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Die falsche Demokratie

Holger Piontek
Rosenstraße 3
85238 Petershausen
holgert@gmail.com
Website: http://euserpiya.de

3.
c Januar 2011

Zusammenfassung
Die Art, wie Thilo Sarrazin behandelt wird, widerspricht der Auf-
klärung und der Demokratie.

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Warum kann es in unserer heutigen Welt, die gute drei Jahrhunderte
hinter der Aufklärung gelassen hat, möglich sein, dass ein Paradigma
verhindert, dass unangenehme Themen angesprochen werden. Besonders
interessant ist diese Entwicklung, weil sie speziell brisante politische und
soziologische Themen, die bestimmte Entwicklungen betreffen, behindert
und die Diskussion meist nicht einmal zu Stande bringt. Wie kann eine
Demokratie also demokratisch sein, wenn sie die Diskussion, die spätestens
seit dem antiken Griechenland fundamental für die Beweglichkeit einer
freiheitlichen Staatsform ist, sich selbst derart beschneiden, dass sie sich
ihre eigene Freiheit nimmt? Kann ein Staatssystem, das solch eine
Entwicklung zulässt überhaupt in sich und von Grund auf freiheitlich sein?
Oder ist das System damit lediglich unausgereift? Zumindest ist es nicht
effektiv in der Lage, Freiheitseingriffen zu widerstehen.
Und die freie Meinungsäußerung ist einer der fundamentalen Grundpfeiler
einer Demokratie. Fällt diese weg, wandelt sich eine Demokratie sehr
schnell in eine Autokratie. Sind nämlich bestimmte Gedanken verboten
oder unerwünscht, und führen diese zu Verfolgung bzw. Ausgrenzung aus
der Gemeinschaft, muss es zwangsläufig mindestens eine Person geben, die
festlegt, welche Gedanken erlaubt sind und welche nicht. Ob dies eine
Gruppe oder ein Einzelner ist, spielt dabei keine Rolle, da auch eine
Herrschaft weniger diktatorisch ist.
Doch was passiert in Deutschland, das doch auf dem Papier eine so schöne
und vor allem funktionierende Demokratie hat? Politiker wie Maria Böhmer
und Sigmar Gabriel maßen sich an, von Gewalttätigkeit und Diffamierung
zu sprechen, wenn sie über Sarrazins neues Buch sprechen. Jetzt soll er in
die rechte Ecke abgeschoben werden. Das ist auch das einfachste Mittel
gegen solche Unruhestifter wie ihn. Schließlich hat das bei Eva Herma auch
funktioniert und sie hat sich gerade noch zum Kopp Verlag retten können.
Doch ein Thilo Sarrazin wird sich finanziell weniger Sorgen um eine
derartige Selbstrettung machen müssen. Das macht seine Situation auch
besonders interessant. Doch nichtsdestotrotz steht die Frage im Raum,
warum es ist einer Demokratie möglich sein kann, jemanden im politischen
Umfeld zu diffamieren, indem man ihm u.a. eben dieses Verhalten vorwirft.
Und das, obgleich man selbst nicht nur viel weniger, als der dahingestellte
Antagonist, sondern nahezu nichts in der Hand hat. Denn Sarrazins Buch
erscheint erst noch. Und seine Äußerungen somit nachweislich ohne die
Möglichkeit sie wirklich überprüfen zu können als zumindest mutmaßliche
Hetzschrift darzustellen ist eben gerade eine Diffamierung durch eine
enorme und geradezu an Unverschämtheit grenzende Pauschalisierung
einerseits und einem Versuch, Emotionen geschickt auszunutzen. Und das
zum Schaden eines anderen. Doch das spielt keine Rolle. Denn schließlich
gibt es eine politische Leitlinie. Und diese unterwirft sich ehrfürchtig der
Political Correctness.
Menschen brauche virtuelle Gebilde, zu denen sie einerseits aufblicken

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können und denen sie sich andererseits unterwerfen können. Früher gab es
dafür die Kirche und Gott. Unterdessen hat sich Gott in die Wissenschaft
für "die normale Welt der Sterblichenünd in die Political Correctness für
Politiker gewandelt. Doch wie Gott und Kirche damals nimmt auch heute
wieder beides auf alle Gebiete Einfluss. Und alle vier Institutionen bilden
mächtige Manipulationswerkzeuge, um bestimmte Überzeugungen zu
stärken, andere zu schwächen oder auszumerzen und ein Land oder sogar
die gesamte Welt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Es müssen in
jedem Fall nur genügend Menschen an die jeweilige Institution glauben, um
abweichende Meinungen im Keim zu ersticken. Doch das Unterdrücken
einer Meinung, - sei es gewollt oder ungewollt, - muss von einer Demokratie
verhindert werden. Und wenn es nicht verhindert werden kann, muss es
aufgehalten werden. Von funktionierenden Demokratien muss auch davon
ausgegangen werden, dass sie dieser Anforderung nachkommen können.
Doch damit stellt sich wieder die Frage, ob unsere heutige Demokratie und
vielleicht auch unsere gesamten heutigen Demokratien lediglich
unausgereift ist, oder an bestimmten Stellen zerstört ist. Möchte man noch
weiter gehen, kann man sich sogar fragen, ob sie mutwillig und mit einer
bestimmten Absicht zerstört wurde.
Doch auch an diesem Punkt greift wieder das Gedankenkorsett. Denn
schließlich sind das Überlegungen von Paranoikern und
Verschwörungstheoretikern. Selbst wenn die Überlegungen selbst rein
theoretischer Natur sind.
Kann eine Gesellschaft überleben und sich sinnvoll entwickeln, wenn sie
sich selbst sogar in ihren eigenen Gedanken einschränkt und Paradigmen
zulässt, die ihre eigenen Fähigkeiten, ihr Denken beeinflussen, steuern und
beschneiden?
Sicher, es ist nicht alles richtig, was einem in den Sinn kommt. Und die
Wahrheit liegt auch nicht immer einfach am Straßenrand. Aber unsere
Welt und das gesamte Universum besteht aus Möglichkeiten. Es ist das
Ergebnis einer unendlichen Anzahl von Möglichkeiten. Daher kann man nur
sinnvoll handeln, wenn man sich selbst in die Lage versetzt, so viele
Möglichkeiten wie nur möglich zumindest zu durchdenken. Wenn man dazu
nicht mehr in der Lage ist, weil man bestimmte Gedanken gar nicht erst
zulässt, ist man handlungsunfähig.
Ein solches Verhalten, bei dem sich eine Gruppe anmaßt, über das Ansehen
bestimmter Personen anhand von Paradigmen wie einer Political
Correctness zu bestimmen, sei es, indem sie diese Paradigmen selbst setzen
oder indem sie diese benutzen, führt unweigerlich zu Chauvinismus. Denn
die Gruppe, die darüber bestimmt, welche Gedanken richtig und welche
abzulehnen sind, muss sich zwangsläufig für diejenigen Menschen halten,
die die "wirkliche"Wahrheit kennen. Sie erheben den Anspruch, andere
Gedanken allein anhand des aufgegriffenen Themas und der jeweiligen
Richtung beurteilen zu können. Und es dann per se pauschalisieren zu

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können um es letztendlich als Teufelswerk zu verdammen und die
"verirrten Gläubigen"dieser "Religionöffiziell auszustoßen. Die Menschen
des Mittelalters können zum Teil sicherlich noch im Grab ein langes
Klagelied von einem solchen Vorgehen singen.