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Einführung in die

Bewegungslehre
KNS: Grundlagen

Daniel Gärtner 2011


Agenda
1. Definitionen und Einführung
2. Aufgaben und Ziele der Bewegungslehre
3. Disziplinen der Bewegungslehre
4. Analyse sportlicher Bewegung
5. Gruppenaufgabe
6. Anhang und Begriffe

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1. Definitionen und Einführung

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Bestandteile der Bewegungslehre

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Definitionen

ƒ Bewegungslehre ist die Gesamtheit der wissenschaftlichen


Aussagen zum Problemkomplex Bewegung im Sport.

ƒ Dies erstreckt sich auf die Bewegungen als raum-zeitliche


Veränderungen, wie auf die körperinternen Steuerungs- und
Funktionsprozesse, die am Zustandekommen der sichtbaren
Vollzüge beteiligt sind.

ƒ Die Bewegungslehre umfasst daher verschiedene Konzeptionen,


die durch verschiedene disziplinäre Orientierungen und durch
Verwendung einzelner Theorien geprägt sind.

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Gegenstand der Bewegungslehre (nach Scheid/Prohl)

Biomechanik
äußerlich sichtbare Bewegungs-Kräfte, physikalisch fassbar.

Motorik
innere Handlungsprozesse, endogene Vorgänge, Steuerungsprozesse.

Handlungstheoretische Ansätze
unter ratio-ökonomischem Aspekt der Bewegung

Phänomenologische Ansätze
Anblick der Bewegung - das Erscheinungsbild

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Merkmale sportlicher Bewegung I
Problem der Bewertung des Begriffes „Sportliche Handlung“
Vergleich:
• Schnelles Laufen (Fußball spielen vs. Bus erwischen)
• Fahrradfahren (Moutainbiketour vs. Transport zur Arbeit)
• Schwimmen (Wettkampf vs. Retten eines Mitmenschen)
• Tanzen (Kürvorführung vs. Freudentanz)

Was wird also unter „Sport“ verstanden?


Franke (1978) interpretiert sportliches Handeln im Zusammenhang
sozialer Handlungsfelder, die u.A. durch…
- Regelsysteme
- Sportstätten
- Kleidung u.A. …
gekennzeichnet sind.
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Merkmale einer sportlichen Bewegung II
Göhner (1992) benennt fünf Merkmale, die für sportspezifische
Bewegungsaufgaben charakteristisch sind:

• Ziel = Aufgaben im Sport erhalten eine Zielstellung, die durch die


Bewegung realisiert werden (Bsp. ein Tor schießen)
• Regeln = Aufgaben im Sport sind meist an die Einhaltung
bestimmter Regeln gekoppelt (Bsp. Spielfeldbegrenzung)
• Movendum = Aufgaben sind meist durch Raum-Zeit-Veränderung
+ materielle Größen gekoppelt (Bsp. Gerät und Sportler)
• Beweger = Der Mensch als Steuerfunktion des Movendums (Bsp.
Erst durch den Willen wird die Bewegung sichtbar)
• Raum = Aufgaben im Sport stimmen meist durch ihren
Austragungsort überein (z.B. Schwimmwettkampf im Becken)

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2. Aufgaben der Bewegungslehre

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Aufgaben und Ziele der Bewegungslehre
Ziel der Bewegunslehre =
Optimierung sportlicher Bewegung
• Ökonimisierung sportlicher Bewegung
• Energieeinsparung
• Leistungs- & Schwierigkeitssteigerung
• Ästhetik & Ausdruck
• uvm.

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Instrumente zur Zielerreichung

ƒ Beschreibung
ƒ Analyse
ƒ Prognose

als Grundlagen und Bedingungen der


sportlichen Leistung

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Sportspezifische Handlungsziele?

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Sportspezifische Handlungsziele:

Erreichungsziele
•Erhaltungsziele
•Fertigkeitsziele
•Formziele
•Bewältigungsziele

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Sportspezifische Handlungsziele:

Ziele
•Erhaltungsziele
•Fertigkeitsziele
•Formziele
•Bewältigungsziele
Sinn & Zweck
•Zeitminimierung
•Distanzmaximierung
•Trefferoptimierung
•Verlaufsoptimierung
•Fehlerminimierung
•Schwierigkeitssteigerung

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Aufgaben einer Bewegungslehre des Sports

Æ Sportliche Bewegungen als


spezifische Objekte kennzeichnen,
Beschreibungskonzepte
erarbeiten
Æ mit den im Sport gestellten
Aufgaben in Beziehung setzen, Verfahren zur Aufgabenanalyse
entwickeln

Æ sportartspezifische Typologien Verfahren der Bewertung und


erarbeiten Ansteuerung sportlicher
Leistungen entwickeln

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3. Disziplinen sportlicher Bewegung

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Forschungsprinzipien und Methoden einer Bewegungslehre des Sports:
Æ Bewegung von außen
betrachtet:
– Analyse
biophysikalischer
Aspekte
Biomechanik
Æ Bewegung von innen
betrachtet:
– Analyse physiologischer
und Motorik
informationstheoretisch
er Aspekte
Æ Bewegung als
Beziehung betrachtet Empirische (Wissenschaftlich)
– Analyse des Sinn- und Bewegungsforschung
Wertbezugs

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Biomechanik
• Die Biomechanik des Sports ist die wissenschaftliche Disziplin,
die die sportliche Bewegung unter Verwendung von Begriffen,
Methoden und Gesetzmäßigkeiten der Mechanik beschreibt und
erklärt." (Ballreich 1996)
• Die Aufgabe der Sportbiomechanik ist es, Fragen zur
Bewegung und zum Haltungs- und Bewegungsapparat im
Rahmen interdisziplinärer Forschungsansätze zu bearbeiten.
Es werden Fragen im Leistungssport (z. B. Optimierung von
Bewegungsabläufen) oder Breitensport (z. B.: gesundheitliche
Auswirkungen von sportlichen Bewegungen) beantwortet. Die
wesentlichen Messverfahren zur quantitativen Beschreibung
von Bewegungsabläufen sind die:
– Kinemetrie: Weg-Zeit-Messung der Lage und Geschwindigkeit von
Körpern,
– Dynamometrie: Kraftmessung der äußeren Kräfte,
– Elektromyografie: Aufzeichnung des elektrischen Aktivierungszustands
des Muskels und des Innervationsverhalten,
– Anthropometrie: Abmessungen und Massenverteilungen,
Körperschwerpunkt
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Motorik
• Der Begriff Motorik ist eine griechisch-lateinische Wortschöpfung,
abgeleitet von motorikè téchne mit der Bedeutung
Bewegungstechnik, Bewegungsfertigkeit, Bewegungskunst,

• Abgeleitet von lat. movere = bewegen, antreiben.

• Bedeutungsvarianten entstanden: Der Begriff steht für


– die Gesamtheit der Aktionen der Muskulatur
– die Qualität hochrangiger Bewegungsfertigkeit (Artistik)
– einen Wissenschaftszweig von der Bewegung (Motorikwissenschaft)

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Entwicklungsstufen

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4. Analyse sportlicher Bewegung

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Aspekte der Biomechanik
Um biomechanische Prinzipien einfacher erkennen
und jeweiligen Bewegungen zuweisen zu können,
müßen wir und mit einigen Begriffen vertraut
machen.

• Kraft und Gegenkraft


• Bewegungsarten
• Körperachsen
• Drehachsen
• Trägheit
• Impulse

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Kraft und Gegenkraft
• Bewegungsänderungen erfordern Kraft ->
• Kraft bewirkt Gegenkraft (actio/reactio)
von „außen“ einwirkenden Kräfte:
-> Schwerkraft und/oder Reibungskräfte
-„innere Kräfte“: -> Muskelkraft

- Muskelkraft beim Absprung (actio)


wirkt
nach unten (1–2)
- Erde (als Gegenkraft) gibt nicht
nach
-> Mensch bewegt sich
-> Reaktionskraft trifft den KSP
-> Mensch bewegt sich nach oben
(reactio)
(3–4)
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Rotation
Wirken äußere oder innere Kräfte
am KSP (Zentrum) eines Körpers
vorbei („exzentrisch“, 1), so beginnt sich
dieser zu drehen (rotieren, 4).

Je größer der Abstand zum KSP (2) bzw.


zur DA („Radiusabstand“, 3), je stärker
und zeitlich länger die wirkende Kraft,
desto größer ist die Veränderung der
Drehgeschwindigkeit DA 3
DA 3ehgeschwindigkeit (4).

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Translation
Wirken Kräfte direkt auf
den KSP („zentrisch“ 1), so verschiebt sich
der Körper geradlinig (translatorisch).

In komplexen Sportarten gibt es nur wenig


„reine“ translatorische Bewegungen.

Überwiegend Übergänge von Rotations- in


Translationsbewegungen oder umgekehrt
bzw. Überlagerungen von beiden
Bewegungsarten

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Trägheit
Jeder Körper behält seinen momentanen Zustand bei, solange
nicht äußere Kräfte dies verändern.

Der „senkrechte“ Körper fährt auf einem Schlitten gegen den


Rammbock = Haltekraft.

Durch die Reibung = DA und die Trägheit des Körpers dreht


(rotiert) der Körper um die DA.

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Trägheit bei Rotationsbewegungen
• Ein drehender Körper erhöht durch Annähern der Teil-KSP an
die DA seine Drehgeschwindigkeit
-> Trägheit wird verringert
• Durch Entfernen wird sie verlangsamt
-> Trägheit wird erhöht

Drehimpuls = Trägheitsmoment x Winkelgeschwindigkeit

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Biomechanische Prinzipien
1. Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs
z.B. Kugelstoßen - zu viel Drehungen verlangsamen Stoß
2. Prinzip der optimalen Tendenz des Beschleunigungsverlaufs
z.B. Anlauf Hochsprung vs. Boxen (mässigschnell-explosiv)
3. Prinzip der Anfangskraft
z.B. Gegenbewegungen als Vorbereitung für hohe Startkraft
4. Prinzip der zeitlichen Koordination von Einzelimpulsen
z.B. Speerwurf – Koordinierung von Einzelbewegungen
5. Prinzip der Gegenwirkung
z.B. Freier Fall – Körper fällt, Arme gehen nach oben
6. Prinzip der Impulserhaltung
z.B. (Sprung-) Rolle vw.
7. Prinzip der Impulsübertragung
z.B. Kippaufschwung (Gerätturnen)

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Beispiel Kugelstoß

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Beispiel Kugelstoß

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Gründe für die Bestimmung

Ziel:
Die am Zustandekommen einer bestimmten Leistung
beteiligten Einflussfaktoren exakt zu bestimmen und
in Lern- und Trainingprozesse gezielt zu optimieren.

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Verhaltensweisen zum Gerät
Um Positionen und Verhaltensweisen sportlicher Bewegung zu
kennzeichnen, sind bestimmte Begriffe notwendig, die auf alle Arten
sportlicher Bewegung anzuwenden sind.

• Verhaltensweisen (z.B. zum Gerät) drücken eindeutig aus, in welcher


Position sich der Körper befindet. Dadurch ist es möglich Übungen
exakt schriftlich bzw. mündlich zu erklären.

– Vorlings : Die Körpervorderseite zeigt zum Gerät


– Rücklings : Die Körperrückseite zeigt zum Gerät
– Seitlings : Schulterachse und Gerätlängsachse sind parallel zueinander
– Quer: Schulterachse und Gerätlängsachse sind rechtwinklig zueinander
( = „Seit- und Quer“ bezeichnen die Stellung der Schulterachse zur Gerätlängsachse )

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Bewegungsrichtung
• Oft wird das Verhalten des Körpers, also die momentane Stellung,
mit der Bewegungsrichtung verwechselt. Die Bewegungsrichtung
wird jedoch deutlich von den Stellungen unterschieden und
orientiert sich meist an den Körperachsen.
• Wir unterscheiden…
– Vorwärts
– Rückwärts
– Seitwärts

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Körperdrehachsen
Jeder Körper hat drei theoretische Raumachsen, mit denen
Drehbewegungen beschrieben werden können

KLA = Körperlängsachse (1)


-> Drehung nach links oder rechts
-> Schrauben

KBA = Körperbreitenachse (2)


-> Drehungen vorwärts oder rückwärts
-> Rolle,, Flick-Flack, Salto

KTA = Körpertiefenachse (3)


-> Drehung nach links oder rechts seitwärts
-> Rad, Radwende

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Bewegungsrichtungen

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Gerätdrehachsen im Sport
Neben den Körperdrehachsen gibt es im Sport auch Drehachsen (DA)
um den ein Körper dreht (z.B. um ein Gerät)

Wir unterscheiden:

• feste DA
• freie DA
• momentane DA

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Gerätdrehachsen
• Feste DA:
– Keine Veränderung der DA
– z.B. Reck

• Kurzzeitig feste DA:


– Zum Zeitpunkt der Rotation fest
– Z.B. Absprung

• Momentane DA:
– Achse ändert mit Körperbewegung die Lage
– Z.B. Rolle

• Freie DA:
– Kein Kontakt zu einem Gerät
– Z.B. Salto
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Überlagerungen
• Eine Reinform der Bewegung finden wir im Sport selten. Meist
bestehen Bewegungen aus Kombinationen verschiedener
Teilbewegungen, die auch über verschiedene Achsen ausgeführt
werden.

• Genau hier setzt die Analyse sportlicher Bewegung ein. Denn oft
ist es genau eine bestimmte Teilbewegung, deren Optimierung den
Athleten verbessert. (z.B. Absprungschulung)

• Deshalb strukturiert die Bewegungslehre komplexe Bewegungen


in Teilbewegungen auf und unterteilt diese im Phasen und
Strukturen.

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Gegenstandsbereiche einer Bewegungslehre des Sports:

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Gegenstandsbereiche einer Bewegungslehre des Sports:

z. B. Funktionsphasen:

Æ Vorbereitungsphase
Æ Hauptphase
Æ Endphase

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Gegenstandsbereiche einer Bewegungslehre des Sports:

z. B. Biomechanische Charakteristika

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Vorbereitungsphase
• Zur Vorbereitungsphase:"...Charakteristisch für die Vorbereitungsphase ist ihre Bedeutung: sie
dient der Schaffung optimaler Voraussetzungen der optimalen Vorbereitung der in der
nachfolgenden Hauptphase auszuführenden Aktionen. Diese optimalen Voraussetzungen
zeigen beim Menschen weitgehende Übereinstimmung: Man führt eine "Ausholbewegung" aus,
die gegen die eigentlich gewollte Bewegungsrichtung gerichtet ist. Wenn wir einen Ball oder
einen Speer weitwerfen wollen, wenn wir nach oben oder aus der Schrittstellung nach vorne
springen wollen oder wenn wir am Reck einen Umschwung ausführen wollen, dann führen wir
vorweg in die Gegenrichtung eine Ausholbewegung aus.
Man kann einen Ball natürlich auch ohne Ausholbewegung werfen und man kann auch ohne
Ausholbewegung einen Umschwung beginnen. Die Folgen sind jedoch leicht erkennbar: Die
nachfolgende Wurfbewegung erbringt eine geringere Leistung und das Umschwingen kann
unter Umständen sogar misslingen. An beiden Beispielen wird deutlich, dass die
Vorbereitungsphase Nachfolgendes begünstigt.

• Werden die Bewegungen. in dieser Phase allerdings übertrieben, wird also z. B. zum Werfen
extrem weit ausgeholt oder zum Umschwingen sehr hoch aufgeschwungen, so kann die
nachfolgende Leistung wieder schlechter werden. Erklärbar ist dies wenn man die Gründe
aufsucht, die für eine (wohldosierte) Ausholbewegung sprechen. Der erste Grund ist in dem
möglichst optimalen Beschleunigungsweg zu sehen. Je größer die Ausholbewegung ist, desto
länger wird auch der anschließend ausnützbare Beschleunigungsweg. Damit verlagert sich
auch die Dauer der Krafteinwirkung, und dies führt wiederum zu einer größeren
Endgeschwindigkeit des beschleunigten Körperteils bzw. Sportgeräts. Nun ist aber möglich,
dass je nach Trainingszustand die entsprechende Muskulatur bei einem langen
Beschleunigungsweg ermüdet und daher nur noch geringere Kräfte aufbringen kann. Der
Vorteil des längeren Beschleunigungswegs ist dann mit dem Nachteil einer überforderten
Muskulatur verbunden. Die Ausholbewegung kann daher nicht beliebig vergrößert werden. Ein
zweiter Grund wird in der höheren Kraft gesehen die man durch eine Ausholbewegung zu
Beginn der Hauptphase bereitstellen kann. Da die Ausholbewegung entgegengesetzt zur
Hauptbewegung verläuft, muss sie abgebremst und in eine neue Richtung übergeleitet
werden..."
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Hauptphase
• "Das Kernstück einer sportlichen Bewegung ist die Hauptphase. Ihre Bedeutung
liegt in der unmittelbaren Bewältigung der entsprechenden Bewegungsaufgabe;
ihre Funktion ist, die gestellte Aufgabe zu lösen. Wenn wir einen möglichst hohen
Schlußsprung oder einen möglichst weiten Stoß oder eine möglichst schnelle
Fortbewegung im Wasser oder auf dem Eis erreichen wollen, dann werden diese
Aufgaben durch die in der Hauptphase ausgeführten Aktionen gelöst: durch das
möglichst schnelle Strecken in Sprung-, Knie- und Hüftgelenk beim Springen,
durch die vom Körper weg gerichtete Armstreckung beim Stoßen oder durch die
nach hinten gerichteten Arm- bzw. Beinbewegungen im Wasser oder auf dem Eis.
Sehr allgemein betrachtet, kann man im Sport zwei Aufgabentypen unterscheiden,
die in den jeweiligen Hauptphasen zu lösen sind. Der eine Typ umfaßt diejenigen
Aufgaben, in denen man nur sich selbst einen Bewegungsimpuls zu erteilen hat,
um von der einen zu einer anderen Ortsstelle zu kommen, um also sogenannte
Lokomotionen auszuführen. Beispiele hierfür sind das Laufen, das Springen, das
Schwimmen oder Rudern.
Beim zweiten Typ steht nicht die Bewegung des eigenen, sondern die eines
anderen Körpers im Vordergrund. Der eigene Körper oder auch nur Teile des
eigenen Körpers, die Hand, der Fuß, beim Kopfball auch der Kopf, müssen so
bewegt werden, daß das mit dem Körperteil kontaktierende Objekt in gezielter
Weise bewegt wird. Beispiele hierfür sind das Weitwerfen, das Kicken, das
Schlagen des Tennisballs oder des (Box-) Gegners. .."

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Endphase
• "Als Endphase kennzeichnet man jenen Bewegungsabschnitt, in dem die Aktionen der
Hauptphase in einen Gleichgewichtszustand übergeleitet werden. Dieser
Gleichgewichtszustand kann ein Zustand relativer Ruhe, er kann aber auch nur ein kurzzeitiges
Durchgangsstadium vor dem Beginn einer neuen Bewegung sein. Die eigentliche
Bewegungsaufgabe ist mit dem Ende der Hauptphase gelöst, die Kugel oder der Speer hat z. B.
die Hand verlassen, der Sportler befindet sich jedoch noch in einem Bewegungszustand, der
erst durch Übergangsaktionen "beruhigt" werden muss. Besondere Bedeutung erhalten die
Aktionen in der Endphase aus dreierlei Gründen. Ein erster Grund ist die Sicherheit. Wer eine
Latte oder ein Pferd übersprungen und wer eine Saltodrehung ausgeführt hat, der darf sich
noch nicht "zur Ruhe setzen". Er muss sich, um Verletzungen zu vermeiden, auch noch um den
Ubergang in einen sicheren Stand bzw. um eine ungefährliche Landung kümmern. Dies trifft
auch in jenen Sportarten zu, bei denen das Landen selbst zu der eigentlichen
Bewegungsaufgabe nicht mehr gerechnet werden darf. Ein zweiter Grund liegt in den jeweils
vorgegebenen Wettkampfregeln. Bekanntlich darf man beim Kugelstoßen, beim Speer-, Diskus-
oder Hammerwerfen, aber auch beim Aufschlag im Tennis oder beim Wurf auf das Tor im
Handball nicht "übertreten". Diese Regelvorschriften bedingen, dass auch noch den Aktionen,
die nach Erledigung der eigentlichen Bewegungaufgabe auszuführen sind, Beachtung
geschenkt wird. Ein dritter Grund für die Bedeutung der Endphase betrifft den Übergang zu
neuen oder die Wiederholung von bereits ausgeführten Bewegungen. Wenn wir an einen
Umschwung vorwärts vorlings oder an einen Kippaufschwung eine Hocke anschließen wollen,
dann muss der Endphase des Umschwungs oder der Kippe bereits die Vorbereitungsphase der
Hocke überlagert sein. Dasselbe gilt, wenn wir wie etwa beim Torlauf an einen Schwung gleich
einen zweiten anfügen müssen. Auch hier ist beim "Aussteuern" des ersten bereits der Beginn
des nächsten Schwungs vorzubereiten. Und es gilt schließlich - wie schon angedeutet - für alle
zyklischen Bewegungsabläufe, für die das Zusammenfallen von Vorbereitungs- und Endphase
charakteristisch und mit dem Begriff der Phasenverschmelzung gekennzeichnet ist."

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5. Gruppenaufgabe
• Schließen Sie sich in Gruppen zusammen (3-4 Personen)
• Wählen Sie eines der folgenden Elemente (Bildtafel)
• Analysieren Sie dieses Element
– Bewegungsphasen, Strukturen
– Stellungen und Bewegungsrichtungen
– Körper- und Gerätdrehachsen
• Visualisieren Sie dieses Element an einem Flipchart und Stellen
Sie es in Form ein kleines Referates vor. Gehen sie dabei auf
folgende Punkte ein:
– Aufbau und Struktur
– Bewegungsphasen (Einleitungs-, Haupt-, Endphase)
– mögliche Schwierigkeiten und Probleme
– Basis-Teilbewegungen
– Trainingsmöglichkeiten (koordinativ, konditionell)

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6. Entwicklung der Bewegung des Menschen

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Ontogenese (motorische Entwicklung)
– 0 – 2: Säuglingsalter
– 2 – 4: Kleinkindalter
– 4 – 6: Vorschulalter
– 6 – 8: Frühes Schulkindalter
– 8–10: Spätes Schulkindalter
– 9-11/10-12: Vorpubertät
– 11-13/12-14: 1. Puberale Phase
– 13-15/14-16: 2. Puberale Phase
– 15-17/16-18: Adoleszenz

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Entwicklung der Koordination
• Keine exakte Chronologie, sondern abhängig vom
Reifeprozess.
• 1. – 3. Lebensjahr: Auge – Hand –Koord.
• 3. – 6. Lj: Drill in Bewegungsschleifen möglich.
• 6. – 8. Lj: Neue koordinative Grobform.
• 8. – 11. Lj: Bestes Lernalter.
• 11. – 18. Puberale Phase: Erhaltung des Gelernten.
Neueinstieg oft schwierig.
• Ende der Pubertät: deutliche Stabilisierung.

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Tragende Faktoren der Koordination

• Orientierungsfähigkeit
• Reaktionsfähigkeit
• Differenzierungsfähigkeit
• Umstellungsfähigkeit
• Rhythmisierungsfähigkeit
• Koppelungsfähigkeit
• Gleichgewichtsfähigkeit
• Anpassungsfähigkeit

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Ontogenese 4.-6. Lebensjahr
• Motorik: abwechslungsreiche
Bewegunsprogramme, Drill, gezielte
Bewegungsschulung möglich.
• Psyche: Neue Freunde (KIGA) und
Bezugspersonen, freudig interessiert.
• ZNS: Sprache abgeschlossen, wenig Logik,
„Fragealter“, anschaulich-symbolisch,
Vergangenheit und Zukunft.

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Ontogenese 7.-10. Lebensjahr
• Motorik: Zunächst gestört durch 1. Gestaltwandel und
blockierter Bewegungsdrang (Schule), dann ab 8/9
bestes Lernalter.
• Psyche: labil, nicht ausdauernd, aber sportlich meist
begeistert.
• ZNS: Große intellektuelle Entwicklung und
Abstraktionsvermögen.
• Soziale Gruppenbildung.

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Vorpubertät 9.-11./10.-12. Lj
• Hormonausschüttung über Hypothalamus beginnt 1
Jahr vor den sichtbaren Anzeichen (u.a. Östrogen,
Testosteron).
• Wachstum und Ausbildung der sekundären
Geschlechtsmerkmale.
• Menstruation und erster Samenerguss.
• Zweites Längenwachstum.
• Zweites Trotzalter.

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1. Puberale Phase ab 11./12. Lj
• Dysproportionen durch Längenwachstum.
• Veränderte Hebelverhältnisse.
• Trainierbarkeit nimmt zu.
• Kraftzuwachs (Testosteron).
• Schnelligkeit und Ausdauer adaptieren nach
Anforderungen.
• Beweglichkeit nimmt bereits hier ab!

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2. Puberale Phase 13./14. Lj
• Akzeleration, Retardierung: psycho-sexuelle Reifung
hält mit körperlicher Entwicklung nicht mit.
• Psychisch aggressiv, Lösung von den Erwachsenen,
Bandenbildung.
• Oft psychosomatische Probleme (Magersucht,
Drogen, Nikotin, Alkohol).

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Adoleszenz ab 16./17. Lj
• Eintritt in die Erwachsenenwelt.
• Berufswahl.
• Zu- oder Abwendung vom Sport.
• Eigene Wege: 1.Auto, 1. Gemeinsamer Urlaub,
1. Eigene Wohnung.
• Selbstbestimmung, Identitätsfindung.

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Erwachsene und Senioren
• Habitus: Prägung durch berufliche Tätigkeit.
• Sportler oder Nichtsportler (Lifetime-Gedanke).
• Senioren: Teilweiser Verlust der Leistungsfähigkeit,
erschwerte Differenzierung, fehlende Trennschärfe.
• Durch Training „20 Jahre 40 sein“ (Hollmann); neuere
Forschung zeigt auch bessere Perspektiven (Lehrl/Uni
Erlangen). Gehirn funktioniert wie motorisches
Training.

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Bewegungslehre
LE 2: Biomechanik im Sport
Die Arbeitsweise unseres Körpers

Der Muskel kann sich durch Kontraktion beugen oder strecken. Für die
Gegenbewegung ist ein weiterer Muskel notwendig. Verkürzt sich der
Beugemuskel, wird der erschlaffte Streckmuskel gedehnt (und umgekehrt).

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Zusammenwirkung von Muskeln

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Funktionsphasen einer Bewegung

Funktionsphasen:

Æ Vorbereitungsphase
Æ Hauptphase
Æ Endphase

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Biomechanik

Definition:
Biomechanik des Sports ist eine
naturwissenschaftliche Teildisziplin der
Sportwissenschaft. Gegenstand biomechanischer
Untersuchungen sind die äußerlich in Erscheinung
tretende Bewegungen im Sport. Als Teildisziplin der
Physik untersucht die Biomechanik Strukturen und
Funktionen biologischer Systeme unter Verwendung
der Theorien und Begriffe der Mechanik.

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Unterteilung

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Messmethoden

• Kontaktmatte (Kraftmessplatten)
• Video(analyse)
• Fingerkamera
• Hochgeschwindigkeitskamera
• High-Speed-Videokamera
• Lichtschranken
• Laveg (Laser assisted velocity guide)
• Ultraschall
• Motion Capturing
• und weitere

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Energiekurven

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Unterscheidung der Biomechanik

• Leistungsbiomechanik
– Technikanalyse
– Technikoptimierung
– Konditionsanalyse

• Anthropometrische Biomechanik
– Eignungsdiagnose
– Leistungsprognose

• Präventive Biomechanik
– Belastungsanalyse
– Belastungsgestaltung

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Wo werden biomechanische Tests eingesetzt?
• Leistungssport
• Vereinssport
• Talentsichtung
• Fitnessstudio
• Medizin

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Was sind biomechanische Tests?
• Biomechanische Tests sind
– Bewegungsaufgaben, bei denen die Probanden
aufgefordert werden, da im Sinne der Aufgabenstellung
bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
– Allgemeine Vermessungen des Körper in der Statik oder
Dynamik und den dabei auftretenden Kräften,
Körperpositionen und Winkelveränderungen.
• Ziel ihrer Anwendung ist
– Die Erfassung des individuellen Leistungszustandes.
– Die Erfassung der anthopometrischen Daten und
motorischen Fertigkeiten
(nach Roth 1999)
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Welche Tests gibt es?
• Einzeltests

• Testbatterie
(mehrdimensional)

• Testprofile
(homogene Einzeltests)

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Gütekriterien
Hauptkriterien
• Objektivität
• Reliabilität
• Validität

Nebenkriterien
• Ökonomie
• Normierung

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Objektivität
Die Objektivität eines Tests bezeichnet den Grad der
Unabhängigkeit von dem Untersucher

• Durchführungsobjektivität
– Standardisierung des untersuchten Verhaltens

• Auswertungsobjektivität
– Objektive Feststellung des Testergebnisses

• Interpretationsobjektivität
– Generelle Einstufungen, Bewertungen

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Reliabilität
Grad der
10 KG
Genauigkeit und
Zuverlässigkeit

1 Versuch 98 J -2 1 Meter
2 Versuch 99 J -1
3 Versuch 93 J -7
4 Versuch 102 J +2
5 Versuch 94 J -6
6 Versuch 96 J -4
7 Versuch 101 J +1
8 Versuch 99 J -1 1 Joule = 1 NM
9 Versuch 94 J -6 1 Joule = 0,102 Kg * 1 Meter
10 Versuch 97 J -3 ͠ 100 Joule = 10 Kg * 1 Meter
Ø 97,3 J

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Validität
Grad, in dem der Test genau
das misst, was er zu messen
vorgibt (Gültigkeit)

• Aus theoretischen oder logischen


Überlegungen abgeleitet

• Vergleich mit anderen Tests

• Korrelation zwischen Test und


einer latenten Dimension im
Hintergrund (z.B. Angst)
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Testarten und Möglichkeiten

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Leistungsbiomechanik
• Niedersprungtest
– die Messung von Stützzeit, Flugzeit, Sprunghöhe in cm
und Leistung (Effizienz) beim Drop Jump, bzw.
– der Flugzeit bzw. Sprunghöhe in cm beim
Strecksprungtest / Treibhöhetest,

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Leistungsbiomechanik
• Lichtschrankenmessungen
Wenn ein frei beweglicher menschlicher Körper eine Lichtschranke durchläuft, kann es passieren,
dass die Lichtschranke bereits durch eine Hand vor dem Körper ausgelöst wird. Damit ist die
Messung von Sprintzeiten über Einzellichtschranken mit sehr großen Messfehlern behaftet.
Exakte Messungen sind nur durch Doppellichtschranken möglich. Hierbei sind 2 Lichtschranken
exakt untereinander in einem Abstand von ca. 20 cm am Stativ angebracht. Erst, wenn beide
Lichtschranken gleichzeitig unterbrochen sind, wird das Start- oder Stop-Signal ausgelöst. Mit
einer Hand vor oder hinter dem Körper können nicht beide Schranken gleichzeitig unterbrochen
werden. Erst der Rumpf des Sportler bewirkt das. Somit ist die Doppellichtschrankenmessung
sehr exakt.

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 75


Leistungsbiomechanik
• Tappingtest
– Bei einem Tappingtest werden mit
Hilfe unserer Software die
wechselseitigen Kontakte der Beine
auf der Kontaktplatte gemessen. Es
werden ausgewertet:
– die Tappingfrequenz als Mittelert
über die schnellste Sekuinde der
Messdauer (gleitend)
– die Kontaktzeiten rechts und links
die Hubzeiten rechts und links
– Eine Grafik gibt eine übersichtliche
Darstellung des zeitlichen Verlaufs
des Tappingtests. Die Ergebnisse
werden in einer Datenbank
gespeichert und können exportiert
oder ausgedruckt werden.
KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 76
Leistungsbiomechanik
• Kraft(Schlagkraft)-Messung
– Messung der Schlag“kraft“ in kg / Joule
– Messung des übertragenen Impulses (Ns)
(Schub)
– Berechnung der Trefferwirkung
– Schnelligkeit der Schlagentwicklung in ms
– grafische Darstellung des Kraftverlaufs
– präzise Analyse und Bewertung von Schlag-
und Stoßtechniken in allen Kampfsportarten
– erlaubt Rückschlüsse bei fehlerhaften
Hand- und Fußtechniken
– Analyse des Kraftverlaufs mit Berechnung
und Anzeige der Trefferwirkung

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 77


Leistungsbiomechanik

Primäre Aufgabe:
Quantitative Beschreibung und Erklärung
sporttypischer Bewegungsabläufe, meistens durch
mathematische Modellierung.

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 78


Sportmotorische Tests für Kinder und Schule

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 79


Kritische Betrachtung – Münchner Fitnesstest

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 80


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KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 83
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KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 85
KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 86
Gruppenaufgabe
• Bildung von 4 Einzelgruppen

• BEISPIEL – SCHLAGKRAFTMESSUNG IM BOXEN


– Gruppe 1: Wo liegt der Fehler aus sportwissenschaftlicher Sicht in
dem gezeigten Video Karate vs. Boxen? Wie müßte man so einen
Vergleich wissenschaftlich haltbar durchführen?
– Gruppe 2: Welche Schlüsse kann ich aus dem Kurvenverlauf eines
Boxschlages ziehen? (Siehe Beispiel) Geben sie dem Sportler
Trainingstipps und Verbesserungen zur Maximierung der
Schlagkraft.
– Gruppe 3: Worin liegt das Problem, wenn man die Schlag“kraft“ in kg
angibt? Was bedeutet.. „der Boxer hat 300kg Schlagkraft“?
Interpretieren sie diesen Satz und erklären dies anhand eines
Beispiels.
– Gruppe 4: Im Video Karate vs. Boxen wird die Schlagkraft in Joule
(KJ) gemessen. Man spricht hier vom „Impulse“. Was bedeutet der
Impulse im Vergleich zur Messung in Kg?
KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 87
Video - Gruppenaufgabe

WAFFE MENSCH – KARATE vs. BOXEN

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 88


Auflösung Gruppenaufgabe
Frage 1: Wo liegt der Fehler aus sportwissenschaftlicher Sicht in dem
gezeigten Video Karate vs. Boxen? Wie müßte man so einen Vergleich
wissenschaftlich haltbar durchführen?
– Anthropometrische Daten beider Sportler stimmten nicht überein
– Trainingsgrad beider Sportler unterschiedlich ausgeprägt
– Boxer war Bruchtest völlig unbekannt, Karateka war darin geübt

Verbesserung:
– Mittelwertstudie mit mindesten N=5 Sportler (Bildung von Mittelwerten)
– Sportler im Vergleich sollten „gleichen“ Trainingsstand vorweisen
– Konzentration nur auf eine Schlagtechnik (keine Bruchtests)

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 89


Auflösung Gruppenaufgabe
Frage 2: Welche Schlüsse kann ich aus dem Kurvenverlauf eines
Boxschlages ziehen? (Siehe Beispiel) Geben sie dem Sportler
Trainingstipps und Verbesserungen zur Maximierung der Schlagkraft.
Der Graph zeigt den Verlauf
der Kraft über die Zeit während
des Aufpralls. Interessant sind
die Anstiegs- und Abfallzeiten
der Kraft sowie evtl.
vorhandene
Unregelmäßgigkeiten im
Verlauf, wie sie zum Beispiel
durch ein Wegknicken des
Handgelenks hervorgerufen
werden. Ein guter Schlag von
einem trainierten Kampfsportler
erzeugt einen schnellen
Kraftanstieg mit langsamerem
Abfall (durch die
Körperspannung hält die Kraft
länger).
KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 90
Auflösung Gruppenaufgabe

Frage 3: Worin liegt das Problem, wenn man die Schlag“kraft“ in kg


angibt? Was bedeutet.. „der Boxer hat 300kg Schlagkraft“?
Interpretieren sie diesen Satz und erklären dies anhand eines
Beispiels.
– Die Angabe der Schlagkraft in Kg ist nicht der richtige Wert, um die
tatsächliche Kraft zu messen. Der Begriff „Kraft“ stimmt hier auch nicht
ganz, denn es sollte eigentlich die „Leistung/ms“ gemessen werden.
– Wenn die Schlagkraftanzeige nach einem Schlag 300 kg anzeigt,
dann wirkte auf die Aufprallfläche für einen kurzen Moment die gleiche
Kraft, als läge der 'Schlagmesser' auf dem Boden mit einem
aufliegenden Gewicht von 300 kg.
– Die Wirkung ist also die gleiche, wie wenn man ein 300kg Gewicht
auflegen und sofort wieder entfernen würde. Hier wird dann auch die
Bedeutung des Impulses klar. Nimmt man das Gewicht langsamer
weg, ist die Wirkung größer, weil die Kraft über einen längeren
Zeitraum wirkt. Impuls ist Kraft mal Zeit. Liegt das Gewicht doppelt so
lange auf, ist der Impuls doppelt so groß.
KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 91
Auflösung zur Gruppenaufgabe
Gruppe 4: Im Video Karate vs. Boxen wird die Schlagkraft in Joule (KJ)
gemessen. Man spricht hier vom „Impulse“. Was bedeutet der Impulse
im Vergleich zur Messung in Kg?
– Der Impuls ist eine physikalische Größe, unter der man sich als Sportler
am besten den Schub eines Absprungs, Schlages oder Trittes vorstellt. Er
setzt sich zusammen aus Zeit und Kraft oder Gewicht und Geschwindigkeit.
Wichtig für den Kampfsportler ist: Der Impuls, der auf den Gegner
übertragen wird, öffnet die Deckung und lässt den Gegner rückwärts laufen.
– Der optimale Impulse eines Schlages wird mit maximaler Schnelligkeit
durchgeführt. Die antagonistischen Muskeln müssen hierfür möglichst
locker sein (psychischer Zustand hier wichtig). Die Bewegung darf nicht
kurz vor dem Ziel abgebremst werden, sonst nimmt die Trefferwirkung stark
ab. Die notwendige Anspannung der Muskulatur zur Gelenkversteifung
muss so spät wie möglich erfolgen. Wer viel mit Schlägen in die Luft
trainiert, hat hier Nachholbedarf. Bei Erreichen der Maximalkraft müssen
die beteiligten Gelenke maximal versteift werden. Dies vermeidet
Verletzungen und erhöht den Impuls, da die Kraft etwas länger gehalten
wird.
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Beispiel Kugelstoß

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 93


Beispiel Kugelstoß

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 94


Gründe für die Bestimmung

Ziel:
Die am Zustandekommen einer bestimmten Leistung
beteiligten Einflussfaktoren exakt zu bestimmen und
in Lern- und Trainingprozesse gezielt zu optimieren.

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 95


Gründe für die Bestimmung

Flugweite

Abflughöhe Abflugwinkel Abfluggeschwindigkeit

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 96


Präventive Biomechanik

Belastungsanalyse & Belastungsgestaltung

Beispiel:
Untersuchung verschiedener Hebetechniken. Es
wird ermittelt, mit welcher Technik die Belastung
der Wirbelsäule reduziert werden kann.

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 97


Wirbelsäulenbelastung

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 98


Wirbelsäulenbelastung

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 99


Begründung

Auf Grund anatomischer Gegebenheiten wird bei Hebevorgängen vor


allem der 5. Lendenwirbelkörper belastet. Bei den veranschaulichten
Hebebeispielen wirken insbesondere zwei Kräfte. Das Gewicht
GF=200 N der Hebellast und das Eigengewicht des Körpers GE=450
N. Da die Wirkungslinien der beiden Kräfte nicht direkt durch den 5.
Lendenwirbel verlaufen, wird die tatsächliche Belastung als Produkt
von Last und Lastarm berechnet. Demnach erzeugt Hebeltechnik 2
die geringste Gesamtlast auf den 5. Wirbelkörper. Hier wird die Last
zwischen den gebeugten Knien möglichst nah an der
Körperlängsachse bewegt und durch die Beinstreckung angehoben.
Diese Stellung bewirkt den kleinsten Eigenlastarm.

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 100


Anthropometrische Biomechanik

Frage:
Inwieweit beeinflußen Körperbaumerkmale die
sportliche Leistung?

Im Mittelpunkt stehen Prognosen über die Entwicklung


von Talenten, Kinder und Sportler im Anschlußbereich

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 101


Biomechanische Prinzipien
1. Prinzip des optimalen Beschleunigungswegs
z.B. Kugelstoßen - zu viel Drehungen verlangsamen Stoß
2. Prinzip der optimalen Tendenz des Beschleunigungsverlaufs
z.B. Anlauf Hochsprung vs. Boxen (mässigschnell-explosiv)
3. Prinzip der Anfangskraft
z.B. Gegenbewegungen als Vorbereitung für hohe Startkraft
4. Prinzip der zeitlichen Koordination von Einzelimpulsen
z.B. Speerwurf – Koordinierung von Einzelbewegungen
5. Prinzip der Gegenwirkung
z.B. Freier Fall – Körper fällt, Arme gehen nach oben
6. Prinzip der Impulserhaltung
z.B. (Sprung-) Rolle vw.
7. Prinzip der Impulsübertragung
z.B. Kippaufschwung (Gerätturnen)

KNS: Bewegungslehre I Daniel Gärtner 2011 102


Gruppenaufgabe:
Biomechanische Bewegungsanalyse
Gruppenaufgabe bis 13.00 Uhr:
- Einteilung in ihre Arbeitsgruppen
- Analyse einer frei wählbaren Bewegung aus dem Sport
- Schriftliche Analyse und Dokumentation der Bewegung
a) Welche Funktionsphasen findet man in dieser Bewegung?
b) Welche Biomechanischen Prinzipien werden wo sichtbar?
c) Welche Trainingsmöglichkeiten werden daraus abgeleitet?

Mittagspause 13.00 – 14.00 Uhr:

Gruppenaufgabe ab ca 14.00 Uhr:


- Treffen im Olympiastützpunkt (Leichtathletikhalle)
- Präsentation der Ergebnisse
a) in theoretischer Form
b) in praktischer Form
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Vielen Dank …

… für Ihre Aufmerksamkeit.

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