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Kenneth Wapnick

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Kenneth Wapnick

Kenneth Wapnick (* 22. Februar 1942 in Brooklyn, New York; † 27. Dezember 2013 in Temecula,
Kalifornien)[1], war ein US-amerikanischer Psychologe, Psychotherapeut, Autor und Lehrer. Er war ein
weltweit anerkannter Kenner und Lehrer des spirituellen Lehrbuchs Ein Kurs in Wundern.[2] Seine
Bücher, Artikel und Seminare sind grundlegend für ein fundiertes Verständnis des Denksystems des
Kurses.

Wapnick war ein enger Freund Helen Schucmans und William Thetfords, die Ein Kurs in Wundern
aufzeichneten,[3] und maßgeblich an der Veröffentlichung des Kurses beteiligt.

Hauptwerke sind Die Botschaft von Ein Kurs in Wundern (1997), Helen Schucmans Biografie Jenseits der
Glückseligkeit (1991) sowie Love Does Not Condemn: the World, the Flesh, and the Devil According to
Platonism, Christianity, Gnosticism, and A Course in Miracles (1989).[4]

Gemeinsam mit seiner Frau Gloria leitete Wapnick die „Foundation for A Course in Miracles“ (Stiftung
für Ein Kurs in Wundern), eine Akademie und Tagungsstätte in Temecula, Kalifornien. Er war
Vorstandsmitglied der „Foundation for Inner Peace“, der Herausgeberin der amerikanischen
Originalausgabe A Course in Miracles.[5]

Inhaltsverzeichnis

1 Leben

2 Werk

2.1 Ein Kurs in Wundern und Christentum

2.2 Darstellung des Kurses und seines Beitrags

2.3 Biografie Helen Schucmans

2.4 Einordnung des Kurses

2.5 Zweite Auflage des Kurses und Konkordanz

3 Siehe auch
4 Werke in chronologischer Reihenfolge

5 Weitere Quellen

6 Weblinks

7 Einzelnachweise und Anmerkungen

Leben

Kenneth Wapnick besuchte eine jüdische Grundschule, obwohl seine Eltern nicht streng religiös waren,
und wechselte dann zur Highschool. Dort begann er, sich für Freud und für Musik, insbesondere
Beethoven und Mozart, zu interessieren. Nach dem Highschool-Abschluss studierte er klinische
Psychologie. Seinem Interesse an der spirituellen Dimension menschlicher Erfahrung folgend,
promovierte er über die spanische Mystikerin Teresa von Ávila unter dem Titel „The Psychology of the
Mystical Experience“ (Die Psychologie der mystischen Erfahrung) und erhielt 1968 das Doktorat.[6]

Wapnick war zunächst als Psychotherapeut, Schulpsychologe und Chefpsychologe einer Nervenklinik
tätig. 1970 trennte er sich von seiner ersten Frau. Nach einem Besuch des Trappistenklosters
Gethsemani in Kentucky ließ er sich 1972 katholisch taufen. Er gab seine Stelle auf und verbrachte einige
Monate in verschiedenen Klöstern in Israel.[7]

1972 begegnete Wapnick in New York den Psychologieprofessoren Helen Schucman und William
Thetford, die das spirituelle Lehrbuch Ein Kurs in Wundern nach der Durchgabe einer inneren Stimme an
Schucman aufgezeichnet hatten.[3] Schucman und Wapnick redigierten gemeinsam das Manuskript. Sie
entfernten persönlich gefärbte Passagen, unterteilten das Werk in Kapitel und Abschnitte, die sie mit
Überschriften versahen, und überarbeiteten Absatzgestaltung, Interpunktion und Großschreibung, ohne
jedoch den Inhalt zu verändern.[8] Ein Kurs in Wundern wurde von der Foundation for Inner Peace, der
Wapnick als Vorstandsmitglied angehörte, 1976 veröffentlicht.[9]

Zusammen mit seiner zweiten Frau Gloria, die er 1981 heiratete, gründete Wapnick 1982 die
„Foundation for A Course in Miracles“ (Stiftung für Ein Kurs in Wundern) in Ardsley, New York. Sie
erweiterten sie 1984 zu einem Schulungszentrum in Crompond, New York, und eröffneten 1988 in
Roscoe, New York, eine Akademie und Tagungsstätte, die 1995 ein staatlich anerkanntes Lehrinstitut
wurde. Seit 2001 hat die Foundation ihren Sitz in Temecula, Kalifornien. Kenneth und Gloria Wapnick
sehen das Vorbild ihrer Foundation in Platos Akademie. Ihr Ziel ist es, in ihren Vorträgen, Seminaren und
Publikationen das Verständnis von Ein Kurs in Wundern und seiner praktischen Anwendung im Alltag zu
fördern und zu vertiefen.[10] Darüber hinaus betreut Kenneth Wapnick die Übersetzungen von Ein Kurs
in Wundern in nichtenglische Sprachen.[11]

Werk
Kenneth Wapnicks Werk befasste sich mit der Erläuterung und Kommentierung des spirituellen
Lehrbuchs Ein Kurs in Wundern. Sein Anliegen war es, eine Grundlage für ein fundiertes Verständnis des
Denksystems und der Anwendung des Kurses zu schaffen.

Ein Kurs in Wundern und Christentum

In seinen ersten Büchern (insb. Die Vergebung und Jesus, 1983) schlägt Wapnick eine Brücke zwischen
dem Kurs und dem Christentum.[12] Er zeigt, wie der Kurs christliche Begriffe aufgreift, um sie neu zu
definieren und das traditionelle Denken aus seiner Sicht zu berichtigen. Er bezeichnet den Kurs häufig als
eine „Korrektur des Christentums“ und präsentiert Möglichkeiten zur Neubetrachtung von Aussagen aus
dem Neuen Testament im Lichte der Lehren des Kurses.

Nach seiner frühen Schaffensperiode stellt Wapnick den Kurs deutlicher als eigenständigen spirituellen
Weg dar.[13] In Ein Kurs in Wundern und das Christentum: ein Dialog weisen Wapnick und der Philosoph
und Jesuitenpater Norris Clarke gemeinsam nach, dass der Kurs und die Bibel einander ausschließende
Theologien sind, die sich nicht in ein System integrieren lassen.

Darstellung des Kurses und seines Beitrags

Mit Die Botschaft von Ein Kurs in Wundern (1997) liefert Wapnick eine umfassende systematische
Darstellung des Kurses und seiner Kernaussagen. Er legt dar, dass der Kurs sein nonduales Denksystem
auf zwei Ebenen präsentiert: Die erste, metaphysische Ebene unterscheidet die spirituelle Realität des
Himmels von der illusionären Welt der Wahrnehmung. Die zweite, praktische Ebene bleibt in der
wahrnehmbaren Welt und unterscheidet zwei Deutungsweisen dessen, was wahrgenommen wird: das
Urteil des Ego und die Vergebung des Heiligen Geistes.

Wapnick zeigt, dass der Kurs einen wesentlichen neuen Gedanken zur nondualen Metaphysik aus der
Tradition des Advaita Vedanta hinzufügt: eine Motivation für das scheinbare Entstehen des physischen
Universums und der wahrnehmbaren Welt – den Wunsch nach individueller Existenz ohne Übernahme
der Verantwortung dafür.

Nach Wapnick ruht die Psychologie des Kurses wesentlich auf dem früheren Werk Sigmund Freuds. Nach
Wapnick bietet der Kurs ergänzend einen Weg aus dem Ego-Denken hinaus. Ihm zufolge vervollständigt
der Kurs Freuds Porträt der menschlichen Psyche, indem er die menschliche Entscheidung betont, sich
mit dem Ego-Denksystem aus Schuld, Angst und Angriff zu identifizieren, als Abwehr gegen die Wahl des
Denksystems des Heiligen Geistes aus Vergebung, Heilung und Frieden. Mit seiner Vergebungslehre
liefert der Kurs nach Wapnick eine Methode, die das Ego-Denken durch urteilsloses Anschauen
bewusstmacht und ermöglicht, eine andere Entscheidung zu treffen, die über das Ego-Denken
hinausgeht.[14]
In Die Illusion der Zeit (1990) arbeitet Wapnick die holographische, nichtlineare Zeittheorie des Kurses
heraus. Die Buchreihe The Practice of A Course in Miracles widmet sich der praktischen Anwendung des
'Kurses’ im Alltag.

Biografie Helen Schucmans

Wapnick ist Autor einer Biografie Helen Schucmans (Jenseits der Glückseligkeit, 1991). Er beschreibt ihre
visionären Erlebnisse, ihre Beziehung zu William Thetford und die Geschichte der Niederschrift von Ein
Kurs in Wundern und zeichnet die ambivalente Beziehung nach, die Schucman zu Gott und Jesus hatte.

Einordnung des Kurses

Wapnicks Werk weist die ideengeschichtlichen Parallelen und die wesentlichen Unterschiede des Kurses
insbesondere zu Christentum, Plato, Neuplatonismus und philosophischem Idealismus, Gnostizismus,
Hinduismus, Buddhismus, Freuds psychoanalytischer Theorie und neueren Strömungen wie New Age
nach. Auf diese Weise ermöglicht Wapnick eine Einordnung des Kurses innerhalb der philosophischen
und spirituellen Denksysteme der Welt.

In Love Does Not Condemn: The World, the Flesh, and the Devil According to Platonism, Christianity,
Gnosticism, and A Course in Miracles (1989) zeigt Wapnick, wie Ein Kurs in Wundern das theologisch-
philosophische Problem der Theodizee löst: die Frage, wie eine unvollkommene materielle Welt, in der
offensichtlich das Böse und das Leiden omnipräsent sind, von einem vollkommenen immateriellen
allmächtig-allgütigen Gott stammen kann. Nach Wapnicks Argumentation muss eine Theologie oder
Philosophie, die mit der Prämisse beginnt, die sichtbare Welt sei in irgendeiner Weise die Manifestation
von Gottes Willen, unvermeidlich in die paradoxe Falle gehen, dass sie innerhalb des allmächtig-
allgütigen Gottes eine inhärente Schwachstelle ansiedelt, die eine Tendenz zum Bösen, zum Leiden und
zum Tod enthält, oder zumindest, nach der traditionellen christlich-theologischen Position, einen Willen,
der dies zulässt. Daher steht jede Denkrichtung, die diese Welt als ontologisch real betrachtet, vor
einem unlösbaren Dilemma. Einige gnostische Schulen des 2. Jahrhunderts, vor allem die valentinische,
hielten eine reale Welt des Elends für unvereinbar mit einem liebevollen Gott und betrachteten die
materielle Welt daher als Illusion, verliehen ihr jedoch psychologisch Realität, indem sie sie zum Hort der
Sünde erklärten. Ein Kurs in Wundern löst Wapnick zufolge das Paradoxon, indem er sein Denksystem
auf zwei Ebenen[15] präsentiert. Der Kurs betrachtet die physische Welt als Illusion, aber nicht als
inhärent negativ. Sie dient vielmehr, wenn wir ihr für uns diesen Zweck geben, als ein „Königsweg zum
Himmel“,[16] als wertvolle Schule, um mit Hilfe des Heiligen Geistes Vergebung zu lernen.[17]

Zweite Auflage des Kurses und Konkordanz


Neben eigenen Publikationen redigierte Wapnick die 2. Auflage von Ein Kurs in Wundern (1992), die
erstmals eine Satzzählung enthält. Er leitete die Erstellung der Konkordanz zu Ein Kurs in Wundern, die
sich am Modell der Konkordanzen zur Bibel und zu den Werken Shakespeares orientiert.

Insgesamt hat Wapnick mehr als 20 Bücher zu Ein Kurs in Wundern publiziert (Stand 2006).
Übersetzungen sind in acht Sprachen erschienen.