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Naturwissenschaftliche Fakultät II

Chemie, Physik und Mathematik


Institut für Physik
Korrespondenzzirkel Physik
E-Mail: physikzirkel@physik.uni-halle.de
www.physik.uni-halle.de/physikzirkel

Liebe Physik-Interessierte bzw. -Begeisterte,

Willkommen bei unserem Service für interessierte Schülerinnen und Schüler der Gymnasialstufe, die
sich gerne – trotz oder gerade wegen Corona - über den Schulstoff hinaus mit Physik und
Astronomie beschäftigen wollen und an aktuellen Entwicklungen interessiert sind.

Hier kommt die vierte Aufgabenserie unseres Physikzirkels im Schuljahr 2019/20:

In dieser Runde befassen wir uns mit einer Frage zur Entstehung von Farben, der Corioliskraft sowie
mit Fragen aus der Medizinischen Physik, der Optik und der Wärmelehre.

Wir gehen bei den Aufgabenstellungen natürlich etwas auf die Grundlagen ein, trotzdem wird es
notwendig sein, zusätzliche Informationsquellen zu nutzen!

Bitte beachten Sie, dass die Aufgaben NICHT nach Klassenstufen geordnet sind. Der
Schwierigkeitsgrad ist mit Plus-Zeichen am rechten Rand gekennzeichnet (+ = leicht, ++ = mittel, +++
= schwer). Probieren Sie einfach aus wie weit Sie kommen, benutzen Sie zusätzliche Informationen
und tauschen Sie sich mit anderen, z.B. Ihrem*r Physiklehrer*in oder mit uns, dazu aus.

Bitte senden Sie die Lösungen (auch unvollständig!) per E-Mail bis zum 22.4.2020 an o.g. Adresse.
Wir kontrollieren und kommentieren die Lösungen und antworten Ihnen persönlich.

Wir laden schon jetzt alle Interessenten zu unserem Studieninfotag am 23.


Mai 2020 an unser Institut ein (live oder wegen Corona virtuell … wir
informieren dazu auf unserer Studieninfoseite, siehe unten). Neben
aktuellen Infos zur Physik, dem Geschehen an unserem Institut und der
Möglichkeit, sich mit unseren Studenten auszutauschen, werden die
erfolgreichsten/ originellsten Einsendungen mit einem Online-Gutschein im
Wert von 50 Euro ausgezeichnet. Mehr Interesse? Besuchen Sie uns auf
unserer Infoseite https://studieninfo.physik.uni-halle.de.

Viel Spaß mit der Physik und bleiben Sie gesund!

Prof. Detlef Reichert und das „Physik-Zirkel-Team“


AUFGABE 1 - WARMUP +++

Licht ist eine elektromagnetische Welle, deren


Wellenlängen wir im für unsere Augen sichtbaren
Bereich als Farbe wahrnehmen. Dabei ist „weiß“
eigentlich keine Farbe, sondern entsteht aus der
Überlagerung mehrerer Spektralfarben. Das wissen wir,
weil man z.B. mit einem Prisma weißes Licht in diese
Farben zerlegen kann (der Regenbogen macht das
übrigens auch) und diese auch wieder zu weißem Licht
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6898156
überlagern kann.

Mischt man dagegen z.B. Malfarben verschiedener


Farben (oder legt verschiedenfarbige Folien
übereinander), bekommt man NICHT weiß, sondern
etwas sehr dunkles.

https://malen-lernen.org/farben-mischen-tipps/

 Wiese ist das so? Worin besteht der Unterschied zwischen der Mischung
verschiedenfarbiger Lichtstrahlen und verschiedenartiger Malfarben?
AUFGABE 2 - MECHANIK +++
Körper fallen auf der Erde durch die Schwerkraft mit der Erdbeschleunigung g senkrecht nach unten.
Allerdings treten auf der rotierenden Erde noch zusätzliche Kräfte auf. Eine davon ist die
Corioliskraft, die dazu führt, dass fallende Körper auf der Nordhalbkugel beim Fallen eine kleine
Abweichung nach Osten erfahren. Wie man die Ostabweichung durch Lösen einer
Differentialgleichung mathematisch berechnen kann, können Sie im Physik-Studium (*) lernen.

 Legen Sie ein Koordinatensystem so fest, dass die x- Achse in Richtung Ost und die y- Achse
senkrecht dazu nach oben zeigt. Der Körper mit der Masse m wird auf die Höhe y = h
gehoben und von dort entweder einfach losgelassen oder mit einer Geschwindigkeit voy
nach unten geworfen.

 Zuerst betrachten wir den senkrechten Fall nach unten ohne Ostabweichung. Dazu soll die
Fallzeit untersucht werden. Natürlich ist diese kürzer, wenn der Körper zusätzlich mit einer
Anfangsgeschwindigkeit voy nach unten geworfen wird, als wenn der Körper einfach nur
losgelassen wird. Aber können Sie das auch mathematisch beweisen? Und wie groß ist die
Zeitdifferenz?

 Und was gilt für die Geschwindigkeit, mit der der Körper aufprallt? Vergleichen Sie
wiederum den Fall voy  0 mit voy  0 !

 Durch die Corioliskraft tritt eine Ostabweichung auf, die durch die Funktion
x(t )  13    g  t 3  cos gegeben ist. Hierbei ist t die Zeit, ω die Winkelgeschwindigkeit der
Erde und der Winkel ψ beschreibt die geografische Breite des Ortes, an dem der Fall
stattfindet. Betrachten Sie den Fall, dass die Anfangsgeschwindigkeit voy  0 und
untersuchen Sie, wie die Ostabweichung für den Fall von der Fallhöhe abhängt. Die
Ostabweichung verdoppelt sich nicht, wenn die Fallhöhe verdoppelt wird, sondern?

 Berechnen Sie die Ostabweichung beim Fall vom Berliner Fernsehturm aus der Höhe h = 368
m. Die geografische Breite finden Sie im Internet.

 Wie groß ist die Ostabweichung am Nordpol?

(*) Mehr Informationen zum Physik-Studiengang finden Sie


unter
https://www.ich-will-wissen.de/studieren-in-halle/unser-
studienangebot/weiterfuehrende-
studiengaenge/physik/physik/#studieren-in-halle
oder über den QR-code.
AUFGABE 3 – MEDIZINISCHE PHYSIK +++
Röntgenstrahlung wird häufig in der medizinischen Bildgebung genutzt. Dabei wird ausgenutzt, dass
Materialien mit unterschiedlichen Dichten und elementaren Zusammensetzungen die
Röntgenstrahlen unterschiedlich stark absorbieren. In der Praxis senden Röntgenröhren ein
Spektrum aus, welches Photonen (=Röntgenquanten) mit unterschiedlichen Energien enthält. In
dieser Aufgabe wollen wir vereinfachend eine monoenergetische Quelle betrachten, welche
Photonen mit einer Energie von 100 keV aussendet. In diesem Fall gilt für die Intensität der
Strahlung, dass sie beim Durchgang durch Materie exponentiell abnimmt:

I ( z )  I 0  e   z
z ist dabei die Dicke des durchstrahlten Materials und µ der Schwächungskoeffizient. Letzterer
beträgt für Luft nahezu 0, für Wasser bei 100 keV etwa 0,2 cm-1 und für Knochen etwa 0,3 cm-1. Die
Bildgebung erfolgt mittels eines Röntgenfilms (oder elektronischen Detektors), welcher hinter dem
durchstrahlten Körperteil positioniert wird und, jenachdem wie viel Röntgenstrahlung durch den
Körper tritt, unterschiedlich stark geschwärzt wird.

Unser Röntgensystem sei so kalibriert, dass der Film völlig weiß


bleibt, wenn gar keine Röntgenstrahlung ankommt, und sich völlig
schwarz färbt, wenn 100 % der Anfangsintensität I0 am Film
ankommt. Alle Werte dazwischen kann der Beobachter als
Graustufen ablesen, wobei das geschulte Auge eines Radiologen
(oder Medizinphysikers) etwa 50 Grauwerte unterscheiden kann
(inklusive den Werten ganz weiß und ganz schwarz). Der
Zusammenhang zwischen Intensität und Graufärbung wird hier als
näherungsweise linear angenommen.

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=120504

 Machen Sie sich mit der in der Radiologie üblichen Maßeinheit der Energie Kiloelektronenvolt
(keV) vertraut und vergleichen Sie sie mit z.B. Joule. Zur Veranschaulichung: wieviel
Röntgenquanten von jeweils 100 keV bräuchte man, um 1g Wasser um 1 K zu erwärmen, wenn
man (hypothetisch) die Strahlungsenergie komplett in Wärmeenergie umwandeln könnte.

 Um wieviel Prozentpunkte muss sich die transmittierte Intensität an zwei Bildpunkten


unterscheiden, um vom Beobachter als unterschiedlich wahrgenommen zu werden?

 Die Halbwertsdicke entspricht der Dicke des durchstrahlten Materials, bei der das Material
50% der Intensität der Strahlung absorbiert. Bitte berechnen Sie die Halbwertsdicke für Wasser
und Knochen. Die Gleichung oben hilft Ihnen dabei! Muss die Halbwertsdicke einen Materials
groß oder klein sein, damit es effektiv vor Strahlung schützt?

 Reicht der Unterschied im Schwächungskoeffizient von Wasser und Knochen aus, um auf dem
Röntgenbild vom Beobachter als unterschiedlich wahrgenommen zu werden? Wenn ja, wie
viele Grauwerte liegen dazwischen? Die Dicke des durchstrahlen Objektes betrage 5 cm.
 Würde man mit diesem Bildgebungssystem auch die Leber und die Niere in einem Bild
unterscheiden können? Bei einer Energie von 100 keV beträgt der Schwächungskoeffizient für
die Leber etwa 0,212 cm-1 und für die Niere etwa 0,206 cm-1. Der oder die Patient*in habe
einen Bauchdurchmesser von 20 cm. Dass die Röntgenstrahlen in diesem Fall auch anderes
Gewebe (Haut, Fett, etc.) durchlaufen, soll hier vernachlässigt werden.

 Welches Problem ergibt sich außerdem im letzten Fall, wenn eine Person untersucht werden
soll, die nicht ganz so schlank ist?

Bemerkungen:

a) Beim heutigen Stand der Technik benutzt man elektronische Detektoren, dank derer man durch
geschickte Einstellung der sog. Fensterung auch Weichteile optisch unterscheidbar machen kann.
b) In der Praxis sind die Graustufen invertiert (wie auf dem Bild): hell bedeutet eine große
Schwächung der Strahlung und dunkel eine geringe Schwächung … diese Konvention stammt
noch aus den Zeiten der Röntgenfilme, die primär ein Negativbild erzeugen (wie auch ein
Fotofilm).

Übrigens:

Wie man den Kontrast, insbesondere den von Weichteilen, in der Röntgenbildgebung
verbessert, was sich ändert, wenn man statt der oben betrachteten monoenergetischen
Röntgenquelle eine reale Röntgenröhre benutzt und warum die Röntgenbilder beim
Kofferscanner am Flugplatz bunt sind, lernen Sie in unserem Studiengang Medizinische
Physik!

Mehr Informationen zum Studiengang finden Sie unter


https://www.ich-will-wissen.de/fuer-studieninteressierte-und-bewerber/weiterfuehrende-
studiengaenge/masterstudium-an-der-mlu/was-kann-ich-studieren/physik/medizinische-
physik/

oder über den QR-Code.


AUFGABE 4 – OPTIK +++
Am Institut für Physik in Halle können Laserimpulse im Bereich von 1 fs erzeugt und gemessen
werden. Dies findet Anwendungen z.B. bei Forschungen zur Spintronik, mit der an zukünftigen neuen
Materialien für Schaltkreise und Speichermaterialien geforscht wird. Um sich so eine kleine Zeit
vorzustellen, betrachten Sie folgende Aufgabe. Zwei Lichtstrahlen werden gleichzeitig losgeschickt.
Sie durchlaufen beide eine Strecke der Länge L. Während sich ein Strahl im Vakuum ausbreitet,
durchquert der zweite auf seinem Weg einen Quarzkristall (es geht auch eine gewöhnliche
Glasplatte).

 Wie lang (in Metern) ist eigentlich ein Laserpuls von 1 fs? Und wieviel Perioden enthält er,
wenn wir z.B. rotes Licht betrachten?

 Wie dick muss diese Glasplatte sein, damit der durch sie gehende Strahl gerade 1 fs später
als der sich im Vakuum ausbreitende Strahl ankommt?

Tipp: Zur Lösung der Aufgabe benötigt man nur eine Zahl, die mit dem Glas zu tun hat. Die findet
man in einem Physikbuch oder im Internet.

Übrigens:

Die Spintronik spielt in Lehre und Forschung in unserem Institut eine große Rolle. Damit lassen sich
zukünftig in elektronischen Geräten die Halbleitermaterialien ersetzen durch Bauteile, die sehr
leistungsfähig und energieeffizient sind, siehe:

https://www.scinexx.de/businessnews/neuartige-leistungsfaehige-dioden-und-transistoren/

oder über den QR-Code.


AUFGABE 5 – WÄRMELEHRE +++
Flüssigkeiten dehnen sich in der Regel beim Erwärmen aus. Eine Ausnahme von dieser Regel ist
Wasser. Erhitzt man Wasser am Gefrierpunkt bei einer Temperatur von 0 °C, so verringert sich sein
Volumen und erreicht seinen kleinsten Wert bei 4 °C, natürlich immer vorausgesetzt, dass der Druck
sich nicht ändert. Oberhalb von 4 °C dehnt sich auch Wasser wie jede andere Flüssigkeit aus.

 Wie verhält sich die Dichte des Wassers? Skizziere den Verlauf der Dichte des Wassers als
Funktion der Temperatur.

 Die Ausdehnung einer Flüssigkeit kann man leicht beobachten, wenn man einen
Messbecher mit 1 l Wasser bei 4 °C randvoll füllt und dann auf 80 °C erwärmt.
Vernachlässigt man die Ausdehnung des Messbechers beim Erhitzen so laufen 30 g Wasser
über. Wie hat sich die Dichte des Wassers beim Erwärmen verändert, d.h. wie groß ist sie
bei 80 °C? (Dichte vom Wasser bei 4°C: 1,00 g/cm3 )

 Was passiert, wenn man auch die Ausdehnung des Messbechers beim Erwärmen mit
berücksichtigt?

 Gefriert Wasser zu Eis, so schwimmt das Eis auf dem Wasser. Was bedeutet dies für Dichte
und Volumen des Eises? Tragen Sie die Dichteänderung in das Diagramm der ersten
Teilaufgabe ein. Die Antwort auf die Frage können Sie auch durch Beobachtung an einem
See finden, denn der gefriert zuerst an der Oberfläche.