Sie sind auf Seite 1von 4

c 


 Y
Y
: Friedrich Hölderlin
© Y
: Weimarer Klassik

Epochenbeginn 1794
Epochenende 1805
01 Mit gelben Birnen hänget
02 Und voll mit wilden Rosen
03 Das Land in den See,
04 Ihr holden Schwäne,
Y
05 Und trunken von Küssen
06 Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
07
08 Weh mir, wo nehm¶ ich, wenn
09 Es Winter ist, die Blumen, und wo
10 Den Sonnenschein,
Y11 Und Schatten der Erde?
12 Die Mauern stehn
13 Sprachlos und kalt, im Winde
14 Klirren die Fahnen.

© Y
Die Weimarer Klassik ist größtenteils durch Goethe und Schiller geprägt, sodass die Weimarer
Klassik häufig auf die gemeinsame Schaffenszeit der beiden berühmten Dichter eingegrenzt
wird. Die Epoche endet dementsprechend 1805 mit dem Tod Schillers.
Neben Goethe und Schiller werden aber auch noch Wieland und Herder hinzugerechnet.

Zwischen diesen vier Dichtern, welche auch als Î   bezeichnet werden, gibt es auffällige
Ähnlichkeiten. Zwar gab es eine Dichterfreundschaft zwischen Goethe und Schiller, aber es gab
keine zeitgleichen besonderen Beziehungen zwischen allen vier Dichtern. Diese Ähnlichkeiten
grenzen sich von der sich überlagernden Frühromantik ab, weshalb man diese Dichter zu einer
eigenen Epoche zusammengefasst hat. Die Dichter selbst bezeichneten sich nicht als  
.
Da die vier Autoren sich in Weimar lebten, zentralisiert sich diese Epoche auch auf Weimar, was
natürlich namensgebend war.
Die Weimarer Klassik setzt sich mit den Folgen der Französischen Revolution und der
Aufklärung auseinander. Nach der Französischen Revolution wurde die Kultur durch die
Massenhinrichtungen durch den Revolutionsführer Robespierre erschüttert und es zeigte sich,
dass die Schreckensherrschaft von Robespierre nicht mit den Idealen der Revolution vereinbar
sind. Auf der anderen Seite widersetzte man sich einem allzu vernunftorientierten und
wissenschaftsgläubigen Lebensstil, wie er von der Aufklärung gefordert wurde.
Vernunftorientiertes Handeln kann die Probleme der Menschen nach Ansicht der Klassiker nicht
hinreichend beantworten (siehe "Die Leiden des jungen Werthers" von Goethe).

Die Klassiker lehnen sich an ein idealisiertes Bild von der Antike an. Begriffe wie
Vollkommenheit, Humanität, Harmonie von Form und Inhalt wurden zu erstrebenswerten
Werten hochgehalten.

Hölderlin hat erst im 20. Jahrhundert wirkliche Beachtung gefunden. Seine Gedichte gelten als
kurz und fragmentarisch, was von den Expressionisten Heym und Trakl übernommen wurde. Die
Werke sind von einem Idealismus geprägt worden, der dem Griechtentum und der antiken
Mythologie und Philosophie entlehnt wurde. In den Werken tauchen pantheistische und
christliche Elemente auf; Hölderlin versucht die Einheit von Mensch, Natur und Gott zu
vollziehen. Ein beträchtlicher Teil der Schriften ging verloren oder wurde erst wesentlich später
veröffentlicht. Hölderlin nimmt eine eigene Stellung zwischen Klassik und Romantik ein.

£ 


Y 
 Y  Y
£  
 YY
In dem Gedicht Hälfte des Lebens³ von Friedrich Hölderlin, das 1803 von ihm verfasst wurde,
nimmt beschreibt das lyrische Ich die Natur und nimmt Bezug auf das Thema der Überschrift,
indem die zwei Hälften des Lebens beschrieben werden.

Das Gedicht besteht aus zwei Strophen mit jeweils sieben Versen, wobei kein Reimschema
vorliegt. Dies deutet darauf hin, dass in der Tradition der Antike geschrieben wurde.
In der ersten Strophe wird eine Landschaft beschrieben, in der zweiten Strophe folgt eine Klage
des lyrischen Ichs, in der er seine Angst vor dem Eintreten des Winters konkretisiert.

Die erste Strophe beschreibt die erste Hälfte des Lebens, die dem Sommer zuzuordnen ist.
Im Gegensatz zur zweiten Strophe treten in der ersten vermehrt Adjektive auf. Das lässt darauf
schließen, dass in der ersten Strophe die erste Hälfte des Lebens eher schön und optimistisch
beschrieben wird. Folgende Adjektive sind zu finden: gelb (V. 1), wild (V. 2), hold (V. 4),
heilignüchtern (V. 7).
In dem Parallelismus von gelben Birnen³ und wilden Rosen³ werden die Sinne verstärkt
angesprochen, zum einen das Sehen, zum andere das Gefühl. Hold³ und heilignüchtern³
kommen aus dem Sakralen.

Da die Sprache in der ersten Strophe reich an Adjektiven ist, spricht dies für das volle
Ausschöpfen des Lebens und im speziellen für das wilde³ Leben von der Kindheit über Jugend
bis hin zum Erwachsenwerden. Lebensinhalte in der ersten Strophe sind zum Beispiel die
gefühlvolle Liebe, die durch wilden Rosen³ (V. 2) symbolisiert. Diese stehen auch für die
Natürlichkeit, die das lyrische Ich in dieser Situation empfindet.
In dem Gedicht wird ebenfalls die Reife durch die gelben Birnen erwähnt. Der nächste
Themenkomplex umfasst die Reinheit, die durch die Schwäne (V. 4) und durch das
heilignüchterne Wasser³ (V. 7) beschrieben wird. Dieser Gedanke wird durch die Farbe der
Schwäne hervorgerufen und durch die reinigende Wirkung des Wassers, was durch
heilignüchtern³ verstärkt wird.
In dem Wort heilignüchtern³ werden zwei antithetische Begriffe in einer Chiffre1 vereint.
Dadurch wird der Gegensatz von Vernunft (nüchtern) und Gefühl (heilig) zum Ausdruck
gebracht.

Der dynamische Zustand der Natur wir durch die Inversion2 in der Bedeutung höher gesetzt als
der statische Zustand der Natur. Die Dynamik wird ausgedrückt durch das Reifen und Blühen
der Früchte und Blumen wohingegen das Statische der Verbindung zwischen Land und See
durch die fehlende Beschreibung durch genauer definierende Adjektive verkörpert wird.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die erste Strophe vor allem durch die Lebendigkeit
geprägt ist.

Durch die Exclamatio weh mir³ (V. 8) wird die Klage des lyrischen Ichs zum Ausdruck
gebracht. Dies wird verstärkt durch die rhetorische Frage mit der Repetitio des Wortes wo³.
Auffallend ist in diesem Zusammenhang der Gleichklang am Wortanfang weh³, wo³, wenn³,
Winter³ (V. 8 ff.). Der zweite Lebensabschnitt wird charakterisiert durch das Fehlen von Leben,
Wärme, Farbe. Der Schatten der Erde (V. 11) ist in diesem Fall als etwas zu sehen, was das
lyrische Ich vermissen wird, da Schatten nur in Verbindung mit Bewegung und Lebendigkeit
auftritt und die Reflexion des Lichtes verkörpert, was auf das Fehlen der Gesellschaft hindeuten
könnte. Dem lyrischen Ich wird also der Sonnenschein fehlen und somit das Licht und die
Wärme, was für das Leben existenziell ist.
Die zweite Strophe scheint ein Ausblick auf die Zukunft zu sein, vor der das lyrische Ich Angst
hat. Momentan befindet es sich noch in der vollen Lebendigkeit, es sieht aber das
unausweichliche Eintreten der zweiten Lebenshälfte.
Außerdem werden zwei Sinne angesprochen: sehen (Naturbeschreibung) und fühlen (Kälte).
Die Personifikation3 in Vers 12, in der die Mauern sprachlos und kalt stehen drückt das
Gefangensein des lyrischen Ichs im lterwerden aus. Es ist, wie die Natur auch, den
physikalischen Gesetzen unterworfen, und kann diesen Prozess nicht aufhalten. Dies wird durch
die Adverbien sprachlos und kalt (V. 13) verstärkt. Sprachlos (V. 13) drückt aus, dass die Frage
nicht beantwortet werden kann. Kalt meint ebenfalls das Fehlen des Lichts und das Ende des
Lebens durch den Tod.
Der Optimismus der ersten Strophe wird also den traurigen Gedanken in der zweiten Strophe
gegenübergestellt. Im Gegensatz dazu tritt ein verbindendes Element auf, das Enjambement4 (V
2 / 3; 5 / 6; 6 / 7; 8 / 9; 9 / 10; 12 / 13; 13 / 14), durch das ein Sprachfluss im gesamten Gedicht
erreicht wird.

Das Gedicht beschreibt den Lauf des Lebens, wobei das lyrische Ich in der ersten Hälfte des
Lebens steht und mit der letzten Hälfte unzufrieden ist, was sich in seiner Klage ausdrückt. Dies
kann sich jedoch ändern, sobald das lyrische Ich sich in dem nächsten Lebensabschnitt befindet.
Beide Strophen drücken nicht nur den Gegensatz von Jugendlichkeit und Alter aus, sondern auch
von Wärme und Kälte, Helligkeit und Dunkelheit und von Tag und Nacht. Das Fehlen von Licht
in der zweiten Strophe bedingt diese Gegensätze.
Durch diese Gegensätze, die wir täglich erleben, wird jedes menschliche Leben geprägt.

  Y

 Verschlüsselung. Dechiffrieren bedeutet demnach Entschlüsseln.


Umstellung des Satzbaus.
Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier,
vermenschlicht³. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen

handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also
charakteristische menschliche Züge an.
Zeilensprünge. Ein Satz wird hier häufig gegen die Logik des Lesers mittendrin umgebrochen
und auf zwei Verse verteilt. Je nach Kontext und Art der Umbrechung kann der Satz damit

abgehackt (da man wegen der Unlogik zu Gedanken- und Sprechpausen gezwungen wird) oder
auch temporeich wirken.
Y