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WIRTSCHAFT FRÜHJAHRSGUTACHTEN

„Corona-Pandemie löst schwerwiegende Rezession in Deutschland aus“


Stand: 12:17 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten

Auch wenn Deutschland gute Voraussetzungen mitbringt, den wirtschaftlichen Einbruch zu


verkraften, erwarten Ökonomen eine dramatische Talfahrt mit einem historischen Tief im
aktuellen Quartal. 2020 werde das Bruttoinlandsprodukt um 4,2 Prozent schrumpfen.

D ie deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute wegen der
Viruskrise vor einer dramatischen Talfahrt. „Die Corona-Pandemie löst eine schwerwiegende
Rezession in Deutschland aus“, teilten die Ökonomen am Mittwoch in ihrem Frühjahrsgutachten für
die Bundesregierung mit und bestätigten damit einen Reuters-Bericht vom Dienstag.

2020 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,2 Prozent schrumpfen und im nächsten Jahr
voraussichtlich um 5,8 Prozent steigen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass es noch schlimmer kommen
könnte.

„So könnte sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen als angenommen, und auch das
Wiederhochfahren der wirtschaftlichen Aktivität könnte schlechter gelingen und eine erneute
Ansteckungswelle auslösen.“

Gutachten: „Wirtschaft unter Schock – Finanzpolitik hält dagegen“

Zudem könnten weitere Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung in Kraft treten, die die Produktion
länger oder in größerem Umfang stilllegen könnten, warnten die Experten. „Verwerfungen im
Finanzsystem als Folge zunehmender Unternehmensinsolvenzen würden wahrscheinlicher, die durch
staatliche Schutzschilde nicht verhindert werden könnten“, heißt es im Gutachten mit dem Titel
„Wirtschaft unter Schock – Finanzpolitik hält dagegen“.

Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das BIP um 1,9 Prozent geschrumpft sein, erklärten die Forscher.
„Im zweiten Quartal bricht es dann als Folge des Shutdowns um 9,8 Prozent ein.“ Dies sei der stärkste
je seit Beginn der Vierteljahresrechnung 1970 gemessene Rückgang und mehr als doppelt so groß wie
jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009. „Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren
auf dem Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
„In der Spitze wird die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter
auf 2,4 Millionen hochschnellen.“ Im Durchschnitt stiegen die Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr um
knapp eine Viertelmillion auf 2,5 Millionen.

„Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und
mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte“,
sagte Wollmershäuser. Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur
Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen.

Diese führten 2020 zu einem Rekorddefizit beim Gesamtstaat (Bund, Länder, Gemeinden,
Sozialversicherung) von 159 Milliarden Euro. Der Bruttoschuldenstand des Staates werde auf 70
Prozent in Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt steigen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die
wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erarbeitet wird das Gutachten vom DIW in
Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom Kieler IfW, vom IWH in Halle und vom RWI in Essen.

Sondergutachten der Wirtschaftsweisen

Vergangene Woche hatten bereits die sogenannten Wirtschaftsweisen ein Sondergutachten zu den
Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie vorgelegt. Je nach Dauer und Ausmaß der Einschränkungen
wegen der Pandemie rechnet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung mit einem Einbruch von 2,8 Prozent bis 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (/wirtschaft/article206981045/Coronavirus-Folgen-

Altmaier-rechnet-mit-drastischem-Wirtschaftseinbruch.html) (CDU) warnte bereits, das BIP könne in

einzelnen Monaten im ersten Halbjahr um mehr als acht Prozent schrumpfen. Er erwartet den
Höhepunkt der negativen Entwicklung im Mai.

AFP/Reuters/jm

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