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Aktuelle Neuigkeiten zu Veranstaltungen im Dezember: Ausgabe 58 - Dezember 2010

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Pirna LINKS: Impressum:
https://asylsuchende.blogsport.de
www.pirnaerantifa.wordpress.com Die „attenzione“ versteht sich als al-
www.akubiz.de ternatives Informationsheft des Ver-
eins AKuBiZ e.V. - Extremismusklausel, nein danke!
http://pirratten.pi.funpic.de
http://elbsandstein.blogsport.de V.i.S.d.P.: AKuBiZ e.V. - In Diskussion: Erklärung des AKuBiZ
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- Im Gedenken: Stille Rebellen
www.kulturbuero-sachsen.de Erscheinungsweise: bis auf weiteres - Im Blick: Hintergrund der Ablehnung
www.attenzione-pirna.de einmal jeden Monat.
www.gedenkplaetze.info
In eigener Sache Zur Ablehnung des
Demokratiepreises
Gedenken an
Michael Gäbler! Gastbeitrag
Am 09. November wurde der Sächsische Demo- unsere Kooperationspartner_innen auszuleuch- Die Tat: per Hubschrauber im Tiefflug verfolgt. Als sich Sach-
kratiepreis 2010 verliehen. Der Verein AKuBiZ ten, erinnert eher an Methoden der Stasi und Der 18-jährige Michael Gäbler wird in den frühen sens Innenminister Heinz Eggert von der Schlagkraft
nahm den Preis nicht an und erklärte in einem nicht an die Grundlagen einer Demokratie. Morgenstunden des 20. November 1994 nach einer seiner Beamten überzeugen wollte, entging er nur
Schreiben seine Entscheidung: Techno-Party im offenen Jugendhaus „Rosa“ in Zit- knapp einer geworfenen Bierflasche. Der Vorfall ging
Uns stellt sich die Frage, warum die nominierten tau (Sachsen) von einem 17-Jährigen erstochen. später als „Anschlag“ in die Agenturen ein. Die De-
Vor wenigen Tagen forderten die Initiator_innen Initiativen nicht unterschreiben sollten, dass sie Über den Tatablauf gibt es widersprüchliche Angaben. monstration verlief dennoch ohne Zwischenfälle.
alle Nominierten auf, eine „antiextremistische“ sich den Menschenrechten verpflichtet fühlen Besucher des Jugendhauses erklären, dem späteren
Angreifer sei wegen „rechter Sprüche“ während der Der Prozess:
Grundsatzerklärung(1) zu unterschreiben, deren und dass sie humanistische Grundsätze teilen.
Party Hausverbot erteilt worden. Michael Gäbler und Im Juni 1995 befindet die Jugendkammer am Land-
Inhalt zweifelhaft und kritikwürdig ist. Wir haben Da dem nicht so ist, muss angenommen werden, ein Begleiter hätten vor dem Jugendhaus weiter mit gericht Görlitz, der 17-Jährige habe in „Notwehr“
dies, wie alle Anderen getan, sehen uns nun aber dass dies den Initiator_innen des Sächsischen dem 17-Jährigen darüber gestritten, warum er sich gehandelt, da er „zu Unrecht und mit Prügeln“ aus
in der Verantwortung davon zurück zu treten und Demokratiepreises nicht wichtig ist. Die Zustän- damit brüste, er sei „Nationalist“. dem Jugendhaus verwiesen worden sei. Zwar be-
Stellung zu beziehen. de in den Heimen für Asylsuchende untermau- Als sich Gäblers Begleiter von der verbalen Ausei- fand das Gericht, Michael Gäbler sei unbewaffnet
ern diese Vermutung. Stattdessen wurden wir nandersetzung abwendet, zieht der 17-Jährige un- gewesen und hätte H. nicht geschlagen. Dennoch
Im Schreiben heißt es, dass wir als Nominierte als antirassistische Initiative aufgefordert, die vermittelt ein Messer und sticht Michael Gäbler ins sei der Einsatz des Messers als „Verteidigungsmit-
nicht den Anschein erwecken dürfen „extremis- faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl Herz und in die Leber. Am 20.November 1994 stirbt tel“ gerechtfertigt gewesen, so der Vorsitzende Rich-
tische Strukturen“ zu unterstützen. Aber ab wann (Art. 16a GG) gut zu heißen, indem wir uns den Michael. ter. Der Prozess endet mit einem Freispruch für den
erwecken wir den Anschein? Die jahrelange Un- Zielen des Grundgesetzes kritiklos verpflichten. 17-Jährigen. Kritisiert werden muss hier die Aussa-
terstützung der Gegenaktivitäten zu Europas Der Täter – Toni H.: ge, dass H. zu Recht ein Messer als „Verteidigungs-
Bei dem 17 jährigen Jugendlichen handelt es sich um mittel“ eingesetzt habe. Niemand kam auf die Idee
größtem Naziaufmarsch in Dresden erfüllt nach Seit neun Jahren arbeiten wir ehrenamtlich in
den gebürtigen Waltersdorfer Toni H. Bis 1994 ging zu fragen, warum H. bei einer Technoparty ein Mes-
Ansicht der Behörden mit hoher Wahrscheinlich- der Region in Pirna für Menschenrechte und ge- er auf die Pestalozzischule in Großschönau und an- ser bei sich trägt.
keit diesen Punkt. Uns aber ist es ein Anliegen, gen rechtes Gedankengut. Bei mehr als 30 Ver- schließend auf die technische Fachschule in Zittau.
dass Nazis nicht ungestört durch die Straßen anstaltungen im Jahr leisten wir unseren Beitrag Mittlerweile ist H. verheiratet und arbeitet in Mün- Micha starb, weil Toni H. seinem Hass freien Lauf
laufen können, um ihre menschenverachtenden, zur Demokratieentwicklung im ländlichen Raum. chen. Täter und Opfer kannten sich aus der Schule. ließ. Wir können nicht mehr tun, als an ihn zu ge-
mörderischen Ideologien zu verbreiten. Für unser Engagement wurden wir angefeindet denken. Wir können nicht mehr tun, als den Kampf
und Mitglieder unseres Vereins erfuhren Bedro- Das Opfer – Michael Gäbler: um eine Gesellschaft frei von Unterdrückung, Ras-
Weiterhin fordert die Grundsatzerklärung die hungen, Körperverletzungen und Sachbeschä- Michael kleidete sich als Punk. In der Tatnacht war er sismus und Menschenfeindlichkeit weiterzuführen.
Pflicht ein, dass wir als Nominierte alle unsere digungen durch Brandanschläge. das erste Mal im offene Jugendhaus „Rosa“. Wir werden die Toten nicht vergessen.
Partner_innen auf „Extremismus“ prüfen. Dafür
schlagen die Verfasser_innen u.a. Nachfragen Unsere vielfältigen Projekte haben die Jury dazu Viele Menschen in Zittau konnten zum damaligen Quellen:
Zeitpunkt die Tat nicht einordnen. In Zittau gab es (1) www.infoladen-zittau.de
bei den Verfassungsschutzämtern vor. bewogen uns für den Sächsischen Demokratie-
zum damaligen Zeitpunkt ständige Auseinanderset- (2) http://antifalausitz.sytes.net/
Wir aber wählen seit Jahren unsere Partner_in- preis 2010 zu nominieren. Darüber haben wir zungen zwischen der linken und der rechten Szene. de.indymedia.org
nen danach aus, ob sie humanistische Grund- uns sehr gefreut, war es doch eine Bestätigung Am Sonnabend, dem 12.Dezember 1994, demons-
sätze teilen, sich gegen Diskriminierung und für unserer bisherigen Arbeit. trierten in Zittau etwa 500 Personen unter dem Motto
gesellschaftliche Teilhabe einsetzen. Wir glau- „Wut und Trauer über den Mord an Michael Gäbler“.
ben dies auch besser einschätzen zu können, Wir stehen für Menschenrechte, Chancengleich- Die Demonstranten forderten die „Aufklärung des
als der Verfassungsschutz, dem Gerichte wie- heit und Antirassismus. Für diese Ziele werden Mordes und des politischen Hintergrundes der Tat“,
derholt attestierten, fehleinzuschätzen. wir uns auch in Zukunft gemeinsam mit allen, die denn es wurde ein politischen Hintergrund vermutet.
unsere Grundsätze teilen, einsetzen. Deshalb Weiter forderten die Antifa‘s und die wenigen anwe-
Nach der Definition von Bundesregierung und lehnen wir diesen Preis ab, der uns viel bedeutet senden Zittauer_innen den „Stopp der Unterstützung
den Verfassungsschutzbehörden sind beispiels- und unsere Arbeit gewürdigt hätte! der Nationalisten in der Südstraße durch Stadt und
Land“. Dabei geht es um ein Haus, welches die fa-
weise Organisationen, die eine sozialistische
schistische Gruppe „Nationaler Jugendblock“ (NJB)
Gesellschaft anstreben als „extremistisch“ anzu- mit öffentlichen Geldern zum regionalen Nazi-Zen-
sehen. Danach wäre uns selbst eine Zusammen- trum ausgebaut hat.
arbeit mit der SPD oder der LINKEN untersagt. Während der Demo kam es zu Provokationen der
Die intransparente Kategorisierung von Initiati- massiv anwesenden Einsatzkräfte. Von einem Po-
ven, die sich gegen Rechts engagieren, werden lizeiwagen mit aufgebauter Aussichtsplattform aus
wir nicht mit einer unsolidarischen „Gesinnungs- wurde die Demonstration gefilmt. Der Bus mit Berliner
prüfung“ unterstützen. Die Aufforderung an uns, Antifa‘s wurde weit vor Zittau über mehrere Kilometer

02 attenzione 58 attenzione 58 11
Standpunkt II Gegen den
Generalverdacht!
Aus der Zeit des
Nationalsozialismus Im Gedenken
Gemeinsamer APPELL aus dem Kreis der Nomi- Preis für Demokratie auslobt. Die Forderung, die Neues Buch bei AKuBiZ Veranstaltung im Gedenken an den
nierten des sächsischen Demokratieförderpreises eigene demokratische Haltung ausdrücklich nach- Widerstand in der Sächsischen Schweiz
zuweisen, erzeugt einen Generalverdacht, den es Dank dem Aktionsnetzwerk Jena gibt es wie-
Am 9. November 2010 fand die Preisverleihung des Säch- dann im Einzelfall zu widerlegen gilt. Natürlich ste- der zwei neue Bücher in der Vereins-Bibliothek. Im Rahmenprogramm der Aktionswochen ge-
sischen Förderpreises für Demokratie 2010 in der Dresd- hen wir Nominierten Demokratie nicht feindlich ge-
Eines soll nun in dieser Ausgabe vorgestellt wer- gen Antisemitismus organisierte AKuBiZ eine
ner Frauenkirche statt. In feierlicher Atmosphäre sollten die genüber. Im Gegenteil, wir setzen uns mit unserer
den. Das Werk aus dem Aufbau-Verlag stammt Veranstaltung mit Joachim Schindler. Der
diesjährigen Preisträger/innen des Förderpreises für De- Arbeit täglich für die Verteidigung demokratischer
Grundwerte ein. Genau deswegen wurden wir für von Marion Schreiber und erzählt die Ereignisse Dresdener Historiker hat seinen Schwerpunkt
mokratie gewürdigt werden. Doch diese Würdigung hatte
den Demokratiepreis nominiert und ausgezeich- eines Überfalls auf den 20. Deportationszug nach auf dem Widerstand gegen den Nationalsozia-
es in sich. Staatssekretär Cohausz stellte in seiner Rede,
die er stellvertretend für den Ministerpräsidenten Tillich net! Auschwitz. lismus aus dem Bergsportmilieu. In der Stadt-
hielt, alle anwesenden Träger, Initiativen und Gruppen un- bibliothek berichtete er über die Versuche der
ter einen massiven Generalverdacht. Mit „schwerem Her- Wir Nominierten sehen eine massive Gefährdung Stille Rebellen Nazis, die sächsischen Kletterklubs für sich zu
zen“ hat die Staatsregierung die Entscheidung der Jury unserer Arbeit für Demokratie, wenn ein staatlicher gewinnen. So wurde im Juni 1934 der SA-Berg-
„toleriert“. Der staatlichen Unterstützung zivilgesellschaft- Extremismusverdacht gegen alle etabliert wird, die Drei junge Männer, ehemalige Schulfreunde, steigersturm gegründet. Doch der Zeitzeuge
licher Institutionen für ihren Einsatz für Demokratie und sich gegen Antisemitismus, Homophobie, Rassis- führten den Überfall durch. Aus dem belgischen Ehrlich erinnert sich: „Am Ende blieben dort nur
gegen menschenfeindliche Einstellungen und Ungleich- mus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Mechelen rollte der Zug zum Vernichtungslager einige Leute hängen, die wir alle nicht so Ernst
wertigkeitsideologien kommt gerade in Ostdeutschland engagieren. Durch den unpräzisen und wissen-
Auschwitz. Um den Zug zum Anhalten zu zwin- genommen haben.“ Nach dem so genannten
eine zentrale Aufgabe zu. In den letzten Jahren hat sich in schaftlich fragwürdigen Begriff des „Extremismus“
gen, stellten die Partisanen eine rote Laterne auf Röhm-Putsch fiel die SA und mit ihr der Berg-
Sachsen eine gute Zusammenarbeit zwischen Staat und wird jedes Engagement für demokratische Grund-
werte politisch verdächtig gemacht. Projekten und die Gleise. Nur mit ein paar Kneifzangen wollten steigersturm in Ungnade und verlor nach nicht
Zivilgesellschaft zu dieser Thematik entwickelt. Zugleich
Initiativen wird zugemutet, sich selbst, ihre Mitar- sie dann die Waggons aufbrechen und die Men- einmal einem Monat seines Bestehens an Be-
wird das Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus,
Sozialdarwinismus, Homophobie und andere Ungleich- beiter/innen und Kooperationspartner/innen anti- schen befreien. Die Flucht gelingt, doch der Hass deutung.
wertigkeitsideologien häufig als „Linksextremismus“ dif- demokratischer Tendenzen zu verdächtigen und der Nazis traf die Befreier des Zugs. Sie wurden Doch unter den Bergsportler_innen gab es
famiert. Diese Zielrichtung verfolgt die NPD, welche sy- entsprechend zu überwachen. Wir sind Vereine gefasst und kamen selbst ins KZ. Ihr Anführer auch mutige Menschen, die nicht mit der ras-
stematisch und kontinuierlich versucht, demokratische und Initiativen für Demokratie und gegen neona- Youra Livchitz wurde am 2. Juni 1943 zum Tode sistischen Ideologie stimmten. Der Bergstei-
Initiativen und Vereine als „Linksextremisten“ zu verun- zistische Denkweisen, keine staatlichen Überwa- verurteilt und erschossen. Diejenigen, die sich ger und Feuerwehrmann Alfred Neugebauer
glimpfen. Mit Bestürzung müssen wir feststellen, dass die chungsbehörden. befreien konnten, verdanken ihr Leben den drei rettete bei dem Einsatz während der Reichs-
momentanen Entwicklungen in dieselbe Richtung gehen. Widerstandskämpfern. Das Buch erinnert an die pogromnacht den Davidstern der Dresdener
Staatlich verordnetes Misstrauen gegenüber den
mutige Tat und ist mit privaten Dokumenten und Synagoge, versteckte ihn bei sich und übergab
Im Vorfeld der Preisverleihung sind wir, die Nominierten, Bürgerinnen und Bürgern ist mit einer demokra-
Polizeiberichten ausgestattet. ihn nach Kriegsende an den Vorsitzenden der
aufgefordert worden, eine BESTÄTIGUNG für das säch- tischen politischen Kultur nicht vereinbar. Enga-
gierte Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht allein „ Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Jüdischen Gemeinde.
sische Innenministerium zu unterzeichnen. Diese enthielt
deshalb automatisch verdächtigt werden, weil sie Welt!“ heißt es im Talmud. 1537 Menschen aus Ein weiterer Bekannter war der spätere Au-
neben dem Bekenntnis „zur freiheitlich demokratischen
Grundordnung der BRD“ und dem Passus die „… eine engagiert sind. Belgien wurden als „Gerechte unter den Völkern“ tor Max Zimmering. Er war Mitglied einer jü-
den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit gewähr- anerkannt. dischen Jugendbewegung, der Roten Hilfe
leisten.“ auch die Aufforderung, „… im Rahmen unserer Wir lassen uns nicht zu Überwachungsbehörden und der Kommunistischen Partei. Fünf Jahre
Möglichkeiten […] und auf eigene Verantwortung dafür der Staatsregierung machen! Wir Nominierten (Stille Rebellen, Aufau-Verlag, Berlin 2000, unter wohnte er in Pirna auf der Badergasse (Ecke
Sorge zu tragen, dass die als Partner ausgewählten Or- fordern die sächsische Staatsregierung auf, zur 10 Euro) Lange Straße). Aber auch Plätze erzählen
ganisationen, Referenten etc. sich ebenfalls zu den Zielen Zusammenarbeit mit den demokratischen und an- die Geschichte der Widerstandsbewegung im
des Grundgesetzes verpflichten.“ Den Nominierten solle tirassistischen Initiativen in Sachsen zurückzukeh- ehemaligen Landkreis Sächsischen Schweiz.
bewusst sein, „dass keinesfalls der Anschein erweckt wer- ren, denn nur mit gemeinsamen Kräften können
Neben bekannten Stellen, hörten die Teilneh-
den darf, dass eine Unterstützung extremistischer Struk- neonazistische Organisationen geschwächt und
menden des Vortrags auch über Verstecke am
turen […] Vorschub geleistet wird.“ weit verbreitete menschenfeindliche Einstellungen
in Sachsen eingedämmt werden. Kiessee Pirna-Copitz.
Wir Nominierten bitten auch alle betroffenen Kol- Es gäbe so viel zu berichten, zu recherchieren
Wir Nominierten sind verärgert darüber, dass uns nur we-
nige Tage vor der Preisvergabe mit hohem Druck und ohne leginnen und Kollegen, Initiativen und Projekte in- und nachzuforschen, dass wir wohl noch lange
jegliche Information über die Notwendigkeit und Gründe und außerhalb Sachsens unserem Appell zu fol- mit dem Thema beschäftigt sein werden. Ne-
eine derartige BESTÄTIGUNG abverlangt wurde. gen. Lasst uns einen gemeinsamen Weg suchen ben Joachim Schindler war auch Hugo Jensch
und diesen auch gehen. („Juden in Pirna“) gekommen, so dass Fragen
Wir Nominierten finden es unverständlich, dass die säch- von zwei Seiten beantwortet werden konnten.
sische Staatsregierung genau jenen Initiativen ein Be- Unterzeichnet von den Nominierten des säch- Eine rundum gute Veranstaltung am 22.11.!
kenntnis zur Demokratie abverlangt, an die sie einen sischen FÖRDERPREISES für DEMOKRATIE
Sachsen, 20. November 2010
10 attenzione 58 attenzione 58 03
In eigener Sache Neues von
AKuBiZ e.V.
Wo war
AKuBiZ e.V. Rückblick
„Torte, Bücher und Applaus“ Aktionswochen gegen Antisemitismus
Eine folgenreiche Ablehnung und Vereine unterzeichneten die Erklärung - von
Gewerkschaften bis zur Kirche. Einsicht für die
Kommunen suchen Strategien gegen Rechts! Am 03.11. lud die Amadeu-Antonio-Stiftung zur
Im September 2010 bewarb sich der Verein Problematik der Erklärung kam aus dem Staats-
Das ist nichts Neues und deshalb lud die Stadt Eröffnung der Aktionswochen ein. Dafür gab es
AKuBiZ e.V. um den Sächsischen Demokratie- ministerium allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.
Jena zum zweiten Mal zu einer Konferenz ein. eine Pressekonferenz in Berlin. Auf dem Podium
preis, der jährlich von der Amadeu-Antonio-Stif- Der ehemalige Pirnaer Bürgermeister Markus
Jena steht seit Jahren für engagiertes Eintreten saßen neben Stephan Kramer und Cem Özdemir
tung ausgelobt wird. Eine achtköpfige Jury un- Ulbig - nun Innenminister von Sachsen - nannte
gegen rechtes Gedankengut und für eine gute auch Steffen Richter, der Vereinsvorsitzende des
terschiedlicher Initiativen, nominierte den Verein in seiner Pressemitteilung die Ablehnung „scho-
Zusammenarbeit zwischen Vereinen und der AKuBiZ. „Geschichte muss lokal aufgearbeitet
für seine Arbeit. Neben uns waren neun weitere ckierend und alarmierend“. Er sieht die Grenzen
Stadtverwaltung. Deshalb hatte Oberbürgermei- und so für die Menschen vor Ort greifbarer wer-
Demokratieprojekte aus 80 Bewerbungen aus- der Demokratie überschritten „wenn Teile des
ster Dr. Albrecht Schröter Vertreter_innen von den. Wir müssen verstehen, dass die Verfolgung
gewählt worden. Unter ihnen „Augen auf!“ aus Grundgesetzes und damit die Grundlagen un-
Kommunen und zivilgesellschaftlichen Initiativen der Jüdinnen und Juden auch in „unserer“ Regi-
Zittau, „Pax Christi“ aus Dresden und das „Anti- seres Gemeinwesens kritisiert werden.“
Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts onen geschah.“ sagte Richter.
diskriminierungsbüro“ aus Leipzig. Der Innenminister spielte damit auf die Kritik der
eingeladen. An der Finanzierung beteiligten sich Ein Beispiel dafür ist das Lager, welches von 10.
Kurz nach Bekanntgabe der Nominierungen Pirnaer am Artikel 16a (Asylrecht) an. Kritisieren
aber auch die Landeszentralen für politische Bil- Januar 1945 bis Mitte April 1945 bestand. Am
erhielten die Vereine ein Schreiben, in dem sie nein, ändern ja! Zwar ist wohl die Kritik an der
dung in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Standort - nahe des jetzigen Kaufparks „Kauf-
eine Grundsatzerklärung unterzeichnen sollten. derzeitigen Asylpolitik der BRD nicht demokra-
land“ - waren über 130 Häftlinge registriert. Die
Nach anfänglicher Skepsis unterzeichnete AKu- tisch, die Änderung des Artikel 16a im Juni 1993
Die Diskussionen gingen vor allem um die Zu- meisten von ihnen kamen nach den Bombenan-
BiZ dann, wie alle anderen, die Erklärung, da die aber demokratisch.
sammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen griffen auf Dresden nach Pirna.
politischen Konsequenzen dieser nicht gleich Mittlerweile hat die regionale und bundesweite
Initiativen und den Verwaltungen vor Ort. Es wur- Damit solche Plätze nicht vergessen werden,
abgesehen werden konnten. Lange Gespräche Presse dafür gesorgt, dass sich mehrere Initiati-
de besprochen, wie auf rechte Veranstaltungen hat der Verein in Kooperation mit der Stadt Pirna
führten aber dazu, sich zu entscheiden, den ven gegen die Klausel gegründet haben. So ver-
oder den Kauf von Immobilien reagiert werden und durch Förderung des Lokalen Aktionsplanes
Preis dann doch nicht anzunehmen. Der Wirbel, suchen Politikwissenschaftler_innen um Roland
kann. Aber auch Möglichkeiten zivilen Ungehor- einen Gedenkflyer gestaltet. Im Dezember wird
den wir dadurch verursachten, war nicht abzuse- Roth mit der Petition „Aufruf gegen Generalver-
sams wurden besprochen. „Die Blockaden ha- dieser in den druck gehen und dann an Informati-
hen, stimmt aber zufrieden! dacht und Bekenntniszwang“ Unterschriften zu
ben im Laufe der Zeit zu einer Zivilisierung der onsstellen ausliegen.
Eine der ersten offiziellen Verlautbarungen war sammeln. Täglich unterschreiben dort rund 100
Proteste beigetragen, jetzt muss eine Zivilisie-
ein Statement des Landtagsabgeordneten Vol- Menschen.
rung der Polizeieinsätze folgen. Das Votum der
ker Bandmann (CDU), der erklärte, er finde es Auch in Land- und Bundestag versuchen die
Konferenz ist eindeutig: Wir fordern eine Kenn-
„absurd zu erwarten, dass der Staat mit Steu- Oppositionsparteien mit Anfragen eine Klärung
zeichnungspflicht der Polizeibeamten bei allen
ergeldern seiner Bürger kriminelle Gruppen der umstrittenen Klausel zu erwirken. Damit hat
Einsätzen“, sagte Albrecht Schröter. Denn jeder
unterstützt, die unsere freiheitlich-demokrische AKuBiZ eine erneute Debatte um „Extremismus“
Demonstrant müsse ein identifizierbares Gegen-
Grundordnung ablehnen“. Und schon war der entfacht. Das Ausschlagen der 10.000 Euro hat-
über bekommen.
für Demokratiearbeit ausgezeichnete Verein te keine finanziellen Konsequenzen. Der Freun-
eine kriminelle Gruppe. Die Mehrheit der Pres- deskreis der Amadeu-Antonio-Stiftung hat die
Die inhaltliche Mitgestaltung der Konferenz wird
semitteilungen solidarisierte sich aber mit der 10.000 Euro überwiesen. Anatte Kahane, die
vom Jenaer Aktionsnetzwerk übernommen. Am
Entscheidung des Pirnaer Vereins. So unter- Vorsitzende der Stiftung, erklärte: „Die Reaktion
Freitag Abend übergaben dessen Mitglieder ei-
schrieben alle großen sächsischen Initiativen des AKuBiZ zeigt, dass wir genau den richtigen
nen kleinen Preis an Steffen Richter vom Verein
die Erklärung. Auch SPD, DIE GRÜNE und DIE Preisträger ausgewählt haben.“ Der Verein be-
AKuBiZ e.V. Die Pirnaer hatten am 09. November
LINKE unterstützten AKuBiZ. So meinte Henning dankt sich für dieses Statement!
die Nominierung für den Sächsischen Förder-
Homann (MdL SPD): „Demokratisches Engage-
preis für Demokratie abgelehnt. „Wir begrüssen
ment basiert auf Vertrauen. Die Extremismus-
diese mutige Entscheidung sehr und sprechen
klausel der Staatsregierung ist jedoch ein Doku-
dem AKuBiZ unserer Hochachtung und unsere
ment des Misstrauens.“ Auch Miro Jennerjahn
Solidarität aus.“ sagte Christoph Ellinghaus vom
(MdL DIE GRÜNEN) äußerte sich zur Klausel:
Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus. Ne-
„Nach der Weigerung sich unter einen extremis-
ben zwei tollen Büchern gab es eine Torte und
tischen Generalverdacht stellen zu lassen, steht
Applaus der 60 Teilnehmenden der Konferenz.
der Verein vor einer ungewissen Perspektive.“ In der Zeit vom 10. Januar 1945 bis Mitte April 1945 be- „Es ist mir bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in Im Pirnaer Lager interniert waren zunächst etwa 100

Wir bedanken uns für die Unterstützung, das


stand in Pirna-Mockethal-Zatzschke ein Außenlager des jenem Steinbruch, wo Stollen in den Felsen gegra- Häftlinge, vor allem Handwerker. Jeweils 30 Italiener und
bayrischen Konzentrationslagers Flossenbürg. ben wurden, für den Bau von Treibstofflagern, wie es Russen, 14 Polen sowie Angehörige neun weiterer Natio-

Der extra dafür eingerichtete Blog zur Ableh- Genau wie die anderen Außenlager in der Region Sächsi-
hieß, furchtbar waren, und dass die Gefangenen, nen. Unter ihnen auch fünf Juden, sie sollten Baracken für

Verständnis und die interessanten Gespräche


die aus Schwäche nicht mehr arbeiten konnten, mit ein größeres Häftlingslager errichten und wurden zu Stra-
sche Schweiz, Königstein und Porschdorf, unterstand das
Schlägen getötet wurden. Solche Vorfälle haben sich ßenbauarbeiten gezwungen.
Lager in Pirna-Mockethal-Zatzschke dem Geilenberg-Stab.

nung des Preises erreichte in kürzester Zeit bun-


sicher auch auf der Strecke zwischen dem Lager und
Edmund Geilenberg sollte die durch Luftangriffe zerstörte Nach Aussagen von Häftlingen waren zwei Baracken im
dem Steinbruch ereignet. Ich selbst habe die Tötung

und freuen uns auf die nächste Konferenz! Am


Treibstoffindustrie wieder in Gang bringen. Er war Wehr- Lager schon fertiggestellt, eine für die Gefangenen, eine
zweier meiner Kameraden miterlebt, die durch Un-
wirtschaftsführer und mit seinen Programmen verantwort- für die Wachmannschaften. Die Häftlinge sollten ein
terernährung völlig entkräftet waren, ein gewisser

desweites Interesse. Über 200 Einzelpersonen


lich für den Tod von tausenden Gefangenen. Für seine großes Lager für 2.000 Menschen aufbauen (wahr-
Andrea Cerlin und Not, beide aus Görz. Beide
Taten wurde er aber nie zur Verantwortung gezogen. Be- scheinlich für weitere Geilenberg-Projekte wie in König-
wurden durch Hiebe mit einer Spitzhacke getötet.“
wacht wurde das Außenlager durch den Kommandoführer stein und Porschdorf). Bisher ist noch unklar, wie viele Ba-
und SS-Oberscharführer Erich von Berg sowie durch weite- Über Morde an Häftlingen durch die SS-Leute, die unter racken letztlich hier standen, die Rede ist häufiger von 4–5
re SS-Bewacher. Gegen Berg ermittelte die Staatsanwalt- der Führung des Lagerkommandanten Erich von Berg Baracken. Das Lager war, nach Aussagen späterer Verhöre

04 attenzione 58 attenzione 58 schaft Würzburg, die Ermittlungen stellte sie aber 1979
wegen Verjährung ein.
Die Häftlinge mussten zum Teil Zwangsarbeit in den
standen, und dem kriminellen Lagerkapo Popowski, gibt
es mehrere Berichte ehemaliger Häftlinge.
Auf einem der ersten Transporte befanden sich auch An-
der Wachmannschaften, mit Stacheldrahtzaun umgeben
09
und hatte keine Wachtürme. In genaueren Aussagen wird
übereinstimmend die Lage am Waldrand und an der Bahn-
linie genannt.
Sandsteinstollen in der nahe gelegenen Herrenleite für die neliese Mietke, Mathilde Grascha und Hedwig Köhler, die
„Deutsche Gasolin AG“ Berlin leisten. Dort wurde seit ihre Erinnerungen im September 1945 in Mockethal zu Pro- Nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945
August 1944 unter den Decknamen tokoll gaben. Sie kamen mit mehreren Frauen aus dem KZ diente das Außenlager Pirna-Mockethal-Zatzschke als Auf-
Carnallit (HASAG Leipzig) und Rogenstein von der Organi- Ravensbrück. fanglager für Häftlinge aus den Flossenbürger Außenla-
sation Todt unter Ausnutzung ziviler Zwangsarbeiter Stol- gern in Dresden. Es wurden alle Frauen und die meisten
„In den Räumen unserer Baracken befanden sich
lensysteme gegraben und noch im selben Jahr in den Des- Männer aus dem Außenlager in der Schandauer Straße in
weder Betten noch Waschgelegenheiten sowie
tillationsanlagen „Ofen 19–22“ Erdöl destilliert. Es wurde Dresden für zwei Wochen nach Pirna Mockethal-Zatzschke
Aborte. Auch hier mussten wir, nur mit einer dünnen
Meinungen Zitate zur Ablehnung des
Demokratiepreises!
Gegen den
Generalverdacht! Standpunkt
Limbach-Oberfrohnaer Appell Prinzip des Rechtsstaates.
„Die dem Konflikt zugrunde liegende „Extre- „Der Druck auf jene zumeist ehrenamtlichen Ak-
Stellungnahme des Netzwerk Tolerantes Sach- Demokratie lebt von Vertrauen. Wir verwahren
mismustheorie“ ist unwissenschaftlich und teurinnen zivilgesellschaftlichen Engagements,
sen zur aktuellen Demokratie-Diskussion uns gegen Vereinnahmungsversuche seitens
behauptet ein allgemeines Phänomen zu be- der sich durch die neue Verfahrensweise ver- staatlicher Institutionen. Die von der Staats-
kämpfen das es in Realität gar nicht gibt. Was größert, führt die ständige Sorge um den Ver-
Mit großer Sorge beobachten wir, 20 Jahre nach regierung angekündigte Kontrollpflicht gegen-
es hingegen gibt sind – insbesondere in Sach- lust öffentlicher Förderung mit sich. Dies kann
der friedlichen Revolution, die demokratische über Projektpartner_innen fördert eine Kultur
sen – gewalttätige und parteiförmig organisier- jeder Zeit eintreten, sobald der vage Verdacht
Entwicklung im Freistaat Sachsen. Es beunru- des Misstrauens - zwischen Staat und Zivilge-
te Neofaschisten. Gegen diese hat sich das einer Zusammenarbeit mit vermeintlich extre-
higt uns, dass die Zivilgesellschaft zu „Demokra- sellschaft und auch zwischen den zivilgesell-
AkuBiZ stark engagiert, auch unter schwierigen mistischen Gruppierungen oder Personen auf-
tie-Bestätigungen“ genötigt werden soll, deren schaftlichen Akteuren. Wir wollen nicht in einer
Umständen. Es verdient dafür jede Unterstüt- kommt. Durch solche denunziatorischen Me-
Hintergrundverdacht nicht nachvollziehbar ist. Gesellschaft leben, die bestimmt ist von Gesin-
zung.“ VVN-BdA Bundesvereinigung thoden wird sich einem Zustand angenähert,
Dem widersprechen wir mit Nachdruck. In Lim- nungsprüfungen, Berufs- und Engagementver-
in dem allein der Staat entscheiden kann, wer boten.
bach-Oberfrohna haben wir beeindruckendes
„Die von der sächsischen Landesregierung weiterhin politisch aktiv sein darf und wer nicht.
und starkes zivilgesellschaftliches Engagement Wir begrüßen, dass nun bundesweit eine öffent-
und dem Bundesfamilienministerium verlangte Den jeweiligen Betroffenen würde dadurch die
erlebt: Eltern, die sich politisch für Ihre Kinder liche Diskussion darüber begonnen hat, wie wir
Erklärung stelle die wertvolle Demokratiearbeit finanzielle Grundlage für ihr Engagement ent-
einsetzten und deren Schutz die zuständigen Or- in Deutschland Demokratie verstehen, gestalten
vieler Gruppen, Initiativen und Organisationen zogen.“ Referat politische Bildung des StuRa
gane nicht gewährleisten konnten oder wollten. und leben wollen.
für Demokratie gegen Rechtsextremismus un- der Technischen Universität Dresden
Allein dadurch in eine politisch „verdächtige“ An dieser Debatte beteiligt sich das Netzwerk
ter Generalverdacht. Sie orientiert sich nicht an
Ecke zu geraten, halten wir für eine Gefährdung Tolerantes Sachsen gerne. Lassen Sie uns auf
den allgemeinen Menschenrechten als Grund- „Weil Menschen diese (humanistischen) Werte
der Demokratie. Augenhöhe miteinander reden und gemeinsam
lage für ein gelingendes Zusammenleben, son- vertreten, wurden sie in den letzten Jahren von
Ausgangspunkt demokratischer Gesellschaft mit allen demokratischen Kräften den Alltag ge-
dern an einem staatsfokussierten Demokra- Neonazis angefeindet und teilweise tätlich an-
sind für uns die Menschenrechte, wie sie in der stalten. Statt Erklärungen von uns zu verlangen,
tieverständnis. Wir erwarten sowohl von der gegriffen, es ist zynisch diese Menschen und
UN-Menschenrechts-Charta und der Europä- laden wir alle ein, uns zu besuchen. Lernen Sie
Bundesebene als auch vom Land Sachsen di- ihr Engagement unter nicht näher beschrie-
ischen Menschenrechtskonvention grundgelegt unsere Arbeit kennen und messen Sie uns da-
ese Erklärungen zurückzuziehen.“ benen Generalverdacht zu stellen. Demokratie
sind. Auch wenn sie stetig weiterentwickelt und ran.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche für Demo- lebt von kritischen Diskursen, wir verstehen die
interpretiert werden müssen, stellen sie den fun-
kratie gegen Rechtsextremismus Ablehnung des Preises als Beitrag in einem
damentalen Anspruch an unsere Arbeit dar. Aus Limbach-Oberfrohna, 20.11.2010
solchen Diskurs und begrüßen sie.“ 10. Landestreffen des Netzwerks „Tolerantes Sachsen“
diesem Anspruch wollen wir eine demokratische
„Aus unserer Erfahrung in der politischen Bil- DGB Jugend Sachsen
Alltagskultur mit gestalten und Demokratie über
dungsarbeit und aus zahlreichen wissenschaft- Das Netzwerk “Tolerantes Sachsen” ist eine
einen institutionellen Rahmen hinaus zu einer
lichen Studien speist sich die Erkenntnis, dass „Als seit Jahren anerkannte und etablierte Pro- Plattform lokaler Initiativen und Vereine, die kon-
Lebensform entwickeln.
sich das Modell einer demokratischen Gesell- jekte gegen Rechtsextremismus sind wir ent- kret und praktisch für die Stärkung einer demo-
Demokratische Kultur ist eine streitbare Kultur,
schaft mit problematischen „extremistischen setzt über den Generalverdacht der hier erho- kratischen und toleranten Alltagskultur in Sach-
die Dissens aushält und diesen für die Demokra-
Rändern“ nicht eignet, um das Phänomen weit ben wird. An der gesellschaftlichen Realität geht sen arbeiten.
tie nutzbar macht. Demokratie manifestiert sich
verbreiteter menschenverachtender und de- dieses Vorgehen vorbei. Nicht die, die sich po- Das Netzwerk “Tolerantes Sachsen” setzt sich
nicht allein in staatlichen Strukturen, sondern
mokratiefeindlicher Einstellungen treffend und litisch gegen Rassismus, Antisemitismus oder gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und
und gerade auch in einer aktiven Zivilgesell-
hilfreich zu beschreiben. Im Gegenteil führt Chauvinismus engagieren, sind das Problem, Rassismus in jeglicher Erscheinungsform zur
schaft. Demokratie ist niemals „fertig“. Sie lebt
ein solcher Blickwinkel nur allzu oft dazu, dass sondern jene, die solche Ungleichwertigkeitsvor- Wehr. Dabei gehen wir in unseren Arbeitsansät-
vom permanenten Diskurs und der politischen
Individuen und Initiativen, die sich für eine de- stellungen teilen.“ zen von dem Verständnis aus, dass diese men-
Einmischung der Bürger_innen. Sie ist somit
mokratische und humanistische Gesellschaft RAA Opferberatung und Kulturbüro Sachsen schenverachtenden Einstellungen und Diskurse
stetigem Wandel unterworfen.
einsetzten, unter Generalverdacht gestellt wer- keine Randerscheinungen sind, sondern in der
Zivilgesellschaft und staatliche Institutionen sind
den. Die von den Nominierten geforderte Un- Dies ist ein Auszug von vielen Mails und Erklä- Mitte unserer Gesellschaft entstehen. Im Netz-
nicht identisch. Zivilgesellschaft hat eine Kri-
terschrift einer „anti-extremistischen“ Grund- rungen, die wir bekommen haben. Über 200 Ein- werk sind fast 100 Initiativen und Vereine orga-
tik- und Kontrollfunktion gegenüber staatlichem
satzerklärung sehen wir als Zeichen eines zelpersonen und Vereine unterstützen unseren nisert, darunter AKuBiZ e.V.
Handeln. Bürgerinnen und Bürger existieren
solchen Verdachtes. Daher unterstützen wir Aufruf. Wir bedanken uns bei allen für ihre So-
nicht aus der „Gnade“ des Staates - in einer
die Entscheidung des Pirnaer AKuBiZ e.V., den lidarität und die Stellungnahmen. Wir bedauern
Demokratie ist jede_r zuerst Bürger_in aus ei-
Sächsischen Demokratiepreis abzulehnen.“ aber auch das Desinteresse des Sächischen In-
genem Recht. Erklären zu müssen, dass man
Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. nenministeriums an den Hintergründen unserer
demokratisch sei, widerspricht diesem zentralen
Ablehnung.

08 attenzione 58 attenzione 58 05
Standpunkt Keine Unterschrift
zum Generalverdacht!
Keine Unterschrift
zum Generalverdacht! Standpunkt
„Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorüber- Vertrauensgrundlage für unsere bisher erfolg- definiert Extremismus als „fundamentale Ableh- an Gesetz und Recht in Frage, wer sich gegen
gehende Sicherheit zu erwerben, verdienen we- reiche Demokratiearbeit in Frage stellen. nung des demokratischen Verfassungstaats“. Asylgesetzgebung und Abschiebung engagiert.
der Freiheit noch Sicherheit.“ (Benjamin Franklin, Das nun genau diejenigen, die tagein, tagaus Ebenso verpflichtet sich nicht vorbehaltlos den
1706–1790) Aus dem Selbstverständnis und den Zielen un- im flachen Land für Demokratie und Menschen- Zielen des Grundgesetzes, wer die faktische
seres Vereins ergibt sich zwangsläufig, dass wir rechte streiten, die ersten sind, die unter einen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl (Art. 16a
1. Demokratiearbeit bedeutet frei zu Sein von ausschließlich mit Kooperationspartner_innen zu- Generalverdacht gestellt werden, verwundert GG) kritisiert.Uns stellt sich deshalb die Frage,
gegenseitiger Bespitzelung sammenarbeiten, die sich den Menschenrechten sehr. Weit weg von Sicherheitsbestimmungen warum die nominierten Initiativen nicht unter-
und humanistischen Grundsätzen verpflichtet die Bundes- und Landespolitiker_innen zuteil schreiben sollten, dass sie sich den universellen
Die Erklärung fordert, dass wir als Nominierte fühlen. Wir glauben dies auch besser einschät- werden, setzen diese Initiativen sich mutig und Menschenrechten verpflichtet fühlen und dass
unsere Partner_innen auf „Extremismus“ prüfen. zen zu können, als der Verfassungsschutz, dem vor Ort für den Schutz und die Etablierung demo- sie humanistische Grundsätze teilen. Da dem
Dafür schlagen die Verfasser_innen u.a. Nach- Gerichte wiederholt attestierten, fehleinzuschät- kratischer Normen und Werte ein. So verübten nicht so ist, muss angenommen werden, dass
fragen bei den Verfassungsschutzämtern vor. zen. in diesem Jahr Neonazis einen Brandanschlag dies den Initiator_innen des Sächsischen De-
Die Aufforderung an eine nichtstaatliche Initiative Ein Beispiel hierfür ist die antifaschistische Zeit- auf das Auto eines AKUBIZ Mitglieds. mokratiepreises nicht wichtig ist. Die Zustände
ihre Partner_innen auszuspähen, erinnert eher schrift „LOTTA“ aus Nordrhein-Westfahlen. Dem Zum Dank dafür, werden wir als nichtstaatliche in den Heimen für Asylsuchende untermauern
an Methoden der Stasi und nicht an ein demo- Verfassungsschutz wurde vom Verwaltungs- Akteure nun unter einen Generalverdacht ge- diese Vermutung.
kratisches System. So verwundert es, dass 20 gericht Düsseldorf untersagt, die Zeitschrift in stellt. Wer soll da als nächstes folgen? Sämt-
Jahre nach der Wiedervereinigung aktiv, zur ge- seinem Jahresbericht aufzuführen. So stellte liche Freiwillige Feuerwehren, Sport- und Schul- Im Schreiben heißt es, dass wir als Nominierte
genseitigen Bespitzelung aufgefordert wird. Die das Gericht fest, dass „[der Verfassungsschutz] vereine, alle in der Jugendhilfe Aktiven? Wird nicht den Anschein erwecken dürfen „extremis-
Freiheit mit seinem/r Nachbar_in, Freund_innen selbst nicht davon ausgeht, dass im Falle [der uns allen in Zukunft – wenn im nächsten Jahr tische Strukturen“ zu unterstützen. Aber ab wann
und anderen politisch Aktiven ohne Vorbehalte LOTTA] (..) oder auch nur bei einzelnen Autoren wie angedacht die sog. Extremismusklausel Be- erwecken wir den Anschein? Die jahrelange Un-
sprechen zu können, ist eine der Grundsäulen von Beiträgen in der ‚LOTTA‘ verfassungsfeind- standteil von Fördermaßnahmen wird – eine De- terstützung der Gegenaktivitäten zu Europas
einer stabilen Demokratie. Wer bereit ist, solche liche Bestrebungen nachgewiesen sind.“ Trotz mokratiefeindlichkeit unterstellt. Bundesfamilien- größtem Naziaufmarsch in Dresden erfüllt nach
Werte in Frage zu stellen, stellt die Demokratie an allem hatte der Verfassungsschutz die Zeitschrift ministerin Schröder hat mit ihrer Aussage „Wer Ansicht der Behörden mit hoher Wahrscheinlich-
sich in Frage. Feinde der Demokratie sind nicht rechtswidrig in seinen Bericht aufgenommen. damit schon ein Problem hat, der demaskiert keit diesen Punkt. Uns aber ist es ein Anliegen,
diejenigen, die aktiv für ihre Erhaltung streiten, sich selbst.“ bereits jetzt klar gemacht, was sie dass Nazis nicht ungestört durch die Straßen
sondern diejenigen, die sie durch immer weitere Ähnlich ergeht es auch der renommierten „Verei- von uns allen hält. Im Gegensatz zu Frau Schrö- laufen können, um ihre menschenverachtenden,
Einschränkungen faktisch abschaffen. nigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der ders Annahme haben wir aber gar keine Maske mörderischen Ideologien zu verbreiten.
Antifaschisten“, die im Verfassungsschutzbericht auf, sondern setzen uns – unter Gefährdung un-
Die Erklärung verlangt von uns, dass wir “ … im verschiedener Bundesländer genannt wird. Darin serer Gesundheit und unseres Eigentums – tag- Wer ist überhaupt mit „extremistische Struk-
Rahmen unserer Möglichkeiten (Literatur, Kon- wurde den Opfern des Nationalsozialismus und täglich mit unseren Gesichtern und Namen ger- turen“ gemeint. Zum „Linksextremismus“ gibt es
takte zu anderen Vereinen/Trägern sowie Be- ihren Nachfahren, die seit dem Ende des Nati- ne für Demokratie ein. verschiedene Definitionen, tatsächlich wissen-
hörden, Referenzen, die jährlichen Verfassungs- onalsozialismus wachsam gegen neonazistische schaftlich fundierte Analyse sind nicht existent.
schutzberichte des Bundes und der Länder etc.) und demokratiefeindliche Bestrebungen mah- 3. Demokratiearbeit bedeutet aktives Streiten Nach der Definition von Bundesregierung und
und auf eigene Verantwortung dafür Sorge (zu) nen, ein unhaltbarer und beschämender Vorwurf für Menschenrechte den Verfassungsschutzbehörden werden mit
tragen (haben), dass die als Partner ausgewähl- gemacht. dem Begriff Bestrebungen von Personenzusam-
ten Organisationen, Referenten etc. sich eben- Mit der Erklärung sollen sich die nominierten In- menhängen bezeichnet, die an Stelle der beste-
falls den Zielen des Grundgesetzes verpflich- Staatliche Aufgaben – wie den Schutz der Ver- itiativen zur freiheitlich demokratischen Grund- henden Staats- und Gesellschaftsordnung eine
ten.“ fassung – überhaupt an nichtstaatliche Organi- ordung bekennen. Die fdGO fasst die unabän- sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaft
sationen abgeben zu wollen, ist darüber hinaus derlichen Grundprinzipien der Bundesrepublik oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Ge-
Praktisch bedeutet dies, dass wir gezwungen juristisch bedenklich. Die sogenannte Extremis- Deutschland zusammen. Dabei bezieht sie sich sellschaft etablieren wollen.
werden zu all unseren Partner_innen – von inter- musklausel ist daher derzeit Gegenstand eines lediglich in einem Punkt auf die im Grundgesetz Danach wäre uns selbst eine Zusammenarbeit
nationalen Partner_innen in der Zeitzeug_innen- Rechtsgutachtens zu ihrer Verfassungsmäßig- konkretisierten Menschenrechte, während alle mit der SPD oder der LINKEN untersagt, denn
arbeit, über Kirchgemeinden sowie im Bundes- keit. sechs weiteren Punkte der Legaldefinition im beide streben in ihrem Programm einen demo-
und Landtag vertretenen Parteien bis hin zu Sinne des § 4 des Bundesverfassungsschutzge- kratischen Sozialismus an. Warum auch nicht?
Flüchtlingen und anderen Vereinen – Anfragen 2. Demokratiearbeitet bedeutet keinem Gene- setzes (BVerfSchG) den Staat und seine Form Weder Grundgesetz noch fdGO schreiben eine
bei den genannten Institutionen zu stellen. Eine ralverdacht ausgesetzt zu sein festschreiben. Letztere können dabei durchaus Wirtschaftsordnung vor, Verstaatlichung ist nach
solche Regelanfrage würde zur permanenten den Menschenrechten entgegenstehen. So dem Grundgesetz explizit zulässig (Art. 15 GG).
gegenseitigen Überprüfung führen und somit die Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz stellt beispielsweise die Bindung der Exekutive

06 attenzione 58 attenzione 58 07
Standpunkt Keine Unterschrift
zum Generalverdacht!
Keine Unterschrift
zum Generalverdacht! Standpunkt
„Jene, die Freiheit aufgeben, um eine vorüber- Vertrauensgrundlage für unsere bisher erfolg- definiert Extremismus als „fundamentale Ableh- an Gesetz und Recht in Frage, wer sich gegen
gehende Sicherheit zu erwerben, verdienen we- reiche Demokratiearbeit in Frage stellen. nung des demokratischen Verfassungstaats“. Asylgesetzgebung und Abschiebung engagiert.
der Freiheit noch Sicherheit.“ (Benjamin Franklin, Das nun genau diejenigen, die tagein, tagaus Ebenso verpflichtet sich nicht vorbehaltlos den
1706–1790) Aus dem Selbstverständnis und den Zielen un- im flachen Land für Demokratie und Menschen- Zielen des Grundgesetzes, wer die faktische
seres Vereins ergibt sich zwangsläufig, dass wir rechte streiten, die ersten sind, die unter einen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl (Art. 16a
1. Demokratiearbeit bedeutet frei zu Sein von ausschließlich mit Kooperationspartner_innen zu- Generalverdacht gestellt werden, verwundert GG) kritisiert.Uns stellt sich deshalb die Frage,
gegenseitiger Bespitzelung sammenarbeiten, die sich den Menschenrechten sehr. Weit weg von Sicherheitsbestimmungen warum die nominierten Initiativen nicht unter-
und humanistischen Grundsätzen verpflichtet die Bundes- und Landespolitiker_innen zuteil schreiben sollten, dass sie sich den universellen
Die Erklärung fordert, dass wir als Nominierte fühlen. Wir glauben dies auch besser einschät- werden, setzen diese Initiativen sich mutig und Menschenrechten verpflichtet fühlen und dass
unsere Partner_innen auf „Extremismus“ prüfen. zen zu können, als der Verfassungsschutz, dem vor Ort für den Schutz und die Etablierung demo- sie humanistische Grundsätze teilen. Da dem
Dafür schlagen die Verfasser_innen u.a. Nach- Gerichte wiederholt attestierten, fehleinzuschät- kratischer Normen und Werte ein. So verübten nicht so ist, muss angenommen werden, dass
fragen bei den Verfassungsschutzämtern vor. zen. in diesem Jahr Neonazis einen Brandanschlag dies den Initiator_innen des Sächsischen De-
Die Aufforderung an eine nichtstaatliche Initiative Ein Beispiel hierfür ist die antifaschistische Zeit- auf das Auto eines AKUBIZ Mitglieds. mokratiepreises nicht wichtig ist. Die Zustände
ihre Partner_innen auszuspähen, erinnert eher schrift „LOTTA“ aus Nordrhein-Westfahlen. Dem Zum Dank dafür, werden wir als nichtstaatliche in den Heimen für Asylsuchende untermauern
an Methoden der Stasi und nicht an ein demo- Verfassungsschutz wurde vom Verwaltungs- Akteure nun unter einen Generalverdacht ge- diese Vermutung.
kratisches System. So verwundert es, dass 20 gericht Düsseldorf untersagt, die Zeitschrift in stellt. Wer soll da als nächstes folgen? Sämt-
Jahre nach der Wiedervereinigung aktiv, zur ge- seinem Jahresbericht aufzuführen. So stellte liche Freiwillige Feuerwehren, Sport- und Schul- Im Schreiben heißt es, dass wir als Nominierte
genseitigen Bespitzelung aufgefordert wird. Die das Gericht fest, dass „[der Verfassungsschutz] vereine, alle in der Jugendhilfe Aktiven? Wird nicht den Anschein erwecken dürfen „extremis-
Freiheit mit seinem/r Nachbar_in, Freund_innen selbst nicht davon ausgeht, dass im Falle [der uns allen in Zukunft – wenn im nächsten Jahr tische Strukturen“ zu unterstützen. Aber ab wann
und anderen politisch Aktiven ohne Vorbehalte LOTTA] (..) oder auch nur bei einzelnen Autoren wie angedacht die sog. Extremismusklausel Be- erwecken wir den Anschein? Die jahrelange Un-
sprechen zu können, ist eine der Grundsäulen von Beiträgen in der ‚LOTTA‘ verfassungsfeind- standteil von Fördermaßnahmen wird – eine De- terstützung der Gegenaktivitäten zu Europas
einer stabilen Demokratie. Wer bereit ist, solche liche Bestrebungen nachgewiesen sind.“ Trotz mokratiefeindlichkeit unterstellt. Bundesfamilien- größtem Naziaufmarsch in Dresden erfüllt nach
Werte in Frage zu stellen, stellt die Demokratie an allem hatte der Verfassungsschutz die Zeitschrift ministerin Schröder hat mit ihrer Aussage „Wer Ansicht der Behörden mit hoher Wahrscheinlich-
sich in Frage. Feinde der Demokratie sind nicht rechtswidrig in seinen Bericht aufgenommen. damit schon ein Problem hat, der demaskiert keit diesen Punkt. Uns aber ist es ein Anliegen,
diejenigen, die aktiv für ihre Erhaltung streiten, sich selbst.“ bereits jetzt klar gemacht, was sie dass Nazis nicht ungestört durch die Straßen
sondern diejenigen, die sie durch immer weitere Ähnlich ergeht es auch der renommierten „Verei- von uns allen hält. Im Gegensatz zu Frau Schrö- laufen können, um ihre menschenverachtenden,
Einschränkungen faktisch abschaffen. nigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der ders Annahme haben wir aber gar keine Maske mörderischen Ideologien zu verbreiten.
Antifaschisten“, die im Verfassungsschutzbericht auf, sondern setzen uns – unter Gefährdung un-
Die Erklärung verlangt von uns, dass wir “ … im verschiedener Bundesländer genannt wird. Darin serer Gesundheit und unseres Eigentums – tag- Wer ist überhaupt mit „extremistische Struk-
Rahmen unserer Möglichkeiten (Literatur, Kon- wurde den Opfern des Nationalsozialismus und täglich mit unseren Gesichtern und Namen ger- turen“ gemeint. Zum „Linksextremismus“ gibt es
takte zu anderen Vereinen/Trägern sowie Be- ihren Nachfahren, die seit dem Ende des Nati- ne für Demokratie ein. verschiedene Definitionen, tatsächlich wissen-
hörden, Referenzen, die jährlichen Verfassungs- onalsozialismus wachsam gegen neonazistische schaftlich fundierte Analyse sind nicht existent.
schutzberichte des Bundes und der Länder etc.) und demokratiefeindliche Bestrebungen mah- 3. Demokratiearbeit bedeutet aktives Streiten Nach der Definition von Bundesregierung und
und auf eigene Verantwortung dafür Sorge (zu) nen, ein unhaltbarer und beschämender Vorwurf für Menschenrechte den Verfassungsschutzbehörden werden mit
tragen (haben), dass die als Partner ausgewähl- gemacht. dem Begriff Bestrebungen von Personenzusam-
ten Organisationen, Referenten etc. sich eben- Mit der Erklärung sollen sich die nominierten In- menhängen bezeichnet, die an Stelle der beste-
falls den Zielen des Grundgesetzes verpflich- Staatliche Aufgaben – wie den Schutz der Ver- itiativen zur freiheitlich demokratischen Grund- henden Staats- und Gesellschaftsordnung eine
ten.“ fassung – überhaupt an nichtstaatliche Organi- ordung bekennen. Die fdGO fasst die unabän- sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaft
sationen abgeben zu wollen, ist darüber hinaus derlichen Grundprinzipien der Bundesrepublik oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Ge-
Praktisch bedeutet dies, dass wir gezwungen juristisch bedenklich. Die sogenannte Extremis- Deutschland zusammen. Dabei bezieht sie sich sellschaft etablieren wollen.
werden zu all unseren Partner_innen – von inter- musklausel ist daher derzeit Gegenstand eines lediglich in einem Punkt auf die im Grundgesetz Danach wäre uns selbst eine Zusammenarbeit
nationalen Partner_innen in der Zeitzeug_innen- Rechtsgutachtens zu ihrer Verfassungsmäßig- konkretisierten Menschenrechte, während alle mit der SPD oder der LINKEN untersagt, denn
arbeit, über Kirchgemeinden sowie im Bundes- keit. sechs weiteren Punkte der Legaldefinition im beide streben in ihrem Programm einen demo-
und Landtag vertretenen Parteien bis hin zu Sinne des § 4 des Bundesverfassungsschutzge- kratischen Sozialismus an. Warum auch nicht?
Flüchtlingen und anderen Vereinen – Anfragen 2. Demokratiearbeitet bedeutet keinem Gene- setzes (BVerfSchG) den Staat und seine Form Weder Grundgesetz noch fdGO schreiben eine
bei den genannten Institutionen zu stellen. Eine ralverdacht ausgesetzt zu sein festschreiben. Letztere können dabei durchaus Wirtschaftsordnung vor, Verstaatlichung ist nach
solche Regelanfrage würde zur permanenten den Menschenrechten entgegenstehen. So dem Grundgesetz explizit zulässig (Art. 15 GG).
gegenseitigen Überprüfung führen und somit die Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz stellt beispielsweise die Bindung der Exekutive

06 attenzione 58 attenzione 58 07
Meinungen Zitate zur Ablehnung des
Demokratiepreises!
Gegen den
Generalverdacht! Standpunkt
Limbach-Oberfrohnaer Appell Prinzip des Rechtsstaates.
„Die dem Konflikt zugrunde liegende „Extre- „Der Druck auf jene zumeist ehrenamtlichen Ak-
Stellungnahme des Netzwerk Tolerantes Sach- Demokratie lebt von Vertrauen. Wir verwahren
mismustheorie“ ist unwissenschaftlich und teurinnen zivilgesellschaftlichen Engagements,
sen zur aktuellen Demokratie-Diskussion uns gegen Vereinnahmungsversuche seitens
behauptet ein allgemeines Phänomen zu be- der sich durch die neue Verfahrensweise ver- staatlicher Institutionen. Die von der Staats-
kämpfen das es in Realität gar nicht gibt. Was größert, führt die ständige Sorge um den Ver-
Mit großer Sorge beobachten wir, 20 Jahre nach regierung angekündigte Kontrollpflicht gegen-
es hingegen gibt sind – insbesondere in Sach- lust öffentlicher Förderung mit sich. Dies kann
der friedlichen Revolution, die demokratische über Projektpartner_innen fördert eine Kultur
sen – gewalttätige und parteiförmig organisier- jeder Zeit eintreten, sobald der vage Verdacht
Entwicklung im Freistaat Sachsen. Es beunru- des Misstrauens - zwischen Staat und Zivilge-
te Neofaschisten. Gegen diese hat sich das einer Zusammenarbeit mit vermeintlich extre-
higt uns, dass die Zivilgesellschaft zu „Demokra- sellschaft und auch zwischen den zivilgesell-
AkuBiZ stark engagiert, auch unter schwierigen mistischen Gruppierungen oder Personen auf-
tie-Bestätigungen“ genötigt werden soll, deren schaftlichen Akteuren. Wir wollen nicht in einer
Umständen. Es verdient dafür jede Unterstüt- kommt. Durch solche denunziatorischen Me-
Hintergrundverdacht nicht nachvollziehbar ist. Gesellschaft leben, die bestimmt ist von Gesin-
zung.“ VVN-BdA Bundesvereinigung thoden wird sich einem Zustand angenähert,
Dem widersprechen wir mit Nachdruck. In Lim- nungsprüfungen, Berufs- und Engagementver-
in dem allein der Staat entscheiden kann, wer boten.
bach-Oberfrohna haben wir beeindruckendes
„Die von der sächsischen Landesregierung weiterhin politisch aktiv sein darf und wer nicht.
und starkes zivilgesellschaftliches Engagement Wir begrüßen, dass nun bundesweit eine öffent-
und dem Bundesfamilienministerium verlangte Den jeweiligen Betroffenen würde dadurch die
erlebt: Eltern, die sich politisch für Ihre Kinder liche Diskussion darüber begonnen hat, wie wir
Erklärung stelle die wertvolle Demokratiearbeit finanzielle Grundlage für ihr Engagement ent-
einsetzten und deren Schutz die zuständigen Or- in Deutschland Demokratie verstehen, gestalten
vieler Gruppen, Initiativen und Organisationen zogen.“ Referat politische Bildung des StuRa
gane nicht gewährleisten konnten oder wollten. und leben wollen.
für Demokratie gegen Rechtsextremismus un- der Technischen Universität Dresden
Allein dadurch in eine politisch „verdächtige“ An dieser Debatte beteiligt sich das Netzwerk
ter Generalverdacht. Sie orientiert sich nicht an
Ecke zu geraten, halten wir für eine Gefährdung Tolerantes Sachsen gerne. Lassen Sie uns auf
den allgemeinen Menschenrechten als Grund- „Weil Menschen diese (humanistischen) Werte
der Demokratie. Augenhöhe miteinander reden und gemeinsam
lage für ein gelingendes Zusammenleben, son- vertreten, wurden sie in den letzten Jahren von
Ausgangspunkt demokratischer Gesellschaft mit allen demokratischen Kräften den Alltag ge-
dern an einem staatsfokussierten Demokra- Neonazis angefeindet und teilweise tätlich an-
sind für uns die Menschenrechte, wie sie in der stalten. Statt Erklärungen von uns zu verlangen,
tieverständnis. Wir erwarten sowohl von der gegriffen, es ist zynisch diese Menschen und
UN-Menschenrechts-Charta und der Europä- laden wir alle ein, uns zu besuchen. Lernen Sie
Bundesebene als auch vom Land Sachsen di- ihr Engagement unter nicht näher beschrie-
ischen Menschenrechtskonvention grundgelegt unsere Arbeit kennen und messen Sie uns da-
ese Erklärungen zurückzuziehen.“ benen Generalverdacht zu stellen. Demokratie
sind. Auch wenn sie stetig weiterentwickelt und ran.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche für Demo- lebt von kritischen Diskursen, wir verstehen die
interpretiert werden müssen, stellen sie den fun-
kratie gegen Rechtsextremismus Ablehnung des Preises als Beitrag in einem
damentalen Anspruch an unsere Arbeit dar. Aus Limbach-Oberfrohna, 20.11.2010
solchen Diskurs und begrüßen sie.“ 10. Landestreffen des Netzwerks „Tolerantes Sachsen“
diesem Anspruch wollen wir eine demokratische
„Aus unserer Erfahrung in der politischen Bil- DGB Jugend Sachsen
Alltagskultur mit gestalten und Demokratie über
dungsarbeit und aus zahlreichen wissenschaft- Das Netzwerk “Tolerantes Sachsen” ist eine
einen institutionellen Rahmen hinaus zu einer
lichen Studien speist sich die Erkenntnis, dass „Als seit Jahren anerkannte und etablierte Pro- Plattform lokaler Initiativen und Vereine, die kon-
Lebensform entwickeln.
sich das Modell einer demokratischen Gesell- jekte gegen Rechtsextremismus sind wir ent- kret und praktisch für die Stärkung einer demo-
Demokratische Kultur ist eine streitbare Kultur,
schaft mit problematischen „extremistischen setzt über den Generalverdacht der hier erho- kratischen und toleranten Alltagskultur in Sach-
die Dissens aushält und diesen für die Demokra-
Rändern“ nicht eignet, um das Phänomen weit ben wird. An der gesellschaftlichen Realität geht sen arbeiten.
tie nutzbar macht. Demokratie manifestiert sich
verbreiteter menschenverachtender und de- dieses Vorgehen vorbei. Nicht die, die sich po- Das Netzwerk “Tolerantes Sachsen” setzt sich
nicht allein in staatlichen Strukturen, sondern
mokratiefeindlicher Einstellungen treffend und litisch gegen Rassismus, Antisemitismus oder gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und
und gerade auch in einer aktiven Zivilgesell-
hilfreich zu beschreiben. Im Gegenteil führt Chauvinismus engagieren, sind das Problem, Rassismus in jeglicher Erscheinungsform zur
schaft. Demokratie ist niemals „fertig“. Sie lebt
ein solcher Blickwinkel nur allzu oft dazu, dass sondern jene, die solche Ungleichwertigkeitsvor- Wehr. Dabei gehen wir in unseren Arbeitsansät-
vom permanenten Diskurs und der politischen
Individuen und Initiativen, die sich für eine de- stellungen teilen.“ zen von dem Verständnis aus, dass diese men-
Einmischung der Bürger_innen. Sie ist somit
mokratische und humanistische Gesellschaft RAA Opferberatung und Kulturbüro Sachsen schenverachtenden Einstellungen und Diskurse
stetigem Wandel unterworfen.
einsetzten, unter Generalverdacht gestellt wer- keine Randerscheinungen sind, sondern in der
Zivilgesellschaft und staatliche Institutionen sind
den. Die von den Nominierten geforderte Un- Dies ist ein Auszug von vielen Mails und Erklä- Mitte unserer Gesellschaft entstehen. Im Netz-
nicht identisch. Zivilgesellschaft hat eine Kri-
terschrift einer „anti-extremistischen“ Grund- rungen, die wir bekommen haben. Über 200 Ein- werk sind fast 100 Initiativen und Vereine orga-
tik- und Kontrollfunktion gegenüber staatlichem
satzerklärung sehen wir als Zeichen eines zelpersonen und Vereine unterstützen unseren nisert, darunter AKuBiZ e.V.
Handeln. Bürgerinnen und Bürger existieren
solchen Verdachtes. Daher unterstützen wir Aufruf. Wir bedanken uns bei allen für ihre So-
nicht aus der „Gnade“ des Staates - in einer
die Entscheidung des Pirnaer AKuBiZ e.V., den lidarität und die Stellungnahmen. Wir bedauern
Demokratie ist jede_r zuerst Bürger_in aus ei-
Sächsischen Demokratiepreis abzulehnen.“ aber auch das Desinteresse des Sächischen In-
genem Recht. Erklären zu müssen, dass man
Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. nenministeriums an den Hintergründen unserer
demokratisch sei, widerspricht diesem zentralen
Ablehnung.

08 attenzione 58 attenzione 58 05
In eigener Sache Neues von
AKuBiZ e.V.
Wo war
AKuBiZ e.V. Rückblick
„Torte, Bücher und Applaus“ Aktionswochen gegen Antisemitismus
Eine folgenreiche Ablehnung und Vereine unterzeichneten die Erklärung - von
Gewerkschaften bis zur Kirche. Einsicht für die
Kommunen suchen Strategien gegen Rechts! Am 03.11. lud die Amadeu-Antonio-Stiftung zur
Im September 2010 bewarb sich der Verein Problematik der Erklärung kam aus dem Staats-
Das ist nichts Neues und deshalb lud die Stadt Eröffnung der Aktionswochen ein. Dafür gab es
AKuBiZ e.V. um den Sächsischen Demokratie- ministerium allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.
Jena zum zweiten Mal zu einer Konferenz ein. eine Pressekonferenz in Berlin. Auf dem Podium
preis, der jährlich von der Amadeu-Antonio-Stif- Der ehemalige Pirnaer Bürgermeister Markus
Jena steht seit Jahren für engagiertes Eintreten saßen neben Stephan Kramer und Cem Özdemir
tung ausgelobt wird. Eine achtköpfige Jury un- Ulbig - nun Innenminister von Sachsen - nannte
gegen rechtes Gedankengut und für eine gute auch Steffen Richter, der Vereinsvorsitzende des
terschiedlicher Initiativen, nominierte den Verein in seiner Pressemitteilung die Ablehnung „scho-
Zusammenarbeit zwischen Vereinen und der AKuBiZ. „Geschichte muss lokal aufgearbeitet
für seine Arbeit. Neben uns waren neun weitere ckierend und alarmierend“. Er sieht die Grenzen
Stadtverwaltung. Deshalb hatte Oberbürgermei- und so für die Menschen vor Ort greifbarer wer-
Demokratieprojekte aus 80 Bewerbungen aus- der Demokratie überschritten „wenn Teile des
ster Dr. Albrecht Schröter Vertreter_innen von den. Wir müssen verstehen, dass die Verfolgung
gewählt worden. Unter ihnen „Augen auf!“ aus Grundgesetzes und damit die Grundlagen un-
Kommunen und zivilgesellschaftlichen Initiativen der Jüdinnen und Juden auch in „unserer“ Regi-
Zittau, „Pax Christi“ aus Dresden und das „Anti- seres Gemeinwesens kritisiert werden.“
Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts onen geschah.“ sagte Richter.
diskriminierungsbüro“ aus Leipzig. Der Innenminister spielte damit auf die Kritik der
eingeladen. An der Finanzierung beteiligten sich Ein Beispiel dafür ist das Lager, welches von 10.
Kurz nach Bekanntgabe der Nominierungen Pirnaer am Artikel 16a (Asylrecht) an. Kritisieren
aber auch die Landeszentralen für politische Bil- Januar 1945 bis Mitte April 1945 bestand. Am
erhielten die Vereine ein Schreiben, in dem sie nein, ändern ja! Zwar ist wohl die Kritik an der
dung in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Standort - nahe des jetzigen Kaufparks „Kauf-
eine Grundsatzerklärung unterzeichnen sollten. derzeitigen Asylpolitik der BRD nicht demokra-
land“ - waren über 130 Häftlinge registriert. Die
Nach anfänglicher Skepsis unterzeichnete AKu- tisch, die Änderung des Artikel 16a im Juni 1993
Die Diskussionen gingen vor allem um die Zu- meisten von ihnen kamen nach den Bombenan-
BiZ dann, wie alle anderen, die Erklärung, da die aber demokratisch.
sammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen griffen auf Dresden nach Pirna.
politischen Konsequenzen dieser nicht gleich Mittlerweile hat die regionale und bundesweite
Initiativen und den Verwaltungen vor Ort. Es wur- Damit solche Plätze nicht vergessen werden,
abgesehen werden konnten. Lange Gespräche Presse dafür gesorgt, dass sich mehrere Initiati-
de besprochen, wie auf rechte Veranstaltungen hat der Verein in Kooperation mit der Stadt Pirna
führten aber dazu, sich zu entscheiden, den ven gegen die Klausel gegründet haben. So ver-
oder den Kauf von Immobilien reagiert werden und durch Förderung des Lokalen Aktionsplanes
Preis dann doch nicht anzunehmen. Der Wirbel, suchen Politikwissenschaftler_innen um Roland
kann. Aber auch Möglichkeiten zivilen Ungehor- einen Gedenkflyer gestaltet. Im Dezember wird
den wir dadurch verursachten, war nicht abzuse- Roth mit der Petition „Aufruf gegen Generalver-
sams wurden besprochen. „Die Blockaden ha- dieser in den druck gehen und dann an Informati-
hen, stimmt aber zufrieden! dacht und Bekenntniszwang“ Unterschriften zu
ben im Laufe der Zeit zu einer Zivilisierung der onsstellen ausliegen.
Eine der ersten offiziellen Verlautbarungen war sammeln. Täglich unterschreiben dort rund 100
Proteste beigetragen, jetzt muss eine Zivilisie-
ein Statement des Landtagsabgeordneten Vol- Menschen.
rung der Polizeieinsätze folgen. Das Votum der
ker Bandmann (CDU), der erklärte, er finde es Auch in Land- und Bundestag versuchen die
Konferenz ist eindeutig: Wir fordern eine Kenn-
„absurd zu erwarten, dass der Staat mit Steu- Oppositionsparteien mit Anfragen eine Klärung
zeichnungspflicht der Polizeibeamten bei allen
ergeldern seiner Bürger kriminelle Gruppen der umstrittenen Klausel zu erwirken. Damit hat
Einsätzen“, sagte Albrecht Schröter. Denn jeder
unterstützt, die unsere freiheitlich-demokrische AKuBiZ eine erneute Debatte um „Extremismus“
Demonstrant müsse ein identifizierbares Gegen-
Grundordnung ablehnen“. Und schon war der entfacht. Das Ausschlagen der 10.000 Euro hat-
über bekommen.
für Demokratiearbeit ausgezeichnete Verein te keine finanziellen Konsequenzen. Der Freun-
eine kriminelle Gruppe. Die Mehrheit der Pres- deskreis der Amadeu-Antonio-Stiftung hat die
Die inhaltliche Mitgestaltung der Konferenz wird
semitteilungen solidarisierte sich aber mit der 10.000 Euro überwiesen. Anatte Kahane, die
vom Jenaer Aktionsnetzwerk übernommen. Am
Entscheidung des Pirnaer Vereins. So unter- Vorsitzende der Stiftung, erklärte: „Die Reaktion
Freitag Abend übergaben dessen Mitglieder ei-
schrieben alle großen sächsischen Initiativen des AKuBiZ zeigt, dass wir genau den richtigen
nen kleinen Preis an Steffen Richter vom Verein
die Erklärung. Auch SPD, DIE GRÜNE und DIE Preisträger ausgewählt haben.“ Der Verein be-
AKuBiZ e.V. Die Pirnaer hatten am 09. November
LINKE unterstützten AKuBiZ. So meinte Henning dankt sich für dieses Statement!
die Nominierung für den Sächsischen Förder-
Homann (MdL SPD): „Demokratisches Engage-
preis für Demokratie abgelehnt. „Wir begrüssen
ment basiert auf Vertrauen. Die Extremismus-
diese mutige Entscheidung sehr und sprechen
klausel der Staatsregierung ist jedoch ein Doku-
dem AKuBiZ unserer Hochachtung und unsere
ment des Misstrauens.“ Auch Miro Jennerjahn
Solidarität aus.“ sagte Christoph Ellinghaus vom
(MdL DIE GRÜNEN) äußerte sich zur Klausel:
Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus. Ne-
„Nach der Weigerung sich unter einen extremis-
ben zwei tollen Büchern gab es eine Torte und
tischen Generalverdacht stellen zu lassen, steht
Applaus der 60 Teilnehmenden der Konferenz.
der Verein vor einer ungewissen Perspektive.“ In der Zeit vom 10. Januar 1945 bis Mitte April 1945 be- „Es ist mir bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in Im Pirnaer Lager interniert waren zunächst etwa 100

Wir bedanken uns für die Unterstützung, das


stand in Pirna-Mockethal-Zatzschke ein Außenlager des jenem Steinbruch, wo Stollen in den Felsen gegra- Häftlinge, vor allem Handwerker. Jeweils 30 Italiener und
bayrischen Konzentrationslagers Flossenbürg. ben wurden, für den Bau von Treibstofflagern, wie es Russen, 14 Polen sowie Angehörige neun weiterer Natio-

Der extra dafür eingerichtete Blog zur Ableh- Genau wie die anderen Außenlager in der Region Sächsi-
hieß, furchtbar waren, und dass die Gefangenen, nen. Unter ihnen auch fünf Juden, sie sollten Baracken für

Verständnis und die interessanten Gespräche


die aus Schwäche nicht mehr arbeiten konnten, mit ein größeres Häftlingslager errichten und wurden zu Stra-
sche Schweiz, Königstein und Porschdorf, unterstand das
Schlägen getötet wurden. Solche Vorfälle haben sich ßenbauarbeiten gezwungen.
Lager in Pirna-Mockethal-Zatzschke dem Geilenberg-Stab.

nung des Preises erreichte in kürzester Zeit bun-


sicher auch auf der Strecke zwischen dem Lager und
Edmund Geilenberg sollte die durch Luftangriffe zerstörte Nach Aussagen von Häftlingen waren zwei Baracken im
dem Steinbruch ereignet. Ich selbst habe die Tötung

und freuen uns auf die nächste Konferenz! Am


Treibstoffindustrie wieder in Gang bringen. Er war Wehr- Lager schon fertiggestellt, eine für die Gefangenen, eine
zweier meiner Kameraden miterlebt, die durch Un-
wirtschaftsführer und mit seinen Programmen verantwort- für die Wachmannschaften. Die Häftlinge sollten ein
terernährung völlig entkräftet waren, ein gewisser

desweites Interesse. Über 200 Einzelpersonen


lich für den Tod von tausenden Gefangenen. Für seine großes Lager für 2.000 Menschen aufbauen (wahr-
Andrea Cerlin und Not, beide aus Görz. Beide
Taten wurde er aber nie zur Verantwortung gezogen. Be- scheinlich für weitere Geilenberg-Projekte wie in König-
wurden durch Hiebe mit einer Spitzhacke getötet.“
wacht wurde das Außenlager durch den Kommandoführer stein und Porschdorf). Bisher ist noch unklar, wie viele Ba-
und SS-Oberscharführer Erich von Berg sowie durch weite- Über Morde an Häftlingen durch die SS-Leute, die unter racken letztlich hier standen, die Rede ist häufiger von 4–5
re SS-Bewacher. Gegen Berg ermittelte die Staatsanwalt- der Führung des Lagerkommandanten Erich von Berg Baracken. Das Lager war, nach Aussagen späterer Verhöre

04 attenzione 58 attenzione 58 schaft Würzburg, die Ermittlungen stellte sie aber 1979
wegen Verjährung ein.
Die Häftlinge mussten zum Teil Zwangsarbeit in den
standen, und dem kriminellen Lagerkapo Popowski, gibt
es mehrere Berichte ehemaliger Häftlinge.
Auf einem der ersten Transporte befanden sich auch An-
der Wachmannschaften, mit Stacheldrahtzaun umgeben
09
und hatte keine Wachtürme. In genaueren Aussagen wird
übereinstimmend die Lage am Waldrand und an der Bahn-
linie genannt.
Sandsteinstollen in der nahe gelegenen Herrenleite für die neliese Mietke, Mathilde Grascha und Hedwig Köhler, die
„Deutsche Gasolin AG“ Berlin leisten. Dort wurde seit ihre Erinnerungen im September 1945 in Mockethal zu Pro- Nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945
August 1944 unter den Decknamen tokoll gaben. Sie kamen mit mehreren Frauen aus dem KZ diente das Außenlager Pirna-Mockethal-Zatzschke als Auf-
Carnallit (HASAG Leipzig) und Rogenstein von der Organi- Ravensbrück. fanglager für Häftlinge aus den Flossenbürger Außenla-
sation Todt unter Ausnutzung ziviler Zwangsarbeiter Stol- gern in Dresden. Es wurden alle Frauen und die meisten
„In den Räumen unserer Baracken befanden sich
lensysteme gegraben und noch im selben Jahr in den Des- Männer aus dem Außenlager in der Schandauer Straße in
weder Betten noch Waschgelegenheiten sowie
tillationsanlagen „Ofen 19–22“ Erdöl destilliert. Es wurde Dresden für zwei Wochen nach Pirna Mockethal-Zatzschke
Aborte. Auch hier mussten wir, nur mit einer dünnen
Standpunkt II Gegen den
Generalverdacht!
Aus der Zeit des
Nationalsozialismus Im Gedenken
Gemeinsamer APPELL aus dem Kreis der Nomi- Preis für Demokratie auslobt. Die Forderung, die Neues Buch bei AKuBiZ Veranstaltung im Gedenken an den
nierten des sächsischen Demokratieförderpreises eigene demokratische Haltung ausdrücklich nach- Widerstand in der Sächsischen Schweiz
zuweisen, erzeugt einen Generalverdacht, den es Dank dem Aktionsnetzwerk Jena gibt es wie-
Am 9. November 2010 fand die Preisverleihung des Säch- dann im Einzelfall zu widerlegen gilt. Natürlich ste- der zwei neue Bücher in der Vereins-Bibliothek. Im Rahmenprogramm der Aktionswochen ge-
sischen Förderpreises für Demokratie 2010 in der Dresd- hen wir Nominierten Demokratie nicht feindlich ge-
Eines soll nun in dieser Ausgabe vorgestellt wer- gen Antisemitismus organisierte AKuBiZ eine
ner Frauenkirche statt. In feierlicher Atmosphäre sollten die genüber. Im Gegenteil, wir setzen uns mit unserer
den. Das Werk aus dem Aufbau-Verlag stammt Veranstaltung mit Joachim Schindler. Der
diesjährigen Preisträger/innen des Förderpreises für De- Arbeit täglich für die Verteidigung demokratischer
Grundwerte ein. Genau deswegen wurden wir für von Marion Schreiber und erzählt die Ereignisse Dresdener Historiker hat seinen Schwerpunkt
mokratie gewürdigt werden. Doch diese Würdigung hatte
den Demokratiepreis nominiert und ausgezeich- eines Überfalls auf den 20. Deportationszug nach auf dem Widerstand gegen den Nationalsozia-
es in sich. Staatssekretär Cohausz stellte in seiner Rede,
die er stellvertretend für den Ministerpräsidenten Tillich net! Auschwitz. lismus aus dem Bergsportmilieu. In der Stadt-
hielt, alle anwesenden Träger, Initiativen und Gruppen un- bibliothek berichtete er über die Versuche der
ter einen massiven Generalverdacht. Mit „schwerem Her- Wir Nominierten sehen eine massive Gefährdung Stille Rebellen Nazis, die sächsischen Kletterklubs für sich zu
zen“ hat die Staatsregierung die Entscheidung der Jury unserer Arbeit für Demokratie, wenn ein staatlicher gewinnen. So wurde im Juni 1934 der SA-Berg-
„toleriert“. Der staatlichen Unterstützung zivilgesellschaft- Extremismusverdacht gegen alle etabliert wird, die Drei junge Männer, ehemalige Schulfreunde, steigersturm gegründet. Doch der Zeitzeuge
licher Institutionen für ihren Einsatz für Demokratie und sich gegen Antisemitismus, Homophobie, Rassis- führten den Überfall durch. Aus dem belgischen Ehrlich erinnert sich: „Am Ende blieben dort nur
gegen menschenfeindliche Einstellungen und Ungleich- mus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Mechelen rollte der Zug zum Vernichtungslager einige Leute hängen, die wir alle nicht so Ernst
wertigkeitsideologien kommt gerade in Ostdeutschland engagieren. Durch den unpräzisen und wissen-
Auschwitz. Um den Zug zum Anhalten zu zwin- genommen haben.“ Nach dem so genannten
eine zentrale Aufgabe zu. In den letzten Jahren hat sich in schaftlich fragwürdigen Begriff des „Extremismus“
gen, stellten die Partisanen eine rote Laterne auf Röhm-Putsch fiel die SA und mit ihr der Berg-
Sachsen eine gute Zusammenarbeit zwischen Staat und wird jedes Engagement für demokratische Grund-
werte politisch verdächtig gemacht. Projekten und die Gleise. Nur mit ein paar Kneifzangen wollten steigersturm in Ungnade und verlor nach nicht
Zivilgesellschaft zu dieser Thematik entwickelt. Zugleich
Initiativen wird zugemutet, sich selbst, ihre Mitar- sie dann die Waggons aufbrechen und die Men- einmal einem Monat seines Bestehens an Be-
wird das Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus,
Sozialdarwinismus, Homophobie und andere Ungleich- beiter/innen und Kooperationspartner/innen anti- schen befreien. Die Flucht gelingt, doch der Hass deutung.
wertigkeitsideologien häufig als „Linksextremismus“ dif- demokratischer Tendenzen zu verdächtigen und der Nazis traf die Befreier des Zugs. Sie wurden Doch unter den Bergsportler_innen gab es
famiert. Diese Zielrichtung verfolgt die NPD, welche sy- entsprechend zu überwachen. Wir sind Vereine gefasst und kamen selbst ins KZ. Ihr Anführer auch mutige Menschen, die nicht mit der ras-
stematisch und kontinuierlich versucht, demokratische und Initiativen für Demokratie und gegen neona- Youra Livchitz wurde am 2. Juni 1943 zum Tode sistischen Ideologie stimmten. Der Bergstei-
Initiativen und Vereine als „Linksextremisten“ zu verun- zistische Denkweisen, keine staatlichen Überwa- verurteilt und erschossen. Diejenigen, die sich ger und Feuerwehrmann Alfred Neugebauer
glimpfen. Mit Bestürzung müssen wir feststellen, dass die chungsbehörden. befreien konnten, verdanken ihr Leben den drei rettete bei dem Einsatz während der Reichs-
momentanen Entwicklungen in dieselbe Richtung gehen. Widerstandskämpfern. Das Buch erinnert an die pogromnacht den Davidstern der Dresdener
Staatlich verordnetes Misstrauen gegenüber den
mutige Tat und ist mit privaten Dokumenten und Synagoge, versteckte ihn bei sich und übergab
Im Vorfeld der Preisverleihung sind wir, die Nominierten, Bürgerinnen und Bürgern ist mit einer demokra-
Polizeiberichten ausgestattet. ihn nach Kriegsende an den Vorsitzenden der
aufgefordert worden, eine BESTÄTIGUNG für das säch- tischen politischen Kultur nicht vereinbar. Enga-
gierte Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht allein „ Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Jüdischen Gemeinde.
sische Innenministerium zu unterzeichnen. Diese enthielt
deshalb automatisch verdächtigt werden, weil sie Welt!“ heißt es im Talmud. 1537 Menschen aus Ein weiterer Bekannter war der spätere Au-
neben dem Bekenntnis „zur freiheitlich demokratischen
Grundordnung der BRD“ und dem Passus die „… eine engagiert sind. Belgien wurden als „Gerechte unter den Völkern“ tor Max Zimmering. Er war Mitglied einer jü-
den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit gewähr- anerkannt. dischen Jugendbewegung, der Roten Hilfe
leisten.“ auch die Aufforderung, „… im Rahmen unserer Wir lassen uns nicht zu Überwachungsbehörden und der Kommunistischen Partei. Fünf Jahre
Möglichkeiten […] und auf eigene Verantwortung dafür der Staatsregierung machen! Wir Nominierten (Stille Rebellen, Aufau-Verlag, Berlin 2000, unter wohnte er in Pirna auf der Badergasse (Ecke
Sorge zu tragen, dass die als Partner ausgewählten Or- fordern die sächsische Staatsregierung auf, zur 10 Euro) Lange Straße). Aber auch Plätze erzählen
ganisationen, Referenten etc. sich ebenfalls zu den Zielen Zusammenarbeit mit den demokratischen und an- die Geschichte der Widerstandsbewegung im
des Grundgesetzes verpflichten.“ Den Nominierten solle tirassistischen Initiativen in Sachsen zurückzukeh- ehemaligen Landkreis Sächsischen Schweiz.
bewusst sein, „dass keinesfalls der Anschein erweckt wer- ren, denn nur mit gemeinsamen Kräften können
Neben bekannten Stellen, hörten die Teilneh-
den darf, dass eine Unterstützung extremistischer Struk- neonazistische Organisationen geschwächt und
menden des Vortrags auch über Verstecke am
turen […] Vorschub geleistet wird.“ weit verbreitete menschenfeindliche Einstellungen
in Sachsen eingedämmt werden. Kiessee Pirna-Copitz.
Wir Nominierten bitten auch alle betroffenen Kol- Es gäbe so viel zu berichten, zu recherchieren
Wir Nominierten sind verärgert darüber, dass uns nur we-
nige Tage vor der Preisvergabe mit hohem Druck und ohne leginnen und Kollegen, Initiativen und Projekte in- und nachzuforschen, dass wir wohl noch lange
jegliche Information über die Notwendigkeit und Gründe und außerhalb Sachsens unserem Appell zu fol- mit dem Thema beschäftigt sein werden. Ne-
eine derartige BESTÄTIGUNG abverlangt wurde. gen. Lasst uns einen gemeinsamen Weg suchen ben Joachim Schindler war auch Hugo Jensch
und diesen auch gehen. („Juden in Pirna“) gekommen, so dass Fragen
Wir Nominierten finden es unverständlich, dass die säch- von zwei Seiten beantwortet werden konnten.
sische Staatsregierung genau jenen Initiativen ein Be- Unterzeichnet von den Nominierten des säch- Eine rundum gute Veranstaltung am 22.11.!
kenntnis zur Demokratie abverlangt, an die sie einen sischen FÖRDERPREISES für DEMOKRATIE
Sachsen, 20. November 2010
10 attenzione 58 attenzione 58 03
In eigener Sache Zur Ablehnung des
Demokratiepreises
Gedenken an
Michael Gäbler! Gastbeitrag
Am 09. November wurde der Sächsische Demo- unsere Kooperationspartner_innen auszuleuch- Die Tat: per Hubschrauber im Tiefflug verfolgt. Als sich Sach-
kratiepreis 2010 verliehen. Der Verein AKuBiZ ten, erinnert eher an Methoden der Stasi und Der 18-jährige Michael Gäbler wird in den frühen sens Innenminister Heinz Eggert von der Schlagkraft
nahm den Preis nicht an und erklärte in einem nicht an die Grundlagen einer Demokratie. Morgenstunden des 20. November 1994 nach einer seiner Beamten überzeugen wollte, entging er nur
Schreiben seine Entscheidung: Techno-Party im offenen Jugendhaus „Rosa“ in Zit- knapp einer geworfenen Bierflasche. Der Vorfall ging
Uns stellt sich die Frage, warum die nominierten tau (Sachsen) von einem 17-Jährigen erstochen. später als „Anschlag“ in die Agenturen ein. Die De-
Vor wenigen Tagen forderten die Initiator_innen Initiativen nicht unterschreiben sollten, dass sie Über den Tatablauf gibt es widersprüchliche Angaben. monstration verlief dennoch ohne Zwischenfälle.
alle Nominierten auf, eine „antiextremistische“ sich den Menschenrechten verpflichtet fühlen Besucher des Jugendhauses erklären, dem späteren
Angreifer sei wegen „rechter Sprüche“ während der Der Prozess:
Grundsatzerklärung(1) zu unterschreiben, deren und dass sie humanistische Grundsätze teilen.
Party Hausverbot erteilt worden. Michael Gäbler und Im Juni 1995 befindet die Jugendkammer am Land-
Inhalt zweifelhaft und kritikwürdig ist. Wir haben Da dem nicht so ist, muss angenommen werden, ein Begleiter hätten vor dem Jugendhaus weiter mit gericht Görlitz, der 17-Jährige habe in „Notwehr“
dies, wie alle Anderen getan, sehen uns nun aber dass dies den Initiator_innen des Sächsischen dem 17-Jährigen darüber gestritten, warum er sich gehandelt, da er „zu Unrecht und mit Prügeln“ aus
in der Verantwortung davon zurück zu treten und Demokratiepreises nicht wichtig ist. Die Zustän- damit brüste, er sei „Nationalist“. dem Jugendhaus verwiesen worden sei. Zwar be-
Stellung zu beziehen. de in den Heimen für Asylsuchende untermau- Als sich Gäblers Begleiter von der verbalen Ausei- fand das Gericht, Michael Gäbler sei unbewaffnet
ern diese Vermutung. Stattdessen wurden wir nandersetzung abwendet, zieht der 17-Jährige un- gewesen und hätte H. nicht geschlagen. Dennoch
Im Schreiben heißt es, dass wir als Nominierte als antirassistische Initiative aufgefordert, die vermittelt ein Messer und sticht Michael Gäbler ins sei der Einsatz des Messers als „Verteidigungsmit-
nicht den Anschein erwecken dürfen „extremis- faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl Herz und in die Leber. Am 20.November 1994 stirbt tel“ gerechtfertigt gewesen, so der Vorsitzende Rich-
tische Strukturen“ zu unterstützen. Aber ab wann (Art. 16a GG) gut zu heißen, indem wir uns den Michael. ter. Der Prozess endet mit einem Freispruch für den
erwecken wir den Anschein? Die jahrelange Un- Zielen des Grundgesetzes kritiklos verpflichten. 17-Jährigen. Kritisiert werden muss hier die Aussa-
terstützung der Gegenaktivitäten zu Europas Der Täter – Toni H.: ge, dass H. zu Recht ein Messer als „Verteidigungs-
Bei dem 17 jährigen Jugendlichen handelt es sich um mittel“ eingesetzt habe. Niemand kam auf die Idee
größtem Naziaufmarsch in Dresden erfüllt nach Seit neun Jahren arbeiten wir ehrenamtlich in
den gebürtigen Waltersdorfer Toni H. Bis 1994 ging zu fragen, warum H. bei einer Technoparty ein Mes-
Ansicht der Behörden mit hoher Wahrscheinlich- der Region in Pirna für Menschenrechte und ge- er auf die Pestalozzischule in Großschönau und an- ser bei sich trägt.
keit diesen Punkt. Uns aber ist es ein Anliegen, gen rechtes Gedankengut. Bei mehr als 30 Ver- schließend auf die technische Fachschule in Zittau.
dass Nazis nicht ungestört durch die Straßen anstaltungen im Jahr leisten wir unseren Beitrag Mittlerweile ist H. verheiratet und arbeitet in Mün- Micha starb, weil Toni H. seinem Hass freien Lauf
laufen können, um ihre menschenverachtenden, zur Demokratieentwicklung im ländlichen Raum. chen. Täter und Opfer kannten sich aus der Schule. ließ. Wir können nicht mehr tun, als an ihn zu ge-
mörderischen Ideologien zu verbreiten. Für unser Engagement wurden wir angefeindet denken. Wir können nicht mehr tun, als den Kampf
und Mitglieder unseres Vereins erfuhren Bedro- Das Opfer – Michael Gäbler: um eine Gesellschaft frei von Unterdrückung, Ras-
Weiterhin fordert die Grundsatzerklärung die hungen, Körperverletzungen und Sachbeschä- Michael kleidete sich als Punk. In der Tatnacht war er sismus und Menschenfeindlichkeit weiterzuführen.
Pflicht ein, dass wir als Nominierte alle unsere digungen durch Brandanschläge. das erste Mal im offene Jugendhaus „Rosa“. Wir werden die Toten nicht vergessen.
Partner_innen auf „Extremismus“ prüfen. Dafür
schlagen die Verfasser_innen u.a. Nachfragen Unsere vielfältigen Projekte haben die Jury dazu Viele Menschen in Zittau konnten zum damaligen Quellen:
Zeitpunkt die Tat nicht einordnen. In Zittau gab es (1) www.infoladen-zittau.de
bei den Verfassungsschutzämtern vor. bewogen uns für den Sächsischen Demokratie-
zum damaligen Zeitpunkt ständige Auseinanderset- (2) http://antifalausitz.sytes.net/
Wir aber wählen seit Jahren unsere Partner_in- preis 2010 zu nominieren. Darüber haben wir zungen zwischen der linken und der rechten Szene. de.indymedia.org
nen danach aus, ob sie humanistische Grund- uns sehr gefreut, war es doch eine Bestätigung Am Sonnabend, dem 12.Dezember 1994, demons-
sätze teilen, sich gegen Diskriminierung und für unserer bisherigen Arbeit. trierten in Zittau etwa 500 Personen unter dem Motto
gesellschaftliche Teilhabe einsetzen. Wir glau- „Wut und Trauer über den Mord an Michael Gäbler“.
ben dies auch besser einschätzen zu können, Wir stehen für Menschenrechte, Chancengleich- Die Demonstranten forderten die „Aufklärung des
als der Verfassungsschutz, dem Gerichte wie- heit und Antirassismus. Für diese Ziele werden Mordes und des politischen Hintergrundes der Tat“,
derholt attestierten, fehleinzuschätzen. wir uns auch in Zukunft gemeinsam mit allen, die denn es wurde ein politischen Hintergrund vermutet.
unsere Grundsätze teilen, einsetzen. Deshalb Weiter forderten die Antifa‘s und die wenigen anwe-
Nach der Definition von Bundesregierung und lehnen wir diesen Preis ab, der uns viel bedeutet senden Zittauer_innen den „Stopp der Unterstützung
den Verfassungsschutzbehörden sind beispiels- und unsere Arbeit gewürdigt hätte! der Nationalisten in der Südstraße durch Stadt und
Land“. Dabei geht es um ein Haus, welches die fa-
weise Organisationen, die eine sozialistische
schistische Gruppe „Nationaler Jugendblock“ (NJB)
Gesellschaft anstreben als „extremistisch“ anzu- mit öffentlichen Geldern zum regionalen Nazi-Zen-
sehen. Danach wäre uns selbst eine Zusammen- trum ausgebaut hat.
arbeit mit der SPD oder der LINKEN untersagt. Während der Demo kam es zu Provokationen der
Die intransparente Kategorisierung von Initiati- massiv anwesenden Einsatzkräfte. Von einem Po-
ven, die sich gegen Rechts engagieren, werden lizeiwagen mit aufgebauter Aussichtsplattform aus
wir nicht mit einer unsolidarischen „Gesinnungs- wurde die Demonstration gefilmt. Der Bus mit Berliner
prüfung“ unterstützen. Die Aufforderung an uns, Antifa‘s wurde weit vor Zittau über mehrere Kilometer

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Aktuelle Neuigkeiten zu Veranstaltungen im Dezember: Ausgabe 58 - Dezember 2010

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sa
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Pirna LINKS: Impressum:
https://asylsuchende.blogsport.de
www.pirnaerantifa.wordpress.com Die „attenzione“ versteht sich als al-
www.akubiz.de ternatives Informationsheft des Ver-
eins AKuBiZ e.V. - Extremismusklausel, nein danke!
http://pirratten.pi.funpic.de
http://elbsandstein.blogsport.de V.i.S.d.P.: AKuBiZ e.V. - In Diskussion: Erklärung des AKuBiZ
Postfach 100204; 01782 Pirna - Im Ausblick: Solikonzert in Dresden
www.vvnbda-sachsen.de
Internet: www.attenzione-pirna.de
www.raa-sachsen.de E-Mail: akubiz@gmx.de
- Im Gedenken: Stille Rebellen
www.kulturbuero-sachsen.de Erscheinungsweise: bis auf weiteres - Im Blick: Hintergrund der Ablehnung
www.attenzione-pirna.de einmal jeden Monat.
www.gedenkplaetze.info