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Elastizität
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Thomas Hochrainer, Institut für Festigkeitslehre
25.03.2020

u www.tugraz.at
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Elastizitätstensor
Jeder Festkörper setzt einer Deformation eine Kraft
entgegen und verformt sich unter Krafteinwirkung.
Im Körperinneren bedeutet das, dass der Verschiebungs-
gradient innere Kräfte, also Spannungen zur Folge hat.
Im einfachsten Fall gibt es eine lineare Beziehung
zwischen Distorsionen und Spannungen (Hookesches
Gesetz). Dem Distorsionstensor muss also in linearer
Weise ein Spannungstensor zugeordnet werden.
Dies geschieht durch einen Tensor vierter Stufe, den
Elastizitätstensor :
 ij  Cijkl uk ,l σ  C : u
Es geht auch wenn man schreibt u_l,k
Nicht weil u Institut
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für Festigkeitslehre
25.03.2020 weil C in k und l symmetrisch ist
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Symmetrien des Elastizitätstensor

Als Tensor vierter Stufe könnte theoretisch


unabhängige Einträge haben.
Jedoch besitzt drei Symmetrieeigenschaften, welche die
Anzahl unabhängiger Einträge letztlich auf 21 begrenzen.
1. Symmetrie Die erste Symmetrie folgt daraus, dass nur die
Formänderung Spannungen hervorrufen kann. Die Drehung
bewirkt hingegen keine Spannungen. Es gilt also
σ  C : u  C :  ε  ω   C : ε.
Daher ist der Elastizitätstensor in den letzten beiden Indizes
symmetrisch, wie auf der folgenden Folie gezeigt wird.

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Symmetrien des Elastizitätstensor

Wenn Drehungen keine Spannungen hervorrufen muss für


alle schiefsymmetrischen Tensoren mit gelten
0  Cijklkl

Es gilt also

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Symmetrien des Elastizitätstensor

2. Symmetrie Da außerdem der Spannungstensor symmetrisch ist


(Momentengleichgewicht), ist auch in den ersten beiden
Indizes symmetrisch
 ij   ji (Drehimpulserhaltung)

Cijkl uk ,l  C jikl uk ,l  Cijkl  C jikl

Der Elastizitätstensor bildet also symmetrische Tensoren auf


symmetrische Tensoren ab
Symmetrische Tensoren haben 6 unabhängige Einträge.
Deshalb hat durch diese Symmetrien maximal
unabhängige Komponenten.

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Symmetrien des Elastizitätstensor

3. Symmetrie Die Anzahl der Unabhängigen wird jedoch weiter reduziert,


p.75 weiter
(die Herleitung
da der Elastizitätstensor von einem elastischen Potential
ist für eine ableitbar ist.
andere Frage)
Materialsymmetrien führen dazu, dass meist noch deutlich
weniger unabhängige Komponenten berücksichtigt werden
müssen.

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Gespeicherte Energie
bis Folie 75

In einem elastischen Material bleibt die gesamte geleisteten


Verformungsarbeit an jedem Punkt als Energiedichte
[J m-3 = N m-2] gespeichert.
Daraus folgt, dass die gespeicherte Energiedichte nur vom
aktuellen Verzerrungszustand abhängt:
Denn wäre die Energiedichte vom Verformungspfad abhängig,
so könnte ein geschlossener Verformungspfad konstruiert
werden, entlang dem die geleistete Arbeit nicht verschwindet.
 II
EII  EI  W2 EII  EI  W1
"2"
 W1  W2  EII  EII   II 
EI "1"
I
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Gespeicherte Energie
Die Energiedichte am Punkt p ist also durch eine Funktion des
Verzerrungstensors, das sogenannte elastische Potential,
berechenbar.
E  p   E  p, ε  p  
Energiedichte Elastisches Potential

Wir machen in der Regel keinen Unterschied in der Notation


zwischen der Energiedichte und dem Potential.

Materialien in denen ein elastisches Potential existiert, nennt


man hyperelastisch.

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Spannungen und Energiedichte

Wir betrachten zunächst die Ableitung des elastischen


Potentials nach den Komponenten des E .
Verzerrungstensors  ij
Wir stellen fest, dass diese Ableitungen bei Basiswechsel
wie ein Tensor transformieren.
E E  kl E 
   Amk Anl mn 
ij  kl ij  kl ij
E E
 Amk Anl  im jn  Aik Ajl
 kl  kl
Dieser Tensor ist offenbar symmetrisch und hat die
Dimension einer Spannung, N m-2. Tatsächlich ist dies die
allgemeine Definition des Spannungstensors für E
 ij : .
hyperelastische Materialien  ij
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Symmetrie des Elastizitätstensors
Im Fall der linearen Elastizität gilt offenbar
 ij 

 kl  kl
 
Cijmn mn  Cijmn km ln  Cijkl
Dies überträgt sich als Definition für die elastischen Konstanten im
hyperelastischen Fall
 ij 2 E
Cijkl : 
 kl  kl  ij
Wegen der Vertauschbarkeit der Ableitungsreihenfolge ergibt sich, dass
auch im folgenden Sinne symmetrisch ist (große Symmetrie)
Cijkl  Cklij
Damit kann maximal so viele unabhängige Einträge haben, wie eine
symmetrische 6x6 Matrix, also 21.

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Linear elastische Energiedichte

Im linear elastischen Material hat die Energiedichte die Form


1
E  ε    ij Cijkl  kl
2
Damit folgt das verallgemeinerte Hooksche Gesetz,
E 1 1
 ij    Cijkl  kl  Cklij  kl    2Cijkl  kl   Cijkl  kl .
 ij 2 2

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Isotrope Elastizität

Materialsymmetrien führen dazu, dass oft nur ein Bruchteil


der 21 möglichen elastischen Konstanten voneinander
unabhängig sind. Metall ist isotrop, aber Holz nicht (in Faserrichtung verhält es sich anders als quer zur Faserrichtung
Die höchstmögliche Symmetrie ist die Isotropie, bei der sich
das Material in jeder Ausrichtung gleichartig verhält.
Bei isotropen Materialien gibt es nur zwei unabhängige
elastische Konstanten. Also wir sind von 21 zu nur 2 gekommen!
Aus der Einführungsvorlesung sind der Elastizitätsmodul
und die Querkontraktionszahl , sowie der Schubmodul
E
G
2 1  
bekannt.
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Isotroper Elastizitätstensor

Der isotrope Elastizitätstensor kann kompakt mit den


Laméschen Konstanten dargestellt werden:
E E
 ;  G
v spricht man
"nu" aus
1  1  2  2 1  

Damit hat der Elastizitätstensor die Form Letztere Form gilt nur,
sym wenn auf symmetrische
Allgemeine Form Cijkl   ij kl    ik  jl   il  jk    ij kl  2  ik  jl Tensoren angewandt!
2
Alternativ werden der Kompressionsmodul K    
3
und der Schubmodul verwendet:
 2 
Cijkl  K  ij kl  G   ik  jl   il jk   ij kl 
 3  In der VO wird machnmal die unteren
Formeln verwenden (mit K und G),
sym
 1  aber üblicher ist die Darstellung mit
 K  ij kl  2G   ik  jl   ij kl  symmetrische Argumente! den Laméschen Konstanten
 3 
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Elastizitätstensor in Matrixschreibweise
nach Voigt Diese Darstellung ist verbreitet, weil es günstig ist damit zu arbeiten, aber es ist kein physikalisches
Gleichungssystem, da C ein Tensor 4er Stufe ist und keine Matrix. Also Koordinaten-
Transformationen können hier nicht angewendet werden, da die Matrix keine echte Matrix ist.
Das Elastizitätsgesetz lässt sich in Matrixform schreiben als
Den   11   C1111 C1122 C1133 C1123 C1131 C1112   11 
Spannungstensor       Dehnungen
schreibt man in 
 22   2211 C C 2222 C 2233 C 2223 C 2231 C 
2212   22 
einem Vektor
  33   C3311 C3322 C3333 C3323 C3331 C3312    33 
   
Die Reihenfolge kann   23   C2311 C2322 C2333 C2323 C2331 C2312   2 23 
in der Literatur
abweichen
  31   C3111 C3122 C3133 C3123 C3131 C3112   2 31  Scherungen

    
 

  12   C1211 C1222 C1233 C1223 C1231 C1212   212 
Beachte:
Die Reihenfolge der Nichtdiagonalelemente ist Konventionssache!
Dies ist nur eine praktische Schreibweise. An der tensoriellen
Natur der Objekte ändert sich nichts. -Die ersten zwei Indizes von C entsprechen
den Indizes der linken Seite zeilenmäßig.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Thomas Hochrainer, Institut für Festigkeitslehre -Die letzten zwei Indizes von C entsprechen
25.03.2020 den Indizes der Elementen der rechten
Seite, mit denen man multiplizieren muss.
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Elastizitätstensor isotrop
Trick: Koeffizienten von Folie 78
* steht für Symmetrie
Das isotrope Elastizitätsgesetz in Matrixform
  11     2   0 0 0   11 
     

 22   *   2  0 0 0    22 
  33   * *   2 0 0 0    33 
    
  23   * * *  0 0   2 23 
  31   * * * *  0   2 31 
     
  12   * * * * *    212 
Mit Ciiii    2 
Es gibt 3 C, aber nur 2 davon sind unabhängig
Cijkl   ij kl  2  ik  jl Ciijj   voneinander. Die 3. ist dann aus den zwei
ersten berechnbar.
Cijij  

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Elastizitätstensor isotrop
Für Kristallen. Es spielt eine Rolle in Metallplastizität oder Metallelastizität

Häufig findet man das Elastizitätsgesetz in folgender Form

 C1111 C1122 C1122 0 0 0 


 
 11   *
 C1111 C1122 0 0 0   11 
   * * C1111 0 0 0   
   
22
  22 
  33   * 1    33 
  * *  C1111  C1122  0 0
   2 
2
  23     23 
  31   * 1
* * *  C1111  C1122  0   2 31 
   2   
  12   1
2
  12 
 * * * * *  C1111  C1122  
 2 

C1111    2  C1122   C1212  

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Elastizitätstensor (kubisch) Es spielt eine Rolle bei kubischen Kristallen

Materialien mit kubischer Symmetrie (inbes. kubische


Kristalle) habe drei elastische Konstanten
  11   C1111 C1122 C1122 0 0 0   11 
     
  22   * C1111 C1122 0 0 0    22 
  33   * * C1111 0 0 0    33 
 
   

 23   * * * C2323 0 0   2 23 
  31   * * * * C2323 0   2 31  Hier sind diese aus den zwei
      ersten nicht berechenbar. Also G

 12   * * * * * C2323   212  ist eine neue unabhängige größe

E
 C1111  C1122  C1111  2C1122 
Schubmodul G  C2323
E-Modul
C1111  C1122
C1122
Querkontraktionszahl  
C1111  C1122
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Die Matrizes weisen
Symetrie auf

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J.J. Skrzypek, A. W. Ganczarski: Mechanics of


Anisotropic Materials, Springer, 2015
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Nyes1 Notation für Elastizitätsmatrix

unahängiges Element

abhängiges Element (kann aus anderen berechnet werden)

gleiche Elemente sind durch Strich verbunden

Achtung: Außer für den isotropen Fall ist die Form der
Elastizitätstensoren in obiger Tabelle an ein mit den
Symmetrien gekoppeltes Koordinatensystem gebunden!
1John F. Nye, *1923, britischer Physiker

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Nachgiebigkeitstensor

Der Elastizitätstensor ist als Abbildung symmetrischer Tensoren


invertierbar. Seine Inverse heißt der Nachgiebigkeitstensor . Er hat
dieselben Symmetrien wie . Für ihn gilt Wie bei Mel

 ij  Dijkl kl
Dijmn Cmnkl   ik  jl D ist die Inverse von E, wenn wir es wie unten in Matrixform schreiben

In Matrixform
 11   D1111 D1122 D1133 D1123 D1131 D1112    11 
     

 22   D2211 D2222 D2233 D2223 D2231 D2212    22 
  33   D3311 D3322 D3333 D3323 D3331 D3312    33 
   
 2 23   D2311 D2322 D2333 D2323 D2331 D2312    23 
 2 31   D3111 D3122 D3133 D3123 D3131 D3112    31 
    
 

 212   D1211 D1222 D1233 D1223 D1231 D1212    12 
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Isotroper Nachgiebigkeitstensor
Ich muss es
noch herleiten
    
 3  2  2 0 0 0
6  4  2 6  4  2
 
   
 * 0 0 0

 11  3  2 2 6  4  2   11 
     
  22   * *

0 0

0 
 22 
  33   3  2 2   33 
   
 2 23   * * *
1
0 0
   23 
 2 31     
      31 
 212   1    12 
 * * * * 0

 
 1
 * * * * *
  
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Zusammenfassung

Kräftegleichgewicht
 
 ji , j  f i  ai   σ  f  a
Momentengleichgewicht
ij   ji σ  σT Material-
unabhängig
Kinematik (kleine Deformationen)

 ij 
1
2
 ui , j  u j ,i  ε
1
2

u   u 
T

Materialgesetz
Mit Symmetrien

Es geht auch wenn man schreibt u_l,k


Nicht weil u symmetrsich ist, sondern  ij  Cijkl  kl  Cijkl  k ul σ  C : ε  C : u,
weil C in k und l symmetrisch ist

C_ijkl epsilon_klUniv.-Prof.
= C_ijkl 0.5 * (u_k,l
Dr.-Ing. + u_l,k)
Thomas = 0.5*C_ijkl*u_k,l
Hochrainer, + 0.5*C_ijkl*u_l,k = 0.5*C_ijkl*u_k,l + 0.5*C_ijkl*u_k,l = C_ijkl u_k,l
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