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Warum ist Kontext beim

Wortschatzlernen nötig?

Seminararbeit

Yusuke Yoshikawa

Matrikelnummer: 11110159
1. Einleitung
In dieser Arbeit schreibe ich über die Wichtigkeit des Kontextes beim
Wortschatzlernen. Zuerst erkläre ich, was ich mit Kontext beim
Wortschatzlernen meine.
Vokabeln mit einer Wörterliste zu lernen, bedeutet, dass man ohne
Kontext lernt. Was ist mit Kontext gemeint?
Ein Satz besteht aus mehreren Wörtern, die zusammen eine Bedeutung
ergeben. Das heisst, dass jedes einzelne Wort in den Kontext eines Satzes
eingebunden ist. Das gilt nicht nur für Geschriebenes, sondern auch für
Gespräche, für schriftliche und mündliche Kommunikation, aber auch für
Situationen. Ein Wort ist nicht ein Einzelnes, sondern es gehört zu einem
Netz von Wörtern.
Als ich ein Oberstufenschüler war, habe ich Englisch ohne Kontext
gelernt. Das heisst, dass ich mit Vokabelbüchern, aber ohne Beispielsätze
gelernt habe. Ich habe mir einfach zur englischen Vokabel das passende
japanische Wort gemerkt, doch ich vergass die Vokabeln sehr schnell
wieder. Deswegen musste ich viel wiederholen.
Aber seit ich in die Universität gehe, habe ich meine Lernmethode
geändert. Ich habe das Lernen mit Vokabelbüchern durch verschiedene
andere Lernmethoden ergänzt. Zum Beispiel lese ich viele Bücher und
sehe viele Filme auf Englisch. Dazu habe ich angefangen, mit
Muttersprachlern auf Englisch zu sprechen und zu schreiben.
Durch diese Lernmethoden konnte ich mir viele Vokabeln schnell merken,
und ich muss Wörter nicht mehr so oft wiederholen. Das heisst, ich kann
sie mir besser merken. Ausserdem kann ich jetzt viel besser auf Englisch
sprechen und schreiben. Beim Lesen musste ich nicht mehr über die
Grammatik von allen Sätzen nachdenken. Ich konnte jetzt schneller
lesen und die Texte schneller verstehen. Am Anfang der Uni hatte ich
beim TOEIC-Test nur 400 Punkte. Aber weil ich meine Lernmethoden
geändert habe, habe ich beim TOEIC-Test jetzt über 850 Punkte. Zu
dieser Zeit habe ich bemerkt, dass Kontext zum Wortschatzlernen sehr
wichtig ist.

In dieser Seminararbeit schreibe ich über den Unterschied zwischen


Wortschatzerwerb mit Kontext und ohne Kontext. Warum ist Lernen mit
Kontext eine gute Methode, um Wortschatz zu lernen? Und warum ist
Lernen ohne Kontext keine gute Methode, um Wortschatz zu lernen?

Diese Seminararbeit ist in folgende Themen unterteilt:


2. Warum ist Wortschatzlernen mit Kontext so effektiv?
3. Welche Methoden gibt es, Wortschatz im Kontext zu erlernen?
4. Schlussfolgerung

2. Warum ist Wortschatzlernen mit Kontext so effektiv?

2.1 Falschen Gebrauch von Vokabeln vermeiden


Wenn Wörter falsch gelernt werden, also zum Beispiel isoliert als Einzelwort,
werden sie vom Lerner oft falsch benutzt. (Bohn 1999: 84)
Jeder Fremdsprachenlerner hat einen anderen kulturellen und sprachlichen
Hintergrund. Deswegen haben Lerner schnell eine falsche Vorstellung von
einer Vokabel. In den folgenden Sätzen möchte ich das an zwei Beispielen
erklären.
Beispiel 1: In Französisch gibt es das Wort „visiter“. Viele Lerner sehen, dass
dieses Wort dem Englischen „visit“ ähnelt, und denken deswegen, dass es
„besuchen“ heisst. Das ist aber falsch. Die tatsächliche Bedeutung ist
„besichtigen“.
Beispiel 2: In Englisch gibt es das Wort „self-conscious“. Deutsche, oder
Lerner der Deutschen Sprache, übersetzen dieses Wort wahrscheinlich mit
„selbstbewusst“. Auch diese Übersetzung ist falsch. Die richtige Übersetzung
ist „gehemmt“.
Diese falschen Übersetzungen können schnell passieren, wenn man ohne
Kontext lernt. Wenn man die Vokabeln zum Beispiel in einem Beispielsatz
oder Beispieltext lernt, bemerkt man, dass die eigene Vorstellung von der
Vokabel keinen Sinn macht. Die richtige Bedeutung kann man sich dadurch
auch schneller und besser merken.

2.2 Neu gelernte Wörter mit Wortschatz verbinden


Wenn man nur mit einer Vokabelliste lernt, lernt man nur das einzelne Wort.
Wenn man aber zum Beispiel mit Beispielsätzen lernt, kann man schneller
eine Verbindung zwischen dem neu erlernten Wort und dem bereits
vorhandenen Wortschatz herstellen.
Wenn das Gehirn Informationen erhält, werden diese mit bereits
bestehendem Wissen verbunden. Dadurch entstehen Netzwerke. Auch in der
Psycholinguistik wird von Netzen oder Netzwerken gesprochen. Das
beeinflusst beim Wortschatzlernen, weil auch beim Wortschatzlernen diese
Prozesse stattfinden. (Rohrer 1993: 212f)
Der Wortschatz des Lerners ist ein Netzwerk, in dem alle bisher gelernten
Wörter miteinander verbunden sind. Nur, wenn ein Wort gut mit dem
Wortschatznetzwerk verbunden ist, kann man es aktiv benutzen. Je besser
es vernetzt ist, desto schneller und besser kann der Lerner es benutzen.
Deswegen ist es gut, ein Wort im Kontext, zum Beispiel mit einem
Beispielsatz, zu lernen. Durch den Kontext wird die neue Vokabel schneller
mit dem Wortschatznetzwerk des Lerners verbunden.
Wir stellen uns vor, dass der Lerner in dem Satz „I went to a zoo and saw a
hippopotamus.“ das Wort „hippopotamus“ nicht versteht. Durch den Kontext
des Satzes kann der Lerner aber verstehen, dass es sich wahrscheinlich um
ein Tier handelt. Wenn er das Wort nun nachschlägt, und es sich im Kontext
merkt, wird er sich schnell wieder daran erinnern, jedes mal wenn das Wort
vorkommt. Ausserdem ist die neue Vokabel „hippopotamus“ sofort
verbunden mit dem Zoo und mit anderen Tieren. (Beispiel aus: Shirai
Yasuhiro, 2008, 171)

2.3 Mehrfachbedeutungen unterscheiden und lernen


Wenn man das deutsche Wort „Bank“ gelernt hat, gibt es zwei Bedeutungen,
銀行(ginkou) und ベンチ(benchi). Ohne Kontext kann man nicht
unterscheiden, welche Bedeutung das Wort hat, aber wenn es Kontext gibt,
kann man die Bedeutungen unterscheiden, zum Beispiel „Ich sitze auf der
Bank.“ bedeutet nicht „ginkou ni suwaru“ auf Japanisch.
Es ist schwierig, sich mehrere Übersetzungen für eine Vokabel zu merken,
zum Beispiel müsste man sich für das deutsche Wort „treffen“ die
japanischen Übersetzungen „ataru“,“ateru“, „au“, „dageki wo ataeru“,
„iiateru“ und so weiter merken. Da es für diese eine deutsche Vokabel viele
Übersetzungen und Bedeutungen gibt, ist es sehr schwierig, sich die Vokabel
ohne Kontext zu merken.
Es ist einfacher, sich zum Beispiel die Vokabel in mehreren Beispielsätzen zu
merken. Für die Bedeutung „au“ kann man zum Beispiel den Beispielsatz
„Ich treffe mich mit meinen Freunden.“ mit „tomodachi ni au.“ übersetzen
und lernen. Solche Beispielsätze kann man sich zu allen Bedeutungen
überlegen oder aus Wörterbüchern und so weiter heraussuchen.

2.4 Vereinfachte Anwendung neu erlernter Vokabeln


Wenn man Wörter nicht im Kontext lernt, benutzt man sie schnell in
unnatürlichen Verbindungen mit anderen Wörtern. Zum Beispiel gibt es im
Englischen das Idiom „hold one’s horses“. In der Vergangenheitsform „He
held his horses.“ wird dieses Idiom allerdings nicht genutzt, es ist
unnatürlich. (Beispiel aus: Shirai Yasuhiro, 2008, 89 )
Das gilt aber nicht nur für Idiome, sondern zum Beispiel auch für
Kollokationen. Im Englischen sagt man zum Beispiel „have a bath“. Wenn
man nur die Vokabel „bath“ lernt, kann man das Wort wahrscheinlich nicht
richtig benutzen. Im Japanischen sagt man “風呂に入る(furo ni hairu)”, also
würde ein Japaner, der ohne Kontext und ohne Kollokation sich das Wort
„bath“ gemerkt hat, wahrscheinlich sagen „enter a bath“.
Diese Beispiele sind wichtig, um zu verstehen, wie sehr sich der Wortschatz
unterscheidet, abhängig davon, ob man mit Kontext lernt oder ohne. Lerner,
die mit Kontext lernen, können nicht nur Kollokationen und Idiome, sowie
Partikel und eventuell Artikel besser anwenden, sondern sie können den
erlernten Wortschatz auch besser anwenden. Sie wissen, welche Wörter sie
wie miteinander verbinden können und zu einem Satz machen können.
Dabei müssen sie nicht Wort für Wort aus der Muttersprache übersetzen.
Ein Verb beinhaltet die Information, welche Grammatik im Satz verwendet
wird. Mutterspracher haben unbewusst diese Information erlernt aber wir
Ausländer haben nicht genug Input, deswegen müssen wir uns die
Informationen mit Kontext bewusst merken, beim Wörter zu lernen. (Shirai
Yasuhiro, 2008)

3. Welche Methoden gibt es, Wortschatz im Kontext zu lernen?

3.1 Beim Lesen Wortschatz lernen


Das heisst, dass man viele Bücher oder Zeitungen oder Zeitschriften liest.
Wenn man ein unbekanntes Wort findet, versucht man zuerst, das Wort aus
dem Kontext zu erschliessen. Auch wenn man sich das Wort aus dem
Kontext erschliessen kann, soll man es nachschlagen und sich notieren,
dann kann man sich das Wort merken. Wenn man das Wort nicht aus dem
Kontext erschliessen kann, schlägt man es nach, schreibt es auf und lernt es.
So kann man sich eine eigene Vokabelliste erstellen.

3.2 Wortschatz lernen durch Film und Fernsehen


Um Wortschatz im Kontext zu lernen können Film und Fernsehen gute
Hilfsmittel sein. Am besten sieht man sich einen Film in der zu lernenden
Fremdsprache an, und schaltet dabei den Untertitel, auch in der
Fremdsprache, ein. Dadurch liest und hört man die Sprache gleichzeitig.
Wenn man ein Wort nicht versteht, macht man sich während des Films eine
Notiz, und schlägt das Wort später nach, oder pausiert den Film, um das
Wort nachzuschlagen. Diese Methode wird oft als beste und schnellste
Methode bezeichnet, um neue Vokabeln zu lernen.
„Wir denken nicht in Einzelwörtern. Deshalb sollte man Wörter möglichst
immer im Zusammenhang lernen. Solche Zusammenhänge können ein
Beispielsatz, eine Zeichnung oder ein Wortfeld sein. Jedesmal, wenn ihr ein
Wort in einem neuen Kontext bewusst anwendet, schafft ihr zusätzliche
Verknüpfungen im Gehirn, sodass euch ein gesuchtes Wort auch dann
einfällt, wenn ihr an die Zeichnung oder den Beispielsatz denkt. Wenn ihr
mehrere Sinne (hören, sehen, …) gleichzeitig nutzt, prägen sich die Wörter
besonders gut ein.“ (Monika Türk, 2008)

3.3 Wortschatz lernen durch Sprechen und Schreiben


Beim Sprechen und Schreiben kann man sich auch gut neue Vokabeln im
Kontext merken. Zum Beispiel mit Tandempartnern. Schreibt man zum
Beispiel einen Brief zum Tandempartner, oder liest einen Bief vom
Tandempartner, schlägt man unbekannte Vokabeln nach. Ausserdem gibt es
immer einen Kontext. Das heisst, es gibt immer ein bestimmtes
Gesprächsthema, aus dem dann neue Vokabeln im Kontext gelernt werden.
Wenn man mit einem Tandempartner spricht, gibt es auch immer den
Kontext des Gesprächs. Wenn man ein Wort nicht versteht, kann man es
notieren und später nachschlagen. Man kann aber auch während des
Gesprächs, wenn man ein Wort nicht versteht, den Tandempartner danach
fragen. Der Tandempartner kann zum Beispiel in der Fremdsprache
erklären, was die neue Vokabel bedeutet. Dadurch kann man sich die neue
Vokabel später besser merken.
3.4 Wortschatz lernen mit Bildern
Wenn Ausländer Hiragana und Katakana lernen, gibt es eine Methode, bei
der die Hiragana und Katakana in Bildern gelernt werden. Es ist bewiesen,
dass man sich damit schneller die Hiragana und Katakana merken kann, als
ohne diese Bilder. (Shirai Yasuhiro, 2008)
Man kann Vokabeln auch mit Bildern lernen, weil auch Bilder Kontext sind.
Wissenschaftler sagen, dass das Gehirn sich neue Wörter leichter in
Verbindung mit Bildern merken kann. Das können einfache Bilder sein. Zum
Beispiel kann man die Vokabel „Kuh“ im Zusammenhang mit dem Bild von
einer Kuh lernen.
Man kann sich aber auch selbst ein Bild zeichnen oder aus dem Internet
suchen, das nicht nur Bild sondern auch Text hat, und einem Merksatz
ähnelt. Im folgenden ein Beispiel, um sich das Wort „strawberry“ zu merken:

(Bildquelle:http://ratgeber.xtme.de/wp-content/uploads/2014/04/Strawberry.png)
Es werden also zum Beispiel Wörter aus der Muttersprache benutzt, die dem
Klang von der fremdsprachigen Vokabel ähneln.

4. Schlussfolgerung
Wie wir gesehen haben, gibt es viele gute Punkte darüber, dass man mit
Kontext lernt. Trotzdem gibt es auch Meinungen, die Vokabelbücher
bevorzugen, um schneller und effektiver zu lernen. Es gibt auch das
Ergebnis von der Forschung (Shirai Yasuhiro, 2008) , dass man ohne Kontext
Wörter schneller lernen kann. Aber das ist nur für das Kurzgedächtnis.
Wenn man diese Wörter im Langzeitgedächtnis speichern möchte, ist es
nötig, mit Kontext zu lernen. Ich bin nicht dagegen, Vokabelbücher zu
benutzen, wenn man in kurzer Zeit mehr Vokabeln lernen möchte. Dafür
sind Vokabelbücher effektiv. Aber um die Vokabeln nicht zu vergessen und
benutzen zu können braucht man letztendlich Kontext, zum Beispiel viel zu
lesen, Filme zu sehen oder ähnliches. Es muss Gelegenheiten geben, in
denen man auf die Sprache trifft.
Wenn man mit Kontext lernt, kann man nicht nur die Wörter genau
sprechen und benutzen, sondern es wird schwerer sie zu vergessen.
Deswegen ist es nötig, Wortschatz mit Kontext zu lernen.
Literaturverzeichnis

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恵羅修吉 (Era Shukichi)(1989): 多義語的な単語の処理と文脈効果:同綴異義
語を用いて. 北海道大学教育学部紀要
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球大学欧米文化論集
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鈴木孝夫 (Suzuki Takao) (1999): 日本人はなぜ英語ができないか. 岩波書店
千野栄一 (Chino Eiichi) (1986): 外国語上達法. 岩波書店
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記憶システムの分類、手続記憶と第二言語習得理論-. 東洋大学人間科学総合研
究所紀要
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Berlin: Langenscheidt.
Rohrer, Josef (1993). Vernetzendes Denken im Fremdsprachenunterricht.
Neusprachliche Mitteilungen
Stuart Webb (2008): The effects of context on incidental vocabulary learning.
Victoria University of Wellington
Türk, Monika, (2008) Lern-und Arbeitstechniken. Ernst Klett Verlag GmbH,
Stuttgart