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Thomas v.

Aquin hat die an sich auch von ihm anerkannte entscheidende


Bedeutung der intentio weiter eingeschränkt

Für die sittliche Beurteilung einer Handlung komm es nicht auf die Beschaffenheit ihres
Zieles, wie dieses an sich ist, an, sondern darauf, wie es sich dem Handelnden darstellt.
Anders gesagt, es kommt auf die Absicht an.

Ein Richter, der einen Unschuldigen zum Tod verurteilt, ist gerechtfertigt, wenn er ihn (nach
sorgfältiger Prüfung) für schuldig hält, nicht aber, wenn er weiß, dass er unschuldig ist,
jedoch glaubt, dass man unter bestimmten Umständen (etwa aus Gründen der Staatsräson)
auch Unschuldige töten lassen dürfe. Ein Dieb ist gerechtfertigt (und daher eben kein Dieb
im eigentlichen Sinne), wenn er die fremde Geldbörse, die er an sich nimmt, für seine eigene
hält. Er ist aber ohne Einschränkung schuldig, wenn er allen Ernstes der Meinung ist, man
dürfe nehmen, was anderen gehört, sofern man es gerade braucht. Freilich würden sich
solche – ihres Unrechts nicht bewusste – Ehebrecher, Richter und Diebe nach Thomas auch
dann (vor Gott) schuldig machen, wenn sie, aus was für Gründen auch immer, gegen ihre
falsche Überzeugung handelten, weil sie dann zwar das Gute täten, aber im Glauben, es sei
etwas Schlechtes.

Denn „dass ein Wille gut ist, erfordert, dass er sich unter dem Aspekt des Guten (sub
ratione boni) auf das Gute richtet, das heißt, dass er das Gute will, weil es gut ist“ (S. th. I-II
19, 7, ad 3).

Da aber auch ein Mittel gewollt ist, kann für Thomas keine Handlung sittlich gut sein, in der
um eines sittlich guten Ziels Willen ein sittlich schlechtes Mittel gewählt wird.

Die Kriterien von Güterabwägung und Folgenabschätzung, so ist ferner festzuhalten,


ergeben sich nach dem Grundsatz, dass die sittliche Qualität einer Handlung aus der
Gesamtheit der Bestimmungsgründe (ex integra causa) erwächst, d. h. aus: Handlungsziel,
Handlungsabsicht, Handlungsumstände, Vernunftprinzip, naturale Grundstrebungen, Ethos
und Lebensplan.

Für den sittlichen Akt selbst gilt im höchsten Maß, dass die Person als ganze in ihm präsent
ist. Und ebenso, wie jeder Satz falsch wird, wenn ein falscher Satz als Teilsatz in ihn eingeht,
so wird jede Handlung schlecht, wenn eines ihrer konstitutiven Momente nicht gut ist: der
falsche Ort, die falsche Zeit, mangelnde Berücksichtigung der Umstände, ein unsittliches
Motiv, oder aber, ein Handlungstypus ist schon als solcher schlecht, so dass kein Kontext die
Handlung zu einer guten machen kann. „Bonum ex integra, malum quocomque defectu“:
dieser von Thomas von Aquin mehr als fünfzigmal zitierte Satz des Boethius fasst diesen
Sachverhalt präzise zusammen.

e) Das Verhältnis von intentio und electio bei Thomas

Es könnte verwundern, dass bisher wohl von freien Akten, auch von einem Mittel-Zweck-
Gefüge, aber nicht von der „Wahl“ die Rede war. Ist Freiheit nicht immer Wahlfreiheit? Nach
vielen, ja den meisten, auch scholastischen Autoren müsste man das annehmen. Und doch
ist bei Thomas klar unterschieden zwischen zwei Dimensionen der Freiheit: dem Eintreten in
ein Mittel-Zweck-Gefüge und der Wahl zwischen verschiedenen Mitteln innerhalb dieses
schon bestehenden Intentionsgefüges: Es ist der bedeutsame Unterschied, der im
Deutschen in der Unterscheidung von „Entscheidung“ und „Wahl“ bei manchen Autoren
zum Ausdruck kommt, etwa bei H.-E. HENGSTENBERG, der streng zwischen Zielentscheidung
und Mittelwahl unterscheidet.1) Bei Thomas findet er sich besonders unter der
Fragestellung behandelt: Utrum electio sit actus voluntatis, die sich in De Veritate wie der
Summa theol. unmittelbar an dieselbe Frage betreffs der intentio anschließt.  „Ich
antworte, daß die Absicht manchmal dem Willensakte vorhergeht und manchmal demselben
folgt. Die Absicht geht dem Willensakte als dessen Grund vorher, wenn wir etwas auf
Grund der Absicht, einen bestimmten Zweck zu erreichen, wollen. In diesem Falle ist die
Beziehung zum Zwecke als eine gewisse Richtschnur zu betrachten für die Bemessung des
Guten, was sich im Gewollten findet; wenn z. B. jemand fasten will wegen Gott. Denn dann
ist in selbem Maße das Fasten gut; und es ist deshalb gut, weil es wegen Gott geschieht. Da
also die Güte des Willens abhängt von dem Guten, was im gewollten Gegenstande sich
findet, so hängt da die Güte des Willens von der Absicht ab, die auf den Zweck geht.

Das Mitte ist gewollt.

Wenn ein solcher Akt um eines Zieles willen erwählt wird, ist zwar
das Ziel das hauptsächl. Gewollte, aber das Mittel wird mitgewollt

Zu beachten ist, daß der gute Gehalt eines Objekts sich nur dann
für das Wollen bestimmend auswirken kann, wenn er erfaßt und
gewollt wird, nicht aber, wenn einzig das Ziel gewollt wird

(Wer Almosen gibt, wird dadurch in seinem Wollen nur in dem Fall
gut geformt, wenn ihm am guten Gehalt dieses Tuns etwas liegt,
nicht aber, wenn er nur die Belästigung durch den Bittenden
loswerden will.) Der erkannte schlechte Gehalt eines Objekts
dagegen wird selbst dann wirksam, wenn dem Willen an ihm
nichts liegt, sondern allein am Ziel 

Die moralische Qualifikation eines menschlichen Aktes stammt zuerst vom Objekt, das der
Akt bewusst und frei intendiert. „Da
also die Güte des Willens abhängt von dem
Guten, was im gewollten Gegenstande sich findet“

Der gute Wille ist auf das Objekt als ein Gut angewiesen
Das Objekt als Hauptquelle der Moralität
Es ist der direkte Zweck der Handlung: was die Handlung erreichen bzw. hervorbringen soll.
Wegen der Reflexivität des Wollens kann zwar Objekt des Willensaktes auch ein bestimmter
Willensakt oder das Wollen überhaupt sein; aber damit ist die Notwendigkeit eines
Objektes, das selber kein Willensakt ist, sondern etwas dem Wollen Vorgegebenes, nur um
eine Stufe zurück verlegt.

Zutrefeend schreibt der Thomas: « der Wille ist nur dann gut, wenn er das Gute will und
zugleich wenn er es auf Grund des Guten will.». Man merke in dieser pràgnanten
Formulierung des mittelalterlichen Meisters die Umkehrung des Kantischen Prinzips.
Für Kant ist der gute Wille der Wille, der das Gesollte um des Sollens willen tut; für Thomas
ist der gute Wille der Wille, der das Gute um des Guten will tut.

Daß die Güte und Schlechtigkeit des Willens nach seinem Ziel zu beurteilen ist, lehrt
Thomas ausdrücklich.

Ein einziger und einzelhafter Mangel genügt, dass etwas schlecht sei.

Der Wille ist mehr als bloßes Gezogenwerden von Trieben. Er ist eine Fähigkeit reflektierter
Selbstbestimmung. Der Wille ergreift das Gute zugleich um des Guten willen:

Sowohl der Gegenstand (Materialobjekt) als auch der Beweggrund (Formalobjekt) des
Willens muss gut sein, damit der Willensakt gut werde.
Das Objekt einer Handlung (der Handlungsinhalt) ist entweder sittlich indifferent (Sth I-
II, 19,8) oder es hat sittliche Bedeutung

Since the will is capable of de8iring intensely any act, it can intend intensely also:  
der
innere oder der äußere Akt entspricht, soweit er einmal Bestand im Subjekte
hat, nicht immer dem Grade der Anspannung und des Eifers in der Absicht,
da letztere nicht gemäß ihrer ganzen Kraft thatsächlich einzufließen braucht
Thus intensity modifies intention as it does other will acts