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Gott - christlich, islamisch, jüdisch


- 01.10.2010 -

„Meinen" Juden, Christen und Muslime „denselben Gott"? Oder wird, weil dasselbe Wort „Gott" gebraucht wird, gerade dadurch auch das Unterscheidende verdeckt?

Von Bernhard Uhde

Im Konradsblatt Nr. 24/2010 hat Ernst-Wolfgang Böckenförde den „bemerkenswerten Vorgang", dass Frau Aygül Özkan, „gläubige Muslima türkischer Herkunft und CDU-Mitglied 3 als sie zur Sozialministerin des Landes Niedersachsen ernannt wurde, ihren Amtseid ausdrücklich mit der religiösen Beteuerung ‚So wahr mir
Gott helfe' geleistet" hat, trefflich kommentiert. Und doch können sich Zweifel einstellen, ob sein Satz „Und sie macht damit bewusst, dass bei allen Unterschieden der Gottesvorstellung, der Entfaltung des Gottesbegriffs und der dogmatischen Lehren die drei monotheistischen Religionen nicht verschiedene Götter oder
Gottheiten, sondern ein- und denselben Gott meinen" einer religionswissenschaftlichen, gar einer theologischen Prüfung standhält. Zumal wenig später für Muslime über die bei Eidesleistungen ermöglichte Anrufung Gottes gesagt wird, dass „sie dabei – natürlich – Allah meinen". Nun aber ist „Allah" nichts weiter als das
arabische Wort für „Gott", das auch Juden und Christen arabischer Zunge verwenden, so dass durch diesen Hinweis nichts gewonnen und nichts verloren ist.
Foto: Pa Gott wendet sich überall den Menschen mit Liebe zu

Wie nun aber? „Meinen" Juden, Christen und Muslime „denselben Gott"? Oder wird, weil dasselbe Wort „Gott" gebraucht wird, gerade dadurch auch das Unterscheidende verdeckt? Wohl ist die Hinwendung der Glaubenden aller drei Religionen zu „Gott" sehr verwandt: Gebet, Ritualien, Gottvertrauen und Gottesfurcht, Einhalten der gottgegebenen
Gebote und Verbote, Gottesliebe und Nächstenliebe (Nächstenliebe gilt sehr wohl auch für den Islam!), aber ist deshalb die Vorstellung von „Gott", oder nach dem Selbstverständnis der Religionen, die Selbstvorstellung Gottes dieselbe?

Dies doch nicht. Wohl ist „Gott" in allen diesen Religionen der Eine, der Schöpfer von Himmel und Erde, der sich den Menschen in Liebe zuwendet: aber die Art Seiner Zuwendung muss nach dem Selbstverständnis der drei Religionen unterschiedlich und unterscheidend verstanden werden, so unterscheidend, dass dieser Unterschied gemäß dieser
Religionen als Unterschied im Wesen Gottes selbst begriffen werden muss. Damit wird die Rede von „demselben Gott" einseitig und mithin missverständlich.

Das Judentum gründet in der Vergegenwärtigung der „Imitatio Dei", der „Nachahmung Gottes": „Seid heilig, denn ich bin heilig" (Lev 11, 44). Ein „heiliges Volk" (vergleiche Dtn 7, 6 und andere) soll das Judentum sein, und diese Nachahmung Gottes führt in ihrer Vollendung zum Königreich Gottes, dessen Verwirklichung das Antlitz der Erde auf ewig
verwandelt. Bis dahin aber bleibt der Ewige selbst verborgen (Psalm 18, 11), offenkundig nur seine unvergleichlichen Werke (Psalm 86, 8), denn noch gilt „kein Mensch wird leben, der mich sieht" (Ex 33, 20).

Unterschiedliche Auffassung vom Wesen Gottes

Das Christentum gründet in der Vergegenwärtigung der „Imitatio Christi", der „Nachahmung Christi", weshalb Paulus sagen kann: „Seid meine Nachahmer, gleichwie ich Christi!" (1 Kor

11, 1). Denn Christus ist für das Christentum Gott und Mensch und Vorbild (Phil 2, 6 f.), und er ist erschienen unter den Menschen: „Wer mich sieht, der sieht den Vater!" (Joh 14, 9), denn „Ich und der Vater sind eins" (Joh 10, 30). Unmöglich für Christen, Gott als den Einen, nicht aber als Trinität Vater – Sohn – Geist, als den Dreifaltigen zu glauben
und zu denken, unmöglich, Christus nicht als erschienenes Antlitz Gottes selbst vorzustellen. So unterscheidet die personale Selbstvorstellung Gottes durch Christus und die Sendung des Heiligen Geistes, also die Christologie und die Trinitätslehre, das christliche Gottesbild von Judentum und Islam.

Der Islam gründet in der Vergegenwärtigung der Rede Gottes, wie sie durch die Propheten bis abschließend hin zu Muhammad ergangen ist, und fordert die „Imitatio Prophetarum", die „Nachahmung der Propheten" („Taqlid"), in Sonderheit des Abraham (Koran 60, 4) und vor allem des Muhammad: „Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Gottes ein
Vorbild, ein schönes 3" (Koran 33, 21). Das vorzüglich Nachzuahmende ist, dass sie wie Ismael, Isaak, Jakob, Mose und Jesus und Andere „Gottergebene", also „Muslime" sind (Koran 2, 136), sich also vollkommen dem Willen Gottes ergeben. Gott selbst ist unendlich erhaben über eine „Nachahmung": „Nicht ist Ihm gleich" (Koran 42, 11; vergleiche
112, 4 und andere). Er ist der Nahe, „näher als die Halsschlagader" (Koran 50, 16), und höchster Herr (Koran 59, 21 f.). Es gibt keine Gleichheit zwischen Schöpfer und Geschöpf, denn Er ist der Eine und einzig Eine, der sich nicht zeigt, aber den Menschen zuspricht.

So also lädt im Judentum Gott zur Nachahmung Seiner ein, im Christentum Gott durch Christus zur Nachahmung Christi, der Gott und Mensch ist, und im Islam zur Nachahmung seiner auserwählten Diener, der Propheten. Diese Unterschiedlichkeit unterscheidet aber auch die Auffassungen der drei Religionen vom Wesen Gottes und mithin die
Religionen selbst.

Bernhard Uhde ist Professor an der Arbeitsstelle für Religionswissenschaft und Religionstheologie im Arbeitsbereich Fundamentaltheologie an der Uni Freiburg

Foto: Thomas Arzner


"Meinen" Juden, Christen
und Muslime "denselben"
Gott? Professor Bernhard
Uhde.

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Kommentar 1

2010.10.20 17:56 - Frohmüller Konrad

Hilfreich
Ihre kurze Gegenüberstellung finde ich hilfreich für Gespräche und Diskussionen. Notwendig außerdem bei der oft verwirrenden Vielfalt an Meinungen und Vortellungen. Eine hilfreiche Stütze für Gesprächsrunden. Danke!

Kommentar 2

2010.10.28 15:13 - Hubertus Wrobel

Imitatio Prophetarum
Die Idee der Art der Nachahmung muss meiner Meinung nach in Bezug auf den Islam hinterfragt werde, denn sie fällt gegenüber den beiden anderen Arten zurück. "Imitatio Dei" und "Imitatio Christi" können als gleichwertig angesehen werden. Nun hebt sich der Koran ganz deutlich von den Schriften der Juden und Christen ab. Er ist als
"Litteralinspiration des unmittelbaren Gotteswortes" (nach "Der Grosse Herder") zu verstehen und zu glauben. "Der Koran ist nicht die Rede Gottes, er ist Gott" (Reza Aslan: "Kein Gott außer Gott"). Ich meine deshalb, dass der Koran die Richtschnur des muslimischen Glaubens darstellt. Dies würde auch "taqlid" verständlicher machen. Denn es
bedeutet "blindes Nachahmen, ohne die juristische Argumentation in Frage zu stellen" (Reza Aslan). Auch in Wikipedia wird "taqlid" als "blinde Nachfolge" verstanden. Zitat: "In der islamischen Terminologie meint Taqlid das Akzeptieren der Worte einer Person ohne jede Prüfung oder Evidenz." Im Gegensatz dazu wird die Nachfolge Christi durch das
Gewissen jedes Einzelnen geleitet. Für den Katholiken "dient das kirchliche Lehramt dem Gewissen des Einzelnen." (Katholischer Erwachsenenkatechismus - Zweiter Band). Der Koran hebt sich noch in anderer Hinsicht von den Schriften der Juden und Christen ab, indem er diese als "bewusst verfälscht" bezeichnet. (siehe die Suren 2:75; 3:78; 7:162
und andere). Ich führe deshalb all die Schwierigkeiten und Unterschiede auf Fälschungen zurück, die der Koran ja selbst erwähnt. Beweispflichtig ist allerdings derjenige, der diese Behauptungen aufstellt.

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