasts in der dritten Generation. Gefeiert wird jedes Jahr pünktlich mit dem ersten Schnee ein.
im Swiss Deluxe Hotel bis sechs Uhr morgens, Und sorgen abends selber für Wow-Effekte: ele-
getanzt in der prachtvollen Lobby auch auf den gante Roben, gefährlich kurze Kleider und tiefe

66 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
travel.

Décolletés, überraschender Mix aus Hermès,


Gucci und Zara, sündhaft teurer Schmuck. «Den
können sie zu Hause in den Grossstädten kaum
mehr tragen. Also lagern sie den Schmuck bei
Abreise im Schliessfach einer Gstaader Bank ein
und holen ihn wieder raus, wenn sie ins ‹Palace›
zurückkommen», weiss Andrea Scherz.

Für die «Next Generation» ist gesorgt, die Kids


im «Palace» werden verwöhnt. Der Pool wird zum
Adventure Park. Die Kinder flitzen an der Zipline
übers 50-Meter-Schwimmbecken, freuen sich
über Kletterwand, Tipi-Zelt und Feuerstelle, ler-
«PALACE» – nen eine neue Sportart kennen: Bogenschiessen.
EINE IKONE Andrea Scherz, in der knappen Freizeit Heli-
Das weisse Wahr- Pilot und Drohnen-Fotograf (das grosse Bild
zeichen von links ist von ihm!), investiert mit Bedacht und
Gstaad BE, mit der
ohne Hektik in sein weisses Schloss. In Arbeit
Drohne fotogra-
fiert von Besitzer ist ein neues Food-Konzept. Die «Fromagerie»
Andrea Scherz! im Keller bleibt, wie sie ist. Während des Zwei-
90 elegante ten Weltkriegs hatte die Nationalbank hier ton-
Schlosszimmer mit nenweise Gold und Dokumente gelagert. Heute
alpinem Touch. ist der Bunker eine Beiz: Fondue Chinoise und
Wohlfühl-Restau-
Raclette. Sehr beliebt bei der «Palace»-Society.
rants. Festtags-
URS HELLER
zauber in der
berühmten Hotel-
lobby. Und die www.palace.ch
schönste Smoker’s
Lounge im Dorf.

check in.
SCHLAFEN
Ab CHF 850.– pro
Nacht gehört
man im Winter zur
«Palace»-Society.
Sieben neue
Junior­suiten.
SCHLEMMEN
Sehr beliebt:
Die kleine
«Asia»-Karte in
der Halle. Enten
und Beef im
«Grill». Raclette
im Keller
(«Fromagerie»).
SPA
1800 m2.
60 m Steinwand,
Granit von der
Blausee-Region.
Hamam. Lounge
mit Feuerstelle.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 67
travel.

Chillen und schlemmen auf


der Insel Sir Bani Yas vor
Abu Dhabi: Anantara Desert
Islands Resort & Spa.

ANANTARA DESERT
ISLANDS RESORT

Strand, Antilopen
und Giraffen
Die Kids werden begeistert sein! Mit einem Allrad- ein Naturschutzgebiet, das von Scheich Zayed bin
Fahrzeug geht es zur Wildbeobachtung: Oryxanti­ Sultan Al Nahyan erstellt wurde. 64 Zimmer, Suiten
lopen, Strausse, Giraffen. Hoch zu Pferd besucht und Villen, fünf Restaurants mit Live-Cooking-
man antike Ruinen. Im Resort selbst gibt es eine Sta­tionen, grosszügiges Spa, Wassersportzentrum
Falknerei und übt man sich im Bogenschiessen. und Reitställe. Kinder bis zwölf Jahre wohnen im
Das Anantara Desert Islands Resort auf einer Insel 52 Quadratmeter grossen Zimmer der Eltern gratis.
vor Abu Dhabi ist ein ungewöhnliches Hotel für Emi­ratische Pracht in einer grünen Oase! Ab 439 Euro
ungewöhnliche (Familien-)Ferien. Sir Bani Yas ist pro Nacht und Familie. H E www.anantara.com

«Cretan Malia Park»

«Hygge»-
Style auf Kreta

Die Gruppierung Design Hotels «Excellence Empress»


vermeldet eine neue Adresse auf
Kreta: Cretan Malia Park Resort, mit WASSER UNTER
204 Zimmern, Bungalows und Sui-
ten. «Hygge»-Style ist angesagt, mit DEM KIEL!
hellen Farbtönen und natürlichen Dienstreise nach Serbien: Reeder Karim Twerenbold (l.)
Materialien. Die Gäste treffen sich und Stephan Frei (CEO Reisebüro Mittelthurgau) waren
am Pool oder am Privatstrand (mit dabei, als die «Excellence Empress» vom Trockendock
neuer Beach-Bar) und haben beim ging. Sie ist das erste Passagier-Flussschiff, das mit
Diner die Qual der Wahl: Hauptres- seiner Umwelttechnologie den Schadstoffausstoss
taurant, griechisch oder italienisch? markant verringert. Taufe ist am 12. Juni in Basel.
cretanmaliapark.gr www.mittelthurgau.ch
Fotos HO

68 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Da haben wir den Salat
Tolle Frische- und Vitaminkicks für kalte Tage: Im Winter dürfen
Salate etwas reichhaltiger sein. Mit eiweisshaltigen Linsen, warmem Gemüse,
sättigendem Thon, gekochten Eiern und sogar Hörnli und gebratenem Speck.

Linsensalat mit Poulet


ZUTATEN VOR- UND
für 4 Personen ZUBEREITEN
ca. 35 Min.
200 g grüne Linsen
2 l Wasser, siedend Linsen offen im Was-
500 g Wirz, in Streifen ser ca. 20 Min. knapp
1 EL Olivenöl weich köcheln, Wirz
400 g geschnetzeltes beigeben, ca. 4 Min.
Pouletfleisch mitköcheln, abtropfen.
½ TL Salz Öl in einer beschichteten
wenig Pfeffer Pfanne heiss werden
4 EL Limettensaft lassen. Poulet ca. 5 Min.

Chicorée-Salat
4 EL Olivenöl rührbraten, würzen.
1 Knoblauchzehe,
gepresst Limettensaft, Öl und
mit Thon und Ei 1 TL Salz
2 Äpfel,
Knoblauch verrühren,
salzen. Äpfel und Rucola,
in Schnitzen Linsen, Wirz und Poulet
ZUTATEN VOR- UND 100 g Rucola beigeben, mischen.
für 4 Personen ZUBEREITEN
ca. 20 Min.
400 g Chicorée,
in feinen Streifen Chicorée und alle
120 g Baby-Kale oder Zutaten bis und mit Eiern
Nüsslisalat auf ­Tellern anrichten.
2 Dosen Thon in ­Essig und alle restlichen
Salzwasser Zutaten verrühren,
(je ca. 200 g), ­darüberträufeln.
abgetropft,
zerzupft Lässt sich vorbereiten:
4 Eier, hart Salat und Salatsauce
gekocht, separat zugedeckt bis
in Vierteln zum Geniessen im Kühl-
4 EL Apfelessig schrank aufbewahren.
4 EL Rapsöl
2 EL Wasser Dazu passt: Brot oder
1 Granatapfel, Couscous.
Kerne ausgelöst
50 g schwarze Oliven,
entsteint,
in Scheiben
1 EL Thymian­
blättchen
½ TL Salz
wenig Pfeffer

70 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
VOR- UND
ZUBEREITEN
ca. 25 Min.
ca. 25 Min. backen

Für den Salat: Rüebli und


Sellerie mit Öl und Salz
mischen. Auf einem mit
Backpapier belegten
Blech verteilen.

Backen: ca. 15 Min. in


der Mitte des Ofens.
Herausnehmen.

Feta mit den Mandel-


stiften auf das Gemüse
verteilen, ca. 10 Min.
fertig backen.

Für die Salatsauce: Essig


und Öl verrühren, Peter­
silie daruntermischen,
Sauce würzen. Gemüse
aus dem Ofen nehmen,
mit der Sauce mischen.

Warmer Wintersalat
ZUTATEN
für 4 Personen

SALAT
1½ kg Rüebli,
in Stängeln
1 Sellerie,
in Stängeln
2 EL Öl
¾ TL Salz
200 g Feta, zerbröckelt
50 g Mandelstifte

SALATSAUCE
3 EL Essig
4 EL Öl
1 Bund Petersilie,
grob geschnitten
¼ TL Salz
wenig Pfeffer
BEIZ, BIER,
BRAUEREI
«Brauwerk»

RUSTIKALES IN ST. GALLEN

Nüsslisalat mit Hier bekommen Hopfen und Malz


die ideale Begleitung aus der Küche:

Hörnli und Speck rustikal, aber gut.

«Eine Craft-Beer-Spielwiese mitten in


ZUTATEN VOR- UND St. Gallen», sagen die Betreiber des Restau-
für 4 Personen ZUBEREITEN rants Brauwerk über ihr spezielles Lokal.
ca. 30 Min. Grosse Kupferkessel im Raum demonstrieren
TEIGWAREN unzweideutig, worum es hier geht. Mit einem
250 g Teigwaren Teigwaren im Salzwasser eigenen Sudwerk im Untergeschoss ist
(z. B. Hörnli), al dente kochen, abtropfen. man in der Lage, vor Ort einzigartige Biere
Salzwasser, zu brauen. Zu Hopfen und Malz gibts eine
siedend Für die Salatsauce: Senf, passende rustikale Küche: Bauernplättli,
Zitronensaft, Öl und natürlich mit Bier marinierte Spareribs oder
SALATSAUCE Wasser in einer Schüs- Backhendl mit Kartoffel-Gurken-Salat.
1 EL milder Senf sel verrühren, würzen, Eine kleine Karte mit raffinierteren Gerichten
2 EL Zitronensaft Teigwaren beigeben. liegt ebenfalls auf, und Mittagsmenüs werden
4 EL Rapsöl schon für 20 Franken angeboten.
½ dl Wasser Speckwürfeli in einer
Salz, Pfeffer, beschichteten Brat- Bahnhofstrasse 19, 9000 St. Gallen,
nach Bedarf pfanne ohne Fett lang- Tel. 071 222 85 90, www.restaurantbrauwerk.ch
sam sehr knusprig
150 g Speckwürfeli braten, auf Haushalts-
200 g Nüsslisalat papier abtropfen. Speck
4 Eier, hart ge- mit dem Nüsslisalat zur
kocht, in Würfeli Sauce geben, mischen.
Eier darüberstreuen.

Weintipp Wunderbarer Alltagswein aus dem Wallis


Der «Rebbio 2018», Bio Suisse, ist der Walliser herrlich fruch- Hauswein für den Alltag mit
Valais AOC aus dem Hause tig und knackig. Man beisst viel stoffiger Frucht im Finale. Globalwine
Jean-René Germanier ist eine sich förmlich durch das kon- Solide und verlässlich. Mittel- www.globalwine.ch
Assemblage aus Pinot noir zentrierte Fruchtfleisch von schwer vom Gehalt und per- Jetzt geniessen.
und Gamaret. Seine Farbe ist roten Beeren. Die Tannine fekt zu Grilladen, Terrinen, Ri- Trinktemperatur:
ein strahlendes Rot, der Duft sind fein und von der Art her sotto mit Pilzen, Geflügel und 16 bis 17 Grad.
beerig einladend. Im Gaumen eher unkompliziert. Ein toller Kaninchen. CHF 18.–

72 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
gaultmillau.ch

neu getestet.
Von London ins Engadin:
Heros De Agostinis,
der neue Top-Chef im
Restaurant Romanoff.

«CARLTON», ST. MORITZ

Heros und die Fagottelli


Das Suitenhotel Carlton in St. Moritz mutiert zur italienischen
Botschaft. Die Cerea-Fratelli sind die Stars im Haus, nun hat
im Restaurant Romanoff Top-Chef Heros De Agostinis angeheuert.

Heros De Agostinis hat jahrzehntelang für ­ erühmten Fisch eine Nacht in Randensaft
b
Heinz Beck, Roms einzigen Drei-Sterne-Chef, und Miso ein. Also kommt er ziemlich rot auf
Note für eine weg-
weisende, überragende
gearbeitet, zuletzt im «Brown’s» in London. den Teller. Hitze kriegt er nicht etwa im Ofen,
Küchenleistung Für so viel Treue gibts die Lizenz zum Nach­ sondern sanft unter dem Salamander. Natürlich
kochen: Becks weltberühmte Fagottelli kriegt gibt es auch Randen dazu.
man jetzt auch im «Romanoff St. Moritz»: Der Hauptgang war gut, aber nicht gerade auf­
Note für ausseror-
dentliche Kochkunst ­Eigelb, Pecorino, ­Guanciale, schwarzer Pfeffer – regend: Schweizer Rindsfilet, in Soja pochiert.
und Kreativität das volle Car­ bonara-Programm, verpackt in Aufregend dafür die Wasabicreme dazu, eher
kleine Teig­taschen. Zum Weglöffeln gut! Gilt harmlos die Algenchips. Im «Romanoff» müs-
Note für beste Qualität auch für den (Trüffel-)Risotto: Mit Madeira sen für die Hotelgäste zwingend auch Klassiker
und hohe Konstanz ab­
­ gelöscht, dank Trüffelsaft und Parmesan auf die Karte. Châteaubriand zum Beispiel. De
­wunderbar geschmeidig, mit ein paar knackigen Agostinis, aus London mit fünf Köchen ange-
Fotos Daniel Ammann, Paul Seewer, Olivia Pulver (2)

Hoher Grad an Koch- Elementen: Arti­schocke, Winterbroccoli. reist, serviert das edle Stück jederzeit auch
kunst und Qualität Dass De Agostinis in einer höheren Liga kocht, nur für eine Person. Bei den Desserts darf es dann
zeigt sich schnell: Ricciola! Die Gelb­schwanz­ wieder etwas moderner sein: Gelee von Clemen-
makrele gibt es als Tatar, sehr erfrischend mit tinen und Orangen mit tollem Bergamotte-­
Sehr gute Küche,
die mehr als das All- grünem Apfel, sehr modern mit fermentiertem Sorbet, eine Instagram-freundliche rote Kugel
tägliche bietet Blumenkohl. Einzige Kritik: Die Makrele ist («Sphäre») mit roten Früchten, Kokosnusssauce
­etwas gar klein geschnitten. Der in St. Moritz und Lapsang-Tee-Crémeux.
Herkömmliche, gute grassierenden Black-Cod-Mania will sich auch
Küche ohne besondere Chef Heros nicht entziehen, wählt aber im­ Carlton Hotel, Restaurant Romanoff, Via Johannes Badrutt 11,
Ambitionen merhin einen eigenständigen Weg: Er legt den 7500 St. Moritz, Tel. 081 836 70 00, carlton-stmoritz.ch

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 73
w eekly.
REDAKTION LUISE POMYK A J UND NADINE SCHRICK

Grosser Auftritt
Das Januarloch füllen wir mit Kultur – dazu braucht es einen
opernreifen Look. Erster Akt: ein klassischer Mantel im Fünf-
ziger-Jahre-Stil, schneeweiss wie eine Leinwand. Zweiter Akt: 8
ein knöchelumspielendes Kleid und funkelnde Details.

1
7

nachgestylt.
Schauspielerin
Uma Thurman bei
der Guggenheim
2 International Gala
in New York.

1 Mac Cosmetics Lippen-


stift in Capricious, CHF 28.–
2 Ralph Lauren Ballkleid in
Lighthouse Navy, CHF 345.–
3 Yas Mantel Yasveronika
in White Swan, CHF 160.–
4 Silverspirit by Christ Ohr-
stecker Snowflakes, CHF 99.–
5 Mascara Clutch in Mauve,
zalando.ch, CHF 55.– 6 Mi-
chael Michael Kors Pumps
5 Mk Flex Kitten, sarenza.ch,
CHF 130.– 7 Eschenbach
Theaterglas Collezione
la Scala, conrad.ch, ca.
CHF 159.– 8 Thomas Sabo
Solitärring Cosmo, Roségold-­
Vergoldung, CHF 229.–
6

74 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
3

nachgefragt.
1

Gela 4

Wesh 2

Die Zürcher Modedesignerin, 34,


durfte bereits Schauspieler
bei der Oscar-Preisverleihung
einkleiden. Aktuell bereitet sie
sich auf die Golden Globes vor. Wir machen blau
Pantone hat als Trendfarbe 2020 die Farbe Classic Blue
Gela Wesh, haben Sie ein Lieblings- erkoren und sagt damit dem kalten Grau draussen den
stück in Ihrem Zuhause? Kampf an. Und wir vertreiben damit jeden Winterblue(s).
Nein, denn ich liebe die Abwechs-
lung! Auch neu gekaufte Kleidung
wird sofort angezogen.

Worauf freuen Sie sich?


Ich werde zur Golden-Globe-Ver­ 5
leihung nach Los Angeles fliegen –
darauf freue ich mich riesig! 7

Ihr grösster Mode-Fauxpas?


Als ich 16 Jahre alt war, habe ich
aus einer Nachttischlampe eine Tiara
gebastelt und sie bei einem Fest
­getragen. Meine Mutter und meine
Schwester lachen noch heute darüber.

8
Was ist Ihre Beauty-Geheimwaffe? 6
Kokosöl. Ich verwende es für fast alles
– für die Hautpflege und fürs Kochen.

Haben Sie einen Rückzugsort?
Wenn es mal stressig wird, bin ich
sehr gerne in der Nähe von Wasser –
etwa am Zürichsee.

Immer in Ihrem Kühlschrank?


Milch – ich trinke jede Nacht vor 1 Skandinavisk Raumduft Hav, CHF 39.90 2 Satake Teekanne Kawasaki,
dem Schlafengehen ein Glas Milch royaldesign.com, CHF 73.– 3 Westwing Now Zierkissen Leopard mit Stickerei,
mit Zimt. Ich habe das Gefühl, CHF 39.– 4 Interio Deko-Hund Pluto, 60 × 53 cm, CHF 185.– 5 Made Polsterstuhl
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CHF 39.90 7 Pantone Becher, limitierte Edition, Color of the year 2020,
www.gela-wesh.com pantone.com, ca. CHF 25.– 8 Sigg Trinkflasche Traveller, galaxus.ch, CHF 17.–

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 75
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Haar. Verwöhnen Sie es mit
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Fotos Getty Images (2), Gela Wesh (1), Martin Arndt für Vallée de Joux (1)

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30 bis 60 Sekunden auf die Bordeaux-
Zunge legen, danach den farbene
Lederhand-
Zucker abspülen, und das schuhe,
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verbrannte Gefühl ist weg.

5 Basics
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lohnt sich. uns bei eisigen Temperaturen
vor der Kälte und sorgen zudem

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Touchscreen-
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Nirgends ist Eislaufen so stimmungsvoll wie auf einem


gefrorenen Bergsee. Am Lac de Joux im gleichnamigen
Hochtal des Kantons Waadt hofft man auf kalte Tage Mango
und macht schon mal die Verkaufsstände bereit, um den Hand-
müden Schliifschüendlern entlang des Ufers Speis schuhe mit
und Trank zu servieren. Schleifen-
detail,
Vallée de Joux Tourisme Centre Sportif, Rue de l’Orbe 8, 1347 Le Sentier CHF 24.95

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 77
b o dy &  health.

TIPPS VOM EXPERTEN

Zehn Dinge, die alle


über Bluthochdruck
wissen sollten
Welche Blutdruckwerte sind normal? Wieso
ist ein unbehandelter Bluthochdruck
­gefährlich? PD Dr. med. Christian Marc
Schmied sagt, was bei der Volkskrankheit
arterielle Hypertonie wichtig ist.

PD Dr. med. Christian


Marc Schmied ist
leitender Arzt am
Universitären Herz-

1
zentrum des Univer-
sitäts­spitals Zürich.

DIE FOLGEN
Bluthochdruck ist die Hauptursache für viele Herz-Kreislauf­-
Krank­heiten. Eine der folgenschwersten ist das Vorhofflimmern.
Ein hoher Blutdruck kann unbehandelt auch zu Schäden an
­anderen Organen, den Arterien, den Nieren oder dem Herzmuskel
führen. Und er erhöht das Risiko für Hirnschlag und Hirnblutung.

3
DIE THERAPIE

2
Braucht es zur Behandlung des
­Bluthochdrucks Medikamente,
­werden vor allem drei verschiedene
Stoffklassen eingesetzt: ACE-­
Hemmer, Calcium-Antagonisten
und ­Diuretika. Bei ungenügender
DIE KONTROLLE
Kon­trolle der Blutdruckwerte mit
Etwa die Hälfte aller 50-Jährigen leidet unter einem zu hohen nur ­einem Medikament kombiniert
Blutdruck. Damit ist die arterielle Hypertonie eine der häufigsten man häufig mehrere Medikamente
Fotos iStockphoto, HO

und gefährlichsten Erkrankungen. Gefährlich deshalb, weil die in ­tiefer bis mittlerer Dosierung.
Krankheit oft erst entdeckt wird, wenn sie bereits irreversible
Schäden an den Organen verursacht hat. Auch jüngere Menschen
und sogar Kinder können einen zu hohen Blutdruck haben.
Ruhe-Blutdruckwerte um 130–140/85–90 mmHg gelten noch als
knapp normal. Werte über 140/90 mmHg sind eindeutig erhöht.
5
DRUCK SENKEN
Wird ein zu hoher Blutdruck um nur schon

ENTSPANNEN
Bevor man den Blutdruck misst,
sollte man fünf Minuten ruhen,
am besten liegend. Sonst ist
4
4 mmHg gesenkt, ist das Risiko, einen Hirnschlag
zu erleiden, um rund 15 Prozent reduziert.

GESUND LEBEN 8
Es gibt acht beeinflussbare kardiovaskuläre Risikofaktoren.
Werden sie alle eliminiert, können über 90 Prozent aller
Herzinfarkte verhindert werden. Die acht beeinflussbaren
der Druck durch die vorherige kardiovaskulären Risikofaktoren sind: Bluthochdruck,
körperliche Belastung oder zu hohes Cholesterin, Diabetes, Nikotin, Übergewicht,
­innere Anspannung oft zu hoch. vor ­allem zu viel Bauchfett, ungesunde Ernährung, zu wenig
Ist der Blutdruck beim Arzt körperliche Aktivität und negativer Stress.
­erhöht, zu Hause aber normal,
spricht man von einer Weiss­

9
kittel-­Hypertonie, einem sehr
häufigen Phänomen. Aber Vor­
sicht: Es gibt auch die maskierte
Hypertonie. Hier liegen die
­Messungen beim Arzt im Norm­
bereich, sonst sind die Werte
OPTIMALE WERTE
­jedoch zu hoch. Deshalb ist
es wichtig, dass der Blutdruck Behandlungsziel bei erhöhtem Blutdruck sind zu Beginn
regelmässig zu Hause oder im der Therapie Werte unter 140/90 mmHg. Im Verlauf dann
Alltag gemessen wird. gelten Werte um 120 bis 130/70 bis 80 mmHg als optimal.

6
ABNEHMEN
Übergewicht ist einer der grössten
10
RISIKEN REDUZIEREN
In weniger als zehn Prozent der Fälle ist Bluthochdruck
Risikofaktoren für Hypertonie. durch eine zugrunde liegende Krankheit bedingt, die
Sechs Kilo abnehmen reduziert den ­behandelt und vielleicht sogar geheilt werden kann. In allen
oberen, systolischen Blutdruck­ übrigen Fällen spricht man von einer essenziellen Hyper­
wert um bis zu 12 mmHg und den tonie. Sie ist genetisch bedingt und wird in hohem Masse
unteren, diastolischen Wert um vererbt. Das heisst nicht, dass man nichts dagegen tun kann.
bis zu 8 mmHg. Eliminiert man die Risikofaktoren, allen voran Übergewicht
und übermässigen Alkoholkonsum, sinkt der Blutdruck.

7 AUSRUHEN UND AUFTANKEN


Pflegen Sie einen gesunden Lebensstil – sieben Tage die Woche. Der Blutdruck schwankt, erreicht Spitzen
bei körperlichem oder emotionalem Stress und sollte während der Erholung und vor allem nachts im Schlaf
auf tiefe Werte absinken. Wichtig ist, dass Sie sich genug Erholung und Regeneration gönnen, sich gesund
­ernähren, auf zusätzliches Salzen und übermässigen Alkoholkonsum verzichten und sich genügend bewegen.

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 79
b o dy &  health.

NEURODERMITIS

Vitamin D sorgt
für gesunde Haut
Das Sonnenvitamin stärkt nicht nur
unsere Knochen, laut mehreren Studien
Im Winter ist Sonne
hat es auch eine positive Wirkung rar – viele leiden
bei Neurodermitis und Psoriasis. dann unter einem
Vitamin-D-Mangel.

Gelangen Sonnenstrahlen in die oberste Hautschicht, Das Fazit: Ein Vitamin-D-Mangel stellt ein erhöhtes Risiko
wandelt sich ein bestimmter Stoff (Cholesterol) in für entzündliche Hauterkrankungen dar. Auch wenn eine
Vitamin D um. Dieses unterstützt unter anderem die der ­beiden Krankheiten schon ausgebrochen ist, hilft eine
Neubildung von Zellen in der Haut und deren Abwehr. ­zusätzliche Dosis des Sonnenvitamins, die B­ eschwerden
Jene Funktionen also, die bei Menschen mit Neuro­ wie trockene Haut und Juckreiz zu lindern. Wer an einer
dermitis und Psoriasis geschwächt sind. Jetzt haben Unterversorgung leidet, kann nach Absprache mit dem
­Forscher aus Doha eine Übersichtsstudie zu Vitamin D Arzt zur Supplementierung greifen. Zudem gibt es auch
und dessen Einfluss auf Hautprobleme verfasst. Salben, die lokal aufgetragen werden können. L M

Singen ist
Medizin. Stimmt
– zumindest
bei Personen mit
54
Prozent der
das buch. einer Lungen­ Fussball-WM
Durch die richtigen erkrankung. Laut -Teilnehmer griffen im
­ ebensmittel klüger,
L
glücklicher und aktiver
einer englischen Jahr 2018 mindestens einmal
während eines Turniers zu
werden. So das Verspre- Studie erleichtert Tabletten oder Spritzen. Am
beliebtesten waren Schmerz-
chen von Autor Max Luga-
vere in seinem Ratgeber
das Singen medikamente, Schlafmittel
«Geniales Essen». Der Mix die Atmung. und Angstlöser. Auch Vitamin-
aus spannender Theorie, supplemente wurden gerne
einem konkreten Essplan eingenommen, so die Aus­
Fotos iStockphoto, HO

und einfachen Rezepten wertung, die von der Fifa in


macht Lust auf gesund. Zürich vorgenommen wurde.
www.narayana-verlag.ch www.medical-tribune.ch

schweizer-illustrierte.ch/body-health

80 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
In Zusammenarbeit mit Swisscom

GEFÄHRLICHES GADGET?

Das macht das Handy


mit Ihrem Kind
Bislang konnte keine Studie eindeutig nachweisen, dass Handy­strahlung krank macht.
Das Handy selbst aber beeinflusst die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. 

Smartphones sind aus der Lebenswelt Heranwachsender häufiger Auffälligkeiten bezüglich Benehmen und Hyper­
nicht mehr wegzudenken: 99 Prozent aller Teenager haben aktivität festgestellt.
ein eigenes Handy. Bei den unter Siebenjährigen ist es jeder
Vierte. Sie benutzen das Gerät rund drei Stunden pro Tag. SCHLAFSTÖRUNGEN WEGEN HANDYS
Das Handy ist die liebste mediale Freizeitbeschäftigung Das liegt an der Handynutzung: Drei Viertel aller Teenager
der 1200 befragten Schüler im Alter von 13 bis 19 Jahren, wie schalten ihr Gerät auch nachts nicht aus, wie das Schweize-
die James-Studie 2018 der Zürcher Hochschule für Ange- rische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) in
wandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt. 96 Prozent brauchen der Befragung von 843 Schülern erfahren hat. Das führe zu
das Gerät täglich. «Handy» steht dabei für Videos schauen, einem unruhigen Schlaf, warnt Studienleiter Martin Röösli.
Musik hören, Gamen, Social-Media-Nutzung und das Schi- Nicht nur dann, wenn nachts Nachrichten oder Anrufe ein-
cken und Empfangen von Nachrichten. Im Vergleich dazu gingen: Allein die Erwartung, eine Nachricht zu erhalten,
sind Freizeit­aktivitäten wie Freunde treffen (70 %) oder Sport könne zu Schlaf- oder Einschlafproblemen führen.
treiben (67 %) leicht rückgängig
oder auf gleichem Niveau. EINFLUSS AUF DAS GEDÄCHTNIS
2018 hat ein Forscherteam um
FOLGEN FÜR DIE GESUNDHEIT? MEDIENKOMPETENZ VERMITTELN Martin Röösli zudem bei 700 Schü-
Die intensive Nutzung rückt die Tipps von Swisscom für einen lern im Alter von 12 bis 17 Jahren
Frage nach gesundheitlichen gesunden Medienumgang: un­tersucht, welchen Einfluss
­Auswirkungen von Mobilfunk Lassen Sie sich von Ihren Kindern hoch­frequente elektromagneti-
bei Kindern in den Fokus. Diese Computerspiele, Onlineaktivitäten, sche Felder (HF-EMF) auf das Ge-
­Lieblingswebsites und -apps zeigen. 
wurden auch im Bericht «Mobil- hirn haben. Fazit: Die Exposition
Stellen Sie altersgerechte Regeln
funk und Strahlung» des Eid­ könnte einen negativen Einfluss
auf für Bildschirmzeit, Medieninhalt
genössischen Departements für auf das figurative Gedächtnis ha-
und Medientyp. Bewährt: die
Umwelt, Verkehr, Energie und ben, jenen Bereich, der räumliche
3-6-9-12-Faustregel. Kein Fernsehen
Kommu­nikation (Uvek) vom Informationen verarbeitet.
unter 3 Jahren, keine eigene Spiel­
­November 2019 berücksichtigt. Doch sei weitere Forschung
konsole vor 6, Internet erst nach 9
Der Uvek-Bericht, der im Zu- und Social Media nach 12 Jahren.
notwendig, um den Einfluss an-
sammenhang mit dem Aufbau Mindestens eine Stunde vor derer Faktoren auszuschliessen.
des 5G-Netzes erstellt wurde, dem Schlafen das Handy weglegen. «Die Studienergebnisse könnten
hält fest, dass sich «für Kinder Regeln Sie mit Ihren Kindern, etwa durch die Pubertät beein-
kein Zusammenhang zwischen wann, wie lange und wofür das Handy flusst worden sein, die sich so-
Expositionsniveau elektroma­ benutzt werden darf. wohl auf die Mobiltelefonnut-
gnetischer Felder und Verhaltens- Sie sind ein Vorbild für Ihre Kinder – zung als auch auf das Verhalten
auffälligkeiten ergab». Anders bei auch im Umgang mit dem Smartphone. und die kognitiven Fähigkeiten
Teenagern: Bei ihnen wurden der Teilnehmenden auswirkt.»

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 81
drive.

PORSCHE TIMEPIECES

Schweizer Präzision, schwä


In Solothurn steht das kleinste Werk des Stuttgarter Sportwagenbauers
Porsche. Doch statt 911 und Co. werden hier Uhren gefertigt. Für die
Technik lassen sich die Uhrmacher manchmal von den Autobauern inspirieren.

Uhren und Autos gehören zusammen – ohne Porsche-Modell auch gleich eine passende Uhr
Zeitmessung kein Motorsport. Das ist das eine. zu entwickeln. Die erste entstand im Jahr 2017
Das andere: Chronografen und Automobile las­ zum Porsche 911 Turbo S Exclusive Edition im
sen sich längst nicht mehr auf ihre blosse Funk­ gleichen Farbdesign und mit einem Aufzugs­
tion reduzieren. Sag mir, welche Uhr du trägst, rotor, der wie eine Miniaturfelge wirkt.
und ich sage dir, welches Auto du fährst: Nach Für ihre Zertifikate müssen die Zeitmesser so­
diesem Motto suchen Autobauer und Uhren­ gar Stürze aus einem Meter Höhe überstehen. Ob
fabri­kanten die Nähe des jeweilig anderen. Bent­ die Sportwagen das auch vertragen können? A F
ley und Breitling, Ferrari und Hublot, Land Ro­
ver und Zenith – die Liste ist lang und illuster.
Aber nur Porsche ging bisher so weit, auch
selbst in die Uhrenfertigung einzusteigen. Por­
sche Timepieces heisst die winzige Uhren­-
ma­nufaktur in einem schmucklosen Bürobau in
­Solothurn. Je nach Tagesform setzen zwei Uhr­
macher täglich in staubfreier Luft drei bis sechs
Zeit­messer zusammen – die übrigen 18 Mitarbei­
ter entwickeln, verpacken und verkaufen.
Ganz frisch ist das Uhrenfaible der Marke
nicht. Ferry Porsches Sohn Ferdinand Alexander,
Designer des legendären Porsche 911, machte
sich 1972 mit eigenem Design­studio selbststän­
dig und schuf Uhren à la ­Bauhaus – die Funktion
bestimmte die Form. Mattschwarze Zifferblätter
gegen Reflexionen, spiegelfreies Glas, integrier­
ter Kompass, erste Gehäuse aus Titan – Porsche
setzte einige Ausrufezeichen und arbeitete dafür
mit den Schweizer Uhrenmarken Orfina, IWC
und Eterna ­zusammen.
Noch heute gestaltet das Studio im österrei­
chischen Zell am See die Uhren, aber entwickelt
FILIGRANSTE
FEINARBEIT
werden sie nach den gleichen Prinzipien wie die Beim Zusammenbau
Sportwagen und nach Porsche-patentierten Pro­ der Uhren wer­den
zessen in Solothurn. Hier gibt es die Zulieferer, nur 90 Staubparti­
die Spezialisten und das Flair für die Uhren­ kel pro Kubikmeter
produktion – und das Gütesiegel «Swiss Made», Luft toleriert. Und
wie bei den Sport­
das in der Uhrenindustrie zählt wie in kaum
wa­gen von Porsche
einer anderen Branche. gilt das Null-Feh­ler-­
Die Uhrenfabrik im eigenen Haus öffnet Prinzip – jede Uhr
natürlich die Möglichkeit, zu jedem besonderen muss perfekt sein.
Fotos HO

82 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Mit riesigem Grill
will der BMW X6
auch optisch SUV-
König bleiben.

bisches Flair

GRIFF NACH
DEN STERNEN
Einigen Fans war der alte X6 zu brav.
Dem tritt BMW jetzt entgegen und
lässt bei der dritten Auflage
des SUV-Coupés die Muskeln spielen.

Vor elf Jahren kam der X6 als erstes


sogenanntes SUV-Coupé auf den Markt.
Nun fährt der Koloss aus dem Hause
BMW bereits in der dritten Auflage vor.
Entsprechend ist die Erwartungshaltung.
Um trotz neuer Konkurrenten wie dem
Mercedes GLE Coupé der König des
pres­tigeträchtigen Segments zu bleiben,
haben die Bayern an nichts gespart.

Das fängt beim Design an, das mit dem


fakt.
Riesenkühlergrill, mit mehr Länge und Motoren
mit breiteren Schultern bulliger denn je Benzin 340
daherkommt. Dazu kommen vollständig bis 600 PS,
sinnfreie, aber «Habenwollen»-trächtige Diesel 265 bis 400 PS
Luxus-Extras wie etwa die beleuchtete 0 bis 100 km/h
Kühlergrill-«Niere» oder auch das «Sky 4,3 bis 6,5 s
Lounge»-Glasdach samt 15 000 glitzern- Spitze
den LEDs – oder beheizte Cupholder. 230 bis 250 km/h
Verbrauch
Und alles mündet in einer Motorenwahl, 6,0 bis 10,7 l/100 km
die ganz BMW-like «Freude am Fahren» CO2
(Werbeslogan) verspricht: Die Diesel- 159 bis 243 g/km
und Benzin-Aggregate leisten zwischen Energieeffizienz
265 und 600 PS, immer von der perfekt E bis G
schaltenden Achtgang-Automatik auf Verkauf
alle vier Räder übertragen. ab sofort
Preis
Natürlich lässt sich der Preis mit zahlrei- ab CHF 91 100.–
chen Extras wie Wankstabilisierung und Konkurrenten
Luftfederung noch nach Lust und Laune Audi Q8, Mercedes
in die Höhe schrauben. Als X6-Fahrer GLE Coupé, Porsche
gibt man sich schliesslich nicht mit dem Cayenne Coupé u. a.
Standardprogramm zufrieden. A E

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Bei richtiger Lösung ergeben die zweiten und rebus.
die vierten Buchstaben – jeweils von unten Bei richtiger
nach oben gelesen – ein Sprichwort. Die grauen Deutung der
Felder bilden das Lösungswort. Bilder erhal-
ten Sie das
Z AHLENSCHLÜSSEL LÖSUNGSWORT Lösungswort.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

13 14 15 16 17 18 19 20

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86 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
WIDDER 21.– 30. 3. Sie haben die STIER 21.– 30. 4. Kaum Gegenwind. ZWILLINGE 21.– 31. 5. Geduld ist der­ KREBS 22. 6.– 1. 7. Ein Treffen, Besuch
­Zügel fest in der Hand! Ihr Planet Mars Am 5. fühlen Sie sich wohl mit Freun­ zeit nicht Ihre erste Tugend! Meiden oder Kurztrip ist am 5. erfreulich,
steigert Ihre Vitalität. Am 7. liefern Sie den oder der Familie, am 9. sind Sie Sie Kontroversen, speziell am 7.! Viel­ und am 9. (Mond in Ihrer Dekade) sind
olympiareife Leistungen (Sport? Hob­ charmant und gesprächig. Nutzen Sie leicht überdenken Sie die Situation in Sie zufrieden mit der Reaktion Ihrer
bys?), am 5. oder 9. sind Sie aber zu den günstigen Jupiter, um Vorhaben aller Ruhe? Auch körperlich sollten Sie Freunde. Vor dem 26. Geborene gehen
brüsk. 31. 3.– 9. 4. Sie ziehen sich am zu starten (Reise? Berufliche Projekte? bremsen (Sport?). 1.– 10. 6. Sie hängen erfolgreich neue Wege, im Job oder
8. recht geschickt aus der ärgerlichen Fest?). 1.– 10. 5. Superwoche! Sonne Ihren Träumen nach, gewöhnen sich ­privat. 2.– 12. 7. Befolgen Sie den Rat
Situation (Verspätung? Absage?), dann und Merkur fördern Scharfsinn und nur schwer an die Realität. Am 8. sind Ihres Partners, auch im Job. Denn Hand
aber sollten Sie auf der Hut sein (bei Vitalität. Inspiriert knüpfen Sie wert­ Sie zu blauäugig, sollten Entscheide in Hand mit anderen haben Sie derzeit
Meeting, Vertrag usw.). Der Vollmond volle Kontakte. Spass auf Reisen, (Investition) besser vertagen. 11.– 21. 6. bessere Karten (5., 6.). Der Vollmond
am 10. dämpft Ihre Laune, manche günstig für Treffen und Weiterbildung Sie feiern ausgelassen, wickeln mit am 10. nervt: schlecht geschlafen?
gehen zu weit. 10.– 20. 4. Venus ver­ (5., 6. und Vollmond am 10.). 11.– 20. 5. Ihrem typischen Charme und Witz Versöhnliche Stimmung aber am 7.
wöhnt Sie, Ihr Charisma zeigt Wirkung. Neue Aufgaben und Verantwortung alle um den Finger (4. und 9.). Super­ 13.– 22. 7. Saturn und Pluto zwingen zu
Am 8. und 9. kann man Ihnen nichts stimulieren, am 6. und 10. kommts zu reise? Aufregende Begegnungen und einer Bestandesaufnahme, Sie tragen
abschlagen. Nur vor dem 14. Geborene Erfolgen. Privat sind Sie gebremst stimulierende Freundschaften? Oder Altlasten ab. Etwas stressig der 4. und
sind unter Druck (10.!) und nervös. durch Fortschritte im Job (am 6.). Erfolg mit musischen Aktivitäten? 10. (Vollmond), gute Laune aber am 6.

LÖWE 23. 7.– 1. 8. Sie sind auf der JUNGFRAU 24. 8.– 2. 9. Sie haben den
Überholspur, man kann kaum mit Ih­ Neustart diplomatisch vorbereitet,
nen Schritt halten! Exzellent, um die sollten aber wachsam sein: Mars ver­
Hanteln aus dem Keller zu holen und leitet zu voreiligen Schritten (am 7.!).
gute Vorsätze einzuhalten (7.!). Am 4. Ihre kluge und versöhnliche Haltung
und 5. sind Sie zu ungeduldig, ärgern hilft am 5. und 9. über alle Hürden.
sich über neue Regeln. 2.– 12. 8. Kos­ H O R O S KO P 3.– 12. 9. Ein Jahresbeginn nach Ihren
misch eher neutral. Nur der Mond Vorstellungen! Sie ziehen an den rich­
macht Sie am 5. und 6. nervös (Schlaf­ tigen Fäden. Günstig für Kontakte,
störungen?), aber am 4. und 8. herrscht
gute Laune, und Ihre grosszügige Hal­
tung vertreibt die Wolken. 13.– 23. 8.
Der Mond lässt fast Reisen, Termine werden der 6. und 10.
(Vollmond). Nur am 8. sind Sie schnell
eingeschnappt. 13.– 23. 9. Positive Um­
Venus in Opposition bedeutet heisse
Flirts (am 8./9.), aber auch Diskussio­ niemanden kalt wälzungen kündigen sich an (6., 10.).
Sie planen langfristig, machen Nägel
nen oder eine Szene mit Ihrem Partner. mit Köpfen, für viele (vor dem 17. gebo­
Zeigen Sie am 4. oder 6. Verständnis. 4. bis 10. Januar 2020 ren) eine Neugeburt oder neuer Look.
Nach dem ruhigen Weekend und der versöhn­
WAAGE 24. 9.– 3. 10. Man bewundert lichen Stimmung am 5. wird die kommende SKORPION 24. 10.– 2. 11. Sie sind im
Ihre Einsatzfreude. Energien dank Konjunktion Saturn–Pluto spürbar. Mit dem Voll­ Aufwind, voller Selbstvertrauen und
Mars, ideal für gute Vorsätze (7.). Am mond in Opposition zu diesem Planeten-Duo wird Optimismus (5., 9.). Speziell vor dem
9. sollten Sie allerdings Rücksicht ­deren Wirkung am Freitagabend noch verstärkt. 27. Geborene freuen sich über neue
nehmen! 4.– 13. 10. Tief durchatmen, Harte Entscheidungen, bewaffnete Ausschrei­ Möglichkeiten (oft eine Folge von ­April
wenn die Dinge nicht nach Wunsch tungen, Probleme mit Ölpreis oder auch Natur­ 2019), im Job oder auf dem Gefühls­
laufen! Am 5. und 8. bügeln Sie einiges gewalten (Vulkan, Erdbeben) sind wahrscheinlich. sektor. 3.– 12. 11. Ideal (Sonne und
aus, wenn der Hausfrieden wackelt, am Hoffen wir, dass harmonische Aspekte (Sonne Merkur positiv) für Begegnungen, eine
9. wird Ihre Haltung falsch interpre­ und Merkur zu Neptun) am 7. und 8. für Entspan­ Reise, Meetings. Am 5./6. kommen Sie
tiert. Prüfen Sie Abmachungen (Reise­ nung sorgen. Positiv ausserdem für die 3. Dekaden elegant durch alle Stromschnellen, am
pläne?) nochmals, um sich Ärger zu Fische, Stier, Jungfrau und Skorpion, die vieles 10. (Vollmond) haben Sie einen sechs­
ersparen! 14.– 23. 10. Sie schweben ten Sinn. 13.– 22. 11. Langfristige Pläne
neu gestalten und langfristig die Weichen stellen.
wie auf Wolken, strahlen förmlich. entwickeln sich ganz nach Ihren Vor­
Venus macht Sie unwiderstehlich, und DR. ELIZABETH TEISSIER stellungen, Sie sichern souverän Ihre
Sie vergessen Ihre Sorgen (7. und 8.). Position (6., 10.). Vor dem 16. Geborene
Am 10. macht Sie der Vollmond nervös. erleben eine Art Renaissance.

SCHÜTZE 23. 11.– 2. 12. Mars in Ihrer STEINBOCK 22.–  31. 12. Jupiter, noch WASSERMANN 21.– 30. 1. Rücken­ FISCHE 20. 2.– 1. 3. Widersprüchliche
Dekade bringt Extrakräfte, Sie sind immer in Ihrer Dekade, verspricht eine wind für Projekte (Reise?) und Akti­ Einflüsse: Mars legt Ihnen Steine
kaum zu bremsen (am 7.). Nehmen Glücksserie, privat oder im Job. Super­ vitäten mit Freunden. Günstig für in den Weg, doch Jupiter hält Ihnen
Sie mehr Rücksicht auf andere, schal­ laune am 5., interessante Neuigkeiten Sport, Hobbys, gute Vorsätze. Vor dem den Rücken frei. Fortschritte am 5.
ten Sie am 10. einen Gang zurück, am 9. Vor allem vor dem 26. Geborene 24. Geborene müssen sich mit einer­ und 9. dank guten Kontakten. Meiden
vermeiden Sie riskante Manöver! gehen erfolgreich neue Wege. 1.– 10. 1. neuen Situation anfreunden (am 5., 9.). Sie aber am 7. voreilige Gesten (am
3.– 12. 12. Kurze kosmische Pause? Sie Happy Birthday! Mit Neptun (und dem­ 31. 1.– 9. 2. Jetzt können Sie kürzer­ ­Steuer?). 2.– 10. 3. Freie Fahrt voraus!
kommen gut über die Runden, küm­ nächst Jupiter!) beginnt eine neue treten. Nur der Mond macht Sie am Exzellent für Begegnungen, Termine,
mern sich mehr um sich. Nur am 8. Phase: Sie sind offen für Ideen, kom­ 5./6. ungeduldig, am 8. sind Sie wie- aber auch Weiterbildung oder Reisen.
lassen Sie sich zu sehr von Gefühlen men Ihren Idealen näher (5., 7.). Bleiben der ein Herz und eine Seele, fühlen Neue Horizonte sind am 6., 7. und 10.
leiten und sind zu impulsiv. 13.– 21. 12. Sie aber am 10. (Vollmond!) gelassen! sich wohl mit Ihren Liebsten. 10.– 19. 2. eine echte Bereicherung, Sie schwe­
Foto Fabienne Buehler

Das Jahr beginnt bestens, Sie sprühen 11.– 20. 1. Eine wichtige Phase in Ihrem Der Besuch von Liebesplanet Venus ben in höheren Sphären. 11.– 20. 3.
vor Charme, haben reizvolle Begeg­ Leben? Oft verbunden mit mehr Ver­ in Ihrer Dekade lässt Sie strahlen, Sie Jetzt sind Sie am Zug! Mit dem Duo
nungen. Flirtalarm am 7. und 8., ideal antwortung und Power. Achten Sie auf sehen blendend aus. Bindungen wer­ Saturn–Pluto in Harmonie sichern Sie
für Besuch, Treffen, Hobbys mit Freun­ Ihre Gesundheit (am 10.!), gönnen Sie den am 7. tiefer und fester, am 8. und Ihre Zukunft ab. Exzellent der 6. und
den und Familie. Oder ernten Sie Lob? sich eine Pause (6.). 9. sind Sie unwiderstehlich. 10. (speziell für vor dem 15. Geborene!).

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 87
co m m unity.

«GIBT ES DENN KEINE ANDERE


ASTROLOGIN?»
So wird 2020, SI 52/2019 beim Durchblättern haben mich die Anti-Greta-Leserbriefe
Als häufige Leserin der Schweizer Illustrierten war ich auf entsetzt und über alle Massen verärgert. Der Klimawandel
Ihre Ausgabe zum Jahreswechsel schon gespannt, wer das ist wissenschaftlich bewiesen. Punkt. Ich möchte Sie als
Jahreshoroskop wohl kommentieren wird. Und wieder war Redaktion also eindringlich auf Ihre Verantwortung als
es, wie schon x Jahre vorher, Elisabeth Teissier. Es muss ja Multiplikator hinweisen.
nicht immer diese Dame sein. Gibt es denn keine andere Janina Cussmann, Berlin (D)
Astrologin, die dies genau so gut kann?
Margot Fellmann, per Mail DAS WÜRDE VIELEN JUNGPARTEIEN GUTTUN
Eine unheilige Allianz am Küchentisch, SI 51/2019
ÜBER DAS ZIEL HINAUS GESCHOSSEN Das würde vielen Jungparteien guttun, so eine WG. Schon
Rothenbühler, SI 52/2019 alleine aufgrund des solidarischen Zusammenlebens und
Sie scheinen es zu lieben, Menschen, speziell politische, zu dass man gemeinsam vieles erreichen kann.
etikettieren. «Guru aus Herrliberg» (auch wenn deutscher Martin Fischer, Worb BE
Herkunft), «Presslufthammer aus Ems» (auch sie deutscher
Herkunft) und «Richard Gere aus dem Berner Oberland»
sind Beispiele aus dieser Kolumne. Ihre Kolumne ist immer
unterhaltend und meistens lustig. Diesmal haben Sie aber
weit über das Ziel hinausgeschossen !
Mark Gasche, Kirchberg BE
SCHREIBEN SIE UNS IHRE MEINUNG
ENTSETZT ÜBER DIE ANTI-GRETA-LESERBRIEFE Schweizer Illustrierte, Flurstrasse 55, 8048 Zürich,
Leserbriefe zu Greta, SI 51/2019 Tel. 058 269 26 26, Fax 058 269 26 40, info@schweizer-illustrierte.ch
Durch eine Familienzusammenführung an Weihnachten ist Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht.
mir als Deutsche Ihre Zeitschrift in die Hände gefallen, und Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

impressum.
Nr. 01, 109. Jahrgang. Erscheint freitags vorstufe Ständige Mitarbeiter Manuela Enggist, Christa Hürli-
TOP Verbreitete Auflage 145 747
Davon verkaufte Auflage 130 842 Exemplar, ISSN 0036-7362
mann, Natascha Knecht, Pedro Lenz, Kati Moser, Thomas
Renggli, Elizabeth Teissier, Zeno van Essel, Andrea Vogel,
Abonnements-Dienst 0848 820 920 (CHF 0.08/Min.), Chris von Rohr Sekretariat / Buchhaltung Janine Grünenwald
Mo – Fr: 8 – 12 und 13 – 17 Uhr, (Leitung), Beatrice Pisciottano, Sara Popaj GaultMillau
kundenservice@schweizer-illustrierte.ch Patricia Heller (Leitung), Kathia Baltisberger, Kathrin Berch-
Meistgeklickte Einzelverkauf einzelverkauf@ringier.ch told, Lukas Borner, Pascal Grob, David Schnapp Büro Paris
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88 SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
SENKRECHT

Unechte Bergsteiger
und echte Jammerer
Bestimmt kennen Sie auch Mitmenschen, die von Da kann ich nur sagen, zum Glück hat die
einem Thema keine Ahnung haben, aber eine Unesco die lange Tradition des Alpinismus nicht
Meinung. Unter uns Bergsteigern ist das nicht an­ auf ihre Liste des dringend erhaltungsbedüftigen
ders. Da wird gerne in Schubladen gedacht. Wir immateriellen Kulturerbes gesetzt. Denn wer ist
teilen alles konsequent ein. Das betrifft nicht nur ein Alpinist erster Klasse? Einer, der jede Bestei­
das überlebenswichtige Einteilen des Proviants gung schneller absolviert als im Tourenführer an­
auf einer Tour. Alpinisten teilen auch Personen gegeben? Der jährlich eine grosse Anzahl Gipfel
ein – in Kategorien. abhakt? Oder reicht ein Funktionsshirt, das
So musste ich lernen, dass der Alpinismus ver­ «zünftig» nach schierem Schweiss duftet?
schiedene Typen hervorbringt: Den «echten» Um Antworten zu finden, vertiefte ich mich in
Bergsteiger, den «gewöhnlichen» Bergsteiger, die Erlebnisberichte derer, die von weiten Krei­
den durchschnittlichen, den unterdurchschnittli­ sen als «echte Bergsteiger» respektiert werden.
chen. Den Warmduscher, der bei schlechter Wit­ Deren Tourenschilderungen handeln hauptsäch­
terung umkehrt. Oder den ewigen Anfänger, aus lich von Elend. Von Gefahren, Erfrierungen,
dem nie etwas wird. Atembeschwerden, Verzweiflung. Von Nahtod­
Wer an der Spitze in dieser alpinistischen Hie­ erlebnissen (aber doch nicht gestorben sein). Von
rarchie steht, scheint klar. Nämlich der «Echte». Sieg, Niederlagen, Erfolg, Ruhm.
Aber was ist eigentlich ein «echter» Bergsteiger?
Gibt es auch «unechte»? Respektive Fake Berg­ Ist ein Bergsteiger erster Klasse also einer, der
zünftig leidet und keine Freude kennt?
Aktuell herrscht Winter-Hochsaison und die
«Alpinisten teilen alles «Echten» lassen uns in Echtzeit aus aller Welt an
ihrem Jammer teilhaben. In den Alpen, weil der
konsequent ein. Auch Winter wegen des «Kack-Föhns» zu warm ist. Im
Personen – in Kategorien» Himalaja wegen Trockenhusten und Lungen, die
in der Kälte brennen. Auf einer Expedition in ei­
nem stark abgelegenen Gebiet musste einer «so­
steiger? Darüber herrscht in der Gemeinde grosse gar» selber Brot backen. Ja, Brot selber backen!
Uneinigkeit. Selbst unter denen, die sich selber Unvorstellbar hart.
als «echte» einstufen. Ich bezeichne mich als «angefressene» Alpi­
Viele der angeblich «Echten» begründen ihre nistin. Das sagt ebenfalls nichts darüber aus, ob
Meinung mit der Tradition. Immerhin hat die ich eine «echte» oder «unechte» bin. Aber im
Unesco soeben «die lange Tradition des Alpinis­ Bergsteigen ist alles denkbar. Auch das Undenk­
mus» auf ihre repräsentative Liste des immateri­ bare. Ein berühmter «Zünftiger» sagte einmal:
ellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. «Der beste Bergsteiger ist derjenige, der am meis­
Das will ja wohl etwas heissen. Und früher galt ten Spass hat.» Demnach gehöre ich zu den Bes­
einzig der «Zünftige» als «echter» Bergsteiger. ten. Denn ich habe immer zünftig Spass.
Ein «Zünftiger» bedeutete: «Alpinist erster
Foto Geri Born

Klasse». Alle anderen mussten sich als Alpinisten


zweiter Klasse begnügen, als «stumpfe Hütten­ N ATA S C H A K N E C H T, 4 9 Alpinistin
wanderer», «Jochfinken» oder «Talschleicher». und Redaktionsleiterin Schweizer «BergLiebe».

SCHWEIZER ILLUSTRIERTE 89
S O M ACHEN WIR DAS …

In einem
Die Thurgauer
Sandro Huber, 60,
und Conny, 47,
in ihrem Haus.

Mini-Haus Oben das Bett,


hinten das Bad.

dem Stress
entfliehen
«Chli Appezell» nennen wir unser Hüüsli. Weil
das Appenzell unser Sehnsuchtsort ist. Sandro hat
sich sogar einen Alpabzug auf den Arm tätowiert.
Noch steht unser Tiny House in Affeltrangen TG
an der Hauptstrasse vor einer Scheune. Doch un-
ser Traum ist es, das Minihaus an den Bodensee
oder ins Appenzell zu stellen. Seit Mitte 2018 le-
ben wir auf 25 Quadratmetern – müssen aber auf
nichts verzichten: Wir haben ein Badezimmer mit
Dusche und Kompost-WC, eine Küche mit Gas- «Wenn die Waschmaschine läuft,
herd, eine elektrische Fussbodenheizung, ein
Sofa, einen Esstisch, Stühle und ein Bett.
machen unsere Pfannen Musik»
Früher lebten wir den Kommerz. Wir hatten
ein grosses Haus mit acht Zimmern – 400 Quad-
ratmeter Wohnfläche, vier Autos und drei Motor-
räder. Aber glücklich waren wir nicht. Im Gegen- wie in einer Berghütte. Auch als Paar sind wir nä-
teil. Der Stress und das viele Arbeiten machten her zusammengerückt, gell, Sandro. Nur einmal
aus mir einen unangenehmen Typ. Gell, Conny. gingen wir uns auf die Nerven: Als wir Anfang
Ich verkaufte mein Demontage-Unternehmen, 2019 beide mit einer Grippe eine Woche zu Hause
und wir entschlossen uns für ein minimalistisches bleiben mussten. Aber sonst geniessen wir die
Leben. Auf der Suche nach einem Wohnwagen Zweisamkeit, tagsüber arbeiten wir ja beide.
sind wir auf die Minihäuser gestossen und wuss- Unter anderem als Vertreter für die Tiny Houses
ten: Das ist es! in der Schweiz. Diese alternative Wohnform ist
enorm im Kommen! Dreimal pro Woche zeigen
Unser neues Zuhause ist 3,5 Tonnen schwer und wir unser Haus interessierten Leuten. Vielen geht
2,55 auf 4 Meter gross. Wir kauften es in Deutsch- es wie uns nicht primär ums Geldsparen. Klar, mit
land und richteten es mit viel Liebe und Schweiss 750 Franken Platzmiete inklusive Parkplatz, Gas,
im Landhausstil ein. Die Wände sind aus Pappel- Strom, Wasser und Versicherung ist das Leben
holz, mit einem Bunsenbrenner noch leicht ange- günstiger. Aber man geht auch nachhaltiger mit
schwärzt. Viele Möbel kauften wir bei unserem den Ressourcen um. Wir duschen etwa mit nur
Freund Bruno Peter im Antiquariat – etwa die Lei- tipp. sechs Litern Wasser statt wie normal mit 16.
ter, die wir zu einer Aufhängung für die Pfannen Wer denkt, auf so wenig Raum kann man keine
umfunktionierten. Wir haben uns von fast allem VOR DEM KAUF Gäste empfangen, täuscht sich. Wir haben öfter
getrennt, misteten radikal aus. Vor allem Conny Der Einstiegspreis gesellige Runden von bis zu acht Leuten. Viele ha-
erlebte das als Befreiung. Wer braucht schon drei für ein Tiny House ben den Wunsch zurück zur Einfachheit, oft fehlt
Fotos Dominic Nahr

liegt bei etwa


verschiedene Winterjacken? aber der Mut. Wir sind das beste Beispiel, dass es
55 000 Franken.
Wenn die Waschmaschine läuft, machen die Von den Behörden sich lohnt.
Pfannen Musik, wenn der Regen auf das Giebel- brauchts eine
dach über unserem Bett prasselt, fühlen wir uns Baubewilligung. AUFGEZEICHNE T: JES SICA PFISTER

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