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VII.

ALCIBIADES

Alcibiades, Cliniae filius, Atheniensis. in hoc quid na-


tura efficere possit videtur experta. constat enim inter
omnes, qui de eo memoriae prodiderunt, nihil illo
fuisse excellentius vel in vitiis vel in virtutibus. natus in
amplissima civitate summo genere, omnium aetatis
suae multo formosissimus, ad omnes res aptus consi-
liique plenus - namque imperator fuit summus et mari
et terra disertus, ut in primis dicendo valeret, quod
tanta erat commendatio oris atque orationis, ut nemo
ei dicendo posset resistere, dives, cum tempus posce-
ret, laboriosus, patiens, liberalis, splendidus non mi-
nus in vita quam victu, affabilis, blandus, temporibus
callidissime serviens: idem, simulac se remiserat neque
causa suberat, quare animi laborem perferret, luxurio-
sus, dissolutus, libidinosus, intemperans reperiebatur,
ut omnes admirarentur in uno homine tantam esse
dissimilitudinem tamque diversam naturam.

Educatus est in domo Pericli - privignus enim eius


fuisse dicitur eruditus a Socrate; socerum habuit
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7. ALKIBIADES

I (ι) Alkibiades war Athener, Sohn des Kleinias. In ihm


schien die Natur, was sie überhaupt leisten kann, erprobt
zu haben. Denn für alle, die etwas über ihn überlieferten,
stand fest, dass niemand in seinen Schwächen oder Stärken
auffallender gewesen ist. (2) Geboren in der mächtigsten
Stadt, aus einer sehr bedeutenden Familie stammend,
übertraf er mit seiner äußeren Erscheinung alle seine Al-
tersgenossen bei weitem. Er meisterte alle Anforderungen
und war besonders klug; sogar als Befehlshaber leistete er
Hervorragendes zu Wasser und Lande. Derart redege-
wandt war er, dass er als einer der ersten Redner gelten
konnte, weil auch seine Stimme so einnehmend und sein
Vortrag so überzeugend war, dass niemand ihm als Redner
widerstehen konnte. (3) Er war reich; wenn es die Um-
stände erforderten, scheute er auch keine Arbeit. Einiges
konnte er aushalten; er war großzügig, aber in seiner Le-
bensweise nicht weniger verschwenderisch als in seinen
Bedürfnissen. Er hatte ein offenes Wesen, war freundlich
und konnte sich den jeweiligen Umständen äußerst klug
anpassen. (4) Man konnte ihn ebenso auch, sobald er sich
eine Erholung gegönnt hatte und es weiter keinen Grund
gab, warum er sich anstrengen sollte, übermütig, unor-
dentlich, ausschweifend und so unbeherrscht sehen, dass
alle sich wunderten, in einem einzigen Menschen eine sol-
che Verschiedenartigkeit und so gegensätzliche Wesenzüge
zu finden.
2 (1) Erzogen wurde er im Hause des Perikles. Er soll
nämlich sein Stiefsohn gewesen sein. Unterrichtet wurde er

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86 VII. A L C I B I A D E S

Hipponicum, omnium Graeca lingua loquentium di-


tissimum, ut, si ipse fingere vellet, neque plura bona
reminisci neque maiora posset consequi, quam vel na-
tura vel fortuna tribuerat. ineunte adulescentia amatus
est a multis more Graecorum, in eis a Socrate, de quo
mentionem facit Plato in Symposio. namque eum in-
duxit commemorantem se pernoctasse cum Socrate
neque aliter ab eo surrexisse, ac filius a parente debue-
rit. posteaquam robustior est factus, non minus mul-
tos amavit, in quorum amore, quoad licitum est
odiosa, multa delicate iocoseque fecit: quae referre-
mus, nisi maiora potiora haberemus.

Bello Peloponnesio huius consilio atque auctoritate


Athenienses bellum Syracusanis indixerunt. ad quod
gerendum ipse dux delectus est, duo praeterea collegae
dati, Nicias et Lamachus. id cum appararetur, prius-
quam classis exiret, accidit ut una nocte omnes her-
mae, qui in oppido erant Athenis, deicerentur praeter
unum, qui ante ianuam erat Andocidi. itaque ille
postea Mercurius Andocidi vocitatus est. hoc cum ap-
pareret non sine magna multorum consensione esse
factum, quae non ad privatam, sed publicam rem per-
tineret, magnus multitudini timor est iniectus, ne qua
repentina vis in civitate exsisteret, quae libertatem
opprimeret populi. hoc maxime convenire in Alcibia-

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7- ALKIBIADES 87

von Sokrates 57 ; sein Schwiegervater war Hipponikos, einer


der reichsten Männer der griechisch sprechenden Bevölke-
rung; Alkibiades hätte sich also, selbst wenn er es sich nur
vorgestellt hätte, weder größeren Reichtum ausdenken
noch Höheres erreichen können, als ihm Natur und Glück
bereits zugeteilt hatten. (2) Als er noch sehr jung war,
wurde er von vielen geliebt, wie es bei den Griechen
Brauch war' 8 ; unter ihnen war auch Sokrates, den Piaton in
seinem »Symposion« erwähnt. Denn er lässt Alkibiades
behaupten, dass er mit Sokrates die Nacht verbracht habe,
aber nicht anders von seiner Seite aufgestanden sei, als es
ein Sohn bei seinem Vater tue. (3) Später, als er erwachsen
war, hatte er viele Geliebte; dabei tat er vieles, soweit es in
seiner Anstößigkeit überhaupt erlaubt war, auf taktvoll-
lockere Weise: Darüber würden wir berichten, wenn wir
nichts Bedeutenderes und Wichtigeres zu erzählen hätten.
3 (1) Im Peloponnesischen Krieg erklärten die Athener
auf seinen Rat hin und aufgrund seines Einflusses den Sy-
rakusanern den Krieg 55 . U m diesen zu führen, wurde er
selbst zum Strategen gewählt, außerdem stellte man ihm
zwei Kollegen zur Seite, Nikias und Lamachos. (2) Als
man zum Krieg rüstete, geschah es eines Nachts, bevor die
Flotte auslaufen sollte, dass alle Hermessäulen 60 , die in
Athen standen, umgestürzt wurden mit Ausnahme derje-
nigen, die vor dem Haus des Andokides stand. Deshalb
nannte man jene später die Hermessäule des Andokides.
(3) Weil offenkundig war, dass diese Tat nicht ohne eine
Massenverschwörung zustande gekommen war, die nicht
auf das private, sondern auf das öffentliche Interesse zielte,
entstand große Furcht bei den meisten, es könne irgendein
Staatsstreich in der Stadt entstehen, der die Freiheit des
Volkes unterdrücke. (4) Dieser Plan schien besonders auf
Alkibiades zuzutreffen, weil er sowohl für einflussreicher
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88 VII. A L C I B I A D E S

dem videbatur, quod et potentior et maior quam pri-


vatus existimabatur: multos enim liberalitate devinxe-
rat, plures etiam opera forensi suos reddiderat. qua re
fiebat, ut omnium oculos, quotienscumque in publi-
cum prodisset, ad se converteret neque ei par quis-
quam in civitate poneretur. itaque non solum spem in
eo habebant maximam, sed etiam timorem, quod et
obesse plurimum et prodesse poterat. aspergebatur
etiam infamia, quod in domo sua facere mysteria dice-
batur: quod nefas erat more Atheniensium; idque non
ad religionem, sed ad coniurationem pertinere existi-
mabatur.

Hoc crimine in contione ab inimicis compellabatur.


sed instabat tempus ad bellum proficiscendi. id ille in-
tuens neque ignorans civium suorum consuetudinem
postulabat, si quid de se agi vellent, potius de prae-
sente quaestio haberetur, quam absens invidiae cri-
mine accusaretur. inimici vero eius quiescendum in
praesenti, quia noceri non posse intellegebant, et illud
tempus exspectandum decreverunt, quo exisset, ut ab-
sentem aggrederentur; itaque fecerunt. nam postquam
in Siciliam eum pervenisse crediderunt, absentem,
quod sacra violasset, reum fecerunt. qua de re cum ei
nuntius a magistratu in Siciliam missus esset, ut do-
mum ad causam dicendam rediret, essetque in magna

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als auch mächtiger angesehen wurde, als es ein Privatmann


sein konnte: Viele hatte er nämlich durch seine Großzü-
gigkeit auf seine Seite gezogen, die Mehrheit hatte er sogar
durch seine Unterstützung in Volksversammlungen und
vor Gericht zu seinen Anhängern gemacht. (5) Deshalb
zog er die Augen aller auf sich, sobald er sich in der Öf-
fentlichkeit zeigte, und niemand in der Stadt hatte die glei-
che Stellung wie er. Deshalb setzten sie nicht nur die
größte Hoffnung auf ihn, sondern fürchteten auch, dass er
einerseits sehr großen Schaden anrichten, aber auch Nut-
zen bringen könne. (6) Man verunglimpfte ihn durch üble
Nachrede, weil in seinem Haus angeblich Mysterien61 ab-
gehalten würden: Dies war nach dem Brauch der Athener
ein Verbrechen; und daher glaubte man, es sei keine reli-
giöse Feier, sondern diene der Verschwörung.
4 (1) In der Volksversammlung wurde er von seinen Geg-
nern wegen dieses Verbrechens angeklagt. Aber eigentlich
war der Zeitpunkt da, zum Krieg aufzubrechen. Weil jener
das im Blick hatte und die Gewohnheit seiner Mitbürger ge-
nau kannte, forderte er von ihnen, dass sie, wenn sie über
ihn urteilen wollten, eher eine Untersuchung in seiner Ge-
genwart unternehmen sollten, als wenn er aufgrund einer
Anschuldigung aus Missgunst in Abwesenheit angeklagt
würde. (2) Seine Gegner aber sahen ein, dass sie im Augen-
blick schweigen mussten, weil sie ihm nichts anhaben
konnten. Sie beschlossen, auf den Zeitpunkt zu warten,
wenn er fort sei, um ihn in Abwesenheit (erneut) anzugrei-
fen. Und so machten sie es. (3) Als sie nämlich glaubten, er
sei in Sizilien angekommen, klagten sie ihn in Abwesenheit
an, dass er Religionsfrevel begangen habe. Aus diesem
Grund war ein Bote vom Magistrat zu ihm geschickt wor-
den, er solle nach Hause zurückkehren, um sich vor Ge-
richt zu verantworten. Obwohl er eigentlich große Hoff-
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9° VII. A L C I B I A D E S

spe provinciae bene administrandae, non parere noluit


et in trierem, quae ad eum erat deportandum missa,
ascendit. hac Thurios in Italiam pervectus, multa se-
cum reputans de immoderata civium suorum licentia
crudelitateque erga nobilis, utilissimum ratus impen-
dentem evitare tempestatem, clam se ab custodibus
subduxit et inde primum Elidem, dein Thebas venit.
postquam autem se capitis damnatum bonis publicatis
audivit, et, id quod usu venerat, Eumolpidas sacerdo-
tes a populo coactos, ut se devoverent, eiusque devo-
tionis quo testatior esset memoria, exemplum in pila
lapidea incisum esse positum in publico, Lacedaemo-
nem demigravit. ibi, ut ipse praedicare consueverat,
non adversus patriam, sed inimicos suos bellum gessit,
quod eidem hostes essent civitati: nam cum intellege-
rent se plurimum prodesse posse rei publicae, ex ea
eiecisse plusque irae suae quam utilitati communi pa-
ruisse. itaque huius consilio Lacedaemonii cum Perse
rege amicitiam fecerunt, dein Deceleam in Attica mu-
nierunt praesidioque ibi perpetuo posito in obsidione
Athenas tenuerunt. eiusdem opera Ioniam a societate
averterunt Atheniensium. quo facto multo superiores
bello esse coeperunt.

Neque vero his rebus tarn amici Alcibiadi sunt facti


quam timore ab eo alienati. nam cum acerrimi viri

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7- ALKIBIADES 91

nung hatte, seine Aufgaben in Sizilien mit Erfolg zu


erfüllen, wollte er dennoch gehorchen und bestieg einen
Dreiruderer, der mitgeschickt worden war, um ihn zurück-
zubringen. (4) Als er mit diesem nach Thurioi in Italien ge-
fahren war, dachte er gründlich über die unangemessene
Kühnheit seiner Mitbürger und ihre Härte gegenüber den
Adligen nach. Daher hielt er es für äußerst ratsam, wenn er
die bevorstehende Auseinandersetzung vermied. Heimlich
entfernte er sich von seinen Bewachern und begab sich zu-
nächst von dort aus nach Elis, darauf kam er nach Theben.
(5) Er hatte dann aber erfahren, dass er unter Einziehung
seines Vermögens zum Tode verurteilt worden sei, und man
auch, wie üblich, die eleusinischen Eumolpidenpriester62
gezwungen habe, ihn zu verfluchen. Damit die Erinnerung
an seine Verfluchung noch sicherer beurkundet bliebe, sei
der Wortlaut in eine Steinsäule eingeritzt und diese in der
Öffentlichkeit ausgestellt worden. Darauf flüchtete Alki-
biades nach Sparta. (6) Dort führte er, wie er selbst gewöhn-
lich hervorhob, nicht gegen seine Heimat, sondern gegen
seine Feinde Krieg, weil sie zugleich Feinde des Staates
seien: Denn obwohl sie verstanden hätten, dass er dem
Staat sehr nützen könne, habe man ihn daraus vertrieben
und sich mehr dem eigenen Hassgefühl als dem Gemein-
wohl verpflichtet gefühlt. (7) Deshalb schlossen die Lake-
dämonier auf seinen Rat hin mit dem persischen König
Freundschaft. Darauf sicherten sie Dekeleia' 3 in Attika und,
nachdem sie dort einen dauerhaften Stützpunkt eingerich-
tet hatten, hielten sie die Athener im Zustand der Belage-
rung. Auf das Betreiben des Alkibiades hin entfremdeten sie
Ionien dem Bündnis mit den Athenern. Auf diese Weise be-
gannen sie, im Krieg um ein Vielfaches überlegen zu sein.
5 (1) Aber diese Umstände hatten die Spartaner nicht un-
bedingt zu Freunden des Alkibiades werden lassen, viel-
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9* VII. A L C I B I A D E S

praestantem prudentiam in omnibus rebus cognosce-


rent, pertimuerunt, ne caritate patriae ductus aliquando
ab ipsis descisceret et cum suis in gratiam rediret. ita-
que tempus eius interficiundi quaerere instituerunt. id 2
Alcibiades diutius celari non potuit: erat enim ea saga-
citate, ut decipi non posset, praesertim cum animum
attendisset ad cavendum. itaque ad Tissaphernem,
praefectum regis Darii, se contulit. cuius cum in inti- 3
mam amicitiam pervenisset et Atheniensium male ge-
stis in Sicilia rebus opes senescere, contra Lacedaemo-
niorum crescere videret, initio cum Pisandro praetore,
qui apud Samum exercitum habebat, per internuntios
colloquitur et de reditu suo facit mentionem. erat enim
eodem, quo Alcibiades, sensu, populi potentiae non
amicus et optimatium fautor. ab hoc destitutus primum 4
per Thrasybulum, Lyci filium, ab exercitu recipitur
praetorque fit apud Samum, post suffragante Thera-
mene populi scito restituitur parique absens imperio
praeficitur simul cum Thrasybulo et Theramene. ho- 5
rum in imperio tanta commutatio rerum facta est, ut
Lacedaemonii, qui paulo ante victores viguerant, per-
territi pacem peterent. victi enim erant quinque proe-
liis terrestribus, tribus navalibus, in quibus ducentas

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;. ALK1BIADES 93

mehr waren sie inzwischen aus Furcht ihm gegenüber


feindlich gesinnt. Denn als sie den enormen Sachverstand
des energischen Mannes in allen Fragen erkannt hatten,
fürchteten sie sehr, dass er sich aus Liebe zu seinem Vater-
land eines Tages von ihnen lossagen und sich mit seinen
Leuten wieder aussöhnen würde. Deshalb begannen
sie nach einer Gelegenheit zu suchen, ihn zu ermorden.
(2) Dieser Plan konnte vor Alkibiades nicht länger verheim-
licht werden: Er besaß nämlich einen solchen Scharfsinn,
dass er sich nicht täuschen ließ, zumal er darauf bedacht
war, vorsichtig zu sein. Deshalb begab er sich zu Tissapher-
nes, dem Statthalter des Königs Dareios. (3) Da er inzwi-
schen ein sehr enges Freundschaftsverhältnis zu ihm hatte
und sah, wie die Kräfte der Athener nach dem erfolglosen
Kampf in Sizilien geringer wurden, die der Lakedämonier
aber wuchsen, nahm er zunächst mit dem Feldherrn Pei-
sandros, der sein Heer bei Samos hatte, durch Mittelsmän-
ner Kontakt auf und erwähnte dabei seine Rückkehr. Die-
ser hatte nämlich dieselbe politische Einstellung wie
Alkibiades, war kein Freund der Demokratie und ein An-
hänger der Oligarchie. (4) Obwohl er von diesem zunächst
abgewiesen worden war, wurde Alkibiades dann durch die
Vermittlung des Thrasybulos, des Sohnes von Lykos, beim
Heer wieder aufgenommen und Feldherr bei Samos. Zu
einem späteren Zeitpunkt wurde er, weil sich auch Thera-
menes für ihn verwendete, durch einen Beschluss des Vol-
kes rehabilitiert und in Abwesenheit zum Befehlshaber im
gleichen Rang mit Thrasybulos und Theramenes eingesetzt.
(5) Unter ihrem Oberbefehl trat eine so große Veränderung
der militärischen Lage ein, dass die Spartaner, die noch
kurz vorher als Sieger überlegen waren, völlig eingeschüch-
tert Friedensverhandlungen aufnahmen. Sie waren nämlich
in fünf Landschlachten und drei Seeschlachten geschlagen
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naves triremes amiserant, quae captae in hostium ve-


nerant potestatem. Alcibiades simul cum collegis rece- 6
perat Ioniam, Hellespontum, multas praeterea urbes
Graecas, quae in ora sitae sunt Asiae, quarum expug-
narant complures, in his Byzantium, neque minus
multas consilio ad amicitiam adiunxerant, quod in
captos dementia fuerant usi. ita praeda onusti, locup- 7
letato exercitu, maximis rebus gestis Athenas vene-
rum.

His cum obviam universa civitas in Piraeum descen- 6


disset, tanta fuit omnium exspectatio visendi Alcibia-
dis, ut ad eius triremem vulgus conflueret, proinde ac
si solus advenisset. sic enim populo erat persuasum, et 2
adversas superiores et praesentes secundas res acci-
disse eius opera, itaque et Siciliae amissum et Lacedae-
moniorum victorias culpae suae tribuebant, quod ta-
lem virum e civitate expulissent. neque id sine causa
arbitrari videbantur. nam postquam exercitui praeesse
coeperat, neque terra neque mari hostes pares esse po-
tuerant. hie ut e navi egressus est, quamquam Thera- 3
menes et Thrasybulus eisdem rebus praefuerant simul-
que venerant in Piraeum, tamen unum omnes ilium
prosequebantur, et, id quod numquam antea usu vene-
rat nisi Olympiae victoribus, coronis aureis taeniisque
vulgo donabatur. ille lacrumans talem benevolentiam
civium suorum accipiebat, reminiscens pristini tempo-
ris acerbitatem. postquam astu venit, condone advo- 4

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worden, in denen sie 200 Trieren64, die in die Gewalt der


Feinde gefallen waren, verloren hatten. (6) Alkibiades hatte
zugleich mit seinen Amtskollegen Ionien, den Hellespont,
außerdem viele griechische Städte an der Küste (Klein-)
Asiens zurückgewonnen. Von diesen hatten sie ziemlich
viele militärisch erobert, unter ihnen auch Byzanz, ebenso
viele hatten sie aber auch durch Verhandlungen für ein
Bündnis gewinnen können, weil sie den Eroberten gegen-
über Milde walten ließen. (7) So kehrten sie beladen mit
Beute, mit einem reichlich ausgestatteten Heer und nach
bedeutendsten Taten nach Athen zurück.
6 (1) Ihnen kam die gesamte Bevölkerung bis in den Ha-
fen von Piräus entgegen, wobei bei allen die Erwartung,
Alkibiades zu sehen, so groß war, dass die Menge sich bei
seinem Schiff sammelte, gerade als sei er als der Einzige an-
gekommen. (2) Denn das Volk war davon überzeugt, dass
er sowohl für das frühere Unglück als auch für die gegen-
wärtige günstige Lage verantwortlich sei. Deshalb gaben
sie sich die Schuld für den Verlust Siziliens und die Siege
der Lakedämonier, weil sie nämlich so einen Mann aus der
Bürgerschaft ausgestoßen hatten. Und es schien auch so,
dass sie dieses mit Recht meinten. Denn nachdem Alkibia-
des begonnen hatte, das Heer zu führen, hatten die Feinde
weder zu Lande noch zu Wasser ebenbürtig sein können.
(3) Als dieser nun sein Schiff verlassen hatte, folgten den-
noch alle nur ihm, obwohl Theramenes und Thrasybulos
Kommandanten in denselben Kämpfen gewesen waren
und gleichzeitig in Piräus angekommen waren. Außerdem
beschenkte ihn das Volk, was niemals vorher außer bei den
Siegern in Olympia üblich gewesen war, mit Goldkränzen
und Siegerbändern. Jener nahm unter Tränen diese Zunei-
gung seiner Mitbürger entgegen, wobei er sich an die Härte
früherer Zeiten erinnerte. (4) In Athen angekommen, hielt
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96 VII. A L C I B I A D E S

cata sic verba fecit, ut nemo tarn ferus fuerit, quin eius
casum inlacrumarit inimicumque iis se ostenderit,
quorum opera patria pulsus fuerat, proinde ac si alius
populus, non ille ipse, qui turn flebat, eum sacrilegii
damnasset. restituta ergo huic sunt publice bona, ei- 5
demque illi Eumolpidae sacerdotes rursus resacrare
sunt coacti, qui eum devoverant, pilaeque illae, in qui-
bus devotio fuerat scripta, in mare praecipitatae.

Haec Alcibiadi laetitia non nimis fuit diuturna. nam 7


cum ei omnes essent honores decreti totaque res pu-
blica domi bellique tradita, ut unius arbitrio gereretur,
et ipse postulasset, ut duo sibi collegae darentur, Thra-
sybulus et Adimantus, neque id negatum esset, classe
in Asiam profectus, quod apud Cymen minus ex sen-
tentia rem gesserat, in invidiam recidit. nihil enim eum 2
non efficere posse ducebant. ex quo fiebat, ut omnia
minus prospere gesta culpae tribuerent, cum aut eum
neglegenter aut malitiose fecisse loquerentur, sicut tum
accidit: nam corruptum a rege capere Cymen noluisse
arguebant. itaque huic maxime putamus malo fuisse 3
nimiam opinionem ingenii atque virtutis: timebatur
enim non minus quam diligebatur, ne secunda fortuna
magisque opibus elatus tyrannidem concupisceret.

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7. A L K I B I A D E S 97

er, nachdem eine Volksversammlung einberufen worden


war, dort eine solche Rede, dass niemand so gefühllos ge-
wesen wäre, über sein Schicksal nicht zu weinen und sich
nicht sogar denen gegenüber als Gegner zu erkennen zu
geben, auf deren Veranlassung er aus dem Vaterland ver-
trieben worden war. Es war genauso, als wenn ein anderes
Volk als das, was dort weinte, ihn wegen Religionsfrevels
verurteilt hätte. (5) In Folge gab man ihm sein Vermögen
offiziell zurück, und jene Eumolpiden-Priester, die ihn ver-
flucht hatten, mussten ihn wieder vom Fluch freisprechen.
Auch wurden jene Säulen, die mit dem Fluch beschriftet
waren, ins Meer geworfen.
7 (1) Diese Freude währte für Alkibiades nicht allzu
lange. Denn man hatte ihm zwar alle Ehren zuerkannt
und ihm den ganzen Staat in Krieg und Frieden anvertraut,
so dass er durch die Entscheidung eines Einzelnen regiert
wurde, und er selbst hatte sogar erfolgreich gefordert, dass
man ihm zwei Amtskollegen an die Seite stellen solle,
Thrasybulos und Adeimantos. Er machte sich mit einer
Flotte nach Asien auf, und zog, weil seine Sache bei
Kyme 6 ' weniger nach Wunsch verlaufen war, erneut Hass-
gefühle auf sich. (2) Man glaubte nämlich, dass er alles zu-
stande bringen könne. Daher kam es, dass die Athener ihm
die Schuld (auch) an allen weniger günstig verlaufenen Er-
eignissen gaben, wenn sie sagten, er habe entweder etwas
nachlässig oder boshaft getan, so wie es auch dieses Mal
geschah: Denn sie warfen ihm vor, er habe sich vom Per-
serkönig bestechen lassen und dann Kyme nicht mehr
erobern wollen. (3) Deshalb glauben wir, dass es für ihn
besonders schlecht war, dass man eine zu vorteilhafte Mei-
nung über sein Talent und seine Fähigkeiten hatte: Man
fürchtete nämlich genauso, dass er, erhoben durch sein
Glück und seine große Macht, nach der Tyrannei Verlan-
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98 VII. A L C I B I A D E S

quibus rebus factum est, ut absenti magistratum abro-


garent et alium in eius locum substituerent. id ille ut
audivit, domum reverti noluit et se Pactyen contulit
ibique tria castella communiit, Ornos, Bizanthen, Ne-
ontichos, manuque conlecta primus Graecae civitatis
in Thraeciam introiit, gloriosius existimans barbarum
praeda locupletari quam Graiorum. qua ex re creverat
cum fama tum opibus, magnamque amicitiam sibi
cum quibusdam regibus Thraeciae pepererat.

Neque tamen a caritate patriae potuit recedere. nam


cum apud Aegos flumen Philocles, praetor Athenien-
sium, classem constituisset suam neque longe abesset
Lysander, praetor Lacedaemoniorum, qui in eo erat
occupatus, ut bellum quam diutissime duceret, quod
ipsis pecunia a rege suppeditabatur, contra Athenien-
sibus exhaustis praeter arma et navis nihil erat super,
Alcibiades ad exercitum venit Atheniensium ibique
praesente vulgo agere coepit: si vellent, se coacturum
Lysandrum dimicare aut pacem petere; Lacedaemo-
nios eo nolle classe confligere, quod pedestribus copiis
plus quam navibus valerent; sibi autem esse facile
Seuthem, regem Thraecum, adducere, ut eum terra
depelleret: quo facto necessario aut classe conflictu-
rum aut bellum compositurum. id etsi vere dictum

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7. ALKIBIADES 99

gen könne, wie man ihn liebte. Daher geschah es, dass sie
ihm in Abwesenheit sein Kommando entzogen und einen
anderen an seine Stelle setzten 66 . (4) Als Alkibiades davon
hörte, wollte er nicht nach Hause zurückkehren und begab
sich deshalb nach Paktye, w o er die drei Festungen Ornos,
Bizanthe und Neonteichos sicherte. Nachdem er eine
Gruppe von Leuten um sich gesammelt hatte, drang er als
erster Bürger einer griechischen Polis in das Innere von
Thrakien vor, weil er es für ruhmvoller hielt, sich an den
Barbaren mit Beute zu bereichern als an den Griechen.
Durch diese Tat hatte er seinen Ruhm und seine Macht
vermehrt, auch konnte er mit einigen Königen Thrakiens
enge Freundschaft schließen.
8 (1) Er konnte aber dennoch nicht aufhören, sein Vater-
land zu lieben. Denn als bei dem Ziegenfluss Philokles, der
Befehlshaber der Athener, mit seiner Flotte vor Anker
ging, lag auch Lysander nicht weit entfernt davon, der da-
mit beschäftigt war, den Krieg so weit wie möglich in die
Länge zu ziehen, weil ihnen vom König (der Perser) Geld-
mittel reichlich zur Verfügung gestellt worden waren, wo-
gegen den erschöpften Athenern lediglich Waffen und
Schiffe geblieben waren. Alkibiades also kam zu dem Heer
der Athener und fing dort an, vor den versammelten Sol-
daten folgendermaßen zu sprechen: (2) Wenn sie wollten,
werde er Lysander zwingen zu kämpfen oder Friedensver-
handlungen zu führen. Die Lakedämonier wollten nicht
mit ihrer Flotte mit ihnen aneinander geraten, weil sie mit
ihren Fußtruppen stärker waren als mit ihren Schiffen.
(3) Für ihn sei es aber leicht, Seuthes, den König der Thra-
ker, dazu zu bringen, Lysander vom Land zu vertreiben:
Danach werde er notgedrungen entweder mit seiner Flotte
kämpfen oder den Krieg beenden. (4) Auch wenn Philo-
kles glaubte, dass Alkibiades vernünftig gesprochen hatte,
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100 VII. A L C I B I A D E S

Philocles animadvertebat, tamen postulata facere no-


luit, quod sentiebat se Alcibiade recepto nullius mo-
menti apud exercitum futurum et, si quid secundi eve-
nisset, nullam in ea re suam partem fore, contra ea, si
quid adversi accidisset, se unum eius delicti futurum
reum. ab hoc discedens Alcibiades ,quoniam' inquit
,victoriae patriae repugnas, illud moneo, iuxta hostem
castra habeas nautica: periculum est enim, ne immo-
destia militum vestrorum occasio detur Lysandro ve-
stri opprimendi exercitus'. neque ea res ilium fefellit.
nam Lysander, cum per speculatores comperisset vul-
gum Atheniensium in terram praedatum exisse naves-
que paene inanes relictas, tempus rei gerendae non di-
misit eoque impetu bellum totum delevit.

At Alcibiades, victis Atheniensibus, non satis tuta


eadem loca sibi arbitrans, penitus in Thraeciam se su-
pra Propontidem abdidit, sperans ibi facillime suam
fortunam occuli posse, falso. nam Thraeces, postquam
eum cum magna pecunia venisse senserunt, insidias fe-
cerunt: qui ea, quae apportarat, abstulerunt, ipsum
capere non potuerunt. ille cernens nullum locum sibi
tutum in Graecia propter potentiam Lacedaemonio-
rum, ad Pharnabazum in Asiam transiit, quem quidem
adeo sua cepit humanitate, ut eum nemo in amicitia
antecederet. namque ei Grynium dederat, in Phrygia

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η. A L K I B I A D E S ΙΟΙ

wollte er dennoch auf die Forderungen nicht eingehen,


weil er merkte, dass er nach einer Wiedereinsetzung des
Alkibiades beim Heer keinerlei Einfluss mehr habe und,
wenn sich die Sache günstig entwickle, keinen Anteil an
dem Erfolg haben werde, im Gegenteil, wenn etwas schief
gehe, er als Einziger verantwortlich für dieses Unglück ge-
macht werde. (5) Als er von ihm fort ging, sagte Alkibiades
noch zu ihm: »Weil du dich dem Sieg des Vaterlandes ent-
gegenstellst, mache ich dich darauf aufmerksam, dass du in
der Nähe des Feindes ein Schiffslager anlegst: Damit be-
steht die Gefahr, dass aufgrund der Disziplinlosigkeit eurer
Soldaten Lysander eine Gelegenheit geboten wird, dein
Heer zu vernichten.« Und in dieser Vermutung täuschte er
sich nicht. (6) Denn als Lysander durch Späher in Erfah-
rung gebracht hatte, dass die Menge der Athener, um
Beute zu machen, an Land gegangen sei, die Schiffe aber
fast leer zurückgelassen seien, ließ er diese Gelegenheit zu
handeln nicht vorübergehen und beendete mit diesem ei-
nen Angriff den ganzen Krieg.
9 (1) Nach dem Sieg über die Athener glaubte Alkibia-
des aber, dass diese Gegend nicht sicher genug für ihn sei.
Er zog sich daher tief ins Innere von Thrakien oberhalb der
Propontis zurück in der Hoffnung, dort am ehesten seinen
Reichtum verbergen zu können. Hierin irrte er sich aber.
(2) Denn die Thraker bereiteten ihm einen Hinterhalt, als
sie gemerkt hatten, dass er mit einer großen Geldmenge
gekommen war: Sie stahlen ihm das, was er mitgebracht
hatte, ihn selbst aber konnten sie nicht ergreifen. (3) Weil
Alkibiades glaubte, dass ihm kein Ort in Griechenland we-
gen der Macht der Lakedämonier Schutz bieten könne,
ging er zu Pharnabazos nach Asien. Diesen jedenfalls
konnte er durch seine Freundlichkeit so sehr für sich ein-
nehmen, dass niemand ihm als Freund lieber war als er.
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102 VII. A L C I B I A D E S

Castrum, ex quo quinquagena talenta vectigalis capie-


bat. qua fortuna Alcibiades non erat contentus neque
Athenas victas Lacedaemoniis servire poterat pati. ita-
que ad patriam liberandam omni ferebatur cogita-
tione. sed videbat id sine rege Perse non posse fieri,
ideoque eum amicum sibi cupiebat adiungi neque du-
bitabat facile se consecuturum, si modo eius conveni-
undi habuisset potestatem. nam Cyrum fratrem ei bel-
lum clam parare Lacedaemoniis adiuvantibus sciebat:
id si aperuisset, magnam se initurum gratiam videbat.

Hoc cum moliretur peteretque a Pharnabazo, ut ad


regem mitteretur, eodem tempore Critias ceterique ty-
ranni Atheniensium certos homines ad Lysandrum in
Asiam miserant, qui eum certiorem facerent, nisi Alci-
biadem sustulisset, nihil earum rerum fore ratum, quas
ipse Athenis constituisset: quare, si suas res gestas ma-
nere vellet, ilium persequeretur. his Laco rebus com-
motus statuit accuratius sibi agendum cum Pharna-
bazo societatem. huic ergo renuntiat, quae regi cum
Lacedaemoniis essent, nisi Alcibiadem vivum aut
mortuum sibi tradidisset. non tulit hunc satrapes et
violare clementiam quam regis opes minui maluit. ita-
que misit Susamithrem et Bagaeum ad Alcibiadem in-

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η. A L K I B I A D E S 103

Denn Pharnabazos hatte ihm Gryneion überlassen, eine


Festung in Phrygien, aus der er (jährlich) 50 Talente an
Steuern einzog. (4) Mit diesem Zustand war Alkibiades
aber nicht zufrieden, und er konnte nicht zulassen, dass
sich die besiegten Athener den Lakedämoniern unterwar-
fen. Deshalb richtete er sein gesamtes Denken darauf, sein
Vaterland zu befreien. ($) Aber er sah ein, dass er dieses
Vorhaben ohne den Perserkönig nicht verwirklichen
konnte. Daher wollte er sich mit ihm freundschaftlich ver-
binden und zweifelte nicht daran, dass er das auch errei-
chen würde, wenn er nur die Möglichkeit hätte, mit ihm
zu sprechen. Denn er wusste, dass sein Bruder Kyros
heimlich mit Unterstützung der Lakedämonier gegen ihn
Kriegsvorbereitungen traf: Er sah voraus, dass dieser ihm,
wenn er ihm dieses eröffnete, sehr dankbar wäre.
1 0 (1) Während er seinen Plan umsetzte und Pharnaba-
zos darum bat, ihn zum König zu schicken, hatten zur sel-
ben Zeit Kritias und die übrigen Tyrannen 67 der Athener
ausgesuchte Männer zu Lysander nach Asien geschickt,
die ihn davon in Kenntnis setzen sollten. Solange er Alki-
biades nicht beseitigt habe, werde keine dieser Maßnah-
men, die er in Athen veranlasst habe, rechtskräftig sein:
Wenn er also wolle, dass seine Taten Bestand hätten, solle
er jenen deshalb verfolgen. (2) Diese Schilderung beein-
druckte den Spartaner und so beschloss er, ernsthafter mit
Pharnabazos zu verhandeln. Er werde die zwischen dem
Perserkönig und den Lakedämoniern getroffenen Verein-
barungen aufkündigen, wenn er ihm nicht Alkibiades le-
bendig oder tot auslieferte. (3) Der Satrap konnte diesen
Druck Lysanders nicht aushalten und wollte eher gegen
die Pflicht zur Menschlichkeit verstoßen als die Machtpo-
sition des Königs schmälern lassen. Deshalb schickte er
Susamithres und Bagaios los, um Alkibiades zu ermorden,
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104 VII. A L C I B I A D E S

terficiendum, cum ille esset in Phrygia iterque ad re-


gem compararet. missi clam vicinitati, in qua tum
Alcibiades erat, dant negotium, ut eum interficiant. illi
cum ferro aggredi non auderent, noctu ligna contule-
runt circa casam earn, in qua quiescebat, eamque suc-
cenderunt, ut incendio conficerent, quem manu supe-
rari posse diffidebant. Ille autem ut sonitu flammae est
excitatus, etsi gladius ei erat subductus, familiaris sui
subalare telum eripuit. namque erat cum eo quidam ex
Arcadia hospes, qui numquam discedere voluerat.
hunc sequi se iubet et id, quod in praesentia vestimen-
torum fuit, arripit. his in ignem coniectis flammae vim
transiit. quem ut barbari incendium effugisse viderunt,
telis eminus missis interfecerunt caputque eius ad
Pharnabazum rettulerunt. at mulier, quae cum eo vi-
vere consuerat, muliebri sua veste contectum aedificii
incendio mortuum cremavit, quod ad vivum inter-
imendum erat comparatum. sic Alcibiades annos cir-
citer quadraginta natus diem obiit supremum.

Hunc infamatum a plerisque tres gravissimi historici


summis laudibus extulerunt: Thucydides, qui eiusdem
aetatis fuit, Theopompus, post aliquanto natus, et Ti-
maeus: qui quidem duo maledicentissimi nescio quo
modo in illo uno laudando consenserunt. namque ea,
quae supra scripsimus, de eo praedicarunt atque hoc
amplius: cum Athenis, splendidissima civitate, natus

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7- A L K I B I A D E S 105

als jener in Phrygien war und seine Reise zum König vor-
bereitete. (4) Die Gesandten gaben heimlich den Anwoh-
nern, in deren Nähe sich Alkibiades befand, den Auftrag,
ihn zu töten. Weil jene aber nicht wagten, ihn mit dem
Dolch anzugreifen, schichteten sie nachts Holz ringsum
das Haus, in dem er schlief. Dann zündeten sie es an, um
ihn durch den Brand zu töten, weil sie glaubten, ihn nicht
in einem offenen Kampf besiegen zu können. (5) Jener aber
wachte von dem Geräusch der Flammen auf und entriss,
obwohl man auch seinen Dolch heimlich entwendet hatte,
seinem Sklaven den Dolch, den dieser unter der Achsel
trug. Denn mit ihm zusammen war dort ein Gast aus Ar-
kadien, der nicht von seiner Seite gehen wollte. Er befahl
diesem, er solle ihm folgen und griff nach den Kleidungs-
stücken, die im Augenblick da waren. Dadurch, dass er
diese auf das Feuer warf, konnte er der Gewalt der Flam-
men entkommen. (6) Als die Barbaren sahen, dass er vor
dem Brand hatte fliehen können, warfen sie aus der Ferne
Speere und töteten ihn damit. Seinen Kopf brachten sie zu
Pharnabazos. Aber die Frau, die gewöhnlich mit ihm zu-
sammenlebte, bedeckte den Leichnam mit ihrer Frauen-
kleidung und verbrannte ihn in dem Feuer des Hauses, das
gelegt worden war, um den Lebenden zu beseitigen. So er-
lebte Alkibiades mit ungefähr 40 Jahren seinen letzten Tag.
II (1) Er hatte zwar bei den meisten Schriftstellern kei-
nen guten Ruf, aber drei sehr bedeutende Geschichts-
schreiber bedachten ihn mit höchstem Lob: Thukydides,
der zur selben Zeit lebte, der etwas später geborene Theo-
pompos und Timaios: Obwohl die beiden Letztgenannten
eigentlich sehr gerne jemanden tadelten, waren sie sich ihm
gegenüber in ihrem Lob in unbegreiflicher Weise einig.
(2) Denn das, was wir oben geschrieben haben, verbreite-
ten sie über ihn und noch viel mehr: Wenn er auch in
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ιο6 VII. A L C I B I A D E S

esset, omnes splendore ac dignitate superasse vitae;


postquam inde expulsus Thebas venerit, adeo studiis 3
eorum inservisse, ut nemo eum labore corporisque vi-
ribus posset aequiperare - omnes enim Boeotii magis
firmitati corporis quam ingenii acumini serviunt - ;
eundem apud Lacedaemonios, quorum moribus sum- 4
ma virtus in patientia ponebatur, sic duritiae se de-
disse, ut parsimonia victus atque cultus omnes Lace-
daemonios vinceret; fuisse apud Thraecas, homines
vinolentos rebusque veneriis deditos: hos quoque in
his rebus antecessisse; venisse ad Persas, apud quos 5
summa laus esset fortiter venari, luxuriöse vivere: ho-
rum sic imitatum consuetudinem, ut illi ipsi eum in his
maxime admirarentur. quibus rebus effecisse ut, apud 6
quoscumque esset, princeps poneretur habereturque
carissimus. sed satis de hoc: reliquos ordiamur.

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7. A L K I B I A D E S 107

Athen, der sehr wohlhabenden Stadt, geboren wurde,


habe er alle aber noch an Glanz und Würde in seiner Le-
bensweise übertroffen; (3) nachdem er, von dort vertrie-
ben, nach Theben gekommen sei, habe er sich so sehr den
Interessen der Bewohner gewidmet, dass niemand es mit
ihm an Ausdauer und Kraft habe aufnehmen können - alle
Böotier interessieren sich nämlich mehr für die Körper-
kraft als für die Schärfe des Verstandes - ; (4) er habe sich
bei den Lakedämoniern, nach deren Gebräuchen die Be-
lastbarkeit als höchste Tugend gilt, so abgehärtet, dass er
durch die Bescheidenheit in seinen Speisen und seiner Klei-
dung alle Lakedämonier übertraf; als er sich bei den Thra-
kern aufgehalten habe, bei Menschen, die trunksüchtig
und sexuellen Ausschweifungen verfallen seien, habe er sie
auch auf diesem Gebiet übertroffen; (5) darauf sei er zu
den Persern gekommen, bei denen der den höchsten
Ruhm ernte, wer es verstehe, tapfer zu jagen und ver-
schwenderisch zu leben: Auch deren Lebensweise habe er
so angenommen, dass selbst jene ihn darin aufs Höchste
bewunderten. (6) Dadurch habe er es geschafft, bei den
Menschen, bei denen er sich gerade aufhielt, als erster zu
gelten und äußerst beliebt zu sein. Aber genug über ihn:
Wir wollen noch zu den übrigen kommen.

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