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chkunde

Kraftfa h rzeugtech n i
Personenkraftwagen

Geländewagen mit Hybridtechnik


EUROPA-FACHBUCHREIHE
für Kraftfahrzeugtechnik

Fachkunde
Kraftfahrzeugtechnik

30. neubearbeitete Auflage

Bearbeitet von Gewerbelehrern, Ingenieuren und Meistern

Lektorat: R. Gscheidle, Studiendirektor, Winnenden - Stuttgart

VERLAG EUROPA-LEHRMITTEL · Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG


Düsselberger Straße 23 · 42781 Haan-Gruiten

Europa-Nr.: 20108
Autoren der Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik:
Fischer, Richard Studiendirektor Polling- München
Gscheidle, Rolf Studiendirektor Winnenden- Stuttgart
Gscheidle, Tobias Dipi.-Gwl., Studienrat Stuttgart- Sindelfingen
Heider, Uwe Kfz-Elektriker-Meister, Trainer Audi AG Neckarsulm - Oedhei m
Hohmann, Berthold Studiendirektor Eversberg- Meschede
van Huet, Achim Dipl.-lngenieur, Oberstud ienrat Oberhausen - Essen
Keil, Wolfgang Oberstud iendirektor München
Lohuis, Rainer Dipl.-lngenieur, Oberstudienrat Hückelhoven- Essen- Deutz
Mann, Jochen Dipi.-Gwl., Oberstudienrat Seherndorf- Stuttgart
Schlögl, Bernd Dipi.-Gwl., Stud iendirektor Rastatt - Gaggenau
Wimmer, Alois Oberstudienrat Stuttgart
Warmer, Günter Dipl.-lngenieur Karlsruhe

Leitung des Arbeitskreises und Lektorat:


Rolf Gscheidle, Studiendirektor, Winn enden - Stuttgart

Bildbearbeitung:
Zeichenbüro des Verlags Europa-Lehrmittel, Ostfildern

Alle Angaben in diesem Buch erfolgten nach dem Stand der Technik. Alle Prüf-, Mess- oder Instand-
setzungsarbeiten an einem konkreten Fahrzeug müssen nach Herstellervorschriften erfolgen . Der
Nachvollzug der beschriebenen Arbeiten erfolgt auf eigene Gefahr. Haftungsansprüche gegen die
Autoren oder den Verlag sind ausgeschlossen.

30. Auflage 2013


Druck 5 4 3 2
All e Drucke dersel ben Auflage sind parallel einsetzba r, da sie bis auf d ie Behebung v o n Druckfehl ern untereinander
unverändert sin d .

ISBN 978-3-8085-2240-0

Alle Rechte v o rbehalten. Das Werk ist u rheberrechtlich geschützt. J ede Verw ertu ng außerhalb der gesetzl ich
geregelten Fälle mu ss vo m Verlag schriftlich genehmigt w erden.

Umschlaggestaltung und Titelbild: Braunwerbeagentur, Stefan ie Braun, 42477 Radevormwald, unter Verwendung
von Fotos und Bildern der Firm en Audi AG , lngolstadt, Vo lksw agen AG , Wolfsburg , Dr. lng . H. C. Parsehe AG,
Stutt gart, KTM, M attig hof en, Au stri a (Foto : H. Mitterbauer), M ercedes Benz AG, Stuttgart

© 201 3 by Ver lag Europa-Lehrm ittel, No u rney, Vo llm er GmbH & Co. KG, 42781 Haan-Gru iten
http://www.europ a-lehrm ittel .de

Satz: Satz+Layout W erkstatt Kluth GmbH, 50374 Erftst adt


Druck: B.o.s.s Druck und M edien Gm bH, 47574 Goch
3

Vorwort zur 30. Auflage

Die Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik soll den Auszubildenden des Kraftfahrzeugwesens eine Hilfe beim
Verstehen von technischen Vorgängen und Systemzusammenhängen sein. Mit diesem Buch kann das
nötige theoretische Fachwissen für die praktischen handwerklichen Fertigkeiten erlernt werden. Die neu-
esten Normen wurden, soweit erforderlich, eingearbeitet. Verbindlich sind jedoch die DIN-Biätter selbst.

Dem Gesellen, Meister und Techniker des Kraftfahrzeughandwerks, sowie dem Studierenden der Fahr-
zeugtechnik soll das Buch als Nachschlagewerk, zur Informationsbeschaffung und zur Ergänzung der
fachlichen Kenntnisse dienen. Allen an der Kraftfahrzeugtechnik Interessierten soll das Werk eine Erwei-
terung des Fachwissens durch Selbststudium ermöglichen.

Dieses Standardwerk der Kraftfahrzeugtechnik ist in 22 Kapitel unterteilt. ln ihrer Zielsetzung sind die
gewählten Lerninhalte auf das Berufsbild des Kraftfahrzeugmechatronikers/der Kraftfahrzeugmechatro-
nikerin ausgerichtet.

Die 30. Auflage wurde aktualisiert und durch neue kraftfahrzeugtechnische Entwicklungen ergänzt, wie
z.B. Fahrzeug pflege, Arbeitsschutz, neue Karosseriebleche, Gemischbildung Ottomotor, Aufladung, Flüs-
siggasantriebe, Elektrofahrzeuge, Gemischbildung Diesel, Schadstoffminderung, Direktschaltgetriebe,
Alternative Antriebskonzepte, Ausgleichssperren, Achsvermessung, Fahrdynamik, Lenksysteme, Radauf-
hängung, Federung, elektrische Schaltpläne, Systeme Komforttechnik.

Der Fachkunde ist in der 30. Auflage eine CD-ROM mit allen Bildern des Buches und des Tabellenbuches
Kraftfahrzeugtechnik 16. Auflage beigelegt.

Aus der Fülle des Stoffes wurden die Sachgebiete im Umfang und Inhalt so ausgewählt, dass sie den An-
forderungen der Neuordnung nach Lernfeldern entsprechen. Die Seiten 4 und 5 geben Hinweise, wie die
Fachbuchreihe, insbesonders das Fachkundebuch beim Unterricht nach Lernfeldern eingesetzt werden
kann . Die Autoren haben Wert auf eine klare und verständliche Darstellung gelegt, die sich durch zahlrei-
che mehrfarbige Bilder, Skizzen, Systembilder und Tabellen auszeichnet. Dadurch wird das Erfassen und
Durchdringen des komplexen Stoffes der gesamten Kraftfahrzeugtechnik erleichtert.

Die Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik bildet mit den weiteren Büchern der Fachbuchreihe des Verlages
eine Einheit. Die nachfolgend genannten Bücher, Folien und Animationen auf CD sind so aufeinander ab-
gestimmt, dass mit ihnen praxisorientierte Lernsituationen bearbeitet und gelöst werden können.

• Tabellenbuch Kraftfahrzeugtechnik
• Formeln Kraftfahrzeugtechnik
• Arbeitsblätter Kraftfahrzeugtechnik zu den Lernfeldern 1- 4, 5-8, 9-14
• Prüfungsbuch Kraftfahrzeugtechnik
• Prüfungstrainer Kraftfahrzeugtechnik
• Prüfungsvorbereitung Kraftfahrzeugtechnik Teil 1 und Teil 2
• Betriebsführung und Management im Kfz-Handwerk
• Technische Kommunikation, Arbeitsplanung, Kraftfahrzeugtechnik
• Bilder und Animationen Kraftfahrzeugtechnik lil
Alle Bilder, die auf der CD "Kraftfahrzeugtechnik, EFA4 - Bilder und Animationen" anim iert sind, werden
im Buch an den jeweiligen Bildern mit dem lil-Zeichen gekennzeichnet. Diese CD mit Animationen und
die aufgeführten Werke sind unter www.europa-lehrmittel.de zu beziehen .

Das in enger Zusammenarbeit mit Handwerk und Industrie entstandene Werk wurde von einem Team
pädagogisch erfahrener Berufsschullehrer, Ingenieure und Meister erstellt. Die Autoren und der Verlag
sind für Anregungen und kritische Hinweise dankbar (lektorat@europa-lehrmittel.de).

Wir danken allen Firmen und Organisationen für ihre freundliche Unterstützung mit Bildern und techni-
schen Unterlagen.

Die Autoren des Arbeitskreises Kraftfahrzeugtechnik Sommer 2013


4

Hinweise zur Verwendung der Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik bei der Ausbildung zur
Kraftfahrzeugmechatronikerin bzw. zum Kraftfahrzeugmechatroniker.
Die Verfasser haben die Inhalte des Fachkundebuches untersachlogischen Gesichtspunkten strukturiert.
Dabei wurden alle Inhalte des aktuellen Rahmenlehrplans und der Ausbildungsordnung entsprechend
dem neuen Berufsbild des Kraftfahrzeugmechatronikers abgedeckt.
Vom Autorenkreis wurde bewusst auf eine methodische Anordnung der Sachgebiete nach Lernfeldern
verzichtet, um dem Lehrer, bzw. dem Ausbilder ein Höchstmaß an didaktischer und methodischer Frei-
heit zu ermöglichen. Außerdem lassen sich dadurch stoffliche Überschneidungen und unnötige Wieder-
holungen vermeiden .
Die im Buch gewählte Struktur ermöglicht dem Lernenden ein selbstständiges Erarbeiten der in den Lern-
feldern geforderten unterschiedlichen fachlichen Inhalte.
Nachfolgende Übersicht zeigt die schwerpunktmäßige Zuordnung der einzelnen Kapitel des Fachbuches
zu den Lernfeldern.

Fahrzeuge und Systeme nach


Vorgaben warten und inspizieren
2 Einfache Baugruppen und Systeme
prüfen, demontieren, austauschen und
montieren
3 Funktionsstörungen identifizieren
und beseitigen
4 Umrüstarbeiten nach
Kundenwünschen durchführen
5 Inspektionen und Zusatzarbeiten
durchführen
6 Funktionsstörungen an Bordnetz-,
Ladestrom- und Startsystem
diagnostizieren und beheben
7 Verschleißbehaftete Baugruppen und
Systeme insland setzen
8 Mechatronische Systeme des
Antriebsmanagements diagnostizieren
9 Serviceaufgaben an Komfort- und
Sicherheitssystemen durchführen
10 Schäden an Fahrwerks- und
5

Methodische Vorgehensweisen bei der Planung und Durchführung von Unterrichtsein-


heiten nach Lernfeldern mit der Fachbuchreihe des Verlags Europa-Lehrmittel

Situation: Bei einem Kundenfah~e<.~g, einem Golf V, Bj. 04/2007, geht die Gen.,...t ort<ontrolllampe w ährend der Fahrt
Lernsituation 1.
niehtmehreus.
GabenSie möglicheFolgen an.
erkennen Der Generator liefert nicht genügend elektrische Energ,ll;ie"_
. _ _ __
_Dj__e Starterbatterie entlädt sich.
und bearbeiten

19 f.lekrrorechnik 539
Informationen
19.2 Anwendungen der
beschaffen Elektrot echnik
und auswerten 1.9~2-.1 SchaJ:tp.läne
Einteilung der Schaltpläne
Ei_n Schaltplan ist die zeichnerische Darstellung eiele-
( Inscher Batriebsmitte1 durch Schaltzeichen, durch
Abbildungen oder vereinfachte Konstruktionsze1ch-

414 ElektnscheAnlage

Aufgaben und Kenndaten


Aufgaben • Versorgungderelektrischen Verbraucher
• ladenderStar1erbatterie

Erlerntes
dokumentieren
Welche elektrische Leistung gibt der Generator bei Leer1auf und bei Nenndrehzahl ab1

Ges.: Pnl; PnN

P,, = U · I = 14 V · 50 A = 700 W P,N = U · I = 14 V

33. Bere<:hnen Sie die me<:hanisehe Antriebsleistung bei Nenndrehzahl fOteinen Generatorwirkungsgrad von 65%.

Spez Spe•
20V 20V
Problem in der
Praxis lösen JL J! 1f lf
1 1 ~ ~
0

44. Welche Fehler kann man mit dem Oszilloskop noch fest stellen?
Firmenverzeichnis

Die nachfolgend aufgeführten Firmen haben die Autoren durch fachliche Beratung, durch Informa-
tions- und Bildmaterial unterstützt. Es wird ihnen hierfür herzlich gedankt.

Alfa-Romeo-Automobile HAMEG GmbH, Frankfurt/Main Peugeot Deutschland GmbH


Mai Iand/Itaiien Hella KG, Hueck & Co, Lippstadt Saarbrücken
ALLIGATOR Ventilfabrik GmbH Hengst Filterwerke, Nienkamp Pierburg GmbH, Neuss
Giengen/Brenz
Fritz Hintermayr, Bing-Vergaser-Fabrik Pirelli AG, Höchst im Odenwald
Aprilia Motorrad-Vertrieb Nürnberg
Dr. lng. h.c. F. Porsche AG
Düsseldorf HITACHI Sales Europa GmbH Stuttg art -Zuffen hausen
Aral AG, Bochum Düsseldorf
Renault Nissan Deutschland AG
Audatex Deutschland, Minden HONDA DEUTSCHLAND GMBH Brühl
Offenbach/Main
Audi AG, lngolstadt- Neckarsulm Samsung Electronics GmbH, Köln
Hunger Maschinenfabrik GmbH
Autokabel. Hausen München und Kaufering SATA Farbspritztechnik GmbH & Co
Autoliv, Oberschleißheim IBM Deutschland, Böblingen Kornwestheim
G. Auwärter GmbH & Co IVECO-Magirus AG, Neu-Uim SCANIA Deutschland GmbH
(Neoplan) Stuttgart ITT Automotive (ATE, VDO, Koblenz
BBS Kraftfahrzeugtechnik AG, Schiltach MOTO-METER, SWF, KONI, Kienziel SEKURIT SAINT-GOBAIN
Frankfurt/Main Deutschland GmbH, Aachen
BEHR GmbH & Co, Stuttgart
IXION Maschinenfabrik Schäffler Automotive, Langen
Beissbarth GmbH Automobil Servicegeräte Otto Häfner GmbH & Co
München Hamburg-Wandsbeck Siemens AG, München
BERU, Ludwigsburg Jurid-Werke, Essen SKF Kugellagerfabriken GmbH
Aug. Bilstein GmbH & Co KG Allred Kärcher GmbH & Co. KG Schweinfurt
Ennepetal Winnenden Snap-on/SNA Germany,
Boge GmbH, Eildorf/Sieg Kawasaki-Motoren GmbH, Friedrichsdor! Hohenstei n-Ernstthal
Robert Bosch GmbH, Stuttga rt Knecht Filterwerke GmbH, Stuttgart SOLO Kleinmotoren GmbH
Knorr-Bremse GmbH, München Sindelfingen
Bostik GmbH, OberurselfTaunus
Kolbenschmidt AG, Neckarsu lm SONAX GmbH, Neuburg
BLACK HAWK, Kehl
KS Gleitlager GmbH, St. Leon-Rot Stahlwille E. Wille
BMW Bayerische Motoren-Werke AG
KTM Sportmotorcycles AG Wuppertal
München/Berlin
Mattighofen/Österreich Steyr-Daimler-Puch AG
CAR-OLINER, Kungsör, Schweden
Kühnle, Kopp und Kausch AG Graz/Österreich
CAR BENCH INTERNATIONAL.S.P.A. Frankenthai/Pfalz
Massa/Italien Subaru Deutschland GmbH
Lemmerz-Werke, Königswinter Friedberg
Continental Teves AG & Co, OHG, Frankfurt luK GmbH, Bühl/Baden SUN Elektrik Deutschland
Celette GmbH, Kehl MAHLE GmbH, Stuttgart Mettmann
Citroen Deutschland AG, Köln Mannesmann Sachs AG, Schweinfurt Suzuki GmbH
Dataliner Richtsysteme, Ahlerstedt Mann und Hummel, Filterwerke Oberschleißheim/Heppenheim
Ludwigsburg Technolit GmbH, Großlüder
Deutsche BP AG, Harnburg
MAN Maschinenfabrik Telma Retarder Deutschland GmbH
DUNLOP GmbH & Co KG, Hanau/Main
Augsburg-Nürnberg AG
Ludwigsburg
ESSO AG, Harnburg München
Mazda Motors Deutschland GmbH Temic Elektronik, Nürnberg
FAG Kugelfischer Georg Schäfer KG aA
Ebern Leverkusen TOYOTA Deutschland GmbH, Köln
J . Eberspächer, Esslingen MCC- Mikro Compact Car GmbH UNIWHEELS GmbH, Bad Dürkheim
Böblingen
EMM Motoren Service, Lindau VARTA Autobatterien GmbH
Messer-Griesheim GmbH
Ford-Werke AG, Köln Hannover
Frankfurt/Main
Carl Freudenberg Mercedes Benz, Stuttgart Vereinigte Motor-Verlage GmbH & Co KG
Weinheim/Bergstraße Stuttgart
Metzeler Reifen GmbH
GKN Löbro, Offenbach/Main München ViewSonic Central Europe, Willich
Getrag Getriebe- und Zahnradfarbrik Michelin Reifenwerke KGaA Voith GmbH & Co KG, Heidenheim
Ludwigsburg Karlsruhe
Volkswagen AG, Wolfsburg
Girling-Bremsen GmbH, Koblenz Microsoft GmbH, Unterschleißheim
Volvo Deutschland GmbH, Brühl
Mitsubishi Electric Europe B.V.
Glasurit GmbH, Münster/Westfalen Wabco Westinghouse GmbH
Ratingen
Globaljig, Deutschland GmbH Mitsubishi MMC, Trebur Hannover
Cloppenburg Webasto GmbH, Stockdorf
MOBIL Oll AG, Harnburg
Glyco-Metaii-Werke B.V. & Co KG
NGK/NTK Europe GmbH, Ratingen Yamaha Motor Deutschland GmbH
Wiesbaden/Sehierstein
Neuss
Adam Opel AG, Rü sselsheim
Goetze AG, Burscheid
OSRAM AG, München ZF Getriebe GmbH, Saarbrücken
Grau-Bremse, Heidelberg
OMVAG, Wien ZF Sachs AG, Schweinfurt
Gutmann Messtechnik GmbH, lhringen
Oxigin-, Carmanin-LM-Räder, ZF Zahnradfabrik Friedrichshafen AG
Hazet-Werk, Hermann Zerver, Remscheid Unterensingen Friedrichshafen/Schwäbisch Gmünd
7

Inhaltsverzeichnis 3.2.2 Sachmängelhaftung, Garantie und


Kulanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Hinweise zur Verwendung des Buches 4,5 3.3 Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
3.3.1 Grundlagen der Kommunikation . . . . . . . 58
Firmenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 3.3.2 Beratungsgespräch . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
3.3.3 Reklamationsgespräch . . . . . . . . . . . . . . . 62
1 Kraftfahrzeug 11 3.4 Personalführung ..... . .... . ... . . ... .. 62
3.5 Verhalten des Mitarbeiters . . . . . . . . . . . . 63
1.1 Entwicklung des Kraftfahrzeugs .. . .. ... 11 3.6 Teamarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
1.2 Einteilung der Kraftfahrzeuge ... . . .. . .. 12 3.7 Auftragsabwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
1.3 Aufbau eines Kraftfahrzeugs . . . . . . . . . . 12 3.8 Datenverarbeitung im Autohaus . . . . . . . 68
1.4 Technisches System Kraftfahrzeug . . ... 13 3.9 Qualitätsmanagement im Kfz-Betrieb . . . 71
1.4.1 Technische Systeme . ...... . . . . . .... . 13
1.4.2 System Kraftfahrzeug ... .. . ... . . . .... 13 4 Grundlagen der Informationstechnik 75
1.4.3 Teilsysteme im Kraftfahrzeug . . . . . . . . . . 15
1.4.4 Einteilung technischer Systeme und 4.1 Hardware und Software . . . . . . . . . . . . . . 75
Teilsysteme nach der Verarbeitung . .. . . 16 4.2 EVA-Prinzip .. .. . . . .. .. . . . . . . .. . ... .. 75
1.4.5 Bedienung von technischen Systemen. . 17 4.3 Rechnerinterne Darstellung von Daten . . 76
1.5 Wartung und Instandhaltung . . . . . . . . . . 18 4.4 Zahlensysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
1.6 Filter, Aufbau und Wartung . . . . . . . . . . . 20 4.5 Aufbau eines Computersystems . . . . . . . 77
1.6.1 Luftfilter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 4.6 Datenkommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . 78
1.6.2 Kraftstofffilter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 4.6.1 Datenübertragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
1.6.3 Ölfilter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 4.6.2 Datenfernübertragung . . . . . . . . . . . . . . . . 80
1.6.4 Hydraulikfilter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 4.7 Datensicherung und Datenschutz . . . . . . 81
1.6.5 Innenraumfilter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
5 Steuerungs- und Regelungstechnik 82
1.6.6 Wartung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
1.7 Fahrzeugpflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 5.1 Grundlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
1.8 Betriebsstoffe, Hilfsstoffe . . . . . . . . . . . . . 28 5.1 .1 Steuern . .. ... ... . ... .. . . .... . . . ... . 82
1.8.1 Kraftstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 5.1 .2 Regeln ........ . . . . ... . ...... . . ... . . 83
1.8.2 Ottokraftstoffe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 5.2 Aufbau und Funktionseinheiten von
1.8.3 Dieselkraftstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Steuereinrichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
1.8.4 Kraftstoffe aus Pflanzen. . . . . . . . . . . . . . . 32 5.2.1 Signalglieder, Signalarten ,
1.8.5 Gasförmige Kraftstoffe . . . . . . . . . . . . . . . 34 Signalumformung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
1.8.6 Schmieröle und Schmierstoffe . . . . . . . . . 34 5.2.2 Steuerglieder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
1.8.7 Gefrierschutzmittel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 5.2.3 Stellglieder und Antriebsglieder . . . . . . . 88
1.8.8 Kältemittel ... . . ..... ... ........ . .... 40 5.3 Steuerungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
1.8.9 Bremsflüssigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 5.3.1 Mechanische Steuerungen . . . . . . . . . . . . 89
5.3.2 Pneumatische und hydraulische
2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb 41 Steuerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
2.1 Umweltschutz im Kfz-Betrieb . . . . . . . . . . 41 5.3.3 Elektrische Steuerungen . . . . . . . . . . . . . . 95
2.1.1 Umweltbelastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 5.3.4 Verknüpfungssteuerungen . . . . . . . . . . . 97
2.1 .2 Entsorgung . ...... . . . . . . .. ... .. . . .. . 41 5.3.5 Ablaufsteuerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
2.1.3 Altautoentsorgung . . . . . . . .. .. . . . . . .. . 44
6 Prüftechnik 99
2.1.4 Recycling .. ...... . ... .. .. .. ... ...... 45
2.2 Arbeitsschutz und Unfallverhütung. . . . . 47 6.1 Grundbegriffe der Längenprüftechnik . . . 99
2.2 .1 Grundsätze des Arbeitsschutzes . . . . . . . 47 6.2 M essgeräte ...... . . .... .. .. ... ... . . 101
2.2 .2 Gefährdungsbeurteilung . . . . . . . . . . . . . . 47 6.3 Lehren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
2.2.3 Sicherheitsmaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . 50 6.4 Taleranzen und Passungen . . . . . . . . . . . 107
2.2.4 Sicherheitszeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 6.5 Anreißen . . . .. . .. .... . ... .. . . . . .... 110
2.2.5 H-und P-Sätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
2.2.6 Am Arbeitsplatz beteiligte Institutionen . 52 7 Fertigungstechnik 111
7.1 Einteilung der Fertigungsverfahren . . . . 111
3 Betriebsorganisation, Kommunikation 53
7.2 Urformen .. . .... . . . . . . . . ... ... . . ... 113
3.1 Grundlagen der Betriebsorganisation . . . 53 7.3 Umformen.. .. .. .. ... .... . . . . . . .. . . 116
3.1.1 Organisation eines Autohauses. . . . . . . . 53 7 .3.1 Biegeumformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
3.1.2 Aspekte der Betriebsorganisation . . . . . . 54 7 .3.2 Zugdruckumformen. . . . . . . . . . . . . . . . . 118
3.2 Rechtliche Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . 56 7.3.3 Druckumformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
3.2.1 Vertragsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 7.3.4 Richten . .... . .... ... . . . .. .. . . ... . . . 121
8 Inhaltsverzeichnis

7.3.5 Blechbearbeitungsverfahren. .... .. . . 121 10.8 Hubverhältnis, Hubraumleistung,


7.4 Trennen durch Spanen . . . . . . . . . . . . . . 125 Leistungsgewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . 209
7.4.1 Grundlagen der spanenden Formung . 125
7.4.2 Spanende Formung von Hand .. ... .. 125 11 Motormechanik 210
7.4.3 Grundlagen der spanenden Formung 11.1 Kurbelgehäuse, Zylinder, Zylinderkopf 210
mit Werkzeugmaschinen ... ... ... . .. 132 11 .1.1 Zylinderkurbelgehäuse . . . . . . . . . . . . 210
7.5 Trennen du rch Zerteilen..... . . ... . .. 141 11 .1.2 Zylinderkopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213
7.5.1 Scherschneiden. . .. . ... ... . . ... . ... 141 11 .1.3 Zylinderkopfdichtu ng ...... ... . ... . 215
7.5.2 Keilschneiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 11.1 .4 Motoraufhängung . . . . . . . . . . . . . . . . 216
7.6 Fügen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 11.1.5 Zylinderkopfsch ra uben . . . . . . . . . . . . 216
7.6.1 Einteilung der Fügeverbindungen . . . . 143 11.2 Kurbeltrieb. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
7.6.2 Gewinde ..... .... ....... . ......... 144 11.3 Zweimassenschwungrad . . . . . . . . . . 232
7.6.3 Schraubverbindungen . ... ... ...... . 145 11 .4 Motorschmiersysteme. . . . . . . . . . . . . 233
7 .6.4 Stiftverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 11 .5 Motorkühlsysteme . . . . . . . . . . . . . . . 239
7.6.5 Nietverbindungen ..... ... .. ..... .. . 151 11 .5.1 Kühlungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
7.6.6 Durchsetzfügen (Ciinchen) .. . . ... .... 152 11.5.2 Luftkühlung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240
7.6.7 Welle-Nabe-Verbindungen . . . . . . . . . . 153 11 .5.3 Flüssigkeitskühlung . . . . . . . . . . . . . . . 240
7.6.8 Pressverbindungen .... ... ........ . . 154 11.5.4 Bauteile der Pumpenumlaufkühlung. 241
7.6.9 Schnappverbindungen . ........ . ... . 154 11.5.5 Kennfeldgesteuerte Kühlsysteme . . . 246
7.6.10 Löten .. ... ........... ... . ......... 155 11.5.6 Bauteile der Kennfeldkühlung . . . . . . 246
7.6.11 Schweißen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 11 .6 Motorsteuerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248
7.6.12 Kleben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 11 .7 Füllungsoptimierung . . . . . . . . . . . . . . 254
7.7 Beschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
12 Gemischbildung 270
8 Werkstofftechnik 166
12.1 Kraftstoffversorgungsanlagen bei
8.1 Werkstoffeigenschaften . . . . . . . . . . . . 166 Ottomotoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
8.2 Einteilung der Werkstoffe . . . . . . . . . . . 170 12.2 Gemischbildung bei Ottomotoren ... 275
8.3 Aufbau der metallischen Werkstoffe . . 171 12.3 Vergaser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278
8.4 Eisenwerkstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 12.4 Benzineinspritzung. ....... .... . . . . 279
8.4.1 Stahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 12.4.1 Grundlagen der Benzineinspritzung 279
8.4.2 Eisengusswerkstoffe... ...... .. .. . . . 173 12.4.2 Aufbau und Funktion der
8.4.3 Einfluss der Zusatzstoffe auf die elektronischen Benzineinspritzung . . 281
Eisenwerkstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 12.4.3 Betriebsdatenerfassung. . . . . . . . . . . . 282
8.4.4 Bezeichnung der Eisenwerkstoffe . ... . 175 12.4.4 Zentraleinspritzung . . . . . . . . . . . . . . . 288
8.4.5 Einteilung und Verwendung der Stähle 177 12.4.5 LH-Motronic . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292
8.4.6 Handelsformen der Stähle. .. .... .. . . 179 12.4.6 ME-Motronic. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298
8.4.7 Wärmebehandlung von 12.4.7 Benzin-Direkteinspritzung . . . . . . . . . . 302
Eisenwerkstoffen ........... .. . .. . .. 180 12.5 Gemischbildung bei Dieselmotoren 310
8.5 Nichteisenmetalle . . .. .. . ..... . .... . 184 12.5.1 Gemischverteilung/Lambdawerte
8.6 Kunststoffe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 beim Dieselmoto r . ... ....... . .. ... 310
8.7 Verbundwerkstoffe. . . . . . . . . . . . . . . . . 190 12.5.2 Verbrennungsablauf beim Dieselmotor 311
Reibung, Schmierung, Lager, 12.5.3 Vor-, Haupt- und Nacheinspritzung . . 311
Dichtungen 12.5.4 Verbrennungsablauf . ..... . ..... . . 312
191
12.5.5 Einlasskanalsteuerung .. .... .. . .... 313
9.1 Reibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 12.5.6 Dieseleinspritzverfahren . . . . . . . . . . . 313
9.2 Schmierung . .... ... . ... . . . ... .. . .. 192 12.6 Starthilfsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
9.3 Lager.. .... .. ... ... . ... ... .... .. . . 193 12.6.1 Glühstiftkerzen ....... . . .. . . .. . ... 314
9.4 Dichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 12.7 Einspritzanlagen für
Pkw-Dieselmotoren . . . . . . . . . . . . . . . 317
10 Aufbau und Wirkungsweise
12.7.1 Elektronische Dieselregelung EDC . .. 317
des Viertaktmotors 197
12.7.2 Common-Raii-Systeme .. ... .... ... 319
10.1 Ottomotor .. .. .. ................ .. 197 12.7.3 Common-Raii-Systeme mit Piezo-
10.2 Dieselmotor. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200 lnjektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326
10.3 Merkmale 4-Takt-Motoren . . . . . . . . . . . 202 12.7.4 Pumpe-Düse-System .. ....... ... .. 329
10.4 Arbeitsdiagramm . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 12.7.5 Elektronisch geregelte Axialkolben-
10.5 Steuerdiagramm . ...... . .... . .. .... 206 Verteilereinspritzpumpe (VE-EDC). . . 331
10.6 Zylindernummerierung, Zündfolgen . . 206 12.7.6 Radialkolben-Verteilereinspritzpumpe 333
10.7 Motorkennlinien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208 12.8 Einspritzdüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
Inhaltsverzeichnis 9

13
13.1
Schadstoffminderung
------
Abgasanl age . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
336
336
17.1.3
17.1.4
17.1.5
Selbsttragende Bauweise ... . . ... .
Werkstoffe im Karosseriebau . . . .. .
Sicherheit im Fahrzeugbau . ... . .. .
454
455
457
13.2 Schadstoffminderung beim Ottomotor 339
17.1 .6 Schadensbeurteilung und Vermessen 464
13.2.1 Abgaszusammensetzung . . . . . . . . . . 339
17.1 .7 Unfallschadensreparatur an selbst-
13.2.2 Verfahren zur Schadstoffminderung . 341
tragenden Aufbauten ... . . . .... . . . 468
13.2.3 Diagnose und Wartung (AU). .. .. .. 347
17.2 Korrosionsschutz an Kraftfahrzeugen 473
13.2.4 Europäische On Board Diagnose . . . . 348
17.3 Fahrzeuglackierung ..... . . ... . .. . . 474
13.3 Schadstoffminderung beim
Dieselmotor. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352 18 Fahrwerk 478
14 Otto-Zweitaktmotor, 18.1 Fahrdynamik ...... .. .. .. . . . .. .. . 478
Kreiskolbenmotor 358 18.2 Grundlagen der Lenkung .. .. .. .. . . 480
18.3 Lenkgetriebe . .. ... . ... . .. ..... . . 481
14.1 Zweitaktmotor. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 358
18.4 Hilfskraftlenksysteme ... ....... . . . 481
14.2 Wankelmotor, Kreiskolbenmotor . . . . 365
18.4.1 Zahnstangen-Hydrolenkung .. . . . . . 481
15 Alternative Antriebskonzepte 367 18.4.2 Elektrohydraulische Servolenkung . . 482
18.4.3 Elektrische Servolenkung ...... . .. . 483
15.1 Alternative Energieträger . . . . . . . . . . 367 18.4.4 Überlagerungslenkungen . . .. .. .. . 485
15.2 Erdgasantriebe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367 18.5 Radstellungen . .. .. .. .. . ... . . ... . 489
15.3 Flüssiggasantriebe . . . . . . . . . . . . . . . . 369 18.6 Fahrwerksvermessung .. .. . .. . . . . . 492
15.4 Hybridantriebe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 18.7 Radaufhängungen ....... . .. . . . . . 496
15.5 Elektrofahrzeuge. . . . . . . . . . . . . . . . . . 392 18.8 Federung .. .. . . . ..... . .... . .... . 501
15.6 Antriebe mit Brennstoffzellen . . . . . . . 393 18.8.1 Aufgabe der Federung . .. . . . .. . . . 501
15.7 Verbrennungsmotoren mit 18.8.2 Wirkungsweise der Federung . . . . . . 501
Wasserstoffbetrieb. . . . . . . . . . . . . . . . 395 18.8.3 Federarten .. ... .. .. .. ........ . . . 503
15.8 Verbrennungsmotoren mit 18.8.4 Schwingungsdämpfer ... .... .. . . . 507
Pflanzenölbetrieb . . . . . . . . . . . . . . . . . 395 18.8.5 Active Body Control (ABC) .. ... . . . . 513
16 Antriebsstrang 396 18.9 Räder und Reifen . .. .. .. . . ... . . . . . 516
18.9.1 Rad-Reifensystem . . . . . . . . ...... . . 516
16.1 Antriebsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 396 18.9.2 Räder . .. .. ... .. .... . ...... . .. . . 516
16.2 Kupplung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398 18.9.3 Radbefestigungen .. .. ..... .. . . . . . 518
16.2.1 Reibungskupplung . . . . . . . . . . . . . . . . 398 18.9.4 Ventile .. . .. ... ... . . . . ... . ... . . . . 519
16.2.2 Zweischeibenkupplung . . . . . . . . . . . . 405 18.9.5 Reifen ... . ........ ... . . .. . . . . . . . 520
16.2.3 Lamellenkupplung . . . . . . . . . . . . . . . . 405 18.9.6 Kräfte am Reifen ........... . . . . . . 525
16.3 Automatische Kupplungssysteme mit 18.9.7 Reifendruckkontrollsysteme .. .. .. . 527
Einscheibenreibungskupplung AKS . 406 18.10 Bffimen ...... . ................ . 529
16.4 Automat. Kupplungssysteme mit 18.10.1 Bremsvorgang . .. . . .. ... ..... ... . 531
Doppelkupplungen . . . . . . . . . . . . . . . . 407 18.10.2 Hydraulische Bremse . .. . ... . . . . . . 531
16.5 Wechselgetriebe. . . . . . . . . . . . . . . . . . 411 18.10.3 Bremskreisaufteilung ... . . ... . . . . . 532
16.6 Handgeschaltete Wechselgetriebe . . . 412 18.10.4 Hauptzylinder . .. . ....... .. . .. .. . 532
16.7 Automatische Getriebe. ...... . . ... 417 18.10.5 Trommelbremse . ... . . . . .. .. . . . . . 534
16.7.1 Automatisierte Schaltgetri ebe . . . . . . 417 18.10.6 Scheibenbremse ... ... . . . . . .... . . 536
16.7.2 Gestufte Automatik-Getriebe 18.10.7 Bremsbeläg e . . . ... . ..... . . . .... . 539
mit hydrodynamischem Wandler . . . 421 18.10.8 Feststellbremssysteme . ... . . .. .. . . 539
16.7.3 Elektro-hyd. Getriebesteuerung . . . . . 427 18.10.9 Diagnose und Wartung an der
16.7.4 Adaptive Getriebesteuerung ........ 434 hydraulischen Bremsanlage . .. ... . 540
16.7.5 Stufenlose Automatik-Getriebe mit 18.10.10 Hilfskraftbremse .. . . . ..... . ..... . 542
Schubgliederband oder Lasch enkette 435 18.10.11 Bremskraftverteilung . . . .. . .. . .... 543
16.8 Gelenkwellen, Antriebswellen, Gelenke 437 18.10.12 Mechanisch betätigte Bremse . . .... 544
16.9 Achsgetriebe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 440 18.10.13 Grundlagen elektronischer Fahrwerk-
16.10 Ausgleichsgetriebe. . . . . . . . . . . . . . . . 443 Regelsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545
16.11 Ausgleichssperren . . . . . . . . . . . . . . . . 444 18.10.14 Anti-Blockier-System (ABS) . . . . . . . . 546
16.12 Allradantrieb. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449 18.10.15 Antriebsschlupf-Regelung (ASR) ... 551
18.10.16 Fahrdynamik-Regelung (ESP, FDR ) . 552
17 Fahrzeugaufbau 454
18.10.17 Sensotronic Brake Control (SBC) . . . 554
17.1 Fahrzeugaufbau/Karosserie . . . . . . . . 454 18.10.18 Zusatzfunktionen Bremse . . . . ... . . 554
17.1.1 Getrennte Bauweise . . . . . . . . . . . . . . . 454 18.10.19 Bremsassistent (BAS) .. ... ... .... . 555
17.1.2 Mittragende Bauweise . . . . . . . . . . . . . 454 18.10.20 Notbremsassistent, Active Brake Assist 555
10 Inhaltsverzeichnis

20.4 Fahrerassistenzsysteme . . . . . . . . . . . 706


19 Elektrotechnik 556
20.4.1 Geschwindigkeitsregelanlage. . . . . . . 706
19.1 Grundlagen der Elektrotechnik. . . . . 556 20.4.2 Adaptive Fahrgeschwindigkeitsrege-
19.1.1 Elektrische Spannung . .......... . . 557 lung (Adaptive Cruise Control, ACC) . 706
19.1.2 Elektrischer Strom. . . . . . . . . . . . . . . . 557 20.4.3 Einparkhilfe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 708
19.1.3 Elektrischer Widerstand. . . . . . . . . . . 559 20.4.4 Parkassistent. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 708
19.1.4 Ohmsches Gesetz . . . . . . . . . . . . . . . . 561 20.4.5 Kamerabasierte Einparkhilfen ... . .. .. 709
19.1.5 Leistung, Arbeit, Wirkungsgrad . . . . 561 20.4.6 Spurwechselassistent . . . . . . . . . . . . . 709
19.1.6 Schaltung von Widerständen . . . . . . 562 20.4.7 Spurhalteassistent . . . . . . . . . . . . . . . . 710
19.1.7 Messungen im el. Stromkreis. . . . . . 563 20.5 Infotainmentsysteme. . . . . . . . . . . . . . 710
19.1.8 Wirkungen des elektrischen Stromes 571 20.5.1 Betriebs- und Fahrdatenanzeige. . ... 710
19.1.9 Schutz vor den Gefahren des 20.5.2 Navigationssysteme . . . . . . . . . . . . . . 711
elektrischen Stromes . . . . . . . . . . . . . 572 20.5.3 Handy-Halterung mit gekoppelter
19.1.10 Spannungserzeugung . . . . . . . . . . . . 574 Freisprecheinrichtung . . . . . . . . . . . . . 712
19.1.11 Wechselspannung und
Wechselstrom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 576
19.1 .12 Dreiphasenwechselspannung und 21 Zweiradtechnik 713
Drehstrom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577 21.1 Kraftradarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 713
19.1.13 Magnetismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577 21 .2 Kraftradmotoren.... . .... . . . ...... 716
19.1.14 Selbstinduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 579 21.3 Auspuffanlage.. . ... . . . .... . . . . . .. 716
19.1.15 Kondensator . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 580 21.4 Gemischbildung......... . . . ...... 717
19.1 .16 Elektrochemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 580 21.5 Motorkühlung... . .... . . . . . ....... 718
19.1.17 Elektronische Bauelemente . . . . . . . . 582 21 .6 Motorschmierung.. .. ..... .. ...... 718
19.2 Anwendungen der Elektrotechnik. . . 593 21.7 Kupplung . ........... . .......... . 719
19.2.1 Schaltpläne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 593 21.8 Antriebsstrang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 720
19.2.2 Zusatzangaben und Kennzeich-
21.9 Elektrische Anlage . . . . . . . . . . . . . . . . 722
nungen in Stromlaufplänen . . . . . . . . 595
21.10 Fahrdynamik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 725
19.2.3 Verwendung von Stromlaufplänen 596
21 .11 Motorradrahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . 726
19.2.4 Gesamtstromlaufplan Grund-
21.12 Radführung, Federung, Dämpfung . . 727
ausstattung eines Kraftfahrzeugs. . . 597
21 .13 Bremsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 729
19.2.5 Signalgeber. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 605
21.14 Räder, Reifen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 731
19.2.6 Relais .. ..... . ...... ... . ... ... .. 606
19.2.7 Beleuchtung im Kfz . . . . . . . . . . . . . . . 608
19.2.8 Leuchtmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 609 22 Nutzfahrzeugtechnik 734
19.2.9 Spannungsversorgung. . . . . . . . . . . . 617 22.1 Einteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 734
19.2.10 Drehstromgenerator. . . . . . . . . . . . . . 624 22.2 Abmessungen von Nfz . . . . . . . . . . . . 735
19.2.11 Bordnetzmanagement . . . . . . . . . . . . 633
22.3 Zulässige Massen von Nfz . . . . . . . . . 735
19.2.12 Elektrische Motoren . . . . . . . . . . . . . . 635
22.4 Beladungsvorschriften. . . . . . . . . . . . . 735
19.2.13 Zündanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 642
22.5 Nfz-Motoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 736
19.2.14 Sensoren .. . .. . .............. . .. 659
22.6 Einspritzanlagen für Nfz-Diesel-
19.2.15 Hochfrequenztechnik .......... ... 663
motoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 737
19.2.16 Elektromagnetische Verträglichkeit . 668
22.6.1 Common-Raii-System für Nfz .. . .. .. 738
19.2.17 Datenübertragung im Kraftfahrzeug. 670
22.6.2 Pumpe-Leitung-Düse-Einheit . . . . . . . 743
19.2.18 Messen, Testen, Diagnose .. . .. . .. . 684
22.6.3 Starthilfsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . 744
22.6.4 Schadstoffminderung bei Diesel-
20 Komforttechnik 688
Ntz-Motoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 744
20.1 Belüftung, Heizung, Klimatisierung . 688 22.7 Antriebsstrang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 746
20.2 Diebstahlschutzsysteme. . . . . . . . . . . 695 22.8 Fahrwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 749
20.2.1 Wegfahrsperre. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 695 22.8.1 Federung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 749
20.2.2 Zentralverriegelung . . . . . . . . . . . . . . 696 22.8.2 Räder und Bereifung . . . . . . . . . . . . . . 752
20.2.3 Passiver Zugang . . . . . . . . . . . . . . . . . 699 22.8.3 Druckluftbremsanlage . . . . . . . . . . . . . 753
20.2.4 Diebstahlwarnanlage (DWA) . . . . . . . 701 22.9 Startanlagen für Nutzfahrzeuge . . . . . 765
20.3 Komfortsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . 703
20.3.1 Verdeckbetätigung . . . . . . . . . . . . . . . 703 23 Abkürzungen und Englische Begriffe 769
20.3.2 Komfortsitze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 704
20.3.3 Elektron. Scheibenwischerregelung. 705
20.3.4 Elektrisch verstellbare Außenspiegel 705 24 Sachwortverzeichnis 773
11

I l<raftfahrzeug
1. 1 Entwicklung des Kraftfahrzeugs
1860 Der Franzose Lenoir baut den ersten mit
Leuchtgas betriebenen Verbrennungsmotor.

Wirkungsgrad etwa 3 %.
1867 Otto und Langen zeigen auf der Pariser Welt-
ausstellung einen verbesserten Verbren-
nungsmotor. Wirkungsgrad etwa 9 %.
Fo rdT-M odell, 1908 VW-Käf er, 1938
2,9 I, 15,7 kW bei 985 cm 3 , 17,3 kW bei
1600 m in- 1, 70 km/h 30 00 min- 1, 100 km /h

Bild 3: Ford T-Modell und VW-Käfer

1897 Erstes Elektromobil von Lohner-Porsche


(Bild 2).
1913 Einführung der Fließbandfertigung durch
Daim ler M ot o rrad, 1885 Benz Pate nt-M oto rwagen, 1885
1 Zy li nder, Bo hrun g 58 mm 1 Zy lin der, Boh ru ng 91,4 mm Ford. Produktion der Tin-Lizzy (T-Modell,
Hub 100 mm, 0,26 I Hub 150 mm , 0,99 I Bild 3). 1925 laufen bereits 9109 Fahrzeuge
0,37 kW bei 600 mi n- 1 , 12 km /h 0,66 kW bei 400 min- 1, 15 km/h
an einem Tag vom Fließband.
Bild 1: Daimler Motorrad und Benz Motorwagen 1916 Bayerische Motorenwerke gegründet.
1923 Erste Lastkraftwagen mit Dieselmotoren
1876 Otto baut den ersten Gasmotor mit Verdich-
von Benz-MAN (Bild 4).
tung in Viertakt-Arbeitsweise. Fast gleichzei-
tig baut der Engländer Clerk den ersten Zwei- 1936 Daimler-Benz baut serienmäßig Pkw mit
taktmotor mit Gasbetrieb. Dieselmotoren .
1938 Gründung des VW-Werkes in Wolfsburg.
1883 Daimler und Maybach entwickeln den ersten
schnelllaufenden Viertakt-Benzinmotor mit 1949 Erster Niederquerschnittsreifen und erster
Glührohrzündung. Stahlgürtelreifen von Michelin .
1885 Erstes Automobil von Benz (1886 patentiert). 1954 NSU-Wankel baut den Kreiskolbenmotor
Erstes motorgetriebenes Zweirad von Daim- (Bild4).
ler (Bild 1).
1886 Erste Vierradkutsche mit Benzinmotor von
Daimler (Bild 2).
1887 Bosch erfindet die Abreißzündung . NSU-Spid er mit W ankelmoto r,
Benz-M A N Last wagen, 5 K 3 1963, 500 cm 3 , 37 kW bei
1889 Der Engländer Dunlop stellt erstmals pneu- 1. Di esel-LKW, 1923 6000 min- 1, 153 km/h
matische Reifen her.
Bild 4: Lkw mit Dieselmotor, Pkw mit Wankelmotor
1893 Maybach erfindet den Spritzdüsenvergaser.
Diesel patentiert das Arbeitsverfahren für 1966 Elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung
Schwerölmotoren mit Selbstzündung. (D-Jetronic) von Bosch eingeführt.
1897 MAN stellt den ersten betriebsfähigen Die- 1970 Sicherheitsgurte für Fahrer und Beifahrer.
selmotor her. 1978 Das Anti-Blockiersystem (ABS) wird bei Brem-
sen erstmalig von Mercedes-Benz eingebaut.
1984 Einführung von Airbag und Gurtstraffer.
1985 Einführung von geregelten Katalysatoren
(Lamdasonde) für bleifreies Benzin.
1997 Elektronische Fahrwerk-Regelsysteme (ESP).
Toyota baut ersten Pkw mit Hybridantrieb.
Alfa Romeo führt das Common-Rail Direct ln-
Daim ler M otorwa gen, 1886 Elektrom o bil , 1897
1 Zyl inder, Bo hrung 70 mm System Lohner-Pe rsehe jection (CDI)-System bei Dieselmotoren ein .
Hub 120 mm , 0,461 Transmi ssio nsloser Antri eb
0,8 kW bei 600 min- 1 , 18 km /h m it Radn aben-El ektro motor
ab 2000 Fahrerassistenzsysteme wie z.B. Einpark-
hilfen, Abstandswarner, Spurwechselassis-
Bild 2: Daimler Motorwagen und 1. Elektromobil tenten .
12 1 l<raftfahrzeug

• 1.2 Einteilung der Kraftfahrzeuge • Nutzkraftwagen (Nkw). Sie sind zum Transport
von Personen , Gütern und zum Ziehen von An-
hängefahrzeugen bestimmt. Personenkraftwagen
Straßenfahrzeuge sind alle Fahrzeuge, die zum
sind keine Nutzkraftwagen.
Betrieb auf der Straße vorgesehen sind und nicht
an Gleise gebunden sind (Bild 1). Einspurige Kraftfahrzeuge
Krafträder sind einspurige Kraftfahrzeuge mit 2 Rä-
Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt, die Kraftfahr- dern . Sie können einen Beiwagen mitführen, wobei
zeuge und die Anhängefahrzeuge. Kraftfahrzeuge die Eigenschaft als Kraftrad erhalten bleibt, wenn
besitzen immer einen maschinell en Antrieb. das Leergewicht von 400 kg nicht überschritten wird .
Auch das Ziehen eines Anhängers ist möglich . Zu
den Krafträdern zählen
• Motorräder. Sie sind mit festen Fahrzeugteilen
(Kraftstoffbehälter, Motor) im Kniebereich und
mit Fußrasten ausgestattet.
• Motorroller. Sie verfügen über keine festen Teile
im Kniebereich, die Füße stehen auf einem Bo-
denblech .
• Fahrräder mit Hilfsmotor. Sie haben Merkmale
Nutzkraftwagen von Fahrrädern , z. B. Tretkurbeln (Moped, Mofa) .

~
t
Kraftomnibus
1.3 Aufbau eines Kraftfahrzeugs
Lastkraftwagen

Zugmaschine Ein Kraftfahrzeug besteht aus Baugruppen und


deren einzelnen Bauteilen.

Die Festlegung der Baugruppen und die Zuordnung


Bild 1: Übersicht Straßenfahrzeuge von Baugruppen zueinander ist nicht genormt. So
kann z.B. der Motor als eigene Baugruppe gelten ,
Zweispurige Kraftfahrzeuge oder er wird als Unterbaugruppe dem Triebwerk zu -
Kraftwagen gelten als zwei- oder mehrspurige Kraft- geordnet.
fahrzeuge. Dazu zählen : Eine in diesem Buch vorgenommene Möglichkeit
• Personenkraftwagen (Pkw). Sie sind hauptsäch- ist die Einteilung in die 5 Haupt-Baugruppen Motor,
lich zum Transport von Personen, deren Gepäck Antriebsstrang , Fahrwerk, Fahrzeugaufbau und elek-
oder von Gütern bestimmt. Sie können auch trische Anlage.
Anhänger ziehen. Die Zahl der Sitzplätze ist ein- Die Zuordnung der Baugruppen und Bauteile ist im
schließlich Fahrer auf 9 beschränkt. Bild 2 dargestellt.

A usg leichsget ri ebe

Bild 2: Aufbau eines Kraftfahrzeugs


1 l<raftfahrzeug 13

1 . 4 Technisches System Kraftfahrzeug

Sicherheitseinrichtung:
z.B. Airbag ; Gurtstraffer
II
Stütz- und Trageinheit:
z.B. Karosserie

Steuerungs- und Regeleinheiten:


z.B . Antiblockiersystem

Übertragungseinheit:
z.B. Fahrwerk

Antriebseinheit: Übertragungseinheit:
Motor z.B. Fahrwerk

Bild 1: System Kraftfahrzeug mit seinen Funktionseinheiten

1.4.1 Technische Systeme Das Rechteck bildet die Systemgrenze (gedachte


Grenze). welche ein technisches System von anderen
Jede Maschine bildet ein technisches Gesamtsystem. Systemen und/oder von seiner Umgebung abgrenzt.
Merkmale technischer Systeme:
Die einzelnen Systeme sind gekennzeichnet
• Sie sind nach außen abgegrenzt.
• Sie besitzen einen Eingang und Ausgang. durch:
• Von Bedeutung ist nur die Gesamtaufgabe, • Eingabe (Eingangsgrößen, Input) von außer-
nicht die Einzelaufgabe, die innerhalb des Sys- halb der Systemgrenze
tems gelöst wird . • Verarbeitung innerhalb der Systemgrenzen
• Ausgabe (Ausgangsgröße, Output). die über
die Systemgrenzen an die Umgebung geht
Grafisch stellt man ein technisches System durch ein
(EVA-Prinzip)
Rechteck dar (Bild 2).

Bewegungs-
Kraftfahrzeug
Luft energie
> 1.4.2 System Kraftfahrzeug

~
Abgas Das Kraftfahrzeug ist ein komplexes technisches
>
System, bei dem verschiedene Teilsysteme zusam-
Kraftstoff Wärme
> menwirken, um eine bestimmte Gesamtfunktion zu
Systemgrenze erfüllen.
Die Gesamtfunktion eines Personenkraftwagens ist
Bild 2: Allgemeine Systemdarstellung am Beispiel eines die Personenbeförderung, die Gesamtfunktion eines
Kraftfahrzeugs Lastkraftwagens ist der Gütertransport.

Die Eingangs- und Ausgangsgrößen werden als Funktionseinheiten eines Kfz


Pfeile gekennzeichnet. Die Anzahl der Pfeile hängt Systeme, die einen Funktionsablaufunterstützen sind
von der Anzahl der jeweiligen Eingangs- bzw. Aus- in Funktionseinheiten zusammengefasst (Bild 1).
gangsgrößen ab. Durch Kenntnis der Funktionsabläufe in den Funk-
14 1 l<raftfahrzeug

• tionseinheiten z.B. Motor, Antriebsstrang, kann das


Gesamtsystem Kraftfahrzeug im Hinblick auf War-
tung, Diagnose und Reparatur besser verstanden
werden.
Dieses Prinzip lässt sich auf jedes technische System
anwenden. Das Kraftfahrzeug besteht unter ande-
rem aus folgenden Funktionseinheiten:
Funktionseinheit: Fahrzeugaufbau als Stütz- und
Trageinheit, z.B. Karosserie

• Antriebseinheit
• Übertragungseinheit
• Stütz- und Trageinheit
• Elektrohydraulische Anlagen
(z.B. Steuer- und Regeleinheiten)
• Elektrische, elektronische Anlagen
(z.B. Sicherheitseinrichtungen)
Jede Funktionseinheit übernimmt eine bestimmte
Teilfunktion. Teilfunktion: Stützen und tragen, Aufnahme
aller Teilsysteme
Funktionseinheit: Antriebseinheit-Motor
Funktionseinheit: Elektro-hydraulische Anlagen
(Steuer- und Regeleinheiten
z.B. ABS, ESP usw.)

Lenkradwinkel- 2 Drucksensoren am Gierratensensor Raddrehzant-


Tandem-Haupttylinder

Antiblockiersystem
Automatische Regelung der Bremskraftverteilung
Antriebsschlupfregelung
Automatjsche Regelu n q des Giermomentes
Teilfunktion: Stellt Antriebsenergie bereit Elektronisches Stabilitätsprogramm

Teilfunktion: Aktiver Schutz der Insassen,


Funktionseinheit: Übertragungseinheit Verbesserung der Fahrdynamik
z.B. Antriebsstrang
Funktionseinheit: Elektr., elektron. Anlagen
(Sicherheitseinrichtungen,
wie z.B. Airbag, Gurtstraffer)

Teilfunktion: Übertragen der mechanischen


Energie der Antriebseinheit auf
die Antriebsräder Teilfunktion: Passiver Schutz der Insassen
1 l<raftfahrzeug 15

I
I
I
Gesamtsystem Kraftfahrzeug

I
I
Funktionseinheiten
I
I
l

I

I I I I I
Übertragungs- Stütz- und
Antriebseinheit Elektrische
einheit Fahrwerk Trageinheit
Motor Anlage
Antriebsstrang Fahrzeugaufbau

I I I I I
Teilsysteme
1
I I I I J
z.B.: z.B.: z.B.: z.B.: z.B.:
• Motorsteuerung • Kupplungs- • Federung • Karosserie • Beleuchtung
• Kurbeltrieb system • Bremsen • Seitenaufprall- • Zündung
• Motor- • Getriebe • Räder schutz • Daten-
schmierung • Gelenkwellen • Reifen • Rahmen Übertragungs-
• Motorkühlung • Achsgetriebe systeme
• Abgassystem • Komfort-
syst eme
• Luftsysteme

Bild 1: Systemverbund eines Kraftfahrzeugs

Dam it ein Kraftfahrzeug seine Hauptfunktionen er- 1.4.3 Teilsv_ste1I1.elm..Kraftfe..u.gl---- - -


füllen kann, müssen verschiedene Teilsysteme zu-
sammenwirken (Bild 1). Je enger man die System- Für jedes Tei lsystem gi lt das EVA-Prinzip (Bild 3).
grenze zieht, desto kleiner werden die Teilsysteme
bis man schließlich zu den einzelnen Bautei len ge-
langt.

Gesamtsystem Kraftfahrzeug
Legt man die Systemgrenze um das Kraftfahrzeug,
so grenzt man es in der Systembetrachtung gegen Getriebe Gelenkwelle ant r ieb räd er
die Umwelt wie Luft und Fahrbahn ab. Eingangssei-
• Motordrehzahl • Ausgangsdrehzahl
tig überschreiten nur Luft und Kraftstoff die System- • Motor- • Ausgangs-
grenze und ausgangsseitig nur Abgas-, Beweg ungs- drehmoment drehmoment
sowie Wärmeenergie (Bild 2, Bild 3). • Motorleistung • Ausgangsleistung
Eingabe Verarbeit ung Ausgabe

Bild 3: Teilsystem Getriebe


Eingabe (Input) Ausgabe (Output)
Eingabe. Auf der Eingangsseite des Getriebes wir-
Systemgrenze ken die Motordrehza hl, das Motordrehmoment und
die Motorleistung.
Verarbeitung V erarbeitung. Im Getriebe werden Drehzah l und
Drehmoment gewandelt.
Abgas
+-+ A usgabe. Auf der Au sgangsseite werden Abtriebs-
d rehzahl, Abtriebsdrehmoment und Abtriebsleis-
tung, sowie Wärm e abgegeben.
(chemisch (mecha- Wirkungsgrad. Die Abtriebsleistung ist um die Ver-
gebundene L,__ _ _ _ _ _ _ _ _ ____. nische
Energie) Energie) luste im Getri ebe vermind ert.
Umwelt (Luft, Straße)
Das Tei lsystem Getriebe ist über weitere Tei lsys-
teme, wie z.B. Gelenkwelle, Achsgetriebe, Antriebs-
Bild 2 : System Kraftfahrzeug wellen mit den Antriebsrädern verkettet.
16 1 l<raftfahrzeug

• 1.4.4 Einteilung technischer Systeme und


Teilsysteme nach der Verarbeitung_
Technische Systeme (Bild 1) werden nach der Art der
Verarbeitung innerhalb der Systeme unterschieden:
• Stoffumsetzende Systeme z.B. Kraftstoffförder-
anlage
Beispiele für stoffumsetzende Systeme in einem
Kraftfahrzeug:
• Schmiersystem, dabei sorgt die Ölpumpe für den
Stoffumsatz.
• Kühlsystem, hier sorgt die Wasserpumpe für den
Stoffumsatz und somit für den Wärmetransport.

• Energieumsetzende Systeme z.B. Verbrennungs- Energieumsetzende Systeme


motor
Bei energieumsetzenden Systemen wird eine
• Informationsumsetzende Systeme z.B. Bordcom- dem System zugeführte Energie in eine andere
puter, Lenkung Energieform umgewandelt.

Zu diesen Systemen zählen alle Kraftmaschinen wie


Verbrennungs- und Elektromotoren, Dampf- und
Gasmaschinen, sowie Energieanlagen z.B. Heiz- und
Photovoltaikanlagen, Brennstoffzellen.
Nach der Art der Energieumsetzung unterscheidet
man zwischen:
• Wärmekraftmaschinen, wie Otto- und Dieselmo-
toren oder Gasturbinen
• Wasserkraftmaschinen, wie Wasserturbinen


Informations-
umsetzung
D Stoff-
umsetzung
• Energie-
umsetzung
• Windkraftmaschinen, wie windgetriebe Genera-
toren
• Solaranlagen, wie Photovoltaikanlagen
Bild 1: Systeme unterteilt nach Art der Verarbeitung
• Brennstoffzellen
in einem Verbrennungsmotor wird die chemische
Energ ie des Kraftstoffs zunächst in W ärmeenergie
und dann in mechanische Bewegungsenergie um-
Stoffumsetzende Systeme gewandelt (Bild 2).

Mit stoffumsetzenden Systemen werden Stoffe Krattst off-Luftgern isch chemische


so verändert, dass sie eine Form erhalten (Form- Energie

~
änderung) oder sie werden von einem Ort zum
Verbrenn ung
anderen transportiert (Lageänderung).
Wärm eenerg ie

n
Fördermittel oder einfache Maschinen dienen dem
Stofftransport. Werkzeugmaschinen übernehmen
die Stoffumformung. Beim Stofftransport wird z.B.
Drehmoment an m echanische
eine ruhende Flüssigkeit (Benzin im Kraftstoffbehäl- der Kurbelwelle Energi e
ter) durch eine Pumpe in Bewegung gebracht und
zur Einspritzanlage befördert. Um diese Umsetzung Bild 2: Energieumsetzung eines Ottomotors
durchführen zu können, muss den Arbeitsmaschi-
nen, z.B. Kraftstoffpum pe, elektrische Energi e zug e- Dabei können zusätzliche Stoff- und Informations-
führt w erden. flüsse auftreten. Da sie in energieumsetzenden M a-
schinen eine Nebenfunktion ausüben, werden sie
Übersicht über stoffumsetzende Systeme: meist nicht aufgeführt.
Maschinen zur Formänderung sind z.B. Werkzeug- Der Stofffluss (Eintritt des Kraftstoffes und Austritt
maschinen, wie Bohr-, Fräs- und Drehmaschinen der Abgase) sowie der Informationsfluss (Kraftstoff-
oder Maschinen, die in Gießereien oder Presswer- Luft-Gemisch, Drehzahlregelung, Lenkung etc.) stel-
ken Verwendung finden, wie Pressen. len nur Nebenfunktionen dar.
Maschinen zur Lageänderung beinhalten alle För- Energieumsetzendes System. Die Umwandlung
deranlagen und M aschinen, die zum Transport von der chemischen Energi e des Kraftstoffes in d ie zum
festen Stoffen (Förderbänder, Gabelstapler, Lkw, Antrieb des Kraftfahrzeuges benötigte Bewegungs-
Pkw), Flüssigkeiten (Pumpen) oder Gasen (Gebläse, energie steht im Vordergrund, deshalb ist der Ver-
Turbinen) dienen. brennungsmotor ein energieumsetzendes System.
1 l<raftfahrzeug 17

Informationsumsetzende Systeme

Sie dienen zur Übermittlung von Informationen,


der Verarbeitung und Übertragung von Daten
und der Kommunikation .

Informationsumsetzende Systeme und Übertra-


gungssysteme, z.B. Steuergeräte, CAN-Bus-Con-
• Angaben zu zulässigen Betriebsstoffen , z.B. Mo-
toröle
• Technische Daten
• Notdienstadressen

Betrieb. Kraftfahrzeuge und Maschinen dürfen nur


von qualifizierten und berechtigten Personen betrie-

troller, Diagnosegeräte ( .. Tester"). sind für den Be- ben werden.
trieb und die Wartung moderner Fahrzeuge unent-
behrlich . Vorgeschrieben ist z.B., dass .. .
• ... der Führer eines Personenkraftwagens im
Informationen. Es sind Kenntnisse über Sachverhal- öffentlichen Verkehrsraum die erforderliche
te und Vorgänge. ln einem Kraftfahrzeug sind z.B. Fahrerlaubnis der Klasse B besitzt.
Motortemperatur, Fahrgeschwindigkeit, Lastzustand
• ... eine Hebebühne in der Kfz-Reparaturwerkstatt
Informationen, die für den Betrieb des Fahrzeugs er-
nur von über 18 Jahre alten Personen bedient
forderlich sind . Die Informationen werden als Daten
werden darf, wenn sie entsprechend unterwie-
z.B. von einem Steuergerät zum anderen übertra-
sen und zur Bedienung berechtigt sind.
gen. Sie werden aus den Signalen gewonnen .
• ... der Führer eines Lkw's mit Ladekran im Besitz
Signale. Sie sind die physikalische Darstellung von eines Kranführerausweises ist.
Daten .
Damit ist gewährleistet, dass der Fahrer eines Lkw's
Im Kraftfahrzeug werden Signale von Sensoren, z.B.
mit Ladekran das Fahrzeug richtig abstützt (Bild 1),
für Drehzahl, Temperatur, Drosselklappenstellung
die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) einhält, im
erzeugt.
Umgang mit Lastaufnahmemittel geschult ist und
den Ladekran sachkundig bedienen kann .
Beispiel für informationsumsetzende Systeme in
einem Kraftfahrzeug :
0 2 4 6 8 10m12
• Motorsteuergerät. Es erfasst und verarbeitet alle I I 14
:-
relevanten Daten, um den Motor auf die jeweilige c- 5~5ok} I m
Betriebsbedingung optimal anzupassen . ,__ 58,4kN ~
12

• Bordcomputer. Er informiert z.B. den Fahrer über


-
f-- I I 10
6600kg
den durchschnittlichen bzw. momentanen Kraft- 64,7 kN ~f---
f--- 8
stoffverbrauch, die Reichweite, die Durchschnitts-
geschwindigkeit und die Außentemperatur. P'--- \= 6
f-- :-

't:~
\- 4
j-

1.4.5 Bedienung von technischen


Systemen
s
"""'\\' ~0
I 7400 kg 3860 kg
I
5830kg 2820kg
2180 kg

1750kg
2

Für die Bedienung und Instandhaltung von Kraft- Bild 1: Richtige Belastung eines Ladekrans
fahrzeugen sind umfangreiche Systemkenntnisse
notwendig . Um einen umweltschonenden und si-
cheren Betrieb des Fahrzeugs zu gewährleisten wird WIEDERHOLUNGSFRAGEN
vom Hersteller eine Betriebsanleitung mitgeliefert. 1 Durch welche Größen ist ein technisches System
gekennzeichnet?
Betriebsanleitungen enthalten unter anderem:
2 Was versteht man unter dem EVA-Prinzip?
• Systembeschreibungen
3 Welche Funktionseinheiten kann man bei einem
• Erläuterungen zu Funktionen Kfz unterscheiden?
• Systemdarstellungen 4 Nennen Sie drei Teilsysteme eines Kfz, sowie de-
• Funktionsskizzen ren Eingangs- und Ausgangsgrößen.
• Anleitungen zur sachgerechten Bedienung und 5 Welches ist die Hauptfunktion eines energieumset-
Anwendung zenden Systems?

• Wartungs- und Inspektionspläne 6 Welche Daten kann man einer Betriebsanleitung


entnehmen?
• Hinweise zu Betriebsstörungen
18 1 l<raftfahrzeug

• 1. 5 Wartung und Instandhaltung


Zur Erhaltung der Betriebssicherheit eines
Kraftfahrzeuges und auch zur Wahrung von
Gewährleistungsansprüchen ist fachkundige
Wartung und Instandhaltung entsprechend den
Herstellervorschriften, z.B. durch den Kunden-
Zur Berechnung der verbleibende Fahrstrecke bis
zur Inspektion werden neben dem Kilometerstand
verschiedene Einflussgrößen aufgezeichnet und in
die Berechnung mit einbezogen. Ist der Inspektions-
termin erreicht, wird dies dem Fahrer frühzeitig über
ein Display mitgeteilt (Bild 1). ln der Werkstatt wird
die Arbeit dann nach Inspektionsplan (Bild 1, Seite
dienst, notwendig. 19) ausgeführt.

Zur Durchführung werden vom Hersteller Instand- Ölwechselintervall. Es kann auf zwei Arten ermittelt
haltungspläne und Ersatzteilkataloge bereitgestellt werden:
sowie Reparaturanweisungen herausgegeben. Die- • Auf einer virtuellen Datenbasis, d.h. aus der zu-
se stehen z.B. als menügesteuerte Computerpro- rückgelegten Wegstrecke, dem dabei verbrauch-
gramme für Personalcomputer (PC) zur Verfügung. ten Kraftstoff und dem dabei durchlaufenen Tem-
Instandhaltung. Instandhaltungsarbeiten beinhalten: peraturprofil des Öls ergibt sich ein Maß für den
• Inspektion, z.B. Prüfen Verschleiß des Motoröls.
• Wartung, z.B. Ölwechsel, Schmieren, Reinigen • Dem tatsächlichen Ölzustand, d.h. der Ölzustands-
sensor ermittelt Füllhöhe und Qualität welche in
• Instandsetzung, z.B. Reparieren, Austauschen
Verbindung mit der zurückgelegten Fahrstrecke
Kundendienst. Fahrzeughersteller und Kfz-Werk- und der Motorlast berücksichtigt wird.
stätten bieten einen sachkundigen Kundendienst an.
So wird beispielsweise ein neues Kraftfahrzeug ord- Verschleißzustand Bremsbeläge. Der Verschleiß
nungsgemäß zur Erstinbetriebnahme dem Kunden der Bremsbeläge wird elektrisch ermittelt. Hat der
zur Übernahme bereitgestellt. Des weiteren werden Bremsbelag die Verschleißgrenze erreicht, wird
durch Fachpersonal Instandhaltungsarbeiten durch- eine Kontaktschleife im Belag durchtrennt. Aus der
geführt, die der Setreiber nicht selbst erledigen kann. Bremshäufigkeit, der Bremsbetätigungszeit sowie
Die zur Funktions- und Werterhaltung notwendigen den gefahrenen Kilometern wird die theoretisch ver-
Maßnahmen sind vom Hersteller in den Instand- bleibende Restfahrstrecke ermittelt, das Wechselin-
haltungsvorschriften festgelegt. Sie sind für Kraft- tervall festgelegt und dem Fahrer angezeigt.
fahrzeuge in Wartungs- und Instandhaltungspläne
festgehalten . Verschleißzustand lnnenraumfilter. Die Berechnung
Es werden folgende Serviceintervalle unterschieden: der verbleibenden Standzeit des Staub- und Pollen-
• Feste Serviceintervalle (Wartungsplan) filters erfolgt auf der Datenbasis von Außenlufttem-
• Flexible Serviceintervalle peratursensor, Heizungsnutzung, Umlufteinstellung,
Fahrgeschwindigkeit, Lüfterdrehzahl, Kilometer-
• Bedarfsgerechte Servicestrategien
stand und Datum.
Die Wartungs- und Inspektionsarbeiten sind
entsprechend vorgegebener Pläne durchzufüh-
ren. Die Ausführung der Arbeiten sind auf dem
Inspektionsplan zu kennzeichnen und durch Un-
terschrift vom ausführenden Mechaniker zu be-
stätigen.

Wartungsplan
Er gibt Auskunft über die festgelegte Service- bzw.
lnspektionszeitpunkte, z.B. soll nach 20.000 km oder
nach 12 Monaten Betriebszeit eine Hauptinspektion
durchgeführt werden.
Bild 1: Verschleißanzeigen
lnspektionsplan. Aus ihm ist der vorgeschriebe-
ne Umfang der Inspektion zu entnehmen (Bild 1,
Seite 19). Zündkerzen werden weiterhin wegabhängig z.B.
nach bis zu 100 000 km ausgetauscht.
Flexible Service-Intervalle
Mit modernen Motormanagem entsystemen ist es Betriebsstoffe wie Kühl- und Bremsflüssigkeit wer-
möglich, entsprechend den Betriebsbedingungen den nach der Betriebszeit z.B. 2 oder 4 Jahren ge-
eines Fahrzeugs, die Serviceintervalle anzupassen. wechselt.
1 l<raftfahrzeug 19

Bedarfsgerechte Servicestrategien
A uf Basis gesammelter Dat en, w ie Ist-Zustand der
Verschleißteile und Betriebsstoffe sowi e der Fahrge-
wohnheit w ird der Servicezeitpunkt errechnet. Nach
dieser bedarfsgerechten Servicest rategie w ird nur
gewa rtet, wen n ein Bauteil abgenutzt oder ein Be-
t riebsstoff v erbraucht ist.
hat dann genügend Zeit ev entuell benötigt e Ersatz-
teile, z. B. Bremsbeläge zu bestellen und mit dem
Kunden einen passenden Termin zu v ereinbaren.
Ausfallbedingte Reparaturen sollen durch frühe Pro-
blem erkennung verm ieden w erden. W eitere Vorteile
sind:
• Exakt geplante Termine

Neu ist, dass der Bordco mputer o nline d ie im Sch lüs- • Keine Wartezeiten
sel abgespeicherte Kunden- und Serviceumfa ngs- • Keine Info rmatio nsv erlu st e
daten an die Werkstatt überträgt. Der Kundenberater • Flexible Serviceleistungen

Inspektionsplan Brem sanlage: Sichtprüfung auf Undichtigkeiten


und Beschädigungen durchführen
Auftrags·Nr.: Fzg-Type: Fzg-Halter:
900109 Passat Hörmann Bremsbeläge vorn und hinten: Dicke prüfen
Km -Stand: Fzg-Aiter: Zusatzarbeiten z.B. HU: Unterbodenschutz: Sichtp rüfu ng auf Beschädigun-
53 . 400 3 .. . . .. . .. . . . gendurchführen

Durchzuführende Wartung .
0.0
.,<= Abgasanlage: Sichtprüfung auf Undichtigkeiten

·-ci ·-=c .0
0 und Beschädigungen durchführen
Elektrik ~
Spurstangenköpfe: Spiel, Befestigung und
Frontbeleuchtung. Funktion prüfen: Dichtungsbälge prüfen; Achsgelenke: Sicht-
Standlicht, Abblendlicht, Fernlicht, Nebel- prüfung der Dichtungsbälge auf Undichtigkeiten
Scheinwerfer, Blink- und Warnblinkanlage und Beschädigungen durchführen
Heckbeleuchtung. Funktion prüfen: Bremslicht, Motorraum
Rücklicht, Rückfahrscheinwerfer, Nebelschluss-
leuchte, Kennzeichenbeleuchtung, Kofferraum- M otoröl: Ölsland prüfen (Beim Inspektionsservice
beleuchtung, Standlicht, Blink- u. Warn blinkanlage m it Filterwechsel, Ölwechsel durchführen )

Innenraum- und Handschuhkastenbeleuchtung, M otor und Bauteile im Motorraum (von oben):


Zigarettenanzünder, Signalhorn und Kontroll- Sichtprüfung auf Undichtigkeiten und Beschädi-
Iampen: Funktion prüfen gungendurchführen

Eigendiagnose: Fehlerspeicher aller Systeme Scheibenwisch-/Waschanlage: Flüssigkeit auffüllen


abfragen Kühlsystem: Kühlmittelstand und Frostschutz
(Ausdruck hinten in Bordbuchtasche stecken) p rüfen; Sollwert: -25'C
Fahrzeug von außen Istwert (gemessener Wert): ___ ' C

Türfeststeller und Befestigungsbolzen: Schmieren Stau b- und Pollenfilter: Filtereinsatz ersetzen


(alle 12 Monate oder alle 15000 km)
Scheibenwisch- /Waschanlageund Scheinwerfer-
reinigungsanlage: Funktion und Spritzdüsen-Ein- Zahnriemen für Nockenwellenantrieb: Zustand
stellung prüfen und Spannung prüfen
Scheibenwischerblätter: Auf Beschädigung prüfen, Luftfilter: Gehäuse reinigen und Filtereinsatz
Ruhestellung prüfen; bei rubbelnden Wischer- e rsetzen
blättern: Anstellwinkel prüfen Kraftstofffilter: Ersetzen
Bereifung Servolenkung: Ölstand prüfen
Bereifung: Zustand, Reifenlaufbild, Bremsflüssigkeitsstand (abhängig vom Belag-
Fülldruck prüfen, Profiltiefe eintragen verschleiß): Prüfen
VL - - - mm VR ___ mm Batterie: Prüfen
HL - - - mm HR --- mm Leerlaufdrehzahl: Prüfen
Fahrzeug von unten Scheinwerfereinstellung I Dokumentation I
Endkontrolle
Motoröl: Ablassen oder absaugen, Ölfilter ersetzen
Motor und Bauteile im Motorraum: Scheinwerfereinstellung: Prüfen
Sichtprüfung auf Undicht igkeiten und
Service-Aufkleber:Term in fü r den nächsten
Beschädigungen durchführen
Service (auch Bremsflüssigkeitswechsel) in
Keilriemen, Keilrippenriemen: Aufkleber eintragen und Aufkleber amTürholm
Zustand und Spannung prüfen (B-Säule) anbringen

Getriebe, Achsantrieb u nd Gelenkschutzhüllen: Probefahrt durchführen


Sichtprüfung auf Undichtigkeiten und Beschädi-
Datum I Unterschrift (Monteur)
gungen durchführen
Schaltgetriebe I Achsantrieb: Ölsl and prüfen Datum I Unterschrift (Endkontrolle)

Bild 1: Inspektionsplan
20 1 l<raftfahrzeug

• CD ~ebenstrom-
@
0
@
Olzentrifuge
E-Box-Filter

Wasser-
abscheider

Luftfilter mit
Wartungs-
® (j)

0
® @

@
lntank Benzin-
filterelement

@ Tankentlüf-
tungsfilter

Harnstofffilter
für SCR-Kata-
lysatoren
anzeige @ Innenraumfilter
@ Luftfilter-
element
@ Getriebeölfilter

@ Lenk-
@ Kühlwasser- hydraulikfilter
filter
@ Brems-
(j) lnline
hydraulikfilter
Kraftstofffilter
@ Wischwasser- @ Fahrwerks-
filter hydraulikfilter

® Dieselfilter- @ Trockenmittel -
box
modul
@ Metallfreies @ Ölwechselfilter
Kraftstofffilter-
element @ Ölfiltermodul
@ Zylinderkopf- @ 11J1etallfreies
haubemit Olfilterelement
i_ntegriertem
Olabscheider @ System zur
Kurbelgehäuse-
@ Ölnebel - entlüftung mit
abscheider @ @ Multizyklonfilter

Bild 1: Filter im modernen Kraftfahrzeug

1.6 Filter Aufbau und Wartung Haftfilter. Sind meist Nassluftfilter. Verunreinigun-
gen, wie Staub kommen mit der ölbenetzten Filter-
Die Filter eines Kraftfahrzeugs haben die Aufga- fläche in Berührung und bleiben dort haften .
be, Motoren, Bauteile und die Atemluft der Insas- Magnetfilter. Aus dem vorbeiströmenden Medium
sen vor Verunreinigungen zu schützen. werden ferromagnetische Verunreinigungen ange-
zogen, z.B. von der Ölablassschraube.
Filter im Kfz (Bild 1) können nach zwei Kriterien ein-
geteilt werden. Nach den Wirkprinzipien und nach Zentrifugalfilter. Das zu filternde Medium, z.B. Luft,
dem zu filternden Medium . wird in Rotation versetzt. Verunreinigungen werden
durch die Fliehkräfte an die Wand des Filters ge-
Wirkprinzipien. Feste Verunreinigungen werden aus
drückt, wo sie sich absetzen.
strömenden Medien, wie z.B. Luft, Öl, Kraftstoff und
Wasser herausgefiltert durch die: Filter werden unterschieden nach
• Siebwirkung, z.B . Sieb- und Faserfilter • Luft- und Abgasfilter
• Haftwirkung, z.B. Nassfilter • Kraftstofffilter
• Magnetwirkung, z.B. Magnetabscheider • Schmierölfilter
• Fliehkraftwirkung, z.B . Zentrifugalfilter • lnnenraumfilter, z.B. Pollen-, Smog- und Ozonfilter
Siebfilter. Die Filterwirkung wird dadurch erreicht, • Hydraulikfilter, z.B. für ATF-Öie
dass die Abmessungen der Filtermaschen kleiner als
die Verunreinigungen sind (Bild 2).
1.6.1 Luftfilter

Luftfilter sollen die Ansaugluft reinigen und die


Ansauggeräusche des Motors dämpfen.
Der Staub in der Luft besteht aus kleinsten Teilchen
Strömungs- (0,005 mm bis 0,05 mm). Er führt zum Teil auch
richtung
Quarz mit sich . Je nach Einsatz des Kraftfahrzeuges
(Autobahn, Baustelle) schwankt die Staubmenge.
Verunreinigung Diese Staubmenge würde mit dem Schmieröl eine
Schleifmasse bilden und starken Verschleiß, beson-
ders an Zylinderlaufbahn, Kolben und Ventilführung
Bild 2: Wirkungsweise eines Siebfilters verursachen.
1 l<raftfahrzeug 21

Filterarten
Folgende Luftfilter kommen zum Einsatz:
• Trockenluftfilter
• Nassluftfilter
• Ölbadluftfilter
• Zyklonvorabscheider
Trockenluftfilter. Bei ihm erfolgt die Staubaufnahme
m eistens durch auswechselbare Filterelemente aus
Die Standzeit dieses Kombinationsfilters wird da-
durch verbessert.

Lufteintritt •
gefaltetem Papier. Sie gehören heute zur Standard-
ausrüstung bei Pkw und Nkw. Die Lebensdauer der
Filterelemente hängt von der Größe der Papierflä-
che und von dem Staubgehalt der Luft ab. Um den
Durchflusswiderstand gering zu halten, sind große
Oberflächen erforderlich . Gleichzeitig dämpft der
Bild 2: Zyklonluftfilter
Luftfilter die Ansauggeräusche.
Luftfilter, die nicht rechtzeitig erneuert oder gereinigt
werden, haben wegen des zunehmenden Durch- 1.6.2 Kraftstofffilter
strömwiderstandes eine schlechtere Füllung des
Zylinders sowie eine geringere Motorleistung zur Sie sollen die Kraftstoffanlage vor Verunreini-
Folge. Feinstäube, die den Filter passieren, tragen gungen schützen und gegebenenfalls Wasser
im Motoröl zur Verschlammung bei. Ist das Filter abscheiden.
verschmutzt, so muss es erneuert werden.
Man unterscheidet:
Nassluftfilter werden teilweise noch in Motorrädern • Grobfilter • Filter-Elemente
verwendet. Der Filtereinsatz besteht aus einem Ge- • Leitungsfilter • Wechselfilter
strick aus Metall oder Kunststoff, das mit Öl benetzt
ist. Die durchströmende Luft kommt mit der großen, Kraftstoffgrobfilter. Sie kommen als Vorfilter z.B. als
öl benetzten Oberfläche in Berührung . Der in der Luft Saugfilter im Kraftstoffbehälter zum Einsatz. Meist
mitgeführte Staub wird festgehalten . Die Standzeit sind sie als Siebfilter mit einer Maschenweite von
beträgt nur etwa 2500 km. Danach muss er gereinigt etwa 0,06 mm ausgeführt und bestehen aus einem
und wieder mit Öl benetzt werden . engmaschigen Draht- oder Polyamidgeflecht
Kraftstoffleitungsfilter (In-Une-Filter) dienen zur
Ölbadluftfilter. Im Filtergehäuse befindet sich unter
Feinfilterung . Es werden Papierfilter mit einer Poren -
dem Filtereinsatz aus Metallgewebe ein Ölbad
größe zwischen 0,002 mm und 0,001 mm verwen-
(Bild 1). Die einströmende Lufttrifft auf den Ölspiegel
det. Sie werden in die Kraftstoffleitung eingebaut
und reißt aus dem Öl bad Tropfen mit, die sich im Fil-
und bei der Wartung als Ganzes ausgetauscht.
tereinsatz absetzen . Von dort tropfen sie ab und neh-
men den angesammelten Staub mit in das Ölbad . Kraftstofffilter-Eiemente. Sie sind auswechselbar
Wegen dieser Selbstreinigung haben Ölbadluftfilter und befinden sich in einem eigenen Gehäuse, das
gegenüber Nassluftfiltern eine höhere Standzeit. am Motor angebaut ist. Für die Feinfi lterung werden
Einsätze aus Papier oder Filz verwendet.
Kraftstoff-Wechselfilter (Boxfilter) (Bild 3) . Sie be-
stehen aus Gehäuse und Filtereinsatz und werden
bei der Wartung als Ganzes ausgetauscht.

Papi er·
filter·
el ement
Bild 1: Ölbadluftfilter

Zyklonvorabscheider sind unentbehrlich für Mo-


toren , die ständig in sehr Staubhaitiger Luft arbeiten
müssen. Die angesaugte Luft wird in rasche Dre- Bild 3: Boxfilter mit Sternfiltereinsatz
hung versetzt (Bild 2) und der grobe Staub durch
die Zentrifugalkraft ausgeschieden (Grobfilter) . Der Für die Feinfilterung werden ebenfalls Einsätze aus
noch in der Ansaugluft enthaltene feine Staub wird Papier und Filz verwendet. Beim Sternfiltereinsatz ist
anschließend z.B. in einem Trockenluftfilter gefiltert. das sternförmig gefaltete Papier um ein gelochtes
22 1 l<raftfahrzeug

• Zentralrohr gelegt. Die Papierfalten sind oben und


unten durch Deckscheiben abgeschlossen. Der
Kraftstoff durchfließt das Filter von außen nach in-
nen (radial). Die Schmutzteilchen bleiben an der Fil-
teroberfläche hängen und sinken ggf. nach unten ab.
Das Wasser kann die feinen Filterporen nicht durch-
dringen und läuft an der Außenseite des Filterpa-
1.6.4 Hydraulikfilter
Es sind Siebfilter, die zur Reinigung von Hydraulik-
flüssigkeiten, wie z.B. Bremsflüssigkeit, ATF-Öie in
Servolenkungen und Automatikgetrieben dienen.
Kunstoffsiebe werden z.B. bei Ausgleichsbehältern
von Hauptzylindern angewandt. Flache Papierwech-
selfilter finden z.B. bei Automatikgetrieben Verwen -
piers aufgrund seiner, im Vergleich zum Kraftstoff,
höheren Dichte nach unten ab. Es sammelt sich im dung .
Wassersammelraum des Filtergehäuses. Der gefil-
terte Kraftstoff fließt durch die Löcher des Zentral- 1.6.5 Innenraumfilter
rohres nach innen und dann weiter nach oben ab.
Wasserabscheider. (Bild 1). Sie werden bei Militär-, Sie filtern die Luft für die Insassen und schüt-
Baustellen- und Geländefahrzeugen mit Dieselmo- zen sie somit vor Staub, Pollen und schädlichen
tor verwendet, um größere Mengen Wasser abzu- Gasen, z.B. Smog oder Ozon .
scheiden . Bei Boxfilter mit Wasserspeicher kann
angesammeltes Wasser durch Verwendung einer Innenraumfilter (Bild 2) bestehen aus drei bis vier
durchsichtigen Filterkappe angezeigt werden oder Lagen . Das Vorfilter hält den groben Schmutz zu-
von einem eingebauten Wasserstandsensor (elek- rück. An dem Mikrofaserflies, der zweiten Lage,
tronische Leitfähigkeitssande i erkannt und von ei- bleiben durch die elektrostatische Aufladung auch
ner Warnleuchte in der Instrumententafel angezeigt kleinste Verunreinigungen der Luft hängen . Die
werden . Eine Ablassschraube am Filtergehäuse er- dritte Lage dient als Trägerschicht Die vierte Lage
möglicht das Ablassen von angesammelten Wasser. mit Aktivkohle nimmt gegebenenfalls eindringende
gasförmige Schadstoffe wie Ozon und Abgase auf.
Temperatur schalter
Geruchintensive Substanzen werden hier ebenfalls
Filterkopf weitgehend neutralisiert.

Heizelem ent elektri scher


An schlu ss für
Heizel ement

Filterpatro ne

Verschluss-
schraube mit
Wasserablaufventi l • Staub- und Schmutzteilchen
• Pollen und Bakterien
Bild 1: Boxfilter mit Wasserabscheider schädliche u. übelriechende Gase

1.6.3 Ölfilter Bild 2: Aufbau eines Innenraumfilters

Sie vermeiden eine vorze1t1ge Schmierölver- 1.6.6 Wartung


schlechterung, indem sie die vom Schmieröl auf-
genommenen Verunreinigungen herausfiltern. Wartungshinweise
• Filterwechsel nach Herstellerangaben vorneh-
Der Aufbau und die Funktion des Ölfilters ist wie
men (Zeitintervall bzw. Kilometerleistung).
beim Kraftstoffwechselfilter (Bild 3, S. 21). Die Filter-
• Die Zeit- bzw. Kilometerabstände sind in War-
einsätze entfernen Schmutzteilchen bis etwa 10 ~m.
tungsplänen, die durchzufüh renden Filter-
Verunreinigungen im Öl, wie z.B. Metallabrieb, Ruß
wechsel in Inspektionsplänen festgehalten
und Staubpartikel verschlechtern die Qualität des Öls
(vgl. Kap. 1.5).
und erhöhen damit den Verschleiß. Durch den Ölfilter
• Papierfilter müssen gewechselt werden .
verlängern sich die Ölwechselintervalle und die Küh-
• Schaumstofffilter können ausgewaschen und
lung des Ölstroms wird verbessert. Ölfilter können
müssen entgegen der Strömungsrichtung aus-
jedoch keine flüssigen oder im Öl gelösten Verunrei-
geblasen werden.
nigungen entfernen. Sie haben auch keinen Einfluss
• Wasser-Kraftstoff-Gemisch aus dem Kraftstoff-
auf chemische oder physikalische Veränderungen
filter muss umweltgerecht entsorgt werden.
des Öls im Motorbetrieb, z.B. durch die Alterung.
1 l<raftfahrzeug 23

1 . 7 Fahrzeugpflege
Die Karosserie ist im Betrieb mechanischen Belas-
t ungen und extremen Witterungseinflüssen ausge-
setzt. Deshalb ist die Karosserie, der Lack und der
Innenraum zu pflegen.
Bei der Fahrzeugpflege unterscheidet man:
Fahrzeugunterseite nochmals sorgfältig nach Schä-
den am Unterbodenschutz zu untersuchen.

1,7.3 Außenreinigung

Zur Außenreinigung gehören die Reinigung der


Räder (Felgen und Reifen). die Oberwäsche der

• Motorwäsche • Unterbodenwäsche
Karosserie und eine Behandlung mit Lack- und
• Außenreinigung • Innenreinigung
Kunststoffpflege, sowie die Scheibenreinigung .

Räder
1.7.1 Motorwäsche
Straßenschmutz und festgesetzter Bremsstaub set-
Im Motorraum kann sich durch Spritzwasser, austre- zen sich an den Rädern ab. Die Rückstände greifen
tendes Öl oder Kraftstoff zusammen mit Staub ein die Lackierung an. Es bleiben Verfärbungen zurück,
ölhaltiger Schmutzfilm bilden. Dieser sollte in ge- welche sich schlecht entfernen lassen.
wissen Abständen entfernt werden, da er z.B. an der
Felgen reinigen
Zündspule oder an der Batterie zu Kriechströmen
führen kann. Die Felgen sind den verschiedensten Umweltein-
flüssen (Regen, Schnee, Rollsplitt, Streusalz usw.)
Vorgehensweise. Zuerst wird der Motorraum mit ausgesetzt (Bild 2). Ist die Lackierung der Felge be-
einem Kaltreiniger eingesprüht Dieser muss eine schädigt, so kommt es durch Eindringen von Wasser
gewisse Zeit einwirken, damit er den Schmutz an- und Schmutz zur Korrosion. Besonders der heiße
löst. An schlecht zugänglichen Stellen kann mit Bremsstaub greift die lackierten Oberflächen an und
einem Pinsel nachgereinigt werden (Bild 1). Danach es entstehen kleine Löcher. Der Lack wird von der
wird mit dem Hochdruckreiniger der Schmutz ab- Korrosion unterwandert und es entstehen Flecken
gespült. Bei elektrischen Bauteilen und Steckverbin- und irreparable Schäden. Deshalb sind besonders
dungen ist das Eindringen von Wasser zu vermei- Leichtmetallfelgen alle zwei bis vier Wochen mit Fel-
den. Deshalb sollte ein Mindestabstand (ca. 30 cm) gemeiniger zu säubern. Kratzer sind auszubessern.
des Hochdruckreinigers eingehalten werden, um
diese Bauteile nicht zu beschädigen.
Nach der Motorwäsche sind der Motor und der Mo-
torraum mit Druckluft abzublasen. Anschließend
sind d iese mit einem speziellen Konservierungs-
wachs zu behandeln, um Korrosion zu vermeiden.

Bild 2: Verschmutztes Rad

Man unterscheidet verschiedene Felgenreiniger:


Säurehaltige Felgenreiniger. Er wird bei besonders
starken Verschmutzungen verwendet. Die Reiniger
sind aggressiv und nicht für d ie regelmäßige An-
wendung geeignet. Die Lackierung der Felge darf
nicht beschädigt sein, da die Säuren mit dem Metall
Bild 1: Motorwäsche reagieren.
Säurefreie Felgenreiniger. Sie sind weniger ag-
1.7.2 Unterbodenwäsche gressiv und deshalb für eine regelmäßige Anwen-
dung geeignet. Die Reinigungswirkung ist deutlich
Vor der Unterbodenwäsche ist eine Sichtprüfung schlechter.
durchzuführen. Dabei ist auf Undichtigkeiten z.B. bei
Schwingungsdämpfern, an Dichtflächen von Motor PRAXISHINWEISE:
und Getriebe oder Verschraubungen der Bremslei-
• Felgemeiniger auf das nasse Rad aufsprühen
tungen zu achten. Bei der Unterbodenwäsche wird
um den Schmutz anzulösen.
Salz oder v erkrusteter Schmutz vom Unterboden ent-
• Bei besonders hartnäckigen Verschmutzungen
fernt. Mit dem Hochdruckreiniger wird der Schmutz
mit einer Spezialbürste nacharbeiten.
vom Unterboden entfernt. Alternativ kann mit einem
• Mit Wasser nachspülen und die Felgen im
speziellen Waschprogramm von Waschanlagen die
Anschluss t rocknen.
Fahrzeugunterseite gereinigt werden. Danach ist die
24 1 Kraftfahrzeug

• Reifenpflege
Verschmutzte Reifen können matt wirken. Deshalb
sollten diese mit einem Reifenpflegemittel behan-
delt werden. Dadurch erhalten Sie Glanz und feine
Risse durch Ozon- und Sauerstoffeinwirkung kön-
nen dadurch verhindert werden.
PRAXISHINWEISE:
• Abstehende Teile, wie z.B. Spiegel, einklappen.
• Antennen einschieben oder abmontieren.
• Fahrzeugabmessungen (Höhe, Breite, Boden-
freiheit) vor Einfahrt in die Waschanlage be-
achten.
PRAXISHINWEIS: • Fahrzeug mittig in die Waschanlage fahren.
• Reifenpflegemittel aufsprühen und einwirken • Zusätzliche Hinweise des Waschanlagenbetrei-
lassen. berg beachten.

Oberwäsche der Karosserie


Sie ist die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen Fahrzeugwäsche von Hand
der Lackpflege. M an unterscheidet: Sie ist die arbeitsi ntensivste Wäsche und kann mit
• Fahrzeugwäsche in der Waschanlage dem Schwamm und viel Wasser oder mit dem Hoch-
druckreiniger erfolgen.
• Fahrzeugwäsche von Hand
Abgespülter Schmutz von Fahrzeugen, oder von
• Fahrzeugwäsche mit dem Hochdruckreiniger Teilen und Reinigungsflüssigkeiten enthalten Öl
und Fett. Diese Abwässer dürfen nicht direkt in die
Fahrzeugwäsche in der Waschanlage
Kanalisation gelangen. Deshalb sollen Fahrzeuge
Vo r der Fahrzeugw äsche sollte unbedingt eine Vor- an speziellen W aschplätzen gereinigt werden . Das
wäsche mit dem Hochdruckreiniger vorgenommen Schmutzwasser wird durch Abscheidersysteme wie
werden. Damit wird vermieden, dass es durch Sand Schlammfang, Koaleszenzabscheider und Ölab-
und Schmutz zu Kratzern im Lack kommt. scheider gereinigt.
Man unterscheidet folgende Anlagen:
• Waschstraße. Dabei wird das Fahrzeug an den
sich drehenden, waagrecht und senkrecht an-
geordneten W aschbü rsten mittels eines Förder- PRAXISHINWEISE:
bands vorbeigezogen. Um Schäden vorzubeugen müssen bei der Hand-
• Portalwaschanlage (Bild 1). Das Fahrzeug steht wäsche folgende Regeln beachtet werden:
beim Waschen still und ein auf Schienen geführtes • Vor der Wäsche Ringe und Uhren ablegen, um
Portal mit senkrechten und waagrechten Bürsten Kratzer zu vermeiden.
fährt über das Fahrzeug hinweg. • Groben Schmutz zuerst m it viel Wasser abspü -
len, damit die Sand- und Staubkörner keine
Kratzer erzeugen können.
• Schwamm und Reinigungsmittel mischen und
Fahrzeug einseifen.
• Von oben nach unten waschen.
• Schwamm zwischendurch häufig und sorg-
fältig ausspülen, damit sich keine Sandkörner
in den Schwamm setzen und Kratzspuren auf
dem Lack hinterlassen können.
Bild 1: Portalwaschanlage
• Nicht in der prallen Sonne waschen, sonst w ird
der Lack rissig und es können Flecken entste-
Die Waschanlagen besitzen rotierende Kunststoff- hen.
bürsten, Streifen aus Textilg ewebe oder Schaum- • Haushaltsreiniger sind für die Fahrzeugwäsche
stoff, die mithilfe von viel Wasser und Reinigungs- ungeeignet. Sie lösen die schützende Wachs-
mittel das Fahrzeug reinigen. Bei Neuw agen mit schicht auf oder laugen den Lack aus.
weichem Lack sind Textilanlagen zu verwenden, da • Leder nicht drehend auswringen, sonst wird es
die Kunststoffbürsten den Lack beschädigen können.
zerstört. Besser ist das Auswring en zwischen
Bei allen W asch anlagen wird nach dem W aschgang zw ei W alzen .
m it klarem , enthärtetem und entsalztem W asser ge-
• Leder öfter ausspülen, um die Kratzgefahr
spült. Meist wird noch ein Lackkonservierungsmittel
durch eingeschlossene Staubteilchen zu verrin-
(Sprühwachs) aufgesprüht Danach wird das Fahr-
gern.
zeug im Luftstrom getrocknet.
1 l<raftfahrzeug 25

Fahrzeugwäsche mit dem Hochdruckreiniger Mechanische Einwirkungen. Steinschlag und große


Bei der Fahrzeugwäsche mit dem Hochdruckreiniger
(Bild 1) erfolgt die Reinigung in mehreren Schritten:
Kratzer können den Lack bis auf das blanke Metall
zerstören. Auch die schleifende Wirkung von Staub
und Schmutz bei der Fahrzeugwäsche führt zu vielen
II
Vorreinigung. Zuerst wird der Schmutz mit dem kleinen Kratzern, die den Glanz der Lackierung ver-
Hochdruckstrahl aus einer Entfernung von ca. 50 cm ringern.
gelöst und aufgeweicht. Dann wird der Schmutz
Wetter und Umwelteinflüsse. Hitze und Sonne deh-
gründlich von oben nach unten mit dem Hochdruck-
nen den Lackfilm und bewirken , dass er mit der Zeit
strahl aus kurzer Entfernung abgespritzt.
porös wird. ln diese feinen Poren dringen Schadstof-
Schaumwäsche mit der Waschbürste. Mithilfe einer fe ein und zerstören den Lack auch in den tieferen
Waschbürste, bei der dem Wasser Shampoo zu- Schichten. Das Bindemittel an der Oberfläche wird
geführt wird, ist das Fahrzeug einzuschäumen. Die durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts abgebaut
Bürste ist mit leichtem Druck über die Oberfläche zu und der Lack verliert an Glanz.
führen . Aggressive chemische Stoffe. Dies können z.B. ät-
Klarspülen. Der Schaum wird mit dem Hochdruck- zende Ausscheidungen von Vögeln und anderen
strahl von oben nach unten abgespült. Tieren (Bienen) sein (Bild 2). Auch Baumharze, die
auf das Fahrzeug fallen, können den Lack bis in die
Konservieren. Zum Schutz der Oberflächen kann
untersten Schichten beschädigen.
eine Hartwachskonservierung mit dem Hochdruck-
strahl aufgesprüht werden. Tierexkremente, Baumharze, tote Fliegen und
Glanzspülen. Dazu wird entmineralisiertes Wasser Käfer sind möglichst schnell zu entfernen, da sie
verwendet, welch es mithilfe einer Entkalkungsanla- bleibende Schäden am Lack verursachen können.
ge am Waschplatz gewonnen wird. Es trocknet ohne
Flecken zu hinterlassen innerhalb weniger Minuten.
Dadurch erspart man sich das Abledern.

Bild 2: Lackschäden durch Insekten

Prüfen des Lackzustandes


Nach der Fahrzeugwäsche kann der Lackzustand
überprüft werden. Bei stark angegriffenen Lacken ist
Bild 1: Waschplatz mit Hochdruckreiniger
evtl. eine Lackreinigung oder Politur notwendig.

Die Auswahl und Anwendung der richtigen Pfle-


PRAXISHINWEISE: gemittel hängt vom Zustand des Lackes ab.
• Um Beschädigungen durch den Düsenstrahl zu
vermeiden, ist ein Abstand von mindestens 30 Der Lackzustand lässt sich mit einfachen Methoden
cm einzuhalten. ermitteln. Man unterscheidet:
• Hochdruckwasserstrahl nicht direkt auf emp- • Sichtprüfung
findliche Teile wie Kühlerlamellen, Reifen und • Wasserprobe
Dichtgummis richten. • Fingern agelprobe
• Reifenpflegemittel nicht abwaschen. Sichtprüfung. Unter Licht lässt sich p rüfen, inwiefern
ein Tiefenglanz durch Glanzschleier oder feine Krat-
Lackpflege zer beeinträchtigt ist. Ein matter und stumpfer Lack
ist evtl. zu polieren und zu konservieren.
Durch äußere Einflüsse kann der Decklack geschä-
digt werden und verliert somit seine schützende Wasserprobe. Hierbei wird etwas Wasser auf die
Wirkung und sein gutes Aussehen. Zu den lackschä- Oberfläche geschüttet und beobachtet, wie sich das
digenden Einflüssen gehören : Wasser v erh ält. Je runder und perlförmiger die W as-
sertropfen vom Lack abperl en, desto besser ist er
• Mechanische Einwirkungen gepflegt. Bei v erwittertem Lack zerfließt das W asser
• Wetter- und Umwelteinflüsse flächig .
• Aggressive chemische Stoffe Fingernagelprobe. Fährt man mit dem Rücken des
• Pflegefehler Fingernagels über den Lack, lässt sich am Wider-
26 1 l<raftfahrzeug

• stand erkennen, ob die Oberfläche glatt und in einem


guten Zustand oder rau und pflegebedürftig ist.
Durch die Lackprüfung können drei Lackzustände
unterschieden werden:
• Neuer bzw. neuwertiger Lack. Bei ihm ist der an-
fängliche Hochglanz noch uneingeschränkt oder
fast uneingeschränkt vorhanden. Bei der Finger-
Waschkonservierers. Dieser wird nach dem Klarspü-
len aufgesprüht Er bietet dem Lack bis zur nächsten
Wagenwäsche einen ausreichenden Schutz. Jedoch
ist die Schutzwirkung sehr viel geringer als bei Kon-
servierungsmitteln (Hartwachsen). Diese Art der
Konservierung ist nicht auf Dauer und sollte deshalb
bei jedem Waschgang angewendet werden.
nagelprobe spürt man keinen Widerstand. Wasser
PRAXISHINWEISE:
bildet auf der Oberfläche Tropfen und perlt ab.
• Neue Lacke nicht mit der Poliermaschine be-
• Matter Lack. Es ist nur noch wenig Glanz vorhan- arbeiten, sondern nur Hartwachs auftragen
den. Bei der Fingernagelprobe spürt man einen
und von Hand abpolieren.
leichten Widerstand.
• Niemals in der prallen Sonne polieren, da so-
• Stumpfer und verwitterter Lack. Es ist kein Glanz genannte "Polierwolken" in der Lackoberfläche
mehr festzustellen . Bei der Fingernagelprobe spürt
auftreten können.
man einen deutlichen Widerstand. Wasser auf der
• Mit dem Dach beginnen und systematisch von
Oberfläche bildet keine Tropfen mehr, sondern
oben nach unten polieren.
verläuft flächig.
• Kunststoff- und Gummiteile nicht mit Politur
Auswahl der lackpflegemittel behandeln, diese kann weiße Flecken verursa-
Bei den Lackpflegemitteln unterscheidet man Reini- chen.
gungsknete, Konservierungsmittel und Polituren
• Komplett polierte Fläche abtrocknen lassen
(Bild 1).
und dann mit einem Poliertuch abpolieren.
• Lacke nach dem Polieren konservieren.

Matter Lack
Der Lack ist nicht mehr so widerstandsfähig und kann
mithilfe einer Politur aufbereitet werden. Dabei wird
mittels sehr kleiner Schleifkörper die oberste Lack-
schicht abgetragen und die darunter liegende noch
Bild 1: Lackpflegemittel ungeschädigte Schicht freigelegt. Das Poliermittel
soll die Lackoberfläche genügend angreifen, ohne zu
Anwendung der lackpflegemittel schleifen und Kratzer zu erzeugen. Deshalb enthält
die Politur feinste Polierkörper, die allerdings nur
Kleine hartnäckige Verschmutzungen sind mit Reini-
minimale abtragende Wirkung haben. Beigemischte
gungsknete zu entfernen. Der Glanz bleibt bei dieser
Öle und Wachse verleihen dem Lack wieder Glanz.
schonenden Lackreinigung erhalten, und der Einsatz
Anschließend müssen die Reste der getrockneten
von aggressiven Lackreinigern kann vermieden wer-
Politur mit einem weichen Lappen oder Poliertuch
den.
restlos entfernt werden. Das Polieren kann entweder
PRAXISHINWEISE: von Hand oder mithilfe einer Poliermaschine (Bild 2)
erfolgen. Danach ist die Oberfläche unbedingt mit
• Oberfläche gründlich reinigen.
Hartwachs zu konservieren.
• Reinigungsknete handtellergroß kneten.
• Shampoo- und Wassergemisch auf die zu reini-
gende Stelle aufbringen und Reinigungsknete
ohne Druck über die Oberfläche schieben.
• Solange wiederholen bis alle Verunreinigun-
gen entfernt sind.
• Gereinigte Stelle bei Bedarf mit Politur behan-
deln.
Bild 2: Polieren von Hand und mit der Maschine
Neuwertiger Lack
Neuwertig e Lacke besitzen eine sehr glatte und kaum Stumpfer und verwitterter Lack.
besch ädigte Oberfläche. Diese Lacke sind aufgrund Dies sind Lacke an älteren Fahrzeugen, die schon
ih(es ge(ingen A\t e(S noch nicht vollständig ausge- starken Witterungs- und Umwelteinflüssen ausge-
härtet. Deshalb darf bei diesen Lacken keine Politur setzt gewesen sind. Die Widerstandsfähigkeit des
verwendet werden. Es genügt eine gründliche Fahr- Lackes hat nachgelassen. Deshalb muss der Lack
zeugwäsche mit anschließendem Aufbringen eines poliert werden. Dazu verwendet man Lackreiniger.
1 l<raftfahrzeug 27

Diese dringen in die Poren der Lackhaut ein. Der


Schmutz wird entfernt. Die stark angegriffene, raue
Lackoberfläche wird mit etwas größeren Polierkörn-
chen abgeschliffen (Bild 1).
PRAXISHINWEISE
• Scheibemeiniger aufsprühen und kurz einwir-
ken lassen .
• Schmutz mit Papier oder Pflegetuch abwi-
schen.
• Seitenscheiben etwas herunterlassen, um ver-

schmutzte Scheibenränder zu reinigen .

Pflegefehler. Zu häufiges Behandeln der Karosserie


mit ungeeigneten Reinigungs- und Pflegemitteln
Bild 1: Stark verwitterter Lack und die Verwendung aggressiver Poliermittel kann
die Lackierung und Kunststoffteile stark schädigen.
Die Lackpartikel werden abgetragen und die unbe- lnsektenlöser, die zu lange einwirken, können Ver-
schädigte Lackschicht ist freigelegt. färbungen im Lack hervorrufen.
Konservieren. Das Konservierungsmittel versiegelt
die Oberfläche. Es verschließt feine Haarrisse im
1.7.4 Innenreinigung
Lack und Feuchtigkeit kann nicht in die Lackschicht
eindringen und Korrosion verursachen . Handelsüb- Die Innenreinigung umfasst folgende Tätigkeiten :
liche Konservierungsmittel (Bild 2) enthalten meist • Fahrzeugboden und Kofferraum aussaugen
Silikone oder natürliche Wachse (Carnaubawachs).
• Sitze und Verkleidungen absaugen
Bei hochwertigen Wachsen ist über mehrere Mona-
te ein Oberflächenschutz gewährleistet. Er hält auch • Dachhimmel gegebenenfalls mit einem ange-
über mehrere Wagenwäschen. feuchteten Schwamm abwischen .
• Scheiben innen reinigen .
• Kunststoffteile, wie z.B. Armaturenbrett, Türver-
kleidungen etc., mit einem in Kunststoffreiniger
getränkten Lappen abwischen .
Sind an Polstern, Stoffverkleidungen, Teppichboden
oder Bodenmatten Flecken vorhanden, so können
diese mit speziellen Reinigern, z.B. Polsterreiniger,
Seifenlauge oder Trockenschaum beseitigt werden.
Um hartnäckige Verschmutzungen zu entfernen,
können spezielle Nasssauggeräte, auch Sprühex-
traktionsgeräte genannt, verwendet werden.

PRAXISHINWEISE NASSSAUGGERÄT:
• Ist Elektronik im Sitz verbaut, sind die Reini-
gungsvorschriften des Herstellers zu beachten .
Bild 2: Lackkonser- Bild 3: Verwitterte und aufbe-
vierung reitete Kunststoffteile • Die Reinigungsflüssigkeit mit Wasser mischen
(1 00 ml Reinigerauf 10 I Wasser).
Kunststoffteile pflegen • Wassertemperatur ca . 50-60 Grad Celsius.
Kunststoffteile verblassen. Ursachen sind Alterung, • Die Polster einsprühen bis diese nass sind .
UV-Strahlung und Fahrzeugwäschen (Bild 3). Mit Hierdurch wird der Schmutz gelöst, die Reini-
speziellen Kunststoffpflegemitteln können Kunst- gung bekommt mehr Tiefenwirkung und die
stoffteile wie z.B. Zierleisten und Stoßstangen auf- Polster werden noch gründlicher und effektiver
bereitet werden. gereinigt.
• Nach 10 Minuten mit dem Spülvorgang begin-
nen .
Scheibenreinigung
Verschmutzte Scheiben stellen ein erhebliches Si-
cherheitsrisiko dar, da die Sicht beeinträchtig wird.
Schon ein leichter Schmierfilm auf der Scheibe kann WIEDERHOLUNGSFRAGEN

zu unerwünschten Reflektionen führen. 1 Beschreiben Sie die Vergehensweise bei der


Fahrzeugaußenreinigung.
Mit einem speziellen Scheibemeiniger lassen sich
2 Wann sollte eine Fahrzeugpolitur verwendet
Scheibenverschmutzungen schnell und streifenfrei
werden?
beseitigen.
28 1 Kraftfahrzeug

• 1 .8 Betriebsstoffe. Hilfsstoffe

Betriebsstoffe im Kraftfahrzeug sind alle Stoffe,


die zum Betrieb des Kraftfahrzeuges nötig sind.
Hilfsstoffe dienen zum Reinigen, Pflegen und Re-
parieren von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen.
Paraffine = Kettenförmiger Aufbau

I wenig klopffest I
gasförmig
bei niedrigem Druck verflüssigtes Treibgas

Betriebsstoffe:
Flüssige und gasförmige Kraftstoffe, z.B. Benzine,
Dieselkraftstoffe, Erdgas, Wasserstoff. Durch ihre
Verbrennung im Motor wird Wärmeenergie erzeugt,
flüssig
die in Bewegungsenergie umgewandelt wird.
Bestandtei le des Benzins und Di eselkraftstoffes
Schmieröle und Schmierstoffe, z.B. Motorenöle,
Schmierfette, Grafit. Sie vermindern Reibung und
Verschleiß an gleitenden Teilen. 0 ~~~~~0
0~~~~~~0
Kühlmittel und Gefrierschutzmittel, z.B. Wasser,
Ethylenglykol, Kältemittel, Trockeneis, flüssiger
Stickstoff. Sie schützen Motoren vor Überhitzung
und Frostschäden, oder sie werden für Innenraum-
oder Laderaumkühlung eingesetzt. 0~~~~~~~0
0 ~~~~~~~~ 0
Bremsflüssigkeiten, z.B. Glykolether. Sie übertragen Oktan
in hydraulischen Bremsanlagen und bei hydrau- CaH1a
lischen Kupplungsbetätigungen große Drücke und
dürfen bei hohen Temperaturen nicht in den gasför-
migen Zustand übergehen. 0~~~~~~~~~~~~~~~~0
Flüssigkeiten zur Kraftübertragung, z.B. ATF-Fiüs- Isoparaffin e =
sigkeit, Silikonö l, Hydraulikflüssigkeit Sie werden Kettenförmiger Aufbau mit Seitenketten
in hydrodynamischen Drehmomentwandlern, Ser-
volenkungen, Viscokupplungen oder hydraulischen I sehr klopffest I
Hubeinrichtungen verwendet. Bestandteil des Eichkraftstoffes für Ottokraftstoffe

Hilfsstoffe:
Reinigungsstoffe für Fahrzeugteile, z.B. Waschben-
Isooktan
zin, Kaltreiniger, Spiritus, Kunststoffreiniger.
Cs H1a
Reinigungs· und Pflegemittel für Fahrzeuge, z.B.
Teer- und lnsektenentferner, Politur für Lacke,
Chrom- und Aluminiumteile, Konservierungsmittel,
Scheibenwasch mittel. Aromaten = Ringförmiger Aufbau

I sehr klopffest I
1.8.1 Kraftstoffe
Bestandteile des Motorenbenzols
Alle zurzeit verwendeten Kraftstoffe bestehen aus
einem Gemisch unterschiedlicher Kohlenwasserstoff- Reinbenzol
Verbindungen (Bild 1) oder aus reinem Wasserstoff. Cs Hs
Bei ihrer Verbrennung werden Wasserstoff- und Koh-
lenstoffatome der Kraftstoffmolekühle mit Luftsauer-
stoff zu H2 0 und C02 oxidiert. Nur ein Teil der durch
diese chemische Reaktion frei werdenden Energie
treibt den Motor an. So können zurzeit in Dieselmo- Ringförmiger Bestandteil des Benzins
toren maximal ca. 46 %, in Ottomotoren maximal ca.
35 % als Antriebsenergie genutzt werden. Dies bedeu-
Cyclohexan
tet, dass der größte Teil der frei werdenden Energie Cs H1 2
die Umwelt aufheizt. Das bei der Verbrennung von
Kohlenwasserstoffen frei werdende C0 2 verstärkt als
Treibhausgas das Aufheizen der Atmosphäre. Des- 0 Wasserstoffatom • Kohlenstoffatom
halb werden verstärkt Alternativen zum herkömmli-
chen Verbrennungsmotor gesucht. Bild 1: Aufbau der Kohlenwasserstoffmoleküle
1 l<raftfahrzeug 29

Eigenschaften von Kohlenwasserstoffen Bei der Verarbeitung des Erdöls unterscheidet man:
• Trennverfahren, z.B. Filtern, Destillieren, Raffinieren
Die Eigenschaften der Kohlenwasserstoffmole-
• Umwandlungsverfahren, z.B. Cracken, Reformie-
küle werden durch die Größe der Moleküle, dem
ren, lsomerisieren
Verhältnis der Anzahl der Kohlenstoffatome zur
Anzahl der Wasserstoffatome und durch ihren Filtern
Aufbau bestimmt (Bild 1, Seite 28). Grobe Verunreinigungen, wie Sand, Wasser und
Salze, werden aus dem Rohöl entfernt, bevor die
Während Stoffe, die aus kurzen Ketten bestehen, eigentliche Verarbeitung beginnt.
z.B. Propan C3 H8 , gasförmig vorliegen, sind Stoffe,
d ie aus langen Ketten bestehen, z.B. Cetan C16H34, Destillieren
flüssig. Dabei nimmt die Viskosität mit der Anzahl Atmosphärische Destillation (Bild 1). Das Erdöl wird
der C-Atome zu. unter Luftabschluss erhitzt. Bereits bei etwa 20 oc
Der Aufbau der Kohlenwasserstoffmoleküle ist ent- scheiden sich Methan und Ethan (LPG = Liquefied Pe-
weder ketten- oder ringförmig. troleum Gas= englische Bezeichnung für Flüssiggas)
ab. Die innerhalb eines Siedebereiches bis etwa 180 oc
Paraffine (Bild 1, Seite 28) oder Olefine, das sind Pa-
verdampfenden Bestandteile ergeben beim Konden-
raffine mit einer Zweifachbindung zwischen zwei
sieren die Leichtkraftstoffe, vorwiegend Benzine. Die-
C-Atomen, sind Moleküle mit einfacher Kettenform.
se setzen sich aus Normalparaffinen (unverzweigte
Mit zunehmender Länge dieser Ketten steigt die
Ketten) und Cycloparaffinen (ringförmig) zusammen.
Zündwilligkeit Diese Eigenschaft macht sie als Kraft-
Der Siedebereich von 180 oc bis etwa 280 oc liefert
stoff für Dieselmotoren geeignet. Für den Einsatz bei
die mittelschweren Kraftstoffe (Gasturbinenkraftstoff,
Ottomotoren sind lange Paraffinketten ungeeignet,
Kerosin, Petroleum). Im Bereich von 210 oc bis etwa
weil sie eine klopfende Verbrennung auslösen.
360 oc werden die Schwerkraftstoffe für Dieselmoto-
Moleküle mit kurzen Seitenketten (lsoparaffine) oder ren erzeugt. Die noch verbleibenden Rückstände wer-
ringförmige Moleküle (Aromate, Cycloparaffine) den einer Vakuumdestillation zugeführt.
sind klopffest. Das heißt, sie sind für die Verwen-
Vakuumdestillation (Bild 1). Bei ihr werden die
dung in Ottomotoren geeignet. Für die Verwendung
Rückstände aus der atmosphärischen Destillation
in Dieselmotoren sind diese Moleküle auf Grund
unter Vakuum nochmals erhitzt. Durch diese Maß-
ihrer geringen Zündwilligkeit ungeeignet.
nahme w erden die Siedepunkte herabgesetzt. Damit
Die extrem klopffesten Aromate, z.B. Benzol C6H6 , wird verhindert, dass bei weiter steigenden Tem -
sind krebserregend. Sie dürfen je nach Stoff entwe- peraturen die verbleibenden großen Moleküle un-
der gar nicht oder nur in begrenzter Menge für den kontrolliert zerfallen. Durch die Vakuumdestillation
Betrieb von Motoren verwendet werden. wird Gasöl gewonnen, das hauptsächlich zu Diesel
oder Heizöl weiterverarbeitet wird. Weiterhin wer-
den die Grundöle für die Herstellung verschiedener
Schmieröle gewonnen.

Dieses Sammeln der Kraftstoffe nach ihren


Siedebereichen nennt man auch fraktionierende
Destillation (Bild 1).

atmosphärische Vakuum-
Destillation Destillation

Kraftstoffgewinnung aus Erdöl


Der wichtigste Ausgangsstoff für die Kraftstoff-
gewinnung ist das Erdöl. Dieses besteht aus einer
Vielzahl verschiedener Kohlenwasserstoffverbin-
dungen, wobei die Zusammensetzung je nach Her-
kunft des Erdöls unterschiedlich ist. Auf Grund der
Vi elfalt der vorhandenen Kohlenwasserstoffe mit völ-
lig unterschiedlichen Eigenschaften müssen die ein-
zelnen Verbindungen voneinander getrennt werden.
Die gewonnenen Zwischenprodukte w erden teilwei-
se zu motortauglichen Kraftstoffen weiterverarbeitet
Dies geschieht, weil der Anteil der ursprünglich im
Rohöl enthaltenen hochwertigen Kraftstoffe gering ist. Bild 1: Destillieren von Rohöl
30 1 l<raftfahrzeug

• Der bei der Destillation anfallende Anteil an Kraft-


stoff ist für den heutigen Bedarf viel zu gering .
Durch Crackverfahren kann der Anteil der zur Benzin-
herstellung tauglichen Grundstoffe erhöht werden
(Tabelle 1). Auch sind die gewonnenen Crack-Kom-
ponenten m it einer ROZ von 88 ... 92 gegenüber den
durch die Destillation gewonnenen Rohbenzinen
Mischen verschiedener Benzine und Zugabe von Ad-
ditiven werden bestimmte Benzinqualitäten (Super
plus, Super, Benzin) erreicht und gezielt die Eigen-
schaften der Ottokraftstoffe verbessert.

1.8.2 Ottokraftstoffe

(ROZ = 62 .. . 64) relativ klopffest. Ottokraftstoffe sind leicht siedende Kraftstoffe .


Um motortaugliche Kraftstoffe zu erhalten, werden Sie gehören der Gefahrenklasse A I an, weil sie
die erzeugten Zwischenprodukte weiteren speziellen hoch entzündlich sind (Flammpunkt unter 21 °C) .
Umwandlungsverfahren unterzogen (Tabelle 2). Außerdem sind sie giftig und umweltgefährlich .
Deshalb sind beim Umgang mit ihnen die ent-
sprechenden Hinweise auf besondere Gefahren
(H-Sätze) und Sicherheitsratschläge (P-Sätze) un-
bedingt einzuhalten .

Die für die Verwendung in Motoren wichtigsten Ei-


genschaften der Ottokraftstoffe werden durch die
DIN EN 228 beschrieben und festgelegt.
Siedeverlauf

Beim Ottomotor muss der Kraftstoff leicht und


vollständig vergasen, da nur gasförmiger Kraft-
stoff verbrannt werden kann. Die Vergasbarkeit
des Kraftstoffs wird in einer Siedekurve darge-
stellt (Bild 1, Seite 31).
sonstige Produkte, Eigenverbrauch,
Verluste 2% Kaltstartverhalten
Damit ein kalter bzw. noch nicht betriebswarmer
Nachbehandlungsverfahren Motor bei niedrigen Temperaturen sicher anspringt
Die so hergestellten klopffesten Benzinewerden durch und im Leerlauf rund läuft, benötigt er einen Kraft-
eine Raffination noch nachbehandelt Dabei wird die stoff mit niedriger Siedekurve. Dies bedeutet, dass
Reinheit des Benzins (Abscheiden von gasförmigen bei niedrigen Temperaturen bereits ein erheblicher
Resten, Schwefel und Harzlösungen) erhöht. Durch Anteil des Kraftstoffs verdampft sein muss.

Cracken Abbau von Großmolekülen der höher siedenden Schwerkraftstoffe durch Zerle- ROZ
(eng\ , to crack gen in leichtere und klopffeste Isoparaffine und Olefine (Olefine unterscheiden 88 .. . 92
=zerbrechen) sich von Paraffinen durch eine Doppelbindung zwischen 2 C-Atomen). Es blei-
ben schwersiedende Bestandteile übrig, die weiterverarbeitet werden können .
Unterschieden werden die Verfahren: Thermisches Cracken , Katalytisches Cra-
cken und n.
Reformieren Kettenförmige Paraffine aus der Destillation werden mit Katalysatoren (z.B. Pla- ROZ
tin : Platforming-Verfahren) in klopffeste Isoparaffine und Aramate umgewandelt. 93 ... 98
Polymerisieren Die beim Cracken und Reformieren entstandenen gasförmigen Kohlenwasser- ROZ
stoffe werden über Katalysatoren zu größeren Molekülen zusammengeballt, 95 .. . 100
hauptsächlich zu lsoparaffinen . Werden geradkettige Paraffine in Isoparaffine
umgewandelt, so nennt man diesen Vorgang lsomerisieren.
Hydrieren von Wasserstoffatomen an ungesättigte Olefine zu stabilen, klopf- ROZ
raffinen. 92 .. . 94
Alkylieren Olefine und Paraffine werden miteinander zur Reaktion gebracht, sodass Isopa- ROZ
raffine mit hoher Klopffestigkeit entstehen . 92 .. . 94
MTBE (Methyl- Durch Umwandlungsprozesse kann Isobutan erzeugt werden. Durch Hinzufü- ROZ
Tertiär-Buthyl- genvon Methanol wird daraus ein Ether (MTBE) gewonnen, der extrem klopf- 113 .. .
ether) fest ist.
1 l<raftfahrzeug 31

Der Anteil des Kraftstoffs, der bei niederen Tempera-


turen vergast ist, wird entweder durch den E70-
Punkt (evaporated = verdampfter Anteil bei 70 °C)
oder durch den T10-Punkt (Temperatur, bei dem
10 % des Kraftstoffs verdampft sind) beschrieben.
Für einen sicheren Kaltstart müssen bei 40 oc ... 50
mindestens 10 % des Kraftstoffs verdampft sein.
oc
Die MOZ weicht von der ROZ ab, da sie bei höherer
Drehzahl und Gemischvorwärmung auf ca. 150 oc
ermittelt wird (Tabelle 1).
in der Praxis zeigt es sich, dass für die meisten Se-
rienmotoren beim Beschleunigen mit Vollgas und
niedriger Drehzahl (Beschleunigungsklopfen) d ie
ROZ die aussagekräftigere Größe ist. Mit steigender

Heißstartverhalten Drehzahl und Volllast (Hochgeschwindigkeitsklop-
fen) gewinnt die MOZ an Bedeutung.
Bei einem betriebswarmen oder heißen Motor sowie
im Sommer besteht die Gefahr der Dampfblasen-
bildung im Kraftstoffsystem. Die Kraftstoffe dürfen
erst bei höheren Temperaturen zu sieden beginnen.
Sie müssen schwerflüchtiger sein, d. h. eine höhere
Siedekurve besitzen. Dies erreicht man durch einen
bestimmten Anteil an schwersiedenden Kraftstoffen,
diese haben zusätzlich einen höheren Energiegehalt
Die hochsiedenden Anteile werden durch den E180-
Punkt (verdampfter Anteil bei 180 °C) oder durch
den T90-Punkt (Temperatur, bei der 90 % des Kraft- Da die aus Erdöl gewonnenen Benzine zu geringe
stoffs verdampft sind) beschrieben. Klopffestigkeit besitzen, wird ihre Klopffestigkeit durch
Ein zu hoher Anteil an schwersiedenden Kraftstoffen Zugabe von Klopfbremsen (Antiklopfmittel) erhöht.
führt bei kaltem Motor zu Kraftstoffkondensation an Metallhaltige Klopfbremsen. Sie werden in Deutsch-
den Zylinderwänden und zu Schmierölverdünnung. land wegen ihrer giftigen Verbrennungsprodukte
(Blei, Scavengers = Brom- und Chlorverbindungen)
Ru·· cksta n d un d Ver Iust e -.....___ nicht mehr verwendet.
Metallfreie Klopfbremsen. Aromate, wie Benzol, To-
200
•c
E180-Punkte J .. luol und Xylol liegen in einem Oktanzahlbereich von
160 •7 ROZ 108 ... 112 und erhöhen durch Beimischen die

...,:;
f! 120
c,o~
el -'l Gesamtoktanzahl des Kraftstoffes. Benzol ist wegen
der krebserzeugenden Wirkung auf 1 Vol.-% begrenzt.
~ ~\~ _ .;;: -
Q)
Q.
c
Organische Sauerstoffverbindungen als Klopfbremse.
E E70-Punkte / V Alkohole (Methanol, EthanolL Phenole, Ether haben
.,
2l 80
:::J
a.. -
.,
-o 0 - den Nachteil, dass sie im Kraftstoff schlecht löslich
:::-: "'
~
I-
Cii 40 sind, durch Geruch belästigen und weniger wirtschaft-
.;;:
Siede- _....::) c
:::J
lich durch ihren geringeren Energieinhalt sind.
1-C..
begi nn MTB (Methyi-Tertiär-Buthylether) als Klopfbremse.
0 20 40 60 Vo l.-% 100
verdampfte Kraftstoffmenge - Er kann durch seinen hohen Oktanzahlbereich von
ROZ 110 ... 115 die Gesamtoktanzah l erheblich be-
Bild 1: Siedekurven von Ottokraftstoffen einflussen. Durch seinen niedrigen Siedepunkt von
55 oc wird die Klopffestigkeit des Kraftstoffes beson-
Klopffestigkeit (ROZ, MOZ) ders im unteren Siedebereich verbessert. Zumi-
schung ca. 10 % ... 15 % zum Kraftstoff.
Die geringe Neigung eines Kraftstoffs, sich unter
hohen Temperaturen und Drücken selbst zu ent- 1.8.3 Dieselkraftstoffe
zünden, wird als Klopffestigkeit bezeichnet.
Das Maß für die Klopffestigkeit sind die Research- Dieselkraftstoffe sind schwersiedende Kraft-
Oktanzahl (ROZ) und die Motor-Oktanzahl (MOZ). stoffe. Sie gehören der Gefahrengruppe A 111 an
(Flammpunkt >55 °C). Sie sind gesundheits-
Beide Oktanzahlen werden weltweit in sogenannten schädlich und umweltschädlich.
Einzylinder-CFR-Motoren bestimmt. Der zu prüfende
Kraftstoff wird durch Vergleich mit einem Bezugs- Dieselkraftstoffe bestehen hauptsächlich aus einem
kraftstoff, der aus einer Mischung aus Isooktan (ROZ Gemisch v o n Olefinen und Paraffinen (kettenfö rmige,
= 100) und No rmalheptan (ROZ = 0) best eht, ermit- gesättigte Kohlenwasserstoffe). Der Siedebereich der
telt. Ein zu untersuchender Kraftstoff hat z.B. d ie Ok- einzelnen Verbindungen liegt zwischen 170 oc und
tanzahl 95, wenn seine Klopffestigkeit so groß ist 380 oc (Bild 1, Seite 32). Die für die Verwendung in
wie die einer Mischung aus 95 % Isooktan und 5 % Motoren wichtigsten Eigenschaften der Dieselkraft-
Normalheptan. stoffe werden durch die DIN EN 590 festgelegt.
32 1 Kraftfahrzeug

• t
...:; 200
~
350

oc
250
Der durch den geringen Schwefelanteil auftretende
Verlust an Schmierfähigkeit muss durch Zugabe von
Additiven im Dieselkraftstoff wieder ausgeglichen
werden .
Filtrierbarkeit
Dieselkraftstoffe haben die Eigenschaft, bei tiefen
Temperaturen Paraffinkristalle auszubilden, die ab
"'c. 150
einer bestimmten Größe nicht mehr durch das Kraft-
...E"' stofffilter fließen können. Das Filter verstopft, der
"'
"0
100
Motor läuft nicht mehr. Die Filtrierbarkeit wird durch
"'
iii den Cold Filter Plugging Point (CFPP) angegeben .
50
Dieser gibt die Temperatur an, bei der der Diesel-
kraftstoff so große Paraffinkristalle gebildet hat, dass
er ein genormtes Prüfsieb nicht mehr in der vorge-
0 10 20 40 50 60 gebenen Zeit passieren kann.
Destillat - - - Winterdieselkraftstoff
Bild 1: Siedekurven verschiedener Kraftstoffe Im Winter (in der Zeit vom 16.11 . bis 28.02.) muss der
Kraftstoff bis zu einerTemperaturvon -20 oc filtrier-
Zündwilligkeit bar sein. Dies wird teilweise dadurch erreicht, dass
Im Gegensatz zu den Ottokraftstoffen, die klopffest verkürzte Kohlenwasserstoffketten (Kerosin) zuge-
sein sollen, sollen die Dieselkraftstoffe möglichst geben werden, wodurch aber die Cetanzahl sinkt.
zündwillig sein. Das Maß für die Zündwilligkeit ist Durch Zugabe von Additiven (Fiießverbesserern)
die Cetanzahl CZ. Je mehr kettenförmig aufgebaute kann die Paraffinausscheidung nicht verhindert wer-
Kohlenwasserstoffe ein Dieselkraftstoff enthält und den, aber das Kristallwachstum wird eingeschränkt
je länger diese Ketten sind, desto zündwilliger ist und hinausgezögert. Dadurch ist ein Durchfließen
er. Die Cetanzahl für Dieselkraftstoff muss laut DIN des Filters bei Temperaturen bis unter -20 oc mög-
EN 590 mindestens 51 betragen . Hochwertige Kraft- lich. Treten noch tiefere Temperaturen auf, kann
stoffe erreichen eine Cetanzahl von bis zu 60. Abhilfe durch Einbau einer Filterheizung oder einer
Die Cetanzahl wird in einem Prüfmotor ermittelt, bei Tankbeheizung geschaffen werden.
dem die Zeit zwischen Einspritzbeginn und Verbren- Durch Zufuhr von Wärme können Paraffinkristalle
nungsbeginn (Zündverzug) bestimmt wird. Die Ce- aufgelöst und verstopfte Filter wieder durchlässig
tanzahl des geprüften Kraftstoffes ergibt sich aus werden .
einem Mischungsverhältnis der Vergleichskraftstof- Beimischen von Benzin als Fließverbesserer sollte
fe Cetan (C 16 H34 ) (Bild 2) mit der Cetanzahl 100 und auf jeden Fall unterlassen werden, weil ...
Methylnaphthalin (C 10 H11 ) (CZ 0) . Je höher die Ce-
• dafür vom Hersteller in der Regel keine Freigabe
tanzahl, desto zündwilliger ist der Kraftstoff.
erteilt wurde, was zum Ausschluss der Gewähr-
leistung bei Schäden führt.
• die Schmierung der Hochdruck-Einspritzanlage
nicht mehr gewährleistet ist.
• durch die Verschlechterung der Zündwilligkeit des
0 Wasserstoffatom e Kohl enstoffatom Dieselkraftstoffes Motorschäden auftreten können.
• sich der Flammpunkt ändert, das Gemisch feuer-
Bild 2: Getan (n-Hexadecan) gefährlich ist und in die Gefahrenklasse AI fällt.

Schwefelgehalt 1 8 4 Kraftstoffe aus Pflanzen


Um die Schwefeldioxid-Emission bei der Verbren-
nung von Dieselkraftstoffen zu verbessern, waren seit Pflanzenöle
2005 nur 50 mg Schwefel pro kg Kraftstoff zulässig. Ab Grundsätzlich können die aus Pflanzen, z.B. Raps,
dem Jahr 2009 dürfen nur noch 10 mg Schwefel pro Sonnenblumen, Hanf, ... gewonnene Öle zum Betrieb
kg Kraftstoff enthalten sein. Auf dem Markt angebote- von Dieselmotoren verwendet werden. Allerdings
ner schwefelarmer Kraftstoff erfüllt diese Norm bereits sind für den ausschließlichen Betrieb mit Pflanzenölen
seit 2003. Neben der Absenkung der SOr Emission umfangreiche Umbauten an den Motoren, Einspritz-
reduziert sich auf Grund des verringerten Schwefel- systemen, Kraftstoffleitungen und Filtern nötig .
gehalts auch der Partikelausstoß. Für den Betrieb von Der Kraftstoff besitzt eine geringere Cetanzahl
NOx-Speicherkatalysatoren ist es wichtig, dass der (CZ = 39) als Diesel und vernebelt auf Grund der
Schwefelanteil möglichst gering (unter 10 ppm) ist. hohen Viskosität im Brennraum nur unzureichend .
1 Kraftfahrzeug 33

Eine erhöhte Verkokung ist häufig die Folge. Um • Kraftstofffilter nach den drei ersten Tankfüllungen •
Abhilfe zu schaffen, sind die Pflanzenöle auf ca. mit Biodiesel gewechselt werden sollen, weil alte
60 oc ... 95 oc vorzuwärmen. Auf Grund der bei die- Ablagerungen aus dem Tank und den Leitungen
ser Temperatur immer noch gegenüber Diesel stark den Kraftstofffilter verstopfen können.
erhöhten Viskosität entstehen in den Pumpen hohe • Biodiesel eine um bis zu ca. 40 % höhere Kohlen-
Belastungen. Für moderne direkt einspritzende Pkw- wasserstoff-Emission und eine höhere NOx-Emis-
Dieselmotoren mit Pumpe-Düse oder Common-Raii- sion verursacht.
Systemen sind deshalb Pflanzenöle nicht geeignet.
• Biodiesel deutlich die Ruß-Emission (bis zu ca.
Es gibt auch keine Freigaben seitens der Hersteller.
50 %) senkt, doch der Gehalt an schädlichen Parti-
Probleme entstehen auch durch eine starke Ver- keln vergleichbar mit Mineralöl-Diesel bleibt.
dünnung des Motoröls bei häufigem Kaltstart. Weil
• Fahrzeuge, d ie wenig bewegt werden, nicht fü r
Pflanzenöle erst ab ca. 220 oc verdampfen, gelangen
Biodiesei-Betrieb geeignet sind, weil bei der Lage-
größere Mengen des Pflanzenöls in das Motoröl.
rung von RME ähnliche Probleme entstehen wie
Dieses neigt durch Reaktion mit Verbrennungsrück-
bei Pflanzenölen .
ständen zur Verklumpung und kann Leitungen und
Filter verstopfen. Die Ölwechselintervalle sind des- • auf Grund des höheren Siedebereichs sich eine
wegen mindestens zu halbieren. Verdünnung des Motoröls ergibt. Deshalb sind die
Ölwechselintervalle zu halbieren.
Ein Vorteil ist die gute biologische Abbaubarkeit
Während die Verwendung von reinem Biodiesel Pro-
des Pflanzenöls. Nachteilig sind eine schlechte Alte-
bleme verursachen kann, ist die Beimischung von
rungsbeständigkeit und eine verschlechterte Lager-
Biodiesel zu mineralischem Diesel in geringen Men-
fähigkeit. Oxidation, Bakterienbefall und Wasseran-
gen (seit 2004 bis zu 5 % erlaubt) unproblematisch.
reicherung sind die Hauptprobleme. Die Lagerung
Die Europäische Union sieht vor, dass bis 2020 der
muss daher kühl (5 oc ... 10 °C), mit geringer Kon-
Anteil von Biokraftstoffen auf 10 % erhöht wird.
taktfläche zum Luftsauerstoff, dunkel und trocken
erfolgen. Bioethanol
Um gleichbleibende Qualitätsstandards auf Dauer zu Bioethanol wird bisher hauptsächlich aus zuckerhal-
sichern, wird zurzeit eine Norm (siehe Vornorm DIN tigen Pflanzen, wie Zuckerrohr und stärkehaitigern
51605- Rapsölkraftstoff) entworfen. Getreide hergestellt. Dabei sind einerseits nur be-
grenzte Erträge möglich, andrerseits werden die
Biodiesel (Rapsölmethylester = RME)
Rohstoffe als Nahrungsmittel benötigt. Deshalb wird
Zur Herstellung von Biodiesel wird Rapsöl unter an- an der Erzeugung von Ethanol aus Cellulosehaitigen
derem mit 10 % Methanol versetzt und bei erhöhter Grundstoffen wie Holz oder Chinaschilf gearbeitet
Temperatur chemisch umgewandelt. Bei dieser Um- (Cellulose-Ethanol).
wandlung entstehen Fettsäuren, die mit Hilfe des
Ethanol besitzt eine ROZ von 104 und kann, wenn
Methanols verestert (verbunden) werden.
Kraftstofffördersystem, Sauganlage und Motorelek-
Der Überbegriff für alle Methylester auf Pflanzen- tronik an den Kraftstoff angepasst sind, hochkonzen-
oder Tierölbasis ist Fettsäuremethylester (FAME). Je triert in Ottomotoren verwendet werden. ln der Dis-
nach Ausgangsstoff können auch Palmölmethyles- kussion befindet sich ein Kraftstoff E85, der aus 85 %
ter (PME), Tierfettm ethylester (AME). ... gewonnen Ethanol besteht. Auf Grund des geringeren Brenn-
werden, die ähnliche Eigenschaften wie RME haben. wertes ergeben sich allerdings hohe Literverbräu-
Biodiesel besitzt eine geringere Viskosität als das che, was die Reichweite der Fahrzeuge einschränkt.
Ausgangsprodukt, ist frei von giftigen Aromaten und Als Beimischung zum Benzin sind zurzeit bis zu 5 %
schwefelarm. Auf Grund seiner Cetanzahl (CZ =56) Ethanol üblich (E10: 10 % Ethanol ). ln dieser gerin-
und seiner physikalischen Eigenschaften (Heizwert, gen M enge fällt die oktanzahlsteigernde Wirkung
Siedebereich) kann er als Dieselersatz v erwendet von Ethanol kaum ins Gewicht. Eine Erhöhung der
werden. allgem einen, mengenmäßigen Zug abe von Ethano l
Um gleichbleibende Qualität sstandards zu gew ähr- zum Benzin ist zurzeit nicht möglich, weil Ethanol
leisten, hat das Europäische Komitee für Normung auch als Lösungsmittel wirkt und in manchen Fahr-
für FAME den Standard EN 14214 festgelegt. zeugen Kunststoffe, z.B. Dichtungen, angreift.
Bei der Verwendung von reinem Biodiesel sollte Synthetische Kraftstoffe
dennoch bedacht werden, dass:
Bei der Herstellung von Pflanzenölen oder FAME
• der Fahrzeughersteller den Betrieb mit Biodiesel kann nur ein geringer Anteil der Pflanzen genutzt
erst freigeben muss (Garantiefall). w erden. W eil zudem nur bestimmte Pf lanzen fü r die
• die mit dem Kraftstoff in Berührung ko mmen- Gewinnung von Kraftstoffen v erwendet w erden kön-
den Kunststoffteile, wie z.B. Schläuche und Dich- nen, arbeitet man daran, aus Biomasse (Holz, Stroh,
tungen, Kraftstoffbehälter beständig gegenüber pflanzliche Abfälle, ... ) Kraftstoffe zu gewinnen. Diese
Biodiesel sein müssen. werden als BtL (Biomass to Liquid) bezeichnet.
34 1 l<raftfahrzeug

• Die gewonnenen Kraftstoffe


• haben einen kleineren Energiegehalt (Tabelle 1)
und besitzen eine geringere Viskosität als die aus
Mineralöl gewonnenen Produkte.
• sind frei von Aromaten und Schwefel.
• bestehen aus nur wenigen verschiedenen Verbin-
dungen, was zu einer sauberen Verbrennung führt.
Für den Betrieb mit Erdgas müssen Motorelektronik
und Katalysatoren angepasst werden.
Autogas
Autogas wird auch als Flüssiggas oder LPG (Lique-
fied Petroleum Gas) bezeichnet. Es besteht über-
wiegend aus Butan (C 3 H8 ) und Propan (C 4 H10 ) und
wird bei 5 .. . 10 bar in flüssiger Form gespeichert. Im
• haben eine hohe Oktanzahl (Benzin) bzw. Cetan- Vergleich zu CNG-Gas ist damit die Speicherung im
zahl (Diesel). Fahrzeug wesentlich einfacher und eine Umrüstung
von Fahrzeugen damit kostengünstiger. Bei der Ver-
• benötigen keine oder nur geringfügige Verände-
brennung von LPG entstehen ca . 15 % weniger C0 2
rungen an bestehenden Motoren .
als bei der Verbrennung von Benzin .
Wasserstoff
Wasserstoff ist auf Grund seiner unbegrenzten Ver-
fügbarkeit in der Natur, seines Energiegehalts und
seiner Verbrennungseigenschaften (reines H2 0 als
Verbrennungsprodukt) der ideale Kraftstoff. Seine
Verwendung scheitert gegenwärtig hauptsächlich
an der schwierigen Betankung der Fahrzeuge und an
seiner problematischen Lagerung.
Auch die Regelung der Gemischbildung und der
noch geringe Wirkungsgrad der Motoren sind bei
der heißen Verbrennung nicht ausgereift.
1.8.5 Gasförmige Kraftstoffe Für den Betrieb von Brennstoffzellen (kalte Verbren-
nung) und Elektromotoren wird der Wasserstoff z. Zt.
Sie stehen in Form sehr kurzer Kohlenwasser- aus Methanolon-board gewonnen, um damit die bis-
stoffketten (Methan, Butan, Propan) oder in Form her ungelöste Problematik der Lagerung zu umgehen.
von Wasserstoff zur Verfügung und eignen sich
für Motoren mit Fremdzündung . 1.8.6 Schmieröle und Schmierstoffe

Erdgas Gewinnung
Erdgas wird nach der Förderung entschwefelt und Grundöle für Motoren und Getriebe entstehen aus
gereinigt. Es besteht aus bis zu 98 % Methan (CH 4 ). den Rückständen der atmosphärischen Destillation
mit Anteilen von Ethan (C 2 H6 ). Butan (C 3 H8 ) und Pro- von Rohöl durch Weiterverarbeitung mittels Vaku-
pan (C 4 H 10 ) . Auch Stickstoff (N 2 ) und Kohlendioxid um-Destillation (Bild 1, Seite 29).
(C0 2 ) können enthalten sein. Je höher dabei der An- Die im Schmieröl enthaltenen langkettigen Kohlen-
teil von C0 2 und N 2 ist, desto geringer ist sein Heiz- wasserstoffmoleküle sind sehr wärmeempfindlich
wert. Entsprechend wird Erdgas mit hohem Heiz- und können bereits ab 330 oc in kurzkettige Ben-
wert in der Qualität H bzw. Erdgas mit geringerem zinmoleküle zerfallen . Um dies zu verhindern, wird
Heizwert in der Qualität L angeboten. durch Unterdruck die Siedetemperatur herabgesetzt
Erdgas kann entweder gasförmig bei Umgebungs- (Vakuumdestillation) . Wie in der atmosphärischen
temperatur und 200 bar (CNG = Compressed Natural Destillation entstehen dabei Destillate mit unter-
Gas) oder flüssig bei -160 oc und 2 bar (LNG =Lique- schiedlicher Viskosität (je höher die Siedetempera-
fied Natural Gas) gelagert werden. ln CNG-Tankstel- tur, desto kürzer die Molekülketten).
len wird das Gas getrocknet, vorverdichtet und in Um diese Destillate als Grundöle zur Herstellung von
einem Druckspeicher bereitgestellt. Schmierölen einzusetzen, müssen sie durch Raffina-
Vorteile bei der Verwendung von Erdgas sind niedri- tion nachbehandelt werden (Tabelle 1).
ge Rohemissionen (CO, Partikel) und ein gegenüber
der Verbrennung von Benzin verringerter Ausstoß
von C0 2 (-25 %) . Eine hohe Oktanzahl von 115 ... 130
ermöglicht eine Anhebung der Verdichtung auf bis
zu E = 13 und damit eine Erhöhung des Wirkungs-
grades. Dies w irkt sich allerdings nur bei Fahrzeugen
mit reinem Erdgasantrieb aus. Nachteilig ist die ge-
ringere Speicherdichte bei gleichem Tankvolumen, Stockpunkt durch Entparaffinieren auf
- 9 oc ... - 15 oc einstellen
was die Reichweite verringert.
1 l<raftfahrzeug 35

Durch Zugabe von speziellen Wirkstoffen (Additive) Dynamische Viskosität. Sie kann in druckbeauf- •
werden die Grundöle mit noch erforderlichen Spe- schlagten Kapillarviskosimetern (besonders für die
zialeigenschaften versehen, z.B. Korrosionsschutz, HTHS-Viskositat) oder im Rotationsviskosimeter
Viskositätsverhalten. (Bild 2) für die Tieftemperaturviskosität bestimmt
werden. Ein Rotor wird in einem Zylinder mit Prüföl
Grundöle auf Kohlenwasserstoffbasis bei Prüftemperatur verdreht. Aus dem für die Ver-
Synthetische Kohlenwasserstoffe bestehen wie die drehung erforderlichen Drehmoment wird die Vis-
Raffinate aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen, kosität in Pa · s (Pascalsekunde) oder gebräuchlicher
aber mit einem anderen Molekülaufbau als dem mPa · s ermittelt.
des Erdöles. Das Ausgangsprodukt Rohbenzin wird
HTHS-Viskosität (High Temperature High Shear).
durch Cracken in reaktionsfreudige Gasmoleküle,
SAE, ACEA und verschiedene Fahrzeughersteller
wie z.B. Ethen, umgewandelt. Diese Gasmoleküle
schreiben bei einer Öltemperatur von 150 oc und
werden zu Isoparaffinen mit Molekülen einer ge-
einem Schergefälle von 106 s- 1 bestimmte Min-
wünschten Struktur, den Poly-Alpha-Olefinen (PAO)
destviskositäten vor. Dadurch soll erreicht werden,
zusammengesetzt (synthetisiert). Durch diesen Mo-
dass auch bei hohen Motordrehzahlen und Motor-
lekülaufbau haben synthetische Kohlenwasserstoffe
temperaturen ein tragender Schmierfilm aufgebaut
gegenüber den Raffinaten einen besonders hohen
werden kann. Durch niedrigere HTHS kann der Kraft-
Viskositätsindex, geringere Verdampfungsverluste
stoffverbrauch abgesenkt werden.
und ein besseres Tieftemperaturverhalten.
Schergefälle. Darunter versteht man die Geschwin-
Aufgaben und Eigenschaften der Schmieröle digkeit des bewegten Teiles dividiert durch die
Schmierfilmdicke. An einem Schmierspalt wird Öl
Schmieren Reinigen unterschiedlichen Seherbelastungen ausgesetzt. So
Kühlen vor Korrosion schützen bewegt sich ein Kolben bei hohen Motordrehzahlen
mit bis zu 36 m/s Geschwindigkeit an der Zylinder-
Abdichten Geräusche dämpfen wand entlang, während das anhaftende Öl die Ge-
schwindigkeit 0 hat. Das Schergefälle liegt im Leer-
Viskosität. Sie ist ein Maß für die Zähflüssigkeit des
lauf bei 105 s- 1, bei max. Drehzahl bei 106 s- 1 . Hierbei
Öles und entspricht der inneren Reibung. Öl hat eine
liegt die Schmierfilmdicke 3/100 mm bis 4/100 mm .
niedrige Viskosität und damit einen geringeren Ver-
formungswiderstand, wenn es dünnflüssig ist, eine
hohe Viskosität, wenn es zähflüssig ist.
Diesen Widerstand, den die Flüssigkeit gegen
die Verschiebung zweier benachbarter Schichten
entgegensetzt, nennt man auch innere Reibung
(Schubspannung). Je nach Ölsorte ist die Viskosität
verschieden groß, sie nimmt mit steigender Tempe-
ratur ab (Bild 1).

10000
5000 ..........
~
~~
mm 2
s Bild 2: Kapillarviskosimeter, Rotationsviskosimeter

- 1 000
500 Viskositätsindex. Für einen Motor ist das Öl am bes-

~
:~ ........
~
·c;; ten geeignet, das bei steigender Temperatur seine
0
""'"' 100 '1,
!"'-...... Viskosität möglichst w enig verändert (Öl 2 in Bild 1),
> 50
20
' ..........._

..........
da es sowohl einen guten Kaltstart als auch einen
tragfesten Schmierfilm bei hohen Öltemperaturen
10 ermöglicht. Der Zahlenwert des Viskositätsindex VI
-20 0 20 40 60 80 oc 100
sagt etwas über die Neigung der VT-Geraden (Visko-
Temperatur - - -
sitäts-Temperatur-Gerade) aus. Er ist umso größer,
Bild 1: Viskositäts-Temperatur-Diagramm je flacher die Kennlinie im VT-Diagramm verl äuft.
Gute Mineralöle haben einen Viskositätsindex von
Kinematische Viskosität. Sie wird im Kapillarvisko- 90 ... 100, synthetische Kohlenwasserstoffe errei-
simeter (Bild 2) ermittelt. Eine bestimmte Ölmenge chen 120 ... 150, wodurch die Anforderungen von
läuft bei Prüftemperatur durch ein langes, dünnes Hochleistungsmotoren leichter erfüllt werden kön-
Rohr. Aus der Auslaufzeit wird die Viskosität in m 2/s nen. Der Zahlenwert des Viskositätsindex wird aus
oder mm 2/s bestimmt. der Neigung der Geraden im VT-Diagramm ermittelt.
36 1 l<raftfahrzeug

• SAE-Viskositätsklassen. Sie wurden von der ameri- Der Temperaturbereich, in dem Motorenöle einge-
kanischen Society of Automotive Engineers (Vereini- setzt werden können, kann aus Bild 1 entnommen
gung der Automobil-Ingenieure) festgesetzt, um die werden .
Auswahl von Motor- und Getriebeölen für die ver-
schiedenen Temperaturbereiche zu erleichtern. 200 I
Man unterscheidet Einbereichsöle z.B. SAE 1OW, oc 4-
0
SAE 20W/20 (Winteröle). SAE 30, SAE 50 (Som- 160 "' I 1+-
meröle) und Mehrbereichsöle wie SAE 15W-50 $ i-
I
für den ganzjährigen Betrieb. Die Einteilung in "'
~

SAE-Viskositätsklassen beginnt bei 0 W und endet t120 LU


<(
(j)
I

bei Motorölen bei 50. ö 0


~ 80 <J) 0 N

Je höher die Kennzahl , desto zähflüssiger das Öl.


"'Q;
a.
Q)
.c
(.) "' I
$
I

<J)
$ $
ö"'
E -~ 0

Mehrbereichsöle sind Schmieröle, die mehr als eine


~ 40 -Ec "'
~

LU "'
LU
"'
~

LU
<( <( <( .c
Viskositätsklasse abdecken; z.B. erfüllt SAE 15 W-50
>
<J) (j) (j) (j) c>
die Forderungen an SAE 15W bei- 17,8 oc und die 0 .!!2
0
Forderungen an SAE 50 bei + 98,9 °C, also Starter- >
leichterung bei Kälte und Temperaturfestigkeit bei I I I I
-40
hohen Temperaturen .
Bild 1: Temperaturbereich von Motorölen
Additive. Grundöle können die vielfältigen Anforde-
rungen an ein Schmieröl für Motoren und Getriebe
nicht erfüllen, deshalb verwendet man chemische Einteilung der Motorenöle nach API
Zusätze (Additive). Dadurch werden die Eigenschaf- Vom American Petroleum Institut (API) wurde in
ten des Öles verbessert oder unerwünschte Eigen- fortlaufender Verbesserung in Zusammenarbeit mit
schaften unterdrückt (Tabelle 1). Additive sind ober- SAE und ASTM (American Society for Testing and
flächenaktive Stoffe, die mit Wasser oder Säuren Materials) ein Klassifizierungssystem für Motoren-
reagieren können, aber auch in Öl löslich sind. Der öle geschaffen, das ohne Änderung des bisherigen
Anteil von Additiven kann von weniger als 1 % bis weiter ausgebaut werden kann , d.h . es können nach
zu 25 % betragen. Bedarf neue Klassen mit noch höheren Anforderun-
gen hinzugefügt werden (Tabelle 1, Seite 37).
HO-Öle (HD = Heavy Duty). Sie enthalten Dispersant- Unterschieden wird nach S-Kiassen (spark ignition
additive, die Verschmutzungen umhüllen, in der bzw. Service-Klassen) für Ottomotoren. Öle für Die-
Schwebe halten und Schlammbildung durch Zu- selmotoren werden den C-Kiassen (compression
sammenballen der Schmutzteilchen verhindern . Dis- ignition bzw. Commerciai-Kiassen) zugeordnet.
persantadditive sind heute in allen Ölen enthalten.

- ..:
.
.. .. ...
.......,..... •• • ; : : / ... x C , > .' • • > 3 ·1·• +;I i l'c+i' ·;:~ nm:,~~' ·:o! ~MB~
Alterungsschutzadditive Sie verhindern die Oxidation (Alterung) des Öles unter dem Einfluss von Wärme und
Antioxidantien Sauerstoff. Durch Bildung eines Schutzfilmes wird auch Korrosion an Metallflächen
verhindert.

Extreme Pressure/ Hochdruckzusätze, die auf Gleitflächen (Lager, Kolben, Zylinder, Zahnräder, No-
Antiwear-Additive cken) dünne, aber gleitfähige Schichten aufbauen, die den direkten Kontakt von
(EP/AW) Metallflächen zueinander v erhindern.

VI-Verbesserer Sie bestehen aus langen, fadenförmigen Kohlenwasserstoffmolekülen, die im kalten


Öl zusammengeknäuelt und wenig gelöst sind. Wird das Öl erwärmt, so lösen und
entknäueln sie sich , nehmen dabei ein größeres Volumen ein, wodurch das Öl ver-
dickt wird . Der Viskositätsindex VI steigt

Stockpunkterniedriger Unter dem Stockpunkt (Pourpoint) versteht man die Temperatur eines Öles, bei der
es beim Abkühlen unter bestimmten Bedingungen gerade noch fließt Das Stocken
des Öles erfolgt durch Ausscheiden und Verketten von Paraffinkristallen. Die Stock-
punkterniedriger verschieben diesen Vorgang zu tieferen Temperaturen .

Reibwertveränderer Für die einwandfreie Funktion von Synchrongetrieben, Automatikgetrieben , Sperr-


(Friction-Modifier) differenzialen ist ein bestimmter minimaler Reibwert erforderlich. Dies erreicht man
durch Zugabe von entsprechenden Friction-Modifiern.
1 l<raftfahrzeug 37

Tabelle1:~~ßPil'····
Ottomotoren
SJ Diese Norm berücksichtigt neuere Erkennt-
nisse der Kraftstoffeinsparung und ver-
schärfte Anforderungen hinsichtlich der
Kraftstoffverluste. Der Phosphoranteil ist we-
gen der besseren Katalysatorverträglichkeit
Einteilung der Motoröle nach ACEA
Seit Januar 1996 gelten die neuen ACEA-Spezifika-
tionen (Tabelle 2).
ACEA (Assocation des Constructeurs Europeens
de !'Automobile = Ve reinigung der europäischen
Autom obilkonstrukteure) beschreibt Mindestanfor-
derungen für Motorö le, die in Pkw-Otto- und Die-

auf 0,1 % begrenzt. selmotoren, sowie in Nfz-Dieselmotoren verwendet
Im Vergleich zu SJ verschärfte Anforderu n- werd en. Die Motoröle werden in 4 verschiedenen
SL
gen bezüglich Ölverbrauch, Motorsauberkeit Leistungsgruppen eingeteilt. Öl e für ...
und Alterungsverhalten. Gültig seit 07/2001. • Pkw-Ottomotoren in ACEA A 1, A3 u nd A5.
SM Übertrifft die Qualitätsanforderungen von • Pkw-Dieselmotoren in ACEA B1 , B3, B4 und B5.
API-SL-Motoröl. Verlängerte Ölwechsel-
• Pkw-Diesel- und Ottomotoren mit Abgasnachbe-
intervalle sind möglich. HTHS > 3,5 m Pa · s.
Die Anteile an Sulfatasche, Phosphor und handlungssystemen in ACEA Cl , C2, C3, C4. Bei
Schwefel sind reduziert, deshalb ist das Öl diesen Ölen sind die Anteile von Sulfat-Asche,
für Fahrzeugmotoren mit NOx-Kata lysator Phosphor und Schwefel (SAPS) streng limitiert.
geeignet. Gültig seit 2004. Je nach Anteilen dieser Stoffe im Öl werden d ie-
Dieselmotoren se Öle als low SAPS ("; 0,5 % ) oder mid SAPS
("; 0,8 %) bezeichnet.
CG-4 Für emissionsarme Nfz-Dieselmotoren im
Langstreckenbetrieb geeignet. Kann anstatt • Nfz-Di eselmotoren in ACEA E2, E4, E6, E7, E9.
von API CD, CE und CF-4 Motorölen verwen- Du rch die Ziffern hinter den jeweiligen Bu ch staben
det w erden. w erden zusätzliche Eigenschaften der Öle im N orm-
CH-4 Für extrem lange Ölwechselintervalle, er- blatt festgelegt. An alle Öle werden die gleichen
höhter Verschleißschutz gegen den Einfluss Anforderungen hinsichtlich Schaumverhalten und
von Ruß. Dichtungsverträg lichkeit gestellt.
Cl-4 Für schnelllaufende Dieselmotoren mit Ab-
gasrückführung geeignet. Die von den Herst ellern vorgeschriebenen Ölspe-
Für schelllaufende Dieselmotoren mit Parti- zifikationen sind unbedi ngt einzuhalt en, um M o-
CJ-4
kelfiltersystem und mit den ab 2007 gefor- to rsch äden oder Schäden an der Einspritzanlage
derten Abgasg renzwerten geeignet. zu v ermeiden .

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Klasse Anforderu ngen Verwendung
A1 Weniger strenge Anforderungen hinsichtlich Scher- Öle mit einem hohen Potenzial zu r Kraftstoffein-
81 stabilität und Verdampfungsneigung. spa rung (;" 2,5 %). Wegen der niedrigen HTHS-Vis-
kosität dürfen diese Öle nur in den dafür freigege-
benen Motoren verwendet werden.
A3 Besonders scherstabile Öle mit geringer Verdamp- Öle mit sehr hohem Verschleißschutz bei hohen
83 fungsneigung. Temperaturen und Drehzahlen.
84 84-Öie sind für direkteinspritzende Dieselmotoren
besonders geeignet.
A5 Scherstabile Öle mit verminderten Verda mpfungs- Leichtlauföl mit nachgewiesener Kraftstofferspar-
85 verlusten im Vergleich zu A1/B1-Öien. nis bis 2,5 % im Prüfmotor im Vergleich zu einem
15W-40 Referenzöl.
C1 C1 low SAPS, C2 mid SAPS, Für Pkw-Motoren (Euro-IV-Motoren), z. B. mit Par-
C2 C3 mid SAPS, C4 low SAPS tikelfilter, NOx- Katalysator, 3-Wege-Katalysator
C3 C1 /C2 verminderte Scherstabilität. empfohlen bzw. vorgeschrieben.
C4 C3/C4 erhöhte Scherstabilität.
E2 Alle E-Öie erfüllen die gleichen Anforderungen an E2- für m ittlere Ölwechselintervalle.
E4 Scherstabi Iität, HTHS-Viskosität und Verdamp- E4 - für Ölwechselintervalle bis 100 000 km .
E6 fungsneigung. E6/E9 sind sog. SAPS-Öi e. E6/E9 für Motoren mit Abgasrückf ührung, Diesel-
E7 E7 wie E6 jedoch mit einem zu lässigen Sulfatasche- partikelfi lter und SCR-Kat alysatortech nik geeignet.
E9 gehaltvon < 2 %. E7 - Für Motoren ohne Dieselpartikelfilter geeignet.

Verdampfungsverluste. Um Ölkohleablagerungen V erdampfungsverluste w e rden über einen Zeitraum


auf Kolben und Ventil en zu begrenzen, dürfen die von einer Stunde bei einer Öltemperatur von 250 oc
Verdampfungsverl u ste bei A 1/A3-Ö ien und B1 /B3- ermittelt.
Öi en nicht mehr als 13 % ... 15 % betragen.
38 1 l<raftfahrzeug

• Die Verdampfungsverluste nehmen bei steigender


Betriebstemperatur zu und je dünnflüssiger das ver-
wendete Grundöl ist. Dies führt neben Ölkohleabla-
gerungen auch zu einem erhöhten Ölverbrauch .

Getriebeöle
An Getriebeöle werden z.T. andere Anforderungen
ATF-Öie sind Getriebeöle niedriger Viskosität, ver-
gleichbar Getriebeölen SAE 75W aber mit einem
hohen Viskositätsindex und einem Stockpunkt, der
unter- 40 oc liegt. Die Viskosität wird in den jewei-
ligen Spezifikationen vorgeschrieben, aber nicht an-
gegeben .
Für ATF-Öie gibt es keine vorgeschriebene Norm,
als an Motorenöle gestellt: die Mindestanforderungen werden durch die Auto-
• Verschleißschutz an Zahnflanken und Lagerlauf- mobilhersteller in Firmenspezifikationen definiert
flächen. Besonders bei Hypoidantrieben kann der z.B. Dexron 111 von GM oder Mercon von Ford .
Schmierfilm weggequetscht werden, was zu er-
höhtem Verschleiß führt. Die Freigabe-Vorschriften der Automobilherstel-
• Unterschiedliches Reibverhalten. ln Synchronge- ler sind unbedingt zu beachten .
trieben muss der Ölfilm zwischen Reibkegel und
Synchronring abgetragen werden können, um Schmierfette
den Synchronisiervorgang zu ermöglichen . Schmierfette bestehen aus einem Öl und einem Ver-
• Alterungsschutz über die gesamte Lebensdauer. dickungsmitteL Beim Verdicken werden schwamm-
• Dichtungsverträglichkeit, z.B. bei Elastomeren . artige Strukturen gebildet, in die das Öl eingelagert
Für Getriebeöle kommen neben API-Kiassifikationen und wenn nötig auch wieder abgegeben wird .
auch SAE-Kiassen zum Einsatz (Tabelle 1). Die SAE-
Schmierfette sind Aufquellungen von Verdi-
Kiassen sind mit denen für Motoröle nicht vergleich-
ckungsmitteln in Öl.
bar, die Viskosität eines Getriebeöles SAE 80 ent-
spricht der eines Motoröles SAE 20.
Aufbau der Schmierfette
Grundöle. Wie bei Motorölen werden einfache Raf-
Schaltgetriebe, Achsgetrie- API
finate, Hydrocracköle oder synthetische Kohlenwas-
SAE 75, 80, 90
be ohne Achsversatz GL4 serstoffe (PAO) verwendet. Soll das Fett biologisch
abbaubar sein, so werden synthetische Ester oder
Schaltgetriebe (unkritisch SAE 80, 90, 140
Rapsöle eingesetzt.
beim Synchronisieren). API SAE 75W
Achsgetriebe mit großem GL5 SAE 80W-90 VerdickungsmitteL Verwendet werden Seifenverdi-
Achsversatz SAE 85W-140
cker, die auch als Metallseifen bezeichnet werden,
wie Lithium-, Kalzium- und Natriumseifen und sei-
Leichtlauf-Getriebeöle. Dünnflüssige Mehrbereichs- fenfreie Verdicker wie Geie oder Bentonit.
öle, z.B. SAE 75W-90 mit einem hohen Viskositäts- Je nach Art des verwendeten Verdickungsmittels,
index. Durch Zugabe von Reibwertveränderern wird der Temperatur, der Viskosität des Grundöles er-
besonders bei tiefen Temperaturen der Reibwert hält man Schmierfette unterschiedlicher Konsistenz
herabgesetzt, was zu leichterem Schalten und Ver- (Steifigkeit) .
brauchsvorteilen führt.

Öle für Achsgetriebe. Besonders für Hypoidgetriebe Auswahl von Schmierfetten


sind hochadditivierte Öle mit großem Lasttragever- Sie erfolgt nach der vorgegebenen Betriebstempera-
halten nötig, damit der Schmierfilm zwischen den tur und der auftretenden Belastung z.B. im Lager. Bei
Zähnen nicht weggedrückt wird. Bei selbstsper- hohen Temperaturen werden manche Fette weich
renden Achsgetrieben verwendet man LS-Öie (li- und fließen aus. DerTemperaturpunkt, bei dem sich
mited-slip), die durch Begrenzen des Schlupfes die Fette verflüssigen, ist der Tropfpunkt Er ist abhängig
automatische Sperrwirkung zwischen den druckbe- von der Art der verwendeten Seifenbasis (Tabelle 2).
aufschlagten Reiblamellen unterstützen.

Automatikgetriebeöle ATF (Automatie Transmissi-


Tropf- wasser-
on Fluid). Gegenüber den Ölen für Schaltgetriebe Seifenbasis Verwendung
punkt oc fest
müssen sie zusätzliche Anforderungen erfüllen:
Kalzium
• Schmieren von Planetenrädern, Freiläufen bis 200 ja Abschmierfett
(KaI kseifenfett)
• Betätigen von Bremsbändern und Kupplungen
Natrium (Na-
• Drehmomentübertragung vom Pumpen- zum 120... 250 nein Wä lzlagerfett
tronseifenfett)
Turbinenrad
• Hoher Viskositätsindex in weiten Temperaturbe- Lithium (Li-
100 ... 200 ja Mehrzweckfett
thiumseifenfett)
reichen
1 l<raftfahrzeug 39

Lithiumseifenfett. Häufigste Schmierfettart Wasser-


beständig, thermisch hoch belastbar, Einsatztempe-
raturbereich- 20 oc ... 130 oc.
Kalziumseifenfett. Wasserbeständig, thermisch ge-
ring belastbar, Temperaturbereich- 40 oc ... 60 oc.
Natriumseifenfett. Nicht wasserbeständig, max. Ein-
satztemperatur 100 °C.
1.8.7 Gefrierschutzmittel
Kühlflüssigkeit ist in der Regel ein Gemisch aus
möglichst kalkarmem Wasser, Gefrierschutzmittel
und Zusätzen für den Korrosionsschutz sowie zur
Schmierung, z.B. der Heizungsventile. Die Kühlflüs-
sigkeit soll weitgehend frei von Verunreinigungen
sein, da Kalk, Schmutz und Fett die Wärmeleitfähig-

Hochtemperaturfette. Sie sind bei Dauertempera- keit vermindern und unter Umständen die Leitungen
turen oberhalb 130 oc einsetzbar. Man unterscheidet: und Kanäle verstopfen.
• Komplexseifenfette, Basis sind besondere Al -, Ca- Vor Einbruch der kalten Jahreszeit muss der Gefrier-
oder Li-Metallseifen (Einsatz in Nfz-Achsen) schutzmittelanteil auf den vorgeschriebenen Wert
• Ge/fett, Bentonitfett, Basis sind seifenfreie Verdi- gebracht werden, damit das Wasser nicht gefriert
cker (Einsatz als Heißlager- oder Zahnradfett)
und dadurch am Motor und Kühler schwere Schä-
EP-Schmierfette (EP = Extreme-Pressure). Sie kön- den hervorruft. Die Kühlflüssigkeit enthält ab Werk
nen hohen Drücken standhalten und enthalten z.B. meist zwischen 40 % und 50 % Gefrierschutzmittel.
Schwefel-Phosphor-Verbindungen. Das Mischungsverhältnis und damit die Gefriertem-
Additive. Für höchste Belastungen werden dem peratur lässt sich mit einer Messspindel (Aräometer)
Schmierfett Festschmierstoffe (Graphit, Molybdän- oder dem Refraktometer (Bild 1) ermitteln.
disulfid, Kupfer) zugegeben.
Die Messung beruht auf der Bestimmung der vom
Konsistenz. Es ist der Widerstand eines Fettes gegen Mischungsverhältnis abhängigen Dichte.
seine Verformung . Die Eindringtiefe eines genorm-
ten Kegels in das Fett führt zur Einteilung in die - 50
~ - 40
NLGI-Kiassen (National Lubricating Grease Institute) .5
000,00,0, 1,2,3,4,5. S - ae
Konsistenz Eigenschaft, Verwendung
~-· - 20
.t - 10
Sehr weich , Fließfette, z.B. Zentral -
000 ... 1
schmieranlagen
G13 G11/G12
Pro py lene Ethy len
W eich, Abschmierfette für alle
2 ... 3
übrigen Fettschmiersteilen
Bild 1: Refraktometer
4 ... 5 Fest, Wasserpumpenfette
Gefrierschutzmittel bestehen in der Hauptsache aus
Kennzeichnung von Schmierfetten Ethylenglykol (G11, G12). das die Gefriertemperatur
Beispiel: I K PF 2 K - 30 I absenkt. Zum Schutz der im Motor und in der Kühl-
anlage vorhandenen verschiedenen metallischen
K Schmierfett für W älzlager (G für Getriebe) W erkstoffe, sind sogenannte Korrosionsinhibitoren
PF P für EP/AW-Zusätze, beigefügt. Diese beeinflussen sich gegenseitig und
F für Festschmierstoffe z.B. MoS 2 können zu Schäden an Metallteilen führen. Es emp-
2 NLGI-Kiasse, 2 = Abschmierfett fiehlt sich deshalb, nur die vom Werk freigegebenen
K Obere Einsatztemperatur 120 °C
Gefrierschutzmittel zu verwenden.
-30 Untere Einsatztemperatur in °C.
Kühlflüssigkeit ist entsprechend Herstellervorschrift
WIEDERHOLUNGSFRAGEN zu wechseln und sortenrein zu sammeln und zu ent-
1 Wie werden Grundöle für Motoren hergestellt? sorgen.
2 Welche Aufgaben haben Schmieröle?
3 Was versteht man unter der Viskosität von Ölen? WIEDERHOLUNGSFRAGEN
4 Was versteht man unter einem Mehrbereichsöl? 1 Aus welchen Bestandteilen setzt sich die Kühl-
5 Was sind Additive? flüssigkeit zusammen?
6 Was versteht man unter HO-Ölen? 2 Welche Anforderungen werden an die Kühl-
7 Welche Anforderungen werden an Getriebeöle flüssigkeit gestellt?
gestellt? 3 Mit welchen Messgeräten kann das Mischungs-
8 Aus welcher Klassifikation stammt ein Motoröl verhältnis und damit die Gefriertemperatur er-
mit der Bezeichnung 83 und wo wird es einge- mittelt werden?
setzt? 4 Woraus bestehen Gefrierschutzmittel in der
9 Welche Schmierfette unterscheidet man nach der Hauptsache?
Art der Verseifung, und welche Fette sind beson- 5 Was ist bei der Entsorgung von Kühlflüssigkeit
ders warmfest? zu beachten?
40 1 l<raftfahrzeug

• 1.8.8 Kältemittel
An Kältemittel für Kraftfahrzeuge werden im We-
sentlichen folgende Anforderungen gestellt:




Geringes Treibhauspotenzial
nicht Ozonschädigend
gering bzw. nicht toxisch (giftig)
nicht brennbar
1.8.9 Bremsflüssigkeit
Von der Bremsflüssigkeit werden folgende Eigen-
schaften verlangt:




Hoher Siedepunkt (bis etwa 300 °C)
Niedriger Stockpunkt (etwa bei- 65 °C)
Gleichbleibende Viskosität
Chemisch neutral gegenüber Metall und Gummi
• gute thermodynamische Eigenschaften • Schmierung der beweglichen Teile in Brems- und
Bei Typgenehmigungen von Kraftfahrzeugen dürfen Radzylinder
seit 2011 in Automobilen nur noch Kältemittel einge- • Mischbar mit Vergleichsbremsflüssigkeiten
setzt werden die ein Treibhauspotenzial von weniger Die in den DOT-Normen (Department of Trans-
als 150 haben. portation, amerikanisches Verkehrsministerium)
festgelegten Siedepunkte reichen aus, um Dampf-
Unter dem Treibhauspotenzial (Global Warming
blasenbildungdurch die beim Bremsen entstehende
Potential GWP) versteht man, wie viel eine fest-
Wärme zu verhindern.
gelegte Menge eines Treibhausgases im Ver-
gleich zu Kohlendioxid (C0 2 ) zum Treibhausef- Mindestsiedepunkte für Bremsflüssigkeiten :
fekt beiträgt. Der GWP-Faktor von C0 2 ist 1. DOT 3 205 °C, DOT 4 230 °C, DOT 5.1 260 oc.
Das bisher verwendete R 134a (Tetrafluorethan - Da Bremsflüssigkeit aus Polyglykolverbindungen
C2 H2 F4 ) hat einen GWP-Faktor von 1430. besteht, ist sie hygroskopisch, d.h . wasseraufneh -
mend . Je höher der Anteil an Wasser, desto nied-
Als Ersatzkältemittel kommen für Neufahrzeuge der-
riger wird der Siedepunkt. Der sogenannte Nass-
zeit R 1234 yf (Tetrafluorpropen C3 H2 F4 ) oder R 744
Siedepunkt (Bild 1) bezeichnet den Siedepunkt bei
(Kohlendioxid C0 2 ) infrage. R 1234 yf hat einen
3,5 % WasseranteiL
GWP-Faktor von 4. Bei R 744 ist der GWP-Faktor 1.
Das Kältemitte l R 1234 yf ist dem Kältemittel R 134a Bei DOT 3-Bremsflüssigkeiten ist der gefährliche
in der thermodynamischen Wirkung sehr ähnlich . Nass-Siedepunkt bereits bei 140 oc erreicht. Der
Bei Fahrzeugbränden kann R 1234 yf ätzende Fluss- größte Teil Wasser wird über die Bremsschläuche
säure freisetzen. aufgenommen, nach 2 Jahren sind etwa 3,5 % Was-
Bei Verwendung von R 744 sind wesentlich höhere seranteil und damit der gefährliche Nass-Siedepunkt
Drücke in der Klimaanlage erforderlich (45 bar .. . ca. erreicht. Durch die beim Bremsen auftretende Wärme
135bar). entstehen Dampfblasen, die den Bremsdruck nicht
weiterleiten, die Bremse fällt aus. Spätestens nach 2
KältemittelöL Zur Schmierung der beweglichen
Jahren sollte die Bremsflüssigkeit getauscht werden.
Teile des Kompressors ist ein spezielles Kältemittel-
öl erforderlich . Ein Teil dieses Öls mischt sich mit 260
dem Kältemittel und zirkuliert ständig in der Klima- oc
anlage.
t 220
200
WERKSTATTHINWEIS:
Es dürfen nur die vom Hersteller freigegebenen "'t:'
Q)
c.
180

Kältemittel und die dazu geeigneten Kältemittel- E 160


~ 140
öle verwendet werden .
120 0 2 3 3, 5 4
Arbeitsregeln Gewichts- %
Wasseranteil - - -
• Flüssige Kältemittel nicht berühren.
• Schutzbrille tragen . Bild 1: Siedekurven von Bremsflüssigkeiten
• Gasförmiges Kältemittel darf nicht in die Um-
welt entlassen werden . Um zu gewährleisten, dass Bremsflüssigkeit auch bei
• Erstickungsgefahr in Montagegruben, da das tiefen Temperaturen noch durch die Magnetventile
Gas schwerer als Luft ist. einer ABS-Anlage strömen kann, wird die Viskosität
bei - 40 oc gemessen und festgelegt. Bremsflüssig-
• Kältemittelflaschen keinen höheren Tempera-
turen als 45 oc aussetzen . keit nach DOT 5.1 bietet hinsichtlich Nass-Siedepunkt
und Viskosität die größten Sicherheitsreserven
Entleeren eines Kreislaufes
• Die Servicegeräte für unterschiedliche Kälte- Bremsflüssigkeit ist hochgradig giftig und wirkt
mittel müssen getrennt benützt werden. auf Lacke wie ein Lösemittel. Beim Mischen und
• Kältemittel wird durch Absaugstation oder Austauschen von Bremsflüssigkeiten sind die
Rückgewinnungsanlage aufgefangen. Herstellervorschriften zu beachten.
41

2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb


2. 1 Umweltschutz im Kfz-Betrieb
2.1.1 Umweltbelastung
Die industrielle Fertigung von Kraftfahrzeugen und
der Betrieb von Kraftfahrzeugen belasten durch
vorrangig Fäkalien und Waschlaugen . Die Industrie-
abwässer können z.B. durch giftige Schadstoffe oder
Mineralölrückstände verunreinigt sein . Diese Schad-
stoffe müssen bereits in besonderen Reinigungsanla-
gen, z.B. Ölabscheider mitvorgeschaltetem Sandfang,
Wasseraufbereitungsanlagen bei Fahrzeugwaschan-

schadstoffhaltige Abgase, Stäube, chemische Subs-
lagen ausgeschieden werden. Diese vorbehandelten
tanzen, Abwässer und Lärm zunehmend unsere Um-
Abwässer können zusammen mit den Haushaltsab-
welt. Umweltbelastung kann bedeuten :
wässern den öffentlichen Kläranlagen zufließen . Erst
• Gefährdung der Gesundheit von Mensch und dann darf das gereinigte Abwasser einem natürlichen
Tier, z.B. durch krebserregende Stoffe Gewässer wieder zugeleitet werden.
• Schädigung der Pflanzenwelt, z.B . Waldsterben Boden- und Grundwasserverschmutzung entsteht
• Zerstörung von Sachwerten, z.B. Zerfall von Ge- durch Versickern von Mineralölprodukten, z.B. Alt-
bäuden aus Sandstei n öl, chemischen Reinigungsmitteln, Schwermetallen,
z.B. Blei, giftigen Chemikalien sowie übermäßigen
• Verstärkte Verschmutzung, z.B. durch Rußpartikel
Gebrauch von Düngemitteln und Pflanzenschutzmit-
• Beeinträchtigung des Atmosphärengürtels und teln .
die damit verbundene Klimaveränderung
• Verbrauch unwiederbringlicher Rohstoffvorräte,
z. B. Erdöl (sogenannter Ressourcen)
2.1 2 Entsorgung

Luftverschmutzung entsteht z.B. bei motorischen Rechtlicher Rahmen des Umweltschutzes


Verbrennungsvorgängen. Schadstoffe, die dabei Um die Umweltbelastung durch Schadstoffe mög-
entstehen und die Luft belasten, sind z.B. Kohlen- lichst gering zu halten, wurden z.B. zulässige Schad-
monoxid (CO). unverbrannte Kohlenwasserstoffe stoffgrenzwerte durch den Gesetzgeber festgelegt
(HC). Stickoxide (NOxL Schwefeldioxid (S0 2 ), Ruß- z.B. 120 g/dm 3 bei motorischer Verbrennung. Um
partikel und schwermetallhaltige Feinstäube. Geeig- die Gewässer zu schützen und die Umwelt von der
nete Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft sind z.B. Schadstoffeinbringung zu entlasten, schreibt der
Verwendung von bleifreiem Kraftstoff, Einbau von Gesetzgeber z.B. für Kfz-Betriebe Öl- und Benzin-
Kata lysatoren und der Einsatz von Partikelfiltern bei abscheider und Sandfänge, sowie das sortenreine
Dieselmotoren. Sammeln von Wertstoffen vor.
Gewässerverschmutzung erfolgt im Wesentlichen Die folgenden Gesetze und Verordnungen (Tabelle
du rch Einleitung von Abwässern aus Haushalten und 1) bilden im Wesentlichen die Grundlage für den
Industriebetrieben. Haushaltsabwässer enthalten Umweltschutz im Kfz-Betrieb.

Kreislaufwirtschafts- Wasserhaushalts- Chemikaliengesetz Gefahrgutgesetz Gerätesicher-


und Abfallgesetz gesetz (WHG) (ChemG) (GefahrgG) heitsgesetz
(KrW-/AbfG) (GSG)

Altölverordnung Verordnung über Gefahrstoff- Gefahrgutverord - Verordnung über


(AitöiV ) das Lagern wasser- verordnung nung Straße brennbare Flüssig-
Altfahrzeug- gefährdender (GefStoffV) (GGVS) keiten (VbF)
verordnung Flüssigkeiten (VLwF)
(AitfahrzeugV) Verordnung über
Abfallverzeichnis- Anlagen zum
verordnung (AVV) Umgang mit wasser-
Nachweisverordnung gefährdenden
(NachwV) Stoffen (VAwS)

Technische Anleitung Technisch e Regeln Technische Richt- Technische Regeln


Abfall (TA-Abfall) für Gefahrstoffe Iinien (TR) für brennbare
(TAGS) Flüssigkeiten (TRbF)
42 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG). Die Abfallarten Abfälle zur Verwertung und Abfälle
Es regelt die ordnungsgemäße Abfall- und Altöl- zur Beseitigung werden weiter unterschieden in ge-


entsorgung . Danach sind Abfälle alle beweglichen fährliche Abfälle und nicht gefährliche Abfälle (Bild 2).
Sachen, derer sich ihr Besitzer entledigen will oder Gefährliche Abfälle (früher: besonders überwa-
die zum Schutze der Umwelt ordnungsgemäß ent- chungsbedürftige Abfälle). Sie sind Abfälle, die in der
sorgt werden müssen. Nach diesem Gesetz umfasst Abfallverzeichnisverordnung (AVV) festgelegt und
die Abfallentsorgung sowohl die Verwertung als mit einem (* ) gekennzeichnet sind. Gefährliche Ab-
auch die Beseitigung von Abfällen . Außerdem re- fälle müssen nach den Vorschriften der Nachweisver-
geln weiter Gesetze und Verordnungen das Lagern, ordnung (NachwV) entsorgt werden.
Einsammeln, Befördern, Behandeln und das Endla-
Nicht gefährliche Abfälle (früher überwachungsbe-
gern von Abfällen .
dürftige und nicht überwachungsbedürftige Abfälle).
Folgende Grundsätze sind festgelegt (Bild 1): Sie sind alle anderen Abfälle, deren Entsorgung für
1. Abfälle sind zu vermeiden bzw. zu verringern. den Abfallerzeuger und Betörderer nicht nachweis-
2. Abfälle sind zu verwerten, soweit es möglich ist. pflichtig ist. Der Entsorger kann jedoch durch die zu-
ständige Behörde verpflichtet werden, die ordnungs-
3. Abfälle sind getrennt zu sortieren und zu entsor-
gemäße Entsorgung in Registern (Nachweisbüchern)
gen, wo Vermeidung und Verwertung nicht mög-
lich ist. zu führen.

Abfallverzeichnisverordnung (A VV)
zu vermeiden Diese Verordnung legt für die einzelnen Abfallarten
Abfall ist Resourcen schonen
die Abfallbezeichnung mithilfe von sechsstelligen
II z.B. kein unnützes Verpackungsmaterial

Abfallschlüsselnummern europaweit fest. Die gefähr-


zu verwerten
wenn nicht möglich stofflich, z.B. Recyceling oder lichen Abfälle sind durch ein Sternchen (*) hinter der
II energetisch, z.B. Wänneerzeugung
Abfallschlüssel nummer gekennzeichnet (Tabelle 1).
zu beseitigen
wenn nicht möglich Endlagerung
II z.B. Sandfangrückstände

Bild 1: Grundsätze der Abfallgesetzgebung

Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz unter-


scheidet zwei Abfallarten (Bild 2) .

j--1 Abfallarten

Abfälle zur Verwertung Abfälle zur Beseitigung


Gefährliche Abfälle Gefährliche Abfälle
z.B. Altöl bekannter
Herkunft, Bremsflüssig-
z.B. Sandfanginhalte,
ÖI -Wassergemische I
keit, Kühlmittel aus derTeilereinigung
Nicht gefährliche Abfälle Nicht gefährliche Abfälle
z.B. Metallschrott, Altglas, z.B. Hausmül lähnlicher Nachweisverordnung (NachwV, Bild 1, Seite 43)
Altreifen, Altpapier Gewerbeabfall Sie regelt die ordnungsgemäße Entsorgung gefähr-
licher Abfälle.
Bild 2: Einteilung der Abfallarten nach dem Abfallgesetz
Entsorgungsnachweis im Grundverfahren. Er besteht
aus
Abfälle zur Verwertung. Sie sind Abfälle, die wieder-
verwertet und dadurch in den Wirtschaftskreislauf zu- • der Verantwortlichen Erklärung des Abfallerzeu-
rückgeführt werden . gers einschließlich der Deklarationsanalyse,
Neben der stofflichen Nutzung durch Recycling be- • der Annahmeerklärung des Entsorgers und
deutet Verwertung auch energetische Nutzung . Dabei • der Bestätigung der zuständigen Behörde über die
werden die Abfälle gemeinwohlverträglich verbrannt Zulässigkeit des Entsorgungsweges.
und die entstehende Wärme selbst genutzt oder an Privilegiertes Verfahren. Es ist ein Verfahren , bei
Dritte abgegeben . dem der Abfallentsorgerein behördlich anerkannter
A bfälle zur Beseitigung . Sie sind Abfälle, die nicht Entsorgungsfachbetrieb ist. Eine Bestätigung der zu-
verwertet werd en können . Sie müssen gemeinwohl- ständigen Behörde über die ordnungsgemäße Ent-
verträglich beseitigt werden . sorgung entfällt.
2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb 43

vorschriftsmäßig gelagert. Dieses Altöl ist der Ge-


~ GefihrlicheAbfille ~ fahrklasse A 111 zugeordnet (gilt für Flüssigkeiten mit


einem Flammpunkt über 55 oc bis 100 °C) .
[ Insgesamt> 2t/Jahr I I Insgesamt < 2 t/Jahr] Altöle unbekannter Herkunft sind alle Altöle, die vom
Selbstwechsler in der Kfz-Werkstatt, an der Tankstel-

'J l
I jährlich< 20tjeAS Jl •
( jährlich> 20t je AS I
le oder an allen Altölannahmesteilen abgegeben
werden. Hier kann nicht ausgeschlossen werden,

~
dass diese Altöle mit Benzin, Lösemittel, Bremsflüs-

'
sigkeit usw. verunreinigt sind. Sie gehören deshalb
Vorab- Entsorgung im Grundver- zur Gefahrklasse AI (gilt für Flüssigkeiten mit einem
Sammel-
kontrolle entsorgungs- fahren bzw. bei Entsor- Flammpunkt unter 21 °C) (Bild 2) .
nachweis
gungsfachbetrieben im
privilegierten Verfahren
Altöle bekannter und unbekannter Herkunft
~ ~ dürfen in keinem Fall gemischt werden.

Verbleibs- Übernahme- Die Altölverordnung legt auch fest, welche Altöle wie-
für Erzeuger:
kontrolle Begleit- schein bei
Ubern ahme- der aufbereitet werden dürfen . Altöle mit einem PCB-
scheine der Sammel-
schein
entsorgung Anteil (Polychlorierte Biphenyle) ab 20 mg je kg oder

~
einem Halogenanteil ab 2 g je kg dürfen nicht aufbe-
i i reitet werden. Sie werden beseitigt, d.h. ggf. bei ho-
Register ja
II ja
I ja I hen Temperaturen gemeinwohlverträglich verbrannt.

AS = Abfallschlüsselnummer Altöl bekannter Herkunft Altöl unbekannter Herkunft


AIII AI
Bild 1: Entsorgungsnachweise nach der
Nachweisverordnung (NachwV)

Sammelentsorgungsnachweis. Bei diesem Verfahren


muss der Abfallsammler den Sammelentsorgungs-
nachweis in Form eines Übernahmescheins (gelb)
führen. Der Einsammler bescheinigt dem ursprüng-
Bild 2: Einteilung der Altöle nach der Altölverordnung
lichen Abfallerzeuger mit dem Übernahmeschein
(weiß), dass er die Abfälle zur weiteren Entsorgung Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
übernommen hat. Allerdings darf bei diesem Verfah- Es ist die Grundlage aller Gesetze und Verordnungen
ren die angefallene Menge 20 t je Abfallschlüssel und zum Schutze des Wassers. Das Wasserhaushalts-
Kalenderjahr je Kfz-Betrieb nicht überschreiten . gesetz regelt die Benutzung (Bewirtschaftung) von
Begleitscheinverfahren. Es wird für gefährliche oberirdischen Gewässern, Küstengewässern und des
Abfälle mit mehr als 20 t pro Jahr je Abfallschlüs- Grundwassers. Wo Abfälle mit gefährlichen Schad-
selnummer zwingend vorgeschrieben. Bei dessen stoffen anfallen, müssen diese nach dem Stand der
Durchführung ist vom Abfallerzeuger, Abfallbetör- Technik vor ihrer Einleitung in ein öffentliches Ge-
derer und vom Abfallbeseitigerauf einzelnen, farbig wässer oder in die Kanalisation gereinigt werden .
gekennzeichneten Formularen u.a. eine Klassifizie- Wassergefährdende Stoffe
rung des gefährlichen Abfalls mit Abfallbezeichnung
Es sind alle festen, flüssigen und gasförmigen
u nd Abfallschlüssel vorzunehmen und deren Rich-
Stoffe, die die physikalische, chemische oder bio-
tig keit mit der Unterschrift zu bestätigen.
logische Eigenschaft von Gewässern nachteilig
Bestimmte Formulare werden der zuständigen Be- beeinflussen.
hö rde zugesandt, andere im Register der Beteiligten
aufbewahrt. Wassergefährdungsklassen (WGK, Tabelle 1)
Register. Sie sind die Sammlung aller schriftlichen Sie kennzeichnen, wie stark verschiedene Stoffe das
Nachweise, wie Übernahmescheine, Begleitscheine, Wasser gefährden.
die jeder am Entsorgungsweg Beteiligte 3 Jahre auf-
bewahren muss. Ab 1.4.2010 müssen die Register Tabelle1: >~i!il1c'Ji~

elektronisch geführt werden . stark wassergefährdende Stoffe (WGK 3)


z.B. Altöl, Schmieröle, Lösemittel, Ottokraftstoffe
Altölverordnung (AitöiV).
wassergefährdende Stoffe (WGK 2)
Altöle bekannter Herkunft sind z.B. Motoren- und z.B. Bremsflüssigkeit, Dieselkraftstoffe, Heizöl
Getriebeöle, die beim ordnungsgemäßen Ölwechsel
in der Kfz-Werkstatt oder an der Tankstelle anfallen. schwach wassergefährdende Stoffe (WGK 1)
z.B. Batteriesäure, Kühlflüssigkeit, Petroleum
Sie werden in einem dafür vorgesehenen Behälter
44 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

Vorschriften für den Kfz-Betrieb. Es müssen spezielle Nicht behandlungsbedürftiges Abwasser


Lagervorschriften eingehalten werden. z.B. müssen Es kann ohne Vorbehandlung in die Kanalisation


alte, gefüllte Batterien in Kunststoffwannen, Altfar- oder in ein Oberflächengewässer eingeleitet wer-
ben, Altlacke in Metallbehältern oder Spannringfäs- den (Bild 1).
sern, Altöl bekannter Herkunft in doppelwandigen,
verschließbaren Behältern aufbewahrt werden. Chemikaliengesetz
Es kennzeichnet die Eigenschaften von gefäh r-
Anfallendes Abwasser wird in behandlungsbedürf- lichen Stoffen oder Zubereitungen , die geeignet
tiges und nicht behandlungsbedürftiges Abwasser sind, die menschliche Gesundheit und die Umwelt
eingeteilt (Bild 1). zu gefährden(Tabelle 1).

Tabelle 3: -~ .von pfihrliehen


I Abwasser im Kfz-Betrieb j Stofinund~naeh
dem Chemikaliengesetz
• explosionsgefährlich • reizend
behandlungsbedürftiges Abwasser • brandfördernd • sensibilisierend
- z.B. gewerbliches Schmutzwasser, belastetes
Regenwasser von Nutzflächen im Kfz-Betrieb • hochentzündli ch • krebserzeugend
• leichtentzündlich • fru chtschädigend
• entzündlich • erbgutverändernd
nicht behandlungsbedürftiges Abwasser
- • sehr giftig • chronisch schädigende
z.B. unbelastetes Regenwasser vom Dach,
häusliches Schmutzwasser Eigenschaften
• giftig
besitzend
• mindergiftig
• umweltgefährlich
Bild 1: Einteilung der Abwässer
• ätzend

Behandlungsbedürftiges Abwasser kann mit Mine-


ralölen, Kraftstoffen, Reinigungsmitteln und Fest- Gefahrstoffverordnung (GefstoffV)
stoffen wie Metallspänen, Lackpartikeln, Schmutz- Sie regelt den Umgang mit gefährlichen Stoffen .
teilchen usw. verunreinigt sein. Bevor es in die Gefahrstoffe sind z.B. Pinselreiniger, Lösemittel,
Kanalisation oder in ein Oberflächengewässer ein- Kraftstoffe, Säuren.
geleitet werden darf, muss es gereinigt werden. Dies
kann mithilfe eines Schlammfangs und Benzinab- Beim Umgang mit Gefahrstoffen ist folgendes zu
scheiders (Bild 2) erfolgen . beachten:
• Gefahrstoffe sind zu kennzeichnen.
• Gefahrstoffe sind vorschriftsmäßig zu gebrauchen .
• Gefahrstoffe sind vorschriftsmäßig zu lagern.
• Behältnisse, in denen Gefahrstoffe gelagert wer-
den, dürfen nicht mit Behältnissen für Lebensmit-
tel verwechselt werden können .
• Kein Lösemittel in Getränkeflaschen aufbewahren.
Schlamm-
fang schematische Darstellung • Gefahrstoffe sind für Betriebsfremde und Unbe-
eines Benzinabscheiders fugte unzugänglich aufzubewahren und unter Ve r-
mit Schlammfang:
Schlammfangsedim ent schluss zu halten.
1 Einlauf, 2 Abscheidekamm er, 3 Schwimmerkammer,
4 Auslauf, 5 Schwimmer, 6 Ventilteller, 7 Ventilsitz,
8 Schwimmerkammerdeckel, 9 Deckel
2.1.3 Altautoentsorgung
Bild 2 : Schlammfang und Benzinabscheider
Altautoverordnung (AitautoV)
Im Schlammfang sollen sich die im Abwasser ent- Legt ein Fahrzeughalter sein Fahrzeug endgültig still,
haltenen Feststoffe absetzen , während im Benzinab- so muss er gegenüber der Zulassungsstelle nach-
scheider die leichteren Flüssigkeiten, wie Öle, Ben- weisen, was mit dem Fahrzeug geschehen ist. Die
zine, aufgrund ihrer geringeren Dichte vom Wasser dazu erforderlichen Vorschriften sind in der Altauto V
getrennt we rden können. festgelegt.
2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb 45

Folgende Inhalte der Altautoverordnung sind für die • Aufbau und Ausbau einer flächendeckenden In-
Stilllegung wichtig: frastruktur zur Rücknahme und Verwertung von
• Der Letzthalter muss einen Verwertungsnachweis Altautos sowie der Altteile aus der Pkw-Reparatur.
(Formularfarbe rot) bei endgültiger Stilllegung • Umweltverträgliche Behandlung der Altautos
und Verwertung des Altautos der Zulassungsstelle durch Trockenlegung und Demontage.
vorlegen (Bild 1). • Verminderung der zu beseitigenden Abfälle aus
• Altautos müssen vom Letzthalter bei einer an- Altautos durch Wiederverwertung und Einsatz re-
erkannten Annahmesteile oder bei einem aner- cyclebarer Werkstoffe.
kannten Verwertungsbetrieb abgegeben werden. • Rücknahme aller Altautos vom jeweiligen Fahr-
Diese Stellen händigen dem Letzthalter einen Ver- zeughersteller. Sie werden kostenlos zurückge-
wertungsnachweis aus. nommen, wenn sie vor dem 1. April 1998 in den
• Die Annahme von Altautos und Aushändigung Verkehr gebracht wurden und nicht älter als 12
des Verwertungsnachweises kann auch durch Jahre sind .
eine anerkannte Annahmesteile im Auftrag eines
Endgültige Stilllegung eines Altautos durch Ver-
Verwertungsbetriebs erfolgen . wertung. Der Letzthalter übergibt sein Altauto einer
• Die Anerkennung von Kfz-Betrieben als Annahme- anerkannten Annahmesteile bzw. einem Verwer-
stellen für Altautos wird durch die zuständige Kfz- tungsbetrieb zur endgültigen Stilllegung. Die An-
Innung ausgesprochen. nahmestelle händigt den Verwertungsnachweis im
• Legt der Letzthalter sein Altauto still, ohne es der Auftrag und im Namen des nachgeschalteten Ver-
Verwertung zuzuführen, muss er eine Verbleibser- wertungsbetriebs an den Letzthalter aus. Mit diesem
klärung (Formularfarbe braun) über das Fahrzeug Nachweis kann er das Fahrzeug bei der Zulassungs-
vorlegen . Dies ist dann erforderlich, wenn der Pkw stelle endgültig stilllegen. Das Altauto wird zum Ent-
z.B. als Sammlerstück oder aufgrund einer lang- sorger weitergeleitet (Bild 1).
wierigen Reparatur im Besitz des Halters verbleibt
(Bild 1).
Freiwillige Selbstverpflichtung (FSV) 2.1.4 Recycling
Sie ist ein Abkommen zwischen dem Gesetzgeber
und 16 Wirtschaftsverbänden auf freiwilliger, ko- Viele Stoffe, die im Kraftfahrzeug verarbeitet sind,
operativer Grundlage, um eine ordnungsgemäße stellen einen großen wirtschaftlichen Wert dar, der
und umweltgerechte Entsorgung der Altautos zu in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden
gewährleisten. kann. Dadurch werden die Kosten für die Produktion
Die Freiwillige Selbstverpflichtung beinhaltet neben von neuen Fahrzeugen und für die Abfallentsorgung
anderen folgende Punkte: vermindert (Tabelle 1, Seite 46).

Endgültige Stilllegung Endgültige Stilllegung

• Aufbewahrung •Verwertung
(.. Oldtimer")
• Langwierige
Reparatur
• Vorübergehende
Stilllegung ohne
erneute
Anmeldung Auto

\ Verbleibs·
.,..l
erklärung

Verwertungsnachweis
Verbleibserklärung
Zulassungsstelle

Ordnungsbehörde
• Verwertungs·
nachweis

Verwertungs-
nachweis

I
Altauto
-1_ _.....;";;;;,;.;;.__......,
_ Anerkannte Annahmestelle

Altauto

Anerkannter Verwerterbetrieb J

evtl. Ordnungswidrig- Anerkannter Entsorger


keiten-Verfahren (z. B . Schre d de rb etrieb )

J Verbleibserklärung • Verwertungsnachweis

Bild 1 : Endgültige Stilllegung eines Altautos


46 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

granulataufbereitet werden, das dann zu Spritzguss-


teilen weiterverarbeitet wird. Die Batteriesäure wird


gereinigt und wiederverwendet, während aus den
Bleiplatten das Metall wiedergewonnen wird. Im Be-
reich der Abwasserwirtschaft eines Kfz-Betriebs kann
Waschwasser für Autowaschstraßen durch eine Re-
Kunststoffe 8%
cyclinganlage wiederaufbereitet werden und zum
Glas 3% größten Teil wieder als Brauchwasser in den Wasch-
Aluminium 3% prozess zurückgeführt werden.
Beim Kat-Recycling wird der Altkatalysator zunächst
Kupfer, Zink, Blei 2%
entmantelt. Durch Raffination des Keramikkörpers
andere NE-Metalle 1% oder Keramikbruchs werden die Edelmetalle (Pla-
tin, Rhodium) in hochreiner Form wiedergewonnen.
Die Keramikschlacke wird in der Bau- und Hüttenin-
So werden z.B. Altreifen durch Kalt- bzw. Warmvul- dustrie als Zuschlagsstoff eingesetzt, w ährend der
kanisieren runderneuert oder sie werden zerkleinert, Stahlschrott gesammelt und wieder eingeschmol-
das Cordgewebe wird zu Lärmschutzmatten, der zen wird.
Gummi zu Straßenbelägen verarbeitet. Kühlflüs- Kunststoffteile werden von Fahrzeugherstellern ge-
sigkeit, Bremsflüssigkeit wird gereinigt und wieder kennzeichnet, damit sie sortenrein gesammelt wie-
aufbereitet. Batteriegehäuse können zu Kunststoff- derverwertet werden können (Bild 1).

ABS,ASA

Bild 1: Recyclingfähige Kunststoffteile im Kraftfahrzeug

WIEDERHOLUNGSFRAGEN

1 Welche Gesetze beinhaltet das Umweltrecht? 5 ln welche Wassergefährdungsklassen werden


2 Welche 3 Abfallarten unterscheidet das Schadstoffe eingeteilt?
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz? 6 Welche Inhalte legt die Altautoverordnung fest?
3 Wodurch wird das sortenreine Sammeln von 7 Welcher Unterschied besteht zwischen
Kfz-Teilen aus Kunststoff vereinfacht? einem Verwertungsnachweis und einer
4 Wodurch sind Sonderabfälle nach der Verbleibserklärung?
Abfallbestimmungsverordnung gekennzeichnet? 8 Wie wird ein Katalysator verwertet?
2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb 47

2.2 Arbeitsschutz und Unfall- Damit darf eine Werkzeugmaschine innerhalb der
EU nur in Betrieb genommen werden, wenn sie
verhütung


diesen technischen Vorschriften genügt und ein CE-
Prüfsiegel trägt.
2.2.1 Grundsätze des Arbeitsschutzes
Somit wurde das Risiko teilweise vom Arbeitgeber
Unter Arbeitsschutz versteht man Maßnahmen , auf den Hersteller der Maschine übertragen.
Mittel und Methoden zum Schutz der Beschäf- Da im Laufe des Einsatzes Veränderungen, Verschleiß
tigten vor arbeitsbedingten Sicherheits- und Ge- und Schäden an der Maschine auftreten können, für
sundheitsgefährdungen . Die angestrebten Ziele die nicht mehr der Hersteller, sondern der Setreiber
sind die Verhütung von Unfällen und der Schutz verantwortlich gemacht werden kann, muss diese
der Arbeitnehmer. Maschine in regelmäßigen Abständen überprüft wer-
den . Dies übernimmt in bestimmten Fällen z.B. der
Die rechtlichen Grundlagen für den Arbeitsschutz in TÜV, die Berufsgenossenschaft oder die Herstellerfir-
Deutschland werden durch europäisches Recht stark ma im Rahmen eines Wartungsvertrages.
beeinflusst. Die wichtigsten nationalen Gesetze sind : Viele Bereiche müssen jedoch vom Arbeitgeber
• Arbeitsschutzgesetz mit seinen Verordnungen. überwacht werden. Um auch Nicht-Sicherheits-
z.B. - Arbeitsstättenverordnung . Beschreibt die fachkräfte in die Lage zu versetzen, Arbeitsbereiche,
Anforderungen an Arbeitsplätze. Maschinen, .. . sachgerecht zu überprüfen, wurden
- Betriebssicherheitsverordnung . Regelt die unter anderem von den Berufsgenossenschaften
Prüflisten erarbeitet. Mit deren Hilfe kann der Arbeit-
Bereitstellung von Arbeitsmitteln sowie
den Betrieb von überwachungsbedürfti- geber bzw. der von ihm Beauftragte Sicherheits-
mängel erkennen . Diese erkannten Mängel müssen
gen Anlagen .
zwingend beseitigt werden, da sie eine Gefahr für
- Bildschirmarbeitsverordnung. Regelt Ge-
die Beschäftigten darstellen .
sundheitsschutz bei der Bildschirmarbeit
Sind all diese Mängel abgestellt. kann immer noch
- Lärm - und Vibrations-Arbeitsschutzver- nicht davo n ausgegangen w erden, dass kein Un-
ordnung. Regelt z.B. Maßnahmen zum Ge- fall mehr passiert. Ein gewisses Restrisiko bleibt
hörschutz. bestehen . Vom Arbeitgeber wird verlangt, dieses
• Geräte- und Produktsicherheitsgesetz mit seinen Restrisiko zu analysieren und Maßnahmen zur Re-
Verordnungen. duzierung zu ergreifen . Dies geschieht in Form einer
z.B. - Maschinenverordnung . Regelt die Bereit- Gefährdungsbeurteilung .
stellung und die Inbetriebnahme von Ma-
schinen und Geräten.
2.2.2 Gefährdungsbeurteilung
- Explosionsschutzverordnung . Regelt z.B.
Sicherheits- und Kontrolleinri chtungen für
Sinn einer Gefährdungsbeurteilung ist alle mög-
explosionsgefährdete Bereiche und Ge-
lichen auf den Beschäftigten einwirkenden Ge-
räte.
fährdungen zu erfassen und Maßnahmen zu er-
• Chemikaliengesetz mit seinen Verordnungen . greifen , um eine tatsächliche Gefährdung oder
z.B. - Gefahrstoffverordnung. Regelt z.B. die gesundheitliche Schäden zu vermeiden.
Lagerung von Gefahrstoffen und den Um-
gang mit ihnen . Eine Gefährdungsbeurteilung ist vom Arbeitge-
ber zu erstellen. Dieser kann die Erstellung der Ge-
Nach § 4 Absatz 1, Arbeitsschutzgesetz ist die fährdungsbeurteilung einem Fachverantwortlichen
Arbeit vom Arbeitgeber so zu gestalten, dass übertragen. Besitzt der Betrieb mehr als zehn Be-
eine Gefährdung für Leben und Gesundheit des schäftigte, ist die Gefährdungsbeurteilung zu doku-
Arbeitnehmers möglichst vermieden und die mentieren .
verbleibende Gefährdung möglichst gering ge- Nach Arbeitsschutzgesetz § 5, Absatz 3 können Ge-
halten wird. fährdungen sich insbesondere ergeben durch ...
Verteilung des Risikos. Danach wäre der Arbeitge- • ... die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeits-
ber der alleinige Verantwortliche z. B. für den Betrieb stätte und des Arbeitsplatzes
einer Hebebühne. • ... physikalische, chemische und biologische Ein-
Um das Risiko für den Arbeitgeber zu verringern , wirkungen,
wurde eine Vielzahl von Verordnungen, techni- • ... die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz
schen Normen, Vorschriften und Regeln geschaf- von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeits-
fen , die Ausstattung , Aufbau , Sicherheitseinrich - stoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie
tungen, ... einer solchen Hebebühne vorschreiben. deren Umgang damit,
48 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

• ... die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsver-


fahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren


Autohaus Europa
Zusammenwirken, München
• ... unzureichende Qualifikation und Unterweisung
der Beschäftigten. Brandschutzordnung
nach DIN 14 096- A
Maßnahmen auf Grund von Gefährdungen am Brände verhüten
Arbeitsplatz Rauchverbote und Verbot zum Umgang mit
offenem Feuer in den gekennzeichneten
Erstellung eines Flucht- und Rettungsplanes. Er be- Bereichen beadlten!

steht nach Brandschutzordnung aus den Teilen A, B, Verhalten im Brandfall


C und ist nach DIN 14096 zu erstellen. in ihm wird Ruhe bewahren
das Verhalten im Brandfall und die eventuell nötige Brand melden
Feueralarm über Druckknopfmelder auslösen.
Evakuierung des Gebäudes oder des Geländes ge- Alann w ird automatisch an die Feuerwehr weitergeleitet
regelt. Feuerwehr über Notruf 'ii' 0112 alarmieren !
Inhalt der Meldung:
Teil A (Bild 1) wendet sich an alle im Betrieb befind- Wer meldet?
lichen Personen; speziell auch an Besucher oder Was ist passiert?
Wo ist etwas passiert?
Personen, die nur selten im Haus sind . in ihm wird W ie viele Personen sind betroffen/verletzt ?
Warten auf Rückfragen!
das Verhalten im Brandfall geregelt. Dieser Teil wird
meist durch einen Übersichtsplan ergänzt, in dem ...,.,_ _ ln Sicherheit bringen
Gefährdete Personen mitnehm en
Flucht- und Rettungswege sowie Erste-Hilfe-Einrich- Hi lfsbedürftigen Personen helfen
Tü ren schließen
tungen eingezeichnet sind. Teil A muss für alle im • Gekennzeichneten Rettungswegen folgen
Haus befindlichen Personen deutlich sichtbar ausge- Keine Aufzüge benutzen
Anweisungen der Brandschutzhelfer/Feuerwehr befolgen
hängt werden.
TeilBist vor allem für die Mitarbeiter des Betriebes Sammel pu n kt ~~~~~~~aufsuchen

gedacht. Er enthält wichtige Regeln zur Verhinde- Löschversuche unternehmen


rung der Brand- und Rauchausbreitung, zur Freihal- Feuerlöscher benutzen, Eigensicherung beachten
Möglichst mehrere Handfeuerlöscher gleichzeitig
tung der Flucht- und Rettungswege und weitere Re- einsetzen
geln, die das Verhalten im Brandfall betreffen.
Teil B ist allen Mitarbeitern in schriftlicher Form aus-
zuh ändigen. Bild 1: TeilAder Brandschutzordnung
Teil C wendet sich an die Personen des Betriebes,
d ie mit Brandschutzaufgaben betraut sind (Fach- in diesem Teil wird dieser Personenkreis mit der
kraft für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragter, Durchführung von vorbeugenden brandschutz-
Brandschutzbeauftragter, Brandschutzwart u.a.). technischen Maßnahmen betraut.

1. 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6


Mechanische
Gefährdung
Bt] ungeschützt
bewegte
Maschinenteile
Tei le mit gefähr·
Iichen Oberflächen
bewegte Transport·
mittel, bewegte
Arbeitsmittel
unkentreliiert
bewegte Teile
Sturz auf der Ebene, Abstu rz
Ausrutschen,
Stolpern, Umknicken,
Fehltreten
2.
Elektrische
Gefährdung
3.
rn 2.1
gefährliche
Körperströme
3.1
2.2
Lichtbögen

3.2 3.3 3.4 3.5 3.6

Gefahrstoffe
~ Gase Dämpfe Aerosole Flüssigkeiten Feststoffe durchgehende
Reaktionen

5. 5.1 5.2 5.3 5.4


Brand- und
Explosions-
gefährdung
[!] Brandgefährdung
durch Feststoffe,
Flüssigkeiten, Gase
explosionsfähige
A tmosphä re
Explosivstoffe elektrostatische
Aufladungen

7. 7.1 7.2 7.3 7.4 7.7


Gefährdung durch
spezielle physika- 1(~)1 Lärm Ultraschall,
Infraschall
Ganzkörper-
Schw i ngungen
Hand-Arm-
Schw i ngungen
II elektromagnetische
Felder
I
lische Einwirkungen
8. 8.1 8.2 8.3

~
Gefährdung durch Klima Beleuchtung Raum bedarf/
Arbeitsumgebungs- Verkehrswege
bedingungen
9. 9.1 9.2 9.3 9.4

~
Physische schw ere einseit ige Haltungsa rbeit/ Kombi nation aus
Belastung/ dynamische Arbeit dynamische Arbeit Haltearbeit statischer und
Arbeitsschwere dynamischer Arbeit

Bild 2: Auszug aus der Klassifikation von Gefährdungsfaktoren


2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb 49

Analyse des Arbeitsbereiches oder eines konkreten Grundlage für die Bewertung des Restrisikos sind
Arbeitsplatzes (Bild 2, Seite 48). Dafür haben die die Sicherheitsdatenblätter, die jeder Hersteller
deutschen Berufsgenossenschaften und Unfallkas- eines Gefahrstoffes zur Verfügung stellen muss. Aus
sen eine Klassifikation möglicher Gefährdungen er- ihnen sind die jeweiligen, tatsächlichen Gefährdun- -
stellt. Diese ist allgemein gültig. gen abzuleiten. Bei der Einschätzung des Restrisikos ~
Auf einen Arbeitsplatz wird nur ein Tei l dieser Ge- müssen neben der Gefährlichkeit des Stoffes vor al-
fährdungen zutreffen. Für die tatsächlich zutreffen- lem die Häufigkeit der Verwendung und die verwen-
den Gefährdungen muss eine Risikobewertung deten Mengen berücksichtigt werden. Diese Fakto-
durchgeführt werden. ln ihr sind sowohl die Wahr- ren bestimmen hauptsächlich die zu ergreifenden
scheinlichkeit als auch die Folgen eines möglichen Schutzmaßnahmen.
Unfalls abzuschätzen. Für jeden vorhandenen gefährlichen Stoff ist darü-
Entsprechend der Risikobeurteilung müssen Maß- ber hinaus eine Betriebsanweisung zu erstellen.
nahmen getroffen werden, um Unfälle zu vermei- Arbeitsmaschinen. Arbeitsmaschinen, von denen
den. Die zu treffenden Maßnahmen können techni- ein erhöhtes Gefährdungspotenzial ausgeht, z.B.
scher, organisatorischer oder personenbezogener Schleifmasch inen, müssen eigens öewertet wer-
Art sein. Schließlich muss überwacht werden, ob die den. Für sie stellen Berufsgenossenschaften Check-
Maßnahmen, die das Restrisiko verringern sollen, listen bereit, damit der Arbeitnehmer die Maschine
auch getroffen werden. auf sicherheitsrelevante Mängel kontrollieren kann.
Für häufig vorkommende Berufe, Arbeitsplätze und Zusätzlich müssen Betriebsanweisungen erstellt
Tätigkeiten haben Berufsgenossenschaften Formu- werden. ln ihnen wird detailliert auf Gefahren,
lare entworfen, die mit geringem Aufwand bearbei- Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln eingegan-
tet werden könn en (Bild 1). gen.
Maßnahmen auf Grund von Arbeitsmitteln
Maßnahmen auf Grund unzureichender
Gefahrstoffe. Als Gefahrstoffe werden all die Stoffe
Qualifikation
oo-z,~.idmet, deren Verpackungen vom Hersteller mit
mindestens einem Gefahrensymbol gekennzeichnet Unterweisungen. Sie dienen dazu, den Arbeitneh-
sind. mer in die korrekte Durchführung seiner Arbeit ein-
zuweisen und ihn auf die damit verbundenen Gefah-
Alle gefährlichen Stoffe eines Betriebes müssen in
ren und Sicherheitsrisiken hinzuweisen.
einem Übersichtsblatt erfasst w erden. Darin sind
unter anderem die Art des Gefahrstoffes, die vorhan- Regeln für Unterweisungen:
dene Menge, der Lagerort, .. . und mögliche H- und • Die Gesamtverantwortung für durchzuführende
P-Sätze (siehe 2.2.5 H-und P-Sätze*) aufzuführen. Unterweisungen hat der Unternehmer. Die Unter-

Arbeit sbereich: Kfz-Werkst att AutohausEuropa


Berufsgruppe: Kfz-M echatron iker
Tatig keit: Batteri eservice Verantwo rtli che Person:

Risiko Bea.... Tennin w irksam


Information Ennittelte Gefährdungen und deren Beschreibung ~~ Maßnahmen beiter/ f - -
G M K Berater E~edigt ja nein
BGI808 D Explosionsgefahr durch Entstehen exp losio n s~ DD D 0 Laderäu m e mit ausreichender Be- und Entlüftung D D
fä higer Gemische (Knallgas) (Ouerlüftung)
D Begrenzu ng der Ladespannung nach Hersteller- D D
angaben um Batterien nicht zu überladen
D Rauchverbot D D
D .. D D
BGR 157 0 Gefährdung durch Lichtbogen DD D D Einsatz sicherer Ladegeräte m it Ein- und Ausschaltern D D
D Starthilfekabel in richtiger Reihenfolge an- und abklemmen D D
D nu r isoliertes Werkzeug benutzen D D
D .. D D
BGR 192 D Verätzung durch Säuren DD D D Säureheber, Ballonkipper aus bruchfestem M aterial D D
BG-7.3.31 verwenden
D geeignete persönliche Schutzausrüstung (Gesichtsschutz, D D
Schutzbrille, säurefeste Handschuhe und Schürze) verwenden
DEinrichtu ngen zur ersten Hilfe bereitstel len D D
D .. D D
D Gesundheits- und U mweltgefahren durch Aus- DD D D Verwendung einer Schadstoffbox für Altbatterien D D
laufen von Batteriesäure D Lagerung von Batteriesäure in gefliesten Bereichen, D D
Räum en mit Bodenahdichtung oder Wannen
0 ..................... D D
D .. DD DD .. D D

Bild 1: Beispiel für Formular zur Gefährdungsbeurteilung

* H eng I. Hazard = Gefahr und P eng I. Precautionary =Vorsicht


50 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

weisung selbst kann allerdings von jedem Vorge- Arbeiten an ...


setzten in dessen Verantwortungsbereich durch- • .. . Klimaanlagen


geführt werden. • ... elektro-hydraulischen Bremsen
• Unterweisungen müssen mindestens einmal jähr- • ... pyrotechnischen Systemen
lich stattfinden. Allerdings empfiehlt es sich vor • ... Hoch-Volt-Systemen.
jeder neuen Tätigkeit oder beim Erkennen unsi-
cheren Verhaltens seitens des Arbeitnehmers zu-
sätzliche Unterweisungen durchzuführen . 2 2.3 Sicherheitsmaßnahmen
• Grundsätzlich gilt dabei, dass die Unterweisung in
Sicherheitsmaßnahmen können technischer,
einer für den/die Mitarbeiter/in verständlichen Art
organisatorischer oder personenbezogener Art
und Weise durchgeführt werden muss. Es reicht
sein. Dabei sind stets technische Maßnahmen
nicht aus, Informationen in schriftlicher Form wei-
vorzuziehen. Personenbezogene Maßnahmen
terzugeben. Wichtige Inhalte der Unterweisung,
sollten nur in Ausnahmefällen gewählt werden.
wie z.B. .,Welche Gefahren drohen?" oder .,Wel-
che Schutzmaßnahmen können getroffen wer- • Beispiele für technische Maßnahmen:
den?" müssen ausführlich erklärt werden.
-Vermeiden der Gefahr durch Zuführen von Ver-
• Nach Durchführung der Unterweisung ist der ln- sorgungsleitungen von der Decke anstatt über
halt der Unterweisung sowie der Zeitpunkt der den Fußboden
Durchführung vom Unterwiesenen schriftlich zu
-Trennung von Mensch und Gefahr durch Kapse-
bestätigen.
lung einer gefährlichen Maschine
-Ersetzen gefährlicher Stoffe durch ungefährliche
Betriebsanweisungen. Im Gegensatz zu Arbeitsan- (Substitution)
weisungen dienen Betriebsanweisungen allein dazu, • Beispiele für organisatorische Maßnahmen:
auf Gefahren hinzuweisen und Schutzmaßnahmen
-Anbringen von entsprechenden Warnzeichen
aufzuzeigen.
- Zugangskontrollen zu gefährlichen Bereichen
ln den Vorlagen der Berufsgenossenschaften fin-
den sich folgende Inhalte und folgender Aufbau: • Beispiele für personenbezogene Maßnahmen:
- Zuteilung persönlicher Schutzausrüstung
1. Anwendungsbereich
- Unterweisungen, Schulungen
2. Gefahren für Mensch und Umwelt
3. Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
4. Verhalten bei Störungen 2.2.4 Sicherheitszeichen
5. Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe Sie sollen die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöhen. Es
6. Sachgerechte Entsorgung/lnstandhaltung werden Gebots-, Verbots-, Warn-, Rettungs- und Ge-
fahrstoffzeichen verwendet.
Zur leichteren Unterscheidung werden bei der Ge-
staltung von Betriebsanweisungen üblicherweise
folgende Farben verwendet:

grün im Gesundheitsbereich oder für biolo-


gische Arbeitsstoffe Augenschutz
tragen
Q
Schutzhei m
tragen
I>
Gehörsch utz
tragen

I I
0 () fj
rot für Gefahrstoffe

blau für Maschinen und andere technische


Anlagen Atemschutz Schutzschuhe Schutzhand-
tragen tragen schuhetrag en

Betriebsanweisungen sind im jeweiligen Arbeitsbe- Bild 1: Beispiele für Gebotszeichen


reich auszuhängen und für alle Arbeitnehmer ver-
bindlich. Gebotszeichen (Bild 1) sind rund und in den Far-
Durchführung gefährlicher Arbeiten. Arbeiten, die ben blau und weiß gehalten. Symbole zeigen die
ein besonders hohes Risiko für M ensch oder Um- gebotene Schutzmaßnahme als zwing ende Verhal-
welt beinhalten, dürfen von Personen ohne spezielle tensweise an. So muss z.B. bei Arbeiten mit dem
Qualifikation nicht ausgeführt werden. Im Arbeitsbe- Trennschleifer Augen- und Gehörschutz verwendet
reich einer Kfz-Werkstätte sind dies: werden.
2 Umweltsctiutz, Artieitssctiutz im Betrieti 51

"~" ~ @. ~,~! R;~il ~I •


verboten löschen verboten Trinken verboten für Rettung trage

~ F~' ~ ~:!!?11 gJ,l


wasser L1cht und Rauchen
verboten

Bild 1: Beispiele für Verbotszeichen


Unbefugte
verboten
nach links
y
Bild 3: Beispiele für Rettungszeichen
durch Ausgang

Verbotszeichen (Bild 1) sind runde, weißgrundi- Gefahrstoffzeichen (Bild 4). Seit dem 1. Dezember
ge Schilder, welche die verbotene Handlung als 2010 müssen Gefahrstoffe nach dem neuen GHS-
schwarzes Symbol zeigen. Ein roter Querbalken und System gekennzeichnet werden. Für Gemische gilt
rote Umrandung heben die Verbotszeichen hervor. dies erst ab 1. Juni 2015.
in Räumen, in denen sich z.B. explosive Gase bilden
können ist Feuer, offenes Licht und das Rauchen ver-
boten.

Achtung Gesundh eits- Umwelt-


Druckgasflasche schädlich gefährlich
Warnung vor Warnung vor Warnung vo r
g iftig en Stoffen explosions- feu ergefährlichen

~~~
gefä hrlichen Stoffen
Stoffen

Giftig Ex plosions- Brandfördernd


gefährlich
Warnu ng vo r Warnung vor Warnung vor
gefährli cher ätzenden Stoffen gesund heits- Bild 4: Beispiele für Gefahrstoffzeichen
elektrischer schädlichen oder
Spannung reizenden Stoffen Die neuen Gefahrstoffzeichen sind auf der Spitze
stehende quadratische Schilder mit weißem Hinter-
Bild 2: Beispiele für Warnzeichen
grund und rotem Rand. Die enthaltenen schwarzen
Piktogramme geben Hinweise auf die von den Stof-
Warnzeichen (Bild 2) sind dreieckige Schilder mit
fen ausgehenden Gefahren.
schwarzen Symbolen und schwarzer Umrandung
auf gelbem Grund. Mit Warnzeichen wird ein Um-
f eld gekennzeichnet, in dem vor einer bestimmten 2.2.5 H- und P-Sätze*
Gefahr gewarnt wird. Lagerräume, in denen z. B. ät -
Dabei handelt es sich um kurze Sicherh eitshinweise
zende Schwefelsäure für Starterbatterien gelagert
für Gefahrstoffe, die im Rahmen des global harmoni-
wird, müssen mit dem entsprechenden Warnzei-
sierten Systems zur Einstufung und Kennzeichnung
chen versehen sein.
von Chemikal ien (GHS) verwendet werden.
Rettungszeichen (Bild 3) sind rechteckige Schilder
Die H- und P-Sätze ersetzen im Rahmen der GHS-
mit weißen Symbolen auf grünem Grund. Pfeile
Kennzeichnung (gültig für Stoffe ab 1. Dezember
w eisen auf Stellen hin, an denen sich Rettungsmit-
2010 und fü r Gemische ab 1. Juni 2015) die bei der
tel, z.B. Tragen oder Verbandskäst en, befinden. Sie
EU-Kennzeichnung v erwendeten R- undS-Sätze.
kennzeichnen auch Fluchtwege und Fluchtrichtun-
gen, über die Gefahrenbereiche schnell v erl assen Die H-Sätze beschreiben Gefä hrdungen, die v o n den
werden können. chemischen Stoffen oder Zubereitungen ausgehen.
Die P-Sätze geben Sicherheitshinweise im Umgang
* H eng I. Hazard =Gefahr und P eng I. Precautionary =Vorsicht damit.
52 2 Umweltschutz, Arbeitsschutz im Betrieb

Stoffe Gefahren (Auswahl) Symbol Sicherheitsratschläge (Auswahl)


Bremsbeläge, Gesundheitsgefährdend Stäube absaugen, mit geeigneten
Kupplungsbeläge, beim Einatmen der Fein- ~eizend Mitteln binden und in gut schlie-
Schleifstäube stäube. ßenden Behältern lagern.

Lösemittel, Stoffe können beim Ein- Direkt en Kontakt mit der Haut ver-
Reinigungsmittel
für Teile
atmen und Verschlucken
zu Gesundheitsschäden
führen.
& &Minder- Leicht
meiden. Hautsch utzcreme verwen-
den. Von Zündquellen fern halten,
nicht rauch en.
giftig entzündlich

Ottokraftstoffe Explosionsfähig, hoch- Von Zündquellen fern halten, nicht


entzündlich. Giftig beim
Einatmen, Verschlucken
und Berühren mit der Haut.
Kann Krebs erzeugen.
& &
Hoch Giftig
rauchen. Dämpfe nicht einatmen. Be-
rühren mit Haut oder Augen vermei-
den. Hautschutzcreme verwenden.
Nie zu Reinigungszwecken verwen-
entzündlich
den.
Batteriesäure Wirkt ätzend auf der Direkten Hautkontakt vermeiden.
Haut und an den Augen Transportgefäße geschlossen hal-
(Erblindungsgefahr). Beim
Einatmen Reizung und
Schädigung der Schleim-
&-
Ätzend
ten. Nur Originalgefäße verwenden.
Handschu he, Schutzbrille ggf. Ge-
sicht sschutz verwenden. Für gute Be-
häute der Atemwege. und Entlüftung sorgen.
Motoröl bekannter Längeren wiederholten Hautschutzcreme verwenden. Bei Be-
und unbekannter
Herkunft,
Dieselkraftstoff,
Getriebeöle.
Hautkontakt vermeiden.
Motoröl unbekannter
Herkunft ist in die Gefahr-
klasse Al einzustufen.
& &Reizend Leicht
rührung Haut und Kleidung gründ-
lieh reinigen . Von Zündquellen fern-
halten.
entzündlich

Hohlraum-, Entzünd lich. Beim Einatmen, Von Zündquellen fernhalten. Bei der
Unterbodenschutz,
Transportkonser-
vierer, Lack, Lack-
reste, Klebstoffe.
Reizung und Entzündung
von Haut, Schleimhäuten,
Augen und Atemwege
möglich, sowie betäubende
& &
Leicht Minder-
entzündlich giftig
Arbeit für gute Lüftung sorgen. in
dicht geschlossenen Gebinden an
gut belüfteten Ort lagern. Hautschutz-
creme verwenden. Schutzhand-
Wirkung. schuhe, ggf. Schutzbrille, tragen.

Bild 1: Einstufung verschiedener Stoffe und Gemische

2.2.6 Am Arbeitsschutz beteiligte Erleiden Beschäfti gt e einen Arbeitsunfall oder er-


kranken sie an einer Berufskrankh eit, kommen die
Institutionen
Berufsgenossenschaft für Heilbehandlung, eventuell
Berufsgenossenschaften. Sie sind die Träger der ge- anfallende Rehabilitationskosten oder auch Umschu-
setzlichen Unfallversicherung . Damit sind sie für alle lungsmaßnahmen auf. Bei einer dauerhaften Schä-
Betriebe der Privatwirtschaft und deren Beschäftig- digung verbunden mit einer verminderten Erwerbs-
ten zuständig. fähigkeit erhalten die Geschädigten eine Rente.
Die Aufgabe der Berufsgenossenschaften besteht
da rin, Arbeit sunfälle, W egeunfälle, Berufskrankhei-


ten und arbeitsbedingte Berufsgefah ren zu verhü-
ten. Sie erfüllen diesen Präventionsauftrag haupt-
sächlich dadurch, dass sie Unternehmen in Fragen
des Arbeits- und Gesundheitsschutzes beraten und
deren Mitarbeiter schulen. Bild 2: Logo der Berufsgenossenschaften
Auße rdem erlassen die Berufsg enossenschafte n
d ie Unfallverhütungsv orschriften und überwachen Unfallkassen. Sie sind die Unfallv ersic herungsträger
deren Umsetzung und Einhaltung . De n W eisungen für den öffentlichen Di enst. Unter ihrem Dach sind
der Aufsichtspersonen, die mit hoheitlichen Befug- nicht nur die Angestellten und Arbeiter d es Bundes,
nissen ausgestattet sind, ist Folge zu leisten. Notfalls der Länder und der Kommunen versichert, sondern
kö nnen angeordnete Maßnahmen auch mit Zwangs- auch Schüler, Studenten, Ersthelfer, Mitglieder der
m itteln durchgesetzt werden. freiwilligen Feuerwehren usw.
53

3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation
3.1 Grundlagen der Betriebsorganisation
Damit ein Betrieb seine Aufgaben bzw. Aufträge Kontinuität und Flexibilität. Organisatorische Rege-
fach- und termingerecht erfüllen kann, bedarf es lungen müssen den jeweiligen Bedürfnissen ange-
einer betrieblichen Organisation. Diese wird durch passt werden, z.B. Regelungen für Notdienste.
Aufgabenteilung und genaue Abgrenzung der Ar-
Kontrolle. Zur Minimierung von Fehlern müssen
beits- bzw. Geschäftsbereiche erreicht.
Arbeitsvorgänge kontrolliert werden, z.B. durch den
Werkstattmeister.
Die Betriebsorganisation ordnet Personen und
Sachmittel so zu, dass eine reibungslose Abwick-
ln einem Organisationsbereich wird geregelt...
lung der Aufträge gewährleistet ist. Sie hat das
Ziel, mit den eingesetzten Faktoren (Mitarbeiter, WER etwas bearbeitet,
Maschinen, Materialien und Zeit) das bestmög-
WANN etwas bearbeitet wird,
liche Ergebnis zu erzielen.
wo etwas bearbeitet wird,
Dabei stehen die folgenden Ziele im Vordergrund: WOMIT etwas bearbeitet wird,
• Optimaler Kapitalgewinn (wirtschaftliches Ziel)
WAS bearbeitet wird,
• Hohe Produktivität (technisches Ziel)
WIE etwas bearbeitet wird.
• Hohes Anseh en bei Kunden und Mitbewerbern
(politisches Ziel)
• Versorgung der Mitarbeiter (soziales Ziel)
Neben den ökonomischen und sozialen Aspekten 3.1.1 Organisation eines Autohauses
müssen auch Gesichtspunkte des Umweltschutzes
berücksichtigt werden. Ein Autohaus besteht aus der Geschäftsleitung und
eigenständigen Geschäftsbereichen (Bild 1).
Die Zielerreichung wird in der Regel durch verschie-
dene Maßnahmen der Qualitätssicherung unter-
stützt. Unternehmen Autohaus
Die Betriebsorganisation muss die folgenden Grund-
sätze beachten:
Zielorientierung. Die Organisation orientiert sich an
den von der Gesch äftsleitung ausgegebenen Zie-
len, z.B. die Anzahl der verkauften Neufahrzeuge in
einem bestimmten Zeitraum.
Klarheit und Übersichtlichkeit. Alle organisato-
rischen Regelungen müssen in Sprache und Darstel-
lung klar und übersichtlich sein, z.B. durch Organisa-
Bild 1: Organisation eines Autohauses
tionspläne und Stellenbeschreibungen.
Geschäftsleitung. Sie überwacht die Geschäftsbe-
Einheitlichkeit der Aufgabenzuordnung. Teilaufga-
reich e. Sie legt die Zielsetzung des Unternehm ens
ben müssen nach Kompetenz und Verantwortung
fest und bestimmt die Geschäftspolitik. Ihre Aufg a-
eindeutig festgelegt sein, z.B. bei der Durchführung ben sind die Betriebsführung, die Planung und Or-
von gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen am
ganisation des Betriebes sowie die Kontrolle aller
Kraftfahrzeug, z.B. Abgasuntersuchung.
anderen Geschäftsbereiche.
Verantwortungszuordnung. Jedem Mitarbeiter Geschäftsbereiche eines Autohauses sind für die Ab-
muss ein klar umrissener Verantwortungsbereich wicklung unterschiedlicher Aufgaben verantwortlich.
übertragen w erden, z.B. durch die Benennung eines
Verantwortlichen für die Arbeitssicherheit. Teiledienst (Lager). Er v erwaltet das Ersatzteil- und
Koordination der Aufgaben. Geteilte Arbeitsvor- Zubehörsortiment. Dazu gehö ren die Bevorratung,
gänge müssen koordiniert werden, z.B. durch Rege- Bestellung, Einlagerung und Bestandsüberwa-
lungen bezüglich der Abwicklung von Reparaturauf- chung. Der Teiledienst gibt Ersatzteile und Zubehör
trägen. an die Werkstatt aus bzw. verkauft diese an Kunden.
54 3 Betriebsorganisation, l<ommunilcation

Kundendienst. Er bildet die Hauptschnittstelle zwi- • Einhaltung von vereinbarten Terminen


schen den Kunden und der Werkstatt. Er führt die • Fachgerechte Beratung durch die Mitarbeiter
Reparaturannahme sowie die technische Beratung • Schnelle und reibungslose Auftragsbearbeitung
des Kunden durch. Nach der erfolgten Reparatur
• Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis


übergibt er das Fahrzeug an den Kunden . Er über-
nimmt weiterhin die Abwicklung von Gewährleis- • Freundliche Bedienung
tungs-, Garantie- und Kulanzfällen . • Ausrüstung entspricht dem neuesten Stand der
Technik
Kfz-Werkstatt. Sie führt Reparatur-, Karosserie- und
Wartungsarbeiten durch. • Bevorzugte Bedienung bei dringenden Repara-
turen
Verkauf. Er führt den Verkauf von Neu-, Jahres- und • Beachtung der Umweltschutzregelungen
Gebrauchtwagen (einschließlich Leasing und Finan-
• Moderner und professioneller Eindruck des Auto-
zierung) durch und wickelt die Fahrzeugauslieferung
hauses
und -übergabe ab. Außerdem erfolgt durch diesen
Bereich die Bewertung und der Ankauf von Ge- • Angenehme Atmosphäre
brauchtwagen. • Saubere Verkaufs- und Werkstatträume

Verwaltung. Ihr Auftrag ist die Erledigung der an- • Sauberkeit des Fahrzeugs bei der Abholung
fallenden kaufmännischen Aufgaben. Dazu gehören
beispielsweise die Buchhaltung, die Abwicklung von Kundenzufriedenheit entsteht, wenn die Qualität
Geschäften mit Lieferanten und Herstellern, die Per- der ausgeführten Arbeiten den Erwartungen der
sonalplanung sowie die Lohn- und Gehaltsabrech- Kunden entspricht.
nung .
Die Zufriedenheit des Kunden führt zur Treue
gegenüber dem Unternehmen (Kundenloyalität).
Diese tritt insbesondere dann ein, wenn die Erwar-
3.1.2 Aspekte der Betriebsorganisation tungen des Kunden noch übertroffen werden . Ein zu-
friedener Kunde wird das Autohaus darüber hinaus
Kundenorientierung ist die Ausrichtung des Den- im Kreis von Freunden und Bekannten weiteremp-
kens und Handeins der Mitarbeiter auf den Kun- fehlen.
den und seine Bedürfnisse.
Unzufriedene Kunden können leicht von Mit-
Informationen über die Wünsche der Kunden kön- bewerbern abgeworben werden, da nicht alle
nen auf unterschiedliche Art und Weise beschafft unzufriedenen Kunden reklamieren . Viele Kunden
werden (Bild 1). scheuen Zeit, Ärger und Kosten, die mit einer Be-
schwerde verbunden sind. Aus diesem Grund sollte
• Kundenbefragung (vom Hersteller)
die Kundenzufriedenheit regelmäßig und systema-
Informationen
vom Kunden f----- • Kundenbefragung (vom Autohaus I tisch, z.B. durch Kundenbefragungen, untersucht
• Kundengespräch
direkt
• Reklamationen
werden . Die Ergebnisse dieser Befragungen bieten
Ansatzpunkte zur Optimierung der betrieblichen
• Betri ebsve rgl eich der Herstell er
Organisation.
Informationen
• Kund endatei
durch inner- Die Kundenzufriedenheit wird durch d ie folgenden
betriebliche
1-- • Kennzahlen (z.B. Termintreue)
• Beri chte Faktoren beeinflusst:
Unterlagen
(vom Verkauf, vom Kund endi enst)

Technische Produktqualität

-
• Öffentliche Berichte
Informationen (z.B. vom Zentralverband I
durch öffentl. • Statistiken • Verarbeitung und Reparaturanfälligkeit des Fahr-
Unterlagen (z.B. Kraftfahrtbundesamt)
• Veröffentlichungen (z.B. Fachpresse) zeugs
• Ausführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten
Bild 1: Beschaffung von Informationen über
Kundenwünsche Servicequalität
Je nach Kunde sind die Interessen und die Ansprü- • Qualität der Beratung durch Automobilverkäufer,
che an den Betrieb unterschiedlich . Kundendienstberater, Mitarbeiter
Kundenwünsche können beispielsweise sein : • Umgang mit Reklamationen, z.B. schnelle Bear-
• Gute und fachgerechte Ausführung von Repara- beitung, Kulanzregelungen
tur- und Wartungsarbeiten • Einhaltung von Terminen bei Reparaturaufträ-
• Sofortige Bearbeitung von Reklamationen gen, Lieferungen
3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 55

• Zielgruppenprogramme für Privat-, Geschäfts-


Reputationsqualität*
und Großkunden
• Ansehen des Automobilherstellers • Werbung und spezielle Werbeprogramme
• " Guter Ruf" des Autohauses • Garantie und Kulanz
• Kompetenz des Autohauses • Mobilitätsgarantie

Persönliche Beziehungsqualität


Hol- und Bringservice
Kundenclub II
• Vertrauen zwischen den Mitarbeitern und dem Für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens
Kunden ist es wichtig, die Bedeutung des Kunden für den
• Umgang zwischen Mitarbeitern und Kunden Betrieb richtig einschätzen zu können. Mithilfe die-
ser Einschätzung wird erwogen, ob eine gezielte
• Sympathie zwischen Mitarbeitern und Kunden
Maßnahme für einen bestimmten Kunden aus Sicht
des Betriebes sinnvoll ist. z.B. das Angebot umfang-
Preiswahrnehmung reicher Serviceleistungen zu einem günstigen Preis.

• Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis,
Kundenarten
z.B. bei Reparaturen, Neu- und Gebrauchtfahrzeu-
Man unterscheidet die folgenden Arten von Kunden:
gen sowie Ersatzteilen und Zubehör
• Transparente Rechnungsstellung, • Laufkunde
z.B. durch klaren Aufbau der Rechnung und Erläu- Dieser Kunde nutzt eine Gelegenheit, befindet
terungen zur Rechnung sich zufällig in der Nähe des Autohauses oder ist
auf der Durchreise. Er w ird auch als Zufallskunde
• Rabattangebote
oder Verzichtskunde bezeichnet. Der Laufkunde
• Zugaben erwartet, dass die Arbeiten schnell und zuverläs-
sig ausgeführt werden, hat aber keine weiteren
Kundenbindung. Ziel aller betrieblichen Maßnah-
Ansprüche. Dieser Kunde hat keinerlei Bindung
men ist es, durch die Kundenzufriedenheit eine lang-
zum Unternehmen. Die zu erwartenden Erträge
fristige Bindung zwischen Kunde und Autohaus zu
sind in der Regel gering.
erreichen, zu sichern und auszubauen. Dazu sind die
wirkungsvollsten Faktoren der Kundenzufriedenheit • Dauerkunde
zu ermitteln und auszubauen. Bei geringer oder nicht Dieser Kunde hat Bindung zum Unternehmen. Bei
vorhandener Kundenzufriedenheit ist die Bindung günstigen Gelegenheiten, Sonderangeboten oder
zwischen Kunde und Autohaus gefährdet (Bild 1). weiteren Vorteilen nimmt er den Service des Be-
triebs in Anspruch. Die vermutete Ertragsentwick-
lung bei diesem Kunden ist nicht besonders hoch.
Er wird auch als Mitnahmekunde bezeichnet.
Hohe Kundenzufriedenheit Kunde bleibt beim
=
Hohe Kundenbindung
r--- Autohaus und
empfiehlt es w eiter • Stammkunde
Dieser Kunde lässt alle anfallenden Arbeiten in
Mittlere Kundenzufriedenheit Wechsel des Auto- der Werkstatt ausführen und legt Wert auf die
=
Mittlere Kundenbindung I hauses ist noch
zu unbequem
persönliche Ansprache durch die Mitarbeiter. Er
erwartet eine persönliche Betreuung, die seinem
Stellenwert entspricht und hat eine hohe Bindung
Niedrige Kundenzufriedenheit
Kunde sucht zum Unternehmen. Von diesem Kunden kann
= r--- anderen Anbieter W achstum und ausreichender Gewinn erwartet
Niedrige Kundenbindung
w erden. Er wird auch als Starkunde bezeichnet.
Bild 1: Auswirkungen der Kundenzufriedenheit auf den Zudem ergeben sich hohe W eiterempfehlungs-
Betrieb chancen für den Betrieb.

Darüber hinaus kann insbesondere über Servicekon- • Großkunde


Dieser Kunde lässt seinen gesamten Fuhrpark im
zepte die Kundenbindung verstärkt werden. Diese
Betrieb w arten. in den meisten Fällen handelt es
können beispielsweise sein:
sich um einen Firmen- oder Behördenkunden.
• Komplette Dienstleistungsangebote, wie z.B. Ver- Diesen Kunden wird m eist ein Rabatt gew ährt.
kauf, W artung, Reparatur, Leasing, Versiche- Entscheidend ist die schnelle und gut ausgeführte
rungen u.a. Arbeit um die Standzeiten zu verringern. Der Be-
trieb steht in einer gewissen Abh ängigkeit zu die-
• Reputation (lat.) Ansehen, Ruf sem Kunden.
56 3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation

3.2 Rechtliche Grundlagen


3.2.1 Vertragsarten
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB ) unterscheidet verschiede ne Vertragsarten . Tabelle 1 gibt einen Übe r-


blick über die fü r die Betriebsorgan isation des Autoha uses w ichtigsten Vertragsarte n. Die gesetzlichen Re-
gelungen zu Verträgen sind allgemei ngülti g. Die besonderen Bedingungen des A utohauses sind dabei nicht
berücksichtigt .

Beispiel Vertragsart Kennzeichen/ Rechte der Vertragspartner Pflichten der Vertrags-


(Grundlage BGB) Inhalt partner

Kauf eines Kaufvertrag Eigent um Der Verkä ufer hat Ansp ruch Der Verkäufer muss die
Kraftfahr- (vergl. § 929 BGB) und Besitz an auf den Kaufpre is. Sache dem Käufer man-
zeuges in einer Sache oder gelfrei übereignen.
einem Auto- einem Recht
haus. wird gegen Geld Der Käufer hat Ansp ruch Der Käufer muss den
übertrage n. auf die Übergabe der vereinbarten Kaufpreis
Sache. zahlen und die Sache
annehmen .

Durchführung Werkvertrag/ Di e Herste ll ung Der Bestelle r (A uftrag- Der Besteller muss das
einer Repara- Werkl ietervertrag und Li eferung geber) hat A nspruch auf vertragsmäßig erstellte
tu r oder eines (vergl. §§ 631 ff. eines Werkes rechtze itige Fertigste ll ung Werk abnehmen und
Wartungs- BGB) gegen Entgelt. des Werkes . bezahlen .
dienstes an
einem Fahr- Der Unternehmer (Auft rag- Der Unternehmer muss
zeug. nehmer) hat Anspruch auf das Werk mangelfrei
Abnahme des mange /- herstellen.
freien We rkes und auf den
Werklohn .

Vermietung Mietvertrag Die Überlassung Der Mieter hat Anspruch Der Mieter muss rechtzei-
bzw. Verpach- (privat) bzw. eine r Sache zum darauf, dass ihm die Sache tig Miet- bzw. Pachtzins
tung eines Pachtvertrag Gebrauch gegen in einem gebrauchsfähigen zahlen .
Werkstattge- (gewerbli ch) Geld. Zustand überlassen wird .
bäudes. (vergl. §§ 535-
580a BGB ) Der Vermieter hat Anspruch Der Vermieter muss die
auf Mi et- bzw. Pachtzins. Sache in gebrauchsfä-
higem Zustand überlas-
sen und den Zustand
in der Vertrags laufzeit
erhalten.

Leasing eines Leasingvertrag Sonderform Der Leasingnehmer hat Der Leasingnehme r muss
Kraftfahrzeugs . (Mietkaufvertrag) des Miet- bzw. Anspruch auf die Überlas- recht zeitig die Rate zahlen
Pachtvertrages sung der Sache in einem und die überlassene Sa-
(.,Nutzungs- gebrauchsfäh igen Zustand . ehe in gebrauchsfähigem
überlassungsver- Zustand erha lten.
trag" )
Der Leasinggeber hat An- Der Leas inggeber muss
spruch auf die Leasingrate. die Sache in gebrauchs-
fä hi gem Zustand über-
lassen.

Arbeitsvertrag Dienstvertrag Erbringung von Der Di enstberec htigte Der Dienstberechtigte


zwischen (verg l. § 61 1 Diensten du rch (G läubiger) hat Ansp ruch muss für die erbrachten
einem Ange- BGB ) eine Vertrags- auf die Erbringung der Di enstleistungen zahlen .
stellten im partei vere inbarten Leistu ngen .
Auto haus und
dem Inhaber. Der Dienstverpflichtete Der Dienstverpflichtete
(Schuldner) erhält für seine erbringt die vertrag lich
Leistungen ein Entgelt. vereinbarten Leistungen.
3 Betriebsorganisation, Kommunikation 57

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB). Zwi- IV. Abnahme. Sie erfolgt durch den Auftraggeber.
schen den Vertragspartnern können gesonderte Desweiteren werden Regelungen zu Verzug
Regelungen getroffen werden . Damit es nicht zum und Mahnung dargestellt.
wiederkehrenden Aushandeln von Vertragsbedin- V. Berechnung. Bestimmungen zur Erstellung der


gungen kommt, wurden von Industrie und Handel Rechnung .
die sogenannten Allgemeinen Geschäftsbedingun-
VI. Zahlung. Festlegung von Zahlungsziel, Skonto
gen (AGB) entwickelt. Die AGB sind vorformulierte
oder sonstigen Nachlässen .
und vertragsergänzende Regelungen. Im Kraftfahr-
zeuggewerbe existieren Muster-AGBs z.B. vom ZDK VII. Erweitertes Pfandrecht. Bestimmungen zum
f ür den Bereich der Kfz-Reparaturen sowie für den Ausgleich von Forderungen .
Teiledienst und den Fahrzeugverkauf. VIII. Sachmängelhaftung. Regelungen für die Behe-
bung erkannter und nicht erkannter Mängel im
Rahmen der Auftragsdurchführung.
Grundsätzlich gilt, dass der Kunde durch die Rege-
lungen der AGBs nicht unangemessen benachteiligt IX. Haftung. Bestimmungen in Fällen von Schäden
werden darf. Die AGBs sind Bestandteil des Ver- und Verlusten .
trags, wenn ... X. Eigentumsvorbehalt. Der Auftragnehmer ist
• .. . der Kunde ausdrücklich auf die AGBs hingewie- bis zur vollständigen Bezahlung Eigentümer
sen wurde und von z.B. Ersatzteilen .

• ... dem Kunden die Möglichkeit verschafft wurde, XI. Schiedsstelle. Hier ist die anzurufende Stelle
von den Inhalten der AGBs Kenntnis zu nehmen bei Streitigkeiten benannt, z.B . die ortsansäs-
(z.B. durch Aushang) und sige Kfz-Innung .

• ... der Kunde mit den AGBs einverstanden ist und XII. Gerichtsstand. Ort, in dem ggf. die Gerichtsver-
handlung stattfindet.
• ... dem Kunden die AGBs übergeben wurden .

Einzelheiten sind im BGB (§§ 307 ff.) geregelt. Es gilt


unter anderem, dass ...
• ... überraschende Klauseln nicht wirksam sind, 3.2.2 Sachmängelhaftung, Garantie und
z.B. Regelungen, die automatisch zum Bezug wei - Kulanz
terer Waren zwingen.
Sachmängelhaftung. Sie ist ein gesetzlich festgeleg-
• ... verbotene Klauseln nicht enthalten sein dürfen,
tes Recht, das der Käufer einer Sache beim Verkäu-
z.B. die Verkürzung der gesetzlichen Sachmängel-
fer einfordern kann . Die Sachmängelhaftungsfrist
haftung auf einen kürzeren Zeitraum.
beträgt in der Regel zwei Jahre. Bei gebrauchten
• .. . der Verwender die versprochene Leistung nur Sachen kann sie vom Verkäufer durch die AGB oder
ändern oder von ihr abweichen kann, wenn dies einzelvertraglich auf ein Jahr verkürzt werden. Beim
dem Kunden zurnutbar ist, z.B . nur geringe Ab- Verbrauchsgüterkauf (Kauf einer beweglichen Sa-
weichungen vom vorher zugesagten Kraftstoffver- che) geht man davon aus, dass der Mangel schon
brauch. bei Übergabe vorhanden war. Nach Ablauf von
• ... persönliche Absprachen Vorrang vor den AGB sechs Monaten muss der Käufer nachweisen, dass
haben . Wird zum Beispiel ein Skontoabzug verein- der Mangel schon bei Übergabe vorhanden war (Be-
bart, aber in der AGB ausgeschlossen, so gilt die weislastumkehr). Privatpersonen als Verkäufer kön-
Vereinbarungtrotz AGB. nen Sachmängelhaftung ausschließen.

Muster-AGB. Diese enthält für den Bereich der Kfz- Garantie. Sie ist eine freiwillige, vertraglich verein-
Reparaturen (..Bedingungen für die Ausführung von barte Zusicherung, dass der Verkäufer oder Herstel-
Arbeiten an Kraftfahrzeugen, Anhängern, Aggrega- ler für eine bestimmte Zeit die Mangelfreiheit der
ten und deren Teilen und für Kostenvoranschläge") Sache garantiert. Die Garantie darf die Leistungen
die folgenden Inhalte: gesetzlicher Regelungen zur Sachmängelhaftung
I. Auftragserteilung. Sie erfolgt durch Auftrags- nicht beschneiden.
schein oder Bestätigungsschreiben.
II. Preisangaben im Auftragsschein; Kostenvor- Kulanz. Darunter versteht man das Entgegenkom-
anschlag. Ein schriftlicher Kostenvoranschlag men des Verkäufers bzw. Herstellers bei auftreten-
wird auf Wunsch des Kunden erstellt. den Mängeln außerhalb der Gewährleistungs- bzw.
111. Fertigstellung. Der Termin für die Fertigstel- Garantiezeit Sie erfolgt freiwillig und ohne weitere
lung und die Regelungen bei Verzögerungen Ansprüche. Die Kulanz dient der Wiederherstellung
werden beschrieben . und Verbesserung der Kundenzufriedenheit
58 3 Betriebsorganisation, Kommunil<ation

3.3 Kommunikation Der erste Eindruck ist entscheidend für den Ver-
Um die Kundenorientierung und damit den Unter- lauf der weiteren Kommunikation.
nehmenserfolg zu verbessern, bedarf es einer gut
Der erste Eindruck bildet sich in wenigen Sekunden


funktionierenden Kommunikation zwischen der
Geschäftsführung und den einzelnen Geschäftsbe- und wird durch Merkmale wie den Gesichtsausdruck,
reichen, aller Mitarbeiter untereinander sowie ins- Gestik, Körperhaltung usw. beeinflusst. Zu Beginn
besondere mit dem Kunden. der Kommunikation ist der erste Eindruck sehr stark
durch das nonverbale Verhalten geprägt. Es ist des-
halb wichtig, die entsprechenden Signale zu erken-
Kommunikation ist der Austausch von Botschaf-
nen und angemessen zu reagieren (Tabelle 1).
ten zwischen Sender und Empfänger.

3.3.1 Grundlagen der Kommunikation


Der Kunde betritt das Au- • Blickkontakt
Die zwischenmenschliche Kommunikation kann
tohaus m it einem suchen- • Zunicken
verbal (sprachlich) oder non-verbal (nicht-sprach- den Blick. • Begrüßung des Kunden
lich) erfolgen. mit Handschlag
Die non-verbale Kommunikation erfolgt über • Zuwendung zum
Gesprächspartner
• Gestik
(Ausdruck des Körpers, z.B. Kopfschütteln, Der Kunde betritt das Au- • f reundliches Zugehen
Nicken) tohaus wütend und mit auf den Kunden
rotem Kopf. • Lächeln
• Mimik
(Ausdruck des Gesichtes, z.B. Stirnrunzeln,
Lächeln) Die Kommunikation zwischen Sender und Empfän-
• Pantomimik ger läuft auf unterschiedlichen Ebenen ab. Ein und
(Körperhaltung, z.B. aufrecht, gebeugt) dieselbe Nachricht enthält demnach unterschied-
liche Botschaften. Der Zuhörer kann eine Nachricht
Die non-verba le Kommunikation kann die verbale unterschiedlich auffassen. Zur Erklärung wendet
Aussage unterstützen oder ihr widersprechen. Ist man das .. 4-0hren-Modell" an (Bild 1).
die Aussage identisch mit der Pantomimik, wird da-
durch Glaubwürdigkeit erzeugt. Ist die Aussage nicht
identisch mit der Pantomimik, wird diese unglaub- Wahr ist nicht, was der Sender sagt, sondern was
würdig. der Empfänger (Zuhörer) versteht.

Der Kunde möchte um 16.50 Uhr seinen Wagen wegen eines Ölwechsels abgeben und anschließend wieder mitnehmen.
Der Kundendienstmeister sagt: .,Um 17.00 Uhr ist bei uns Feierabend!! "
Damit kann der Kundendienstmeister Das kann der Kunde verstanden
folgendes gemeint haben: haben:

Sachebane
.. Um 17.00 Uhr ist Feierabend! " Worüber ich meinen Worüber mich mein ., Um 17.00 Uh r
Gesprächspartner Gesprächspartner ist Feierabend !"
informiere! informiert!

Beziehungsebene
.. Sie komm en Wie ich meinen Wie der Gesprächs- ., Ich störe !"
ungelegen! " Gesprächspartner und partnermich und
die Beziehung sehe! die Beziehung sieht!

Selbstmitteilungsebene .. Der Kundendienst -


m eist er m öcht e
.. Ich m öchte nach Hause ! " Was ich von m ir Wa s m ein pünkt lich in den
mitteile ! Gesprächspartner Feierabend o der
von sich mittei lt! hat noch etwas vor! "

Appellebene
., Lassen Sie Ih ren Wagen hier ., Kommen Sie
Wozu ich meinen Was mein Gesprächs- d as nächste Mal
u n<:l'<.om m en Sie m org en w ieder !" Gesprächspartner partner möchte, rechtzeitig ! "
veranlassen will! d ass ich tue!

Bild 1: Kommunikationsbeispiel
3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 59

Der Empfänger (Zuhörer), der in der Lage ist, mit Das kritisch/strenge Eltern-Ich:
"Vier Ohren" zu hören·, besitzt im Verlauf der Kom- Ein Meister sagt zu einem Mitarbeiter in der Werk-
munikation Vorteile: statt: "Der Ölwechsel muss heute bis 14.00 Uhr fertig
• Er hört besser zu ("Aktives Zuhören"). sein!"


• Er versteht seinen Kommunikationspartner
besser und kann demzufolge besser auf ihn Erwachsenen-Ich-Zustand
eingehen.
Wer sich mit der gegenwärtigen Realität auseinan-
• Er kann Konfliktsituationen frühzeitig erkennen
dersetzt, Tatsachen sammelt und sie objektiv verar-
und entsprechend darauf reagieren.
beitet, befindet sich im Erwachsenen-Ich-Zustand. ln
• Er kommuniziert wirkungsvoller.
diesem Zustand sind sämtliche eigene Erfahrungen
• Er kann die wichtige Beziehungsebene stärker die wir bewusst erlebt haben abgespeichert.
berücksichtigen.
Beispiel:
Transaktionsanalyse. Sie geht davon aus, dass sich Der Leiter der kaufmännischen Abteilung sagt zum
die menschliche Persönlichkeit aus drei Ich-Zustän- Werkstatt-Meister: "Die letzte Auswertung weist die
den zusammensetzt (Bild 1). Mit den Ich-Zuständen folgenden Zahlen aus!"
werden die Verhaltensmuster beschrieben, in denen
sich Menschen wie Kinder benehmen ("Kind-Ich"). Kind-Ich-Zustand
wie ihre eigenen Eitern ("Eltern-Ich") oder wie lo-
gisch denkende Erwachsene ("Erwachsenen-Ich"). Wer fühlt, denkt und handelt wie in der Zeit, als er
Das Vorhandensein aller drei Ich-Zustände macht noch ein Kind war, befindet sich in seinem Kind-Ich-
d ie menschliche Persönlichkeit aus. Zustand. Man unterscheidet das "angepasste Kind-
Ich", das "rebellische Kind-Ich" und das "freie Kind-
Das Verfahren bildet die Grundlage zur Erklärung
Ich".
kommunikativer Abläufe.
Beispiele:
Das angepasste Kind-Ich:
Ein Mechaniker, der vom Vorgesetzten eine neue
Aufgabe erhält, sagt: " Selbstverständlich, sehr ger-
ne. Das werde ich sofort erledigen!"
Das rebellische Kind-Ich:
Ein Auszubildender sagt zu einem anderen Auszu-
bildenden: "Der Meister soll seine Arbeit selber ma-
chen!"
Das freie Kind-Ich:
Ein Mitarbeiter geht fröhli ch pfeifend durch die
Werkstatt und sagt: ",ch gehe jetzt rauchen!"

Erwachsenen-Ich

Bild 1: Ich-Zustände der menschlichen Persönlichkeit


3.3.2 Beratungsgespräch
Der erste Kontakt mit einem Kunden findet in der
Eltern-Ich-Zustand Regel bei einem Beratungsgespräch statt. Dabei ist
der erste Eindruck, den die Gesprächspartner vonei-
Wer denkt, handelt und fühlt wie er es an seinen nander haben, von großer Bedeutung. Aus diesem
Eitern beobachtet hat, befindet sich in seinem Eltern- Grund sollte der Mitarbeiter möglichst schnell einen
Ich-Zustand. Man unterscheidet das "kritische/stren- guten persönlichen Kontakt zum Kunden aufbauen
ge Eltern-Ich" (Gebote, Verbote, Kritik, Vorurteile) und diesen während der Abwicklung des gesamten
und das "unterstützende Eltern-Ich" (Motivation, Auftrags, von der Beratung über die Ausführung bis
Hilfsbereitschaft, Fürsorge). zur Abrechnung und Fahrzeugübergabe, aufrecht
Beispiele: erhalten.
Das unterstützende Eltern-Ich:
Das Beratungsgespräch erfordert die Einstellung
Ein Meister sagt zu einem Auszubildenden der sich
des Mitarbeiters auf die Persönlichkeit des Kun-
nicht so recht an eine neue Aufgabe heranwagt:
den.
" Versuch ' es ruhig, Du schaffst das schon!"
60 3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation

Ein Beratungsgespräch lässt sich in verschiedene Fragetechniken


Phasen aufteilen: in der Informationsphase ist die Fragetechnik von
großer Bedeutung . Eine gute Fragetechnik ist in Ver-
1. Kontaktphase bindung mit aufmerksamen Zuhören (.,Aktives Zu-
hören") ein wesentlicher Baustein für wirkungsvolle
• Aktive Begrüßung: Beratungsgespräche.
Vor- und Zuname nennen, Platz anbieten, Lä- Dabei sind verschiedene Arten von Fragen zu unter-
cheln, Handschlag scheiden:
• Positives Auft reten gegenüber dem Kunden (Be- Die geschlossene Frage:
ziehungsebene), positiver erster Eindruck
• Die Antwort erfolgt nur mit einem .,JA" oder
• Bewusstes Wahrnehmen der verbalen und non- .,NEIN".
verbalen Signale des Gesprächspartners
• Es werden nur Daten oder Fakten abgefragt.
• Smalltalk
• Das Aneinanderreihen von geschlossenen Fra-
gen hat Verhörcharakter.
Ziel: Herstellung einer pos1t1ven Atmosphäre!
Beispiel:
Nicht argumentieren! Nicht informieren!
.,Sind Sie mit Ihren Winterreifen zufrieden?"
Die offene Frage:
2. Informationsphase • Der Gesprächspartner wird mehr in das Gespräch
mit einbezogen .
• Kundenbedürfnis/Kundenwünsche feststellen • Der Fragende gewinnt mehr Informationen durch
• Fragetechniken einsetzen- gezielt fragen das zu erwartende Antwortspektrum .
• Aktiv/aufmerksam zuhören • Die Frage beginnt mit einem Fragewort (welche,
wie, worin ... ).
Ziel: Die Wünsche oder Probleme des Kunden Beispiel:
durch gezielte Fragen in Erfahrung bringen! .,Welches Fabrikat an Winterreifen bevorzugen Sie?"
Die Suggestivfrage:
• in der Frageformulierung gibt der Fragende die
3. Verhandlungsphase erwartete Antwort bereits vor.
• Sie ist erkennbar an den auf Zustimmung zie-
• Vorteile und Nutzen für den Kunden aufzeigen lenden Wörtern wie: .,sicher auch", .,auch nach
• Positive Formulierungen- gezielt argumentieren Ihrer Meinung" .
• Einwände des Kunden beachten und positiv be- Beispiel:
handeln .,Sie wollen doch auch im Winter sicher fahren? "
• Ergebnisorientierte Gesprächsführung Die Alternativfrage:
• Kunden zufriedenstellen/begeistern • Der Fragende bietet dem Befragten durch seine
Frageformulierung bereits Entscheidungshilfen
Ziel: Argumentation und Ausräumen von mög- an .
lichen Einwänden des Kunden! • Die gewünschte Antwort stellt er in der Fragefor-
mulierung an den Schluss.
Beispiel: .,Bevorzugen Sie Winterreifen der Marke x
4. Abschlussphase oder der Marke y?"
Aktives Zuhören
• Positive Aspekte zusammenfassen (gutes Gefühl
Um den Kundenwunsch zu ermitteln und Einwände
mitgeben)
des Kunden zu behandeln ist es wichtig, den Ausfüh-
• Weiteres Vorgehen abklären rungen des Kunden konzentriert zu folgen . Während
• Aktive Verabschiedung (als Gesprächspartner an- der Kunde spricht, soll der M itarbeiter den Kunden
bieten) nicht unterbrechen. Die Pause ist ein erprobtes Mit-
• Visitenkarte mitgeben tel das Beratungsgespräch interessant zu gestalten,
• Beziehung herstellen für die Zukunft (Smalltalk, weil der Kunde die Möglichkeit erhält, sich zu öffnen,
gute Wünsche) sich auszusprechen und seine Meinung anzubrin-
gen. Aktives Zuhören ermuntert den Gesprächspart-
ner weiterzureden und man gewinnt Aufmerksam-
Ziel: Positiver zukunftsorientierter Ausklang!
keit und Sympathie.
3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 61

Merkmale des ,.Aktiven Zuhörens" sind: Bei der Behandlung des Einwandes ist ein Vorgehen
• Mit Bedacht schweigen in drei Schritten zweckmäßig (Bild 1).
• Gesprächspausen aushalten (nicht reden, nur um Reaktion auf Kundeneinwände. Die Behandlung
die Stille zu durchbrechen) von Einwänden kann auch mit verschiedenen Frage-


• Emotional belastende Aussagen aushalten (nicht Methoden erfolgen.
in verbalen Aktionismus verfallen)
Rückfrage. Der Einwand wird als Frage zurückgege-
• Vorschnelle Äußerungen zurückhalten ben, um weitere Informationen zu erhalten. Dadurch
• Anteil nehmen, sich einfühlen kann Zeit gewonnen werden.
• Die Situation des Gesprächspartners akzeptieren Beispiele:
• Wach sein, konzentriert sein, mitdenken • .. Wie meinen Sie das?"
• Die ,.geheime" Botschaft erkennen • .. Wie darf ich das verstehen?"
• Dem Gesprächspartner deutlich machen, dass ich Ja-aber. Bei dieser Methode sollte nach Möglichkeit
ihm zuhöre (durch den Gesichtsausdruck, Kopfni- das .. Ja" durch eine andere Formulierung ersetzt
cken u.a.) werden. Das Wort .. aber" nimmt eine vorher ge-
Argumentation machte Aussage zurück bzw. schwächt diese ab, und
Im Rahmen der Verhandlungsphase werden Argu- sollte z.B. durch .. jedoch" ersetzt werden.
mente mit dem Kunden ausgetauscht. Die Argumen- Beispiele:
tation soll den Gesprächspartner von der eigenen • ..Ich kann Sie verstehen, jedoch ... "
Meinung bzw. vom eigenen Standpunkt überzeugen • .. Das stimmt, allerdings ... "
und nicht überreden.
Rhetorische Frage. Der Einwand wird als Frageform
Argumentation ist der Austausch von Informa- wiederholt. Der Gesprächspartner wird damit gleich-
tionen mit dem Ziel, den Gesprächspartner zu zeitig motiviert.
überzeugen. Beispiele:
• .. Eine gute Frage, die Frage nach dem Preis-Leis-
Damit ein Argument überzeugt, müssen zwei Bedin- tungsverhältnis ... "
gungen erfüllt sein: • .. Eine sehr berechtigte Frage: Die Frage nach Auf-
• Die innere Bereitschaft zur Änderung des ur- wand und Ertrag ... "
sprünglich eingenommenen Standpunkts muss Umkehrung. Der verm eintliche Nachteil wird in ei-
vorhanden sein. nen Vorteil für den Gesprächspartner umgewandelt.
• Der persönliche Nutzen zur Befriedigung des ei- Diese Methode wird auch als Bumerang-Methode
genen Bedürfnisses muss erkannt werden. bezeichnet.
Ein großer Teil der im Rahmen der Argumentation Beispiele:
ausgetauschten Nachrichten läuft über die Appell- • .. Gerade weil ... "
ebene. • .. Gerade deshalb ... "

Die Winterreifen, die 1. Schritt:


Sie mir empfohlen Positive Aufnahme Sie haben Recht, 600 Euro
haben, sind sehr teuer. des Vorbehaltes! für Winterreifen ist sehr
Ich überlege, ob ich in (Ausdruck von viel Geld .
diesem Jahr überhaupt Verständnis)
Winterreifen kaufe, da
meine Sommerreifen Bed enken Sie bitte, dass
noch vi el Profil haben! 2. Schritt: bei Sommerreifentrotz
Entkräften des gutem Profil die Haftung
Vo rbehaltes bei niedrigen Tem peraturen
stark abn immt. Damit ist
oder die Verkehrssicherheit im
Winter stark eingeschränkt!
Ausgleich durch Ein von Ihnen verursachter
einen Vorteil. Unfall w ird für Sie teuer.

3. Schritt:
Anregu ng einer
Kund enreaktion Überdenken Sie b itte noch
mit dem Ziel, d ie einmalihre Entscheidung!
Beziehungsebene
zum Kund en wieder
aufzubauen!

Bild 1: Einwandbehandlung
62 3 Betriebsorganisation, l<ommunil(ation

3.3.3 Beklamationsgespräch 3.4 Personalführung


Beschwerden und Reklamationen des Kunden sind Der organisatorische Aufbau eines Betriebs sagt
eine unerfreuliche Sache. Dabei bietet gerade das noch nichts darüber aus, in welcher Art und Weise
Reklamationsgespräch eine gute Gelegenheit, von die Führung der M itarbeiter erfolgt. Durch Führung


dem Kunden die Informationen zu erhalten, die sollen stets bestimmte Betriebsziele, z.B. Steigerung
für die Verbesserung der Serviceleistung wichtig der Produktion, Senkung der Kosten u.a. erreicht wer-
sind. den.

Voraussetzung für die Lösung von Problemen ist Durch die Führung von Mitarbeitern soll deren
das Verständnis für den Gesprächspartner. Verhalten so beeinflusst werden, dass die ange-
strebten Ziele des Unternehmens erreicht wer-
den .
Hinweise für die Führung und Durchführung
von Reklamationsgesprächen: Unter Führung versteht man die persönliche und
• Führen Sie das Gespräch unter vier Augen. zielorientierte Einwirkung auf Menschen. Führung
Versuchen Sie das Gespräch nicht vor an- heißt, Menschen von einer Idee zu überzeugen, sie
deren Kunden zu führen. Nutzen Sie z.B. ein zu motivieren und zu befähigen, diese Überzeugung
Besprechungszimmer und holen Sie sich im in eigenes aktives Handeln umzusetzen.
gegebenen Fall Kompetenzverstärkung durch Dabei können verschiedene Führungsstile unter-
Vorgesetzte. schieden werden.
• Hören Sie dem Kunden aufmerksam zu.
( .. Aktives Zuhören"). Autoritärer Stil. Dieser Stil lässt sich dadurch
charakterisieren, dass der Vorgesetzte befiehlt bzw.
• Versuchen Sie den Kunden zu verstehen. anordnet und der Untergebene Befehle und An-
Gehen Sie auf Nummer sicher und fassen Sie ordnungen ausführt. Diese Art des Führens hat heu-
die Beschwerde des Kunden nochmals mit ei- te nur noch sehr geringe Erfolgsaussichten. Qualifi-
genen Worten zusammen: ., Habe ich Sie rich- zierte Mitarbeiter sind häufig unzufrieden, weil sie
tig verstanden, dass ... ?". wenig Entscheidungsbefugnisse haben und w enig
• Stellen Sie gezielte Fragen zur Sache. Verantwortung übernehmen dürfen.
Nutzen Sie die wichtigsten Fragetechniken
(offene Fragen, geschlossene Fragen, Alter- Kooperativer Stil. Die in der heutigen Zeit übliche
nativfragen, Suggestivfragen). aufgabenbezogene Wahrnehmung von Führungs-
aufgaben verlangt Beweglichkeit, Kooperation (Mit-
• Bleiben Sie verständlich für den Kunden. arbeit/Zusammenarbeit). Delegationsfreudigkeit und
Belehren Sie den Kunden nicht und verzichten die Zusammenarbeit mit und in Gruppen. Der ko-
Sie auf Fachbegriffe und Fachwörter. Erklären operative Führungsstil sieht die M itarbeiter als Part-
Sie den Sachverhalt möglichst einfach und ner, das Handeln ist auf die Unternehmensziele aus-
auch für Laien verständlich. gerichtet. Verantwortung wird delegiert (auf andere
• Vertreten Sie Ihre Firma und das Produkt übertragen) und die Mitarbeiter denken selbststän-
positiv. dig und kritisch. Trotzdem gibt es im kooperativen
Stil eine Autorität.
• Entschuldigen Sie sich für Fehler.
Aber rechtfertigen Sie sich nicht und schieben Laissez-faire Stil. Der Begriff .,laissez-faire" bedeu-
Sie niemals einen Kollegen als Fehlerverursa- tet ., m achen lassen" und meint die w eitgehende
cher vor. Verhaltensfreiheit der Mitarbeiter. Entscheidungen
• Vermitteln Sie dem Kunden die Gewissheit, bleiben Einzelnen oder der Gruppe überlassen. Die
dass die Reklamation erledigt wird. Führungskräfte sind nur in geringem Maße an Ent-
scheidungen beteiligt.
• Kümmern Sie sich um die Erledigung der
Reklamation. Situativer Führungsstil. Dieser Führungsstil meint
Suchen Sie mit dem Kunden nach gemeinsam die Anpassung der Führung an die jew eilige Situ-
tragfähigen Lösungen. Zeigen Sie ihm, dass ation. Führung ist nur dann wirksam , w enn eine
Sie sich für ihn einsetzen und die Reklam ation Situation richtig erkannt und danach gehandelt w ird.
bestmöglich behandeln. Der situative Führungsstil ist demnach eine situ-
Halten Sie Ihre Versprechen unbedingt ein! ationsgerechte Anwendung des autoritären, des ko-
operativen oder des Laissez-faire Stils.
3 Betriebsorganisation, f<ommunil<ation 63

3.5 Verhalten des Mitarbeiters Diese erhöht die Identifikation des Mitarbeiters mit
den Produkten . So können die Waren und Dienstleis-
Ein wichtiger Bestandteil für den beruflichen Erfolg tungen des Betriebs durch den Mitarbeiter besser
ist die positive Einstellung zur Arbeit (Bild 1). Oft ist gegenüber den Kunden vertreten werden.
es nicht der Mangel an Kommunikationsfähigkeit,
der den Umgang mit anderen Menschen so schwer Positive Einstellung zu den Kunden. Die Begegnung •
macht, sondern es sind negative Einstellungen, Er- mit dem Kunden sollte bewusst gesucht werden.
wartungen und Vorstellungen, die Gespräche und Der Versuch, Begegnungen mit dem Kunden zu
gemeinsame Arbe it scheitern lassen . vermeiden und deshalb möglichst nicht aufzufallen,
zeugt von Unsicherheit und fehlender Kompetenz.
Positives Denken führt zu einer positiven Einstel- Die Zeit für ein Gespräch mit dem Kunden sollte im
lung zur Arbeit und zum beruflichem Erfolg . Betriebsablauf eingeplant sein .

Die positive Einstellung zur Arbeit kann durch d ie Eine positive Einstellung zeigt sich auch durch die
Vorgesetzten und die Mitarbeiter gezielt gefördert Art und Weise, wie ein Mitarbeiter einem Kunden
werden. gegenübertritt, z.B. durch
• Aufrechte Körperhaltung
Positive Einstellung zum Beruf. Das Interesse am • Angemessene Gestik und Mimik
Beruf ist die grundlegende Voraussetzung für eine
positive Einstellung zum Beruf. Die gezielte Förde- • Gepflegtes Äußeres, z.B . saubere Kleidung
rung der Mitarbeiter seitens der Vorgesetzten, z.B. • Freundliches Auftreten, z.B. Höflichkeit
durch Fortbildungen beeinflusst die Einstellung zum
Beruf ebenfalls positiv und erhöht die Qualität der Während der Umgang mit sympathischen Kunden
Arbeitsausführung . keine besondere Herausforderung darstellt, kann
das Verhalten im Umgang mit unbequemen Men-
Positive Einstellung zum Betrieb. Sie wird insbe- schen schwierig und anstrengend sein.
sondere durch die Identifikation des Mitarbeiters mit
den Zielen des Betriebs gefördert. Die Geschäftsfüh- Unzumutbares, z.B. beleidigendes Verhalten des
rung kann durch einen kooperativen Führungsstil Kund en sollte von allen Mitarbeitern freundlich aber
die Einstellung des Mitarbeiters zusätzlich positiv be- bestimmt zurückgewiesen werden . Bei störendem
einflussen , z.B. durch die Einbindung der Mitarbeiter oder ärgerlichem Verhalten der Kunden darf jedoch
in Entscheidungsprozesse. nicht in gleicher W eise reagiert werden . Versöhnlich
oder gar humorvoll zu reagieren beeinflusst den
Positive Einstellung zu den Produkten. Jeder Mitar- Umgangston mit einem ärgerlichen Kunden positiv.
beiter sollte gründlich über die Produkte des Betriebs Aus unangenehmen Situationen lassen sich neue
informiert sein, z.B. über neue Fahrzeugmodelle Erfahrungen gewinnen und Anregungen zur Verbes-
oder neue Serviceangebote eines Kfz-Betriebes. serung des eigenen Verhaltens ableiten .

zum Beruf
Qualität
fördert ) fördert )
der Arbeit

fördert
> Gutes Verhältnis
zu den Kollegen fördert
>
Positive Beruflichen
Einstellung Erfolg

fö rdert
> Dienstleistungs-
qualität fö rdert
>
Bessere Befriedigung
fördert ) der Kundenbedürfni sse f ö rd ert )

Bild 1: Einstellung zu den Aufgaben eines Mitarbeiters


64 3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation

3.6 Teamarbeit • Überheblichkeit (Arroganz) einzelner Teammit-


glieder
Der Erfolg eines Unternehmens hängt nicht nur da-
• Mangelhatte Kommunikation untereinander, z.B.
von ab, wie Mitarbeiter mit Kunden umgehen, son-
das Verschweigen von Konflikten
dern wie die Mitarbeiter untereinander zusammen-
arbeiten und kommunizieren.

ln vielen Unternehmen hat sich die Teamarbeit,


d.h. die Zusammenarbeit mehrerer Mitarbeiter zur
Lösung eines Problems durchgesetzt. Dabei ist zu
beachten, dass je nach Betrieb die Teamarbeit un-
terschiedlich organisiert sein kann. Die Mitarbeiter
kleinerer Autohäuser bzw. Werkstätten können sich
genauso als Team verstehen, wie die Arbeitsgrup-
pen in einem größeren Autohaus, welches teamori-
entiert strukturiert ist.

Die technische Weiterentwicklung erfordert eine


Spezialisierung der Mitarbeiter. Der technische
Fortschritt erfordert, dass komplexe Arbeiten, z.B.
Diagnosearbeiten an elektronischen Systemen mit
Bild 2: Falsches Verständnis von Teamarbeit
mehreren Mitarbeitern gemeinsam gelöst werden
können. Das Problemlösungsvermögen zweier Mitc
Konfliktlösung im Team. Konflikte im Team lassen
arbeiterkann sich mehr als verdoppeln (Bild 1).
sich dauerhaft nicht vermeiden. Da in den meis-
ten Fällen Emotionen die Hauptrolle spielen, ist es
wichtig im Rahmen der Konfliktbewältigung eine

3
ausschließlich sachbezogene Auseinandersetzung

1
anzustreben. Eine Verlagerung oder Verdrängung
von Konflikten führt nicht zum Ziel. Autoritäre Stand-

1+
punkte (.. Das werden wir schon sehen!") v erhindern
in der Regel die dauerhafte Bewältigung des Kon-
flikts.
Konfliktursachen können im Alltag eines Betriebes
vielfältig sein. Sie sind oftmals in der Persönl ich-
keitsstruktur von Mitarbeitern bzw. Kunden oder
Bild 1: Formel für Gruppendynamik dem Führungsverhalten von Vorgesetzten begrün-
det. Zudem spielen die Organisationsstruktur des
Die Fähigkeit in einem Team zu arbeiten, erfordert Betriebes und das soziale Umfeld eine Rolle.
neben den fachlichen Kompet enzen zusätzliche Fä-
higkeiten von den Beteiligten. Strategie für die Bewältigung von Konflikten. Die
folgende Vorgehensweise hat sich bei der Lösung
Für die Teamarbeit förderlich sind z.B. : von Konflikten im Team bewährt:
• Ein gutes Betriebsklima 1. Emotionskontrolle. Aufkommende Wut bzw. Är-
ger beherrschen.
• Die klare Festlegung der Ziele des Teams
2. Vertrauensbildung. Aufbau einer Beziehung zw i-
• Die Diskussion von Problemen unter allen Mit-
schen den Mitg liedern des Team s.
gliedern des Teams
3. Offene Kommunikation. Partnerschaftlicher und
• Die Fähigkeit zur Selbstkritik
problemorientierter Umgang zwischen den betei-
• Die Herbeiführung von Entscheidungen durch ligten Personen.
Übereinstimmung
4. Gemeinsame Problemlösung. Diskussion von
• Ein gutes Vertrauensverhältnis unter den Team- Lösungsvorschlägen und Erarbeitung eines Vor-
mitgliedern schlags.
5. Treffen von Vereinbarungen. Nach Mög lichkeit
Für die Team arbeit hinderlich sind z.B.:
schriftliche Verständig ung über eine zukünftige
• Das Engagem ent der Kollegen auszunutzen und Problembehandlung.
diese für sich arbeiten zu lassen (Bild 2)
6. Persönliche Verarbeitung. Der Konflikt wird für
• Konkurrenzdenken beendet erklärt und die Handlungsfähigkeit des
• Angst die eigene Meinung zu äußern Teams wird wiederhergestellt.
3 Betriebsorganisation, Kommunikation 65

3.7 Auftragsabwicklung Hinweise für die Auftragsabwicklung in den einzel-


nen Ablaufschritten:
Zur Optimierung des Arbeitsablaufes bei der Auf-
tragsabwicklung müssen im Rahmen der betrieb-
lichen Organisation des Autohauses die folgenden


Kunden- und Fahrzeugdaten erfassen
Aspekte aufeinander abgestimmt sein (Bild 1):
• Arbeitsinhalt
- Was soll bearbeitet werden? • Freundliche Begrüßung des Kunden, z.B. bei
• Arbeitszeit Neukunden Namen in Erfahrung bringen und den
- Wie lange dauert die Bearbeitung des Auf- Kunden danach mit Namen anreden.
trages und wann wird er durchgeführt? • Für Stammkunden : Kunden- und Fahrzeugdaten
• Arbeitsplanung aus der EDV abrufen und gemeinsam mit dem
- Wie soll der Auftrag durchgeführt werden? Kunden auf Aktualität und Stimmigkeit überprü-
- Welche Ersatzteile und Hilfsmittel werden be- fen.
nötigt? • Für Neukunden: Kunden - und Fahrzeugdaten er-
- ln welche Arbeitsschritte gliedert sich der Auf- mitteln, z.B. Fahrzeugschein, Serviceheft.
trag? • Kilometer-Stand des Fahrzeugs erfragen bzw. er-
• Arbeitsorte mitteln.
- ln welchen Abteilungen laufen die einzelnen • Termin des letzten Service erfragen bzw. ermit-
Arbeitsschritte ab? teln sofern nicht in der EDV vorhanden.

Tätigkeit Information Geschäftsbereich (Hinweise)

Kunden- und Fahrzeugdaten Ku nde, Fahrze ugsche in , Kundendienst/


erfassen Service heft Kundendienstberater

Teile- und Arbeitswe rte-


Reparaturaufwand dat en bank
ermitteln Auftragserteilung durch
Reparaturangebot den Kunden (Unterschrift)

Auftragsannahme A uftragsbest ät igu ng Auftragsbestätigung für


den Kunden (Durchschrift)

W erkstattauftrag erstellen W erkstattka rte/EDV

Teil e- und Arbeitswe rte- Lager


date nbank
M aterial ausgeben

Kfz-We rkstatt
Reparatur ausführen

Altteile für den Kunden


Altteile entsorgen bereit halten

W erkst attka rte/EDV Kundendienst/


Probefahrt durchführen
Kundendienstberater

Rechnung erstellen
Rechnun g/EDV
Rechnung dem Kunden
erläutern

Kundenzufriedenheit Frag ebogenffelefonreport Verwaltung


feststellen

Bild 1: Ablaufplan für einen Reparaturauftrag


66 3 Betriebsorganisation, Kommunilcation

I Reparaturaufwand ermitteln


Zahlungsart mit dem Kunden vereinbaren.
Auftragsumfang mit dem Kunden abgleichen und
d ie getroffenen Vereinbarungen noch einmal zu-
sammenfassen, Termin nennen.


• Kundenwunsch bzw. Fahrzeugprobleme/Bean- • Auftragsbestätigung vom Kunden unterschrei-
standungen erfragen, z.B. lnspektionsservice, Re- ben lassen!
paratur.
• Schlüsselfragen zur Problemeingrenzung verwen-
den, z.B. "Wann und wie oft tritt das Problem auf?", Werkstattauftrag erstellen
.. Wann trat das Problem zum ersten Mal auf?"
• Fahrzeug systematisch und gründlich untersu-
chen, z.B. Dialogannahme am Fahrzeug gemein- • Den bereits vorliegenden oder zu eröffnenden
sam mit dem Kunden. Reparaturauftrag durch den Werkstatt-Meister
• Vorhandene Schäden am Fahrzeug dokumentie- vervollständigen lassen, z.B. Informationen zum
ren, z.B. Kratzer. Fahrzeug, Service-Arbeitsanweisungen zuordnen.
• Probefahrt bei Bedarf gemeinsam mit dem Kun- • Beteiligte Mitarbeiter über den Auftrag informie-
den durchführen, bei Problemfällen unter Hinzu- ren, z.B. Monteure, ggf. Spezialisten, Mitarbeiter
ziehung eines Technikers oder Spezialisten. des Teiledienstes.
• Zur Problemeingrenzung ggf. weitere Mitarbeiter • Beteiligte Fremdleistungen planen, z.B. Lackieren.
hinzuziehen, z.B. Spezialisten, Werkstatt-Meister. • Reparaturhistorie prüfen, liegt z.B. eine Wieder-
• Dem Kunden ggf. den kalkulierten Preis mitteilen. holreparatur vor, umfassend über die letzte Re-
Angebote nur für Festpreis- und Standardaufträge paratur informieren um die Fehlerursachen ein-
erteilen, bei allen anderen Reparaturen Preisaus- zugrenzen.
kunft erst nach ausführlicher Diagnose erteilen.

I ~11' .......,.,,••,.,
/ I
IL----------------------'
Auftragsannahme
• Disponierte Ersatzteile ausgeben.
• Ausgegebene Ersatzteile auf der Werkstatt-Karte
• Mit dem Kunden die Annahmeart vereinbaren, bzw. in der EDV vermerken.
z.B. Annahme während der Geschäftszeiten, Mo-
bile Annahme, Airport-Service.

I~
• Annahme-Termin vereinbaren.
Reparatur ausführen
• Abhol-Termin vorläufig festlegen und dem Kun-
den mitteilen.
• Ersatzmobilität für den Kunden anbieten, z.B. • Alle Auftragspositionen schrittweise, vollständig
Mietwagen. und exakt abarbeiten.
• Ansprechpartner für den Kunden nennen. • Vom Hersteller herausgegebene Unterlagen, z.B.
• Auftrag mit Termin, Arbeitsumfang usw. im Ter- Reparaturleitfäden, Technische Merkblätter, Un-
minplaner bzw. EDV festhalten . terl agen zu Inspektion und Wartung beachten.
• Bei Rückruf- und W erkstattaktionen alle vom Her- • Vom Hersteller vorgeschriebene Spezialwerk-
steller vorgegebenen M aßnahm en einleiten. zeuge, Messgerät e und Hilfsmittel v erwenden.
• Notwendige Kapazitäten im Betrieb für die Bear- • Auf dem letzten Werkstamermin erkannte, aber
beitung des Auftrags abgleichen, z.B. Verfügbar- nicht behobene Mängel prüfen und ggf. instand-
keit von Ersatzteilen, Ersatzwagen, Personal, Spe- setzen.
zialisten, Fremdleistungen. • Ausgeführte Arbeiten auf der Werkstattkarte bzw.
• Vermerk über beigestellte (vom Kunden mitge- in der EDV vermerken.
brachte) Produkte, z.B. MotoröL
• Bei Erweiterung des Reparaturumfangs Rück-
• Unterbreitung aktueller Angebote, z.B. Saisonan- sprache mit dem Service-Berat er nehmen, um d ie
gebote, ReifenwechseL Zusage des Ku nden für die Auftragserweiterung
• Kunden an die notwendigen Unterlagen erinnern, einzuholen. Vermerk über die zusätzlich durch-
z.B. Serviceplan, Kfz-Schein, Radiocode, Felgen- geführter Arbeiten durch den Mechaniker auf der
und FahrzeugschlüsseL Werkstattkarte eintragen.
3 Betriebsorganisation, Kommunil<ation 67

Altteile entsorgen ® Rechnung dem Kunden erläutern


• Altteile fachgerecht entsorgen und auf der Ent- • Erläuterung der durchgeführten Arbeiten nach
sorgungskarte dokumentieren . Entsorgungskarte Möglichkeit direkt am Fahrzeug .
oder ggf. das Austauschteil über das Ersatzteilla- • Zusammensetzung der Rechnung erläutern.
ger an den Hersteller zurücksenden. • Den Kunden auf festgestellte, aber nicht beho-
• Altteile zur Begutachtung zurückhalten . bene Mängel und ggf. in nächster Zukunft durch-
zuführende Reparaturen, z.B. Bremsen, Reifen

I~
mit konkretem Terminangebot hinweisen.
Probefahrt durchführen • Erläuterung der im Rahmen der Auftragserweite-
rung durchgeführten Arbeiten.
• Auf Nachfrage dem Kunden die defekten und
• Probefahrt entsprechend der Arbeitsanweisung ausgetauschten Teile zeigen .
durchführen . • Angebot über den Rückruf des Service-Beraters
• Bei Service-Arbeiten Probefahrt gemäß den Vor- am nächsten Tag.
schriften des Herstellers durchführen. • Hinweis auf die Mobilitätsgarantie geben .
• Km-Stand nach der Probefahrt festhalten. • Rücknahme der Ersatzmobilität
• Bei festgestellten Mängeln erforderliche Nachar- • Einhaltung der bei Annahme vereinbarten Zah-
beiten durchführen lassen, ggf. Information an lungsart.
den Kunden bzgl. Abweichung vom vereinbarten
• Persönliche Übergabe von Fahrzeugpapieren,
Termin und von den veranschlagten Kosten.
Schlüssel und Service-Paket.

I~ Rechnung erstellen
Kundenzufriedenheit feststellen

• Auftragskontrolle: Lohn- und Materialabgleich • Durchführung eines Telefonreports (max. 1 Wo-


durchführen, Einhaltung der Kostenschätzung che nach dem Service-Ereignis) oder Auswertung
prüfen, Ersatzteile prüfen . des händlerindividuellen Kundenfragebogens
• Rechnung verständlich und kundengerecht for- aus dem Servicepaket.
mulieren. • Bei Äußerung von Unzufriedenheit Rückruf durch
• Erkannte, aber nicht behobene Mängel auf der den Service-Berater beim Kunden; Unterbreitung
Rechnung ggf. mit Preisangebot vermerken. eines Lösungsangebotes und Ergreifen von Maß-
• Gliederung der Rechnung nach Arbeitslohn und nahmen zur Umsetzung .
Material durchführen. • Dokumentation der Kundenzufriedenheit.
• Service-Berater und ggf. Mechaniker auf der
Rechnung ausweisen WIEDERHOLUNGSFRAGEN

• Hinweise auf aktuelle Angebote, Aktionen, Neu- 1 Erläutern Sie die Aufgaben der Geschäftsbereiche
vorstellungen, nächsten Service-Termin vermer- eines Autohauses.
ken . 2 Erläutern Sie die Faktoren, welche die Kunden-
• Anlagen beifügen, z.B. Inspektions-Service-For- zufriedenheit beeinflussen.
mular, Ausleseprotokoll Fehlerspeicher/Fahrzeug- 3 Was versteht man unter dem Begriff "Kunden-
elektronik, HU-, AU- und/oder SP-Bescheinigung. bindung"?
4 Erläutern Sie die verschiedenen Arten von Kunden
• Zusammenstellung eines Service-Paketes, z.B.
und erläutern Sie deren Bedeutung für den Betrieb.
gestempelter Service-Plan, Einlegeblatt, Mobili-
5 ln welche Phasen lässt sich ein Beratungsgespräch
tätsgarantie; ggf. Spiegelanhänger mit Visiten-
aufteilen?
karte des Mechanikers, Visitenkarte des Service-
6 Was ist bei der Durchführung von Reklamations-
Beraters, Werbematerial, händlerindividueller
gesprächen zu beachten?
Kundenfragebogen.
7 Nennen Sie die sechs Phasen der Bewältigung von
• Fahrzeugübergabe an den Kunden vorbereiten: Konflikten im Team.
Bereithaltung ausgetauschter Teile für Rückfra- 8 Beschreiben Sie den Ablauf eines Reparatur-
gen, Service-Aufkleber und Sauberkeit des Fahr- auftrags in Stichworten.
zeugs kontrollieren .
68 3 Betriebsorganisation, l<ommunikation

3.8 Datenverarbeitung im Autohaus


Die Geschäftsbereiche des Autohauses werden bei Kundendienst
ihrer Arbe it durch die Elektron ische Datenverarbei- • Verwaltung der Kunden- und Fahrzeugdatei


tung (EDV) unterstützt. Neben den in der allgemei- • Angebots- und Auftragserstellung
nen Bürowirtschaft verwendeten Programmen wie • Kalkulation von Reparatur- und Karosseriear-
z.B. Textverarbeitung , Tabellenkalkulation, Internet- beiten
programme kommen in der Regel herstellerspezi- • Verwendung der Arbeitswertedatei
fische Software-Lösungen zum Einsatz. Die einzel- • Erstel lung der Werkstattkarten
nen Bereichssysteme des Autohauses sind in den • Rechnungsstellung
meisten Fä llen vernetzt (Bild 1). • Terminplanung
Die Vernetzung vereinfacht den Zugriff auf Daten- • Abwicklung von Garantie- und Kulanzfällen
banken und sich wiederho lende Tätigkeiten. • Durchführung von Werbeaktionen
• Verwaltung der HU-, AU- und SP-Termine der
ln den jeweiligen Geschäftsbereichen kann die EDV Kunden
die Durchführung der folgenden Tätigkeiten bzw.
Funktionen unterstützen: Kfz-Werkstatt
• Verwaltung von Reparaturleitfäden, Schaltplä-
Geschäftsleitung nen, technischen Merkblättern
• Erste llung von Statistiken über Tages-, Monats-
und Jahresergebnisse Verkauf
• Erm ittlung betrieblicher Kennzahlen • Kunden- und Fahrzeugkartei
• Ausübung betriebswirtschaftlicher Kontrollfunkti- • Neuwagenverkauf
onen • Gebrauchtwagenverkauf und -bewertung
• Leasing
Teiledienst • Verkaufsförderung
• Teile- und Zubehörverwaltung
• Bestel l- und Inventurwesen Verwaltung/Planung
• Verbrauchsstatistik • Finanzwesen und Finanzbuchhaltung
• Verwaltung von Daten über Kfz-Zulieferfirmen • Mahnwesen
• Verwaltung von Daten über Einkaufs- und Ver- • Personalwesen
kaufsp reise • Lohnbuchhaltung

Geschäfts- Kunde n-
leitung dienst

Bild 1: Vernetzung von EDV-Systemen im Autohaus


3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 69

Auftragsabwicklung 3. Erstellung der Ersatzteilliste für den Teiledienst


mithilfe der Datenverarbeitung Das Programm ermittelt aufgrund des Auftrags die
1. Erfassung der Kunden- und Fahrzeugdaten: benötigten Ersatzteile und legt eine Liste an. Auf
Durch das Gespräch mit dem Kunden und mithilfe Grundlage dieser Liste werden d ie Ersatzteile vom


der Zulassungsbescheinigung Teil 1 werden die Kun- Teiledienst bereitgestellt (Bild 3).
den- und Fahrzeugdaten ermittelt. Bei Stammkunden
sind diese Daten in der Regel gespeichert und können I N G 0 - 2000 (PN020MOO)
direkt aus der Datei aufgerufen werden (Bild 1). FUNKTION AUFTRAG-NR: 0114. 2850 F!RMA/BETR:/AST.: 11 A P
UFTRAGART: AUFTRAG KONTO/BUCH: 0 KDMEIS'I'ER: 1 5 KM-STAND: 42124
UFT. CODE/KDNR/NAME: S 011205 29 FALU*PAUL.A
FGNR . /POL-KZ/AW-TYP: WPO ZZZ99Z9S723456 S0-00 1234 00 ANZ.SPLI'M':
MODELL/M+G . KB/ZULA.:: 9 9 7 63 0 / 1 0.03 .200 9 AOFWANDS·ZEIT:
WAHL: fi CODE: r-
1 PO 996 107020 55
EINTRAEGE: AW L,. 240 Q.,
1, 0 01 100,0 OELFILTER
u.. FR• ET•
23, 62 11 SE 0
6
r
PFLEGEPROGRAMM FAHRZEUGE
1 PO MOE 2-LOSE 8,8 01 100,0 MOBIL 1 NEWLIFE 0 26,89 21 OE 0 r
V VERAKNDBRN BZ Amtl.KZ : SO-GO 123 4 3 PO Z 892332 2, 0 01 100, 0 SCHEIBENRIUNIGER 2, 95 17 OE 0 r
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59872 BVBRSBBRG ~ ~ ~00 ~~;;~~ 30 i: ~ ~i i~~: ~ ~~~~~:G ~: ;~ i; 1:~ ~ ~
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Welcher st. Code: ma
FALXB*PAO'LA 00 OSTSTR. 15
~ö~~~~st .Nr: !izz99Z9s723456
f9§7Tj""O ~~;p:,~~~:: w~ Erstzul. Dat:
~~~~~~~~~~:
6 PO 997 571219 01 1, 0 01 100, 0 PARTIKELFILTER 59, 01 11 4E 0

~ Edvtyp/AW- TYP: r~ Herkunft:


iPO Passtyp: I Nutzla./Platz: r---- Kilowatt: S.VERK: TA: ATT : RG: ZS : AtJFTEILUNG: KULANZ : ART: "
r
~:~~~: hKOLANZ BZW GARANTIE E!NGEB;~~i: S~~~{~E~~~
j& Kaufart: Zulassungsart : (k Tuev-A r t :
~ Letz.Dat :r---- r---
Km . Stand : Garan/Kul . Bes: LOESCHEN 0 D B R NR
f06t[2 am: tl 0062012 Km . Stand: ~ Serve/Rep.Bes:
!9 Verr. Sat: ~ Vermittler-K;:o; : I Hauptunters:
:r Sonderkz: I Gewicht/Hubr . . r--?3:8 AU - Termin:
:r Let .Wart :r-- Km.Stand : r-- Tachotermin:
I Leas. /2.Kd .Nr: r - - ZWU-Termin:
Prod. /Best -Nr .r-- Aufnah.Dat: 91 2012 Bild 3: Ersatzteilliste
Art/~~~~:=;~:~,n;; ~ ~er~r' oooooooo
Farbe :
O• PROGRAMM KAHL OK Zusätzlich kann die Ausbuchung der Teile aus dem
Lagerbestand und gegebenenfalls die Neubestel-
LOG-WEB 9'750 LTG lung beim Hersteller erfo lgen.
Bild 1: Kunden- und Fahrzeugdaten
4. Verwendung des Elektronischen Auskunftssys-
tems in der Werkstatt
Zusätzlich kann in der EDV vermerkt sein, ob das
Das Auskunftssystem der Werkstatt beinhaltet z.B.
Fahrzeug gegebenenfalls von Aktionen des Herstel-
Reparaturanleitungen, Stromlaufpläne und die War-
lers z.B. Rückrufaktionen betroffen ist.
tungstabeilen für den Inspektions-Service sowie
eine Anbindung an das Internet (Bild 4).
2. Auftragsbestätigung
Die Auftragsbestätigung beinhaltet die wichtigsten
Kunden- und Fahrzeugdaten sowie die Reparatur
.o:'fr · C · • ..,. .
bzw. Wartungshinweise (Bild 2). Der Durchschlag
der Auftragsbestätigung wird dem Kunden ausge-
händigt. Er ist vom Kunden bei der Rü ckgabe des
Wagens vorzuleg en.

""""'
a>•SC'CARI!EAAE'Pmr!!!'""'lr!5!o!!ob!no _ _ ...",..!OIS/12l
Emmrl!!-~--;!>p!0{01/12)

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V!r!lo!.ni-!bo!I-Hr:ll~l-Min!ot!c>-tlctl
--ISY05121

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IIP<I~U72HU lO ,OJ .200t t~l~- 4HH S~Kt!!'!iil?ot!!cug~OIMIZon
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~-m6c*f!ISY1"2!
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Bild 4: Elektronisches Auskunftssystem

ln den meisten Fällen ist das Elektronische Aus-


kunftssystem mit einem Fahrzeugdiagnose-, Mess-
- .. - ;::.."!!::!A_:"':i': ;;;n:::=:ä:z::.-'"'!:...-
-::.- - - und Info rmat ionssystem gekoppelt. Dieses System
§f'..:l;'i;iii!-::~ =~ v erbindet d ie Fahrzeug-Eigend iagnose, die M ess-
technik und die technische Do kum ent ation mitein-
ander. Zudem besteht d ie M öglichkeit der geführten
Fehlersuche am Fahrzeug . Des weiteren verfügen
diese Geräte über Multimeter- und Oszilloskopfunk-
Bild 2: Auftragsbestätigung tionen. Sie können im Rahmen des Fahrzeugservices
70 3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation

verschiedene Aufgaben übernehmen , w ie z.B. das


Abfragen des Fehlerspeich ers, die Update-Program- Vo rarbeite n
Dämpfungsbleche
teilweiseentfernen
Rad ausbauen --+ 44051900 Rad aus- und einbauen
mierung v o n Steuergeräten und das Rücksetzen von Bremsbeläge hinten ausbauen • PCCB Bremse

Service-Intervall-Anzeig en. Die Seele der Warnkontaktleitung darf nicht frei liegen! Eine angeschliffene
Isolierung istohne Bedeutung!


Gg f. etwas Bremsflüssigkeit aus dem Ausgleichbehälter absaugen, um ein
Für den Zugriff auf Servi ce-lnformationen lokaler Überlaufen beim Zurückdrücken der Scheibenbremse zu vermeiden!

Server oder auf Internet-Daten des Herstellers sind 1. Sicherung (Sicherungsbügel) -Pfeil- oben vom Haltestift entfernen und
Haltestift -B ew egungspf ei l- nach innen ausfahren.
die erforderlichen Schnittstellen vorhanden . Über 2. Warnkontaktleitung demon tieren (an Bremssattel, Spreizfeder und aus
denScheibenbremsbelägen)
das Internet könn en aktuelle Herstellerinformati- 3.Spreirlederdemontieren.

onen z.B. über Rückrufaktionen das Auskunftssys- 4. K ol benrücksetzvo rrichtung Nr.144, siehe Handbuch Werkstattausrüstung,
Kap . 2.4, am Bremssattel zwischen den Scheibenbremsbelägen ansetzen
tem ergänzen . und Beläge gleichmäßig -B ew egungspfeile- zurückdrücken.
5. Scheibenbremsbeläge demontieren
Warnkontaktle itung an Bremssattel -Pfeil- • Scheibenbremsbelägen und
Die Wartungstabellen fü r den Inspektions-Service Spreizfeder montieren.
6. Scheibenbremsbeläge durch mehrmaliges Betätigen der Bremse anlegen.
beinhalten die einzelnen Prüfpunkte, die vom Mon- 7. Den Stand der Bremsflüssigkeit kontrollieren und ggf. korrigieren. Der
teur abzuarbeiten si nd (Bild 1). Bremsflüssigkeitsstand muss zwischen der MAX-MIN-Markierung liegen.
Einfahren der B remsbeläge
Bei PCCB-Bremsscheiben benötigen neue Bremsbeläge eine etwas längere
Einfahrzeit als bei Grauguss-Bremsscheiben.
I=' c::J I=! Si c:: 1-1 e:: Generell gilt: Neue Bremsbeläge müssen sich einschleifen (Einfahrzeit) und
Wartung (A-Märkte") haben erst nach einig en hundert Kilometern ihre optimale Brems-
Cayman (987), Cayman S (987), Boxster (987), BoxsterS (987) wirkung. Die etwas verminderte Bremswirkung muss durch
stärkeren Druck auf das Bremspedal ausgeglichen werden.
911 Carrera (997), 911 Carrera S (997), 91 1 Carrera 4 (997), 91 1 Carre ra 45 (997)
Das gleiche gilt auch bei einem BremsscheibenwechseL
ab Modell 2010
Nach arbe iten
Rad einbauen--+ 44051900 Rad aus- und einbauen. Bremsflüssigkeitsstand
hh!"Zeug-ldent-Nr. _ _ _ __ ~IL_____ ___~I
D Wartung
bel60.000 , t20.000, 1 80 . 000, 2<~0 .000 kmusw.l40.000, 30.000 , t20. 000, 160.00 0 mlsfrtl; . Bild 3: Reparaturanleitung
(A!Witspo$1tkm031600 ..j
8esokr~ZU<AusiU!vvngens..t>eHandbuei!Tectmil<

Hlnwelto:Sollle doe~IOt-R~~a"""Gnidtl•mh:I>I-<Oef! .mun~ te!l'Snac!>4.11.12


..".,wartungdun:hgel\lhrt......roen
Das Fahrzeugdiagnose-System v erfügt in vielen
09rße9nti"Pttllen"llfl'lfaßlallllno!Wendigerlfolgeatbc>tenwoeEon~teiOif>.Nad'1sl8ilerl.~n"l><lN.etofül&rl.jedoel'l
roio:NI~M. Iws-!Jon<IÜberholenwnT...".,oderJ\gog<"'SSalen
Fällen über die Möglich keit der sog . Telediagnose
(Ferndiagnose) . ln problematischen Reparaturfällen
Mo\OtOiuodÖI!\Itere,...tz.en
Fahruug~iteundMotornoum.Sic:to~autO!dtllloN(ÖiouNIF!iis~"'len)urldScl>e<M~n kann ein Produktbetreuer des Herstellers parallel
(l~uod~ICSidl<Üfii<"PQ.;w!V uod!lesch'<liglln{l
~keJ!ssd>la...:MZusl3o<!Pf{llen
zum Monteur in der Werkstatt die Bildschirminfor-
KUhlerundl~l'teini.tsoe Sod1tprilfungaulilußerklleV~UI'IdV~mopluog
Kili'IHIU$- ke<~Stendlll>dFrostschu\l: fen mationen verfolgen , den Monteur anleiten und ggf.
auch den Tester bed ienen.
Bild 1: Wartungstabellen
5. Erstellung der Rechnung (Fakturierung)
Für die einzelnen Prüfpunkte kann der Monteu r Die Rechnungslegung erfolgt auf Basis der Kun -
deta illierte Arbeitshinweise und Informationen er- den- und Fahrzeugdaten, der Daten aus dem Auftrag
fragen, z.B . Ve rschl ei ßgrenzen von Bremsbelägen und den vom Monteur angegebenen Tätigkeiten
(Bild2). bzw. verwendeten Ersatzteilen und Betriebsstoffen
(Bild4).

lA - PORSCHE ZENTRUM
Mont age alter B efestigungsteile am B remssattel Dampfungsbleche SOEST
in Bremskolben
• Ve rminderung der B remsw irkung
• Besch äd igung des Brem ssattel s
--+ Neue Spreirleder, neuen Haltestift und Sicherungsbügel am
Bremssattel montieren
RECHNUNG llOl'U MWST:U,O \
• Die Scheibenbre msbelagriickseite nicht fetten . FRAU W-EH : Et1R
i'AUl.S FALKE KUNDSN-NR L 1 120529 00
• Scheibenbremsen auf Verschleiß prüfen. Verschleißgrenze siehe OSTSTR. 15 B&TR .- NR 11l06009 llAP B
- 4600 TW Technische Daten I Verschleißgrenze Bremse. AUFTR .-NR 1142850
59872 EVERSBERG LIEnRDA't'UM 10/2012
• Die Seele der Warnkontaktleitung darf nicht frei liegen.
Eine angesch!iffene Isolierung ist ohne Bedeu tung.
• Neuen Reparatursatz verwenden.
1. Vor dem Einbau der Bremsbeläge den Verschleißzustand der Bremsscheiben
kontrollieren - • 4600 TW Technische Daten I Verschleißgrenze Bremse.
2. Ggf. die Bremskolben mit der Kol b enrücksetzvorrichtung Nr.144, siehe
Handbuch Werkstattausrüstung, Kap. 2.4 in Ausgangsstellung zurückdrücken.
Dämpfungsbleche
entfallen

l
--
S0-00 1234

0 3160003 872L1 WARTUNG •


KOPECKI

-··
997630 ,..........,._
WPO ZUII9Z9S7:U456 1 0.0).09-- --
o.- 9.10.2012 BLATT

9.10.12 . .~
290,40
1

3. Scheibenbremsbeläge einsetzen . tT - NR BEZEICHNUNG TA RG E - PREIS MENGE


3.1. Bei Verwendung der Bremsbeläge Pagid P40 -2 neue Dämpfungsbleche 99610'10 20 55 OU!"ILTER 11 . 8 23, 62 1 23,62
in die Kolben einsetzen. Da die Dämpfungsbleche mit ein er Schutzfolie ~E :! - LOSE MOBIL 1 Nßtn.IF·E OW40 21 0 26,89 8,8 23 6 ,63
versehen sind. muss vor dem Einbau die Schutzfolie abgezogen werden z 892)32 SCHBIBENREINIGER 17 0 2,95 2 5,90
900 123106 30 DI CHTRING 11. II 0, 97 0,97
3.2. Bei Verwendung der geänderten Bremsbeläge (Pagl d P40 -3) keine z 707780 REINIGER 17 18 5,37 5,37
Däm pfun gsblech e einbauen! 997 571219 0 1 PARTIKELFILTER 11. 4 511,01 59 , 01
4. Spreizstift, Halteslift -Bewegu ngspfeil- und neue Sicherung (Sicherungsbügel)
-Pfeil- oben vom Haltestift montieren. ;;;;~;;;;;·;;·;;~~;~;;;~;;;;;;;;;~·· ··· ·
SEHR Gln' ( 100\ - 110\ ) • NOTE 1
GUT ( 89\ - 75 \ ) • NOTE 2
Bild 2: Arbeitshinweis zur Wartung WIR wORDEN UNS FREUEN, WENN SU UNSERE LEISTUNGEN
......................... .
Für den Fall , dass das Fahrzeugs instandgesetzt
werden muss stehen dem Monteur Reparaturanlei-
--- --
~~=. :~~.~~:. ~!~.~~~

331,50 U1,90 118,16

----
'1 4 0 , 06

tungen zur Verfügung, we lche die Arbeitsschritte


detailliert beschreiben (Bild 3). Bild 4: Rechnung
3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 71

3.9 Qualitätsmanagement im Kfz-Betrieb


Grundlagen Die DIN EN ISO ist eine Europäische Norm, die in
Das erfolgreiche Führen und Betreiben eines Unter- eine internationale Norm unverändert übernommen


nehmens erfordert, dass es in entsprechender Weise wurde und deren deutsche Fassung den Status einer
gemanagt wird . Dabei versteht man unter Manage- deutschen Norm hat.
ment die Leitung und Lenkung eines Unternehmens. Kundenorientiertes Qualitätsmanagement. Alle Tä-
Das Managementsystem ist auf die ständige Leis- tigkeiten des Unternehmens werden konsequent
tungsverbesserungdes Unternehmens ausgerichtet. kundenorientiert ausgerichtet. Oberstes Ziel des OM
Zu diesem System gehört neben anderen Bereichen ist die Verbesserung der Qualität von Produkten und
auch das Qualitätsmanagement Dienstleistungen mit der Absicht, die Wünsche des
Kunden zu erfüllen oder zu übertreffen .
Qualitätsmanagement (QM) . Man versteht da-
runter alle aufeinander abgestimmte Tätigkeiten Der Maßstab für den Grad der Zielerreichung ist
zum Leiten und Lenken eines Unternehmens be- die Kundenzufriedenheit in Bezug auf Qualität,
züglich der Qualität. Termin und Preis.

Beispiel:
Zum Qualitätsmanagement gehören die Festlegung:
Der Kunde erhält nach einer Inspektion das Fahrzeug
• Der Qualitätspolitik gewartet und zusätzlich gereinigt zurück.
• Der Qualitätsziele Qualitätsmanagement-System. Es umfasst die Or-
• Der Qualitätsplanung ganisationsstruktur sowie die Verantwortlichkeiten,
• Der Qualitätssicherung Verfahren, Prozesse und erforderlichen Mittel für die
• Der Qualitätsverbesserung Verwirklichung der Qualitätspolitik des Unterneh-
mens. Die Qualitätspolitik wird durch die Unterneh-
ln der DIN EN ISO 9000 ff. aus dem Jahr 2000 (Bild mensleitung (Führung) festgelegt. ln ihr werden die
1) werden die verschiedenen Begriffe des Qualitäts- Absichten und Zielsetzungen eines Unternehmens
managements definiert und vereinheitlicht. zur Qualität ausgedrückt.
Grundsätzliche und wichtige Informationen zum
Qualitätsmanagementsystem werden im Qualitäts-
DIN EN ISO 9000 managementhandbuch (GM-Handbuch). Detailinfor-
Grundlagen und Begriffe zum mationen in Verfahrensanweisungen, Arbeitsanwei-
Qualitätsmanagement sungen und Prüfanweisungen geregelt (Bild 2). Des
weiteren werden die Strategie des Unternehmens
im Hinblick auf das Qualitätsmanagement sowie die
DIN EN ISO 9001 Organisationsstruktur erläutert.
Anforderungen an ein Qualitätsmanagement-
system unter besonderer Berücksichtigung der
Wirksamkeit des GM-Systems bei der Erfüllung
von Kundenanforderungen

DIN EN ISO 9004


Leitfaden mit Anregungen zum GM-Syst e m für
Unternehm e n, w elche übe r di e Anfo rd e rung e n
der DIN EN ISO 9001 hinau sge he n w o ll e n
.,<:
Cl
<:
Bild 1: DIN-EN-ISO-Familie "E
E
Bedeutung der Abkürzungen in der Normbezeich- .,
·~
..0
nung : "'<:
Cl Richtlinien,
2 Verfahrensanweisungen
• DIN: Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin .s:

• EN: Europäische Normungsorganisation CEN


(Comite Europeen de Normalisation). Brüs-
~
'"
"
0
,-;,;1~ I ~ I~ I~ I~ I~ I~ I
Arbeitsa nweisungen , Prüfanweisung en,
sel Arbeitspläne, Prüfpläne
• ISO: International Organisation for Standardi-
zation, Genf (0 und S werden in der Abkür- Bild 2: Dokumentationspyramide eines
zung vertauscht) Qualitätsmanagementsystems
72 3 Betriebsorganisation, l<ommunikation

fenen wirtschaftlichen Werte. Typische Prozesse in


Qualitätssicherung (QS). Sie ist als Teil des Quali- einem Kfz-Betrieb sind z.B. die Auftragsabwicklung
tätsmanagements darauf ausgerichtet, Vertrauen für Reparatur- und Wartungsarbeiten und der Be-
zu erzeugen, dass die Qualitätsanforderungen
schaffungsvorgang für das Teil elager.
der Kunden erfüllt werden.


Im Rahmen des Qualitätsmanagements werden Pro-
zessbeschreibungen entwickelt, die den Zweck und
Im Rahmen der Qualitätssicherung werden Betriebs- das Ziel haben, den Anwendungsbereich sowie die
daten, Betriebsabläufe, Umweltschutzmaßnahmen Vorgehensweise z.B. bei der Auftragsabwicklung zu
usw. im Qualitätsmanagementhandbuch dokumen- beschreiben. Alle am Prozess beteiligten Mitarbeiter
tiert. z.B. Monteure, Mitarbeiter im Teiledienst sind ver-
Ziele des Qualitätsmanagementsystems. Die Erläu- pflichtet, sich an den einzelnen Punkten der Prozess-
terung der übergeordneten Ziele der Qualitätspolitik beschreibungen zu orientieren. So ist beispielswei-
wird insbesondere im Management-Handbuch des se für d ie Auftragsannahme festg elegt, in welcher
Unternehmens vorgenommen. Form Fahrzeug- und Kundendaten zu erfassen sind
oder welche Punkte bei der Erstellung eines Auftrags
Ziele des Qualitätsmanagementsystems sind z.B.:
zu berücksichtigen sind.
• Optimale Erfassung und Erfüllung von Kunden-
Sogenannte unterstützende Prozesse werden im
wünschen
Rahmen des Qualitätsmanagements ebenso be-
• Steigerung der Qualität von hergestellten Pro- schrieben. Diese können beispielsweise sein:
dukten und Dienstleistungen
• Wartung und Instandhaltung von Werkstattein-
• Verbesserung der Betriebsorganisation und der richtungen
Kostensituatio n des Betriebs • Persona/auswahl, -ei narbeitung und -qualifizie-
• Verbesserung des Ausbildungsstandes der M it ar- rung
beiter
Im Prozessmodell sind die wesentlichen Elemente
• Verbesserung der Umweltschutzmaßnahmen des
des Qualitätsmanagements miteinander verknüpft
Betriebs
(Bild 1). Das Beispiel stellt den Wertschöpfungs-
Prozessorientierter Ansatz. Das Qualitätsmanage- prozess ., Reparatur eines Kundenfahrzeugs " bzw.
ment orientiert sich an den Wertschöpfungspro- ., Beschaffung eines Ersatzteils" dar. Beide Prozesse
zessen eines Unternehmens. Unter Wertschöpfung sind Bestandteil des Regelkreises Qu alitätsm anage-
versteht m an die durch Tätigkeit (Arbeit) geschaf- ment

I Ständige Verbesserung
des Qualitätsmanagements

Kunde Kunde
erh ält Info rm atio nen über

I• Angebot e I Untern ehmensleitung I


• M aßnahmen

JA11!iiiL'=
/~
Planung u. Bereitstellung der

- ==
"""'=

q
• Mitarbeiter unter
Berücksichtigung der
Qualifikation, Fähigkeiten M essu ng, Ana lyse,
und Verfügbarkeil Kontrolle
(durch Kundenbefrag ung)
=+
• Ausrüstung (Werkzeuge,
Hilfsmittel, Gebäude usw.)
I Zof" edeohe"
Der Kunde stellt
sjJ~ sjl ~
Wertschöpfungsprozesse 1
Anford erungen
z.B.
fa chmännische, IIA uftragsa bw icklung in der Werkst att
terming erechte,
kost engünstige
Reparat u r eines
Fahrzeuges
-
t $
Beschaffung im Teilelager
IMateri al-
bereitstellung
II Tei lelager-
v erwaltung
I
Bild 1: Prozessmodell des Qualitätsmanagements
3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation 73

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP). Er


2. Erfassung betrieblicher Gegebenheiten
umfasst alle im Unternehmen ergriffenen Maß-
nahmen zur Erzielung von höherem Nutzen für das Gesamteindruck des Betriebs
Unternehmen und für den Kunden. Funktioniert der
• Entspricht der äußere Eindruck den Ansprüchen,


Regelkreis des Qualitätsmanagements, ist mit einer
z.B. Sauberkeit in der Werkstatt sowie im Außen-
ständigen Verbesserung der Unternehmensleistung
und Kundenbereich?
zu rechnen.
• Ist die Beschilderung des Betriebs, z.B . Wegwei-
Zertifizierung. Darunter versteht man die Über- sung zu Kundenparkplätzen, Auftragsannahme,
prüfung der Qualitätsfähigkeit eines Betriebs Teile- und Zubehörverkauf eindeutig?
durch unabhängige Sachverständige. • Sind die Werkstatt- und Betriebsöffnungszeiten
veröffentlicht?
Im Rahmen eines sog . Audits wird anhand einer
Checkliste der Betrieb mithilfe eines Punktesystems
Organisation des Betriebs
bewertet. Bei Erreichen einer bestimmten Punktzahl
• Ist ein Organisationsplan mit Stellen- und Funk-
erhält der Betrieb das Zertifikat. Mit dem Zertifikat
tionsbeschreibungen des Führungspersonals
wird die Erfüllung der Qualitätsanforderungen be-
und der Verantwortlichen, z.B. für Werbung, für
stätigt. Der Zertifizierungsvorgang wird in der Regel
Umweltschutz, für Arbeitssicherheit und für die
alle 3 Jahre wiederholt. Um die Qualität auch zwi-
Schulung der Mitarbeiter vorhanden?
schen den Zertifizierungsterminen zu überprüfen,
werden jährlich betriebsinterne Überwachungsau- • Existiert eine ausreichende Anzahl von Service-
dits durchgeführt. beratern?
Für die Betriebe ergeben sich aus der Zertifizierung • Wird die Qualität von Fremdaufträgen, z.B. La-
die folgenden Vorteile: ckierarbeiten ermittelt und gesichert?
• Überprüfung der betrieblichen Abläufe durch • Bietet der Betrieb einen Notdienst an?
Sachverständige im Hinblick auf die Qualitätsfä-
• Werden Kundenbefragungen und Telefonreports
higkeit des Unternehmens
zur Feststellung der Kundenzufriedenheit nach
• Steigerung des Qualitätsbewusstseins der Mitar- einer Reparatur oder nach einem Kundendienst
beiter regelmäßig durchgeführt?
• Nachweis im Rahmen der Produkthaftung
• Erfolgt eine systematische Erfassung von Kun-
• Erhöhung der Wettbewerbschancen gegenüber denbeschwerden, die Auswertung der Ergeb-
nicht zertifizierten Mitbewerbern nisse und die Umsetzung der Maßnahmen?
• Möglichkeit der Beratung des Betriebs durch die
• Wird der Ausbildungsstand der Mitarbeiter und
Sachverständigen im Hinblick auf die Feststel-
die Planung betrieblicher Fort- und Weiterbil-
lung von Schwachpunkten und mögliche Verbes-
dungsmaßnahmen für die Mitarbeiter dokumen-
serungen
tiert?
Ablauf eines Audits. Nach einer Vorabinformation , • in wie weit werden Sicherheitsrichtlinien, Unfall-
bei dem der Kfz-Betrieb die Prüfkriterien mitgeteilt verhütungsvorschriften und Umweltschutz ein-
bekommt, wird üblicherweise vorher ein Probelauf gehalten? Gibt es verantwortliche Personen für
im zu zertifizierenden Betrieb durchgeführt. Damit diese Richtlinien und Vorschriften?
können eventuell festgestellte Mängel behoben wer-
den. Im Anschluss daran erfolgt die eigentliche Zer- Kundenkontaktbereich/Auftragsannahme
t ifizierung, wobei der Betrieb innerhalb eines Tages
• Sind Preise für Waren und Dienstleistungen
überprüft wird.
ausgezeichnet, z.B. Festpreis für Inspektions-
Die Überprüfung gliedert sich in vier Bereiche und
service?
kann die folgenden Prüfpunkte beinhalten:
• Hat der Kunde die Möglichkeit der Einsichtnahme
in Reparatur-, Gewährleistungs-und Zahlungsbe-
1. Erfassung der Betriebsdaten dingungen?
• Größe des Betriebs • Bietet der Betrieb einen Hol- und Bringservice an?
• Verantwortliche Personen, z.B. Geschäftsleitung,. • Ist das Angebot an Ersatzwagen ausreichend und
Kundendienstleiter, Teiledienstleiter, Verkaufsleiter sind die Fahrzeuge in einem einwandfreien und
• Betriebliche Besonderheiten sauberem Zustand?
• Anzahl der Neu- und Gebrauchtwagenverkäufe • Liegt für jeden Reparatur- und Serviceauftrag ein
pro Jahr schriftlicher Kundenauftrag vor und entspricht
• Anzahl der Servicekontakte pro Tag die Rechnung dem Auftrag?
74 3 Betriebsorganisation, l<ommunil<ation

• Entspricht der Annahmebereich bzw. die Kunden- Teiledienst


wartezone den Anforderungen bzgl. Ausstattung, • Werden bei der Reparatur der Fahrzeuge Origi-
Cafeteria, aktueller Produktinformationen, aktu- nalteile und die vom Hersteller vorgeschriebenen
eller Zeitschriften und Zeitungen, Sitzgelegen- Betriebs- und Hilfsstoffe verwendet?


heiten und Kinderspielecke?
• Werden Wareneingangskontrollen durchgeführt
• Wird nach der Fahrzeuginstandsetzung bzw. und dokumentiert?
Wartungsarbeit vor Fahrzeugübergabe eine End- • Werden ausgebaute Teile mit Gewährleistungs-
prüfung/Probefahrt durchgeführt? Werden die ansprüchen gesondert behandelt und separat
Ergebnisse ausgewertet, Maßnahmen abgeleitet, aufbewahrt?
vereinbart und umgesetzt?
• Werden ausgegebene Ersatzteile einer Prüfung
• Sind die Rechnungen für den Kunden verständ- unterzogen?
lich dargestellt und nachvollziehbar?
• Sind alle im Teilelager befindlichen Ersatzteile
• Trägt das Personal angemessene/empfohlene eindeutig identifizierba r?
Kleidung sowie Namensschilder und besitzt es • Erfolgt eine qualitätserhaltende Lagerung der
Visitenkarten? Teile?
• Wird ein übersichtliches System zur Terminver-
einbarung und Tagesdisposition eingesetzt, z.B. Neu- und Gebrauchtwagenverkauf
Formulare, Kalender, EDV? • Befinden sich die Neu- und Gebrauchtwagen in
• Werden nach Auftragsannahme systematische einem einwandfreien Zustand?
Terminvorbereitungen getroffen? • Erfolgt beim Verkauf von Waren und Dienst-
• Ist sichergestellt, dass das Fahrzeug nach einer leistungen eine kundengerechte Erläuterung?
Reparatur oder Wartung dem Kunden persönlich • Werden regelmäßige Werbeaktionen durchge-
übergeben und die Rechnung erklärt wird? führt?
• Bietet der Betrieb die Reparatur-Annahme direkt
am Fahrzeug an? 3. Auswertung
• Wird aktuelles Zubehör beworben und im Kun-
Nachdem die Punkte überprüft sind, werden die
denkontaktbereich ausgestellt und angeboten?
vom Zertifizierer vergebenen Punktzahlen addiert.
ln Zusammenarbeit mit der Betriebsleitung erfolgt
Werkstatt
die Bewertung des Ergebnisses. Hat der Betrieb
• Liegt bei einem Inspektions- und Wartungsauf- die Mindestpunktzahl erreicht und die geforderten
trag das entsprechend gültige Formular bei und Hauptkriterien erfüllt, so erhält er das Zertifikat. Die-
wird es nach den Vorgaben abgearbeitet? ses dokumentiert, dass die Qualitätsfähigkeit des Be-
• Werden die Kundenfahrzeuge pfleglich behan- triebes nach DIN EN ISO 9001 überprüft wurde und
delt? Werden z.B. Lenkrad- und Sitzschoner ver- der Norm entspricht.
wendet?
• Wi e erfolgt die Organisation der Verteilung der 4. Vereinbarung von Maßnahmen zur
anstehenden Arbeiten auf die Mitarbeiter und Verbesserung der Qualität
Monteure?
Zusammen mit der Betriebsleitung erfolgt die Fest-
• Werden die Prüfbücher für Geräte und Werk-
legung weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der
zeuge exakt geführt und die Prüffristen für tech-
Qualität. Hat der Betrieb die Mindestpunktzahl nicht
nische Geräte und Werkzeuge, wie z.B. Hebebüh-
erreicht bzw. die geforderten Hauptkriterien nicht er-
nen, Kompressoren, Drehmomentschlüssel usw.
füllt, müssen die M ängel in einer vorgegebenen Zeit
eingehalten?
behoben w erden. Danach erfolgt eine erneute Über-
• Wie ist der Pflegezustand der verwendeten Werk- prüfung durch den Zertifizierer.
statt-Literatur? Haben die Mechaniker Zugang zu
den Unterlagen? Ist eine ausreichende Anzahl
WIEDERHOLUNGSFRAGEN
von EDV-Geräten vorhanden?
1 Was versteht man unter Qualitätsmanagement?
• Sind die Sicherheitsauflagen bzgl. Gefahrstoffen
2 Welche Ziele hat das Qualitätsmanagementsys-
und Brandschutz erfüllt?
tem?
• Existieren M aßnahmen für die Verm eidung vo n
3 Was versteht man unter Zertifizierung?
Abfällen?
4 Wie wird ein Audit durchgeführt?
• Wie erfolgt d ie Lagerung und Entsorgung von
5 Nennen Sie die wichtigsten Kriterien, nach denen
umweltgefährdenden Stoffen? Welcher Mitarbei-
Kfz-Betriebe überprüft werden!
ter ist verantwortlich?
75

4 Grundlagen der
Informationstechnik
Immer größere Mengen an Informationen und Da-


ten müssen immer schneller verarbeitet werden.
Tabelle 1: Programmarten
Deshalb sind immer leistungsfähigere Systeme für Systemprogramme
elektronische Datenverarbeitung in Technik, Wis- • Betriebssysteme z.B. DOS, Windows XP, Windows NT,
senschaft, Handel und Verwaltung erforderlich . Man UNIX, OS/2
unterscheidet • Utilities (Hilfsprogramme)
• Einzelplatzrechner z.B. Personalcomputer
Anwenderprogramme
• Vernetzte Systeme z.B. Server-Ciient-Netzwerk
• Standardprogramme z.B. Textverarbeitungsprogramme,
Tabellenkalkulationsprogramme, Datenbanken
4.1 Hardware und Software • CAD-Programme
• Branchenspezifische Programme z.B. für Buchhaltung,
Werkstattabrechnung, Gebrauchtwagenkalkulation
Ein EDV-System besteht aus Hardware und Soft- • Diagnose-Prog ramme
ware. • Spiele
• Multimedia-Programme z.B. Mov ie-Piayer, MP3-Piayer
Hardware umfasst alle elektronischen und mecha- • Programmiersprachen z.B. BASIC, Pascal, C++
nischen Bauteile, die sieht- und anfassbar in einer
Computergeräteeinheit verbaut bzw. zu einem Sys- Daten sind Informationen die vom Computer erfasst,
tem von Geräten zusammengefasst sind. Dazu ge- verarbeitet und ausgegeben werden können. Man un-
hören auch alle Verbindungskabel, Stecker sowie terscheidet numerische, alphabetische und grafische
Datenträger. Beispiel für die Hardware eines Pe- Daten (Bild 2). Die Kombination der unterschiedlichen
Systems (Bild 1). Daten werden Zeichenketten (Strings) genannt.
• Systemeinheit (Computer, Rechner) für die Verar-
beitung von Daten und +2 -4 +0.05 - 10.62
• Peripheriegeräte für die Numeri sche Dat en
Eingabe von Daten z.B. Tastatur, Maus
a B a Wuppertal EDV
- Ausgabe von Daten z.B. Monitor, Drucker
- externe Speicherung von Daten z.B. Festplatte, Alphabetische Daten
Diskettenlaufwerk.
Sprechgarnitur
I #OD L:lLl
Grafische Daten

I I D I - I w I - 142781 I Haan
Zeichenkette (string )

Bild 2: Datenarten

Datenverarbeitung im Computer läuft grundsätzlich


nach dem EVA-Strukturprinzip (Bild 3) ab.
Eingabe -=;::;> Verarbeitung ~- Ausgabe
Bild 1: PC-System
Eingabege räte Hauptplatine mit A usga beg eräte
z.B. Tast atur Mikroprozessor, z. B. Monito r
Software ist der Oberbegriff für alle Programme und Prog ramme
Daten.
Bild 3: Arbeitsweise des Computers
Programme bestehen aus einer Folge von Befeh-
len, die die Arbeitsa nweisungen des PC-Anwenders Eingabe. Am EDV-Arbeitsplatz w erden die Dat en z.B.
in eine für die Maschine verständliche Sprache über eine Tastatur eingegeben.
übersetzen, Verarbeitungsvorgänge steuern und Verarbeitung. Im Mikroprozessor des Computers
Ergebnisdaten bereitstellen. Programme können in werden die Daten anhand eines Programmes verar-
Systemprogramme und Anwenderprogramme un- beitet. Die Ergebnisdaten können im Arbeitsspeicher
terschieden werden (Tabelle 1). abgelegt werden .
76 4 Grundlagen der Informationstechnik

Ausgabe. Durch eine Programmanweisung können denen jedoch nur 4 verwendet werden (die Kombi-
sie auf einem Ausgabegerät, z.B. dem Monitor, er- nation von z.B. Rot und Grün wäre im Falle einer Ver-
kennbar gemacht werden. kehrsampel unsinnig, Tabelle 2).
Damit alle Klein- und Großbuchstaben, alle Ziffern,
sowie Sonder- und Steuerzeichen verarbeitet wer-
den können, benötigt man 8 Bit.


4.3 Rechnerinterne Darstellung
von Daten 18Bit nennt man 1 Byte
Ein Byte ermöglicht die Darstellung von 28 = 256
Im Computer werden Daten durch zwei elektrische
Schaltstellungen.
Schaltzustände dargestellt. Die elektrischen Schalt-
zustände sind ein oder aus (Tabelle 1). Diese Schalt-
zustände werden zur Informationsdarstellung im
Zweizeichensystem (Binärsystem) verwendet; dabei
entspricht die Ziffer 0 dem Schaltzustand aus und 4.4 Zahlensysteme
die Ziffer 1 dem Schaltzustand ein. Folgende Zahlensysteme werden in der Datenverar-
beitung verwendet
Tabelfe1:~1m 8lnirsysterri
• Dezimalsystem
Scha ltung L®--_j 49-----.rJ •

Binärsystem
Hexadezima lsystem
Leuchte Aus Ein Das Dezimalsystem besteht aus 10, das Binärsystem
Binärzeichen aus 2 und das Hexadezimalsystem aus 16 Ziffern.
0 1
Im Computer werden die Informationen grundsätz-
Jeder der beiden Schaltzustände ist somit die kleins- lich im Binärsystem verarbeitet. Zur Darstellung der
te lnformationseinheit. Diese wird 1 Bit (eng I. binary Informationen wird aufgrund der großen Ziffernlän-
digit =zweiwertiges Zeichen) genannt. ge im Binärsystem häufig das Hexadezimalsystem
verwendet.
Ein Bit enthält die Information 0 oder 1
Bei Bussystemen können zur Darstellung auch eine
Besteht eine Informationsquelle aus 2 Bit, wie z.B. Kombination aus dem binären und hexadezimalen
die beiden Blinkleuchten eines Autos, so kann jedes Zahlensystemen verwendet werden.
Bit die Information 0 (Blinker aus) oder die Informati-
on 1 (Blinker ein) haben (Tabelle 2). ln Tabelle 1, Seite 77 wird z.B. die Zahl 123 in den
einzelnen Zahlensystemen dargestellt.
Tabelle 2: Informationen im Binirsystem
Der Vorteil des Hexadezimalsystems gegenüber
Binär- Anzahl
Bit Beispiele kombinati- der lnfor- dem Dezimal- und Binärsystem ist eine kürzere
onen mationen Schreibweise, z.B.

~ ~

..
Dezimal Binär Hexadezimal
1 0 1 21 =2
Lampe aus Lam pe an 13 11 01 D

lS ' X ~ =>
~ 1
00 01 0 X 21 0
..- -.. =

•• -
Blinken aus Blinken rechts
1 X 22 4
2 22 =4 1 X 23 = 8
13
10 11
Blinke n links Warnblinken

Speicherkapazität. Die Angaben der Speicherkapazi-


~ ~
000

3 I
fre ie A chtung
Fahrt
I
Halt Vorberei-
ten zum
010 011
100 101
23 =8
tät von internen und externen Speichern erfolgt im-
mer mit dem 8-Bit-Code in Byte.
Anfa hren [}]] 111
8 Bit 1 Byte
Eine Verkehrsam pel überm ittelt ihre Information an 1 KB 2 10 Byte 1 024 Byte
die Verkehrsteilnehmer mit 3 Leuchten. Dies ent- 1MB 2 20 Byte 1 048 576 Byte
spricht einem Informationsgehalt von 3 Bit. Daraus
1GB 230 Byte 1 073 741 824 Byte
ergeben sich 23 = (8 mögliche Schaltstellungen; von
4 Grundlagen der Informationstechnik 77

Tabelle t:V~derZah~me
Dezimal Binär Hexadezimal

Basis 10 2 16

Ziffern und 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9,
0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 0,1
Zeichen A, B, C, D, E, F

E 3xW p

123 1 1 11 01 1

~m
= 3 = 1 11 X 16° = 11
2 X 101 = 20 = 2 7 X 161 112
1 X 102 = 100 = 0 123
Beispiel 123 1 X 23 = 8
1 X 24 = 16 A ;; 10 D ;; 13
1 X 25 = 32 B - 11 E - 14
1 X 26 64 c ;; 12 F ;; 15
123

4.5 Aufbau eines


Interne Speieher
Computersystems
Betriebs- Nur-
Die Hardware eines Computersystems besteht aus Daten- Lese-
speieher speieher
dem Grundgerät mit der Hauptplatine und den an- RAM ROM
geschlossenen Geräten (Bild 1 ).

Bild 2: Systembild einer Hauptplatine

ter. Es sorgt nach dem Einschalten des Computers


Bild 1: Grundgerät dafür, dass Programme des Betriebssystems vom
externen Speicher in den Arbeitsspeicher (RAM)
Hauptplatine (Motherboard). Auf einer Hauptplatine übernommen und gestartet werden. Die im ROM ge-
(Bild 2) sind folgende Hauptbaugruppen angeordnet: speicherten Informationen bleiben auch nach dem
• Mikroprozessor • Interner Speicher Ausschalten des Computers erhalt en.
• Ei n- und Ausgabeeinheit • Systembus
Arbeitsspeicher (RAM - Random Access M emory).
Mikroprozessor (CPU - Centra l Processing Unit). ln ihm w erden Programme und Daten für die aktu -
ln ihm werden die Anweisungen eines Programms elle Nutzung des Computersystems abgelegt. Beim
schrittweise ausgeführt. Die Taktfrequenz, mit der Ausschalten des Computers oder durch Software-
der Mikroprozessor betrieben wird bestimmt die Ar- befehl wird dieser Speicher gelöscht.
beitsschritte je Sekunde z.B. bei 4 GHzführt die CPU
Systembus. Er enthä lt den Steuerbus für Steuersig-
4 000 000 000 Arbeitsschritte pro Sekunde aus. nale, den Adressbus z. B. zum Ansprechen bestimm-
Interner Speicher. Er besteht aus Nur-Lese-Speicher ter Plätze im Speicher und den Datenbus auf dem
und Arbeitsspeicher. Daten, Befehle und Adressen übertragen w erden.

Nur-Lese-Speicher (ROM - Read Only Memory). Ein-/Ausgabeeinheit (EA-Interface). Sie steuert den
ln ihm sind unveränderbar Programme und Daten Datenaustausch zwischen der CPU, dem Arbeitsspei-
abgelegt, z.B. das Startprogramm für den Compu - cher und den Peripheriegeräten, z.B. Maus, Tastatur.
78 4 Grundlagen der Informationstechnik

Schnittstellen. Sie sind die Stellen, an denen die


Schnittstelle Parallel e Schnittstelle
Übergabe von Signalen von einem System zum an- PS/2 Maus Schnittstelle
dern z.B. vom PC zum Drucker erfolgt. Schnittstellen LPT1
können als Steckkarten oder als Steckverbindungen
(Bild 1) ausgebildet sein. Man unterscheidet paralle-
le und serielle Schnittstellen (Tabelle 1).


Parallele Schnittstellen übertragen z.B. 8 Bit gleich-
zeitig (parallel) über getrennte, 8-adrige Leitungen,
z.B. bei einem Druckeranschluss. Dazu verwendet
man z.B. auf der Computerseite einen 25-poligen
Stecker und auf der Druckerseite einen 36-poligen
Stecker (Centronics-Stecker). Schnittstell e Seri ell e Schnittstelle Schnittstell e
PS/2Ta statur Schnittstell e USB Audi o
Serielle Schnittstellen übertragen die einzelnen Bits COM1

nacheinander (seriell) über eine Leitung, z.B. beim Bild 1: Schnittstellen als Steckverbindungen an einer
Mausanschluss. Diese externe Schnittstelle wird auch Computerrückseite
als V.24- oder RS 232-Schnittstelle bezeichnet. Die
Stecker für diese Schnittstellen sind meist 9-polig . • Es sind weniger Drähte im Kabel erforderlich (bei
RS232 sind es nur 2 Leitungen (Senden , Empfan-
Vorteile gegenüber der parallelen Schnittstelle: gen)) .
• Die Kabel für serielle Schnittstellen können we-
sentlich länger (bis 150 m) sein als für parallele Übertragsgeschwindigkeit von Schnittstellen. Sie
Schnittstellen. wird meist in MBits/s oder MByte/s angegeben.

• Sie sind elektrisch unempfindlich, da sie einen


1 1 MByte/s = 8 MBit/s
hohen Eingangswiderstand haben.

TalMille 1: Schnittslallen am Computer


Bezeichnung Art Übertragungsgeschwindigkeit Anwendung
LPT 1 parallel 3 MByte/s Für Druckeranschluss, Scanner
COM/RS232 serie ll - Für Modem, serielle Maus
LAN/RJ45 seriell 10/100 Mbit/s Ethernet, Netzwerke
lrDA seriell Bis 14.4 KByte/s Infra rot-Sehn ittstelle
PS/2 seriell - Für Maus, Tastatur
USB seriell 1,5 MByte/s Universelle Schnittstelle für Drucker,
Scanner, Speicherstick
IDE, ATA parallel Bis 150 MByte/s Für Festplatten (auf der Hauptplatine)
SCSI parallel Bis 160 MByte/s Für Festplatten im Profibereich, Server
Bluetooth seriell 1 MBit/s Drahtlose Kommunikationsschnittstelle
(Funk)
Firewire seriell Bis 400 MBit/s Universelle Schnittstelle für Kameras,
Handy
AGP paral lel Über 533 MByte/s Schnittstelle für Grafikkarte
PCI paral lel 133 MByte/s Schnittstelle für Steckkarten z.B. Sound-
karte

4.6 Datenkommunikation Datennetze. Sie sind Datenleitungen , über die Daten,


meist als Nachrichtenpakete, übertragen werden . In-
Mit Hilfe der Datenkommunikation können Infor- nerhalb kleinerer Datennetze überträgt man neben
mationen in Form von Daten zwischen Computern Daten auch Steuersignale, wie z.B. im Kraftfahrzeug .
ausgetauscht werden. Die Verbindung zwischen den Die zu übertragenden Daten werden seriell Bit für Bit
einzelnen Computern wird durch Datennetze herge- übertragen, wobei die Informationen von allen Teil-
stellt. nehmern des Netzes genutzt werden können .
79

4.6.1 Datenübertragung Busstruktur (Bild 2). Sie ermöglicht das Senden und
Empfangen von Daten der einzelnen Stationen über
Systeme für den Datenaustausch, wie sie z.B. inner- ein gemeinsames, durchgehendes Kabel. Da jede
halb eines Unternehmens, im Büro oder im Kraft- Station Daten versenden und empfangen kann, muss
fahrzeug verwendet werden, nennt man LAN (Local der Datenverkehr über ein geeignetes Protokoll ge-
Area Network) oder lokale Netzwerke. Der Datenaus- regelt werden. Jeder Arbeitsplatz kann senden, wenn
tausch z.B. zwischen den PCs, Minicomputern, Zen- der Bus "frei" ist. Das Netzwerk kann durch Einfügen


tralrechnern und allen weiteren Peripheriegeräten von weiteren Arbeitsstationen auf einfache Weise
erfolgt mit hoher Datenübertragungsgeschwindig- erweitert werden. Außerdem behindert der Ausfall
keit (ca. 10 MBit/s ... 100 MBit/s). Dadurch können die einer Station nicht das gesamte Netz. Jedoch kön-
Teilnehmer des Netzwerkes auf alle Daten nahezu nen die gesendeten Nachrichten von allen Stationen
gleichzeitig zugreifen, um sie z.B. zu bearbeiten oder empfangen bzw. "mitgehört" werden.
zu verändern. Die Verbindungselemente zwischen
den Computern sind neben der Datenleitung die
Verbindungsstecker und Netzwerkkarten, die in die
Computer eingesteckt werden.
Netzwerkstrukturen. Je nach Anordnung der Com-
puter, die an eine gemeinsame Datenleitung ange-
schlossen sind, unterscheidet man
• Sternstruktur • Ringstruktur • Busstruktur
Sternstrukturen (Bild 1). M an unterscheidet:
Bu sstru ktu r Ringstruktur
• Aktive Sternstrukturen
• Passive Sternstrukturen Bild 2: Bus- und Ringstruktur eines Netzwerkes
Aktive Sternstruktur: Sie ermöglicht mit geringem
Leitungsaufwand die Verbindung einer großen
Peer to Peer Netzwerk. Es ist ein einfaches Netzwerk
Anzahl von Computern. Dabei ist jede Arbeitsstation
mit Busstruktur, bei dem alle Computer als gleichbe-
an eine Vermittlungsstelle (Knoten), meist einem
rechtigte, eigenständige Arbeitsstationen über eine
Server oder einem Hub, angeschlossen. Fällt beim
Datenleitung verbunden sind. Dadurch können Daten
Betrieb des Netzes eine Arbeitsstation aus, treten für
z.B. zwischen zwei Rechnern ausgetauscht werden.
die anderen Teilnehmer keine Störungen auf. Fällt
jedoch die Vermittlungsstelle aus, arbeitet das ge- Weitere Voraussetzungen für die Datenübertragung:
samte Netzwerk nicht mehr. Protokoll. ln ihm sind die Regeln festgelegt, nach
Passive Sternstruktur: Alle Arbeitsstationen sind denen Daten innerhalb eines Netzwerks übertragen
gleichberechtigt. Die Verbindungsstelle zwischen werden.
den Computern ist ein Leitungsknoten. Deshalb tre-
Gateway. W erden zw ei v erschiedene Netzw erke mit
ten keine Störungen beim Ausfall einer Arbeitssta-
miteinander verbunden, übersetzt der Gatew ay das
tion auf.
Protokoll des einen Netzwerks in das Protokoll des
Ringstruktur (Bild 2). Bei ihr sind benachbarte Ar- anderen Netzwerks.
beitsstationen direkt miteinander verbunden. Die Hub. Er ist eine Verteilerstation in einem Netzwerk
Daten werden von einer Station zur nächsten Sta- mit Sternstruktur. Alle Daten werden an alle ange-
tion in einer Richtung weitergegeben. Dadurch ist schlossenen Computer weitergeleitet. Ein passiver
eine Erweiterung durch einfaches Einfügen weiterer Hub verbindet die Netzwerkstränge, während ein
Computer möglich . Fällt jedoch ein Computer im aktiv er Hub die Signale noch verstärkt.
Ring aus, kann das gesamte Netz blockiert w erden.
Switch. Er ist eine Verteilerstation in einem Netzwerk
mit Sternstruktur, die die Daten nur an die Netzw erk-
stränge verteilt, in denen sich die angesprochenen
Computer befinden.
Router. Er verbindet zwei oder mehrere Netzwerke
miteinander und leitet die Daten intelligent w eiter.

Server-Ciient-Netzwerk
Server (Dienstleister). Er stellt in einem Netzwerk
Aktive Sternstruktur Passive Sternstruktur Daten, Programme und Rechenleistung bereit. Der
Server kann große Datenmengen speichern und da-
Bild 1: Sternstrukturen eines Netzwerkes durch den Clientrechner entlasten.
so 4 Grundlagen der Informationstechnik

Client (Kunde) ist die Bezeichnung für die anderen ständliche Signale zurückgewandelt (demoduliert).
Computer im Netzwerk. Sie nehmen die Dienste des Die Übertragsgeschwindigkeit über das Telefonnetz
Servers in Anspruch, indem sie Daten auf dem Ser- in Verbindung mit Modems als DÜE beträgt bis 56
ver ablegen, Programme ausführen und Rechenleis- kBit/s. Meist verfügen die Geräte über Faxfunktionen
tung in Anspruch nehmen. Diese Netze finden z .B. in und einen Anrufbeantworter.
großen Autohäusern Anwendung (Bild 1).
ADSL (Asymmetrische Digital Subscriber Line =


Asymmetrische digitale Anschlussleitung). Es ist ein
Verfahren, mit dem über ein Modem und ein geeig-
netes Protokoll digital und mit großer Geschwindig-
keit Daten übertragen werden . Die Übertragungsrate
ist ungleich (asymmetrisch ) und beträgt beim Emp-
fang (Downstream) bis zu 768 kBit/s, beim Senden
(Upstream) 128 kBit/s.

ISDN (lntegrated Services Digital Network = Digi-


tales Netz für integrierte Dienste). Die Datenübertra-
gung von ISDN-Adaptern als DÜE erfolgt in digitaler
Form. Bekommt ein Personalcomputer eine entspre-
chende Schnittstelle in Form einer ISDN-Steckkarte,
Bild 1: Client-Server-Netzwerk
kann er direkt als ISDN-Endgerät verwendet werden.
Die Übertragungsgeschwindigkeit innerhalb des di-
gitalen Netzes beträgt je Kanal 64 kBit/s.

4.6.2 Datenfernübertragung (DFÜ) Online-Dienste


Sie sind Dienstleistungsunternehmen, die Infor-
Sie ermöglicht den Informationsaustausch z.B.
mationen, wie z.B. Aktienku rse, Nachrichten, fir-
Sprach-, Bild-, Text- oder Datenkommunikation
menspezifische Daten und Informationen, die in Da-
über Telekommun ikationsdienste durch Kabelver-
tenbanken abgelegt sind, anbieten und verkaufen.
bindungen oder Richtfunk zwischen verschiedenen
Außerdem bieten sie ih ren Kunden vielfältige pri-
Datennetzen.
vate und berufliche Kommunikationsmöglichkeiten,
WAN (Wide Area Networks = weitflächige Daten- wie z.B. Homebanking, Teleshopping, Telelearning,
netze). Sie sind Kommunikationssysteme, die sich Telewerking an (Bild 2).
über die ganze Weit erstrecken können. ln Deutsch-
land stellt z.B. die Telekom ihr Telefonnetz für die
Datenfernübertragung zur Verfügu ng . Für die An- """ ~"" Onl""
- uc;,o- o-ooo... (no- _ .,._ DS<.- & - - · - ~

bindung an die Telekommunikationsdienste sind ~ -·- Wot•U-f Hol-' ~ fa....W.. - ..._, ~·~
J;o . . . . . . .. Otl,_"_
Datenendeinrichtungen und Datenübertragungsein-
richtungen erforderlich. ., ,
~ -
..
__............ __
_\,
,., ........
Datenendeinrichtung (DEE). Sie ist für das Senden ,_"_~-·-

und Empfangen von Daten erforderlich. Es sind z.B.


:a -

--
Personalcomputer, Terminals.
Datenübertragungseinrichtung (DÜE). Sie ist für
die Anpassung der Datensignale zwischen Daten-
·--
·-·---
·-----
.·-
i!! - -

endeinri chtung und dem Übertragungsweg not- Q =~-= Ef~ ~~= d §E" • zalandoo
wendig. Dazu verwendet man ISDN-Adapter oder
g §L~ ~ ::=:.:.·::;_ 0? 5:=-
Modems z.B. ADSL-Modems. Durch eine geeignete
===.-
Kom munikationssoftware kann der Datenaustausch
zwischen den Computern über serielle oder parallele Bild 2: Angebot eines Online-Dienstes
--
Schnittstellen erfolgen.
Modem (Modulator/Demodulator). Es ist ein Gerät,
das die zu übertragenden digitalen Signale eines Kommunikationsmöglichkeiten in Kfz-Unternehmen
Computers in analoge Signale umwandelt (modu - Es sind z.B. Datenübertragung aus Datenbanken
liert). Anschließend w erden die Signale im analo- vom Fahrzeughersteller, Downloads für Steu er-
gen Telefonnetz übertragen. Nach der Übertragung geräte, Tester und Software, Pflege von Fahrzeug-
werden die analogen Signale durch das Modem auf Lebenszyklusdaten, Flash-Aktionen bei Werkstatt-
der Empfangsseite wieder in für den Computer ver- besuchen.
4 Grundlagen der Informationstechnik 81

4.7 Datensicherung und Antivirenprogramme. Um den Befall von Viren fest-


zustellen, zu beseitigen oder zu verhindern werden
Datenschutz Antivirenprogramme eingesetzt. Auf Aktualität ist
Durch die ständig zunehmende Verbreitung der ln- zu achten, da immer wieder neue Viren auftauchen
formationstechnik und die dadurch steigende Daten- können.
menge wächst die Notwendigkeit, diese großen Da-
tenmengen zu sichern und sie vor unberechtigtem
Zugriff zu schützen.
Besonders durch die zunehmende Anzahl lokaler 4.7.2 Datenschutz
und öffentlicher Netze könnten verschiedene Benut-
zer direkt auf vorhandene Datenbestände zugreifen Grundlage des Datenschutzes ist das Bundesdaten-
und sie unberechtigterweise verändern. Deshalb schutzgesetz (BDSG).
gewinnen die Datensicherung und der Datenschutz
immer größere Bedeutung.
Aufgabe des Datenschutzes ist es, Daten vor
Missbrauch bei ihrer Speicherung, Übermittlung,
Veränderung und Löschung zu schützen.

4 7 1 Datensicherung Geschützte Daten im Sinne der Datenschutzgesetze


sind z.B. personenbezogene Daten von natürlichen
Unter Datensicherung versteht man alle Maßnah- Personen, falls diese Daten nicht jedermann frei zu-
men, Methoden und Einrichtungen, die gegen gänglich sind, z.B. Telefonbucheintrag .
den Verlust von Daten sowie gegen unzulässige
Nutzung oder Verfälschung von Daten schützen Personenbezogene Daten sind Angaben über
sollen. • Persönliche Verhältnisse, z.B. Geburtstag, Alter,
Staatsangehörigkeit, Religion, Beruf, Krankheit,
Zwischenspeicherung und endgültige Speicherung. Vorstrafen, politische Einstellungen, Zeugnisse,
Während des Arbeitens am Computer können Un- Konsumverhalten.
t erbrechungen, z.B. Fehlbedienung, Stromausfall,
• Sachliche Verhältnisse, z.B. monatliches Einkom-
Defekte in der Rechenanlage, Systemabstürze, zum
men, Vermögen, Schulden, Grundbesitz.
Verlust der Daten führen, die sich im Arbeitsspeicher
befinden. Deshalb ist es notwendig, Zwischenspei-
Die Datenspeicherung von personenbezogenen
cherungen der Daten und ihre endgültige Sicherung
Daten ist jedoch im Hinblick auf schnelle, rationelle
auf externen Speichern, wie z.B. Diskette, Festplatte
Arbeit, z.B. zur Erledigung von Verwaltungsaufga-
durchzuführen.
ben heute unumgänglich. Deshalb muss der einzel-
ne bei der Erfassung seiner persönlichen Daten fol-
Je häufiger gespeichert wird, desto geringer ist gende Rechte wahrnehmen können:
die Gefahr von Datenverlusten.
• Recht auf Benachrichtigung, wenn Daten erfasst
und gespeichert werden.
Sicherungskopien. Sie sind Kopien von wichtigen
Dateien z.B. auf CD-Rom, die bei Verlust der Origi- • Auskunftsrecht über gespeicherte Daten, die sei-
naldatei verwendet werden können. ne Person betreffen.
• Berichtigungsrecht bezüglich der Speicherung
Überschreibschutz von Dateien. Er v erhindert das
falscher Daten.
v ersehentliche Überschreiben von Dateien auf exter-
nen Speichern. Beim Speichervorgang wird durch • Recht auf Löschung von Daten, deren Speiche-
das Programm eine Warnung, z.B . .,Vorhandene rung unzulässig war oder bei denen die Berech-
Datei überschreiben?", am Bildschirm ausgegeben, tigung zur Speicherung weggefallen ist, z.B. nach
bevor das Abspeichern die ursprüngliche Datei über- Tilgung eines Kredits oder Auflösung der Ge-
schreibt. schäftsverbindungen mit der betreffenden Bank.

Passwort-Schutz. Jeder Benutzer einer Dat enverar- Der ordnungsg em äße Datenschutz nach den Daten-
beitungsanlage besitzt ein Passwort. Dieses muss schutzgesetzen wird vom Bundesdatenschutzbe-
er bei Beginn seiner Arbeit am Computer eingeben. auftragten und in den Bundesländern v o n den
Kennt der Rechner dieses Passwort, erlaubt er dem Landesdatenschutzbeauftragten sowie von den
Benutzer bestimmte Bereiche des externen Spei- Datenschutzbeauftragten in den Gemeinden über-
chers zu benutzen. wacht.
82

5 Steuerungs- und Regelungstechnil<


5.1 Grundlagen
Steuerungs- und Regelungssysteme sorgen für das Steuerkette (Bild 1). Sie wird gebildet von den
aufgabengemäße Zusammenwirken von Teilsyste- Baugliedern der Steuerung , die in Kettenstruktur,
men innerhalb eines Gesamtsystems. Außerdem von Bauglied zu Bauglied, aufeinander wirken . Die


sorgen sie für das aufgabengemäße Wirken der Sys- Steuerkette wird unterteilt in Steuereinrichtung und
teme nach außen. Im Kraftfahrzeug laufen ständig Steuerstrecke.
eine Vielzahl von solchen Steuerungs- und Rege- Beispiel Fahrgeschwindigkeitssteuerung 1 (Bild 2).
lungsvorgängen ab. Ein Pkw mit Ottomotor soll mit gleichbleibender Ge-
Beispiele für Steuerungsvorgänge schwindigkeit von 80 km/h gefahren werden.
• Gaswechselsteuerung durch Öffnen und Schlie-
Gemischbildung mrichtung
ßen von Ventilen durch einen Nocken .
• Lenken eines Fahrzeugs durch Einschlagen der
Räde r.
Beispiele für Regelungsvorgänge
• Regelung des Kraftstoff-Luft-Verhältnisses auf
einen bestimmten Wert z.B. auf A. = 1.
• Fahrgeschwindigkeitsregelung (Tempomat).
• Bremskraftregelung durch Antiblockiersystem
(ABS).
• Kühlmitteltemperaturregelung durch Thermostat.
~ Fahrgeschwindigkeit: 80 km /h

5.1.1 Steuern
Bild 2: Fahrgeschwindigkeitssteuerung
Das Steuern (oder: die Steuerung) ist der Vorgang
in einem System, bei dem eine oder mehrere Steuerungsgrößen (Bild 3)
Eingangsgrößen systembedingt die Ausgangs-
Die Geschwindigkeit 80 km/h stellt die Aufgabengrö-
größen beeinflussen. Die Steuerung kontrolliert
ße dar (Bild 3). Um sie unter gegebenen Fahrzustän-
nicht, ob der Istwert der Ausgangsgröße mit dem
den zu erreichen, muss dem Motor eine bestimmte
Sollwert der Eingangsgröße übereinstimmt.
Gemischmenge zugeführt werden . Der Fahrer bringt
Kennzeichnend für das Steuern ist der offene
dazu das Fahrpedal in eine entsprechende Stel-
Wirkungsablauf längs einer Steuerkette.
lung. Der Pedalweg ist somit die Führungsgröße
(w) (Eingangsgröße). Durch das Fahrpedal wird die
Massestrom Ausgangsgröße
En ergiefluss
Aufgabengröße
Steuerstrecke
Fahrgeschwindigkeit

l '"'''öß'
Stellgröße (y) I~~
Drosselklappenöffnung / ' v
l Störgrößen (z)
Steigung
Wind

Eingangsgröße

Führungsgröße (w) ~
Fahrpedalweg ~

Bild 1: Steuerkette Bild 3: Physikalische Größen bei der


Fahrgeschwindigkeitssteuerung
1 Der Mensch als möglicher Regler ist bei Betrachtung dieser Steue-
rungssysteme nicht m it einbezogen.
5 Steuerungs- und Regelungstechnik 83

Drosselklappe im Saugrohr in eine bestimmte Stel- gangsgröße (Gemischmenge) bewirkt. Die Aufga-
lung gebracht. Die Drosselklappenöffnung ist die bengröße (Geschwindigkeit= 80 km/h) kann wieder-
Stellgröße (y) für die benötigte Gemischmenge. herstellt werden .

Steuereinrichtung (Bild 1). Zu ihr gehören Steuer-


5.1 2 Regeln
glied und Stellglied. Dies sind die Baugl ieder, die
unmittelbar für die aufgabengemäße Beeinflussung
der Steuerstrecke erforderlich sind . Das Regeln (oder die Regelung) ist ein Vorgang
in einem System, bei dem die zu regelnde Größe
(Regelgröße) als Istwert fortlaufend erfasst, mit
dem Sollwert verglichen wird . Bei Abweichun- •
genvom Ist- zum Sollwert wird der Istwert selbst-
tätig an den Sollwert angeglichen.
Kennzeichnend für das Regeln ist der geschlos-
Ausgangsgröße für sene Wirkungsablauf (Regelkreis).
Fahrgeschwindigkeit
= Steuergröße (x) Regelkreis (Bild 2). Er wird von den Baugliedern ge-
(Gemischmenge) bildet, die am geschlossenen Wirkungsablauf der
Regelung teilnehmen. Der Regelkreis besteht aus
Regeleinrichtung und Regelstrecke.

Massestrom
Energiefluss

Bild 1: Steuerkette der Fahrgeschwindigkeitssteuerung Regelstrecke

Steuerglied ist das FahrpedaL Stellglied ist die Dros-


selklappe. Die Führungsgröße w (Pedalweg) ist die
Eingangsgröße der Steuereinrichtung . Die Stellgrö-
ße y (Drosselklappenöffnung) ist die Ausgangsgrö-
ße der Steuereinrichtung und zugleich Eingangsgrö-
ße der Steuerstrecke.
Stellort

Regler
Sollwert-lstwert-
l Stör-
größe

, Vergleicher
1
Steuerstrecke. Sie umfasst den Teil der Anlage, Istwert
Regel- '
der beeinflusst werden muss, um die erforderliche i__ nrichtung
Aufgabengröße, Fahrgeschwindigkeit, zu erreichen.
Die Steuerstrecke ist also die Gemischbildungs- Fuhrungsgroße (Sollwert)
einrichtung, da sie die erforderliche Gemischmenge
fü r die gewünschte Geschwindigkeit liefert. Die Bild 2: Regelkreis
Ausgangsgröße der Steuerstrecke wird als Steuer-
Am Beispie l der Fahrgeschwindigkeitsregelung wer-
größe x bezeichnet.
den die Begriffe und Benennungen erklärt.
Die Geschwindigkeit 80 km/h wird jedoch nur solan- Ein Pkw mit Ottomotor soll mit einer gleichblei-
ge eingehalten, wie keine Störungen auf das System benden Geschwindigkeit von 80 km/h (Bild 3) ge-
einwirken. Kommt der Pkw z.B. an eine Steigung, so fahren werden. Er ist dazu mit einer Fahrgeschwin-
vermindert sich die Geschwindigkeit. Die Steigu ng digkeitsregelung (Tempomat) ausgerüstet.
stellt steuerungstechnisch eine Störgröße z dar. Sie
kann von der Steuerung nicht berücksichtigt werden, Gemischbildu
da die veränderte Aufgabengröße Geschwindigkeit einrichtung
nicht selbsttätig auf die Führungsgröße (Pedalweg)
bzw. Drosselklappenöffnung zurückwirkt. Die Steue-
rung hat also einen offenen Wirkungsabl auf. Fällt die
Störgröße wieder weg, stellt sich die vorgesehene
Geschwindigkeit wieder ein .
Um die Einwirkung der Störgröße (Steigung) zu kor-
rigieren, muss der Fahrer der Steuereinrichtung eine
geänderte Führungsgröße (Pedalweg) eingeben. Drehzahlgeber
Dadurch wird über das Steuerglied und Stellglied ~ Fahrgeschwindigkeit: 80 km/h
(Fahrpedal und Drosselklappe) in der Steuerstrecke
(Gemischbildungseinrichtung) eine andere Aus- Bild 3: Fahrgeschwindigkeitsregelung
84 5 Steuerungs- und Regelungstechnil<

Physikalische Größen (Bild 1) von Istwert und Sollwert der Geschwindigkeit be-
Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs ist die Regelgrö- stimmt der Regler das Signal für das Stellglied. Das
ße x. Die Fahrgeschwindigkeitsregelung kann auf Stellglied besteht aus Stellmotor und Drosselklappe.
verschiedene Art eingeschaltet werden. Je nach Regelabweichung formt das Stellglied eine
entsprechende Stellgröße y (größere oder kleinere
Im Normalfall wird der Fahrer den Pkw mit dem Drosselklappenöffnung).
Fahrpedal auf die Geschwindigkeit 80 km/h bringen,
dann durch Betätigen des entsprechenden Bedien- Die Stellgröße y ist die Ausgangsgröße der Regel-
hebels an der Lenksäule die Regelung einschalten einrichtung und zugleich die Eingangsgröße der Re-
gelstrecke.


und damit zugleich den momentanen Wert der Ge-
schwindigkeit als Sollwert fixieren. Der Sollwert 80
km/h ist die Führungsgröße w. Regelstrecke. Sie umfasst den Teil der Anlage, der
beeinflusst werden muss, um die erforderliche Ge-
Um diese Geschwindigkeit zu halten, benötigt der mischmenge für die vorgegebene Fahrgeschwin-
Motor eine bestimmte Gemischmenge. Dazu wird digkeit 80 km/h zu erhalten. Somit ist die Gemisch-
die Drosselklappe selbsttätig in eine Stellung ge- bildungseinrichtung die Regelstrecke. Die von ihr
bracht, die der benötigten Gemischmenge ent- gelieferte Gemischmenge bewirkt eine bestimmte
spricht. Die Drosselklappenöffnung ist die Stellgrö- Motorleistung mit der das Fahrzeug eine bestimmte
ße y, die in der Gemischbildungseinrichtung für die Geschwindigkeit erreichen kann.
benötigte Gemischmenge sorgt. Damit erreicht der
Motor eine bestimmte Leistung und das Fahrzeug Die Geschwindigkeit ist die bewirkte Ausgangsgrö-
die geforderte Geschwindigkeit IRegelgröße x). ße der Regelstrecke (Regelgröße x).

Störgrößen z. Sie können in Form von Steigung,


Gefälle oder Wind auf das Fahrzeug einwirken und
die Fahrzeuggeschwindigkeit verändern. Da die je-
weilige Geschwindigkeit jedoch dem Regler zum
Vergleich mit dem Sollwert zurückgemeldet wird,
Regelgröße
kann die Regelung dem Einfluss der Störgrößen ent- Fahrgeschwin-
gegenwirken. digkeit

Stellort
--4----.----+l Regelgröße (x)
Fahrgeschwindigkeit

l Störgrößen (z)
Steigung
Wind
Signalglied
1...---1 (lstwertgeber)
Drehzahlgeber

Führungsgröße (w)
Bild 2: Regelkreis der Fahrgeschwindigkeitsregelung
Sollwert der
Fahrgeschwindigkeit
Istwert der
Fahrgeschwindigkeit Regelvorgang. Im Gegensatz zur Steuerung über-
prüft die Regelung, ob der Istwert der Regelgröße,
also die tatsächlich erreichte Fahrgeschwindigkeit,
mit dem Sollwert (= vorg egebene Fahrgeschwin-
Bild 1: Physikalische Größen bei der digkeit) übereinstimmt. Weicht der Istwert der Ge-
Fahrgeschwindigkeitsregelung
schwindigkeit vom Sollwert ab (= Regeldifferenz),
leitet der Regler einen neuen Regelvorgang mit ge-
Regeleinrichtung (Bild 2). Zu ihr gehören Regler und änderter Stellgröße ein. Man spricht daher in der Re-
Stellglied. Diese Bauglieder sind für die unmittelba- gelung von einem Regelkreis.
re aufgabengemäße Beeinflussung der Regelstrecke
erforderlich. Dem Reg ler wird über das Eingabeteil Regelanschlag. Darunter versteht man, dass die Re-
die Führungsgröße (Sollwert für die Geschwindig- gelung nur innerhalb bestimmter Grenzen möglich
keit) eingegeben. Dem Regler wird außerdem der ist. So ist z.B. die Fahrgeschwindigkeitsregelung
augenblickliche Istwert der Geschwindigkeit durch nur in einem vom Hersteller vorgesehenen Bereich
einen Drehzahlgeber mitgeteilt. Aus dem Vergleich möglich z.B. von 30 km/h bis 210 km/h.
5 Steuerungs- und Regelungstechnil< 85

5.2 Aufbau und Funktionseinheiten von Steuereinrichtungen


Eine Steuereinrichtung lässt sich gerätetechnisch in anderem pyrotechnische Gurtstraffersysteme einge-
folgende Bauglieder aufteilen: setzt.
Signalglied, Steuerglied und Stellglied. Signaleingabe. Die Aufprallerkennung erfolgt dabei
So wie die Bauglieder der Steuereinrichtung in der durch einen Beschleunigungssensor. Dieser erfasst
Reihenfolge des Wirkablaufs verkettet sind, über- die augenblickliche Geschwindigkeitsänderung und
tragen sie in der Wirkrichtung Signale und Befehle gibt sie in Form eines elektrischen Signals an das
Auslösesteuergerät weiter.


nach dem Prinzip

I Eingabe --; Verarbeitung --; Ausgabe.


Signalverarbeitung. Die Elektronik des Auslösesteu-
ergerätes erkennt, ob ein kritischer Verzögerungs-
wert überschritten wird . Ist dies der Fall , so steu-
Diese Folge des Signalflusses wird verkürzt als
ert das Auslösesteuergerät über einen Impuls den
.,EVA-Prinzip" bezeichnet. in Bild 1 wird dieses Prin-
Zündkreis des Gurtstraffers an.
zip am Beispiel des Gurtstraffers erläutert.
Um bei einem Frontalaufprall eines Fahrzeuges Ver- Signalausgabe. Die Zündkapsel zündet nun einen
letzungen der Fahrzeuginsassen durch Aufprall auf Feststofftreibsatz. Dadurch wird von einem Gasge-
Lenkrad, Instrumententafel oder Frontscheibe zu nerator über einen Kolben und einen Seilzug der Si-
vermeiden , werden von Fahrzeugherstellern unter cherheitsgurt gestrafft.

Steuereinrichtung Steuerstrecke

Signal- Signal- Signal-


eingabe .l..__---"'- verarbeitung :;:::==~ ausgabe

E V A
I
Beschleuni- j I Auslöse- J Zündkapsel
gungssensor / Steuergerät mit Treibsatz
1 I 1
I I I J
"---S-ig_n_a-lg_li_e_
d __,..L._
/ _ _jl"> Steuerglied ~~===::,'1~--S-te_ll_g-lie_d_ _j

Bild 1: Steuertechnisches Schema eines Gurtstraffersystems

5.2.1 Signalglieder, Signalarten,


Signalumformung Steuerglieder

Signalglieder bezeichnet man auch als Sensoren. Druck Masse


Sie nehmen physikalische Größen verschiedener
Art auf (Bild 2). formen daraus Eingangssignale
(z.B . Spannungen) und geben sie an die Steuer-
glieder weiter.
Weg Kraft

Die Signale können unterschiedlichen Verlauf ha-


ben . Man unterscheidet z.B. analoge, binäre, digitale
und pulsweitenmodulierte Signale. Strom Drehzahl

Signalarten Temperatur
Analoge Signale (Bild 1, Seite 86). Dabei werden Sig-
nale stufenlos aufgenommen und übertragen. Bild 2: Eingangssignale aus physikalischen Größen
86 5 Steuerungs- und Regelungstechnil<

Beispiel: Die Drehzahl einer Handbohrmaschine wird Signal-Umformung


über die Schalttaste stufenlos gesteuert. Die Dreh- Die Messwerte von Sensoren müssen häufig in be-
zahl verhält sich gleichartig (analog) zur Stellung der stimmte Signalformen umgewandelt werden, damit
Schalttaste. Zwischen Null und Höchstdrehzahl gibt sie z.B. von Steuergeräten verarbeitet werden kön-
es beliebig viele Zwischenwerte. nen.
Binäre Signale (Bild 1). Sie liegen vor, wenn nur zwei Analog-Digital-Wandler (AID). Diese wandeln analo-
Signalzustände aufgenommen oder übertragen wer- ge Signale in digitale Signale um. Beispiel: Das stetig
den, z.B. Ein und Aus bzw. 0 und 1. erfasste Temperatursignal eines NTC-Temperatur-


Beispiel: Eine sich ändernde Drehzahl wird jeweils fühlers wird durch den AID-Wandler in ein digitales
nur durch zwei Werte angezeigt, z.B. < 400 1/min Signal umgeformt (Bild 3).
(Zustand 0) oder> 400 1/min (Zustand 1).

r~ ~ r~
Digitale Signale (Bild 1). Sie stellen eine Sonderform
von binären Signalen dar. Dabei werden von analo-
gen Signalen verschiedene Zwischenwerte aufge-
nommen und übertragen.
Beispiel: Eine sich ändernde Drehzahl wird in festge- <J) (J)

legten Schritten, z.B. 100 1/min angezeigt.


Tem peratur __:c Temperatur ~oc

Bild 3: Analog-Digitale Umwandlung eines


Analoge Darstellung der Drehzah l NTC-Temperatur-Signals

Impulsformer (IF). Sie erzeugen aus beliebig ge-


formten Eingangssignalen Rechtecksignale. Beispiel :
Ein analoges Induktivgebersignal einer Zündanlage
wird über einen Impulsformer in ein Rechtecksignal
zur Zündzeitpunktsteuerung umgewandelt (Bild 4).

n> 400
1/min

n S 400 ~--+----+--~--~~~---+--------
1/min Zeit -
1 I

t 600
1/min
Digita le Darstellung der Drehzahl
Bild 4: Impulsumformung - Umwandlung eines
- 400 Induktivgebersignals in ein Rechtecksignal
.!::
~
.!::

0"' Signalglieder
Taster und Schalter gehören zu den berührenden
Signalgliedern.
Bild 1: Signalarten- analog, binär, digital Taster geben ein Signal nur ab, solange sie betätigt
werden. Danach gehen sie meist durch Federkraft in
Pulsweitenmodulierte (PWM)-Signale (Bild 2). Dabei ihre Ruhestellung zurück.
handelt es sich um getaktete Spannungssignale mit
Schalter rasten bei Betätigung ein bzw. bleiben in
konstanter Frequenz und gleicher Einschaltspan-
der Schaltstellung, in die sie gebracht werden. Durch
nung. Die Impulse haben eine unterschiedlich lange
erneutes Betätigen gehen sie in ihre Ausga ngsst el-
Einschaltdauer. Sie w erden z.B. zur stufenlosen Ver-
lung oder in eine w eitere Stellung.
stellung von Magnetv entilen verwendet.
Elektrische Schalter, die bei Betätigung einen Strom-
Im Bild erfolgt die Messung der Einschaltdauer ge- kreis schließen, bezeichnet man als Schließer; Schal-
gen Masse. ter, die einen Stromkreis öffnen, bezeichnet man als
Öffner (Bild 5).

n 11 +

>v~ ~v'
0>
Pulsweite (t El Strom f ließt
c
::J
c
c
"'0.
<J) 0 20 40 60 80 ms 100
t E = Einschaltdauer Signal Frequenz= const. t - - a) b)

Bild 2: Pulsweitenmodulierte (PWM)-Signale Bild 5: a) Schließer b) Öffner


5 Steuerungs- und Regelungstechnik 87

Wegeventile (Bild 1) können in pneumatischen und Temperaturfühler (Bild 4). Sie werden z.B. zum Mes-
hydraulischen Steuerungen als Schalter oder Taster sen der Kühlflüssigkeitstemperatur verwendet. Wird
benutzt werden . z.B. ein NTC-Widerstand verwendet, so nimmt des-
sen Widerstandswert mit steigender Temperatur ab.
Der sich ändernde Spannungsabfa ll ist ein Maß für
die Temperaturänderung .

NTC-Widerstand


Zulauf Rücklauf Schaltzeichen \
3/2-Wegeventil (hydraulisch) II
Bild 1: Grenztaster

Bild 4: Temperaturfühler
Berührungslos arbeitende Sensoren
Sie benötigen keine Schalterbetätigung von außen.
Sie reagieren selbstständig .
5.2 .2 Steuerglieder
Fotowiderstand (Bild 2). Er reagiert z.B. auf unter-
schiedlichen Lichteinfall mit einem veränderten Wi- Steuerglieder (Steuergeräte) (Bild 5) nehmen
derstand und kann so z.B . für eine Lichtsteuerung die Signale von den Signa lgliedern auf, verarbei-
verwendet werden. ten sie und geben sie als Schaltbefehle an Stell-
glieder weiter.

J Signalausgabe
J
., II
Verstärken Umfo rm en
Bild 2: Fotowiderstand zur Lichtsteuerung

Induktive Drehzahlgeber (Bild 3). Sie werden z.B.


l Steuerglied
J
Verknüpfen Vergleichen
zum Messen der Motordrehzahl verwendet. Sie
bestehen aus einem Dauermagneten und einer ·H
Induktionsspule mit Weicheisenkern.
( Signaleingabe
Als Impulsgeber wird ein Zahnkranz am Schwung-
rad verwendet, dessen Drehzahl zu messen ist. Die
Zähne des Zahnkranzes sind nur durch einen Luft- Bild 5: Signalverarbeitung in Steuergliedern
spa lt vom Drehzahlgeber getrennt. Bei drehendem
Umformen der Signale. Dies ist erforderlich, wenn
Schwungrad verursacht jeder Zahn eine Magnet-
die Signa le vom Signalglied in der vorliegenden
feldänderung , die in der Spule jeweils eine Induk-
physikalischen Größe vom Steuerglied (Steuerge-
t ionsspannung erzeugt.
rät) nicht direkt verarbeitet werden können oder die
Die Anzahl der Impulse je Zeiteinheit ist ein M aß für Stellglieder mit speziell geformten Signalen ange-
die Drehzahl des Schwungrades. taktet werden müssen. So kann es z.B. notwendig
sein, dass in einem Steuergerät ein Signal pulswei-
tenmoduliert umgeformt wird, damit ein Schrittmo-
tor stufenlos verstellt werd en kann.
Verstärken . Häufig sind Eingangssignale zu schwach
oder nicht geeignet, um Steuerungsvorgänge am
Stellglied zu bewirken. Die Signale müssen dann
innerhalb des Systems verstärkt werden. Die Ver-
stärkung kann z.B. mithilfe eines Relais erfolgen. Da-
bei bewirkt ein kleiner Steuerstrom durch die Spul e
eines Elektromagneten, dass Schalterkontakte für
einen hohen Arbeitsstrom geschlossen werden. Mit
dem Arbeitsstrom kann dann z.B. eine Glühlampe
Bild 3: Drehzahlgeber angesteuert (Bild 1, Seite 88) werden.
88 5 Steuerungs- und Regelungstechnil<

Anstelle des Rel ais kann auch ein Transistor verwen- Mit dem Eingreifen des Stellgliedes soll die Aufga-
det werden . Hierbei bewirkt ein klein er Basisstrom bengröße am Ende der Steuerstrecke in der vorge-
(I8 ) einen großen Arbeitsstrom (Je). sehenen Weise verändert werden .
ln der Technik werden solche Steuerglieder häufig
als Verstärker bezeichnet. Als Stellglieder werden z.B. Ventile, Drosselklappen,
Zylinder, Relais, Motoren, Magnetventil e, Transis-
+ + toren oder Thyristoren verwendet.
Arbeitsstromkreis

npn · Sind in Steuerungen große Energien zu leiten, wird


Transisto r die Steuereinrichtung häufig in einen Steuerteil und
einen Energieteil geteilt (Bild 3).

+ doppelt-
wi rkender
Zylinder

Steuerstromkreis

Bild 1: Relais und Transistor als Signalverstärker

Logisches Verknüpfen von Signalen ist erforderlich,


wenn aus mehreren Eingangssignalen ein Aus-
gangssignal gebildet werden soll.
Beispiel: ln elektronisch gesteuerten Benzineinspritz-
anlagen erhält das Steuergerät unter anderem Sig-
Steuerteil Energieteil
nale über Lastwunsch , Motortemperatur, Ansaug-
lufttemperatur und MotordrehzahL Im Steuergerät Bild 3: Stellglied mit Antriebsglied
werden diese Sign ale logisch verknüpft. Anhand von
hinterlegten Kennfeldern werden durch das Steuer- Stellglieder im Steuerteil können mit verhältnismä-
gerät Schaltbefehle in Form von Spannungsimpul- ßig geringer Energie betrieben werden. Die große
sen an die Einspritzventile gegeben. Die Dauer der Energie wird erst am Antriebsglied zugeführt, wo sie
Spannungsimpulse hängt dabei von der benötigten zum Eingreifen in die Steuerstrecke benötigt wird .
Kraftstoffmenge ab. ln elektropneumatischen Steuerungen werden dazu
ln pneumatischen und hydraulischen Steuerungen häufig elektromagnetisch betätigte Wegeventile als
werden häufig Stellglieder verwendet. Sie steuern z.B. Arbeitszylin-
• Wechselventile (ODER-Verknüpfung) bzw. der als Antriebsglieder zum Eingreifen in die Steu-
• Zweidruckventile (UND-Verknüpfung) erstrecke an .
zum logischen Verknüpfen von Eingangssignalen
verwendet (Bild 2). Häufig verwendete Antriebsglieder sind z.B. Elek-
tromotoren , Pneumatik- und Hydraulikmotore n und
Zylinder.

WIEDERHOLUNGSFRAGEN

1 Wodurch unterscheidet sich eine Steuerung von


einer Regelung?
Durchfluss nach 12 Durchfluss nach 12
von 10 ODER 11 von 10 UND 11 2 Aus welchen Hauptbaugruppen besteht eine
Steuerkette?
Bild 2: Wechselventil und Zweidruckventil
3 Welche Aufgabe haben Steuerglieder?
4 Welche Aufgabe haben Stellglieder?
5 Welche Bauglieder gehören zur Steuereinrich-
5.2.3 Stellglieder und Antriebsglieder tung?
6 Welche Aufgaben haben Signalglieder?
Das Stellglied (Aktor) ist das letzte Glied der Steu-
ereinrichtung. Es nimmt den Schaltbefehl des 7 Was versteht man unter dem EVA-Prinzip?
Steuergliedes (Steuergerätes) auf und greift da- 8 Was versteht man in einer Steuerung unter
mit am Stellort in den Massestrom oder Energie- Führungs-, Stell- und Steuergröße?
fluss der Steuerstrecke ein. 9 Welche Signalarten unterscheidet man?
5 Steuerungs- und Regelungstechnik 89

5.3 Steuerungsarten Drehbewegung mechanisch auf das Steuerglied, z.B.


Zahnstangen-Lenkgetriebe (Bild 2) übertragen. Da-
5 3 1 Mechanische Steuerungen bei wird die Drehbewegung durch eine Zahnstange
in eine geradlinige hin- und hergehende Bewegung
Bei diesen Steuerungen werden zur Übertragung umgewandelt. Die Zahnstange überträgt nun über
der Energie und der Steuersignale mechanische Spurstange und Spurhebel die Lenkbewegung auf
Übertragungsglieder verwendet. die Räder(= Steuerstrecke). Stellgröße y ist der über
Spurstange und Spurhebel bewirkte Lenkeinschlag
Im Kraftfahrzeug finden rein mechanische Steue- der Räder. Störgrößen z sind z.B. äußere Kräfte, wie


rungen z.B. bei der Lenkung (ohne Lenkhilfe), dem Seitenwind, die auf die Lenkung einwirken .
handgeschalteten Wechselgetriebe oder der Ventil-
steuerung (ohne Hydrostößel) Anwendung.
Ventilsteuerung (Bild 1, Bild 3). Durch sie wird der
Ein- und Austritt des Kraftstoff-Luftgemisches ge-
steuert. Ausgangs- bzw. Steuergröße x ist der Gas-
wechsel. Nockenwelle, Nocken, Kipphebel und Ven-
t ilfedern bilden dabei die Steuereinrichtung . Das
Ventil ist die Steuerstrecke, da über den Ventilöff-
nungsquerschnitt der Gaswechsel erfolgt (gesteuert
wird). Führungsgröße w ist die Drehung der Nocken-
welle, die durch den Antrieb über die Kurbelwelle
bewirkt wird. Stellgröße y ist der über den Kipphebel
bewirkte Ventilhub und das über die Ventilfeder be-
wirkte Schließen des Ventils. Störgrößen z sind bei
dieser Steuerung z.B. Wärmedehnung der Bauteile
und mechanisches Spiel zwischen den Baugliedern. Bild 2: Fahrzeuglenkung

Bild 3 zeigt schematisch die Signalflüsse der Ventil-


steuerung und der Fahrzeuglenkung .
Ventil-
feder

Bild 1: Ventilsteuerung

Fahrzeuglenkung (Bild 2, Bild 3). Sie ermöglicht


durch den Fahrer gewollte Richtungsänderungen
eines Fahrzeugs. Ventilsteuerung Fahrzeuglenkung
Ausgangs- bzw. Steuergröße x. Sie wird durch die
Bild 3: Signalflüsse
Schwenkbewegung der Räder bewirkt. Lenkrad,
Lenkspindel, Lenkgetriebe, Spurstange und Spurhe- Nachteile von mechanischen Steuerungen. Große
bel bilden die Steuereinrichtung. Die Räder stellen Übertragungswege sind nur schwer zu überbrücken.
die Steuerstrecke dar, da durch ihre Schwenkbewe- Sie unterliegen einem stärkeren Verschleiß als an-
gung eine Richtungsänderung des Fahrzeugs be- dere Steuerungen. Deshalb werden sie häufig durch
wirkt wird. pneumatische, hydraulische, elektrische oder elek-
Führungsgröße w ist die Drehung des Lenkrades tropneumatische bzw. elektrohydraulische Steue-
durch den Fahrer. Über eine Lenkspindel wird die rungen ersetzt.
90 5 Steuerungs· und Regelungstechnil<

5.3.2 Pneumatische und hydraulische Kraftfahrzeug Anwendung z.B. bei Bremsanlagen,


Stoßdämpfern , Servolenkungen, Ausgleichsperren,
Steuerungen
Ventilsteuerungen mit Hydrostößel und automati-
schen Getrieben .
Pneumatische Steuerungen. Energieträger ist
bei diesen Anlagen Gas, meist Druckluft, seltener
Unterdruck.
Energieerzeugung
Druckerzeugung bei pneumatischen Anlagen. Ein
Hydraulische Steuerungen. Zur Energieübertra-
Kompressor, dem ein Druckluftbehälter mit Druck-
gung wird Hydraulikflüssigkeit verwendet.
begrenzungsventil nachgeschaltet ist, erzeugt den


Systemdruck. Am Beispiel eines Werkstattkompres-
Vorteil beider Energieträger ist, dass über größere sors wird der Aufbau einer kompletten Druckluftver-
Entfernungen Kräfte übertragen werden können, sorgungsanlage (Bild 1) erläutert.
wobei kaum Verluste durch Reibung auftreten . Zu-
Die Anlage besteht aus Filter, Verdichter, Druckluft-
sätzlich ist auf einfache Art eine Kraftverstärkung
behälter und Wartungseinheit Ein Kolbenverdich -
(Übersetzung) möglich. ln Tabelle 1 sind die Vor-
ter saugt die Luft über einen Filter an, verdichtet
und Nachteile von Druckluft im Vergleich zu Hydrau-
sie und drückt sie in einen Druckluftbehälter. Nach
likflüssigkeit aufgelistet.
Erreichen des höchsten Arbeitsdrucks, z.B. 10 bar,
wird der Verdichtermotor abgeschaltet. Sinkt durch
Tabelle1: Luftentnahme der Druck auf den Einschaltdruck, so
schaltet der Motor wieder ein . Ein Manometer am
Druckluftbehälter zeigt den Inhaltsdruck an . Durch
Kompressibel, leicht Inkompressibel ein Druckbegrenzungsventil werden zu hohe Drücke
spe icherbar verhindert. Das sich bildende Kondenswasse r kann
Hoh e Drücke und Kräfte
Einfacher Aufbau der auf kleinem Raum am Entwässerungsventil des Druckluftbehälters ab-
Geräte und Anlagen möglich gelassen werden.
..'!!
·a; Hohe Geschwindig- Anfahren aus dem An den Druckluftbehälter schließt sich eine War-
t
0 keiten bei Zylindern und Stillstand mit voller tungseinheit an . Sie besteht aus Filter und Druck-
> hohe Drehzahlen be i Belastung möglich regelventil mit Manometer. Dahinter kann ölfreie
Motoren möglich Gleichförmige Bewe- Luft z.B. zum Reifenfüllen oder Lackieren entnom-
Keine Rücklaufleitungen gung der Zylinder men werden . Zum Betrieb z.B. von Druckluftwerk-
erforderlich
zeugen wird die Luft über einen Öler geführt.
Nur relativ kleine Drücke Rücklaufleitungen sind
möglich erforderlich öl haltige ölfreie
Luft Luft
..'!! Geschwindigkeit belas- Größerer Bauaufwand
·~
L tungsabhängig Austretendes Öl ist
u
z"' Lärmentwicklung durch umweltschädlich
ausströmende Luft
(Abluft)

Häufig werden Funktionen elektrisch ausgelöst und


pneumatisch oder hydraulisch verknüpft. Dadurch
ist es möglich mithilfe geringer elektrischer Ener-
gien große Energien zur Steuerung entsprechender
Baugruppen, z.B. Kupplungen, Zylinder aufzubrin-
gen. Di ese verknüpften Steuerungen bezeichnet
man als elektropneumatische bzw. elektrohydrau-
lische Steuerungen .
Anwendungen im Kraftfahrzeug. Pneumatische
Steuerungen, die mit Druckluft arbeiten, werden
häufig in Nutzkraftwagen, z.B. bei der Druckluft-
bremsanlage, Luftfederung, Türöffnungs- und Tür-
schließanlage verwendet. Pneumatische Steuerun-
gen, die mit Unterdruck arbeiten, werden z.B. bei
Bremskraftverstärkern im Pkw-Bereich angewendet.
Schematische Darstellung Schaltplan
Bei direkteinspritzenden Ottomotoren und bei Die-
selmotoren ist dafür eine eigene Unterdruckpumpe Bild 1: Druckluftversorgungsanlage
erforderlich. Hydraulische Steuerungen finden im (Werkstattkompressor)
5 Steuerungs- und Regelungstechnik 91

Druckerzeugung in hydraulischen Steuerungen einfachwirkender doppeltwirkender


(Bild 1). Hierzu verwendet man als Hydrauli kpumpe Zylinder Zylinder
z.B. eine Zahnradpumpe, die von einem Motor an-
getrieben wird. Sie saugt die Hydraulikflüssigkeit
aus einem Vorratsbehälter an und drückt sie in die
Druckleitung. Zur Sicherheit ist hinter die Hydraulik-
pumpe ein Druckbeg renzungsventil geschaltet. Wird
ein bestimmter Höchstdruck überschritten, so öffnet Be- und Entlüftung
das Ventil und Hydraulikflüssigkeit fließt über eine


Rücklaufleitung zurück in den Vorratsbehälter. Auch
von allen Arbeitsgeräten fließt Hydraulikflüssigkeit
über Rücklaufleitungen wieder in den Vorratsbehäl-
ter zurü ck.
Schaltbilder
Druck-
begrenzungs-
ventil Bild 2: Pneumatische und hydraulische Zylinder

Stell-, Signal- und Steuerglieder


Wegeventile (Bild 3).

Wegeventile steuern den hydraulischen oder


pneumatischen Energiefluss, du rch Öffnen und
Schließen von Durchflusswegen.

Im Schaltbild wird jede Schaltstellung durch ein


Quadrat dargestellt. Die Darstellung der Leitungsan-
schlüsse erfolgt an das Quadrat, das der Ruhestellung
entspricht. Die Durchflusswege und ihre Richtung
werden durch Linien mit Pfeilen gekennzeichnet. Die
Schematische Darstellung Schaltplan Kennzeichnung für eine Sperrung erfolgt durch ein
" T". Die Schaltstellungen werden durch kleine Buch-
Bild 1: Hydraulikanlage
staben, z.B. a, b kenntlich gemacht. Die Ruhestellung
kann auch mit 0 gekennzeichnet sein.
Arbeitsglieder
Arbeitsglieder pneumatischer und hydraulischer
Steuerungen stimmen in Aufbau und Funktion weit-
gehend überein. Die hydraulischen Elemente sind
jedoch wegen der höheren Drücke w esentlich kräf-
tiger gebaut als Elemente der Pneumatik. in Schalt-
plänen w erden für beide Arten gleiche international
genormte Schaltzeichen verwendet. Druckanschluss1 Entlüftung 3
4 Wege 2 Schaltstellungen
Motoren. Sie formen die in der Druckluft oder der
Hydraulikflüssigkeit gespeicherte Energie wieder in Schaltbilder 0 4
~4 lb14
Drehbewegung um. Druckluft- oder Hydromotoren
werden als Lamellen-, Flügel-, Kolben- oder Zahn-
~3 ~3 ~3
radmotoren gebaut. 2/2-Wegeventil, druckknopf·
betätigt m it Rückstellfeder
Zylinder (Bild 2). Sie dienen zur Umformung von
pneumatischer oder hydraulischer Energie in me-
3/2-Wegeventil, hebelbetätigt
chanische Energie. Sie führen dabei geradlinige hin- mit Raste
und hergehende Bewegungen aus. Beim einfach-
wirkenden Zylinder mit einem Anschluss, wird der
Kolben durch Beaufschlagung mit dem Druck der 4/2-Wegeventil, beidseitig
elektromagnetisch betätigt
Luft bzw. der Druckflüssigkeit nur in eine Richtung
bew egt. Die Rückfü hrung in die Ruhelage erfolgt
durch eine eingebaute Feder. Der doppeltwirkende 5/3-Wegeventil, beidseitig
druckbetätigt, federzentriert
Zylinder hat zwei Anschlüsse, über die der Kolben
durch den Druck des verwendeten Mediums in beide
Richtungen bewegt werden kann. Bild 3: Darstellung von Wegeventilen
92 5 Steuerungs- und Regelungstechnik

Bezeichnung der Wegeventile (Bild 1). Sie erfolgt Wechselventile (Bild 4) haben zwei Eingänge (10, 11)
durch zwei Ziffern, verbunden durch einen Schräg- und einen Ausgang (12). Der Ausgang 12 erhält Druck,
strich. Die erste Ziffer gibt die Zahl der Anschlüsse wenn 110 oder 111mit Druck beaufschlagt werden.
an und die zweite Ziffer die Zahl der Schaltstel-
lungen . Z.B. hat ein Durchflu ssrichtung ~

[!] I
~10~11
W -Wegeventil

4 Anschlüsse und I 3 Schaltstellungen.


~ Durchfluss;ach12


von 10 ODER 11
Anscblueakennze Neu Alt
~
Sperrrichtung
Druckanschluss 1 p 10~11
Anschluss der ersten Arbeitsleitung 2 A
Schaltbild Schaltbild
Entlüftung, Rücklauf 3 R
Anschluss der zweiten Arbeitsleitung 4 B
Bild 3: Rückschlagventil Bild 4: Wechselventil
Schaltstellungen. in Schaltstellung 0 wird 11mit 21 Zweidruckventile (Bild 5) haben wie Wechselventile
und 14mit 31verbunden. in Schaltstellung ~ haben ebenfalls zwei Eingänge (10, 11) und einen Ausgang
j1 mit 4j und j2 mit 31Verbindung . Dies wird durch (12). Der Ausgang erhält allerdings nur dann Druck,
Pfeile gekennzeichnet. in der Nullstellung sind die wenn beide Eingänge 110 und 11 1mit Druck beauf-
Anschlüsse gesperrt. schlagt werden .

ri3l-r-,
a 10 --t.!::t:::i!j- 11
Schaltbild

Bild 1: 4/3-Wegeventil Bild 5: Zweidruckventil

Betätigungsart der Ventile (Bild 2). Die Ventile kön- Stromventile


nen von Hand, mit dem Fuß, mechanisch, pneuma-
tisch, hydraulisch oder elektrisch betätigt werden. Mit Stromventilen kann man den Strom des
Die Betätigungsart w ird durch ein entsprechendes, Druckmediums in einer Leitung begrenzen oder
waagrecht an das Quadrat anstoßendes Zeichen einstellen.
dargestellt.
Drosselventile (Bild 6). Es werden Drosselventile mit
von Hand, mit dem Fuß mechanisch fester oder einstellbarer Engstelle verwendet. Mit
einem Drosselventillässt sich z.B. bei einem Zylinder

~ allgemein
~ durch Tast er die Bewegungsgeschwindigkeit des Kolbens verrin-
gern oder verändern.
e-[ durch Knopf wv[ durch Feder
nicht einstel lbares einst el lbares Drosselventil
Drosselventil

~ durch Pedal durch Druck

elektrisch -• [ direkt Bild 6: Schaltbilder von Drosselventilen


Drosselrückschlagventile (Bild 7) haben in der einen
~ -~
durch indirekt über
El ektromag net Vorsteuerventil
Richtung freien Durchfluss. in der Gegenrichtung
wird der Durchfluss gedrosselt. Die Drosselung ist
Bild 2: Betätigungsarten von Ventilen (Auswahl) einstellbar.

Sperrventile

Sperrventile verhindern das Durchströmen von


Druckluft oder Hydraulikflüssigkeit in eine Rich -
tung oder aus jeweils einer von zwei Richtungen . Schaltbild

Durchfluss
Rückschlagventile (Bild 3) haben eine Durchfluss- und ged rosselt
eine Sperrrichtung, lassen also Druckluft oder Hyd-
raulikflüssigkeit nur in einer Richtung durchströmen. Bild 7: Drosselrückschlagventil- einstellbar
5 Steuerungs- und Regelungstechnik 93

Druckventile
Druckregelventile (Druckreduzierventile). Sie
Druckventile dienen u.a. zur Druckbegrenzung, sind in Ausgangsstellung geöffnet und bewirken ,
zum Zu- und Abschalten von Aktaren und zum dass der Ausgangsdruck, auch bei verändertem,
Konstanthalten des Arbeitsdruckes. aber höherem Eingangsdruck, weitgehend kons-
tant gehalten wird .
Druckbegrenzungsventil (Bild 1). Es hat die Aufgabe
Leitungen, Bauelemente und Druckbehälter, z.B . bei Sie werden z.B. benötigt, um Schaltvorgänge in Au-
Druckluftbremsanlagen , vor unzulässig hohem Druck tomatikgetrieben komfortabel ablaufen zu lassen
oder den Betriebsdruck in Druckluftbremsanlagen


zu schützen . Übersteigt der Druck in Leitung P einen
bestimmten Wert, so ist die Öffnungskraft am Ventil- für den Anhänger auf einen bestimmten Wert zu re-
kegel größer, als die Schließkraft der vorgespannten duzieren.
Feder. Das Ventil öffnet und der Druck kann bei Druckregelventil mit Entlastungsöffnung (Bild 3).
hydraulischen Anlagen zum Behälter entweichen . Bei diesem Ventil wird der Druck in Leitung A kons-
Bei pneumatischen Anlagen entweicht der Druck, tant gehalten . Die von Peinströmende hydraulische
z. B. über einen Schalldämpfer, ins Freie. Die Strich- Flüssigkeit wird durch den Ringspalt gedrosselt. Da-
linie am Symbol besagt, dass ab einem bestimmten durch ist der Druck in Leitung A kleiner als in Leitung
Druck eine Leitungsverbindung zwischen P und T P. Sinkt der Druck in Leitung A, so verringert sich die
hergestellt wird. über die Steuerleitung wirkende Kraft auf die Un-
terseite des Hydraulikkolbens. Die Federkraft drückt
T den Kolben weiter nach links und der Ringspalt ver-
Schaltbild größert sich . Steigt der Druck in Leitung A verkleinert
sich der Ringspalt und gleicht den Druckanstieg aus.
Steigt der Druck in Aso stark an, dass sich der Ring-
spalt schließt, so wird die Entlastungsöffnung nach
T frei. Dadurch wird der Druckanstieg am Arbeitsan-
schluss A auf einen max imalen W ert begrenzt.

Dämpfungskolben Ventilkegel
Schaltbild
Bild 1: Druckbegrenzungsventil

Vorgesteuertes Druckbegrenzungsventil (Bild 2).


Sind große Volumenströme zu steuern, so verwen-
det man vorgesteuerte Druckbegrenzungsventile. Der
Steuer-
Höchstdruck wird am Kegelsitzventil des Vorsteuer- leitung
ventils eingestellt. Wird der Höchstdruck überschrit-
ten öffnet das KegelsitzventiL Durch die Drossel im Bild 3: Druckregelventil mit Entlastungsöffnung
Hauptventil kommt es zu einem Druckunterschied
zwischenKolbenober-und Kolbenunterseite. Der Kol- Elektrisch geregeltes Drucksteuerventil (Regelmag-
ben wird entgegen der Federkraft nach oben verscho- netventil, Bild 4). Bei diesem Ventil wird der Druck
ben. Der Volumenstrom wird von P nach T geleitet. am Arbeitsanschluss proportional zum Spulenstrom
gesteuert. Abhängig von der Höhe des durch die Spu-
le fließenden Stromes wird der Ringspalt zur Entlas-
Schaltbild tungsöffnung T geöffnet. Bei Strom Null ist der Ring-
spalt geschlossen und der Druck an A am größten.
Steigt der Spulenstrom, so wird der Kolben entge-
gen der Federkraft stärker angezogen . Der Ringspalt
nachTvergrößert sich , dadurch sinkt der Druck am
Arbeitsanschluss A.

Hauptventil

Bild 2: Vorgesteuertes Druckbegrenzungsventil

Druckbegrenzungsventile sind in der Ausgangs-


stellung geschlossen und öffnen ab einem be-
stimmten voreingestellten Druck. Bild 4: Elektrisch geregeltes Drucksteuerventil
94 5 Steuerungs- und Regelungstechnil<

Grundschaltungen ln Schaltstellung b des Ventils strömt die Druckluft


Pneumatische und hydraulische Schaltungen wer- über die Anschlüsse 1 und 4 so zum Zylinder, dass
den in ihrem Aufbau und in ihrer W irkungsweise der Kolben eingefahren ist, während auf der ande-
durch Schaltpläne übersichtlich dargestellt. Für die ren Seite des Kolbens die Luft über 2 und 3 ins Freie
Erstellung eines Schaltplanes gilt: entweichen kann. Wird das Wegeventil, z.B. über
einen Druckknopf in Schaltstellung a umgeschaltet,
• Elemente von unten nach oben dem Signalfluss
so strömt Druckluft über die Anschlüsse 1 und 2 auf
folgend anordnen.
die linke Seite des Kolbens und bewirkt das Aus-
• Schaltzeichen waagrecht zeichnen.
fahren des Kolbens. Die Luft auf der Kolbenstangen-


• Ventile in Ausgangsstellung darstellen. seite entweicht dabei über die Anschlüsse 4 und 3
• Arbeitsleitungen als Volllinien und Steuerlei- ins Freie.
tungen als Strichlinien zeichnen.
• Zur Vereinfachung Energiequelle als Dreieck ein- Indirekte Steuerung eines Zylinders (Bild 2)
zeichnen. Als Stellglied für den Zylinder ~ wird dabei ein
• Elemente sind mit Schaltkreisnummer, Bauteil- druckluftgesteuertes 4/2-Wegeventil 5Y] verwendet.
kennbuchstaben und fortlaufender Bauteilnum- Zwei druckknopfbetätigte 3/2-Wegeventile 1151 1und
mer gekennzeichnet, z.B. 1 V 2. 1152 1, die als Signalglieder wirken steuern das Stell-
glied 5Y]. Wird das Signalventil 151 kurz betätigt,
• Bauteilkennbuchstaben.
so erhält das Wegeventil 5YJeinen Druckimpuls
P Pumpen und Kompressoren (Signal) und schaltet in Stellung a. Der Kolben fährt
5 Signalaufnehmer V Ventile A Antriebe aus. Diese Stellung wird beibehalten, auch dann,
M Antriebsmotore Z jedes weitere Bauteil w enn das Signalventil O§iJ nicht m ehr bet äti t
wird. Erst durch ein Signal vom Wegeventil 152
• Die Kennzeichnungen sind mit Rahmen zu ver- geht das Stellglied 5Y] wieder in seine Ausgangs-
sehen (Bild 2), z.B. I 152 I . stellun b) und der Kolben fährt ein. Das 4/2-Wege-
ventil 1V wirkt als Signalspeicher.
• Versorgungsglieder beginnen vorzugsweise mit
der Kennziffer 0.

Direkte Steuerung eines Zylinders


Einfach wirkender Zylinder (Bild 1a). Dieser wird z.B.
bei Lkw-Motorbremsen angew endet. Soll der Zy-
4 Stellg lied
linder ausfahren, so wird das 3/2-Wegeventil durch rr-m-+. (Weg eventil)
einen Druckknopf betätigt und schaltet in Stellung
a. Der einfach wirkende Zylinder wird über die An-
schlüsse 1 und 2 des Wegeventils mit Druckluft be-
aufschlagt. Wenn die Betätigungskraft am Wegeven-
til entfällt, drückt die Rückstellfeder das Ventil wieder
in seine Ausgangsstellung b zurück. Die Druckluftzu-
fuhr zum Zylinder wird gesperrt. Die Rückstellfeder Signalg lied er
(Wegeventile)
im Zylinder drückt den Kolben zurück, die einge-
schlossene Luft entweicht dabei über die Entlüftung
Bild 2: Indirekte Steuerung eines doppeltwirkenden
3 am Wegeventil ins Freie. Das 3/2-Wegeventil wirkt
Zylinders
in dieser Steuerung als Signal- und Stellglied.

Arbeitsg lied
(Zy lind er) Verknüpfungsschaltungen (Bild 3)
Durch logische Verknüpfu ng von verschiedenen
Ventilen lassen sich in der Hydraulik und Pneumatik
häufig benötigte Schaltungen, wie z.B. UND-Scha l-
Stell- und
Sig nalg lied tungen bzw. ODER-Schaltungen herstellen.

Druckluft-
v er so rgu ng UND-Ventil zum Stell- ODER-Ventil zu m Stell-
10 ~ ,'1 glied r _!Bl- ~ glied
Bild 1: a) Einfachwirkender b) Doppeltwirkender r- ~ -~

~
--r3 ~
--r3 ~~
Zylinder Zylinder

Doppeltwirkender Zylinder (Bild 1b). Der Zylinder


ist mit zwei Leitungen an ein 4/2-Wegeventil ange-
--r3 --r3
schlossen, das hier als Stell- und Signalglied wirkt. Bild 3: UND-Schaltung ODER-Schaltung
5 Steuerungs- und Regelungstechnil< 95

5.3.3 Elektrische Steuerungen Bei höheren Leistungen, z.B. über 1 kW, spricht man
von Schützen.
Bei diesen Steuerungen werden Spannungen
Darstellung elektrischer Steuerungen (Bild 2)
und Ströme zur Energieübertragung verwendet.
Elektrische Steuerungen werden übersichtlich in
Elektrische Steuerungen lassen sich vor allem bei Stromlaufplänen dargestellt. Zwischen dem Plus-
Vorhandensein niedriger Spannungen sicher und Leiter (+) und dem Minus-Leiter (-) ist für jedes ge-
einfach ausführen. Sie können größere Wege ohne steuerte Betriebsmittel der senkrechte Stromweg
g roßen Aufwand überbrücken. Nachteilig ist, dass eingezeichnet. Die Betriebsmittel werden mit Kenn-


d ie Kräfte, die erzeugt werden können, in ihrer Grö- buchstaben benannt z.B. K für Relais, S für Schalter,
ße begrenzt sind. Man verwendet deshalb vielfach V für Magnetventile. Sind mehrere gleichartige Be-
elektrisch angesteuerte hydraulische oder pneuma- triebsmittel vorhanden, so werden ihre Kennbuchsta-
t ische Stellglieder. ben mit fortlaufenden Ziffern z.B. S 1, S 2 versehen.

Elektrische Grundschaltungen
Elektrische Betriebsmittel
Direkte Steuerung (Bild 3) z.B. einer Signallampe.
Elektrische Betriebsmittel sind z.B. Schalter, Taster,
Sie erfolgt über einen Schließer. Die Signallampe H
Relais, Schütze. Sie werden durch genormte Schalt-
liegt dabei in Reihe mit dem SchließerS.
zeichen dargestellt und mit genormten Kennbu ch-
staben benannt. Indirekte Steuerung (Bild 4). Der Schließer ist durch
ein Relais K, z.B. mit Öffner (Dunkelschaltung). er-
Schalter, Taster (Bild 1). Schalter werden, je nach- setzt. Die Signallampe H liegt dabei im Arbeitsstrom-
dem wie sich ihre Kontakte bei der Betätigung verhal- kreis. Wird S betätigt, so wird der Arbeitsstromkreis
ten, als Schließer, Öffner oder W echsler bezeichnet. unterbrochen.
Sie behalten ihre Schaltstellung auch ohne weitere
Betätigung bei, während Taster nach dem Ende der + +
Betätigung wieder in ihre Ausgangslage gehen.

~--
'' Schließer
Sl-v
Schließer
mit Raste
"
H~9
K
'' Öffner Signal-
Relais-
spule
~ lampe

<' - Wechsler
~ Bild 3: Direkte Glüh- Bild 4: Indirekte Glüh-
lampenschaltung lampenschaltung
......
' Taster druckbetätigt
~---
Selbsthalteschaltung (Bild 5). Sie wird zum Spei-
chern z.B. eines kurzen Tastersignals verwendet. Mit
~---
'' Taster handbetätigt
dem Taster S1 wird der Steuerstromkreis des Rel ais
K1 geschlossen. Das Relais hält über einen parallel
Bild 1: Schaltzeichen Schalter, Taster zum Taster S1 geschalteten Schließerkontakt K1
den Steuerstromkreis auch dann noch geschlossen,
Relais (Bild 2). Sie sind Schalter, die elektromagne-
wenn der Taster S1 wieder öffnet. Das Signal bleibt
t isch betätigt werde n. Beim Relais wird der Schalter
dadurch gespeichert. Ein vor Taster S1 und Schlie-
im Arbeitsstromkreis über den Elektromag neten im
ßer K1 liegender Taster S2 ermöglicht die Unterbre-
Steuerstromkreis betätigt.
chung der Selbsthaltung .
+
+
Arbeits· Steuerstrom-
stromkreis Arbeitsr
Strom-
kreis S 2 1---
Taster kreis
AUS-Taster
Schaltkontakt
K1 des Rel ais K1
SH-- Haltekontakt
Relais K1 d es Relais
EIN-Tast er
M ag netspule M ag netventiiY1
Y1 -Z I
K1
Magnetspule Relais -- ----- ~L
Bild 2: Relais Bild 5: Selbsthalteschaltung
96 5 Steuerungs- und Regelungstechnik

Elektropneumatische Steuerungen (Bild 1) ten Y1 in die Stellung a geschaltet, in der es verharrt.


Elektropneumatische Steuerungen bestehen aus Der Kolben des Zylinders fährt aus.
einem elektrischen Steuerteil und einem pneuma- Durch einen Impuls vom Taster S2 wird das Wege-
tischen ArbeitsteiL Die Steuersignale werden im ventil durch den Elektromagneten Y2 wieder in Stel-
elektrischen Steuerkreis eingegeben und verarbei- lung b zurück geschaltet. Der Kolben des Zylinders
tet. Mit den elektrischen Steuersignalen wird ein fährt ein. Dieses 4/2-Wegeventil übernimmt die Sig-
Wegeventil als Stellglied für den pneumatischen Ar- nalspeicherung selbst. Es ist daher keine elektrische
beitsteil angesteuert. Dieses Stellglied steuert dann Selbsthalteschaltung erforderlich .
den Arbeitszylinder.


Bei der elektropneumatischen Steuerung werden 4/2-Wegeventil mit Federrückstellung
der elektrische Stromlaufplan und der pneumatische Da das 4/2-Wegeventil das Ein-Signal wegen der
Schaltplan getrennt gezeichnet. Man erreicht da- Feder nicht speichern kann, benötigt man ein Re-
durch eine bessere Übersichtlichkeit. lais mit einer Selbsthalteschaltung (Bild 3). Durch
die Selbsthalteschaltung wird im Elektromagneten
+ Y1 der Stromfluss durch den geschlossenen Schal-
ter K1 aufrechterhalten . Das Magnetventil bleibt in
511-- Schaltstellung a und das Signal wird gespeichert bis
der Taster S2 betätigt wird. Der Steuerstromkreis
des Relais K1 wird dadurch unterbrochen und damit
auch der Arbeitsstromkreis des Elektromagneten Y1 .
Die Feder drückt jetzt das Wegeventil in seine Aus-
Y1 gangsstellung b zurück.
Y1

Pneumatikschaltplan Stromlaufplan

Bild 1: Elektropneumatische Schaltung

Steuerung eines doppeltwirkenden Zylinders


Ein doppeltwirkender pneumatischer Zylinder kann
z.B. über ein 4/2-Wegeventil pneumatisch gesteuert
werden . Das 4/2-Wegeventil muss mit zwei Elektro-
magneten Y1 und Y2 oder mit einem Elektromag-
neten Y1 und einer Rückstellfeder ausgerüstet sein.

Bild 3: 4/2-Wegeventil mit Federrückstellung


4/2-Wegeventil mit zwei Elektromagneten
Das 4/2-Wegeventil mit zwei Elektromagneten (Bild
WIEDERHOLUNGSFRAGEN
2) arbeitet als lmpulsventil, d. h. durch jeweils ein
kurzes Signal eines Tasters wird es von einer in die 1 Welche Vor- und Nachteile hat Druckluft als
andere Stellung geschaltet. Wird der Taster S1 kurz Energieträger?
betätigt, so wird das Ventil durch den Elektromagne- 2 Wie unterscheiden sich die Arbeitsmittel pneu-
matischer und hydraulischer Steuerungen?
3 Wie ist eine Druckluftversorgungsanlage (Werk-
+
stattkompressor) aufgebaut?
4 Nennen Sie Bauelemente pneumatischer Steue-
511-- 521-- rungen.
5 Erklären Sie die Funktion eines 4/2-Wegeventils.
6 Welche Aufgaben haben Stromventile?
7 Wie werden Bauelemente in pneumatischen bzw.
hydraulischen Steuerungen gekennzeichnet?
8 Wie werden elektrische Schaltungen übersicht-
lich dargestellt?
9 Welche Stromkreise unterscheidet man bei
Y1
einem Relais?
10 Was versteht man unter einer elektropneumati-
schen Steuerung?
Bild 2: 4/2-Wegeventil mit Elektromagneten
5 Steuerungs- und Regelungstechnil< 97

5.3 4 Verknüpfungssteuerungen ODER-Funktion


Bei der ODER-Funktion ist ein Ausgangssignal vor-
ln Verknüpfungssteuerungen werden zwei oder handen, wenn mindestens ein oder mehrere bzw.
mehrere Eingangssignale logisch so miteinander alle Eingangssignale anliegen (Tabelle 2 in Bild 2). A ls
verknüpft, dass die geforderten Ausgangssignale Beispiel wird hier die Türkontaktschaltung der Innen-
entstehen. beleuchtung eines Kfz verwendet (Bild 2). Die Lampe
E der Innenbeleuchtung wird über zwei parallel ge-
Die drei Grundfunktionen logischer Verknüpfungen schaltete Türkontaktschalter S1 und S2 geschaltet.
sind: Die Lampe E leuchtet, wenn einer der beiden Schalter


oder beide Schalter gleichzeitig geschlossen sind.
• UND-Funktion
• ODER-Funktion +
• NICHT-Funktion
Diese Grundfunktionen lassen sich durch genormte
Schaltzeichen darstellen. Um den Funktionsablauf
einer Verknüpfungssteuerung zu erkennen und
überprüfen zu können, verwendet man die Funkti- S1 0 0 0
onstabelle (Tabelle 1 in Bild 1).
Die Funktionstabelle besteht z.B. für zwei binäre 0
Eingangssignale mit zwei Schaltzuständen aus 2 2 = Stromlaufplan
4 Zeilen, bei drei binären Eingangssignalen aus 23
0
= 8 Zeilen . Für die Schaltzustände benutzt man die
binären Werte 0 und 1.

[TI Kein Signal vorhanden GJ Signal vorhanden Logik·Schaltbild

Bild 2: ODER-Funktion, Stromlaufplan und Logik-


Schaltzeichen z.B. Türkontaktschaltung im Kfz
UND-Funktion
Bei der UND-Funktion ist dann ein Ausgangssignal NICHT-Funktion
vorhanden, w enn alle Eingänge ein Signal führen. ln Bei der NICHT-Funktion ist dann ein Ausgangssignal
der elektrischen Schaltung wird als Beispiel die Ne- vorhanden, wenn kein Eingangssignal vorhanden
bellichtschaltung eines Kfz verwendet (Bild 1). ist (Tabelle 3 in Bild 3). Die Nicht-Funktion ist die
Lichtschalter S1 (Schließer) liegt in Reihe mit dem Negation, gemeint ist die Umkehrung des Signalzu-
Nebellichtschalter S2 (Schließer) und den Nebel- standes. ln der elektrischen Steuerung wird z.B. ein
scheinwerfern E1 und E2. Die Nebelscheinwerfer E1 Schalter mit Schließer geschaltet. Die Lampe E ist im-
und E2 leuchten nur dann, wenn die beiden Schalter mer eingeschaltet, w enn der Schalter S geöffnet ist
S1 und S2 geschlossen sind . (Bild 3).

+
Tabelle 3:
NICHT-Funktion
Lichtschalter Funktionstabelle

Nebellicht-
schalter 1111
E 0
Nebelschein-
0 0 0
werfer
Stromlaufplan 0
0 0
Stromlaufplan

0 0

Logik-Schaltbild Logik-Schaltbild

Bild 1: UND-Funktion, Stromlaufplan und Logik- Bild 3: NICHT-Funktion, Stromlaufplan und Logik-
Schaltzeichen z.B. Nebellichtschaltung im Kfz Schaltzeichen
98 5 Steuerungs- und Regelungstechnil(

5.3.5 Ablaufsteuerungen ker ganz eingezogen ist, schließt der Schalter K1 des
Relais. Das ist das Signal für den Schritt 2.
in Ablaufsteuerungen folgen die Steuervorgänge
schrittweise aufeinander einem vorgegebenen Schritt 2: Er wird gesetzt, wenn der Relaisanker
Ablauf. Jeder Folgeschritt wird erst ausgeführt, eingezogen ist. Die Erregerwicklung des Starters
wenn die Bedingungen zum Weiterschalten er- wird direkt an B+ geschaltet. Der Starter erhält da-
füllt sind . Das Weiterschalten kann zeitabhängig durch seine volle Stromstärke und dreht jetzt das
oder prozessabhängig erfolgen . Schwungrad des Motors, bis der Motor anspringt.
Ein Freilauf verhindert das zu schnelle Drehen des


Starters durch den angesprungenen Motor.
Darstellung von Ablaufsteuerungen
Der Steuerungsablauf kann in Funktionsplänen Rü ckha i- Haltewickl ung Startschalte r
durch Schritt- und Befehlssymbole dargestellt wer- feder r·-'--·---'<;:· -. _, -
den (Bild 1).
Das Schrittsymbol ist ein in zwei Felder eingeteiltes
Rechteck. Das obere Feld enthält die Schrittnummer,
das untere die Angabe des Vorganges.
Das Befehlssymbol kann man in drei Felder eintei-
len . I Feld A I macht eine Aussage über die Art des
Befehls, z.B. bedeutet S gespeichert. Im Feld B I I
I
steht die Wi rkung des Befehls. Feld C kennzeich- I
net die Abbruchstelle eines Befehlsausgangs. Sie
wird z.B. durch Nummern in Feld C eingetragen.
__.___ __ __ __ _ _ _ ::::r- Anker
schematische Darstellung
Grundstellung:
+
Voraussetzunge n
zum Start z.B.
Halte-
Motor steht still wicklun g

Schritt 1

Einzu gs-
w icklung

Stromlaufplan
Art des Befehls:
Schritt 2 Bild 2: Schubschraubtrieb·Starter, Schaltung
S gespeichert
NS nicht
L __ _:____:.__J gespeichert ausgang
D verzögert Kommando EIN
T zeitlich begrenzt

Bild 1: Ablaufplan (Schema) mit Schritt- und verminderter Starter-


Befehlssymbolen strom und Relais EIN

Beispiel einer Ablaufsteuerung


Der Schubschraubtrieb-Starter eines Kfz (Bild 2) ar-
beitet z.B. mit einer Ablaufsteuerung, die im Ablauf-
plan (Bild 3) dargestellt ist.
Schritt 1: Er wird gesetzt, wenn die Steuerung in
der Grundstellung steht und das Kommando EIN Bild 3: Ablaufplan (Auszug) Schubschraubtrieb-Starter
gegeben wird. Durch Betätigung des Startschalters
S1 erhalten Einzugs- und Haltewicklung des Ein-
rückrelais K1 Strom. Der Starter erhält über die Ein- WIEDERHOLUNGSFRAGEN
zugswicklung einen verm inderten Strom, wodurch 1 Was versteht man unter einer Verknüpfungs-
er langsam dreht. Gleichzeitig wird der Relaisanker steuerung?
angezogen und schiebt mit dem Einrückhebel das 2 Welches sind die Grundfunktionen logischer Ver-
Starterritzel in den Schwungradkranz des Motors. knüpfungen?
Der Befehl bleibt gespeichert, bis er durch einen Ge-
3 Welche Merkmale hat eine Ablaufsteuerung?
genbefehl aufgehoben wird. Erst wenn der Relaisan-
99

6 Prüftechnik
Das Prüfen ist in der Technik die Bedingung für die
maßgenaue Fertigung von Werkstücken und die
Feststellung von Fehlern bei der Überwachung und
Instandhaltung von Maschinen und Geräten .
ln der Kraftfahrzeugtechnik wird das Prüfen oft als
Testen bezeichnet, z.B . Zündungstest, Abgastest,
Bremsentest
Werkstü ck (Prüfgegenstand)
Durch Prüfen w ird festgestellt, ob der Gegen-
stand den geforderten Sollzustand aufweist.
Bild 2: Bezeichnungen beim Messen
Subjektives Prüfen. Es wird ohne Geräte nur durch
Sinneswahrnehmung durchgeführt, z.B. Sichtprü-
6.1.2 Prüfmittel
fung, Funktionsprüfung oder Tasten .
Als Prüfmittel (Bild 3) verwendet man Messgeräte,
Objektives Prüfen. Dieses erfolgt mit Prüfmitteln z.B .
Lehren und Hilfsmittel.
durch Messen (Achsvermessung) oder Lehren (Füh-
lerleh re) . Messgeräte können Maßverkörperungen oder anzei-
gende Messgeräte sein.

6.1 Grundbegriffe der I Prüfmittel I


I
Längenprüftechnik
6.1.1 Arten des Prüfens (Bild 11
I Messgerita I I Hilfsmittel I I Lehren I
I
I I
I Prüfen I
I
I I
I Lehren I
I
I Messwert
Zahl enwert x Einheit
I I Feststellung
., Gut" oder ., Ausschuss "
I Maßstab Messschieber Fühlerlehre

Bild 1: Prüfen in der Längenprüftechnik

Messen ist das Vergleichen einer Messgröße


Parallelendmaß Winkelmesser Grenzlehren
(Länge oder Winkel) mit einem Messgerät. Es
wird dabei ein Messwert ermittelt. Bild 3: Prüfmittel

Messwert. Es ist der gemessene Istwert der Mess- Maßverkörperungen. Sie verkörpern die Messgröße
größe. Er wird als Produkt aus Zahlenwert und Ein- durch den festen Abstand von Strichen (Strichma-
heit angegeben, z.B . 15,00 mm (Bild 2). ße). den Abstand von Flächen (Endmaße) oder die
Winkellage von Flächen (Winkelmaße).
Lehren ist ein Vergleichen des Prüfgegenstandes
mit einer Lehre. Man erhält keinen Zahlenwert. Anzeigende Messgeräte wie z.B. Messschieber,
Messschraube, Messuhr, Winkelmesser zeigen den
Durch Lehren stellt man fest, ob der Prüfgegenstand Messwert bei Skalenanzeige (analog anzeigend) an
in Bezug auf Größe und Form eine gegebene Grenze einer Strichskala durch eine bewegliche Marke oder
nicht überschreitet, also innerhalb der Toleranz liegt. einen Zeiger an. Bei Zifferanzeige (digital anzeigend)
Das Ergebnis ist nur eine Feststellung, z.B . .,Gut" erscheint der Messwert in Ziffern in einem Anzeige-
oder .,Ausschuss " und kein Zahlenwert. fenster.
100 6 Prüftechnik

Hilfsmittel (Bild 1) tragen oder stützen Prüfmittel Unvollkommenheit des Messgegenstandes


oder Werkstück beim Prüfen, z.B. Halter, Messstän- Bearbeitungsspuren wie Grate oder Riefen.
der, Prismen, oder sie übertragen Maße beim indi-
rekten Messen, z.B. Taster. Falsche Handhabung des Messgerätes (Bild 2)
Schräges Ansetzen des Messgerätes wie z.B. Durch-
messer schräg, Tiefenmaßzunge nicht parallel zur
Messfläche oder Werkstück verkantet.

• Messstä nder

Bild 1: Hilfsmittel beim Messen


Federtaster
Werkstück verkantet

6.1.3 Einheiten des Messwertes

Längeneinheiten
schräges Ansetzen
Die Basiseinheit der Länge ist das Meter (m).
Das Meter ist die Länge der Strecke, die Licht im Bild 2: Falsches Ansetzen des Messgerätes
Vakuum während der Dauer von
1 Zu hohe Messkraft (Bild 3). Dadurch können meist
299 792 458 Sekunden durchläuft. elastische dünne Hülsen zusammengedrückt oder
das Messgerät elastisch verformt werd en.
1m= 10dm = 100cm
= 1 000 mm = 1 000 000 IJm (Mikrometer) Formänderung

Das Zoll (inch) wird bei Maßangaben von Rädern,


Felgen und Reifen verwendet. Außerdem ist es z.Zt.
noch in England und den USA gebräuchlich .
1 Zoll = 1" = 25.4 mm

Winkeleinheit

Die Winkel werden in Grad (0 ). Minuten (') und Bild 3: Zu hohe Messkraft
Sekunden(")angegeben.

Der Vollkreis hat 360°. Teile des Grades sind Minu-


ten und Sekunden. Parallaxe (Bild 4). Eine Messabweichung entsteht,
w enn Ablesemarke und Skale nicht in einer Ebene
1° (Grad) = 60' (Minuten) = 3 600" (Sekunden)
liegen und nicht mit senkrechter Blickrichtung abge-
lesen wird.

6 1 4 Messabweichungen Blickrichtung: richtig Blickrichtung:


falsch
Der bei einem Messvorgang abgelesene Messwert
w eicht meist vom genauenWert der Messgröße ab.
Ursachen von Messabweichungen
• Unvollkommenheit des Messgegenstandes
• Falsche Handhabung der Messgeräte
• Unvollkommenheit der Messgeräte Bild 4: Abweichungen durch Parallaxe beim direkten
• Umwelteinflüsse. Messen
6 Prüftechnik 101

Unsauberkeit der Messflächen. Die Messflächen an Zufällige Messabweichungen


Messgerät oder Werkstück können mit Schmutz, Sie ergeben eine Messunsicherheit. Bei Messgerä-
Spänen oder Fett behaftet sein . ten mit Skalenanzeige beträgt die Messunsicherheit
des Messwertes bis zu 1 Skalenteilungswert.
Temperatureinflüsse (Bild 1). Handwärme, Sonnen-
einstrahlung oder Arbeitswärme können zu Messab- Die Ursachen für zufällige Messabweichungen kön-
weichungen führen. nen sein :
• Ablesefehler durch Parallaxe
• Ungleiches Anliegen des Messgerätes durch
Schmutz oder Grat
• Nicht erfassbare Temperaturschwankungen


• Messkraftschwankungen durch Änderung von
Reibung und Spiel
• Kippfehler durch zu großes Spiel und falsche
Handhabung
• Schräges Anliegen des Messgerätes durch falsche
Bild 1: Messabweichungen durch Temperatureinflüsse Handhabung

Messwerkzeuge und Werkstücke haben bei der


Bezugstemperatur von 20 oc
ihre Nennwerte. 6.1.5 Messverfahren

Umwelteinflüsse. Luftdruck und Temperatur kön- Direktes Messen oder unmittelbares Messen
nen, z.B. beim Messen des Reifendrucks, zu Messab- (Bild 2a). Es wird z.B. die Länge eines Werkstückes
weichungen vom vorgeschriebenen Sollwert führen. mit der Skale eines Längenmessgerätes verglichen.
Der Messwert kann direkt abgelesen werden.
Nullpunkteinstellung (Kalibrierung von Messge- Indirektes Messen (Bild 2). Ist die Messstelle an
räten) . Messgeräte, wie z.B. digitale Bügelmess- einem Werkstück für ein Messgerät nicht zugänglich,
schraube, Manometer, müssen vor ihrem Einsatz so muss man ein Messhilfsmittel , z.B. Außen- oder
kalibriert werden, um systematische Messfehler zu lnnentaster, verwenden. Damit wird die Messgröße
vermeiden . abgenommen und dann mit einem Messgerät ge-
messen.

Arten von Messabweichungen


Dies können systematische Messabweichungen,
wie erfassbare Geräteabweichungen sein oder es
sind zufällige Messabweichungen, die nicht immer
in gleicher Größe und gleichzeitig auftreten .

Systematische Messabweichungen
Dies sind z.B.
• Tei lungsabweichungen bei Skalen
• Steigungsabweichungen bei Gewindespindeln Federinnentaster Messh i lfsmittel

• Unebene Messflächen
Bild 2: Indirektes Messen
• Formänderungen durch andauernd hohe Mess-
kraft
• Gleich bleibende Abweichungen von der Mess-
temperatur 6.2 Messgeräte
Diese systematischen Messabweichungen lassen Zu den Messgeräten gehören Maßverkörperungen
sich berücksichtigen, da sie bei gleichen Messbe- und anzeigende Messgeräte wie z.B. Messschieber,
dingungen immer wieder in gleicher Größe und mit Messschraube, Messuhr, Winkelmesser.
gleichem Vorzeichen+ oder- auftreten .
Messbereich. Er umfasst meist den Anzeigebereich
Um den genauen Wert der Messgröße zu erhalten, des Messgerätes. Seine Größe entspricht der Diffe-
muss der abgelesene Messwert um die systema- renz aus Endwert und Anfangswert. Er muss nicht bei
tische Abweichung korrigiert werden . Null beginnen; z.B. bei Messschrauben beträgt die
102 6 Prüftechnik

Messspanne nur 25 mm, damit die Messspindel nicht lassen sich unter Druck aneinanderreihen (Anschie-
zu lang wird. Für größere Längen gibt es Bügelmess- ben) und zu einem gesuchten Maß kombinieren.
schrauben mit Messbereichen von z.B. 0 mm bis
25 mm, 25 mm bis 50 mm, 50 mm bis 75 mm. Messflächen

6.2.1 Maßverkörperungen
Strichmaßstäbe (Bild 1) sind die am meisten ver-
wendeten Maßverkörperungen. Sie besitzen als
Maßverkörperung eine einheitliche Strichskale, an
der beim Messen die Messwerte direkt abgelesen 20


werden . Es werden Stahlmaßstäbe, Arbeitsmaßstä-
be, Rollbandmaße und Gliedermaßstäbe verwendet. Bild 2: Parallelendmaße

Stahlmaßstab
~Rollbandmaß (2m)
6.2 2 Messschieber
Der Messschieber ist wegen seiner vielseitigen
Verwendbarkeit, wie Außen-, Innen- und Tiefenmes-
sungen, das am häufigsten benutzte anzeigende
Messgerät mit beweglichen Marken.
Der Messschieber (Bild 3) besteht aus einer Schiene,
Bild 1: Strichmaßstäbe
mit der ein Messschenkel und eine Kreuzspitze recht-
winklig verbunden sind. Auf der Schiene befindet
Parallelendmaße (Bild 2) verkörpern sehr genau die sich der Hauptmaßstab. Er trägt eine Millimeterskaie
Längeneinheit durch den Abstand von zwei paralle- und darüber eine Zoll(lnch )-Skale. Ein zweiter Mess-
len Flächen. Sie haben meist rechteckigen, seltener schenkel, verbunden mit einer Kreuzspitze, lässt sich
kreisförmigen Querschnitt. Ihre Messflächen haben auf der Schiene verschieben. Man bezeichnet ihn
eine hohe Oberflächengüte und bestehen aus Stahl deshalb als Schieber. Er hat beiderseits der Sch iene
oder Hartmetall. Man verwendet Endmaße zum je eine Strichskale, die Nonius genannt wird. Eine
Prüfen und Einstellen von Lehren und anzeigenden mit dem Schieber verbundene Messstange dient als
Messgeräten, zum Messen von Werkstücken und Tiefenmesseinrichtung . Ein Klemmhebel ermöglicht
Einstellen von Maschinen. Verschiedene Endmaße das Feststellen des Schiebers zum sicheren Ablesen.

lnch-Skale Werkstü ck

Klemmhebel

Feststellschraube Tief enmesseinrichtung

bew eglicher Messschenkel


f ester M essschenkel
Messschneide

Bild 3: Messschieber
6 Prüftechnik 103

Noniuswert eines Messschiebers. Er bestimmt die


Ablesegenauigkeit Der Messwert kann auf 1/10
mm = 0,1 mm, 1/20 mm = 0,05 mm oder 1/50 mm =
0,02 mm abgelesen werden.
Messen
von Ein-
stichen
aB · ·

Dazu sind beim 1/10-Nonius (Bild 1) 9 mm in 10 M essschneiden


Teile geteilt. Ein Noniusteil ist also 9 mm : 10 = 0,9
mm lang, während die Teilung auf der Skale 1 mm Abstand~
beträgt. Es besteht also eine Ablesemöglichkeit bis messun~
1/10 mm .

~
-t- 1t-- Haupt-
Bild 3: Messen mit dem Messschieber
- ~ maßstab
II ~
Skai ~~ I
I I I II I I
der Nulltaste kann die Anzeige an jeder Stelle auf
I J.~ I II II . f
Null gestellt werden. So können Unterschiedsmes- ~
9 mm in 10Teile 30 + 2 + 0,3 Ergebnis: 32,3 sungen durchgeführt werden.

I
Nonius
Noniuslänge Merke:
Der Nullstrich des Nonius
entspricht dem Komma in
der abzulesenden Zahl.
Genauigkeit
Bild 1: 1/10-Nonius
Messwert Anzeige

21 ,80 21,79
Ablesen des Messschiebers (Istwert)
Den Nullstrich des Nonius betrachtet man als Kom-
ma, das die Ganzen von den Zehnteln trennt.
Man liest zuerst links vom Nullstrich des Nonius auf Bild 4: Messschieber mit Ziffernanzeige
der Skale die vollen Millimeter ab und sucht dann
auf dem Nonius den Teilstrich, der sich mit einem
Messgenauigkeit und Anzeigegenauigkeit (Bild 4)
Teilstrich auf der Skale deckt. Dieser Noniusteilstrich
gibt die Zehntel an. Der Nullstrich darf da bei nicht entsprechen sich nicht aufgrundvon Fertigungstele-
m itgezählt w erden. ranzen und Rundungsfehlern in der Elektronik (To le-
ranz 2/100-3/100 mm).
Beim genormten 1/10-Nonius (Bild 2) ist der Nonius
erweitert, d.h., es sind 19 mm in 10 Teile geteilt. Ein
Noniusteil ist demnach 19 mm : 10 = 1,9 mm lang
Arbeitsregeln
und der Noniuswert also 2 mm- 1,9 mm = 0,1 mm
• Drehteile nicht bei laufender Maschine mes-
= 1/10 mm . sen, da Unfallgef ahr besteht und der Mess-
schieber beschädigt w erden kann .
Elnllallmg
• Außenmessungen (Bild 3). Messschenkel weit
4 5 t 6
über das Werkstück führen. Dabei auf saubere
,1,,1',''" ''' \"1' ' '1'1'1'( ' ''' = 42,7
0 10 Messflächen, richtigen Messdruck und richti-
2 3 t 4 ges Halten des Messschiebers achten. Mess-
" '''1'',,,,, ,1,,,1'1 '1 '11",1' ''' = 23,5
schneiden nur zum Messen von Einstichen,
0 10
6 7 t 8
engen Nuten und Kerndurchmessern benut-
,1,' 1'',"1' ' 11'1'/ '1'/ 1,,,1'1':' = 63,25 zen.
012 3 456
• Innenmessungen erfo lgen m it den Kreuzspit-
Bild 2: Ablesebeispiele zen. Feste Spitze zuerst in der Bohrung anle-
gen, dann die bewegliche Spitze gegenüber
Beim genormten 1/20-Nonius sind 39 mm in 20 Teile anschieben.
geteilt. Ein Noniusteil ist in diesem Falle 39 mm : 20 • Kreuzspitzen nicht zum Anreißen verwenden.
= 1,95 mm lang und der Noniuswert demnach 2 mm • Tiefen- und Abstandsmessungen erfolgen
- 1,95 mm = 0,05 mm = 1/20 mm. mit der Tiefenmessstange. Schräges Anset-
zen vermeiden. Deshalb soll die abgesetzte
Messschieber mit elektronischer Ziffernanzeige Seite der Tiefenmessstange am W erkstück
(Bild 3) haben Ziffernschrittwerte von 1/100 mm. anliegen, damit nicht Übergangsradien oder
Durch die Anzeige des Messwertes in Ziffern wird Schmutz das direkte Anliegen behindern.
einfach, schnell und ohne Fehler abgelesen. Mit
104 6 Prüftechnik

Tiefenmessschieber (Bild 1). Er hat einen Schieber Ablesen der Messschraube (Bild 3)
mit einer Feststelleinrichtung und einer Brücke, die Die ganzen und die halben Millimeter werden auf der
ein gerades Ansetzen erleichtert. Er eignet sich be- Skalenhülse, die Hundertstel werden auf der Skalen-
sonders zum Messen von abgesetzten Bohrungen . trommel abgelesen . Gibt die Skalentrommel auf der
Skalenhülse einen halben Millimeter frei , so muss
Festst ell- Schi ene dieser zu den Hundertsteln hinzugezählt werden .
schraube

An ze ig e: 35 ,34 mm

40

Schi eber 35

• Bild 1: Tiefenmessschieber
30

Anzeige: 48,95 mm

6.2.3 Messschrauben 0

Bei den Messschrauben (Bild 2) benutzt man die Stei- 45


gung eines Gewindes zur Ermittlung der Messgröße.
40
Jede volle Umdrehung der geschliffenen Messspin-
del verändert den Abstand der Messflächen um die
Steigung des Gewindes der Messspindel. Bild 3: Ablesebeispiele

Amboss M essspindel Skalenanzeige Gefühls-


schraube
Bügelmessschraube (Bild 2) . Sie wird für Außen -
messungen verwendet. Ihre Teile sind: Bügel mit
Amboss, lsolierplatte zum Wärmeschutz und Ska-
lenhülse; Messspindel mit Skalentrommel, Kupp-
lung und Feststellvorrichtung . Um den Verschleiß
klein zu halten, sind die Messflächen von Spindel
und Amboss gehärtet oder mit Hartmetall bestückt.
Spindelfeststell-
einrichtung Elektronische Bügelmessschraube (Bild 4). Sie hat
neben der normalen Rundskaie mit einem Skalen-
lsolierplatte teilungswert von 1/100 mm noch eine Ziffernanzeige.
Der Skalenteilungswert der Ziffernanzeige beträgt
Bild 2: Bügelmessschraube 1/1000 mm .
Die Elektronik des Messgerätes ermöglicht es, zur
Die Steigung der Messspindel beträgt meist 0,5 mm .
Unterschiedsmessung die Anzeige auf Null zu stel-
Auf der Skalentrommel (Mantelhülse) sind dabei
len, Messwerte zu speichern und die Daten an einen
50 Teilstriche angebracht.
Rechner auszugeben .

S~alen- Gewindesteigung Messspindel Beim Messen mit elektronischen Messgeräten ist zu


tetlungs- = T e1'Istnc
· h e au f
d er Sk a Ientromme I berücksichtigen, dass die Anzeigegenauigkeit nicht
we rt der Messgenauigkeit entspricht (siehe Messschieber
mit elektronischer Anzeige).

Die Skalentrommel ist mit der Messspindel fest ver-


bunden . Die Messspindel ist im Muttergewinde der
Skalenhülse verschraubt. Um stets gleichen und
nicht, durch die Übersetzung des Gewindes, zu gro-
ßen Messdruck zu erhalten, ist die Messspindel mit
einer Kupplung (Gefühlschraube) versehen, die die
Messkraft begrenzt.
EIN (Nullstellung)
Die Messspanne ist meist nur 25 mm groß, damit die
Messspindel nicht zu lang wird. Bild 4: Elektronische Bügelmessschraube
6 Prüftechnik 105

Innenmessschraube (Bild 1 ). Mit ihr werden Boh- Die Messuhr wird also vornehm lich für Unter-
rungen mit Durchmessern von 3,5 mm bis 300 mm schiedsmessungen verwendet. Man misst nicht das
gemessen. Innenmessschrauben sollen selbstzent- lstmaß, sondern die Abweichung von einem einge-
rierend sein. Sie haben deshalb meist drei beweg- stellten Istwert.
liche Messbolzen oder Messeinsätze damit sie in
Der Weg des Messbolzens wird über eine Zahn-
einer Bohrung zentrisch anliegen (Dreipunktmes-
stange und Zahnradübersetzung durch einen Zeiger
sung). Zum Messen größerer Bohrungen gibt es
auf einer Skale vergrößert angezeigt. Das Skalenblatt
Verlängerungen.
ist drehbar und kann somit bei jeder Zeigerstellung
auf Null gestellt werden. Zwei einstellbare Toleranz-
marken dienen zum Markieren des Kontrollbereichs.


Das Skalenblatt der Messuhr ist in 100 Teile ge-
teilt. Bei einer Zeigerumdrehung bewegt sich der
Messbolzen um 1 mm. Der Skalenteilungswert
beträgt somit 0,01 mm = 1/100 mm.

Dreht sich beim Messen der Zeiger der Messuhr


mehrmals, so wird die Anzahl seiner Umdrehungen
auf einer kleinen Millimeter-Skaie angezeigt, da jede
Zeigerumdrehung einem Messweg von 1 mm ent-
spricht. Es gibt auch Messuhren mit einem Skalen-
teilungswert von 0,001 mm.
Bild 1: Innenmessschrauben
Durch Spiel und Reibung in Zahnstange und Zahn-
rädern ergeben sich bei der Bewegung des Mess-
bolzens je nach Bewegungsrichtung andere An-
zeigen. Die Anzeigen unterscheiden sich um bis zu
6.2.4 Messuhr 0,005 mm.
Die Messuhr (Bild 2) dient zum Prüfen von Werkstü-
cken auf Rundlauf, z.B. Radlagerspiel, W ellen, oder
von Flächen auf Ebenheit, z.B. Planlauf von Brems-
scheiben. Zusammen mit einem Innenmessgerät 6.2.5 Winkelmessgeräte
kann man z.B. den Verschleiß bei Motorzylindern
Einfacher Winkelmesser (Bild 3). Er erlaubt eine
feststellen.
Messung von Winkeln nach Graden. Sein Messbe-
reich beträgt 180°. Der Anzeigewert entspricht nicht
einstellbare
Toleranz- immer dem Messwert. Oft muss der Messwert erst
ma rke mm-Skal e errechnet w erden.

z Einze lheit Z
a

I
drehbare Einspann-
schaft
Ablesewert
a- 7
=75° \ I
Strichskaie
a: 90°-75° \

Bild 2: Messuhr Bild 3: Einfacher Winkelmesser


106 6 Prüftechnik

6.3 Lehren 6.3.3 Grenzlehren


Man unterscheidet Grenzlehrdorne und Grenz-
Lehren sind Prüfm itte l, die Maß oder Form , zu- rachenlehren. Sie haben eine Gut- und eine Aus-
weilen auch Maß und Form des zu prüfenden schussseite; zum besseren Erkennen hat die Aus-
Werkstückes verkörpern. Beim Prüfvorgang wer- schussseiteeinen roten Farbanstrich.
den an den Lehren keine Teile verschoben.
Grenzlehrdorn (Bild 3) . Er dient zum Prüfen von
Bohrungen . Das Maß der Gutseite entspricht dem
6.3.1 Maßlehren Mindestmaß der Bohrung, auf der Ausschussseite
Maßlehren sind Draht- und Blechlehre, Bohrungs- ist das Höchstmaß überschritten . Gleichzeitig ist auf
lehre, Fühlerlehre (Bild 1) und Parallelendmaße . der Ausschussseite der Messzylinder etwas kürzer.

• ........... ,,,,,,,,,,,
t t itfii iii.ii&Ratilifl&IHU\!!U1HUHUii

R2~Q~~~22~222~92299
QQQQQ<;IQQQQQQQQQQ
QQQQQQQQQQQQQ

Bohrungslehre Fühlerl ehre


Grenzrachenlehre (Bild 3). Mit ihr werden Wel-
len geprüft. Das Maß der Gutseite entspricht dem
Höchstmaß der Welle, auf der Ausschussseite ist das
Mindestmaß unterschritten . An der Ausschussseite
ist die Lehre angeschrägt, damit beim Prüfen keine
Riefen entstehen .

Bild 1: Maßlehren Ausschu ssseite

Fühlerlehre (Bild 1). Sie besitzt mehrere Stahl-


zungen, die in ihrer Dicke von z.B. 0,05 mm bis 1 mm
ansteigen . Jede Stahlzunge ist mit ihrem Nennmaß
beschriftet. Man verwendet die Fühlerlehre z.B. zum
Prüfen des Spiels bei Lagern, Kolben, Ventilen und
Schlittenführungen.

Grenzlehrdorn Grenzrachenlehre

6.3.2 Formlehren Bild 3: Handhabung von Grenzlehren

Mit Formlehren wie Radienlehre (Bild 2), Gewinde-


leh ren, Gewindeschablone, Winkellehre, Haarlineal
(Bild 2) prüft man im Lichtspaltverfahren die Form Arbeitsregeln
• Lehrdorn niemals in die Bohrung ei nführen,
von Radien, Profilen, Winkeln und die Ebenheit von
wenn das Werkstück noch warm ist.
Flächen. Der Lichtspalt soll möglichst klein sein.
• Rachenlehren bzw. Lehrdorne dürfen nicht
Gewindeschablonen verwendet man zum Prüfen über- bzw. in das Werkstück gepresst werde n.
von Gewinden an Werkstücken . Sie bestehen meist • Grenzrachenlehre vorsichtig ansetzen. Sie soll
aus Sätzen von Stahlplättchen mit verschiedenen nur durch ihr Gewicht über das Werkstück
Gewindeprofilen und Gewindesteigungen. gleiten.
• Haarlineal (Bild 2) beim Prüfen senkrecht zur
Haarlineal~ Oberfläche aufsetzen .
",

WIEDERHOLUNGSFRAGEN

1 Worin unterscheiden sich Messen und Lehren?


Radi enl ehre 2 Wodurch können Messabweichungen auftreten?
3 Wie können Parallaxefehler entstehen?
4 Was ist eine Maßverkörperung?
Bild 2: Haarlineal und Radienlehre 5 Wie liest man den Nonius ab?
6 Wie liest man die Messschraube ab?
Winkellehren. Sie verkörpern die Form eines festen 7 Wozu hat die Messschraube eine Kupplung?
Winkels. Man verwendet Flach-, Anschlag- oder
8 Wozu verwendet man Messuhren?
HaarwinkeL
-----
6 Prüftechnik 107

6.4 Taleranzen und Passungen Nennmaß (N ) Nennmaß (N)


Nulllinie (NL ) Nulllinie (NL )
6.4.1 Zweck der Normung
.---
unteres untere~
~
Abmaß Ei
I
es
1aß es i -----<
o eres
~maß ES

anzfeld Mindestmaß Toleranzfeld


IM)
Höchstmaß (H )

Bohrung

.1 bzw. ei** . Es ist die jeweilige


iil dem Mindestmaß und dem

•anz ( T). Sie ist die zulässige Ab-


ln maß. Man ermittelt sie als Dif-
11 oberen Abm aß ES, es und dem
ei.

;t die grafische Darstellung der


~ekennzeichnet durch die Größe
1st- und Mindestmaß) und deren
Dabei ergeben sich vier Möglich-
Toleranzen zur Nulllinie (Bild 2a

haben verschiedene Vorzei-

\ist null, das andere negativ oder

1d positiv. c) es (ES) ist positiv, ei (EI) ist


oberhalb negativ. DasToleranzfeld
liegt beidseits der Nulllinie.

~ ~ lj
CI:1 NLliJIII-.=t~
\1 \
I 1_ ,rt-3··1' 1
maß (Bild 1).
b)es (ES) und ei(EI) sind negativ. d)es (ES) oder ei (EI) gleich
Abmaße. Man versteht darunter die Differenz DasToleranzfeld liegt unterhalb Null, z.B. es (ES)= 0. Das
der Nulllinie. Toleranzfeld liegt unterhalb
zwischen den jeweiligen Grenzabmaßen und dem der Nulllinie.
Nennmaß bzw. zwischen dem Istmaß und dem ljiiij

=r 1 b!J:I 1 ~l!t·-·j'"'~!J:I
NLt Nd t es=O
Nennmaß. Grenzmaße sind das obere Abmaß und
das untere Abm aß. Die Abmaße für W ellen werden
<:
n u
l ~~'r=·-· 1

<:
1

m it den Kleinbuchstaben es und ei und die Abmaße


für Bohrungen mit den Großbuchstaben ES und EI
bezeichnet (Bild 1). Bill d 2: Lage des Toleranzfeldes zur Nulllinie

Oberes Abmaß ES bzw. es.* Es ist die jeweilige Dif-


ferenz zwischen dem Höchstmaß und dem Nenn- • ES bzw. es Ecart Superieur (franz.) Oberes Abmaß
maß. EI bzw. ei Ecart Interieur (franz.) Unteres Abmaß
108 6 Prüftechnik

6 4.3 Anwendungsbereiche Zwei zu einer Passung gehörende Passteile ha-


Das ISO-System für Grenzmaße und Passungen ben das gleiche Nennmaß.
gilt für folgende Passungsformen an Werkstücken Als Passung bezeichnet man den Maßunterschied
(Bild 1): zwischen dem Maß der Innenpassfläche und dem
• Flachpassungen. Es handelt sich um ebene Werk- Maß der Außenpassfläche vor dem Fügen.
stücke mit parallelen Passflächen, z.B. zwischen
Nut und Feder (Bild 1a). Spielpassung. Die Bohrung und die Welle haben
nach dem Fügen stets ein Spiel. Das Mindestmaß
• Kreiszylinderpassung. Es handelt sich um zy-
der Bohrung ist größer, im Grenzfall gleich dem
lindrische Werkstücke mit kreisförmigem Quer-
Höchstmaß der Welle (Bild 2).
schnitt, z.B. zwischen Welle und Bohrung (Bild 1 b) .

• a) Flachpassung

Innen-
passflächen c'
(!)

~ ~
s: .s
cN
CO

Bild 2: Spielpassungen

Mindestspiel. Es ergibt sich aus der Differenz zwi-


schen dem Mindestmaß der Bohrung und dem
Höchstmaß der Welle.
HöchstspieL Es ergibt sich aus der Differenz zwi-
schen dem Höchstmaß der Bohrung und dem M in-
b) Kreiszylinder- destmaß der Welle.
passung
Eine Spielpassung liegt vor, wenn der M aßunter-
------------- 1:J
Passungsmaße schied positiv ist.
Bohrung
Übermaßpassung. Beim Fügen von Bohrung und
Welle besteht ein Übermaß. Das Höchstmaß der
Innenpassfl äche
Bohrung ist kleiner oder im Grenzfall gleich dem
Au ßenpassfläche
Mindestmaß der Welle (Bild 3).

Boh ru ngstoleranz W ell entoleranz

Bild 1: Passungsformen

ISO ist das Kurzzeichen für International Standar-


dization Organisation. Sie ist die internationale
Normenorganisation. ISO-Normen sind intern a-
tional gültig.

Bild 3: Übermaßpassungen

6.4.4 Passungen Mindestübermaß. Es ist die Differenz zwischen dem


Höchstmaß der Bohrung und dem Mindestm aß der
W erden Welle und Bohrung mit gleichem Nenn- Welle vor dem Fügen.
m aß und jew eilig dazugehörig em To leranzfeld mit- Höchstübermaß. Es ist die Differenz zwischen dem
einander gefügt, so können aufg rund der Lage der Mindestmaß der Bohrung und dem Höchstm aß der
Toleranzfelder folgende Passungen entstehen: W elle vor dem Fügen.
• Spielpassung
• Übermaßpassung Eine Übermaßpassung liegt vor, wenn der Maß-
• Übergangspassung unterschied negativ ist.
6 Prüftechnik 109

Übergangspassung. Bohrung und Welle haben nach


Passung 25H7/ h6
dem Fügen innerhalb der Toleranzfelder entweder Höchstspiel = + 21 ~m - I- 13 ~m ) = + 34 ~m
Spiel oder Übermaß (Bild 1). Mindestspiel = O~m - 1- O ~m ) = O ~m

Passung 25H7/n6
Eine Übergangspassung liegt vor, wenn sowohl Höchstspiel = + 21 ~m - I+ 15 ~m ) = + 6 ~m
Mindestspiel = 0 ~m -I+ 28 ~ m ) = - 28 ~m
eine Spielpassung als auch eine Übermaßpas-
sung auftreten kann. Passung 25H7/s6
Höchstspiel O~m - 1 +48 ~ m ) = - 48~m
Mindestspiel =+ 21 ~m - I+ 35 ~ m ) = - 14 ~m
~m Toleranzfelder mit
+50 Nennmaß 25 mm s6 + 48
+ 40 - +35
+ 30 n6
+ 21 + 21
+ 20


+ 10 NL
0
-10 - 13
-20 h6
- 30
Spiel- Übergangs- Press-
passung passung passung
+50
~ !j8
(f) + 20
+ 10 +6 NL
Bild 1: Übergangspassungen 0
"'§
ro - 10
-20
- 28
1 - 14
-30
0
"
.0 - 40
- 50 Passto leranzfelder - 48
~m

6.4.5 Toleranzangaben
Bild 2: Toleranzfelder
Toleranzangaben durch Grenzabmaße
Taleranzen können frei gewählt werden . Die Ab- 6.4.6 Passungssysteme
ma ße werden in der Konstruktanszeichnung hinter
Es gibt das System der Einheitsbohrung und der Ein-
das Nennmaß gesetzt.
heitswelle.
Meistens wird das obere Abmaß, ohne Rü cksicht auf
das Vo rzeichen, höher, das untere Abmaß tiefer als Einheitsbohrung. Das Mindestmaß der Bo hrung ist
das Nennmaß gesetzt, z. B. 80 ':8J gleich dem Nennmaß, d. h. das untere Abm aß der
Bohrung ist Null. Die W ellen sind um die für d ie
Toleranzangabe durch ISO-Toleranzen verlangte Passung erforderli chen Spiele oder Über-
maße kleiner oder g rößer (Bild 3).
ISO-Toleranzen werden durch Buchstaben und
Einheitswelle. Das Höchstm aß der Welle ist gleich
Zahl en gekennzeichnet.
dem Nennmaß, d. h. das obere Abmaß der W elle ist
Toleranzfeldlage. Die Lage des Toleranzfeldes zur Null. Die Bohrungen sind um die für die verlangte
Nulllinie wird mit einem Großbuchstaben für Boh- Passu ng erforderlichen Spiele oder Übermaße klei -
rungen (A bis ZC) oder mit einem Kl einbuchstaben ner oder größer (Bild 3).
für Wellen (a bis zc) gekennzeichnet.
Bohrungs- Bohrungs-
toleranzfeld H toleranzen
Die Toleranzfelder liegen umso weiter von der .....-~~~",_.,.,.--""

Nulllinie weg, je weiter der jeweilige Buchstabe


von H bzw. h entfernt ist.

Grundtoleranzgrade. Sie w erden mit einer Zahl


gekennzeichnet und zw ar mit 01, 0, 1...1 8. Daraus
ergeben sich 20 Grundtoleranzgrade. Mit zuneh-
mender Zahl wird das Toleranzfeld größer, d.h. die Bild 3: Passungssysteme
Anforderung an die Fertigungsgenauigkeit nimmt
ab (Bild 2). WIEDERHOLUNGSFRAGEN
1 Was versteht man unter den Begriffen Nennmaß,
Die Fertigungsgenauigkeit ist umso größer, je Nulllinie und lstmaß?
kleiner die Zahl für den Grundtoleranzgrad ist. 2 Erklären Sie die Begriffe Grenzabmaß und Toleranz.
3 Wie setzt sich das ISO-Toleranzkurzzeichen zu-
Die Toleranzangabe besteht aus dem Nennmaß und
sammen?
dem ISO-Kurzzeichen, das aus Buchstaben und Zah-
4 Von welchen Größen ist die Toleranz abhängig?
len besteht, z.B. Bohrung 25 H7; Welle 25 n6; Pas-
5 Was versteht man unter Spiel und Übermaß?
sung 25 H7/n6 oder 25 ~Z.
110 6 Prüftechnik

6.5 Anreißen
Beim Anreißen werden die Maße der Zeichnung auf
Feineinstellung
das zu bearbeitende Werkstück übertragen .

• Anrisse müssen gut sichtbar sein.


• Maße müssen genau übertragen werden .
• Oberflächen dürfen nicht beschädigt werden .

Die Reißnadel aus Stah l oder Messing dient zum Zie-


hen der Risslinien (Bild 1) .

• Bild 3: Höhenreißer mit Strichskaie

Beim Parallelreißer ist zur Höheneinstellung ein zu-


sätzliches Standmaß erforderlich.
Weitere für das Anreißen notwendige Werkzeuge
sind Stahlmaßstäbe, Anschlagwinkel, Gehrungs-
winkel, Flachwinkel und Lineale. Den Mittelpunkt
von runden Scheiben und Wellen bestimmt man mit
Zentrierwinkeln oder Zentrierg locken.
Um auf blanken Stahlflächen Risslinien besser sicht-
Die Reißnadel hält man Anreißen mit Anschlagwinkel bar zu machen kann man sie mit Anreißlack oder
vom Lineal abgeneigt. (kleine Werkstücke)
Kupfervitriol bestreichen. Dunkle Werkstoffe kann
man mit Kreide weißen.
Bild 1: Anreißen mit der Reißnadel Der Körner (Bild 4) wird zum Ankörnen von Mittel-
punkten und Risslinien verwendet. Nach der Be-
Reißnadeln aus Messing verwendet man zum An- arbeitung sollen die Kontrollpunkte noch zur Hälfte
reißen auf verzunderten Blechen, bei sehr harten sichtbar sein.
Werkstoffen und bei Oberflächen, die durch An-
risse nicht beschädigt werden dürfen. Leichtme- schräg ansetzen,
Hand auflegen
tallbleche werden an Biegekanten mit dem Bleistift
angerissen, um Kerbwirkung zu vermeiden, die
beim anschließenden Biegen zum Bruch führen
können.
Spitzzirkel (Bild 2) und Stangenzirkel (Bild 2) benützt
man zum Übertragen von Maßen, zum Anreißen von
Kreisen und zum Antragen von gleichen Teilstrecken. Bild 4: Anwendung des Körners
Der Druck
liegt auf Arbeitsregeln
de r im
Mittelpunkt • Die Reißnadel ist im Parallelreißer so kurz wie
eingesetz-
ten Spitze
möglich einzuspannen.
• Die Anreißplatte darf nicht zum Richten von
Halbmesser
Werkstücken verwendet werden .
• Der Körner ist schräg anzusetzen, damit der
Zirkelspitzen gehärtet Mittelpunkt sichtbar wird ; beim Ankörnen ist
und geschliffen er senkrecht zu stellen .

Spitzzirkel Stangenzirkel WIEDERHOLUNGSFRAGEN


1 Welche Aufgabe hat das Anreißen?
Bild 2: Spitzzirkel und Stangenzirkel
2 Welches sind die wichtigsten Werkzeuge zum
Anreißen?
Höhenreißer. Mit ihm können Linien in beliebiger
3 Welchen Vorteil haben Reißnadeln aus Messing?
Höhe parallel zur Anreißplatte gezogen werden . Die
Höheneinstellung erfolgt am Maßstab mit Feinein- 4 Warum darf die Anreißplatte nicht zum Richten
von Werkstücken verwendet werden?
stellung (Bild 3).
111

7 Fertigungstechnil<
7. 1 Einteilung der Werkstoffes geschaffen, geändert, beibehalten, ver-
mehrt oder vermindert werden.
Fertigungsverfahren
• Zusammenhalt schaffen bedeutet, dass formlose
Fertigungstechnische und wirtschaftliche Überle- Stoffe, z.B. Pulver, Flüssigkeiten in geometrisch
gungen bestimmen die Fertigungsverfahren, die bestimmte feste Körper urgeformt werden, z.B.
Fertigungsabläufe und Arbeitsgänge bei der Ferti- durch Pressen, Sintern, Gießen.
gung und Bearbeitung von Werkstücken.
• Zusammenhalt beibehalten heißt, dass ein be-
ln der Fertigung sind alle Arbeitsvorgänge zu- reits geformtes Teil oder Werkstück bei der Ferti-
sammengefasst, die ein Werkstück vom Rohzu- gung umgeformt wird, z.B. durch Biegen.
stand in einen planmäßig bestimmten Fertigzu-
• Zusammenhalt vermindern heißt, dass Werkstoff
stand überführen. Das Werkstück befindet sich
oder Werkstückteile in der geometrischen Form
7
vor jedem Arbeitsvorgang im Ausgangszustand,
getrennt werden, z.B. durch Sägen.
danach im Endzustand.
• Zusammenhalt vermehren heißt, dass Werk-
Mit unterschiedlichen Fertigungsverfahren kann ein stücke oder Werkstoffe hinzugefügt werden, z.B.
für die Herstellung eines Werkstückes erforderlicher durch Schrauben, Auftragsschweißen.
Werkstoffzusammenhalt erst geschaffen oder, wenn
schon vorhanden, vermindert oder vermehrt werden .
Die Form eines Werkstückes oder die Stoffeigen-
schaften von Werkstoffen können verändert werden.
7 1.2 Gliederung der Hauptgruppen
Urformen
Beim Urformen wird aus formlosem Stoff ein
fester Körper mit einer bestimmten Form gefertigt
(Bild 2).
Die Formgebung kann abgeschlossen sein oder eine
Vorstufe für weitere Fertigungsverfahren ergeben.
Der Zusammenhalt wird geschaffen aus dem:
• Flüssigen Zustand, z.B. durch Gießen
• Teigigen oder plastischen Zustand, z.B. durch Ex-
trudieren (Verdrängen), Spritzgießen
• Pulverförmigen oder körnigen Zustand, z.B. durch
Pressen und Erwärmen beim Sintern
• Ionisierten Zustand durch elektrolytisches Ab-
scheiden, z.B. durch Galvanoplastik

Gießen

Bild 1: Hauptgruppen der Fertigungstechnik

Extrudieren
7.1.1 Hauptgruppen von
Fertigungsverfahren
Die Fertigungsverfahren werden in 6 Hauptgruppen
eingeteilt (Bild 1). Schnecke
Bei den einzelnen Fertigungsverfahren können
Zusammenhalt (Stoffeigenschaft) und Form des Bild 2: Urformen
112 7 Fertigungstechnil<

Umformen
Beim Umformen werden Masse und Zusammenhalt
eines Stoffes beibehalten . Die Form eines festen
Körpers (Rohling) wird durch plastisches Umformen
verändert (Bild 1) wie Schweißen
• Druckumformen , z.B. Walzen, Gesenkformen
Bild 3: Fügen
• Zugdruckumformen, z.B. Tiefziehen, Drücken
• Zugumformen, z.B . Weiten, Längen, Tiefen
• Biegeumformen, z.B. Abkanten , Gesenkbiegen
• Schubumformen, z.B. Verdrehen, Verschieben.
----
Beschichten
Beim Beschichten wird ein formloser Stoff als fest-
haftende Schicht auf ein Werkstück aufgebracht
(Bild 4). Beschichten ...
• ... aus dem flüssigen oder pastenförmigen Zu-


stand, z.B. Spritzlackieren , Auftragsschweißen .
• .. . aus dem festen oder pulvrigen Zustand, z.B.
thermisches Spritzen .
• ... durch elektrolytisches oder chemisches Ab-
scheiden, z.B . Galvanisieren .
• ... aus dem festen oder körnigen Zustand, z.B.
Wirbelsintern.
Tiefziehen Gesenkbieg en

Bild1: Umformen

Trennen
Beim Trennen wird die Form eines festen Körpers
Auftragsschweißen
geändert (Bild 2). Dabei wird der Zusammenhalt
eines Stoffes örtlich aufgehoben durch: Bild 4: Beschichten
• Zerteilen, z.B. Scherschneiden, Reißen, Brechen
• Spanen, z.B. Drehen, Schleifen, Bohren Stoffeigenschaft ändern
• Abtragen, z.B. Brennschneiden , Erodieren Beim Auslagern, Aussondern oder Einbringen von
• Zerlegen , z.B. Abschrauben, Auspressen Stoffteilchen werden die Stoffeigenschaften von fes-
• Reinigen , z.B. Bürsten, Waschen, Entfetten ten Körpern geändert (Bild 5) durch:
• Umlagern von Stoffteilchen, z.B. Härten, Anlassen
• Aussondern von Stoffteilchen, z.B. Entkohlen
• Einbringen von Stoffteilchen, z.B. Aufkohlen,
Nitrieren

Sch erschn eiden Drehen ~


Bild 2: Trennen
Induktions-
härten
Gas- ~
nitri ere n

Bild 5: Stoffeigenschaft ändern


Fügen
WIEDERHOLUNGSFRAGEN
Beim Fügen werden die Werkstücke verbunden
(Bild 3) durch: 1 Welche Hauptgruppen der Fertigungsverfahren
gibt es?
• Zusammensetzen, z.B. Auflegen, Einhängen
2 Welche Fertigungsverfahren verändern die Form
• An- und Einpressen , z.B. Schrauben, Klemmen eines Werkstückes?
• Umformen, z.B . Nieten, Durchsetzfügen 3 Welche Fertigungsverfahren schaffen einen Stoff-
• Schwei ßen, z.B. Schutzgasschweißen zusammenhalt?
• Löten, z.B. Weichlöten, Hartlöten 4 Nennen Sie Verfahren zur Änderung der Stoff-
eigenschaften.
• Kleben, z.B. Kaltkleben, Zweikomponentenkleben
7 Fertigungstechnil< 113

7.2 Urformen te und Unterkasten mit Formsand aufgefüllt. Dieser


wird durch Stampfen verdichtet. Nach Umdrehen
Urformen ist das Fertigen von festen Körpern aus des Unterkastens wird der Oberkasten aufgesetzt.
formlosem Stoff. Zusammenhalt wird geschaffen . Anschließend werden Modelle für Einguss und Spei-
ser gelegt, Formsand eingefüllt und festgestampft.
Der Stoffzusammenhalt kann aus flüssigem Stoff, Nach Abheben des Oberkastens werden beide Mo-
z.B. beim Gießen, oder aus festem Stoff, z.B. beim dellhälften und Modellteile entnommen. Danach
Sintern geschaffen werden. werden Anschnitte und Lauf in den Formsand ein-
geschnitten und der Kern eingelegt. Beim Zusam-
mensetzen von Ober- und Unterkasten entsteht ein
Hohlraum, der der Form des Werkstückes entspricht.
7.2.1 Gießen Das Füllen der Form erfolgt durch den Einguss. Spei-
serlassen beim Befüllen die Luft entweichen. Durch
Beim Gießen wird ein geschmolzenes Metall in eine
die großen Speiserquerschnitte kann beim Abküh-
Form gegossen. Die Schmelze füllt die Hohlräume
len flüssiges Metall in das erstarrende Werkstück •
der Form aus. Nach dem Erstarren ist die Urform des
nachfließen, dadurch werden Lunker (Hohlräume)
Werkstücks geschaffen.
vermieden . Nach dem Abkühlen wird die Form zer-
stört und das Gussstück entnommen.

Formstoff Kernmarken Unter· Kern Kern·


verlorene Formen mit mit mit
mit Schwerkraft Schwer- Druck Zentrifugal- \1·~
- ..· . :- ~ kasten
-:t·····;
_· .·..· ..
kraft kraft
- · · Modell-
Dauermodelle, Kokillen - Druck- Schleuder- brett
z.B. Holz, Stahl guss, gießen gießen untere Modellhälfte eingeformt
Verlorene Strang-
Speiser Einguss Speiser abgegossene Form
Modelle guss
z.B. Wachs Speiser Einguss Speiser
Ob er-
kasten
.
Gießen mit Dauermodell in verlorener Sandform. Unter-
Zur Herstellung verlorener Formen werden Modelle kasten
(Bild1) verwendet. Das Modell dient zum Einformen obere Modellhälfte eingeformt Gussstück
der Außenkontur des Werkstücks. Unter verlorener
Form versteht man eine Gießform, die nach dem Bild 2: Einformen
Gießen unbrauchbar geworden ist. Da sich Gießme-
talle beim Abkühlen zusammenziehen (schwinden) Druckgießen
muss das Modell etwa 0,5 % bis 2 % größer her-
gestellt werden als das Gussstück. Anwendung : z.B. Beim Druckgießen wird Metall in flüssigem oder
Zylinderkurbelgehäuse aus Gusseisen EN-GJL-200, teigigem Zustand unter hohem Druck schnell in
Kurbelwelle aus Gusseisen mit Kugelgraphit eine Dauerform (Stahlform) gedrückt.
EN-GJS- 700-2.
Nichteisen-Schwermetalllegierungen, (z.B. Dros-
selklappengehäuse aus Zink-Gusslegierungen) und
Modellaufbau
Leichtmetalllegierungen, (z.B. geschmiedete Kolben
Kernmarke und Felgen , sowie Gehäuse aus Aluminium- oder
Magnesium-Guss-Legierungen) werden oft durch
Druckgießen hergestellt (Bild 3).

Kern für Hohlraum - - -- - Druckguss-


im. Gussstück form
Bearbei- eingezeich- Auswerfer-
tungs- neter Kern Einfüll- stifte
zugabe öffnung
Kern Modell ~.J.i.llq~ bewegliche
Formhälfte
Druck-
Bild 1: Modell und Kern kolben

Druck-
Um einen Hohlraum zu erhalten muss in die Form kamm er Formtrennsteile
ein Kern eingelegt werden . Zum Einformen (Bild 2)
des zweiteiligen Modells werden untere Modellhälf- Bild 3: Druckgießen
114 7 Fertigungstechnik

Vorteile des Druckgießens: Vertikal-Schleudergießen (Bild 2). Es dient zur Her-


• Abgüsse mit größter Maßgenauigkeit stellung von flachen Bauteilen wie z.B. Zahnrädern
und Riemenscheiben .
• Herstellung von Fertigteilen möglich, da Boh-
rungen und Gewinde eingegossen werden kön- Einguss
nen. Es müssen nur Grate und Einguss entfernt zentral
werden .
Kokille
Feingießen (Modellausschmelzverfahren)
Kegelrad-
körper
Feingießen ist ein Gießverfahren mit verlorenen
(ausgeschmolzenen) Modellen in einer verlo-
renen einteiligen Form. Bild 2: Schleudergießen

Nach einem Muster werden Modelle aus Wachs


Vorteile des Schleudergießens:
oder Kunststoff gefertigt und zu einer Modelltraube
• Die Fliehkraft bewirkt ein verdichtetes Gefüge mit
zusammengesetzt. Die Modelltraube wird mehr-
erhöhter Festigkeit im Vergleich zum Gießen mit
malig in einen Keramikbrei getaucht, mit Keramik-
Schwerkraft.
pulver bestreut und danach getrocknet. Zur Erhö-
hung der Festigkeit wird die Gießform gebrannt. Die • Gefüge ist frei von Gasblasen, Lunkern und Ver-
Modelle schmelzen dabei aus und bilden Hohlräume unreinigungen, die eine geringere Dichte als die
(Bild1) zum Ausgießen . Verwendung z.B. Kolben- Schmelze haben .
ringe, Turbinenräder.
Kokillenguss
Behälter mit kera-
mischer M asse Die Schmelze wird mittels Schwerkraft in Metall-
dauerformen (Kokillen) gegossen.

Gegenüber dem Sandguss ergibt sich durch die Ko-


Tauchen kille eine erhöhte Oberflächengüte. Die Wärmeab-
fuhr kann gezielt beeinflusst werden. So kann z.B.
~ Hohl''"m' beim Gießen einer Nockenwelle durch eingelegte
Kokillen an den späteren Lagerstelien die Wärme-
Guss- abfuhr hier so schnell erfolgen, dass die Oberfläche
Keramik-

e.
stück
- - schale gehärtet wird. Verwendung z.B. Felgen, Zahnräder.
Wachs

Ausschmelzen und Brennen Gießen


7.2.2 Sintern
Bild 1: Feingießen

Vorteile des Feingießens: Die Herstellung von Sinterteilen ist ein Urformen
von Werkstücken aus dem festen Zustand durch
• Fast alle Werkstoffe vergießbar, auch schwer zer-
Pressen von Pulvern und nachfolgendem Sintern.
spanbare Metalle.
• Für kle inste Teile und geringe Wandstärken . Ausgangsstoffe sind pulverisierte Metalle, Metallcar-
• Sehr hohe Maßgenauigkeit bide (mit Kohlenstoff), Metalloxide oder Kunstharze .
• Hohe Oberflächengüte, gratfrei. Die Eigenschaften der Sinterteile werden durch die
• Gießen von Fertigteilen möglich, Nacharbeit nur Mischung der einzelnen pulverförmigen oder kör-
an Passflächen . nigen Bestandteile bestimmt.
• Herstellung komplizierter Teile möglich. Beim Pulvermischen (Bild 1, Seite 115) werden die
einzelnen Ausgangsstoffe in der gewünschten Zu-
Schleudergießen sammensetzung gemischt.

Die Schmelze wird in eine schnell umlaufende Durch Pressen werden die gemischten Ausgangs-
Dauerform (Kokille) gegossen und durch Zentri- stoffe unter hohem Druck (bis zu 6000 bar) zusam-
fugalkraft an die Innenwände der Form geschleu- mengepresst. Die Berührflächen der Pulverteilchen
dert, wo sie erstarrt. vergrößern sich und die Porenräume verkleinern sich
dabei. An den Berührflächen tritt Kaltverfestigung
Horizontai-Schleudergießen. Es dient, z.B. für die ein. Durch Adhäsion (Anhangskraft) der Pulverteil-
Herstellung von Laufbuchsen und Kolbenringen. chenerhält der Pressling seinen Zusammenhalt.
7 Fertigungstechnil<

Hochporöse Sinterwerkstoffe (Sint AF) werden we-


Sintern ist ein Glühen von gepressten Metall-
gen ihrer niedrigen Raumerfüllung und ihres großen
pulverteilchen, bei dem durch Diffusion und Re-
Porenvolumens bis 27 % als Filter verwendet.
kristallisation ein zusammenhängendes Kristall-
Verwendung z.B. Kraftstofffilter, Gasfilter.
gefüge entsteht (Bild 1).
Sinterreibstoffe enthalten u. a. CuSn-, Pb- und Gra-
Beim Sintern erhält der Pressling seine endgültige fitbestandteile und mineralische Zusätze. Sie sind
Festigkeit durch Glühen der Metallpulverteilchen verschleißfest und haben eine gute Wärmeleitfähig-
u nter Schutzgaseinfluss oder im Vakuum. Dabei keit und Temperaturbeständigkeit.
t ritt eine Diffusion ein, d.h. die Atome wandern in Verwendung z.B. für Beläge für Kupplungen und
benachbarte Pulverteilchen. An den kaltverfestigten Bremsen (J 730).
Berührungsstellen kommt es zu einer Rekristallisa-
t ion (Kristallneubildung). Die Sintertemperatur liegt Sinterwerkstoffe für Formteile haben als Aus-
etwas unterhalb der Schmelztemperatur des Haupt- gangsstoffe Eisen-, Gusseisen- oder Stahlpulver
bestandteils der Pulvermischung. Das Sintern kann (Sintereisen, Sinterstahl), zu denen noch Legie- •
auch schon während des Pressens erfolgen (Heiß- rungsmetallpulver zugegeben werden können. Eine
pressen). Werkstücke, die besonders hohe Dich- Wärmebehandlung wird vielfach bei Sintereisen
te und Festigkeit haben sollen, werden nach dem und Sinterstahl durchgeführt. Kohlenstoffhaltige
Sintern nochmals nachgepresst und nachgesintert Sinterstähle können gehärtet und eventuell angelas-
(Doppelpressen, Nachsintern). sen werden. Verwendung z.B. für Zahnriemenräder
(Bild 2), Stoßdämpferkolben.
Kalibrieren (Bild 1) (Nachbehandlung). Bei höheren
Ansprüchen an Maßgenauigkeit und Oberflächen-
güte werden die Sinterteile nach dem Sintern bei
einem Druck von etwa 1000 bar nachgepresst (ka-
libriert).

Arten der Sinterwerkstoffe Bild 2: Zahn- Bild 3: Wartungsfreies Sinterlager


riemenrad
Poröse Sinterwerkstoffe werden für Filter und
selbstschmierende Gleitlager (Sint A) verwendet.
Ausgangsstoffe sind Reinsteisen oder Eisen-Kup- Gesinterte Hartmetalle sind Verbundwerkstoffe. Als
fer-Zinn-Legierungen . Sintergleitlager werden mit Ausgangsstoffe dienen in der Hauptsache Wolfram-,
Öl getränkt oder erhalten eine Schmierstoffreserve Titan- und Tantalcarbid; als Bindemittel wird wegen
durch Fett (Bild 3). Sie sind wartungsfrei und haben seines niedrigen Schmelzpunktes Kobalt zugegeben.
gute Lauf- und Notlaufeigenschaften. Hartmetalle sind meist spröde, stoßempfindlich und
Verwendung z.B. Lagerbuchsen von Startern und bis soo•c schneidhaltig (Schneide bleibt hart).
Wasserpumpen. Verwendung z.B. für Schneidstoffe, Verschleißteile.

Metallpulver in Pressen 6000 bad Sintern 12oo•c 60 min I


abgestimmter nach dem Sintern
Press- Kaltpressen der Sinterdurch-
Zusammensetzung
lautoten
lin
: fdosierten Metall- Kristallneubildung
niedrige Dichte pulvermenge

-
und Festigkeit des durch Oberstempel
formlosen Stoffes
Bewegung der
Mischen in der Matrize bewirkt
Mischtrommel gleichmäßige
Kristallgrenzen
Verdichtung

rstem vor dem Pressen J Freilegen


nach dem Pressen
1000 bar
. • eingefülltes Metallpulver kaltverfestigte Stellen
Mat?
1ze . t Pulvertei lchen Press- '

Unter-
stempel
~

Porenräume
":t- ~
Porenräume
~--------------~
kleine Toleranz
des Ferti gteils

Bild 1: Vorgänge beim Einfachpressen, Sintern und Kalibrieren


116 7 Fertigungstechnil<

Oxidkeramische Verbundwerkstoffe. Sie bestehen


WIEDERHOLUNGSFRAGEN
hauptsächlich aus Edelkorund (AI 20 3 ). Metalloxiden
(MgO, Zr0 2 , Carbiden (TiC) und keramischen Binde- 1 Was versteht man unter Gießen?
mitteln. 2 Welche Vorteile bietet das Schleudergießen?
Anwendung z.B. Wendeschneidplättchen (Bild 1). 3 Welche Gießverfahren unterscheidet man?
Sie ermöglichen wegen ihrer großen Härte und Ver- 4 Wie wird ein Sinterteil hergestellt?
schleißfestigkeit d ie Bearbeitung sehr harter Werk- 5 Welche Vorteile bietet das Druckgießen?
stoffe.
6 Welche Vorteile haben gesinterte Gleitlager?

7.3 Umformen


Umformen ist ein Fertigungsverfahren, bei dem
ein plastisch verformbarer fester Körper durch
Einwirkung äußerer Kräfte eine neue Form erhält.
Bild 1: Wendeschneidplatten aus Oxidkeramik Voraussetzung für jedes Umformen ist die plastische
Verformbarkeit des Werkstoffes. Durch Einwirkung
Dauermagnetwerkstoffe werden durch Sintern aus von äußeren Kräften wird das Werkstück elastisch,
Eisen, Aluminium, Nickel und Kobalt (ALNICO) her- bei höheren Kräften plastisch verformt. Die M asse
gestellt, z.B. für Starter. und der Zusamm enhalt des Werkstoffes bleiben
Sinterschmiedeteile (Bild 2). Aus legierten Stahlpul- dabei erhalten, die Form wird jedoch geändert d. h.
vern werden gesinterte Vorformteile im Schmiede- umgeformt.
werkzeug in ihre Endform gebracht.

Sinterrohling M atrize

~
Sinterrohling
einlegen

Oberstempel

Dehnung E in % ---
Schmieden
Bild 3: Umformbereiche im Spannungs-Dehnungs-
Diagramm

Das Umformen erfolgt in einem Bereich über der


Streckgrenze Re und unterhalb der Zugfestigkeit Rm
(Bild 3). Dabei tritt eine Gefügeveränderung ein, es

Schmiedeteil
ausstoßen
~~
~
~~ wird verformt. Beim Erwärmen des umgeformten
Werkstü cks bildet sich bei der für jeden Werkstoff
charakteristischen Rekristallisationst em peratur ein
neues unverformtes Gefüge. Dadurch w erden die
Spannungen im W erkstück vermindert.
Bild 2: Sinterschmieden einer Pleuelstange
Warmumformen erfolgt oberhalb der Rekristallisa-
Vorteile von gesinterten Werkstücken: tionstemperatur. Durch Gefügeneubildung werden
• Herstellung einbaufertiger Teile mit engen Tale- Spannungen im Werkstück vermindert. Mit stei-
ranzen . gender Temperatur nimmt die Festig keit ab, Deh-
• Verbinden vo n Stoffen, die nicht oder nur schwer nung und Verfo rmbarkeit nehmen zu, die Umfo rm -
legierbar sind. kräfte w erden kleiner.
• Eigenschaften beeinflussbar durch entspre- Kaltumformen erfolgt unterhalb der Rekristallisa-
chende Pulvermischung. tionstemperatur, es erfolgt also keine Gefügeneu-
• Kostengünstige Herstellung von Massenteilen, bildung. Durch die teilweise großen Gefügeverände-
da kein Verschleiß an Werkzeugen. rungen ergibt sich eine Erhöhung der Festigkeit und
7 Fertigungstechnil<

eine Verminderung der Dehnung (Kaltverfestigung). • Zugumformen, z.B. Streckrichten (Bild 3)


Die Gefahr einer Rissbildung nimmt zu. • Schubumformen, z.B . Verdrehen (Bild 4)
Vorteile des Umformstücks: • Druckumformen, z.B. Schmieden, Walzen
• Der Faserverlauf (Bild 1) bleibt erhalten dadurch
wird die Kerbwirkung verringert.
• Die Festigkeit kann sich beim Kaltumformen we-
sentlich erhöhen.
• Verlustarme Werkstoffverarbeitung, da die Roh-
teile häufig den Fertigteilen angenähert sind, we- Bild 3: Zugumformen, Streckrichten
nig Abfall.

~B-ild -4:_Sc_hu_b-um-fo_rm_en_,-Ver-dr_ehe_n- - - - -~----~~ ~~~~


• Kürzere Fertigungszeiten gegenüber der spa-
nenden Formgebung .
• Möglichkeit zur Herstellung einbaufertiger Teile
mit hoher Oberflächengüte und kleinen Maßtole-
ranzen.

Werkstoff-
Faserverlauf verlust
7.3.1 Biegeumformen
Rohteil, vor dem Spanen
Fase rverlauf Biegeumformen (Biegen) ist das Umformen
unterbrochen
eines festen Körpers, wobei der plastische Zu-
stand an der Biegesteile im Wesentlichen durch
Fertigteil, nach dem Spanen
eine Biegebeanspruchung hervorgerufen wird.
Faserve rlauf
Voraussetzungen für das Biegen:
Rohteil, vor dem Umformen
• Werkstoff muss ausreichend dehnbar sein.
Faserverlauf
nicht unter- • Elastizitätsgrenze des Werkstoffes muss über-
brochen schritten werden .
Fertigteil, nach dem Umformen • Bruchgrenze des Werkstoffes darf nicht erreicht
werden .
Bild 1: Faserverlauf
Beim Biegen tritt an der Biegesteile eine Verände-
rung des Werkstückquerschnittes ein. Bestimmte
Einteilung der Umformverfahren
Biegeradien dürfen deshalb nicht unterschritten
Die Einteilung kann erfolgen nach der
werden . Der Zusammenhalt des Werkstoffes bleibt
• Temperatur (Kalt-, Warmumformen) erhalten, nur ein Teil des Werkstückes, die Biegezo-
• Werkstückform (Massiv-, Blechumformen) ne, wird verformt.
• Beanspruchungsart (Bild 2) beim Umformen
Biegevorgang
Beim Biegen eines Werkstücks werden die äußeren
Fasern gestreckt (Zugbeanspruchung), die inneren
gestaucht (Druckbeanspruchung). Zwischen beiden
befindet sich eine spannungslose, neutrale Faser,
Druck deren Länge unverändert bleibt (Bild 5).
Zug

gestreckte Fas ern


neutrale Faser
Bild 2: Beanspruchungen im Werkstückquerschnitt
gestauchte Fasern
Nach der Beanspruchung des Werkstückquerschnit-
tes unterscheidet man :
Bild 5: Faserverlauf beim Biegen
• Biegeumformen, z.B. Abkanten, Bördeln, Sicken,
Profilieren in Nähe der neutralen Faser ist die Verformung
• Zugdruckumformen, z.B. Tiefziehen elastisch . Dadurch federt das Werkstück geringfü-
118 7 Fertigungstechnil<

gig zurück. Diese Rückfederung ist beim Biegen zu kann es beim Verändern der Werkstoffquerschnitte
berücksichtigen . Beim Biegen von Blech ist wegen leicht zum Einknicken kommen .
Rissgefahr auf die Walzrichtung zu achten (Bild 1). Deshalb sind für die Biegung von Bremsleitungen
und kleinen Rohren Biegewerkzeuge und Rohrbie-
gevorrichtungen (Bild 4) zu verwenden. Der Biege-
radius soll nicht kleiner als der dreifache Rohraußen-
durchmesser sein.
Bei längsgeschweißten Rohren muss die Naht im-
mer in die neutrale Zone gelegt werden. Rohre mit
Bild 1: Walzrichtung beim Biegen
größerem Durchmesser können durch eine Schrau-
benfeder oder durch Sand ausgefüllt we rden, damit
Die Biegekraft ist abhängig von : sie beim Biegen nicht einknicken .
• Dehnbarkeit und Temperatur des Werkstoffes


• Biegeradius
• Größe und Form des Biegequerschnittes
• Lage der Biegeachse
Biegeverfahren
• Gesenkbiegen. Das Werkstück wird mit einem
Stempel in das Biegegesenk gedrückt.
• Schwenkbiegen (Bild 2) mit Biegemaschine.

Werkstü ck I' Oberw ange


I /
I,V / I Bild 4: Bremsleitungsbiegewerkzeug und
Rohrbiegevorrichtung

~
Bi eg ewa nge ~
.... ~
Unterwange
7.3.2 Zugdruckumformen
Beim Zugdruckumformen werden Werkstücke
Bild 2: Schwenkbiegen gleichzeitig durch Zug- und Druckkräfte umge-
formt.
• Abkanten (Bild 3) ergibt kleinen Biegeradius.
• Rundbiegen mittels Biegewalzen ergibt einen Man unterscheidet:
großen Biegerad ius. • Tiefziehen, z.B. von Karosserieblechen
• Bördeln dient zum Umbiegen eines Randes an • Drücken , z.B. Drücken über eine rotierende Form
Blechen. • Durchziehen, z.B. Rohre, Profile, Drahtziehen
• Sicken bewirken eine Blechversteifung .
Tiefziehen
• Profilieren. Blechstreifen erhalten beim Walzen
ih re Profile. Tiefziehen ist das Zugdruckumformen eines
Blechzuschnittes in einem oder mehreren Ar-
Blech Blechkluppe
beitsgängen . Die Blechdicke bleibt dabei annä-
hernd gleich.

Für das Tiefziehen werden fließfähige Werkstoffe


wie z.B. Stahltiefziehblech (z.B. DC 03) und Alumi-
niumbleche verwendet. Es werden Karosserieteile
hergestellt.

Bild 3: Abkanten Tiefziehvorgang


Der ebene Blechzuschnitt (Ronde, Bild 1, Seite 119)
Biegen von Rohren wird auf die Ziehmatrize gelegt und durch den Nie-
Beim Biegen von Bremsleitungen und Rohrlei- derhalter festgeklemmt. Der Zi ehstempel wird nun
tungen werden die dünnwandigen Profile auf der nach unten gedrückt und zieht die Ronde über die
einen Seite gestreckt (Zugbeanspruchung) und auf Ziehkante in die Öffnung der Ziehm atrize. Der Werk-
der anderen Seite gestaucht (Druckbeanspruchung) . stoff wird durch die Umformkraft auf Zug und Druck
Beide Beanspruchungsarten liegen durch die kleinen beansprucht. Durch den Niederhalter wird das Blech
Durchmesser der Profile nah beieinander, dadurch auf die Ziehmatrize gedrückt und so die Entstehung
7 Fertigungstechnil< 119

von Falten verhindert. Die Breite des Ziehspaltes ist


etwas größer als die Blechdicke. Schmierstoffe ver-
ringern die Reibung zwischen Blech und Ziehwerk-
zeug. Nach Beendigung des Tiefziehvorganges gibt
der nach oben gehende Ziehstempel das Werkstück
f rei.

Block Matrizenhalter

Bild 2: Walzen Bild 3: Strangpressen

Ab-
streiter Ausgangs-
JB
form (Platine)

f]
Umformkraft

Niederhalter
Bild 4: Fließpressen

Schmieden (Freiformen und Gesenkformen)

Schmieden ist Druckumformen von warmen


f ertig es
Teil


Flansch M et allen im plastischen Zustand.

Beim Schmieden formt man Werkstücke meist in


glühendem Zustand durch Schlag oder Druck span-
Ziehringkante
los um. Durch Stauchen und Strecken des Werkstoffs
verändert sich das Gefüge wobei der Faserverlauf
nicht unterbrochen wird (Bild 5). Durch das dichte
Gefüge und den günstig en Faserverlauf erhöht sich
Abstreit kante die Festigkeit und Belastbarkeit der Schmiedet eile.
wi rkt als A uswerfer

spanend geformt spa nlos geformt


Bild 1: Tiefziehvorgang (geschmiedet)

Bild 5: Faserverlauf

Freiformen
7.3.3 Druckumformen
Beim Freiformen kann der W erkstoff zwisch en
Druckumformen ist das Umfo rmen eines W erk- Amboss und Hammer bzw. Presse frei verdrängt
stückes durch Druckkräfte. w erden.

Man unterscheidet: M an unterscheidet:


• Stauchen (Bild 6). Höhe wird geringer, Querschnitt
• Walzen (Bild 2). Zwischen sich drehenden Walzen
größer
werden Profile, Bleche, Rohre und Drähte herge-
• Absetzen (Bild 7), Schmieden eines scharfkan-
stellt.
tigen Absatzes
• Durchdrücken. Beim Stra ngpressen (Bild 3) wer-
den erwärmte W erkstoffe durch eine M atrize ge-
drückt und zu Profilen geformt. Beim Fließpres- erwärmt
sen (Bild 4) w erden W erkstoffe mittels Stempel
und M atrize zu Vo ll- oder Ho hlkö rpern gepresst.
• Freiformen (Schmieden).
• Gesenkformen (Gesenkschmieden). Bild 6: Stauchen Bild 7: Absetzen
120 7 Fertigungstechnil(

• Recken (Strecken, Bild 1) Verlängerung durch Vorteile des Umformens gegenüber spanender
Querschnittsreduzierung Formgebung:
• Höhere Festigkeit der Werkstücke
• Werkstoffersparnis, da wenig Abfall
• Rationelle Fertigung bei großen Stückzahlen
• Gute Maßhaltigkeit und hohe Oberflächengüte

Innenhochdruckumformen (IHU)

Bild 1: Recken (Strecken) Beim Innenhochdruckumformen wird ein Blech-


profil durch hohen Druck von innen gegen eine
Gesenkformen Hohlform gepresst.

Beim Gesenkformen wird der warme Rohling Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von


in eine Hohlform (Gesenk) geschlagen oder ge- Hohlprofilen z.B. Dachrahmen ein er Leichtmetall-
presst. karosserie (Bild 4). Bei der Fertigung wird ein Blech-
profil in eine zweiteilige Form eingelegt, durch Zy-
Beim Gesenkformen ist der Werkstoff ganz oder zu
linder verschlossen und mit einer Flüssigkeit gefüllt.
einem wesentlichen Teil vom Gesenk umschlossen,
Anschließend wird die Flüssigkeit unter einen Druck
während er sich beim Freiformen frei in alle Rich-
von etwa 1700 bar gesetzt. Durch die entstehenden
tungen verdängen lässt.
Kräfte passt sich das Profil an die Werkzeugform an.
Gesenkschmieden. Gesenke (Bild 2) bestehen meist Vorteile gegenüber stranggepressten Bauteilen:
aus zwei Hälften, dem Ober- und dem Untergesenk. • Bauteile mit verschiedenen Querschnitten sind in
Die Hohlräume entsprechen der Form des fertigen einem Arbeitsschritt herstellbar.
Gesenkschmiedeteils. Das Werkstück wird durch
• Geringeres Gewicht der Bauteile.
meist mehrmaliges Schlagen aus dem schmiede-
warmen Rohling geformt. Das Volumen des Roh- • Rationellere Fertigung aufwendiger Bauteile in
lings ist dabei etwas größer als das Volumen des einem Arbeitsschritt.
Fertigteils. Dies garantiert das vollständige Ausfüllen • Hohe Genauigkeit.
der Hohlform. Der dabei entstehende Grat wirkt als
Puffer und v erhindert das harte Aufschlagen der Ge-
senkteile. Die Umformgeschwindigkeit ist groß.

Obergesenk
y
Schn itt\ !
A-A t

Werkstück mit Grat B-B t y


Sch nitt\ l

Bild 2: Schmiedegesenk
Untergesenk
C- C tv
Schnitt\ ' )

Bild 4: Einsatz innenhochdruckumgeformter Profile


Gesenkpressen (Bild 3). Die Umformkraft wird durch
eine Schm iedepresse aufgebracht. Durch die ge- Arbeitsregeln beim Freiformschmieden
naue Führung des Ober- und Unterteils ist die Her- • Wärmebehandlungsvorschriften der W erk-
stellungsgenauigkeit gro ß. Die Umformgeschwin- stofflieferer beachten.
d igkeit ist m aterialabhängig. Sie ist z.B. bei Titan • Vorschlaghammer neben dem Kö rper führen.
niedriger als bei Stahl. Rundschlag verboten.
Anwendung: Titanpleuel für Rennsporteinsatz.
WIEDERHOLUNGSFRAGEN
feststeh ende Ko lbenstange
1 Welche Umformverfahren gibt es?
hyd raulisch bewegt er Zyl inder 2 Welche Vorteile bietet das Umformen?
3 Welche Voraussetzungen müssen für das Biegen
Oberteil vorhanden sein?
4 Wie läuft ein Tiefziehvorgang ab?
5 Was versteht man unter Schmieden ?
Unterteil 6 Welche Vorteile hat das Gesenkformen gegenüber
der spanenden Formgebung?
Bild 3: Schmiedepresse
7 Fertigungstechnik 121

7.3.4 Richten Zugspannungen stauchen das Werkstück auf seiner


längeren Seite so stark, dass es gerade wird.
Richten ist die Beseitigung ungewollter Verfor- Die Wärmebehandlung kann durch Gefügeumwand-
mungen zur Wiederherstellung der Sollform von lung im Blech zu Festigkeitsverlusten führen .
Halbzeugen (z.B. Profilstangen) und Fertigteilen
(z.B. Fahrzeugrahmen, Kotflügel).

Voraussetzung für das Richten ist die plastische Ver-


formbarkeit des Werkstoffes. Es kann im kalten oder 7.3.5 Blechbearbeitungsvedahren
warmen Zustand vorgenommen werden. Richten er-
Bleche werden durch Warm- oder Kaltwalzen herge-
folgt durch Umformen (Biegen, Strecken, Stauchen,
stellt. Die Halbzeuge werden als Band (Biechrollen,
Verdrehen) oder durch Wärmeeinwirkung (Flamm-
Coil) oder als Blechtafeln geliefert.
richten).
Bleche werden weiterverarbeitet z.B. durch:


Richten durch Umformen • Zugdruckumformen (Tiefziehen, Drücken)
Verbogene Halbzeuge und Werkstücke mit kleineren • Zugumformen (Streckziehen)
Querschnitten können auf der Richtplatte gerichtet • Biegeumformen (Biegen, Gesenkbiegen)
werden. Sie werden mit ihrer hohlen Seite (Bild 1)
auf die Richtplatte gelegt und mit dem Hammer in Biegen von Blechen
kleinen Abschnitten gerade gerichtet.
Walzrichtung. Bleche werden bei der Herstellung
durch das Walzen überwiegend in Walzrichtung
gestreckt und erhalten dadurch ein faserähnliches
Werkstoffgefüge. Beim Biegen parallel zur Walzrich-
tung besteht die Gefahr einer Rissbildung. Bleche
sind deshalb möglichst senkrecht oder schräg zur
Walzrichtung zu biegen (Bild 5).
Bild 1: Richten von Bild 2: Richten durch
Flachstahl Dengeln Rückfederung. Nach dem Biegen eines Bleches tritt
eine Rückfederung ein, die von Werkstoff, Walzrich-
Mit dem Hammer wird dabei auf die Wölbung tung, Blechdicke, Biegewinkel und Biegeradius ab-
geschlagen. Für dünne Bleche und weichere Werk- hängig ist. Damit der gewünschte Biegewinkel er-
stoffe verwendet man einen Holz-, Gummi- oder reicht wird, muss das Blech zunächst "überbogen"
Kunststoffhammer. Werkstücke aus härterem Werk- werden. Der Rückfederungswinkel (Bild 5) beträgt
stoff werden durch Dengeln (Strecken, Bild 2) gerich- etwa 1 % .. . 3 % des Biegewinkels.
tet. Dabei wird das Werkstück durch eng nebenein-
andergesetzte Schläge mit der Hammerfinne auf Rückfederungs·
seiner zu kurzen (hohlen) Seite gestreckt. Richten winke I
von hochkantig verbogenen Teilen erfolgt ebenfalls
durch Streckschläge, um die beim Biegen verkürzte
Seite wieder zu verlängern (Bild 3).

Bild 5: Walzrichtung, Rückfederung

Biegeradius. Beim Biegen von Blechen dürfen die


Bild 3: Richten von Profilen Bild 4: Flammrichten Mindestbiegeradien nicht unterschritten werden,
um eine Rissbildung zu vermeiden. Kleine Biege-
Richten durch Wärmeeinwirkung radien bewirken große Verformungen und dadurch
große Spannungen im Blech. Der Mindestbiegera-
Beim Flammrichten (Bild 4) wird die zu lange Seite
dius ist abhängig von W erkstoff, W alzrichtung und
des Werkstü ckes durch Wärmekeile noch verlängert.
Blechdicke. Die Mindestbiegeradien der wichtigsten
Durch die Ausdehnung des erwärmten Metalls ent-
Bleche sind genormt.
stehen große Druckspannungen. Das plastisch (tei-
gig) gewordene Metall im Wärmekeil zieht sich bei Zuschnittlängen für Blechbiegeteile werden mittels
der Abkühlung zusammen. Die dabei auftretenden der neutralen Faser berechnet.
122 7 Fertigungstechnil<

Abkanten

Abkanten (Kanten) ist ein scharfkantiges Biegen


eines Bleches längs einer geraden Kante mit sehr
kleinem Biegeradius.

Abkanten dient meist zur Herstellung von Profi- Bild 3: Runden von Hand
len. Es kann im Schraubstock, am Amboss, mittels
Spannschiene (Bild 1) oder mit einer Abkantmaschi-
ne durch Schwenkbiegen erfolgen. Schweifen (Strecken)
Beim Formbiegen im Schraubstock (Bild 1) werden Beim Schweifen werden bestimmte Teile eines
die Bleche mittels Biegebeilagen gebogen. Durch Bleches durch gezieltes Hämmern gestreckt (ver-
die Verwendung von Schonhämmern werden die längert).
Bleche vor Beschädigungen geschützt.
Beim Schweifen wird das Blech am Rand gehäm-
mert und gestreckt. Dabei nimmt die Blechdicke ab
und das Blech krümmt sich (Bild 4).
Der Schweifhammer oder die Hammerfinne darf nur
den Rand des Bleches treffen und soll immer zum
Mittelpunkt der Krümmung zeigen .

~zange
Bild 1: Abkanten mit Spannschiene, Formbiegen

Beim Schwenkbiegen (Bild 2) wird das Blech zwi- Hammer ~


schen Ober- und Unterwange festgespannt und mit a<b
Fa lten· II
der schwenkbaren Biegewange gebogen. Biege- C t z1eher
radius und Form des gebogenen Bleches ergeben
Bild 4: Schweifen Bild 5: Fertigen von
sich durch die Form und Abmessung der eingesetz-
Wellen, Einziehen
ten Schiene in der Oberwange.
Anwendung des Schweifens:
• Herstellung von Außenrändern an runden Teilen
Biegewinkel • Runden, Krümmen oder Richten von Profilen
• Aufweiten von Rohren, um Zusammenstecken zu
ermöglichen

Einziehen (Stauchen)

Beim Einziehen werden bestimmte Teile eines


Unterwange (Rahmen) Bleches verkürzt (eingezogen). wobei der Werk-
stoff gestaucht wird .

Beim Einziehen werden Bleche am Rand durch Stau-


Bild 2: Schwenkbiegen
chen des Werkstoffes verdickt und damit verkürzt.
Der zu verkürzende Blechabschnitt wird in Wellen
gelegt, die dann durch gezieltes Hämmern gestaucht
werden. Beim Einziehen von Hand werden die Wel-
Runden len mit der Rundzange, mit einem Faltenzieher oder
mittels Schraubstock angefertigt (Bild 5).
Runden ist Biegen eines Bleches längs einer ge- Anwendung des Einziehens:
raden Kante mit einem großen Biegeradius oder • Herstellung von Innenrändern an runden Teilen
mit großen Krümmungen.
• Runden oder Ri chten v on Profilen (evtl. zusam -
Runden von Hand kann im Schraubstock, am men mit Schweifen)
Sperrhaken (Bild 3), am Ambosshorn oder über • Einziehen von Rohren, um Zusammenstecken zu
einem Rohr erfolgen. ermöglichen
7 Fertigungstechnik 123

Schlichten (Glätten) ehe zu erhalten, z.B. bei Abschnittsreparaturen von


Beim Schlichten werden die Oberflächen verformter Karosserien . Absetzen bewirkt eine Blechverstei-
Bleche geglättet, kleine Unebenheiten beseitigt, so- fung. Das Absetzen eines Bleches von Hand erfolgt
wie Form und Aussehen der Blechteile verbessert. mit einer Absetzzange (Bild 6). Mit der abgebildeten
Zange lassen sich zusätzlich Löcher für Schweiß-
Schlichtwerkzeuge müssen glatte, riefenfreie und punkte stanzen.
möglichst polierte Flächen haben. Beim Ausschlich-
ten (Bild 1) treffen die Hammerschläge die Innen-
seite einer Wölbung, beim Abschlichten (Bild 2) die
~====~:::t==:l~:::::::::::::=::::::j
Außenseite einer Wölbung . Blechrand 3 abgesetzt

Bild 5: Absetzen

Lochen

Bild 1: Ausschlichten

Treiben
Bild 2: Abschlichten Bild 6: Kombinierte Absetz-/Lochstanzzange
Absetzen


Durchsetzen
Beim Treiben werden Bleche durch die verschie-
Beim Durchsetzen wird innerhalb eines Bleches
denen Blechverformungsverfahren von Hand
eine Teilfläche herausgearbeitet, die meist paral-
oder mit Maschinen umgeformt.
lel zur Blechebene verläuft.
Treiben erfolgt in der Hauptsache durch Strecken
Durchsetzen (Bild 7) bewirkt eine örtliche Verstei-
und Stauchen des Bleches, sowie durch Schlichten
fung von Blechen z.B. Motorhaube (Bild 8), Heckde-
und Hämmern. Wird durch das Treiben die Kaltver-
ckel, Fahrzeugtüren .
festigung des Bleches zu groß, muss sie durch Zwi-
schenglühen (Rekristallisation) aufgehoben werden.
durchgesetzt '-...._ 1
Treiben (Bild 3) wird zur Anfertigung von Einzeltei-
len und bei Reparaturarbeiten an Karosserien ange-
wandt.

Bild 7: Durchsetzen
Spanntreiben. Das Blech wird auf einer harten Un-
terlage geformt, um flache Wölbungen anzufertigen
(Bild4).

I 3- Richt-
platte

Bild 3: Treiben
[i]
Bild 4: Spanntreiben
Bild 8: Motorhaube

Bördeln (Randverformung)

Beim Bördeln werden kurvenförmig geschnittene


Bleche an ihren Kanten meist im rechten Winkel
Absetzen zu schmalen Rändern aufgestellt (umgebogen).
Die Ränder werden als Bärdei bezeichnet.
Beim Absetzen wird der Randstreifen eines
Bleches (meist parallel zum Blechrand) um etwa An gerade geschnittenen Blechen erfolgt das Auf-
eine Blechdicke abgesetzt (eingebogen) . stellen von Rändern durch Abkanten. Bördeln ist
eine Randverformung von Blechen und dient zur
Absetzen (Bild 5) ist meist eine Vorarbeit, um bei Versteifung oder als Vorarbeit für eine Nahtbildung
überlappenden Blechen eine fluchtende Außenflä- durch Falzen, Nieten, Löten, Schweißen.
124 7 Fertigungstechnil<

Einbördeln. Beim Einbördeln (Bild 1) wird das Blech Wegen der großen Werkstoffbeanspruchung dürfen
zu einem Rand nach innen gebogen . Da zu viel Werk- zum Falzen nur gut verformbare und zähe Bleche
stoff vorhanden ist, muss zur Bildung des Innen- verwendet werden.
randes das Blech gestaucht (eingezogen) werden.
Falzmeiße l
Ausbördeln. Beim Ausbördeln (Bild 2) wird das
Blech zu einem Rand nach außen gebogen . Da zu
wenig Werkstoff vorhanden ist, muss zur Bildung
des Außenrandes das Blech gestreckt (geschweift)
zusamme n-
werden. d rü cken du rchsetze n
(dichtschl agen) nach au ßen
Ho lzhamme r
Bild 5: Herstellung einer Falzverbindung

Verlappen ist das Zusammenfügen von Blechen


durch Zusammenstecken und anschließendes
wechselseitiges Umbiegen oder Verdrehen der
Blechzungen (Biechlappen).

Bild 1: Einbördeln Bild 2: Ausbördeln

Randversteifungen . Durch Randversteifungen (Bild


3) wird die Festigkeit von Blechen und Blechrändern
erhöht. Die Verletzungsgefahr an scharfen Blechrän-
dern wird verringert.
Umschläge. Der Blechrand wird ein- oder mehrmals Bild 6: Verlappverbindung
umgebogen.
Schlitze und Lappen (Bild 6) werden mittels Spezial-
maschinen hergestellt. Es wird kein Zusatzwerkstoff
für das Fügen benötigt. Die Verbindung wird nur aus
einfa cher Hohl- doppelter Ro ll-
Umschl ag umschl ag Um schl ag um schl ag gleichwertigem Werkstoff geschaffen.

Bild 3: Randversteifungen
Arbeitsregeln
• Bei Blecharbeiten müssen die persönlichen
Sicken (Biechversteifungen) Schutzeinrichtungen z.B. Handschuhe, Brille,
Gehörschutz, vorhanden sein und verwendet
Beim Sicken werden meist geradl inige, rinnen- werden.
förmige Teile eines Bleches aus seiner ebenen • Beim Entladen und Transport von Blechtafeln
Blechfläche herausgeformt. Schutzhandschuhe tragen.
• Vor der Blechbearbeitung Blechkanten entgra-
Sicken (Bild 4) dienen zur Versteifung von Blechflä-
ten.
chen z.B. Bodenblech oder Dachfläche.
• Beim Bohren von Blechen auf Maschinen
Bleche unbedingt fest einspannen und gegen

IZS&I
Herumreißen durch den Bohrer sichern .
• Beim Bohren keine Handschuhe tragen .

WIEDERHOLUNGSFRAGEN

Bild 4: Sicken in der Dachfläche 1 Worauf muss beim Biegen von Blechen geachtet
werden?
Falzen 2 Wovon ist das Rückfedern eines Bleches beim
Biegen abhängig?
Falzen ist das Zusammenfügen von Blechen 3 Warum darf der Mindestbiegeradius nicht unter-
durch Zusammenhaken und anschließendes Zu- schritten werden?
sammendrücken der Blechränder. 4 Welchen Vorteil bietet das Absetzen bei überlapp-
ten Blechen?
Falze werden durch Biegen von Hand (Kanten , Bör- 5 Was versteht man unter Durchsetzen?
deln) oder maschinell hergestellt (Bild 5) .
7 Fertigungstechnil< 125

7.4 Trennen durch Spanen Keilwinkel ß ist der Winkel des Schneidkeils. Er wird
durch Freifläche und Spanfläche am Schneidkeil ge-
Spanen ist das mechanische Abtrennen von bildet.
Werkstoffteilchen. Der Zusammenhalt eines
Werkstoffes wird dabei örtlich aufgehoben. Weiche Werkstoffe ermöglichen kleine KeilwinkeL
Harte Werkstoffe erfordern große Kei lwinkeL
Die Verfahren zur spanenden Formung werden nach
Schnittbewegung und Schneidengeometrie unter- Spanwinkel y ist der Winkel zwischen Spanfläche
schieden. Die Schnittbewegung kann durch das und einer gedachten Linie senkrecht zur Bearbei-
Werkzeug oder das Werkstück ausgeführt werden. tungsrichtung. An ihr gleitet der Span entlang. Der
Spanwinkel kann positiv oder negativ sein.

Schnittbewegung Spanwinkel positiv: schneidende Wirkung


Schneidenform Spanwinkel negativ: schabende Wirkung
geradlinig kreisförmig


geometrisch Meißeln, Feilen, Bohren, Senken, Bei negativem Spanwinkel ist aufgrund der scha-
• bestimmt Schaben, Sägen Reiben, Sägen benden Wirkung des Werkzeugs der Werkstoffab-
(Bügelsäge) (Kreissäge) Drehen
trag sehr gering (Bild 3).
geometrisch Bandschleifen, Trennschleifen, Für Frei-, Keil- und Spanwinkel gilt immer:
• unbestimmt Planläppen Zylinderhonen

Die für die spanende Formung verwendeten Werk- I a+ß+y=9W


zeuge heben mit ihrer Schneide Späne vom Werk-
stoff ab (Bild 1). a = Freiw inkel
ß= Keilwinkel
y = Spanwinkel Spanfläche
Schnitt-
richtung Schnitt-
richtung
<===
Werkstück Schnittfläche
Werkstück

Bild 1: Spanbildung
Folgende vier Grundforderungen sind bei der spa- Spanwinkel positiv, schneidende Wirkung: a + {J + y = so•
nenden Bearbeitung zu erfüllen:
• Die bearbeitete Fläche soll so glatt wie erforder- Bild 2: Flächen und Winkel am Schneidkeil
lieh werden.
• Die Bearbeitungszeit soll möglichst kurz sein.
• Der Kraftaufwand am Werkzeug soll möglichst
klein sein.
• Die Standzeit des Werkzeugs soll möglichst groß
sein.

7.4. 1 Grundlagen der spanenden


Formung
Spanwinkel negativ, schabende Wirkung: a + {J + (-y) =so•
Grundform der W erkzeugschneide zur spa-
nenden Formung ist der Keil (Schneidkeil). Bild 3: Schabende Werkstoffabtragung

Flächen und Winkel am Schneidkeil (Bild 2)


Spanfläche ist die Fläche am Schneidkeil, an welcher 7.4.2 Spanende Formung von Hand
der Span abläuft.
7.4.2.1 Meißeln
Freifläche ist die Fläche am Schneidkeil, die der ent-
st ehenden W erkstückoberfläche (Schnittfläch e) ge- Der Meißel dient zur Spanabnahm e und zum
genüberliegt. Trennen.
Freiwinkel a ist der Winkel zwisch en Schneidkeil
und Werkstückoberfläche. Bei zu kleinem Freiwinkel Der Keilwinkel ß der Meißelschneide liegt zwischen
reibt der Rücken des Schneidkeils auf der Werkstück- 40° und 70°. Zur Bearbeitung von mittelhartem Stahl
oberfläche. wählt man etwa 60°.
126 7 Fertigungstechnil<

Man unterscheidet am Meißel Schneide, Kopf und


Arbeitsregeln
Schaft (Bild 1). Der Meißelschaft ist an den Schmal-
seiten gerundet oder hat z.B. einen vierkantigen • Nur Meißel mit einwandfreier Schneide und
Querschnitt, damit er gut in der Hand liegt. Der Mei- einen einwandfreien Hammer verwenden.
ßelkopf ist verjüngt und ballig. • Der Meißelkopf darf keinen Grat (Bart) aufwei-
sen .
• Schutzbrille und Schutzhandschuhe tragen;
Schutzschilde gegen abspringende Späne
und Splitter verwenden.
• Wenn möglich Meißel mit Handschutz ver-
wenden .
• Beim Meißeln immer auf d ie Meißelschneide
blicken .

• Bild 1: Meißelhaltung
WIEDERHOLUNGSFRAGEN

1 Wie wirkt sich die Meißelhaltung auf Frei- und


Spanwinkel aus?
2 Wovon hängt der Keilwinkel der Meißelschneide
ab?
3 Wodurch unterscheiden sich Spanen und Trennen?
Meißelvorgang (Bild 1) 4 Welche Arbeits- und Sicherheitsregeln sind beim
Span- und Freiwinkel hängen von der Meißelhaltung Meißeln zu beachten?
ab. Eine flache Meißelhaltung ergibt einen kleinen
FreiwinkeL Der Meißel neigt dazu aus dem Werk-
stück herauszutreten. Bei einem größeren Freiwin- 7.4.2.2 Schaben
kel dringt der Meißel tiefer in das Werkstück ein . Der
Span wird dicker und die erforderliche Schnittkraft Schaben ist Spanen mit einem Schabwerkzeug
größer. zur Veränderung der Werkstückoberfläche durch
Bei senkrechter Haltung des Meißels zur Werk- Abtragen kleinster Werkstoffteilchen.
stückaberfläche wirkt der Meißel trennend (zertei-
lend) und nicht spanend. Span- und Freiwinkel sind Durch Schaben erzielt man auf Metallwerkstücken
beim Trennen 0°. eine glatte, riefenfreie und gleichmäßig tragende
Oberfläche, wie sie meist für Dichtungs-, Gleit- und
Meißelarten (Auswahl, Bild 2) Führungsflächen erforderlich ist.
• Flachmeißel haben eine breite, gerade Schneide Man verwendet Flach- und Ziehschaber für ebene
und dienen zur Spanabnahme und zum Trennen. Flächen und Dreikant- und Löffelschaber für ge-
• Kreuzmeißel, mit schmaler und quer stehender wölbte Flächen (Bild 4).
Schneide zum Meißelschaft, dienen zum Ausmei-
ßeln schmaler Nuten . mo ~Jt ,~
Flachschaber , Dreikantschaber

,~ s \3 ~\
T B~«~
Flachmeißel Kreuzmeißel Ziehschaber Löffelschaber

Bild 2: Meißelarten Bild 4: Schaberarten

Meißeleinsätze (Bild 3) Durch richtige Schaberhaltung erhält man einen ne-


Zum Trennen von Karosserieteilen, Lösen von gativen Spanwinkel und damit die schabende Wir-
Punktschweißungen, Schneiden und Trennen von kung (Bild 5).
Auspufftöpfen und Anschlüssen, Abscheren von
Nieten können Meißeleinsätze in druckluftbetrieben
Meißelhämmern verwendet werden.

Blechtrennmeißel Auspufftrennmeißel

i};=;:d
' Schweißpunkttrennmeißel
2 CJid? ~
Schermeißel

Bild 3: Meißeleinsätze Bild 5: Winkel am Flachschaber-Schaberhaltung


7 Fertigungstechnil< 127

7.4.2.3 Sägen Bei weichen Werkstoffen, z.B . Aluminium oder lan-


gen Schnittfugen ergibt sich eine große Span menge.
Sägen ist das Spanen mit einem vielzahnigen Man benötigt in diesem Fall ein Sägeblatt mit grober
Werkzeug geringer Schnittbreite und geome- Zahnteilung (Tabellen 1 und 2). Ansonsten hätte die
trisch bestimmten Schneidkeilen (Sägezähnen). große Spanmenge in den Spanräumen keinen Platz.
Sägen verwendet man zum
• Trennen von Werkstoffen oder Werkstücken
• Einschneiden von Nuten oder Schlitzen.

Wirkungsweise der Säge (Bild 1)


Das Sägeblatt besteht aus vielen hintereinanderlie-
genden meißelartigen Schneiden, die nacheinander
Zahnform
zum Eingriff kommen und kleine Späne abtrennen.
Die Spanräume (Zahnlücken) nehmen die Späne auf Handsägeblätter haben meist Winkelzähne (Bild 1).


und transportieren sie aus der Schnittfuge heraus. Die Schneidkeile von Sägeblättern sind durch kle ine
Spanwinkel und große Freiwinkel bestimmt. Für das
Körper Sägen von Stahl beträgt der Keilwinkel eines Zahnes
Rücken etwa 50°, der Freiwinkel etwa 38°, der Spanwinkel
etwa 2°.
Zahnhöhe
Arten von Handsägen
Zahn
Bügelsäge (Bild 3). Sie besteht aus Spannbogen und
Sägeblatt. Die Zahnspitzen des Sägeblattes müssen
in Stoßrichtung zeigen .

Bild 1: Wirkungsweise der Säge


Damit das Sägeblatt nicht klemmt und sich frei-
schneiden kann, sind die Sägezähne gewellt, ge-
schränkt oder gestaucht (Bild 2).
Bild 3: Bügelsäge

Kurzhubsäge (pneumatische Handstichsäge, Bild 4).


Sie eignet sich für gerade und leicht kurvenförmige,
verzugfreie Schnitte, z.B. bei Karosseriearbeiten zum
Austrennen von Blechen an schlecht zugänglichen
oder beengten Stellen . Zum Sägen von Blechen
verwendet man Sägeblätter mit feiner Zahnteilung,
geschränkt gewellt gestaucht
z.B. 32 Zähne/Zoll. Um einen gratfreien Schnitt zu er-
Bild 2: Freischneiden des Sägeblattes möglichen sind Hubzahl und Hubgröße einstellbar.

Zahnteilung
Zahnteilung ist der Abstand von Zahnspitze zu Zahn-
spitze des Sägeblattes bezogen auf die Länge von
einem Zoll.
Bild 4: Kurzhubsäge
Zahnteilung = Zähnez~hl Zähnezahl
Bezugslange 1 Zoll
Arbeitsregeln
1 Zoll = 25.4 mm
• Sägeblatt gerade und straff einspannen, Zäh-
ne in Stoßrichtung .
• Zahnteilung entsprechend Werkstoff und
Form des Werkstückes auswählen.

WIEDERHOLUNGSFRAGEN
1 Wozu werden Sägen verwendet?
mittel ... 22 Baustahl, Gusseisen,
Cu-Zn-Legierungen (Messing) 2 Wonach richtet sich die Zahnteilung eines Säge-
blattes?
fein .. . 32 Dünnwandige Rohre, Bleche, 3 Wie bestimmt man die Zahnteilung eines Säge-
Stahl, Hartguss blattes?
128 7 Fertigungstechnil(

7.4.2.4 Feilen
.J 't~~ \> \:_ W ~~:ennbrecher­
Feilen ist Spanen durch eine geradlinige wie- ~....._ _"",.
~~'t'-":..._\>~lo...l.
\~-~~bl.'t
_~h'G Spa na bfu hr
derholende Schnittbewegung eines vielzah- b) mit Spanbrechernuten
nigen Werkzeugs mit geometrisch bestimmten
Schneidkeilen (Feilzähnen).

Feilenblatt Hieb Angel c) Kreuzhieb


Bild 4: Hiebarten
• Hiebzahl ist bei gehauenen Feilen die Anzahl der
Einkerbungen auf 1 cm Feilenlänge, bei Kreuz-
Bild 1: Flachfeile- Aufbau
hieb bezogen auf den Oberhieb. Bei Raspelhieb
Aufbau (Bild 1). Feilenblatt (Feilenkörper) mit einge- entspricht die Hiebzahl der Anzahl der punkförmi-
hauenen Hieben oder eingefrästen Zähnen. Angel gen Einkerbungen auf 1 cm 2 der behauenen Ras-
zur Befestigung des Feilengriffs (Feilenheft). pelfläche.
• Hiebnummer. Sie gibt die Feinheit des Hiebes an.
Unterscheidung der Feilen
Je größer die Hiebnummer ist, desto feiner wird
• Größe: Handfeilen, Schlüsselfeilen, Nadelfeilen die Hiebteilung (Abstand von Zahn zu Zahn).
• Form des Querschnittes und Kennbuchstaben
(Bild 2).

-
FormA
flachstumpf

FormB
flachspitz
• Form D
vierkant

~!~!!!!!!!!!!!! Form E
halbrund
-
'
FormG
Messerfeile

Form H
flachstumpf

• Form C • FormF
.A. dreikant rund

Bild 2: Kennbuchstaben für Feilenquerschnitte


5 ... 8 Nicht Feinschlichtfeile feinste
• Zahnformen (Bild 3) und Herstellungsart genormt Passarbeiten
Gehauene Feilen haben schabende Wirkung und Bei gefrästen Feilen unterscheidet man die Zah-
werden für Werkstoffe mit hoher Festigkeit z.B. nungen 1, 2, 3 für grob, mittel, fein.
Stahl, Grauguss eingesetzt. Feiltechnik. Die Feilbewegung erfolgt in Richtung
Gefräste Feilen haben schneidende Wirkung und der Feilachse, wobei sich die Feile um eine halbe
werden für Werkstoffe mit geringerer Festigkeit Feilenbreite nach rechts oder links versch ieben soll.
z.B. Alum inium, Kupfer eingesetzt. Nur während des Vorstoßens darf auf die Feile ge-
drückt w erden.

Arbeitsregeln
• Feilen mit Feilenbürste reinigen.
• Stets auf festen Sitz des Feilengriffs achten .

Bild 3: Zahnformen Frässtifte (Umlauf- oder Turbofeilen, Bild 5) werden


in schlagf reien Spa nnf uttern eingespannt und elek-
• Hiebarten (Bild 4) trisch oder pneumatisch angetrieben. Sie w erden
Einhiebige Feilen dienen besonders zur Bearbei- unter anderem für Entgrat- und Putzarbeiten z.B. bei
tung weicher Metalle und zum Schärfen von Sä- Schweißnähten verwendet.
gen und anderen W erkzeugen.
Doppel- oder kreuzhiebige Feilen w erden für
härtere Metalle verwendet . Winkel und Teilung
von Ober- und Unterhieb sind v erschieden groß. Bild 5: Frässtifte
Dadurch sind die Feilenzähne v ersetzt im Eingriff WIEDERHOLUNGSFRAGEN
und v erhindern so eine starke Ri ef enbildung. 1 Worin unterscheiden sich gefräste und gehauene
Feilen mit Raspelhieb (Pockenhieb) sind geeignet Feilen?
zur Bearbeitung von z.B. Holz, Kunststoffen, Le- 2 Welche genormten Feilenquerschnitte gibt es?
3 Was gibt die Hiebnummer bei Feilen an?
der, Kork, Gummi.
7 Fertigungstechnil< 129

7.4.2.5 Reiben
Kegels~Ir= Austr:;:
Reiben ist Aufbohren mit geringer Spanungs-
dicke durch ein Werkzeug mit geometrisch be-
stimmten Schneiden.
Bild 3: Maschinenreibahle
Das Reiben dient zum Fertig- und Feinbearbeiten
vorgebohrter Bohrungen, z.B. Lagerbuchsen, um die Zähne. Sie können gerade oder mit Linksdrall an-
geforderte Maßtoleranz, Formtoleranz und Oberflä- geordnet sein (Bild 4). Der Linksdrall verhindert ein
chengüte (Rauheit) zu erhalten. Hineinziehen der Reibahle in die Bohrung oder das
Einhaken in eine Längsnut der Bohrung. Gleichzeitig
Reibvorgang. Die Spanabnahme erfolgt durch die werden die Späne durch den Linksdrall in Vorschub-
drehende Schnittbewegung und die axiale Vor- richtung abgeführt.
schubbewegung der Reibahle. Da der Spanwinkel
oooder negativ ist (Bild 1). erfolgt die Spanabnahme
schabend. Die Verwendung von Schneidölen ver-
bessert die Oberflächengüte, vermindert den Werk-
zeugverschleiß und erhöht so die Standzeit der Reib-
..____ _______.I •
Bild 4: Schraubenförmig verzahnte Handreibahle
werkzeuge. Gusseisen wird trocken gerieben.
Verstellbare Handreibahlen (Bild 5)
Rund schlifffase
Geschlitzte Reibahlen können durch einen kegeligen
Stift gespreizt und dadurch in engen Grenzen ver-
stellt werden( "' 1/100 des Reibahlendurchmessers).

Reibahlen mit eingesetzten Messern haben einen


größeren Verstellbereich (1 /10 ... 1/5 des Reibahlen-
durchmessers). Beim Verstellen werden die Messer
a = 10° .. 15° durch zwei Gewinderinge auf schrägen Flächen
nach innen oder außen verschoben.
Bild 1: Schneidenwinkel und Zahnteilung bei Reibahlen

Ungleiche Zahnteilungen (Bild 1) vermeiden Rat-


termarken, da die nachfolgenden Schneiden beim
Reibvorgang nicht an derselben Stelle eingreifen.

Zähnezahlen. Sie sind bei verstellbaren Handreib-


Bild 5: Verstellbare Handreibahlen
ahlen meist geradzahlig, um den Durchmesser der
Reibahle einfach mit einer Messschraube messen zu
können.
Arbeitsregeln
Handreibahle (Bild 2). Der Anschnitt (kegelig) be- • Reibahle rechtwinklig zum Werkstück ein-
wirkt die Spanabnahme. Der Führungsteil führt die führen und anschneiden. Je nach Werkstoff
Reibahle und glättet die Bohrung durch Rundschliff- Schneidöl verwenden.
fasen (Bild 1). Der Schaft mit Vierkant dient zur Auf- • Reibahle mit gleichmäßigem Druck im Uhr-

·
- --,1
nahme z.B. in ein Windeisen. zeigersinn eindrehen und im Uhrzeigersinn

r
herausdrehen.

·I ( I I
1 • Reibahlen nie entgegen dem Uhrzeigersinn

":1-r- .
An schnitt
'"'ruoo
Hals
I
Zylinder-
schaft
Vierkant
drehen, da es durch eingeklemmte Späne zum
Schneidenbruch kommen kann.

Bild 2: Handreibahle WIEDERHOLUNGSFRAGEN

1 Welche Vorteile bieten verstellbare Reibahlen?


Maschinenreibahle (Bild 3). Sie hat einen kurzen
2 Weshalb dürfen Reibahlen nicht entgegengesetzt
Anschnitt und einen zylindrischen oder kegeligen dem Uhrzeigersinn gedreht werden?
Schaft. Durch den kurzen Anschnitt können mit Ma-
3 Warum haben schraubenförmig verzahnte Reib-
schinenreibahlen Sacklöcher bis fast zum Grund auf-
ahlen Linksdrall?
gerieben werden.
130 7 Fertigungstechnil<

7.4.2.6 Gewindeschneiden von Hand zeitiger Abstumpfung der Gewindebohrerschneiden


führen . Ausnahme: Bei langspanenden Werkstoffen
Beim Gewindeschneiden werden Gewindegänge und größeren Gewinden ist ein wiederholtes Bre-
auf Bolzen oder in Bohrungen mit mehrschnei- chen der Späne erforderlich . Dies geschieht durch
digen Werkzeugen spanend geformt. Zurückdrehen des Gewindebohrers um etwa eine
viertel Umdrehung. Zugleich gelangt dadurch fri -
Gewinde (Bild 1) können hergestellt werden als scher Schmierstoff an die Schneidkanten .
• Innengewinde (Muttergewinde) mit Gewindeboh- Abgebrochene Gewindebohrer dreht man mit einem
rern Gewindebohrerausdreher aus dem Gewindeloch .
• Außengewinde (Bolzengewinde), z.B. mit Schneid- Man kann sie auch durch leichte Schläge mithilfe
eisen. eines Durchtreibers lockern und mit einer Zange he-
rausdrehen.

k Werkzeug ~
J:r= -a
Gewindebohrer. Zum Schneiden von Innengewin-


den verwendet man :
• 3-Satzgewindebohrer (Bild 3) bestehend aus Vor-,
w"''""" Mittel- und Fertigschneider, die durch 1, 2 und 3
bzw. durch Ringe gekennzeichnet sind . Das Zer-
Innengewinde Außengewinde
spanungsvolumen wird auf die drei Gewinde-
Bild 1: Gewindearten bohrer verteilt (etwa 55 %: 25 % : 20 %). Dadurch
werden die Gewindeschneidwerkzeuge nicht zu
Innengewinde (Bild 2) stark beansprucht und man erhält saubere Ge-
Der Kernlochdurchmesser für das Innengewinde windegänge.
muss etwas größer gebohrt werden als es dem
Spa nv olumen- 55 % 25 % 20 %
Kerndurchmesser des Innengewindes entspricht. anteil
Der Gewindebohrer schneidet den größten Teil der
A = 5 Gewin de-
Gewindegänge. Ein Teil des Werkstoffes wird jedoch

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vom Gewindebohrer nach innen spanlos verdrängt.
Dabei wird das Gewinde leicht aufgedrückt und da-
durch die Kernlochbohrung verkleinert. Diesen Vor-
gang nennt man Aufschneiden .

Bild 3: 3·Satzgewindebohrer

• 2-Satzgewindebohrer (Nr. 1 Vorschneider, Nr. 2


Fertigschneider). Sie werden zum Schneiden von
Feingewinden verwendet.
• Einschnitt-Gewindebohrer (Bild 4, Sa) zum Schnei-
den von Gewinden in Bleche oder Werkstücke, de-
ren Dicke unter 1,5 X Gewindenenndurchmesser
Bild 2: Innengewinde liegt. Durch den Schälanschnitt ist eine geringere
Ansenken. Grundlochbohrungen werden einseitig, Anschnittlänge notwendig .
Durchgangsbohrungen beidseitig auf Gewinde-
nenndurchmesser angesenkt. Damit wird erreicht, Sch älanschnitt
dass der Gewindebohrer besser anschneidet und die
äußeren Gewindegänge nicht aus der Kernlochboh- Bild 4: Einschnitt-Gewindebohrer
rung herausgedrückt werden .
• Gewindebohrer für Leichtmetalle (Bild Sb). Sie
Gewindeschneidvorgang . Das Ansetzen des Ge-
haben geräumigere Spannuten und größere
windebohrers muss in Richtung Bohrlochachse
SpanwinkeL
erfolgen und wird mit einem Winkel geprüft. Die
Spanungsbewegung setzt sich aus der Hauptbewe-
gung (Drehung des Gewindebohrers) und der Vor- Spa
nut n-~
.......,..___
·y
für Stahl
schubbewegung (Axialbewegung) zusammen. Zum y = 10' ... 15' --0'
Drehen der Gewindebohrer benutzt man Windeisen.
für Aluminium
Der Gewindebohrer soll während des Schneidens y = 20' ... 25' b) a = 0'
möglichst nicht zurückgedreht werden, da häufiges
Abscheren der Späne und Neuanschneiden zu vor- Bild 5: Winkel am Gewindebohrer
7 Fertigungstechnil< 131

Zum Schneiden von Innengewinden müssen die Druckschraube ist eine Veränderung des Gewin-
Kernlöcher maßhaltig gebohrt werden . Für metrische dedurchmessers innerhalb enger Taleranzen
ISO-Gewinde (Regel- und Feingewinde)